RenaissanceRe-Aktie: Ein Viertel des Gewinns gehört gar nicht den Aktionären
RenaissanceRe steht mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 und einer Eigenkapitalrendite von 23,4 Prozent im Qualitätsfilter unseres Aktien-Scanners — und hat dort zugleich das schlechteste Qualitätsrating von allen. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026 gelesen: Von 3.617,7 Millionen US-Dollar Konzerngewinn 2025 gingen 935,4 Millionen an fremde Kapitalgeber. Und ein KGV von 5,4 misst beim weltgrößten Katastrophenrückversicherer immer nur die Jahre, in denen nichts passiert ist. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wem dieser Gewinn wirklich gehört.
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Es gibt Bilanzen, bei denen die wichtigste Zeile nicht die ist, auf die alle schauen. Bei RenaissanceRe steht sie zwischen dem Konzerngewinn und dem Gewinn je Aktie, sie heißt „Net (income) loss attributable to redeemable noncontrolling interests“, und 2025 stand dort ein Minus von 935,4 Millionen US-Dollar.
Der Konzern verdiente in diesem Jahr 3.617,7 Millionen US-Dollar. Bei den Stammaktionären ankamen sind 2.647,0 Millionen. Der Rest ging an fremde Kapitalgeber, die ihr Geld in RenaissanceRes Gemeinschaftsunternehmen gesteckt haben, und an die Vorzugsaktionäre. Im Jahr 2024 war der Abfluss noch größer: Von 2.960,5 Millionen blieben nur 1.835,0 Millionen übrig — 38 Prozent des Konzerngewinns gehörten anderen.
Das ist kein Buchhaltungstrick, sondern das Geschäftsmodell. Und es ist der Grund, warum bei diesem Haus mehr Kennzahlen in die Irre führen als bei fast jeder anderen Aktie in unseren Listen. Wir ziehen in dieser Analyse deshalb eine einzige Linie durch alle Kapitel: Wem gehört der Gewinn — und was misst ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 wirklich?
Was RenaissanceRe macht — und warum Bermuda hier nichts an der Meldepflicht ändert
RenaissanceRe Holdings Ltd. sitzt im Renaissance House in Pembroke auf Bermuda und wird an der New York Stock Exchange unter „RNR“ gehandelt; zwei Vorzugsaktien laufen dort als „RNR PRF“ und „RNR PRG“. Gegründet wurde das Haus 1993, an die Börse ging es 1995. Geführt wird es von Konzernchef Kevin J. O’Donnell. Am 6. Februar 2026 arbeiteten dort 1.040 Menschen: 249 auf Bermuda, 270 in den USA und Kanada, 492 in Europa, 29 im asiatisch-pazifischen Raum.
Der Konzern bezeichnet sich selbst als „global provider of reinsurance and insurance that specializes in matching desirable risk with efficient capital“ — als Anbieter, der wünschenswerte Risiken mit effizientem Kapital zusammenbringt. In der Praxis heißt das: RenaissanceRe ist der weltweit größte Zeichner von Katastrophen-Rückversicherung. Wenn ein Hurrikan Florida trifft, ein Erdbeben Japan oder ein Waldbrand Kalifornien, zahlen zuerst die Erstversicherer — und deren Rückversicherer zahlen an sie weiter. RenaissanceRe steht in dieser zweiten Reihe.
Das Geschäft läuft in zwei berichtspflichtigen Segmenten:
- Property — Katastrophen-Rückversicherung und sonstige Sachversicherung. Das ist das Ertragszentrum: Im zweiten Quartal 2026 lag die Schaden-Kosten-Quote hier bei 27,1 Prozent. Von einem Dollar Prämie blieben also rund 73 Cent übrig.
- Casualty and Specialty — Haftpflicht, Berufshaftpflicht, Kredit und Spezialsparten. Hier lag dieselbe Quote im zweiten Quartal 2026 bei 103,3 Prozent, das Zeichnungsgeschäft war also verlustbringend (−43,6 Millionen US-Dollar).
Ein Hinweis zur Meldeform, weil er bei Bermuda-Gesellschaften regelmäßig falsch angenommen wird: RenaissanceRe ist kein ausländischer Emittent. Der Konzern reicht den vollen US-Satz ein — Geschäftsbericht 10-K, Quartalsbericht 10-Q, Ad-hoc-Meldungen 8-K — und ist bei der Börsenaufsicht als „large accelerated filer“ geführt. Ein 20-F existiert nicht. Der jüngste Zahlenstand dieser Analyse ist deshalb der Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026, eingereicht am 23. Juli 2026; es ist zugleich das jüngste Filing überhaupt. Danach kam nichts mehr.
Wer Rückversicherer aus Bermuda vergleichen will, findet bei uns drei weitere Häuser derselben Insel: SiriusPoint, Hamilton Insurance Group und Pelagos Insurance Capital. RenaissanceRe ist von diesen vier mit Abstand das größte und älteste — und das einzige, dessen Geschäftsmodell im Kern darin besteht, fremdes Geld mitzuverwalten.
Das Drittkapital-Modell: sieben Vehikel, 7,3 Milliarden fremdes Kapital
Hier liegt der Schlüssel zu allem, was danach kommt. Neben der eigenen Bilanz betreibt RenaissanceRe unter dem Namen Capital Partners eine Reihe von Gemeinschaftsunternehmen und verwalteten Fonds, in die institutionelle Investoren Geld geben. RenaissanceRe zeichnet für diese Vehikel Risiken, verwaltet sie — und verdient dafür Verwaltungs- und Erfolgsgebühren.
Der Geschäftsbericht für 2025 listet die Vehikel mit dem jeweiligen wirtschaftlichen Eigenanteil von RenaissanceRe auf:
- DaVinci (gegründet 2001) — 24,3 Prozent, Verwaltungs- und Erfolgsgebühren
- Fontana — 28,7 Prozent, Verwaltungs- und Erfolgsgebühren
- Medici — 11,3 Prozent, Verwaltungsgebühren
- Vermeer — null Prozent, Verwaltungsgebühren
- Medici UCITS — 34,3 Prozent · Top Layer — 50,0 Prozent · Upsilon — 12,9 Prozent
DaVinci, Fontana, Medici und Vermeer werden vollkonsolidiert, weil RenaissanceRe die Stimmrechte hält. Das heißt: Ihr gesamtes Ergebnis läuft durch die Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung, obwohl der Konzern nur einen kleinen Teil davon behält. Der Bericht sagt das selbst so deutlich, dass man es nicht paraphrasieren muss:
„However, since we do not own all of the economic interest in these entities, we do not ultimately retain all of the economic outcomes they generate. Rather, portions of these entities’ economic outcomes are due to third-party investors who hold noncontrolling interests in these entities and are ultimately allocated to such third-party investors.“
Übersetzung: „Da wir jedoch nicht das gesamte wirtschaftliche Eigentum an diesen Gesellschaften halten, behalten wir letztlich auch nicht alle wirtschaftlichen Ergebnisse, die sie erzeugen. Vielmehr stehen Teile dieser wirtschaftlichen Ergebnisse Drittinvestoren zu, die nicht beherrschende Anteile an diesen Gesellschaften halten, und werden diesen Drittinvestoren letztlich zugewiesen.“
— RenaissanceRe Holdings Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1 „Business“
Die Größenordnung steht in der Bilanz. Zum 30. Juni 2026 weist RenaissanceRe unter „Redeemable noncontrolling interests“ 7.343,4 Millionen US-Dollar aus — Kapital, das Dritten gehört und das sie zurückfordern können. Dem stehen 11.820,2 Millionen US-Dollar eigenes Eigenkapital gegenüber. Von der gesamten Kapitalbasis von rund 19,2 Milliarden gehören also 38 Prozent anderen Leuten.
Zum Jahresende 2025 verteilten sich die 7.602,1 Millionen so: DaVinci 3.701,6, Vermeer 1.922,4, Medici 1.398,2 und Fontana 579,9 Millionen US-Dollar.
Und was verdient RenaissanceRe daran? 328,9 Millionen US-Dollar Gebühren im Jahr 2025 — 207,5 Millionen Verwaltungs- und 121,4 Millionen Erfolgsgebühren, nach 326,8 Millionen im Jahr 2024. Im zweiten Quartal 2026 waren es 83,0 Millionen (48,1 Verwaltung, 34,9 Erfolg).
Der Weg dieser Gebühren durch die Rechnung ist erklärungsbedürftig, weil er ungewöhnlich ist. Von den 328,9 Millionen des Jahres 2025 wurden 250,1 Millionen in der Zeile der fremden Kapitalgeber verrechnet und nur 78,8 Millionen direkt im Zeichnungsergebnis. Anders gesagt: Die Vehikel zahlen die Gebühr, das mindert ihr Ergebnis, und damit sinkt der Betrag, der an die Drittinvestoren abfließt. Bei den Stammaktionären kommen die Gebühren also an — nur über eine Zeile, in der man sie nicht sucht. Gemessen am Ergebnis der Stammaktionäre von 2.647,0 Millionen sind 250,1 Millionen 9,4 Prozent.
Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte
Wir lassen täglich rund 3.200 US-Aktien durch unsere Scanner laufen. RenaissanceRe kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, Qualität zum fairen Preis. Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig, und RNR steht dort auf Rang 22 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026):
- Piotroski-F-Score 8 von 9 — die neunteilige Bilanz-Checkliste ist fast vollständig erfüllt (Mindestwert 7). Acht von neun ist ein starker Wert.
- Eigenkapitalrendite 23,4 Prozent — deutlich über der 15-Prozent-Hürde. Der Konzern selbst weist für 2025 sogar 25,9 Prozent aus.
- EBIT-Marge 26,8 Prozent — weit über dem geforderten Mindestwert von 10 Prozent. Achtung: Diese Marge misst das Ergebnis auf Konzernebene, also einschließlich des Teils, der den fremden Kapitalgebern zusteht.
- Verschuldungsgrad 0,21 — Schulden von 2.330,9 Millionen US-Dollar gegen 11.820,2 Millionen Eigenkapital (30.06.2026); erlaubt ist bis 1,0.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis 5,4 — weit unter der 20er-Grenze. Genau diese Zahl nehmen wir gleich auseinander.
Dazu meldet der Scanner eine Dreijahresrendite von 22,3 Prozent pro Jahr, einen Börsenwert von rund 13,1 Milliarden US-Dollar — und ein Fundamental-Rating von 47 Punkten (Note C). Das ist der schlechteste Wert im gesamten QARP-Scanner.
Ein Titel, der jede einzelne Qualitätshürde eines Qualitätsfilters nimmt und dort trotzdem das schlechteste Qualitätsrating trägt: Das ist der interessanteste Widerspruch dieser Analyse, und wir lösen ihn im übernächsten Kapitel auf.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Viertel bis ein Drittel des Gewinns gehört nicht den Aktionären
Rechnen wir die Zeile durch, Jahr für Jahr, mit veröffentlichten Zahlen aus den Geschäfts- und Quartalsberichten:
- 2023: Konzernergebnis 3.620,1 Millionen US-Dollar → 1.059,0 an fremde Kapitalgeber, 35,4 an Vorzugsaktionäre → 2.525,8 für die Stammaktionäre (69,8 Prozent)
- 2024: 2.960,5 → 1.090,2 und 35,4 → 1.835,0 (62,0 Prozent)
- 2025: 3.617,7 → 935,4 und 35,4 → 2.647,0 (73,2 Prozent)
- Erstes Halbjahr 2026: 1.494,2 → 537,7 und 17,7 → 938,8 (62,8 Prozent)
In den drei Jahren 2023 bis 2025 flossen zusammen 3.084,6 Millionen US-Dollar an die Drittinvestoren — knapp ein Viertel des heutigen Börsenwerts.
Jetzt der wichtige Teil, damit hier nichts falsch verstanden wird: Die Eigenkapitalrendite von 23,4 Prozent ist davon nicht betroffen. Sie rechnet den Gewinn der Stammaktionäre gegen das Eigenkapital der Stammaktionäre, also nach allen Abzügen. Das Drittkapital ist für die Rendite sogar ein echter Hebel: RenaissanceRe verdient an Kapital, das es nicht selbst stellen muss. Das ist kaufmännisch stark und erklärt, warum eine so kapitalintensive Branche hier auf über 20 Prozent Rendite kommt.
Was in die Irre führt, sind alle Kennzahlen, die auf Konzernebene rechnen. Die EBIT-Marge von 26,8 Prozent, die Nettomarge von 13,5 Prozent im ersten Quartal 2026, der „Umsatz“ — sie alle enthalten die Erträge der Vehikel in voller Höhe, während ein Viertel bis ein Drittel des Ergebnisses gleich wieder abfließt. Wer RenaissanceRe über Margen mit einem gewöhnlichen Versicherer vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Ein zweites Risiko steckt in derselben Zeile, und es ist keine Bilanzfrage, sondern eine Geschäftsfrage: Die 7,3 Milliarden US-Dollar sind rückforderbar. Ziehen institutionelle Investoren ihr Geld ab, schrumpft nicht nur die Zeichnungskapazität, sondern auch die Gebührenbasis. Der Konzern führt dieses Risiko in seiner eigenen Aufzählung der wesentlichen Gefahren ausdrücklich mit: „our exposure to risks associated with our management of capital on behalf of investors“ — unser Risiko aus der Verwaltung von Kapital im Auftrag von Investoren.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das schlechteste Qualitätsrating im ganzen Scanner — und warum
Kommen wir zum Widerspruch. Unser Fundamental-Rating vergibt 0 bis 100 Punkte; 50 ist der Durchschnitt des Universums, ab 75 gibt es die Note A. RenaissanceRe steht bei 47 Punkten (Note C) — schlechter als jeder andere Titel im QARP-Scanner, obwohl RNR jede der fünf Qualitätshürden dieses Scanners nimmt.
Wir haben das Rating für RNR gegen das gesamte Universum von 3.211 Titeln nachgerechnet, Baustein für Baustein. Das Ergebnis unserer Nachrechnung liegt bei 49 Punkten; die Differenz zu den 47 Punkten der Live-Liste ist Stichtagsrundung. Entscheidend ist nicht der Punktwert, sondern welche Bausteine ihn nach unten ziehen. Die sieben schwächsten, jeweils mit dem Perzentil im Universum:
- Gewinnschätzung für das laufende Jahr: −212,7 Prozent — schlechter als 97,5 Prozent aller Titel
- Umsatz im jüngsten Quartal: −36,6 Prozent — schlechter als 97,2 Prozent aller Titel
- Gewinnschätzung für das nächste Jahr: +0,7 Prozent — unteres Achtel
- Gewinnüberraschung im Quartal: −38,7 Prozent — unteres Siebtel
- Umsatzschätzung: +1,4 Prozent — unteres Sechstel
- Umsatzentwicklung der letzten Quartale: −1,8 Prozent im Schnitt — unteres Fünftel
- Gewinnbeschleunigung: nein
Und jetzt die andere Seite derselben Rechnung. Alle Bausteine, die Bilanz- und Ertragsqualität messen, liegen bei RNR im obersten Zehntel oder knapp darunter:
- Operativer Cashflow in allen sechs ausgewerteten Quartalen positiv — Perzentil 100
- Verbesserungstrend der Quartalsqualität — Perzentil 97,6
- Piotroski-F-Score 8 von 9 — Perzentil 97,4
- Wachstum des freien Mittelzuflusses +335,8 Prozent — Perzentil 93,7
- Zinsdeckung 37,9 — Perzentil 93,1
- Margentrend +21,8 Punkte, Eigenkapitalrendite 23,4 Prozent, Gewinnüberraschung im Jahr +30,7 Prozent — alle im obersten Fünftel
Die Auflösung liegt in der Gewichtung. Von 16,2 Gewichtspunkten des Ratings entfallen rund 42 Prozent auf Wachstums- und Schätzungsbausteine (historisches und geschätztes Gewinn- und Umsatzwachstum, Analystenüberraschungen, Gewinnbeschleunigung), aber nur 5,6 Prozent auf Bilanzkennzahlen — und null Prozent auf die Bewertung. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 taucht in diesem Rating überhaupt nicht auf.
Trägt das sachlich? Zur Hälfte ja, zur Hälfte ist es ein Artefakt der Systematik bei Rückversicherern:
- Sachlich tragfähig: RenaissanceRes Ergebnisse lassen sich tatsächlich nicht fortschreiben. Ein Rating, das Stetigkeit belohnt, muss einen Katastrophenrückversicherer abstrafen — das ist kein Fehler, das ist die richtige Antwort auf die falsche Frage.
- Artefakt: Der „Umsatz“ eines Versicherers enthält das Bewertungsergebnis der Kapitalanlagen. Im ersten Halbjahr 2026 standen dort −300,3 Millionen US-Dollar nach +682,7 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das allein erklärt den Umsatzrückgang von 37 Prozent — ohne dass ein einziger Vertrag verloren ging.
- Artefakt: Die Analystenschätzungen für RNR schwanken um den Faktor drei. Für die drei kommenden Geschäftsjahre stehen dort 56,51, 17,20 und 41,07 US-Dollar je Aktie. Eine Kennzahl, die aus solchen Reihen Wachstumsraten bildet, misst die Ratlosigkeit der Schätzer, nicht das Unternehmen.
Unser Urteil dazu: Das Rating von 47 Punkten ist keine Aussage über die Qualität dieses Unternehmens. Es ist die zutreffende Aussage, dass RenaissanceRes Zahlenreihen sprunghaft sind — und die falsche Antwort auf die Frage, ob das Haus gut geführt wird. Wer das Rating als Qualitätsurteil liest, würde jeden Rückversicherer aussortieren.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein KGV von 5,4 misst die Jahre, in denen nichts passiert ist
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 rechnet gegen 2025 — ein Jahr mit einem verwässerten Gewinn je Aktie von 56,03 US-Dollar und einer Schaden-Kosten-Quote von 87,2 Prozent. 2026 sieht bisher noch besser aus: 72,9 Prozent im ersten Halbjahr, 72,8 im zweiten Quartal.
Jetzt der Blick zurück. Die Ergebnisse der Stammaktionäre über 18 Geschäftsjahre, direkt aus den Jahresabschlüssen:
Über 18 Jahre (2008 bis 2025) hat RenaissanceRe fünf Verlustjahre ausgewiesen: 2008 (−13,3 Millionen US-Dollar), 2011 (−92,2), 2017 (−244,8), 2021 (−73,4) und 2022 (−1.096,6). In den zehn Jahren 2016 bis 2025 lag der verwässerte Gewinn je Aktie im Schnitt bei 15,82 US-Dollar. Gegen diesen Durchschnitt gerechnet läge das Vielfache nicht bei 5,4, sondern bei rund 19.
Dieser Vergleich ist allerdings unfair zulasten der Gegenwart, weil der Buchwert je Aktie in derselben Zeit von 104,13 US-Dollar (Ende 2018) auf 264,77 gewachsen ist — die Kapitalbasis, auf der verdient wird, ist heute eine ganz andere. Die sauberere Rechnung geht über die Eigenkapitalrendite. Die ausgewiesenen Werte:
- 2019: 14,1 % · 2020: 11,7 % · 2021: −1,1 % · 2022: −22,0 %
- 2023: 40,5 % · 2024: 19,3 % · 2025: 25,9 %
Der Durchschnitt dieser sieben Jahre liegt bei 12,6 Prozent — nicht bei 23,4. Auf den heutigen Buchwert je Aktie von 264,77 US-Dollar angewendet ergibt das eine normalisierte Ertragskraft von rund 33 US-Dollar je Aktie und damit ein Vielfaches von rund 9. Das ist immer noch nicht teuer. Aber es ist eben nicht 5,4.
Und jetzt das Jahr 2022, das man sich bei diesem Titel merken muss — nicht wegen der Katastrophen, sondern wegen dessen, was wirklich passierte:
- Schaden-Kosten-Quote 97,7 Prozent — das Zeichnungsgeschäft verdiente trotz Hurrikan Ian 149,9 Millionen US-Dollar
- Realisierte und nicht realisierte Verluste auf Kapitalanlagen: −1.800,5 Millionen US-Dollar
- Ergebnis der Stammaktionäre: −1.096,6 Millionen US-Dollar bzw. −25,50 US-Dollar je Aktie
- Buchwert je Aktie: von 132,17 auf 104,65 US-Dollar, ein Minus von 20,8 Prozent
Das schlechteste Jahr in der jüngeren Geschichte des größten Katastrophenrückversicherers der Welt war kein Katastrophenjahr, sondern ein Zinsjahr. RenaissanceRe führt seine Anleihen als Handelsbestand, deshalb schlagen Kursänderungen sofort in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung durch. 2017, das klassische Katastrophenjahr mit Harvey, Irma und Maria, kostete dagegen „nur“ 6,15 US-Dollar je Aktie.
Überträgt man den Rückschlag von 2022 auf die heutige Bilanz — minus 22 Prozent auf einen Buchwert von 264,77 US-Dollar —, entspräche das einem Verlust von rund 58 US-Dollar je Aktie in einem einzigen Jahr. Das ist die Kehrseite eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 5,4, und sie ist nicht theoretisch: Sie ist vor vier Jahren eingetreten.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Validus — teuer eingekauft, teurer zurückgekauft
Am 1. November 2023 übernahm RenaissanceRe von der American International Group (AIG) den Rückversicherer Validus. Der Bericht nennt Preis und Struktur präzise:
„In connection with the Validus Acquisition, on November 1, 2023, the Company paid to AIG aggregate consideration of $2.985 billion, consisting of the following: (i) cash consideration of $2.735 billion; and (ii) 1,322,541 common shares, which were valued at approximately $250.0 million based on a value of $189.03 per share at signing, pursuant to the Stock Purchase Agreement.“
Übersetzung: „Im Zusammenhang mit der Validus-Übernahme zahlte die Gesellschaft am 1. November 2023 an AIG eine Gesamtgegenleistung von 2,985 Milliarden US-Dollar, bestehend aus: (i) einer Barzahlung von 2,735 Milliarden US-Dollar und (ii) 1.322.541 Stammaktien, die gemäß dem Anteilskaufvertrag auf Basis eines Werts von 189,03 US-Dollar je Aktie bei Unterzeichnung mit rund 250,0 Millionen US-Dollar bewertet wurden.“
— RenaissanceRe Holdings Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Note 3 „Acquisition of Validus“
Was es gebracht hat: Die Bruttoprämien sprangen von 8.862,4 Millionen US-Dollar (2023) auf 11.733,1 Millionen (2024) und 11.738,4 Millionen (2025) — ein Zuwachs von rund einem Drittel. Mit Validus kam auch AlphaCat Managers ins Haus, ein weiterer Verwalter von Drittkapital, dessen Fonds allerdings schon vor der Übernahme fast vollständig gekündigt waren und den RenaissanceRe abwickelt.
Wie es finanziert wurde: Am 26. Mai 2023 gab RenaissanceRe 7.245.000 Aktien zu 192,00 US-Dollar aus (Nettoerlös rund 1.352 Millionen), am 5. Juni 2023 folgten 750 Millionen US-Dollar einer Anleihe mit 5,750 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2033 (Nettoerlös rund 741 Millionen). Der Rest kam aus vorhandenen Mitteln.
Was an Sondereffekten nachhängt: Der Konzernaufwand für die Übernahme betrug 61,9 Millionen US-Dollar (2024) und 5,4 Millionen (2025). Die Kaufpreisallokation wirkt bis heute in die Quartalszahlen hinein — im zweiten Quartal 2026 belasteten daraus noch 5,5 Millionen US-Dollar die Schadenquote von Casualty and Specialty. Aus dem Kauf stehen 602,4 Millionen US-Dollar Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte in der Bilanz zum 30. Juni 2026.
Bemerkenswert klug ist eine Nebenabrede: Beim Vollzug schloss RenaissanceRe mit AIG eine Reservenvereinbarung, nach der AIG praktisch die gesamte spätere günstige wie ungünstige Abwicklung der übernommenen Schadenreserven trägt. Das schneidet das größte Risiko einer Rückversicherungs-Übernahme — falsch bemessene Altreserven — weitgehend ab.
Und jetzt der unbequeme Teil. Im Jahr 2023 gab der Konzern Aktien zu 192,00 US-Dollar aus. Seit Mitte 2024 kauft er zurück — nach eigener Angabe in der Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026 insgesamt 11,5 Millionen Aktien für rund 3 Milliarden US-Dollar, das sind etwa 22 Prozent des Ausgangsbestands zu einem Durchschnittspreis von rund 261 US-Dollar. Allein im zweiten Quartal 2026 waren es 350,0 Millionen US-Dollar zu durchschnittlich 300,82 US-Dollar je Aktie.
Das ist kein Vorwurf — gemessen am Buchwert je Aktie von 264,77 US-Dollar kauft der Konzern ungefähr zum inneren Wert zurück, und die Aktienzahl fiel von 52,69 Millionen (Ende 2023) auf 41.551.893 (20. Juli 2026). Aber es zeigt, wie teuer eine Übernahme wird, wenn man sie mit eigenen Aktien am Zyklustief finanziert und die Verwässerung im Zyklushoch zurückkauft.
Woher der Gewinn 2025 wirklich kam
Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 ist die Frage entscheidend, wie viel des Gewinns aus dem Versichern stammt und wie viel aus den Kapitalanlagen. Die Antwort für 2025 überrascht:
- Zeichnungsergebnis: 1.270,0 Millionen US-Dollar (2024: 1.622,3)
- Gesamtes Anlageergebnis: 2.956,1 Millionen US-Dollar (2024: 1.673,5)
- Ergebnis vor Steuern: 4.014,1 Millionen US-Dollar
Fast drei Viertel des Vorsteuerergebnisses kamen 2025 aus der Kapitalanlage, nicht aus dem Versichern. Und das Anlageergebnis zerfällt in zwei sehr verschiedene Teile: laufende Nettoerträge von 1.703,5 Millionen US-Dollar — die sind stabil und wuchsen von 1.253,1 (2023) über 1.654,3 (2024) — und Bewertungsgewinne von 1.181,3 Millionen, die genauso wieder verschwinden können. 2024 standen an derselben Stelle −27,8 Millionen, 2022 waren es −1.800,5 Millionen.
Das Portfolio selbst ist konservativ: 36,2 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni 2026, davon 25,2 Milliarden festverzinsliche Papiere, 3,9 Milliarden kurzfristige Anlagen und 1,8 Milliarden Aktien. Die Rendite bis Endfälligkeit lag bei 5,3 Prozent bei einer Duration von 3,0 Jahren (31.12.2025: 4,8 Prozent und 2,6 Jahre). Kurze Duration heißt: Der Zinsschock von 2022 würde heute kleiner ausfallen — aber er ist nicht ausgeschlossen.
Im zweiten Quartal 2026 verteilte sich der Gewinn ausgewogener: Zeichnungsergebnis 599,1 Millionen, Anlageergebnis 571,9 Millionen. Der Konzern nennt das seine „Three Drivers of Profit“ — Zeichnung, Gebühren, Kapitalanlage.
Buchwert, eine selbst gebaute Erfolgskennzahl und die Bewertung
RenaissanceRe misst sich nicht am Gewinn. Der Geschäftsbericht sagt gleich zu Beginn, woran das Haus gemessen werden will:
„We principally measure our financial success through long-term growth in tangible book value per common share plus the change in accumulated dividends. We believe this metric is the most appropriate measure of our financial performance, and in respect of which we believe we have delivered superior performance over time.“
Übersetzung: „Wir messen unseren finanziellen Erfolg im Wesentlichen am langfristigen Wachstum des materiellen Buchwerts je Stammaktie zuzüglich der Veränderung der kumulierten Dividenden. Wir halten diese Kennzahl für das geeignetste Maß unserer finanziellen Leistung, und wir glauben, dass wir daran gemessen über die Zeit eine überlegene Leistung erbracht haben.“
— RenaissanceRe Holdings Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1 „Business“
Warum gibt sich ein Unternehmen eine eigene Erfolgskennzahl? Bei einem Katastrophenrückversicherer gibt es dafür einen guten und einen schlechten Grund, und beide sind hier am Werk.
Der gute Grund: Der Jahresgewinn ist bei diesem Geschäft schlicht kein taugliches Maß. Zwischen −25,50 und +56,03 US-Dollar je Aktie liegen nur drei Jahre. Der Buchwert dagegen wächst über den Zyklus stetiger, weil ein Katastrophenjahr ihn zwar einmal drückt, die anschließenden Preiserhöhungen ihn aber zurückholen. Der Zusatz „plus kumulierte Dividenden“ verhindert, dass Ausschüttungen die Kennzahl künstlich drücken. Das ist in der Rückversicherung Branchenstandard und methodisch sauber.
Der schlechte Grund: Jede selbst definierte Kennzahl verschiebt den Maßstab dorthin, wo man gut aussieht. „Materiell“ heißt: ohne Firmenwert — und der Firmenwert stammt aus Zukäufen. Eine Kennzahl, die den Preis der eigenen Übernahmen herausrechnet, misst nicht mehr, ob sich diese Übernahmen gelohnt haben. Und ein Zuwachs des Buchwerts je Aktie ist teilweise Rückkaufmechanik: Wer unter Buchwert zurückkauft, hebt ihn je Aktie, ohne dass ein Dollar zusätzlich verdient wurde.
Die Zahlen zum 30. Juni 2026:
- Buchwert je Aktie: 264,77 US-Dollar (31.12.2025: 247,00 · 31.12.2024: 195,77)
- Materieller Buchwert je Aktie: 247,66 US-Dollar
- Materieller Buchwert plus kumulierte Dividenden: 278,16 US-Dollar
- Zuwachs der eigenen Kennzahl im zweiten Quartal 2026: 6,2 Prozent (Vorjahresquartal: 9,5 Prozent)
Zur Ehrenrettung der Kennzahl gehört, dass sie ein schlechtes Jahr nicht verschweigt. Für 2022 weist RenaissanceRe für „Buchwert je Aktie plus Veränderung der kumulierten Dividenden“ ein Minus von 19,7 Prozent aus, für 2021 ein Minus von 3,5 Prozent — nach plus 16,0 Prozent (2020) und plus 17,1 Prozent (2019). Der Buchwert je Aktie lag Ende 2018 bei 104,13 US-Dollar, Ende 2019 bei 120,53, Ende 2020 bei 138,46, Ende 2021 bei 132,17 und Ende 2022 bei 104,65. Wer diese Reihe kennt, versteht, warum ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 hier keine Aussage über die kommenden Jahre ist.
Beim Kurs vom Datenstand 28. Juli 2026 ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,16; die Fundamentaldaten führen zum selben Datenstand 1,22, weil sie gegen den älteren Buchwert vom 31. Dezember 2025 rechnen. Beides heißt dasselbe: Für ein Haus mit A+-Finanzstärke bei drei Agenturen zahlt man einen geringen Aufschlag auf das Eigenkapital.
Zur Kapitalstruktur: Die Schulden von 2.330,9 Millionen US-Dollar (30.06.2026) verteilen sich auf sechs Anleihen mit Kupons zwischen 3,450 und 7,003 Prozent und Fälligkeiten von 2027 bis 2035; zwei Anleihen wurden 2025 planmäßig getilgt. Dazu kommen Vorzugsaktien über 750,0 Millionen US-Dollar (Serie F mit 5,750 Prozent, Serie G mit 4,20 Prozent), die jährlich 35,4 Millionen kosten. Der Zinsaufwand stieg 2025 auf 120,9 Millionen nach 93,8 Millionen. Die Zinsdeckung liegt bei rund 38.
Die Finanzstärke-Ratings der wichtigsten Tochter Renaissance Reinsurance Ltd.: A+ bei A.M. Best (zweithöchste Stufe, „Superior“), A+ bei S&P, A1 bei Moody’s, A+ bei Fitch. A.M. Best hat RenaissanceRe zudem den höchstmöglichen Risikomanagement-Score „Very Strong“ zugewiesen und am 2. Oktober 2025 den Ausblick der Emittentenratings auf positiv angehoben. Zum Vergleich: Mercury General, ein rein amerikanischer Erstversicherer aus unserer Reihe, spielt eine Stufe darunter.
Was der Altman-Z-Score hier nicht sagt
Die Fundamentaldaten weisen für RenaissanceRe einen Altman-Z″-Score von 9,15 aus. Die üblichen Schwellen lauten: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher. Danach stünde RNR weit im grünen Bereich.
Wir deuten diesen Wert bewusst nicht. Die Formel wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht, und ihr am stärksten gewichteter Baustein ist das Nettoumlaufvermögen — die Differenz zwischen kurzfristigem Vermögen und kurzfristigen Schulden. Eine Versicherungsbilanz kennt diese Trennung nicht: Die Schadenrückstellungen von 22.269,1 Millionen US-Dollar und die unverdienten Prämien von 7.176,0 Millionen (beide 30.06.2026) sind statistisch geschätzte Größen ohne Fälligkeitsdatum. Was daraus gerechnet wird, ist arithmetisch korrekt und inhaltlich bedeutungslos.
Aussagekräftig sind bei einem Rückversicherer stattdessen: Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung, Finanzstärke-Rating und die Bermuda-Solvenzanforderung.
Was für RenaissanceRe spricht — und was dagegen
Dafür:
- Das Zeichnungsgeschäft im Segment Property ist außergewöhnlich profitabel: Schaden-Kosten-Quote 27,1 Prozent im zweiten Quartal 2026 bei 642,7 Millionen US-Dollar Zeichnungsgewinn.
- Reserven lösen sich seit Jahren zugunsten des Ergebnisses auf: 199,4 Millionen US-Dollar günstige Vorjahresentwicklung allein im zweiten Quartal 2026, davon 257,5 Millionen im Property-Segment. Das spricht für vorsichtige Reservierung.
- Drei Ertragsquellen statt einer: Zeichnung 599,1, Kapitalanlage 571,9 und Gebühren 83,0 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026.
- Bilanz und Rating sind erstklassig: Verschuldungsgrad 0,21, Zinsdeckung rund 38, A+ bei drei Agenturen, Risikomanagement-Score auf der höchsten Stufe.
- Der Buchwert je Aktie ist von 104,13 US-Dollar (31.12.2018) auf 264,77 (30.06.2026) gestiegen — trotz zweier Verlustjahre in dieser Zeit.
Dagegen:
- Ein Viertel bis ein Drittel des Konzerngewinns gehört fremden Kapitalgebern; 7,3 Milliarden US-Dollar davon sind rückforderbar.
- Das Segment Casualty and Specialty zeichnete im zweiten Quartal 2026 mit einer Quote von 103,3 Prozent defizitär, und die Prämien dort schrumpfen um 14,6 Prozent.
- Fast drei Viertel des Vorsteuerergebnisses 2025 kamen aus der Kapitalanlage, davon 1.181,3 Millionen US-Dollar aus Bewertungsgewinnen, die 2022 mit −1.800,5 Millionen das Gegenteil taten.
- Ein einziges schweres Jahr kostet nach dem Muster von 2022 rund ein Fünftel des Buchwerts — heute wären das rund 58 US-Dollar je Aktie.
- Zum 31. Dezember 2026 gehen Finanzvorstand Robert Qutub (seit 2016 im Amt) und Chief Portfolio Officer Ross Curtis in den Ruhestand; Matthew Neuber übernimmt zum 1. Januar 2027 (8-K vom 14. Mai 2026).
Fazit: ein gutes Unternehmen mit einem Preis, der eine Wette enthält
RenaissanceRe ist kein Fall für Skepsis am Unternehmen. Das Haus zeichnet diszipliniert, reserviert vorsichtig, hat eine der besten Bilanzen seiner Branche und hat den Buchwert je Aktie über ein Jahrzehnt fast verdreifacht. Die 47 Punkte im Fundamental-Rating sagen darüber nichts aus — sie messen Wachstumsstetigkeit, und die kann ein Katastrophenrückversicherer per Definition nicht liefern.
Die eigentliche Frage ist die Bewertung. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 klingt nach einem Geschenk, misst aber ein Rekordjahr mit ungewöhnlich niedriger Katastrophenlast und ungewöhnlich hohen Bewertungsgewinnen im Anleihebestand. Normalisiert auf die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Jahre 2019 bis 2025 liegt das Vielfache bei rund 9 — immer noch günstig, aber eine völlig andere Zahl.
Wer hier kauft, kauft nicht ein Schnäppchen, sondern eine Verteilung: viele gute Jahre, dazwischen eines, in dem ein Fünftel des Buchwerts verschwindet. Wer damit rechnen kann, bekommt ein erstklassig geführtes Haus knapp über Buchwert. Wer stetige Gewinne braucht, ist bei einem Katastrophenrückversicherer grundsätzlich falsch — egal, wie niedrig das Kurs-Gewinn-Verhältnis aussieht.
Der Prüfpunkt steht im Kalender: Die atlantische Hurrikansaison läuft von Juni bis November. Der Quartalsbericht für das dritte Quartal 2026 wird zeigen, ob die Schaden-Kosten-Quote von 72,9 Prozent des ersten Halbjahrs die Saison überstanden hat.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- RenaissanceRe Holdings Ltd. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (eingereicht 23. Juli 2026)
- RenaissanceRe Holdings Ltd. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K mit der Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026 (eingereicht 22. Juli 2026)
- RenaissanceRe Holdings Ltd. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (endete 31. Dezember 2025; eingereicht 11. Februar 2026)
- RenaissanceRe Holdings Ltd. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2023 (eingereicht 21. Februar 2024), mit der Fünfjahresübersicht 2019 bis 2023
- RenaissanceRe Holdings Ltd. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2022 (eingereicht 8. Februar 2023), mit der Fünfjahresübersicht 2018 bis 2022
- RenaissanceRe Holdings Ltd. — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 14. Mai 2026 zur Nachfolge im Finanzvorstand
- Kennzahlenhistorie 2008 bis 2025 aus der XBRL-Datenbank der SEC zu CIK 913144
- Fundamentaldaten und hauseigener Aktien-Scanner, Datenstand 28. Juli 2026 (QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“, US-Auswahl, Rang 22)
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der RenaissanceRe Holdings Ltd.
Unser Fazit auf einen Blick
- Zeichnungsergebnis positiv
- Die Schaden-Kosten-Quote lag im zweiten Quartal 2026 bei 72,8 Prozent und im ersten Halbjahr bei 72,9 Prozent nach 103,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das Segment Property zeichnete mit 27,1 Prozent und 642,7 Millionen US-Dollar Zeichnungsgewinn außergewöhnlich profitabel; Casualty and Specialty lag dagegen mit 103,3 Prozent im Minus (−43,6 Millionen). Aus den Vorjahren lösten sich im zweiten Quartal 2026 199,4 Millionen US-Dollar Reserven zugunsten des Ergebnisses auf — ein Hinweis auf vorsichtige Reservierung (10-Q zum 30.06.2026, Ergebnismitteilung 8-K vom 22.07.2026).
- Ertragsverteilung negativ
- Vom Konzernergebnis 2025 über 3.617,7 Millionen US-Dollar standen 935,4 Millionen den fremden Kapitalgebern in DaVinci, Medici, Vermeer und Fontana zu und 35,4 Millionen den Vorzugsaktionären; den Stammaktionären blieben 2.647,0 Millionen oder 73,2 Prozent. 2024 waren es nur 62,0 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 62,8 Prozent. In drei Jahren flossen zusammen 3.084,6 Millionen US-Dollar an Drittinvestoren. In der Bilanz zum 30.06.2026 stehen 7.343,4 Millionen fremdes, rückforderbares Kapital gegen 11.820,2 Millionen eigenes Eigenkapital (10-K für 2025, 10-Q zum 30.06.2026).
- Gebührengeschäft positiv
- Für die Verwaltung des Drittkapitals kassierte RenaissanceRe 2025 Gebühren von 328,9 Millionen US-Dollar (207,5 Verwaltung, 121,4 Erfolg) nach 326,8 Millionen 2024; im zweiten Quartal 2026 waren es 83,0 Millionen. 250,1 Millionen davon wurden 2025 in der Zeile der fremden Kapitalgeber verrechnet, mindern also deren Anteil und kommen bei den Stammaktionären an — das entspricht 9,4 Prozent ihres Ergebnisses. Bei Vermeer hält der Konzern null Prozent des wirtschaftlichen Eigentums und verdient dennoch an 1.922,4 Millionen US-Dollar fremdem Kapital (31.12.2025).
- Bilanz & Rating positiv
- Den Schulden von 2.330,9 Millionen US-Dollar steht ein Eigenkapital von 11.820,2 Millionen gegenüber (30.06.2026), Verschuldungsgrad 0,21, Zinsdeckung rund 38, Piotroski-F-Score 8 von 9 und operativer Cashflow in allen sechs ausgewerteten Quartalen positiv. Die Finanzstärke der Renaissance Reinsurance Ltd. lautet A+ bei A.M. Best (zweithöchste Stufe, „Superior“), A+ bei S&P, A1 bei Moody’s und A+ bei Fitch; das Risikomanagement bewertet A.M. Best mit dem höchstmöglichen Score „Very Strong“ und hob am 02.10.2025 den Ausblick der Emittentenratings auf positiv.
- Schwankungsbreite negativ
- In 18 Geschäftsjahren (2008 bis 2025) wies RenaissanceRe fünf Verlustjahre für die Stammaktionäre aus: 2008, 2011, 2017 (−6,15 US-Dollar je Aktie), 2021 (−1,57) und 2022 (−25,50). Das schlechteste Jahr war dabei kein Katastrophen-, sondern ein Zinsjahr: 2022 verdiente das Zeichnungsgeschäft trotz Hurrikan Ian 149,9 Millionen US-Dollar, während die Kapitalanlagen 1.800,5 Millionen verloren; der Buchwert je Aktie fiel von 132,17 auf 104,65 US-Dollar, die Eigenkapitalrendite auf −22,0 Prozent. Auf die heutige Bilanz übertragen entspräche das rund 58 US-Dollar Verlust je Aktie in einem Jahr.
- Bewertung neutral
- Kurs-Gewinn-Verhältnis 5,4, Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 1,16 gegen den Buchwert je Aktie von 264,77 US-Dollar (30.06.2026), Börsenwert rund 13,1 Milliarden US-Dollar — Rang 22 im QARP-Scanner (Datenstand 28. Juli 2026). Das KGV misst allerdings 2025 mit 56,03 US-Dollar Gewinn je Aktie. Normalisiert auf die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Jahre 2019 bis 2025 von 12,6 Prozent ergibt sich eine Ertragskraft von rund 33 US-Dollar je Aktie und damit ein Vielfaches von rund 9. Der Zehnjahresdurchschnitt des Gewinns je Aktie (2016 bis 2025) liegt bei 15,82 US-Dollar.
RenaissanceRe ist der weltgrößte Katastrophenrückversicherer, sitzt auf Bermuda und verdient sein Geld auf drei Wegen: Zeichnung, Kapitalanlage und Gebühren aus der Verwaltung fremden Kapitals. Genau dieser dritte Weg macht die Konzernzahlen trügerisch — von 3.617,7 Millionen US-Dollar Konzerngewinn 2025 blieben den Stammaktionären 2.647,0 Millionen, 2024 waren es sogar nur 62,0 Prozent. Das Geschäft selbst ist erstklassig: Schaden-Kosten-Quote 72,9 Prozent im ersten Halbjahr 2026, Property-Segment bei 27,1 Prozent, Verschuldungsgrad 0,21, A+ bei drei Ratingagenturen. Das auffällige Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 misst jedoch ein Rekordjahr; über 18 Jahre gab es fünf Verlustjahre, 2022 mit minus 25,50 US-Dollar je Aktie. Auf die Zyklusrendite normalisiert liegt das Vielfache bei rund 9. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Für Rot fehlt jeder Substanzbefund, und zwar deutlich. Dem Eigenkapital von 11.820,2 Millionen US-Dollar stehen Schulden von 2.330,9 Millionen gegenüber (Verschuldungsgrad 0,21), die Zinsdeckung liegt bei rund 38, der operative Cashflow war in allen sechs ausgewerteten Quartalen positiv, der Piotroski-F-Score steht bei 8 von 9, und die Finanzstärke der Haupttochter lautet A+ bei A.M. Best, S&P und Fitch sowie A1 bei Moody’s, mit dem höchstmöglichen Risikomanagement-Score „Very Strong“. Das Zeichnungsgeschäft ist hochprofitabel: Schaden-Kosten-Quote 72,8 Prozent im zweiten Quartal 2026, im Property-Segment sogar 27,1 Prozent, dazu 199,4 Millionen US-Dollar günstige Reserveauflösung aus Vorjahren. Der Buchwert je Aktie ist von 104,65 US-Dollar (31.12.2022) auf 264,77 (30.06.2026) gestiegen. Für Grün fehlt trotzdem die Antwort auf eine wesentliche operative Frage — die Profitabilität schwankt strukturell und in einer Größenordnung, die man kennen muss. In 18 Jahren standen fünf Verlustjahre in den Büchern, zuletzt 2022 mit einem Minus von 1.096,6 Millionen US-Dollar oder 25,50 je Aktie, einer Eigenkapitalrendite von −22,0 Prozent und einem Rückgang des Buchwerts je Aktie um ein Fünftel. Dazu kommen zwei Abhängigkeiten: Fast drei Viertel des Vorsteuerergebnisses 2025 stammten aus der Kapitalanlage, darin 1.181,3 Millionen US-Dollar Bewertungsgewinne, die 2022 mit −1.800,5 Millionen das Gegenteil taten; und ein Viertel bis ein Drittel des Konzerngewinns gehört fremden Kapitalgebern, deren 7.343,4 Millionen US-Dollar rückforderbar sind. Das sind operative Fragen ohne Substanzrisiko — also Gelb. Das schlechteste Fundamental-Rating des Scanners (47 Punkte, Note C) spielt für diese Einordnung ausdrücklich keine Rolle: Es misst Wachstumsstetigkeit, die ein Katastrophenrückversicherer nicht liefern kann.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam RNR über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 22 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (RNR: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (23,4), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (26,8), Verschuldungsgrad höchstens 1,0 (0,21) und ein positives KGV bis 20 (5,4). Zugleich trägt RNR mit 47 Punkten (Note C) das schlechteste Fundamental-Rating des gesamten Scanners. Der Widerspruch ist auflösbar: Von 16,2 Gewichtspunkten dieses Ratings entfallen rund 42 Prozent auf Wachstums- und Schätzungsbausteine, 5,6 Prozent auf Bilanzkennzahlen und null auf die Bewertung. In unserer Nachrechnung gegen das gesamte Universum von 3.211 Titeln liegt RNR bei Gewinnschätzung des laufenden Jahres (−212,7 Prozent) und Quartalsumsatz (−36,6 Prozent) im untersten Zwanzigstel, bei operativem Cashflow, Verbesserungstrend, Piotroski-F-Score, Mittelzufluss und Zinsdeckung dagegen im obersten Zehntel. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
- Der Altman-Z″-Score (RNR: 9,15; Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet. Er wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht; eine Versicherungsbilanz kennt die Trennung in kurz- und langfristig nicht, sodass sich das am stärksten gewichtete Nettoumlaufvermögen nicht bilden lässt — Schadenrückstellungen von 22.269,1 Millionen und unverdiente Prämien von 7.176,0 Millionen US-Dollar (30.06.2026) werden statistisch geschätzt. Aussagekräftig sind stattdessen Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Finanzstärke-Rating.
- Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 28. Juli 2026 (Börsenwert rund 13,1 Milliarden US-Dollar). Die Gegenprobe mit 41.551.893 umlaufenden Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 20. Juli 2026) und dem Kurs desselben Datenstands ergibt rund 12,8 Milliarden US-Dollar; die Abweichung von rund 2,6 Prozent liegt weit unter der Fünftel-Schwelle, der Börsenwert ist damit verwendbar. Beim Kurs-Buchwert-Verhältnis weichen die Fundamentaldaten mit 1,22 von unserer Rechnung mit rund 1,16 ab, weil sie gegen den Buchwert vom 31. Dezember 2025 (247,00 US-Dollar) statt gegen den vom 30. Juni 2026 (264,77) rechnen. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
- Verwechslungsgefahr: RenaissanceRe Holdings Ltd. (NYSE: RNR) hat nichts mit Renaissance Technologies, dem Hedgefonds von James Simons, zu tun und auch nichts mit dem gleichnamigen Hotelbetreiber. Der Konzern führt keine frühere Firmierung; das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Trotz Sitz auf Bermuda ist RenaissanceRe US-Inlandsemittent und legt 10-K, 10-Q und 8-K vor — in der Filing-Historie existiert kein 20-F und kein 6-K. Das jüngste Filing überhaupt ist der Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, eingereicht am 23. Juli 2026; danach kam nichts mehr. Filings davor (Ergebnismitteilung 8-K vom 22.07.2026, Nachfolgeregelung im Finanzvorstand 8-K vom 14.05.2026, Hauptversammlung 8-K vom 06.05.2026, Regalregistrierung S-3ASR und Aktienplan S-8 vom 07.05.2026) sind ausgewertet; Form 15 oder Form 25 liegen nicht vor.
Häufige Fragen
Nicht vollständig den Aktionären. 2025 verdiente der Konzern 3.617,7 Millionen US-Dollar; davon standen 935,4 Millionen den fremden Kapitalgebern in DaVinci, Medici, Vermeer und Fontana zu und 35,4 Millionen den Vorzugsaktionären. Den Stammaktionären blieben 2.647,0 Millionen, also 73,2 Prozent. 2024 waren es nur 62,0 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 62,8 Prozent.
Unter dem Namen Capital Partners verwaltet RenaissanceRe fremdes Geld in Gemeinschaftsunternehmen wie DaVinci, Medici, Vermeer, Fontana und Upsilon und verdient daran Verwaltungs- und Erfolgsgebühren — 328,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Zum 30. Juni 2026 lagen dort 7.343,4 Millionen US-Dollar fremdes Kapital gegen 11.820,2 Millionen eigenes Eigenkapital. Bei Vermeer hält RenaissanceRe null Prozent des wirtschaftlichen Eigentums und verdient trotzdem daran.
Weil es gegen ein Rekordjahr rechnet. 2025 verdiente der Konzern 56,03 US-Dollar je Aktie bei einer Schaden-Kosten-Quote von 87,2 Prozent. Über 18 Jahre gab es fünf Verlustjahre, darunter 2022 mit minus 25,50 US-Dollar je Aktie. Auf die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Jahre 2019 bis 2025 von 12,6 Prozent normalisiert liegt das Vielfache bei rund 9 statt bei 5,4.
Weil das Rating misst, was ein Katastrophenrückversicherer nicht liefern kann. Von 16,2 Gewichtspunkten entfallen rund 42 Prozent auf Wachstums- und Schätzungsbausteine und null auf die Bewertung. RNR liegt bei Gewinnschätzung des laufenden Jahres und Quartalsumsatz im untersten Zwanzigstel des Universums, bei Piotroski-F-Score, operativem Cashflow und Zinsdeckung dagegen im obersten Zehntel. Die 47 Punkte sind kein Qualitätsurteil.
RenaissanceRe zahlte am 1. November 2023 insgesamt 2,985 Milliarden US-Dollar an AIG — 2,735 Milliarden bar und 1.322.541 Aktien. Die Bruttoprämien stiegen daraufhin von 8.862,4 Millionen US-Dollar (2023) auf 11.733,1 Millionen (2024). Finanziert wurde der Kauf mit 7.245.000 neuen Aktien zu 192,00 US-Dollar und einer Anleihe über 750 Millionen US-Dollar. AIG trägt über eine Reservenvereinbarung praktisch die gesamte spätere Abwicklung der übernommenen Schadenreserven.
Der Verlust der Stammaktionäre betrug 1.096,6 Millionen US-Dollar oder 25,50 US-Dollar je Aktie, die Eigenkapitalrendite minus 22,0 Prozent, der Buchwert je Aktie fiel von 132,17 auf 104,65 US-Dollar. Ursache war nicht Hurrikan Ian: Das Zeichnungsgeschäft verdiente 149,9 Millionen US-Dollar. Der Verlust kam aus 1.800,5 Millionen US-Dollar Kursverlusten im Anleihebestand.
Weil die Formel an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht wurde (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Ihr am stärksten gewichteter Baustein, das Nettoumlaufvermögen, lässt sich für eine Versicherungsbilanz nicht bilden: Schadenrückstellungen von 22.269,1 Millionen und unverdiente Prämien von 7.176,0 Millionen US-Dollar (30.06.2026) sind geschätzt und nicht nach Fristen getrennt. Aussagekräftiger sind Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Rating.
Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, EBIT-Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad höchstens 1,0 und ein positives KGV bis 20. RenaissanceRe erfüllt alle fünf (8 von 9; 23,4 Prozent; 26,8 Prozent; 0,21; 5,4) und steht damit auf Rang 22 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026).
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