Weatherford-Aktie: Das günstige KGV gilt für ein Quartal, das schon vorbei ist
Weatherford besteht alle fünf Hürden unseres strengsten Qualitätsfilters — Bilanznote 7, Eigenkapitalrendite 30,8 Prozent, Kurs-Gewinn-Verhältnis 13,3. Wir haben Jahresbericht, Quartalsbericht und die Insolvenzakte von 2019 gelesen. Dabei zeigt sich: Das KGV misst die zwölf Monate bis Ende März — mit dem Quartal vom 21. Juli 2026 sind es 16,7 statt 13,3. Die hohe Eigenkapitalrendite entsteht zu einem guten Teil daraus, dass das Eigenkapital seit dem Insolvenzverfahren klein ist. Und ein Viertel aller Forderungen steht in Mexiko.
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Stell dir einen Gerüstbauer vor. Er besitzt kein einziges Haus. Er verdient nichts daran, ob Immobilien teuer oder billig sind — er verdient daran, dass jemand baut. Und wenn die Bauherren ihr Budget kürzen, verliert er nicht ein bisschen Umsatz. Er verliert den ganzen Auftrag, weil das Gerüst dann eben im Hof liegen bleibt. Dazu kommt: Seine Rechnungen gehen nicht an tausend Häuslebauer, sondern an eine Handvoll sehr großer Auftraggeber. Und einer davon zahlt chronisch spät.
Genau dieses Geschäft betreibt Weatherford International (NASDAQ: WFRD). Das Unternehmen fördert keinen einzigen Tropfen Öl. Es baut, vermisst, komplettiert und repariert die Bohrlöcher, aus denen andere fördern. Auf unsere Rechercheliste kam die Aktie, weil sie in einem strengen Qualitätsfilter auftaucht: Bilanznote 7 von 9, Eigenkapitalrendite 30,8 Prozent, Kurs-Gewinn-Verhältnis 13,3. Deshalb machen wir einen Deal: Bevor du dich von dieser Datenlage überzeugen lässt, lesen wir gemeinsam die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC. Am Ende entscheidest du selbst.
Damit du weißt, worauf wir hinauswollen, hier gleich das Spannungsfeld dieser Analyse: Die Bilanz von Weatherford ist solide — 343 Millionen US-Dollar Netto-Verschuldung, die erste Anleihe wird 2030 fällig. Die drei Kennzahlen, die den Filter auslösen, sind es nicht in der Form, in der sie dastehen. Merk dir diese drei Sätze: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,3 misst ein Quartal, das schon überholt ist. Die Eigenkapitalrendite von 30,8 Prozent ist zu einem guten Teil eine Folge des Insolvenzverfahrens von 2019. Und ein Viertel aller Forderungen steht in Mexiko.
Was Weatherford eigentlich macht
Ölfelddienstleister sind die Handwerker der Förderindustrie. Die Förderfirmen — von ExxonMobil bis zur staatlichen Ölgesellschaft eines Golfstaats — besitzen die Lizenzen und verkaufen das Öl. Für alles, was zwischen der Entscheidung „hier bohren wir“ und dem ersten Fass liegt, holen sie sich Spezialisten. Weatherford ist einer davon, und zwar ein breit aufgestellter. Das Unternehmen führte zum Jahresende 2025 rund 16.700 Beschäftigte in etwa 75 Ländern und 305 Betriebsstätten.
Drei Segmente teilen das Geschäft auf. Die Zahlen sind die des zweiten Quartals 2026:
- Drilling and Evaluation (DRE) — Steuerung des Bohrdrucks (Managed Pressure Drilling), Bohrlochmessung, Bohrdienste. Umsatz 291 Millionen US-Dollar, bereinigtes Segment-EBITDA 58 Millionen, Marge 19,9 Prozent. Das ist das Segment, das im Quartal am stärksten litt: minus 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Well Construction and Completions (WCC) — Verrohrung, Liner-Hänger, Zementierung, Komplettierung. Umsatz 433 Millionen, Segment-EBITDA 107 Millionen, Marge 24,7 Prozent. Das größte und margenstärkste Segment.
- Production and Intervention (PRI) — Fördertechnik, künstliche Auftriebshilfen, Druckpumpen, Eingriffe in bestehende Bohrungen. Umsatz 316 Millionen, Segment-EBITDA 70 Millionen, Marge 22,2 Prozent. Das einzige Segment, das im Quartal zulegte.
Was die Rechtsform angeht, lohnt sich ein genauer Blick, weil viele Datenbanken hier danebenliegen. Weatherford ist eine irische Gesellschaft (Commission File 001-36504, CIK 0001603923) — und reicht trotzdem 10-K, 10-Q und 8-K ein, also die Formulare eines US-Inlandsemittenten, nicht das 20-F eines ausländischen Emittenten. Wir haben das am Einreichungsindex nachgesehen statt es anzunehmen: Der Jahresbericht 10-K für 2025 wurde am 4. Februar 2026 eingereicht, der Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 am 22. Juli 2026. Die operative Zentrale liegt seit über zwei Jahrzehnten in Houston/Texas. Und der Bericht sagt selbst: „We had no PP&E, Net and operating lease assets in our country of domicile (Ireland)“ — in Irland stehen weder Sachanlagen noch entsteht dort Umsatz.
Diese irische Hülle ist gerade Gegenstand einer Abstimmung, und der erste Anlauf ist bereits gescheitert. Dazu weiter unten mehr.
Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht
Auf die Rechercheliste kam Weatherford über einen einzigen Filter: »QARP — Qualität zum fairen Preis«, dort Rang 16 der US-Auswahl (Datenstand 27. Juli 2026). Dieser Scanner ist streng, weil er fünf Bedingungen gleichzeitig verlangt — Qualität allein ist meist teuer, Billiges allein meist Schrott. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ den Filter »QARP — Qualität zum fairen Preis« öffnen, Land auf USA stellen und die Zeile WFRD suchen. Und so schneidet die Aktie bei den fünf Hürden ab:
- Piotroski-F-Score mindestens 7 — WFRD: 7 von 9. Diese Kennzahl zählt neun Ja/Nein-Fragen zu Ertrag, Bilanz und Effizienz zusammen. Wichtig: Der Wert schwankt. In den sechs Quartalen von Ende 2024 bis Anfang 2026 lauteten die Ablesungen 6, 6, 7, 6, 8 und 7 — in drei von sechs Quartalen hätte Weatherford diese Hürde gerissen.
- Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent — WFRD: 30,8 Prozent. Das ist die Hürde mit dem größten Erklärungsbedarf, und sie bekommt weiter unten ein eigenes Kapitel.
- EBIT-Marge mindestens 10 Prozent — WFRD: 11,8 Prozent. Gegenrechnung: 2025 blieben von 4.918 Millionen US-Dollar Umsatz 756 Millionen operatives Ergebnis, also 15,4 Prozent; auf Zwölfmonatssicht bis 30. Juni 2026 sind es 12,7 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 allein waren es 9,7 Prozent — und damit erstmals unter der Hürde.
- Verschuldungsgrad höchstens 1 — WFRD: 0,945. Das ist knapp. Unsere eigene Rechnung — 1.480 Millionen US-Dollar Finanzschulden auf 1.789 Millionen Eigenkapital zum 30. Juni 2026 — ergibt 0,83. Beide Werte bestehen die Prüfung, aber ohne Puffer.
- Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — WFRD: 13,3. Das ist die Hürde, die man sich als Erstes ansehen muss, und darum geht es gleich.
Ergänzend führt der Datenbestand ein Fundamental-Rating von 56 (Note B), einen Börsenwert von rund 6,2 Milliarden US-Dollar und eine Dreijahresrendite von 15,6 Prozent pro Jahr. Ein Scanner beschreibt aber immer, was war — und im Fall von Weatherford beschreibt er sogar etwas, das zum Zeitpunkt der Messung bereits überholt war. Genau dort fangen wir an.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Rabatt ist schon weg
Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis besteht aus zwei Teilen: einem Kurs und einem Gewinn. Beim Kurs sind sich alle einig — 84,84 US-Dollar zum Datenstand 27. Juli 2026. Beim Gewinn muss man wissen, welche zwölf Monate gemeint sind. Rechnen wir es auf: 84,84 geteilt durch 13,28 ergibt einen Gewinn je Aktie von 6,39 US-Dollar. Diesen Wert erreicht Weatherford genau in einem Zeitraum: den zwölf Monaten bis zum 31. März 2026 (5,93 für 2025, minus 1,03 für das erste Quartal 2025, plus 1,49 für das erste Quartal 2026).
Am 21. Juli 2026 — sechs Tage vor dem Datenstand — legte Weatherford das zweite Quartal vor. Und das sah anders aus:
- Umsatz 1.105 Millionen US-Dollar, minus 4 Prozent gegenüber dem Vorquartal, minus 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
- Operatives Ergebnis 107 Millionen nach 237 Millionen — minus 55 Prozent. Fairerweise gehört dazu: In den 237 Millionen des Vorjahresquartals steckte ein Verkaufsgewinn von 70 Millionen aus dem Verkauf des argentinischen Druckpumpengeschäfts. Ohne diesen Sondereffekt beträgt der Rückgang minus 36 Prozent.
- Nettoergebnis 39 Millionen nach 136 Millionen — minus 71 Prozent, Nettomarge 3,5 Prozent. Der überproportionale Einbruch hat einen zweiten Grund: Auf 75 Millionen Vorsteuerergebnis entfielen 33 Millionen Steuern, eine Quote von 44 Prozent nach 24 Prozent im Vorjahresquartal.
- Ergebnis je Aktie 0,55 US-Dollar nach 1,87.
Jetzt die Rechnung, auf die es ankommt. Der Zwölfmonatsgewinn wandert von 6,39 auf 5,07 US-Dollar je Aktie (5,93 für 2025, minus 2,90 für das erste Halbjahr 2025, plus 2,04 für das erste Halbjahr 2026). Bei unverändertem Kurs von 84,84 US-Dollar ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,7 statt 13,3. Die Aktie ist also nicht teurer geworden — sie war nie so billig, wie die Kennzahl sagte.
Der Vorstandschef Girish Saligram nennt im Ergebnisbericht auch den Grund für den Einbruch — und er liegt nicht im Unternehmen:
„Despite the significant disruption in the Middle East due to the Iran conflict, our second-quarter results, especially adjusted free cash flow, were strong … While the Middle East situation remains volatile and creates activity headwinds in the short term, our longer-term thesis remains intact. A return to the pre-conflict operating levels is expected to be gradual, contingent on continued regional stability.“
Übersetzung: „Trotz der erheblichen Störungen im Nahen Osten durch den Iran-Konflikt waren unsere Ergebnisse des zweiten Quartals, insbesondere der bereinigte freie Mittelzufluss, stark … Die Lage im Nahen Osten bleibt volatil und bremst die Aktivität kurzfristig, unsere längerfristige These bleibt jedoch intakt. Eine Rückkehr zum Aktivitätsniveau vor dem Konflikt wird schrittweise erwartet und hängt von anhaltender regionaler Stabilität ab.“
— Weatherford International plc, SEC-Meldung 8-K vom 21.07.2026, Exhibit 99.1 (Ergebnisbericht zweites Quartal 2026)
In Zahlen: Der Umsatz in der Region Naher Osten/Nordafrika/Asien fiel im zweiten Quartal um 78 Millionen US-Dollar oder 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 446 Millionen. Das ist der größte Einzelbeitrag zum Rückgang — und es ist ein Ereignis, keine Strukturschwäche. Nur wird es dadurch nicht planbarer.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Eigenkapitalrendite ist zur Hälfte Buchhaltung
Eine Eigenkapitalrendite von 30,8 Prozent klingt nach einem Ausnahmeunternehmen. Sie ist ein Bruch: Gewinn geteilt durch Eigenkapital. Wenn der Nenner klein ist, wird das Ergebnis groß — auch dann, wenn der Zähler nur durchschnittlich ist. Und bei Weatherford ist der Nenner aus einem bestimmten Grund klein.
Am 1. Juli 2019 beantragte Weatherford Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beim Konkursgericht für den südlichen Bezirk von Texas. Am 11. September 2019 bestätigte das Gericht den vorbereiteten Sanierungsplan, am 13. Dezember 2019 verließ das Unternehmen das Verfahren. Der Preis dafür war für die damaligen Aktionäre der Totalverlust:
„On the Effective Date, by operation of the Plan, all agreements, instruments, and other documents evidencing, relating to or connected with any equity interests of the Company, including the Old Ordinary Shares, issued and outstanding immediately prior to the Effective Date, and any rights of any holder in respect thereof, were deemed cancelled, discharged and of no force or effect.“
Übersetzung: „Am Stichtag wurden kraft des Plans sämtliche Vereinbarungen, Urkunden und sonstigen Dokumente, die Eigenkapitalanteile der Gesellschaft verbriefen oder mit ihnen zusammenhängen — einschließlich der alten Stammaktien, die unmittelbar vor dem Stichtag ausgegeben und ausstehend waren —, sowie alle Rechte eines jeden Inhabers daran als gestrichen, erledigt und wirkungslos behandelt.“
— Weatherford International plc, SEC-Meldung 8-K vom 13.12.2019, Item 1.02
Die Größenordnung: 7,6 Milliarden US-Dollar an unbesicherten und wandelbaren Anleihen samt aufgelaufener Zinsen wurden gestrichen. Daraus buchte Weatherford einen Ertrag von 4.297 Millionen US-Dollar. Die Gläubiger erhielten neue Aktien im Wert von 2.837 Millionen, die alten Aktionäre 29 Millionen — also rund ein Prozent — plus Optionsscheine mit einem Ausübungspreis von 99,96 US-Dollar, die am 13. Dezember 2023 verfielen.
Bilanziell folgte daraus die Frischstart-Bilanzierung nach dem US-Standard ASC 852: Alle Vermögenswerte und Schulden wurden zum beizulegenden Zeitwert neu angesetzt, es entstand eine neue Berichtseinheit. Der Jahresbericht 2019 warnt ausdrücklich davor, ältere Zahlen mit neueren zu vergleichen:
„As a result of the adoption of Fresh Start Accounting and the effects of the implementation of the Plan, our consolidated financial statements subsequent to December 13, 2019 may not be comparable to our consolidated financial statements on or prior to December 13, 2019, and as such, ‚black-line‘ financial statements are presented to distinguish between the Predecessor and Successor companies.“
Übersetzung: „Infolge der Anwendung der Frischstart-Bilanzierung und der Umsetzung des Plans sind unsere Konzernabschlüsse für Zeiträume nach dem 13. Dezember 2019 möglicherweise nicht mit unseren Konzernabschlüssen für Zeiträume bis einschließlich 13. Dezember 2019 vergleichbar; deshalb werden ‚Trennstrich‘-Abschlüsse dargestellt, um die Vorgänger- von der Nachfolgegesellschaft zu unterscheiden.“
— Weatherford International plc, SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2019
Und nun zur Bilanz von heute. Das Eigenkapital betrug am 30. Juni 2026 1.788 Millionen US-Dollar. Es setzt sich zusammen aus 2.794 Millionen eingezahltem Kapital, einem Verlustvortrag von minus 1.022 Millionen und 16 Millionen Währungs- und Pensionsposten. Der Verlustvortrag ist die Narbe: Nach dem Neustart stand er bei null, dann verlor Weatherford 2020 noch einmal 1.921 Millionen und 2021 weitere 450 Millionen US-Dollar.
Jetzt die Gegenrechnung, und sie ist der Kern dieser Analyse. Der Zwölfmonatsgewinn bis 30. Juni 2026 beträgt 366 Millionen US-Dollar. Auf das aktuelle Eigenkapital von 1.788 Millionen gerechnet sind das 20,5 Prozent, auf den Durchschnitt der letzten beiden Bilanzstichtage 21,0 Prozent — nicht 30,8. Und wäre der Verlustvortrag nicht da, stünde im Nenner 2.810 Millionen; dann wären dieselben 366 Millionen eine Rendite von 13,0 Prozent — und Weatherford hätte die 15-Prozent-Hürde des Filters gerissen.
Es gibt noch eine Zahl, die man kennen sollte: Am Tag des Neustarts, dem 13. Dezember 2019, betrug das Eigenkapital 2.931 Millionen US-Dollar. Heute sind es 1.789 Millionen. Nach fünf profitablen Jahren in Folge steht Weatherford beim Eigenkapital also schlechter da als am ersten Tag nach der Insolvenz — wegen der Verluste von 2020 und 2021 und wegen der Aktienrückkäufe seither. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Einordnung: Die hohe Eigenkapitalrendite ist zu einem erheblichen Teil die Folge eines kleinen Nenners, nicht eines großen Zählers.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Viertel der Forderungen steht in Mexiko
Der Gerüstbauer aus dem Anfang hat ein zweites Problem, das nichts mit der Baukonjunktur zu tun hat: Er muss sein Geld auch bekommen. Bei Weatherford steht dazu ein Absatz im Quartalsbericht, den man zweimal lesen sollte:
„Our net accounts receivables in Mexico were 25% and 27% of our total net accounts receivables, as of June 30, 2026 and December 31, 2025, respectively, of which our largest customer in the country accounted for 21% and 24% of our total net outstanding accounts receivables, respectively. Our largest customer in Mexico has a history of making late payments and, at times in the past, has utilized third-party financial institutions to pay certain of our receivables. The balances due are not in dispute …“
Übersetzung: „Unsere Netto-Forderungen in Mexiko betrugen zum 30. Juni 2026 beziehungsweise zum 31. Dezember 2025 25 und 27 Prozent unserer gesamten Netto-Forderungen; davon entfielen 21 beziehungsweise 24 Prozentpunkte auf unseren größten Kunden in diesem Land. Unser größter Kunde in Mexiko hat eine Geschichte verspäteter Zahlungen und hat in der Vergangenheit zeitweise dritte Finanzinstitute eingeschaltet, um bestimmte unserer Forderungen zu begleichen. Die offenen Beträge sind unstrittig …“
— Weatherford International plc, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Abschnitt Customer Receivables
Rechnen wir das in Geld um. Die Netto-Forderungen betrugen zum 30. Juni 2026 1.104 Millionen US-Dollar. 25 Prozent davon sind rund 276 Millionen in Mexiko, 21 Prozent rund 232 Millionen beim größten Kunden des Landes allein. Das entspricht rund 13 Prozent der Bilanzsumme — bei einem Eigenkapital von 1.788 Millionen. Der Bericht nennt den Kunden nicht beim Namen; er beschreibt eine Verbindung, wie sie zwischen einem Ölfelddienstleister und einer staatlichen Ölgesellschaft typisch ist.
Und nun die Zahl, die uns beim Lesen am meisten überrascht hat: Wertberichtigt sind konzernweit nur 12 Millionen US-Dollar. Auf 1.104 Millionen Forderungen ist das etwa ein Prozent. Weatherford schreibt diese Forderungen also nicht ab — es hält sie für werthaltig, nur eben für spät. Das ist bilanziell vertretbar, solange die Beträge „unstrittig“ sind. Es bedeutet aber: In dieser Position steckt bislang kein Puffer für den Fall, dass sich die Zahlungsmoral dauerhaft verschlechtert.
Wie sehr Weatherford dieses Problem in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, zeigt eine zweite Spur im Bericht. 2025 verkaufte das Unternehmen Forderungen im Volumen von 143 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr an Finanzinstitute weiter — im ersten Halbjahr 2026 waren es nur noch 13 Millionen. Und die Position „Other Charges, Net“ enthielt 2025 ausdrücklich „fees to third-party financial institutions related to collections of certain receivables from our largest customer in Mexico“, also Gebühren dafür, dass Dritte das Eintreiben übernahmen. Wer bezahlt, um an sein eigenes Geld zu kommen, hat ein Kundenproblem.
Der Umsatz zeigt dieselbe Bewegung. Der Erlös in Lateinamerika fiel von 1.393 Millionen US-Dollar (2024) auf 898 Millionen (2025) — ein Minus von 495 Millionen oder 36 Prozent in einem einzigen Jahr. Mexiko allein stand 2023 für 13 und 2024 für 12 Prozent des Konzernumsatzes, der größte Kunde dort für jeweils 10 Prozent. 2025 taucht Mexiko in dieser Aufzählung nicht mehr auf, weil es die 10-Prozent-Schwelle unterschritten hat.
Zur Einordnung: Solche Kundenkonzentrationen sind in dieser Branche die Regel, nicht die Ausnahme. Beim Wettbewerber National Energy Services Reunited, der ebenfalls überwiegend für staatliche Ölgesellschaften im Nahen Osten und Nordafrika arbeitet, steht ein einziger Kunde für 49 Prozent des Umsatzes. Der Unterschied liegt darin, wie der Kunde zahlt — und darüber schreibt Weatherford ungewöhnlich offen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Russland wird größer, nicht kleiner
Der vierte Punkt ist kein Bilanz-, sondern ein Rechts- und Reputationsrisiko — und er steht mit Zahlen im Bericht, nicht als Vermutung:
„Revenues in Russia were just under 10% and 9% of our total revenues for the three and six months ended June 30, 2026, respectively, compared to 7% of our total revenue for both the three and six months ended June 30, 2025. … As of June 30, 2026, our Russia operations included $118 million in cash, $178 million in other current assets, $105 million in property, plant and equipment, net and other non-current assets, and $90 million in liabilities.“
Übersetzung: „Die Umsätze in Russland betrugen im Quartal beziehungsweise im Halbjahr bis zum 30. Juni 2026 knapp 10 und 9 Prozent unseres Gesamtumsatzes, verglichen mit 7 Prozent in beiden Vergleichszeiträumen des Jahres 2025. … Zum 30. Juni 2026 umfasste unser Russlandgeschäft 118 Millionen US-Dollar Kasse, 178 Millionen sonstiges Umlaufvermögen, 105 Millionen Sachanlagen und sonstige langfristige Vermögenswerte sowie 90 Millionen Verbindlichkeiten.“
— Weatherford International plc, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Note „Russia Ukraine Conflict“
Drei Beobachtungen dazu. Erstens ist der Anteil gestiegen — von 6 Prozent (2023) über 5 (2024) und 7 (2025) auf knapp 10 Prozent im letzten Quartal. Weatherford nennt den Grund selbst: nicht Wachstum in Russland, sondern der Einbruch im Nahen Osten und ein stärkerer Rubel. Der Anteil wächst also, weil der Rest schrumpft. Zweitens stehen 12 Prozent aller Netto-Forderungen in Russland, rund 132 Millionen US-Dollar. Drittens liegen dort 118 Millionen US-Dollar Kasse — Geld, das in der Konzernbilanz mitzählt, aber nicht ohne Weiteres nach Houston fließt. Das Unternehmen nennt als Handlungsoptionen ausdrücklich auch, das Geschäft „mit der Zeit zurückzufahren oder abzuwickeln“ oder Vermögenswerte zu verkaufen. Entschieden ist nichts.
Zyklik-Ehrlichkeit: Was ein schwaches Jahr kostet
Jetzt zum Kernrisiko dieses Geschäftsmodells, und hier hilft die lange Reihe mehr als jede Prognose. Weatherford lebt von den Investitionsbudgets seiner Kunden, und die hängen am Ölpreis. Die Verstärkung entlang dieser Kette lässt sich für 2025 exakt beziffern:
- Der Ölpreis (WTI) fiel im Jahresmittel von 76,55 auf 65,46 US-Dollar je Fass — minus 14,5 Prozent.
- Die weltweite Zahl aktiver Bohrtürme fiel von 1.948 auf 1.818 — minus 6,7 Prozent (Nordamerika 738 nach 786, international 1.080 nach 1.162).
- Weatherfords Umsatz fiel von 5.513 auf 4.918 Millionen US-Dollar — minus 10,8 Prozent.
- Das operative Ergebnis fiel von 938 auf 756 Millionen — minus 19,4 Prozent.
- Und am Ende der Kette, im zweiten Quartal 2026: das Nettoergebnis minus 71 Prozent.
Je weiter man in der Kette nach hinten geht, desto größer der Ausschlag. Genau das meint „Zyklus“ bei einem Dienstleister. Dasselbe Muster hat der Permian-Dienstleister ProPetro vorgeführt, dessen Umsatz 2025 um 12 Prozent fiel, während der Kurs bereits drehte — ein steigender Kurs am Zyklustief ist noch kein Frühling.
Wie tief es gehen kann, zeigt die Jahresreihe. Und sie ist ernüchternd: In den elf Jahren von 2015 bis 2025 hat Weatherford nur in fünf ein positives operatives Ergebnis erzielt — in allen fünf davon nach dem Neustart.
Rechnen wir die Bewertung deshalb einmal über den ganzen Zyklus statt über zwölf Monate. Das schwächste Jahr seit dem Neustart war 2021: 3.645 Millionen US-Dollar Umsatz, 116 Millionen operatives Ergebnis — und unter dem Strich ein Verlust von 450 Millionen US-Dollar. In einem solchen Jahr gibt es kein Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil es keinen Gewinn gibt. 2022, das erste Gewinnjahr, brachte 26 Millionen netto; auf 72,2 Millionen Aktien sind das 0,36 US-Dollar je Aktie, und der heutige Kurs wäre das rund 236-Fache davon.
Die fairste Rechnung liegt dazwischen. Nimmt man den Durchschnitt der fünf vollen Jahre seit dem Neustart — minus 450 (2021), plus 26 (2022), plus 417 (2023), plus 506 (2024), plus 431 (2025) —, ergibt sich ein mittlerer Jahresgewinn von 186 Millionen US-Dollar oder 2,58 US-Dollar je Aktie. Bei 84,84 US-Dollar Kurs entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32,9.
Drei Zahlen, ein Unternehmen: 13,3 auf den Rekordgewinn bis März, 16,7 auf den aktuellen Zwölfmonatsgewinn, 32,9 auf den Durchschnitt eines vollständigen Zyklus. Die ehrliche Formulierung lautet deshalb nicht „Weatherford ist günstig“, sondern: Weatherford ist günstig, wenn der aktuelle Zyklusabschnitt der Normalfall ist. Diese Frage entscheidet über die Aktie — und wer sie am Gaspreis festmachen will, findet die Gegenseite derselben Rechnung bei einem Förderer wie Range Resources, der im selben Filter steht und dessen Investitionsbudget wiederum Weatherfords Auftragsbuch füllt.
Die Bilanz — hier ist der Abschwung eingepreist
Bis hierhin ging es um den Preis. Jetzt zur Substanz, und die ist deutlich besser als ihr Ruf. Weatherford hatte am 30. Juni 2026:
- 1.100 Millionen US-Dollar Kasse plus 37 Millionen verfügungsbeschränkte Mittel, zusammen 1.137 Millionen.
- 1.480 Millionen US-Dollar Finanzschulden — daraus eine Netto-Verschuldung von 343 Millionen und das 0,34-Fache des bereinigten Zwölfmonats-EBITDA von 1.016 Millionen. Ein Jahr zuvor waren es 588 Millionen und das 0,49-Fache.
- Ein Fälligkeitsprofil ohne kurzfristigen Druck: 236 Millionen aus der Anleihe mit 8,625 Prozent Zins, fällig 30. April 2030, und 1.200 Millionen aus der im Oktober 2025 begebenen Anleihe mit 6,75 Prozent, fällig 15. Oktober 2033. Dazu eine besicherte Kreditlinie über 1.000 Millionen US-Dollar bis 18. September 2030.
- Ein Umlaufvermögen von 3.298 Millionen gegen 1.407 Millionen kurzfristige Schulden — Verhältnis 2,3 zu 1.
- Kreditnoten von Ba2 (Moody's, Ausblick positiv) sowie BB (Standard & Poor's und Fitch, Ausblick stabil), Stand 31. Dezember 2025.
Bemerkenswert ist der Zahlungsstrom im Abschwung. Im zweiten Quartal 2026 stieg der operative Mittelzufluss um 37 Prozent auf 175 Millionen US-Dollar, der bereinigte freie Mittelzufluss um 76 Prozent auf 139 Millionen — während der Gewinn um 71 Prozent fiel. Der Grund steht in der Kapitalflussrechnung: Weatherford holte im Halbjahr 143 Millionen US-Dollar aus dem Forderungsbestand herein und senkte die Investitionen von 131 auf 96 Millionen. Das ist typisch für einen Dienstleister im Abschwung — die Bilanz wird zur Kasse gemacht — und es hält nicht ewig an. Auf zwölf Monate gerechnet ergibt sich ein bereinigter freier Mittelzufluss von rund 545 Millionen US-Dollar, gut 9 Prozent des Börsenwerts.
Wer den Altman-Z″-Wert sehen will, die Insolvenz-Frühwarnzahl aus vier Bilanzkennzahlen (unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Die Bilanz trägt die Formel, weil sie sauber in kurz- und langfristig gegliedert ist. Unsere Nachrechnung zum 30. Juni 2026 ergibt rund 3,1 — in der sicheren Zone, aber ohne großen Abstand. Und man muss wissen, woran das liegt: Der Verlustvortrag von minus 1.022 Millionen US-Dollar zieht allein 0,65 Punkte ab. Ohne ihn stünde derselbe Betrieb bei rund 3,8. Der hauseigene Datenbestand führt für Weatherford einen Altman-Wert von 6,45; er beruht auf einer anderen Formelvariante mit anderen Schwellen und ist mit unserer Rechnung nicht direkt vergleichbar.
Zur Kapitalrückgabe: Im zweiten Quartal 2026 flossen 20 Millionen US-Dollar Dividende und 16 Millionen Rückkäufe an die Aktionäre, im ersten Halbjahr zusammen 66 Millionen. Am 16. Juli 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine Quartalsdividende von 0,275 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 3. September 2026 — aufs Jahr 1,10 US-Dollar oder rund 1,3 Prozent Rendite. Die Dividende gibt es erst seit 2024 (36 Millionen), 2025 waren es 72 Millionen, Rückkäufe 101 Millionen. Zusammen liegt die Ausschüttung deutlich unter dem freien Mittelzufluss.
Zwei laufende Umbauten, die man kennen muss
Erstens die Sitzverlegung. Am 2. April 2026 schlug Weatherford vor, die Muttergesellschaft von Irland in die USA zu verlegen — nach Texas. Bei den Hauptversammlungen im Juni 2026 erhielt der Vorschlag „mehr als 60 Prozent“ der abgegebenen Stimmen, nötig waren jedoch 75 Prozent. Er fiel durch. Seither liegt ein neuer Plan auf dem Tisch: Verlegung nach Delaware, zwei Aktionärsversammlungen am 3. September 2026. Der Nutzen ist beziffert — 20 bis 30 Millionen US-Dollar jährliche Kostenersparnis ab 2027. Der Preis ebenfalls: Allein im zweiten Quartal 2026 fielen 12 Millionen, im Halbjahr 21 Millionen US-Dollar an Kosten für das Vorhaben an. Ein Umzug, der zweimal bezahlt und einmal abgelehnt wurde, ist ein Termin für den Kalender.
Zweitens ein Zukauf. Am 31. Mai 2026 vereinbarte Weatherford die Übernahme von NCS Multistage Holdings (NASDAQ: NCSM), einem Spezialisten für die Optimierung von Bohrlochkomplettierungen. Gezahlt wird in eigenen Aktien und Bargeld: rechnerisch 0,463 Weatherford-Aktien je NCS-Aktie, höchstens 19,99 Prozent davon in bar. NCS hatte 2.624.523 Aktien — es entstehen also rund 1,2 Millionen neue Weatherford-Aktien, rund 1,7 Prozent Verwässerung. Die erwarteten Kostensynergien betragen mindestens 15 Millionen US-Dollar jährlich binnen 18 Monaten. Der Mehrheitsaktionär von NCS mit 56,33 Prozent hat bereits zugestimmt, ein Aktionärsvotum ist nicht mehr nötig; der Abschluss wird im zweiten Halbjahr 2026 erwartet. Es ist ein kleiner Zukauf, kein Umbau — aber er zeigt die Richtung: mehr Geschäft mit unkonventionellen Lagerstätten, also mehr Nordamerika.
Nebenbei liefert dieser Vorgang einen datierten Kursanker. Der Verkaufsprospekt nennt den Schlusskurs der Weatherford-Aktie am 29. Mai 2026 mit 103,64 US-Dollar. Zum Datenstand dieser Analyse, dem 27. Juli 2026, waren es 84,84 US-Dollar — 18 Prozent weniger in zwei Monaten. Der Markt hat auf das Quartal also bereits reagiert.
Die Gegenprobe zum Börsenwert
Weil Kennzahlen nur so gut sind wie die Aktienzahl dahinter, hier die Kontrollrechnung. Der Datenbestand führt einen Börsenwert von rund 6,16 Milliarden US-Dollar. Laut Konzernbilanz waren am 30. Juni 2026 71,8 Millionen Aktien ausgegeben und ausstehend (zum 30. Januar 2026 exakt 71.717.593). Bei 84,84 US-Dollar ergibt das 6,09 Milliarden; auf die verwässerte Aktienzahl von 72,2 Millionen gerechnet 6,13 Milliarden. Die Abweichung zum Datenbestand beträgt also rund 1,1 Prozent oder 0,07 Milliarden US-Dollar — im Rahmen dessen, was unterschiedliche Kursstichtage und Verwässerungsannahmen erzeugen. Es gab keinen Aktiensplit und keine Kapitalerhöhung, die das Bild verzerren könnte.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Weatherford spricht:
- Belastbare Bilanz für einen Zykliker: 1.137 Millionen US-Dollar Gesamtliquidität, 343 Millionen Netto-Verschuldung, das 0,34-Fache des bereinigten EBITDA, erste Anleihefälligkeit erst 2030, ungenutzte Kreditlinie über 1.000 Millionen.
- Der Zahlungsstrom hält im Abschwung: bereinigter freier Mittelzufluss 139 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026 (plus 76 Prozent) und rund 545 Millionen auf Zwölfmonatssicht, gut 9 Prozent des Börsenwerts.
- Breite internationale Basis: 900 der 1.105 Millionen US-Dollar Quartalsumsatz kommen von außerhalb Nordamerikas. Neue Aufträge unter anderem von Chevron (Australien, fünf Jahre), Petroleum Development Oman (247 Bohrungen, drei Jahre), Kuwait Oil Company (zwei Verträge über fünf Jahre) und Valaris (Brasilien, zwei Jahre).
- Kapitalrückgabe aus dem Zahlungsstrom, nicht aus der Substanz: 66 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2026, Quartalsdividende auf 0,275 US-Dollar erhöht (beschlossen am 16.07.2026).
- Zwei bezifferte Selbsthilfen: 20 bis 30 Millionen US-Dollar jährliche Ersparnis aus der Sitzverlegung ab 2027, mindestens 15 Millionen aus dem Zukauf NCS Multistage.
Was dagegen spricht:
- Der günstige Preis ist überholt: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,3 misst die zwölf Monate bis 31. März 2026. Mit dem am 21. Juli 2026 gemeldeten Quartal sind es 16,7 — und auf den Fünfjahresschnitt seit dem Neustart 32,9.
- Die Eigenkapitalrendite von 30,8 Prozent beruht auf einem kleinen Nenner. Ohne den Verlustvortrag von 1.022 Millionen US-Dollar wären es 13,0 Prozent. Das Eigenkapital liegt heute unter dem Stand am Tag des Neustarts (1.789 gegen 2.931 Millionen).
- Forderungs-Klumpen in Mexiko: 25 Prozent aller Netto-Forderungen, davon 21 Prozentpunkte bei einem Kunden mit „einer Geschichte verspäteter Zahlungen“ — bei einer konzernweiten Wertberichtigung von nur 12 Millionen US-Dollar. Der Umsatz in Lateinamerika fiel 2025 um 36 Prozent.
- Russland macht knapp 10 Prozent des Quartalsumsatzes und 12 Prozent der Forderungen aus, mit 118 Millionen US-Dollar Kasse vor Ort. Der Anteil steigt, obwohl das Unternehmen einen Rückzug ausdrücklich als Option führt.
- Zyklische Ertragslage: in elf Jahren fünf positive operative Ergebnisse; im schwächsten Jahr nach dem Neustart (2021) ein Verlust von 450 Millionen US-Dollar. Die operative Marge fiel im zweiten Quartal 2026 auf 9,7 Prozent — unter die 10-Prozent-Hürde des Filters.
- Der Bilanzscore schwankt: Der Piotroski-F-Score lag in drei der letzten sechs Quartale bei 6 und damit unter der Filterhürde von 7.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an den Gerüstbauer vom Anfang — den, der kein Haus besitzt und trotzdem am Bau hängt? Nach dem Blick in die Berichte weißt du jetzt, warum das Bild passt: Weatherford hat im zweiten Quartal 2026 nichts falsch gemacht. Der Iran-Konflikt hat im Nahen Osten Bohrungen verschoben, und binnen drei Monaten sind aus 136 Millionen US-Dollar Gewinn 39 Millionen geworden. Das Gerüst lag im Hof.
Und doch wäre es unfair, die Geschichte dabei zu belassen. Denn dieses Unternehmen hat aus dem Neustart etwas gemacht: Die Netto-Verschuldung ist auf 343 Millionen US-Dollar geschrumpft, die erste Anleihe wird erst 2030 fällig, der freie Mittelzufluss stieg ausgerechnet im schwächsten Quartal um 76 Prozent, und die Dividende wurde gerade erhöht. Wenn der Zyklus dreht — und er dreht immer irgendwann —, dann trifft das den Gewinn und den Kurs, aber nicht die Existenz. Der Unterschied zwischen einem Preisrisiko und einem Substanzrisiko ist bei Weatherford eindeutig: Hier geht es um den Preis. Ganz anders als bei Dienstleistern, deren Gewinn inzwischen aus dem Depot statt aus dem Bohrloch kommt — nachzulesen bei Liberty Energy.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Wenn wir die Funde ehrlich gewichten, steht am Ende ein solide finanziertes Unternehmen in einem schwachen Zyklusabschnitt, dessen drei attraktivste Kennzahlen bei genauem Hinsehen kleiner werden. Deshalb ist das hier ausdrücklich keine Warnung — die Bilanz trägt —, sondern eine Beobachtungslage mit zwei klaren Terminen. Am 3. September 2026 stimmen die Aktionäre über die Verlegung nach Delaware ab. Und im Bericht für das dritte Quartal steht ein einziger Satz, auf den es ankommt: der Umsatz in der Region Naher Osten/Nordafrika/Asien. Er lag bei 524 Millionen US-Dollar vor dem Konflikt und bei 446 Millionen danach. Kehrt er zurück, war das zweite Quartal eine Delle. Bleibt er unten, war 13,3 nie der richtige Maßstab. Du kannst es nachlesen.
Quellen
- Weatherford International plc — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (eingereicht 22.07.2026)
- Weatherford International plc — SEC-Meldung 8-K vom 21.07.2026, Exhibit 99.1 (Ergebnisbericht zweites Quartal 2026)
- Weatherford International plc — SEC-Jahresbericht 10-K, Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 04.02.2026)
- Weatherford International plc — SEC-Verkaufsprospekt 424B3 vom 22.07.2026 (Übernahme NCS Multistage Holdings)
- Weatherford International plc — SEC-Meldung 8-K vom 02.04.2026, Exhibit 99 (Vorschlag zur Sitzverlegung)
- Weatherford International plc — SEC-Meldung 8-K vom 13.12.2019 (Ende des Chapter-11-Verfahrens)
- Weatherford International plc — SEC-Jahresbericht 10-K, Geschäftsjahr 2019 (Frischstart-Bilanzierung)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Bewertung, Jahres- und Quartalsreihe); hauseigener Aktien-Scanner, Datenstand 27. Juli 2026.
Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung. Er stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar und kann persönliche Umstände nicht berücksichtigen. Aktien unterliegen Kursschwankungen; ein Totalverlust ist möglich. Triff deine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ziehe im Zweifel unabhängigen Rat hinzu.
Unser Fazit auf einen Blick
- Bilanz & Liquidität positiv
- Zum 30. Juni 2026 stehen 1.100 Millionen US-Dollar Kasse und 37 Millionen verfügungsbeschränkte Mittel gegen 1.480 Millionen Finanzschulden — eine Netto-Verschuldung von 343 Millionen und das 0,34-Fache des bereinigten Zwölfmonats-EBITDA von 1.016 Millionen (Vorjahr 588 Millionen und 0,49). Das Fälligkeitsprofil ist entspannt: 236 Millionen mit 8,625 Prozent bis 30. April 2030, 1.200 Millionen mit 6,75 Prozent bis 15. Oktober 2033, dazu eine Kreditlinie über 1.000 Millionen bis 18. September 2030. Umlaufvermögen zu kurzfristigen Schulden 2,3 zu 1. Ratings Ba2 (positiv) beziehungsweise BB (stabil).
- Ertragslage & Zyklus negativ
- Der Umsatz fiel 2025 um 10,8 Prozent auf 4.918 Millionen US-Dollar und im zweiten Quartal 2026 um weitere 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1.105 Millionen. Das operative Ergebnis sank von 938 (2024) auf 756 Millionen (2025); im zweiten Quartal 2026 lag die operative Marge bei 9,7 Prozent, das Nettoergebnis bei 39 Millionen nach 136 Millionen. Ursache ist überwiegend der Iran-Konflikt: Der Umsatz in Naher Osten/Nordafrika/Asien fiel um 78 Millionen oder 15 Prozent. Über elf Jahre erzielte Weatherford nur in fünf ein positives operatives Ergebnis; im schwächsten Jahr nach dem Neustart (2021) stand ein Verlust von 450 Millionen.
- Bewertung neutral
- Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,3 aus dem Datenbestand rechnet mit 6,39 US-Dollar Gewinn je Aktie, dem Zwölfmonatswert bis 31. März 2026. Mit dem am 21. Juli 2026 gemeldeten zweiten Quartal (0,55 US-Dollar je Aktie nach 1,87) sinkt der Zwölfmonatsgewinn auf 5,07 US-Dollar; bei 84,84 US-Dollar Kurs ergibt das 16,7. Auf den Durchschnitt der fünf vollen Jahre seit dem Neustart (186 Millionen US-Dollar Jahresgewinn, 2,58 je Aktie) sind es 32,9. Börsenwert-Gegenprobe: 71,8 Millionen Aktien mal 84,84 US-Dollar ergeben 6,09 Milliarden gegenüber 6,16 Milliarden im Datenbestand, Abweichung 1,1 Prozent.
- Kapitalqualität & Rendite neutral
- Die ausgewiesene Eigenkapitalrendite von 30,8 Prozent ist zu einem erheblichen Teil ein Nennereffekt. Das Eigenkapital von 1.788 Millionen US-Dollar besteht aus 2.794 Millionen eingezahltem Kapital, einem Verlustvortrag von minus 1.022 Millionen und 16 Millionen Währungs- und Pensionsposten. Auf das aktuelle Eigenkapital gerechnet ergibt der Zwölfmonatsgewinn von 366 Millionen 20,5 Prozent, ohne den Verlustvortrag nur 13,0 Prozent — unter der 15-Prozent-Hürde des Filters. Nach fünf profitablen Jahren liegt das Eigenkapital unter dem Stand am Tag des Verfahrensendes (2.931 Millionen am 13.12.2019).
- Kundenrisiko & Regionen negativ
- Zum 30. Juni 2026 standen 25 Prozent aller Netto-Forderungen in Mexiko, 21 Prozentpunkte davon beim größten Kunden des Landes, dem der Bericht „eine Geschichte verspäteter Zahlungen“ bescheinigt; bei 1.104 Millionen US-Dollar Gesamtforderungen sind das rund 276 beziehungsweise 232 Millionen. Wertberichtigt sind konzernweit nur 12 Millionen. Der Umsatz in Lateinamerika fiel 2025 von 1.393 auf 898 Millionen. Russland steuerte im zweiten Quartal 2026 knapp 10 Prozent des Umsatzes bei (Vorjahr 7 Prozent), hält 12 Prozent der Forderungen und 118 Millionen US-Dollar Kasse.
- Zahlungsstrom & Kapitalrückgabe positiv
- Der bereinigte freie Mittelzufluss stieg im zweiten Quartal 2026 um 76 Prozent auf 139 Millionen US-Dollar, im Halbjahr um 54 Prozent auf 224 Millionen — bei fallendem Gewinn, getragen von 143 Millionen aus dem Forderungsabbau und von auf 96 Millionen gesenkten Investitionen. Auf zwölf Monate rund 545 Millionen, gut 9 Prozent des Börsenwerts. Ausgeschüttet wurden im ersten Halbjahr 2026 40 Millionen Dividende und 26 Millionen Rückkäufe; die Quartalsdividende stieg am 16. Juli 2026 auf 0,275 US-Dollar je Aktie.
Weatherford International baut, vermisst und repariert Bohrungen für Öl-, Gas- und Geothermiefirmen und hat den Neustart nach dem Chapter-11-Verfahren von 2019 genutzt, um die Verschuldung abzubauen: 343 Millionen US-Dollar Netto-Verschuldung, das 0,34-Fache des bereinigten EBITDA, erste Anleihefälligkeit 2030. Der Preis dieser Aktie hängt jedoch an drei Kennzahlen, die bei genauem Hinsehen kleiner werden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,3 misst die zwölf Monate bis 31. März 2026; mit dem am 21. Juli gemeldeten Quartal sind es 16,7, auf den Fünfjahresschnitt seit dem Neustart 32,9. Die Eigenkapitalrendite von 30,8 Prozent beruht auf einem durch den Verlustvortrag von 1.022 Millionen verkleinerten Eigenkapital; ohne ihn wären es 13,0 Prozent. Und ein Viertel aller Forderungen steht in Mexiko bei einem Kunden mit einer Geschichte verspäteter Zahlungen. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, weil die Finanzlage belastbar ist, die Ertragslage aber im Abschwung steckt und zwei bezifferte Klumpenrisiken danebenstehen. Für die Firma spricht die Bilanz: 1.137 Millionen US-Dollar Gesamtliquidität gegen 1.480 Millionen Schulden, 343 Millionen Netto-Verschuldung, das 0,34-Fache des bereinigten EBITDA, keine Fälligkeit vor 2030, eine ungenutzte Kreditlinie über 1.000 Millionen, ein Altman-Z″ nach eigener Nachrechnung von rund 3,1 bei einer Sicherheitsschwelle von 2,6, kein Fortführungszweifel, fünf profitable Jahre in Folge und ein bereinigter freier Mittelzufluss, der ausgerechnet im schwächsten Quartal um 76 Prozent auf 139 Millionen stieg. Dagegen steht erstens die Ertragsentwicklung: Umsatz 2025 minus 10,8 Prozent, zweites Quartal 2026 minus 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, operative Marge auf 9,7 Prozent gefallen, Nettoergebnis von 136 auf 39 Millionen. Zweitens das Forderungsrisiko: 25 Prozent aller Netto-Forderungen in Mexiko, davon 21 Prozentpunkte bei einem Kunden mit ausdrücklich benannter Zahlungshistorie, bei einer konzernweiten Wertberichtigung von nur 12 Millionen; der Umsatz in Lateinamerika fiel 2025 um 36 Prozent. Drittens Russland: knapp 10 Prozent des Quartalsumsatzes, 12 Prozent der Forderungen, 118 Millionen US-Dollar Kasse vor Ort, ein Rückzug ist als Option benannt, aber nicht entschieden. Viertens die Bilanznarbe: Der Verlustvortrag von 1.022 Millionen lässt das Eigenkapital heute unter dem Stand am Tag des Verfahrensendes 2019 liegen und hebt jede Kennzahl, die durch Eigenkapital teilt. Kein Existenzrisiko — deshalb nicht Rot. Aber auch keine ungetrübte Firmenqualität — deshalb nicht Grün.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Weatherford über den Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis“ (Rang 16 der US-Auswahl, Datenstand 27. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (WFRD: 7 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (30,8), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (11,8), Verschuldungsgrad höchstens 1 (0,945) und ein positives KGV bis 20 (13,3). Ergänzend: Fundamental-Rating 56 (Note B), Börsenwert rund 6,16 Milliarden US-Dollar, Dreijahresrendite 15,6 Prozent pro Jahr. Zwei der fünf Hürden sind wackelig: Der F-Score lag in drei der sechs Quartale von Ende 2024 bis Anfang 2026 bei 6 (Ablesungen 6, 6, 7, 6, 8, 7), und die operative Marge des zweiten Quartals 2026 betrug nur 9,7 Prozent.
- Materialitäts-Gate (Fund-Typisierung): Kurs-Gewinn-Verhältnis 13,3 auf dem Gewinn der zwölf Monate bis 31.03.2026, während das am 21.07.2026 gemeldete zweite Quartal den Zwölfmonatsgewinn von 6,39 auf 5,07 US-Dollar je Aktie senkt (KGV 16,7) = Bewertungs-/Datenstands-Fund, drückt das Urteil zur Aktie, keine Existenzfrage. Eigenkapitalrendite 30,8 Prozent auf einem durch den Verlustvortrag von 1.022 Mio. US-Dollar verkleinerten Eigenkapital (ohne ihn 13,0 Prozent) = Kennzahlenqualitäts-Fund, im Text herausgerechnet. Forderungs-Klumpen Mexiko 25 Prozent, davon 21 Prozentpunkte bei einem Kunden mit benannter Zahlungshistorie, bei nur 12 Mio. Wertberichtigung = Bilanzrisiko-Fund mit beziffertem Maß, aber ohne Existenzwirkung (232 Mio. gegen 1.788 Mio. Eigenkapital). Russland knapp 10 Prozent des Quartalsumsatzes, 12 Prozent der Forderungen, 118 Mio. Kasse vor Ort = Rechts- und Sanktions-Fund ohne entschiedenen Ausgang. Umsatzrückgang von 10,8 Prozent (2025) und 8 Prozent (Q2 2026), operative Marge 9,7 Prozent im Quartal = Zyklik-Fund. Kein Existenz-Fund, keine Governance-Auffälligkeit, kein Going Concern — deshalb Ampel Gelb für die Firma und beobachten für die Aktie.
- Altman-Z″ (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Die Bilanz trägt die Formel, weil sie in kurz- und langfristige Posten gegliedert ist. Eigene Nachrechnung zum 30.06.2026 aus dem Quartalsbericht: Nettoumlaufvermögen 1.891 Mio. US-Dollar (3.298 minus 1.407) und Verlustvortrag minus 1.022 Mio. auf 5.102 Mio. Bilanzsumme, operatives Ergebnis 607 Mio. auf Zwölfmonatssicht, Eigenkapital 1.789 Mio. gegen 3.313 Mio. Verbindlichkeiten — Ergebnis rund 3,1, in der sicheren Zone, aber ohne großen Abstand. Einordnung: Der Verlustvortrag zieht allein 0,65 Punkte ab; ohne ihn läge derselbe Betrieb bei rund 3,8. Der Datenbestand führt einen Altman-Wert von 6,45 nach einer anderen Formelvariante mit anderen Schwellen; die beiden Zahlen sind nicht direkt vergleichbar. Zur Kontrolle: Zinsdeckung nach eigener Rechnung rund 5,1 (607 Mio. operatives Ergebnis auf rund 119 Mio. Bruttozinsaufwand), im Datenbestand 5,45.
- Börsenwert-Gegenprobe: Der Datenbestand führt rund 6,16 Milliarden US-Dollar. Laut Konzernbilanz waren am 30.06.2026 71,8 Millionen Aktien ausgegeben und ausstehend (zum 30.01.2026 exakt 71.717.593; verwässerter Durchschnitt im Quartal 72,2 Millionen). Bei einem Kurs von 84,84 US-Dollar ergibt das 6,09 Milliarden, verwässert 6,13 Milliarden — Abweichung zum Datenbestand rund 1,1 Prozent oder 0,07 Milliarden, erklärbar über Kursstichtag und Verwässerungsannahme. Es gab weder Aktiensplit noch Kapitalerhöhung. Datierter Kursanker aus dem Verkaufsprospekt 424B3: Schlusskurs 103,64 US-Dollar am 29.05.2026, also 18 Prozent über dem Stand vom 27.07.2026.
- Identität/Rechtsform (am Einreichungsindex geprüft, nicht angenommen): Weatherford International plc, CIK 0001603923, Commission File 001-36504, IRS-Nummer 98-0606750. Eingetragen in IRLAND, operative Zentrale 2000 St. James Place, Houston/Texas; notiert am Nasdaq Global Select Market, Stammaktien mit 0,001 US-Dollar Nennwert. Trotz irischer Rechtsform US-Inlandsemittent und damit Berichtsform 10-K/10-Q/8-K statt 20-F/6-K — belegt durch den 10-K für 2025 (eingereicht 04.02.2026) und den 10-Q zum 30.06.2026 (eingereicht 22.07.2026); EDGAR führt das Unternehmen als „Large accelerated filer“. In Irland selbst hat Weatherford weder Umsatz noch Sachanlagen. Nicht verwechseln mit der früheren Notierung an der NYSE, die bis zum Insolvenzverfahren 2019 bestand.
- Vorgeschichte und Vergleichbarkeit: Chapter-11-Antrag am 01.07.2019 beim US-Konkursgericht für den südlichen Bezirk von Texas, Bestätigung des vorbereiteten Plans am 11.09.2019, Verfahrensende am 13.12.2019 einschließlich Schemes of Arrangement in Irland und Bermuda. Gestrichen wurden unbesicherte und wandelbare Anleihen samt Zinsen über 7,6 Milliarden US-Dollar; daraus buchte Weatherford einen Ertrag von 4.297 Mio. Die Altaktien wurden „gestrichen, erledigt und wirkungslos“ gestellt; die Gläubiger erhielten neue Aktien im Wert von 2.837 Mio., die Altaktionäre 29 Mio. — rund ein Prozent — plus Optionsscheine mit 99,96 US-Dollar Ausübungspreis, die am 13.12.2023 verfielen. Anschließend Frischstart-Bilanzierung nach ASC 852. Der Jahresbericht 2019 hält ausdrücklich fest, dass Abschlüsse nach dem 13.12.2019 mit früheren möglicherweise nicht vergleichbar sind; alle Zahlen vor 2020 in dieser Analyse dienen deshalb nur der Zyklus-Einordnung, nicht dem Kennzahlen-Vergleich.
- Sonderlagen-Screening (EDGAR-Einreichungsindex CIK 1603923): keine Übernahme des Unternehmens selbst, kein Strategic Review, kein Rights Plan, keine Aktivisten-Kampagne, kein Going Concern; im Beteiligungsbereich nur passive SC-13G-Meldungen, keine SC 13D. Laufend sind zwei eigene Vorgänge: die Sitzverlegung nach Delaware (zwei Hauptversammlungen am 03.09.2026, nachdem die Texas-Variante im Juni 2026 mit über 60 Prozent an der 75-Prozent-Hürde scheiterte) und die Übernahme von NCS Multistage Holdings (Vereinbarung 31.05.2026, 0,463 Weatherford-Aktien je NCS-Aktie, rund 1,2 Millionen neue Aktien und damit rund 1,7 Prozent Verwässerung, mindestens 15 Mio. US-Dollar Synergien, Abschluss im zweiten Halbjahr 2026 erwartet). Nach dem Quartalsbericht vom 22.07.2026 kamen bis zum Redaktionsschluss nur Meldungen über Eigengeschäfte (Form 4 vom 27.07.2026) und Verkaufsanzeigen (Form 144) hinzu — keine weitere wesentliche Ad-hoc-Meldung.
- Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 27. Juli 2026, Bilanz- und Quartalszahlen auf den 30. Juni 2026. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Die Jahresreihe 2016 bis 2025 stammt aus den jeweiligen Jahresberichten und den XBRL-Unternehmensdaten; die Zwölfmonatswerte sind eigene Rechnung aus Jahresbericht 2025 zuzüglich erstem Halbjahr 2026 abzüglich erstem Halbjahr 2025. Segment-EBITDA, bereinigtes EBITDA, bereinigter freier Mittelzufluss, Netto-Verschuldung und Netto-Verschuldungsgrad sind vom Unternehmen selbst definierte Kennzahlen außerhalb der US-Rechnungslegung; die zugehörigen Überleitungen stehen im Ergebnisbericht vom 21.07.2026.
Häufige Fragen
Weatherford International plc (NASDAQ: WFRD) ist ein Ölfelddienstleister. Das Unternehmen fördert selbst kein Öl, sondern baut, vermisst, komplettiert und repariert Bohrungen für Öl, Erdgas und Geothermie. Berichtet wird in drei Segmenten: Drilling and Evaluation, Well Construction and Completions sowie Production and Intervention. Zum Jahresende 2025 waren rund 16.700 Menschen in etwa 75 Ländern beschäftigt.
Beides zugleich. Die Muttergesellschaft ist in Irland eingetragen, die operative Zentrale liegt in Houston/Texas, gehandelt wird an der Nasdaq. Berichtet wird als US-Inlandsemittent per 10-K, 10-Q und 8-K, nicht per 20-F. In Irland selbst entstehen weder Umsatz noch Sachanlagen. Am 3. September 2026 stimmen die Aktionäre über eine Verlegung nach Delaware ab.
Weil es mit dem Gewinn der zwölf Monate bis 31. März 2026 rechnet, also 6,39 US-Dollar je Aktie. Am 21. Juli 2026 meldete Weatherford für das zweite Quartal nur noch 0,55 US-Dollar je Aktie nach 1,87 im Vorjahresquartal. Damit sinkt der Zwölfmonatsgewinn auf 5,07 US-Dollar, und aus 13,3 wird bei einem Kurs von 84,84 US-Dollar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,7.
Weil der Nenner klein ist. Das Eigenkapital von 1.788 Millionen US-Dollar besteht aus 2.794 Millionen eingezahltem Kapital abzüglich eines Verlustvortrags von 1.022 Millionen aus den Verlustjahren 2020 und 2021. Ohne diesen Verlustvortrag wäre derselbe Zwölfmonatsgewinn von 366 Millionen eine Rendite von 13,0 Prozent. Unsere Nachrechnung auf das heutige Eigenkapital ergibt 20,5 Prozent.
Weatherford beantragte am 1. Juli 2019 Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts und verließ das Verfahren am 13. Dezember 2019. Anleihen über 7,6 Milliarden US-Dollar wurden gestrichen, daraus entstand ein Buchgewinn von 4.297 Millionen. Die alten Aktien wurden für wertlos erklärt; die Altaktionäre erhielten rund ein Prozent des neuen Kapitals. Zahlen vor dem 13. Dezember 2019 sind laut Bericht nicht mit späteren vergleichbar.
Zum 30. Juni 2026 standen 25 Prozent aller Netto-Forderungen in Mexiko, 21 Prozentpunkte davon beim größten Kunden des Landes. Bei 1.104 Millionen US-Dollar Gesamtforderungen sind das rund 276 beziehungsweise 232 Millionen. Der Bericht schreibt, dieser Kunde habe eine Geschichte verspäteter Zahlungen, die Beträge seien aber unstrittig. Wertberichtigt sind konzernweit nur 12 Millionen US-Dollar.
Im zweiten Quartal 2026 kamen knapp 10 Prozent des Konzernumsatzes aus Russland, im Halbjahr 9 Prozent, nach 7 Prozent im Jahr 2025 und 5 Prozent 2024. Der Anteil steigt vor allem, weil das Geschäft im Nahen Osten einbrach. In Russland liegen 118 Millionen US-Dollar Kasse und 12 Prozent aller Netto-Forderungen. Das Unternehmen führt einen Rückzug ausdrücklich als eine von mehreren Optionen.
Ja, seit 2024 und vierteljährlich. Am 16. Juli 2026 beschloss der Verwaltungsrat 0,275 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 3. September 2026 — aufs Jahr 1,10 US-Dollar oder rund 1,3 Prozent Rendite bezogen auf 84,84 US-Dollar. 2024 wurden 36 Millionen US-Dollar ausgeschüttet, 2025 waren es 72 Millionen zuzüglich 101 Millionen Aktienrückkäufe.
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