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SiriusPoint-Aktie: Die Hälfte des Gewinns 2025 kam aus dem Verkauf einer Tochter

SiriusPoint-Aktie: Die Hälfte des Gewinns 2025 kam aus dem Verkauf einer Tochter

SiriusPoint steht mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,0 und einer Eigenkapitalrendite von 23,1 Prozent im Qualitätsfilter unseres Aktien-Scanners. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 gelesen: Von den 443,6 Millionen US-Dollar Jahresgewinn stammen 222,4 Millionen aus dem Verkauf der Tochter Armada an Ambac. Der Konzern selbst weist für 2025 eine operative Eigenkapitalrendite von 16,2 Prozent aus — und sein operatives Ergebnis stieg gegenüber 2024 nur um 2,1 Prozent. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was von 23,1 Prozent Eigenkapitalrendite übrig bleibt, wenn man den Verkaufsgewinn herausrechnet.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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SiriusPoint-Aktie: Die Hälfte des Gewinns 2025 kam aus dem Verkauf einer Tochter
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Moment beim Lesen eines Geschäftsberichts, in dem eine sehr gute Zahl plötzlich eine andere Bedeutung bekommt. Bei SiriusPoint steht dieser Moment auf Seite 63 des Geschäftsberichts (10-K) für 2025. Dort erklärt der Konzern, warum seine Eigenkapitalrendite von 9,1 auf 22,1 Prozent gesprungen ist — und nennt als ersten Grund einen Gewinn von 222,4 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf von Armada.

Das Ergebnis der Stammaktionäre betrug 2025 insgesamt 443,6 Millionen US-Dollar. Der Verkaufsgewinn macht davon 50,1 Prozent aus. Anders gesagt: Die Hälfte des Jahresgewinns kam nicht aus dem Versichern, sondern aus dem Verkaufen einer Tochtergesellschaft.

Genau diese Hälfte ist es, die unser Aktien-Scanner sieht, wenn er ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,0 und eine Eigenkapitalrendite von 23,1 Prozent meldet. Deshalb ziehen wir in dieser Analyse eine einzige Linie durch alle Kapitel: Was bleibt, wenn man den Einmaleffekt herausrechnet? Die Antwort steht in den Filings selbst — SiriusPoint veröffentlicht sie sogar, man muss nur die zweite Zahlenreihe lesen.

Was SiriusPoint eigentlich macht — und woher der Name kommt

SiriusPoint Ltd. ist ein Spezialversicherer und Rückversicherer mit Sitz in Hamilton auf Bermuda, notiert an der New York Stock Exchange unter „SPNT“. Der Konzern zeichnet weltweit Sach-, Haftpflicht- sowie Unfall- und Krankenversicherung, im Erstgeschäft wie im Rückversicherungsgeschäft, über Gesellschaften in den USA, eine Klasse-4-Gesellschaft auf Bermuda, ein Syndikat bei Lloyd’s of London und Einheiten in Europa. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 1.099 Menschen in zehn Ländern; geführt wird das Haus von Konzernchef Scott Egan.

Der Name erzählt die Vorgeschichte. Im Februar 2021 verschmolz Third Point Reinsurance — der 2011 gegründete und seit Juni 2013 börsennotierte Rückversicherer aus dem Umfeld des Hedgefonds-Managers Daniel S. Loeb — mit der Sirius International Insurance Group. Aus „Sirius“ und „Point“ wurde SiriusPoint. In den SEC-Unterlagen führt die Registrierung bis heute den früheren Namen „Third Point Reinsurance Ltd.“ als frühere Firmierung, und die Ad-hoc-Meldungen tragen intern noch das Kürzel „tpre“.

Ein Hinweis zur Meldeform, weil er bei Bermuda-Gesellschaften oft falsch angenommen wird: SiriusPoint ist kein ausländischer Emittent. Trotz Sitz auf Bermuda reicht der Konzern den vollen US-Satz ein — Geschäftsbericht 10-K, Quartalsbericht 10-Q, Ad-hoc-Meldungen 8-K. Ein 20-F existiert nicht. Der jüngste Zahlenstand dieser Analyse ist deshalb der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 7. Mai 2026; alle Einreichungen danach — Hauptversammlungsergebnis, Aktienplan-Registrierung, Insider-Meldungen — haben wir durchgesehen.

Das Geschäft läuft in zwei berichtspflichtigen Segmenten, die der Konzern zusammen als „Core“ führt: Insurance & Services (Erstversicherung plus die Erträge der beteiligten Assekuradeure) und Reinsurance (Rückversicherung). Daneben steht ein Abwicklungsblock namens „Corporate“, in dem eingestelltes Geschäft ausläuft.

Die Jahre des Umbaus — und was davon fertig ist

Zwischen Fusion und heute liegt ein kompletter Umbau. Der Geschäftsbericht führt ihn in drei Spuren auf: Geschäft vereinfachen, Schwankungen senken, auf Rendite konzentrieren. Die belegbaren Ergebnisse:

  • Ausstiege: Der Konzern verließ Sparten wie Cyber und Arbeiterunfallversicherung und schloss fünf Büros.
  • Beteiligungsportfolio: Die Zahl der Beteiligungen an Assekuradeuren („Managing General Agents“, kurz MGA — Vermittler, die im Namen eines Versicherers Policen zeichnen) fiel von 36 zum 31. Dezember 2022 auf 18 zum 31. Dezember 2025.
  • Altlasten: Drei Bestandsübertragungen („Loss Portfolio Transfers“) über zusammen 2,1 Milliarden US-Dollar Reserven schoben Risiken aus dem eingestellten Geschäft zu Rückversicherern; von den vereinbarten Deckungssummen sind laut Bericht über 95 Prozent noch unverbraucht.
  • Kapitalstruktur: Eine Refinanzierung über 400 Millionen US-Dollar (7,0-Prozent-Anleihe mit Laufzeit bis 2029, begeben im April 2024) und zwei Rückkäufe von Altgesellschafter CM Bermuda.

Was nicht abgeschlossen ist, gehört ebenso ehrlich dazu. Am 28. Februar 2025 kündigte SiriusPoint sämtliche Kapitalkonten im Third Point Enhanced Fund — die Rückgabe erfolge „over time“. Zum 31. März 2026 lagen trotzdem noch 741,3 Millionen US-Dollar in von nahestehenden Parteien verwalteten Anlagen, davon 621,2 Millionen im Third Point Optimized Credit Portfolio und 82,4 Millionen im Enhanced Fund. Das sind rund 14 Prozent der gesamten Kapitalanlagen von 5.306,8 Millionen US-Dollar.

Nicht abgeschlossen ist auch der Zukauf-Teil des Umbaus. Am 12. Februar 2026 vereinbarte eine britische Tochter den Erwerb des Reiseversicherungsgeschäfts World Nomads von der australischen nib Travel; die Assistenzgesellschaft Assist America wurde zum 31. Dezember 2025 für 44,0 Millionen US-Dollar übernommen.

Und die Vergleichbarkeit älterer Jahre ist eingeschränkt. Der Konzern in seiner heutigen Gestalt existiert erst seit dem 26. Februar 2021; das Jahr 2022 mit seinem Verlust von 402,8 Millionen US-Dollar entstand überwiegend nicht aus Schäden — die Schaden-Kosten-Quote lag bei 96,4 Prozent —, sondern aus Anlageverlusten, darunter allein 202,0 Millionen US-Dollar im Third Point Enhanced Fund. Wer Zahlen vor 2023 heranzieht, vergleicht zwei verschiedene Unternehmen mit demselben Namen.

Balkendiagramm des Nettoergebnisses der Stammaktionäre in Millionen US-Dollar: plus 44,6 im Jahr 2021, minus 402,8 im Jahr 2022, plus 338,8 im Jahr 2023, plus 183,9 im Jahr 2024 und plus 443,6 im Jahr 2025.
Fünf Jahre, eine Spanne von 846 Millionen US-Dollar: 2022 kostete 402,8 Millionen — überwiegend aus Anlageverlusten, nicht aus Schäden —, 2025 brachte 443,6 Millionen, davon 222,4 Millionen aus einem Verkauf. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. SiriusPoint kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, Qualität zum fairen Preis. Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig, und SPNT steht dort auf Rang 21 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026):

  • Piotroski-F-Score 7 von 9 — die neunteilige Bilanz-Checkliste ist erfüllt (Mindestwert 7). Sieben von neun ist ordentlich, nicht herausragend; ein kerngesundes Haus steht bei 8 oder 9.
  • Eigenkapitalrendite 23,1 Prozent — deutlich über der 15-Prozent-Hürde. Genau diese Zahl nehmen wir gleich auseinander.
  • Operative Marge 18,0 Prozent — fast das Doppelte des geforderten Mindestwerts von 10 Prozent.
  • Verschuldungsgrad 0,30 — Schulden von 679,6 Millionen US-Dollar gegen 2.302,4 Millionen Eigenkapital der Stammaktionäre (31.03.2026); erlaubt ist bis 1,0.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis 6,0 — weit unter der 20er-Grenze.

Dazu meldet der Scanner ein Fundamental-Rating von 66 Punkten (Note B), eine Dreijahresrendite von 54,4 Prozent pro Jahr und einen Börsenwert von rund 2,7 Milliarden US-Dollar. Die Listen werden täglich neu berechnet; Rang und Werte in diesem Absatz tragen den Datenstand 28. Juli 2026.

Und jetzt der Punkt, an dem man beim Lesen langsamer werden muss. Die Eigenkapitalrendite von 23,1 Prozent und das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,0 sind Zwölf-Monats-Größen — sie messen die vier Quartale vom zweiten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026. In diesem Fenster liegt der Verkauf von Armada, der am 31. Oktober 2025 abgeschlossen wurde. Und es fehlt das erste Quartal 2025 mit den kalifornischen Waldbränden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Hälfte des Gewinns 2025 kam aus einem Verkauf

Am 29. September 2025 vereinbarte SiriusPoint den Verkauf der Tochter ArmadaCorp Capital an die Ambac Financial Group für 250 Millionen US-Dollar; die Transaktion wurde am 31. Oktober 2025 abgeschlossen. Der Bericht ist an dieser Stelle erfreulich unmissverständlich:

„Effective November 1, 2025, we deconsolidated Armada when the transaction closed following the satisfaction of customary closing conditions. Accordingly, we deconsolidated and removed the carrying value of Armada’s assets of $36.4 million and liabilities of $22.6 million from our consolidated balance sheet as of December 31, 2025, and recognized a gain of $222.4 million in our consolidated income statement for the year ended December 31, 2025.“

Übersetzung: „Mit Wirkung zum 1. November 2025 haben wir Armada entkonsolidiert, nachdem die Transaktion nach Erfüllung der üblichen Vollzugsbedingungen abgeschlossen wurde. Dementsprechend haben wir Armadas Vermögenswerte von 36,4 Millionen US-Dollar und Verbindlichkeiten von 22,6 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2025 aus unserer Konzernbilanz entfernt und in unserer Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung für das Geschäftsjahr 2025 einen Gewinn von 222,4 Millionen US-Dollar erfasst.“

— SiriusPoint Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Note 3 „Significant transactions“

Gelb markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Armada wurde zum 1. November 2025 entkonsolidiert, Vermögenswerte von 36,4 Millionen und Verbindlichkeiten von 22,6 Millionen wurden ausgebucht und ein Gewinn von 222,4 Millionen US-Dollar erfasst.
Die markierte Stelle im Original: 222,4 Millionen US-Dollar Buchgewinn aus der Entkonsolidierung — die Hälfte des Jahresergebnisses 2025. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir die Bedeutung aus, Schritt für Schritt und mit veröffentlichten Zahlen. Das Ergebnis vor Steuern betrug 2025 541,3 Millionen US-Dollar, der Anteil des Verkaufsgewinns daran 41,1 Prozent. Nach Steuern und nach Abzug der Vorzugsdividende blieben den Stammaktionären 443,6 Millionen; ohne den Buchgewinn wären es rund 221 Millionen US-Dollar gewesen. Gegen das durchschnittliche Eigenkapital von 2.003,6 Millionen gerechnet ergibt das eine Eigenkapitalrendite von rund 11 Prozent statt 22,1 Prozent.

Und es war kein Ausrutscher, sondern ein Muster — in beide Richtungen der Zeitachse. Im Jahr davor stand an derselben Stelle ein Gewinn von 95,9 Millionen US-Dollar aus der Entkonsolidierung von Arcadian Risk Capital. Im Quartal danach steht wieder einer: Am 30. Januar 2026 verkaufte SiriusPoint die verbliebenen 49 Prozent an Arcadian für 140,4 Millionen US-Dollar an Lee Equity Partners und buchte dafür im ersten Quartal 2026 einen Gewinn von 25,2 Millionen US-Dollar — ein Viertel des Quartalsergebnisses von 99,6 Millionen. Der Quartalsbericht sagt selbst, woher der Rendite-Sprung kommt: „primarily resulting from the gain on the sale of Arcadian and increased underwriting income“.

Wer die Position „übrige Erträge“ über drei Jahre verfolgt, sieht das Muster als Zahlenreihe: 97,8 (2023) → 184,2 (2024) → 339,4 Millionen US-Dollar (2025). Der gesamte Zuwachs steckt in Beteiligungsverkäufen.

Bemerkenswert ist dabei, was nicht verkauft wurde: die Geschäftsbeziehung. Bei Armada läuft die Zeichnungspartnerschaft bis Ende 2030 weiter, bei Arcadian wurde die Kapazitätsvereinbarung bis Ende 2031 verlängert. Verkauft wurde jeweils das Eigenkapital an einem Assekuradeur, nicht das Geschäft, das er zeichnet. Das ist kaufmännisch klug — und es erklärt, warum die Prämien trotz der Verkäufe weiterwachsen.

Balkendiagramm der Ertragsquellen 2024 gegen 2025 in Millionen US-Dollar: Zeichnungsergebnis 276,4 gegen 302,8, Kapitalanlagen 224,6 gegen 271,9, Sondergewinn aus Verkäufen 95,9 gegen 222,4 und MGA-Servicegebühren 90,1 gegen 107,4.
Alle vier Ertragsquellen wuchsen — die Sondergewinne aus Verkäufen aber am stärksten, von 95,9 auf 222,4 Millionen US-Dollar. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Merke dir den Mechanismus: Ein Buchgewinn aus einem Verkauf erhöht Gewinn, Eigenkapitalrendite und Buchwert genau einmal. Im Folgejahr fehlt er nicht nur — es fehlen auch die laufenden Erträge der verkauften Tochter. Genau das steht im ersten Quartal 2026 in der Zeile Dienstleistungsergebnis: Es fiel von 18,9 auf 8,4 Millionen US-Dollar, „aufgrund der Entkonsolidierung von Armada“.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Konzern rechnet selbst mit 16,2 Prozent

Das Schöne an dieser Analyse ist, dass wir die Gegenrechnung nicht erfinden müssen. SiriusPoint veröffentlicht sie. Neben der bilanziellen Eigenkapitalrendite weist der Konzern eine operative Eigenkapitalrendite aus, die Sondereffekte ausklammert — ausdrücklich auch „nicht wiederkehrende Kosten im Zusammenhang mit Erwerben oder Verkäufen von Tochtergesellschaften“.

Die beiden Reihen für 2025 und 2024:

  • Bilanzielle Eigenkapitalrendite: 22,1 Prozent (2025) nach 9,1 Prozent (2024).
  • Operative Eigenkapitalrendite: 16,2 Prozent (2025) nach 14,6 Prozent (2024).
  • Operatives Nettoergebnis: 310,0 Millionen US-Dollar (2025) nach 303,5 Millionen (2024) — plus 2,1 Prozent.
  • Operativer Gewinn je Aktie: 2,55 US-Dollar (2025) nach 1,71 (2024) — plus 49 Prozent.

Die letzten beiden Zeilen zusammen erklären mehr über dieses Unternehmen als jede andere Kennzahl. Das operative Ergebnis stieg um 2,1 Prozent, der operative Gewinn je Aktie um 49 Prozent. Der Unterschied liegt allein im Nenner: Die verwässerte Durchschnittsaktienzahl fiel von 169.470.681 auf 121.648.050, ein Minus von 28,2 Prozent, weil der Konzern das komplette Paket des Altgesellschafters CM Bermuda einzog — darunter 45.720.732 Aktien zu 14,25 US-Dollar am 27. Februar 2025.

Das ist kein Vorwurf. Rückkäufe unter dem inneren Wert sind ein legitimer und wirksamer Hebel; im ersten Quartal 2026 hat der Konzern weitere 1.052.610 Aktien zu durchschnittlich 20,78 US-Dollar eingezogen. Aber es ist ein einmaliger Hebel in dieser Größenordnung. Für 2026 steht eine Rückkaufermächtigung von 174 Millionen US-Dollar im Raum — bei einem Börsenwert von rund 2,7 Milliarden entspricht das gut sechs Prozent, nicht 28.

Das eigene Ziel des Hauses steht seit Jahren unverändert im Geschäftsbericht:

„Our ambition is to drive excellence as a best-in-class underwriter, with a diverse and low-volatility portfolio of specialty lines, that generally targets a 12-15% return on equity across the pricing cycle.“

Übersetzung: „Unser Anspruch ist es, als erstklassiger Zeichner zu bestehen, mit einem breit gestreuten, schwankungsarmen Portfolio von Spezialsparten, das über den Preiszyklus hinweg grundsätzlich eine Eigenkapitalrendite von 12 bis 15 Prozent anstrebt.“

— SiriusPoint Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1 „Business“

Gelb markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: SiriusPoint strebt mit einem breit gestreuten, schwankungsarmen Portfolio von Spezialsparten eine Eigenkapitalrendite von 12 bis 15 Prozent über den Preiszyklus an.
Die markierte Stelle im Original: 12 bis 15 Prozent Eigenkapitalrendite über den Zyklus — das ist der Anspruch des Hauses selbst, nicht 23,1 Prozent. Darüber steht in derselben Passage das Eigenkapital von 2,3 Milliarden und das Gesamtkapital von 3,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Merke dir den Maßstab: Wenn ein Unternehmen selbst 12 bis 15 Prozent anstrebt und selbst 16,2 Prozent als operative Rendite ausweist, dann sind 23,1 Prozent kein Qualitätsbeweis, sondern eine Messgröße mit einem Sondereffekt darin.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Reserven sind Schätzungen — und 2025 wurden sie aufgelöst

Bei einem Versicherer steckt der größte Ermessensspielraum in einer einzigen Bilanzposition: den Rückstellungen für Schäden, die schon eingetreten, aber noch nicht abschließend bezahlt sind. Bei SiriusPoint waren das zum 31. März 2026 5.732,7 Millionen US-Dollar — knapp das Zweieinhalbfache des Eigenkapitals. Der Bericht sagt selbst, wie belastbar diese Zahl ist:

„Loss and loss adjustment expense reserves represent estimates of what the insurer or reinsurer ultimately expects to pay on claims at a given time, based on facts and circumstances then known, and it is probable that the ultimate liability may exceed or be less than such estimates. The process of estimating loss and loss adjustment expense reserves involves a considerable degree of judgment by management and, as of any given date, is inherently uncertain.“

Übersetzung: „Rückstellungen für Schäden und Schadenregulierungskosten sind Schätzungen dessen, was der Versicherer oder Rückversicherer zu einem bestimmten Zeitpunkt letztlich auf Ansprüche zu zahlen erwartet, auf Grundlage der dann bekannten Tatsachen und Umstände; es ist wahrscheinlich, dass die endgültige Verpflichtung diese Schätzungen übersteigt oder unterschreitet. Der Prozess der Schätzung dieser Rückstellungen erfordert ein erhebliches Maß an Ermessen des Managements und ist zu jedem beliebigen Stichtag naturgemäß mit Unsicherheit behaftet.“

— SiriusPoint Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1 „Business — Loss and loss adjustment expense reserves“

Gelb markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Schadenrückstellungen sind Schätzungen, die endgültige Verpflichtung kann sie übersteigen oder unterschreiten, und der Schätzprozess ist naturgemäß mit Unsicherheit behaftet.
Die markierte Stelle im Original: „naturgemäß mit Unsicherheit behaftet“ — bei 5.732,7 Millionen US-Dollar Schadenrückstellungen (31.03.2026) ist das keine Floskel. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bei SiriusPoint bewegte sich diese Schätzung zuletzt in die angenehme Richtung. 2025 löste der Konzern im Kerngeschäft 72,2 Millionen US-Dollar aus Vorjahresschäden auf — vor allem im Sachgeschäft, wo Rückstellungen für frühere Katastrophenereignisse nicht gebraucht wurden, und in der Unfall- und Krankenversicherung. Auf Konzernebene waren es 73,8 Millionen. Im Jahr davor waren es sogar 100,7 Millionen.

Ein Detail des ersten Quartals 2026 verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, weil es zwei verschiedene Zahlen für dieselbe Sache gibt. Im Kerngeschäft wurden 32,2 Millionen US-Dollar aufgelöst (Erstversicherung 15,1, Rückversicherung 17,1). Auf Konzernebene bleiben davon nur 17,9 Millionen übrig — die Differenz von rund 14 Millionen ist eine Nachreservierung im Abwicklungsblock, also im eingestellten Geschäft. Wer nur die Kernzahl liest, sieht die eine Hälfte der Bewegung und nicht die andere.

Das ist gute Nachricht und Warnsignal zugleich. Gute Nachricht, weil ein Haus, das drei Jahre in Folge Reserven auflösen kann, offenbar vorsichtig genug reserviert hat. Warnsignal, weil Reserveauflösungen den ausgewiesenen Gewinn heben, ohne dass ein einziger neuer Vertrag geschrieben wurde. Die 72,2 Millionen des Jahres 2025 entsprechen rund 0,59 US-Dollar je verwässerter Aktie — knapp einem Viertel des operativen Gewinns je Aktie von 2,55 US-Dollar. Und sie sind ihrer Natur nach endlich: Was einmal aufgelöst ist, kann kein zweites Mal aufgelöst werden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Altman-Z″-Score sagt hier nichts — deshalb deuten wir ihn nicht

In vielen Kennzahlen-Übersichten steht neben SiriusPoint ein Altman-Z″-Score mit den üblichen Schwellen: unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher. Wir nennen diese Schwellen hier, weil sie umlaufen — und wenden sie ausdrücklich nicht an.

Der Grund ist handwerklich. Die Formel wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht, und ihr am stärksten gewichteter Baustein ist das Nettoumlaufvermögen: Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten. Eine Versicherungsbilanz kennt diese Trennung nicht. Schadenrückstellungen von 5.732,7 Millionen und unverdiente Prämien von 1.991,2 Millionen US-Dollar (jeweils 31.03.2026) werden statistisch geschätzt und nach erwarteten Zahlungsmustern abgewickelt, nicht nach Fristen sortiert. Wer sie in die Formel einsetzt, bekommt eine Zahl — aber keine Aussage.

Aussagekräftig sind bei einem Versicherer stattdessen vier andere Größen: die Schaden-Kosten-Quote, die Reserveentwicklung, das Finanzstärke-Rating und die Kapitalausstattung nach Aufsichtsmaßstab. Alle vier stehen bei SiriusPoint gut da. Die Bermuda-Solvenzkennziffer (BSCR) lag zum 31. März 2026 bei geschätzten 242 Prozent, der Verschuldungsgrad nach Rückzahlung der Vorzugsaktien nach eigener Angabe bei einem historischen Tief von 23 Prozent. Und beim Rating steht der handfesteste Fortschritt dieser Analyse:

„On February 25, 2026, Fitch upgraded the financial strength rating of our operating subsidiaries to ‘A’ (Strong) from ‘A-’, followed by AM Best’s upgrade to ‘A’ (Excellent) from ‘A-’ on April 16, 2026 and S&P’s upgrade to ‘A’ (Strong) from ‘A-’ on April 21, 2026.“

Übersetzung: „Am 25. Februar 2026 stufte Fitch das Finanzstärke-Rating unserer operativen Tochtergesellschaften von ‚A−‘ auf ‚A‘ (Strong) herauf, gefolgt von der Heraufstufung durch AM Best auf ‚A‘ (Excellent) von ‚A−‘ am 16. April 2026 und durch S&P auf ‚A‘ (Strong) von ‚A−‘ am 21. April 2026.“

— SiriusPoint Ltd., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt „Financial strength ratings“

Drei Heraufstufungen binnen zweier Monate sind bei einem Versicherer keine Kosmetik. Ein Rating bestimmt, welches Geschäft ein Haus überhaupt zeichnen darf: Viele Makler und Zedenten verlangen mindestens „A“. Moody’s führt unverändert „A3“ mit stabilem Ausblick. Im Geschäftsbericht vom Februar 2026 stand bei allen drei anderen Agenturen noch „A−“.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Ein KGV von 6,0 bei einem Rückversicherer misst das Wetter

Jetzt die Zyklik-Rechnung, und zwar ehrlich in beide Richtungen. Die verdienten Nettoprämien des Kerngeschäfts lagen 2025 bei 2.591,5 Millionen US-Dollar. Ein einziger Punkt Schaden-Kosten-Quote kostet damit rund 25,9 Millionen US-Dollar vor Steuern — bei 121.648.050 verwässerten Aktien sind das rund 0,21 US-Dollar je Aktie.

Wie weit dieser Hebel reicht, zeigt die eigene Geschichte des Hauses. Die Schaden-Kosten-Quote seit der Fusion, jeweils Konzern und Kerngeschäft:

  • 2021: 109,1 Prozent (Kern 109,5) — Katastrophenschäden von 326,0 Millionen US-Dollar oder 18,8 Ratiopunkten, darunter 133 Millionen aus den Fluten in Westeuropa und 97 Millionen aus Hurrikan Ida.
  • 2022: 96,4 Prozent (Kern 101,6) — 137,9 Millionen oder 6,0 Punkte, darunter 80,8 Millionen aus Hurrikan Ian.
  • 2023: 84,5 Prozent (Kern 89,1) — 24,8 Millionen.
  • 2024: 88,3 Prozent (Kern 91,0) — 54,8 Millionen aus den Hurrikanen Helene und Milton.
  • 2025: 88,3 Prozent (Kern 91,7) — 74,4 Millionen oder 2,9 Punkte aus den kalifornischen Waldbränden.

Die Katastrophenlast ist also teils aus Absicht gesunken, teils aus Glück. Aus Absicht, weil der Konzern rund 300 Millionen US-Dollar internationales Sach-Rückversicherungsgeschäft aufgab — im Bericht ausdrücklich als „primäre Quelle der Zeichnungsvolatilität“ bezeichnet. Aus Glück, weil im ersten Quartal 2026 nur 5,4 Millionen US-Dollar oder 0,8 Ratiopunkte anfielen — nach 67,9 Millionen oder 10,9 Punkten im Vorjahresquartal aus den kalifornischen Waldbränden.

Daraus drei Szenarien, alle als eigene Rechnung auf Basis des Jahres 2025 und ausdrücklich keine Prognose des Unternehmens:

  • So wie 2025: operativer Gewinn je Aktie 2,55 US-Dollar. Auf den vom Scanner unterstellten Börsenwert von rund 2,7 Milliarden US-Dollar und 117.542.130 Aktien (Stand 04.05.2026) gerechnet — also rund 23 US-Dollar je Aktie — ergibt das ein Vielfaches von rund 9, nicht 6,0.
  • Ein Jahr wie 2024, drei Punkte schlechter im Kern: rund 77,7 Millionen US-Dollar oder 0,64 US-Dollar je Aktie weniger. Aus 2,55 werden rund 1,91 US-Dollar, das Vielfache steigt auf rund 12.
  • Ein Katastrophenjahr wie 2021: Damals lagen 18,8 Ratiopunkte Katastrophenlast auf der Quote statt 2,9. Die Differenz von 15,9 Punkten entspricht rund 412 Millionen US-Dollar vor Steuern oder 3,39 US-Dollar je Aktie — mehr, als 2025 operativ überhaupt verdient wurde. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich daraus nicht mehr bilden, und genau das ist die Aussage.

Ein Zusatz zur Vollständigkeit: Das Verlustjahr 2022 mit minus 402,8 Millionen US-Dollar war kein Katastrophenjahr — die Schaden-Kosten-Quote lag bei 96,4 Prozent. Der Verlust kam aus den Kapitalanlagen, allein 202,0 Millionen aus dem Third Point Enhanced Fund. Auch das gehört zur Zyklik dieses Hauses, nur an anderer Stelle der Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Merke dir den Satz: Ein KGV misst bei einem Rückversicherer nicht die Bewertung, sondern die Wetterlage der vergangenen zwölf Monate. Deshalb schauen Fachleute bei Versicherern zuerst auf den Buchwert. Bei Mercury General haben wir gezeigt, wie ein einziges Ereignis die Ertragskraft eines Schadenversicherers in einem Quartal verbiegt, und bei Greenlight Capital Re, warum der Buchwert je Aktie bei Rückversicherern die ehrlichere Bewertungsgröße ist als der Gewinn.

Was wirklich trägt: das Zeichnungsgeschäft

Nach vier unbequemen Kapiteln gehört das Gegengewicht dazu, und es ist stärker, als der Sondereffekt vermuten lässt. Das operative Geschäft von SiriusPoint verbessert sich seit Jahren messbar.

Die Schaden-Kosten-Quote — sie setzt Schäden, Abschlusskosten, Provisionen und Verwaltungskosten ins Verhältnis zu den verdienten Nettoprämien; unter 100 Prozent bedeutet Zeichnungsgewinn — lag im Kerngeschäft 2025 bei 91,7 Prozent nach 91,0 Prozent (2024), auf Konzernebene in beiden Jahren bei 88,3 Prozent. Im ersten Quartal 2026 fiel sie im Kern auf 88,9 Prozent nach 95,4 Prozent im Vorjahresquartal, auf Konzernebene auf 87,8 Prozent nach 91,4 Prozent. In der Rückversicherung lag sie sogar bei 84,2 Prozent nach 97,1 Prozent — dort schlägt die weggefallene Katastrophenlast am stärksten durch.

Die Prämien wachsen dabei nicht wahllos. 2025 stiegen die Bruttoprämien um 14,2 Prozent auf 3.705,6 Millionen US-Dollar, getragen von der Erstversicherung mit 2.313,5 Millionen (plus 25,7 Prozent), während die Rückversicherung bei 1.375,0 Millionen weitgehend seitwärts lief. Im ersten Quartal 2026 setzt sich das fort: Erstversicherung plus 7,8 Prozent auf 684,6 Millionen, Rückversicherung minus 10,0 Prozent auf 319,2 Millionen — der Konzern zieht sich aus Sach-Katastrophenrückversicherung, Bermuda- und London-Spezialgeschäft sowie New Yorker Haftpflicht zurück, weil die Preise fallen. Das ist Disziplin, die man in einem weicher werdenden Markt sehen will.

Das Kapitalanlageergebnis ist der zweite Motor — und der einzige Posten, der 2025 rückläufig war. Die laufenden Nettoerträge fielen von 303,6 auf 274,8 Millionen US-Dollar; zusammen mit realisierten und unrealisierten Verlusten von 2,9 Millionen ergab das 271,9 Millionen (2024: 224,6, damals mit 79,0 Millionen Verlusten). Im ersten Quartal 2026 sanken die laufenden Erträge weiter auf 66,4 Millionen nach 71,2 Millionen, „getrieben von niedrigeren Renditen“. Das Anlagevolumen betrug zum 31. März 2026 5.306,8 Millionen US-Dollar.

Zur Einordnung der Frage, wovon dieses Haus lebt: Vom Ergebnis vor Steuern des Jahres 2025 in Höhe von 541,3 Millionen US-Dollar stammten 302,8 Millionen aus dem Zeichnungsgeschäft, 271,9 Millionen aus den Kapitalanlagen und 339,4 Millionen aus übrigen Erträgen (darin die 222,4 Millionen aus dem Armada-Verkauf und 107,4 Millionen Servicegebühren der Assekuradeure); dem standen Verwaltungs- und sonstige Kosten von 257,0 Millionen, Zinsen von 79,7 Millionen, Abschreibungen auf immaterielle Werte von 10,9 Millionen und Währungsverluste von 25,2 Millionen gegenüber. Ohne den Verkaufsgewinn wäre das Zeichnungsgeschäft die größte Einzelquelle gewesen — mit ihm war es der Verkauf.

Merke dir die Faustregel für Versicherer: Zeichnungsgewinn und Kapitalanlageergebnis sind die beiden Beine, auf denen ein Versicherer steht. Alles, was daneben auftaucht, ist Zusatz — und muss darauf geprüft werden, ob es nächstes Jahr wiederkommt. Bei SiriusPoint trugen die beiden Beine 2025 zusammen 574,7 Millionen US-Dollar, der Zusatz 339,4 Millionen.

Bewertung: 2,7 Milliarden für 2,3 Milliarden Eigenkapital

Zur Größenordnung: Der hauseigene Datenbestand weist einen Börsenwert von rund 2,7 Milliarden US-Dollar aus (Datenstand 28. Juli 2026). Die Gegenprobe: Das Deckblatt des Quartalsberichts (10-Q) nennt 117.542.130 umlaufende Aktien zum 4. Mai 2026; daraus ergibt sich ein unterstellter Kurs von rund 23 US-Dollar je Aktie. Die Fundamentaldaten führen zum selben Datenstand einen etwas höheren Wert von rund 3,0 Milliarden US-Dollar, entsprechend rund 25,60 US-Dollar je Aktie. Beide Größen beruhen auf derselben Aktienzahl; die Spanne von rund elf Prozent ist reiner Kursstand und bleibt deutlich unter der Fünftel-Schwelle, ab der wir einen Börsenwert verwerfen würden.

Bei einem Versicherer ist die tragende Bewertungsgröße nicht der Gewinn, sondern das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Der Buchwert je Aktie lag zum 31. März 2026 bei 19,86 US-Dollar, verwässert bei 19,03, materiell verwässert bei 17,72. Gegen einen Kurs von rund 23 US-Dollar gerechnet ergibt das rund 1,16, gegen 25,60 US-Dollar rund 1,29.

Und hier zeigt sich der eigentliche Fortschritt der letzten beiden Jahre. Die Entwicklung des Buchwerts je Aktie:

  • 31.12.2024: 14,92 US-Dollar (verwässert 14,60; materiell verwässert 13,42)
  • 31.12.2025: 19,40 US-Dollar (verwässert 18,61; materiell verwässert 17,62) — plus 30,0 Prozent
  • 31.03.2026: 19,86 US-Dollar (verwässert 19,03; materiell verwässert 17,72)

Ein Plus von 30 Prozent beim Buchwert je Aktie in einem Jahr ist bei einem Versicherer eine Ansage. Aber auch hier gilt die Linie dieser Analyse: Der Konzern selbst schreibt, die Zunahme spiegele „fortgesetzt positive Zeichnungs- und Anlageergebnisse sowie den Gewinn aus dem Verkauf von Armada“. Rechnet man die 222,4 Millionen US-Dollar heraus, verbleiben rund 1,83 US-Dollar je Aktie weniger — aus 19,40 würden rund 17,6 US-Dollar, ein Zuwachs von rund 18 statt 30 Prozent. Immer noch gut, aber eben nicht dasselbe.

Und noch etwas gehört zu einer ehrlichen Renditerechnung. Der Nenner ist kleiner geworden, nicht nur der Zähler größer. Durch den Rückkauf des kompletten Pakets von CM Bermuda fiel das Eigenkapital der Stammaktionäre von 2.694,9 Millionen US-Dollar (30. September 2024) auf 1.737,4 Millionen (31. Dezember 2024) — ein Minus von rund einem Drittel. Die Eigenkapitalrendite des Jahres 2025 wurde also auf einer deutlich verkleinerten Kapitalbasis gerechnet. Wer 22,1 Prozent mit den 9,1 Prozent des Vorjahres vergleicht, vergleicht auch zwei unterschiedlich große Nenner.

Ein Blick auf die Eigentümerseite rundet das Bild ab. CM Bermuda ist vollständig ausgestiegen — die Beteiligung des chinesischen Konzerns lag 2021 noch bei 37,9 Prozent und fiel über 32,6 (2023) und 28,2 Prozent (2024) auf null; das Abschluss-Filing datiert vom 3. März 2025. Größter Einzelaktionär ist heute wieder der Kreis um Daniel S. Loeb und Third Point mit 11.068.662 Aktien oder 9,46 Prozent, gefolgt von BlackRock (8,84 Prozent), Donald Smith & Co. (7,20), Dimensional Fund Advisors (6,44) und Capital Research Global Investors (5,73); Vorstand und Aufsichtsrat halten zusammen 12,16 Prozent (Einladung zur Hauptversammlung, Stand 14. März 2026). Loeb sitzt weiterhin im Verwaltungsrat — und ließ sich 2025 500.000 Aktien zu 14,00 US-Dollar abkaufen.

Was der Markt mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis um 1,2 sagt, ist ungefähr dies: Er traut dem Haus eine Rendite zu, die etwas über den Eigenkapitalkosten liegt — im Einklang mit den 16,2 Prozent operativer Eigenkapitalrendite, nicht mit den 23,1 Prozent aus dem Scanner. Zum Vergleich lohnt der Blick auf zwei Häuser derselben Insel: Pelagos Insurance Capital notiert etwa auf Buchwert und lagert das Zeichnen komplett aus, Hamilton Insurance Group zeichnet selbst über Lloyd’s. Drei Bermuda-Adressen, drei verschiedene Antworten auf dieselbe Frage.

Eine Dividende gibt es übrigens nicht und soll es auf absehbare Zeit auch nicht geben: „We do not currently expect to declare or pay dividends on our common shares for the foreseeable future“, heißt es im Geschäftsbericht. Die Kapitalrückgabe läuft ausschließlich über Rückkäufe — und über die Rückzahlung der Vorzugsaktien der Serie B, die am 26. Februar 2026 zu 25,00 US-Dollar je Stück plus aufgelaufener Dividende vollständig eingelöst wurden (8.000.000 Stück, 203,9 Millionen US-Dollar). Zusammen mit 42 Millionen US-Dollar Aktienrückkäufen (Stand 6. Mai 2026) ergab das eine Kapitalrückgabe von 242 Millionen US-Dollar; die Rückkaufabsicht für 2026 wurde im Mai auf die volle Ermächtigung von 174 Millionen US-Dollar angehoben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für SiriusPoint spricht:

  • Das Zeichnungsgeschäft verbessert sich messbar: Schaden-Kosten-Quote im Kern 91,7 Prozent (2025) nach 91,0 (2024) und 88,9 Prozent im ersten Quartal 2026 nach 95,4 Prozent im Vorjahresquartal.
  • Wachstum mit Disziplin: Bruttoprämien plus 14,2 Prozent auf 3.705,6 Millionen US-Dollar (2025), dabei Erstversicherung plus 25,7 Prozent und im ersten Quartal 2026 bewusst minus 10,0 Prozent in der Rückversicherung, weil die Preise fallen.
  • Eine Bilanz, die gerade besser bewertet wird: Eigenkapital der Stammaktionäre 2.302,4 Millionen US-Dollar gegen 679,6 Millionen Schulden (31.03.2026), Bermuda-Solvenzkennziffer 242 Prozent, Verschuldungsgrad nach eigener Angabe auf einem Tief von 23 Prozent, Heraufstufung der Finanzstärke auf „A“ durch S&P, AM Best und Fitch bis Mai 2026.
  • Buchwert je Aktie von 14,92 (31.12.2024) über 19,40 (31.12.2025) auf 19,86 US-Dollar (31.03.2026) — auch ohne den Armada-Gewinn ein Zuwachs von rund 18 Prozent im Jahr 2025.
  • Ein Umbau mit belegbaren Zwischenergebnissen: Beteiligungen an Assekuradeuren von 36 (31.12.2022) auf 18 (31.12.2025) halbiert, Ausstieg aus Cyber und Arbeiterunfall, drei Bestandsübertragungen über 2,1 Milliarden US-Dollar Altreserven.

Was dagegen spricht:

  • Die Hälfte des Jahresgewinns 2025 war ein Buchgewinn: 222,4 von 443,6 Millionen US-Dollar stammen aus der Entkonsolidierung von Armada. Ohne ihn liegt die Eigenkapitalrendite bei rund 11 statt 22,1 Prozent.
  • Das operative Ergebnis stagniert nahezu: 310,0 Millionen US-Dollar (2025) nach 303,5 Millionen (2024), plus 2,1 Prozent. Der Sprung des operativen Gewinns je Aktie um 49 Prozent kam aus der um 28,2 Prozent gesunkenen Aktienzahl, nicht aus dem Geschäft.
  • Reserveauflösungen stützen das Ergebnis: 100,7 Millionen US-Dollar (2024), 72,2 Millionen (2025) und 32,2 Millionen allein im ersten Quartal 2026 im Kerngeschäft — Erträge, die sich nicht wiederholen lassen.
  • Die Kapitalanlageerträge sinken: 274,8 Millionen US-Dollar (2025) nach 303,6 Millionen (2024), im ersten Quartal 2026 weiter auf 66,4 nach 71,2 Millionen.
  • Der Umbau ist nicht fertig: Trotz der am 28. Februar 2025 erklärten Kündigung lagen zum 31. März 2026 noch 741,3 Millionen US-Dollar in von nahestehenden Parteien verwalteten Anlagen, rund 14 Prozent des Portfolios.
  • Die Zyklik bleibt: 2021 lag die Katastrophenlast bei 326,0 Millionen US-Dollar oder 18,8 Ratiopunkten und die Schaden-Kosten-Quote bei 109,1 Prozent, 2022 stand ein Verlust von 402,8 Millionen US-Dollar in den Büchern. Ein Punkt mehr Schaden-Kosten-Quote kostet nach eigener Rechnung rund 25,9 Millionen US-Dollar vor Steuern oder 0,21 US-Dollar je Aktie.
  • Auch das erste Quartal 2026 lebt von einem Einmaleffekt: 25,2 der 99,6 Millionen US-Dollar Quartalsgewinn stammen aus dem Verkauf der restlichen 49 Prozent an Arcadian. Das Reservoir schrumpft — die Zahl der Beteiligungen an Assekuradeuren fiel von 36 (2022) auf 18 (2025).

Ein menschliches Fazit

Zurück zu der Zahl vom Anfang. 222,4 Millionen US-Dollar sind kein Betrug, kein Bilanztrick und kein Skandal. Es ist ein sauber ausgewiesener, sauber erklärter Buchgewinn aus einem Verkauf, den der Konzern selbst in drei Kapiteln seines Geschäftsberichts erwähnt und in einer eigenen Kennzahl herausrechnet. Wer den Bericht liest, kann sich gar nicht täuschen.

Getäuscht wird nur, wer ihn nicht liest — und stattdessen eine Kennzahlen-Zeile mit einem KGV von 6,0 und 23,1 Prozent Eigenkapitalrendite sieht und daraus schließt, hier verdiene ein Versicherer außerordentlich gutes Geld. Er verdient ordentliches Geld: 16,2 Prozent operative Eigenkapitalrendite, oberhalb des eigenen Ziels von 12 bis 15 Prozent, im dritten Jahr in Folge verbessert. Das ist eine gute Nachricht — sie ist nur eine andere als die, die der Filter erzählt.

Und es bleibt eine offene Frage. Ein Haus, das seinen Gewinn in zwei aufeinanderfolgenden Jahren durch Beteiligungsverkäufe aufgebessert hat, muss irgendwann zeigen, dass das laufende Geschäft allein trägt. Die Beteiligungen an Assekuradeuren sind von 36 auf 18 gefallen — das Reservoir für weitere Verkäufe ist kleiner geworden. Der Prüfpunkt steht in jedem Quartalsbericht (10-Q) in zwei Zeilen: der Schaden-Kosten-Quote des Kerngeschäfts und der operativen Eigenkapitalrendite. Bleiben sie bei 88,9 beziehungsweise 15,3 Prozent wie im ersten Quartal 2026, ist die These intakt. Fällt die operative Rendite unter 12 Prozent, ist sie es nicht mehr. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der SiriusPoint Ltd.

Unser Fazit auf einen Blick

Zeichnungsergebnis positiv
Die Schaden-Kosten-Quote des Kerngeschäfts lag 2025 bei 91,7 Prozent nach 91,0 Prozent (2024), auf Konzernebene in beiden Jahren bei 88,3 Prozent. Im ersten Quartal 2026 verbesserte sie sich im Kern auf 88,9 Prozent nach 95,4 Prozent im Vorjahresquartal. Die Bruttoprämien wuchsen 2025 um 14,2 Prozent auf 3.705,6 Millionen US-Dollar, getragen von der Erstversicherung mit plus 25,7 Prozent, während die Rückversicherung im ersten Quartal 2026 bewusst um 10,0 Prozent zurückgefahren wurde (10-K für 2025, 10-Q zum 31.03.2026).
Ertragsqualität negativ
Von 443,6 Millionen US-Dollar Ergebnis der Stammaktionäre 2025 stammen 222,4 Millionen aus der Entkonsolidierung von Armada, verkauft am 31. Oktober 2025 für 250 Millionen US-Dollar an Ambac — 50,1 Prozent des Jahresgewinns und 41,1 Prozent des Ergebnisses vor Steuern. Bereits 2024 enthielt die Rechnung 95,9 Millionen aus der Entkonsolidierung von Arcadian, und im ersten Quartal 2026 kamen 25,2 Millionen aus dem Verkauf der restlichen 49 Prozent an Arcadian hinzu — ein Viertel des Quartalsgewinns von 99,6 Millionen. Das operative Nettoergebnis stieg dagegen nur von 303,5 auf 310,0 Millionen US-Dollar, also um 2,1 Prozent (10-K für 2025, 10-Q zum 31.03.2026, Ergebnismitteilung 8-K vom 18.02.2026).
Bilanz & Rating positiv
Dem Eigenkapital der Stammaktionäre von 2.302,4 Millionen US-Dollar stehen Schulden von 679,6 Millionen gegenüber (31.03.2026); die Bermuda-Solvenzkennziffer lag bei geschätzten 242 Prozent, der Verschuldungsgrad nach Rückzahlung der Vorzugsaktien der Serie B nach eigener Angabe auf einem historischen Tief von 23 Prozent. Fitch stufte die Finanzstärke der operativen Töchter am 25. Februar 2026 auf „A“ herauf, AM Best am 16. April 2026, S&P am 21. April 2026; im Geschäftsbericht vom Februar 2026 stand dort noch überall „A−“, Moody’s führt unverändert „A3“.
Buchwert & Kapitalrückgabe positiv
Der Buchwert je Stammaktie stieg von 14,92 US-Dollar (31.12.2024) auf 19,40 (31.12.2025) und weiter auf 19,86 US-Dollar (31.03.2026); auch ohne den Armada-Gewinn von rund 1,83 US-Dollar je Aktie bleibt für 2025 ein Zuwachs von rund 18 Prozent. Die verwässerte Durchschnittsaktienzahl fiel von 169.470.681 (2024) auf 121.648.050 (2025), nachdem das komplette Paket von CM Bermuda eingezogen wurde. Eine Dividende auf Stammaktien gibt es nicht und soll es laut Geschäftsbericht auf absehbare Zeit auch nicht geben.
Umbau & Abhängigkeiten neutral
Der Umbau seit 2022 ist belegbar vorangekommen: Beteiligungen an Assekuradeuren von 36 (31.12.2022) auf 18 (31.12.2025) halbiert, Ausstieg aus Cyber und Arbeiterunfallversicherung, drei Bestandsübertragungen über 2,1 Milliarden US-Dollar Altreserven. Fertig ist er nicht: Trotz der am 28. Februar 2025 erklärten Kündigung sämtlicher Kapitalkonten im Third Point Enhanced Fund lagen zum 31. März 2026 noch 741,3 Millionen US-Dollar in von nahestehenden Parteien verwalteten Anlagen — rund 14 Prozent des Portfolios von 5.306,8 Millionen.
Bewertung neutral
Kurs-Gewinn-Verhältnis 6,0, Kurs-Buchwert rund 1,16 gegen den Buchwert je Aktie von 19,86 US-Dollar, Börsenwert rund 2,7 Milliarden US-Dollar — Rang 21 im QARP-Scanner (Datenstand 28. Juli 2026). Auf den operativen Gewinn je Aktie von 2,55 US-Dollar gerechnet ergibt sich dagegen ein Vielfaches von rund 9. Ein Punkt Schaden-Kosten-Quote kostet nach eigener Rechnung rund 25,9 Millionen US-Dollar vor Steuern oder 0,21 US-Dollar je Aktie; fünf Punkte mehr heben das Vielfache auf rund 16.

SiriusPoint ist ein Spezial- und Rückversicherer aus Bermuda, der im Februar 2021 aus der Fusion von Third Point Reinsurance und der Sirius Group entstand und seither umgebaut wurde. Das Zeichnungsgeschäft trägt: Schaden-Kosten-Quote im Kern 91,7 Prozent (2025) und 88,9 Prozent im ersten Quartal 2026, Bruttoprämien plus 14,2 Prozent auf 3.705,6 Millionen US-Dollar, Bilanz und Rating verbessert bis zur Heraufstufung auf „A“ durch drei Agenturen. Die auffälligen Bewertungskennzahlen — Kurs-Gewinn-Verhältnis 6,0 und Eigenkapitalrendite 23,1 Prozent — beruhen aber zur Hälfte auf einem Buchgewinn: 222,4 von 443,6 Millionen US-Dollar Jahresgewinn 2025 stammen aus dem Verkauf der Tochter Armada. Der Konzern selbst weist eine operative Eigenkapitalrendite von 16,2 Prozent aus, bei einem eigenen Ziel von 12 bis 15 Prozent. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Für Rot fehlt jeder Substanzbefund. Dem Eigenkapital der Stammaktionäre von 2.302,4 Millionen US-Dollar stehen Schulden von 679,6 Millionen gegenüber, die Bermuda-Solvenzkennziffer lag zum 31. März 2026 bei geschätzten 242 Prozent, der Verschuldungsgrad nach eigener Angabe auf einem historischen Tief von 23 Prozent, und S&P, AM Best und Fitch haben die Finanzstärke bis Mai 2026 auf „A“ heraufgestuft. Das Zeichnungsgeschäft war in jedem der vergangenen drei Jahre profitabel und verbessert sich: Schaden-Kosten-Quote im Kern 91,7 Prozent (2025) und 88,9 Prozent im ersten Quartal 2026 nach 95,4 Prozent im Vorjahresquartal. Für Grün fehlt die Antwort auf eine wesentliche operative Frage: Die ausgewiesene Ertragskraft hängt an Posten, die sich nicht wiederholen lassen. 222,4 von 443,6 Millionen US-Dollar Jahresgewinn 2025 stammen aus der Entkonsolidierung von Armada, im Jahr davor kamen 95,9 Millionen aus der Entkonsolidierung von Arcadian, und im ersten Quartal 2026 weitere 25,2 Millionen aus dem Verkauf der restlichen 49 Prozent an Arcadian — ein Viertel des Quartalsgewinns. Dazu stützten Reserveauflösungen von 100,7 (2024) und 72,2 Millionen (2025) das Kerngeschäft. Das operative Nettoergebnis stieg im selben Zeitraum nur von 303,5 auf 310,0 Millionen US-Dollar, während der operative Gewinn je Aktie um 49 Prozent sprang — allein, weil die verwässerte Aktienzahl um 28,2 Prozent fiel. Auch der Umbau ist nicht abgeschlossen: Trotz der Kündigung vom 28. Februar 2025 liegen weiterhin 741,3 Millionen US-Dollar in von nahestehenden Parteien verwalteten Anlagen, obwohl der Abzug des größten Teils bis zum 31. März 2026 angekündigt war. Und das Jahr 2021 mit 109,1 Prozent Schaden-Kosten-Quote sowie das Verlustjahr 2022 mit 402,8 Millionen US-Dollar zeigen, welche Ausschläge dieses Geschäft zulässt. Das sind operative Fragen ohne Substanzrisiko — also Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam SPNT über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 21 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (SPNT: 7 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (23,1), operative Marge mindestens 10 Prozent (18,0), Verschuldungsgrad höchstens 1,0 (0,30) und ein positives KGV bis 20 (6,0). Die Eigenkapitalrendite ist dabei ein Zwölf-Monats-Wert aus den Quartalen zweites Quartal 2025 bis erstes Quartal 2026 — in diesem Fenster liegt der am 31. Oktober 2025 vollzogene Armada-Verkauf mit einem Buchgewinn von 222,4 Millionen US-Dollar. Der Konzern selbst weist für 2025 eine bilanzielle Eigenkapitalrendite von 22,1 Prozent und eine operative von 16,2 Prozent aus. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
  • Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet. Er wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht; eine Versicherungsbilanz kennt die Trennung in kurz- und langfristig nicht, sodass sich das am stärksten gewichtete Nettoumlaufvermögen nicht bilden lässt — Schadenrückstellungen von 5.732,7 Millionen und unverdiente Prämien von 1.991,2 Millionen US-Dollar (31.03.2026) werden statistisch geschätzt. Aussagekräftig sind stattdessen Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung, Finanzstärke-Rating und die Bermuda-Solvenzkennziffer von 242 Prozent.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 28. Juli 2026 (Börsenwert rund 2,7 Milliarden US-Dollar). Die Gegenprobe mit 117.542.130 umlaufenden Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 4. Mai 2026) ergibt einen unterstellten Kurs von rund 23 US-Dollar je Aktie; die Fundamentaldaten führen zum selben Datenstand rund 3,0 Milliarden US-Dollar bzw. rund 25,60 US-Dollar. Beide Werte beruhen auf derselben Aktienzahl, die Abweichung von rund elf Prozent ist reiner Kursstand und bleibt unter der Fünftel-Schwelle. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
  • Verwechslungsgefahr: SiriusPoint Ltd. (NYSE: SPNT) hat nichts mit dem Satellitenradio-Anbieter Sirius XM zu tun. Die frühere Firmierung des Konzerns lautet „Third Point Reinsurance Ltd.“ (bis 26. Februar 2021); SEC-Ad-hoc-Meldungen tragen deshalb bis heute das interne Dateikürzel „tpre“. Das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Trotz Sitz auf Bermuda ist SiriusPoint US-Inlandsemittent und legt 10-K, 10-Q und 8-K vor — in der gesamten Filing-Historie seit 2013 existiert kein einziges 20-F und kein 6-K. Filings nach dem Quartalsbericht vom 7. Mai 2026 (Hauptversammlung am 20. Mai 2026 mit Wahl von Susan L. Cross und Sabra R. Purtill in den Verwaltungsrat, Aktienplan-Registrierung S-8 vom 27. Mai 2026, Schedule-13G-Meldungen, Insider-Meldungen bis 2. Juni 2026) verändern das Bild nicht; Form 15 oder Form 25 liegen nicht vor.

Häufige Fragen

SiriusPoint Ltd. ist ein Spezial- und Rückversicherer mit Sitz in Hamilton auf Bermuda, notiert an der NYSE unter „SPNT“. Der Konzern entstand im Februar 2021 aus der Fusion von Third Point Reinsurance — 2011 gegründet, seit Juni 2013 börsennotiert — mit der Sirius International Insurance Group. In den SEC-Unterlagen ist „Third Point Reinsurance Ltd.“ bis heute als frühere Firmierung hinterlegt.

SiriusPoint reicht den vollen US-Satz ein: Geschäftsbericht 10-K, Quartalsbericht 10-Q und Ad-hoc-Meldungen 8-K. Trotz Sitz auf Bermuda gilt das Haus nicht als ausländischer Emittent; ein 20-F existiert nicht. Der jüngste Zahlenstand ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, eingereicht am 7. Mai 2026 unter der SEC-Kennung CIK 1576018.

Weil ein Einmaleffekt darin steckt. Von 443,6 Millionen US-Dollar Ergebnis der Stammaktionäre 2025 stammen 222,4 Millionen aus der Entkonsolidierung der Tochter Armada, verkauft am 31. Oktober 2025 für 250 Millionen US-Dollar an Ambac. Ohne diesen Buchgewinn läge die Eigenkapitalrendite bei rund 11 statt 22,1 Prozent. Der Konzern weist selbst eine operative Eigenkapitalrendite von 16,2 Prozent aus.

Vom Ergebnis vor Steuern 2025 in Höhe von 541,3 Millionen US-Dollar steuerte das Zeichnungsgeschäft 302,8 Millionen bei, die Kapitalanlagen 271,9 Millionen und die übrigen Erträge 339,4 Millionen — darin die 222,4 Millionen aus dem Armada-Verkauf und 107,4 Millionen Servicegebühren. Dem standen Kosten, Zinsen, Abschreibungen und Währungsverluste von zusammen 372,8 Millionen US-Dollar gegenüber.

Sie setzt Schäden, Abschlusskosten, Provisionen und Verwaltungskosten ins Verhältnis zu den verdienten Nettoprämien; unter 100 Prozent bedeutet Zeichnungsgewinn. Im Kerngeschäft fiel sie von 109,5 Prozent (2021) über 101,6 (2022), 89,1 (2023) und 91,0 (2024) auf 91,7 Prozent (2025); auf Konzernebene von 109,1 auf 88,3 Prozent. Im ersten Quartal 2026 lag sie im Kern bei 88,9 Prozent nach 95,4 Prozent im Vorjahresquartal.

Es ist vor allem eine Momentaufnahme mit einem Sondereffekt darin. Rechnet man mit dem operativen Gewinn je Aktie von 2,55 US-Dollar (2025) statt mit dem ausgewiesenen von 3,64 US-Dollar, ergibt sich ein Vielfaches von rund 9. Ein Katastrophenjahr wie 2021 mit 18,8 statt 2,9 Ratiopunkten Katastrophenlast kostet nach eigener Rechnung rund 412 Millionen US-Dollar vor Steuern oder 3,39 US-Dollar je Aktie — mehr, als 2025 operativ verdient wurde.

Weil die Formel an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht wurde (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Ihr am stärksten gewichteter Baustein, das Nettoumlaufvermögen, lässt sich für eine Versicherungsbilanz nicht bilden: Schadenrückstellungen von 5.732,7 Millionen und unverdiente Prämien von 1.991,2 Millionen US-Dollar (31.03.2026) werden geschätzt, nicht nach Fristen getrennt. Aussagekräftiger sind Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung, Rating und Solvenzquote.

Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, operative Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad höchstens 1,0 und ein positives KGV bis 20. SiriusPoint erfüllt alle fünf (7 von 9; 23,1 Prozent; 18,0 Prozent; 0,30; 6,0) und steht damit auf Rang 21 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026).

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