Hamilton Insurance Group: Der zweite Motor bringt fünfmal mehr — und behält fast die Hälfte für sich
Auf dem Etikett steht Versicherer. Und Hamilton Insurance Group liefert auch als Versicherer ab: Die Schaden-Kosten-Quote lag 2025 bei 92,9 Prozent, der Buchwert je Aktie stieg in zwei Jahren von 18,58 auf 28,50 US-Dollar. Nur kommt der Gewinn überwiegend woanders her. 148,8 Millionen US-Dollar verdiente Hamilton 2025 am Versichern — und 775,1 Millionen an der Kapitalanlage, überwiegend aus einem Hedgefonds, den der Partner Two Sigma steuert. Von dessen 564,3 Millionen Ertrag gingen 263,4 Millionen als Erfolgsbeteiligung an den Verwalter. Zum 1. April 2026 wurde die Bindung an diesen Partner neu geschrieben. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wem der zweite Motor eigentlich gehört.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die schon zuschnappt, bevor du die erste Zahl gelesen hast. Nennen wir sie die Etiketten-Falle. Sie funktioniert so: Auf einer Firma steht ein Wort — „Versicherer“, „Softwarehaus“, „Brauerei“ —, und dein Kopf packt sofort ein ganzes Paket an Erwartungen dazu. Bei „Versicherer“ heißt das Paket: Prämien rein, Schäden raus, ein Anleihedepot im Keller, langweilig und solide. Was die Falle nicht vorsieht, ist die Frage, woher der Gewinn tatsächlich kommt. Bei Hamilton Insurance Group (NYSE: HG), einem Spezialversicherer und Rückversicherer von der Insel Bermuda, kommt er zu einem großen Teil aus einem Hedgefonds, den ein anderes Haus steuert. Bei uns landete die Aktie auf Platz 35 im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl mit 81 Treffern, Stand 25. Juli 2026). Machen wir also einen Deal: Bevor du 22,4 Prozent Eigenkapitalrendite als Versicherungskönnen einordnest, sehen wir gemeinsam nach, welcher Motor eigentlich läuft — mit dem Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und dem Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, beide bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst.
Was Hamilton Insurance Group eigentlich macht — Bermuda, Lloyd's und ein Fonds
Hamilton versichert das, was für eine normale Police zu groß, zu selten oder zu sperrig ist: einen Frachter, ein Kraftwerk, eine Kunstsammlung, die Haftpflicht eines US-Konzerns — und es rückversichert andere Versicherer, nimmt ihnen also einen Teil ihres Risikos gegen einen Teil ihrer Prämie ab. Das läuft über drei Plattformen. Hamilton Global Specialty zeichnet über das Lloyd's-Syndikat 4000 in London und die irische Tochter HIDAC; laut Geschäftsbericht zählt Syndikat 4000 seit zehn Jahren zu den profitabelsten und am wenigsten schwankenden Syndikaten bei Lloyd's. Hamilton Select ist der US-Spezialversicherer für schwer platzierbare Haftpflichtrisiken kleiner und mittlerer Kunden — im Fachjargon das E&S-Geschäft, der Markt für alles, was der Standardversicherer ablehnt. Und Hamilton Re auf Bermuda ist das Rückversicherungshaus.
Berichtet wird in zwei Segmenten: International (52 Prozent der Bruttoprämie 2025, also London, Dublin und die US-Töchter) und Bermuda (48 Prozent). Die Firma wurde 2013 auf Bermuda gegründet, kaufte 2019 das Lloyd's-Geschäft dazu, ging am 13. November 2023 an die New Yorker Börse und bekam im April 2024 von der Ratingagentur AM Best die Note „A“. Am 31. Dezember 2025 arbeiteten dort über 600 Menschen. Geführt wird das Haus von Pina Albo, die laut Geschäftsbericht über 30 Jahre Branchenerfahrung mitbringt und zuvor im Vorstand der Munich Re saß. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr — keine Verschiebung, keine Stolperfalle.
Und dann ist da die vierte Sache, die auf keinem Etikett steht. Hamilton hat einen eigenen Fonds, den TS Hamilton Fund, gesteuert von Two Sigma — einem 2001 gegründeten quantitativen Investmenthaus mit rund 77 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen und über 1.700 Beschäftigten. Der Fonds handelt Aktien und Makro-Strategien über sieben Vehikel, rund 70 Prozent Aktien, 30 Prozent Makro. Der Geschäftsbericht sagt, wie groß das ist:
„As of December 31, 2025, Two Sigma manages $2.2 billion, or 37%, of our total invested assets, via our investment in the TS Hamilton Fund.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 verwaltet Two Sigma über unsere Beteiligung am TS Hamilton Fund 2,2 Milliarden US-Dollar oder 37 Prozent unserer gesamten Kapitalanlagen.“
— Hamilton Insurance Group, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 (Business)
Damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse fest, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Hamilton ist ein guter Versicherer — aber der Gewinnhebel liegt bei einem Partner, den Hamilton weder steuert noch austauschen kann, und der von jedem Fondsertrag fast die Hälfte behält.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Hamilton Insurance Group steht auf Platz 35 der US-Auswahl unseres hauseigenen Aktien-Scanners für große Ergebnisüberraschungen (81 Treffer, Stand 25. Juli 2026), mit einem relativen Stärke-Rating von 74 von 100. Zum Nachmachen: In der Rubrik Big Earnings Surprise auf die US-Auswahl filtern und die Rangliste von oben lesen — die Listen werden täglich neu berechnet, der Rang von heute ist also nicht der Rang von morgen.
Der Filter sucht Firmen, deren gemeldetes Ergebnis je Aktie deutlich über der Analystenschätzung lag. Bei Hamilton ist die Serie lang: fünf Quartale hintereinander über der Erwartung. Am 7. Mai 2025 lag das Ergebnis 126,5 Prozent über der Schätzung, am 6. August 2025 44,9 Prozent, am 4. November 2025 79,1 Prozent, am 19. Februar 2026 96,4 Prozent und am 30. April 2026 45,1 Prozent. Datenstand dieser Reihe: 24. Juli 2026. Ein Hinweis zur Einordnung: Solche Schätzreihen rechnen auf einer eigenen, angepassten Grundlage. Der Quartalsbericht selbst weist für das erste Quartal 2026 ein verwässertes Ergebnis von 1,31 US-Dollar je Aktie aus (Vorjahresquartal 0,77). Für den Scanner zählt nicht die Höhe, sondern der Abstand zur Erwartung.
Und jetzt die Bewertung dieser Kennzahl, denn genannt ist nicht bewertet: Eine Ergebnisüberraschung misst, wie falsch die Analysten lagen — nicht, wie gut das Geschäft ist. Bei einem Rückversicherer misst sie besonders oft zwei ganz andere Dinge: das Wetter und die Kapitalmärkte. Analysten setzen für ein Quartal einen mittleren Katastrophenschaden und eine mittlere Fondsrendite an; bleiben beide Stürme aus, ist das Ergebnis besser als geschätzt, ohne dass ein einziger Vertrag besser kalkuliert wurde. Merke dir den Satz gleich hier: Bei Hamilton misst eine Ergebnisüberraschung zu einem guten Teil, wie der Fonds gelaufen ist.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist eine Menge. Hamilton hat sich in vier Jahren vom Sanierungsfall zum profitablen Zeichner entwickelt. Die Schaden-Kosten-Quote — bei Versicherern die zentrale Kennzahl, sie sagt, wie viel von 100 Dollar Prämie für Schäden und Verwaltung draufgeht — lag im Geschäftsjahr bis November 2021 bei 106,0 Prozent, 2022 bei 102,8 Prozent. Beides über 100, also Verlust am Versichern. Dann kam der Umschwung: 90,1 Prozent (2023), 91,3 (2024), 92,9 Prozent (2025). Merksatz dazu: Unter 100 verdient ein Versicherer am Versichern, über 100 verdient er nur noch am Kapitalmarkt.
Die Prämie wuchs kräftig mit. Die gezeichnete Bruttoprämie stieg von 1.446,6 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr bis November 2021) über 1.646,7 (2022), 1.951,0 (2023) und 2.422,6 (2024) auf 2.923,1 Millionen (2025) — gut das Doppelte in vier Jahren. Das Ergebnis für die Stammaktionäre drehte von 98,0 Millionen US-Dollar Verlust (2022) auf 258,7 Millionen Gewinn (2023), 400,4 Millionen (2024) und 576,7 Millionen (2025). Das verwässerte Ergebnis je Aktie: 2,44 US-Dollar, 3,67, 5,55. Die Eigenkapitalrendite: 13,9 Prozent, 18,3, 22,4 Prozent.
Und die ehrlichste Fortschrittsanzeige eines Versicherers, der Buchwert je Aktie — also wie viel Substanz je Anteil hinter dir steht —, kletterte von 16,14 US-Dollar (2022) über 18,58 (2023) und 22,95 (2024) auf 28,50 US-Dollar zum 31. Dezember 2025. Das sind 53 Prozent mehr in zwei Jahren, und ein Teil davon kommt daher, dass die Aktienzahl gleichzeitig sank: von 110.225.103 Stück (Ende 2023) auf 99.029.434 (Ende 2025). Weniger Anteile am selben Kuchen bedeutet ein größeres Stück je Anteil.
Auch das erste Quartal 2026 liest sich stark: gezeichnete Bruttoprämie 940,1 Millionen US-Dollar nach 843,3 Millionen, Schaden-Kosten-Quote 89,8 Prozent nach 111,6 Prozent, Zeichnungsergebnis 57,6 Millionen nach einem Verlust von 58,3 Millionen, Ergebnis für die Stammaktionäre 133,5 Millionen US-Dollar nach 80,9 Millionen. Das ist alles echt, geprüft und in einem SEC-Bericht nachlesbar.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Jetzt drehen wir jede dieser Zahlen einmal um.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der zweite Motor ist fünfmal stärker als der erste
Ein Versicherer hat immer zwei Ertragsquellen. Erstens das Zeichnungsergebnis: Prämie minus Schäden minus Kosten — das Handwerk. Zweitens das Anlageergebnis: Prämien kommen heute herein, Schäden werden über Jahre ausgezahlt, das Geld dazwischen arbeitet. Bei den meisten Versicherern ist das Anlageergebnis ein solides Anleihedepot, das die Sache abrundet. Bei Hamilton ist es die Hauptsache.
Die Zahlen aus dem Geschäftsbericht, jeweils für das Kalenderjahr: Zeichnungsergebnis 129,9 / 149,4 / 148,8 Millionen US-Dollar (2023 / 2024 / 2025). Anlageergebnis im selben Zeitraum: 240,1 / 574,7 / 775,1 Millionen. 2025 war der zweite Motor also 5,2-mal so stark wie der erste. Und er ist nicht nur größer, er ist auch der volatilere: Das Zeichnungsergebnis bewegte sich in drei Jahren zwischen 129,9 und 149,4 Millionen, das Anlageergebnis verdreifachte sich.
Was heißt das für dich? Die 22,4 Prozent Eigenkapitalrendite des Jahres 2025 sind kein Versicherungsergebnis. Sie sind zu einem großen Teil ein Hedgefonds-Ergebnis, das in einer Versicherungsbilanz steht. Und ein Hedgefonds-Ergebnis lässt sich nicht so fortschreiben wie eine Prämienzeile.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Von jedem Fondsertrag behält der Verwalter fast die Hälfte
Jetzt zur Rechnung, die im Geschäftsbericht steht, aber selten zitiert wird. Der TS Hamilton Fund erwirtschaftete 2025 einen Ertrag von 564,3 Millionen US-Dollar — und dieser Betrag ist bereits nach Abzug der Verwaltungsgebühr von 52,6 Millionen ausgewiesen. Davon gingen 263,4 Millionen US-Dollar als Erfolgsbeteiligung an den geschäftsführenden Gesellschafter, also an die Two-Sigma-Seite. Das sind 46,7 Prozent. Bei Hamilton blieben 300,9 Millionen hängen. Im Jahr davor sah es ähnlich aus: 487,2 Millionen Ertrag, 212,7 Millionen Erfolgsbeteiligung — 43,7 Prozent. Und im ersten Quartal 2026: 176,6 Millionen Ertrag, 83,5 Millionen Erfolgsbeteiligung — 47,3 Prozent.
Warum so viel? Weil das Gebührenmodell dreistöckig ist. Der Geschäftsbericht beschreibt es in den Risikofaktoren selbst:
„The TS Hamilton Fund incurs a 2.5% annual management fee and a 30% incentive allocation, plus an additional 25% incentive allocation on ‚Excess Profits' above a 10% hurdle.“
Übersetzung: „Für den TS Hamilton Fund fallen eine jährliche Verwaltungsgebühr von 2,5 Prozent und eine Erfolgsbeteiligung von 30 Prozent an, zuzüglich einer weiteren Erfolgsbeteiligung von 25 Prozent auf ‚Überschussgewinne' oberhalb einer Hürde von 10 Prozent.“
— Hamilton Insurance Group, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A (Risk Factors)
Übersetzt in ein Alltagsbild: Du vermietest deinem Nachbarn dein Auto, er fährt damit Taxi und bringt dir das Geld — behält aber die Hälfte des Fahrpreises und obendrein eine Monatsmiete für das Steuer. Das kann sich trotzdem lohnen, weil er besser fährt als du. Aber es ist ein anderes Geschäft als „ich fahre selbst“.
Zur Fairness gehört die andere Seite: Der Fonds hat geliefert. Nach Verwaltungsgebühr und Erfolgsbeteiligung blieben 16,0 Prozent Rendite (2025), 16,3 Prozent (2024) und 7,6 Prozent (2023) — das sind die Zahlen, die bei Hamilton ankamen, nicht die Bruttozahlen. Im ersten Quartal 2026 waren es 4,3 Prozent nach 5,5 Prozent im Vorjahresquartal. Wer diese Nettorendite mit einem Anleihedepot vergleicht, versteht, warum Hamilton die Konstruktion behält.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Hamilton schreibt selbst über den Führungsstreit bei Two Sigma — und kommt trotzdem nicht heraus
Ein Partner, der fast die Hälfte des Ertrags behält, ist eine Preisfrage. Ein Partner, den man nicht wechseln kann, ist eine Machtfrage. Der Geschäftsbericht 2025 wird an dieser Stelle bemerkenswert offen:
„In recent years there have been a variety of management and governance challenges at Two Sigma and the management committee of Two Sigma's general partner has been unable to reach agreement on a number of topics including corporate governance and oversight matters, as well as the definition of roles, authorities, responsibilities and/or compensation for a range of C-level officers.“
Übersetzung: „In den vergangenen Jahren gab es bei Two Sigma eine Reihe von Führungs- und Governance-Problemen, und der Verwaltungsausschuss des geschäftsführenden Gesellschafters von Two Sigma konnte sich in mehreren Punkten nicht einigen — darunter Fragen der Unternehmensführung und Aufsicht sowie die Festlegung von Rollen, Befugnissen, Verantwortlichkeiten und/oder Vergütung für eine Reihe von Spitzenführungskräften.“
— Hamilton Insurance Group, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A (Risk Factors)
Im selben Abschnitt steht die Konsequenz: Hamilton steuert weder die Anlagestrategie noch das Tagesgeschäft des Fonds, hat nur begrenzte Rechte, Kapital oberhalb der Mindestbindung abzuziehen, und kann den geschäftsführenden Gesellschafter nicht abberufen. Die Mindestbindung selbst ist kein Detail: Sie beträgt den niedrigeren Wert aus 1,8 Milliarden US-Dollar oder 60 Prozent der Nettosachwerte der Gruppe — bei einem Eigenkapital von 2,72 Milliarden US-Dollar zum 31. März 2026 also rund zwei Drittel. Kapital unterhalb dieser Schwelle darf im Regelfall nur unter außergewöhnlichen Umständen abgezogen werden, etwa bei ernster Liquiditätsnot, zur Abwendung einer Rating-Herabstufung oder auf Anweisung der Bermuda-Aufsicht.
Am 1. April 2026 wurde diese Bindung neu geschrieben. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 meldet es unter den Ereignissen nach dem Bilanzstichtag:
„The Investment Agreement amends or eliminates, among other things, minimum commitment provisions, rolling commitment periods, withdrawal mechanics and certain withdrawal rights that were included in the Prior Commitment Agreement.“
Übersetzung: „Der Investment Agreement ändert oder streicht unter anderem Mindestbindungsklauseln, rollierende Bindungsfristen, die Rückzugsmechanik und bestimmte Rückzugsrechte, die in der vorherigen Vereinbarung enthalten waren.“
— Hamilton Insurance Group, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 12 (Subsequent Events)
Rechne es einmal durch: Höchstens ein Zwölftel je Monat bei sechs Monaten Vorlauf heißt, dass der gebundene Teil frühestens nach anderthalb Jahren vollständig frei wäre. Der Vertrag wurde einen Tag nach dem Bilanzstichtag wirksam — der Bericht für das zweite Quartal 2026 ist der erste, der den Fondsbestand unter den neuen Regeln zeigt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Rekordquartal hatte null Katastrophenschäden — und die Reserven drehten
Die 89,8 Prozent Schaden-Kosten-Quote des ersten Quartals 2026 sind ein starker Wert. Sie stehen aber auf einer Besonderheit: Die Katastrophenschäden lagen bei null. Kein Sturm, kein Brand, kein Beben in der Rechnung, weder für das laufende noch für frühere Schadenjahre. Im Vorjahresquartal waren es 159,7 Millionen US-Dollar aus den kalifornischen Waldbränden. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 summierten sich die Katastrophenschäden auf 159,0 Millionen US-Dollar, 2024 auf 87,6 Millionen — jeweils mehr als zwei Drittel des gesamten Jahres-Zeichnungsergebnisses. Ein Quartal ohne einen einzigen Katastrophenschaden ist bei einem global zeichnenden Rückversicherer eine Ausnahme, kein Ausgangspunkt.
Und dann ist da die zweite Zeile. Versicherer bilden Rückstellungen für Schäden, die gemeldet, aber noch nicht bezahlt sind — und für solche, von denen sie noch gar nichts wissen. Jedes Quartal wird nachgerechnet. Fällt die Schätzung niedriger aus als früher, spricht der Bericht von günstiger Entwicklung und das Ergebnis steigt; fällt sie höher aus, ist die Entwicklung nachteilig. Hamilton wirbt im Geschäftsbericht damit, „seit der Gründung in jedem Jahr“ Reserven aufgelöst zu haben. Im ersten Quartal 2026 kippte das Vorzeichen: Die Nachbewertung alter Schadenjahre belastete mit 2,4 Prozent der verdienten Nettoprämie — nach 2,9 Prozent Entlastung im Vorjahresquartal, ein Umschwung von 5,3 Prozentpunkten. Der Grund steht im Bericht: neue Schadeninformationen zum Einsturz der Baltimore-Brücke.
Das ist für sich genommen kein Drama — 13,9 Millionen US-Dollar bei 570,5 Millionen verdienter Nettoprämie im Quartal. Interessant wird es im Zusammenhang mit der Vorjahreszahl: Im Gesamtjahr 2025 stand unter dem Strich eine günstige Entwicklung von 64,9 Millionen US-Dollar — aber die setzte sich zusammen aus 65,5 Millionen günstig im Sachgeschäft und 27,7 Millionen nachteilig im Haftpflichtgeschäft, letzteres laut Bericht getrieben von eingestellten Sparten und neuen Informationen zu einzelnen Großschäden. Haftpflichtschäden brauchen Jahre, bis sie sichtbar werden. Wenn ein Haus mit wachsendem Haftpflichtanteil — im ersten Quartal 2026 stieg die Bruttoprämie im Bermuda-Segment vor allem wegen des Haftpflicht-Rückversicherungsgeschäfts — schon heute in dieser Sparte nachlegen muss, ist das die Zeile, die man im Auge behält.
Und dann steht in demselben Bericht ein dritter Satz, der noch gar keine Zahl trägt. Unter den Ereignissen nach dem Bilanzstichtag heißt es:
„The Company continues to monitor the ongoing uncertainty surrounding the conflict in the Middle East, which commenced on February 28, 2026, and will continue to assess the impact of these events on its loss estimates and financial statements.“
Übersetzung: „Das Unternehmen beobachtet weiterhin die anhaltende Unsicherheit rund um den Konflikt im Nahen Osten, der am 28. Februar 2026 begann, und wird die Auswirkungen dieser Ereignisse auf seine Schadenschätzungen und seinen Abschluss weiter bewerten.“
— Hamilton Insurance Group, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 12 (Subsequent Events)
Für ein Haus, das Marine-, Energie- und Spezialrisiken zeichnet, ist das eine offene Position ohne Betrag. Zusammen mit den fehlenden Katastrophenschäden macht sie das erste Quartal 2026 zu einer schlechten Grundlage für Hochrechnungen — die Probe kommt mit dem nächsten Quartalsbericht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Wer HG kauft, kauft die kleinere von drei Klassen
An der New Yorker Börse notiert nur die Class-B-Aktie. Am 30. April 2026 waren davon 66.532.272 Stück ausstehend. Insgesamt hatte Hamilton am 31. März 2026 aber 99.273.252 Aktien im Umlauf — der Rest verteilt sich auf Class A (17.320.078 Stück zum Stichtag der Hauptversammlung am 17. März 2026) und die stimmrechtslose Class C (15.403.649 Stück zum 31. Dezember 2025). Für Class A und Class C gibt es keinen Börsenhandel. Dazu kommt eine Bermuda-Besonderheit: Jeder Halter von A- oder B-Aktien darf höchstens 9,5 Prozent der gesamten Stimmkraft ausüben, unabhängig davon, wie viele Aktien er hält — und der Verwaltungsrat kann Stimmrechte nach eigenem Ermessen weiter begrenzen, wenn er steuerliche oder aufsichtsrechtliche Nachteile abwenden will.
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Jede Kennzahl je Aktie — Buchwert, Ergebnis, Börsenwert — muss gegen die Gesamtzahl gerechnet werden, nicht gegen die börsennotierte Klasse; wer 66,5 Millionen statt 99,3 Millionen ansetzt, kommt auf einen um die Hälfte zu hohen Wert je Aktie. Zweitens: Class-C-Aktien können auf Antrag in Class B umgewandelt werden — 2025 geschah das mit 4,0 Millionen Stück, 2024 mit 7,9 Millionen. Jede Umwandlung vergrößert den handelbaren Bestand.
Bewertung — was der Markt gerade bezahlt
Der Börsenwert lag bei rund 3,59 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026). Gemessen am Buchwert je Aktie von 27,42 US-Dollar (31. März 2026) ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 1,3. Gemessen am Ergebnis je Aktie der letzten zwölf Monate von 6,31 US-Dollar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 5,7. Ein einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis sieht billig aus — bis man sich fragt, woraus dieses Ergebnis besteht. Ein Gewinn, der zu einem großen Teil aus einem Hedgefonds mit 16 Prozent Jahresrendite stammt, verdient nun einmal ein anderes Vielfaches als ein Gewinn aus wiederkehrenden Prämien. Der Markt weiß das offensichtlich: Er zahlt beim Buchwert einen moderaten Aufschlag und beim Gewinn fast nichts.
Der Blick der Profis: Sechs Analystenhäuser decken den Wert ab — einmal „Strong Buy“, dreimal „Kaufen“, zweimal „Halten“ —, das mittlere Kursziel lag bei 35,86 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026). Bemerkenswert daran ist weniger die Note als die Höhe: Das Kursziel liegt praktisch auf dem oberen Rand der Zwölfmonatsspanne von 19,62 bis 36,28 US-Dollar. Nach Meinung der Häuser ist die Neubewertung der vergangenen zwölf Monate damit weitgehend abgearbeitet. Der Piotroski-Wert liegt bei 7 von 9 — das ist gut, aber kein Bestwert; eine kerngesunde Bilanz steht bei 8 oder 9. Die institutionellen Anleger halten 83,6 Prozent, Insider 5,0 Prozent, die Leerverkaufsquote liegt bei 2,3 Prozent des Streubesitzes. Der Altman-Z-Wert aus den Fundamentaldaten (0,83) ist bei Versicherern ohne Aussagekraft, weil die Formel für Industriebetriebe entwickelt wurde — wir nennen ihn, verwenden ihn aber nicht.
Eine Warnung noch zur Dividendenrendite: Wer irgendwo eine Rendite von über 6 Prozent für HG liest, sieht die Sonderausschüttung von 2,00 US-Dollar vom 30. März 2026, hochgerechnet auf ein Jahr. Eine laufende Dividende zahlt Hamilton nicht. Wie bei anderen Versicherern in unserer Reihe — etwa in unserer Analyse von United Fire Group — lohnt der Blick, welcher Teil der Ausschüttung Programm ist und welcher Einmaleffekt.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Das Zeichnungsgeschäft trägt seit drei Jahren: Schaden-Kosten-Quote 90,1 / 91,3 / 92,9 Prozent (2023 bis 2025) bei einer von 1,95 auf 2,92 Milliarden US-Dollar gewachsenen Bruttoprämie.
- Der Buchwert je Aktie stieg von 18,58 US-Dollar (Ende 2023) auf 28,50 (Ende 2025) und lag zum 31. März 2026 bei 27,42 — plus 2,00 US-Dollar Sonderausschüttung, also 29,42 einschließlich der Zahlung.
- Die Bilanz ist wenig verschuldet: Der Geschäftsbericht nennt zum 31. Dezember 2025 ein Verhältnis von Schulden zu Gesamtkapital von 5,0 Prozent bei 2,82 Milliarden US-Dollar Eigenkapital; die Ausschüttungsfähigkeit der Töchter wird auf 620,1 Millionen US-Dollar geschätzt.
- Der Fonds lieferte auch nach Gebühren: 16,0 Prozent (2025), 16,3 Prozent (2024) — Renditen, die ein klassisches Anleihedepot nicht bietet. Das Rating „A“ von AM Best seit April 2024 öffnet zusätzliche Zeichnungsmöglichkeiten.
- Kapital fließt an die Aktionäre zurück: 93,4 Millionen US-Dollar Aktienrückkäufe 2025, 205,8 Millionen Sonderausschüttung 2026, dazu eine Restermächtigung von 158,8 Millionen US-Dollar (31. März 2026).
Risiken
- Der Gewinnhebel liegt außerhalb: 775,1 Millionen US-Dollar Anlageergebnis gegen 148,8 Millionen Zeichnungsergebnis (2025). Ein schwaches Fondsjahr trifft das Ergebnis härter als ein schweres Sturmjahr.
- Fast die Hälfte des Fondsertrags bleibt beim Verwalter: 263,4 von 564,3 Millionen US-Dollar (2025), 83,5 von 176,6 Millionen (erstes Quartal 2026).
- Hamilton beschreibt in den Risikofaktoren selbst Führungs- und Governance-Probleme bei Two Sigma, kann den Verwalter nicht abberufen und die Anlagestrategie nicht steuern; die Mindestbindung beträgt bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar oder 60 Prozent der Nettosachwerte.
- Das erste Quartal 2026 hatte null Katastrophenschäden — 2025 waren es 159,0 Millionen US-Dollar im Jahr. Zusätzlich lief die Nachbewertung alter Schadenjahre erstmals mit 2,4 Prozent nachteilig, und das Haftpflichtgeschäft entwickelte sich 2025 mit 27,7 Millionen US-Dollar nachteilig.
- Der Konflikt im Nahen Osten seit dem 28. Februar 2026 ist im Bericht zum 31. März 2026 genannt, aber noch nicht beziffert.
- An der Börse handelt nur die Class-B-Aktie; Stimmrechte sind je Halter auf 9,5 Prozent der Gesamtstimmkraft gedeckelt, und der Verwaltungsrat kann sie weiter begrenzen.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Etiketten-Falle vom Anfang. Auf Hamilton Insurance Group steht „Versicherer“, und das ist nicht falsch: Das Haus zeichnet seit drei Jahren mit Gewinn, hat die Prämie verdoppelt, den Buchwert je Aktie in zwei Jahren um mehr als die Hälfte gesteigert und dabei die Aktienzahl gesenkt. Wer nur das sieht, sieht eine ordentliche Firma zu einem moderaten Preis.
Wer weiterliest, sieht eine zweite Firma in derselben Bilanz: einen Hedgefonds mit 2,2 Milliarden US-Dollar, der 2025 mehr als fünfmal so viel beisteuerte wie das gesamte Versicherungsgeschäft, dessen Ertrag zu 46,7 Prozent beim Verwalter bleibt und den Hamilton weder steuern noch kündigen kann, ohne anderthalb Jahre Frist zu ziehen. Das ist keine Anklage — die Konstruktion hat bislang Geld verdient, und Hamilton legt sie in seinen Berichten ungewöhnlich offen dar. Es ist eine Feststellung darüber, welche Frage du beantworten musst, bevor du hier investierst. Sie lautet nicht „Kann Hamilton versichern?“. Sie lautet: „Traue ich einem Partner, den ich nicht kenne, nicht steuere und nicht wechseln kann, ungefähr zwei Drittel meines Eigenkapitals an?“
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, eingereicht am 6. Mai 2026 (SEC EDGAR, CIK 0001593275)
- Geschäftsbericht 10-K für 2025, eingereicht am 25. Februar 2026
- Meldung 8-K vom 2. April 2026 — neuer Investment Agreement mit Two Sigma, Items 1.01 und 1.02
- Meldung 8-K vom 19. Februar 2026 — Jahreszahlen 2025 und Sonderausschüttung von 2,00 US-Dollar je Aktie
- Meldung 8-K vom 30. April 2026 — Zahlen zum ersten Quartal 2026
- Meldung 8-K vom 6. Mai 2026 — Hauptversammlung, Wahl der Direktoren, Aktienklassen zum Stichtag
- Meldung 8-K vom 24. Oktober 2025 — Kreditlinien für Funds at Lloyd's
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Ergebnisüberraschungen, Analystenabdeckung), Datenstand 24. Juli 2026
- Eigener Aktien-Scanner, Rubrik Big Earnings Surprise, US-Auswahl mit 81 Treffern, Stand 25. Juli 2026
Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er enthält weder ein Kauf- noch ein Verkaufsangebot und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originalquellen und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Hamilton Insurance Group, Ltd.
Unser Fazit auf einen Blick
- Zeichnungsgeschäft positiv
- Die Schaden-Kosten-Quote fiel von 106,0 Prozent (Geschäftsjahr bis November 2021) und 102,8 Prozent (2022) auf 90,1 / 91,3 / 92,9 Prozent in den Jahren 2023 bis 2025, während die gezeichnete Bruttoprämie von 1,45 auf 2,92 Milliarden US-Dollar wuchs. Im ersten Quartal 2026 lag die Quote bei 89,8 Prozent nach 111,6 Prozent im Vorjahresquartal.
- Abhängigkeit vom Anlageergebnis negativ
- 2025 standen 148,8 Millionen US-Dollar Zeichnungsergebnis gegen 775,1 Millionen Anlageergebnis — Faktor 5,2. Davon stammten 564,3 Millionen aus dem TS Hamilton Fund. Ein schwaches Fondsjahr trifft das Ergebnis damit härter als eine schwere Sturmsaison, und die Fondsrendite lässt sich nicht wie eine Prämienzeile fortschreiben.
- Preis der Konstruktion negativ
- Vom Fondsertrag 2025 von 564,3 Millionen US-Dollar gingen 263,4 Millionen — 46,7 Prozent — als Erfolgsbeteiligung an den Verwalter, zuzüglich 52,6 Millionen Verwaltungsgebühr. Im ersten Quartal 2026 waren es 83,5 von 176,6 Millionen (47,3 Prozent). Das Modell lautet 2,5 Prozent im Jahr, 30 Prozent des Gewinns und weitere 25 Prozent auf alles über 10 Prozent Rendite.
- Steuerung und Ausstieg negativ
- Hamilton steuert weder Anlagestrategie noch Tagesgeschäft des Fonds und kann den geschäftsführenden Gesellschafter nicht abberufen; die Mindestbindung beträgt bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar oder 60 Prozent der Nettosachwerte. Der Geschäftsbericht 2025 benennt selbst Führungs- und Governance-Probleme bei Two Sigma. Der neue Vertrag vom 1. April 2026 strich laut Bericht bestimmte Rückzugsrechte und lässt den gebundenen Teil nur mit einem Zwölftel je Monat frei.
- Qualität des Rekordquartals neutral
- Im ersten Quartal 2026 lagen die Katastrophenschäden bei exakt null, nach 159,7 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal und 159,0 Millionen im Gesamtjahr 2025. Gleichzeitig drehte die Nachbewertung alter Schadenjahre auf 2,4 Prozent nachteilig (Vorjahresquartal 2,9 Prozent günstig), ausgelöst durch den Einsturz der Baltimore-Brücke. Der Nahost-Konflikt seit dem 28. Februar 2026 ist genannt, aber noch nicht beziffert.
- Kapital und Bewertung positiv
- Buchwert je Aktie 27,42 US-Dollar zum 31. März 2026 nach 28,50 (Ende 2025) und 18,58 (Ende 2023), dazwischen 2,00 US-Dollar Sonderausschüttung. Verhältnis von Schulden zu Gesamtkapital 5,0 Prozent, Ausschüttungsfähigkeit der Töchter 620,1 Millionen US-Dollar (31.12.2025). Rund 3,59 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 24. Juli 2026) entsprechen einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 1,3 — bei einem mittleren Analystenkursziel von 35,86 US-Dollar.
Hamilton Insurance Group zeichnet seit drei Jahren mit Gewinn, hat die Bruttoprämie seit 2021 verdoppelt und den Buchwert je Aktie von 18,58 auf 28,50 US-Dollar gesteigert — das ist echt und geprüft. Der Gewinnhebel liegt aber außerhalb des Versicherungsgeschäfts: 775,1 Millionen US-Dollar Anlageergebnis gegen 148,8 Millionen Zeichnungsergebnis im Jahr 2025, und von den 564,3 Millionen Fondsertrag blieben 263,4 Millionen beim Verwalter Two Sigma. Hamilton kann diesen Partner weder steuern noch abberufen und muss bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar im Fonds halten. Das erste Quartal 2026 war mit 89,8 Prozent Schaden-Kosten-Quote stark, hatte aber null Katastrophenschäden und die erste nachteilige Reserveentwicklung. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Versicherungsgeschäft trägt: drei Jahre in Folge eine Schaden-Kosten-Quote unter 100 Prozent (90,1 / 91,3 / 92,9 Prozent in den Jahren 2023 bis 2025), eine von 1,45 auf 2,92 Milliarden US-Dollar gewachsene Bruttoprämie, 2,82 Milliarden US-Dollar Eigenkapital bei einem Verhältnis von Schulden zu Gesamtkapital von 5,0 Prozent und das Rating „A“ von AM Best. Ein Befund, der die Substanz des Hauses bedroht, findet sich in den Berichten nicht. Offen ist dafür eine operative Frage von Gewicht: Der Gewinn entsteht überwiegend außerhalb des Handwerks — 775,1 Millionen US-Dollar Anlageergebnis gegen 148,8 Millionen Zeichnungsergebnis im Jahr 2025 —, er stammt aus einem Fonds, dessen Strategie Hamilton nicht steuert und dessen Verwalter Hamilton nicht abberufen kann, und von dessen 564,3 Millionen Ertrag dieser Verwalter 263,4 Millionen behielt. Das starke erste Quartal 2026 klärt die Frage nicht: Die 89,8 Prozent Schaden-Kosten-Quote standen auf exakt null Katastrophenschäden, gleichzeitig drehte die Nachbewertung alter Schadenjahre erstmals ins Nachteilige, und der Nahost-Konflikt seit dem 28. Februar 2026 ist genannt, aber noch nicht beziffert. Ein Ergebnis, dessen Hebel derart an einer fremdgesteuerten Kapitalanlage hängt, ist keine belegte Qualität — ein Substanzrisiko ist es aber ebenso wenig, deshalb Gelb.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Platz 35 im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl mit 81 Treffern), relatives Stärke-Rating 74 von 100, Stand 25. Juli 2026. Die Listen werden täglich neu berechnet.
- Datenstand: SEC-Zahlen per 31.12.2025 (Geschäftsbericht 10-K, eingereicht 25.02.2026) und 31.03.2026 (Quartalsbericht 10-Q, eingereicht 06.05.2026); Kennzahlen und Ergebnisüberraschungen mit Datenstand 24. Juli 2026. Nach dem Quartalsbericht wurde die Aktenlage bis zum 25. Juli 2026 durchgesehen; jüngste Einreichung ist eine Insider-Meldung (Form 4) vom 20.05.2026.
- Verwechslungsgefahr: „HG“ ist zugleich das COMEX-Symbol für Kupfer-Futures und an der kanadischen CSE das Kürzel von HydroGraph Clean Power. Die hier analysierte Gesellschaft ist Hamilton Insurance Group, Ltd. mit der SEC-Kennung CIK 0001593275, der ISIN BMG427061046 und der Class-B-Notierung an der New Yorker Börse. Kupfer notiert je Pfund, nicht je Aktie.
- Kennzahlen je Aktie sind gegen die Gesamtzahl von 99.273.252 Aktien (31.03.2026) gerechnet, nicht gegen die 66.532.272 börsennotierten Class-B-Stücke. Eine Rechnung nur auf der Class B ergäbe einen um rund die Hälfte zu hohen Wert je Aktie.
- Der Altman-Z-Wert aus den Fundamentaldaten (0,83) ist bei Versicherern ohne Aussagekraft, weil die Formel für Industriebetriebe entwickelt wurde; er wird in dieser Analyse genannt, aber nicht verwendet. Eine ausgewiesene Dividendenrendite von über 6 Prozent beruht auf der einmaligen Sonderausschüttung vom 30.03.2026, nicht auf einer laufenden Dividende.
Häufige Fragen
Hamilton ist ein Spezialversicherer und Rückversicherer mit Sitz auf Bermuda, gegründet 2013, seit dem 13. November 2023 an der New Yorker Börse notiert. Gezeichnet wird über drei Plattformen: Hamilton Global Specialty mit dem Lloyd's-Syndikat 4000 in London, den US-Spezialversicherer Hamilton Select und das Rückversicherungshaus Hamilton Re auf Bermuda. Die gezeichnete Bruttoprämie lag 2025 bei 2,92 Milliarden US-Dollar.
Weil ein großer Teil des Gewinns nicht aus dem Versichern stammt. 2025 standen 148,8 Millionen US-Dollar Zeichnungsergebnis gegen 775,1 Millionen Anlageergebnis, überwiegend aus dem von Two Sigma gesteuerten TS Hamilton Fund. Fondserträge schwanken stärker und sind schlechter fortschreibbar als Prämieneinnahmen — deshalb bewertet der Markt sie mit einem niedrigeren Vielfachen. Beim Buchwert je Aktie zahlt er dagegen einen Aufschlag von rund 30 Prozent.
Ein eigens für Hamilton aufgelegter Fonds, gesteuert von Two Sigma; zum 31. Dezember 2025 lagen dort 2,2 Milliarden US-Dollar oder 37 Prozent der Kapitalanlagen. Die Gebühren: 2,5 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr, 30 Prozent Erfolgsbeteiligung und weitere 25 Prozent auf Gewinne oberhalb von 10 Prozent Rendite. 2025 gingen dadurch 263,4 von 564,3 Millionen US-Dollar Ertrag an den Verwalter — 46,7 Prozent.
Nein. Hamilton Re muss mindestens den niedrigeren Wert aus 1,8 Milliarden US-Dollar oder 60 Prozent der Nettosachwerte der Gruppe im Fonds halten. Seit dem neuen Vertrag vom 1. April 2026 gilt ein zweistufiges System: Kapital oberhalb dieser Schwelle kann quartalsweise mit 55 Tagen Vorlauf abgezogen werden, Kapital unterhalb der Schwelle nur monatlich, mit sechs Monaten Frist und höchstens einem Zwölftel je Monat.
Zahlenmäßig sehr gut: Schaden-Kosten-Quote 89,8 Prozent nach 111,6 Prozent, Ergebnis für die Stammaktionäre 133,5 Millionen US-Dollar nach 80,9 Millionen. Zwei Einschränkungen stehen im Bericht selbst: Die Katastrophenschäden lagen bei exakt null (Vorjahresquartal 159,7 Millionen aus den kalifornischen Waldbränden), und die Nachbewertung alter Schadenjahre belastete erstmals mit 2,4 Prozent der verdienten Nettoprämie — wegen des Einsturzes der Baltimore-Brücke.
Keine laufende. Am 18. Februar 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine einmalige Sonderausschüttung von 2,00 US-Dollar je Aktie oder 205,8 Millionen US-Dollar, gezahlt am 30. März 2026. Wer in Datenbanken eine Dividendenrendite von über 6 Prozent sieht, sieht diese Einmalzahlung auf ein Jahr hochgerechnet. Kapital fließt sonst über Aktienrückkäufe zurück: 93,4 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, 674.473 Stück im ersten Quartal 2026.
Ja, und die Verwechslung ist verbreitet. „HG“ ist zugleich das Symbol der COMEX für Kupfer-Futures und an der kanadischen CSE das Kürzel von HydroGraph Clean Power. Die hier analysierte Gesellschaft ist eindeutig identifiziert über die SEC-Kennung CIK 0001593275, die ISIN BMG427061046 und die Notierung der Class-B-Aktie an der New Yorker Börse. Kupfer notiert je Pfund, nicht je Aktie — jede Kennzahlenreihe sollte man an dieser Stelle prüfen.
Nur die Class-B-Aktie: 66.532.272 Stück zum 30. April 2026. Insgesamt waren am 31. März 2026 aber 99.273.252 Aktien im Umlauf, verteilt auf Class A, B und die stimmrechtslose Class C. Für A und C gibt es keinen Börsenhandel. Kennzahlen je Aktie müssen deshalb gegen die Gesamtzahl gerechnet werden. Zusätzlich ist die Stimmkraft je Halter auf 9,5 Prozent gedeckelt.
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