Carnival: Rekordumsatz, weniger Betriebsgewinn — und 18,5 Milliarden neue Schiffe
Carnival hat seit dem Höchststand 9,5 Milliarden US-Dollar Schulden abgebaut, zahlt wieder Dividende und kauft eigene Aktien zurück. Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 stieg der Umsatz auf 6,66 Milliarden — der ausgewiesene Betriebsgewinn fiel trotzdem von 934 auf 851 Millionen. Gleichzeitig sind die Zusagen für neue Schiffe binnen sechs Monaten von 11,9 auf 18,5 Milliarden gestiegen, und die Flotte wird seit Dezember 2025 über 35 statt 30 Jahre abgeschrieben. Wir lesen den Quartalsbericht, den Geschäftsbericht und die Pflichtmitteilung zur Sitzverlegung nach Bermuda. Keine Empfehlung — nur die Rechnung hinter der Rekordmeldung.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die sich als gute Nachricht verkleidet: die Schlagzeilen-Falle. Sie funktioniert so. Ein Unternehmen meldet einen Rekord, und dein Kopf hört auf zu rechnen — Rekord ist schließlich Rekord. Am 23. Juni 2026 stand über Carnivals Quartalsmitteilung wörtlich „RECORD SECOND QUARTER REVENUES, NET YIELDS AND ADJUSTED NET INCOME“. Alles davon stimmt. Im selben Quartalsbericht steht aber auch, dass der ausgewiesene Betriebsgewinn von 934 auf 851 Millionen US-Dollar gefallen ist. Beides gleichzeitig. Machen wir also einen Deal: Bevor wir uns eine Meinung erlauben, lesen wir gemeinsam, was Carnival Corporation Ltd. (NYSE: CCL) selbst bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegt hat — den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. Mai 2026, den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025 und die Pflichtmitteilung (8-K) vom 7. Mai 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und diese hier erzählen von 9,5 Milliarden abgebauten Schulden, von 18,5 Milliarden zugesagten Neubauten, von Schiffen, die seit Dezember 2025 fünf Jahre länger halten sollen — und von einer Firma, die im Mai 2026 ihren Sitz von Panama nach Bermuda verlegt hat, ohne dass sie jemand gekauft hätte.
Inhalt dieser Analyse
- Was Carnival eigentlich macht — und warum die Gäste vorab bezahlen
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
- Bermuda, CUK und ein DEFM14A — was am 7. Mai 2026 wirklich passiert ist
- Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt
- Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
- Bewertung — was der Markt für diese Rückkehr zahlt
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Carnival eigentlich macht — und warum die Gäste vorab bezahlen
Carnival betreibt Hotels, die schwimmen. Acht Marken gehören dazu, jede für ein anderes Publikum: Carnival Cruise Line für Familien und Preisbewusste, AIDA Cruises für den deutschen Markt, Costa Cruises für Südeuropa, P&O Cruises für Großbritannien, dazu Princess Cruises, Holland America Line, Cunard und die Luxusmarke Seabourn. Die australische Marke P&O Cruises Australia wurde 2025 eingestellt und in Carnival Cruise Line überführt.
Die Größenordnung: Zum 31. Dezember 2025 nennt der Geschäftsbericht eine Passagierkapazität von 272.460 Betten — bei einer weltweiten Branchenkapazität von 764.310. Das sind rund 36 Prozent aller Kreuzfahrtbetten der Welt. Über 160.000 Menschen aus rund 150 Ländern arbeiten für den Konzern, mehr als 13,5 Millionen Gäste gehen pro Jahr an Bord.
Zwei Erlösströme, sauber getrennt im Bericht: das Ticket (Geschäftsjahr 2025: 17.419 Millionen US-Dollar) und alles, was an Bord dazukommt — Getränke, Ausflüge, Spielbank, Internet, Spa (9.202 Millionen). Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 wuchs die Bordseite mit 7,4 Prozent deutlich schneller als das Ticket mit 4,1 Prozent. Das ist wichtig, weil das Bordgeschäft margenstärker ist: Der Gast ist schon da, das Schiff fährt ohnehin.
Das eigentliche Geschäftsmodell versteckt sich aber in der Bilanz. Gäste buchen lange im Voraus und zahlen an — dieses Geld steht als Kundenanzahlung auf der Passivseite, bis die Reise stattgefunden hat. Zum 31. Mai 2026 waren das 9,0 Milliarden US-Dollar (30. November 2025: 7,2 Milliarden), ein Allzeithoch. Carnival arbeitet also mit dem Geld seiner Kunden, bevor es die Leistung erbringt. Der Preis dafür ist ein struktureller Working-Capital-Fehlbetrag von 8,9 Milliarden US-Dollar — kurzfristige Verbindlichkeiten übersteigen das kurzfristige Vermögen um diesen Betrag. Bei einem Reiseveranstalter ist das normal; bei einer Fabrik wäre es ein Alarmsignal. Merke: Wo Kunden vorauszahlen, sieht eine gesunde Bilanz erst einmal krank aus.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Auf die Rechercheliste kam Carnival über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 24 von 62 US-Treffern, Wende-Check 6 von 8, Stand 25. Juli 2026. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen, nach der Spalte „Wende-Check“ sortieren. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand.
Der Scanner arbeitet in zwei Stufen. Zuerst zwei Pflicht-Säulen, die niemand umgehen kann:
- Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch notieren. Ohne echten Absturz kein Turnaround. Carnivals höchster Schlusskurs liegt bei 71,94 US-Dollar vom 29. Januar 2018; am 24. Juli 2026 schloss die Aktie bei 26,33 US-Dollar — rund 63 Prozent darunter. Die Säule ist damit klar erfüllt, aber sie hat eine Kante: Steigt der Kurs über rund 36 US-Dollar, ist der Abstand kleiner als 50 Prozent, und Carnival verschwindet aus dieser Liste, ohne dass sich am Geschäft irgendetwas geändert hätte.
- Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Score, ein Pleite-Frühwarnwert aus mehreren Bilanzkennzahlen, muss mindestens 1,1 betragen; darunter beginnt die Gefahrenzone. Dazu höchstens ein Bilanz-Warnsignal und positives Eigenkapital. Carnival steht bei 1,27 (Datenstand 26. Juli 2026). Das ist bestanden — aber mit 0,17 Punkten Abstand der knappste Wert, den wir in dieser Serie bisher gesehen haben. Zum Vergleich: Ein kerngesunder Bilanzwert liegt jenseits von 3.
Erst danach zählt der eigentliche Wende-Check: acht Punkte, vier aus den Quartalszahlen (Umsatzrichtung, Nettomarge, operativer Mittelzufluss, Bilanzheilung) und vier aus dem Marktverhalten (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke der letzten drei gegen die letzten zwölf Monate, Insiderkäufe netto, Fondsaufstockung). Angezeigt wird, wer mindestens 6 von 8 erreicht — Carnival stand am 25. Juli 2026 genau bei 6. Das ist die Untergrenze der Liste, nicht ihre Spitze. Sei ehrlich zu dir: Platz 24 von 62 mit dem Mindestpunktestand ist eine Einladung zur Recherche, kein Ausrufezeichen.
Wer gern zwei Freizeit-Turnarounds nebeneinanderlegt, findet in unserer Analyse zu Vail Resorts denselben Scanner mit einem anderen Geschäftsmodell — dort verkauft man Schnee statt Seemeilen, und die Vorauszahlungen heißen Saisonpass.
Bermuda, CUK und ein DEFM14A — was am 7. Mai 2026 wirklich passiert ist
Wer Carnival heute nachschlägt, stolpert über drei Dinge, die nach Übernahme aussehen: eine Fusions-Einladung (DEFM14A) vom 27. Februar 2026, ein Formular S-4 vom 27. Januar 2026 und eine Pflichtmitteilung mit den Punkten „Completion of Acquisition or Disposition of Assets“ und „Changes in Control of Registrant“. Es war trotzdem keine Übernahme. Kein Käufer hat Carnival erworben.
Was passiert ist, steht im ersten Absatz der Pflichtmitteilung vom 7. Mai 2026:
„On May 7, 2026, Carnival Corporation and Carnival plc completed the unification of their dual listed company structure under a single company, Carnival Corporation Ltd., with Carnival plc as a UK subsidiary of Carnival Corporation Ltd. (the ‚DLC Unification‘). In addition, Carnival Corporation also migrated its jurisdiction of incorporation from the Republic of Panama to Bermuda and changed its name to ‚Carnival Corporation Ltd.‘“
Übersetzung: „Am 7. Mai 2026 haben Carnival Corporation und Carnival plc die Zusammenführung ihrer Doppelnotiz-Struktur unter einer einzigen Gesellschaft abgeschlossen, der Carnival Corporation Ltd., wobei Carnival plc britische Tochtergesellschaft der Carnival Corporation Ltd. wird. Zusätzlich hat Carnival Corporation den Sitz ihrer Rechtsform von der Republik Panama nach Bermuda verlegt und ihren Namen in ‚Carnival Corporation Ltd.‘ geändert.“
— Carnival Corporation Ltd., SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 7. Mai 2026, Introductory Note
Praktisch heißt das: Wer Aktien der Carnival plc hielt, bekam eine Carnival-Corporation-Ltd.-Aktie je Stück. Die Notierung an der Londoner Börse wurde am 7. Mai 2026 gestrichen, die amerikanischen Hinterlegungsscheine unter dem Kürzel CUK wurden am selben Tag vom Handel an der New Yorker Börse ausgesetzt und eins zu eins in Stammaktien getauscht. Übrig bleibt ein Kürzel: CCL. Der Quartalsbericht formuliert es nüchtern: Es habe „keine wesentlichen Veränderungen unseres Geschäfts, einschließlich Strategie, zugrundeliegender Vermögenswerte und operativer Tätigkeit“ gegeben.
Für dich als Leser sind drei Folgen wichtig. Erstens: Alte Kursreihen zu CUK enden im Mai 2026 — sie sind kein Delisting aus Schwäche. Zweitens: Die Aktienzahl der Carnival Corporation springt in den Berichten optisch nach oben, weil die plc-Aktien jetzt mitgezählt werden; wirtschaftlich waren sie längst Teil desselben Konzerns. Drittens: Das Unternehmen ist seit dem 7. Mai 2026 eine Gesellschaft nach dem Recht von Bermuda, die Rechte der Aktionäre richten sich nach dem dortigen Companies Act 1981. Der Hauptsitz bleibt in Miami.
Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt
Fangen wir mit dem an, was tatsächlich Respekt verdient. Carnival war 2020 und 2021 dem Abgrund näher als die meisten Unternehmen, die heute an der Börse gehandelt werden. Die Schiffe lagen still, der Umsatz brach von 20.825 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2019) auf 5.595 (2020) und 1.908 (2021) ein — ein Rückgang um mehr als 90 Prozent. Danach ging es zurück: 12.168 (2022), 21.593 (2023), 25.021 (2024) und 26.622 Millionen im Geschäftsjahr 2025. Der Vor-Krisen-Rekord ist seit dem Geschäftsjahr 2023 übertroffen.
Noch deutlicher liest sich die Ergebnisreihe. Der Nettogewinn lag 2019 bei 2.990 Millionen US-Dollar, stürzte auf −10.236 (2020), −9.501 (2021) und −6.093 (2022), schrumpfte 2023 auf ein −74 und drehte 2024 mit 1.916 und 2025 mit 2.760 Millionen ins Plus.
Der operative Mittelzufluss — das Geld, das das laufende Geschäft tatsächlich abwirft — stieg von 4.281 Millionen US-Dollar (2023) über 5.923 (2024) auf 6.218 Millionen (2025). Im Halbjahr bis zum 31. Mai 2026 waren es 3.893 Millionen nach 3.317 im Vorjahreszeitraum. Das ist die Grundlage für alles Weitere, denn davon wird getilgt.
Und getilgt wurde. Die Finanzschulden laut Bilanz stiegen von 11.271 Millionen US-Dollar (30.11.2019) über 23.872 (30.11.2020) und 30.436 (30.11.2021) auf den Höchststand 34.346 Millionen (30.11.2022). Seither geht es zurück: 30.572 (30.11.2023), 27.474 (30.11.2024), 26.640 (30.11.2025) und 24.889 Millionen zum 31. Mai 2026.
Die Wirkung zeigt sich in der Zinszeile. Der Zinsaufwand fiel von 2.066 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2023) über 1.755 (2024) auf 1.349 Millionen (2025) — im Halbjahr bis zum 31. Mai 2026 von 718 auf 577 Millionen, ein Minus von 20 Prozent. Jeder eingesparte Zins-Dollar landet direkt im Gewinn. Genau das ist der Motor hinter der Ergebniswende: Der Betriebsgewinn des Halbjahres lag mit 1.458 Millionen praktisch auf Vorjahresniveau (1.477), der Nettogewinn stieg trotzdem von 486 auf 795 Millionen.
Dazu kommt die Nachfrage, und die ist ehrlich stark. Die Auslastung lag im Quartal bei 104 Prozent — Werte über 100 bedeuten, dass in einem Teil der Kabinen mehr als zwei Personen schlafen. Der Konzern meldet für das Quartal das zwölfte Rekordquartal in Folge bei den Nettoerträgen je Bettentag und ist nach eigener Angabe zu 93 Prozent für das laufende Jahr ausgebucht. Seit dem Geschäftsjahr 2026 fließt auch wieder Geld an die Aktionäre: 414 Millionen US-Dollar Dividende und 381 Millionen Aktienrückkäufe im Halbjahr — im Vorjahreszeitraum war beides null.
Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Rekordumsatz — und trotzdem 83 Millionen weniger Betriebsgewinn
Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 stieg der Umsatz um 335 Millionen auf 6.663 Millionen US-Dollar (Vorjahr 6.328). Die Betriebskosten stiegen aber um 339 Millionen auf 4.225 Millionen, Vertrieb und Verwaltung um 47 auf 863 Millionen, die Abschreibungen um 31 auf 723 Millionen. Unterm Strich: 851 Millionen Betriebsgewinn nach 934 Millionen, ein Minus von 83 Millionen oder 8,9 Prozent.
Der Quartalsbericht nennt die Treiber selbst. Die beiden größten: 121 Millionen US-Dollar höhere Treibstoffpreise und 103 Millionen, die im Vorjahr als Gewinn aus dem Verkauf zweier Schiffe angefallen waren und diesmal fehlen. Der zweite Posten ist ein Einmaleffekt — rechnet man ihn heraus, wäre der Betriebsgewinn um rund 20 Millionen gestiegen statt um 83 gefallen. Carnivals eigene Segmentrechnung, die diese Sondereffekte ausklammert, weist für das Quartal 869 Millionen bereinigten Betriebsgewinn nach 835 Millionen aus, also ein Plus von 4,1 Prozent. Beide Zahlen sind richtig; nur die erste steht im Gesetz und die zweite in der Pressemitteilung.
Der Treibstoff bleibt trotzdem das ungelöste Problem. Der Preis je verbrauchter Tonne stieg von 614 auf 793 US-Dollar (plus 29 Prozent), die Treibstoffrechnung von 468 auf 595 Millionen. Dagegen arbeitet die Flotte messbar sparsamer: Der Verbrauch je tausend Bettentagen sank von 29,9 auf 28,2 Tonnen — das rettete 23 Millionen. Es reichte nicht. Die eigene Prognose rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit 713 US-Dollar je Tonne und einer Treibstoffrechnung von 2,12 Milliarden; eine Veränderung des Preises um 10 Prozent verschiebt das bereinigte Ergebnis im Rest des Jahres um 102 Millionen US-Dollar.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Schiffe halten seit Dezember 2025 fünf Jahre länger
Abschreibung heißt: Ein Schiff kostet einmal Geld, wird aber über viele Jahre verteilt als Aufwand gebucht. Je länger die angenommene Nutzungsdauer, desto kleiner der jährliche Aufwand — und desto größer der ausgewiesene Gewinn. Genau an dieser Stellschraube hat Carnival gedreht:
„In December 2025, we completed such review considering the period over which we expect to operate our ships and our long-term plans. As a result, we extended our ships’ depreciable lives to 35 years. … This revision did not have a material impact on our consolidated financial statements and has been applied prospectively beginning December 1, 2025.“
Übersetzung: „Im Dezember 2025 haben wir eine solche Überprüfung abgeschlossen und dabei den Zeitraum berücksichtigt, über den wir unsere Schiffe voraussichtlich betreiben, sowie unsere langfristigen Pläne. Im Ergebnis haben wir die Abschreibungsdauer unserer Schiffe auf 35 Jahre verlängert. … Diese Änderung hatte keine wesentliche Auswirkung auf unseren Konzernabschluss und wird prospektiv ab dem 1. Dezember 2025 angewendet.“
— Carnival Corporation Ltd., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. Mai 2026, Note 1
Vorher galten 30 Jahre. Gleichzeitig wurden die angesetzten Restwerte gesenkt — auf 5 Prozent der Anschaffungskosten bei LNG-Schiffen und Schrottwerte unter 25 Millionen US-Dollar bei allen übrigen. Beide Änderungen zusammen sollen sich laut Unternehmen ausgleichen. Ob das aufgeht, kann man von außen nicht nachrechnen; der Bericht nennt keinen Betrag. Was er nennt, ist die Größenordnung an anderer Stelle: Der Geschäftsbericht 2025 rechnet vor, dass ein Jahr weniger Nutzungsdauer die Abschreibung des Jahres 2025 um rund 52 Millionen US-Dollar erhöht hätte — und ein vollständiger Verzicht auf Restwerte um 265 Millionen. Fünf Jahre mehr Nutzungsdauer sind also kein Nebensatz, sondern eine dreistellige Millionengröße, die durch die Restwert-Senkung neutralisiert werden soll. Tatsächlich stiegen die Abschreibungen im Halbjahr bis zum 31. Mai 2026 von 1.346 auf 1.419 Millionen, weil die Flotte wächst und der Euro-Kurs mitspielt. Merke: Eine Annahme ist keine Zahl — aber sie steht in jeder Zahl darunter drin.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Während die Schulden fallen, steigen die Neubau-Zusagen um 6,6 Milliarden
Der Geschäftsbericht zum 30. November 2025 beziffert die Zusagen für neue Schiffe auf 0,5 / 1,6 / 1,5 / 1,8 / 1,7 Milliarden US-Dollar für die Geschäftsjahre 2026 bis 2030 und 4,8 Milliarden für alles danach — zusammen 11,9 Milliarden. Sechs Monate später steht dort:
Die Summe klettert damit von 11,9 auf 18,5 Milliarden US-Dollar — plus 6,6 Milliarden oder 55 Prozent in einem halben Jahr. Der Grund steht in der Quartalsmitteilung vom 23. Juni 2026: Carnival hat drei LNG-Schiffe für Princess Cruises bestellt, Ablieferung 2035, 2038 und 2039. Zur Einordnung: 6,6 Milliarden entsprechen rund 18 Prozent des Börsenwerts von 36,06 Milliarden US-Dollar (24. Juli 2026) und etwa dem Zweieinhalbfachen des Jahresgewinns 2025.
Das muss nichts Schlechtes sein — Kreuzfahrt ist ein Kapitalgeschäft, und neue LNG-Schiffe verbrauchen weniger. Es ist aber die zweite Hälfte der Turnaround-Geschichte, die in Rekordmeldungen selten vorkommt: Der Konzern tilgt Schulden und geht gleichzeitig neue, sehr langfristige Zahlungsverpflichtungen ein. Zum 31. Mai 2026 standen dafür 10,8 Milliarden US-Dollar ungezogene Exportkreditlinien bereit — allerdings für Ablieferungen bis 2033. Die drei Princess-Schiffe liegen jenseits dieses Fensters.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 69,1 Millionen neue Aktien aus einer einzigen Wandelanleihe
Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke ausgegeben werden. Im Dezember 2025 löste Carnival 1,1 Milliarden US-Dollar Nennwert der 2027er Wandelanleihe ab. Der Preis: 69,1 Millionen neue Aktien plus 500 Millionen US-Dollar in bar. Bezogen auf die rund 1.312 Millionen Aktien, die zum 30. November 2025 nach Abzug eigener Anteile ausstanden, sind das 5,3 Prozent zusätzliche Stücke.
Dagegen hält Carnival ein Rückkaufprogramm über 2,5 Milliarden US-Dollar (angekündigt im März 2026). Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 wurden 15,1 Millionen Aktien zurückgekauft, im Schnitt zu 25,85 US-Dollar — im April 3,4 Millionen zu 26,56, im Mai 11,7 Millionen zu 25,65. Vom Rahmen waren am Stichtag noch 2.110 Millionen US-Dollar übrig. Um allein die 69,1 Millionen Wandel-Aktien wieder einzusammeln, bräuchte es beim Mai-Preis rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Das ist machbar, aber es ist die Hälfte des Programms — und dieses Geld baut dann keine Schulden ab.
Zur Aktienzahl selbst: Das Deckblatt des Quartalsberichts nennt 1.369.649.119 Aktien zum 19. Juni 2026. Die Bilanz zum 31. Mai 2026 weist 1.514 Millionen ausgegebene abzüglich 142 Millionen eigener Aktien aus, also rund 1.372 Millionen. Der optische Sprung gegenüber früheren Berichten stammt zum größten Teil aus der Zusammenführung mit Carnival plc, nicht aus einer Kapitalerhöhung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Klimarechnung verdoppelt sich — und ist erst zu 70 Prozent scharf
Der europäische Emissionshandel zwingt Reedereien, Zertifikate für ihre Abgase zu kaufen. Der Geschäftsbericht 2025 nennt Zahlen und Fahrplan im selben Absatz:
„The maritime shipping sector became included in the scope of ETS in 2024, requiring ships to procure emission allowances covering 40% of their 2024 emissions inside EU waters to surrender in 2025, 70% of 2025 emissions to be surrendered in 2026 and 100% of annual emissions thereafter, to be surrendered in the following year. The cost of the EU ETS regulations in 2025 was $91 million and it is expected to be approximately $170 million in 2026.“
Übersetzung: „Der Seeschifffahrtssektor wurde 2024 in den Anwendungsbereich des Emissionshandels aufgenommen. Schiffe müssen Emissionszertifikate für 40 Prozent ihrer Emissionen des Jahres 2024 in EU-Gewässern beschaffen und 2025 abgeben, für 70 Prozent der Emissionen des Jahres 2025 mit Abgabe im Jahr 2026 und danach für 100 Prozent der jährlichen Emissionen, jeweils im Folgejahr abzugeben. Die Kosten der EU-Emissionshandelsvorschriften beliefen sich 2025 auf 91 Millionen US-Dollar und werden für 2026 auf etwa 170 Millionen geschätzt.“
— Carnival Corporation & plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1, Environmental Regulations
In der Kapitalflussrechnung des Halbjahres bis zum 31. Mai 2026 taucht der Posten schon konkret auf: 57 Millionen US-Dollar nach 29 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für das Europa-Geschäft nennt der Bericht zusätzlich 23 Millionen höhere Zertifikatskosten im Halbjahresvergleich. Und die Rechnung wächst weiter: Ab dem Emissionsjahr 2026 sind es 100 statt 70 Prozent, dazu kommt ab Juli 2026 der britische Emissionshandel für inländische Strecken. 170 Millionen US-Dollar entsprechen rund 32 Prozent des Quartalsgewinns von 537 Millionen.
Zwei weitere Punkte gehören der Vollständigkeit halber dazu, auch wenn Carnival beide als nicht wesentlich einstuft. Erstens: Am 21. Mai 2026 hat der Oberste Gerichtshof der USA die für Carnival günstige Berufungsentscheidung im Verfahren Havana Docks aufgehoben und die Sache zurückverwiesen; das ursprüngliche Urteil aus dem Jahr 2022 lautete auf 110 Millionen US-Dollar plus 4 Millionen Kosten. Zweitens: Nach einem Datensicherheitsvorfall am 14. April 2026 wurden im April sechs Sammelklagen eingereicht und im Mai 2026 zusammengelegt.
Bewertung — was der Markt für diese Rückkehr zahlt
Zum Schlusskurs von 26,33 US-Dollar am 24. Juli 2026 und 1.369.649.119 Aktien (Deckblatt 19. Juni 2026) kommt Carnival auf einen Börsenwert von rund 36,1 Milliarden US-Dollar. Rechnet man die Finanzschulden von 25,6 Milliarden hinzu und die Kasse von 2,2 Milliarden ab, liegt der Unternehmenswert bei rund 59,4 Milliarden. Das ist die entscheidende Zahl bei einem verschuldeten Unternehmen: Wer die Aktie kauft, kauft anteilig auch den Schuldenberg mit.
Daraus ergeben sich Größenordnungen, keine Punktlandungen:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 12 — sowohl auf den nachlaufenden Gewinn als auch auf die eigene Prognose von 2,22 US-Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie für das Geschäftsjahr 2026.
- Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 1,4, gemessen am Jahresumsatz 2025 von 26,6 Milliarden.
- Unternehmenswert zum bereinigten EBITDA rund 8,4, gemessen an der eigenen Prognose von 7,11 Milliarden für das Geschäftsjahr 2026. Für einen Kapitalgüter-Betrieb mit dieser Verschuldung ist das weder billig noch teuer — es ist der Preis für „es läuft, aber die Bilanz ist noch nicht fertig“.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 2,8 bei einer Eigenkapitalrendite von 26,7 Prozent (Datenstand 26. Juli 2026).
Der Blick der Profis ist deutlich freundlicher als unserer: 28 Analysten kommen auf ein mittleres Votum von 4,46 auf einer Skala bis 5 — das ist im Bereich „kaufen“. Institutionelle Anleger halten rund 65,9 Prozent der Aktien. Ein Anker aus dem Bericht selbst: Das Unternehmen kaufte im Mai 2026 eigene Aktien zu durchschnittlich 25,65 US-Dollar zurück — Carnival hielt den Kurs auf diesem Niveau also für attraktiv genug, um dafür Bargeld auszugeben, das sonst Schulden getilgt hätte.
Zwei Kennzahlen, die man bei diesem Titel nicht überspringen darf: Die Eigenkapitalquote liegt bei 23,8 Prozent (12.984 Millionen Eigenkapital zu 52.228 Millionen Bilanzsumme, Stand 31. Mai 2026), die Zinsdeckung bei 3,32. Der wichtigste Kreditvertrag verlangt eine Zinsdeckung von mindestens 3,0 — Carnival war zum 31. Mai 2026 nach eigener Angabe mit allen Auflagen im Reinen, aber der Abstand ist überschaubar. Wer die Auswirkung hoher Verschuldung auf einen Turnaround in einem anderen Geschäft sehen möchte, findet sie in unserer Analyse zu Sirius XM.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Die Nachfrage ist belegt, nicht behauptet: 104 Prozent Auslastung im Quartal, Kundenanzahlungen auf dem Allzeithoch von 9,0 Milliarden US-Dollar, nach eigener Angabe 93 Prozent des Jahres 2026 ausgebucht und zwölf Rekordquartale in Folge bei den Nettoerträgen je Bettentag.
- Jeder getilgte Dollar wirkt doppelt: Der Zinsaufwand fiel im Halbjahr um 141 Millionen US-Dollar auf 577 Millionen — bei praktisch unverändertem Betriebsgewinn stieg der Nettogewinn dadurch von 486 auf 795 Millionen.
- Das Verhältnis von Nettoschulden zum bereinigten EBITDA lag nach eigener Angabe bei 3,1 — mehr als einen halben Punkt besser als ein Jahr zuvor; Moody’s hat die Bonität heraufgestuft.
- Der Konzern verdient Geld mit fremdem Kapital, das nichts kostet: 9,0 Milliarden US-Dollar Kundenanzahlungen sind zinsfreie Vorfinanzierung.
- Die Flotte wird effizienter: Der Treibstoffverbrauch je tausend Bettentagen sank im Quartal von 29,9 auf 28,2 Tonnen.
Risiken
- Der Schuldenberg ist kleiner, aber immer noch groß: 25,6 Milliarden US-Dollar Finanzschulden, davon 2,5 Milliarden bis Ende 2027 und 3,97 Milliarden im Jahr 2028 fällig. Die Eigenkapitalquote liegt bei 23,8 Prozent.
- Der Altman-Z-Score von 1,27 liegt nur 0,17 Punkte über der Gefahrenzone — eine Verschlechterung der Bilanz oder ein Umsatzknick schlägt hier sofort durch.
- Treibstoff ist der größte unkontrollierbare Kostenblock: plus 29 Prozent im Preis je Tonne im Quartal, 102 Millionen US-Dollar Ergebnisverschiebung je 10 Prozent Preisänderung im Rest des Jahres 2026.
- 18,5 Milliarden US-Dollar Neubau-Zusagen binden Mittel bis weit in die 2030er Jahre; die vorhandenen Exportkreditlinien decken Ablieferungen nur bis 2033 ab.
- Regulierung wächst planmäßig: EU-Emissionshandel von 91 auf rund 170 Millionen US-Dollar, Abgabequote steigt ab 2026 von 70 auf 100 Prozent, dazu ab Juli 2026 der britische Emissionshandel.
- Geopolitik trifft direkt auf den Fahrplan: Der Bericht nennt höhere Crew-Reisekosten und schwächere Buchungen für Mittelmeer-Routen wegen des Nahost-Konflikts.
- Offene Rechtsfragen: Das Havana-Docks-Verfahren wurde am 21. Mai 2026 vom Obersten Gerichtshof zurückverwiesen (ursprüngliches Urteil 110 Millionen US-Dollar plus 4 Millionen Kosten); nach dem Datensicherheitsvorfall vom 14. April 2026 laufen sechs zusammengelegte Sammelklagen.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Schlagzeilen-Falle vom Anfang. „Rekordumsatz“ und „Betriebsgewinn fällt“ standen an einem einzigen Tag im selben Unternehmen — und beides war wahr. Wer nur die Überschrift liest, kauft eine Geschichte. Wer den Bericht liest, kauft eine Rechnung: 335 Millionen mehr Umsatz, 121 Millionen mehr Treibstoffkosten, 103 Millionen fehlende Schiffsverkaufsgewinne, unterm Strich 83 Millionen weniger Betriebsgewinn — und ohne den Einmaleffekt ein kleines Plus.
Was uns an Carnival beeindruckt, ist nicht der Rekord. Es ist die Strecke: von einem Verlust von 10,2 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2020 zu einem Gewinn von 2,8 Milliarden im Jahr 2025, von 34,3 Milliarden Schulden auf 24,9 Milliarden, von null Ausschüttung zu 414 Millionen Dividende im Halbjahr. Das ist ehrliche Arbeit an einer sehr schweren Bilanz.
Was uns unruhig macht, ist die Gleichzeitigkeit. Dieselbe Firma, die ihre Schulden abbaut, hat binnen sechs Monaten Neubauten für 6,6 Milliarden zusätzlich zugesagt, schreibt ihre Schiffe fünf Jahre länger ab und steht bei einem Pleite-Frühwarnwert von 1,27 — nur 0,17 Punkte über der Zone, in der es ungemütlich wird. Und im Turnaround-Scanner, der uns hierhergeführt hat, erreicht Carnival mit 6 von 8 Punkten genau die Untergrenze der Anzeige.
Wir sagen dir nicht, ob du kaufen sollst. Wir sagen dir, worauf du in den nächsten Berichten schauen kannst: auf die Zeile mit den Neubau-Zusagen, auf den Treibstoffpreis je Tonne, auf den Restrahmen des Rückkaufprogramms und auf die Auslastung in Nordamerika, die im Quartal um 1,1 Prozentpunkte nachgab. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Quartalsbericht 10-Q zum 31. Mai 2026 (eingereicht am 26.06.2026) — Konzernabschluss, Note 1 (Zusammenführung, Nutzungsdauer), Note 3 (Schulden, Wandelanleihe, Auflagen), Note 4 (Rechtsstreitigkeiten, Neubau-Zusagen), Note 6 (Segmente), Note 7 (Ergebnis je Aktie), Item 2 (Lagebericht), Part II Item 2 (Rückkäufe)
- Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht am 27.01.2026) — Item 1 (Marken, Flotte, Umweltvorschriften), Item 7 (Lagebericht, Sensitivität der Abschreibung), Konzernabschluss und Note 7 (Schiffsverpflichtungen)
- Quartalsbericht 10-Q zum 28. Februar 2026 (eingereicht am 27.03.2026)
- Pflichtmitteilung 8-K vom 7. Mai 2026 — Zusammenführung der Doppelnotiz-Struktur, Sitzverlegung nach Bermuda, Einstellung der Zweitnotiz CUK
- Pflichtmitteilung 8-K vom 23. Juni 2026 — Quartalsmitteilung mit Prognose für das Geschäftsjahr 2026, Sensitivitäten und Kapitalverwendung
- Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht am 27.01.2025) — Vergleichszahlen
- Screener- und Marktdaten: hauseigener Aktien-Scanner (Datenstand 24. bis 26. Juli 2026), darunter der Turnaround-Kandidaten-Scanner (US-Auswahl, Platz 24 von 62, Wende-Check 6 von 8, Stand 25. Juli 2026); Kennzahlen und Kurshistorie aus Fundamentaldaten
Diese Analyse ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine individuelle Empfehlung. Aktien können erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Angaben stammen aus den oben genannten Originalquellen und wurden am 26. Juli 2026 geprüft; spätere Entwicklungen sind nicht berücksichtigt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.
Unser Fazit auf einen Blick
- Nachfrage & Geschäftsmodell positiv
- Die Auslastung lag im Quartal bis zum 31. Mai 2026 bei 104 Prozent wie im Vorjahresquartal, die Kundenanzahlungen erreichten mit 9,0 Milliarden US-Dollar einen Höchststand (30. November 2025: 7,2 Milliarden), und das Bordgeschäft wuchs mit 7,4 Prozent schneller als das Ticket mit 4,1 Prozent. Der Konzern meldet für das Quartal das zwölfte Rekordquartal in Folge bei den Nettoerträgen je Bettentag und ist nach eigener Angabe zu 93 Prozent für das Jahr ausgebucht.
- Entschuldung & Zinslast positiv
- Die Finanzschulden fielen vom Höchststand 34.346 Millionen US-Dollar (30. November 2022) auf 24.889 Millionen (31. Mai 2026). Der Zinsaufwand sank im Halbjahr von 718 auf 577 Millionen — ein Minus von 20 Prozent. Genau daraus entsteht die Ergebniswende: Der Betriebsgewinn des Halbjahres lag mit 1.458 Millionen praktisch auf Vorjahresniveau (1.477), der Nettogewinn stieg trotzdem von 486 auf 795 Millionen.
- Operative Marge negativ
- Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 stand einem Umsatzplus von 335 Millionen US-Dollar ein Kostenplus von 339 Millionen gegenüber; der ausgewiesene Betriebsgewinn fiel von 934 auf 851 Millionen. Treiber laut Bericht: 121 Millionen höhere Treibstoffpreise (793 statt 614 US-Dollar je Tonne) und 103 Millionen fehlende Schiffsverkaufsgewinne. Ohne den Einmaleffekt wäre der Betriebsgewinn um rund 20 Millionen gestiegen, nach eigener Segmentrechnung um 34 Millionen auf 869 Millionen.
- Bilanzsubstanz neutral
- Zum 31. Mai 2026 stehen 12.984 Millionen US-Dollar Eigenkapital 52.228 Millionen Bilanzsumme gegenüber — eine Quote von 23,8 Prozent bei einem Verschuldungsgrad von 2,18. Die Zinsdeckung liegt bei 3,32, die wichtigste Kreditauflage verlangt mindestens 3,0; alle Auflagen waren zum Stichtag eingehalten. Der Altman-Z-Score von 1,27 liegt nur 0,17 Punkte über der Gefahrenzone von 1,1 (Datenstand 26. Juli 2026).
- Investitionsprogramm negativ
- Die Zusagen für neue Schiffe stiegen zwischen dem 30. November 2025 und dem 31. Mai 2026 von 11,9 auf 18,5 Milliarden US-Dollar, weil drei LNG-Schiffe für Princess Cruises mit Ablieferung 2035, 2038 und 2039 bestellt wurden. Das sind rund 18 Prozent des Börsenwerts. Die vorhandenen ungezogenen Exportkredite über 10,8 Milliarden decken Ablieferungen nur bis 2033 ab. Parallel wurde die Abschreibungsdauer der Schiffe zum 1. Dezember 2025 von 30 auf 35 Jahre verlängert.
- Bewertung & Marktbild neutral
- Rund 36,1 Milliarden US-Dollar Börsenwert (1.369.649.119 Aktien, Schlusskurs 26,33 US-Dollar am 24. Juli 2026) und ein Unternehmenswert von rund 59,4 Milliarden entsprechen grob dem Zwölffachen des Gewinns und dem 8,4-Fachen des für 2026 prognostizierten bereinigten EBITDA von 7,11 Milliarden. 28 Analysten kommen auf ein mittleres Votum von 4,46 auf einer Skala bis 5. Das Unternehmen selbst kaufte im Mai 2026 zu durchschnittlich 25,65 US-Dollar eigene Aktien zurück.
Carnival hat den härtesten Teil hinter sich: aus 10,2 Milliarden US-Dollar Verlust im Geschäftsjahr 2020 wurden 2,8 Milliarden Gewinn im Jahr 2025, aus 34,3 Milliarden Schulden 24,9 Milliarden, aus null Ausschüttung 414 Millionen Dividende im Halbjahr. Die Nachfrage ist belegt: 104 Prozent Auslastung, 9,0 Milliarden Kundenanzahlungen, 93 Prozent des Jahres ausgebucht. Unbequem bleibt die Gleichzeitigkeit: Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 fiel der ausgewiesene Betriebsgewinn trotz Rekordumsatz von 934 auf 851 Millionen, die Neubau-Zusagen stiegen binnen sechs Monaten von 11,9 auf 18,5 Milliarden, die Schiffe werden seit Dezember 2025 über 35 statt 30 Jahre abgeschrieben, und der Pleite-Frühwarnwert Altman-Z steht mit 1,27 nur 0,17 Punkte über der Gefahrenzone. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäft funktioniert nachweislich: 104 Prozent Auslastung, 9,0 Milliarden US-Dollar Kundenanzahlungen auf dem Höchststand, 6,2 Milliarden operativer Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025 und ein Rekordumsatz. Offen ist eine operative Frage und eine Bilanzfrage, und beide sind echt: Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 fiel der ausgewiesene Betriebsgewinn trotz Umsatzwachstum um 83 Millionen US-Dollar, weil der Treibstoffpreis um 29 Prozent stieg — und die Bilanz trägt bei 23,8 Prozent Eigenkapitalquote noch immer 24,9 Milliarden Schulden, mit einem Altman-Z von 1,27 nur 0,17 Punkte über der Gefahrenzone. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: Die Zinsdeckung liegt bei 3,32, alle Kreditauflagen sind eingehalten, die Liquidität beträgt 6,7 Milliarden, und das Geschäft wirft jedes Halbjahr Milliarden an Bargeld ab. Für Grün ist die Bilanz noch nicht weit genug — zumal parallel 18,5 Milliarden an Neubau-Zusagen laufen. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Carnival über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 24 von 62 US-Treffern, Wende-Check 6 von 8, Stand 25. Juli 2026. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand. 6 von 8 ist zugleich die Untergrenze der Anzeige.
- Die beiden Pflicht-Säulen des Scanners: mindestens 50 Prozent Abstand zum Allzeithoch (Carnival: rund 63 Prozent, gemessen am höchsten Schlusskurs von 71,94 US-Dollar vom 29.01.2018 gegen 26,33 US-Dollar am 24.07.2026) und ein Altman-Z-Score von mindestens 1,1 (Carnival: 1,27). Steigt der Kurs über rund 36 US-Dollar, ist Säule 1 gerissen und der Titel verlässt die Liste, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hätte.
- Kein Übernahmefall: Die Zusammenführung der Doppelnotiz-Struktur am 07.05.2026 war eine konzerninterne Umstrukturierung nach britischem Recht (Scheme of Arrangement). Carnival plc wurde Tochtergesellschaft, der Sitz wanderte von Panama nach Bermuda, die Zweitnotiz CUK und die Londoner Notierung endeten. Das Fusionsdokument DEFM14A vom 27.02.2026 gehört zu diesem Vorgang, nicht zu einem Verkauf des Unternehmens.
- Das Geschäftsjahr endet am 30. November. Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31.05.2026 (eingereicht am 26.06.2026); danach lag zum Datenstand 26.07.2026 kein weiteres Filing vor. Die Prognosezahlen stammen aus der Pflichtmitteilung 8-K vom 23.06.2026 und sind Unternehmensangaben, keine eigene Schätzung.
- Kursangaben sind datierte Bewertungsanker, keine Kaufargumente: Schlusskurs 26,33 US-Dollar am 24.07.2026, höchster Schlusskurs 71,94 US-Dollar am 29.01.2018, 52-Wochen-Hoch 33,99 US-Dollar am 06.02.2026. Gegenprobe zum Börsenwert: 1.369.649.119 Aktien × 26,33 US-Dollar ergeben 36,06 Milliarden — deckungsgleich mit dem Wert aus den Fundamentaldaten.
- Verwechslungsgefahr: Carnival Corporation Ltd. (CCL an der NYSE) ist nicht identisch mit der britischen Carnival plc, die seit dem 07.05.2026 eine Tochtergesellschaft ohne eigene Börsennotiz ist. Das Kürzel CUK existiert seit diesem Datum nicht mehr. An der Londoner Börse wird zudem eine gleichnamige Notiz nicht mehr geführt.
Häufige Fragen
Nein. Am 7. Mai 2026 wurde lediglich die Doppelnotiz-Struktur aufgelöst: Carnival plc wurde britische Tochter der Carnival Corporation Ltd., der Sitz wanderte von Panama nach Bermuda. Die Londoner Notiz und die New Yorker Zweitnotiz CUK endeten, Aktionäre erhielten je Stück eine neue Aktie. Gehandelt wird weiterhin an der NYSE unter CCL.
Am 30. November. Das Geschäftsjahr 2025 lief vom 1. Dezember 2024 bis zum 30. November 2025; der Geschäftsbericht dazu wurde am 27. Januar 2026 eingereicht. Das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 endete am 31. Mai 2026. Angaben zu „2026“ beziehen sich also überwiegend auf Zeiträume, die im Kalenderjahr 2026 liegen, aber am 30. November 2026 enden.
Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 stieg der Umsatz um 335 Millionen US-Dollar, die Betriebskosten aber um 339 Millionen. Die größten Treiber laut Quartalsbericht: 121 Millionen höhere Treibstoffpreise und 103 Millionen Schiffsverkaufsgewinne, die es im Vorjahr gab und diesmal nicht. Ohne diesen Einmaleffekt hätte der Betriebsgewinn um rund 20 Millionen zugelegt.
Zum 31. Mai 2026 weist die Bilanz 24.889 Millionen US-Dollar Finanzschulden nach Emissionskosten aus, davon 1.471 Millionen kurzfristig. Der Höchststand lag am 30. November 2022 bei 34.346 Millionen. Dem stehen 2,2 Milliarden Kasse und eine ungenutzte Kreditlinie über 4,5 Milliarden gegenüber; die Liquidität beträgt damit 6,7 Milliarden US-Dollar.
Der Altman-Z-Score ist ein Frühwarnwert für Zahlungsunfähigkeit, berechnet aus mehreren Bilanzkennzahlen. Unterhalb von 1,1 beginnt in unserem Scanner die Gefahrenzone. Carnival liegt mit 1,27 knapp darüber (Datenstand 26. Juli 2026) und erfüllt damit die Pflicht-Säule des Turnaround-Scanners — allerdings mit nur 0,17 Punkten Abstand. Kerngesunde Bilanzen liegen jenseits von 3.
Ja. Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 wurden 0,15 US-Dollar je Aktie ausgeschüttet, das entspricht 207 Millionen US-Dollar; im Halbjahr summierten sich die Dividenden auf 414 Millionen. Im Vorjahreszeitraum war die Ausschüttung null. Zusätzlich läuft seit März 2026 ein Aktienrückkaufprogramm über 2,5 Milliarden US-Dollar.
Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 kostete eine Tonne 793 US-Dollar nach 614 im Vorjahr, die Treibstoffrechnung stieg von 468 auf 595 Millionen. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Carnival mit 713 US-Dollar je Tonne und 2,12 Milliarden Gesamtaufwand. Eine Preisänderung um 10 Prozent verschiebt das bereinigte Ergebnis im Rest des Jahres um 102 Millionen US-Dollar.
Zum 30. November 2025 standen sieben Schiffe mit Ablieferung bis 2033 unter Vertrag. Im Quartal bis zum 31. Mai 2026 kamen drei LNG-Schiffe für Princess Cruises hinzu, Ablieferung 2035, 2038 und 2039. Die Zusagen für neue Schiffe stiegen dadurch von 11,9 auf 18,5 Milliarden US-Dollar.
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