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Nokia weist für dasselbe Quartal einen Verlust und ein Ergebnisplus von 18 Prozent aus — beides stimmt

Nokia weist für dasselbe Quartal einen Verlust und ein Ergebnisplus von 18 Prozent aus — beides stimmt

Ein Börsenbrief feierte Nokia im November 2025 als „Basisposition im europäischen KI-Zyklus“ mit einem 2028-Ziel von 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro operativem Ergebnis. Wir haben nachgelesen, was der Netzwerkausrüster der US-Börsenaufsicht SEC tatsächlich gemeldet hat: Fürs zweite Quartal 2026 einen ausgewiesenen operativen Verlust von 50 Millionen Euro — und im selben Bericht ein „comparable“ Ergebnis von 434 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent. Dazu eine Kapitalerhöhung über 1 Milliarde US-Dollar von Nvidia, eine Umstrukturierung in zwei Hauptsegmente und Restrukturierungskosten, die 2026 auf 800 Millionen Euro steigen sollen. Keine Anlageberatung — nur zwei Zahlen für ein und dasselbe Quartal, beide aus demselben Bericht.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 17 Min. Lesezeit
Nokia weist für dasselbe Quartal einen Verlust und ein Ergebnisplus von 18 Prozent aus — beides stimmt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet gut informierte Leser trifft — weil sie sich wie Wissen anfühlt: der Ankereffekt. Jemand nennt dir zuerst eine große, runde Zahl — „2,7 bis 3,2 Milliarden Euro bis 2028“ — und von da an misst dein Kopf jede neue Nachricht an diesem Anker, nicht an dem, was gerade wirklich passiert. Genau das liefert ein Börsenbrief, der uns diese Analyse eingebracht hat: „HOT STOCKS EUROPE“ Nr. 24 vom 28. November 2025 feiert Nokia Oyj als „Basisposition im europäischen KI-Zyklus“ und verweist auf ein neues Konzernziel — mehr dazu gleich. Der Anker sitzt. Was der Brief nicht zeigt: den Bericht, den Nokia neun Wochen später der US-Börsenaufsicht SEC vorlegte. Darin steht für das zweite Quartal 2026 ein ausgewiesener operativer Verlust von 50 Millionen Euro — im selben Bericht, in derselben Tabelle, direkt daneben ein „comparable“ Ergebnis von 434 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent. Machen wir also einen Deal: Bevor du dich auf den 2028er-Anker verlässt, lesen wir gemeinsam Nokias eigene SEC-Berichte — den Jahresbericht (Form 20-F) für 2025 und den Bericht (Form 6-K) für das zweite Quartal und erste Halbjahr 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst, welchem der beiden Ergebnisse du mehr vertraust.

Was Nokia eigentlich macht — vom Handy-Riesen zum Netzwerkausrüster für den KI-Superzyklus

Nokia Oyj aus Espoo, Finnland, beschäftigte im Schnitt des Jahres 2025 rund 78.005 Menschen in rund 130 Ländern und meldet der US-Börsenaufsicht als „Foreign Private Issuer“ — Jahresbericht Form 20-F, unterjährig Form 6-K, kein 10-K und kein 10-Q, weil das US-Recht diese Formulare nur inländischen Emittenten vorschreibt. Übersetzt in ein Alltagsbild: Nokia baut nicht mehr in erster Linie die Handys, mit denen die Firma vor 20 Jahren berühmt wurde (dieses Geschäft ist längst verkauft), sondern die Infrastruktur dahinter — die Technik, die Daten durch Glasfaser, Mobilfunkmasten und Rechenzentren schickt. Seit dem 1. Januar 2026 hat Nokia diese Aktivitäten in zwei Hauptsegmente gebündelt: Netzwerkinfrastruktur (Optical Networks, IP Networks, Fixed Networks — geführt von David Heard), positioniert für den Ausbau von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz, und Mobilfunkinfrastruktur (Kernnetz-, Funknetz- und Lizenztechnologie, bislang von CEO Justin Hotard mitgeführt; ab 1. September 2026 übernimmt die neue Präsidentin Emma Falck, zuvor Siemens). Daneben führt der aktuelle Quartalsbericht noch ein kleineres drittes Segment, Portfolio-Geschäfte — im Wesentlichen die Reste, die gerade abgestoßen werden (dazu gleich mehr). Bis 2025 firmierte die Struktur noch anders: vier Segmente (Netzwerkinfrastruktur, Cloud and Network Services, Mobile Networks, Nokia Technologies). CEO ist seit dem 1. April 2025 Justin Hotard, der Pekka Lundmark ablöste. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Nokia zeigt dir für dasselbe Quartal zwei Versionen seiner Zahlen — eine „ausgewiesene“ nach IFRS und eine „comparable“, die Sondereffekte herausrechnet — und beide sind wahr, nur für unterschiedliche Fragen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — der Börsenbrief und die gemessene Wirklichkeit

Diese Analyse kam nicht über unseren hauseigenen Aktien-Scanner auf den Tisch, sondern über einen Leserhinweis: die Ausgabe Nr. 24 von „HOT STOCKS EUROPE“ vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH, Freiburg i. Br., Autor Michael Calivas), acht Seiten, zweimal monatlich erscheinend. Der Brief schreibt wörtlich über Nokia:

„NOKIA hat dem Markt eine schlankere, KI-optimierte Unternehmensvision bis 2028 in Aussicht gestellt und will so den operativen Gewinn auf eine Spanne von etwa EUR 2,7 Mrd. bis EUR 3,2 Mrd. um bis zu 60 % steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, wird NOKIA seine Struktur ab 2026 auf zwei Hauptgeschäftssegmente konzentrieren und sich künftig neben Mobilfunknetzen auch auf Netzwerkinfrastruktur für Rechenzentren rund um Künstliche Intelligenz fokussieren. […] NOKIA wird zunehmend mit Kunden zusammenarbeiten, die immer mehr wie Hyperscaler und weniger wie traditionelle Telekommunikationsunternehmen arbeiten, und gehört zu den Basispositionen im europäischen KI-Zyklus!“

— „HOT STOCKS EUROPE“, Nr. 24 vom 28. November 2025, Seite 2

Das ist die Erwartung eines Dritten vom 28. November 2025 — keine Unternehmenszahl, sondern eine Einordnung, die wir jetzt gegen das messen, was Nokia selbst der SEC gemeldet hat. Und die Überraschung: In diesem Fall stimmt die Kernaussage. Neun Tage vor der Ausgabe, am 19. November 2025, hatte Nokia auf einem Kapitalmarkttag tatsächlich genau dieses Ziel verkündet — dokumentiert in einem eigenen Bericht (Form 6-K) an die SEC:

„Nokia is introducing a new long-term financial target to achieve comparable operating profit of EUR 2.7 billion to EUR 3.2 billion by 2028, an increase from the EUR 2.0 billion generated in the last 12 months (Q4'24-Q3'25).“

Übersetzung: „Nokia führt ein neues langfristiges Finanzziel ein: ein vergleichbares operatives Ergebnis von 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro bis 2028 — ein Anstieg gegenüber den 2,0 Milliarden Euro der vergangenen zwölf Monate (viertes Quartal 2024 bis drittes Quartal 2025).“

— Nokia Corporation, Form 6-K, Capital Markets Day, 19. November 2025

Markierter Textausschnitt aus Nokias SEC-Bericht 6-K zum Kapitalmarkttag vom 19. November 2025: neues langfristiges Ziel von 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro comparable operativem Ergebnis bis 2028, ein Anstieg von 2,0 Milliarden Euro in den vorangegangenen zwölf Monaten.
Die markierte Stelle im Original: das 2028-Ziel, wie Nokia es der SEC meldete — neun Tage bevor der Börsenbrief es zitierte. Quelle: SEC-Bericht 6-K, Kapitalmarkttag 19.11.2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch der zweite Teil der Brief-Aussage trifft zu: Die Umstrukturierung auf zwei Hauptsegmente ist zum 1. Januar 2026 tatsächlich in Kraft getreten, und die „Trennung von schlecht laufenden Geschäftsteilen“ läuft bereits — dazu gleich mehr im Kapitel über die unbequemen Wahrheiten. Was der Brief nicht sagen konnte, weil er acht Monate vor unserem Redaktionsschluss erschien: wie teuer diese Transformation im aktuellsten Bericht bereits aussieht. Der Interessenkonflikt-Hinweis des Briefes gehört zur Fairness dazu — auf Seite 8 räumt der Verlag ein, dass Verlag, Autor oder nahestehende Dritte Longpositionen in besprochenen Werten halten und beabsichtigen können, bei steigenden Kursen zu verkaufen (Marktmissbrauchsverordnung EU Nr. 596/2014). Das macht die Zahlen des Briefes nicht falsch — aber es ist ein Grund mehr, sie nicht ungeprüft zu übernehmen.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für Nokia spricht. Der Nettoumsatz lag 2025 bei 19.889 Mio. Euro (2024: 19.220 Mio., 2023: 21.138 Mio.) — nach zwei mageren Jahren wieder leicht wachsend. Die Forschungsausgaben stiegen auf 4.855 Mio. Euro (24,4 % vom Umsatz), ungewöhnlich hoch für einen Ausrüster dieser Größe und ein Hinweis, wie viel Nokia in die nächste Technologiegeneration steckt. Im zweiten Quartal 2026 zeigt sich, wo das Wachstum konkret herkommt: Der Nettoumsatz stieg um 8 Prozent auf 4.815 Mio. Euro (währungsbereinigt +9 %), getragen vom Segment Netzwerkinfrastruktur, das um 12 Prozent auf 2.037 Mio. Euro zulegte — angetrieben von Optical Networks (+20 %) und IP Networks (+16 %), beides direkt an die Rechenzentrums- und KI-Nachfrage gekoppelt.

Gruppiertes Balkendiagramm des Nettoumsatzes nach Segmenten im zweiten Quartal: Netzwerkinfrastruktur 1.825 (2025) auf 2.037 Mio. Euro (2026, +12 %); Mobilfunkinfrastruktur 2.531 auf 2.680 Mio. Euro (+6 %); Portfolio-Geschäfte 89 auf 94 Mio. Euro.
Netzwerkinfrastruktur wächst am schnellsten — getragen von Optical- und IP-Networks-Aufträgen rund um KI und Rechenzentren. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Form 6-K, Q2/H1 2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Am deutlichsten zeigt sich die KI-Story im Auftragseingang. CEO Justin Hotard formulierte es im Bericht für das zweite Quartal 2026 so:

„In Q2, our AI & Cloud order intake was EUR 2.8 billion, while sales more than doubled year-on-year. The strength was broad-based, as we secured long-term orders in both Optical Networks and IP Networks. We expect around half of these orders to convert to revenue over the next twelve months.“

Übersetzung: „Im zweiten Quartal lag unser Auftragseingang bei KI & Cloud bei 2,8 Milliarden Euro, während sich der Umsatz im Jahresvergleich mehr als verdoppelte. Die Stärke war breit angelegt, da wir langfristige Aufträge sowohl bei Optical Networks als auch bei IP Networks sichern konnten. Wir erwarten, dass sich rund die Hälfte dieser Aufträge in den nächsten zwölf Monaten in Umsatz umsetzt.“

— Justin Hotard, President & CEO, Form 6-K, Report for Q2 and Half Year 2026, 23.07.2026

Markierter Textausschnitt aus Nokias SEC-Bericht 6-K fürs zweite Quartal 2026: KI-&-Cloud-Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro, Umsatz mehr als verdoppelt, rund die Hälfte der Aufträge wird binnen zwölf Monaten zu Umsatz.
Die markierte Stelle im Original: 2,8 Milliarden Euro Auftragseingang bei KI & Cloud, ein Beleg für die Hyperscaler-These des Börsenbriefs. Quelle: SEC-Bericht 6-K, Q2/H1 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch die Investitionen passen zur Story: Nokia baut seine US-Fertigung für optische Komponenten aus (neues Werk in San Jose, Produktionsstart Ende 2026) und übernimmt zusätzlich den Chandler-Halbleiter-Standort von NXP in Arizona. Und im Oktober/November 2025 holte sich Nokia einen prominenten Ankerinvestor: NVIDIA Corporation — deren eigene Bilanz wir in unserer Nvidia-Aktienanalyse im Detail durchleuchtet haben — zeichnete für 1,0 Mrd. US-Dollar neue Nokia-Aktien im Rahmen einer strategischen KI-Partnerschaft (gemeinsame Entwicklung von „AI-RAN“, also KI-gestützten Mobilfunknetzen, mit Blick auf 6G). Das ist die eine Seite der Medaille — eine echte, wachsende Nachfrage rund um Künstliche Intelligenz. Die andere Seite zeigt sich erst, wenn man den Bericht bis zur Ergebniszeile liest.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ausgewiesener Verlust, „comparable“ Gewinnsprung — beides fürs selbe Quartal

Hier liegt der Kern dieser Analyse. Für das zweite Quartal 2026 meldet Nokia zwei operative Ergebnisse gleichzeitig: nach IFRS einen Verlust von 50 Millionen Euro (Marge −1,0 %, ein Rückgang um 430 Basispunkte gegenüber Vorjahr), und auf „comparable“ Basis einen Gewinn von 434 Millionen Euro (Marge 9,0 %, ein Plus von 70 Basispunkten). Nokia selbst benennt den Grund für die Lücke im selben Absatz:

„Q2 comparable operating margin increased 70bps y-o-y to 9.0%. Reported operating margin declined 430bps to (1.0)% due to a faster pace of restructuring.“

Übersetzung: „Die vergleichbare operative Marge im zweiten Quartal stieg im Jahresvergleich um 70 Basispunkte auf 9,0 Prozent. Die ausgewiesene operative Marge sank um 430 Basispunkte auf (1,0) Prozent, bedingt durch ein schnelleres Restrukturierungstempo.“

— Nokia Corporation, Form 6-K, Report for Q2 and Half Year 2026, 23.07.2026

Markierter Textausschnitt aus Nokias SEC-Bericht 6-K: comparable operative Marge steigt um 70 Basispunkte auf 9,0 Prozent, ausgewiesene operative Marge fällt um 430 Basispunkte auf minus 1,0 Prozent wegen schnelleren Restrukturierungstempos.
Die markierte Stelle im Original: zwei Margen, ein Quartal — die Differenz erklärt Nokia selbst mit „a faster pace of restructuring“. Quelle: SEC-Bericht 6-K, Q2/H1 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir vor, ein Handwerksbetrieb saniert gerade seine Werkstatt — neue Maschinen rein, alte raus, Abfindungen für Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden. Der Umbau kostet in diesem Monat sehr real Geld, das aus der Kasse fließt. Der Meister sagt trotzdem: „Rechnet man den Umbau heraus, verdiene ich mehr als letztes Jahr.“ Das kann sogar stimmen — aber die Kasse selbst zeigt in diesem Monat trotzdem ein Minus. Für Nokia gilt für das Gesamtjahr 2025 dieselbe Rechnung im Großen: 885 Mio. Euro ausgewiesenes operatives Ergebnis stehen 2.024 Mio. Euro „comparable“ gegenüber — eine Lücke von 1.139 Mio. Euro, davon 478 Mio. Restrukturierung, 444 Mio. Abschreibungen auf Zukäufe (überwiegend die 2025 abgeschlossene Infinera-Übernahme) und die restlichen 217 Mio. Euro weitere, kleinteiligere Anpassungen.

Wasserfalldiagramm 2025: ausgewiesenes operatives Ergebnis 885 Millionen Euro, plus 478 Millionen Restrukturierung, plus 444 Millionen Abschreibung auf Zukäufe, plus 217 Millionen weitere Anpassungen, ergibt 2.024 Millionen Euro comparable operatives Ergebnis.
Die Brücke vom ausgewiesenen zum „comparable“ Ergebnis 2025: 1.139 Millionen Euro Anpassungen, davon zwei Drittel Restrukturierung und Abschreibungen auf Zukäufe. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Form 20-F 2025). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Keine der beiden Zahlen ist falsch oder verboten — „comparable operating profit“ ist eine in Europa übliche, offengelegte Kennzahl, und Nokia veröffentlicht die komplette Überleitung im Jahresbericht. Aber sie ist auch die Zahl, an der Nokias eigene Vorstandsvergütung hängt und auf der das 2028-Ziel aus dem Börsenbrief aufbaut. Merke dir das Muster: Wenn eine Firma ihr Zukunftsziel in einer bereinigten Kennzahl formuliert, lohnt sich der Blick, wie groß die Bereinigung im aktuellsten Bericht bereits ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Zwei Aktienzahlen, die nicht dasselbe messen — und eine echte Kapitalerhöhung von Nvidia

Zweite Falle, kleiner, aber tückisch: Nokias eigener Bericht nennt für das zweite Quartal 2026 zwei unterschiedliche Aktienzahlen, die leicht verwechselt werden. Die Bilanz weist zum 30. Juni 2026 5.598.645.000 Aktien (ohne eigene Aktien) aus — das ist die tatsächliche Zahl ausstehender Aktien. Für die Berechnung des verwässerten Ergebnisses je Aktie verwendet derselbe Bericht dagegen einen gewichteten Durchschnitt von 5.801.886.000 Aktien — eine andere Kennzahl mit einem anderen Zweck (sie schließt unter anderem im Bestand gehaltene, aber für Mitarbeiterprogramme vorgesehene Aktien ein). Wer die zweite Zahl für „die Aktienzahl“ hält und daraus einen Börsenwert oder eine Kennzahl je Aktie ableitet, rechnet mit rund 200 Millionen Aktien zu viel.

Der eigentliche Grund für den Aktienzuwachs seit Mitte 2025 ist dagegen real und in einem Satz erklärt: NVIDIA Corporation ist bei Nokia eingestiegen. Der Jahresbericht 2025 beschreibt es so:

„In October 2025, under the authorization granted to the Board of Directors by the Annual General Meeting 2025, the Board of Directors resolved on a directed share issuance of 166,389,351 new shares to enable NVIDIA Corporation to make a USD 1.0 billion equity investment in Nokia. The new shares were delivered to NVIDIA Corporation in the form of American Depositary Shares in November 2025.“

Übersetzung: „Im Oktober 2025 beschloss der Verwaltungsrat, gestützt auf die Ermächtigung der Hauptversammlung 2025, eine gerichtete Ausgabe von 166.389.351 neuen Aktien, um NVIDIA Corporation eine Eigenkapitalinvestition von 1,0 Milliarden US-Dollar in Nokia zu ermöglichen. Die neuen Aktien wurden NVIDIA Corporation im November 2025 in Form von American Depositary Shares geliefert.“

— Nokia Corporation, Form 20-F für 2025, Abschnitt „Shares and shareholders“

Der Ausgabepreis lag bei 6,01 US-Dollar je Aktie (5,16 Euro) — insgesamt flossen Nokia netto rund 850 Mio. Euro zu. Damit wuchs die Aktienzahl (ohne eigene Aktien) von rund 5.379 Millionen (30. Juni 2025) auf 5.583 Millionen (31. Dezember 2025) — ein Plus von rund 3 Prozent, das nicht aus dem operativen Geschäft kommt, sondern aus einer gezielten Kapitalerhöhung für einen strategischen Investor. Übersetzt: Der Kuchen wurde für alle bestehenden Aktionäre um rund 3 Prozent kleiner geschnitten — im Tausch gegen einen prominenten Partner und 850 Millionen Euro frisches Kapital. Ob sich dieser Tausch lohnt, hängt davon ab, was aus der KI-Partnerschaft konkret wird — eine Frage, die sich erst in kommenden Berichten beantworten lässt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die „angehobene“ Guidance ist zur Hälfte Buchhaltung, nicht Wachstum

Im selben Bericht für das zweite Quartal 2026 hebt Nokia seine Jahresprognose für das „comparable“ operative Ergebnis 2026 an — von 2,0–2,5 auf 2,1–2,6 Mrd. Euro. Das klingt nach guten Nachrichten. Der Grund dafür ist aber keine bessere Geschäftsentwicklung, sondern eine Umbuchung:

„In Q2 2026, Nokia classified its Fixed Wireless Access CPE and Enterprise Campus Edge businesses as discontinued operations. Nokia reached an agreement to sell its Fixed Wireless Access CPE business to Inseego and Nokia also deems it highly probable it will reach an agreement to sell Enterprise Campus Edge business. […] If Nokia had not treated these businesses as discontinued operations in Q2 2026, net sales would have been EUR 66 million higher and comparable operating profit would have been EUR 13 million lower.“

Übersetzung: „Im zweiten Quartal 2026 hat Nokia die Geschäfte Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge als aufgegebene Geschäftsbereiche eingestuft. Nokia hat eine Vereinbarung zum Verkauf des Fixed-Wireless-Access-CPE-Geschäfts an Inseego erzielt und hält es zudem für höchst wahrscheinlich, eine Vereinbarung zum Verkauf des Enterprise-Campus-Edge-Geschäfts zu erzielen. […] Hätte Nokia diese Geschäfte im zweiten Quartal 2026 nicht als aufgegeben eingestuft, wäre der Nettoumsatz um 66 Millionen Euro höher und das vergleichbare operative Ergebnis um 13 Millionen Euro niedriger ausgefallen.“

— Nokia Corporation, Form 6-K, Report for Q2 and Half Year 2026, 23.07.2026

Markierter Textausschnitt aus Nokias SEC-Bericht 6-K: Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge werden als aufgegebene Geschäftsbereiche eingestuft, Verkauf an Inseego vereinbart, ohne Umstufung wäre der Umsatz 66 Millionen Euro höher und das comparable Ergebnis 13 Millionen Euro niedriger gewesen.
Die markierte Stelle im Original: Die „Anhebung“ der Guidance um 0,1 Mrd. Euro ist eine Neudarstellung, keine bessere Geschäftsentwicklung — Nokia sagt das selbst so. Quelle: SEC-Bericht 6-K, Q2/H1 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Nokia selbst nennt das eine „technical revision“, keine operative Verbesserung — im selben Absatz steht wörtlich, dass der operative Ausblick unverändert sei. Das ist genau die „Trennung von schlecht laufenden Geschäftsteilen“, die der Börsenbrief ankündigte — sie kostet aber auch etwas: Die Restrukturierungskosten fürs Gesamtjahr 2026 wurden im selben Bericht auf 800 Mio. Euro angehoben (Zahlungsabflüsse 700–800 Mio. Euro), gespeist aus drei Programmen — dem laufenden 2023–2026-Programm, der beschleunigten Integration des China-Geschäfts (jetzt in zwei statt zwei bis drei Jahren) und einem neuen, vor allem europäischen Restrukturierungsprogramm. Der Auftragsbestand ist außerdem von 22,0 Mrd. Euro (2023) über 20,0 Mrd. (2024) auf 19,5 Mrd. Euro (2025) gesunken — kein Alarmsignal für sich allein, aber ein Kontrapunkt zur reinen Wachstumserzählung.

Bewertung: teuer nach der einen Zahl, moderat nach der anderen

Die Nokia-Aktie kostete am 24. Juli 2026 rund 8,22 Euro, was bei 5.582.534.171 Aktien (Stand 31. Dezember 2025, Fundamentaldaten-Feed) einer Marktkapitalisierung von rund 45,9 Mrd. Euro entspricht — nahe an der eigenen Bilanzgegenprobe (5.598.645.000 Aktien zum 30. Juni 2026 mal 8,22 Euro ergibt rund 46,0 Mrd. Euro, eine Abweichung im niedrigen einstelligen Prozentbereich). Auf Basis des ausgewiesenen Ergebnisses wirkt die Aktie teuer: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 68 (Fundamentaldaten-Feed, Datenstand 24./25. Juli 2026) ist für einen Ausrüster mit 6 bis 9 Prozent Umsatzwachstum ambitioniert — aber genau dieses KGV ist durch die 1.139 Mio. Euro Anpassungen aus Wahrheit Nr. 1 verzerrt: Ein Unternehmen, dessen Restrukturierung gerade auf dem Höhepunkt läuft, sieht auf Basis des ausgewiesenen Gewinns immer teurer aus, als es „eigentlich“ ist. Zieht man stattdessen den Unternehmenswert (Marktkapitalisierung von 45,9 Mrd. Euro abzüglich 2,776 Mrd. Euro Nettoliquidität zum 30. Juni 2026, also rund 43,1 Mrd. Euro) gegen das „comparable“ operative Ergebnis 2025 von 2.024 Mio. Euro, ergibt sich ein Vielfaches von rund 21 — und gegen die Mitte des 2028-Ziels (2,95 Mrd. Euro) noch rund 14,6. Beide Multiplikatoren sind Größenordnungen, keine Punktlandungen, und beide setzen voraus, dass Nokia die „comparable“ Kennzahl auch künftig so berechnet wie heute. Um vom 2025er „comparable“ Niveau (2,024 Mrd.) auf die Mitte des 2028-Ziels (2,95 Mrd.) zu kommen, braucht es ein Wachstum von rund 46 Prozent binnen drei Jahren — während der aktuellste Quartalsbericht, auf ausgewiesener Basis, einen Verlust zeigt. Das ist möglich, aber es ist kein Selbstläufer.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Nokia spricht:

  • Echte, breit angelegte KI-Nachfrage: 2,8 Mrd. Euro Auftragseingang bei KI & Cloud im zweiten Quartal 2026, Umsatz in diesem Bereich mehr als verdoppelt; Netzwerkinfrastruktur wuchs im selben Quartal um 12 Prozent, getragen von Optical- (+20 %) und IP-Networks (+16 %).
  • Prominenter strategischer Investor: NVIDIA Corporation zeichnete im Herbst 2025 für 1,0 Mrd. US-Dollar neue Aktien und ist Partner bei KI-gestützten Mobilfunknetzen (AI-RAN) mit Blick auf 6G.
  • Solide Bilanz: 2.776 Mio. Euro Nettoliquidität zum 30. Juni 2026, Eigenkapitalquote rund 57 Prozent, kein einzelner Kunde über 10 Prozent des Umsatzes 2023 bis 2025.
  • Klares, mehrfach bestätigtes 2028-Ziel (2,7–3,2 Mrd. Euro comparable operatives Ergebnis) und eine seit 1. Januar 2026 vereinfachte Segmentstruktur mit klar benannter Führung (David Heard, Emma Falck ab 1. September 2026).

Was dagegen spricht:

  • Der ausgewiesene operative Verlust im zweiten Quartal 2026 (−50 Mio. Euro, Marge −1,0 %) zeigt, dass die Transformation gerade real Geld kostet — Restrukturierungskosten fürs Gesamtjahr 2026 wurden auf 800 Mio. Euro angehoben (2025: 478 Mio.).
  • Die Lücke zwischen ausgewiesenem und „comparable“ Ergebnis ist mit 1.139 Mio. Euro (2025) erheblich (5,7 % vom Umsatz) und macht das 2028-Ziel abhängig davon, wie diese Bereinigung künftig berechnet wird.
  • Rund 3 Prozent zusätzliche Aktien seit Mitte 2025 durch die Nvidia-Kapitalerhöhung — echte Verwässerung für bestehende Aktionäre, auch wenn frisches Kapital und ein strategischer Partner dagegenstehen.
  • Sinkender Auftragsbestand (22,0 Mrd. Euro 2023 auf 19,5 Mrd. Euro 2025) und ein reported KGV von rund 68 — für 46 Prozent Wachstumsbedarf bis 2028 (auf comparable Basis) bleibt wenig Sicherheitsmarge, falls sich die Restrukturierung länger hinzieht als geplant.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Ankereffekt vom Anfang. Der Börsenbrief hat dir eine Zahl gegeben — 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro bis 2028 —, und diese Zahl stimmt sogar, wörtlich nachlesbar in Nokias eigenem SEC-Bericht. Der Fehler liegt nicht in der Zahl, sondern darin, sie als bereits erreicht zu behandeln. Der aktuellste Bericht, den Nokia der SEC vorgelegt hat, zeigt für das zweite Quartal 2026 einen ausgewiesenen Verlust — und im selben Atemzug ein „comparable“ Ergebnis, das um 18 Prozent wuchs. Beide Zahlen sind echt, beide stehen im selben Dokument, und beide beantworten eine andere Frage: Die eine, wie viel Geld tatsächlich in diesem Quartal in der Kasse blieb. Die andere, wie das Geschäft aussähe, wenn man den Umbau, der gerade läuft, herausrechnet. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „glaube ich an das 2028-Ziel?“, sondern: Traust du Nokia zu, den teuren Umbau — 800 Millionen Euro Restrukturierungskosten allein 2026 — durchzuziehen, bevor die Geduld der Anleger und der 46 Prozent nötigen Wachstums bis 2028 aufgebraucht sind? Wenn ja, hast du eine These, die über den Anker hinausgeht. Wenn du bei der zweiten Zahl zögerst, hattest du nur den Anker. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Nokia-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Nachfrage & Geschäftsmodell positiv
Der Auftragseingang bei KI & Cloud lag im zweiten Quartal 2026 bei 2,8 Milliarden Euro, der Umsatz in diesem Bereich verdoppelte sich mehr als; das Segment Netzwerkinfrastruktur wuchs im selben Quartal um 12 Prozent (Optical Networks +20 %, IP Networks +16 %). Kein einzelner Kunde stand 2023 bis 2025 für mehr als 10 Prozent des Umsatzes.
Ergebnisqualität negativ
Für 2025 klaffen 885 Millionen Euro ausgewiesenes und 2.024 Millionen Euro „comparable“ operatives Ergebnis auseinander (1.139 Millionen Euro Differenz, 5,7 Prozent vom Umsatz); im zweiten Quartal 2026 stand einem „comparable“ Gewinn von 434 Millionen ein ausgewiesener Verlust von 50 Millionen Euro gegenüber.
Bilanz & Liquidität positiv
Nettoliquidität von 2.776 Millionen Euro zum 30. Juni 2026, Eigenkapitalquote rund 57 Prozent, keine Anzeichen für Covenant- oder Refinanzierungsdruck. Solide Basis für eine mehrjährige Restrukturierung.
Transformationskosten negativ
Restrukturierungskosten wurden für 2026 auf 800 Millionen Euro angehoben (2025: 478 Millionen), gespeist aus drei parallelen Programmen; der Auftragsbestand sank von 22,0 (2023) auf 19,5 Milliarden Euro (2025).
Strategischer Rückhalt & Kapitalstruktur neutral
NVIDIA Corporation zeichnete im Herbst 2025 für 1,0 Milliarden US-Dollar neue Aktien (rund 3 Prozent zusätzliche Aktien) im Rahmen einer KI-Partnerschaft — echte Verwässerung gegen einen prominenten Partner und frisches Kapital. Neue Segmentführung (David Heard, Emma Falck ab 1.9.2026) ist noch unbewiesen.
Bewertung neutral
KGV auf ausgewiesener Basis rund 68 (verzerrt durch Restrukturierung), Unternehmenswert zum „comparable“ operativen Ergebnis 2025 rund 21 — moderater, aber kein Schnäppchen. Das 2028-Ziel verlangt rund 46 Prozent Wachstum der „comparable“ Kennzahl binnen drei Jahren.

Nokia zeigt für dasselbe Quartal zwei echte Ergebnisse: einen ausgewiesenen operativen Verlust von 50 Millionen Euro und ein „comparable“ Ergebnis von plus 434 Millionen Euro. Beide Zahlen stammen aus demselben SEC-Bericht, und beide sind wahr — sie beantworten nur unterschiedliche Fragen. Das vom Börsenbrief zitierte 2028-Ziel (2,7 bis 3,2 Milliarden Euro) hat Nokia tatsächlich so verkündet, gestützt von echter KI-Nachfrage (2,8 Milliarden Euro Auftragseingang im Quartal) und einer 1-Milliarden-Dollar-Kapitalerhöhung von Nvidia. Doch der Weg dorthin kostet real Geld — 800 Millionen Euro Restrukturierung allein 2026 — und braucht rund 46 Prozent Wachstum der bereinigten Kennzahl bis 2028. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Nokias operative Substanz ist nicht das Problem: solide Bilanz mit 2,776 Milliarden Euro Nettoliquidität, breite Kundenbasis ohne Klumpenrisiko, echte KI-Nachfrage (2,8 Milliarden Euro Auftragseingang im Quartal) und ein prominenter neuer Aktionär in Nvidia. Offen ist die operative Frage, ob die laufende Transformation — zwei neue Hauptsegmente, Trennung von Randgeschäften, 800 Millionen Euro Restrukturierungskosten allein 2026 — schneller zu einem wieder positiven ausgewiesenen Ergebnis führt, als sie Kosten und Aktienzahl (rund 3 Prozent Verwässerung durch die Nvidia-Kapitalerhöhung) aufbaut. Kein Substanzbefund, keine Existenzfrage — aber auch kein bereits bewiesener Turnaround. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Nokia über einen Leserhinweis: „HOT STOCKS EUROPE“ Nr. 24 vom 28. November 2025 nennt Nokia eine „Basisposition im europäischen KI-Zyklus“. Der Brief ist Aufhänger, keine Quelle für Unternehmenszahlen — jede Zahl in dieser Analyse stammt aus Nokias eigenen SEC-Berichten.
  • Nokia unterliegt als „Foreign Private Issuer“ eigenen SEC-Formularen (20-F/6-K statt 10-K/10-Q); ein eigenständiges 10-Q existiert nicht. Handels- und Berichtswährung sind beide Euro (Primärnotiz Nasdaq Helsinki); die parallele ADR-Notiz an der NYSE (NOK) läuft in US-Dollar.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Kurs 8,22 Euro am 24. Juli 2026, Marktkapitalisierung rund 45,9 Milliarden Euro, Datenstand 24./25. Juli 2026. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Nicht verwechseln: die 5.801.886.000 Aktien im Ergebnis-je-Aktie-Nenner sind ein gewichteter Durchschnitt, keine Bilanz-Aktienzahl (die liegt bei 5.598.645.000 zum 30.06.2026).

Häufige Fragen

Nokia veröffentlicht zwei operative Ergebnisse: das nach IFRS „ausgewiesene“ Ergebnis und ein „comparable“ Ergebnis, das Restrukturierungskosten, Abschreibungen auf Zukäufe und weitere Sondereffekte herausrechnet. Fürs zweite Quartal 2026 lag das ausgewiesene Ergebnis bei minus 50 Millionen Euro (Marge −1,0 %), das „comparable“ Ergebnis bei plus 434 Millionen Euro (Marge 9,0 %, +18 % gegenüber Vorjahr). Nokia selbst nennt ein schnelleres Restrukturierungstempo als Grund für die Lücke.

Im Oktober 2025 beschloss Nokias Verwaltungsrat eine gerichtete Ausgabe von 166.389.351 neuen Aktien, um NVIDIA Corporation eine Investition von 1,0 Milliarden US-Dollar (6,01 US-Dollar je Aktie) zu ermöglichen; die Aktien wurden im November 2025 als American Depositary Shares geliefert. Die beiden Unternehmen kooperieren bei KI-gestützten Mobilfunknetzen (AI-RAN) mit Blick auf 6G. Die Kapitalerhöhung entsprach rund 3 Prozent zusätzlicher Aktien.

Ja — Nokia hat dieses Ziel auf seinem Kapitalmarkttag am 19. November 2025 tatsächlich so verkündet, dokumentiert in einem eigenen SEC-Bericht (Form 6-K). Basis ist ein „comparable“ operatives Ergebnis von 2,0 Milliarden Euro in den zwölf Monaten bis zum dritten Quartal 2025. Fürs Gesamtjahr 2025 lag der Wert bei 2,024 Milliarden Euro; um die Zielmitte von 2,95 Milliarden Euro zu erreichen, braucht es rund 46 Prozent Wachstum bis 2028.

Zum 30. Juni 2026 waren 5.598.645.000 Aktien ohne eigene Aktien ausstehend (31. Dezember 2025: 5.582.534.171). Nokias Bericht nennt daneben einen gewichteten Durchschnitt von 5.801.886.000 Aktien für die Berechnung des verwässerten Ergebnisses je Aktie — eine andere Kennzahl mit anderem Zweck, die nicht mit den tatsächlich ausstehenden Aktien verwechselt werden sollte.

Nokia ist ein „Foreign Private Issuer“ — ein ausländischer Emittent mit einer US-Notierung (die American Depositary Shares an der NYSE unter dem Kürzel NOK). Solche Unternehmen legen der US-Börsenaufsicht SEC einen jährlichen Bericht Form 20-F statt eines 10-K vor und unterjährig freiwillige Berichte Form 6-K statt eines 10-Q. Ein eigenständiges 10-Q existiert für Nokia deshalb nicht.

Nach dem ausgewiesenen Ergebnis wirkt sie es: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 68 (Datenstand 24./25. Juli 2026). Dieser Wert ist aber durch 1,139 Milliarden Euro Restrukturierungs- und Abschreibungskosten 2025 verzerrt. Gegen das „comparable“ operative Ergebnis 2025 (2,024 Milliarden Euro) ergibt der Unternehmenswert von rund 43,1 Milliarden Euro ein Vielfaches von etwa 21 — moderater, aber ebenfalls kein Schnäppchen.

Seit dem 1. Januar 2026 berichtet Nokia in zwei Hauptsegmenten: Netzwerkinfrastruktur (Optical, IP und Fixed Networks, geführt von David Heard) und Mobilfunkinfrastruktur (Kernnetz, Funknetz und Lizenztechnologie; ab 1. September 2026 geführt von Emma Falck). Der aktuelle Quartalsbericht zeigt zusätzlich ein kleineres Segment „Portfolio-Geschäfte“ für Aktivitäten, die gerade abgestoßen werden — etwa Fixed Wireless Access CPE, das an Inseego verkauft wird.

Ja. Die Hauptversammlung vom 9. April 2026 ermächtigte den Verwaltungsrat, für das Geschäftsjahr 2025 insgesamt bis zu 0,14 Euro je Aktie in bis zu vier Raten auszuschütten. Am 23. Juli 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine Ausschüttung von 0,04 Euro je Aktie (Stichtag 28. Juli 2026, Zahlung 6. August 2026); von der Gesamtermächtigung verbleiben danach maximal 0,06 Euro je Aktie.

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