Mueller Industries-Aktie: 1,4 Milliarden in der Kasse — und der Gewinn hängt an einer Spanne
Mueller Industries hat praktisch keine Schulden, 1,42 Milliarden US-Dollar Kasse und verdiente in den letzten zwölf Monaten 850,5 Millionen. Der Umsatz sprang im zweiten Quartal 2026 um 25,5 Prozent. Wir haben Jahresbericht und Quartalsbericht gelesen — und dort steht, woher dieses Plus kommt: aus höheren Verkaufspreisen, weil Kupfer teurer wurde. Die verkaufte Menge der Kernprodukte fiel 2025 um 212,0 Millionen US-Dollar, und die Bruttomarge sank im letzten Quartal von 31,0 auf 27,7 Prozent.
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Stell dir eine Wechselstube am Bahnhof vor. Sie kauft Euro an und verkauft Dollar. Was verdient sie? Nicht daran, wie viel Geld über den Tresen geht — sondern allein an der Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs. Wenn der Dollar sich verdoppelt, verdoppelt sich der Betrag auf dem Tresen. Der Verdienst der Wechselstube ändert sich dadurch um keinen Cent. Er ändert sich erst, wenn die Spanne breiter oder schmaler wird.
An dieses Bild muss man denken, wenn man Mueller Industries (NYSE: MLI) durchrechnet. Die Zahlen sind eindrucksvoll: praktisch keine Schulden, 1,42 Milliarden US-Dollar Kasse, ein Umsatzsprung von 25,5 Prozent im zweiten Quartal 2026, eine operative Marge von 23 Prozent. Deshalb machen wir einen Deal: Bevor du dich von dieser Datenlage überzeugen lässt, lesen wir gemeinsam, woher das Wachstum kommt. Die Antwort steht in den Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC, und sie ist unbequem. Am Ende entscheidest du selbst.
Damit du weißt, worauf wir hinauswollen, hier gleich das Spannungsfeld dieser Analyse: Die Bilanz von Mueller Industries ist echt, außergewöhnlich stark und bleibt. Das Umsatzwachstum ist etwas anderes, als es aussieht — es entsteht überwiegend daraus, dass Kupfer teurer geworden ist und die Preise weitergereicht werden. Merk dir diesen Satz: Mueller verkauft 2026 deutlich mehr Kupferrohr in Dollar und weniger davon in Metern.
Was Mueller Industries eigentlich macht
Mueller ist ein Metallverarbeiter, kein Bergbaukonzern. Das Unternehmen kauft Kupferkathode und Messingschrott am Weltmarkt, presst, zieht und formt daraus Rohre, Fittings, Stangen, Kabel und Ventile — und verkauft sie an Großhändler, Klimaanlagenhersteller und Baumärkte. Wer das Kupfer selbst aus dem Boden holt, ist eine ganz andere Firma mit einem ganz anderen Risikoprofil; ein Beispiel dafür haben wir uns bei Freeport-McMoRan angesehen. Für Mueller ist der Kupferpreis kein Erlös, sondern eine Kostenposition, die weitergereicht werden muss.
Das Unternehmen wurde am 3. Oktober 1990 in Delaware gegründet, sitzt in Collierville im US-Bundesstaat Tennessee und wird an der New Yorker Börse gehandelt. Es berichtet als normaler US-Emittent per Geschäftsbericht 10-K, Quartalsbericht 10-Q und Ad-hoc-Meldung 8-K. Das Geschäftsjahr endet nicht am 31. Dezember, sondern am letzten Samstag davor — das Jahr 2025 lief bis zum 27. Dezember 2025. Werke und Vertrieb liegen in den USA, Kanada, Mexiko, Großbritannien, Südkorea, im Nahen Osten und in China.
Drei Segmente teilen das Geschäft auf. Die Zahlen sind die des Geschäftsjahres 2025:
- Piping Systems — Kupferrohr, Fittings, Kältemittelleitungen, Stahlnippel. Umsatz 2.708,7 Millionen US-Dollar, operatives Ergebnis 772,3 Millionen. Das ist mit Abstand das Herzstück: knapp zwei Drittel des Umsatzes und vier Fünftel des Segmentergebnisses.
- Industrial Metals — Messingstangen, Aluminium- und Messingschmiedeteile, Strangpressteile, hochwertige Draht- und Kabellösungen. Umsatz 1.023,6 Millionen, operatives Ergebnis 105,0 Millionen. Deutlich dünnere Margen: Die Bruttomarge lag 2025 bei 16,0 Prozent.
- Climate — Kälteventile, Druckbehälter, Ventile für Druckgas, isolierte flexible Luftkanäle. Umsatz 497,9 Millionen, operatives Ergebnis 145,1 Millionen. Das kleinste, aber margenstärkste Segment.
Der Endmarkt ist im Kern der Bau. Das Unternehmen benennt das in seinem Jahresbericht selbst: Neubau von Ein- und Mehrfamilienhäusern, gewerbliche Bauprojekte, dazu Reparatur und Renovierung. Genau deshalb ist die zweite Zahl aus demselben Bericht so wichtig: Nach Angaben des US-Statistikamts wurden 2025 in den USA 1,36 Millionen Wohnungen begonnen — nach 1,37 Millionen im Jahr 2024. Der Bauhypothekenzins für 30 Jahre lag bei rund 6,60 Prozent nach 6,72 Prozent. Der Endmarkt steht also seitwärts.
Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht
Auf die Rechercheliste kam Mueller Industries über einen einzigen Filter: »QARP — Qualität zum fairen Preis«, dort Rang 7 der US-Auswahl (Datenstand 27. Juli 2026). Dieser Scanner ist streng, weil er fünf Bedingungen gleichzeitig verlangt — Qualität allein ist meist teuer, Billiges allein meist Schrott. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ den Filter »QARP — Qualität zum fairen Preis« öffnen, Land auf USA stellen und die Zeile MLI suchen. Und so schneidet die Aktie bei den fünf Hürden ab:
- Piotroski-F-Score mindestens 7 — MLI: 7 von 9. Diese Kennzahl zählt neun Ja/Nein-Fragen zu Ertrag, Bilanz und Effizienz zusammen.
- Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent — MLI: 28,3 Prozent. Gegenrechnung: 850,5 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn auf 3.547,8 Millionen Eigenkapital zum 27. Juni 2026 ergeben 24,0 Prozent; auf das durchschnittliche Eigenkapital der letzten vier Quartale gerechnet rund 26 Prozent. Die Hürde fällt in jeder Lesart deutlich.
- Operative Marge mindestens 10 Prozent — MLI: mit weitem Abstand erfüllt. 2025 blieben von 4.178,5 Millionen US-Dollar Umsatz 958,5 Millionen operatives Ergebnis, also 22,9 Prozent; auf Zwölfmonatssicht 23,0 Prozent.
- Verschuldungsgrad höchstens 1 — MLI: praktisch null. Am 27. Juni 2026 standen 5,2 Millionen US-Dollar Schulden gegen 3.547,8 Millionen Eigenkapital. Zum Jahresende 2025 gab es überhaupt keine Schulden.
- Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — MLI: 16,8. Das ist die Hürde, die man sich genau ansehen muss, und darum geht es weiter unten.
Ergänzend führt der Datenbestand ein Fundamental-Rating von 71 (Note B), einen Börsenwert von rund 14,9 Milliarden US-Dollar und eine Dreijahresrendite von 79,3 Prozent pro Jahr. Ein Scanner beschreibt aber immer, was war. Dass alle fünf Hürden gleichzeitig fallen, ist ein echtes Qualitätssignal — nur sagt es nichts darüber, wie lange die Marge hält, auf der vier dieser fünf Kennzahlen beruhen. Also schauen wir uns die Zahlen an.
Die Zahlen über die Jahre — ein Unternehmen, das 2021 ein anderes wurde
Wer verstehen will, wie sehr dieses Geschäft an der Spanne hängt, braucht nur zwei Jahre zu vergleichen. 2019 machte Mueller Industries 2.430,6 Millionen US-Dollar Umsatz und daraus 191,4 Millionen operatives Ergebnis — eine Marge von 7,9 Prozent. 2025 waren es 4.178,5 Millionen Umsatz und 958,5 Millionen operatives Ergebnis, also 22,9 Prozent. Der Umsatz hat sich nicht ganz verdoppelt, das operative Ergebnis verfünffacht.
Der Bruch liegt im Jahr 2021. Davor lag die operative Marge bei 7,9 (2019) und 10,2 Prozent (2020). Danach bei 17,4 (2021), 22,0 (2022), 22,1 (2023), 20,4 (2024) und 22,9 Prozent (2025). Das ist kein sanfter Trend, das ist ein Niveauwechsel. Ausgelöst wurde er durch die Nachwirkungen der Pandemie: unterbrochene Lieferketten, knappe Ware, ein Bauboom bei niedrigen Zinsen — und damit Verkaufspreise, die schneller stiegen als die Rohstoffkosten. Genau das ist eine breitere Spanne.
Die aktuellen Quartalszahlen setzen den Trend zunächst fort. Im zweiten Quartal 2026 (Geschäftsjahresquartal zum 27. Juni 2026) stieg der Umsatz um 25,5 Prozent auf 1.427,9 Millionen US-Dollar, das operative Ergebnis um 1,9 Prozent auf 310,0 Millionen, der Nettogewinn um 1,5 Prozent auf 249,7 Millionen. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 2.620,9 Millionen Umsatz (plus 22,6 Prozent) und 622,2 Millionen operatives Ergebnis (plus 21,9 Prozent). Wer genau hinsieht, bemerkt schon hier die Schere: Der Umsatz wächst im zweiten Quartal fast dreizehnmal so schnell wie das Ergebnis.
Die Bilanz — hier ist nichts zu holen für einen Pessimisten
Beginnen wir mit dem, was nicht von der Spanne abhängt. Mueller Industries hatte zum 27. Juni 2026 exakt 5,2 Millionen US-Dollar Finanzschulden — nach eigener Angabe 0,1 Prozent der Gesamtkapitalisierung, und selbst diese Restschuld stammt aus einem Zukauf. Am Jahresende 2025 war die Zeile schlicht leer. Dem stehen 1.388,7 Millionen US-Dollar Kasse und 27,2 Millionen kurzfristige Anlagen gegenüber, zusammen 1,42 Milliarden US-Dollar. Von 4.257,3 Millionen Bilanzsumme sind nur 683,3 Millionen überhaupt Verbindlichkeiten, der Rest ist Eigenkapital (3.547,8 Millionen zuzüglich 26,3 Millionen Anteile Dritter).
Wie ungewöhnlich das ist, sieht man am Zinsergebnis: Im zweiten Quartal 2026 zahlte Mueller Industries 134.000 US-Dollar Zinsen und kassierte 11,0 Millionen. Das Unternehmen verdient an seiner Kasse rund das Achtzigfache dessen, was es seinen Banken schuldet. Und die Kreditlinie sagt viel über das Selbstverständnis: Im März 2026 wurde der alte Vertrag durch einen neuen ersetzt — über 100 Millionen US-Dollar, unbesichert, Laufzeit bis 27. März 2031. Der alte Rahmen lautete auf 400 Millionen. Ein Konzern mit knapp 15 Milliarden Börsenwert hat seine Kreditlinie also auf ein Viertel geschrumpft, weil er sie nicht braucht.
Wer den Altman-Z″-Wert sehen will, die Insolvenz-Frühwarnzahl aus vier Bilanzkennzahlen (unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Die Bilanz trägt die Formel hier problemlos, weil sie sauber in kurz- und langfristig gegliedert ist. Unsere Nachrechnung zum 27. Dezember 2025 ergibt einen Wert von rund 15,4 — weit jenseits der sicheren Zone. Man muss aber wissen, wovon dieser Wert lebt: 6,8 der 15,4 Punkte kommen allein aus dem Verhältnis von Eigenkapital zu Verbindlichkeiten (6,5-fach), weitere 3,3 aus einbehaltenen Gewinnen von 3.761,6 Millionen US-Dollar. Der Wert sagt: Diese Bilanz kann nicht pleitegehen. Er sagt nichts darüber, ob die Marge hält. Und genau das ist bei Mueller Industries die Frage.
Die unbequemen Wahrheiten
Bei einer schuldenfreien, hochprofitablen Firma sind die unbequemen Wahrheiten keine Existenzfragen. Aber man muss sie kennen, um den Preis zu verstehen. Vier Dinge sollte man gelesen haben.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn ist eine Spanne, und das Unternehmen sagt es selbst
Hier kehrt die Wechselstube als handfester Beleg zurück. Im Lagebericht des Jahresberichts 2025 steht ein Absatz, den man zweimal lesen sollte:
„Profitability of certain of our product lines depends upon the ‚spreads‘ between the cost of raw material and the selling prices of our products. The open market prices for copper cathode and copper and brass scrap, for example, influence the selling price of copper tube and brass rod, two principal products manufactured by the Company. … Our earnings and cash flow are dependent upon these spreads that fluctuate based upon market conditions.“
Übersetzung: „Die Rentabilität bestimmter unserer Produktlinien hängt von den ‚Spannen‘ zwischen den Rohstoffkosten und den Verkaufspreisen unserer Produkte ab. Die freien Marktpreise für Kupferkathode sowie Kupfer- und Messingschrott beeinflussen zum Beispiel den Verkaufspreis von Kupferrohr und Messingstangen, zwei Hauptprodukten des Unternehmens. … Unser Ergebnis und unser Zahlungsstrom hängen von diesen Spannen ab, die je nach Marktlage schwanken.“
— Mueller Industries, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Lagebericht (MD&A)
Warum das zählt: Der COMEX-Kupferpreis lag im Durchschnitt bei 3,86 US-Dollar je Pfund (2023), 4,22 (2024), 4,81 (2025) — und im zweiten Quartal 2026 bei 6,16 US-Dollar, ein Plus von 30,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Jeder dieser Dollar wandert erst in die Kostenrechnung und dann in den Verkaufspreis. Der Umsatz wächst dadurch automatisch mit. Über den Verdienst sagt das nichts — genau wie beim Geldwechsler.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Umsatzplus kommt vom Preis, die Menge schrumpft
Nun zur Gegenprobe. Der Jahresbericht 2025 schlüsselt den Umsatzanstieg von 10,9 Prozent selbst auf, und die Aufteilung ist ernüchternd: plus 336,9 Millionen US-Dollar aus höheren Verkaufspreisen, plus 208,1 Millionen aus dem im Juni 2024 zugekauften Kabelhersteller Nehring, plus 41,5 Millionen aus Randprodukten, plus 35,1 Millionen aus dem im August 2024 zugekauften Fittinghersteller Elkhart — und minus 212,0 Millionen US-Dollar aus geringerer verkaufter Menge in den Kernprodukten.
Man muss das nüchtern lesen: Ohne den Preiseffekt und ohne die beiden Zukäufe wäre der Umsatz 2025 gesunken. Im ersten Halbjahr 2026 wiederholt sich das Muster — plus 400,7 Millionen US-Dollar aus höheren Verkaufspreisen, minus 13,0 Millionen aus geringerer Menge. Nur im zweiten Quartal drehte die Menge erstmals leicht ins Plus (17,4 Millionen), getragen von Messingstangen und Kabeln, während die Menge bei Kupferrohr weiter um 15,9 Millionen fiel. Dasselbe Muster — mehr Umsatz, kaum mehr Ware — haben wir beim Bodenbelag-Hersteller Mohawk Industries gesehen, der am selben US-Bau- und Renovierungsmarkt hängt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Spanne wird bereits enger
Und jetzt kommt die Zahl, die diese Analyse trägt. Wenn der Gewinn an der Spanne hängt, muss man die Spanne messen — und dafür gibt es eine saubere Kennzahl: die Bruttomarge. Sie lag im zweiten Quartal 2026 bei 27,7 Prozent nach 31,0 Prozent im Vorjahresquartal. Im Segment Piping Systems, dem Herzstück, fiel sie von 34,1 auf 30,4 Prozent.
„Gross margin as a percentage of sales was 27.7 percent compared with 31.0 percent in the prior year quarter.“
Übersetzung: „Die Bruttomarge betrug 27,7 Prozent vom Umsatz gegenüber 31,0 Prozent im Vorjahresquartal.“
— Mueller Industries, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27.06.2026, Lagebericht (MD&A)
Was das bedeutet, zeigt eine einzige Segmentzeile: Bei Piping Systems stieg der Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 27,3 Prozent — und das operative Ergebnis fiel um 0,8 Prozent. Mehr Dollar über den Tresen, kein zusätzlicher Verdienst. Fairerweise gehört dazu: Im Vorjahresquartal steckte in dieser Zeile ein Versicherungsgewinn von 36,3 Millionen US-Dollar aus einem Tornadoschaden von 2023. Rechnet man den heraus, stieg das operative Konzernergebnis um 15,7 Prozent statt um 1,9 Prozent. Aber auch das bleibt deutlich unter den 25,5 Prozent Umsatzwachstum.
Dazu ein struktureller Punkt, den Mueller in jedem Bericht selbst benennt: Kunststoff ersetzt Kupfer. Das ist keine Vermutung, sondern eine Selbstauskunft:
„For plumbing systems, plastics are the primary substitute product; these products represent an increasing share of consumption. For certain air-conditioning and refrigeration applications, aluminum-based systems are the primary substitution threat.“
Übersetzung: „Bei Sanitärsystemen sind Kunststoffe das wichtigste Ersatzprodukt; diese Produkte machen einen wachsenden Anteil des Verbrauchs aus. Bei bestimmten Klima- und Kälteanwendungen sind aluminiumbasierte Systeme die wichtigste Substitutionsgefahr.“
— Mueller Industries, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27.06.2026, Lagebericht (Überblick)
Das erklärt den Mengenrückgang besser als jede Konjunkturdeutung: Ein Teil der verlorenen Meter kommt nicht zurück, weil im Neubau statt Kupfer Kunststoff verlegt wird.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Bei den Zöllen weiß derzeit niemand, was gilt
Der vierte Punkt ist keine Bilanzfrage, sondern eine Rechtslage — und sie ist ungewöhnlich frisch. Am 20. Februar 2026 hat der Oberste Gerichtshof der USA einen Teil der bisherigen Zölle gekippt, weil sie auf eine Notstandsermächtigung gestützt waren, die dafür nicht trägt. Die Regierung kündigte daraufhin an, andere Rechtsgrundlagen zu nutzen, und verhängte neue Zölle auf Einfuhren aus allen Ländern. Mueller schreibt dazu in seinen Risikofaktoren:
„Further, on February 20, 2026, the United States Supreme Court issued a ruling striking down certain tariffs previously imposed under the International Emergency Economic Powers Act (IEEPA). … There remains substantial uncertainty regarding the duration of existing and newly announced tariffs, potential changes or pauses to such tariffs, tariff levels, and whether further additional tariffs or other retaliatory actions may be imposed, modified, or suspended.“
Übersetzung: „Ferner hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am 20. Februar 2026 eine Entscheidung erlassen, die bestimmte zuvor auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act verhängte Zölle aufhebt. … Es besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit über die Dauer bestehender und neu angekündigter Zölle, mögliche Änderungen oder Aussetzungen, die Zollhöhe und darüber, ob weitere Zölle oder andere Vergeltungsmaßnahmen verhängt, geändert oder ausgesetzt werden.“
— Mueller Industries, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Item 1A (Risk Factors)
Für Mueller schneidet das in beide Richtungen. Als überwiegend in den USA produzierender Hersteller profitiert das Unternehmen davon, wenn ausländisches Kupferrohr verteuert wird — so wie es bei Aluminium beim US-Hüttenbetreiber Century Aluminum zu beobachten war, dessen Bruttomarge durch die 50-Prozent-Zölle regelrecht explodierte. Zugleich verteuern Zölle die eingekauften Rohstoffe und Vorprodukte und können die Kunden treffen. Der Bericht schreibt es unverblümt: Zölle „könnten die Bruttomarge, die das Unternehmen mit seinen Produkten erzielt, beeinträchtigen“. Und ein konkreter Altfall ist offen: Am 8. April 2026 forderte die US-Zollbehörde von der Tochter Southland rund 5,1 Millionen US-Dollar Antidumping-Zölle und Zinsen aus Einfuhren der Jahre 2007/2008 — bezifferbar klein, aber ein Beleg dafür, wie lang solche Verfahren laufen.
Was das Unternehmen mit dem Geld macht
Mueller hat den Ertragsboom nicht verprasst, sondern in drei Kanäle gelenkt. Erstens Zukäufe: 2024 gingen 602,7 Millionen US-Dollar an den Kabelhersteller Nehring und den Fittinghersteller Elkhart. Am 30. März 2026 kam für 138,3 Millionen der Kupferrohrhersteller Bison Metals Technologies aus Shawnee/Oklahoma dazu, am 12. Juni 2026 für 3,9 Millionen Anlagen des Strangpressers Chicago Extruded Metals. Alles aus vorhandener Kasse, ohne einen Dollar Fremdkapital. Vorstandschef Greg Christopher sagte dazu im Quartalsbericht, Bison habe „bereits ein Rekord-Zweitquartal geliefert“.
Zweitens Verkäufe: Im ersten Quartal 2026 trennte sich Mueller vom Geschäftsbereich Sherwood — 57,0 Millionen US-Dollar Erlös, 41,4 Millionen Buchgewinn. Dieser Gewinn steckt im ausgewiesenen Halbjahresergebnis und ist keine laufende Ertragskraft; wer die operative Entwicklung messen will, muss ihn herausrechnen. Dasselbe gilt für 2025: In den 958,5 Millionen operativem Ergebnis stecken 41,1 Millionen Versicherungsgewinn aus dem Tornadoschaden und 25,9 Millionen Gewinne aus Anlagenverkäufen — zusammen rund 7 Prozent des operativen Ergebnisses.
Drittens Rückflüsse an die Aktionäre. Die Quartalsdividende stieg — in heutiger, splitbereinigter Rechnung — von 7,5 Cent (2023) über 10 Cent (2024) und 12,5 Cent (2025) auf 17,5 Cent je Aktie in den ersten beiden Quartalen 2026, ein Plus von 40 Prozent binnen eines Jahres. Aufs Jahr sind das 70 Cent; bei dem aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis abgeleiteten Kurs von rund 64,50 US-Dollar entspricht das gut 1,1 Prozent Rendite. Dazu kommen Aktienrückkäufe: 243,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, weitere 76,4 Millionen im ersten Halbjahr 2026. Die Freigabe der Verwaltung umfasst bis zu 80 Millionen Aktien (splitbereinigt); seit der ersten Ermächtigung 1999 wurden 39,2 Millionen zurückgekauft.
Am 29. Juni 2026 wurde die Aktie zudem im Verhältnis zwei zu eins geteilt; seit dem 1. Juli 2026 wird splitbereinigt gehandelt, die genehmigte Aktienzahl stieg von 250 auf 500 Millionen. Ein Split verändert am Unternehmenswert nichts — er ist nur der Grund, warum ältere Kurs- und Gewinnangaben zu MLI ohne Umrechnung nicht mit den heutigen vergleichbar sind.
Bewertung — warum ein KGV von 16,8 hier kein Schnäppchenpreis ist
Jetzt zur Kernfrage. Der Datenbestand führt für Mueller Industries ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 und einen Börsenwert von rund 14,9 Milliarden US-Dollar. Fangen wir mit der Gegenprobe an, weil Börsenwerte nach Kapitalmaßnahmen oft falsch stehen. Am 17. Juli 2026 waren laut Deckblatt des Quartalsberichts 221.181.388 Aktien ausstehend. Der Zwölfmonatsgewinn je Aktie beträgt 3,84 US-Dollar (3,43 für 2025 splitbereinigt, minus 1,80 für das erste Halbjahr 2025, plus 2,21 für das erste Halbjahr 2026). Aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 folgt daraus ein Kurs von rund 64,50 US-Dollar und ein Börsenwert von rund 14,3 Milliarden US-Dollar. Der Datenbestand liegt also rund 0,6 Milliarden oder gut vier Prozent darüber — eine Abweichung, wie sie unterschiedliche Kursstichtage erzeugen. Entscheidend ist etwas anderes: Der Aktiensplit vom 29. Juni 2026 ist verarbeitet. Wäre er es nicht, stünde dort rund die Hälfte.
Und nun zur Falle. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 klingt bei dieser Bilanzqualität moderat. Es ist aber eine Aussage über die Haltbarkeit des Nenners. Der Gewinn der letzten zwölf Monate ruht auf einer operativen Marge von 23,0 Prozent — dem höchsten Niveau der Firmengeschichte, 5,4 Prozentpunkte über dem eigenen Mittelwert seit 2019. Rechnen wir durch, was passiert, wenn diese Marge zurückfällt:
- Heute (zwölf Monate bis 27.06.2026): Umsatz 4.661,1 Millionen US-Dollar, operatives Ergebnis 1.070,3 Millionen, Marge 23,0 Prozent, Gewinn je Aktie 3,84 US-Dollar — bei rund 64,50 US-Dollar Kurs ein KGV von 16,8.
- Rückfall auf den Siebenjahres-Mittelwert (17,6 Prozent, Zeitraum 2019 bis 2025): operatives Ergebnis 819,0 Millionen, nach dem Steuersatz von 24,4 Prozent rund 2,99 US-Dollar Gewinn je Aktie — dasselbe Unternehmen, derselbe Kurs, KGV 21,6.
- Rückfall auf das Niveau vor dem Boom (Durchschnitt 2019/2020: 9,1 Prozent): rund 1,63 US-Dollar Gewinn je Aktie, KGV rund 40.
Drei Zahlen, ein Unternehmen, ein Bewertungsunterschied um den Faktor zwei bis zweieinhalb — je nachdem, welche Marge man für „normal“ hält. Die ehrliche Formulierung lautet deshalb nicht „Mueller Industries ist günstig“, sondern: Mueller Industries ist günstig, falls die Spanne so breit bleibt, wie sie ist. Und die Bruttomarge des letzten Quartals sagt, dass sie es gerade nicht tut. Wie schnell so etwas gehen kann, zeigt der US-Stahlkocher Nucor, dessen Gewinn seit 2022 um rund drei Viertel gefallen ist — bei einer Firma, deren Bilanz ebenfalls nie zur Debatte stand.
Gegen die reine Zyklus-Skepsis stehen drei belegbare Argumente. Erstens war Mueller Industries in jedem einzelnen Jahr seit mindestens 2009 profitabel — auch 2009 selbst, im Tiefpunkt der Finanzkrise, mit 4,7 Millionen US-Dollar Nettogewinn, und 2019 mit 101,0 Millionen. Zweitens deckt die Kasse von 1,42 Milliarden mehr als anderthalb Jahresgewinne selbst auf dem schwachen Niveau von 2019/2020 ab. Drittens vergrößert das Unternehmen seine Basis gerade um Bereiche mit anderer Preislogik — Kabel, Strangpressteile, Kälteventile. Wer hier kauft, riskiert also seinen Einstiegspreis, nicht das Unternehmen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Mueller Industries spricht:
- Bilanz ohne Angriffsfläche: 5,2 Millionen US-Dollar Schulden gegen 1,42 Milliarden Kasse und kurzfristige Anlagen (27.06.2026); 3.547,8 Millionen Eigenkapital bei 683,3 Millionen Verbindlichkeiten. Das Unternehmen kassierte im zweiten Quartal 11,0 Millionen Zinsen und zahlte 134.000.
- Hohe Ertragskraft über den ganzen Zyklus: operative Marge 23,0 Prozent auf Zwölfmonatssicht, Eigenkapitalrendite 24 bis 28 Prozent, Nettogewinn 850,5 Millionen US-Dollar — und in jedem Jahr seit mindestens 2009 ein positives Ergebnis.
- Wachsende Ausschüttung ohne Fremdkapital: Quartalsdividende splitbereinigt von 7,5 Cent (2023) auf 17,5 Cent (2026), dazu 243,6 Millionen US-Dollar Rückkäufe 2025 und 76,4 Millionen im ersten Halbjahr 2026.
- Zukäufe aus der Kasse: 602,7 Millionen für Nehring und Elkhart (2024), 138,3 Millionen für Bison (30.03.2026), 3,9 Millionen für Anlagen von Chicago Extruded (12.06.2026) — ohne einen Dollar Kredit, bei einer ungenutzten Kreditlinie von nur 100 Millionen.
Was dagegen spricht:
- Der Gewinn ist eine Spanne: Das Unternehmen schreibt selbst, Ergebnis und Zahlungsstrom hingen von den „spreads“ zwischen Rohstoffkosten und Verkaufspreisen ab. Der Kupferpreis stieg von 3,86 US-Dollar je Pfund (2023) auf 6,16 im zweiten Quartal 2026 — er kann ebenso wieder fallen.
- Die Spanne wird bereits enger: Bruttomarge im zweiten Quartal 2026 bei 27,7 Prozent nach 31,0 Prozent, bei Piping Systems 30,4 nach 34,1 Prozent. Der Segmentumsatz stieg dort um 27,3 Prozent, das Segmentergebnis fiel um 0,8 Prozent.
- Menge statt Preis: 2025 wuchs der Umsatz um 336,9 Millionen US-Dollar aus höheren Preisen und 243,2 Millionen aus Zukäufen, während die verkaufte Menge der Kernprodukte um 212,0 Millionen fiel. Kunststoff gewinnt laut Unternehmen dauerhaft Anteile bei Sanitärsystemen.
- Bewertungsfalle am Margengipfel: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 steigt rechnerisch auf 21,6, wenn die operative Marge auf ihren Siebenjahres-Mittelwert von 17,6 Prozent zurückfällt, und auf rund 40 beim Niveau von 2019/2020.
- Einmaleffekte im ausgewiesenen Ergebnis: 41,1 Millionen US-Dollar Versicherungsgewinn und 25,9 Millionen Anlagenverkäufe im Jahr 2025, dazu 41,4 Millionen Buchgewinn aus dem Verkauf von Sherwood im ersten Quartal 2026.
- Ungeklärte Zolllage seit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 20. Februar 2026 — mit offener Wirkung in beide Richtungen; dazu eine Zollnachforderung von 5,1 Millionen US-Dollar an die Tochter Southland vom 8. April 2026.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an die Wechselstube vom Anfang — den Laden, dessen Umsatz sich verdoppelt, wenn sich der Wechselkurs verdoppelt, ohne dass der Wechsler einen Cent mehr verdient? Nach dem Blick in die Berichte weißt du jetzt, warum das Bild hier passt: Mueller Industries meldet für das zweite Quartal 2026 ein Umsatzplus von 25,5 Prozent und ein Ergebnisplus von 1,9 Prozent. Beide Zahlen stimmen. Sie beschreiben nur nicht dasselbe.
Und doch wäre es unfair, die Geschichte dabei zu belassen. Denn dieses Unternehmen hat aus dem Boom etwas gemacht, was in dieser Branche selten ist: Es hat sich nicht verschuldet, es hat die Kasse von 88 Millionen US-Dollar (2021) auf 1,39 Milliarden gefüllt, es kauft Firmen bar, es hebt die Dividende jedes Jahr, und es hat seine Kreditlinie von 400 auf 100 Millionen zusammengestrichen, weil es sie nicht braucht. Wenn die Spanne enger wird — und sie wird gerade enger —, dann trifft das den Gewinn und den Kurs, aber nicht die Existenz. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Preisrisiko und einem Substanzrisiko.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Wenn wir die Funde ehrlich gewichten, steht am Ende ein sehr gutes Unternehmen zu einem Preis, der eine Spitzenmarge einrechnet. Deshalb ist das hier ausdrücklich keine Warnung — die Firma ist stark —, sondern eine Beobachtungslage. Und sie ist ausnahmsweise leicht zu verfolgen: In jedem Quartalsbericht steht ein einziger Satz mit der Bruttomarge. Bleibt sie bei 30 Prozent oder darüber, trägt die Bewertung. Rutscht sie in Richtung 25 Prozent, ist aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,8 unbemerkt eines über 20 geworden, ohne dass sich am Kurs etwas ändern muss. Der Geldwechsler zählt nicht die Scheine. Er misst die Spanne. Du kannst es nachlesen.
Quellen
- Mueller Industries, Inc. — SEC-Jahresbericht 10-K, Geschäftsjahr 2025 (per 27.12.2025, eingereicht 25.02.2026)
- Mueller Industries, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27.06.2026 (eingereicht 22.07.2026)
- Mueller Industries, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 21.07.2026, Exhibit 99.1 (Ergebnisbericht zweites Quartal 2026)
- Mueller Industries, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 30.03.2026 (neuer Kreditvertrag über 100 Mio. US-Dollar bis 2031)
- Mueller Industries, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 01.07.2026 (Aktiensplit zwei zu eins, wirksam 29.06.2026)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Bewertung, Jahres- und Quartalsreihe); hauseigener Aktien-Scanner, Datenstand 27. Juli 2026.
Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung. Er stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar und kann persönliche Umstände nicht berücksichtigen. Aktien unterliegen Kursschwankungen; ein Totalverlust ist möglich. Triff deine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ziehe im Zweifel unabhängigen Rat hinzu.
Unser Fazit auf einen Blick
- Bilanz & Liquidität positiv
- Zum 27. Juni 2026 stehen 5,2 Millionen US-Dollar Finanzschulden — nach eigener Angabe 0,1 Prozent der Gesamtkapitalisierung — gegen 1.388,7 Millionen Kasse und 27,2 Millionen kurzfristige Anlagen. Von 4.257,3 Millionen Bilanzsumme sind nur 683,3 Millionen Verbindlichkeiten, das Eigenkapital beträgt 3.547,8 Millionen. Im zweiten Quartal 2026 standen 11,0 Millionen Zinsertrag gegen 134.000 US-Dollar Zinsaufwand. Die im März 2026 neu abgeschlossene Kreditlinie umfasst nur noch 100 Millionen statt zuvor 400 Millionen und war ungenutzt (10-K 2025, 10-Q zum 27.06.2026, 8-K vom 30.03.2026).
- Ertragslage & Spanne neutral
- Das Kernthema: Das Unternehmen schreibt selbst, Ergebnis und Zahlungsstrom hingen von den Spannen zwischen Rohstoffkosten und Verkaufspreisen ab. Die operative Marge stieg von 7,9 Prozent (2019) auf 22,9 Prozent (2025) und 23,0 Prozent auf Zwölfmonatssicht — der Siebenjahres-Mittelwert liegt bei 17,6 Prozent. Zugleich fiel die Bruttomarge im zweiten Quartal 2026 auf 27,7 Prozent nach 31,0 Prozent, bei Piping Systems von 34,1 auf 30,4 Prozent. Dort stieg der Umsatz um 27,3 Prozent, das Segmentergebnis fiel um 0,8 Prozent.
- Wachstum & Menge negativ
- Der Umsatz wächst am Preis, nicht an der Menge. 2025 kamen von 409,8 Millionen US-Dollar Umsatzplus 336,9 Millionen aus höheren Verkaufspreisen und 243,2 Millionen aus den Zukäufen Nehring und Elkhart, während die verkaufte Menge der Kernprodukte um 212,0 Millionen fiel. Im ersten Halbjahr 2026 standen 400,7 Millionen Preiseffekt gegen minus 13,0 Millionen Menge. Der Endmarkt stagniert (1,36 Millionen US-Wohnungsbaubeginne 2025 nach 1,37 Millionen), und das Unternehmen benennt Kunststoff als Ersatzprodukt mit „wachsendem Anteil des Verbrauchs“.
- Bewertung neutral
- Kurs-Gewinn-Verhältnis 16,8 auf einen Zwölfmonatsgewinn von 3,84 US-Dollar je Aktie, Eigenkapitalrendite 28,3 Prozent laut Datenbestand (eigene Gegenrechnung 24,0 Prozent auf das Eigenkapital zum 27.06.2026), operative Marge 23,0 Prozent. Rechnet man dagegen mit dem Siebenjahres-Mittelwert der Marge von 17,6 Prozent, ergeben sich rund 2,99 US-Dollar Gewinn je Aktie und ein KGV von 21,6; auf dem Niveau von 2019/2020 rund 40. Die Kennzahl misst hier die Haltbarkeit der Marge, nicht den Preis der Substanz.
- Kapitalrückführung positiv
- Die Quartalsdividende stieg splitbereinigt von 7,5 Cent (2023) über 10 Cent (2024) und 12,5 Cent (2025) auf 17,5 Cent je Aktie in den ersten beiden Quartalen 2026, ein Plus von 40 Prozent binnen eines Jahres. Dazu Rückkäufe von 243,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 und 76,4 Millionen im ersten Halbjahr 2026; seit 1999 wurden 39,2 der freigegebenen 80 Millionen Aktien zurückgekauft. Einschränkung: Die Freigabe der Verwaltung läuft im Juli 2026 aus und muss verlängert werden.
- Kapitalverwendung & Zukäufe positiv
- Alles aus der Kasse, ohne Fremdkapital: 602,7 Millionen US-Dollar für den Kabelhersteller Nehring und den Fittinghersteller Elkhart (2024), 138,3 Millionen für den Kupferrohrhersteller Bison Metals Technologies (30.03.2026) und 3,9 Millionen für Anlagen von Chicago Extruded Metals (12.06.2026). Verkauft wurde im ersten Quartal 2026 der Bereich Sherwood für 57,0 Millionen mit 41,4 Millionen Buchgewinn. Investitionen 68,8 Millionen (2025), geplant 80 bis 90 Millionen für 2026.
Mueller Industries stellt Kupferrohr, Fittings, Messingstangen und Kabel her und hat den Ertragsboom seit 2021 genutzt, um eine außergewöhnliche Bilanz aufzubauen: Zum 27. Juni 2026 stehen 5,2 Millionen US-Dollar Schulden gegen 1,42 Milliarden Kasse und kurzfristige Anlagen, das Eigenkapital von 3.547,8 Millionen trägt eine Bilanz mit nur 683,3 Millionen Verbindlichkeiten. Der Preis dieser Aktie hängt jedoch nicht an der Bilanz, sondern an der Spanne zwischen Kupfereinkauf und Rohrverkauf: 2025 kam das Umsatzplus zu 336,9 Millionen aus höheren Preisen und zu 243,2 Millionen aus Zukäufen, während die verkaufte Menge um 212,0 Millionen fiel — und die Bruttomarge sank im zweiten Quartal 2026 von 31,0 auf 27,7 Prozent. Auf das aktuelle Ergebnis gerechnet kostet die Aktie das 16,8-Fache des Gewinns; auf den Siebenjahres-Mittelwert der Marge gerechnet das 21,6-Fache. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Grün, weil die Firmenqualität in jedem einzelnen Punkt belegt ist und kein Befund dagegen steht. Bilanz: 5,2 Millionen US-Dollar Schulden — 0,1 Prozent der Gesamtkapitalisierung — gegen 1,42 Milliarden Kasse und kurzfristige Anlagen, 3.547,8 Millionen Eigenkapital bei nur 683,3 Millionen Verbindlichkeiten, Umlaufvermögen zu kurzfristigen Schulden 4,8 zu 1, Altman-Z″ nach eigener Nachrechnung rund 15,4 bei einer Sicherheitsschwelle von 2,6. Ertrag: operative Marge 23,0 Prozent auf Zwölfmonatssicht, Nettogewinn 850,5 Millionen, Eigenkapitalrendite 24 bis 28 Prozent — und ein positives Jahresergebnis in jedem Jahr seit mindestens 2009, einschließlich der Finanzkrise (4,7 Millionen im Jahr 2009) und des schwachen Jahres 2019 (101,0 Millionen). Kapitalverwendung: vier Zukäufe seit 2024 vollständig aus der Kasse, Kreditlinie von 400 auf 100 Millionen verkleinert, weil sie nicht gebraucht wird; Dividende splitbereinigt in drei Jahren von 7,5 auf 17,5 Cent je Quartal erhöht. Governance: nur eine Aktiengattung, kein beherrschender Aktionär, keine Doppelfunktionen, Hauptversammlung am 07.05.2026 mit reiner Routine, kein Fortführungszweifel, keine wesentliche Rechtsstreitigkeit über 5,1 Millionen US-Dollar hinaus. Die offenen Punkte dieser Analyse — Spannenabhängigkeit, schrumpfende Bruttomarge, stagnierender Endmarkt, Substitution durch Kunststoff — sind Fragen an die Haltbarkeit des Gewinnniveaus und damit an den Preis, nicht an die Substanz des Unternehmens. Sie schlagen sich deshalb im Urteil zur Aktie nieder, nicht in der Ampel zur Firma.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Mueller Industries über den Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis“ (Rang 7 der US-Auswahl, Datenstand 27. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (MLI: 7 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (28,3), operative Marge mindestens 10 Prozent (22,9 im Jahr 2025, 23,0 auf Zwölfmonatssicht), Verschuldungsgrad höchstens 1 (0,0015, weil 5,2 Millionen Schulden auf 3.547,8 Millionen Eigenkapital treffen) und ein positives KGV bis 20 (16,8). Ergänzend: Fundamental-Rating 71 (Note B), Dreijahresrendite 79,3 Prozent pro Jahr.
- Materialitäts-Gate (Fund-Typisierung): Abhängigkeit des Ergebnisses von der Spanne zwischen Kupfereinkauf und Produktverkauf, vom Unternehmen selbst als „spreads“ benannt = Preis-/Zyklik-Fund (drückt das Urteil zur Aktie, keine Existenzfrage). Rückgang der Bruttomarge von 31,0 auf 27,7 Prozent im zweiten Quartal 2026 bei zugleich 25,5 Prozent Umsatzwachstum = Preis-/Zyklik-Fund mit klar messbarem Umkehrpunkt. Umsatzplus 2025 aus Preis (336,9 Mio.) und Zukäufen (243,2 Mio.) bei fallender Menge (minus 212,0 Mio.) = Ertragsqualitäts-Fund, im Text herausgerechnet. Einmalgewinne im ausgewiesenen Ergebnis (41,1 Mio. Versicherung und 25,9 Mio. Anlagenverkäufe 2025, 41,4 Mio. Verkauf Sherwood in Q1 2026) = Ertragsqualitäts-Fund ohne Substanzwirkung. Substitution durch Kunststoff bei Sanitärsystemen = struktureller Nachfrage-Fund ohne beziffertes Maß. Kein Existenz-Fund, keine Governance-Auffälligkeit — deshalb Ampel Grün für die Firma und beobachten für die Aktie.
- Altman-Z″ (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Die Bilanz trägt die Formel, weil sie in kurz- und langfristige Posten gegliedert ist. Eigene Nachrechnung zum 27.12.2025 aus dem Jahresbericht: Nettoumlaufvermögen 2.032,6 Mio. und einbehaltene Gewinne 3.761,6 Mio. auf 3.733,0 Mio. Bilanzsumme, operatives Ergebnis 958,5 Mio., Eigenkapital 3.210,0 Mio. gegen 497,1 Mio. Verbindlichkeiten — Ergebnis rund 15,4, weit über der sicheren Zone. Einordnung: 6,8 der 15,4 Punkte stammen aus dem Verhältnis Eigenkapital zu Verbindlichkeiten (6,5-fach), 3,3 aus den einbehaltenen Gewinnen. Der Wert belegt die Insolvenzferne der Bilanz, nicht die Haltbarkeit der Marge.
- Börsenwert-Gegenprobe: Der Datenbestand führt rund 14,9 Milliarden US-Dollar. Laut Deckblatt des Quartalsberichts waren am 17.07.2026 genau 221.181.388 Aktien ausstehend; der Zwölfmonatsgewinn je Aktie beträgt 3,84 US-Dollar (3,43 für 2025 splitbereinigt, minus 1,80 für das erste Halbjahr 2025, plus 2,21 für das erste Halbjahr 2026). Aus dem ausgewiesenen KGV von 16,8 folgt ein Kurs von rund 64,50 US-Dollar und damit ein Börsenwert von rund 14,3 Milliarden — Abweichung zum Datenbestand rund vier Prozent oder 0,6 Milliarden, erklärbar über den Kursstichtag. Entscheidend: Der Aktiensplit zwei zu eins vom 29.06.2026 ist im Datenbestand verarbeitet; andernfalls stünde dort rund die Hälfte. Einzige durch die beiden Splits (2023 und Juni 2026) verzerrungsanfällige Kennzahl bleibt die Dreijahresrendite; belastbar sind die Bilanz- und Ertragszahlen aus den Berichten.
- Identität/Rechtsform: Mueller Industries, Inc. (CIK 89439, Commission File 1-6770), am 03.10.1990 in Delaware gegründet, Konzernsitz Collierville/Tennessee, Notierung an der NYSE. Berichtet als US-Emittent per 10-K, 10-Q und 8-K. Das Geschäftsjahr endet am letzten Samstag im Dezember (2025: 27.12.2025, 2026: 26.12.2026), Quartale umfassen 13 Wochen. Nicht verwechseln mit der deutschen Müller-Gruppe oder mit Mueller Water Products, Inc. (NYSE: MWA) — ein anderes, eigenständiges Unternehmen der Wasserinfrastruktur.
- Sonderlagen-Screening (EDGAR-Einreichungsindex CIK 89439): keine laufende Übernahme, kein Strategic Review, kein Rights Plan, keine aktive Aktivisten-Kampagne. Die letzte SC 13D/A stammt vom 31.10.2024 aus der GAMCO-/Gabelli-Gruppe; die dort gemeldeten Einzelanteile liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich (Gabelli Funds LLC 1,52 Prozent). Die Hauptversammlung am 07.05.2026 hatte ausschließlich Routine auf der Tagesordnung (Wahl von acht Direktoren, Bestätigung von Ernst & Young LLP als Prüfer, Vergütungsvotum). Der Ergebnisbericht für das dritte Quartal 2026 lag zum Datenstand noch nicht vor; im Vorjahr erschien er am 21.10.
- Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 27. Juli 2026, Bilanzzahlen auf den 27. Juni 2026. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Alle Angaben je Aktie sind auf den Aktiensplit zwei zu eins vom 29.06.2026 umgerechnet; das Unternehmen selbst weist die Vergleichszahlen des Vorjahres im Quartalsbericht ebenfalls splitbereinigt aus. Die Jahresreihe 2019 bis 2025 stammt aus den jeweiligen Jahresberichten; die Zwölfmonatswerte sind eigene Rechnung aus Jahresbericht 2025 zuzüglich erstem Halbjahr 2026 abzüglich erstem Halbjahr 2025.
Häufige Fragen
Mueller Industries, Inc. (NYSE: MLI) stellt Kupferrohr, Fittings, Kältemittelleitungen, Messingstangen, Schmiede- und Strangpressteile, Draht- und Kabellösungen sowie Kälteventile her. Berichtet wird in drei Segmenten: Piping Systems, Industrial Metals und Climate. Der Endmarkt ist überwiegend der US-Wohnungs- und Gewerbebau samt Reparatur und Renovierung.
Weil Kupfer der größte Kostenblock ist und die Verkaufspreise mit ihm schwanken. Der Jahresbericht 2025 schreibt, Ergebnis und Zahlungsstrom hingen von den Spannen zwischen Rohstoffkosten und Verkaufspreisen ab. Der COMEX-Kupferpreis lag 2023 bei durchschnittlich 3,86 US-Dollar je Pfund, 2025 bei 4,81 und im zweiten Quartal 2026 bei 6,16 US-Dollar.
Praktisch nicht. Zum 27. Juni 2026 wies die Bilanz 5,2 Millionen US-Dollar Schulden aus, nach eigener Angabe 0,1 Prozent der Gesamtkapitalisierung; zum Jahresende 2025 waren es null. Dem stehen 1.388,7 Millionen US-Dollar Kasse und 27,2 Millionen kurzfristige Anlagen gegenüber. Die Kreditlinie über 100 Millionen US-Dollar war ungenutzt.
Weil der Gewinn im Nenner auf einer Rekordmarge beruht. Die operative Marge liegt bei 23,0 Prozent gegenüber einem Siebenjahres-Mittelwert von 17,6 Prozent. Fällt sie auf diesen Mittelwert zurück, sinkt der Gewinn je Aktie rechnerisch von 3,84 auf rund 2,99 US-Dollar und das Kurs-Gewinn-Verhältnis steigt auf 21,6. Auf dem Niveau von 2019/2020 wären es rund 40.
In Dollar ja, in Menge kaum. 2025 stieg der Umsatz um 10,9 Prozent auf 4.178,5 Millionen US-Dollar: plus 336,9 Millionen aus höheren Verkaufspreisen und plus 243,2 Millionen aus den Zukäufen Nehring und Elkhart, aber minus 212,0 Millionen aus geringerer verkaufter Menge in den Kernprodukten. Ohne Preiseffekt und Zukäufe wäre der Umsatz gefallen.
Ja. Am 29. Juni 2026 wurde ein Aktiensplit im Verhältnis zwei zu eins wirksam, gehandelt wird splitbereinigt seit dem 1. Juli 2026. Die genehmigte Aktienzahl stieg dabei von 250 auf 500 Millionen. Am 17. Juli 2026 waren 221.181.388 Aktien ausstehend. Ältere Kurs-, Gewinn- und Dividendenangaben sind ohne Umrechnung nicht mit den heutigen vergleichbar.
Ja, vierteljährlich und steigend. Splitbereinigt waren es 7,5 Cent je Aktie im Jahr 2023, 10 Cent 2024, 12,5 Cent 2025 und 17,5 Cent in den ersten beiden Quartalen 2026. Aufs Jahr sind das 70 Cent. Zusätzlich kaufte das Unternehmen 2025 für 243,6 Millionen US-Dollar eigene Aktien zurück und im ersten Halbjahr 2026 für weitere 76,4 Millionen.
Am 30. März 2026 den Kupferrohrhersteller Bison Metals Technologies aus Shawnee/Oklahoma für rund 138,3 Millionen US-Dollar und am 12. Juni 2026 Anlagen des Strangpressers Chicago Extruded Metals für rund 3,9 Millionen. 2024 kamen der Kabelhersteller Nehring und der Fittinghersteller Elkhart für zusammen 602,7 Millionen dazu. Alles wurde aus der Kasse bezahlt.
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