Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (62 ) Gut Breite Marktteilnahme · Breite steigend (+8 zum 10-Tage-Schnitt) · Makro-Großtermin direkt benachbart

Newmont-Aktie: Zwei Rekorde, und nur über einen spricht der Konzern

Newmont-Aktie: Zwei Rekorde, und nur über einen spricht der Konzern

Newmont hat 2025 mehr verdient als je zuvor: 7,1 Milliarden US-Dollar. Im selben Jahr fiel die eigene Goldreserve von 134,1 auf 118,2 Millionen Unzen — obwohl die Bewertungsannahme von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze angehoben wurde. Wir haben Geschäftsbericht und Quartalsbericht gelesen und beide Rekorde nebeneinandergelegt: den in Dollar und den in Unzen. Fällt der Goldpreis auf seinen Dreijahresschnitt zurück, wird aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 rechnerisch eines um 23.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (NEM)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Newmont-Aktie: Zwei Rekorde, und nur über einen spricht der Konzern
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Ein Bergbaukonzern führt zwei Bücher. Das eine steht in Dollar und wird jedes Quartal veröffentlicht, kommentiert und gefeiert. Das andere steht in Unzen im Boden, erscheint einmal im Jahr auf ein paar unauffälligen Seiten des Geschäftsberichts — und entscheidet darüber, ob es das Unternehmen in zwanzig Jahren noch gibt.

Newmont (NYSE: NEM), der größte Goldproduzent der Welt, hat 2025 in beiden Büchern einen Rekord aufgestellt. Über den einen spricht der Konzern gern: 7,1 Milliarden US-Dollar Gewinn, mehr als je zuvor in seiner 1921 begonnenen Geschichte. Über den anderen spricht er nicht: Die nachgewiesene Goldreserve fiel im selben Jahr von 134,1 auf 118,2 Millionen Unzen — der stärkste Rückgang seit Langem. Deshalb machen wir hier keinen Rundgang durch schöne Kennzahlen, sondern legen die beiden Bücher nebeneinander und beantworten eine einzige Frage: Was ist dieser Rekordgewinn wert, wenn der Vorrat, aus dem er stammt, gleichzeitig kleiner wird?

Damit du weißt, worauf wir hinauswollen, hier gleich das Spannungsfeld dieser Analyse. Die Dollar-Bilanz von Newmont ist ausgezeichnet und wird es auf Jahre bleiben: mehr Geld in der Kasse als Schulden, 5,3 Milliarden US-Dollar freier Mittelzufluss allein im ersten Halbjahr 2026, ein laufendes Rückkaufprogramm über sechs Milliarden. Die Unzen-Bilanz ist es nicht. Merk dir diesen Satz: Man kauft hier den bestfinanzierten Goldkonzern der Welt zu einem Preis, den der Goldmarkt gemacht hat — und einen Vorrat, der zuletzt schneller schrumpfte, als er nachwuchs.

Was Newmont eigentlich macht

Das Geschäft ist so einfach wie schwer: Gestein aus dem Boden holen, zermahlen, das Gold herauslösen, es verkaufen. Verkauft wird zum Weltmarktpreis — ein Goldproduzent hat keine Preismacht, kein Markenversprechen, keine Stammkundschaft. Was er beeinflussen kann, sind seine Kosten je Unze und die Frage, wie lange sein Vorrat reicht. Alles andere macht der Markt.

Newmont berichtet in 13 Segmenten: zwölf selbst geführte Minen und ein dreizehntes, das dem Konzern nur zu 38,5 Prozent gehört und das er nicht führt. Die Landkarte reicht von Lihir in Papua-Neuguinea über Cadia, Boddington und Tanami in Australien, Ahafo South und Ahafo North in Ghana, Merian in Suriname, Cerro Negro in Argentinien, Yanacocha in Peru und Peñasquito in Mexiko bis zu Red Chris und Brucejack in Kanada. Dazu kommen 40 Prozent an Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik und 32 Prozent an Lundin Gold, dem Betreiber von Fruta del Norte in Ecuador. Zum 31. Dezember 2025 hielt der Konzern Rechte auf rund 49.800 Quadratkilometer Fläche.

Zwei Besonderheiten muss man kennen, weil sie die Zahlen prägen. Erstens Nevada. Am 1. Juli 2019 legten Newmont und Barrick ihre Minen in Nevada in ein Gemeinschaftsunternehmen zusammen, Nevada Gold Mines. Barrick führt es, Newmont hält 38,5 Prozent und bucht sie anteilig in die eigene Bilanz. Damit steckt das größte einzelne Reservepaket des Konzerns — 17,4 Millionen Unzen — in einer Beteiligung, deren Betriebsführung ein Wettbewerber verantwortet. Zweitens die Nebenmetalle. Newmont verkauft nicht nur Gold, sondern auch Kupfer, Silber, Blei und Zink; 2025 brachten sie zusammen 3.365 der 22.669 Millionen US-Dollar Umsatz, also knapp 15 Prozent. Das ist mehr Diversifikation, als reine Goldproduzenten haben — aber kein zweites Standbein: Das Kupfergeschäft, im Wesentlichen Boddington, Red Chris und Cadia, kam 2025 auf 135.000 Tonnen und 1.438 Millionen US-Dollar Erlös, gut sechs Prozent des Umsatzes.

Zur Rechtsform: Newmont Corporation ist eine Gesellschaft nach dem Recht von Delaware mit Hauptsitz in Denver, Colorado, notiert an der New Yorker Börse und zusätzlich in Sydney und Port Moresby. Sie meldet der SEC als Inlandsemittent per Geschäftsbericht 10-K und Quartalsbericht 10-Q — anders als etwa der südafrikanisch geprägte Wettbewerber AngloGold Ashanti, der als ausländischer Emittent 20-F und 6-K einreicht. Seit dem 1. Januar 2026 führt Natascha Viljoen den Konzern als President and Chief Executive Officer; sie folgte auf Tom Palmer, der zum 31. Dezember 2025 in den Ruhestand ging.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht

Auf die Rechercheliste kam Newmont über einen einzigen Filter: »QARP — Qualität zum fairen Preis«, dort Rang 20 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026). Dieser Scanner ist streng, weil er fünf Bedingungen gleichzeitig verlangt — Qualität allein ist meist teuer, Billiges allein meist Schrott. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ den Filter »QARP — Qualität zum fairen Preis« öffnen, Land auf USA stellen und die Zeile NEM suchen. Und so schneidet die Aktie bei den fünf Hürden ab:

  • Piotroski-F-Score mindestens 7 — NEM: 9 von 9. Diese Kennzahl zählt neun Ja/Nein-Fragen zu Ertrag, Bilanz und Effizienz zusammen. Neun Punkte sind das theoretische Maximum, und Newmont ist die einzige Aktie im gesamten Scanner, die es erreicht.
  • Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent — NEM: 25,8 Prozent. Gegenrechnung: 8.597 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn (7.085 für 2025, minus 3.952 für das erste Halbjahr 2025, plus 5.464 für das erste Halbjahr 2026) auf 33.867 Millionen Eigenkapital der Aktionäre zum Jahresende 2025 ergeben 25,4 Prozent. Die Kennzahl ist belastbar.
  • Operative Marge mindestens 10 Prozent — NEM: mit weitem Abstand erfüllt. 2025 blieben von 22.669 Millionen US-Dollar Umsatz nach allen Betriebsaufwendungen 10.961 Millionen übrig, also 48,4 Prozent.
  • Verschuldungsgrad höchstens 1 — NEM: 0,15. Den 5.115 Millionen US-Dollar Finanzschulden zum Jahresende 2025 standen 34.042 Millionen Eigenkapital gegenüber; zum 30. Juni 2026 hatte der Konzern netto 3.926 Millionen mehr Geld als Schulden.
  • Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — NEM: 12,4. Das ist die Hürde, die man sich genau ansehen muss, und darum geht es weiter unten.

Ergänzend führt der Datenbestand ein Fundamental-Rating von 73 (Note B), einen Börsenwert von rund 101,8 Milliarden US-Dollar und eine Dreijahresrendite von 50,5 Prozent pro Jahr. Beim Piotroski-Wert lohnt eine Einordnung, gerade weil er so beeindruckend aussieht: Der F-Score misst nicht die absolute Güte eines Unternehmens, sondern die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr — höherer Gewinn, besserer Cashflow, steigende Marge, sinkende Verschuldung. Bei einem Rohstoffproduzenten im Preisaufschwung fallen sechs bis sieben dieser neun Fragen fast automatisch positiv aus, sobald der Weltmarktpreis steigt. Neun von neun sagen also vor allem: 2025 war ein deutlich besseres Jahr als 2024. Sie sagen nichts darüber, was 2027 sein wird. Also schauen wir uns die Zahlen an.

Die wichtigste Kennzahl der Branche heißt nicht Marge, sondern AISC

Bei einem Goldproduzenten hilft die klassische Gewinnmarge wenig, weil sie zu viele verschiedene Dinge vermischt. Die Branche rechnet deshalb mit den Vollkosten je Unze, englisch All-in Sustaining Costs, kurz AISC. Darin steckt alles, was nötig ist, um eine Unze zu fördern und die Mine dabei am Laufen zu halten: Löhne, Diesel, Sprengstoff, Chemie, Lizenzabgaben an den Staat, Verwaltung, Rückstellungen für die Renaturierung und die laufenden Ersatzinvestitionen. Vom erzielten Goldpreis zieht man die AISC ab — was übrig bleibt, ist das, was der Konzern je Unze wirklich verdient. Der Rest ist Buchhaltung.

Bei Newmont sieht diese Rechnung so aus:

Balkendiagramm des erzielten Goldpreises und der Vollkosten je Unze: 1.788 zu 1.062 US-Dollar im Jahr 2021, 1.792 zu 1.211 im Jahr 2022, 1.954 zu 1.444 im Jahr 2023, 2.408 zu 1.516 im Jahr 2024, 3.498 zu 1.609 im Jahr 2025 und 4.661 zu 1.822 US-Dollar im ersten Halbjahr 2026.
Der erzielte Goldpreis hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt, die Vollkosten je Unze sind um 72 Prozent gestiegen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Beide Linien zeigen nach oben — aber unterschiedlich schnell. Die Vollkosten je Unze stiegen von 1.062 US-Dollar (2021) auf 1.822 US-Dollar im ersten Halbjahr 2026, das sind 72 Prozent in fünfeinhalb Jahren. Der erzielte Goldpreis stieg im selben Zeitraum von 1.788 auf 4.661 US-Dollar, also um 161 Prozent. Was je Unze übrig bleibt, wuchs dadurch von 726 auf 2.839 US-Dollar — eine Vervierfachung, ohne dass der Konzern eine einzige Unze mehr gefördert hätte.

Fairerweise gehört dazu: Ein Teil des Kostenanstiegs im laufenden Jahr ist ein Sondereffekt, kein Trend. Im zweiten Quartal 2026 sprangen die Vollkosten auf 1.938 US-Dollar je Unze, nach 1.593 ein Jahr zuvor — der größte Einzelbeitrag kam aus der Mine Cadia, wo nach einem seismischen Ereignis der Untertagebetrieb stillstand und die Fixkosten trotzdem weiterliefen. Warum das mehr ist als eine Fußnote, steht weiter unten.

Die wichtigste Rechnung dieser Analyse

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 klingt günstig. Bei einem Rohstoffproduzenten ist es aber keine Aussage über den Preis, sondern eine Aussage über die Haltbarkeit des Nenners. Also rechnen wir nach, was passiert, wenn der Goldpreis dorthin zurückkehrt, wo er im Schnitt der vergangenen Jahre stand — bei unveränderter Fördermenge.

Zuerst die Ausgangsgrößen, alle aus den Berichten: Der erzielte Goldpreis lag 2021 bei 1.788 US-Dollar je Unze, 2022 bei 1.792, 2023 bei 1.954, 2024 bei 2.408 und 2025 bei 3.498. Daraus ergibt sich ein Dreijahresschnitt von 2.620 US-Dollar (2023 bis 2025) und ein Fünfjahresschnitt von 2.288 US-Dollar (2021 bis 2025). Im ersten Halbjahr 2026 waren es 4.661.

Wir rechnen das erste Halbjahr 2026 aufs Jahr hoch. Dann senken wir nur den Goldpreis und lassen alles andere gleich. Eine Erleichterung geben wir dem Unternehmen dabei: Die Lizenzabgaben hängen am Preis, fallen also mit. Wir rechnen sie mit fünf Prozent des Preises zurück — das ist der Satz, den Ghana seit dem 1. Januar 2026 fest erhebt und der damit die höchste im Geschäftsbericht ausdrücklich genannte Quote ist.

  • Ist-Zustand (Goldpreis 4.661 US-Dollar je Unze): Vorsteuerergebnis hochgerechnet 15.164 Millionen US-Dollar, den Aktionären zurechenbarer Gewinn rund 10.928 Millionen, das sind 10,15 US-Dollar je Aktie. Bei einem aus dem Börsenwert abgeleiteten Kurs von rund 98,33 US-Dollar entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,7. Es liegt unter den ausgewiesenen 12,4, weil das erste Halbjahr 2026 deutlich besser lief als das zweite Halbjahr 2025.
  • Goldpreis auf dem Dreijahresschnitt (2.620 US-Dollar): Marge je Unze 900 statt 2.839 US-Dollar. Vorsteuerergebnis rund 5.752 Millionen, Gewinn je Aktie 4,25 US-Dollar — Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 23.
  • Goldpreis auf dem Fünfjahresschnitt (2.288 US-Dollar): Marge je Unze 585 US-Dollar, Gewinn je Aktie 3,29 US-Dollar — Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 30.

Diese Modellrechnung ist eher zu freundlich als zu streng, und das aus zwei Gründen. Sie hält erstens die Preise für Silber und Kupfer konstant — Silber erlöste im ersten Halbjahr 2026 61,51 US-Dollar je Unze nach 38,92 im Jahr 2025 und 19,97 im Jahr 2023; in einem Goldabschwung fällt das mit. Und sie hält zweitens die Kosten je Unze konstant, obwohl die zuletzt jedes Jahr gestiegen sind.

Man muss so einer Rechnung ohnehin nicht glauben. Man kann sie an der eigenen Geschichte des Unternehmens prüfen, und das Ergebnis ist unbequem deutlich:

Balkendiagramm des verwässerten Ergebnisses je Aktie: plus 1,46 US-Dollar 2021, minus 0,54 im Jahr 2022, minus 2,97 im Jahr 2023, plus 2,92 im Jahr 2024, plus 6,39 im Jahr 2025 und plus 5,07 US-Dollar im ersten Halbjahr 2026.
Drei Jahre mit einem Goldpreis unter 2.000 US-Dollar je Unze — und zwei davon endeten im Verlust. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.
  • 2024, erzielter Goldpreis 2.408 US-Dollar je Unze — also knapp unter dem Dreijahresschnitt: Gewinn der Aktionäre 3.348 Millionen US-Dollar, 2,92 US-Dollar je Aktie. Beim heutigen Kurs wäre das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34. Unser Modell sagt 23 — die Wirklichkeit war also schlechter als die Rechnung.
  • 2023, erzielter Goldpreis 1.954 US-Dollar: ein Verlust von 2.494 Millionen US-Dollar, 2,97 US-Dollar je Aktie. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert dann gar nicht.
  • 2022, erzielter Goldpreis 1.792 US-Dollar: ebenfalls ein Verlust, 0,54 US-Dollar je Aktie.
  • 2021, erzielter Goldpreis 1.788 US-Dollar: ein Gewinn von 1,46 US-Dollar je Aktie — bei einer damals deutlich kleineren Aktienzahl.

Fünf Jahre, ein Unternehmen, vom Verlust bis zum Rekordgewinn — und dazwischen liegt praktisch nur der Goldpreis. Die ehrliche Formulierung lautet deshalb nicht „Newmont ist billig“, sondern: Newmont ist billig, solange Gold deutlich über 3.000 US-Dollar je Unze notiert. Wer eine ähnliche Zyklus-Falle in derselben Branche sehen will, findet sie bei AngloGold Ashanti, wo dieselbe Rechnung noch schärfer ausfällt; wie sie sich bei einem Produzenten mit Kupfer als Hauptmetall darstellt, zeigt die Analyse zu Freeport-McMoRan.

Die unbequemen Wahrheiten

Bei einem Konzern mit Netto-Barmitteln und 5,3 Milliarden US-Dollar freiem Mittelzufluss in sechs Monaten sind die unbequemen Wahrheiten keine Existenzfragen. Aber man muss sie kennen, um den Preis zu verstehen. Vier Dinge sollte man gelesen haben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Vorrat schrumpfte 2025 um zwölf Prozent

Das ist der zweite Rekord aus der Einleitung, und er steht auf Seite 70 des Geschäftsberichts. Zum 31. Dezember 2025 wies Newmont 118,2 Millionen Unzen nachgewiesene und wahrscheinliche Goldreserven aus, ein Jahr zuvor waren es 134,1 Millionen. Das ist ein Minus von 15,9 Millionen Unzen oder zwölf Prozent. Dazu kommen 88,1 Millionen Unzen gemessene und angezeigte sowie 60,6 Millionen Unzen abgeleitete Ressourcen — Gestein, bei dem die wirtschaftliche Abbaubarkeit noch nicht bewiesen ist.

Das Bemerkenswerte an diesem Rückgang ist nicht seine Höhe, sondern dass er trotz Rückenwind zustande kam. Newmont hat die Preisannahme, mit der die Reserve gerechnet wird, im selben Jahr von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze angehoben — und beziffert selbst, was 100 Dollar mehr bewirken:

„We had attributable proven and probable gold reserves of 118.2 million ounces at December 31, 2025. For 2025 and 2024, reserves were estimated at a gold price assumption of $2,000 and $1,700 per ounce, respectively […] We estimate that our 2025 reserves would increase by 5% (6.4 million ounces), or decline by 2% (2.8 million ounces), if the gold price assumption increased or decreased $100 per ounce, respectively, with all other assumptions remaining constant.“

Übersetzung: „Wir hatten zum 31. Dezember 2025 anteilige nachgewiesene und wahrscheinliche Goldreserven von 118,2 Millionen Unzen. Für 2025 und 2024 wurden die Reserven mit einer Goldpreisannahme von 2.000 beziehungsweise 1.700 US-Dollar je Unze geschätzt […] Wir schätzen, dass unsere Reserven des Jahres 2025 um 5 Prozent (6,4 Millionen Unzen) steigen beziehungsweise um 2 Prozent (2,8 Millionen Unzen) fallen würden, wenn die Goldpreisannahme um 100 US-Dollar je Unze steigt beziehungsweise fällt, bei sonst unveränderten Annahmen.“

— Newmont Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Item 2 (Properties, Proven and Probable Reserves)

Gelb markierter Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht 10-K: die Passage mit 118,2 Millionen Unzen Reserve, der Anhebung der Preisannahme von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze und der Empfindlichkeitsrechnung von plus 6,4 beziehungsweise minus 2,8 Millionen Unzen je 100 Dollar.
Die Reserve wurde 2025 mit 2.000 statt 1.700 US-Dollar je Unze gerechnet — und fiel trotzdem. Im Original-Geschäftsbericht (10-K) gelb markiert. Quelle: SEC-10-K 2025, Item 2. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wo die 15,9 Millionen Unzen geblieben sind, lässt sich aus dem Bericht Stück für Stück nachbauen:

Wasserfalldiagramm der Goldreserve: Ausgangswert 134,1 Millionen Unzen zum 31. Dezember 2024, minus 8,7 durch verkaufte Minen, minus 4,8 durch die Rückstufung von Yanacocha, minus 5,5 durch den Abbau des Jahres 2025, plus 3,1 aus Zugängen und höherer Preisannahme, Endwert 118,2 Millionen Unzen.
Verkäufe, eine Rückstufung und der normale Abbau zusammen minus 19,0 Millionen Unzen; alle Zugänge samt der angehobenen Preisannahme brachten nur 3,1 Millionen zurück. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K 2025, Abschnitt Proven and Probable Reserves. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Drei Posten erklären den Rückgang. Erstens die 8,7 Millionen Unzen, die mit den verkauften Minen aus den Büchern gingen: CC&V 2,4, Porcupine 2,3, Éléonore 1,6, Musselwhite 1,5 und Akyem 0,9 Millionen Unzen. Das war eine bewusste Entscheidung und dazu unten mehr. Zweitens die 4,8 Millionen Unzen bei Yanacocha in Peru: Im vierten Quartal 2025 nahm Newmont das Projekt Yanacocha Sulfides aus dem Minenplan, stufte dessen Reserven zu Ressourcen zurück, schrieb 770 Millionen US-Dollar ab und begann ein Abfindungsprogramm für die Belegschaft, das auf ein Auslaufen des Bergbaus hinausläuft. Die Reserve dieses Standorts fiel von 5,3 auf 0,5 Millionen Unzen. Drittens der ganz normale Abbau von rund 5,5 Millionen Unzen. Was bleibt, ist der wichtigste Wert dieser Analyse: Alle Zugänge aus Exploration, Modellierung und der angehobenen Preisannahme zusammen brachten 3,1 Millionen Unzen — bei einem Abbau von 5,5.

Bevor daraus ein Untergangsszenario wird, gehört die Gegenrechnung dazu, und sie ist gewichtig: 118,2 Millionen Unzen reichen bei 5,89 Millionen Unzen Jahresförderung rund 20 Jahre. Das ist eine der längsten Reichweiten der Branche und fast doppelt so lang wie bei manchem Wettbewerber. Newmont kann sich mehrere magere Explorationsjahre leisten, ohne dass es eng wird. Die Frage ist nicht, ob dem Konzern das Gold ausgeht — sondern ob er den Vorrat zu vertretbaren Kosten ersetzt, wenn der Preisrückenwind aufhört. Wie klein die Antwort bei kleineren Häusern ausfallen kann, zeigt die Analyse zu TRX Gold.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Erdstoß legte im April die zweitwichtigste Mine still

Am 14. April 2026 registrierten die Messgeräte in der Nähe der australischen Mine Cadia seismische Aktivität. Newmont setzte den gesamten Untertagebetrieb aus. Was danach geschah, steht wörtlich im Quartalsbericht:

„On April 14, 2026, seismic activity was recorded near the Cadia operation in New South Wales, Australia, resulting in the temporary suspension of underground mining activities (the ‚Cadia seismic event‘). Surface operations and processing of existing stockpiles continued following the event until May 11, 2026 when stockpile inventories were substantially depleted. Underground mining and processing resumed in mid-June on a progressive ramp-up, with production expected to return to pre-event levels in the third quarter of 2026.“

Übersetzung: „Am 14. April 2026 wurde in der Nähe des Betriebs Cadia in New South Wales, Australien, seismische Aktivität registriert, die zur vorübergehenden Einstellung des Untertagebergbaus führte (das ‚seismische Ereignis Cadia‘). Übertagebetrieb und die Verarbeitung vorhandener Halden liefen nach dem Ereignis weiter, bis die Haldenbestände am 11. Mai 2026 weitgehend erschöpft waren. Untertagebergbau und Verarbeitung wurden Mitte Juni mit einem schrittweisen Hochlauf wieder aufgenommen; es wird erwartet, dass die Produktion im dritten Quartal 2026 auf das Niveau vor dem Ereignis zurückkehrt.“

— Newmont Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Segmentberichterstattung

Gelb markierter Ausschnitt aus dem Quartalsbericht 10-Q: die Passage über das seismische Ereignis bei Cadia am 14. April 2026, die Einstellung des Untertagebergbaus und die erwartete Rückkehr auf das Vorniveau im dritten Quartal 2026.
Der Stillstand von Cadia im Original-Quartalsbericht (10-Q), gelb markiert. Quelle: SEC-10-Q zum 30.06.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlen dahinter: Cadias Goldproduktion fiel im zweiten Quartal 2026 um 67 Prozent, die Vollkosten je Unze stiegen dort um 184 Prozent, und der Konzern buchte 28 Millionen US-Dollar zusätzliche, unproduktive Betriebskosten. Warum das mehr Gewicht hat, als eine einzelne Mine vermuten lässt: Cadia trägt 13,5 Millionen Unzen Reserve und ist damit nach Lihir (16,0 Millionen) der zweitgrößte selbst geführte Standort des Konzerns — und einer der drei Kupferlieferanten. Cadia kam mit der Newcrest-Übernahme ins Haus.

Cadia war nicht der einzige Ausfall. Im selben Quartal fiel die Goldproduktion in Peñasquito (Mexiko) um 75 Prozent wegen der Abbaufolge und schlechterer Erzausbeute, in Ahafo South (Ghana) um 49 Prozent wegen niedrigerer Erzgehalte und geringerem Mühlendurchsatz. Drei von dreizehn Segmenten mit zweistelligen Produktionseinbrüchen in einem Quartal — das ist der Grund, warum die Fördermenge im ersten Halbjahr 2026 auf 2,59 Millionen Unzen fiel, nach 3,02 Millionen ein Jahr zuvor.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: In Ghana ist der Bestandsschutz ausgelaufen

Eine Fabrik kann umziehen, ein Bergwerk nicht. Ghana hat das genutzt. Zum 31. Dezember 2025 lief das „Revised Investment Agreement“ aus, unter dem Newmont dort jahrelang gearbeitet hatte. Was danach gilt, ist teurer:

„Royalties were paid to the Government of Ghana under a sliding-scale system, based on average monthly gold prices and ranging up to 5% of revenues […] The sliding-scale royalty regime expired on December 31, 2025. Effective January 1, 2026, royalties transitioned to a fixed 5% rate on gold production, with the additional 0.6% forest reserve royalty continuing to apply where applicable.“

Übersetzung: „Die Lizenzabgaben an die Regierung Ghanas wurden nach einem gleitenden System gezahlt, das sich an den durchschnittlichen monatlichen Goldpreisen orientierte und bis zu 5 Prozent der Erlöse betrug […] Die gleitende Abgabenregelung lief am 31. Dezember 2025 aus. Mit Wirkung zum 1. Januar 2026 wurde auf einen festen Satz von 5 Prozent auf die Goldproduktion umgestellt, wobei die zusätzliche Waldschutzabgabe von 0,6 Prozent weiterhin gilt, wo sie anwendbar ist.“

— Newmont Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Item 1 (Business, Ghana)

Gelb markierter Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht 10-K: die Passage über das Auslaufen der gleitenden Lizenzabgabenregelung in Ghana zum 31. Dezember 2025 und die Umstellung auf einen festen Satz von fünf Prozent ab dem 1. Januar 2026.
Ghana stellte zum Jahreswechsel auf einen festen Abgabensatz um; darüber steht im selben Absatz der Sprung der Körperschaftsteuer von 32,5 auf 35 Prozent. Im Original-Geschäftsbericht (10-K) gelb markiert. Quelle: SEC-10-K 2025, Item 1. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Paket geht weiter: Der Höchstsatz der ghanaischen Körperschaftsteuer stieg von 32,5 auf 35 Prozent, auf eingeführte Bergbaugüter fallen wieder Zölle von 5 bis 20 Prozent an, und seit dem 1. Januar 2026 werden Dividenden aus Ghana mit 8 Prozent Quellensteuer belegt. Der Konzern schreibt selbst, der neue Rahmen könne „zu höheren Betriebskosten führen, besonders in Phasen höherer Goldpreise“. Ghana ist für Newmont kein Nebenschauplatz: Dort liegen die Minen Ahafo South und das 2025 in Betrieb genommene Ahafo North mit zusammen 8,8 Millionen Unzen Reserve. Wie andere Produzenten in derselben Region mit demselben Trend umgehen, zeigen die Analysen zu Endeavour Mining und Allied Gold.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Vor Gericht steht genau die Frage, um die es hier geht

Am 31. Januar 2025 reichten Aktionäre beim Bundesbezirksgericht für Colorado eine Sammelklage gegen Newmont und die damalige Konzernspitze ein. Zwischen Februar und Mai 2025 folgten fünf weitere Klagen, die im Kern dasselbe behaupten: Der Konzern habe zwischen dem 22. Februar und dem 23. Oktober 2024 falsche oder irreführende Angaben über Betrieb, Produktion und Kosten gemacht. Die Kläger stützen sich darauf, dass der Kurs einbrach, nachdem Newmont am 23. Oktober 2024 die Zahlen des dritten Quartals und eine geänderte Prognose veröffentlicht hatte. Ein Teil der Klagen wirft der Gesellschaft zusätzlich vor, in genau diesem Zeitraum eigene Aktien zurückgekauft zu haben, während der damalige Vorstandschef eigene Aktien verkaufte.

Nichts davon ist entschieden. Die Anträge auf Abweisung wurden im September 2025 gestellt, die Erwiderung folgte im November 2025; zum 30. Juni 2026 lag noch keine Entscheidung vor, und Newmont schreibt, man werde sich „mit Nachdruck verteidigen“, könne den Ausgang aber nicht vorhersagen. Für die Bewertung heißt das zweierlei. Erstens: Eine Rückstellung dafür steht nicht in der Bilanz, weil der Ausgang offen ist. Zweitens — und das wiegt schwerer als jeder mögliche Vergleichsbetrag bei diesem Konzern: Es geht in dem Verfahren um die Verlässlichkeit der Aussagen zu Produktion und Kosten. Also um genau die beiden Größen, an denen diese Analyse hängt.

Newcrest — was 13,5 Milliarden Dollar gebracht haben

Am 6. November 2023 schloss Newmont die größte Übernahme der Branchengeschichte ab: Newcrest Mining, den australischen Marktführer. Angekündigt wurde der Zusammenschluss im Mai 2023 als rund 17 Milliarden Dollar schwerer Deal. In der Bilanz steht ein anderer Wert, und der Grund dafür ist lehrreich: Bezahlt wurde ausschließlich in eigenen Aktien — 357.691.627 Stück, bewertet mit dem Kurs des Vollzugstags von 37,88 US-Dollar. Macht einen Kaufpreis von 13.549 Millionen US-Dollar. Wer in eigenen Aktien zahlt, dessen Rechnung schrumpft mit dem eigenen Kurs, wenn der zwischen Ankündigung und Vollzug fällt.

Dafür bekam Newmont Vermögenswerte von 19.900 Millionen US-Dollar bei übernommenen Schulden von 6.351 Millionen — vor allem die Minen Lihir, Cadia, Brucejack, Red Chris, Telfer und das Projekt Havieron. Von der Differenz zum bilanzierten Nettovermögen blieben 2.401 Millionen US-Dollar Firmenwert stehen, verteilt auf Lihir (944), Brucejack (669), Red Chris (539) und Cadia (249).

Und damit zur Frage, die man bei jeder Großübernahme stellen muss: Musste dieser Firmenwert später abgeschrieben werden? Die Antwort ist ein klares Nein — und sie ist nachprüfbar, weil der Bilanzposten „Goodwill“ seit dem 31. Dezember 2024 unverändert bei 2.658 Millionen US-Dollar steht, auch noch zum 30. Juni 2026:

„Based on the December 31, 2025 and December 31, 2024 reviews, the Company concluded that Goodwill was not impaired at any of the reporting units.“

Übersetzung: „Auf Grundlage der Überprüfungen zum 31. Dezember 2025 und zum 31. Dezember 2024 kam das Unternehmen zu dem Ergebnis, dass der Firmenwert bei keiner der berichtenden Einheiten wertgemindert war.“

— Newmont Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Note 7 (Impairment Charges)

Gelb markierter Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht 10-K: die Feststellung, dass der Firmenwert zum 31. Dezember 2025 und 2024 bei keiner berichtenden Einheit wertgemindert war, darunter der Absatz über die Abschreibungen des Jahres 2023 bei Musselwhite, Éléonore und Peñasquito.
Der Firmenwert aus der Newcrest-Übernahme steht unangetastet — die Abschreibungen von 2023 trafen die alten Standorte. Im Original-Geschäftsbericht (10-K) gelb markiert. Quelle: SEC-10-K 2025, Note 7. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Absatz direkt darunter zeigt, dass es auch anders geht: Zum 31. Dezember 2023 schrieb Newmont 1.760 Millionen US-Dollar Firmenwert ab — 1.210 Millionen bei Peñasquito, 293 bei Musselwhite, 246 bei Éléonore, 11 bei Long Canyon. Das waren Standorte aus der früheren Goldcorp-Übernahme, nicht aus Newcrest. Zusammen mit weiteren Abschreibungen und 464 Millionen US-Dollar Transaktions- und Integrationskosten führten sie mit dazu, dass 2023 unter dem Strich ein Verlust von 2.494 Millionen US-Dollar stand. Newcrest selbst steuerte in den knapp zwei Monaten bis Jahresende 944 Millionen Umsatz und 136 Millionen Gewinn bei.

Zum ehrlichen Bild gehört die zweite Hälfte der Geschichte, das Verkaufsprogramm. Im Februar 2024 beschloss der Verwaltungsrat, sechs nicht-strategische Minen und ein Entwicklungsprojekt abzugeben. Vollzogen wurde in vier Wellen: Telfer (viertes Quartal 2024), CC&V, Musselwhite und Éléonore (erstes Quartal 2025), Porcupine und Akyem (zweites Quartal 2025) sowie das Projekt Coffee (viertes Quartal 2025). Der Gesamtgegenwert lag bei 3.981 Millionen US-Dollar, davon 3.008 Millionen in bar; gegen einen Buchwert von 3.159 Millionen ergab das einen Buchgewinn von 738 Millionen aus den vollzogenen Verkäufen. Der Preis dafür steht in der Mengenzeile: Die anteilige Goldproduktion fiel von 6,85 Millionen Unzen (2024) auf 5,89 Millionen (2025), ein Minus von 14 Prozent, das der Bericht selbst „weitgehend den Verkäufen“ zuschreibt — und in der Reservezeile mit den erwähnten 8,7 Millionen Unzen.

Die nüchterne Zwischenbilanz: Newmont hat für 13,5 Milliarden US-Dollar in eigenen Aktien einen Konzern gekauft, dessen Firmenwert bis heute standhält, und anschließend für 4,0 Milliarden verkauft, was nicht ins Bild passte. Das ist saubere Portfolioarbeit. Nur ist der Konzern dadurch nicht größer geworden, sondern kleiner: 5,89 Millionen Unzen im Jahr 2025 liegen nur 6 Prozent über den 5,55 Millionen des Jahres 2023 — als Newcrest gerade einmal acht Wochen dazugehörte.

Die Bilanz — hier ist wenig zu holen für einen Pessimisten

Beginnen wir mit dem, was nicht vom Goldpreis abhängt. Zum 30. Juni 2026 hatte Newmont 9.009 Millionen US-Dollar in der Kasse und 5.083 Millionen Finanzschulden, alle langfristig — netto also 3.926 Millionen mehr Geld als Schulden. Die Gesamtliquidität beziffert der Konzern auf 13.009 Millionen. Der Bilanzsumme von 57.641 Millionen standen 22.227 Millionen Verbindlichkeiten und 35.414 Millionen Eigenkapital gegenüber. Im Jahr 2025 hatte der Konzern bereits 3,4 Milliarden US-Dollar Anleihen getilgt.

Ein Posten verdient Aufmerksamkeit, weil er bei Bergbaukonzernen oft unterschätzt wird: 6.184 Millionen US-Dollar Rückstellungen für Renaturierung und Sanierung. Das ist Geld, das Newmont später ausgeben muss, um Gelände wiederherzustellen und Wasser zu behandeln — bei Yanacocha in Peru über Jahrzehnte hinweg. Diese Summe ist mehr als die gesamte Finanzverschuldung des Konzerns und wächst mit jedem geschlossenen Standort.

Wer den Altman-Z″-Wert sehen will, die Insolvenz-Frühwarnzahl aus vier Bilanzkennzahlen (unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Die Bilanz trägt die Formel, weil sie sauber in kurz- und langfristige Posten gegliedert ist. Unsere Nachrechnung zum 31. Dezember 2025 ergibt rund 4,0 — deutlich in der sicheren Zone, aber merklich niedriger, als es der Rekordgewinn vermuten lässt. Der Grund: Newmont schleppt eine sehr große Bilanzsumme mit, und die Gewinnrücklage beträgt nach den Verlustjahren nur 3.431 Millionen US-Dollar. Man muss außerdem wissen, wovon der Wert lebt: 1,4 der 4,0 Punkte stammen allein aus dem Ertragsterm, also aus dem Rekordgewinn. Im Jahr 2023 war derselbe Term negativ und hat den Wert gesenkt statt gehoben. Was die Zahl belastbar belegt, ist etwas anderes: Diese Bilanz übersteht einen mehrjährigen Abschwung mühelos.

Was zurückfließt — Dividende und ein Rückkauf über sechs Milliarden

Newmont zahlt eine Quartalsdividende von 0,26 US-Dollar je Aktie, für 2025 waren es insgesamt 1,01 US-Dollar. Das ist gemessen am Gewinn wenig — knapp 16 Prozent des Ergebnisses des Jahres 2025. Der Grund liegt im zweiten Kanal: Newmont gibt sein Geld vor allem über Aktienrückkäufe zurück.

Und zwar in einer Größenordnung, die man sich ansehen sollte. 2025 wurden 2,3 Milliarden US-Dollar abgerechnet, im ersten Halbjahr 2026 weitere 3.462 Millionen, im Juli 2026 nochmals 606 Millionen. Im April 2026 genehmigte der Verwaltungsrat ein neues Programm über 6.000 Millionen US-Dollar, nachdem das vorherige im zweiten Quartal abgeschlossen war. Die Wirkung ist in der Aktienzahl ablesbar: von 1.127 Millionen Aktien (31. Dezember 2024) über 1.089 Millionen (31. Dezember 2025) auf 1.053.692.271 Stück zum 16. Juli 2026 — ein Rückgang um 6,5 Prozent in eineinhalb Jahren. Wer die Aktie hält, besitzt also einen wachsenden Anteil an einem schrumpfenden Vorrat. Ob das ein guter Tausch ist, hängt allein am Preis, zu dem zurückgekauft wird.

Bewertung — und die Gegenprobe zum Börsenwert

Bevor man mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis argumentiert, sollte man prüfen, ob der Börsenwert überhaupt stimmt. Zum 16. Juli 2026 waren laut Deckblatt des Quartalsberichts 1.053.692.271 Aktien ausstehend. Der verwässerte Zwölfmonatsgewinn je Aktie beträgt 7,93 US-Dollar (6,39 für 2025, minus 3,53 für das erste Halbjahr 2025, plus 5,07 für das erste Halbjahr 2026). Aus dem ausgewiesenen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 folgt ein Kurs von rund 98,33 US-Dollar und damit ein Börsenwert von 103,6 Milliarden US-Dollar. Der Datenbestand führt rund 101,8 Milliarden — die Abweichung beträgt 1,8 Prozent und liegt damit im Rundungsbereich. Es gibt nur eine Aktiengattung mit einer Stimme je Aktie; eine Verzerrung durch Mehrstimmrechte ist ausgeschlossen. Der Börsenwert ist belastbar.

Damit steht die Bewertungsfrage sauber da. Zum abgeleiteten Kurs bekommt man den größten Goldproduzenten der Welt mit Netto-Barmitteln, 25,8 Prozent Eigenkapitalrendite, 20 Jahren Reservereichweite und einem laufenden Rückkaufprogramm über sechs Milliarden — zum 12,4-Fachen des Gewinns. Man bekommt aber auch: eine Fördermenge, die seit 2024 um 14 Prozent gefallen ist, drei Segmente mit zweistelligen Produktionseinbrüchen im zweiten Quartal 2026, einen Vorrat, der 2025 um zwölf Prozent schrumpfte, ein ausgelaufenes Steuerabkommen in Ghana und ein offenes Verfahren über die Verlässlichkeit der Produktions- und Kostenangaben. Und man bezahlt einen Gewinn, der bei einem Goldpreis auf dem Dreijahresschnitt auf gut zwei Fünftel fiele.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Newmont spricht:

  • Bilanz ohne Angriffsfläche: 9.009 Millionen US-Dollar Kasse gegen 5.083 Millionen Finanzschulden zum 30. Juni 2026, also 3.926 Millionen netto im Plus; 13.009 Millionen Gesamtliquidität; 3,4 Milliarden Anleihen im Jahr 2025 getilgt; Altman-Z″ rund 4,0 gegen eine Sicherheitsschwelle von 2,6.
  • Freier Mittelzufluss auf Rekordniveau: 7.299 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 nach 2.916 Millionen (2024) und 88 Millionen (2023); allein im ersten Halbjahr 2026 waren es 5.349 Millionen bei einem operativen Mittelzufluss von 6.709 Millionen, 52 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Der längste Vorrat der Branche: 118,2 Millionen Unzen Reserve reichen bei 5,89 Millionen Unzen Jahresförderung rund 20 Jahre; dahinter stehen 88,1 Millionen Unzen gemessene und angezeigte sowie 60,6 Millionen Unzen abgeleitete Ressourcen. Ein schwaches Explorationsjahr ist hier kein Problem.
  • Echte Kapitalrückführung: 2,3 Milliarden US-Dollar Rückkäufe 2025, 3.462 Millionen im ersten Halbjahr 2026 und 606 Millionen im Juli; im April 2026 wurde ein neues Programm über 6.000 Millionen genehmigt. Die Aktienzahl fiel von 1.127 auf 1.054 Millionen. Dazu 0,26 US-Dollar Quartalsdividende.
  • Die Newcrest-Übernahme hält der Prüfung stand: Der Firmenwert von 2.658 Millionen US-Dollar wurde bei den Überprüfungen zum 31. Dezember 2024 und 2025 nicht wertgemindert; das anschließende Verkaufsprogramm brachte 3.981 Millionen Gegenwert bei 3.159 Millionen Buchwert.

Was dagegen spricht:

  • Der Gewinn ist ein Preisgewinn: Der erzielte Goldpreis stieg von 1.788 US-Dollar je Unze (2021) auf 4.661 im ersten Halbjahr 2026, während die Fördermenge von 5,89 Millionen Unzen (2025) auf hochgerechnet rund 5,2 Millionen fiel. Bei einem Preis auf dem Dreijahresschnitt von 2.620 US-Dollar stiege das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 auf rund 23; 2022 und 2023 stand bei Preisen unter 2.000 US-Dollar je Unze ein Verlust in den Büchern.
  • Der Vorrat schrumpft: minus 15,9 Millionen Unzen im Jahr 2025 auf 118,2 Millionen — und das, obwohl die Bewertungsannahme von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze angehoben wurde. Alle Zugänge zusammen brachten 3,1 Millionen Unzen bei 5,5 Millionen Unzen Abbau.
  • Betriebliche Ausfälle häufen sich: Cadia stand nach dem seismischen Ereignis vom 14. April 2026 unter Tage still (Produktion minus 67 Prozent, Vollkosten je Unze plus 184 Prozent, 28 Millionen US-Dollar unproduktive Kosten), Peñasquito verlor 75 Prozent, Ahafo South 49 Prozent Goldproduktion im selben Quartal.
  • Wachsender Staatsanteil: In Ghana lief das Investitionsabkommen zum 31. Dezember 2025 aus; seit dem 1. Januar 2026 gelten ein fester Lizenzabgabensatz von 5 Prozent, ein Körperschaftsteuerhöchstsatz von 35 statt 32,5 Prozent, Einfuhrzölle von 5 bis 20 Prozent und 8 Prozent Quellensteuer auf Dividenden.
  • Offene Rechtsstreitigkeiten zur Kernfrage: Sechs Klagen seit Januar 2025 werfen dem Konzern und der damaligen Führung falsche Angaben zu Betrieb, Produktion und Kosten zwischen Februar und Oktober 2024 vor, teils samt Rückkäufen und Aktienverkäufen des damaligen Vorstandschefs in diesem Zeitraum. Über die Abweisungsanträge war zum 30. Juni 2026 nicht entschieden.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die zwei Bücher vom Anfang? Nach dem Blick in die Berichte weißt du jetzt, warum sie sich widersprechen. Das Dollar-Buch von Newmont ist so gut wie nie: mehr Geld als Schulden, 5,3 Milliarden freier Mittelzufluss in sechs Monaten, sechs Milliarden für Rückkäufe bewilligt. Das Unzen-Buch ist im selben Jahr um zwölf Prozent geschrumpft, und zwar unter Bedingungen, unter denen es hätte wachsen müssen.

Beides ist wahr, und keines der beiden hebt das andere auf. Wer den Konzern nur an der Dollar-Seite misst, sieht eine ungewöhnlich billige, ungewöhnlich solide Aktie. Wer nur auf die Unzen schaut, sieht einen Riesen, der von seiner Substanz zehrt. Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte, sondern in der Reihenfolge: Erst kommt der Vorrat, dann die Produktion, dann der Gewinn. Der Goldpreis entscheidet nur darüber, wie viel Geld auf dem Weg dabei herausspringt.

Und man sollte Newmont zugutehalten, was der Konzern richtig gemacht hat. Er hat den Aufschwung nicht verprasst, sondern Schulden getilgt und Aktien eingezogen. Er hat den Mut gehabt, sich von sechs Minen zu trennen, statt eine Rekordproduktion vorzuzeigen, die keine Rendite bringt. Er hat bei Yanacocha ein Projekt begraben, statt es weiter im Anlagevermögen zu parken. Das sind unbequeme, aber saubere Entscheidungen — sie erklären zum Teil, warum die Reservezeile so schlecht aussieht.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Wenn wir die Funde ehrlich gewichten, steht am Ende weder ein Grund zur Vorsicht noch ein Grund zum Zugreifen, sondern eine Beobachtungslage — und sie hat zwei sehr konkrete Termine. Der erste ist der Quartalsbericht für das dritte Quartal 2026: Dort muss stehen, dass Cadia wieder auf dem Niveau vor dem Erdstoß fördert, so wie es der Konzern angekündigt hat. Der zweite ist der Geschäftsbericht im Februar 2027 mit dem Abschnitt „Proven and Probable Reserves“. Steht dort wieder ein Minus, obwohl 2026 nichts verkauft und nichts zurückgestuft wurde, dann war 2025 kein Sonderjahr, sondern der Anfang eines Musters. Das Dollar-Buch wird das noch eine Weile nicht verraten.

Quellen

Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung. Er stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar und kann persönliche Umstände nicht berücksichtigen. Aktien unterliegen Kursschwankungen; ein Totalverlust ist möglich. Triff deine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ziehe im Zweifel unabhängigen Rat hinzu.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz & Liquidität positiv
Zum 30. Juni 2026 standen 9.009 Millionen US-Dollar Kasse 5.083 Millionen Finanzschulden gegenüber, allesamt langfristig — netto 3.926 Millionen mehr Geld als Schulden bei 13.009 Millionen Gesamtliquidität. Der Bilanzsumme von 57.641 Millionen stehen 22.227 Millionen Verbindlichkeiten und 35.414 Millionen Eigenkapital gegenüber. 2025 wurden 3,4 Milliarden Anleihen getilgt. Die selbst berechnete Insolvenz-Frühwarnzahl Altman-Z″ liegt bei rund 4,0 gegen eine Sicherheitsschwelle von 2,6. Ein Fortführungszweifel besteht nicht (10-K 2025, 10-Q zum 30.06.2026).
Ertragsqualität & Zyklus negativ
Der Gewinnsprung ist ein Preissprung. Der erzielte Goldpreis stieg von 1.788 US-Dollar je Unze (2021) über 1.954 (2023) und 3.498 (2025) auf 4.661 im ersten Halbjahr 2026, während die anteilige Fördermenge von 6,85 Millionen Unzen (2024) auf 5,89 Millionen (2025) und im ersten Halbjahr 2026 auf 2,59 Millionen nach 3,02 Millionen fiel. Die Realitätsprobe steht in den eigenen Büchern: 2021 verdiente Newmont bei 1.788 US-Dollar je Unze 1,46 US-Dollar je Aktie, 2022 bei 1.792 US-Dollar verlor es 0,54 und 2023 bei 1.954 US-Dollar verlor es 2,97 US-Dollar je Aktie.
Vorrat & Reserveersatz negativ
Die nachgewiesene und wahrscheinliche Goldreserve fiel 2025 von 134,1 auf 118,2 Millionen Unzen, ein Minus von zwölf Prozent — und das, obwohl die Bewertungsannahme von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze angehoben wurde. 8,7 Millionen Unzen gingen mit den verkauften Minen, 4,8 Millionen mit der Rückstufung von Yanacocha Sulfides, rund 5,5 Millionen durch den normalen Abbau; alle Zugänge zusammen brachten 3,1 Millionen Unzen. Gegenrechnung: Mit rund 20 Jahren Reichweite hat Newmont Zeit wie kaum ein Wettbewerber, und hinter der Reserve stehen 88,1 Millionen Unzen gemessene und angezeigte Ressourcen.
Betriebliche Zuverlässigkeit negativ
Im zweiten Quartal 2026 fiel die Goldproduktion in drei Segmenten zweistellig: Cadia minus 67 Prozent nach dem seismischen Ereignis vom 14. April 2026 (Vollkosten je Unze plus 184 Prozent, 28 Millionen US-Dollar unproduktive Kosten), Peñasquito minus 75 Prozent wegen Abbaufolge und Erzausbeute, Ahafo South minus 49 Prozent wegen niedrigerer Gehalte und geringerem Durchsatz. Der Konzern erwartet die Rückkehr Cadias auf das Vorniveau im dritten Quartal 2026 — geliefert ist das noch nicht.
Newcrest-Übernahme & Portfolio neutral
Newcrest wurde am 06.11.2023 gegen 357.691.627 eigene Aktien zu 37,88 US-Dollar übernommen, bilanziert mit 13.549 Millionen US-Dollar; der dabei entstandene Firmenwert von 2.401 Millionen (Lihir 944, Brucejack 669, Red Chris 539, Cadia 249) wurde bei den Überprüfungen zum 31.12.2024 und 31.12.2025 nicht wertgemindert — der Bilanzposten steht unverändert bei 2.658 Millionen. Das anschließende Verkaufsprogramm über sechs Minen und ein Projekt brachte 3.981 Millionen Gegenwert bei 3.159 Millionen Buchwert. Die Kehrseite: minus 14 Prozent Fördermenge und minus 8,7 Millionen Unzen Reserve.
Länder-, Abgaben- und Rechtsrisiko negativ
In Ghana lief das Revised Investment Agreement zum 31.12.2025 aus; seither gelten ein fester Lizenzabgabensatz von 5 Prozent statt einer gleitenden Skala, ein Körperschaftsteuerhöchstsatz von 35 statt 32,5 Prozent, Einfuhrzölle von 5 bis 20 Prozent und 8 Prozent Quellensteuer auf Dividenden; dort liegen 8,8 Millionen Unzen Reserve. Dazu laufen seit Januar 2025 sechs Klagen gegen den Konzern und die damalige Führung wegen angeblich falscher Angaben zu Betrieb, Produktion und Kosten zwischen Februar und Oktober 2024; über die Abweisungsanträge war zum 30.06.2026 nicht entschieden.
Kapitalrückführung positiv
Newmont gibt Geld vor allem über Rückkäufe zurück: 2,3 Milliarden US-Dollar 2025, 3.462 Millionen im ersten Halbjahr 2026 und weitere 606 Millionen im Juli 2026. Im April 2026 genehmigte der Verwaltungsrat ein neues Programm über 6.000 Millionen US-Dollar, nachdem das vorherige abgeschlossen war. Die Aktienzahl fiel von 1.127 Millionen (31.12.2024) über 1.089 Millionen (31.12.2025) auf 1.053.692.271 zum 16.07.2026. Dazu kommt eine Quartalsdividende von 0,26 US-Dollar je Aktie; 2025 wurden insgesamt 1,01 US-Dollar erklärt.

Newmont ist der größte Goldproduzent der Welt und hat 2025 zwei Rekorde aufgestellt. Über den ersten spricht der Konzern: 7.085 Millionen US-Dollar Gewinn, 7.299 Millionen freier Mittelzufluss, netto 3.926 Millionen mehr Geld als Schulden, ein Rückkaufprogramm über 6.000 Millionen. Über den zweiten spricht er nicht: Die Goldreserve fiel von 134,1 auf 118,2 Millionen Unzen, obwohl die Bewertungsannahme von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze angehoben wurde. Der Gewinn stammt aus dem Preis — er stieg von 1.788 US-Dollar je Unze (2021) auf 4.661 im ersten Halbjahr 2026, während die Fördermenge fällt. Auf diesen Gewinn gerechnet kostet die Aktie das 12,4-Fache; auf einen Goldpreis im Dreijahresschnitt gerechnet rund das 23-Fache. 2022 und 2023 stand jeweils ein Verlust in den Büchern. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Für Rot fehlt jeder Substanzbefund, und zwar mit großem Abstand: Zum 30. Juni 2026 hat Newmont 3.926 Millionen US-Dollar mehr Geld als Schulden, den 57.641 Millionen Bilanzsumme stehen 22.227 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber, der freie Mittelzufluss lag 2025 bei 7.299 Millionen und allein im ersten Halbjahr 2026 bei 5.349 Millionen, die selbst berechnete Insolvenz-Frühwarnzahl Altman-Z″ bei rund 4,0 gegen eine Sicherheitsschwelle von 2,6. Ein Fortführungszweifel besteht nicht, die Reserve reicht rechnerisch rund 20 Jahre. Für Grün fehlen dagegen die Antworten auf drei offene operative Fragen. Erstens: Der Ertrag hat keine eigene Quelle — die anteilige Fördermenge fiel von 6,85 Millionen Unzen (2024) auf 5,89 Millionen (2025) und im ersten Halbjahr 2026 auf 2,59 Millionen nach 3,02 Millionen, während die Vollkosten je Unze von 1.062 (2021) auf 1.822 US-Dollar gestiegen sind; der gesamte Gewinnsprung kommt aus dem Goldpreis, und in den Jahren 2022 und 2023 stand bei Preisen unter 2.000 US-Dollar je Unze jeweils ein Verlust in den Büchern. Zweitens: Der Vorrat wächst nicht aus eigener Kraft — die Reserve fiel 2025 um 15,9 Millionen Unzen auf 118,2 Millionen, obwohl die Bewertungsannahme von 1.700 auf 2.000 US-Dollar je Unze angehoben wurde; alle Zugänge zusammen brachten 3,1 Millionen Unzen bei 5,5 Millionen Unzen Abbau. Drittens: Die betriebliche Zuverlässigkeit ist offen — im zweiten Quartal 2026 verloren Cadia 67 Prozent (seismisches Ereignis vom 14.04.2026), Peñasquito 75 Prozent und Ahafo South 49 Prozent ihrer Goldproduktion, und über die seit Januar 2025 laufenden Klagen zu angeblich falschen Angaben zu Produktion und Kosten war zum 30.06.2026 nicht entschieden. Das sind Ertragsqualitäts-, Vorrats- und Betriebsfragen, keine Substanzrisiken — also Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Newmont über den Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis“ (Rang 20 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (NEM: 9 von 9 — der Höchstwert im gesamten Scanner), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (25,8; gegengerechnet 8.597 Mio. Zwölfmonatsgewinn auf 33.867 Mio. Eigenkapital der Aktionäre = 25,4 Prozent), operative Marge mindestens 10 Prozent (48,4; 10.961 Mio. Betriebsergebnis auf 22.669 Mio. Umsatz 2025), Verschuldungsgrad höchstens 1 (0,15; 5.115 Mio. Finanzschulden auf 34.042 Mio. Eigenkapital) und ein positives KGV bis 20 (12,4). Ergänzend: Fundamental-Rating 73 (Note B), Dreijahresrendite 50,5 Prozent pro Jahr, Börsenwert rund 101,8 Mrd. US-Dollar. Einordnung des Piotroski-Höchstwerts: Der F-Score misst die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, nicht die absolute Güte. Bei einem Rohstoffproduzenten im Preisaufschwung fallen Gewinn-, Cashflow-, Margen- und Verschuldungskriterien fast zwangsläufig positiv aus, sobald der Weltmarktpreis steigt; 9 von 9 belegen also vor allem, dass 2025 deutlich besser war als 2024.
  • Materialitäts-Gate (Fund-Typisierung): Gewinnsprung ausschließlich aus dem Goldpreis bei fallender Fördermenge und steigenden Vollkosten = Preis-/Zyklik-Fund (drückt das Urteil, keine Existenzfrage), mit belegtem Umkehrpunkt in den Verlustjahren 2022 und 2023. Reserverückgang um 15,9 Mio. Unzen trotz angehobener Preisannahme = Vorrats-/Substanzfrage mit langem Zeithorizont (Reichweite rund 20 Jahre), keine akute Bedrohung. Produktionsausfälle bei Cadia (minus 67 Prozent), Peñasquito (minus 75) und Ahafo South (minus 49) im zweiten Quartal 2026 = Betriebs-Fund mit bezifferter, aber vom Konzern als vorübergehend beschriebener Wirkung. Auslaufen des ghanaischen Investitionsabkommens zum 31.12.2025 samt fester 5-Prozent-Abgabe, 35 Prozent Körperschaftsteuer und 8 Prozent Quellensteuer = Abgaben-/Länder-Fund ohne beziffertes Existenzmaß. Sechs Klagen seit Januar 2025 zu angeblich falschen Angaben über Betrieb, Produktion und Kosten = Governance-Fund ohne Rückstellung und ohne Entscheidung. Kein Existenz-Fund, also kein Vorsicht-/Verkaufen-Urteil; da der Einstiegspreis aber auf einem Rekord-Goldpreis ruht und die Betriebsseite unruhig ist, lautet die Einordnung beobachten statt halten oder kaufen.
  • Altman-Z″ (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Die Bilanz trägt die Formel, weil sie in kurz- und langfristige Posten gegliedert ist. Eigene Nachrechnung zum 31.12.2025 aus dem Geschäftsbericht: Nettoumlaufvermögen 7.354 Mio. (Umlaufvermögen 13.066 minus kurzfristige Schulden 5.712) und Gewinnrücklage 3.431 Mio. auf 57.121 Mio. Bilanzsumme, Ergebnis vor Zinsen und Steuern 11.571 Mio. (Vorsteuerergebnis 11.342 plus Zinsaufwand 229), Eigenkapital 34.042 Mio. gegen 23.079 Mio. Verbindlichkeiten — Ergebnis rund 4,0, klar über der sicheren Zone. Einordnung: 1,4 der 4,0 Punkte stammen allein aus dem Ertragsterm; im Verlustjahr 2023 war dieser Term negativ. Der Wert belegt die Insolvenzferne der Bilanz, nicht die Haltbarkeit des Gewinns. Auffällig niedrig gegenüber kleineren Wettbewerbern ist der Term aus der Gewinnrücklage: nach den Verlustjahren stehen dort nur 3.431 Mio. auf 57.121 Mio. Bilanzsumme.
  • Börsenwert-Gegenprobe: Der Datenbestand führt rund 101,8 Milliarden US-Dollar. Zum 16.07.2026 waren laut Deckblatt des Quartalsberichts 1.053.692.271 Aktien ausstehend (31.12.2025: 1.089 Mio.; 31.12.2024: 1.127 Mio.). Der verwässerte Zwölfmonatsgewinn je Aktie beträgt 7,93 US-Dollar (6,39 für 2025, minus 3,53 für das erste Halbjahr 2025, plus 5,07 für das erste Halbjahr 2026), in Summe 8.597 Mio. US-Dollar. Aus dem ausgewiesenen KGV von 12,4 folgt ein Kurs von rund 98,33 US-Dollar und damit ein Börsenwert von rund 103,6 Milliarden — Abweichung zum Datenbestand 1,8 Prozent. Es gibt nur eine Aktiengattung mit einer Stimme je Aktie; eine Verzerrung durch Mehrstimmrechte ist ausgeschlossen.
  • Zyklik-Rechnung (eigene Berechnung, Grundlage: erstes Halbjahr 2026 aufs Jahr hochgerechnet, verkaufte Menge 4.854 Tsd. Unzen, Vorsteuerergebnis 15.164 Mio. US-Dollar, Steuerquote 31,1 Prozent, Beteiligungsergebnis 706 Mio., Minderheitenanteil 2,1 Prozent, 1.077 Mio. verwässerte Aktien): Erzielte Goldpreise 1.788 (2021), 1.792 (2022), 1.954 (2023), 2.408 (2024) und 3.498 US-Dollar je Unze (2025) ergeben einen Dreijahresschnitt von 2.620 und einen Fünfjahresschnitt von 2.288 US-Dollar. Preisgebundene Lizenzabgaben werden mit 5 Prozent des Preises zurückgerechnet (fester ghanaischer Satz seit 01.01.2026, die höchste im Bericht ausdrücklich genannte Quote). Ergebnis: Marge je Unze 900 statt 2.839 US-Dollar und ein KGV von rund 23 beim Dreijahresschnitt, 585 US-Dollar und rund 30 beim Fünfjahresschnitt. Das Modell ist eher zu freundlich: Es hält die Preise für Silber (61,51 US-Dollar je Unze im ersten Halbjahr 2026 nach 19,97 im Jahr 2023) und Kupfer konstant und lässt die Kosten je Unze unverändert. Realitätsprobe aus den Filings: 2024 lag der erzielte Preis bei 2.408 US-Dollar und der Gewinn bei 3.348 Mio. (2,92 je Aktie), was beim heutigen Kurs einem KGV von 34 entspräche; 2023 stand bei 1.954 US-Dollar ein Verlust von 2.494 Mio. und 2022 bei 1.792 US-Dollar ein Verlust von 0,54 US-Dollar je Aktie.
  • Identität/Rechtsform: Newmont Corporation (CIK 1164727, Commission File 001-31240, Steuernummer 84-1611629), Kapitalgesellschaft nach dem Recht von Delaware, gegründet 1921, Hauptsitz 6900 E. Layton Avenue, Denver, Colorado. Primärnotierung NYSE (NEM, Nennwert 1,60 US-Dollar), zusätzlich Sydney und Port Moresby. Frühere Firmierungen laut EDGAR: Newmont Mining Corporation, Newmont Goldcorp Corporation, Delta Holdco Corporation. Inlandsemittent, meldet per 10-K und 10-Q — am EDGAR-Einreichungsindex geprüft am 28.07.2026, letzter Geschäftsbericht 10-K vom 19.02.2026, letzter Quartalsbericht 10-Q vom 23.07.2026. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember.
  • Sonderlagen-Screening (EDGAR-Einreichungsindex CIK 1164727): keine laufende Übernahme, kein Strategic Review, kein Rights Plan, keine Aktivisten-Kampagne, keine Form 15 oder Form 25. Nach dem Quartalsbericht vom 23.07.2026 wurde bis zum Datenstand nichts weiter eingereicht. Die Führungswechsel der letzten zwölf Monate sind geordnet: Natascha Viljoen folgte zum 01.01.2026 auf Tom Palmer (8-K vom 29.09.2025), Mark Rodgers wurde zum 01.07.2026 Chief Operating Officer (8-K vom 15.06.2026), Chief Technical Officer Francois Hardy ging zum 30.06.2026 nach 24 Jahren in den Ruhestand, ohne Streit und ohne Abfindung (8-K vom 28.04.2026). Offen sind die sechs Klagen aus dem Jahr 2025 (Karas, Gunderson, Levin, Chin, Harris, Willis) zu angeblich falschen Angaben über Betrieb, Produktion und Kosten zwischen Februar und Oktober 2024; Abweisungsanträge vom 12.09.2025, Erwiderung vom November 2025, zum 30.06.2026 keine Entscheidung, keine Rückstellung.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 28. Juli 2026, Bilanzzahlen auf den 31. Dezember 2025 beziehungsweise 30. Juni 2026. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Die Jahreszahlen 2023 bis 2025 stehen in der Abgrenzung des Geschäftsberichts 2025, die Werte für 2021 und 2022 stammen aus dem Geschäftsbericht 2023 und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar. Die Fördermenge 2024 enthält Newcrest erstmals ein volles Jahr (Vollzug am 06.11.2023); die Zahlen für 2025 sind um die im selben Jahr verkauften Standorte CC&V, Musselwhite, Éléonore, Porcupine und Akyem sowie um Telfer (verkauft im vierten Quartal 2024) bereinigt zu lesen.

Häufige Fragen

Newmont Corporation (NYSE: NEM) ist der größte Goldproduzent der Welt. 2025 förderte der Konzern rund 5,89 Millionen Unzen Gold aus zwölf selbst geführten Minen in den USA, Papua-Neuguinea, Australien, Ghana, Suriname, Argentinien, Chile, Peru, Mexiko und Kanada sowie aus 38,5 Prozent an Nevada Gold Mines. Dazu kommen Kupfer, Silber, Blei und Zink.

AISC steht für „All-in Sustaining Costs“, die Vollkosten je geförderter Unze. Darin stecken Löhne, Energie, Material, Lizenzabgaben, Verwaltung, Rückstellungen für die Renaturierung und die laufenden Ersatzinvestitionen. Bei Newmont lagen sie im ersten Halbjahr 2026 bei 1.822 US-Dollar je Unze, nach 1.609 im Gesamtjahr 2025 und 1.062 im Jahr 2021.

Weil der Gewinn im Nenner aus einem Rekord-Goldpreis stammt. Der erzielte Preis stieg von 1.788 US-Dollar je Unze (2021) auf 4.661 im ersten Halbjahr 2026, während die Fördermenge fällt. Fiele der Preis auf den Dreijahresschnitt von 2.620 US-Dollar, ergäbe sich rechnerisch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23. In den Jahren 2022 und 2023 stand jeweils ein Verlust.

Die Reserve fiel von 134,1 auf 118,2 Millionen Unzen. Davon entfallen 8,7 Millionen Unzen auf die 2025 verkauften Minen CC&V, Porcupine, Éléonore, Musselwhite und Akyem, 4,8 Millionen auf die Rückstufung des Projekts Yanacocha Sulfides in Peru und rund 5,5 Millionen auf den normalen Abbau. Alle Zugänge zusammen brachten nur 3,1 Millionen Unzen.

Zum 31. Dezember 2025 wies der Konzern 118,2 Millionen Unzen nachgewiesene und wahrscheinliche Reserven aus, bewertet mit einer Goldpreisannahme von 2.000 US-Dollar je Unze. Bei 5,89 Millionen Unzen Jahresförderung entspricht das rund 20 Jahren — eine der längsten Reichweiten der Branche. Dahinter stehen weitere 88,1 Millionen Unzen an Ressourcen.

Newmont übernahm Newcrest am 6. November 2023 gegen 357.691.627 eigene Aktien, bilanziert mit 13.549 Millionen US-Dollar. Dazu kamen die Minen Lihir, Cadia, Brucejack, Red Chris und Telfer sowie 2.401 Millionen US-Dollar Firmenwert. Dieser Firmenwert wurde bis heute nicht abgeschrieben. Anschließend verkaufte Newmont sechs nicht-strategische Minen für 3.981 Millionen.

Am 14. April 2026 wurde nahe der australischen Mine Cadia seismische Aktivität registriert. Newmont setzte den Untertagebergbau aus; die Haldenverarbeitung lief bis zum 11. Mai weiter. Der Betrieb wurde Mitte Juni schrittweise wieder aufgenommen, die Rückkehr auf das Vorniveau erwartet der Konzern im dritten Quartal 2026.

Ja, derzeit 0,26 US-Dollar je Aktie und Quartal; für 2025 wurden insgesamt 1,01 US-Dollar erklärt. Den größeren Teil gibt Newmont über Aktienrückkäufe zurück: 2,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025, 3.462 Millionen im ersten Halbjahr 2026 und 606 Millionen im Juli 2026. Im April 2026 wurde ein neues Programm über 6.000 Millionen US-Dollar genehmigt.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?