Endeavour Mining: Der Goldpreis verdoppelte den Kurs – die eigene Absicherung kostete 204 Millionen Dollar
Ein Börsenbrief feierte Endeavour Mining im November 2025 in einer einzigen Zeile: „Kursverdopplung“. Was er nicht sagte: Der Jahresbericht 2025 zeigt einen Gewinnsprung von einem Verlustjahr auf 679,2 Millionen US-Dollar – aber auch 204,4 Millionen US-Dollar Verlust aus der eigenen Goldpreis-Absicherung, eine Royalty-Rechnung, die schneller wächst als der Umsatz, und eine gefeierte Kassenreserve, die beim Erscheinen des Quartalsberichts schon wieder halb verplant war. Keine Anlageberatung – nur ein Blick hinter den Glanz eines Verdopplers.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt einen Denkfehler, der ausgerechnet in den erfolgreichsten Börsenjahren am gefährlichsten wird: den Halo-Effekt. Wer eine Aktie sieht, die sich verdoppelt hat, schließt daraus automatisch auf lauter andere gute Eigenschaften — Kostendisziplin, kluge Kapitalallokation, eine solide Bilanz —, ohne auch nur eine davon einzeln zu prüfen. Der Glanz des einen Erfolgs strahlt auf alles andere ab. Ein Leser hat uns die Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 geschickt. Endeavour Mining taucht darin nur an einer einzigen Stelle auf, im Rückblick auf die Top-Performer des Jahres: „Endeavour Mining und DPM Metals: Kursverdopplung.“ Mehr nicht — kein Kennzahlen-Schnappschuss, keine Prognose, nur der Glanz eines Gewinners. Genau dieser Glanz ist die Falle. Machen wir also einen Deal: Bevor wir Endeavour Mining den Heiligenschein verpassen, den ein verdoppelter Kurs so leicht verleiht, lesen wir gemeinsam den Jahresabschluss 2025 und den Quartalsbericht zum 31. März 2026 — mit allen Zahlen, auch den unbequemen.
Was Endeavour Mining eigentlich macht
Endeavour Mining plc ist der größte Goldproduzent Westafrikas — übersetzt in ein Alltagsbild: eine Firma, die an fünf Standorten in drei Ländern Gold aus dem Boden holt, zu verkaufsfertigen Barren verarbeitet und verkauft. Die fünf produzierenden Minen: Houndé und Mana in Burkina Faso, Ity und Lafigué in Côte d'Ivoire, Sabodala-Massawa im Senegal. Dazu zwei Entwicklungsprojekte, die noch kein Gold verkaufen: Assafou in Côte d'Ivoire — dazu gleich mehr, denn hier gab es 2026 die größte Neuigkeit — und Kalana in Mali.
Der Konzern ist an der London Stock Exchange und an der Toronto Stock Exchange doppelt gelistet, jeweils unter dem Kürzel EDV, dazu außerbörslich in den USA als OTCQX: EDVMF. Sitz der Konzernmutter ist London: Endeavour Mining plc, Companies House Nr. 13280545, eingetragen am 21. März 2021, mit Geschäftsanschrift 5 Young Street, London W8 5EH — beides im öffentlichen britischen Handelsregister nachprüfbar. Vorstandsvorsitzender ist Ian Cockerill. Im Jahresdurchschnitt 2025 beschäftigte der Konzern 5.381 Menschen (2024: 5.659) — die operative Basis, auf der die folgenden Zahlen entstehen.
Ein Spannungsfeld zieht sich von hier an durch die ganze Analyse: Der Goldpreis hat Endeavour 2025 zu einem der besten Jahre der Firmengeschichte verholfen — aber ausgerechnet der Goldpreis ist auch der Kanal, über den sich ein gutes Stück des Zugewinns wieder verflüchtigt: über Royalties, die an westafrikanische Regierungen fließen und mit steigendem Goldpreis automatisch mitwachsen, über Steuern, die unabhängig vom Konzernergebnis in jedem einzelnen Land anfallen, und über eine eigene Absicherung, die genau in dem Moment teuer wurde, als der Goldpreis durch die Decke ging.
Warum es zu Endeavour Mining keinen SEC-Bericht gibt
Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage dieser Analyse prägt: Von Endeavour Mining gibt es kein 10-K, kein 10-Q, kein 20-F. Die Firmensuche bei der US-Börsenaufsicht SEC liefert für „Endeavour Mining“ keinen Treffer mit eigenem Jahres- oder Quartalsbericht — weder unter dem Kürzel EDV noch unter der US-Freiverkehrsnotiz EDVMF. Endeavour Mining ist kein US-Meldeunternehmen. Als britische plc mit Zweitnotiz in Toronto veröffentlicht die Firma ihre Pflichtberichte stattdessen über den UK National Storage Mechanism und, wegen der kanadischen Zweitnotiz, ergänzend über SEDAR+ — dazu über die eigene Investor-Relations-Seite.
Für diese Analyse zählen deshalb drei Dokumente: der Jahresbericht 2025 (Bilanzstichtag 31. Dezember 2025), der Konzernzwischenabschluss zum ersten Quartal 2026 samt Managementbericht (Bilanzstichtag 31. März 2026, veröffentlicht am 29. beziehungsweise 30. April 2026) sowie die Unternehmensmitteilung vom 1. Juni 2026 zu einem tödlichen Unfall an der Lafigué-Mine. Datenherkunft deshalb durchgängig: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, LSE/TSX) — nicht „SEC-Berichte“, die es hier schlicht nicht gibt. Der nächste Bericht, der Halbjahresbericht 2026, ist für den 30. Juli 2026 angekündigt — drei Tage nach Veröffentlichung dieser Analyse; wo das an dieser Analyse etwas ändern könnte, ist es unten als offene Frage benannt, nicht verschwiegen.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — eine einzige Zeile in einem acht Monate alten Brief
Auf unseren hauseigenen Aktien-Scanner kam Endeavour Mining nicht: Das Scanner-Universum deckt in erster Linie US-gelistete Titel ab, ein an der London Stock Exchange in britischen Pence notierter Titel taucht dort nicht auf. Auf den Tisch kam die Aktie, weil uns ein Leser eine Ausgabe seines Börsenbriefs weiterleitete: „Hot Stocks Europe“, Ausgabe 24 vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH, Freiburg). Anders als bei den meisten anderen Titeln dieser Ausgabe widmet der Brief Endeavour Mining keine eigene Detailbesprechung — die Firma taucht nur im Rückblick auf die „Top-Performer 2025“ auf Seite 1 auf, in einer einzigen Zeile: „Endeavour Mining und DPM Metals: Kursverdopplung.“ Kein Kennzahlen-Schnappschuss, kein Kursziel, keine Prognose — nur der nackte Fakt eines verdoppelten Kurses, eingebettet zwischen anderen Erfolgsgeschichten wie Steyr Motors (plus 1.256 Prozent) und Zegona Communications (Kursverdreifachung).
Zur Einordnung des Marktumfelds nennt derselbe Brief an anderer Stelle den Goldpreis: Die Société Générale schätze, dass Chinas tatsächliche Goldkäufe die offiziellen Zahlen um das Zehnfache übersteigen dürften, die chinesische Zentralbank halte offiziell über 2.300 Tonnen Goldreserven, und der Goldpreis konsolidiere „im Bereich um 4.000 US-Dollar“ je Unze — Stand 28. November 2025. Das ist eine Einordnung des Marktumfelds, keine unternehmensspezifische Aussage, und sie stammt ausdrücklich vom damaligen Stichtag. Was daraus geworden ist, zeigt der nächste Abschnitt: Der von Endeavour tatsächlich realisierte Goldpreis lag im ersten Quartal 2026 bereits bei 4.810 US-Dollar je Unze — deutlich über der „Konsolidierung um 4.000 Dollar“, von der der Brief acht Monate zuvor sprach. Der Interessenkonflikt-Hinweis des Briefes (Seite 8) gehört zur Einordnung: Verlag, Autor oder nahestehende Dritte können in besprochenen Werten Longpositionen halten und beabsichtigen, bei steigenden Kursen zu verkaufen (Marktmissbrauchsverordnung, EU Nr. 596/2014) — für Endeavour Mining nennt der Brief allerdings ohnehin keine eigene Empfehlung, nur die rückblickende Erwähnung als Kursverdoppler. Zwei Nachbarn aus derselben Ausgabe, ebenfalls Goldproduzenten mit einem ähnlichen Spannungsfeld zwischen Goldpreis-Rückenwind und eigenen Kosten: unsere Analyse zu DPM Metals und unsere Analyse zu Thor Explorations.
Die Zahlen über die Jahre — vom Verlustjahr zum Rekordquartal
Erst das, was wirklich beeindruckt. 2024 war für Endeavour Mining ein Jahr mit rotem Vorzeichen: Trotz eines positiven Ergebnisses vor Steuern von 113,9 Millionen US-Dollar stand am Ende ein Nettoverlust von 300,2 Millionen US-Dollar, den Aktionären zurechenbar — weil die Steuerlast des Jahres mit 348,5 Millionen US-Dollar das Vorsteuerergebnis überstieg (mehr dazu in der zweiten unbequemen Wahrheit). 2025 drehte sich das Bild komplett: Der Umsatz stieg um 58 Prozent auf 4.233,9 Millionen US-Dollar (2024: 2.675,9 Millionen), das Ergebnis vor Steuern verzwölffachte sich auf 1.343,3 Millionen, und unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 679,2 Millionen US-Dollar für die Aktionäre. Das bereinigte Nettoergebnis — das um Sondereffekte wie Absicherungsverluste und Wertminderungen korrigierte Maß, das beim Vergleich über die Jahre hilft — zeigt, dass das operative Geschäft schon 2024 nicht annähernd so schwach war, wie die GAAP-Zahl suggeriert: 227,3 Millionen US-Dollar bereinigter Gewinn 2024, dann plus 244 Prozent auf 781,9 Millionen (3,23 US-Dollar je Aktie) im Jahr 2025.
Im ersten Quartal 2026 setzte sich das Tempo fort: Umsatz 1.349,0 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 1.041,8 Millionen), Nettogewinn den Aktionären zurechenbar 353,9 Millionen US-Dollar (Q1 2025: 173,2 Millionen) — ein Plus von 104 Prozent binnen eines Jahres.
Ein Teil dieser Kurve — wie viel genau, zeigt der nächste Abschnitt — hat einen Namen, der nicht in den Minen selbst steckt: den Goldpreis. Der von Endeavour realisierte Goldpreis (inklusive der Effekte aus der eigenen Absicherung und dem Sabodala-Massawa-Stream) stieg 2025 um 38 Prozent auf 3.244 US-Dollar je Unze (2024: 2.349 US-Dollar) — im Jahresverlauf selbst mit deutlichem Rückenwind erst zum Jahresende: von 2.783 US-Dollar im ersten Quartal 2025 auf 3.873 US-Dollar im vierten Quartal 2025 —, und im ersten Quartal 2026 lag er bereits bei 4.810 US-Dollar — rund drei Viertel über dem Wert vom Jahresanfang 2025.
Zur Wachstumsseite gehört auch die größte Neuigkeit des Jahres 2026: Am 23. April 2026 gab Endeavour die Bauentscheidung für das Assafou-Projekt auf der Liegenschaft Tanda-Iguela in Côte d'Ivoire bekannt, nachdem die Definitive Machbarkeitsstudie (Definitive Feasibility Study, DFS) abgeschlossen war. Die Eckdaten sind für ein Projekt dieser Größenordnung ungewöhnlich stark: 320.000 Unzen Jahresproduktion in den ersten acht Jahren einer insgesamt 16-jährigen Minenlaufzeit, bei Gesamtproduktionskosten von 1.026 US-Dollar je Unze — nach Unternehmensangabe ein Wert im „ersten Quartil“ der Branche, also günstiger als drei Viertel aller vergleichbaren Minen weltweit. Nachgewiesene und wahrscheinliche Reserven: 4,4 Millionen Unzen Gold. Nachsteuer-Kapitalwert (NPV, 5 Prozent Diskontierung): 2,06 Milliarden US-Dollar bei einem angenommenen Goldpreis von 2.500 US-Dollar je Unze — bei 4.000 US-Dollar je Unze steigt der Wert auf 5,1 Milliarden. CEO Ian Cockerill brachte die Größenordnung selbst auf den Punkt:
„Assafou was discovered for $13 million in 2022 and only four years later has a value of $5.1 billion at a $4,000/oz gold price.“
Übersetzung: „Assafou wurde 2022 für 13 Millionen US-Dollar entdeckt und hat vier Jahre später bereits einen Wert von 5,1 Milliarden US-Dollar bei einem Goldpreis von 4.000 US-Dollar je Unze.“
— Ian Cockerill, Chief Executive Officer, Endeavour Mining plc, Unternehmensmitteilung vom 23. April 2026 zu den DFS-Ergebnissen
Die endgültige Investitionsentscheidung (Final Investment Decision) ist bis Ende 2026 geplant, die eigentliche Bauzeit soll danach 24 bis 30 Monate dauern. Zusammen mit den fünf laufenden Minen soll Assafou dazu beitragen, die Konzernproduktion bis 2030 auf 1,5 Millionen Unzen Gold pro Jahr zu steigern — bei nach eigener Zielsetzung weiterhin niedrigen Kosten im ersten Quartil der Branche. Das ist die Seite, die wirklich beeindruckt. Was die Berichte daneben zeigen, ist differenzierter.
Was die Berichte zeigen — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die eigene Goldpreis-Absicherung kostete 204 Millionen Dollar – ausgerechnet im besten Goldjahr
Ein Goldproduzent, dessen Gewinn maßgeblich vom Goldpreis lebt, sollte von einem Goldpreis-Boom eigentlich uneingeschränkt profitieren. Bei Endeavour Mining war das 2025 nur zum Teil so — weil das Unternehmen einen Teil seiner künftigen Goldverkäufe schon Jahre zuvor gegen fallende Preise abgesichert hatte, unter anderem mit einem Goldpreis-Collar (übersetzt: eine Bandbreite aus Unter- und Obergrenze, innerhalb derer der Verkaufspreis für eine festgelegte Menge Gold fixiert wird) mit einer Preisobergrenze von 2.400 US-Dollar je Unze für das Jahr 2025. Als der tatsächliche Goldpreis diese Obergrenze im Jahresverlauf weit hinter sich ließ, verkaufte Endeavour die abgesicherten Unzen trotzdem nur zu maximal 2.400 US-Dollar — während der Rest der Produktion vom viel höheren Marktpreis profitierte. Der Jahresbericht beziffert den Effekt konkret:
„The loss on financial instruments amounted to $193.3 million in 2025 compared to $142.7 million in 2024. The loss in 2025 increased primarily due to the adverse impact of losses on the revenue protection programme of $204.4 million compared to $112.9 million in 2024 driven by the higher gold price environment [...].“
Übersetzung: „Der Verlust aus Finanzinstrumenten belief sich 2025 auf 193,3 Millionen US-Dollar gegenüber 142,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2024. Der Anstieg des Verlusts 2025 ist vor allem auf die nachteilige Wirkung von Verlusten aus dem Goldpreis-Absicherungsprogramm in Höhe von 204,4 Millionen US-Dollar zurückzuführen (2024: 112,9 Millionen US-Dollar), verursacht durch das höhere Goldpreisniveau [...].“
— Endeavour Mining plc, Jahresbericht 2025, Finanzüberblick, S. 33
Zur Einordnung der beiden Zahlen, damit hier keine Verwirrung entsteht: Die 204,4 Millionen US-Dollar sind der reine Verlust aus dem Absicherungsprogramm selbst (182,4 Millionen aus dem Goldpreis-Collar, weitere 22,0 Millionen aus einer inzwischen aufgegebenen untertägigen Durchschnittspreis-Vereinbarung mit der London Bullion Market Association). Die 193,3 Millionen US-Dollar sind die Netto-Zeile in der Gewinn- und Verlustrechnung, in der ein Kursgewinn auf Wertpapiere von 18,4 Millionen US-Dollar den reinen Absicherungsverlust teilweise ausgleicht. In dieser Analyse ist mit „Verlust aus der Absicherung“ durchgehend die spezifische Zahl von 204,4 Millionen US-Dollar gemeint. Die gute Nachricht für die Zukunft: Zum 31. Dezember 2025 waren alle Collar- und Terminkontrakt-Positionen aufgelöst — Endeavour ist seither ungesichert dem vollen Goldpreis ausgesetzt, in beide Richtungen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Wenn der Goldpreis steigt, steigt automatisch auch die Rechnung an die Gaststaaten mit
Die Gesamtproduktionskosten je Unze Gold (All-in Sustaining Cost, kurz AISC — übersetzt: alles, was eine Unze Gold wirklich kostet, inklusive der laufenden Erhaltungsinvestitionen) lagen im ersten Quartal 2026 bei 1.834 US-Dollar je Unze — 62 Prozent über dem Vorjahresquartal (1.129 US-Dollar) und 11 Prozent über dem Vorquartal (1.648 US-Dollar). Auf Jahresbasis war der Anstieg 2025 mit plus 18 Prozent (1.433 gegenüber 1.218 US-Dollar je Unze 2024) noch moderater — die jüngste Beschleunigung ist also neu. Ein wesentlicher Treiber sitzt dabei nicht im Bergwerk, sondern in den Steuer- und Abgabengesetzen der Gaststaaten: Royalties (Förderabgaben an die jeweilige Regierung) stiegen 2025 um 71 Prozent auf 326,6 Millionen US-Dollar — schneller als der Umsatz mit plus 58 Prozent. Der Managementbericht zum ersten Quartal 2026 nennt zwei konkrete Gründe, warum sich das fortsetzt:
„The increase compared to Q1-2025 and Q4-2025 is further driven by higher royalty rates in Burkina Faso applicable on the higher average gold prices realised in Q1-2026 and the impact of the 2% incremental royalty increase from the Government of Côte d'Ivoire at both Lafigué and Ity that was agreed in Q4-2025.“
Übersetzung: „Der Anstieg gegenüber Q1 2025 und Q4 2025 wird zusätzlich getrieben durch höhere Royalty-Sätze in Burkina Faso, die auf den im ersten Quartal 2026 höher realisierten Goldpreis anzuwenden sind, sowie durch die Auswirkung der im vierten Quartal 2025 vereinbarten Royalty-Erhöhung um 2 Prozentpunkte durch die Regierung von Côte d'Ivoire an den Standorten Lafigué und Ity.“
— Endeavour Mining plc, Managementbericht Q1 2026, S. 8
Zwei Mechanismen wirken hier zusammen, und beide hat Endeavour selbst nicht in der Hand: Erstens sind die Royalty-Sätze in Burkina Faso an den Goldpreis gekoppelt (eine sogenannte gleitende Skala) — steigt der Preis, steigt automatisch auch der prozentuale Abgabensatz, nicht nur die absolute Zahlung. Zweitens erhöhte die Regierung von Côte d'Ivoire die Royalty an den Standorten Lafigué und Ity rückwirkend zum ersten Quartal 2025 von 6 auf 8 Prozent — eine im vierten Quartal 2025 vereinbarte Nachzahlung von 36,6 Millionen US-Dollar, die der Jahresbericht als „außergewöhnlichen Umstand“ separat in den sonstigen Aufwendungen verbucht. Der Jahresbericht selbst liefert die Einordnung, warum das kein einmaliger Ausrutscher bleiben muss: Kammer und Regierung würden weiter über einen fairen und angemessenen Rahmen für Royalty-Zahlungen in einem Hochpreisumfeld verhandeln — im Klartext: Bei anhaltend hohen Goldpreisen ist mit weiteren Forderungen der Gaststaaten zu rechnen, nicht nur mit dieser einen Erhöhung. Für die Guidance 2026 hat Endeavour das bereits eingepreist: Die AISC-Spanne für das laufende Jahr liegt bei 1.600 bis 1.800 US-Dollar je Unze — nach eigener Aussage ausdrücklich wegen steigender Goldpreise, Royalties und abraumbedingter Erhaltungsinvestitionen höher als der bereits erhöhte 2025er-Wert.
Zur weiteren Einordnung, weil Steuern und Royalties auch anderswo in diesen Berichten kräftig zuschlagen: 2024 stand am Ende ein Nettoverlust, obwohl das Ergebnis vor Steuern mit 113,9 Millionen US-Dollar positiv war — weil die Steuerlast des Jahres mit 348,5 Millionen US-Dollar mehr als das Dreifache des Vorsteuerergebnisses ausmachte. Ursache: Endeavour zahlt Ertragsteuern länderweise nach den jeweiligen nationalen Steuerregimen, unabhängig davon, wie das konsolidierte Konzernergebnis nach Absicherungsverlusten und anderen Sondereffekten aussieht. 2025 lag die Steuerquote mit 454,2 Millionen US-Dollar Steueraufwand auf 1.343,3 Millionen Vorsteuerergebnis bei rund 34 Prozent — deutlich moderater, aber im ersten Quartal 2026 kletterte die effektive Quote wieder auf 40,3 Prozent (285,0 Millionen Steueraufwand auf 706,9 Millionen Vorsteuerergebnis), gegenüber 35,6 Prozent im Vorjahresquartal. Royalties und Steuern zusammen sind damit keine Fußnote, sondern ein struktureller, mit dem Goldpreis mitwachsender Abzug vom Bruttoerfolg.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Assafou glänzt – Kalana wird zum zweiten Jahr in Folge abgeschrieben
Ein Wachstumsprojekt kann brillante DFS-Kennzahlen liefern und trotzdem nicht das einzige Entwicklungsprojekt im Portfolio sein, das gerade Aufmerksamkeit braucht. Neben Assafou führt Endeavour als zweites Entwicklungsprojekt Kalana in Mali — und ausgerechnet dieses Projekt wurde in den vergangenen zwei Jahresberichten in Folge abgeschrieben. Der Jahresbericht 2025 beziffert die gesamte Wertminderung des Jahres auf 193,4 Millionen US-Dollar (2024: 199,5 Millionen) und benennt Kalana als einen der Einzelposten:
„[...] a charge of $9.5 million on the Kalana property due to changes in management assumptions relating to risk and resource conversion used in an updated valuation model. The charge in 2024 primarily comprised a $122.6 million charge on the Kalana development project due to changes in the in-situ multiple valuation [...].“
Übersetzung: „[...] eine Belastung von 9,5 Millionen US-Dollar auf die Kalana-Liegenschaft aufgrund geänderter Managementannahmen zu Risiko und Ressourcenumwandlung in einem aktualisierten Bewertungsmodell. Die Belastung 2024 bestand hauptsächlich aus einer Wertminderung von 122,6 Millionen US-Dollar auf das Kalana-Entwicklungsprojekt aufgrund geänderter Bewertungsannahmen [...].“
— Endeavour Mining plc, Jahresbericht 2025, Finanzüberblick, S. 32
Zusammen macht das 132,1 Millionen US-Dollar Wertminderung auf ein und dasselbe Entwicklungsprojekt binnen zwei Jahren — bei einem Projekt, das im Portfolio offiziell neben Assafou als zweite Wachstumssäule geführt wird. Das relativiert nicht die starken Assafou-Kennzahlen von weiter oben, zeigt aber: „Entwicklungsprojekt“ ist keine Garantie für steigenden Wert, sondern eine Bewertungsannahme, die sich mit jedem Bericht neu justieren lässt — in die eine wie in die andere Richtung. Die übrigen Wertminderungen des Jahres 2025 betrafen vor allem Explorationsflächen in Burkina Faso (139,7 Millionen US-Dollar bei Bantou, 31,8 Millionen bei Nabanga), wo Endeavour selbst festhält, dass deren weitere Entwicklung nicht mehr mit der aktuellen Explorationsstrategie vereinbar sei — eine Strategieentscheidung, kein reiner Bewertungseffekt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die gefeierte Kassenfestung war beim Erscheinen des Berichts schon wieder halb verplant
Zum 31. März 2026 meldete Endeavour eine Netto-Cash-Position von 405,4 Millionen US-Dollar — errechnet aus einer Kasse von 1.089,5 Millionen US-Dollar abzüglich einer ausstehenden Kreditprinzipalsumme von 684,1 Millionen US-Dollar. Das ist eine spektakuläre Wende gegenüber dem Vorjahresquartal, als der Konzern noch mit 377,7 Millionen US-Dollar netto verschuldet war — ein Umschwung von rund 783 Millionen US-Dollar binnen zwölf Monaten. Wer die bilanzielle Vollkosten-Sicht bevorzugt: Rechnet man zusätzlich die Leasingverbindlichkeiten von 85,1 Millionen US-Dollar mit ein (bilanzielle Finanzschulden 680,0 Millionen plus Leasing 85,1 Millionen, macht 765,1 Millionen), ergibt sich eine etwas konservativere Netto-Liquidität von rechnerisch rund 324 Millionen US-Dollar (1.089,5 minus 765,1). Beide Zahlen beschreiben denselben Sachverhalt, nur mit unterschiedlichem Zuschnitt der Schulden-Definition — diese Analyse verwendet durchgehend die Zahl, die das Unternehmen selbst für seine Going-Concern-Einschätzung heranzieht: 405,4 Millionen US-Dollar.
Was der Bericht selbst offenlegt, relativiert die Feier allerdings deutlich: Derselbe Quartalsbericht, veröffentlicht am 29./30. April 2026, enthält unter „Nachtragsereignisse“ eine Meldung, die die Kassenlage vom Stichtag praktisch schon wieder überholt:
„Subsequent to 31 March 2026 there has been an additional draw downs on the RCF of $245.0 million, leaving a total drawn position of $330.0 million as at 29 April 2026.“
Übersetzung: „Nach dem 31. März 2026 wurden zusätzlich 245,0 Millionen US-Dollar auf der revolvierenden Kreditlinie gezogen, sodass zum 29. April 2026 insgesamt 330,0 Millionen US-Dollar in Anspruch genommen waren.“
— Endeavour Mining plc, Konzernzwischenabschluss Q1 2026, Nachtragsereignisse (Note 18), S. 29
Binnen vier Wochen zog Endeavour also fast das Dreifache der zum Quartalsende ausstehenden Kreditsumme zusätzlich — und zwar, um gleich mehrere Dinge parallel zu finanzieren: den Baustart von Assafou (23. April 2026), die Auszahlung der zweiten Zwischendividende 2025 von 200,3 Millionen US-Dollar (14. April 2026), weitere Aktienrückkäufe (24,2 Millionen US-Dollar bis 28. April) sowie zwei neue Minderheitsbeteiligungen an jungen Explorationsfirmen: 19,9 Prozent an der kanadischen Koulou Gold Corp., die in Côte d'Ivoire in unmittelbarer Nähe zu Assafou selbst exploriert (8,1 von insgesamt 35,7 Millionen neu ausgegebenen Aktien einer Privatplatzierung über 30,0 Millionen US-Dollar), sowie 9,9 Prozent an der australisch notierten Altair Minerals Limited, die in Guyana — außerhalb Westafrikas — nach Gold sucht (rund 656 Millionen Aktien zu 0,043 australischen Dollar je Stück).
Nichts davon ist per se ein Alarmsignal — ein Goldproduzent, der in sein bestes Wachstumsprojekt investiert, Aktionäre am Rekordjahr teilhaben lässt und sich günstig an benachbarter Exploration beteiligt, verhält sich zunächst plausibel. Die Lehre für dich als Leser liegt woanders: Eine zum Bilanzstichtag „gefeierte“ Kassenposition ist eine Momentaufnahme, kein Dauerzustand — vier Wochen später kann ein gutes Stück davon bereits wieder gebunden sein. Ob die Kapitalallokation aufgeht, zeigt frühestens der nächste Bericht, wenn sichtbar wird, wie viel von der Kreditlinie wieder zurückgeführt wurde und ob der Verschuldungsgrad unterhalb der unternehmenseigenen Obergrenze von 0,50x Netto-Verschuldung zu bereinigtem Ebitda bleibt, ab der laut eigener Kapitalrückführungspolitik Sonderausschüttungen und -rückkäufe an Bedingungen geknüpft sind.
Ein weiterer Punkt gehört an diese Stelle, auch wenn er sich in keiner Bilanz abbilden lässt: Am 1. Juni 2026 teilte Endeavour mit, dass am 29. Mai 2026 ein Mitarbeiter eines Bauunternehmer-Subunternehmens bei einem Unfall mit schwerem Baugerät während Entwässerungsarbeiten an der Lafigué-Mine ums Leben kam. Das Unternehmen leitete eine Untersuchung ein, informierte die zuständigen Behörden und pausierte die betroffenen Fremdfirmen-Tätigkeiten, während die Verarbeitung ungestört weiterlief. Wörtlich erklärte Endeavour: „The health, safety and welfare of our colleagues remain our top priority.“ (Übersetzung: „Die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlergehen unserer Kolleginnen und Kollegen bleiben unsere oberste Priorität.“) So sehr Kennzahlen, Royalties und Kreditlinien im Zentrum dieser Analyse stehen — Goldabbau in Westafrika ist auch ein Geschäft mit realen menschlichen Risiken, unabhängig davon, wie die Bilanz aussieht.
Bewertung: zwei Kurse, zwei Währungen, eine Bilanz in Dollar
Wie teuer ist Endeavour Mining? Hier stoßen wir auf denselben Währungsbruch, der diese ganze Artikelserie über europäische Titel begleitet — nur diesmal gleich doppelt: Die Aktie notiert an der London Stock Exchange in britischen Pence (Schlusskurs 3.607 Pence = 36,07 Pfund Sterling am 24. Juli 2026) und an der Toronto Stock Exchange in kanadischen Dollar (67,02 CAD, selber Stichtag) — während Umsatz, Ergebnis und Bilanz durchgehend in US-Dollar geführt werden. Marktkapitalisierung zum 24. Juli 2026: 8,694 Milliarden britische Pfund (241.044.222 Aktien) an der Londoner Notiz beziehungsweise 16,155 Milliarden kanadische Dollar an der Torontoer Notiz. Ein Kurs-Gewinn- oder Kurs-Umsatz-Verhältnis würde eine Umrechnung zwischen Pfund beziehungsweise kanadischem Dollar und US-Dollar erfordern — für den 24. Juli 2026 liegt uns kein eigens geprüfter Wechselkurs vor. Statt eine Umrechnung zu erfinden, benennen wir diese Lücke lieber ehrlich: Wir bilden hier bewusst kein einheitliches KGV oder KUV, und aus demselben Grund auch keinen Unternehmenswert — der ließe sich nur bilden, indem man die in US-Dollar geführte Netto-Cash-Position gegen die in Pfund notierte Marktkapitalisierung rechnet, also genau die Umrechnung vornimmt, die wir hier bewusst nicht erfinden.
Was sich dagegen sauber, weil in der jeweils eigenen Währung, beschreiben lässt: Die Aktienzahl sinkt per saldo — von 241.331.005 zum 31. Dezember 2025 über 242.362.242 zum 31. März 2026 (der leichte Anstieg dazwischen stammt aus der Ausübung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen) auf 241.044.222 zum 24. Juli 2026, nachdem die laufenden Rückkäufe die zwischenzeitlichen Zugänge wieder mehr als ausgeglichen haben. Die Kapitalrückführung selbst ist beachtlich: Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Endeavour 435,3 Millionen US-Dollar an die Aktionäre zurück (350,0 Millionen Dividenden, 85,3 Millionen Rückkäufe). Seit dem ersten Quartal 2021 kommt der Konzern damit auf mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar Ausschüttungen — nach eigener Angabe 730,3 Millionen beziehungsweise 83 Prozent über der für diesen Zeitraum selbst gesetzten Mindestzusage.
Für 2026 bis 2028 hat sich Endeavour zu weiteren Mindestdividenden von zusammen rund 1,0 Milliarde US-Dollar verpflichtet (300,0 Millionen 2026, 325,0 Millionen 2027, 350,0 Millionen 2028) — allerdings ausdrücklich nur, sofern der realisierte Goldpreis im jeweiligen Dividendenzeitraum 3.000 US-Dollar je Unze übersteigt, und solange der Verschuldungsgrad unter der Zielmarke von 0,50x Netto-Verschuldung zu bereinigtem Ebitda bleibt. Beide Bedingungen sind zum Stichtag komfortabel erfüllt — das Verhältnis lag zum 31. März 2026 bei 0,16x, und zwar auf der Netto-Cash-Seite —, aber es sind eben Bedingungen, keine unbedingten Zusagen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Endeavour Mining spricht:
- Größter Goldproduzent Westafrikas mit fünf etablierten, produzierenden Minen in drei Ländern — eine deutlich breitere operative Basis als die meisten Einzelminen-Werte dieser Artikelserie.
- Finanzielle Wende geschafft: von 300,2 Millionen US-Dollar Nettoverlust (2024) auf 679,2 Millionen US-Dollar Nettogewinn (2025), fortgesetzt mit plus 104 Prozent im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal.
- Starke, extern geprüfte Wachstumspipeline: Die am 23. April 2026 beschlossene Assafou-Mine soll 320.000 Unzen Jahresproduktion in den ersten acht Jahren bei erstklassigen Kosten liefern, Nachsteuer-Kapitalwert 2,06 bis 5,1 Milliarden US-Dollar je nach Goldpreisannahme.
- Konsequente Kapitalrückführung: 435,3 Millionen US-Dollar an die Aktionäre 2025, seit dem ersten Quartal 2021 kumuliert über 1,6 Milliarden US-Dollar (83 Prozent über der selbst gesetzten Mindestzusage), zusätzliche Mindestdividenden von rund 1,0 Milliarde US-Dollar für 2026 bis 2028 zugesagt.
Was dagegen spricht:
- Ein erheblicher Teil des Gewinnsprungs 2025 ist dem Goldpreis zu verdanken (realisierter Preis plus 38 Prozent auf 3.244 US-Dollar je Unze), nicht allein der eigenen operativen Leistung — bei fallendem Goldpreis würde sich der Effekt umkehren.
- Die eigene Goldpreis-Absicherung kostete 2025 204,4 Millionen US-Dollar an realisierten Verlusten — ausgerechnet im besten Goldjahr der Firmengeschichte; die Positionen sind zwar seit Ende 2025 aufgelöst, das Geld ist trotzdem weg.
- Produktionskosten und Royalties steigen strukturell mit dem Goldpreis mit (AISC im ersten Quartal 2026 plus 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal), verstärkt durch politisch verhandelte Royalty-Erhöhungen einzelner Gaststaaten — mit der eigenen Aussage im Jahresbericht, dass über einen fairen Rahmen für weitere Royalty-Zahlungen bei hohen Goldpreisen weiterverhandelt wird.
- Trotz Rekordgewinn wurden 2025 193,4 Millionen US-Dollar an Minen- und Explorationswerten abgeschrieben, darunter zum zweiten Jahr in Folge das Entwicklungsprojekt Kalana in Mali.
- Die zum 31. März 2026 gefeierte Netto-Cash-Position war beim Erscheinen des Berichts bereits zu weiten Teilen neu gebunden — Kreditlinien-Ziehung, Dividende, Rückkäufe und zwei neue Minderheitsbeteiligungen binnen vier Wochen.
- Am 29. Mai 2026 starb ein Vertragspartner-Mitarbeiter bei einem Unfall an der Lafigué-Mine — eine Erinnerung an die realen operativen Risiken des Goldabbaus in Westafrika.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Halo-Effekt vom Anfang. Wer die eine Zeile aus „Hot Stocks Europe“ liest — „Endeavour Mining und DPM Metals: Kursverdopplung“ — bekommt einen Eindruck, der stimmt und gleichzeitig nichts erklärt. Ja, der Kurs hat sich verdoppelt. Ja, der Gewinn ist explodiert, von einem Verlustjahr auf einen Rekordgewinn von 679,2 Millionen US-Dollar. Aber genau in diesem besten Jahr verlor das Unternehmen 204,4 Millionen US-Dollar an einer eigenen Wette gegen den Goldpreis, gab einen wachsenden Teil des Zugewinns über Royalties an westafrikanische Regierungen ab, schrieb eines seiner beiden Wachstumsprojekte zum zweiten Jahr in Folge ab und hatte seine gefeierte Kassenreserve binnen vier Wochen schon wieder zu großen Teilen verplant. Keiner dieser Punkte macht aus einem verdoppelten Kurs eine Fehlinvestition — aber jeder einzelne zeigt, dass der Glanz eines Gewinners eben nicht automatisch auf jede einzelne Kennzahl abfärbt. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist das der nächste Verdoppler?“, sondern: Traust du einem Unternehmen mit einer klaren Wachstumsstory zu, mit den Dingen umzugehen, die es selbst nicht kontrolliert — Goldpreis, Royalty-Sätze, operative Risiken vor Ort? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Endeavour Mining plc — Jahresbericht 2025 (Bilanzstichtag 31.12.2025)
- Endeavour Mining plc — Konzernzwischenabschluss Q1 2026 (Bilanzstichtag 31.03.2026, veröffentlicht 30.04.2026)
- Endeavour Mining plc — Managementbericht Q1 2026
- Endeavour Mining plc — Unternehmensmitteilung zu den Assafou-DFS-Ergebnissen (23.04.2026)
- Endeavour Mining plc — Mitteilung zum tödlichen Unfall an der Lafigué-Mine (01.06.2026)
- Companies House (UK-Handelsregister) — Registerauszug Endeavour Mining plc, Nr. 13280545
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Kurs- und Marktkapitalisierungsangaben; Datenstand 24. Juli 2026).
- Aufhänger: „Hot Stocks Europe“, Ausgabe 24 vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH), zugesandt von einem Leser — zitierte Aussage ausschließlich als fremde Erwartung vom damaligen Stichtag eingeordnet, keine Übernahme von Kaufempfehlungen (der Brief spricht für Endeavour Mining ohnehin keine eigene aus).
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Endeavour-Mining-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Finanzielle Wende positiv
- Der Nettogewinn drehte von einem Verlust von 300,2 Millionen US-Dollar (2024) auf einen Gewinn von 679,2 Millionen US-Dollar (2025); das erste Quartal 2026 bestätigt den Trend mit plus 104 Prozent auf 353,9 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal. Das bereinigte Ergebnis zeigt, dass das operative Geschäft bereits 2024 solider war als die GAAP-Zahl suggerierte.
- Ergebnisqualität neutral
- Ein erheblicher Teil des Gewinnsprungs 2025 stammt vom Goldpreis (realisierter Preis +38 Prozent auf 3.244 US-Dollar je Unze) und nicht allein von der eigenen operativen Leistung. Gleichzeitig kostete die eigene Goldpreis-Absicherung 204,4 Millionen US-Dollar an realisierten Verlusten — inzwischen vollständig aufgelöst, aber real gebucht.
- Kosten- und Abgabendruck negativ
- Die Produktionskosten (AISC) stiegen im ersten Quartal 2026 um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 1.834 US-Dollar je Unze, Royalties wuchsen 2025 mit plus 71 Prozent schneller als der Umsatz (plus 58 Prozent). Côte d'Ivoire erhöhte die Royalty rückwirkend, Burkina Faso koppelt seinen Satz an den Goldpreis, und laut Jahresbericht wird über einen weiteren Rahmen für Royalty-Zahlungen bei hohen Goldpreisen verhandelt.
- Wachstumspipeline neutral
- Die am 23. April 2026 beschlossene Assafou-Mine überzeugt mit starken Kennzahlen (320.000 oz Jahresproduktion, Nachsteuer-Kapitalwert 2,06 bis 5,1 Milliarden US-Dollar) — aber Kalana, das zweite Entwicklungsprojekt, wurde 2024 und 2025 in Folge abgeschrieben (122,6 bzw. 9,5 Millionen US-Dollar).
- Kapitalallokation neutral
- Die zum 31. März 2026 gemeldete Netto-Cash-Position von 405,4 Millionen US-Dollar war beim Erscheinen des Berichts (29. April 2026) bereits zu weiten Teilen neu gebunden: zusätzliche Kreditlinien-Ziehung, Dividende, Rückkäufe und zwei neue Minderheitsbeteiligungen binnen vier Wochen. Der Dividendenrahmen selbst bleibt an einen Goldpreis über 3.000 US-Dollar je Unze und einen Verschuldungsgrad unter 0,50x gebunden.
- Operative Realität vor Ort negativ
- Am 29. Mai 2026 starb ein Vertragspartner-Mitarbeiter bei einem Unfall mit schwerem Baugerät an der Lafigué-Mine. Eine Erinnerung daran, dass Goldabbau in Westafrika reale menschliche Risiken trägt, unabhängig von der Finanzlage des Konzerns.
Endeavour Mining hat 2025 eine spektakuläre finanzielle Wende geschafft und mit der Assafou-Bauentscheidung 2026 eine starke Wachstumsstory geliefert — aber der Goldpreis, der einen großen Teil davon trägt, ist auch der Kanal, über den Royalties, Steuern und die eigene Absicherung einen Teil des Zugewinns wieder zurücknehmen. Die zum Quartalsende gefeierte Kassenposition war beim Erscheinen des Berichts schon wieder zu großen Teilen verplant. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Endeavour Mining ist mit fünf produzierenden Minen in drei Ländern und einer extern geprüften Wachstumspipeline (Assafou-DFS) breit diversifiziert, hat 2025/Q1-2026 durchgehend positive Ergebnisse und einen bestätigten Going-Concern-Status bis mindestens Ende März 2027 vorgelegt — kein negatives Eigenkapital, keine existenzielle Abhängigkeit von einem einzigen Standort. Die offenen Punkte dieser Analyse (Absicherungsverlust, steigende Royalties/Steuern, wiederholte Kalana-Abschreibung, schnelle Wiederverschuldung nach Quartalsende, der tödliche Unfall an der Lafigué-Mine) sind reale, benannte Risiken, aber keines davon bedroht die Substanz des Unternehmens — sie sind Gründe für Sorgfalt bei der Einordnung der Zahlen, nicht Anzeichen einer wackligen Firma. Das rechtfertigt Grün, nicht die Aktie an sich als billig oder als Kaufgelegenheit zu bezeichnen — Preis ist kein Qualitätsmerkmal.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Börsenbrief „Hot Stocks Europe“, Ausgabe 24 vom 28.11.2025 (B-Inside International Media GmbH), zugesandt von einem Leser. Der Brief nennt Endeavour Mining nur in einer einzigen Zeile im Rückblick auf die Top-Performer 2025 („Kursverdopplung“), ohne eigene Detailbesprechung oder Empfehlung; keine der dort genannten Zahlen wurde als eigene Quelle übernommen.
- Endeavour Mining ist kein SEC-Filer: kein 10-K, kein 10-Q, kein 20-F. Grundlage dieser Analyse sind der Jahresbericht 2025 und der Konzernzwischenabschluss samt Managementbericht zum ersten Quartal 2026 (veröffentlicht 29./30.04.2026); Pflichtberichte laufen über den UK National Storage Mechanism und SEDAR+. Zitate wurden wörtlich gegen die Original-PDFs geprüft.
- Keine Company-Zeile im eigenen Datenbestand angelegt: Ein an der London Stock Exchange in britischen Pence notierter Titel würde die auf US-Notierungen ausgelegten Scanner-Schwellen verfälschen. Bewusst kein einheitliches KGV/KUV gebildet: Kurswährung GBX/CAD, Bilanzwährung USD, kein geprüfter Tageskurs für den 24.07.2026 verfügbar — diese Lücke wird benannt, nicht mit einer unbelegten Umrechnung überspielt.
Häufige Fragen
Endeavour Mining plc ist der größte Goldproduzent Westafrikas mit fünf produzierenden Minen: Houndé und Mana in Burkina Faso, Ity und Lafigué in Côte d'Ivoire, Sabodala-Massawa im Senegal. Dazu kommen zwei Entwicklungsprojekte, Assafou in Côte d'Ivoire und Kalana in Mali. Die Aktie ist an der London Stock Exchange und der Toronto Stock Exchange doppelt gelistet, Sitz der Konzernmutter ist London.
Endeavour Mining ist eine britische plc mit Zweitnotiz in Toronto und kein US-Meldeunternehmen — die Firmensuche bei der US-Börsenaufsicht SEC liefert keinen Treffer mit eigenem Jahres- oder Quartalsbericht. Pflichtberichte laufen stattdessen über den UK National Storage Mechanism und, wegen der kanadischen Zweitnotiz, ergänzend über SEDAR+.
Die Gesamtproduktionskosten je Unze (AISC) lagen im ersten Quartal 2026 bei 1.834 US-Dollar, 62 Prozent über dem Vorjahresquartal. Ein wesentlicher Grund: Royalties wuchsen 2025 um 71 Prozent auf 326,6 Millionen US-Dollar, weil Burkina Faso seine Royalty-Sätze an den Goldpreis koppelt und Côte d'Ivoire die Royalty an zwei Minen rückwirkend von 6 auf 8 Prozent erhöhte.
Ein Goldpreis-Collar mit einer Preisobergrenze von 2.400 US-Dollar je Unze sowie eine Durchschnittspreis-Vereinbarung verursachten 2025 einen realisierten Verlust von 204,4 Millionen US-Dollar (2024: 112,9 Millionen Gesamtverlust, davon 75,9 Millionen realisiert) — weil der tatsächliche Goldpreis die Obergrenze weit überstieg. Zum 31. Dezember 2025 waren alle Positionen aufgelöst.
Der Jahresbericht 2025 weist 193,4 Millionen US-Dollar Wertminderungen aus (2024: 199,5 Millionen) — vor allem bei Explorationsflächen in Burkina Faso, deren weitere Entwicklung nicht mehr zur Strategie passt, sowie 9,5 Millionen US-Dollar beim Entwicklungsprojekt Kalana in Mali, das damit zum zweiten Jahr in Folge abgeschrieben wurde (2024: 122,6 Millionen).
Assafou ist ein Goldprojekt auf der Liegenschaft Tanda-Iguela in Côte d'Ivoire, für das Endeavour am 23. April 2026 nach Abschluss der Machbarkeitsstudie die Bauentscheidung bekanntgab: 16 Jahre Minenlaufzeit, 320.000 Unzen Jahresproduktion in den ersten acht Jahren, Nachsteuer-Kapitalwert 2,06 bis 5,1 Milliarden US-Dollar je nach Goldpreisannahme. Die endgültige Investitionsentscheidung ist bis Ende 2026 geplant.
Ja. Für 2025 zahlte Endeavour 350,0 Millionen US-Dollar Dividenden plus 85,3 Millionen Aktienrückkäufe. Für 2026 bis 2028 sind weitere Mindestdividenden von zusammen rund 1,0 Milliarde US-Dollar zugesagt — allerdings nur, solange der realisierte Goldpreis über 3.000 US-Dollar je Unze bleibt und der Verschuldungsgrad unter 0,50x Netto-Verschuldung zu bereinigtem Ebitda liegt.
Die Hauptnotierung läuft an der London Stock Exchange in britischen Pence (Kürzel LSE: EDV), zusätzlich an der Toronto Stock Exchange in kanadischen Dollar (TSX: EDV) und außerbörslich in den USA als OTCQX: EDVMF in US-Dollar. Umsatz, Ergebnis und Bilanz weist das Unternehmen dagegen durchgehend in US-Dollar aus.
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