Ein Börsenbrief nannte 23 Aktien – der größte Depot-Gewinner ist heute von der Börse verschwunden
„HOT STOCKS EUROPE“ Nr. 24 vom 28. November 2025 stellte 23 europäische Aktien vor – wir haben zu 21 davon eine eigene Analyse geschrieben und prüfen hier acht Monate später das Gesamtbild. Drei Titel gibt es unter dem genannten Namen nicht mehr, und der größte Gewinner im Musterdepot des Briefs, SolGold, wurde per Gerichtsbeschluss von der Londoner Börse genommen – 28 Pence bar, ganz ohne Nachfolgeanalyse, weil es nichts mehr zu analysieren gibt. Wo der Brief richtig lag, zeigen wir genauso wie das Gegenteil. Keine Anlageberatung, nur eine Bestandsaufnahme acht Monate später.
Kennst du den Survivorship-Bias, den Überlebenden-Fehlschluss? Im Zweiten Weltkrieg wollte die US-Luftwaffe wissen, wo sie ihre Bomber zusätzlich panzern sollte, und untersuchte dafür die Einschusslöcher der zurückgekehrten Maschinen. Ein Statistiker namens Abraham Wald drehte die Frage um: Gerade dort, wo die heimgekehrten Flugzeuge unversehrt blieben, mussten die abgeschossenen am härtesten getroffen worden sein. Wer nur die Überlebenden zählt, sieht ein verzerrtes Bild. Bei Börsenbriefen funktioniert derselbe Mechanismus: Ein Musterdepot zeigt dir mit Vorliebe die Gewinner, die noch da sind. Was aber, wenn der größte Gewinner selbst verschwindet — nicht durch einen Kurssturz, sondern weil es die Aktie schlicht nicht mehr gibt? Genau das ist einem Leserhinweis passiert, der uns Ausgabe 24 des Börsenbriefs „HOT STOCKS EUROPE“ vom 28. November 2025 auf den Tisch legte: 23 europäische Aktien, sorgfältig vorgestellt, mit Kurszielen, Musterdepot-Positionen und einem Jahresrückblick der „Top-Performer des zurückliegenden Jahres“. Wir haben zu 21 davon eine eigene Tiefenanalyse geschrieben — jede Zahl darin geprüft gegen Geschäfts- und Quartalsberichte, nicht gegen den Brief. Dieser Artikel ist die Zusammenschau: Was ist aus den Erwartungen von damals geworden? Und was macht ein Nachtest mit einem Depot, dessen bester Wert nicht mehr existiert?
Was „HOT STOCKS EUROPE“ ist und wie der Verlag Geld verdient
„HOT STOCKS EUROPE“ ist laut eigenem Impressum ein „zweimal monatlich erscheinender Informationsdienst für Investments in den Neuen Markt Segmenten Europas“, herausgegeben von der B-Inside International Media GmbH, Christaweg 42, 79114 Freiburg im Breisgau (Geschäftsführer Tom Jordi Ruesch, Handelsregister HRB 270560). Verantwortlicher Redakteur im presserechtlichen Sinn (V.i.S.d.P.) ist Arno Ruesch, Autor der Ausgabe 24 ist Michael Calivas. Ausgabe 24 erschien am 28. November 2025, im 23. Jahrgang des Titels, auf acht Seiten. Der Verlag verdient sein Geld klassisch über Abonnements: 29,50 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Versandkosten pro Monat, so das Impressum auf Seite 8.
Auf derselben Seite 8 offenbart der Brief auch den Interessenkonflikt, der bei praktisch jedem Börsenbrief mitgelesen werden sollte:
„Des Weiteren können Verlag, Autor oder nahe stehende Dritte Longpositionen in den besprochenen Anlagen eingegangen sein. In diesem Fall liegt ein Interessenskonflikt im Sinne der Marktmissbrauchsverordnung EU Nr. 596/2014 vor, den wir unten offenlegen. […] Verlag, Autor oder nahestehende Dritte halten Longpositionen in folgenden in diesem Brief genannten Wertpapieren: – . Die genannten Personen beabsichtigen, die Aktien bei steigenden Kursen zu veräußern.“
— „HOT STOCKS EUROPE“ Nr. 24, Seite 8 (Impressum & Disclaimer)
Zwei Dinge lohnen sich hier festzuhalten, ohne dass daraus ein Vorwurf wird: Erstens ist der Mechanismus selbst transparent und an einer festen Stelle im Heft verankert — das ist mehr, als viele kostenlose Anlage-Newsletter bieten. Zweitens blieb das Feld der konkret namentlich genannten Longpositionen in Ausgabe 24 leer, ebenso das Feld für entgeltlich erstellte Veröffentlichungen. Ob und in welcher Höhe Verlag, Autor oder Dritte in den 23 besprochenen Werten tatsächlich investiert waren, lässt sich aus dem Heft selbst also nicht ablesen — nur, dass die Möglichkeit besteht und offengelegt wird. Damit zur Sache: Was ist aus den 23 Titeln geworden?
Alle 23 Titel im Überblick: Erwartung gegen Ist-Zustand
Die folgende Tabelle listet alle 23 in Ausgabe 24 vorkommenden Titel — Einzelvorstellungen, Musterdepot-Positionen, den Jahresrückblick „Top-Performer des zurückliegenden Jahres“ sowie den einen Titel, der nur als Chart erschien. Die mittlere Spalte zitiert den Brief als fremde Erwartung vom 28. November 2025, nie als Quelle für Unternehmenszahlen; die rechte Spalte fasst zusammen, was der jüngste geprüfte Bericht tatsächlich zeigt — jede einzelne Zahl bereits in unserer verlinkten Tiefenanalyse belegt.
| Firma (heutiger Name) | Der Brief sagte (28.11.2025) | Der jüngste Bericht zeigt | Unsere Analyse |
|---|---|---|---|
| Nokia Oyj | „gehört zu den Basispositionen im europäischen KI-Zyklus“, 2028-Ziel 2,7–3,2 Mrd. € operatives Ergebnis | Q2 2026 ausgewiesener Verlust −50 Mio. €, „comparable“ +434 Mio. € (+18 %) – 2028-Ziel von Nokia selbst bestätigt | Nokia-Analyse |
| R&S Group Holding AG | Berenberg-Kursziel CHF 35; Zürcher Kantonalbank erwartete Ebit-Marge 2026 nur rund 17 % | 2025 Umsatz +47 % auf CHF 414,8 Mio., Gewinn +41 % auf CHF 58,1 Mio. – Eigenkapital aber nur 12,2 % der Bilanzsumme | R&S-Group-Analyse |
| Fermi Inc. | KGV 2030 rund 1,5, „Tenbagger-Potenzial“ (Berenberg-Schätzung) | weiterhin 0 US-Dollar Umsatz seit Gründung Januar 2025, Going-Concern-Zweifel im eigenen Quartalsbericht, Gründer nicht mehr CEO | Fermi-Analyse |
| Pfisterer Holding SE | GBC-Kursziel von 48 auf 85 € angehoben, „Auftragsbestand auf Rekordniveau“ 339 Mio. € | Kurs 80,00 € (24.7.2026), nahe am Kursziel – Auftragsbestand seither aber nicht weiter gewachsen | PFISTERER-Analyse |
| SÜSS MicroTec SE | MWB-Kursziel von 48 auf 56 € angehoben | Kurs bereits bei 79,15 € (24.7.2026), über dem Kursziel – aber EBIT Q1 2026 −83,6 % | SÜSS-MicroTec-Analyse |
| The Platform Group AG | Kursziele 19,50 € (MWB), 20 € (First Berlin) und 21 € (Nuways) bei Kurs 6,60 € | Kurs 0,78 € (−88 %, 24.7.2026), dazu ungeklärte Vorwürfe zu Bankkrediten und einer Steuerforderung | Platform-Group-Analyse |
| DPM Metals Inc. (ex Dundee Precious Metals) | Q3-Ebitda 166 Mio. USD; Übernahme Adriatic „Anfang September“ erwähnt | Jahresgewinn 369,2 Mio. USD, schuldenfrei – Umweltlizenz in Ecuador nach vier Monaten widerrufen | DPM-Metals-Analyse |
| Thor Explorations Ltd. | Canaccord-Kursziel GBp 89, Ebitda über 238 Mio. USD erwartet | bestes Jahr der Firmengeschichte (325,5 Mio. USD Umsatz), Kurs dennoch unter dem Niveau vom Briefdatum | Thor-Explorations-Analyse |
| ACG Metals Ltd. | Canaccord erwartete 0,48 US-Dollar Gewinn je Aktie | testierter Verlust von 2,04 US-Dollar je Aktie | ACG-Metals-Analyse |
| Pharming Group N.V. | Jefferies (1,70 € Kursziel, „konservativ“), H.C. Wainwright (Kursverdoppelung) und Oppenheimer (fast Kursverdreifachung) erwartet | erster Jahresgewinn der Firmengeschichte (2,5 Mio. USD) – Patentschutz endet 7.10.2026 | Pharming-Analyse |
| Tharisa plc | Musterdepot-Position bei 1,06 Euro ausgestoppt, kein Gewinn | Nettokasse schmolz binnen einem Quartal von 54,0 auf 10,7 Mio. USD | Tharisa-Analyse |
| SolGold plc | größter Musterdepot-Gewinner, +71,4 %, Canaccord-Kursziel GBp 46 | existiert nicht mehr – von Jiangxi Copper übernommen, delistet 5.3.2026 | Kapitel „Was aus SolGold wurde“ |
| Serviceware SE | Musterdepot-Kauf 18,50 €, vier Wochen später 16,10 € (−13,0 %) | erstes operatives Plus seit drei Jahren – Kurs unterschritt zwischenzeitlich dennoch die Stopp-Marke des Briefs | Serviceware-Analyse |
| Serabi Gold plc | Musterdepot-Position, +10,3 % (Stand 28.11.2025) | Rekordproduktion, erste Dividende der Firmengeschichte – Übergangslizenz für die Hauptmine läuft Januar 2027 aus | Serabi-Gold-Analyse |
| Steyr Motors AG | Rückblick +1.256 % (bis 426 €), bereits eigene Verkaufsempfehlung ausgesprochen | Kurs 16 Monate später rund 40 € (−90 % vom Hoch), EBIT-Marge von 24,3 auf 14,5 % gefallen | Steyr-Motors-Analyse |
| Hensoldt AG | Rückblick +100 bis 300 % Kursgewinn | Auftragsbestand auf 9,80 Mrd. € gewachsen, Kurs aber ein Drittel unter Allzeithoch, Konzernergebnis 2025 −17,6 % | Hensoldt-Analyse |
| Renk Group AG | Rückblick +100 bis 300 % Kursgewinn | Auftragsbestand auf 6,9 Mrd. € gewachsen, aber zwei unterschiedliche EBIT-Zahlen fürs selbe Jahr im Bericht | RENK-Analyse |
| Endeavour Mining plc | Rückblick: Kurs verdoppelt | Gewinnsprung auf 679,2 Mio. USD – aber 204,4 Mio. USD Verlust aus eigener Goldpreis-Absicherung | Endeavour-Mining-Analyse |
| Strickland Metals Ltd. | Rückblick rund 200 % Kursgewinn | weiterhin 0 US-Dollar Umsatz, Kurs unter dem Niveau der jüngsten Kapitalerhöhung | Strickland-Metals-Analyse |
| Zegona Communications plc | Rückblick „Kursverdreifachung“ | negatives Konzern-Eigenkapital von −869 Mio. €, 69 % der Aktien per Kapitalrückzahlung gelöscht | Zegona-Analyse |
| Nebius Group N.V. | Rückblick von 44,50 € bis Spitze 118 € | Q1 2026 Nettogewinn 621 Mio. USD – fast komplett aus Neubewertung einer Beteiligung, operativer Verlust wuchs auf 128 Mio. USD | Nebius-Analyse |
| Trekor Metals Ltd. (ex Taseko Mines) | nur als Chart auf Seite 1 abgebildet, keine inhaltliche Aussage im redaktionellen Teil | Firma seit 25.6.2026 umbenannt (siehe Kapitel unten) – eigene Analyse veröffentlicht | Analyse |
| ASML Holding N.V. | Musterdepot setzte auf ein Turbo-Zertifikat, +39,3 % binnen zwei Monaten | Umsatzprognose binnen sechs Monaten um über 10 Mrd. € angehoben – vier Kunden liefern 61 % des Umsatzes 2025 | ASML-Analyse |
Fast alle Titel der Ausgabe sind also nach wie vor unter ihrem Namen an der Börse zu finden – aber genau die drei Ausreißer sind lehrreich genug für zwei eigene Kapitel.
Was aus SolGold wurde
SolGold plc stand am 28. November 2025 als größter Gewinner im Musterdepot des Briefs da: gekauft am 5. September 2025 zu 0,175 Euro, notiert im Brief mit 0,300 Euro, ein Plus von 71,4 Prozent. Das Musterdepot rechnet in Euro, gehandelt wurde die Aktie in London in Pence: Der Brief nennt für denselben Stichtag GBp 26, dazu ein Canaccord-Kursziel von GBp 46 für das Kupfer-Gold-Projekt Cascabel in Ecuador. Diese beiden Einheiten muss man auseinanderhalten, um die spätere Abfindung von 28 Pence je Aktie einordnen zu können. Wer heute „SolGold“ in eine Suchmaschine tippt, findet die Aktie nicht mehr – und das ist keine Momentaufnahme unserer Recherche, sondern ein abgeschlossener Vorgang mit eigenem Aktenzeichen.
Am 2. März 2026 sanktionierte der High Court of Justice of England and Wales das Scheme of Arrangement, mit dem Jiangxi Copper (Hong Kong) Investment Company Limited (JCHK) — die Auslandstochter des chinesischen Kupferkonzerns Jiangxi Copper — SolGold vollständig übernahm. Die maßgebliche Regulatory-News-Service-Meldung beschreibt die letzten Schritte so:
„The Scheme Record Time for the Scheme will be 6:00 p.m. on Tuesday 3 March 2026 […] It is anticipated that the Effective Date of the Scheme will be Wednesday 4 March 2026 […] Applications have been made to the FCA and the London Stock Exchange in relation to the cancellation of the listing of SolGold Shares on the Official List […] which are each expected to take place at 7:00 a.m. on 5 March 2026.“
Übersetzung: „Die Scheme Record Time liegt um 18:00 Uhr am Dienstag, den 3. März 2026 […] Es wird erwartet, dass das Scheme am Mittwoch, den 4. März 2026, wirksam wird […] Bei der FCA und der Londoner Börse wurden Anträge auf Streichung der SolGold-Aktien von der Official List gestellt […] die jeweils um 7:00 Uhr am 5. März 2026 wirksam werden sollen.“
— Regulatory News Service, „Court Sanction of Scheme of Arrangement“, SolGold plc, 2. März 2026 (investegate.co.uk)
Die Folgemeldung vom 4. März 2026 bestätigt den Vollzug und nennt den Preis: 28 Pence in bar je Aktie für jeden im Register eingetragenen Anteilseigner zur Scheme Record Time.
„the Scheme has now become Effective in accordance with its terms and the entire issued and to be issued ordinary share capital of SolGold is now owned by JCHK.“
Übersetzung: „das Scheme ist nun gemäß seinen Bedingungen wirksam geworden, und das gesamte ausgegebene und noch auszugebende Grundkapital von SolGold befindet sich jetzt im Eigentum von JCHK.“
— Regulatory News Service, „Scheme of Arrangement Becomes Effective“, SolGold plc, 4. März 2026 (investegate.co.uk)
Übersetzt in Zahlen: Bei rund 3,0 Milliarden ausstehenden Aktien entspricht das einer Übernahmesumme von rund 840 Millionen Pfund – öffentlich auch mit rund 867 Millionen Pfund beziffert (Angabe der beratenden Kanzlei Fasken). Seit dem 5. März 2026, 7:00 Uhr, ist die SolGold-Aktie weder an der Londoner Börse noch anderswo notiert. Der von uns genutzte Fundamentaldaten-Anbieter bestätigt das unabhängig: Der letzte Kurs vom 4. März 2026 lag bei 27,95 Pence – praktisch am Übernahmepreis –, danach liefert die Kursabfrage nur noch „NA“, und die Kurshistorie endet an diesem Tag. Auch die Chart-Datenbank TradingView findet unter dem Kürzel SOLG keinen Aktien-Treffer mehr.
Für dich als Leser heißt das: SolGold ist der einzige Titel dieser Ausgabe 24, zu dem es keine eigene Tiefenanalyse gibt – nicht aus Zeitmangel, sondern weil es nichts mehr zu analysieren gibt. Es gibt keinen Kurs, keinen anstehenden Geschäftsbericht, keine Hauptversammlung und keine Aktionäre im klassischen Sinn mehr, an die sich eine Analyse richten könnte. Der Survivorship-Bias vom Anfang zeigt sich hier in Reinform: Wer acht Monate später nur auf die 20 unveränderten Titel und ihre laufenden Kurse schaut, könnte übersehen, dass ausgerechnet der Wert mit dem größten ausgewiesenen Gewinn nicht mehr Teil des Bildes ist – nicht, weil er scheiterte, sondern weil er zu einem festen Preis eingesammelt wurde, bevor sich zeigen konnte, wie die Geschichte um das Cascabel-Projekt weitergegangen wäre.
Drei Namen, die es so nicht mehr gibt
Neben SolGold tragen zwei weitere Titel der Ausgabe heute einen anderen Namen als im Brief – beide Male ohne Kurswechsel oder Delisting, aber mit echtem Verwechslungspotenzial für jeden, der acht Monate später denselben Namen in eine Suchmaschine tippt.
DPM Metals Inc. (Toronto Stock Exchange: DPM) hieß bis zum 12. September 2025 Dundee Precious Metals Inc. – exakt der Name, unter dem der Brief die Aktie vorstellte. Der eigene Quartalsbericht hält die Umstellung fest:
„Effective September 12, 2025, DPM changed its name from Dundee Precious Metals Inc. to DPM Metals Inc., and as part of this transition, its subsidiary companies have also adopted corresponding name changes, where applicable, to align with its new brand identity.“
Übersetzung: „Mit Wirkung zum 12. September 2025 änderte DPM seinen Namen von Dundee Precious Metals Inc. zu DPM Metals Inc.; im Zuge dieser Umstellung haben auch die Tochtergesellschaften, soweit zutreffend, entsprechende Namensänderungen vollzogen, um sie an die neue Markenidentität anzugleichen.“
— DPM Metals Inc., Vierter Quartalsbericht 2025 (MD&A), Abschnitt „Our Business“, S. 3
Der Handelscode TSX: DPM blieb identisch, nur der Name über der Tür ist neu – eine reine Markenumstellung, ausgelöst durch die am 3. September 2025 vollzogene 1,5-Milliarden-Dollar-Übernahme von Adriatic Metals plc. Adriatic selbst, bis dahin eigenständig an der Londoner Börse und der australischen ASX notiert, existiert seither nicht mehr als eigenständige Aktie: Der britische High Court bestätigte das entsprechende Scheme of Arrangement, die Übernahme wurde am 3. September 2025 vollzogen (441,4 Mio. US-Dollar bar plus 54.935.109 neue DPM-Aktien), und der Kursanbieter zeigt seither weder für die Londoner Notiz (ADT1.LSE) noch für die australischen CDIs laufende Kurse. Details zu dieser Übernahme, inklusive der Kaufpreisallokation ohne einen einzigen Cent Goodwill, stehen in unserer DPM-Metals-Analyse.
Trekor Metals Limited wiederum hieß bis zum 25. Juni 2026 Taseko Mines Limited – im Brief nur beiläufig als Chart auf Seite 1 abgebildet, ohne WKN oder Kursangabe im redaktionellen Text. Die Umstellung ist über zwei voneinander unabhängige Quellen belegt: Der SEC-Submissions-Datensatz zur Firma (CIK 0000878518) führt „Trekor Metals Ltd“ als aktuellen Namen und „TASEKO MINES LTD“ als `formerNames`-Eintrag; die eigene Pressemitteilung des Unternehmens bestätigt Datum und Ablauf im Detail: Die Hauptversammlung billigte die Umbenennung; wirksam wurde der neue Name Trekor Metals Limited zum 25. Juni 2026. Der Handel unter dem neuen Namen begann am 29. Juni 2026 an der Toronto Stock Exchange und der NYSE American, am 30. Juni 2026 an der Londoner Börse – die Tickerkürzel selbst (TSX: TKO, NYSE American: TGB, LSE: TKO) blieben unverändert, wohl aber ISIN (neu: CA89472Y1079) und CUSIP (neu: 89472Y107) (Quelle: „Taseko Annual General Meeting Voting Results and Change of Name“, Pressemitteilung, trekormetals.com, 24. Juni 2026).
Was diese Serie über Erwartungen gelehrt hat
Ein Börsenbrief ist eine Momentaufnahme, kein Dauerzustand – das klingt banal, bis man es an echten Zahlen durchspielt. Am deutlichsten wird das an den drei Titeln aus dem folgenden Diagramm – Pfisterer, SÜSS MicroTec und The Platform Group –, für die der Brief ein konkretes Analysten-Kursziel zitierte. (Auch R&S Group, Thor Explorations und Pharming Group nannte der Brief mit einem konkreten Kursziel – alle drei sind ebenfalls weiterhin handelbar und bereits mit ihrem Kursziel in der Tabelle oben aufgeführt; dieser Abschnitt vertieft nur die drei Titel des Diagramms.)
Am stärksten bestätigt hat sich die Erwartung ausgerechnet dort, wo sie am wenigsten nach einer Wette aussah: Nokia. Der Brief nannte die Aktie „gehört zu den Basispositionen im europäischen KI-Zyklus“ und verwies auf ein neues 2028-Ziel von 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro comparable operativem Ergebnis – ein Ziel, das neun Tage vor Erscheinen der Ausgabe noch gar nicht lange verkündet war. Unsere Nokia-Analyse zeigt: Nokia hat dieses Ziel auf seinem Kapitalmarkttag vom 19. November 2025 tatsächlich exakt so kommuniziert, dokumentiert in einem eigenen SEC-Bericht (Form 6-K) – die Brief-Aussage war also nicht übertrieben, sondern korrekt wiedergegeben. Was der Brief nicht zeigen konnte, weil er acht Monate vor unserem Redaktionsschluss erschien: wie teuer der Weg zu diesem Ziel im aktuellsten Bericht bereits aussieht – im zweiten Quartal 2026 wies Nokia im selben Bericht sowohl einen ausgewiesenen operativen Verlust von 50 Millionen Euro als auch ein „comparable“ Ergebnis von plus 434 Millionen Euro aus. Die zitierte Zahl stimmte; ob sie sich bis 2028 auszahlt, ist eine andere Frage.
Am stärksten widerlegt hat sich die Erwartung bei The Platform Group. Der Brief zitierte drei Kursziele – 19,50 Euro (MWB Research), 20 Euro (First Berlin) und 21 Euro (Nuways) – bei einem Kurs von 6,60 Euro und stützte sich dabei auf die eigene „Vision 2030“ des Unternehmens (mindestens 3 Milliarden Euro Umsatz). Acht Monate später notiert die Aktie bei 0,78 Euro – rund 88 Prozent unter dem Briefkurs und mehr als 96 Prozent unter dem Mittel der drei zitierten Kursziele. Unsere Platform-Group-Analyse ordnet ein, was dazwischen passierte: ein Medienbericht über gekündigte Bankkredite und eine Steuerforderung, eine von der Staatsanwaltschaft Chemnitz geprüfte Strafanzeige – Vorwürfe, die das Unternehmen selbst als „entstellte und falsche Behauptungen“ zurückweist und über die noch keine gerichtliche Entscheidung vorliegt. Wichtig für die Einordnung: Weder der Brief noch die zitierten Analysehäuser konnten diese Entwicklung im November 2025 kennen. Das macht die Kursziele nicht unseriös – es macht sie zu dem, was jedes Kursziel ist: eine Momentaufnahme auf Basis der damals bekannten Informationen, keine Garantie.
Die Lehre aus beiden Fällen zusammen: Ein acht Monate altes Kursziel ist weder automatisch wertlos noch automatisch verlässlich. Es lohnt sich, es an genau der Stelle zu lesen, an der es steht – als Meinung eines bestimmten Hauses zu einem bestimmten Datum – und dann selbst nachzuschauen, was seither im Geschäftsbericht passiert ist.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Survivorship-Bias vom Anfang. Ein Musterdepot, das acht Monate später nachgezählt wird, zeigt dir nie automatisch das vollständige Bild – nicht, weil jemand täuschen wollte, sondern weil die Realität selbst manche Positionen aus dem Bild nimmt, noch bevor jemand nachschauen kann. SolGold war der größte Gewinner dieser Ausgabe und ist trotzdem der einzige Titel ohne eigene Analyse, weil die Aktie schlicht nicht mehr existiert. Zwei weitere Titel laufen heute unter neuem Namen, ohne dass sich am Geschäft selbst etwas geändert hätte. Und bei den drei Titeln aus dem Kursziel-Diagramm zeigt sich, dass acht Monate manchmal reichen, um ein Ziel fast zu bestätigen (Pfisterer), manchmal, um es zu übertreffen (SÜSS MicroTec), und manchmal, um es um mehr als 96 Prozent zu verfehlen (The Platform Group) – oft aus Gründen, die im Ausgangsmoment schlicht noch nicht bekannt waren. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „War der Brief gut oder schlecht?“, sondern: Liest du eine Empfehlung als das, was sie ist – eine Momentaufnahme mit Datum –, oder als ein Versprechen, das automatisch weitergilt? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Übersicht verwendeten Originalquellen – zum Selbst-Nachlesen:
- „HOT STOCKS EUROPE“, Ausgabe Nr. 24 vom 28. November 2025, B-Inside International Media GmbH, Freiburg i. Br. (Autor Michael Calivas, V.i.S.d.P. Arno Ruesch) – Meinung und Erwartung eines Dritten, keine Quelle für Unternehmenszahlen.
- Unsere 21 veröffentlichten Einzelanalysen der in Ausgabe 24 besprochenen Titel (jeweils in der Tabelle oben verlinkt) – dort jede Kennzahl einzeln gegen Geschäfts- und Quartalsbericht belegt.
- Regulatory News Service (investegate.co.uk) – „Court Sanction of Scheme of Arrangement“, SolGold plc, 2. März 2026 und „Scheme of Arrangement Becomes Effective“, SolGold plc, 4. März 2026.
- DPM Metals Inc. – Vierter Quartalsbericht 2025 (MD&A), Abschnitt „Our Business“, S. 3 (dpmmetals.com), bereits zitiert in der DPM-Metals-Analyse.
- „Taseko Annual General Meeting Voting Results and Change of Name“, Pressemitteilung, trekormetals.com, 24. Juni 2026; SEC-Submissions-Datensatz CIK 0000878518 (data.sec.gov), Feld „formerNames“.
- Fundamentaldaten (Kurse, Datenstand 24.–27. Juli 2026), abgeglichen mit den jeweiligen Geschäfts- und Quartalsberichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Übersicht ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in den genannten Wertpapieren.
Unser Fazit auf einen Blick
- Trefferbild neutral
- Gemischt: Nokias 2028-Ziel bestätigte sich wörtlich, SÜSS MicroTec übertraf sein Kursziel von 56 Euro deutlich (Kurs 79,15 Euro am 24.7.2026) – während The Platform Group von rund 20 Euro Kursziel auf 78 Cent fiel und ACG Metals aus einem erwarteten Gewinn von 0,48 US-Dollar je Aktie einen testierten Verlust von 2,04 US-Dollar machte.
- Faktentreue der zitierten Zahlen positiv
- Die im Brief genannten historischen Kennzahlen (etwa DPM Metals Q3-Ebitda 166 Mio. USD, Pfisterer Neun-Monats-Umsatz 327 Mio. Euro) hielten in allen 21 geprüften Fällen der Gegenprobe gegen die Originalberichte stand. Verzerrt haben sich nicht die zitierten Fakten, sondern die daraus abgeleiteten Kursziele und Erwartungen.
- Aktualität acht Monate später negativ
- Drei von 23 Titeln (13 %) sind strukturell überholt: zwei Umfirmierungen (DPM Metals, Trekor Metals) und ein vollständiges Delisting (SolGold) – Änderungen, die ein Leser aus dem Heft selbst nicht erkennen kann.
- Umgang mit Kurszielen Dritter negativ
- Analysten-Kursziele (Berenberg, Canaccord, GBC, MWB, First Berlin, Nuways, Zürcher Kantonalbank, UBS, Jefferies, H.C. Wainwright, Oppenheimer, Quirin Bank, Montega) werden als Fakt zitiert, ohne eigene Einordnung ihrer historischen Treffsicherheit oder ihres zeitlichen Bezugspunkts.
- Interessenkonflikt- und Musterdepot-Transparenz positiv
- Der Interessenkonflikt-Hinweis (Seite 8, MAR EU Nr. 596/2014) steht an fester Stelle in jeder Ausgabe, und das Musterdepot nennt Kauftag, Kaufkurs und Stopp-Marke je Position – öffentlich nachprüfbar, wie unsere Tharisa- und Serviceware-Analysen zeigen.
Acht Monate nach Ausgabe 24 zeigt sich ein gemischtes Bild: Die historischen Zahlen, die der Brief zitierte, waren durchweg korrekt – die daraus abgeleiteten Kursziele trafen mal zu (Pfisterer, SÜSS MicroTec), mal weit daneben (The Platform Group, ACG Metals). Strukturell überholt sind drei von 23 Titeln: zwei Umfirmierungen und ein vollständiges Delisting, ausgerechnet beim größten Musterdepot-Gewinner SolGold. Keine Anlageberatung.
Bitte beachten
- Dieser Artikel trägt bewusst keinen Unternehmens-Qualitäts-Ampel-Block (kein `quality`-Feld): Die Ampel beurteilt die Substanz einer einzelnen Firma anhand ihrer Geschäftsberichte – hier gibt es keine einzelne Firma, sondern eine ganze Börsenbrief-Ausgabe mit 23 besprochenen Titeln.
- Auf die Rechercheliste kam diese Serie über einen Leserhinweis: Ausgabe 24 von „HOT STOCKS EUROPE“ vom 28. November 2025. Der Brief ist durchgehend Aufhänger, keine Quelle für Unternehmenszahlen – jede Kennzahl in den 21 verlinkten Einzelanalysen stammt aus den jeweiligen Geschäfts- und Quartalsberichten.
- Datenstand dieser Übersicht: 24. bis 27. Juli 2026. Ein Titel ohne eigene Analyse: SolGold, seit März 2026 delistet.
Häufige Fragen
Weil sich an einer acht Monate alten Empfehlungsliste zeigen lässt, was von einer Erwartung übrig bleibt, wenn man sie an echten Geschäftsberichten misst statt an der nächsten Schlagzeile. Von den 23 in „HOT STOCKS EUROPE“ Nr. 24 besprochenen Aktien gibt es drei nicht mehr unter dem genannten Namen, und der größte Musterdepot-Gewinner ist komplett von der Börse verschwunden – Befunde, die acht Monate Abstand erst sichtbar machen.
SolGold plc existiert nicht mehr als eigenständige Aktie. Jiangxi Copper (Hong Kong) Investment Company Limited übernahm das Unternehmen per Scheme of Arrangement: gerichtliche Sanktion am 2. März 2026, wirksam am 4. März 2026, 28 Pence je Aktie in bar, Streichung von der Londoner Official List am 5. März 2026. Eine eigene Tiefenanalyse gibt es deshalb nicht – es gibt keinen Kurs und keinen Geschäftsbericht mehr, auf den sie sich beziehen könnte.
Beides sind reine Umfirmierungen ohne Eigentümerwechsel. Dundee Precious Metals Inc. heißt seit dem 12. September 2025 DPM Metals Inc. (ausgelöst durch die Übernahme von Adriatic Metals). Taseko Mines Limited heißt seit dem 25. Juni 2026 Trekor Metals Limited, mit neuer ISIN und CUSIP, aber unveränderten Tickerkürzeln. Beide Firmen bestehen operativ unverändert fort.
Nein, das allein macht einen Börsenbrief nicht unseriös – der Hinweis ist sogar Pflicht nach der EU-Marktmissbrauchsverordnung Nr. 596/2014 und steht bei „HOT STOCKS EUROPE“ transparent auf Seite 8. In Ausgabe 24 blieb das Feld der konkret namentlich genannten Longpositionen zudem leer. Der Hinweis bedeutet lediglich: Lies Kursziele und Einschätzungen als das, was sie sind – möglicherweise interessengeleitete Meinung, keine neutrale Unternehmenszahl.
Zwei: SolGold plc, weil die Aktie seit März 2026 nicht mehr existiert und es nichts mehr zu analysieren gibt, sowie Trekor Metals Limited (ex Taseko Mines), dessen Analyse ebenfalls vorliegt und nachgezogen wird. Die übrigen 21 Titel sind in der Tabelle oben einzeln verlinkt.
Nein, bewusst nicht. Unsere Qualitäts-Ampel beurteilt die Substanz einer einzelnen Firma anhand ihrer Geschäftsberichte. Dieser Artikel bewertet stattdessen eine redaktionelle Leistung – wie treffsicher, aktuell und transparent ein Börsenbrief acht Monate später dasteht. Dafür gibt es hier eine Einordnung im Verdict-Block, aber keine Unternehmens-Ampel.
Das Diagramm zum Titelbestand beruht auf eigener Recherche gegen Börsen- und Handelsregistermeldungen (SEC-Submissions-Datensätze, Pressemitteilungen, Regulatory-News-Service-Meldungen). Das Diagramm zum Kursziel-Vergleich stammt aus dem Brief selbst (Kursziele vom 28. November 2025) und aus unseren bereits veröffentlichten Einzelanalysen (Kurse mit Datenstand 24./25. Juli 2026).
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