Greenlight Re: Ein Rückversicherer, dessen Gewinn im Depot entsteht
Greenlight Capital Re taucht in unserem Cashflow-Ranking mit einem Verhältnis von 2,19 auf — einer Kennzahl, die bei einem Rückversicherer schlicht das Falsche misst: Der Mittelzufluss besteht überwiegend aus Prämien, die als Rückstellungen für künftige Schäden zurückgelegt werden. Wir rechnen das auf, trennen Versicherungs- und Anlageergebnis sauber voneinander und schauen nach, was die Verwaltung des Depots durch eine Gesellschaft des Verwaltungsratsvorsitzenden jedes Jahr kostet.
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Was Greenlight Re eigentlich macht — Risiko einkaufen, Geld anlegen
Ein Rückversicherer ist die Versicherung der Versicherung. Wenn ein Erstversicherer tausend Hausratpolicen gezeichnet hat und nicht möchte, dass ein einziger Sturm ihn umwirft, gibt er einen Teil dieser Risiken weiter — gegen einen Teil der Prämie. Genau das kauft Greenlight Re ein: Anteile an fremden Versicherungsbeständen, von Sachschäden über Spezialrisiken bis zu Personenversicherungen. 84 Menschen erledigen das von Camana Bay auf Grand Cayman aus. 2025 zeichnete der Konzern Bruttoprämien von 773,3 Millionen US-Dollar, ein Plus von 10,7 Prozent.
Nun kommt der Teil, der Greenlight Re von anderen Rückversicherern unterscheidet. Jeder Versicherer legt die Prämien an, bis er sie für Schäden braucht — meist konservativ in Anleihen. Greenlight Re tut das nicht. Der Konzern ist vertraglich verpflichtet, praktisch sein gesamtes anlagefähiges Vermögen in einen einzigen Fonds zu geben: Solasglas Investments, LP. Gesteuert wird dieser Fonds von DME Advisors — einer Gesellschaft von David Einhorn, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Greenlight Re und zugleich Präsident der Fondsgesellschaft Greenlight Capital, Inc. Der Rückversicherer ist damit auch ein Vehikel, über das man in Einhorns Anlagestil investiert.
Damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse fest: Zwei Motoren treiben denselben Gewinn — das Versicherungsgeschäft und ein Wertpapierdepot, das eine verbundene Gesellschaft verwaltet. Wer die Aktie beurteilen will, muss beide getrennt betrachten und wissen, was die Verwaltung kostet.
Ein Hinweis zur Meldeform, weil er bei Kaiman-Gesellschaften oft falsch angenommen wird: Greenlight Re meldet nicht als ausländischer Emittent. In der gesamten Einreichungsliste bei der US-Börsenaufsicht SEC findet sich kein 20-F und kein 6-K, sondern durchgehend Geschäfts- und Quartalsberichte nach US-Standard (10-K und 10-Q). Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus diesen Berichten und sind damit quartalsweise vergleichbar.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Greenlight Re kam über eine Sortierung auf unsere Liste. Der hauseigene Aktien-Scanner K-FCF-Ranking sammelt alle Titel mit positivem freiem Mittelzufluss und einem Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von höchstens 10 und sortiert aufsteigend.
Am 27. Juli 2026 haben wir nachgemessen, getrennt für beide Ausgaben. Mit dem Marktfilter USA weisen beide 545 Treffer aus; die deutsche Gesamtliste über alle Märkte kommt auf 836. Greenlight Re steht auf Platz 47 bei einem Wert von 2,19 — auf beiden Marken identisch, und damit außerhalb der 25 angezeigten Zeilen. Wer die Zeile sehen will, nutzt den Screener, der das gesamte Universum ohne Deckelung filtert und sortiert, oder ruft die Firmenseite über die Aktien-Suche auf. Die Listen werden täglich neu berechnet — Platz 47 ist eine datierte Momentaufnahme.
Und jetzt die Ansage, um die es in dieser Analyse geht: Diese Kennzahl misst hier nichts. Sie teilt den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss. Bei einem Industriebetrieb ist der freie Mittelzufluss das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt — für Dividenden, Rückkäufe oder Schuldenabbau. Bei einem Versicherer ist er etwas ganz anderes: eingenommene Prämien für Schäden, die noch nicht bezahlt sind.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der halbe Mittelzufluss ist fremdes Geld
Die Kapitalflussrechnung zeigt es Zeile für Zeile. 2025 kamen 210,2 Millionen US-Dollar aus laufender Geschäftstätigkeit herein, nach 111,5 Millionen (2024) und 7,5 Millionen (2023). Der Gewinn betrug im selben Jahr aber nur 74,8 Millionen. Die Differenz steckt in zwei Positionen:
Schadenrückstellungen: plus 107,0 Millionen. Beitragsüberträge: plus 37,2 Millionen. Zusammen 144,1 Millionen US-Dollar — mehr als zwei Drittel des gesamten Mittelzuflusses. Beides ist Geld, das im Haus liegt, aber nicht dem Haus gehört: Schadenrückstellungen sind Beträge für gemeldete oder erwartete Schäden, die in den kommenden Jahren ausgezahlt werden. Beitragsüberträge sind Prämien für Deckungszeiträume, die noch gar nicht begonnen haben.
Ein Bild dazu: Ein Rückversicherer ist wie ein Notar mit einem Treuhandkonto. Der Kontostand wächst, wenn viele Geschäfte laufen — und trotzdem ist es nicht das Geld des Notars. Bei einem wachsenden Versicherer steigt der Mittelzufluss automatisch, weil die Prämien vor den Schäden kommen. Ein niedriges Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis ist bei einem Versicherer deshalb kein Zeichen für Günstigkeit, sondern für Wachstum. Umgekehrt gilt: Schrumpft ein Versicherer, dreht die Kennzahl ins Negative, ohne dass die Firma schlechter geworden wäre. Dasselbe Muster — eine Cashflow-Kennzahl, die je nach Definition etwas völlig anderes behauptet — haben wir bei DXC Technology aus demselben Ranking auseinandergenommen.
Die ehrliche Alternative: der Buchwert je Aktie
Womit misst man einen Rückversicherer stattdessen? Der Konzern beantwortet die Frage selbst. Im Geschäftsbericht steht, man priorisiere das langfristige Wachstum des voll verwässerten Buchwerts je Aktie als wichtigste finanzielle Messgröße. Das ist kein Marketing, sondern branchenüblich und sinnvoll: Der Buchwert ist das, was nach Abzug aller Rückstellungen und Schulden den Aktionären gehört.
Die Zahlen dazu, jeweils mit Stichtag: Der voll verwässerte Buchwert je Aktie lag zum 31. Dezember 2025 bei 20,43 US-Dollar nach 17,95 ein Jahr zuvor — ein Plus von 13,8 Prozent. Zum 31. März 2026 stieg er auf 21,40 US-Dollar, weitere 4,7 Prozent. Über fünf Jahre wuchs er im Schnitt um 8,8 Prozent pro Jahr. Das Eigenkapital betrug zum Jahresende 708,0 Millionen US-Dollar nach 635,9 Millionen.
Gegen den Schlusskurs von 16,99 US-Dollar am 24. Juli 2026 ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,79. Der Markt bezahlt also 79 Cent für einen Dollar bilanzielles Eigenkapital. Das ist die Kennzahl, an der man diesen Titel messen sollte — nicht 2,19.
Zwei weitere Größen gehören dazu, weil sie beschreiben, ob das Kapital verdient: die Schaden-Kosten-Quote (dazu gleich) und die Eigenkapitalrendite. Letztere lag 2025 bei rund 11,1 Prozent — 74,8 Millionen Gewinn auf ein durchschnittliches Eigenkapital von rund 672 Millionen.
Ein Wort zum Insolvenz-Frühwarnwert nach Altman, den unser Datenbestand mit 4,13 führt: Für einen Rückversicherer ist diese Formel nicht gemacht. Sie verrechnet Umlaufvermögen, Gewinnrücklagen und Betriebsergebnis mit der Bilanzsumme — Größen, die bei einem Versicherer entweder nicht existieren oder etwas anderes bedeuten. Ein Versicherer hat kein Umlaufvermögen im industriellen Sinn; seine größte Bilanzposition sind technische Rückstellungen, die per Konstruktion hoch sind. Wir nennen den Wert deshalb nicht als Beleg. Aussagekräftig sind stattdessen Eigenkapital (708,0 Millionen), Kapitalanlagen, die Reserveentwicklung, die Schaden-Kosten-Quote und die Zinsdeckung: Das Vorsteuerergebnis von 78,3 Millionen deckte den Zinsaufwand von 4,4 Millionen 2025 rund 19-fach. Dazu kommt ein hartes externes Urteil: A.M. Best hob die Finanzkraft-Bewertung auf A (Excellent) an — bei einem Rückversicherer ist das die Eintrittskarte ins Geschäft.
Die zwei Motoren — und welcher wirklich zieht
Jetzt zur eigentlichen Frage. Greenlight Re verdient an zwei Stellen, und die Berichte weisen beide getrennt aus.
Motor eins, das Versicherungsgeschäft: 2025 erwirtschaftete es ein Ergebnis von 35,7 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 8,2 Millionen im Jahr 2024. Der Grund steht in der Schaden-Kosten-Quote — dem Anteil von Schäden und Kosten an den verdienten Prämien. Sie fiel von 101,4 auf 94,6 Prozent. Über 100 Prozent heißt: Das Versicherungsgeschäft selbst verliert Geld und muss vom Anlageergebnis getragen werden. Unter 100 heißt: Es verdient. Im ersten Quartal 2026 lag sie bei 96,0 Prozent nach 104,6 Prozent im Vorjahresquartal. Das ist eine echte, belegte Verbesserung.
Motor zwei, das Depot: Das gesamte Anlageergebnis betrug 2025 60,2 Millionen US-Dollar — ein Rückgang um 24,4 Prozent gegenüber 79,6 Millionen im Jahr 2024. Es setzt sich zusammen aus dem Anteil am Fonds Solasglas (35,7 Millionen) und den übrigen Kapitalerträgen (24,5 Millionen).
Damit ist die Frage beantwortet, die man bei diesem Titel stellen muss: Getragen hat das Ergebnis in beiden Jahren das Depot. 2024 war es der einzige positive Beitrag. 2025 lieferte es mit 60,2 gegen 35,7 Millionen immer noch deutlich mehr als das Versicherungsgeschäft. Wer diese Aktie kauft, kauft zu einem erheblichen Teil eine Wette auf einen Wertpapierbestand — und nur zum kleineren Teil auf einen Rückversicherer.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Depotverwaltung kostet zweistellige Millionen — und geht an den Vorsitzenden
Wer fremdes Geld anlegt, wird bezahlt. Die Konditionen stehen im Geschäftsbericht, und sie sind die eines Hedgefonds:
Der Bericht formuliert es so:
„DME Advisors receives a monthly management fee at an annual rate of 1.5% of each limited partner’s Investment Portfolio, as provided in the Solasglas LPA. DME II receives a performance allocation based on the positive performance change of each limited partner’s capital account equal to 20% of net profits calculated per annum, subject to a loss carryforward provision.“
Übersetzung: „DME Advisors erhält eine monatliche Verwaltungsgebühr in Höhe von 1,5 Prozent pro Jahr auf das Anlagevermögen jedes Kommanditisten, wie im Gesellschaftsvertrag von Solasglas vorgesehen. DME II erhält eine Erfolgsbeteiligung, die sich nach der positiven Wertentwicklung des Kapitalkontos jedes Kommanditisten bemisst und 20 Prozent des Jahresgewinns entspricht, vorbehaltlich einer Verlustvortragsklausel.“
— Greenlight Capital Re, Ltd., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Angaben zum verbundenen Anlagefonds
In Dollar gerechnet sieht das so aus:
Die Einordnung muss fair bleiben, deshalb zwei Klarstellungen. Erstens werden die Gebühren auf Ebene des Fonds erhoben, an dem neben Greenlight Re weitere Anleger beteiligt sind; sie treffen also nicht ausschließlich die Aktionäre von GLRE. Zweitens sind die 35,7 Millionen, die Greenlight Re als Anteil am Fondsgewinn verbucht, bereits ein Wert nach diesen Gebühren. Trotzdem bleibt die Größenordnung bemerkenswert: 10,9 Millionen US-Dollar Gebühren gegen 74,8 Millionen Konzerngewinn — knapp 15 Prozent. Und die Empfängerin ist keine unabhängige Adresse, sondern eine Gesellschaft des Mannes, der dem Verwaltungsrat vorsitzt.
Immerhin gibt es einen Rabatt: Wegen einer Verlustvortragsklausel liegt die Erfolgsbeteiligung derzeit bei 10 statt 20 Prozent. Sie springt erst zurück, wenn der Fonds weitere 66,6 Prozent Wertzuwachs erzielt hat. Diese Zahl ist zugleich die Erinnerung daran, wie tief das Depot einmal im Minus lag.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Rückkäufe, die zu einem Drittel beim Vorsitzenden landen
Seit der Hauptversammlung 2023 gibt es bei Greenlight Re nur noch eine Aktiengattung — die frühere Zweiteilung in Class A und Class B wurde abgeschafft. Jede Aktie hat eine Stimme. Grundsätzlich darf niemand mehr als 9,9 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen; für David Einhorn hat der Verwaltungsrat eine Ausnahme beschlossen.
Hier wird es interessant. Aktienrückkäufe verkleinern die Aktienzahl — 2025 gab GLRE dafür 9,8 Millionen US-Dollar aus, die Zahl der Aktien sank von 34,83 auf 33,90 Millionen. Wer nicht verkauft, dessen prozentualer Anteil steigt dadurch automatisch. Bei Einhorn wäre das ein Problem: Die Gesellschaft hält einen weiter steigenden Anteil für steuerlich nachteilig. Die Lösung steht in einer Pflichtmitteilung vom 1. Juni 2026:
Konkret kauft Greenlight Re einem Familientrust Einhorns so viele Aktien ab, wie 33 Prozent des über das laufende Rückkaufprogramm erworbenen Volumens entspricht — zum selben Durchschnittspreis, Abschluss vorgesehen zum 3. August 2026. Man kann das nüchtern sehen: Es hält die Beteiligungsquote stabil und vermeidet ein Steuerproblem, das alle Aktionäre treffen könnte. Man kann aber auch festhalten, was es praktisch bedeutet: Von jedem Dollar Rückkauf geht ein Drittel nicht an den Markt, sondern an den Vorsitzenden. Für die verbleibenden Aktionäre entfällt in diesem Umfang der Effekt, den ein Rückkauf sonst hat.
Bewertung — Größenordnung statt Tageskurs
Fassen wir zusammen, jeweils mit Stichtag. Das Deckblatt des Quartalsberichts nennt zum 30. April 2026 genau 33.166.448 ausstehende Aktien. Multipliziert mit dem Schlusskurs von 16,99 US-Dollar am 24. Juli 2026 ergibt das einen Börsenwert von rund 564 Millionen US-Dollar. Der im Datenbestand geführte Wert liegt mit 0,518 Milliarden rund 8 Prozent darunter; wir rechnen mit der eigenen Zahl aus Deckblatt und Kurs.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,79 — gegen den voll verwässerten Buchwert von 21,40 US-Dollar je Aktie zum 31. März 2026. Das ist die Leitkennzahl.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 8 — gegen das verwässerte Ergebnis von 2,17 US-Dollar je Aktie für 2025.
- Eigenkapitalrendite 11,1 Prozent (2025) — bei einer Schaden-Kosten-Quote von 94,6 Prozent.
- Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis 2,19 — die Kennzahl, die uns hergeführt hat und die wir aus den genannten Gründen nicht verwenden.
Ein Abschlag auf den Buchwert ist bei Rückversicherern nicht ungewöhnlich; er drückt aus, dass der Markt die künftige Kapitalrendite unter den Ansprüchen der Anleger sieht — oder dem ausgewiesenen Buchwert nicht ganz traut. Bei Greenlight Re kommt ein Sonderfaktor hinzu: Ein erheblicher Teil des Vermögens liegt in einem Fonds mit Hedgefonds-Konditionen, dessen Wertentwicklung schwanken kann und dessen Verwalter dem Verwaltungsrat vorsitzt. Wer diesen Abschlag für übertrieben hält, kauft eine Wette auf zwei Dinge gleichzeitig: dass die Schaden-Kosten-Quote unter 100 Prozent bleibt und dass das Depot liefert.
Zur Kurshistorie: Vom höchsten Schlusskurs der Reihe — 35,00 US-Dollar am 4. September 2014 — sind es minus 51,5 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch lag bei 19,00 US-Dollar (24. April 2026), das Tief bei 11,95 US-Dollar (4. November 2025). Unser Datenbestand weist den Abstand zum Höchstkurs mit minus 52,8 Prozent aus; wir verwenden den selbst gerechneten Wert. Wie sehr eine Kennzahl in die Irre führen kann, wenn die Bilanz daneben eine andere Sprache spricht, zeigt auch TTEC Holdings.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Greenlight Re spricht:
- Das Versicherungsgeschäft verdient wieder: Schaden-Kosten-Quote 94,6 Prozent (2025) nach 101,4 Prozent, im ersten Quartal 2026 96,0 nach 104,6 Prozent.
- Buchwert wächst verlässlich: plus 13,8 Prozent im Jahr 2025, weitere 4,7 Prozent im ersten Quartal 2026, im Schnitt 8,8 Prozent pro Jahr über fünf Jahre.
- Bewertung unter Buchwert: 0,79-faches Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 11,1 Prozent Eigenkapitalrendite.
- Solide Bilanz: 708,0 Millionen US-Dollar Eigenkapital, nur 5,0 Millionen ausstehende Schulden nach vollständiger Tilgung der Darlehen 2025, Zinsdeckung rund 19-fach.
- Bessere Bonität: Anhebung durch A.M. Best auf A (Excellent) — laut Konzern der Grund für bessere Zeichnungsmöglichkeiten zum 1. Januar 2026.
Was dagegen spricht:
- Das Depot trägt das Ergebnis: 60,2 gegen 35,7 Millionen US-Dollar (2025), 79,6 gegen minus 8,2 Millionen (2024) — und es schwankt stärker als das Versicherungsgeschäft.
- Interessenlage: Der Verwaltungsratsvorsitzende ist zugleich Chef der Gesellschaft, die das Depot verwaltet und dafür 2025 insgesamt 10,9 Millionen US-Dollar erhielt.
- Rückkäufe zu einem Drittel an den Vorsitzenden: Vereinbarung vom 1. Juni 2026, Abschluss vorgesehen zum 3. August 2026.
- Nachreservierungen: Verluste aus der Neubewertung von Vorjahresschäden von 11,4 Millionen US-Dollar (2025) und 21,8 Millionen (2024).
- Klumpenrisiko Kapitalanlage: Der Konzern ist vertraglich verpflichtet, praktisch sein gesamtes anlagefähiges Vermögen in einen einzigen Fonds zu geben.
- Wettbewerb: Der Konzern selbst nennt zunehmenden Wettbewerb im offenen Markt als Trend für 2026.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Thermometer im Aquarium. Die 2,19 aus unserem Ranking war kein Fehler des Scanners — sie ist die korrekte Anwendung einer Formel auf ein Unternehmen, für das die Formel nicht gebaut ist. Der Scanner sortiert das Universum nach einer Kennzahl; zu entscheiden, ob die Kennzahl an dieser Stelle etwas bedeutet, bleibt Arbeit für Menschen.
Was bleibt, wenn man das richtige Maß anlegt? Ein Rückversicherer, der nach schwachen Jahren wieder Geld mit Versicherung verdient, dessen Buchwert seit Jahren wächst und der unter Buchwert notiert. Und daneben ein Wertpapierdepot, das mehr zum Gewinn beiträgt als das eigentliche Geschäft, das von einer verbundenen Gesellschaft zu Hedgefonds-Konditionen verwaltet wird und dessen Verwalter am Kopf des Tisches sitzt. Nichts davon ist verborgen — es steht alles in den Berichten. Man muss nur an der richtigen Stelle nachsehen.
Vielleicht ist das der Merksatz: Bevor du eine Kennzahl bewertest, prüfe, ob sie überhaupt für dieses Geschäft gedacht ist. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht am 5. Mai 2026, jüngster Periodenbericht) — Deckblatt mit der Aktienzahl, Ergebnisrechnung, Schaden-Kosten-Quote, Buchwert je Aktie
- Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht am 9. März 2026) — Item 1 Geschäft und Aktiengattung, Lagebericht mit Schaden-Kosten-Quote und Buchwert, Kapitalflussrechnung, Angaben zum verbundenen Anlagefonds Solasglas und zu den Gebühren
- Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juni 2026 — Item 1.01, Rückkaufvereinbarung mit einem Familientrust des Verwaltungsratsvorsitzenden
- Schwellenmeldung SC 13D/A vom 1. Juni 2026 — 6.254.715 Aktien beziehungsweise 18,9 Prozent, gehalten von David Einhorn und ihm zuzurechnenden Gesellschaften
- SEC-Stammdatei zur Firmenkennung CIK 0001385613 (Handelsplatz Nasdaq Global Select Market, keine Umfirmierung, durchgehend 10-K/10-Q ohne jedes 20-F oder 6-K; geprüft am 27. Juli 2026 auf Abmeldung, Delisting und Übernahmeangebote — kein Treffer)
- Screener- und Bewertungsdaten: hauseigener Aktien-Scanner und Fundamentaldaten — selbst gemessen am 27. Juli 2026: K-FCF-Ranking, US-Auswahl, Platz 47 von 545 Treffern bei einem Wert von 2,19, auf beiden Ausgaben identisch; angezeigt werden 25 Zeilen
- Eigene Kursreihe (Schlusskurs 16,99 US-Dollar am 24. Juli 2026; höchster Schlusskurs 35,00 US-Dollar am 4. September 2014; 52-Wochen-Hoch 19,00 US-Dollar am 24. April 2026, 52-Wochen-Tief 11,95 US-Dollar am 4. November 2025)
Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren. Aktien können jederzeit einen Totalverlust erleiden. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Unterlagen, die zum genannten Stichtag abgerufen wurden, und können sich seither geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Greenlight Capital Re, Ltd.
Unser Fazit auf einen Blick
- Versicherungsgeschäft positiv
- Die Schaden-Kosten-Quote fiel 2025 auf 94,6 Prozent nach 101,4 Prozent, im ersten Quartal 2026 auf 96,0 nach 104,6 Prozent. Aus einem Verlust von 8,2 Millionen US-Dollar wurde ein Gewinn von 35,7 Millionen. Die Bruttoprämien stiegen um 10,7 Prozent auf 773,3 Millionen, und A.M. Best hob die Bewertung auf A (Excellent) an.
- Abhängigkeit vom Depot negativ
- Das Anlageergebnis trug 2025 mit 60,2 Millionen US-Dollar mehr zum Ergebnis bei als das Versicherungsgeschäft mit 35,7 Millionen; 2024 war es mit 79,6 Millionen der einzige positive Beitrag. Der Konzern ist vertraglich verpflichtet, praktisch sein gesamtes anlagefähiges Vermögen in einen einzigen Fonds zu geben.
- Interessenlage und Gebühren negativ
- Der Fonds wird von einer Gesellschaft des Verwaltungsratsvorsitzenden verwaltet, zu Hedgefonds-Konditionen: 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr und 20 Prozent Erfolgsbeteiligung, derzeit auf 10 Prozent ermäßigt. 2025 fielen dafür 10,9 Millionen US-Dollar an, nach 9,8 und 8,0 Millionen in den Vorjahren. Dazu kauft die Gesellschaft seit dem 01.06.2026 ein Drittel jedes Rückkaufvolumens direkt von einem Familientrust des Vorsitzenden.
- Bilanz und Kapitalausstattung positiv
- Das Eigenkapital stieg 2025 um 72,1 Millionen auf 708,0 Millionen US-Dollar. Die Darlehen wurden vollständig getilgt; zum 31.12.2025 standen nur 5,0 Millionen aus einer Kreditlinie aus, die Zinsdeckung lag bei rund dem 19-Fachen. Der Insolvenz-Frühwarnwert nach Altman wird hier bewusst nicht herangezogen — die Formel ist für Versicherer nicht gemacht.
- Reserven neutral
- Die Neubewertung von Vorjahresschäden belastete 2025 mit 11,4 Millionen US-Dollar und 2024 mit 21,8 Millionen — gemessen an einem Versicherungsergebnis von 35,7 Millionen ist das erheblich. Im ersten Quartal 2026 drehte die Position erstmals auf einen Gewinn von 1,6 Millionen.
- Aufhänger und Datenlage neutral
- Platz 47 von 545 US-Treffern im hauseigenen K-FCF-Ranking bei 2,19, auf beiden Ausgaben identisch gemessen am 27.07.2026 — außerhalb der 25 angezeigten Zeilen und nur über den Screener oder die Firmenseite sichtbar. Die Kennzahl selbst wird im Artikel nicht zur Bewertung verwendet: Sie misst bei einem Versicherer eingenommene Prämien, die künftige Leistungsverpflichtungen sind. Der im Datenbestand geführte Börsenwert von 0,518 Mrd. US-$ liegt rund 8 Prozent unter der eigenen Rechnung aus Deckblatt-Aktienzahl und Kurs (564 Mio.).
Greenlight Capital Re ist zwei Geschäfte in einer Aktie: ein Rückversicherer, der nach schwachen Jahren wieder verdient — Schaden-Kosten-Quote 94,6 Prozent nach 101,4 —, und ein Wertpapierdepot, das 2025 mit 60,2 Millionen US-Dollar mehr zum Ergebnis beitrug als das Versicherungsgeschäft mit 35,7 Millionen. Verwaltet wird dieses Depot von einer Gesellschaft des Verwaltungsratsvorsitzenden, die dafür 10,9 Millionen im Jahr erhält. Die Kennzahl, die den Titel auf unsere Liste brachte, misst bei einem Versicherer nichts Verteilbares; das passende Maß ist der Buchwert je Aktie, und dort notiert die Aktie beim 0,79-Fachen. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, weil sich Substanz und Struktur widersprechen. Für Grün fehlt die Eigenständigkeit des operativen Geschäfts: Das Ergebnis wurde in beiden letzten Jahren überwiegend vom Wertpapierdepot getragen — 60,2 gegen 35,7 Millionen US-Dollar 2025, 79,6 gegen minus 8,2 Millionen 2024 —, und dieses Depot verwaltet eine Gesellschaft des Verwaltungsratsvorsitzenden zu Hedgefonds-Konditionen für zuletzt 10,9 Millionen im Jahr. Dazu kommen Nachreservierungen auf Vorjahresschäden von 11,4 und 21,8 Millionen sowie Rückkäufe, von denen seit dem 01.06.2026 ein Drittel direkt an einen Familientrust des Vorsitzenden geht. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: Das Eigenkapital stieg 2025 um 72,1 auf 708,0 Millionen, der Buchwert je Aktie um 13,8 Prozent, die Darlehen sind getilgt, die Schaden-Kosten-Quote liegt unter 100 Prozent, und A.M. Best hat auf A (Excellent) angehoben. Das ist ein Urteil über die Firma, nicht über den Kurs. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger und Fundstelle: Platz 47 von 545 US-Treffern im hauseigenen K-FCF-Ranking bei einem Wert von 2,19, live gemessen am 27. Juli 2026 und auf beiden Ausgaben identisch; die deutsche Gesamtliste über alle Märkte zählte am selben Tag 836 Treffer. Angezeigt werden nur die 25 stärksten Zeilen — Greenlight Re steht nicht darunter und ist über den Screener oder die Firmenseite zu finden. Die Listen werden täglich neu berechnet.
- Warum die Aufhänger-Kennzahl im Artikel nicht zur Bewertung dient: Bei einem Rückversicherer besteht der operative Mittelzufluss überwiegend aus Prämien für noch nicht bezahlte Schäden. Von 210,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 stammen 107,0 Millionen aus dem Zuwachs der Schadenrückstellungen und 37,2 Millionen aus höheren Beitragsüberträgen. Verwendet wird stattdessen das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das der Konzern selbst als Leitgröße nennt.
- Warum wir den Börsenwert selbst gerechnet haben: Der im Datenbestand geführte Wert von 0,518 Milliarden US-Dollar liegt rund 8 Prozent unter der Rechnung aus der Aktienzahl des 10-Q-Deckblatts (33.166.448 Stück zum 30.04.2026) und dem Schlusskurs von 16,99 US-Dollar am 24.07.2026, die 564 Millionen ergibt.
- Zum Altman-Wert: Unser Datenbestand führt für GLRE einen Wert von 4,13. Er wird im Artikel bewusst nicht als Beleg verwendet, weil die Formel für Industrie- und Handelsunternehmen entwickelt wurde und bei Versicherern auf Größen zugreift, die dort nicht vergleichbar sind. Argumentiert wird stattdessen mit Eigenkapital, Kapitalanlagen, Reserveentwicklung, Schaden-Kosten-Quote und Zinsdeckung.
- Zum Abstand vom Höchstkurs: Unser Datenbestand weist −52,8 Prozent aus. Selbst nachgerechnet aus der Kursreihe ergibt sich −51,5 Prozent gegen den höchsten Schlusskurs von 35,00 US-Dollar am 04.09.2014. Im Artikel steht der selbst gerechnete Wert.
- Stand der Pflichtprüfung am 27. Juli 2026: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht zum 31.03.2026 (eingereicht 05.05.2026). Die Einreichungsliste enthält kein Übernahmeangebot, keinen Zusammenschluss, kein Verfahren zum Rückzug von der Börse, keine Form 15 und keine Form 25. Nach dem Quartalsbericht eingereicht wurden die Pflichtmitteilung 8-K vom 01.06.2026 (Item 1.01), eine Schwellenmeldung SC 13D/A vom selben Tag sowie Insider- und Verkaufsanzeigen; sie sind ausgewertet.
- Verwechslungsgefahr: Greenlight Capital Re, Ltd. (GLRE, Nasdaq) ist der börsennotierte Rückversicherer. Greenlight Capital, Inc. und DME Advisors, LP sind davon getrennte Gesellschaften aus dem Umfeld von David Einhorn; sie verwalten das Depot, sind aber selbst nicht börsennotiert.
Häufige Fragen
Weil der Mittelzufluss eines Versicherers überwiegend fremdes Geld ist. Von 210,2 Millionen US-Dollar operativem Mittelzufluss 2025 stammen 107,0 Millionen aus dem Zuwachs der Schadenrückstellungen und 37,2 Millionen aus höheren Beitragsüberträgen. Das sind Beträge für Schäden, die erst in den kommenden Jahren bezahlt werden, und für Deckungen, die noch nicht begonnen haben. Wächst ein Versicherer, steigt diese Zahl automatisch.
Der Buchwert je Aktie — der Konzern nennt ihn selbst seine wichtigste Messgröße. Er lag zum 31. März 2026 voll verwässert bei 21,40 US-Dollar; gegen den Schlusskurs von 16,99 US-Dollar am 24. Juli 2026 ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,79. Dazu gehören die Schaden-Kosten-Quote (94,6 Prozent im Jahr 2025) und die Eigenkapitalrendite (11,1 Prozent).
Nein. Obwohl die Gesellschaft auf den Kaimaninseln registriert ist und dort ihren Sitz hat, meldet sie als Inlandsfiler mit Geschäftsberichten 10-K und Quartalsberichten 10-Q. In der gesamten Einreichungsliste bei der US-Börsenaufsicht findet sich kein einziges Formular 20-F oder 6-K. Für Leser heißt das: Die Zahlen kommen quartalsweise und nach US-Rechnungslegung, sind also mit anderen US-Titeln direkt vergleichbar.
Solasglas Investments, LP ist der Fonds, in den Greenlight Re vertraglich praktisch sein gesamtes anlagefähiges Vermögen geben muss. Verwaltet wird er von DME Advisors, einer Gesellschaft von David Einhorn — dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Greenlight Re. Die Konditionen sind Hedgefonds-üblich: 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr und 20 Prozent Erfolgsbeteiligung, derzeit wegen einer Verlustvortragsklausel auf 10 Prozent ermäßigt.
In den letzten beiden Jahren überwiegend mit der Kapitalanlage. 2025 stand ein Anlageergebnis von 60,2 Millionen US-Dollar gegen ein Versicherungsergebnis von 35,7 Millionen. 2024 war das Anlageergebnis mit 79,6 Millionen sogar der einzige positive Beitrag, weil das Versicherungsgeschäft 8,2 Millionen Verlust machte. Das Versicherungsgeschäft hat sich 2025 aber deutlich verbessert.
Laut Schwellenmeldung vom 1. Juni 2026 hält er 6.254.715 Aktien beziehungsweise 18,9 Prozent; zum 31. Dezember 2025 waren es 18,5 Prozent. Seit der Hauptversammlung 2023 gibt es nur noch eine Aktiengattung mit einer Stimme je Aktie; die frühere Zweiteilung in Class A und Class B wurde abgeschafft. Für Einhorn hat der Verwaltungsrat eine Ausnahme von der allgemeinen 9,9-Prozent-Grenze beschlossen.
Weil Rückkäufe am Markt die Aktienzahl senken und damit den prozentualen Anteil aller Nichtverkäufer erhöhen. Die Gesellschaft hält einen weiter steigenden Anteil von David Einhorn für steuerlich nachteilig. Deshalb kauft sie seit dem 1. Juni 2026 zusätzlich Aktien von einem Familientrust — im Umfang von 33 Prozent des über das laufende Programm erworbenen Volumens, zum selben Durchschnittspreis.
Nein. Die Formel verrechnet Umlaufvermögen, Gewinnrücklagen und Betriebsergebnis mit der Bilanzsumme — Größen, die bei einem Versicherer entweder fehlen oder etwas anderes bedeuten. Die größte Bilanzposition sind technische Rückstellungen, die per Konstruktion hoch sind. Aussagekräftig sind stattdessen Eigenkapital (708,0 Millionen US-Dollar), Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung, Zinsdeckung (rund 19-fach) und das Rating von A.M. Best, das 2025 auf A (Excellent) angehoben wurde.
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