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HENSOLDT: Der Auftragsbestand wächst weiter, der Aktienkurs zieht nicht mehr mit

HENSOLDT: Der Auftragsbestand wächst weiter, der Aktienkurs zieht nicht mehr mit

HENSOLDT baut Radar-, Optronik- und Elektronik-Kampfsysteme fürs Gefechtsfeld — und der Auftragsbestand ist von 5,53 Milliarden Euro (Ende 2023) auf 9,80 Milliarden Euro (31. März 2026) gewachsen. Ein Börsenbrief feierte die Aktie im November 2025 im Rückblick für Kursgewinne zwischen 100 und 300 Prozent im Jahr zuvor — heute steht der Kurs aber rund ein Drittel unter seinem eigenen Allzeithoch vom Oktober 2025, und das ausgewiesene Konzernergebnis sank 2025 um 17,6 Prozent, während der Umsatz um 9,6 Prozent und das bereinigte Ebitda zweistellig zulegten. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur der Blick in die Berichte, den ein Rückblick auf alte Kursgewinne nicht ersetzt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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HENSOLDT: Der Auftragsbestand wächst weiter, der Aktienkurs zieht nicht mehr mit
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die besonders gut gelaunte Leser trifft: den Blick in den Rückspiegel. Ein Börsenbrief feiert die grandiosen Kursgewinne des vergangenen Jahres — und im Kopf entsteht sofort der Eindruck, die Fahrt gehe unverändert weiter. Nennen wir es die Rückspiegel-Falle: Was hinter dir liegt, sagt nichts darüber, was vor dir liegt, aber es fühlt sich verlässlich an, weil es schon einmal passiert ist. Ein Leser hat uns Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 geschickt (B-Inside International Media GmbH, Freiburg i. Br., Autor Michael Calivas). Auf Seite 1, im Rückblick auf die Top-Performer des Jahres 2025, steht ein einziger Satz zu unserem heutigen Titel: „Hensoldt und Renk: Kursgewinne zwischen 100 und 300 Prozent.“ Das ist der komplette Aufhänger — keine Unternehmenszahl, keine Prognose, nur eine Kursspanne aus der Vergangenheit. Machen wir also einen Deal: Wir lassen die Kursspanne stehen, wo sie ist — in der Vergangenheit —, und lesen stattdessen den Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 26. März 2026) und die Quartalsmitteilung zum 31. März 2026 (6. Mai 2026). Am Ende zeigt sich: Das eine Wort, das im Rückblick zwangsläufig fehlt, ist „seither“ — denn seit dem Allzeithoch der Aktie im Oktober 2025 ist einiges passiert.

Was HENSOLDT eigentlich macht — Sensorik und Software fürs Gefechtsfeld

HENSOLDT AG mit Sitz in Taufkirchen bei München ist ein spezialisierter Anbieter elektronischer Sensorlösungen für Verteidigung und Sicherheit. Übersetzt in ein Alltagsbild: Wenn ein modernes Gefechtsfeld ein Nervensystem wäre, baut HENSOLDT die Sinnesorgane — Radar, elektronische Kampfführung, Avionik und Optronik, die einem Kampfjet, einer Fregatte oder einem Schützenpanzer sagen, was um sie herum passiert, bevor sie es selbst sehen können. Das Unternehmen ist herstellerunabhängiger Systemintegrator: Es liefert Sensorik für Plattformen unterschiedlicher Hersteller — Kampfjets, unbemannte Luftfahrzeuge, Hubschrauber, Schiffe und U-Boote, Panzerfahrzeuge und Satelliten — an Regierungen und supranationale Organisationen wie die NATO, direkt oder über Konsortien wie Euroradar, das den Eurofighter-Nasenradar entwickelt.

Berichtet wird in zwei Segmenten: Sensors (Radar & elektronische Kampfführung, Multi-Domain-Lösungen, Services & Training) und Optronics (Optronik — Zielsysteme, Periskope, Wärmebildgeräte — ergänzt um Radar und Services). Bekannte Produkte: das TRML-4D-Radar (Teil des IRIS-T-SLM-Luftverteidigungssystems, seit Kriegsbeginn auch in der Ukraine im Einsatz), der Eurofighter-Nasenradar ECRS Mk1, das Spexer-Radar (seit 2025 auch als Marinelösung gegen Drohnen) und die PEGASUS-Aufklärungsplattform, bei der HENSOLDT Konsortialführer ist. Mit der neuen Softwaresuite MDOcore — vorgestellt 2025 — positioniert sich HENSOLDT zusätzlich als Anbieter softwaredefinierter Verteidigungslösungen: Sensor- und Wirksysteme sollen erstmals durchgängig über Domänen hinweg vernetzt werden. Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern 9.362 Menschen (Vorjahr 8.986, davon 874 Auszubildende und Praktikanten), rund 7.700 davon in Deutschland.

Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen

Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage dieser Analyse prägt: Von HENSOLDT gibt es kein 10-K, kein 10-Q. Das Unternehmen ist kein US-Meldeunternehmen — die EDGAR-Suche nach den Tickern HAG und HAGHY liefert keine verwertbare Fundstelle. Die einzige verknüpfte SEC-Kennung (CIK 0001856488, unter dem Namen „Hensoldt AG/ADR“) enthält ausschließlich Formulare F-6, mit denen eine Depotbank ein American Depositary Receipt registriert — keine einzige Periodenberichterstattung. HENSOLDTs Pflichtberichte laufen stattdessen über den regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse: ein testierter Konzern-Jahresbericht nach IFRS, ein Halbjahresbericht und kurze, unaudited Quartalsmitteilungen ohne vollständigen geprüften Zwischenabschluss. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“, nicht „SEC-Berichte“ — die Erzähl-Logik „ein Bericht unter Strafandrohung ist ehrlich“ gilt für den testierten IFRS-Abschluss sinngemäß trotzdem, nur eben nach deutschem und europäischem Kapitalmarktrecht (§ 114 WpHG) statt nach US-Recht.

Diese Konstellation — MDAX-Mitglied, aber kein SEC-Filer — teilt sich HENSOLDT mit etlichen anderen deutschen Industrietiteln. Auch bei unserer Analyse zu PFISTERER, ebenfalls Xetra-notiert und ohne 10-K oder 10-Q, lief die komplette Belegkette über die Original-Geschäfts- und Quartalsberichte des Unternehmens statt über sec.gov.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlichkeit zuerst: Der Aufhänger dieser Analyse ist denkbar schmal. Ein Leser hat uns Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 zugeschickt — darin taucht HENSOLDT nicht als eigenständig vorgestellte Position auf, sondern nur im redaktionellen Rückblick auf Seite 1: „Hensoldt und Renk: Kursgewinne zwischen 100 und 300 Prozent“ im Jahr 2025. Keine Unternehmenszahl, keine Prognose, kein Kursziel eines Analysehauses — nur eine Kursspanne aus der Vergangenheit, in einer Ausgabe, die selbst schon acht Monate alt ist, während wir sie lesen. Dieselbe Ausgabe stellte im redaktionellen Hauptteil unter anderem Nokia als Position im europäischen KI- und Rüstungszyklus vor.

Zur Einordnung gehört der Interessenkonflikt-Hinweis, den der Brief selbst auf Seite 8 offenlegt: Verlag und Autor können Longpositionen in besprochenen Werten halten und beabsichtigen, bei steigenden Kursen zu verkaufen (Marktmissbrauchsverordnung EU Nr. 596/2014) — ein Hinweis, den man bei jedem Börsenbrief mitlesen sollte, auch wenn HENSOLDT hier nur im Rückblick auftaucht. Was aus der gefeierten Kursspanne geworden ist, seit der Brief sie aufschrieb, zeigt der Rest dieser Analyse.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt — und das ist eine Menge. HENSOLDT wächst seit Jahren: Umsatz 1.847 Millionen Euro (2023), 2.240 Millionen (2024), 2.455 Millionen Euro (2025), ein Plus von 9,6 Prozent im letzten Jahr. Das bereinigte Ebitda — HENSOLDTs eigene Definition: EBIT vor Abschreibungen, Kaufpreisallokationen und Sonderposten — wächst dabei zweistellig: 329 Millionen (2023), 405 Millionen (2024), 452 Millionen Euro (2025), ein Plus von 11,7 Prozent; die Marge kletterte von 18,1 auf 18,4 Prozent.

Balkendiagramm: Umsatz von HENSOLDT steigt 2023 bis 2025 von 1.847 über 2.240 auf 2.455 Millionen Euro, bereinigtes Ebitda von 329 über 405 auf 452 Millionen Euro.
Beide Kennzahlen legen 2023 bis 2025 in jedem Jahr zu: Umsatz plus 9,6 Prozent, bereinigtes Ebitda plus 11,7 Prozent im letzten Jahr. Quelle: Geschäftsbericht 2025; 2023 aus der Pressemitteilung zum Geschäftsjahr 2023. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Noch eindrucksvoller ist die Auftragslage. Der Auftragseingang sprang 2025 um 62,2 Prozent auf 4.710 Millionen Euro (2024: 2.904 Millionen), das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-bill) stieg von 1,3 auf 1,9 — vor allem, weil das Optronics-Segment im vierten Quartal 2025 milliardenschwere Aufträge zur Ausrüstung der Schützenpanzer Puma und Leopard 2 einsammelte. Der daraus resultierende Auftragsbestand wuchs von 5.530 Millionen Euro (Ende 2023) über 6.644 Millionen (Ende 2024) auf 8.833 Millionen Euro (Ende 2025, plus 32,9 Prozent) — und legte allein im ersten Quartal 2026 auf 9.801 Millionen Euro zu, bei einem Book-to-bill von 3,0.

Liniendiagramm: Auftragsbestand von HENSOLDT steigt von 5.530 Millionen Euro (Ende 2023) über 6.644 (Ende 2024) und 8.833 Millionen Euro (Ende 2025) auf 9.801 Millionen Euro (Q1 2026).
Von 5,5 auf 9,8 Milliarden Euro in neun Quartalen. Quelle: Geschäftsbericht 2025, Quartalsmitteilung zum 31.03.2026, Pressemitteilung zum Geschäftsjahr 2023. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das erste Quartal 2026 bestätigt den Trend beim Umsatz und beim bereinigten Ebitda, nicht aber beim ausgewiesenen Ergebnis: Umsatz 496 Millionen Euro (plus 25,4 Prozent gegenüber 395 Millionen im Vorjahresquartal), bereinigtes Ebitda 44 Millionen (plus 46,7 Prozent) — aber ein negatives Konzernergebnis von 20 Millionen Euro (Vorjahresquartal: minus 31 Millionen). Das ist bei HENSOLDT saisonal normal: Das erste Quartal ist traditionell das schwächste, weil Rechnungsstellung und Zahlungseingänge stark auf das Jahresende konzentriert sind — kein Ausreißer also, aber auch keine Gerade nach oben, wie sie ein Rückblick auf 2025 suggerieren könnte. Wo genau die Kurve seither Knicke bekommt, zeigen die folgenden drei unbequemen Wahrheiten.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Zwei Drittel des Umsatzes hängen an einem einzigen Kunden — dem eigenen Staat

HENSOLDT verkauft an viele Streitkräfte weltweit — aber die Gewichtung ist alles andere als ausgeglichen. Der Geschäftsbericht 2025 benennt es unverblümt:

„In fiscal year 2025, HENSOLDT generated around two thirds of its revenue in its home market of Germany.“

Übersetzung: „Im Geschäftsjahr 2025 erzielte HENSOLDT rund zwei Drittel seines Umsatzes im Heimatmarkt Deutschland.“

— HENSOLDT AG, Geschäftsbericht 2025, Konzernlagebericht Abschnitt I.1 „Geschäftsmodell“, Seite 24

Markierter Ausschnitt aus dem HENSOLDT-Geschäftsbericht 2025: Im Geschäftsjahr 2025 erzielte HENSOLDT rund zwei Drittel seines Umsatzes im Heimatmarkt Deutschland.
Die markierte Stelle im Original: zwei Drittel Umsatzanteil Deutschland. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (hensoldt.net), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rund ein weiteres Viertel des Umsatzes 2025 kam aus anderen EU- und NATO-Ländern sowie NATO-äquivalenten Staaten wie Australien und der Schweiz — auch dort hängt jeder Auftrag an denselben Mechanismen: parlamentarische Genehmigungen, Exportkontrollen, Verteidigungshaushalte. Übersetzt in ein Alltagsbild: Wenn dein Nachbar erzählt, sein Handwerksbetrieb laufe blendend, aber zwei Drittel des Umsatzes kämen von einem einzigen Auftraggeber, der jedes Jahr neu über sein Budget entscheidet — würdest du kurz schlucken? Genau das ist die Struktur hinter dem Rekord-Auftragsbestand: Er ist real, geprüft, werthaltig — aber er hängt überwiegend an einer einzigen politischen Entscheidung, dem deutschen Verteidigungshaushalt.

Dass dieses Risiko nicht nur theoretisch ist, zeigte sich mitten in der Zeit zwischen dem letzten Quartalsbericht und dieser Analyse: Am 30. Juni 2026 teilte HENSOLDT mit, dass das Bundesverteidigungsministerium das Fregattenprogramm F126 gekündigt und stattdessen eine Beschaffung des Typs MEKO A-200 angestoßen hat (vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags). HENSOLDT lieferte für F126 das Marineradar TRS-4D — laut eigener Mitteilung ein Vertrag mit einem Volumen von mehr als 200 Millionen Euro, wovon laut HENSOLDT zum Kündigungszeitpunkt bereits mehr als ein Drittel umsatzwirksam realisiert war. Vorstandschef Oliver Dörre kommentierte, man kläre die vertragliche Abwicklung gemeinsam mit dem Vertragspartner Thales Netherlands und erwarte für das laufende Geschäftsjahr 2026 aus dem Programm weiterhin Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich — nach eigener Aussage ohne Folgen für die kurz- oder mittelfristige Prognose, auch weil dasselbe TRS-4D-Radar bereits auf der Fregatte F125, der Korvette K130 und international auf brasilianischen Tamandaré-Fregatten im Einsatz ist. Die Größenordnung dieses einen Auftrags bleibt überschaubar gegenüber einem Auftragsbestand von 9,8 Milliarden Euro — aber als Beleg dafür, dass selbst ein jahrelang laufendes, bereits Umsatz generierendes Programm mit einer einzigen Regierungsentscheidung enden kann, ist der Fall lehrreich.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der ausgewiesene Gewinn sinkt, während Umsatz und bereinigtes Ebitda wachsen

Hier wird es zahlentechnisch interessant. Während Umsatz (plus 9,6 Prozent) und bereinigtes Ebitda (plus 11,7 Prozent) 2025 beide zulegten, sank das IFRS-Konzernergebnis, das den Anteilseignern der HENSOLDT AG zuzurechnen ist, von 108 auf 89 Millionen Euro — ein Rückgang von 17,6 Prozent. Das Ergebnis je Aktie fiel entsprechend von 0,93 auf 0,77 Euro (minus 17,8 Prozent). Der Grund liegt zwischen bereinigtem Ebitda und Konzernergebnis: Abschreibungen und Amortisation stiegen 2025 auf 181 Millionen Euro (Vorjahr 163 Millionen) — unter anderem, weil HENSOLDT für den neuen Standort in Oberkochen erstmals Nutzungsrechte nach IFRS 16 in der Bilanz aktivieren musste. Das Finanzergebnis verschlechterte sich von minus 68 auf minus 94 Millionen Euro, vor allem wegen höherer Zinsaufwendungen aus genau diesen neuen Leasingverhältnissen sowie aus Wechselkurseffekten. Und die Steuerlast stieg von 12 auf 41 Millionen Euro, weil in Deutschland Verlustvorträge aufgebraucht wurden, die das Vorjahresergebnis noch entlastet hatten.

Für dich als Anleger heißt das: Wer die Aktie allein über das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des ausgewiesenen Ergebnisses bewertet, sieht eine sehr teure Aktie — bei einem Kurs von 79,80 Euro (24. Juli 2026) und 0,77 Euro Ergebnis je Aktie ergibt sich ein KGV von rund 104. Das ist branchenüblich für Rüstungselektronik mit hohen Investitionen und wachsenden Leasingverhältnissen, aber es ist trotzdem ein KGV, bei dem ein einzelnes Wackeljahr beim Ergebnis überproportional auf die Bewertung durchschlägt. Merke dir das Bild: Ein Konzern kann operativ schneller wachsen, als sein ausgewiesener Gewinn es zeigt — aber das Gegenteil gilt auch: Ein einzelnes Jahr mit hohen Abschreibungen oder Steuern kann den Gewinn drücken, ohne dass am Geschäft selbst etwas Schlechtes passiert ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der freie Cashflow ist im ersten Quartal 2026 wieder tief ins Minus gerutscht

Auch bei der Kasse zeigt der Blick übers Jahr hinaus einen Bruch, den ein Rückblick auf 2025 nicht zeigen konnte. Fürs Gesamtjahr 2025 lief operativ noch alles rund: Der bereinigte freie Cashflow stieg um 39,3 Prozent auf 347 Millionen Euro, die Zahlungsmittel wuchsen von 733 auf 933 Millionen Euro. Doch im ersten Quartal 2026 kippte das Bild — die Quartalsmitteilung benennt es direkt:

„… cash and cash equivalents decreased as a result of negative free cash flow of €115 million, which was due in particular to cash outflows for investments in intangible assets, in property, plant and equipment as well as in working capital, and the settlement of VAT liabilities resulting from the high revenue volume in the fourth quarter of 2025.“

Übersetzung: „… die Zahlungsmittel sanken infolge eines negativen freien Cashflows von 115 Millionen Euro, was insbesondere auf Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen sowie ins Working Capital zurückzuführen war, dazu die Begleichung von Umsatzsteuerverbindlichkeiten aus dem hohen Umsatzvolumen im vierten Quartal 2025.“

— HENSOLDT AG, Quartalsmitteilung zum 31.03.2026, Seite 7

Markierter Ausschnitt aus der HENSOLDT-Quartalsmitteilung zum 31.03.2026: Die Zahlungsmittel sanken infolge eines negativen freien Cashflows von 115 Millionen Euro.
Die markierte Stelle im Original: minus 115 Millionen Euro freier Cashflow im ersten Quartal 2026. Quelle: Quartalsmitteilung zum 31.03.2026, Seite 7 (investors.hensoldt.net), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlungsmittel fielen dadurch von 933 auf 820 Millionen Euro (minus 12,1 Prozent) — eine Verbesserung gegenüber dem noch schwächeren Vorjahresquartal (freier Cashflow minus 134 Millionen), aber eben kein positiver Cashflow. Rechnet man die Finanzierungs- und Leasingverbindlichkeiten zusammen und zieht die Zahlungsmittel ab — eine breitere Betrachtung als die im Konzernanhang ausgewiesene „Netto-Finanzverschuldung“ von 297 Millionen Euro (31.12.2025, ohne Leasing; 2024: 447 Millionen) —, ergibt sich diese Kennzahl inklusive Leasingverbindlichkeiten zu 701 Millionen Euro zum 31. Dezember 2025 und bereits zu 833 Millionen Euro zum 31. März 2026. Das ist ein Anstieg von 132 Millionen Euro in einem einzigen Quartal — während der Auftragseingang im selben Quartal einen Rekord aufstellte. Beides ist wahr, und beides gehört zusammen in dieselbe Analyse: Ein wachsendes Rüstungsgeschäft frisst zunächst Kasse, weil Vorleistungen, Lagerbestände und Investitionen dem Auftragswachstum vorauslaufen — Umsätze und Zahlungseingänge kommen erst mit Verzug hinterher. Ob das im zweiten Quartal 2026 kippt, zeigt frühestens der Halbjahresbericht am 31. Juli 2026.

Bewertung: zwischen 62 und 94 Euro — und ein Drittel unter dem eigenen Hoch

Jetzt zurück zur Kursspanne aus dem Börsenbrief. „Kursgewinne zwischen 100 und 300 Prozent“ im Jahr 2025 — stimmt das? Ja, und der Geschäftsbericht selbst liefert die Zahlen dazu, die im November 2025 noch nicht feststanden:

„… at one point reaching a new all-time high of €117.70. At the end of 2025, the shares were trading at €73.40, 112.8% above the €34.50 share price at the end of the previous year.“

Übersetzung: „… die Aktie erreichte zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch von 117,70 Euro. Zum Jahresende 2025 wurde die Aktie bei 73,40 Euro gehandelt, 112,8 Prozent über dem Schlusskurs von 34,50 Euro zum Ende des Vorjahres.“

— HENSOLDT AG, Geschäftsbericht 2025, Kapitel „HENSOLDT on the Capital Market“, Seite 11

Markierter Ausschnitt aus dem HENSOLDT-Geschäftsbericht 2025: Allzeithoch 117,70 Euro, Jahresschlusskurs 73,40 Euro, ein Plus von 112,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresschluss von 34,50 Euro.
Die markierte Stelle im Original: Allzeithoch 117,70 Euro, Jahresschluss 73,40 Euro. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (hensoldt.net), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die 100-bis-300-Prozent-Spanne aus dem Brief trifft es damit gut: 112,8 Prozent bis zum Jahresschluss, zwischenzeitlich laut Geschäftsbericht sogar „über 200 Prozent“ bis zum Allzeithoch von 117,70 Euro am 6. Oktober 2025 — getrieben vom deutschen Verteidigungshaushalt 2025 und der Aussicht auf das NATO-Ziel von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben bis 2029. Genau das ist aber der Teil, den ein Rückblick auf „2025“ nicht zeigen kann: Seit jenem Allzeithoch im Oktober ist der Kurs wieder gefallen — über eine Korrektur ab Mitte Oktober, verstärkt durch die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg im November, bis zu einem 52-Wochen-Tief von 63,12 Euro am 26. Juni 2026. Am 24. Juli 2026 steht die Aktie bei 79,80 Euro — rund ein Drittel unter ihrem eigenen Allzeithoch, auch wenn das rund 8,7 Prozent über dem Schlusskurs von Ende 2025 liegt und die Marktkapitalisierung mit rund 9,22 Milliarden Euro weiterhin überdurchschnittlich hoch ist.

Bei den Analysten herrscht inzwischen deutliche Uneinigkeit statt Konsens. Zum Jahresende 2025 sahen 16 im Geschäftsbericht genannte Bankhäuser das Kursziel im Schnitt bei 88,44 Euro (4 „Buy“, 9 „Hold“, 3 „Underweight“/"Sell") — ein rechnerisches Potenzial von 20,5 Prozent gegenüber dem damaligen Kurs. Mitte Juli 2026 ist die Spanne noch breiter geworden: Jefferies (Chloe Lemarie) bestätigte am 10. Juli 2026 die Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 90 auf 94 Euro an, mit Verweis auf HENSOLDTs Positionierung genau dort, wo moderne Kriegsführung heute stattfindet. Einen Tag zuvor, am 9. Juli 2026, stufte mwb Research die Aktie dagegen von „Halten“ auf „Verkaufen“ herab, Kursziel 62 Euro — mit der Sorge, NATO-Budgets verschöben sich von klassischer Landtechnik hin zu Luftverteidigung und Drohnenabwehr. Zwischen 62 und 94 Euro liegt fast das gesamte aktuelle Kursniveau der Aktie — ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich professionelle Beobachter dieselben Zahlen gerade lesen. Auf Basis des bereinigten Ebitda 2025 (452 Millionen Euro) und der um Leasingverbindlichkeiten erweiterten Netto-Finanzverschuldung von 701 Millionen Euro (31.12.2025) ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 9,9 Milliarden Euro und ein EV/Ebitda von rund 22 — eine Größenordnung, die strukturelles Wachstum einpreist, aber wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für HENSOLDT spricht:

  • Strukturelles Rückenwind-Thema: Auftragseingang 2025 plus 62,2 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro, Auftragsbestand von 5,53 (Ende 2023) auf 9,80 Milliarden Euro (31.3.2026) fast verdoppelt — getragen vom deutschen und europäischen Verteidigungshaushalt sowie dem NATO-3,5-Prozent-Ziel bis 2029.
  • Umsatz und bereinigtes Ebitda wachsen seit Jahren (2025: plus 9,6 beziehungsweise plus 11,7 Prozent, Letzteres zweistellig), die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich zusätzlich im margenschwächeren Optronics-Segment von 6,9 auf 13,8 Prozent.
  • Solide Kapitalausstattung: 933 Millionen Euro Zahlungsmittel zum Jahresende 2025, Dividende für 2025 um 10 Prozent auf 0,55 Euro je Aktie erhöht und mit 99,99 Prozent auf der Hauptversammlung am 22. Mai 2026 gebilligt.
  • Breite institutionelle Verankerung: Der Bund (über die KfW) und Leonardo S.p.A. halten zusammen fast die Hälfte der Aktien, dazu MDAX-Mitgliedschaft seit 2023 mit entsprechend breiter Analystenabdeckung (16 Häuser).
  • Wachsende Softwarekomponente (MDOcore) und Kapazitätsausbau: Der neue, rund 300 Millionen Euro teure Optronics-Campus in Oberkochen (eröffnet 23. Juli 2026, Kapazität für rund 900 Beschäftigte) erweitert die Optronics-Fertigung; im Segment Sensors hat HENSOLDT die Fertigungskapazität für TRML-4D- und Spexer-Radare gegenüber 2021 bereits auf das 8,5- beziehungsweise 6,3-Fache ausgebaut.

Was dagegen spricht:

  • Zwei Drittel des Umsatzes 2025 hängen am deutschen Heimatmarkt, ein weiteres Viertel an anderen EU-/NATO-Staaten — die Kündigung des F126-Fregattenprogramms im Juni 2026 zeigt, dass selbst laufende, umsatzwirksame Aufträge an einer einzigen politischen Entscheidung enden können.
  • Das ausgewiesene Konzernergebnis sank 2025 um 17,6 Prozent auf 89 Millionen Euro, obwohl Umsatz (plus 9,6 Prozent) und bereinigtes Ebitda (plus 11,7 Prozent) zulegten — bei einem KGV von rund 104 auf dieser Basis reagiert die Bewertung empfindlich auf Ergebnisschwankungen.
  • Der freie Cashflow ist im ersten Quartal 2026 erneut deutlich negativ (minus 115 Millionen Euro), die um Leasingverbindlichkeiten erweiterte Netto-Finanzverschuldung stieg binnen einem Quartal von 701 auf 833 Millionen Euro.
  • Der Aktienkurs liegt trotz Rekord-Auftragsbestand rund ein Drittel unter seinem Allzeithoch vom Oktober 2025, und die Analystenmeinungen laufen mit Kurszielen zwischen 62 und 94 Euro (Stand Juli 2026) weiter auseinander als üblich.
  • Die Eigenkapitalquote liegt mit rund 18,5 Prozent (31.12.2025) im Branchenvergleich eher niedrig, auch wenn keine Covenant-Verletzung oder Liquiditätsengpässe erkennbar sind.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Rückspiegel-Falle vom Anfang. Der Börsenbrief hatte mit seiner Kursspanne nicht unrecht — 112,8 Prozent bis zum Jahresschluss 2025, zwischenzeitlich über 200 Prozent bis zum Allzeithoch, das trifft „100 bis 300 Prozent“ ziemlich genau. Was im Rückblick auf ein einzelnes Jahr aber naturgemäß fehlt, ist alles, was seither passiert ist: eine Aktie, die ein Drittel ihres Allzeithochs wieder abgegeben hat, ein ausgewiesenes Ergebnis, das trotz wachsendem Kerngeschäft sank, ein freier Cashflow, der im ersten Quartal 2026 erneut ins Minus rutschte, und ein gekündigtes Fregattenprogramm als Erinnerung daran, woran zwei Drittel dieses Geschäfts hängen. Nichts davon widerlegt die Wachstumsgeschichte — der Auftragsbestand von 9,8 Milliarden Euro ist so real wie der Kursgewinn von 2025. Aber ein Blick in den Rückspiegel zeigt eben nur, wie schnell du gefahren bist, nicht, was um die nächste Kurve kommt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in HENSOLDT-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Wachstum und Auftragslage positiv
Umsatz 2025 plus 9,6 Prozent auf 2.455 Millionen Euro, bereinigtes Ebitda plus 11,7 Prozent auf 452 Millionen. Der Auftragsbestand hat sich von 5.530 Millionen Euro (Ende 2023) auf 9.801 Millionen Euro (31. März 2026) fast verdoppelt, getragen vom deutschen und europäischen Verteidigungshaushalt.
Ergebnisqualität negativ
Das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis sank 2025 um 17,6 Prozent auf 89 Millionen Euro, obwohl Umsatz (plus 9,6 Prozent) und bereinigtes Ebitda (plus 11,7 Prozent) zulegten — wegen höherer Abschreibungen (neue IFRS-16-Nutzungsrechte Oberkochen), höherem Finanzaufwand und einer verdreifachten Steuerlast. Das KGV auf dieser Basis liegt bei rund 104.
Cashflow und Bilanz negativ
Der freie Cashflow rutschte im ersten Quartal 2026 erneut auf minus 115 Millionen Euro, die um Leasingverbindlichkeiten erweiterte Netto-Finanzverschuldung stieg binnen einem Quartal von 701 auf 833 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt mit rund 18,5 Prozent (31.12.2025) eher niedrig, wenn auch ohne erkennbare Covenant- oder Liquiditätsprobleme.
Kundenkonzentration neutral
Rund zwei Drittel des Umsatzes 2025 entfielen auf den deutschen Heimatmarkt. Die Kündigung des F126-Fregattenprogramms am 30. Juni 2026 (Vertragswert über 200 Millionen Euro, davon laut HENSOLDT bereits mehr als ein Drittel umsatzwirksam) zeigt, dass dieses Risiko real ist — der finanzielle Effekt bleibt laut Unternehmen aber überschaubar.
Kursentwicklung und Bewertung neutral
Die Aktie steht am 24. Juli 2026 bei 79,80 Euro, rund ein Drittel unter dem Allzeithoch vom 6. Oktober 2025 (117,70 Euro). Analysten sind uneins: Jefferies hob das Kursziel am 10. Juli 2026 auf 94 Euro an, mwb Research senkte es einen Tag zuvor auf 62 Euro.
Eigentümerstruktur positiv
Der Bund (über die KfW) und Leonardo S.p.A. halten zusammen 47,9 Prozent der Aktien, der Streubesitz liegt bei 52,1 Prozent (31.12.2025). MDAX-Mitgliedschaft seit 2023 sorgt für breite institutionelle Abdeckung und Liquidität.

HENSOLDT liefert operativ, was ein Rüstungselektronik-Wachstumswert liefern soll: Der Umsatz wächst mit 9,6 Prozent solide, bereinigtes Ebitda und Auftragsbestand legen zweistellig bis fast verdoppelt zu. Doch das ausgewiesene Konzernergebnis sank 2025 um 17,6 Prozent, der freie Cashflow ist im ersten Quartal 2026 wieder tief negativ, und die Aktie steht trotz Rekord-Auftragsbestand ein Drittel unter ihrem eigenen Allzeithoch vom Oktober 2025. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage — die Kasse ist mit 820 Millionen Euro Zahlungsmitteln (31.03.2026) gut gefüllt, es liegt kein Going-Concern-Hinweis, keine Covenant-Verletzung und keine negative Eigenkapitalsituation vor. Gelb steht, weil mehrere operative Fragen offen sind, die ein Rückblick auf die Kursgewinne von 2025 nicht zeigt: Erstens sinkt das ausgewiesene Konzernergebnis trotz wachsendem Kerngeschäft, weil Abschreibungen, Finanzaufwand und Steuerlast schneller zulegen als der operative Gewinn. Zweitens ist der freie Cashflow im ersten Quartal 2026 erneut tief negativ, und die um Leasingverbindlichkeiten erweiterte Netto-Finanzverschuldung wächst, während der Markt vor allem auf den Rekord-Auftragsbestand schaut. Drittens hängen zwei Drittel des Umsatzes an einer einzigen politischen Entscheidung — dem deutschen Verteidigungshaushalt —, und die Kündigung des F126-Programms im Juni 2026 zeigt, dass dieses Risiko real ist, auch wenn der finanzielle Effekt diesmal überschaubar blieb. Das Geschäftsmodell selbst (herstellerunabhängige Sensorik für ein strukturell wachsendes Verteidigungsbudget, Rekord-Auftragsbestand von 9,8 Milliarden Euro) trägt erkennbar. Ob die Ergebnis- und Cashflow-Fragen sich im weiteren Jahresverlauf auflösen, zeigt frühestens der Halbjahresbericht am 31. Juli 2026.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger dieser Analyse ist Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH, Freiburg), der HENSOLDT nur im redaktionellen Rückblick auf Seite 1 nennt („Kursgewinne zwischen 100 und 300 Prozent“ im Jahr 2025) — keine Unternehmenszahl, kein Kursziel. Der Brief weist auf Seite 8 standardmäßig darauf hin, dass Verlag, Autor oder nahestehende Dritte Longpositionen in besprochenen Werten eingegangen sein können und diese bei steigenden Kursen veräußern wollen (Marktmissbrauchsverordnung EU Nr. 596/2014).
  • Alle Unternehmenszahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 26. März 2026) und der Quartalsmitteilung zum 31. März 2026 (6. Mai 2026), nicht aus dem Börsenbrief. Datenstand der Kurs- und Bewertungskennzahlen sowie der Analystenmeldungen: 26. Juli 2026.
  • Verwechslungsgefahr: Das in dieser Analyse verwendete Kürzel HAG.DE ist eine schlichte Kurzschreibweise für „HENSOLDT, notiert in Deutschland“ — kein amtlicher Börsenplatz-Code. Gehandelt wird die Aktie unter Xetra: HAG sowie an Tradegate, Frankfurt und Gettex.

Häufige Fragen

HENSOLDT AG aus Taufkirchen bei München entwickelt und produziert elektronische Sensorlösungen für Verteidigung und Sicherheit: Radar, elektronische Kampfführung, Avionik und Optronik. Das Unternehmen ist herstellerunabhängiger Systemintegrator für Kampfjets, Schiffe, Panzerfahrzeuge und Satelliten und beschäftigte zum 31. Dezember 2025 rund 9.362 Menschen in den zwei Segmenten Sensors und Optronics.

HENSOLDT notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse, nicht in den USA — es gibt kein 10-K, kein 10-Q, keine SEC-Registrierung. Pflicht sind ein testierter IFRS-Jahresbericht, ein Halbjahresbericht und kurze, ungeprüfte Quartalsmitteilungen. Diese Analyse stützt sich auf den Geschäftsbericht 2025 und die Quartalsmitteilung zum 31. März 2026.

Die Aktie erreichte am 6. Oktober 2025 ein Allzeithoch von 117,70 Euro, getrieben vom deutschen Verteidigungshaushalt. Seither korrigierte der Kurs — verstärkt durch Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg — bis auf ein 52-Wochen-Tief von 63,12 Euro am 26. Juni 2026. Am 24. Juli 2026 steht die Aktie bei 79,80 Euro, rund ein Drittel unter dem Hoch.

Rund zwei Drittel des Umsatzes 2025 entfielen laut Geschäftsbericht auf den Heimatmarkt Deutschland, ein weiteres Viertel auf andere EU-/NATO-Länder. Der Auftragsbestand von 8,83 Milliarden Euro (Ende 2025) hängt damit überwiegend an einer einzigen politischen Entscheidung: dem deutschen Verteidigungshaushalt und seiner mittelfristigen Planung.

Das Bundesverteidigungsministerium kündigte das F126-Programm am 30. Juni 2026 und beschafft stattdessen Fregatten des Typs MEKO A-200. HENSOLDTs Vertrag für das Marineradar TRS-4D hatte ein Volumen von mehr als 200 Millionen Euro, wovon laut HENSOLDT bereits mehr als ein Drittel umsatzwirksam war. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet HENSOLDT aus dem Programm weiterhin Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, ohne Folgen für die Prognose.

Ja. Für das Geschäftsjahr 2025 beschloss die Hauptversammlung am 22. Mai 2026 mit 99,99 Prozent Zustimmung eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie (Vorjahr 0,50 Euro), insgesamt rund 63,5 Millionen Euro. Bei einem Kurs von 79,80 Euro entspricht das einer Dividendenrendite von rund 0,7 Prozent.

Auf Basis des Ergebnisses je Aktie 2025 (0,77 Euro) und eines Kurses von 79,80 Euro ergibt sich ein KGV von rund 104 — hoch, auch weil das ausgewiesene Ergebnis 2025 um 17,6 Prozent sank. Auf Basis des bereinigten Ebitda liegt der Unternehmenswert beim rund 22-Fachen, eine für strukturelles Wachstum übliche, aber nicht günstige Größenordnung.

Zum 31. Dezember 2025 hielt die Bundesrepublik Deutschland über die KfW 25,1 Prozent der Aktien, Leonardo S.p.A. aus Italien 22,8 Prozent. Der Streubesitz lag bei 52,1 Prozent. HENSOLDT ist seit Juni 2022 im TecDAX und seit März 2023 im MDAX gelistet.

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