QuantumScape: Zwei Gewinner-Scanner — und kein einziger Dollar Umsatz
Beide Filter melden dieselbe Aktie: „Bericht in den letzten Tagen, Schätzung geschlagen, Kurslücke nach oben.“ Nur beginnt die Gewinn- und Verlustrechnung von QuantumScape bei den Kosten — eine Umsatzzeile gibt es seit der Gründung 2010 nicht. „Die Schätzung geschlagen“ heißt hier: 0,16 statt 0,18 US-Dollar Verlust je Aktie. Und die Kurslücke am Tag nach dem Bericht ging um 5,96 Prozent nach unten. Wir rechnen nach, was diese Aktie ohne Gewinn und ohne Umsatz überhaupt kostet — und wie lange die 859 Millionen US-Dollar in der Kasse reichen.
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Es gibt eine Denkfalle, die so tief sitzt, dass sie beim Lesen gar nicht auffällt. Nennen wir sie den Umsatz-Reflex. Er geht so: Wenn irgendwo steht „das Unternehmen hat die Gewinnschätzung geschlagen“, dann denkt der Kopf automatisch an Gewinn. An etwas, das verkauft wurde. An Kunden, die gezahlt haben. Der Satz klingt nach einem Geschäft, das besser läuft als gedacht.
Bei QuantumScape Corporation (NASDAQ: QS) trägt dieser Reflex nicht. Denn dieses Unternehmen hat nichts verkauft. Nicht in diesem Quartal, nicht im letzten und in keinem Quartal seit der Gründung im Jahr 2010. Die Gewinn- und Verlustrechnung im Quartalsbericht beginnt nicht mit einer Umsatzzeile — sie beginnt mit den Kosten. „Die Schätzung geschlagen“ heißt hier deshalb genau eine Sache: Der Verlust fiel kleiner aus als erwartet. Minus 0,16 statt minus 0,18 US-Dollar je Aktie.
Trotzdem steht die Aktie am 28. Juli 2026 in zwei unserer Scanner, die beide gute Nachrichten nach Quartalszahlen suchen. Und wir finden, das ist kein Grund, den Titel zu übergehen — sondern ein guter Grund, sehr genau hinzuschauen: auf die Firma, auf die Filter und auf die Daten, aus denen unsere eigenen Listen entstehen.
Machen wir also einen Deal: Wir sehen nach, was in diesem Bericht wirklich stand, was die Technik dieses Unternehmens heute kann, wie lange das Geld reicht — und was eine Aktie kostet, für die es kein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt. Die Quellen sind die Berichte, die QuantumScape bei der US-Börsenaufsicht SEC einreicht. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.
Inhaltsübersicht
- Was QuantumScape eigentlich macht — und was davon geliefert ist
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — zweimal
- Was im Bericht vom 22. Juli 2026 stand
- Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Es gibt keine Umsatzzeile
- Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Kurslücke ging nach unten
- Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der kleinere Verlust kommt aus dem Vorjahr
- Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der einzige Kommerzialisierungspartner hat seinen Zahlungsrahmen gekürzt
- Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Geldverbrauch, Reichweite und die Aktienzahl
- Zwei Aktiengattungen — wer hier wirklich abstimmt
- Bewertung ohne Gewinn: Was diese Aktie tatsächlich kostet
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was QuantumScape eigentlich macht — und was davon geliefert ist
QuantumScape arbeitet an einem der ältesten Versprechen der Batterietechnik: einer Zelle ohne brennbaren flüssigen Elektrolyten zwischen den Polen. Das Herzstück ist ein keramischer Feststoff-Separator. Er trennt Kathode und Anode, lässt Lithium-Ionen durch und soll zugleich verhindern, dass sich beim Laden nadelförmige Lithium-Auswüchse — sogenannte Dendriten — durch die Zelle fressen und einen Kurzschluss auslösen.
Der zweite Baustein heißt im Firmenjargon anode-free: Die Zelle wird ohne Anode gefertigt. Die Lithium-Metall-Anode entsteht erst beim ersten Laden, aus Lithium, das aus dem Kathodenmaterial stammt. Fällt die Anode als Bauteil weg, fallen ihre Materialkosten und ihre Fertigungsschritte weg — und mit ihnen die Abhängigkeit von Graphit, das nach Angaben des Unternehmens fast ausschließlich aus China kommt.
Das Unternehmen wurde 2010 gegründet, sitzt in San Jose in Kalifornien und beschäftigte zum 31. Dezember 2025 rund 700 Menschen — nach einem Stellenabbau im Jahr 2025, der etwa 12 Prozent der Vollzeitkräfte betraf. Zum selben Stichtag hielt oder lizenzierte QuantumScape nach eigener Angabe mehr als 400 US-amerikanische und ausländische Patente und Patentanmeldungen.
Und jetzt der Teil, der beim Lesen von Pressemitteilungen gern verschwimmt — was ist belegt geliefert, und was ist angekündigt?
Belegt geliefert (nach den eigenen SEC-Berichten):
- 2022: erste A0-Prototypzellen an mehrere Autohersteller zum Test verschickt.
- 2023: das erste angepeilte kommerzielle Produkt benannt — die QSE-5, eine Zelle mit rund 5 Amperestunden Kapazität, über 800 Wattstunden je Liter Energiedichte und einer Schnellladefähigkeit von 10 auf 80 Prozent in unter 15 Minuten.
- 2024: Beginn der Fertigung erster B-Muster der QSE-5 in kleinen Stückzahlen, Auslieferung an Autokunden zum Test.
- 2025: erste öffentliche Vorführung — B1-Muster der QSE-5 trieben auf der IAA Mobility ein Elektromotorrad vom Typ Ducati V21L an, gemeinsam mit Volkswagen und PowerCo. Im selben Jahr wurde der höhere Separator-Durchsatzprozess „Cobra“ in die Basisfertigung übernommen und die hochautomatisierte Pilotlinie in San Jose installiert.
- Februar 2026: Einweihung dieser Pilotlinie, intern „Eagle Line“, und Beginn des Hochlaufs.
- Zweites Quartal 2026: nach eigener Angabe eine Verfügbarkeit der Kernwerkzeuge der Eagle Line von über 90 Prozent, laufende Musterlieferungen an Kunden, Auslieferung von QSE-5-Zellen an einen großen US-amerikanischen Rüstungshauptauftragnehmer und an einen weiteren Autohersteller.
Angekündigt, aber noch nicht belegt: eine Verdopplung des Zellausstoßes im zweiten Halbjahr 2026, Feldtests bei Autokunden, größere Zellformate, die Serienfertigung durch Lizenznehmer — und der Abschluss der Lizenzvereinbarung mit PowerCo, an der die Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar hängt.
Seit 2026 gliedert sich das Unternehmen in drei Vertriebssparten: QSEV für Elektrofahrzeuge, QSDC für Rechenzentren mit KI-Last und QSAS für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. Als Partner im Fertigungsökosystem nennt der Aktionärsbrief die Keramikspezialisten Murata Manufacturing und Corning — mit einer Einschränkung, die das Unternehmen selbst gleich mitliefert und die man gelesen haben sollte:
„while our collaboration with Murata Manufacturing, Corning Incorporated, and other partners across the battery value chain could accelerate industrialization of our solid-state battery technology, there is no assurance these engagements, including investment in QS-proprietary hardware and systems, will progress beyond initial phases or achieve intended outcomes“
Übersetzung: „Auch wenn unsere Zusammenarbeit mit Murata Manufacturing, Corning Incorporated und weiteren Partnern entlang der Batterie-Wertschöpfungskette die Industrialisierung unserer Feststoffbatterie-Technologie beschleunigen könnte, gibt es keine Zusicherung, dass diese Engagements — einschließlich der Investition in QS-eigene Hardware und Systeme — über anfängliche Phasen hinaus fortschreiten oder die beabsichtigten Ergebnisse erreichen.“ — Anlage 99.1 zur SEC-Meldung 8-K vom 22. Juli 2026, Abschnitt „Forward-Looking Statements“ (sec.gov)
Noch ein Punkt zur Ordnung, weil viele Kursseiten ihn nicht nachgezogen haben: Die Class-A-Aktie war vom 27. November 2020 bis zum 22. Dezember 2025 an der New York Stock Exchange notiert. Seit dem 23. Dezember 2025 wird sie an der Nasdaq gehandelt, unter demselben Kürzel QS. Der Wechsel war freiwillig und vom Aufsichtsrat beschlossen; es lag kein Verstoß gegen Notierungsauflagen vor.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — zweimal
Wir lassen täglich mehrere tausend Aktien durch unsere Scanner laufen. QuantumScape kam gleich über zwei davon auf die Rechercheliste, und beide gehören zur Rubrik „Earnings & Überraschungen“.
Erstens der Filter „Earnings-Gap + RS“, der den sogenannten Buyable Gap Up sucht. Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:
- Quartalsbericht in den letzten sieben Tagen
- eine Eröffnungs-Kurslücke von mindestens 2 Prozent nach oben im jüngsten Datenstand
- relative Stärke über zwölf Monate von mindestens 80
Am 28. Juli 2026 zeigte diese Liste im Gesamtuniversum genau zehn Treffer, sortiert nach der angezeigten Spalte „RS“ absteigend: Richardson Electronics auf Platz 1, Liberty Energy auf Platz 2, Knight-Swift Transportation auf 3, Valmont Industries auf 4, Five Star Bancorp auf 5, FirstCash auf 6, Mueller Industries auf 7, Oceaneering International auf 8, Weatherford International auf 9 — und QuantumScape auf Platz 10 mit einer angezeigten relativen Stärke von 36.
Zweitens der Filter „Recent Earnings Winners“. Auch hier vier Bedingungen gleichzeitig:
- Quartalsbericht in den letzten 14 Tagen
- die letzte Gewinnschätzung geschlagen
- eine positive Kursreaktion, gemessen als Vier-Tage-Rendite im Plus
- Ein-Wochen-Stärke von mindestens 70
Diese Liste hatte am selben Tag 20 Treffer; QuantumScape steht auf Platz 18, hinter Vicor auf Platz 1, RenaissanceRe auf 13 und World Acceptance auf 8.
Und jetzt kommt der Befund, wegen dem dieser Artikel überhaupt geschrieben wurde. Die Aktie steht am selben Tag in acht unserer Scanner-Strategien — und vier davon sind Warnlisten. Neben den beiden Gewinner-Listen und zwei Momentum-Listen taucht QuantumScape auf in „Insolvenz-Studie: gestapelte Warnsignale“, in „Stage 4 (Abwärtstrend)“, in „Stan Weinstein: Stage 4“ und in „Unter 50- und 200-Tage-Linie“. Ein Titel, der gleichzeitig als frischer Gewinner und als Abwärtstrend mit gestapelten Warnsignalen geführt wird, ist ein Widerspruch, den man auflösen muss, bevor man ihn kauft.
Die Zahlen zu QuantumScape in dieser Zeile, Kurs-Stand 27. Juli 2026: Kurs 5,20 US-Dollar, Börsenwert 3,3 Milliarden, Kurs-Gewinn-Verhältnis leer, erwartetes KGV 0,0, Kurs-Umsatz-Verhältnis leer, Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,9, Unternehmenswert zum Ergebnis vor Abschreibungen minus 7,2, Bruttomarge leer, Eigenkapitalquote 90,3 Prozent, Eigenkapitalrendite minus 38,0 Prozent, Verschuldungsgrad 0,06, Altman-Z 5,04, Piotroski 4 von 9, Fundamental-Rating D (35 von 100), Stage 4, Beta 2,62, Leerverkaufsquote 18,7 Prozent, institutioneller Besitz 41,9 Prozent, Insider 13,6 Prozent, keine Dividende. Insider-Meldungen: 0 Käufe, 20 Verkäufe.
Fünf Angaben auf dieser Seite verdienen einen zweiten Blick, und wir legen sie offen, statt sie zu glätten. Sie stehen weiter unten im Text, jede an der Stelle, an der sie hingehört.
Was im Bericht vom 22. Juli 2026 stand
Am 22. Juli 2026 nach Börsenschluss veröffentlichte QuantumScape den Aktionärsbrief zum zweiten Quartal. Die Zahlen, alle aus der als SEC-Anlage eingereichten Fassung:
- Betriebsaufwendungen 106,127 Millionen US-Dollar — davon 82,533 Millionen Forschung und Entwicklung und 23,594 Millionen Verwaltung. Vorjahresquartal: 123,586 Millionen.
- Verlust aus dem laufenden Geschäft: minus 106,127 Millionen. Er entspricht exakt den Betriebsaufwendungen, weil es nichts gibt, wovon man sie abziehen könnte.
- Zinsertrag 8,355 Millionen, Zinsaufwand 0,466 Millionen.
- Nettoverlust 98,240 Millionen US-Dollar nach 114,698 Millionen im Vorjahresquartal. Je Aktie: minus 0,16 US-Dollar nach minus 0,20.
- Bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen: minus 64,189 Millionen (Vorjahr: minus 63,014).
- Investitionen im Quartal: 4,618 Millionen. Die Jahresprognose wurde von 40 bis 60 auf 27 bis 37 Millionen gesenkt.
- Fakturierte Kundenbeträge („customer billings“): 10,8 Millionen US-Dollar. Diese Kennzahl ist ausdrücklich kein Umsatz nach US-Bilanzrecht — dazu gleich mehr.
- Liquidität zum 30. Juni 2026: 859,0 Millionen US-Dollar in Kasse und Wertpapieren.
- Jahresprognose bestätigt: bereinigter Verlust vor Abschreibungen von 250 bis 275 Millionen US-Dollar.
Geschäftlich meldete der Brief zwei Dinge: die am 18. Juni 2026 angekündigte mehrjährige Partnerschaft mit Honda — damit vier Top-10-Autohersteller als Kunden — und die am 16. Juli geänderte Vereinbarung mit PowerCo.
Die erwartete Schätzung der Analysten lag bei minus 0,18 US-Dollar je Aktie. Gemeldet wurden minus 0,16. Das ist die „geschlagene Schätzung“, die den zweiten Scanner auslöst: eine Differenz von 2 Cent je Aktie oder rund 12,3 Millionen US-Dollar bei 617,077 Millionen gewichteten Aktien. Zum Größenvergleich: Der Zinsertrag auf die eigene Kasse betrug im selben Quartal 8,4 Millionen — gut zwei Drittel der gesamten Überraschung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Es gibt keine Umsatzzeile
Das ist der Kern dieser Analyse, und er steht wörtlich im Quartalsbericht:
„We have yet to generate any revenue from our business operations. To date, we have funded our capital expenditure and working capital requirements through equity as further discussed below.“
Übersetzung: „Wir haben bislang keinerlei Umsatz aus unserem Geschäftsbetrieb erzielt. Bis heute haben wir unsere Investitionen und unseren Betriebsmittelbedarf über Eigenkapital finanziert, wie weiter unten näher erläutert.“ — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources“ (sec.gov)
An anderer Stelle desselben Berichts nennt sich das Unternehmen selbst „a development-stage company with no revenue to date“ und „a pre-revenue company“ — ein Unternehmen in der Entwicklungsphase, vor dem Umsatz. Der aufgelaufene Verlust seit der Gründung beträgt zum 30. Juni 2026 3.992,6 Millionen US-Dollar, also rund 4,0 Milliarden:
Was das für den Scanner bedeutet. Der Filter „Recent Earnings Winners“ prüft, ob die letzte Gewinnschätzung geschlagen wurde. Diese Prüfung ist bei einem Unternehmen mit Geschäft aussagekräftig: Sie vergleicht, was verdient wurde, mit dem, was der Markt erwartet hat. Bei QuantumScape vergleicht sie, wie viel Geld ausgegeben wurde, mit dem, was der Markt an Ausgaben erwartet hat. Das ist eine Aussage über die Genauigkeit von Kostenschätzungen, nicht über das Geschäft — weil es noch kein Geschäft gibt. Der Filter ist deshalb nicht kaputt; er misst hier nur etwas, das keine Aussagekraft trägt.
Und was die Kennzahl „customer billings“ damit zu tun hat. QuantumScape nennt in jedem Aktionärsbrief eine Zahl, die aussieht wie Umsatz: 10,8 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026, 11,0 Millionen im ersten, 19,5 Millionen im gesamten Jahr 2025. Das Unternehmen definiert sie selbst als „den Gesamtwert aller Rechnungen, die QS im Zeitraum an Kunden und Partner gestellt hat, unabhängig von der bilanziellen Behandlung“ — und schreibt ausdrücklich dazu: „This operational metric is not a substitute for revenue under U.S. GAAP.“ Es ist also keine Ersatzgröße für Umsatz nach US-Bilanzrecht. Sie taucht in keiner Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung auf.
Wo das Geld stattdessen landet, ist bemerkenswert: Die 10,4 Millionen US-Dollar, die PowerCo im ersten Halbjahr 2026 überwies, wurden als Kapitaleinlage direkt ins Eigenkapital gebucht — in die Kapitalrücklage, ohne dass dafür Aktien ausgegeben wurden. Der Bericht begründet das mit der Nähe der beiden Unternehmen: Weil Volkswagen Großaktionär ist, gilt bilanziell die Vermutung einer Rückzahlungsverpflichtung, und die Zahlung wird nach den Regeln für Forschungs- und Entwicklungsvereinbarungen behandelt. Für 2025 stehen 19,5 Millionen US-Dollar in derselben Zeile.
Der Nebenbefund im eigenen Datenbestand. Wer sich die Quartalsreihe „Umsatz je Quartal“ auf unserer Kennzahlenseite ansieht, findet dort für QuantumScape: 79,6 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2024, 0,0 im ersten Quartal 2025, 36,7 im zweiten, minus 36,7 im dritten, 0,0 im vierten Quartal 2025 und 0,0 im ersten Quartal 2026. Ein negativer Umsatz ist in keiner Bilanzsprache der Welt möglich, und keiner dieser Werte findet sich in irgendeinem Bericht des Unternehmens. Es ist ein Datenartefakt, und es zieht weitere nach sich: das ausgewiesene erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 0,0, die EBIT-Marge von 0,0 Prozent, die Nettomarge von 0,0 Prozent und das Umsatzwachstum von 0,00 Prozent. Wir nennen es hier, weil eine Analyse, die den eigenen Datenbestand schont, nichts wert ist.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Kurslücke ging nach unten
Der Filter „Earnings-Gap + RS“ verlangt eine Eröffnungs-Kurslücke von mindestens 2 Prozent nach oben. Sehen wir nach, was am Tag nach dem Bericht tatsächlich passiert ist.
Kurs für Kurs: Schlusskurs am 22. Juli 5,87 US-Dollar. Eröffnung am 23. Juli 5,52 — eine Kurslücke von 5,96 Prozent nach unten. Tagestief 4,97, Tagesschluss 5,115, ein Minus von 12,86 Prozent. Am 24. Juli fiel der Kurs weiter auf 4,885 US-Dollar und markierte mit 4,81 im Handelsverlauf ein neues Zwölfmonatstief. Am 27. Juli schloss die Aktie bei 5,18. Vier Handelstage nach dem Bericht: minus 11,8 Prozent.
Wie kann die Zeile dann in beiden Listen stehen? Die Antwort steckt im Datenstand, und sie lässt sich an der gerenderten Seite selbst nachweisen.
Die Kurslücke, die der Filter liest, ist tatsächlich frisch: Unsere Kennzahlenseite weist für QuantumScape plus 2,2 Prozent aus. Nur gehört diese Lücke nicht zum Bericht, sondern zum 27. Juli 2026 — die Aktie eröffnete an jenem Tag bei 4,99 US-Dollar nach einem Schlusskurs von 4,885, das sind plus 2,15 Prozent. Es ist die Gegenbewegung nach dem Absturz, drei Handelstage nach den Zahlen. Der Filter prüft, ob es einen Bericht in den letzten sieben Tagen gab und ob im jüngsten Datenstand eine Kurslücke nach oben steht. Er prüft nicht, ob beides zusammengehört.
Der übrige technische Block derselben Zeile ist dagegen über einen Monat alt. Angezeigt werden zum Kurs-Stand 27. Juli 2026 (5,20 US-Dollar) eine Zwölfmonats-Veränderung von plus 67,9 Prozent, seit Jahresbeginn minus 28,8 Prozent, sechs Monate minus 32,1 Prozent, drei Monate plus 21,2 Prozent, ein Abstand zum 52-Wochen-Hoch von minus 62,6 Prozent und ein Abstand zum 52-Wochen-Tief von plus 34,3 Prozent.
Nachgerechnet zum 27. Juli 2026 ergibt sich ein völlig anderes Bild: zwölf Monate minus 59,0 Prozent, seit Jahresbeginn minus 50,3 Prozent (Jahresschluss 2025: 10,42 US-Dollar), sechs Monate minus 49,0 Prozent, drei Monate minus 26,6 Prozent, Abstand zum Zwölfmonatshoch minus 72,8 Prozent (19,07 US-Dollar am 15. Oktober 2025) und Abstand zum Zwölfmonatstief plus 7,7 Prozent (4,81 US-Dollar am 24. Juli 2026).
Jeder der angezeigten Werte lässt sich einem Handelstag der letzten Juniwoche 2026 zuordnen. Der Wert „seit Jahresbeginn minus 28,8 Prozent“ geht exakt auf den Schlusskurs vom 23. Juni auf (7,42 US-Dollar). Die Zwölfmonats-Veränderung von plus 67,92 Prozent trifft punktgenau den 24. Juni, die Sechs- und Dreimonatswerte den 29. Juni. Die relative Stärke über zwölf Monate, die der Filter mit mindestens 80 verlangt, stammt aus demselben Fenster — als die Aktie auf Zwölfmonatssicht noch zwei Drittel im Plus stand statt, wie heute, knapp 60 Prozent im Minus.
Und die Vier-Tage-Rendite? Auch sie ist Teil dieses alten Blocks. Die tatsächliche Vier-Tage-Rendite zum 27. Juli beträgt minus 14,4 Prozent, gerechnet vom Schlusskurs des 21. Juli. Der Filter „Recent Earnings Winners“ verlangt ein Plus. Damit ruhen drei der vier Bedingungen dieses Scanners auf einem Datenstand, der den auslösenden Bericht nicht kennt — die einzige, die er wirklich mit dem Bericht verbindet, ist die geschlagene Schätzung. Und die misst, wie wir gesehen haben, einen kleineren Verlust.
Das ist kein Vorwurf an den Filter, sondern eine Beschreibung seiner Grenze. Ein Scanner ist eine Abfrage über einen Datenbestand; er ist immer nur so aktuell wie die Felder, die er liest. Wer eine Trefferliste als Ergebnis liest statt als Frage, kauft am Ende ein Datum.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der kleinere Verlust kommt aus dem Vorjahr
Der Nettoverlust sank von 114,698 auf 98,240 Millionen US-Dollar — ein Rückgang um 16,458 Millionen oder 14,3 Prozent. Das klingt nach Fortschritt. Die eigene Erläuterung des Unternehmens im Quartalsbericht sagt, woher er kommt: Der Rückgang der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen um 18,644 Millionen ergab sich vor allem aus einer um 13,6 Millionen niedrigeren Wertberichtigung und aus 5,6 Millionen weniger Abschreibungen, dazu 2,1 Millionen niedrigere Gebäudekosten — gegengerechnet mit 1,3 Millionen höheren Materialkosten und 0,9 Millionen mehr aktienbasierter Vergütung.
Die 13,6 Millionen sind der entscheidende Posten: Im zweiten Quartal 2025 hatte QuantumScape Sachanlagen im Wert von 14,847 Millionen US-Dollar abgeschrieben, die nicht mehr genutzt wurden; im zweiten Quartal 2026 waren es 1,225 Millionen. Der Vorjahresvergleich verbessert sich also, weil das Vorjahr schlecht war — nicht, weil das laufende Quartal gut ist.
Die Gegenprobe liefert das Unternehmen selbst mit seiner eigenen bereinigten Kennzahl, die genau solche Posten herausrechnet:
- Bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im zweiten Quartal 2026: minus 64,189 Millionen US-Dollar.
- Im Vorjahresquartal: minus 63,014 Millionen.
- Im ersten Halbjahr 2026: minus 127,467 Millionen — im ersten Halbjahr 2025: minus 127,574 Millionen.
Das operative Verbrennungstempo ist im Quartalsvergleich um 1,2 Millionen US-Dollar gestiegen und im Halbjahresvergleich praktisch unverändert. Der „kleinere Verlust“, den der Scanner als geschlagene Schätzung liest, ist eine Buchungsdifferenz gegenüber dem Vorjahr, keine Verbesserung des Geschäfts.
Ein zweiter Posten gehört in dieselbe Rechnung: die aktienbasierte Vergütung. Sie betrug im zweiten Quartal 27,325 Millionen und im ersten Halbjahr 2026 57,834 Millionen US-Dollar. Gemessen am Mittelabfluss aus dem laufenden Geschäft von 116,259 Millionen im selben Halbjahr sind das 49,7 Prozent. Im Jahr 2025 lag der Anteil bei 52,6 Prozent, 2024 bei 52,7 Prozent, 2023 bei 69,3 Prozent. Rund die Hälfte dessen, was QuantumScape an Personal ausgibt, wird nicht in bar bezahlt, sondern in Aktien — und die entstehen neu.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der einzige Kommerzialisierungspartner hat seinen Zahlungsrahmen gekürzt
Die Beziehung zu Volkswagen ist der Grund, warum QuantumScape überhaupt als Investitionsfall gilt — und sie ist zugleich das größte Klumpenrisiko. Der Quartalsbericht sagt es ohne Umschweife: „the PowerCo Collaboration Agreement is currently the only agreement we have with the intent to commercialize our technology“ — die PowerCo-Vereinbarung ist derzeit die einzige Vereinbarung, die auf eine Kommerzialisierung der Technologie zielt.
Die Chronologie, jeweils aus den SEC-Meldungen:
- 5. Juli 2024: QuantumScape und PowerCo SE, die zu 100 Prozent zum Volkswagen-Konzern gehörende Batteriegesellschaft, schließen eine Zusammenarbeitsvereinbarung. Nach dem Erreichen technischer Meilensteine soll eine Lizenzvereinbarung folgen: nicht ausschließlich, gebührenpflichtig, für eine Jahreskapazität von bis zu 40 Gigawattstunden, erweiterbar um weitere 40. PowerCo zahlt dafür eine Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar, verrechenbar mit künftigen Lizenzgebühren und mit einer über die Zeit abschmelzenden Rückforderungsklausel. Gleichzeitig wird das alte Gemeinschaftsunternehmen aufgelöst und eine Zweckbindung von 134 Millionen US-Dollar aufgehoben.
- 17. Juli 2025: Neufassung. PowerCo sagt zu, bis zu 130,7 Millionen US-Dollar für das gemeinsame Hochlaufprojekt über zwei Jahre beizusteuern, meilensteinabhängig. Die künftige Lizenz wird auf insgesamt 85 Gigawattstunden jährlich erweitert, ausdrücklich auch für Kunden außerhalb des Volkswagen-Konzerns.
- 16. Juli 2026: Erneute Änderung, sechs Tage vor dem Quartalsbericht. Der bisherige Leistungsschein wird beendet und durch meilensteinabhängige Zahlungen für die Lieferung und Validierung von Zellen über zwei Jahre ersetzt. Und die Obergrenze fällt.
„Under the Amendment, the maximum aggregate amount the Company will receive from PowerCo for the program is $75.4 million, inclusive of amounts paid to date.“
Übersetzung: „Nach der Änderungsvereinbarung beträgt der Höchstbetrag, den die Gesellschaft von PowerCo für das Programm insgesamt erhalten wird, 75,4 Millionen US-Dollar, einschließlich der bis heute gezahlten Beträge.“ — SEC-Meldung 8-K vom 22. Juli 2026, Item 1.01 (sec.gov)
Rechnen wir das durch. Von den bis zu 130,7 Millionen US-Dollar der Fassung von 2025 sind bisher geflossen: 19,5 Millionen im Jahr 2025 und 10,4 Millionen im ersten Halbjahr 2026, zusammen 29,9 Millionen. Unter der alten Zusage wären damit noch bis zu 100,8 Millionen offen gewesen. Unter der neuen Obergrenze von 75,4 Millionen „einschließlich der bis heute gezahlten Beträge“ sind es noch rund 45,5 Millionen. Der verbleibende Rahmen ist um rund 55 Millionen US-Dollar kleiner geworden.
Der Aktionärsbrief beschreibt denselben Vorgang als Aktualisierung „mit einem geänderten Satz von Meilensteinen und Zahlungen“ und stellt ihn in eine Reihe positiver Nachrichten. Beides ist richtig — die Vereinbarung wurde inhaltlich auf größere Zellformate und die künftige Technologie-Landkarte ausgerichtet, und die Lizenzvereinbarung mit den 130 Millionen bleibt unberührt. Aber die Obergrenze der Programmzahlungen ist gesunken, und wer den Aktionärsbrief liest, ohne die SEC-Meldung daneben zu legen, erfährt davon nichts.
Der Vollständigkeit halber: Die Lizenzvereinbarung ist bis heute nicht abgeschlossen. Sie hängt an technischen Meilensteinen, und der Quartalsbericht nennt genau das als Risiko: Werden die Meilensteine nicht erreicht, ist PowerCo zu nichts verpflichtet, und die Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar wird nicht fällig. Neben PowerCo bestehen Muster-, Technologiebewertungs- und Entwicklungsvereinbarungen mit weiteren Autoherstellern — vier Top-10-Hersteller sind inzwischen Kunden, seit dem 18. Juni 2026 auch Honda —, aber keine davon zielt nach der eigenen Darstellung des Unternehmens auf eine Kommerzialisierung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Geldverbrauch, Reichweite und die Aktienzahl
Bei einem Unternehmen ohne Umsatz gibt es genau eine Frage, die alles andere überlagert: Wie lange reicht das Geld? Sehen wir uns zuerst an, wohin es geht.
Aus dem laufenden Geschäft flossen ab: 240,0 Millionen US-Dollar (2023), 274,6 Millionen (2024), 242,5 Millionen (2025) und 116,3 Millionen im ersten Halbjahr 2026. Dazu Investitionen in Sachanlagen von 84,6, 62,2, 36,3 und 14,6 Millionen. Zusammengenommen ergibt das einen freien Mittelabfluss von 324,6 / 336,8 / 278,8 Millionen US-Dollar in den drei Jahren und 130,9 Millionen im ersten Halbjahr 2026 — hochgerechnet rund 262 Millionen im Jahr.
Die Reichweite. Zum 30. Juni 2026 lagen 859,0 Millionen US-Dollar in Kasse und Wertpapieren (31. Dezember 2025: 970,8 Millionen; 31. Dezember 2024: 910,8 Millionen). Bei einem Verbrauch von 262 Millionen im Jahr reicht das rund 3,3 Jahre; auf Basis des Jahres 2025 (278,8 Millionen) rund 3,1 Jahre; auf Basis der eigenen Prognose für 2026 — bereinigter Verlust vor Abschreibungen von 250 bis 275 Millionen plus Investitionen von 27 bis 37 Millionen, zusammen 277 bis 312 Millionen — rund 2,8 bis 3,1 Jahre. Das führt in die zweite Hälfte des Jahrzehnts, etwa in die Jahre 2029 bis 2030.
Das Unternehmen selbst sagt deutlich weniger zu:
Wichtig für die Einordnung: Es steht kein Hinweis auf Zweifel an der Fortführung des Geschäftsbetriebs in diesem Bericht. Die Zwölfmonats-Formulierung ist die gesetzliche Mindestaussage, nicht eine Warnung. Die Bilanz ist ungewöhnlich sauber: 1.168,7 Millionen US-Dollar Bilanzsumme, davon 869,1 Millionen kurzfristige Vermögenswerte; Verbindlichkeiten von insgesamt nur 120,8 Millionen, und die bestehen praktisch vollständig aus Leasingverpflichtungen — Finanzschulden im engeren Sinn gibt es nicht. Die Eigenkapitalquote liegt bei 89,7 Prozent (Datenblatt: 90,3 Prozent).
Die Verwässerung. Finanziert wurde all das über Eigenkapital. Die Aktienzahl:
Die drei großen Kapitalmaßnahmen der letzten Jahre: Im August 2023 eine öffentliche Platzierung von 37,5 Millionen Aktien für netto 288,2 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2024 24,9 Millionen Aktien über ein laufendes Verkaufsprogramm am Markt (im Fachjargon „at-the-market“) für netto 128,5 Millionen. Im Jahr 2025 weitere 29,5 Millionen Aktien über dasselbe Programm für netto 264,2 Millionen. Zusammen 91,9 Millionen neue Aktien für 680,9 Millionen US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 wurden über dieses Programm keine Aktien verkauft.
Was hat ein Aktionär von Ende 2021 heute noch? Zwei Antworten, und beide gehören zusammen. Erstens der Kurs: Am 31. Dezember 2021 schloss die Aktie bei 22,19 US-Dollar, am 27. Juli 2026 bei 5,18 — minus 76,7 Prozent. Zweitens der Anteil: Aus 428,3 Millionen Aktien wurden 619,1 Millionen. Wer damals ein Zehntausendstel des Unternehmens hielt, hält heute noch 69,2 Prozent davon — sein Anteil ist um 30,8 Prozent geschrumpft, ohne dass er eine einzige Aktie verkauft hätte. Wer seit dem Jahresschluss 2020 dabei ist (84,45 US-Dollar), liegt beim Kurs 93,9 Prozent im Minus und hält noch 58,8 Prozent seines ursprünglichen Anteils.
Für die kommenden Jahre heißt das: Solange kein Umsatz entsteht, kommt jeder weitere Dollar entweder aus der Kasse oder aus neuen Aktien. Die Kapitalrücklage stand zum 31. Dezember 2025 bei 4.961,8 Millionen US-Dollar — so viel Geld haben Aktionäre in dieses Unternehmen eingezahlt. Dem stehen 3.992,6 Millionen aufgelaufener Verlust gegenüber.
Zwei Aktiengattungen — wer hier wirklich abstimmt
QuantumScape hat zwei Gattungen Stammaktien. Die Class A ist an der Nasdaq notiert und hat eine Stimme je Aktie. Die Class B ist weder notiert noch handelbar und hat zehn Stimmen je Aktie. Zum 17. Juli 2026 waren 587.219.164 Class-A-Aktien und 31.894.343 Class-B-Aktien ausgegeben, zusammen 619.113.507.
Gerechnet auf Stimmen: 587,2 Millionen aus Class A und 318,9 Millionen aus Class B, zusammen 906,2 Millionen. Die Class-B-Aktionäre halten also 5,2 Prozent des Kapitals und 35,2 Prozent der Stimmen. Der Geschäftsbericht für 2025 beziffert die gebündelte Position: Vorstand, Aufsichtsrat, deren nahestehende Personen und alle Aktionäre mit mindestens zehn Prozent hielten zum 31. Dezember 2025 zusammen rund 14,7 Prozent der Class-A- und rund 100 Prozent der Class-B-Aktien — was etwa 48,5 Prozent der Stimmen entspricht. Volkswagen ist der größte Aktionär und hat das Recht, zwei Aufsichtsratsmitglieder zu benennen; derzeit sind das zwei Manager des Konzerns.
Diese Machtverteilung verschiebt sich allerdings von selbst, weil Class-B-Aktien bei Veräußerung in Class A wandeln: Ende 2022 waren es noch 79,5 Millionen Stück und damit 68,9 Prozent der Stimmen. Der Streubesitz gewinnt also Stimmgewicht — nicht durch eine Entscheidung, sondern durch Verkäufe der Altaktionäre.
Ein Hinweis zum Datenbestand, der genau hier aufschlägt. Unsere Kennzahlenseite weist für QuantumScape 578,3 Millionen Aktien im Umlauf aus — das ist ungefähr der Class-A-Bestand eines früheren Stichtags, nicht die Gesamtzahl. Der ausgewiesene Börsenwert von 3,3 Milliarden US-Dollar wiederum unterstellt rechnerisch rund 631 Millionen Aktien. Beide Zahlen weichen von den 619,1 Millionen des Quartalsberichts ab, in unterschiedliche Richtungen. Das ist die typische Falle bei Unternehmen mit mehreren Aktiengattungen, und sie zieht das Kurs-Buchwert-Verhältnis mit: Angezeigt werden 2,9 — gerechnet auf die tatsächliche Aktienzahl sind es 3,06.
Und weil wir gerade beim Datenbestand sind: Auch der Firmenname steht bei uns abgeschnitten in der Liste („QuantumScape Corporation Class A C“). Richtig heißt das Unternehmen QuantumScape Corporation.
Bewertung ohne Gewinn: Was diese Aktie tatsächlich kostet
Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Umsatz gibt. Ein Kurs-zu-freiem-Cashflow-Verhältnis gibt es nicht, weil der freie Cashflow negativ ist. Unsere Kennzahlenseite lässt diese drei Felder folgerichtig leer — das ist korrekt und kein Fehler.
Was bleibt, sind vier ehrliche Rechnungen. Bewertungsanker ist der Schlusskurs vom 27. Juli 2026 von 5,18 US-Dollar und die belegte Aktienzahl von 619.113.507 Stück (Datenblatt: 5,20 US-Dollar).
- Börsenwert: rund 3,21 Milliarden US-Dollar. Das Datenblatt weist 3,3 Milliarden aus, also 2,9 Prozent mehr. Der Unterschied stammt fast vollständig aus der Aktienzahl: Dort wird mit rund 631 Millionen Stück gerechnet statt mit den belegten 619,1 Millionen; der Rest ist der Kursunterschied von 5,20 zu 5,18 US-Dollar.
- Börsenwert zu Kasse: 3,73. Von den 5,18 US-Dollar je Aktie sind 1,39 US-Dollar Kasse und Wertpapiere (859,0 Millionen auf 619,1 Millionen Aktien). Der Markt zahlt also 3,79 US-Dollar je Aktie oder 2,35 Milliarden insgesamt für alles, was nicht Geld ist: Patente, Pilotlinie, Team, die Aussicht auf Lizenzeinnahmen.
- Börsenwert zu Jahres-Geldverbrauch: 11,5. Auf Basis des Jahres 2025 (278,8 Millionen) bezahlt der heutige Kurs elfeinhalb Jahre Geldverbrauch; zieht man die Kasse ab, sind es 8,4 Jahre. Auf das Tempo des ersten Halbjahres 2026 gerechnet: 12,3 beziehungsweise 9,0 Jahre.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: 3,06. Der Buchwert je Aktie beträgt 1,69 US-Dollar (1.048,0 Millionen Eigenkapital auf 619,1 Millionen Aktien) — und dieser Buchwert besteht zu 82 Prozent aus Geld.
Der Unternehmenswert, also Börsenwert plus Finanzverbindlichkeiten minus Liquidität, liegt bei rund 2,38 Milliarden US-Dollar (3,21 + 0,03 aus Finanzierungsleasing − 0,86). Das Datenblatt zeigt an dieser Stelle ein Verhältnis von Unternehmenswert zum Ergebnis vor Abschreibungen von minus 7,2. Ein negatives Vielfaches ist keine Bewertung, sondern ein Rechenartefakt — der Nenner ist ein Verlust. Unsere eigene Rechnung käme auf minus 9,4. Beide Zahlen bedeuten dasselbe: Diese Kennzahl ist hier nicht anwendbar.
Und der Altman-Z-Wert? Unser Datenblatt weist 5,04 aus und stellt QuantumScape damit weit in die sichere Zone (Grenzen dieser Skala: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone). Rechnet man die Z″-Variante mit den Zahlen des Quartalsberichts selbst nach, kommt etwas ganz anderes heraus: Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Schulden zu Bilanzsumme 0,703; Gewinnrücklagen zu Bilanzsumme minus 3,416 (der aufgelaufene Verlust von 3.992,6 Millionen gegen eine Bilanzsumme von 1.168,7 Millionen); Betriebsergebnis der letzten zwölf Monate zu Bilanzsumme minus 0,377; Eigenkapital zu Verbindlichkeiten 8,678. Das ergibt einen Z″-Wert von 0,05 — tief in der Gefahrenzone.
Beide Werte sind hier nicht brauchbar, und das muss man aussprechen. Die Formel bewertet ein Unternehmen daran, wie viel Gewinn es historisch einbehalten hat und wie viel es aus seinem Vermögen erwirtschaftet. Ein Forschungsunternehmen, das von Anfang an Verluste macht, weil das sein Geschäftsmodell ist, kann diesen Test nicht bestehen — und ein Unternehmen mit 859 Millionen US-Dollar Kasse, ohne Finanzschulden und mit 90 Prozent Eigenkapitalquote ist offensichtlich nicht insolvenzgefährdet. Wir nennen beide Zahlen, damit niemand die eine für ein Gütesiegel und die andere für ein Todesurteil hält. Die belastbare Insolvenzfrage bei diesem Titel heißt nicht Altman, sie heißt Reichweite — und die haben wir oben gerechnet.
Wer sehen will, wie diese Rechnung bei anderen Kapitalverbrennern aussieht, findet das bei Ouster, das den Weg vom Prototyp zum Umsatz bereits gegangen ist, und bei ImmunityBio sowie Iovance Biotherapeutics, wo dieselbe Frage in der Medizin gestellt wird. Ein Fall, in dem die Reichweite tatsächlich kippte, steht bei Fermi.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was dafür spricht:
- Die Bilanz ist außergewöhnlich sauber: 859,0 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere zum 30. Juni 2026, Verbindlichkeiten von nur 120,8 Millionen — praktisch ausschließlich Leasingverpflichtungen —, Eigenkapitalquote 89,7 Prozent, kein Hinweis auf Zweifel an der Fortführung.
- Vier Top-10-Autohersteller sind Kunden, seit dem 18. Juni 2026 auch Honda. Der Markt quittierte diese Meldung mit einer Eröffnungs-Kurslücke von 12,3 Prozent nach oben und einem Tagesplus von 16,5 Prozent bei 85,6 Millionen gehandelten Stück — mehr als das Dreifache des Durchschnittsvolumens.
- Die Technik hat belegte Zwischenschritte: A0-Muster 2022, das Produktziel QSE-5 2023, B-Muster 2024, die Vorführung im Ducati-Elektromotorrad 2025, die Einweihung der Pilotlinie im Februar 2026 und nach eigener Angabe über 90 Prozent Verfügbarkeit der Kernwerkzeuge im zweiten Quartal 2026.
- Das Lizenzmodell ist kapitalschonend: Wenn die Meilensteine erreicht werden, zahlt PowerCo eine Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar und darf bis zu 85 Gigawattstunden jährlich fertigen, ausdrücklich auch für Kunden außerhalb des Volkswagen-Konzerns. QuantumScape müsste dafür keine Fabrik bauen.
- Die Investitionen sinken deutlich: von 84,6 Millionen US-Dollar (2023) über 62,2 und 36,3 auf eine Prognose von 27 bis 37 Millionen für 2026. Der Bau der Pilotlinie ist bezahlt.
- Neue Märkte über das Auto hinaus sind adressiert und mit ersten Lieferungen belegt: QSE-5-Zellen gingen an einen großen US-Rüstungshauptauftragnehmer, und für Rechenzentren mit KI-Last laufen Gespräche mit Auftragsentwicklern.
- Im ersten Halbjahr 2026 wurden über das Marktprogramm keine neuen Aktien verkauft — die Verwässerung aus Kapitalerhöhungen hat vorerst pausiert.
Was dagegen spricht:
- Seit der Gründung 2010 kein einziger Dollar Umsatz; der aufgelaufene Verlust beträgt rund 4,0 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „pre-revenue“.
- Die geschlagene Gewinnschätzung, die den Scanner-Treffer auslöst, bedeutet nur einen um 2 Cent je Aktie kleineren Verlust. Das bereinigte Ergebnis vor Abschreibungen war im zweiten Quartal 2026 mit minus 64,2 Millionen sogar schlechter als im Vorjahresquartal.
- Der Bericht löste eine Kurslücke von 5,96 Prozent nach unten aus; vier Handelstage später stand die Aktie 11,8 Prozent tiefer. Der Scanner-Treffer beruht auf einer Kurslücke, die drei Handelstage nach dem Bericht entstand, und auf Stärkewerten aus der letzten Juniwoche.
- Die einzige Vereinbarung mit Kommerzialisierungsabsicht ist die mit PowerCo — und deren Zahlungsobergrenze wurde am 16. Juli 2026 von bis zu 130,7 auf 75,4 Millionen US-Dollar einschließlich bereits gezahlter Beträge gesenkt. Geflossen sind bisher 29,9 Millionen.
- Die Lizenzvereinbarung mit der Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar ist zwei Jahre nach der Grundsatzvereinbarung immer noch nicht abgeschlossen und hängt an technischen Meilensteinen.
- Die Aktienzahl stieg von 364,0 Millionen (Ende 2020) auf 619,1 Millionen (17. Juli 2026), plus 70,1 Prozent. Rund die Hälfte des Mittelabflusses wird durch aktienbasierte Vergütung ersetzt — 57,8 Millionen US-Dollar allein im ersten Halbjahr 2026.
- Der Kurs liegt 72,8 Prozent unter dem Zwölfmonatshoch, die Aktie steht in vier unserer Warn-Scanner, das Fundamental-Rating liegt bei D (35 von 100), die Leerverkaufsquote bei 18,7 Prozent, und die Insider haben in der erfassten Periode 20-mal verkauft und kein einziges Mal gekauft.
- Der Wettbewerb ist massiv: Autohersteller, etablierte Batteriezellhersteller und staatlich geförderte Konsortien arbeiten an Feststoffbatterien; das Unternehmen nennt in den Risikofaktoren ausdrücklich das 2024 gegründete chinesische Feststoffbatterie-Konsortium.
- Die Reichweite der Kasse endet nach eigener Rechnung um 2029; danach braucht das Unternehmen entweder Lizenzeinnahmen oder frisches Kapital. Zugesagt wird im Bericht nur ein Zeitraum von „mindestens zwölf Monaten“.
Ein menschliches Fazit
Es gibt zwei Arten, diesen Artikel misszuverstehen. Die erste wäre, ihn als Verriss der Technik zu lesen. Das ist er nicht. Ein keramischer Separator, der Lithium ohne Dendriten zykliert, wäre ein echter Fortschritt, die Zwischenschritte sind dokumentiert, vier große Autohersteller schauen sich das an, und dass Honda im Juni 2026 nach einer nach eigener Darstellung besonders strengen Prüfung eingestiegen ist, ist keine Kleinigkeit.
Die zweite wäre, aus der sauberen Bilanz Sicherheit abzuleiten. 859 Millionen US-Dollar in der Kasse und keine Finanzschulden sind viel wert — aber sie sind keine Substanz im Sinne eines Geschäfts. Sie sind Vorrat. Ein Unternehmen, das sechzehn Jahre lang keinen Dollar eingenommen hat, lebt von diesem Vorrat und von der Bereitschaft neuer Aktionäre, ihn wieder aufzufüllen. Genau das ist in den letzten drei Jahren dreimal passiert, und jedes Mal wurde der Anteil der bestehenden Aktionäre kleiner.
Was der Scanner-Treffer wert ist, lässt sich nach dieser Recherche knapp sagen: Er ist ein Datumsartefakt. Die Kurslücke gehört nicht zum Bericht, die Stärkewerte stammen aus dem Juni, und die geschlagene Schätzung misst bei einem Unternehmen ohne Umsatz nur die Treffsicherheit einer Kostenprognose. Das ist kein Grund, an den eigenen Werkzeugen zu verzweifeln — Filter sind Fragen, keine Antworten. Es ist ein Grund, jede Trefferliste so zu lesen, wie sie gemeint ist: als Anfang der Arbeit.
Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist die Aktie nach minus 73 Prozent vom Hoch nicht billig?“, sondern: Traust du diesem Unternehmen zu, innerhalb der nächsten drei Jahre die technischen Meilensteine zu erreichen, an denen die Lizenzvereinbarung hängt — bevor die Kasse aufgebraucht ist und der nächste Kapitalbedarf entsteht? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, zahlt heute 2,35 Milliarden US-Dollar über die Kasse hinaus für ein Versprechen. Wer sie mit Nein beantwortet, hat es mit einem Unternehmen zu tun, dessen Wert vollständig von der Zukunft abhängt, weil die Gegenwart keine Umsatzzeile kennt.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- QuantumScape Corporation — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (eingereicht 24. Juli 2026)
- QuantumScape Corporation — Anlage 99.1 zur SEC-Meldung 8-K vom 22. Juli 2026: Aktionärsbrief zum zweiten Quartal 2026
- QuantumScape Corporation — SEC-Meldung 8-K vom 22. Juli 2026 zum Ereignis vom 16. Juli 2026: Änderung der PowerCo-Vereinbarung (Items 1.01 und 1.02)
- QuantumScape Corporation — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 25. Februar 2026)
- QuantumScape Corporation — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2023 (eingereicht 27. Februar 2024)
- QuantumScape Corporation — SEC-Meldung 8-K vom 23. Juli 2025: Neufassung der PowerCo-Vereinbarung, bis zu 130,7 Millionen US-Dollar
- QuantumScape Corporation — SEC-Meldung 8-K vom 11. Juli 2024: Ur-Vereinbarung mit PowerCo samt Lizenzvereinbarung und Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar
- QuantumScape Corporation — Anlage 99.1 zur SEC-Meldung 8-K vom 22. April 2026: Aktionärsbrief zum ersten Quartal 2026
- QuantumScape Corporation — Anlage 99.1 zur SEC-Meldung 8-K vom 11. Februar 2026: Aktionärsbrief zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2025
- QuantumScape Corporation — SEC-Meldung 8-K vom 10. Dezember 2025: freiwilliger Wechsel der Notierung von der NYSE an die Nasdaq
- Fundamentaldaten und hauseigener Aktien-Scanner, Trefferlisten „Earnings-Gap + RS“ (Platz 10 von 10) und „Recent Earnings Winners“ (Platz 18 von 20), gemessen am gerenderten Seiteninhalt am 28. Juli 2026; Kurs 5,18 US-Dollar, Kurs-Stand 27. Juli 2026
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von QuantumScape.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell und Umsatz negativ
- QuantumScape hat seit der Gründung 2010 keinen Umsatz erzielt. Die Gewinn- und Verlustrechnung im Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 enthält keine Umsatzzeile; sie beginnt bei den Betriebsaufwendungen, und der Verlust aus dem laufenden Geschäft entspricht ihnen betragsgleich. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „development-stage company with no revenue to date“ und als „pre-revenue company“. Der aufgelaufene Verlust beträgt rund 4,0 Milliarden US-Dollar. Die im Aktionärsbrief genannten fakturierten Kundenbeträge von 10,8 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal sind nach eigener Definition ausdrücklich kein Ersatz für Umsatz nach US-Bilanzrecht und tauchen in keiner Zeile der Erfolgsrechnung auf.
- Bilanz und Finanzlage positiv
- Die Bilanz ist für ein Unternehmen ohne Umsatz ungewöhnlich robust. Zum 30. Juni 2026 standen 859,0 Millionen US-Dollar in Kasse und Wertpapieren, denen Verbindlichkeiten von insgesamt nur 120,8 Millionen gegenüberstehen — praktisch ausschließlich Leasingverpflichtungen. Finanzschulden im engeren Sinn gibt es nicht, der Zinssaldo ist deutlich positiv (8,4 Millionen Zinsertrag gegen 0,5 Millionen Zinsaufwand im zweiten Quartal). Die Eigenkapitalquote liegt bei 89,7 Prozent, das Eigenkapital bei 1.048,0 Millionen US-Dollar. Weder der Quartalsbericht noch der Geschäftsbericht enthalten einen Hinweis auf Zweifel an der Fortführung des Geschäftsbetriebs.
- Geldverbrauch und Reichweite negativ
- Der freie Mittelabfluss betrug 324,6 Millionen US-Dollar (2023), 336,8 Millionen (2024) und 278,8 Millionen (2025); im ersten Halbjahr 2026 waren es 130,9 Millionen, hochgerechnet rund 262 Millionen im Jahr. Die Liquidität sank von 970,8 Millionen zum Jahresende 2025 auf 859,0 Millionen zum 30. Juni 2026. Auf Basis der eigenen Prognose für 2026 — bereinigter Verlust vor Abschreibungen von 250 bis 275 Millionen plus Investitionen von 27 bis 37 Millionen — reicht die Kasse rund 2,8 bis 3,1 Jahre, also etwa bis 2029. Das Unternehmen selbst sagt im Bericht nur zu, dass die Mittel „für einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten“ ab Berichtsdatum genügen.
- Abhängigkeit von PowerCo negativ
- Der Quartalsbericht nennt die Zusammenarbeit mit PowerCo SE ausdrücklich als die derzeit einzige Vereinbarung mit Kommerzialisierungsabsicht. Genau deren Zahlungsrahmen wurde am 16. Juli 2026 gesenkt: Aus der Zusage vom 17. Juli 2025 über bis zu 130,7 Millionen US-Dollar für das gemeinsame Projekt wurde ein Höchstbetrag von 75,4 Millionen „einschließlich der bis heute gezahlten Beträge“. Geflossen sind bisher 19,5 Millionen (2025) und 10,4 Millionen (erstes Halbjahr 2026). Die eigentliche Lizenzvereinbarung mit einer Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar und einer Kapazität von bis zu 85 Gigawattstunden ist zwei Jahre nach der Grundsatzvereinbarung weiterhin nicht abgeschlossen und hängt an technischen Meilensteinen.
- Technischer Fortschritt positiv
- Die Zwischenschritte sind dokumentiert und datiert: A0-Prototypzellen 2022 an mehrere Autohersteller, das Produktziel QSE-5 im Jahr 2023, erste B-Muster 2024, im Jahr 2025 die erste öffentliche Vorführung in einem Ducati-V21L-Elektromotorrad auf der IAA Mobility sowie die Übernahme des Cobra-Separatorprozesses in die Basisfertigung, im Februar 2026 die Einweihung der hochautomatisierten Pilotlinie in San Jose. Im zweiten Quartal 2026 meldet das Unternehmen eine Verfügbarkeit der Kernwerkzeuge von über 90 Prozent sowie Zelllieferungen an einen großen US-Rüstungshauptauftragnehmer und einen weiteren Autohersteller. Vier Top-10-Autohersteller sind Kunden, seit dem 18. Juni 2026 auch Honda.
- Verwässerung und Kapitalherkunft negativ
- Finanziert wurde alles über Eigenkapital. Die Aktienzahl stieg von 364,0 Millionen Stück zum 31. Dezember 2020 auf 619,1 Millionen zum 17. Juli 2026 — plus 70,1 Prozent; wer Ende 2021 dabei war, hält heute noch 69,2 Prozent seines Anteils. Kapital kam 2023 aus einer Platzierung über 37,5 Millionen Aktien (netto 288,2 Millionen US-Dollar) sowie 2024 und 2025 aus einem Marktprogramm über 24,9 und 29,5 Millionen Aktien (netto 128,5 und 264,2 Millionen). Dazu kommt die aktienbasierte Vergütung: 57,8 Millionen US-Dollar allein im ersten Halbjahr 2026, das entspricht 49,7 Prozent des Mittelabflusses aus dem laufenden Geschäft; in den Jahren davor waren es 52,6 bis 69,3 Prozent.
- Aufhänger und Bewertung negativ
- Beide Scanner-Treffer halten der Prüfung nicht stand. Der Bericht vom 22. Juli 2026 löste eine Eröffnungs-Kurslücke von 5,96 Prozent nach unten aus; die im Filter gelesene Kurslücke von plus 2,2 Prozent gehört zum 27. Juli, drei Handelstage später. Die geforderten Stärkewerte stammen aus der letzten Juniwoche — angezeigt werden plus 67,9 Prozent auf Zwölfmonatssicht, nachgerechnet zum 27. Juli sind es minus 59,0 Prozent. Die geschlagene Gewinnschätzung bedeutet lediglich einen um 2 Cent je Aktie kleineren Verlust, und der Rückgang des Nettoverlusts erklärt sich aus einer Wertberichtigung des Vorjahres. Zum Bewertungsanker von 5,18 US-Dollar kostet das Unternehmen 3,21 Milliarden US-Dollar — das 3,73-Fache seiner Kasse und rund elfeinhalb Jahre Geldverbrauch; ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht.
QuantumScape steht am 28. Juli 2026 in zwei Gewinner-Scannern und in vier Warnlisten zugleich — und beide Gewinner-Treffer lösen sich bei der Prüfung auf. Der Bericht vom 22. Juli 2026 erzeugte keine Kurslücke nach oben, sondern eine von 5,96 Prozent nach unten; über vier Handelstage verlor die Aktie 11,8 Prozent. Die im Filter gelesene Kurslücke von plus 2,2 Prozent entstand drei Handelstage nach dem Bericht, die geforderten Stärkewerte stammen aus der letzten Juniwoche. Und die „geschlagene Gewinnschätzung“ bedeutet bei einem Unternehmen ohne Umsatz nur einen um 2 Cent je Aktie kleineren Verlust — minus 0,16 statt minus 0,18 US-Dollar —, wobei das bereinigte Ergebnis vor Abschreibungen mit minus 64,2 Millionen US-Dollar sogar schlechter war als im Vorjahresquartal. Die Firma dahinter ist seit 2010 ohne jeden Umsatz, hat rund 4,0 Milliarden US-Dollar Verlust aufgelaufen und finanziert sich vollständig aus Eigenkapital: 859,0 Millionen US-Dollar Liquidität zum 30. Juni 2026 bei einem Geldverbrauch von rund 262 bis 312 Millionen im Jahr, dazu eine um 70 Prozent gestiegene Aktienzahl seit Ende 2020. Am 16. Juli 2026 senkte PowerCo, der einzige Partner mit Kommerzialisierungsabsicht, seinen Zahlungsrahmen von bis zu 130,7 auf 75,4 Millionen US-Dollar. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Rot steht hier nicht für eine drohende Insolvenz und erst recht nicht für ein Urteil über die Technik — es steht für ein belegtes Substanzrisiko des Geschäftsmodells. Die Substanz eines Unternehmens ist das, was den Betrieb trägt, wenn kein frisches Geld kommt. Bei QuantumScape gibt es das nicht: Seit der Gründung 2010 wurde kein Dollar Umsatz erzielt, die Gewinn- und Verlustrechnung enthält keine Umsatzzeile, der aufgelaufene Verlust beträgt rund 4,0 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen bezeichnet sich im eigenen Quartalsbericht als „pre-revenue company“. Jeder Arbeitstag wird aus der Kasse bezahlt oder aus künftigen Kapitalerhöhungen — 91,9 Millionen neue Aktien für netto 680,9 Millionen US-Dollar allein zwischen 2023 und 2025, und rund die Hälfte des Personalaufwands wird ohnehin in Aktien statt in bar beglichen. Dazu kommt die Abhängigkeit von einer einzigen Gegenpartei: Der Quartalsbericht nennt die PowerCo-Vereinbarung ausdrücklich als die derzeit einzige Vereinbarung mit Kommerzialisierungsabsicht, und genau deren Zahlungsobergrenze wurde am 16. Juli 2026 von bis zu 130,7 auf 75,4 Millionen US-Dollar einschließlich bereits gezahlter Beträge gesenkt; die Lizenzvereinbarung mit der Vorabgebühr von 130 Millionen ist zwei Jahre nach der Grundsatzvereinbarung immer noch nicht geschlossen. Gegen Rot spricht die Finanzlage, und sie spricht deutlich: 859,0 Millionen US-Dollar Liquidität zum 30. Juni 2026, Verbindlichkeiten von nur 120,8 Millionen und diese fast ausschließlich aus Leasing, eine Eigenkapitalquote von 89,7 Prozent, ein positiver Zinssaldo und kein Hinweis auf Zweifel an der Fortführung. Rechnerisch reicht die Kasse rund drei Jahre; die kurzfristige Zahlungsfähigkeit steht nicht in Frage, und die vier Warn-Scanner sowie der Altman-Z″-Wert von 0,05 aus unserer eigenen Nachrechnung überzeichnen die Lage, weil beide Werkzeuge Gewinnrücklagen und Ertragskraft messen, die es bei einem Forschungsunternehmen konstruktionsbedingt nicht gibt. Zwischen zwei Stufen gilt die vorsichtigere, und hier ist die Entscheidung eindeutig: Ein Geschäftsmodell, dessen Fortbestand vollständig davon abhängt, dass technische Meilensteine rechtzeitig erreicht werden und danach Lizenzgeld fließt, trägt sein Risiko in der Substanz und nicht nur im Preis. Ausdrücklich nicht Teil dieses Urteils ist die Bewertung — und ebenso wenig die Frage, ob die Feststoffbatterie am Ende funktioniert.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Doppeltreffer in zwei hauseigenen Scannern — „Earnings-Gap + RS“ (Platz 10 von 10 Treffern) und „Recent Earnings Winners“ (Platz 18 von 20). Beide Trefferlisten wurden am 28. Juli 2026 am gerenderten Seiteninhalt gezählt, nicht an einer nachgebauten Abfrage. Sortiert wird nach der angezeigten Spalte „RS“ absteigend; QuantumScape steht dort mit 36. Die Aktie besteht am selben Tag acht Scanner-Strategien, darunter vier Warnlisten (Insolvenz-Studie „gestapelte Warnsignale“, Stage 4, Stan Weinstein Stage 4, unter 50- und 200-Tage-Linie).
- Wichtigste Abweichung im Datenbestand: Der Kursblock der Zeile ist über einen Monat alt und kennt den auslösenden Bericht nicht. Angezeigt werden zum Kurs-Stand 27.07.2026 eine Zwölfmonats-Veränderung von +67,9 %, seit Jahresbeginn −28,8 %, sechs Monate −32,1 %, drei Monate +21,2 %, Abstand zum 52-Wochen-Hoch −62,6 % und Abstand zum 52-Wochen-Tief +34,3 %. Nachgerechnet zum 27.07.2026 ergeben sich −59,0 % auf zwölf Monate, −50,3 % seit Jahresbeginn (Jahresschluss 2025: 10,42 US-$), −49,0 % auf sechs Monate, −26,6 % auf drei Monate, −72,8 % zum Hoch (19,0699 US-$ am 15.10.2025) und +7,7 % zum Tief (4,81 US-$ am 24.07.2026). Die angezeigten Werte gehen auf Handelstage der letzten Juniwoche 2026 auf: „seit Jahresbeginn −28,8 %“ exakt auf den Schlusskurs vom 23.06. (7,42 US-$), die Zwölfmonats-Veränderung von +67,92 % exakt auf den 24.06., die Sechs- und Dreimonatswerte auf den 29.06.
- Zweite Abweichung, und die verblüffendste: Die Kurslücke selbst ist frisch, gehört aber nicht zum Bericht. Angezeigt werden +2,2 % — das ist die Eröffnungslücke vom 27.07.2026 (Eröffnung 4,99 US-$ nach Schlusskurs 4,885, +2,15 %), drei Handelstage nach den Zahlen. Am eigentlichen Reaktionstag, dem 23.07.2026, betrug die Lücke −5,96 % (Eröffnung 5,52 nach Schlusskurs 5,87). Die Regel des Filters verlangt einen Quartalsbericht in den letzten sieben Tagen UND eine Kurslücke von mindestens 2 % nach oben „im jüngsten Datenstand“ — sie prüft nicht, ob beides zusammengehört.
- Dritte Abweichung: die Umsatzreihe. Der Datenbestand weist für QuantumScape 79,6 Mio. US-$ Umsatz im vierten Quartal 2024, 0,0 im ersten Quartal 2025, 36,7 im zweiten, minus 36,7 im dritten, 0,0 im vierten Quartal 2025 und 0,0 im ersten Quartal 2026 aus. Ein negativer Umsatz existiert bilanziell nicht, und keiner dieser Werte steht in einem Bericht des Unternehmens — QuantumScape hat seit 2010 keinen Umsatz erzielt und führt in der Gewinn- und Verlustrechnung gar keine Umsatzzeile. Daraus folgen weitere Artefakte: erwartetes KGV 0,0, EBIT-Marge 0,0 %, Nettomarge 0,0 %, Umsatzwachstum 0,00 %.
- Vierte Abweichung: die Aktienzahl bei zwei Gattungen. Der Datenbestand nennt 578,3 Mio. Aktien im Umlauf — das entspricht ungefähr dem Class-A-Bestand eines früheren Stichtags. Der ausgewiesene Börsenwert von 3,3 Mrd. US-$ unterstellt dagegen rechnerisch rund 631 Mio. Aktien. Das Deckblatt des Quartalsberichts nennt zum 17.07.2026 587.219.164 Class-A- und 31.894.343 Class-B-Aktien, zusammen 619.113.507. Diese Analyse rechnet durchgängig mit der belegten Zahl: Börsenwert 3,21 Mrd. US-$ (2,9 % unter dem angezeigten Wert), Kurs-Buchwert-Verhältnis 3,06 statt der angezeigten 2,9.
- Fünfte Abweichung, ohne Eingriff gemeldet: Der gespeicherte Firmenname lautet „QuantumScape Corporation Class A C“ und ist damit abgeschnitten. Richtig heißt das Unternehmen QuantumScape Corporation; im Artikel wird durchgängig der richtige Name verwendet. Ebenfalls angezeigt, aber unbrauchbar: der Abstand zum Allzeithoch. Er wird im Datenbestand systematisch fehlerhaft geführt und ist deshalb in dieser Analyse nicht verwendet.
- Handelsplatz: QuantumScape ist seit dem 23.12.2025 an der Nasdaq notiert, davor vom 27.11.2020 bis 22.12.2025 an der New York Stock Exchange. Der Wechsel war freiwillig und vom Aufsichtsrat beschlossen; die zugehörige Form 25 vom 22.12.2025 betrifft ausschließlich den Rückzug von der NYSE, nicht eine Einstellung des Handels. Kursseiten, die noch „NYSE: QS“ führen, sind an dieser Stelle veraltet.
- Der Altman-Z″-Wert ist bei diesem Titel kein taugliches Werkzeug, und beide verfügbaren Zahlen zeigen das. Der Datenbestand weist 5,04 aus (sichere Zone). Nachgerechnet mit den Zahlen des Quartalsberichts zum 30.06.2026 ergibt sich dagegen 0,05: Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Schulden zu Bilanzsumme 0,703; Gewinnrücklagen zu Bilanzsumme −3,416 (aufgelaufener Verlust 3.992,6 Mio. gegen Bilanzsumme 1.168,7 Mio.); Betriebsergebnis der letzten zwölf Monate zu Bilanzsumme −0,377; Eigenkapital zu Verbindlichkeiten 8,678. Die hier verwendete Skala hat die Grenzen 1,1 (Gefahrenzone) und 2,6 (sichere Zone). Ein Forschungsunternehmen ohne Umsatz kann diesen Test konstruktionsbedingt nicht bestehen, während 859,0 Mio. US-$ Liquidität ohne Finanzschulden keine Insolvenzgefahr im nächsten Jahr bedeuten. Die belastbare Frage lautet hier Reichweite, nicht Altman.
- Rechnungsgrundlagen: Alle Ergebnis-, Bilanz- und Cashflow-Zahlen stammen aus den geprüften bzw. eingereichten SEC-Berichten (10-K für 2023 und 2025, 10-Q zum 30.06.2026, Anlagen 99.1 zu den 8-K-Meldungen vom 11.02.2026, 22.04.2026 und 22.07.2026). Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist die vom Unternehmen selbst veröffentlichte Überleitungsrechnung. Der freie Mittelabfluss ist eine eigene Rechnung aus Mittelabfluss des laufenden Geschäfts zuzüglich Käufen von Sachanlagen. Die Hochrechnung des Jahres 2026 verdoppelt das erste Halbjahr; sie ist als solche gekennzeichnet und ersetzt keine Prognose.
- Verwerfungsprüfung erledigt: keine Form 15 (Deregistrierung); die Form 25 vom 22.12.2025 betrifft ausschließlich den freiwilligen Wechsel von der NYSE an die Nasdaq; Ticker QS in der SEC-Registry, Handelsplatz The Nasdaq Stock Market LLC, kein Insolvenzverfahren. CIK 0001811414, Delaware-Gesellschaft, SIC-Code 3690.
- Die Qualitäts-Ampel dieser Analyse beurteilt das Unternehmen, nicht den Einstiegszeitpunkt.
Häufige Fragen
Nein. Der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 sagt wörtlich: „We have yet to generate any revenue from our business operations.“ Die Gewinn- und Verlustrechnung enthält gar keine Umsatzzeile, sie beginnt bei den Betriebsaufwendungen. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „pre-revenue company“ und weist einen aufgelaufenen Verlust von rund 4,0 Milliarden US-Dollar seit der Gründung 2010 aus. Die genannten „customer billings“ von 10,8 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026 sind nach eigener Definition ausdrücklich kein Ersatz für Umsatz nach US-Bilanzrecht.
Weil beide Filter Felder lesen, die den Bericht nicht abbilden. Der Filter „Earnings-Gap + RS“ verlangt eine Kurslücke von mindestens 2 Prozent nach oben; die gelesenen plus 2,2 Prozent gehören zum 27. Juli 2026, drei Handelstage nach dem Bericht. Die verlangte Zwölfmonats-Stärke stammt aus der letzten Juniwoche, als die Aktie auf Jahressicht noch 67,9 Prozent im Plus stand statt heute 59,0 Prozent im Minus. Beim Filter „Recent Earnings Winners“ gilt dasselbe für die Vier-Tage-Rendite und die Wochenstärke.
Sie ging nach unten. Der Bericht kam am 22. Juli 2026 nach Börsenschluss, der Schlusskurs lag bei 5,87 US-Dollar. Am 23. Juli eröffnete die Aktie bei 5,52 US-Dollar — eine Kurslücke von 5,96 Prozent nach unten —, fiel im Tagesverlauf bis 4,97 und schloss bei 5,115, ein Minus von 12,86 Prozent. Am 24. Juli waren es 4,885 US-Dollar mit einem neuen Zwölfmonatstief von 4,81, am 27. Juli 5,18. Über vier Handelstage: minus 11,8 Prozent.
Nur, dass der Verlust kleiner ausfiel als erwartet. Erwartet wurden minus 0,18 US-Dollar je Aktie, gemeldet wurden minus 0,16 — eine Differenz von 2 Cent oder rund 12,3 Millionen US-Dollar bei 617,1 Millionen gewichteten Aktien. Zum Vergleich: Der Zinsertrag auf die eigene Kasse betrug im selben Quartal 8,4 Millionen. Der Rückgang des Nettoverlusts von 114,7 auf 98,2 Millionen erklärt sich zudem aus einer um 13,6 Millionen niedrigeren Wertberichtigung und 5,6 Millionen weniger Abschreibungen gegenüber dem Vorjahresquartal.
Zum 30. Juni 2026 lagen 859,0 Millionen US-Dollar in Kasse und Wertpapieren, nach 970,8 Millionen zum Jahresende 2025. Der freie Mittelabfluss betrug 2025 zusammen 278,8 Millionen US-Dollar und im ersten Halbjahr 2026 130,9 Millionen — hochgerechnet rund 262 Millionen im Jahr. Auf Basis der eigenen Prognose für 2026 (277 bis 312 Millionen) reicht die Kasse rund 2,8 bis 3,1 Jahre, also etwa bis 2029. Das Unternehmen selbst sagt im Bericht nur zu, dass die Mittel „für einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten“ genügen.
Sie ist die einzige Vereinbarung mit Kommerzialisierungsabsicht — und ihr Zahlungsrahmen wurde gekürzt. Im Juli 2025 hatte PowerCo bis zu 130,7 Millionen US-Dollar für das gemeinsame Hochlaufprojekt zugesagt. Am 16. Juli 2026 wurde daraus ein Höchstbetrag von 75,4 Millionen „einschließlich der bis heute gezahlten Beträge“. Geflossen sind bisher 19,5 Millionen (2025) und 10,4 Millionen (erstes Halbjahr 2026). Die Lizenzvereinbarung mit einer Vorabgebühr von 130 Millionen US-Dollar und bis zu 85 Gigawattstunden Jahreskapazität ist bis heute nicht abgeschlossen.
Die Aktienzahl stieg von 364,0 Millionen Stück zum 31. Dezember 2020 auf 619,1 Millionen zum 17. Juli 2026 — plus 70,1 Prozent. Wer Ende 2021 investiert war (428,3 Millionen Aktien), hält heute noch 69,2 Prozent seines damaligen Anteils. Dazu kommt der Kursverlust: von 22,19 US-Dollar am 31. Dezember 2021 auf 5,18 am 27. Juli 2026, minus 76,7 Prozent. Kapital kam 2023 aus einer Platzierung über 37,5 Millionen Aktien (netto 288,2 Millionen US-Dollar) sowie 2024 und 2025 aus einem Marktprogramm über 24,9 und 29,5 Millionen Aktien.
Weil es keinen Gewinn gibt, bleibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis korrekt leer — ebenso Kurs-Umsatz-Verhältnis, Bruttomarge und Kurs zu freiem Cashflow. Das erwartete KGV von 0,0 ist dagegen ein Artefakt, wie auch die ausgewiesene Umsatzreihe mit 79,6 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2024 und minus 36,7 Millionen im dritten Quartal 2025: Solche Werte stehen in keinem Bericht des Unternehmens. Ebenfalls abweichend: die Aktienzahl von 578,3 Millionen gegenüber 619,1 Millionen im Quartalsbericht.
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