4.873 Dollar am Markt, 3.936 in der Kasse: Allied Gold und das Barangebot, das seit Januar auf Stempel wartet
Allied Gold fördert Gold in Mali, der Côte d’Ivoire und bald in Äthiopien — im teuersten Goldjahr aller Zeiten. Trotzdem steht für 2025 ein Verlust von 51,8 Millionen US-Dollar in den Büchern, der allein die Aktionäre trifft: Die Gastländer als Mitgesellschafter verdienten im selben Jahr 55,2 Millionen. Im ersten Quartal 2026 lag der durchschnittliche Marktpreis bei 4.873 US-Dollar je Unze — in der Kasse ankamen 3.936, weil Kurssicherungen und Vorverkäufe die Spitze abschneiden. Und über allem liegt seit dem 26. Januar 2026 ein Barangebot von Zijin Gold über 44 kanadische Dollar je Aktie, rund 5,5 Milliarden für die ganze Firma. Aktionäre und Gericht haben zugestimmt, der Abschluss war für Ende April geplant — und die Frist wurde bereits auf den 29. Juli 2026 verschoben. Kein Anlagerat, sondern die Frage, was ein Kurs eigentlich abbildet, wenn er nur noch an einer Behördenunterschrift hängt.
Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf
Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.
Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.
Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Falle, die nichts mit Gier zu tun hat, sondern mit Erleichterung — nennen wir sie die Schlüsselübergabe-Falle. Du kennst sie vom Hauskauf: Der Kaufvertrag ist beim Notar unterschrieben, alle haben die Hand gehoben, und im Kopf wohnst du schon drin. Du misst Vorhänge aus. Nur liegt zwischen der Unterschrift und dem Schlüssel noch eine Bank, ein Grundbuchamt und ein Stapel Genehmigungen — und bis der letzte Stempel auf dem Papier ist, besitzt du kein Haus, sondern ein Versprechen. Bei Allied Gold Corporation (NYSE und TSX: AAUC) ist diese Falle gerade der wichtigste Faktor überhaupt: Seit dem 26. Januar 2026 liegt ein Barangebot des Hongkonger Bergbaukonzerns Zijin Gold International über 44 kanadische Dollar je Aktie auf dem Tisch — rund 5,5 Milliarden kanadische Dollar, etwa 4 Milliarden US-Dollar für die ganze Firma. Die Aktionäre haben am 31. März 2026 zugestimmt, das Gericht in Ontario auch. Der Abschluss war für Ende April 2026 geplant. Machen wir also einen Deal: Bevor du dieses Versprechen für bare Münze nimmst, lesen wir gemeinsam, was Allied Gold selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht 40-F für 2025 vom 1. April 2026, den Zwischenbericht zum 31. März 2026 vom 14. Mai 2026 und fünf Mitteilungen aus dem Jahr 2026. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Rekordjahr, in dem die Aktionäre trotzdem Verlust machten, von 937 US-Dollar je Unze, die nie in der Kasse ankamen, und von einer Frist, die schon einmal verschoben wurde. Am Ende entscheidest du selbst.
Was Allied Gold eigentlich macht — drei Minen, drei Länder, eine Baustelle
Allied Gold ist ein reiner Goldproduzent, und zwar ausschließlich in Afrika. Der Konzern betreibt drei laufende Minen und baut eine vierte:
- Sadiola in der Region Kayes im Westen Malis (80 Prozent Anteil; die dazugehörige Lizenz Korali-Sud zu 65 Prozent) — die größte Einheit, 2025 mit gut der Hälfte der Konzernproduktion.
- Bonikro (89,89 Prozent) und Agbaou (85 Prozent) in der Côte d’Ivoire, rund 100 Kilometer südlich von Yamoussoukro, zusammen als „CDI-Komplex" geführt.
- Kurmuk in West-Äthiopien (100 Prozent), rund 750 Kilometer von Addis Abeba entfernt — kein Bergwerk, sondern eine Baustelle: erste Goldproduktion laut Unternehmensplanung Mitte 2026.
Das Geschäftsmodell ist so alt wie einfach: Gestein aus dem Tagebau holen, mahlen, das Gold chemisch herauslösen, Barren gießen, verkaufen. Der Gewinn ist die Differenz zwischen dem Goldpreis und den Kosten je Unze — und weil beide Größen in Dollar gemessen werden, ist eine Goldmine im Grunde ein Hebel auf den Goldpreis mit fester Kostenbasis. Die Branchenkennzahl dafür heißt AISC, All-in Sustaining Cost, übersetzt: alles, was es kostet, eine Unze zu fördern und die Mine dabei am Laufen zu halten — Personal, Diesel, Sprengstoff, Lizenzabgaben, Ersatzinvestitionen. 2025 lag der AISC bei 2.037 US-Dollar je Unze (2024: 1.730), im ersten Quartal 2026 bei 2.264. Merke dir diese Zahl: Sie ist die Höhe der Latte, über die der Goldpreis springen muss, damit überhaupt etwas übrig bleibt.
Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Allied Gold fördert im teuersten Goldjahr der Geschichte — und von diesem Preis kommt bei den Aktionären erstaunlich wenig an. Was der Kurs heute abbildet, ist deshalb auch nicht mehr das Gold, sondern ein Barangebot, das auf Genehmigungen wartet.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diese Analyse beginnt nicht mit einem Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern mit einem Formular. Am 8. Mai 2026 reichte Helikon Investments Ltd aus London bei der SEC ihr Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein (Aktenzeichen 0001839497-26-000002). Ein 13F ist die Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter: Wer mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-gelisteten Aktien verwaltet, muss vierteljährlich offenlegen, was er hält. In Helikons Tabelle stehen 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar — und darin 12.272.202 Allied-Gold-Aktien im Wert von 380.929.150 US-Dollar. Das ist die zweitgrößte Position des gesamten Depots, 14,4 Prozent des Portfolios, und entspricht rund 9,8 Prozent aller Allied-Gold-Aktien.
Interessanter als die Größe ist die Bewegung. Über vier Stichtage gemeldet: 11.791.913 Stück (30. Juni 2025), 14.736.634 (30. September 2025), 16.498.498 (31. Dezember 2025) — und dann 12.272.202 zum 31. März 2026. Der Fonds hat also erst kräftig aufgestockt und im ersten Quartal 2026, also genau in dem Quartal, in dem die Übernahme angekündigt wurde, rund ein Viertel der Position verkauft. Und blieb trotzdem mit dem zweitgrößten Posten investiert. Im selben Quartal baute Helikon das Depot spürbar um: sechs komplett neue Positionen, sechs vollständige Abgänge — darunter der Goldproduzent B2Gold.
Jetzt die Grenze, die zu jedem 13F gehört, damit aus einer Pflichtmeldung keine Legende wird: Ein 13F zeigt ausschließlich US-gelistete Long-Positionen, gemeldet mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne Derivate und ohne alles, was außerhalb der USA notiert. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Bei einem Titel mitten in einer Übernahme ist das besonders wichtig: Ob der Fonds Anfang Mai noch dabei war, sagt das Formular nicht. Es sagt nur, was am 31. März im Depot lag.
Ein Wort zum Scanner, weil es zur Ehrlichkeit gehört: Allied Gold ist kein Titel, den unsere Filter nach vorne spülen. Der Datenbestand kennt die Gesellschaft überhaupt erst seit dem vierten Quartal 2024 — sechs Quartale, keine Fünfjahresreihe. Was dort steht, ist gemischt: Piotroski-Score 5 von 9 (ein Neun-Punkte-Test der Bilanzgesundheit; 5 ist Mittelmaß, kerngesunde Firmen stehen bei 8 oder 9), Altman-Z von 1,90 (unterhalb der klassischen Warnschwelle von etwa 1,8 bis 3,0 — also im Graubereich), eine Eigenkapitalquote von rund 0,19 und kein Kurs-Gewinn-Verhältnis, weil es keinen Gewinn für die Aktionäre gibt, durch den man teilen könnte. Ein Momentum-Signal löst so ein Titel nicht aus, ein Qualitätssignal auch nicht. Genau das ist die Lücke, die ein Formular manchmal füllt.
Warum es von Allied Gold keinen Quartalsbericht gibt — und was das für dich heißt
Bevor wir in die Zahlen gehen, ein Punkt, den viele Anleger übersehen: Von Allied Gold gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Die Gesellschaft ist Kanadierin und nutzt das sogenannte MJDS-Verfahren, eine gegenseitige Anerkennung der Börsenaufsichten: Sie berichtet nach kanadischen Regeln und reicht dasselbe Paket bei der SEC als Formular 40-F ein. Bilanziert wird nach IFRS, berichtet wird in US-Dollar — der Zwischenabschluss sagt das ausdrücklich: „The unaudited condensed consolidated financial statements are presented in United States dollars (‚US$', or ‚$'), which is the Company’s functional and presentation currency." Die Quartalszahlen kommen als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K.
Praktisch heißt das für dich: Einmal im Jahr bekommst du ein vollständiges, von KPMG geprüftes Werk (für 2025 eingereicht am 1. April 2026, Abschluss datiert auf den 31. März 2026). Dreimal im Jahr bekommst du ungeprüfte Zahlen ohne Prüferdurchsicht. Und es kommt noch ein Punkt dazu, den das 40-F selbst benennt:
„This annual report on Form 40-F does not include a report of management’s assessment regarding internal control over financial reporting due to a transition period established by rules of the SEC for newly public companies. … This annual report does not include an attestation report of the Company’s registered public accounting firm due to a transition period established by rules of the SEC for newly public companies."
Übersetzung: „Dieser Jahresbericht auf Formular 40-F enthält keinen Bericht des Managements über die Beurteilung der internen Kontrolle der Rechnungslegung, weil für neu börsennotierte Unternehmen eine von der SEC festgelegte Übergangsfrist gilt. … Dieser Jahresbericht enthält keinen Bestätigungsvermerk der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu diesem Punkt, ebenfalls wegen der Übergangsfrist für neu börsennotierte Unternehmen."
— Allied Gold Corporation, SEC-Jahresbericht 40-F für 2025, Abschnitt „Disclosure Controls and Procedures"
Das ist völlig legal und bei jungen Börsengesellschaften der Normalfall — aber es ist eine dünnere Kontrolllage, als du sie bei einem etablierten US-Wettbewerber hättest. Und jung ist die Gesellschaft tatsächlich: Sie wurde am 14. Januar 2021 als Mondavi Ventures Ltd. in British Columbia gegründet, wechselte am 31. August 2023 nach Ontario, benannte sich um und kam am 7. September 2023 über eine umgekehrte Übernahme an die Börse; gehandelt wird sie in Toronto seit dem 11. September 2023. An der New York Stock Exchange notiert die Aktie erst seit dem 9. Juni 2025 — nach einer Zusammenlegung im Verhältnis drei zu eins. Merke dir das: Eine kurze Börsenhistorie ist keine Schwäche des Geschäfts, aber sie ist eine Schwäche deiner Datenlage. Deshalb beginnt auch jede Kennzahlenreihe zu diesem Titel erst im vierten Quartal 2024.
Die Zahlen über die Jahre — beziehungsweise über sechs Quartale
Erst das, was wirklich beeindruckt, denn davon gibt es einiges. Der Umsatz stieg 2025 auf 1.331,8 Millionen US-Dollar, nach 730,4 Millionen im Jahr 2024 — eine Verdopplung binnen zwölf Monaten, getragen von mehr Produktion (379.081 Unzen nach 358.091) und vor allem einem sprunghaft gestiegenen Goldpreis. Der Rohertrag vor Abschreibungen erreichte 578,3 Millionen, das bereinigte EBITDA 523,8 Millionen. Das vierte Quartal 2025 war mit 117.004 Unzen das produktionsstärkste der Firmengeschichte. Und die Reserven tragen weit: Zum 31. Dezember 2025 wies Allied 11,2 Millionen Unzen sichere und wahrscheinliche Reserven aus (247,1 Millionen Tonnen bei 1,41 Gramm je Tonne) sowie 15,3 Millionen Unzen gemessene und angezeigte Ressourcen. Bei knapp 380.000 Unzen Jahresproduktion sind das rechnerisch fast drei Jahrzehnte Vorrat.
Jetzt die Kurve, um die es geht — sechs Quartale, mehr gibt die Berichtsgeschichte nicht her:
Der Umsatz steigt, das Ergebnis nicht. Für das Gesamtjahr 2025 steht unter dem Strich ein Konzerngewinn von 3,3 Millionen US-Dollar — davon entfielen 55,2 Millionen auf die Minderheitsgesellschafter und minus 51,8 Millionen auf die Aktionäre der Allied Gold, also 0,45 US-Dollar Verlust je Aktie. Im Jahr davor waren es 0,43 US-Dollar Verlust je Aktie. Im ersten Quartal 2026 wurde die Lücke größer statt kleiner: 394,1 Millionen Umsatz, aber 58,3 Millionen Verlust für die Aktionäre (0,47 US-Dollar je Aktie), während die Minderheitsgesellschafter erneut 13,9 Millionen Gewinn zugerechnet bekamen. Bereinigt um Bewertungseffekte weist Allied für dasselbe Quartal 48,6 Millionen Gewinn aus — ein Abstand von rund 107 Millionen zwischen berichtetem und bereinigtem Ergebnis. Wie groß so eine Bereinigungsspanne werden kann, haben wir auch bei anderen Rohstoff-Titeln gesehen, etwa in der Analyse zu TRX Gold aus Tansania.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Im teuersten Goldjahr der Geschichte verloren die Aktionäre Geld
Rechne kurz mit. Vor Steuern verdiente Allied Gold 2025 237,4 Millionen US-Dollar. Davon gingen 175,0 Millionen an laufenden Ertragsteuern und 59,0 Millionen an latenten Steuern ab — zusammen 234,0 Millionen, also 98,6 Prozent des Vorsteuergewinns. Übrig blieben 3,3 Millionen. Und diese 3,3 Millionen mussten noch geteilt werden, denn Allied besitzt seine Minen nicht allein: Die Regierung von Mali hält 20 Prozent an Sadiola, die Regierung der Côte d’Ivoire 10,11 Prozent an Bonikro und 15 Prozent an Agbaou. Deren Anteil am Gewinn 2025: plus 55,2 Millionen US-Dollar. Für die Aktionäre blieb minus 51,8 Millionen.
Dazu kommen die Förderabgaben, die gar nicht erst im Gewinn auftauchen, weil sie in den Herstellkosten stecken: Die Position „Royalties" stieg von 55,4 Millionen US-Dollar (2024) auf 179,4 Millionen (2025) — mehr als eine Verdreifachung, weil viele afrikanische Abgaben am Goldpreis hängen. Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Wirt hat das beste Jahr seines Lebens, aber Pacht, Steuer und der stille Teilhaber sind an den Umsatz gekoppelt — und am Monatsende steht er mit weniger da als vorher. Merke dir das Muster: Bei Minen in Ländern mit staatlicher Beteiligung wächst der Anteil des Gastlandes schneller als der Gewinn. Und der Vorgang vom Januar 2025 zeigt, wie konkret das wird: Mali verlangte 280 Kilogramm Gold als Vorschuss auf künftige Dividenden; Allied übertrug sie im Februar 2025 mit einem Zeitwert von 23,9 Millionen US-Dollar. Im selben Zug sank Allieds Anteil an der Lizenz Korali-Sud von 100 auf 65 Prozent — Folge des malischen Bergbaugesetzes von 2023.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Von 4.873 Dollar je Unze kamen 3.936 in der Kasse an
Das ist die Zahl, an der diese Analyse hängt. Im ersten Quartal 2026 lag der durchschnittliche Marktpreis für eine Unze Gold bei 4.873 US-Dollar. Allied Gold erlöste je verkaufter Unze 3.936. Die Differenz von 937 US-Dollar hat zwei Namen, und beide stehen im Zwischenbericht: 646 US-Dollar je Unze gingen für Kurssicherungen ab, weitere 193 US-Dollar für Streams, Sachdividenden und Abgrenzungen. Auf 99.878 verkaufte Unzen sind das rund 84 Millionen US-Dollar in einem einzigen Quartal.
Der erste Grund heißt Collar. Ein Collar ist eine Preisklammer: Man kauft sich einen Boden gegen fallende Preise und verkauft dafür eine Decke gegen steigende. Kostet nichts — deshalb „Zero-Cost" —, aber die Decke gilt. Allied schloss solche Klammern am 19. Dezember 2024, mitten in der Finanzierung des Bauprojekts Kurmuk:
„On December 19, 2024, the Company entered into zero-cost collars to hedge the price on gold production of 10,000 ounces per month, beginning April 2025 through to December 2026, for a total of 210,000 ounces, at an average put and call strike price of $2,200 per ounce and $3,125 per ounce, respectively."
Übersetzung: „Am 19. Dezember 2024 schloss die Gesellschaft Zero-Cost-Collars zur Preissicherung von 10.000 Unzen Goldproduktion je Monat ab, beginnend im April 2025 bis Dezember 2026, insgesamt 210.000 Unzen, mit durchschnittlichen Basispreisen von 2.200 US-Dollar je Unze für den Verkaufsschutz und 3.125 US-Dollar je Unze für die Obergrenze."
— Allied Gold Corporation, Zwischenabschluss zum 31. März 2026 (6-K-Anhang 99.2), Note 11 „Financial Instruments"
Bei einem Marktpreis von 4.873 US-Dollar ist eine Decke von 3.125 keine Absicherung mehr, sondern ein Verzicht. Entsprechend groß ist der Posten in der Bilanz: Die gesamte Sicherungsposition stand zum 31. März 2026 mit 174,3 Millionen US-Dollar als Verbindlichkeit in den Büchern, nach 49,5 Millionen ein Jahr zuvor. Immerhin hat Allied gegengesteuert und im Oktober 2025 Kaufoptionen mit Basispreis 4.500 US-Dollar über 217.500 Unzen erworben, Prämie 20,5 Millionen — sie mildern den Abfluss oberhalb dieser Marke. Die gute Nachricht steht im selben Absatz: Die Collars laufen „by the end of 2026" aus, zum 31. März 2026 waren noch 90.000 Unzen offen.
Der zweite Grund heißt Stream. Ein Stream ist ein Vorverkauf: Ein Finanzier zahlt heute eine große Summe und darf dafür künftig einen Teil der Produktion zu einem festen, sehr niedrigen Preis abnehmen. Für einen Bergbaubetrieb ohne Bankzugang ist das Geld, das nicht als Schuld in der Bilanz steht. Der Preis dafür steht im Anhang des Jahresabschlusses:
„On October 10, 2019 the Company entered into a streaming agreement, currently held by Royal Gold Inc. … Under this agreement, the counterparty has the right to purchase certain quantities of gold at a fixed price of US$400/ounce."
Übersetzung: „Am 10. Oktober 2019 schloss die Gesellschaft eine Streaming-Vereinbarung, die derzeit von Royal Gold Inc. gehalten wird. … Nach dieser Vereinbarung hat die Gegenpartei das Recht, bestimmte Goldmengen zu einem Festpreis von 400 US-Dollar je Unze zu erwerben."
— Allied Gold Corporation, Geprüfter Jahresabschluss 2025 (40-F-Anhang), Note 22 „Deferred Revenue"
Drei Streams laufen: Royal Gold (seit 2019, Festpreis 400 US-Dollar, 6 Prozent der ersten 650.000 Unzen aus Bonikro), Triple Flag (53,0 Millionen US-Dollar Vorauszahlung im August 2024, laufend 10 Prozent des Kassapreises) und Wheaton Precious Metals (175,0 Millionen für Kurmuk, laufend 15 Prozent des Kassapreises, 6,7 Prozent der zahlbaren Produktion bis 255.000 Unzen). Der Jahresabschluss beziffert den darin enthaltenen Finanzierungsanteil offen: 24,99 Prozent für den Royal-Gold-Stream, 9,98 Prozent bei Triple Flag, 12,02 Prozent bei Wheaton. Merke dir das: Ein Stream ist kein Kredit — er ist teurer. Zusammen mit Goldvorverkäufen standen zum 31. März 2026 376,2 Millionen US-Dollar abgegrenzter Umsatz in der Bilanz: Gold, das verkauft ist, bevor es gefördert wurde.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 86 Prozent des Goldes gehen an einen einzigen Kunden
Gold gilt als der Rohstoff, den man immer und überall loswird. Umso bemerkenswerter ist die Fußnote in Note 7 des Jahresabschlusses: „Approximately 86% of gold sales were to a single customer for the year ended December 31, 2025 (87% for the year ended December 31, 2024)" — rund 86 Prozent des Goldumsatzes 2025 gingen an einen einzigen Abnehmer, nach 87 Prozent im Vorjahr. In absoluten Zahlen: gut 1,14 der 1,33 Milliarden US-Dollar. Der Name steht nicht im Bericht.
Zur Fairness gehört: Bei Goldproduzenten ist das üblich, weil meist eine einzige Raffinerie die komplette Produktion abnimmt, und Gold lässt sich anders als ein Spezialbauteil grundsätzlich auch anderswo verkaufen. Trotzdem gilt: Wenn dir dein Nachbar erzählt, sein Betrieb laufe blendend, aber neun von zehn Rechnungen gingen an denselben Empfänger — würdest du kurz schlucken. Und in diesem Fall kommt hinzu, dass über denselben Kanal die Stream-Lieferungen laufen, die vertraglich fixiert sind, und dass die Ware aus zwei Ländern kommt, in denen der Staat schon einmal in den Goldfluss eingegriffen hat.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Kurzfristige Schulden über Umlaufvermögen — bei einem Kaufpreis von rund 4 Milliarden
Die Bilanz zum 31. März 2026 liest sich anders, als man es bei einer Firma erwartet, für die jemand rund 4 Milliarden US-Dollar bar bietet. Bilanzsumme 2.244,8 Millionen US-Dollar. Davon 748,4 Millionen Umlaufvermögen — dem stehen 1.156,1 Millionen kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber. Die Lücke beträgt 407,7 Millionen US-Dollar; auf jeden Dollar kurzfristiger Schulden kommen 65 Cent kurzfristiges Vermögen. Zu den größten Brocken gehören 409,8 Millionen Lieferantenverbindlichkeiten, 230,3 Millionen fällige Ertragsteuern und die erwähnten 174,3 Millionen aus den Sicherungsgeschäften.
Auf der anderen Seite: Das gesamte Eigenkapital lag bei 445,6 Millionen, davon entfielen 334,6 Millionen auf die Aktionäre und 110,9 Millionen auf die Gastländer — Eigenkapitalquote knapp 20 Prozent. Der aufgelaufene Verlustvortrag betrug 339,1 Millionen. In der Kasse lagen 424,2 Millionen US-Dollar (Jahresende 2025: 479,8 Millionen), dazu eine ungenutzte Kreditlinie über 50,0 Millionen, deren Auflagen zum Stichtag eingehalten waren. Und da ist noch eine Position, die man zweimal lesen muss: Die 2023 begebene Wandelanleihe über 107,3 Millionen US-Dollar Nennwert zu 8,75 Prozent (Wandlungspreis 17,37 US-Dollar je Aktie) steht wegen des hohen Aktienkurses inzwischen mit einem Zeitwert von 214,6 Millionen in der Bilanz — allein die Neubewertung im ersten Quartal 2026 kostete 60,2 Millionen und ist ein wesentlicher Grund dafür, dass aus 52,0 Millionen Vorsteuergewinn ein Verlust wurde.
Übersetzt: Die Substanz dieser Firma liegt nicht in der Bilanz, sondern im Boden — 11,2 Millionen Unzen Reserven, die erst in Umsatz verwandelt werden müssen, und eine Baustelle in Äthiopien, in die allein im ersten Quartal 2026 83,4 der 118,5 Millionen Investitionen flossen. Genau das kauft Zijin. Und genau deshalb steht der Kaufpreis in keinem Verhältnis zum Buchwert.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Das Angebot liegt seit Januar auf dem Tisch — und der Termin wurde schon verschoben
Am 26. Januar 2026 verkündete Allied Gold die Übernahme durch Zijin Gold International, eine an der Hongkonger Börse notierte Gesellschaft. Die Eckdaten stehen im Zwischenbericht:
„Zijin Gold, a public company listed on the Hong Kong Stock Exchange, agreed to acquire all of the issued and outstanding shares of Allied Gold at a price of C$44 per share (the ‚Offer Price') in cash, pursuant to the terms of a court-approved plan of arrangement under the Business Corporations Act (Ontario)."
Übersetzung: „Zijin Gold, eine an der Hongkonger Börse notierte Gesellschaft, hat sich bereit erklärt, sämtliche ausgegebenen und ausstehenden Aktien von Allied Gold zu einem Preis von 44 kanadischen Dollar je Aktie in bar zu erwerben, nach den Bedingungen eines gerichtlich genehmigten Arrangement-Plans nach dem Gesellschaftsgesetz von Ontario."
— Allied Gold Corporation, Lagebericht zum ersten Quartal 2026 (6-K-Anhang 99.1), Abschnitt „Transaction with Zijin Gold"
Die Konditionen sind für Aktionäre angenehm: Aufschlag rund 27 Prozent auf den 30-Tage-Durchschnittskurs vom 23. Januar 2026, keine Finanzierungsbedingung, Barzahlung aus vorhandenen Mitteln des Käufers. Vorstände und Direktoren mit rund 15,4 Prozent der Aktien haben sich zur Zustimmung verpflichtet; die Abbruchgebühr beträgt 220 Millionen kanadische Dollar. Am 31. März 2026 stimmten die Aktionäre zu, das Gericht in Ontario ebenfalls. Die Firma nannte den erwarteten Abschluss selbst: „Closing expected by late April 2026."
Ende April kam und ging. Was seither passierte, lässt sich an den Meldungen ablesen. Am 28. April 2026 bestätigte Allied den „normalen Geschäftsbetrieb" und erwähnte im selben Text die Konflikte zwischen Regierung und Aufständischen in Mali — die Minen lägen weit entfernt. Am 29. Mai 2026 kam die kanadische Investitionsfreigabe, dazu Fusionsfreigaben der westafrikanischen und der ost- und südafrikanischen Wettbewerbsbehörden — und ein Satz, der den ganzen Kern trägt:
„As the Company and Zijin Gold continue to work diligently towards obtaining the outstanding regulatory approvals … the Outside Date (as defined in the Arrangement Agreement) has been extended to July 29, 2026 in accordance with the Arrangement Agreement. Any further extension of the Outside Date will require the parties' mutual agreement."
Übersetzung: „Während die Gesellschaft und Zijin Gold weiter mit Nachdruck daran arbeiten, die ausstehenden behördlichen Genehmigungen zu erhalten, … wurde der Stichtag für den Abschluss (wie im Arrangement-Abkommen definiert) im Einklang mit dem Abkommen auf den 29. Juli 2026 verlängert. Jede weitere Verlängerung dieses Stichtags erfordert das beiderseitige Einvernehmen der Parteien."
— Allied Gold Corporation, Mitteilung vom 29. Mai 2026 (6-K-Anhang 99.1)
Am 10. Juni 2026 folgte eine Mitteilung über Fortschritte an den Minen „parallel zum normalen Fortgang" der Transaktion. Und am 17. Juli 2026 reichte Allied ein Einladungsschreiben zu einer ordentlichen Hauptversammlung am 7. August 2026 ein — mit der Begründung, die Transaktion sei noch nicht abgeschlossen und das Gesellschaftsrecht verlange die Versammlung deshalb trotzdem. Zum Stand dieser Analyse (24. Juli 2026) lag keine Vollzugsmeldung vor. Welche Freigabe genau noch fehlt, nennt keines der Dokumente; die Annual Information Form listet als Voraussetzungen unter anderem Genehmigungen in mehreren Rechtsräumen einschließlich der Volksrepublik China.
Bewertung: Der Kurs ist der Angebotspreis
Für eine evergreen-taugliche Einordnung brauchen wir einen datierten Anker statt eines Tageskurses — und den liefert ausgerechnet das Formular vom Anfang. Aus 380.929.150 US-Dollar für 12.272.202 Aktien ergibt sich zum Stichtag 31. März 2026 ein rechnerischer Kurs von rund 31 US-Dollar je Aktie. Das Angebot lautet auf 44 kanadische Dollar; zum Umrechnungskurs des Jahresendes 2025 (1 US-Dollar = 1,3706 kanadische Dollar, laut 40-F) entspricht das gut 32 US-Dollar. Mit anderen Worten: Die Aktie notierte am Quartalsende praktisch auf Höhe des Angebotspreises, mit einem kleinen Abschlag. Genau so verhält sich ein Papier, dessen Kurs nicht mehr das Geschäft abbildet, sondern die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses.
Klassische Multiplikatoren helfen hier kaum weiter. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht, weil für die Aktionäre kein Gewinn ausgewiesen wird. Gemessen am Umsatz 2025 (1.331,8 Millionen US-Dollar) liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 3, gemessen am bereinigten EBITDA 2025 (523,8 Millionen) beim etwa 7,7-Fachen — für einen wachsenden Produzenten mit fast 30 Jahren Reservenvorrat kein absurder Preis, aber auch kein Schnäppchen. Die ehrlichste Rechnung ist eine andere: Rund 4 Milliarden US-Dollar für 11,2 Millionen Unzen Reserven sind etwa 360 US-Dollar je Unze im Boden — bei einem Marktpreis von 4.873 US-Dollar und Förderkosten um 2.000. Zijin kauft also Vorrat, nicht Bilanz. Alle Bewertungsangaben mit Datenstand 24. Juli 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
Für dich als Anleger heißt das: Der Kurs bewegt sich ab hier fast nur noch zwischen zwei Punkten — dem Angebotspreis, wenn die Übernahme kommt, und dem Kurs vor dem 26. Januar 2026, wenn sie platzt. Wie stark eine einzige Genehmigung oder ein einziger Vertrag alles andere überlagern kann, haben wir zuletzt bei einem anderen Afrika-Titel aus demselben Depot gesehen — der Analyse zu Helios Towers.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Allied Gold spricht:
- Ein Barangebot mit hoher Verbindlichkeit: 44 kanadische Dollar je Aktie, rund 5,5 Milliarden C$, ohne Finanzierungsvorbehalt, mit Zustimmung von Aktionären (31. März 2026) und Gericht, Aufschlag rund 27 Prozent auf den 30-Tage-Durchschnitt vom 23. Januar 2026.
- Operativ wächst der Betrieb: 379.081 Unzen 2025 (2024: 358.091), das vierte Quartal 2025 war mit 117.004 Unzen das stärkste der Firmengeschichte, das erste Quartal 2026 lag mit 96.016 Unzen 14 Prozent über dem Vorjahr. Für 2026 nennt die eigene Planung 485.000 bis 575.000 Unzen.
- Reservenbasis für Jahrzehnte: 11,2 Millionen Unzen sichere und wahrscheinliche Reserven, 15,3 Millionen Unzen gemessene und angezeigte Ressourcen (Stand 31. Dezember 2025); das Ziel des Managements liegt bei rund 800.000 Unzen Jahresproduktion bis 2029.
- Das Wachstumsprojekt ist finanziert und weit fortgeschritten: In Kurmuk (Äthiopien) flossen allein im ersten Quartal 2026 83,4 Millionen US-Dollar, die Erstproduktion war für Mitte 2026 vorgesehen; ein 20-Jahres-Stromvertrag sichert 0,04 US-Dollar je Kilowattstunde.
- Die Preisbremse hat ein Ablaufdatum: Die Gold-Collars laufen bis Ende 2026 aus (zum 31. März 2026 noch 90.000 Unzen offen); danach kommt ein deutlich größerer Teil des Marktpreises in der Kasse an.
Was dagegen spricht:
- Der Kurs hängt an einer Unterschrift, nicht am Gold: Der ursprünglich für Ende April 2026 erwartete Abschluss stand am 24. Juli 2026 noch aus, der Stichtag wurde bereits auf den 29. Juli 2026 verschoben, jede weitere Verlängerung verlangt beiderseitiges Einvernehmen — und für den 7. August 2026 wurde vorsorglich eine Hauptversammlung einberufen.
- Der Rekordpreis kommt nicht an: 3.936 statt 4.873 US-Dollar je Unze im ersten Quartal 2026, Collar-Decke bei 3.125, ein Stream-Festpreis von 400 US-Dollar seit 2019 mit einem ausgewiesenen Finanzierungssatz von 24,99 Prozent, 376,2 Millionen abgegrenzter Umsatz und 174,3 Millionen Derivate-Verbindlichkeit.
- Staat und Partner zuerst: 2025 blieben von 237,4 Millionen Vorsteuergewinn nach 234,0 Millionen Steuern 3,3 Millionen — davon 55,2 Millionen für die Gastländer und minus 51,8 Millionen für die Aktionäre; die Förderabgaben stiegen von 55,4 auf 179,4 Millionen US-Dollar.
- Länderrisiko ist real, nicht theoretisch: Mali reduzierte Allieds Anteil an Korali-Sud im Januar 2025 von 100 auf 65 Prozent und verlangte 280 Kilogramm Gold als Dividendenvorschuss; im April 2026 nannte die Gesellschaft selbst Konflikte zwischen Regierung und Aufständischen in Mali.
- Dünne Bilanz und dünne Datenlage: 1.156,1 Millionen kurzfristige Schulden gegen 748,4 Millionen Umlaufvermögen, 334,6 Millionen Eigenkapital der Aktionäre, ein Verlustvortrag von 339,1 Millionen — und als kanadischer Filer keine geprüften Quartalsberichte, kein Bericht über die internen Kontrollen und kein Prüfer-Testat dazu, jeweils wegen der Übergangsfrist für neu börsennotierte Unternehmen.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Schlüsselübergabe-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die Übernahme eine Illusion wäre — sie ist real, unterschrieben, von den Aktionären und einem Gericht abgesegnet, ohne Finanzierungsvorbehalt und mit einem gut kapitalisierten Käufer. Ihr Kern ist, dass die Unterschrift eine Frage beantwortet, die du gar nicht gestellt hast. Sie sagt dir, dass jemand 44 kanadische Dollar zahlen will. Sie sagt dir nicht, wann — und sie sagt dir schon gar nicht, was du besitzt, falls es nicht dazu kommt. Diese zweite Antwort steht in den Berichten: eine Firma mit drei Minen in politisch anspruchsvollen Ländern, mit fast 30 Jahren Reserven im Boden und einer Baustelle in Äthiopien; eine Firma, die im teuersten Goldjahr der Geschichte 51,8 Millionen US-Dollar Verlust für ihre Aktionäre schrieb, während Fiskus und Gastländer verdienten; eine Firma, die von 4.873 US-Dollar je Unze 3.936 behielt, weil sie sich in der Finanzierungsnot von 2024 die Preisspitze abgeschnitten hat. Der Londoner Fonds, der zum 31. März 2026 immer noch die zweitgrößte Position seines Depots in dieser Aktie hielt, hat im selben Quartal ein Viertel davon verkauft — sein Formular sagt nicht, warum. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist das Angebot gut?" — für die Aktionäre von Anfang 2026 war es das. Sondern: Willst du die letzten Prozent zwischen Kurs und Angebotspreis einsammeln und dafür das Risiko tragen, dass ein Stempel ausbleibt und du plötzlich einen Goldproduzenten besitzt, den du nie kaufen wolltest? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du einen Eindruck. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Allied Gold Corporation — SEC-Jahresbericht 40-F für 2025 (eingereicht 1. April 2026)
- Allied Gold Corporation — Geprüfter Jahresabschluss 2025 nach IFRS (40-F-Anhang, Prüfer KPMG LLP)
- Allied Gold Corporation — Lagebericht (MD&A) für das Geschäftsjahr 2025 (40-F-Anhang)
- Allied Gold Corporation — Annual Information Form für 2025 (40-F-Anhang 99.1)
- Allied Gold Corporation — Ungeprüfter Zwischenabschluss zum 31. März 2026 (6-K-Anhang 99.2 vom 14. Mai 2026)
- Allied Gold Corporation — Lagebericht zum ersten Quartal 2026 (6-K-Anhang 99.1 vom 14. Mai 2026)
- Allied Gold Corporation — Mitteilung zur Übernahme durch Zijin Gold (6-K-Anhang 99.1 vom 26. Januar 2026)
- Allied Gold Corporation — Mitteilung zum Geschäftsbetrieb und zum Genehmigungsverfahren (6-K-Anhang 99.1 vom 28. April 2026)
- Allied Gold Corporation — Mitteilung zu Freigaben und zur Verlängerung des Stichtags auf den 29. Juli 2026 (6-K-Anhang 99.1 vom 29. Mai 2026)
- Allied Gold Corporation — Mitteilung zu Minenlaufzeiten und Projektfortschritt (6-K-Anhang 99.1 vom 10. Juni 2026)
- Allied Gold Corporation — Einladungsschreiben zur Hauptversammlung am 7. August 2026 (6-K-Anhang 99.1 vom 17. Juli 2026)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Allied Gold: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Helikon Investments Ltd — Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026, Aktenzeichen 0001839497-26-000002)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen; Datenstand 24. Juli 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten (40-F/6-K, CIK 1993344).
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Bei laufenden Übernahmeverfahren können sich Fristen, Bedingungen und der Vollzug jederzeit ändern. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Allied-Gold-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Übernahmesituation neutral
- Das Barangebot von Zijin Gold über 44 kanadische Dollar je Aktie (rund 5,5 Milliarden C$) ist verbindlich unterschrieben, ohne Finanzierungsvorbehalt, von den Aktionären am 31. März 2026 und vom Gericht in Ontario genehmigt; die Abbruchgebühr beträgt 220 Millionen C$. Offen sind Behördenfreigaben: Der Abschluss war für Ende April 2026 erwartet, der Stichtag wurde am 29. Mai 2026 auf den 29. Juli 2026 verlängert, jede weitere Verlängerung verlangt beiderseitiges Einvernehmen — und für den 7. August 2026 wurde vorsorglich eine Hauptversammlung einberufen.
- Operatives Geschäft positiv
- Die Produktion wächst: 379.081 Unzen 2025 nach 358.091 im Vorjahr, das vierte Quartal 2025 war mit 117.004 Unzen das stärkste der Firmengeschichte, das erste Quartal 2026 lag 14 Prozent über dem Vorjahr. Für 2026 plant Allied 485.000 bis 575.000 Unzen bei Minenkosten von 1.750 bis 1.900 US-Dollar je Unze; das Bauprojekt Kurmuk in Äthiopien sollte Mitte 2026 die erste Goldproduktion liefern. Reserven von 11,2 Millionen Unzen reichen rechnerisch fast drei Jahrzehnte.
- Preisrealisierung negativ
- Von 4.873 US-Dollar Marktpreis je Unze kamen im ersten Quartal 2026 nur 3.936 in der Kasse an: 646 US-Dollar gingen für Kurssicherungen ab, 193 für Streams und Sachdividenden. Die Collars vom Dezember 2024 deckeln bei 3.125 US-Dollar und laufen bis Ende 2026 (90.000 Unzen offen zum 31. März 2026); der Royal-Gold-Stream von 2019 berechtigt zum Kauf zu 400 US-Dollar je Unze und trägt laut Jahresabschluss einen Finanzierungssatz von 24,99 Prozent. Die Sicherungsposition stand mit 174,3 Millionen US-Dollar als Verbindlichkeit in der Bilanz.
- Ergebnisverteilung & Länderrisiko negativ
- Von 237,4 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn 2025 blieben nach 234,0 Millionen Steuern 3,3 Millionen; davon entfielen 55,2 Millionen auf die Regierungen von Mali und der Côte d’Ivoire als Mitgesellschafter, für die Aktionäre blieb ein Verlust von 51,8 Millionen. Die Förderabgaben stiegen von 55,4 auf 179,4 Millionen. Im Januar 2025 sank Allieds Anteil an der Lizenz Korali-Sud von 100 auf 65 Prozent, und Mali verlangte 280 Kilogramm Gold als Dividendenvorschuss (Zeitwert 23,9 Millionen).
- Bilanz & Berichtsqualität negativ
- Zum 31. März 2026 standen 748,4 Millionen US-Dollar Umlaufvermögen 1.156,1 Millionen kurzfristigen Schulden gegenüber; das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital lag bei 334,6 Millionen, der Verlustvortrag bei 339,1 Millionen. Die Wandelanleihe über 107,3 Millionen Nennwert wird mit 214,6 Millionen Zeitwert geführt. Als kanadischer MJDS-Filer veröffentlicht Allied keine geprüften Quartalsberichte; das 40-F enthält wegen der Übergangsfrist für neu börsennotierte Unternehmen weder einen Bericht des Managements zur internen Kontrolle noch ein Prüfer-Testat dazu.
Allied Gold ist die Schlüsselübergabe-Falle in Reinform: Die Übernahme durch Zijin Gold zu 44 kanadischen Dollar je Aktie ist unterschrieben, von Aktionären und Gericht genehmigt und ohne Finanzierungsvorbehalt — nur fehlen Behördenfreigaben, der ursprünglich für Ende April 2026 erwartete Abschluss stand am 24. Juli 2026 noch aus, und der Stichtag wurde bereits auf den 29. Juli 2026 verschoben. Dahinter liegt ein Produzent, der 2025 mit 379.081 Unzen und 1.331,8 Millionen US-Dollar Umsatz wuchs und den Aktionären trotzdem 51,8 Millionen Verlust brachte, während Steuern, Abgaben und Gastländer verdienten; und der von 4.873 US-Dollar Marktpreis je Unze nur 3.936 behielt, weil Collars bei 3.125 deckeln und ein Stream seit 2019 400 US-Dollar zahlt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
- Wenn Du die Aktie nicht hast
- Solange die im Fazit genannte Frage offen ist, sehen wir keine Grundlage für einen Einstieg.
- Wenn Du sie im Depot hast
- Unsere Befunde liefern keinen akuten Verkaufsgrund — entscheidend bleiben die genannten Prüfpunkte.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Allied Gold nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über das Formular 13F-HR der Helikon Investments Ltd (London) zum Stichtag 31. März 2026: 12.272.202 Aktien im Wert von 380.929.150 US-Dollar, die zweitgrößte von 17 Positionen und rund 9,8 Prozent aller Allied-Gold-Aktien. Zum 31. Dezember 2025 waren es noch 16.498.498 Stück — im ersten Quartal 2026 verkaufte der Fonds rund ein Viertel. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate — ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
- Allied Gold ist bei der SEC ein kanadischer MJDS-Filer: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Geprüft wird einmal jährlich im Formular 40-F (für 2025 eingereicht am 1. April 2026, Prüfer KPMG LLP), Zwischenzahlen werden nur als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K übermittelt. Bilanziert wird nach IFRS in US-Dollar. Kennzahlenreihen zu diesem Titel beginnen erst im vierten Quartal 2024 — eine Fünfjahresreihe existiert nicht, längere Zeitreihen stammen ausschließlich aus dem 40-F selbst.
- Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der rechnerische Kurs von rund 31 US-Dollar je Aktie stammt aus der 13F-Meldung zum 31. März 2026 (380.929.150 US-Dollar für 12.272.202 Aktien) und dient als Größenordnung, nicht als Tageskurs. Der Umrechnungskurs von 1 US-Dollar = 1,3706 kanadischen Dollar ist der im 40-F genannte Stand zum 31. Dezember 2025. Stand aller Angaben zum Übernahmeverfahren: 24. Juli 2026 — bis dahin lag keine Vollzugsmeldung vor.
Häufige Fragen
Allied Gold Corporation (NYSE und TSX: AAUC) mit Sitz in Toronto fördert Gold in Afrika: Sadiola in Mali (80 Prozent Anteil), Bonikro (89,89 Prozent) und Agbaou (85 Prozent) in der Côte d’Ivoire. In Äthiopien entsteht die vierte Mine, das Kurmuk-Projekt (100 Prozent). 2025 wurden 379.081 Unzen Gold produziert und 1.331,8 Millionen US-Dollar umgesetzt; die Gesamtkosten je Unze (AISC) lagen bei 2.037 US-Dollar.
Am 26. Januar 2026 vereinbarte Allied Gold die Übernahme durch Zijin Gold International aus Hongkong zu 44 kanadischen Dollar je Aktie in bar — rund 5,5 Milliarden kanadische Dollar oder etwa 4 Milliarden US-Dollar. Die Aktionäre stimmten am 31. März 2026 zu, das Gericht in Ontario ebenfalls. Der Abschluss war für Ende April 2026 geplant; der Stichtag wurde am 29. Mai 2026 auf den 29. Juli 2026 verlängert und hing zum 24. Juli 2026 weiter an offenen behördlichen Freigaben.
Vor Steuern verdiente Allied 2025 rund 237,4 Millionen US-Dollar. Davon gingen 234,0 Millionen an laufenden und latenten Ertragsteuern ab; die Förderabgaben stiegen zudem von 55,4 auf 179,4 Millionen. Von den verbleibenden 3,3 Millionen entfielen 55,2 Millionen auf die Regierungen von Mali und der Côte d’Ivoire als Mitgesellschafter — für die Aktionäre blieb ein Verlust von 51,8 Millionen US-Dollar oder 0,45 US-Dollar je Aktie.
Wegen Kurssicherungen und Vorverkäufen. Im ersten Quartal 2026 lag der durchschnittliche Marktpreis bei 4.873 US-Dollar je Unze, Allied erlöste 3.936: 646 US-Dollar gingen für Sicherungsgeschäfte ab, 193 für Streams und Sachdividenden. Die im Dezember 2024 abgeschlossenen Collars haben eine Obergrenze von 3.125 US-Dollar je Unze und laufen bis Ende 2026; der Royal-Gold-Stream von 2019 erlaubt den Kauf zu 400 US-Dollar je Unze.
Weil Allied Gold ein kanadischer Emittent ist und bei der SEC über das MJDS-Verfahren berichtet. Für diese Unternehmen gibt es kein 10-K und kein 10-Q: Der geprüfte Jahresbericht erscheint als Formular 40-F (für 2025 eingereicht am 1. April 2026), Zwischenzahlen werden nur als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K übermittelt. Bilanziert wird nach IFRS, berichtet in US-Dollar.
Ein 13F ist die vierteljährliche Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter. Helikon Investments Ltd aus London meldete zum Stichtag 31. März 2026 12.272.202 Allied-Gold-Aktien im Wert von 380.929.150 US-Dollar — die zweitgrößte von 17 Positionen. Zum 31. Dezember 2025 waren es noch 16.498.498 Stück; im ersten Quartal 2026 wurde rund ein Viertel verkauft. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate.
Zum 31. Dezember 2025 wies Allied Gold 11,2 Millionen Unzen sichere und wahrscheinliche Mineralreserven aus, enthalten in 247,1 Millionen Tonnen Gestein bei einem Gehalt von 1,41 Gramm je Tonne. Die gemessenen und angezeigten Ressourcen lagen bei 15,3 Millionen Unzen, die abgeleiteten Ressourcen bei 2,1 Millionen Unzen. Bei rund 380.000 Unzen Jahresproduktion entspricht die Reserve rechnerisch fast drei Jahrzehnten.
Fehler gefunden?
Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.