Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Mohawk Industries: Acht Prozent mehr Umsatz — und fast nichts davon verkauft

Mohawk Industries: Acht Prozent mehr Umsatz — und fast nichts davon verkauft

Der weltgrößte Bodenbelag-Hersteller meldete für das erste Quartal 2026 ein Umsatzplus von 8,0 Prozent und einen um 61 Prozent höheren Gewinn. Liest man den Quartalsbericht bis zur Begründung, bleibt von der Wende wenig übrig: Rund 143 Millionen US-Dollar des Plus kamen aus mehr Liefertagen, 127 Millionen aus Wechselkursen, 50 Millionen aus einem Vorjahresvergleich — während das verkaufte Volumen um rund 100 Millionen sank. Der Gewinnsprung wiederum steht auf einer Steuerquote von minus 8,2 Prozent. Dahinter steckt trotzdem eine bemerkenswert solide Firma: 60,8 Prozent Eigenkapitalquote, ein Zinsaufwand, der sich in zwei Jahren geviertelt hat, und ein Kurs unter dem Buchwert. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wie viel von dieser Wende der Kalender gemacht hat.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (MHK)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Mohawk Industries: Acht Prozent mehr Umsatz — und fast nichts davon verkauft
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die uns jedes Frühjahr aufs Neue erwischt: die Erste-Schwalbe-Falle. Ein warmer Tag im März, und schon räumen wir die Winterjacke weg. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer — das weiß jeder, und trotzdem hält sich niemand daran. An der Börse heißt dieselbe Falle „Turnaround“: Ein einziges Quartal mit einem Pluszeichen, und die Geschichte vom Comeback schreibt sich von selbst. Genau so kam Mohawk Industries, Inc. (NYSE: MHK) auf unseren Tisch — als Wende-Kandidat mit 6 von 8 Punkten in unserer eigenen Checkliste. Machen wir also einen Deal: Wir freuen uns nicht über das Pluszeichen, wir lesen die Begründung darunter. Die Quelle sind die Berichte, die Mohawk der US-Börsenaufsicht SEC einreicht — der Geschäftsbericht (10-K) für 2025, der Quartalsbericht (10-Q) zum 4. April 2026 und drei Ad-hoc-Meldungen (Formular 8-K) aus dem Mai und Juni 2026. Diese Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen von einer Firma mit einer Bilanz wie eine Festung — und einem Quartalsplus, das zum größten Teil aus dem Kalender kommt. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Inhalt

Was Mohawk Industries eigentlich macht

Mohawk stellt her, worauf du gerade stehst. Teppich, Keramikfliesen, Laminat, Vinyl, Holzdielen, dazu Dämm- und Trägerplatten — das Unternehmen ist nach eigener Einschätzung der weltgrößte Bodenbelag-Hersteller. Der Geschäftsbericht 2025 formuliert es nüchtern: Produktion in 19 Ländern, Vertrieb in rund 180 Ländern, rund 40.500 Beschäftigte zum 31. Dezember 2025 — davon 15.600 in den USA, 13.600 in Europa und 11.300 in den übrigen Ländern. Der Sitz liegt in Calhoun, Georgia, mitten im amerikanischen Teppichgürtel; die Firma ist seit April 1992 börsennotiert.

Das Geschäft ist in drei Segmente geteilt, und die Unterschiede zwischen ihnen sind der halbe Schlüssel zu dieser Analyse:

  • Global Ceramic — Keramik- und Feinsteinzeugfliesen, Naturstein, Quarzkomposit. Werke unter anderem in den USA, Europa, Mexiko, Brasilien und Russland. Umsatz 2025: 4.289,4 Millionen US-Dollar, operatives Ergebnis 266,7 Millionen.
  • Flooring North America — Teppich, Teppichfliesen, Laminat, Vinyl und Holz für den nordamerikanischen Markt. Umsatz 2025: 3.638,5 Millionen US-Dollar, operatives Ergebnis 113,6 Millionen.
  • Flooring Rest of the World — das internationale Nicht-Keramik-Geschäft, gewachsen vor allem aus der 2005 übernommenen belgischen Unilin-Gruppe: Laminat, Vinyl, Holz, Dämmplatten. Umsatz 2025: 2.857,5 Millionen US-Dollar, operatives Ergebnis 212,9 Millionen.

Rechne kurz mit: Nordamerika ist mit gut einem Drittel des Umsatzes das zweitgrößte Segment — trägt aber nur 3,1 Prozent operative Marge (113,6 von 3.638,5 Millionen). Global Ceramic kommt auf 6,2 Prozent, der Rest der Welt auf 7,5 Prozent. Das größte Heimatgeschäft ist zugleich das schwächste.

Womit verdient Mohawk das Geld? Mit der Spanne zwischen Rohstoffen und Verkaufspreis. Die Vorprodukte sind Chemie und Erde: Nylon-, Polypropylen- und Polyesterfasern für Teppich, Ton, Talk und Feldspat für Fliesen, Holz, Papier und Harze für Laminat, PVC und Weichmacher für Vinyl. Das Ganze ist energieintensiv — Fliesen werden gebrannt, Platten gepresst. Deshalb schlagen Gas- und Strompreise unmittelbar durch, und deshalb ist Mohawk kein Wachstums-, sondern ein Zyklusgeschäft. Der Zyklus, an dem alles hängt, heißt Wohnungsmarkt: Wer nicht umzieht, verlegt keinen neuen Boden. Der Geschäftsbericht 2025 beschreibt genau das — anhaltend niedrige Zahlen bei Hausverkäufen und Neubau in den USA, aufgeschobene Renovierungen, schwaches Verbrauchervertrauen.

Ein Wort zur Einordnung, damit keine Verwechslung entsteht: Mohawk zahlt seit dem Börsengang keine Dividende. Der Geschäftsbericht 2025 hält fest, dass seit dem ersten Börsengang keine Bardividende ausgeschüttet oder beschlossen wurde. Wer hier Aktionärsrendite sucht, findet sie ausschließlich in Aktienrückkäufen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 34 von 60 im Wende-Check

Der Aufhänger ist eine Momentaufnahme, kein Dauerzustand. Bei einer Messung am 27. Juli 2026 — der zugrunde liegende Scanner-Lauf datiert auf den 26. Juli 2026 — steht Mohawk Industries auf Platz 34 von 60 Treffern unseres hauseigenen Turnaround-Scanners mit Marktfilter USA. Und hier gleich die ehrliche Ansage: Auf der Scanner-Seite selbst siehst du Mohawk nicht. Die Liste zeigt nur die 25 stärksten Treffer, sortiert nach dem Wende-Check — Platz 34 liegt außerhalb. Die Listen werden täglich neu berechnet; Rang und Trefferzahl von morgen sind andere als die von heute.

Was prüft dieser Scanner? Vier Säulen. Die ersten beiden sind Pflicht: Der Kurs muss mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch liegen (der Absturz), und das Überleben muss gesichert sein — Altman-Z über 1,1, höchstens ein Bilanz-Warnsignal, positives Eigenkapital. Die Säulen drei und vier sind eine Acht-Punkte-Checkliste aus operativer Wende (Umsatz stabilisiert, Marge dreht, Cashflow dreht, Bilanz heilt) und Markt-Bestätigung (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke dreht, Insider kaufen, Institutionelle stocken auf). Ab sechs Punkten gilt eine Aktie als Treffer.

Mohawks Werte bei dieser Messung: 6 von 8 Punkten im Wende-Check, ein Altman-Z von 8,49 und ein Piotroski-F-Score von 8 von 9. Übersetzt: Der Altman-Z ist ein Insolvenz-Frühwarnsystem; Werte über 3 gelten als sichere Zone, unter etwa 1,1 als Gefahrenzone. 8,49 ist keine sichere Zone mehr, das ist eine Festung. Der Piotroski-Score prüft neun Ja-Nein-Fragen zu Gewinn, Cashflow, Verschuldung und Effizienz; 8 von 9 ist ein sehr guter Wert — nur wenige Firmen erreichen ihn. Was Mohawk im Wende-Check nicht holt, sind ausgerechnet die zwei Punkte, an denen am meisten hängt. Erstens der Margen-Punkt: Die Nettomarge lag im ersten Quartal 2026 bei 4,3 Prozent und damit unter den 5,2 Prozent des zweiten Quartals 2025 — die Marge dreht also noch nicht. Zweitens der Insider-Punkt: In den zwölf Monaten vor der Messung standen null Insider-Käufen zwanzig Insider-Verkäufe gegenüber (Datenstand 27. Juli 2026). Die sechs erreichten Punkte kommen aus stabilisiertem Umsatz, positivem operativem Cashflow, leicht verbessertem Altman-Z, Kurs über der 50-Tage-Linie, drehender relativer Stärke und aufstockenden institutionellen Anlegern.

Ein Wort zur Pflicht-Säule „mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch“, weil wir sie selbst nachgemessen haben. Unser Datensatz führt −58,19 Prozent. Die Kurshistorie ergibt einen etwas größeren Abstand: Das Allzeithoch auf Schlusskursbasis lag bei 284,82 US-Dollar am 1. Dezember 2017; gegen den Schlusskurs von 113,27 US-Dollar am 24. Juli 2026 sind das rund 60 Prozent Abstand. Die Aussage bleibt in beiden Rechnungen dieselbe: Die Aktie hat seit dem Hoch von 2017 mehr als die Hälfte verloren. Wer den Titel als Turnaround-Kandidaten führt, hat den Absturz-Teil jedenfalls zu Recht abgehakt.

Mohawk taucht bei dieser Messung außerdem in vier weiteren unserer Listen auf — im Kurs-Umsatz-Ranking, im Kurs-Cashflow-Ranking, unter den Bilanz-Festungen nach Altman-Z und bei den Contrarian-Kandidaten nach David Dreman. Diese Konfluenz sagt viel über das Muster: billig und bilanziell unangreifbar, aber ohne Momentum.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Mohawk hat das Katastrophenjahr 2023 nicht nur überlebt, sondern die Bilanz seither systematisch geheilt.

2023 war ein Bruch: Der Umsatz fiel auf 11.135,1 Millionen US-Dollar, und weil das Unternehmen Firmenwerte und Marken über 877,7 Millionen US-Dollar abschreiben musste, rutschte das operative Ergebnis auf minus 291,9 Millionen und der Jahresfehlbetrag auf minus 449,0 Millionen US-Dollar — je Aktie ein Verlust von 7,05 US-Dollar. Der Geschäftsbericht nennt als Auslöser den gefallenen Börsenwert, höhere Kapitalkosten und die schwache Konjunktur.

2024 drehte das Bild: 10.836,9 Millionen Umsatz, 693,5 Millionen operatives Ergebnis, 514,7 Millionen Jahresüberschuss, 8,09 US-Dollar je Aktie. 2025 gab davon wieder ab: 10.785,4 Millionen Umsatz (minus 0,5 Prozent), 489,8 Millionen operatives Ergebnis (minus 29 Prozent), 369,9 Millionen Jahresüberschuss, 5,93 US-Dollar je Aktie. Damit ist 2025 das dritte Jahr in Folge mit sinkendem Umsatz und das erste Jahr mit sinkendem Gewinn nach der Erholung.

Balkendiagramm: Mohawks operatives Ergebnis und Nettoergebnis 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar. 2023 minus 291,9 und minus 449,0; 2024 plus 693,5 und plus 514,7; 2025 plus 489,8 und plus 369,9.
Nach dem Abschreibungsjahr 2023 folgte 2024 die Erholung — und 2025 der Rückschlag. Die Werte für 2023 und 2024 stehen in der Fassung, die der Geschäftsbericht 2025 nach einer Korrektur ausweist. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und jetzt die Seite, die wirklich stark ist: die Bilanz. Zum 4. April 2026 stehen 8.379,7 Millionen US-Dollar Eigenkapital einer Bilanzsumme von 13.791,1 Millionen gegenüber — eine Eigenkapitalquote von 60,8 Prozent. Zum Vergleich: Bei einem Industrieunternehmen gelten 30 bis 40 Prozent bereits als solide. Die Finanzverbindlichkeiten summieren sich auf 2.111,3 Millionen US-Dollar, dem stehen 872,3 Millionen Kasse gegenüber; die Nettoverschuldung liegt damit bei rund 1.239 Millionen US-Dollar oder etwa dem 0,9-fachen des Jahres-EBITDA.

Der Zinsaufwand erzählt dieselbe Geschichte in einer einzigen Zahl: 77,5 Millionen US-Dollar (2023) → 48,5 Millionen (2024) → 17,8 Millionen (2025). In zwei Jahren geviertelt. Der Grund steht im Bericht: Am 31. Januar 2024 zahlte Mohawk den gesamten Dollar-Teil des Terminkredits über 675,0 Millionen US-Dollar zurück, am 16. Februar 2024 den Euro-Teil über 220 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2026 lag der Zinsaufwand bei 2,4 Millionen US-Dollar nach 6,4 Millionen im Vorjahresquartal.

Auch der Mittelzufluss stimmt: 1.056,2 Millionen US-Dollar operativ im Jahr 2025 nach 1.133,9 Millionen 2024. Davon gingen 440 Millionen in Investitionen — bewusst weniger, als die Abschreibungen von 652,6 Millionen betrugen. Der Geschäftsbericht nennt das offen einen Rückgang um rund 30 Prozent unter das Abschreibungsniveau und begründet ihn mit den ausbleibenden Marktimpulsen. Für 2026 sind rund 480 Millionen geplant. Und die Restrukturierung läuft seit Jahren: Die seit 2022 angestoßenen Maßnahmen sollen zusammen rund 365 Millionen US-Dollar jährliche Einsparung bringen, die jüngsten Schritte allein rund 30 Millionen.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die acht Prozent Umsatzplus hat der Kalender gemacht

Die Schlagzeile des ersten Quartals 2026 lautet: Umsatz 2.728,7 Millionen US-Dollar, ein Plus von 202,9 Millionen oder 8,0 Prozent. Nach drei Jahren mit rückläufigem Umsatz klingt das nach der Wende. Der Quartalsbericht liefert die Aufschlüsselung gleich mit — und sie hat es in sich:

„The increase was primarily attributable to more shipping days for the quarter ended April 4, 2026, of approximately $143 million; the favorable net impact of foreign exchange rates of approximately $127 million and the $50 million favorable current year comparative impact of the order management system conversion, partially offset by lower sales volume of approximately $100 million and the unfavorable net impact of price and product mix of approximately $15 million.“

Übersetzung: „Der Anstieg war in erster Linie auf mehr Liefertage im Quartal zum 4. April 2026 von rund 143 Millionen US-Dollar zurückzuführen, auf den günstigen Nettoeffekt der Wechselkurse von rund 127 Millionen US-Dollar sowie auf den um 50 Millionen US-Dollar günstigeren Vorjahresvergleich bei der Umstellung des Auftragsmanagementsystems — teilweise ausgeglichen durch ein um rund 100 Millionen US-Dollar niedrigeres Absatzvolumen und den ungünstigen Nettoeffekt von Preis und Produktmix von rund 15 Millionen US-Dollar.“

— Mohawk Industries, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 4. April 2026, Item 2 MD&A, Abschnitt „Net sales“

Gelb markierte Textstelle aus dem Mohawk-Quartalsbericht 10-Q zum 4. April 2026: Der Umsatzanstieg um 202,9 Millionen US-Dollar auf 2.728,7 Millionen beruht auf rund 143 Millionen mehr Liefertagen, rund 127 Millionen Wechselkurseffekten und 50 Millionen Vorjahresvergleich, teilweise ausgeglichen durch rund 100 Millionen weniger Volumen und rund 15 Millionen Preis- und Produktmix.
Die Firma rechnet ihr eigenes Umsatzplus vor. Hervorhebung von uns. Quelle: Quartalsbericht 10-Q zum 4. April 2026 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzen wir das. „Mehr Liefertage“ heißt: Mohawks Geschäftsquartale enden an einem Samstag, und das erste Quartal 2026 lief bis zum 4. April, das Vorjahresquartal nur bis zum 29. März. Sechs Tage mehr Auslieferung — das ist Kalender, nicht Nachfrage. „Wechselkurse“ heißt: Der Euro war stärker, also sind die europäischen Umsätze in Dollar mehr wert. Auch das ist keine verkaufte Fliese. Und der dritte Posten ist ein Vorjahreseffekt: Im ersten Quartal 2025 hatte eine Softwareumstellung in Nordamerika rund 50 Millionen Umsatz gekostet, die jetzt im Vergleich fehlen.

Was bleibt, ist der Posten, der Nachfrage misst: Das Absatzvolumen fiel um rund 100 Millionen US-Dollar, der Preis- und Produktmix kostete weitere 15 Millionen. Mohawk hat im ersten Quartal 2026 also weniger Boden verkauft als ein Jahr zuvor — und trotzdem 8 Prozent mehr Umsatz gemeldet.

Wasserfalldiagramm: Mohawks Nettoumsatz steigt von 2.525,8 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2025 auf 2.728,7 Millionen im ersten Quartal 2026. Plus 143,0 Liefertage, plus 127,0 Währung, plus 50,0 Auftragssystem, minus 100,0 Volumen, minus 15,0 Preis und Mix.
Drei der vier Bausteine des Umsatzplus sind Kalender, Währung und ein Vorjahresvergleich. Das verkaufte Volumen ging zurück. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Gewinnsprung kommt aus der Steuerzeile

Dieselbe Vorsicht lohnt beim Gewinn. Gemeldet wurden 117,1 Millionen US-Dollar Nettoergebnis nach 72,6 Millionen im Vorjahresquartal, ein Plus von 61 Prozent, und ein verwässertes Ergebnis je Aktie von 1,90 US-Dollar nach 1,15. Vor Steuern sah es deutlich nüchterner aus: 108,2 gegen 90,1 Millionen, ein Plus von 20 Prozent. Der Rest steckt in der Steuerzeile.

„For the three months ended April 4, 2026, the Company recorded income tax benefit of $8.9 million on earnings before income taxes of $108.2 million for an effective tax rate of (8.2)%. For the three months ended March 29, 2025, the Company recorded income tax expense of $17.5 million on earnings before income taxes of $90.1 million, for an effective tax rate of 19.4%.“

Übersetzung: „Für die drei Monate zum 4. April 2026 verbuchte das Unternehmen einen Steuerertrag von 8,9 Millionen US-Dollar auf ein Ergebnis vor Ertragsteuern von 108,2 Millionen US-Dollar, was einer effektiven Steuerquote von minus 8,2 Prozent entspricht. Für die drei Monate zum 29. März 2025 verbuchte das Unternehmen einen Steueraufwand von 17,5 Millionen US-Dollar auf ein Ergebnis vor Ertragsteuern von 90,1 Millionen US-Dollar, was einer effektiven Steuerquote von 19,4 Prozent entspricht.“

— Mohawk Industries, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 4. April 2026, Note 11 „Income Taxes“

Gelb markierte Textstelle aus dem Mohawk-Quartalsbericht 10-Q zum 4. April 2026: Steuerertrag von 8,9 Millionen US-Dollar auf ein Ergebnis vor Steuern von 108,2 Millionen, effektive Steuerquote minus 8,2 Prozent nach plus 19,4 Prozent im Vorjahresquartal.
Eine negative Steuerquote ist selten und fast immer einmalig. Hervorhebung von uns. Quelle: Quartalsbericht 10-Q zum 4. April 2026 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Bericht nennt drei Gründe für den Steuerertrag: einen einmaligen US-Steuervorteil aus einer konzerninternen Umstrukturierung, brasilianische Steuergutschriften für Vorjahre und einen Anrechnungsvorteil aus einer geänderten US-Steuererklärung. Alle drei sind ihrer Natur nach nicht wiederholbar. Rechnest du das Quartal mit der Jahressteuerquote 2025 von 21,1 Prozent durch, blieben rund 85 Millionen US-Dollar Nettoergebnis statt 117,1 — eine Lücke von rund 32 Millionen US-Dollar oder gut einem Viertel des gemeldeten Gewinns. Merksatz: Ein Gewinnsprung, den man in der Steuerzeile findet, ist kein operativer Fortschritt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Heimatgeschäft verdient fast nichts mehr

Im ersten Quartal 2026 setzte Flooring North America 880,0 Millionen US-Dollar um und erwirtschaftete daraus ein operatives Ergebnis von 3,8 Millionen US-Dollar. Das ist eine Marge von 0,4 Prozent — von jedem verkauften Dollar bleiben vier Zehntel eines Cents übrig. Im Vorjahresquartal waren es 9,3 Millionen auf 862,4 Millionen Umsatz, also 1,1 Prozent. Zum Vergleich: Flooring Rest of the World kam im selben Quartal auf 70,5 Millionen bei 751,3 Millionen Umsatz (9,4 Prozent), Global Ceramic auf 51,2 Millionen bei 1.097,4 Millionen (4,7 Prozent).

Das ist kein Ausrutscher, sondern ein Trend. Über das Gesamtjahr 2025 fiel das operative Ergebnis von Flooring North America von 237,3 auf 113,6 Millionen US-Dollar — fast eine Halbierung. Als Gründe nennt der Geschäftsbericht höhere Vorprodukt-Kosten von rund 81 Millionen, höhere Restrukturierungskosten von rund 53 Millionen, temporäre Werksstillstände von rund 42 Millionen und die Softwareumstellung mit rund 30 Millionen. Das größte Segment nach Beschäftigten trägt damit weniger als ein Viertel zum Segmentergebnis bei. Wenn Mohawk eine Wende schaffen will, muss sie hier stattfinden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Drittel der Kasse liegt in Russland

Diese Zahl steht nicht in der Bilanz, sondern in den Risikohinweisen des Geschäftsberichts — und sie verändert, wie man Mohawks Kasse lesen sollte.

„As of December 31, 2025, the Company’s Russian operations accounted for 5% of the Company’s net sales and approximately 7% of the Company’s total assets. […] As of December 31, 2025, 30% of the Company’s cash and cash equivalents are held in Russia, and generated interest income of approximately $30 million in 2025.“

Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 entfielen auf das russische Geschäft des Unternehmens 5 Prozent des Nettoumsatzes und rund 7 Prozent der Bilanzsumme. […] Zum 31. Dezember 2025 werden 30 Prozent der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente des Unternehmens in Russland gehalten; sie erzielten 2025 Zinserträge von rund 30 Millionen US-Dollar.“

— Mohawk Industries, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risk Factors

Gelb markierte Textstelle aus dem Mohawk-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Das russische Geschäft steht für 5 Prozent des Nettoumsatzes und rund 7 Prozent der Bilanzsumme; 30 Prozent der liquiden Mittel werden in Russland gehalten und erzielten 2025 rund 30 Millionen US-Dollar Zinserträge.
Sanktionen, Kapitalverkehrskontrollen und das Risiko von Beschlagnahme oder Verstaatlichung stehen im selben Absatz. Hervorhebung von uns. Quelle: Geschäftsbericht 10-K für 2025 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir das um: Bei 856,1 Millionen US-Dollar Kassenbestand zum 31. Dezember 2025 sind 30 Prozent rund 257 Millionen US-Dollar. Derselbe Absatz nennt Kapitalverkehrskontrollen, Währungsschwankungen und Sanktionen, die das Verarbeiten von Zahlungen und die Rückführung von Gewinnen aus Russland bereits begrenzt haben — und ausdrücklich das Risiko von Beschlagnahme, Verstaatlichung, Enteignung oder erzwungenem Verkauf. Für die Bilanz ist dieses Geld vollwertig. Für einen Aktienrückkauf in Georgia ist es das nur, wenn es die Grenze überquert.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Zahlen von 2023 und 2024 wurden nachträglich gekürzt

Im vierten Quartal 2025 fand Mohawk einen Fehler in den eigenen Büchern. Es ging um konzerninterne Vorgänge, die die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen betrafen — also Geld, das Konzerntöchter untereinander schuldeten und das doppelt in der Bilanz stand. Das Unternehmen stufte den Fehler als „immateriell“ ein, korrigierte ihn aber rückwirkend:

„The correction was achieved by reducing reported accounts receivable by $42.1 million over the prior periods affected. […] The Company has revised the 2023 and 2024 net earnings attributable to the Company by reducing it by $9.5 million and $3.0 million, respectively. The revised impact on basic and diluted earnings per share for 2023 and 2024 was a reduction of $0.15 and $0.05, respectively.“

Übersetzung: „Die Korrektur erfolgte durch Verringerung der ausgewiesenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 42,1 Millionen US-Dollar über die betroffenen Vorperioden. […] Das Unternehmen hat die den Anteilseignern zuzurechnenden Jahresergebnisse 2023 und 2024 um 9,5 beziehungsweise 3,0 Millionen US-Dollar verringert. Die angepasste Wirkung auf das unverwässerte und verwässerte Ergebnis je Aktie betrug für 2023 und 2024 eine Verringerung um 0,15 beziehungsweise 0,05 US-Dollar.“

— Mohawk Industries, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 18 „Immaterial Correction of Prior Period Financial Statements“

Gelb markierte Textstelle aus dem Mohawk-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 18: Die Korrektur verringerte die ausgewiesenen Forderungen um 42,1 Millionen US-Dollar, die Gewinnrücklagen zum 31. Dezember 2022 um 29,6 Millionen und die Jahresergebnisse 2023 und 2024 um 9,5 beziehungsweise 3,0 Millionen.
Auch die Gewinnrücklagen zum 31. Dezember 2022 wurden um 29,6 Millionen US-Dollar gekürzt. Hervorhebung von uns. Quelle: Geschäftsbericht 10-K für 2025 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Einordnung mit Augenmaß: 42,1 Millionen US-Dollar sind gemessen an einem Eigenkapital von gut 8,3 Milliarden ein halbes Prozent — die Einstufung als immateriell ist nachvollziehbar, der Abschlussprüfer KPMG bestätigte für den 31. Dezember 2025 ein wirksames internes Kontrollsystem. Praktisch heißt es zweierlei. Erstens: Wer alte Kurszettel oder Datenbanken heranzieht, findet für 2023 und 2024 womöglich noch die Zahlen vor der Korrektur. Zweitens: Ein Fehler, der über mehrere Jahre unentdeckt bleibt und erst bei der Kumulation auffällt, ist ein Hinweis auf die Komplexität eines Konzerns mit Werken in 19 Ländern — nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Was seit dem letzten Quartalsbericht passiert ist

Zwischen dem Quartalsbericht vom 1. Mai 2026 und dem Redaktionsschluss dieser Analyse hat Mohawk zwei Dinge gemeldet, die das Bild verändern.

Am 12. Mai 2026 wurde die Finanzierung neu aufgestellt. Mohawk kündigte die alte Kreditlinie von 2019 (Konsortialführer Wells Fargo) und schloss eine neue unbesicherte revolvierende Linie über 1.500 Millionen US-Dollar ab, geführt von JPMorgan, mit Laufzeit bis zum 12. Mai 2031 und der Option auf zwei Verlängerungen. Der Zinsaufschlag liegt zwischen 0,750 und 1,250 Prozentpunkten über dem Referenzzinssatz, es gibt eine Erweiterungsoption um weitere 600 Millionen, und die einzige Finanzkennzahl-Auflage ist eine Zinsdeckung von mindestens 3,5. Zur Einordnung: Mohawks Zinsdeckung lag zuletzt bei rund 37 — die Auflage ist zehnfach übererfüllt. Zusammen mit den drei ausstehenden Anleihen (1,750 Prozent bis Juni 2027, 5,85 Prozent bis September 2028, 3,625 Prozent bis Mai 2030) ist die Finanzierung damit auf Jahre gesichert.

Am 11. Juni 2026 wurde der Vorstandswechsel angekündigt. Paul F. De Cock, 53, seit Februar 2025 President und Chief Operating Officer, wird zum 30. September 2026 Vorstandsvorsitzender. Er folgt auf Jeffrey S. Lorberbaum, der die Firma seit 2001 führte und Aufsichtsratsvorsitzender bleibt.

Gelb markierte Textstelle aus der Mohawk-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 11. Juni 2026: Der Aufsichtsrat bestellt Paul F. De Cock zum 30. September 2026 zum Vorstandsvorsitzenden; er folgt Jeffrey S. Lorberbaum, der Aufsichtsratsvorsitzender bleibt.
Nach 25 Jahren an der Spitze übergibt Jeffrey S. Lorberbaum den Vorstandsvorsitz. Hervorhebung von uns. Quelle: Ad-hoc-Meldung 8-K vom 11. Juni 2026 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist mehr als eine Personalie. Nach der Hauptversammlungseinladung vom 3. April 2026 hielt Lorberbaum zum 27. März 2026 10.078.475 Aktien oder 16,5 Prozent des Grundkapitals — der mit Abstand größte Einzelaktionär, vor BlackRock mit 9,9 Prozent und Dimensional Fund Advisors mit 5,1 Prozent. Er bleibt also Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender, während ein Manager aus der belgischen Unilin-Tradition das operative Ruder übernimmt. Wer wissen will, ob aus dem Kalendereffekt eine echte Wende wird, wird die erste Kapitalallokation dieser neuen Führung genau lesen müssen.

Was Mohawk in diesem Zeitraum nicht gemeldet hat, ist ebenso wichtig: keine Übernahmeofferte, keine Fusion, keine Abmeldung von der Börse. Die Aktie notiert unverändert an der New York Stock Exchange.

Bewertung: eine Firma unter ihrem eigenen Buchwert

Reden wir über Größenordnungen, nicht über Tageskurse. Zum Datenstand 27. Juli 2026 bringt Mohawk rund 6,9 Milliarden US-Dollar auf die Waage — bei 60.953.145 ausstehenden Aktien (Stichtag 29. April 2026, Deckblatt des Quartalsberichts) und einem Schlusskurs von 113,27 US-Dollar vom 24. Juli 2026.

Die Kennzahlen dazu, jeweils als Größenordnung:

  • Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 0,82. Der Buchwert je Aktie liegt bei rund 137 US-Dollar — der Kurs also gut ein Sechstel darunter. Übersetzt: Die Börse bewertet Mohawks Werke, Marken und Vorräte niedriger, als sie in der eigenen Bilanz stehen. Das ist bei zyklischen Industriewerten nicht ungewöhnlich, aber es ist ein Signal.
  • Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,63. Für jeden Dollar Jahresumsatz zahlst du 63 Cent. Bei einer Nettomarge von 3,4 Prozent ist das kein Schnäppchen, sondern eine sachgerechte Bewertung eines margenschwachen Geschäfts.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 17 auf Basis der letzten zwölf Monate, rund 13 auf Basis der Analystenschätzung für das laufende Jahr. Achtung: Das rückblickende KGV enthält den steuerbedingten Gewinnsprung des ersten Quartals — normalisiert man den, liegt es eher bei 19.
  • Unternehmenswert zu EBITDA rund 7,2. Für einen Industriewert mit dieser Bilanz ist das eher niedrig als hoch.

Und der Blick der Profis? Von 18 erfassten Analystenstimmen (Datenstand 27. Juli 2026) empfehlen 6 starkes Kaufen, 3 Kaufen, 9 Halten — keine einzige rät zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei rund 123 US-Dollar und damit knapp über dem letzten Schlusskurs. Übersetzt heißt das: Die Zunft sieht kein Risiko, aber auch keine Fantasie. Ein „Halten“-Konsens mit Kursziel auf Kursniveau ist die höflichste Art zu sagen, dass die Wende noch nicht bewiesen ist.

Wer den zyklischen Charakter dieses Geschäfts kennenlernen will, findet in unserer Analyse von Carnival denselben Mechanismus in einer anderen Branche: eine Firma, deren Ergebnis vollständig davon abhängt, ob die Kundschaft gerade Lust auf eine große Anschaffung hat. Und wie schnell ein Zyklusgeschäft an einer einzigen Wetterlage hängen kann, zeigt unsere Analyse von Vail Resorts.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Mohawk spricht:

  • Bilanz-Festung. 60,8 Prozent Eigenkapitalquote, Altman-Z von 8,49, Piotroski 8 von 9, Zinsdeckung rund 37 gegen eine Kreditauflage von 3,5 (Stand 4. April 2026 beziehungsweise Datenstand 27. Juli 2026).
  • Finanzierung bis 2031 gesichert. Neue unbesicherte Linie über 1.500 Millionen US-Dollar bis Mai 2031, drei Anleihen mit Fälligkeiten 2027, 2028 und 2030, Zinsaufwand 2025 nur noch 17,8 Millionen.
  • Echter Mittelzufluss. 1.056,2 Millionen US-Dollar operativ im Jahr 2025, bei bewusst auf 440 Millionen gedrosselten Investitionen — die Firma verdient Geld, auch wenn der Markt stillsteht.
  • Kostenprogramm mit Substanz. Seit 2022 angestoßene Maßnahmen mit erwarteten jährlichen Einsparungen von rund 365 Millionen US-Dollar.
  • Zykluspotenzial. Sinkende Hypothekenzinsen in den USA und in Europa auf den tiefsten Stand seit Herbst 2022 (Angabe des Geschäftsberichts 2025) — sollte die Umzugstätigkeit anziehen, wirkt der operative Hebel in beide Richtungen.
  • Rückkäufe statt Dividende. Programm über 500 Millionen US-Dollar, 64,3 Millionen davon allein im ersten Quartal 2026 eingesetzt, 355,0 Millionen offen — bei einem Kurs unter Buchwert kauft das Unternehmen unter dem eigenen Substanzwert zurück.

Was dagegen spricht:

  • Die Wende ist noch nicht belegt. Das Absatzvolumen fiel im ersten Quartal 2026 um rund 100 Millionen US-Dollar; das Umsatzplus stammt aus Liefertagen, Wechselkursen und einem Vorjahresvergleich.
  • Der Gewinnsprung ist steuerlich. Effektive Steuerquote von minus 8,2 Prozent im ersten Quartal 2026 gegen 21,1 Prozent im Gesamtjahr 2025.
  • Das Heimatgeschäft trägt nicht. Flooring North America mit 0,4 Prozent operativer Marge im ersten Quartal 2026, Ergebnis 2025 fast halbiert.
  • Russland-Klumpen. 30 Prozent der liquiden Mittel, 5 Prozent des Umsatzes und rund 7 Prozent der Bilanzsumme in einem sanktionierten Markt mit Kapitalverkehrskontrollen (Stand 31. Dezember 2025).
  • Zölle und Energie. Der Geschäftsbericht nennt gestiegene Einfuhrzölle ausdrücklich als Belastung der Herstellkosten und als Risiko für die Kaufkraft der Kundschaft.
  • Immaterielle Vermögenswerte. 1.195,9 Millionen US-Dollar Firmenwert und 690,6 Millionen Markenwerte zum 4. April 2026 — nach 877,7 Millionen Abschreibung 2023 und weiteren 19,9 Millionen 2025 bleibt das ein Posten, der bei einem erneuten Bewertungsknick zur Disposition steht.
  • Kein Momentum. Null Insider-Käufe gegen zwanzig Insider-Verkäufe in den zwölf Monaten vor dem 27. Juli 2026; das RS-Rating von 36 von 99 heißt, die Aktie hat nur gut ein Drittel aller Titel geschlagen (Datenstand 27. Juli 2026).

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Schwalbe. Mohawk Industries hat im ersten Quartal 2026 einen warmen Tag gehabt: acht Prozent mehr Umsatz, einundsechzig Prozent mehr Gewinn, eine Aktie, die sich vom Tief gelöst hat. Wer nur die Überschrift liest, räumt die Winterjacke weg. Wer den Bericht liest, findet darunter sechs zusätzliche Liefertage, einen stärkeren Euro, einen Vorjahresvergleich und eine Steuerzeile mit umgedrehtem Vorzeichen — und ein Absatzvolumen, das weiter fällt.

Das macht Mohawk nicht zu einer schlechten Firma. Im Gegenteil: Die Bilanz ist eine der solidesten, die uns in diesem Scanner begegnet sind. Eine Eigenkapitalquote von 60,8 Prozent, ein Zinsaufwand, der sich in zwei Jahren geviertelt hat, über eine Milliarde Dollar operativer Mittelzufluss in einem schlechten Jahr, eine Kreditlinie bis 2031 und eine Aktie unter dem eigenen Buchwert — das ist eine Firma, die auf den Wohnungsmarkt warten kann, ohne dabei ärmer zu werden. Genau darin liegt der eigentliche Fall: Nicht die Frage, ob Mohawk überlebt, sondern wann die Kundschaft wieder umzieht.

Bis dahin gilt die Regel des Frühlings: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber sie kommt auch nicht ohne Grund. Der nächste Quartalsbericht, die erste Kapitalallokation der neuen Führung ab dem 30. September 2026 und die Frage, ob Nordamerika die Nulllinie hinter sich lässt — das sind die drei Dinge, auf die es ankommt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie. Aktien können einen Totalverlust bedeuten; Kursverluste bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen mit dem jeweils angegebenen Stichtag und können sich seither verändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Mohawk Industries, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz und Finanzierung positiv
Zum 4. April 2026 stehen 8.379,7 Millionen US-Dollar Eigenkapital einer Bilanzsumme von 13.791,1 Millionen gegenüber — eine Eigenkapitalquote von 60,8 Prozent. Der Zinsaufwand fiel von 77,5 (2023) über 48,5 (2024) auf 17,8 Millionen US-Dollar (2025). Am 12. Mai 2026 ersetzte eine unbesicherte Kreditlinie über 1.500 Millionen mit Laufzeit bis 2031 die alte Linie von 2019; die einzige Finanzauflage ist eine Zinsdeckung von 3,5, erreicht werden rund 37.
Ertragskraft negativ
Der Umsatz sank drei Jahre in Folge: 11.135,1 (2023), 10.836,9 (2024), 10.785,4 Millionen US-Dollar (2025). Das operative Ergebnis fiel 2025 um 29 Prozent auf 489,8 Millionen, das Nettoergebnis von 514,7 auf 369,9 Millionen, das Ergebnis je Aktie von 8,09 auf 5,93 US-Dollar. Die Nettomarge lag 2025 bei 3,4 Prozent.
Aussagekraft des Aufhängers neutral
Der Wende-Check ergibt bei der Messung am 27. Juli 2026 6 von 8 Punkten und Platz 34 von 60 Treffern in der US-Auswahl. Die beiden fehlenden Punkte sind ausgerechnet die aussagekräftigsten: die Nettomarge dreht noch nicht (4,3 Prozent im ersten Quartal 2026 gegen 5,2 Prozent im zweiten Quartal 2025), und es gibt keine Netto-Insiderkäufe (null Käufe gegen zwanzig Verkäufe in zwölf Monaten). Die Pflicht-Säulen — Absturz von rund 60 Prozent gegenüber dem Schlusskurs-Allzeithoch von 284,82 US-Dollar vom 01.12.2017 und Überleben mit Altman-Z 8,49 — sind dagegen unstrittig erfüllt.
Qualität des Quartalsergebnisses negativ
Von den 202,9 Millionen US-Dollar Umsatzplus im ersten Quartal 2026 stammen laut Quartalsbericht rund 143 Millionen aus mehr Liefertagen, rund 127 Millionen aus Wechselkursen und 50 Millionen aus einem Vorjahresvergleich; das Absatzvolumen fiel um rund 100 Millionen. Der Gewinnsprung auf 117,1 Millionen beruht auf einer effektiven Steuerquote von minus 8,2 Prozent — mit der Jahresquote 2025 von 21,1 Prozent gerechnet blieben rund 85 Millionen.
Segmentlage negativ
Flooring North America erwirtschaftete im ersten Quartal 2026 aus 880,0 Millionen US-Dollar Umsatz nur 3,8 Millionen operatives Ergebnis — eine Marge von 0,4 Prozent nach 1,1 Prozent im Vorjahresquartal. Über das Gesamtjahr 2025 halbierte sich das Segmentergebnis nahezu von 237,3 auf 113,6 Millionen. Global Ceramic (4,7 Prozent) und Flooring Rest of the World (9,4 Prozent) tragen die Gruppe.
Bewertung und Aktionärsrendite positiv
Bei rund 6,9 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 27.07.2026) notiert die Aktie mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 0,82 unter dem Buchwert von rund 137 US-Dollar je Aktie; Unternehmenswert zu EBITDA rund 7,2. Eine Dividende gibt es nicht, dafür ein Rückkaufprogramm über 500 Millionen US-Dollar, von dem im ersten Quartal 2026 allein 64,3 Millionen eingesetzt wurden und 355,0 Millionen offen sind.

Mohawk Industries ist finanziell außergewöhnlich solide und operativ noch nicht gedreht. Die Bilanz trägt 60,8 Prozent Eigenkapital, der Zinsaufwand hat sich in zwei Jahren auf 17,8 Millionen US-Dollar geviertelt, 1.056,2 Millionen operativer Mittelzufluss kamen 2025 auch in einem schlechten Jahr herein, und die Aktie notiert unter ihrem eigenen Buchwert. Dem steht ein Quartalsplus gegenüber, das der Bericht selbst zu drei Vierteln mit Liefertagen, Wechselkursen und einem Vorjahresvergleich erklärt, während das Absatzvolumen um rund 100 Millionen US-Dollar fiel und der Gewinnsprung aus einer Steuerquote von minus 8,2 Prozent stammt. Der Hebel liegt beim Wohnungsmarkt und bei Flooring North America, das im ersten Quartal 2026 nur noch 0,4 Prozent operative Marge erzielte. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für ein Ertrags- und Zyklusrisiko, nicht für ein Substanzrisiko. Gegen Rot spricht die belegte Lage: 60,8 Prozent Eigenkapitalquote, Altman-Z von 8,49, Piotroski 8 von 9, 1.056,2 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025, eine Kreditlinie über 1.500 Millionen bis 2031 mit zehnfach übererfüllter Zinsdeckungs-Auflage und ein Kurs unter dem Buchwert. Gegen Grün spricht ebenso Belegtes: der dritte Umsatzrückgang in Folge, ein 2025 um 29 Prozent gefallenes operatives Ergebnis, ein Quartalsplus aus Liefertagen und Wechselkursen bei um rund 100 Millionen US-Dollar gesunkenem Volumen, eine effektive Steuerquote von minus 8,2 Prozent im ersten Quartal 2026 und ein Heimatsegment mit 0,4 Prozent operativer Marge.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Platz 34 von 60 Treffern im hauseigenen Turnaround-Scanner mit Marktfilter USA, 6 von 8 Punkten im Wende-Check, Altman-Z 8,49. Die Scanner-Seite zeigt nur die 25 stärksten Treffer — Mohawk steht dort nicht. Messung 27. Juli 2026, zugrunde liegender Scanner-Lauf 26. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenstand: Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 24.02.2026), Quartalsbericht 10-Q zum 04.04.2026 (eingereicht 01.05.2026), Ad-hoc-Meldungen 8-K vom 30.04.2026, 13.05.2026 und 11.06.2026, Hauptversammlungseinladung DEF 14A vom 03.04.2026; Kennzahlen und Analystenstimmen mit Datenstand 27. Juli 2026.
  • Zum Abstand vom Allzeithoch: Unser Datensatz führt −58,19 Prozent, die Kurshistorie ergibt rund −60 Prozent (Schlusskurs-Allzeithoch 284,82 US-Dollar am 01.12.2017 gegen 113,27 US-Dollar am 24.07.2026). Beide Werte erfüllen die Scanner-Schwelle von mindestens 50 Prozent; im Artikel wird die selbst gemessene Zahl verwendet.
  • Verwechslungsgefahr: Die Zahlen für 2023 und 2024 stehen hier in der Fassung, die der Geschäftsbericht 2025 nach einer Korrektur konzerninterner Forderungen ausweist (Nettoergebnis 2023 −449,0 statt −439,5 Millionen US-Dollar, 2024 514,7 statt 517,7 Millionen). Ältere Datenbestände können die Werte vor der Korrektur zeigen.
  • Kalendereffekt beachten: Mohawks Quartale enden samstags. Das erste Quartal 2026 lief bis zum 04.04.2026, das Vorjahresquartal bis zum 29.03.2025 — sechs zusätzliche Liefertage, die der Bericht mit rund 143 Millionen US-Dollar Umsatz beziffert.

Häufige Fragen

Mohawk Industries stellt Bodenbeläge her: Teppich, Keramik- und Feinsteinzeugfliesen, Laminat, Vinyl und Holzdielen, dazu Dämm- und Trägerplatten. Nach eigener Einschätzung ist das Unternehmen der weltgrößte Bodenbelag-Hersteller mit Werken in 19 Ländern und Vertrieb in rund 180 Ländern. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort rund 40.500 Menschen; der Umsatz lag 2025 bei 10.785,4 Millionen US-Dollar.

Der Kurs liegt rund 60 Prozent unter dem Allzeithoch von 284,82 US-Dollar vom 1. Dezember 2017 (Schlusskurs 113,27 US-Dollar am 24. Juli 2026), das Überleben ist mit einem Altman-Z von 8,49 und 60,8 Prozent Eigenkapitalquote gesichert, und im Wende-Check erreicht die Aktie 6 von 8 Punkten. Bei der Messung am 27. Juli 2026 ergab das Platz 34 von 60 Treffern in der US-Auswahl.

Nur zum kleinsten Teil. Von den 202,9 Millionen US-Dollar Zuwachs entfallen laut Quartalsbericht rund 143 Millionen auf mehr Liefertage, rund 127 Millionen auf Wechselkurse und 50 Millionen auf einen Vorjahresvergleich bei der Softwareumstellung. Das verkaufte Volumen sank um rund 100 Millionen, Preis und Produktmix kosteten weitere 15 Millionen.

Weil die Steuerzeile das Vorzeichen wechselte. Vor Steuern legte das Ergebnis nur um rund 20 Prozent auf 108,2 Millionen US-Dollar zu. Statt Steueraufwand stand ein Steuerertrag von 8,9 Millionen in der Rechnung — eine Quote von minus 8,2 Prozent nach plus 19,4 Prozent im Vorjahresquartal. Ursachen sind laut Bericht drei einmalige Effekte aus Konzernumstrukturierung, brasilianischen Steuergutschriften und einer geänderten US-Steuererklärung.

Nein. Der Geschäftsbericht 2025 hält fest, dass seit dem Börsengang keine Bardividende auf die Stammaktie gezahlt oder beschlossen wurde. Aktionärsrendite entsteht ausschließlich über Rückkäufe: Am 24. Juli 2025 genehmigte der Aufsichtsrat ein Programm über 500 Millionen US-Dollar, von dem zum 4. April 2026 noch 355,0 Millionen offen waren.

Der Geschäftsbericht 2025 beziffert das russische Geschäft auf 5 Prozent des Nettoumsatzes und rund 7 Prozent der Bilanzsumme. Bemerkenswerter ist die Kasse: 30 Prozent der liquiden Mittel lagen zum 31. Dezember 2025 in Russland — bei 856,1 Millionen US-Dollar Gesamtbestand rund 257 Millionen, unterworfen Kapitalverkehrskontrollen und Sanktionen.

Paul F. De Cock, 53, bislang President und Chief Operating Officer, übernimmt zum 30. September 2026 den Vorstandsvorsitz. Er folgt auf Jeffrey S. Lorberbaum, der die Firma seit 2001 führte, Aufsichtsratsvorsitzender bleibt und zum 27. März 2026 mit 10.078.475 Aktien 16,5 Prozent des Grundkapitals hielt.

Mohawks Geschäftsjahr endet am 31. Dezember, die Quartale enden aber jeweils an einem Samstag. Das erste Quartal 2026 lief deshalb bis zum 4. April 2026, das Vorjahresquartal nur bis zum 29. März 2025. Diese sechs zusätzlichen Liefertage brachten laut Quartalsbericht rund 143 Millionen US-Dollar Umsatz — ein reiner Kalendereffekt.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?