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United Fire Group: Die Schaden-Kosten-Quote fällt auf 95,6 Prozent — und 3,0 der 3,8 Punkte kommen aus den Kosten

United Fire Group: Die Schaden-Kosten-Quote fällt auf 95,6 Prozent — und 3,0 der 3,8 Punkte kommen aus den Kosten

Ein Versicherer wird an einer einzigen Zahl gemessen: der Schaden-Kosten-Quote. Bei United Fire Group fiel sie im ersten Quartal 2026 von 99,4 auf 95,6 Prozent — der fünfte deutliche Ergebnissprung über der Erwartung in Folge. Der Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht SEC zerlegt die Zahl aber selbst in ihre Bestandteile: 3,0 der 3,8 Punkte kommen aus der Kostenquote, 1,3 aus weniger Katastrophenschäden — und die zugrunde liegende Schadenquote, also das Versicherungsgeschäft des laufenden Jahres, wurde um 0,5 Punkte schlechter. Dazu ein höherer Selbstbehalt, 33,4 Prozent weniger abgegebene Prämie und ein Rückkaufprogramm über 2 Millionen Aktien, aus dem seit 2023 keine einzige gekauft wurde. Keine Anlageberatung — nur die Frage, welcher Teil einer Quote sich wirklich bewegt hat.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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United Fire Group: Die Schaden-Kosten-Quote fällt auf 95,6 Prozent — und 3,0 der 3,8 Punkte kommen aus den Kosten
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

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Es gibt eine Anleger-Falle, die keine Gier braucht und keine Panik — nur eine einzige gut gebaute Kennzahl. Nennen wir sie die Summen-Falle. Sie funktioniert so: Eine Zahl fasst vier verschiedene Dinge zusammen, die Zahl fällt, und dein Kopf ergänzt automatisch „die Firma macht ihre Arbeit besser". Was er nicht ergänzt, ist die Frage, welcher der vier Teile sich bewegt hat. Bei Versicherern heißt diese Kennzahl Schaden-Kosten-Quote — im Englischen combined ratio. Sie sagt, wie viel von 100 Dollar Prämie für Schäden und Verwaltung draufgeht. Unter 100 verdient die Firma am Versichern, über 100 verdient sie nur noch am Kapitalmarkt. Bei United Fire Group (NASDAQ: UFCS), einem Sach- und Unfallversicherer aus Cedar Rapids in Iowa, fiel diese Quote im ersten Quartal 2026 von 99,4 auf 95,6 Prozent. Bei uns landete die Aktie damit auf Platz 24 im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl mit 81 Treffern, Stand 25. Juli 2026). Machen wir also einen Deal: Bevor du 3,8 Punkte Verbesserung als besseres Versichern einordnest, zerlegen wir die Zahl gemeinsam — mit dem Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und dem Geschäftsbericht (10-K) für 2025, beide bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst.

Was United Fire Group eigentlich macht — Handwerksbetriebe, Feuer, Haftpflicht

United Fire Group versichert Gewerbe. Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Bauunternehmer mit zwölf Angestellten, der Handwerksbetrieb, der Getränkegroßhändler, der mittelständische Metallverarbeiter — sie alle brauchen eine Police, die den Werkstattbrand, den Auffahrunfall des Firmenwagens, den verletzten Mitarbeiter und die Klage eines Kunden abdeckt. Genau dieses Paket verkauft UFG, und zwar nie direkt, sondern über rund 850 unabhängige Versicherungsagenturen, die auch die Produkte der Konkurrenz im Regal haben. Die Sparten heißen im Bericht: Feuer und verbundene Sachversicherung, sonstige Haftpflicht, Kraftfahrt, Unfallversicherung für Arbeitnehmer (workers' compensation) und Kautionsversicherung. Dazu kommen Spezialprogramme über Assekuradeure, ein Geschäft mit übernommener Rückversicherung und eine Beteiligung am Versicherungsmarkt Lloyd's of London über die Tochter McIntyre Cedar Corporate Member.

Die Firma ist alt: gegründet 1946, notiert an der Nasdaq, bis Februar 2012 unter dem Namen United Fire & Casualty Company. Die Versicherungstöchter sind in allen 50 Bundesstaaten plus Hauptstadtbezirk zugelassen; am 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 846 Menschen mit einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von 7,6 Jahren. Ein Nebensatz, der viel erklärt: 2020 beschloss UFG, sich aus dem direkten Privatkundengeschäft zurückzuziehen; zum 31. Dezember 2025 war davon nichts mehr übrig. Was heute noch unter „Personal lines" auftaucht, ist übernommene Rückversicherung für Wohngebäudepolicen anderer Häuser. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr — keine Verschiebung, keine Stolperfalle.

Damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse schon fest, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Schaden-Kosten-Quote wird seit drei Jahren besser — aber die Teile, die sich am stärksten bewegen, sind nicht die Teile, die man „besseres Versichern" nennen würde.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

United Fire Group steht auf Platz 24 der US-Auswahl unseres hauseigenen Aktien-Scanners für große Ergebnisüberraschungen (81 Treffer, Stand 25. Juli 2026), mit einem relativen Stärke-Rating von 84 von 100. Zum Nachmachen: In der Rubrik Big Earnings Surprise auf die US-Auswahl filtern und die Rangliste von oben lesen — die Listen werden täglich neu berechnet, der Rang von heute ist also nicht der Rang von morgen.

Was misst dieser Filter? Er sucht Firmen, deren tatsächliches Ergebnis je Aktie deutlich über der Analystenschätzung lag. Bei UFG ist die Serie ungewöhnlich lang und ungewöhnlich groß: fünf Quartale hintereinander über der Erwartung. Am 6. Mai 2025 standen 0,70 US-Dollar je Aktie gegen eine Erwartung von 0,61 (plus 14,8 Prozent), am 5. August 2025 0,90 gegen 0,56 (plus 60,7 Prozent), am 4. November 2025 1,50 gegen 0,72 (plus 108,3 Prozent), am 10. Februar 2026 1,50 gegen 0,91 (plus 64,8 Prozent) und am 5. Mai 2026 1,15 gegen 0,79 (plus 45,6 Prozent). Datenstand dieser Reihe: 24. Juli 2026.

Und jetzt die Übersetzung dieser Kennzahl, denn genannt ist nicht bewertet: Eine Ergebnisüberraschung misst den Abstand zur Schätzung, nicht die Qualität des Geschäfts. Bei einem Versicherer misst sie regelmäßig etwas anderes als Können — nämlich Wetter. Analysten setzen für ein Quartal einen mittleren Katastrophenschaden an; bleibt der Hagel aus, ist das Ergebnis besser als geschätzt, ohne dass ein einziger Vertrag besser kalkuliert wurde. Merke dir den Satz gleich hier: Bei Versicherern ist eine Serie von Ergebnisüberraschungen auch eine Serie von milden Quartalen. Genau deshalb lohnt der Blick in die Berichte.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist einiges. UFG kam aus einem echten Loch. 2023 stand eine Schaden-Kosten-Quote von 109,3 Prozent in den Büchern — für jeden eingenommenen Dollar Prämie flossen 1,09 Dollar ab — und am Jahresende ein Verlust von 29,7 Millionen US-Dollar. 2024 lag die Quote bei 99,2 Prozent und der Gewinn bei 62,0 Millionen. 2025 dann 94,8 Prozent und 118,2 Millionen US-Dollar Gewinn. Das ist keine Kosmetik, das ist eine Sanierung: drei Jahre, zwei Vorzeichenwechsel, ein Ergebnis, das sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt hat.

Die Prämie wuchs dabei kräftig mit: netto verdiente Prämie 1.034,6 Millionen US-Dollar (2023), 1.176,8 (2024), 1.292,7 Millionen (2025). Und die zweite Ertragsquelle jedes Versicherers zog kräftig an — das Anlageergebnis. Ein Versicherer kassiert Prämien heute und zahlt Schäden über Jahre aus; das Geld dazwischen liegt am Kapitalmarkt. Bei UFG waren das am 31. März 2026 2,49 Milliarden US-Dollar Kapitalanlagen. Das Nettoanlageergebnis stieg von 59,6 (2023) über 82,0 (2024) auf 97,5 Millionen US-Dollar (2025), die Durchschnittsrendite der festverzinslichen Papiere von 3,28 über 3,73 auf 4,29 Prozent — und im ersten Quartal 2026 weiter auf 4,43 Prozent. Wer nach 2022 gekaufte Anleihen im Buch hat, verdient heute schlicht mehr Zinsen als vorher, ohne irgendetwas anders zu machen.

Balkendiagramm der Schaden-Kosten-Quote von United Fire Group je Jahr in Prozent: 109,3 (2023), 99,2 (2024), 94,8 (2025), daneben die zugrunde liegende Quote mit 97,1, 93,8 und 92,0 Prozent.
Die blaue Säule ist die ausgewiesene Schaden-Kosten-Quote, die grüne die zugrunde liegende Quote ohne Katastrophen und Reserveeffekte. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch der Buchwert je Aktie — bei einem Versicherer die ehrlichste Fortschrittsanzeige, weil er zeigt, wie viel Substanz je Anteil hinter dir steht — legte deutlich zu: 30,80 US-Dollar am 31. Dezember 2024, 36,88 am 31. Dezember 2025, 37,06 am 31. März 2026. Das Eigenkapital stieg im selben Zeitraum von 781,5 auf 950,6 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 verdiente UFG 30,1 Millionen US-Dollar nach 17,7 Millionen im Vorjahresquartal, 1,15 US-Dollar je Aktie verwässert nach 0,67. Das ist alles echt, geprüft und in einem SEC-Bericht nachlesbar.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Jetzt drehen wir jede dieser Zahlen einmal um.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Von 3,8 Punkten Verbesserung kommen 3,0 aus den Kosten — und das Versicherungsgeschäft wurde schlechter

Die Schaden-Kosten-Quote besteht aus zwei Hälften: der Schadenquote (was für Schäden abfließt) und der Kostenquote (was Vertrieb und Verwaltung kosten). Die Schadenquote wiederum zerfällt in drei Teile: Katastrophen, Nachbewertung alter Schadenjahre — im Bericht „prior period reserve development" — und den Rest, die sogenannte zugrunde liegende Schadenquote. Dieser Rest ist das eigentliche Handwerk: Wie gut hat die Firma die Risiken bepreist, die sie in diesem Jahr gezeichnet hat?

Der Quartalsbericht liefert alle vier Zahlen. Im ersten Quartal 2026 gegen das Vorjahresquartal: Kostenquote 34,9 statt 37,9 Prozent (minus 3,0 Punkte), Katastrophen 3,7 statt 5,0 Punkte (minus 1,3), Reserveentwicklung in beiden Quartalen neutral (null), zugrunde liegende Schadenquote 57,0 statt 56,5 Prozent (plus 0,5). Macht in Summe minus 3,8 Punkte — und genau ein Teil davon zeigt nach oben: der Teil, der das laufende Versicherungsgeschäft misst.

Wasserfalldiagramm: Schaden-Kosten-Quote 99,4 Prozent im ersten Quartal 2025, minus 3,0 Punkte Kostenquote, minus 1,3 Punkte Katastrophen, plus 0,5 Punkte zugrunde liegende Schadenquote, Endwert 95,6 Prozent im ersten Quartal 2026.
Die Brücke von 99,4 auf 95,6 Prozent: Der größte Beitrag kommt aus der Kostenquote, der kleinste Beitrag ist negativ. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bleibt die Frage, woher die 3,0 Punkte Kostenersparnis kommen. Auch das beantwortet der Bericht selbst — und die Antwort hat einen Haken:

„The expense ratio improved 3.0 points in the three-month period ended March 31, 2026 as compared to the same period in 2025. The decrease in expense ratio was driven by business growth and non-recurring expenses in the prior period associated with the final stages of development of a new policy administration system."

Übersetzung: „Die Kostenquote verbesserte sich im Dreimonatszeitraum bis zum 31. März 2026 gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 um 3,0 Punkte. Der Rückgang der Kostenquote wurde getrieben von Geschäftswachstum und von einmaligen Aufwendungen in der Vorperiode im Zusammenhang mit den letzten Entwicklungsstufen eines neuen Bestandsführungssystems."

— United Fire Group, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt „Underwriting Expenses"

Markierte Stelle aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Die Kostenquote verbesserte sich um 3,0 Punkte, getrieben von Geschäftswachstum und einmaligen Aufwendungen der Vorperiode für ein neues Bestandsführungssystem.
Die Firma nennt den Einmaleffekt im Vorjahresquartal selbst. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Teil der 3,0 Punkte ist also nicht Sparsamkeit im Jahr 2026, sondern ein höherer Aufwand im Jahr 2025 — Projektkosten für ein neues Bestandsführungssystem, die nicht wiederkehren. Wie groß dieser Teil ist, nennt der Bericht nicht. Was er nennt: Die absoluten Zeichnungskosten stiegen von 116,9 auf 119,6 Millionen US-Dollar. Sie sanken also nicht, sie wuchsen nur langsamer als die Prämie. Auf Jahressicht ist das Bild übrigens flacher als im Quartal: 2023 lag die Kostenquote bei 34,9 Prozent, 2024 bei 35,9, 2025 bei 35,7. Die 34,9 Prozent aus dem ersten Quartal 2026 sind gut — sie sind aber kein neuer Höchststand an Effizienz, sondern der Wert von 2023.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Teil des Prämienwachstums ist eine Rückversicherungs-Entscheidung

„Netto gezeichnete Prämie plus 12,4 Prozent" klingt nach Neugeschäft. Ist es zur Hälfte. Rückversicherung funktioniert wie eine Versicherung für den Versicherer: UFG gibt einen Teil jeder Police an einen Rückversicherer ab und zahlt dafür Prämie. Was übrig bleibt, ist die Nettoprämie. Kauft man weniger Rückversicherung, steigt die Nettoprämie — ganz ohne einen einzigen neuen Kunden.

Genau das ist passiert. Im ersten Quartal 2026 stieg die direkt gezeichnete Prämie um 5,7 Prozent auf 350,8 Millionen US-Dollar und die übernommene um 10,8 Prozent auf 59,8 Millionen — zusammen ein Plus von 6,4 Prozent. Die abgegebene Prämie fiel dagegen um 33,4 Prozent, von 50,5 auf 33,7 Millionen US-Dollar. Diese 16,9 Millionen weniger Rückversicherungsprämie sind der ganze Unterschied zwischen 6,4 und 12,4 Prozent. Zum Größenvergleich: Der Quartalsgewinn betrug 30,1 Millionen US-Dollar.

Der Grund steht im Geschäftsbericht: Zum 1. Januar 2026 hob UFG den Selbstbehalt seines Kernvertrags von 3,0 auf 4,0 Millionen US-Dollar je Ereignis an und strich den jährlichen Aggregat-Selbstbehalt. Historisch ist das eine Verdopplung in zehn Jahren: 2012 bis 2015 lag der Selbstbehalt bei 2,0 Millionen, 2016 bis 2021 bei 2,5 Millionen, 2022 bis 2025 bei 3,0 Millionen. Für Katastrophen gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Programm über 130,0 Millionen US-Dollar Deckung oberhalb von 20,0 Millionen Selbstbehalt — die Deckung wurde erhöht, der Selbstbehalt blieb. Das ist eine legitime, in einem harten Rückversicherungsmarkt sogar naheliegende Entscheidung. Sie ist nur keine Verbesserung des Versicherungsgeschäfts, sondern eine Verschiebung von Risiko in die eigene Bilanz. In milden Quartalen zahlt sie sich aus. In einem Quartal mit drei schweren Einzelschäden kostet sie exakt eine Million mehr — je Schaden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Haftpflichtreserven laufen seit Jahren nach — nur verdeckt es das Kfz-Geschäft

Ein Versicherer legt für gemeldete und noch nicht gemeldete Schäden Rückstellungen zurück. Stellt sich später heraus, dass zu wenig zurückgelegt wurde, belastet die Nachreservierung ein späteres Jahr — im Bericht „adverse development". Zum 31. März 2026 standen bei UFG 1,97 Milliarden US-Dollar solcher Rückstellungen in der Bilanz, gut das Doppelte des Eigenkapitals von 950,6 Millionen. Bei diesem Hebel entscheidet die Reservequalität über alles andere.

Die Kopfzahl für 2025 klingt gut: 5,2 Millionen US-Dollar günstige Entwicklung. Die Zerlegung darunter klingt anders — Kfz brachte 22,3 Millionen günstig, Feuer 10,0 Millionen günstig, und dagegen stand nachteilige Entwicklung in der gewerblichen Haftpflicht. Rechnerisch bedeutet das: Ohne die guten Nachrichten aus zwei kurzlaufenden Sparten hätte 2025 eine Nachreservierung im zweistelligen Millionenbereich in den Büchern gestanden. Und das ist kein Einzeljahr:

„Adverse development in commercial other liability reflects the company's continued response to increased loss settlements resulting from the impact of economic and social inflation, including increased litigation activity."

Übersetzung: „Die nachteilige Entwicklung in der gewerblichen sonstigen Haftpflicht spiegelt die fortgesetzte Reaktion des Unternehmens auf gestiegene Schadenregulierungen wider, die aus den Auswirkungen wirtschaftlicher und sozialer Inflation einschließlich vermehrter Prozessführung resultieren."

— United Fire Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Losses and Loss Settlement Expenses"

Markierte Stelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: 5,2 Millionen US-Dollar günstige Reserveentwicklung, davon 22,3 Millionen günstig im Kfz-Geschäft und 10,0 Millionen in Feuer, dem nachteilige Entwicklung in der gewerblichen Haftpflicht gegenübersteht.
Der Saldo ist günstig — die Zusammensetzung erzählt eine andere Geschichte. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wortgleich steht derselbe Satz im Geschäftsbericht für 2024. Und 2023 war das Jahr, in dem der Damm brach: 62,3 Millionen US-Dollar nachteilige Entwicklung, davon 52,9 Millionen allein in der gewerblichen Haftpflicht, vor allem in den Schadenjahren 2016 bis 2019. Das war der Hauptgrund für die 109,3-Prozent-Quote und den Jahresverlust. Wie ernst UFG das Thema nimmt, zeigt der Risikoteil des Geschäftsberichts:

„But more recent trends such as litigation financing have led to an unprecedented number of large liability losses for us as well as our competitors."

Übersetzung: „Doch neuere Entwicklungen wie die Prozessfinanzierung haben bei uns wie bei unseren Wettbewerbern zu einer beispiellosen Zahl großer Haftpflichtschäden geführt."

— United Fire Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren

Markierte Stelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A: Prozessfinanzierung hat zu einer beispiellosen Zahl großer Haftpflichtschäden geführt.
„Soziale Inflation" ist bei UFG kein Modewort, sondern ein eigener Risikofaktor mit Schulungsprogramm. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im ersten Quartal 2026 gab es dazu ein Detail, das man nicht überlesen sollte: In der Kautionsversicherung sprang die Schadenquote von 27,8 auf 44,3 Prozent — die Firma begründet das mit nachteiliger Entwicklung aus dem Schadenjahr 2023. Und in der übernommenen Rückversicherung, immerhin 51,8 Millionen US-Dollar verdiente Prämie im Quartal, stieg die Schadenquote von 65,1 auf 73,1 Prozent. Beide Sparten sind klein genug, um das Gesamtbild nicht zu drehen — und groß genug, um zu zeigen, dass die Nachbesserungen nicht vorbei sind.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Wachstumskapital kostet 9 Prozent, die Kapitalanlagen bringen 4,43

Wer als Versicherer mehr Prämie zeichnen will, braucht mehr Kapital dahinter — die Aufsicht rechnet mit. UFG hat sich dieses Kapital geliehen. Im Mai 2024 platzierte die Firma Schuldscheine über 70 Millionen US-Dollar bei einem Investorenkreis um Ares Management, im Juli 2025 kamen weitere 30 Millionen dazu. Im Quartalsbericht laufen diese Papiere unter der Bezeichnung „9 % UFG Notes — Series A & B"; dazu kommen 50 Millionen aus einer Privatplatzierung von 2020 mit Laufzeit bis 2040. Buchwert der gesamten langfristigen Schulden am 31. März 2026: 146,3 Millionen US-Dollar.

Der Preis dafür steht in der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Zinsaufwand stieg von 3,3 Millionen US-Dollar (2023) über 7,3 (2024) auf 11,3 Millionen (2025), im ersten Quartal 2026 auf 3,2 Millionen nach 2,5 Millionen — davon entfallen 2,3 Millionen auf die 9-Prozent-Papiere. Auf das Jahr gerechnet zahlt UFG für diesen Teil rund 9,3 Millionen US-Dollar Zinsen. Zum Vergleich: Die Kapitalanlagen von 2,49 Milliarden brachten im ersten Quartal 2026 eine Durchschnittsrendite von 4,43 Prozent. Das Geld ist also gut doppelt so teuer wie das, was das Portfolio abwirft — die Differenz muss aus dem Versicherungsgeschäft kommen, das die zusätzliche Prämie erzeugt. Solange die Schaden-Kosten-Quote unter 100 liegt, geht diese Rechnung auf. Bei 109,3 Prozent wie 2023 ginge sie nicht auf.

Zwei weitere Bedingungen gehören dazu: Die Papiere verlangen ein Investment-Grade-Rating für jede Serie und legen der Firma Finanzauflagen auf; zum 31. März 2026 waren nach eigener Angabe alle Auflagen eingehalten. Und als Liquiditätsreserve steht der Haupttochter ein Kreditrahmen bei der Federal Home Loan Bank of Des Moines über bis zu 517,2 Millionen US-Dollar offen, ungenutzt zum 31. März 2026.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der eigene Aktuar prüft die eigenen Reserven

Ein kurzer, aber bemerkenswerter Absatz im Geschäftsbericht: UFG hat die Beauftragung des externen Aktuarhauses Regnier Consulting Group für das Geschäftsjahr 2024 beendet. Seither ist der eigene Vizepräsident für Reservierung der bestellte Aktuar, vom Verwaltungsrat bestätigt. Ein externes Haus liefert weiterhin eine unabhängige Einschätzung — aber, so der Bericht wörtlich, man stütze sich bei der Festlegung der bilanzierten Reserven nicht darauf, sondern prüfe und diskutiere lediglich dessen Beobachtungen. Das ist branchenüblich und völlig legal. Es heißt trotzdem: Bei der Kennzahl, die bei diesem Unternehmen 2023 den Jahresverlust ausgelöst hat, liegt das letzte Wort seit 2024 im Haus.

Bewertung — was der Markt heute aufruft

Der Börsenwert lag beim Datenstand 24. Juli 2026 bei rund 1,32 Milliarden US-Dollar. Die Gegenprobe stimmt: 25.652.596 ausstehende Aktien laut Quartalsbericht zum 31. März 2026 mal dem Schlusskurs vom 24. Juli 2026 ergeben denselben Wert. Gegen den Buchwert von 37,06 US-Dollar je Aktie ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,3, gegen das Ergebnis der letzten zwölf Monate von 4,96 US-Dollar je Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10. Für einen Sach- und Unfallversicherer ist beides im Rahmen: Wer dauerhaft unter 100 Prozent Schaden-Kosten-Quote arbeitet, wird üblicherweise über Buchwert gehandelt; wer bei 105 landet, darunter. Der Markt bezahlt hier also die Fortsetzung des Erreichten, aber keine Fantasie.

Eine Einordnung zum Vergleich: Wie ein anderer, deutlich größerer Sachversicherer eine Ausnahmebelastung verkraftet hat, haben wir in der Analyse zu Mercury General aufgeschrieben — dort ging es um Kaliforniens Jahrhundertbrand und die Frage, was eine Katastrophe mit einer Bilanz macht. Bei UFG ist die Lage umgekehrt: Hier war das Wetter zuletzt freundlich, mit 3,2 Katastrophenpunkten im Jahr 2025 gegenüber 5,4 im Vorjahr und 6,2 im Jahr davor — nach eigener Angabe unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Zwei Kennzahlensysteme aus den Fundamentaldaten gehören daneben, mit einer klaren Warnung. Der Piotroski-Wert von 6 von 9 ist Mittelmaß — eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Der Altman-Z-Wert von 0,86 sieht dramatisch aus, ist hier aber schlicht unbrauchbar: Diese Formel wurde für Industriebetriebe entwickelt und setzt Umlaufvermögen und Umsatz ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Eine Versicherungsbilanz, die zu drei Vierteln aus Schadenrückstellungen und Kapitalanlagen besteht, fällt in dieser Formel automatisch durch. Wir nennen den Wert, weil er in den Daten steht — und wir verwenden ihn nicht.

Der Blick der Profis ist dünn: zwei Analystenhäuser decken den Wert ab, eines mit „Strong Buy", eines mit „Halten", das mittlere Kursziel liegt bei 51 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026). Die 52-Wochen-Spanne reichte in diesem Zeitraum von 25,29 bis 54,42 US-Dollar — der Kurs hat sich also binnen eines Jahres in etwa verdoppelt, was einen Teil der Frage beantwortet, wie viel von der Sanierung bereits bezahlt ist. Das Beta von 0,50 weist die Aktie als vergleichsweise schwankungsarm aus, die Leerverkaufsquote lag bei 2,35 Prozent des Streubesitzes. Die Dividende beträgt seit dem 20. Mai 2026 0,20 US-Dollar je Aktie und Quartal, nach 0,64 US-Dollar je Aktie in jedem der Jahre 2023, 2024 und 2025.

Die Sache mit dem Rückkaufprogramm

Ein Vorgang aus dem Mai 2026 verdient einen eigenen Absatz, weil er zeigt, wie schnell ein Bericht veralten kann. Der Quartalsbericht vom 6. Mai 2026 schrieb noch: Rückkaufprogramm über eine Million Aktien, Frist August 2026, im ersten Quartal 2026 keine Aktie zurückgekauft. Zwei Wochen später sah die Welt anders aus:

„Additionally, the directors extended the current Share Repurchase Program to August 31, 2028, and increased the number of shares of its common stock the Company is authorized to purchase under the Share Repurchase Program to 2 million shares."

Übersetzung: „Zusätzlich verlängerten die Direktoren das laufende Aktienrückkaufprogramm bis zum 31. August 2028 und erhöhten die Zahl der Stammaktien, zu deren Erwerb die Gesellschaft im Rahmen des Programms ermächtigt ist, auf 2 Millionen Aktien."

— United Fire Group, Inc., SEC-Meldung 8-K vom 20. Mai 2026, Item 8.01

Markierte Stelle aus der SEC-Meldung 8-K vom 20. Mai 2026: Quartalsdividende von 0,20 US-Dollar je Aktie, Verlängerung des Rückkaufprogramms bis 31. August 2028 und Erhöhung auf 2 Millionen Aktien.
Dividende und Rückkaufermächtigung in einem Satz — beschlossen am Tag der Hauptversammlung. Quelle: SEC-Meldung 8-K vom 20.05.2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Millionen Aktien sind 7,8 Prozent der 25.652.596 ausstehenden Stücke. Zum Buchwert wären das rund 74 Millionen US-Dollar. Nur: Gekauft wurde in den Jahren 2023, 2024, 2025 und im ersten Quartal 2026 keine einzige Aktie. Eine Ermächtigung ist eine Erlaubnis, keine Absicht — sie kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Der Beweis, ob aus der Erlaubnis eine Handlung wird, steht in einer einzigen Tabelle des nächsten Quartalsberichts. Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 hat UFG in einer Meldung vom 17. Juli 2026 für den 3. August 2026 angekündigt.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für United Fire Group spricht:

  • Die Sanierung ist belegt und dreijährig. Schaden-Kosten-Quote von 109,3 über 99,2 auf 94,8 Prozent, Ergebnis von 29,7 Millionen US-Dollar Verlust auf 118,2 Millionen Gewinn, Buchwert je Aktie von 30,80 auf 37,06 US-Dollar (31. Dezember 2024 bis 31. März 2026).
  • Auch die zugrunde liegende Quote fällt im Jahresvergleich — 97,1 (2023), 93,8 (2024), 92,0 Prozent (2025). Der Rückschritt im ersten Quartal 2026 ist ein Quartal, kein Trend.
  • Preise steigen weiter: Im ersten Quartal 2026 lagen die durchschnittlichen Erneuerungsprämien 6,0 Prozent höher, davon 4,3 Prozent reine Ratenerhöhung; ohne die Unfallversicherung für Arbeitnehmer sogar 6,5 beziehungsweise 4,8 Prozent.
  • Der Zinsrückenwind wirkt weiter. Die Durchschnittsrendite der festverzinslichen Papiere stieg von 3,28 (2023) auf 4,43 Prozent (erstes Quartal 2026); jede fällige Altanleihe wird zu höheren Sätzen wiederangelegt.
  • Kapital und Liquidität sind vorhanden: 950,6 Millionen US-Dollar Eigenkapital, 2,49 Milliarden Kapitalanlagen, ein ungenutzter Kreditrahmen von 517,2 Millionen, alle Finanzauflagen der Schuldscheine zum 31. März 2026 eingehalten.

Was dagegen spricht:

  • Die Verbesserung im ersten Quartal 2026 kommt aus den Nebenposten. 3,0 von 3,8 Punkten aus der Kostenquote — mit einem Einmaleffekt im Vorjahr, den die Firma selbst benennt —, 1,3 Punkte aus weniger Katastrophen; die zugrunde liegende Schadenquote stieg um 0,5 Punkte.
  • Mehr Risiko in der eigenen Bilanz: Selbstbehalt von 3,0 auf 4,0 Millionen US-Dollar je Ereignis erhöht, abgegebene gezeichnete Prämie im ersten Quartal 2026 um 33,4 Prozent gefallen.
  • Die Haftpflichtreserven laufen nach. Der günstige Saldo von 5,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 entsteht aus 22,3 Millionen günstig im Kfz-Geschäft und 10,0 Millionen in Feuer gegen nachteilige Entwicklung in der gewerblichen Haftpflicht — dieselbe Sparte, die 2023 mit 52,9 Millionen den Jahresverlust auslöste.
  • Klumpen Wetter: Katastrophenschäden von 64,2 (2023), 63,2 (2024) und 41,1 Millionen US-Dollar (2025) sind kein steuerbarer Posten. Ein einziges schweres Jahr kostet mehr als der gesamte Fortschritt zweier guter.
  • Teures Fremdkapital: 100 Millionen US-Dollar Nennwert in Papieren, die der Bericht als „9 % UFG Notes" führt, mit Rating- und Finanzauflagen; Zinsaufwand von 3,3 auf 11,3 Millionen US-Dollar zwischen 2023 und 2025 gestiegen.
  • Dünne Abdeckung, enger Markt: zwei Analystenhäuser, rund 1,3 Milliarden US-Dollar Börsenwert — ein Nebenwert mit entsprechendem Liquiditätsrisiko.

Ein menschliches Fazit

Kehren wir zur Summen-Falle zurück. Die 95,6 Prozent sind keine Erfindung und kein Trick — sie stehen wörtlich im Bericht an die SEC, sie sind geprüft, und sie beschreiben einen Versicherer, der heute klar besser dasteht als 2023. Nur beschreiben sie eben nicht das, was man auf den ersten Blick hineinliest. Der größte Einzelbeitrag zur Verbesserung kam aus der Verwaltung, ein weiterer vom Wetter, und ausgerechnet der Teil, der das laufende Versicherungsgeschäft misst, ging in die andere Richtung. Dazu kommt: Ein guter Teil des Prämienwachstums entstand am Verhandlungstisch mit Rückversicherern, nicht beim Kunden.

Das ist keine Geschichte von Blendwerk. Es ist die ganz normale Geschichte eines Versicherers in einem freundlichen Jahr — mit einem Vorstand, der die freundlichen Jahre nutzt, um mehr Risiko selbst zu behalten. Ob das klug war, entscheidet nicht die Absicht, sondern der nächste Hagelsturm. Die gute Nachricht: Der Termin für die nächste Zwischenprüfung steht. Am 3. August 2026 legt UFG die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor — das Quartal, in dem die Katastrophensaison in den Zahlen ankommt und in dem der höhere Selbstbehalt zum ersten Mal richtig arbeiten muss.

Wer hier kauft, kauft also nicht eine fertige Wende, sondern eine Wette darauf, dass ein Versicherer sein Handwerk beherrscht, wenn das Wetter nicht mehr mithilft. Wer wartet, verpasst womöglich den günstigen Einstieg, bekommt dafür aber eine echte Zahl statt einer Fortschreibung. Beides ist vertretbar. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Pflichtveröffentlichungen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können bis zur Wertlosigkeit fallen; bei einem Nebenwert mit rund 22,1 Millionen frei handelbaren Aktien kommt ein erhöhtes Liquiditätsrisiko hinzu. Bei Sach- und Unfallversicherern kann ein einzelnes Katastrophenereignis das Ergebnis mehrerer Jahre aufzehren. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den dort angegebenen Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in United Fire Group, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Sanierung über drei Jahre positiv
Die Schaden-Kosten-Quote fiel von 109,3 Prozent (2023) über 99,2 (2024) auf 94,8 Prozent (2025), das Ergebnis drehte von 29,7 Millionen US-Dollar Verlust auf 118,2 Millionen Gewinn. Der Buchwert je Aktie stieg von 30,80 US-Dollar (31.12.2024) auf 37,06 US-Dollar (31.03.2026). Auch die zugrunde liegende Quote verbesserte sich im Jahresvergleich von 97,1 auf 92,0 Prozent.
Qualität der Quartalsverbesserung negativ
Von den 3,8 Punkten Verbesserung im ersten Quartal 2026 kommen 3,0 aus der Kostenquote (34,9 statt 37,9 Prozent) und 1,3 aus weniger Katastrophen (3,7 statt 5,0 Punkte). Die zugrunde liegende Schadenquote stieg dagegen von 56,5 auf 57,0 Prozent. Den Kostenrückgang begründet der Bericht unter anderem mit einmaligen Aufwendungen der Vorperiode für ein neues Bestandsführungssystem.
Reserven und soziale Inflation negativ
Den Rückstellungen von 1,97 Milliarden US-Dollar (31.03.2026) steht ein Eigenkapital von 950,6 Millionen gegenüber. Der günstige Saldo von 5,2 Millionen im Jahr 2025 entsteht aus 22,3 Millionen günstig im Kfz-Geschäft und 10,0 Millionen in Feuer gegen nachteilige Entwicklung in der gewerblichen Haftpflicht — derselben Sparte, die 2023 mit 52,9 Millionen den Jahresverlust auslöste. Der Geschäftsbericht führt Prozessfinanzierung als eigenen Risikofaktor.
Eigenbehalt und Prämienqualität neutral
Zum 1. Januar 2026 stieg der Selbstbehalt des Kernvertrags von 3,0 auf 4,0 Millionen US-Dollar je Ereignis, der jährliche Aggregat-Selbstbehalt entfiel. Die abgegebene gezeichnete Prämie fiel im ersten Quartal 2026 um 33,4 Prozent auf 33,7 Millionen; damit erklärt sich rund die Hälfte des Nettoprämienwachstums von 12,4 Prozent, während direkt und übernommen gezeichnete Prämie zusammen nur um 6,4 Prozent wuchsen.
Kapital und Finanzierung neutral
Eigenkapital von 950,6 Millionen US-Dollar, Kapitalanlagen von 2,49 Milliarden mit 4,43 Prozent Durchschnittsrendite und ein ungenutzter Rahmen von 517,2 Millionen bei der FHLB Des Moines (alle Werte 31.03.2026). Dem stehen 146,3 Millionen langfristige Schulden gegenüber, darunter 100 Millionen Nennwert in Papieren, die der Bericht als „9 % UFG Notes" führt; der Zinsaufwand stieg von 3,3 (2023) auf 11,3 Millionen (2025).
Bewertung neutral
Rund 1,32 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 24. Juli 2026) entsprechen einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 1,3 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10 auf 4,96 US-Dollar Ergebnis je Aktie der letzten zwölf Monate. Für einen Versicherer unterhalb von 100 Prozent Schaden-Kosten-Quote ist das im Rahmen — bezahlt wird die Fortsetzung des Erreichten, nicht mehr. Die 52-Wochen-Spanne von 25,29 bis 54,42 US-Dollar zeigt, wie viel davon schon eingepreist wurde.

United Fire Group hat sich in drei Jahren aus einer Schaden-Kosten-Quote von 109,3 Prozent auf 94,8 Prozent gearbeitet und aus 29,7 Millionen US-Dollar Verlust 118,2 Millionen Gewinn gemacht — das ist echt und geprüft. Die 3,8 Punkte Verbesserung im ersten Quartal 2026 stammen aber zu 3,0 Punkten aus der Kostenquote, in der die Firma selbst einen Einmaleffekt des Vorjahres benennt, und zu 1,3 Punkten aus weniger Katastrophen; die zugrunde liegende Schadenquote stieg um 0,5 Punkte. Rund die Hälfte des Nettoprämienwachstums von 12,4 Prozent entsteht daraus, dass UFG seit dem 1. Januar 2026 mit einem Selbstbehalt von 4,0 statt 3,0 Millionen US-Dollar arbeitet und 33,4 Prozent weniger Prämie abgibt. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Die entscheidende Prüfung hat einen Termin: Am 3. August 2026 legt United Fire Group die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor — das erste Quartal mit voller Katastrophensaison unter dem auf 4,0 Millionen US-Dollar erhöhten Selbstbehalt. Drei Zeilen entscheiden dann über die These: die zugrunde liegende Schadenquote (Q1 2026: 57,0 Prozent), die abgegebene gezeichnete Prämie (Q1 2026: 33,7 Millionen US-Dollar) und die Tabelle der eigenen Aktienrückkäufe, in der seit 2023 eine Null steht. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Platz 24 im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl mit 81 Treffern), relatives Stärke-Rating 84 von 100, Stand 25. Juli 2026. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenstand: SEC-Zahlen per 31.12.2025 (Geschäftsbericht 10-K, eingereicht 26.02.2026) und 31.03.2026 (Quartalsbericht 10-Q, eingereicht 06.05.2026); Kennzahlen und Ergebnisüberraschungen mit Datenstand 24. Juli 2026. Nach dem Quartalsbericht wurden die Meldungen 8-K vom 20.05.2026, 26.05.2026 und 17.07.2026 ausgewertet.
  • Verwechslungsgefahr: United Fire Group, Inc. (UFCS, CIK 0000101199) hieß bis Februar 2012 United Fire & Casualty Company und ist nicht mit der US-Feuerwehrausrüstung-Branche oder mit gleichnamigen Regionalversicherern zu verwechseln. Die Tochter United Fire Lloyds ist ein texanischer Lloyds-Plan und hat nichts mit dem Londoner Markt zu tun — an dem UFG separat über McIntyre Cedar Corporate Member beteiligt ist.
  • Der Altman-Z-Wert aus den Fundamentaldaten (0,86) ist bei Versicherern ohne Aussagekraft, weil die Formel für Industriebetriebe entwickelt wurde; er wird in dieser Analyse genannt, aber nicht verwendet.

Häufige Fragen

United Fire Group, Inc. ist ein US-amerikanischer Sach- und Unfallversicherer mit Sitz in Cedar Rapids, Iowa, gegründet 1946. Versichert werden vor allem Gewerbekunden — Feuer und Sachschäden, Haftpflicht, Kraftfahrt, Unfallversicherung für Arbeitnehmer und Kautionen. Der Vertrieb läuft ausschließlich über rund 850 unabhängige Agenturen. Die Töchter sind in allen 50 Bundesstaaten zugelassen; am 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 846 Menschen.

Die Schaden-Kosten-Quote zeigt, wie viel von 100 US-Dollar Prämie für Schäden und Verwaltung draufgeht. Unter 100 verdient ein Versicherer am Versicherungsgeschäft, über 100 nur noch an den Kapitalanlagen. Bei United Fire Group lag sie 2023 bei 109,3 Prozent, 2024 bei 99,2 und 2025 bei 94,8 Prozent. Im ersten Quartal 2026 waren es 95,6 Prozent nach 99,4 Prozent im Vorjahresquartal.

Der Quartalsbericht zerlegt die 3,8 Punkte selbst: 3,0 Punkte kommen aus der Kostenquote (34,9 statt 37,9 Prozent), 1,3 Punkte aus geringeren Katastrophenschäden (3,7 statt 5,0 Punkte), die Reserveentwicklung war in beiden Quartalen neutral. Die zugrunde liegende Schadenquote — das Versicherungsgeschäft des laufenden Jahres — stieg dagegen von 56,5 auf 57,0 Prozent. Den Kostenrückgang erklärt die Firma unter anderem mit einmaligen Projektaufwendungen im Vorjahr.

Ja, seit 2024 wieder. Nach einem Verlust von 29,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 standen 2024 62,0 Millionen und 2025 118,2 Millionen US-Dollar Gewinn in den Büchern, bei Erlösen von 1,39 Milliarden. Das erste Quartal 2026 brachte 30,1 Millionen US-Dollar Gewinn nach 17,7 Millionen im Vorjahresquartal, das entspricht 1,15 US-Dollar je Aktie verwässert.

Zum 31. März 2026 lagen die Rückstellungen für Schäden und Regulierungsaufwand bei 1,97 Milliarden US-Dollar — gut das Doppelte des Eigenkapitals von 950,6 Millionen. 2025 ergab die Nachbewertung alter Jahre einen günstigen Saldo von 5,2 Millionen US-Dollar, der aber aus 22,3 Millionen günstig im Kfz-Geschäft und 10,0 Millionen in Feuer gegen nachteilige Entwicklung in der gewerblichen Haftpflicht entstand. 2023 lag die nachteilige Entwicklung bei 62,3 Millionen.

Zum 1. Januar 2026 hob United Fire Group den Selbstbehalt des Kernrückversicherungsvertrags von 3,0 auf 4,0 Millionen US-Dollar je Ereignis an und strich den jährlichen Aggregat-Selbstbehalt. Die Firma trägt damit mehr Risiko selbst und zahlt weniger Rückversicherungsprämie: Im ersten Quartal 2026 fiel die abgegebene gezeichnete Prämie um 33,4 Prozent auf 33,7 Millionen US-Dollar. In milden Quartalen verbessert das die Quote, in schadenreichen verschlechtert es sie.

Eine Dividende ja: Am 20. Mai 2026 beschloss der Verwaltungsrat 0,20 US-Dollar je Aktie und Quartal, zahlbar am 19. Juni 2026. In den Jahren 2023, 2024 und 2025 waren es jeweils 0,64 US-Dollar je Aktie. Zurückgekauft wurde dagegen nichts: In allen drei Jahren und im ersten Quartal 2026 kaufte die Firma keine einzige Aktie zurück — obwohl die Ermächtigung am 20. Mai 2026 auf 2 Millionen Aktien verdoppelt und bis 31. August 2028 verlängert wurde.

Gemessen an den üblichen Maßstäben der Branche liegt sie im Rahmen. Der Börsenwert von rund 1,32 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) entspricht bei einem Buchwert von 37,06 US-Dollar je Aktie einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,3 und bei 4,96 US-Dollar Ergebnis je Aktie der letzten zwölf Monate einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10. Zwei Analystenhäuser decken den Wert ab, mittleres Kursziel 51 US-Dollar. Der Altman-Z-Wert ist bei Versicherern ohne Aussagekraft.

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