Serabi Gold: Elf starke Zahlen – und eine Frist, die tickt
Rekordproduktion, Umsatz plus 65 Prozent, die erste Dividende der Firmengeschichte – und mittendrin eine Übergangslizenz für die wichtigste Mine, die im Januar 2027 ausläuft. Ein Blick in die Originalberichte, ohne das rote Kästchen zu überspringen.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Kennst du dieses Gefühl: eine Tabelle mit zwölf Kästchen vor dir, elf davon grün, eines rot — und dein Blick will einfach nicht beim roten hängen bleiben? Psychologen nennen das den Bestätigungsfehler: Wir suchen und gewichten Informationen, die zu dem passen, was wir schon glauben wollen, und blenden aus, was nicht passt. Bei Serabi Gold plc ist die Versuchung besonders groß, denn die elf grünen Kästchen sind wirklich beeindruckend: Rekordproduktion, ein Umsatz, der in zwei Jahren mehr als verdoppelt wurde, eine praktisch schuldenfreie Bilanz, die allererste Dividende der Firmengeschichte. Das rote Kästchen ist unscheinbarer — eine behördliche Frist, die in wenigen Monaten abläuft, für ausgerechnet die Mine, die heute mehr als die Hälfte des Goldes liefert. Machen wir also einen Deal: Wir schauen uns beide Seiten gemeinsam an, mit den Originalberichten in der Hand — nicht nur mit den elf Kästchen, die sich leichter erzählen lassen.
Was Serabi Gold eigentlich macht
Serabi Gold plc ist ein britisches Unternehmen — eingetragen in England und Wales (Company Number 5131528), Sitz in London —, dessen gesamtes operatives Geschäft in einer einzigen Ecke Brasiliens stattfindet: dem Bundesstaat Pará, mitten im Amazonasgebiet, rund um die Stadt Itaituba. Übersetzt in ein Alltagsbild: ein Londoner Briefkasten mit einem brasilianischen Bergwerk dahinter. Seit mehr als zwanzig Jahren fördert Serabi dort Gold — unter Tage, in schmalen, aber hochgradigen Adern. Das bedeutet: Statt riesiger Tagebaue mit viel Fläche und wenig Gold pro Tonne Gestein gräbt Serabi enge Stollen, in denen jede Tonne Gestein vergleichsweise viel Gold enthält, dafür ist der Aufwand je Tonne höher.
Zwei Minen tragen die Produktion. Der Palito-Komplex (mit den Adern Palito und São Chico) ist seit vielen Jahren in Betrieb und läuft auf einer regulären, unbefristeten Abbaulizenz. Die jüngere Coringa-Mine liefert erst seit Juli 2022 Gold und produzierte 2025 erstmals mehr als Palito selbst. Genau bei Coringa liegt das Spannungsfeld dieser Analyse: Die Mine läuft bislang nicht auf der endgültigen, unbefristeten Lizenz, sondern auf einer zeitlich begrenzten Übergangsgenehmigung — dazu unten mehr. Serabi beschäftigte im Geschäftsjahr 2025 im Durchschnitt 1.079 Menschen, ganz überwiegend in der Region Pará selbst.
Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt
Serabi Gold ist kein US-Meldeunternehmen. Wer Analysen US-notierter Aktien kennt, kennt auch die strengen SEC-Pflichtberichte — den Geschäftsbericht 10-K, den Quartalsbericht 10-Q. Von Serabi gibt es keinen einzigen: Die Ticker-Suche bei der US-Börsenaufsicht SEC liefert für SRB wie für SRBIF keinen Treffer, eigens geprüft am 26. Juli 2026. Serabi notiert stattdessen an der AIM, dem Wachstumssegment der Londoner Börse für kleinere Unternehmen, zusätzlich an der Toronto Stock Exchange und außerbörslich in den USA (OTCQX). Ihre Pflichtberichte — Jahresbericht sowie Zwischenberichte — veröffentlicht die Firma über britische Meldesysteme (RNS) und die eigene Investor-Relations-Seite.
Für diese Analyse zählen deshalb in erster Linie zwei Dokumente: der Jahresbericht 2025 (Bilanzstichtag 31. Dezember 2025, veröffentlicht am 30. April 2026) und der Quartalsbericht zum ersten Quartal 2026 (Bilanzstichtag 31. März 2026, veröffentlicht am 29. Mai 2026) — dazu eine Betriebsmeldung vom 23. Juli 2026, die bereits Produktions- und Kassenzahlen für das zweite Quartal 2026 liefert und damit den jüngsten verfügbaren Stand abdeckt. Datenherkunft deshalb durchgängig: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, AIM/TSX) — nicht „SEC-Berichte“, die es hier schlicht nicht gibt.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Ehrlich gesagt: nicht über unseren hauseigenen Aktien-Scanner. Der deckt in erster Linie US-notierte Titel ab — eine an der Londoner AIM in Pence notierte britische Gesellschaft taucht dort nicht auf. Auf unseren Tisch kam Serabi Gold, weil uns ein Leser eine Ausgabe seines Börsenbriefs weiterleitete: „Hot Stocks Europe“, Ausgabe 24 vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH, Freiburg im Breisgau, Autor Michael Calivas). Darin taucht Serabi gleich zweimal auf.
Erstens im Rückblick auf die Top-Performer des Jahres 2025: Der Brief nennt eine Empfehlung aus Ausgabe 1/2025 zu 1,32 Euro, mit einer Spitze von 3,50 Euro — macht ein Plus von 165 Prozent. Zweitens als laufende Position im Musterdepot des Briefs: gekauft am 31. Oktober 2025 zu 2,72 Euro je Aktie (12.500 Stück), am Stichtag 28. November 2025 bei 3,00 Euro notiert (plus 10,3 Prozent, Stopp-Kurs 2,00 Euro). Zur Einordnung gehört der Interessenkonflikt-Hinweis, den der Brief selbst auf Seite 8 abdruckt: Verlag, Autor oder nahestehende Dritte können in besprochenen Werten Longpositionen halten und beabsichtigen, bei steigenden Kursen zu verkaufen (Marktmissbrauchsverordnung, EU Nr. 596/2014). Beide Kursangaben werden hier ausdrücklich als fremde Erwartung vom 28. November 2025 zitiert, nicht als eigene Quelle — jede Unternehmenszahl in dieser Analyse stammt aus den Berichten von Serabi Gold selbst, nicht aus dem Brief. Anders als bei einigen anderen Titeln derselben Ausgabe nennt der Brief für Serabi kein Kursziel eines Analysehauses, nur die Wertentwicklung.
Ein technischer Hinweis, der zu dieser ganzen Artikelserie gehört: Der Brief nennt seine Kurse in Euro — Serabi notiert an der Londoner Börse aber tatsächlich in britischen Pence (Kürzel GBX), nicht in Euro und nicht einmal in britischen Pfund. 262 Pence sind 2,62 Pfund, nicht 262 Pfund — ein Unterschied um den Faktor 100, der bei europäischen Nebenwerten regelmäßig für Verwirrung sorgt. Die Euro-Kurse des Briefs sind also schon eine Umrechnung von einer Umrechnung. Wie knifflig solche Währungswechsel werden können, zeigt auch unsere Analyse zu ACG Metals, einem weiteren Londoner AIM-Titel derselben Ausgabe, dessen Kurs ebenfalls in Pence notiert.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Serabi förderte 2025 so viel Gold wie nie zuvor in der Firmengeschichte: 44.169 Unzen, ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2024 (37.520 Unzen) und der fünfte Produktionsanstieg in Folge seit 2021.
Der Umsatz zog noch deutlicher an: von 63,7 Millionen US-Dollar (2023) über 94,5 Millionen (2024) auf 155,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 — ein Plus von 65 Prozent in einem einzigen Jahr. Der Nettogewinn stieg von 27,8 auf 53,9 Millionen US-Dollar, fast eine Verdopplung. Zum Vergleich: 2022 stand noch ein Verlust von 1,0 Millionen US-Dollar in den Büchern.
Ein gutes Stück dieses Sprungs hat aber einen Namen, der nichts mit Bergbau zu tun hat: der Goldpreis. Der von Serabi im Schnitt erzielte Verkaufspreis je Unze stieg 2025 um 45 Prozent auf 3.481 US-Dollar — und im ersten Quartal 2026 lag der Durchschnitt bereits bei 4.926 US-Dollar. Merke dir diesen Satz: Ein steigender Goldpreis hebt fast jede Goldmine gleichzeitig an — er ist kein Beleg für überlegenes Management. Ob Serabi besser oder schlechter arbeitet als der Wettbewerb, zeigt sich an den Kosten je Unze, nicht am Umsatz.
Das Tempo hielt auch im ersten Halbjahr 2026 an: 23.049 Unzen Gold (davon 14.988 aus Coringa), und zum 30. Juni 2026 verfügte die Gruppe über 65,7 Millionen US-Dollar Kasse — mehr als noch zum 31. März 2026 (64,4 Millionen). Möglich wurde das auch, weil Serabi im Januar 2026 sein letztes kurzfristiges Bankdarlehen vollständig los wurde:
Bei den Kosten wird es 2026 allerdings bereits unbequemer, dazu jetzt mehr.
Was die Berichte zeigen — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die wichtigste Mine läuft auf einer Frist, die im Januar 2027 abläuft
Coringa lieferte 2025 24.010 der 44.169 geförderten Unzen — mehr als die Hälfte der gesamten Konzernproduktion, mehr als der ältere Palito-Komplex (20.158 Unzen). Genau diese Mine besitzt aber keine reguläre, unbefristete Abbaulizenz, sondern eine sogenannte GU-Lizenz (portugiesisch Guia de Utilização, eine behördliche Übergangsgenehmigung der brasilianischen Bergbaubehörde ANM). Der Jahresbericht beschreibt das unmissverständlich:
„In January 2024, the ANM issued a new trial mining licence for the project valid for three years.“
Übersetzung: „Im Januar 2024 erteilte die ANM eine neue Übergangs-Abbaulizenz für das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren.“
— Serabi Gold plc, Jahresbericht 2025, Abschnitt „Licensing and environmental risk“, S. 26
Drei Jahre ab Januar 2024 macht: Die Übergangslizenz läuft am 29. Januar 2027 aus. Für die permanente, unbefristete Abbaulizenz („LI“) braucht Serabi zwei behördliche Freigaben: eine Landnutzungsänderung durch die brasilianische Agrarreformbehörde INCRA (nach Unternehmensangabe auf Bundesstaatsebene bereits genehmigt, in der Hauptstadt Brasília noch zur finalen Freigabe auf Bundesebene anhängig) und eine Studie zu den Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften durch die Behörde FUNAI. Diese zweite Hürde bewegte sich zuletzt: Nach Unternehmensangabe wurde die Studie den betroffenen Gemeinschaften im März 2026 vorgelegt und positiv aufgenommen, ein zweiter Ortsbesuch der Gemeinschaften bei Coringa fand am 17. Juli 2026 statt — beides Fortschritte, aber keine Erteilung der Lizenz. In der Betriebsmeldung vom 23. Juli 2026 formuliert es Serabi selbst als Annahme, nicht als Tatsache: Die Produktionsprognose von mehr als 53.000 Unzen für 2026 gilt ausdrücklich nur, „based on the assumption that the LI will be awarded by Q4-2026“ — auf der Annahme, dass die permanente Lizenz im vierten Quartal 2026 erteilt wird. Als Rückfalloption führt Serabi zusätzlich Gespräche mit der ANM über eine mögliche Verlängerung der bestehenden Übergangslizenz.
Was würde ein Auslaufen ohne Anschlusslösung bedeuten? Das Unternehmen selbst äußert sich dazu nicht spekulativ, aber die Größenordnung lässt sich benennen: Coringa steht für gut die Hälfte der Konzernproduktion. Ein ähnliches Muster — eine erteilte Genehmigung, die sich als weniger endgültig erweist als gedacht — zeigt unsere Analyse zu DPM Metals, wo eine bereits erteilte Umweltlizenz in Ecuador binnen vier Monaten wieder zurückgenommen wurde. Der Unterschied: Bei Serabi geht es nicht um eine plötzliche Rücknahme, sondern um eine von Anfang an befristete Genehmigung, deren Nachfolgeregelung noch aussteht — ein Termin-Risiko, kein Überraschungs-Risiko, aber ein Termin-Risiko mit realer Fälligkeit.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ausgerechnet 2026 sinkt am Stammsitz Palito die Erzqualität, und ein Einmaleffekt drückt das Quartal
Ein zweiter Punkt, der in den elf grünen Kästchen leicht untergeht: Bei Palito, der älteren und eigentlich stabileren der beiden Minen, sank die verarbeitete Erzqualität im laufenden Jahr spürbar — auf durchschnittlich 5,26 Gramm Gold je Tonne im bisherigen Jahresverlauf 2026, gegenüber mehr als 6 Gramm je Tonne im Gesamtjahr 2025. Weniger Gramm pro Tonne heißt: Aus derselben Menge Gestein kommt weniger Gold, es sei denn, mehr Tonnen gleichen das aus. Passend dazu berichtete Serabi für das zweite Quartal 2026 zusätzlich einen einmaligen Kostenblock:
„Despite lower realised gold prices in Q2, development of the Galena and Serra South zone at Coringa and approximately $4 million of one-time G&A and tax charges, Serabi ended the quarter with an increased cash balance of $66 million following record cash generation in Q1 while maintaining a debt-free balance sheet.“
Übersetzung: „Trotz niedrigerer realisierter Goldpreise im zweiten Quartal, der Erschließung der Zonen Galena und Serra South bei Coringa und rund 4 Millionen US-Dollar einmaliger Verwaltungs- und Steueraufwendungen beendete Serabi das Quartal mit einer gestiegenen Kassenposition von 66 Millionen US-Dollar — nach rekordhoher Mittelgenerierung im ersten Quartal — bei weiterhin schuldenfreier Bilanz.“
— Michael Hodgson, Chief Executive Officer Serabi Gold, Betriebsmeldung zum zweiten Quartal 2026, 23. Juli 2026
Zwei Dinge stecken in diesem einen Satz. Erstens: Der durchschnittliche Goldverkaufspreis war im zweiten Quartal 2026 niedriger als im ersten — bei einem Rohstoffpreis, der seit Jahren nur eine Richtung zu kennen schien, ist das selbst eine kleine Überraschung, auch wenn beide Quartale historisch hoch bleiben. Zweitens: rund 4 Millionen US-Dollar einmalige Verwaltungs- und Steuerkosten sind bei einem Quartalsgewinn, der zuletzt (erstes Quartal 2026) bei 21,0 Millionen US-Dollar lag, keine Kleinigkeit — sie drücken das zweite Quartal spürbar, ohne dass sich am eigentlichen Bergbaugeschäft etwas geändert hätte. Der Halbjahresbericht 2026, voraussichtlich Ende August fällig, wird zeigen, wie viel davon einmalig war und wie viel sich als neuer Kostentrend verfestigt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ohne den hohen Goldpreis sähe die Marge deutlich dünner aus
Die Gesamtproduktionskosten je Unze Gold (All-in Sustaining Cost, kurz AISC — übersetzt: alles, was eine Unze Gold wirklich kostet, inklusive Erhaltungsinvestitionen) lagen 2025 bei 1.816 US-Dollar (2024: 1.790 US-Dollar) — praktisch unverändert. Der realisierte Verkaufspreis stieg im selben Zeitraum aber von 2.407 auf 3.481 US-Dollar. Die Marge je Unze — realisierter Preis minus AISC — wuchs damit von rund 617 auf rund 1.665 US-Dollar, mehr als verdoppelt, ohne dass Serabi an den eigenen Kosten irgendetwas grundlegend verändert hätte. Merke dir dieses Spannungsfeld: Ein Großteil des Gewinnsprungs 2025 ist eingepreister Goldpreis, nicht bewiesene operative Verbesserung. Fiele der Goldpreis auf ein Niveau von vor zwei, drei Jahren zurück (rund 1.950 bis 2.000 US-Dollar je Unze) und blieben die Kosten unverändert, würde sich diese Marge wieder auf einen Bruchteil des heutigen Werts zusammenziehen — die Produktionsmengen blieben zwar bestehen, aber der Gewinn je Unze schrumpfte deutlich. Das ist kein Serabi-spezifisches Risiko, sondern gilt für praktisch jeden Goldproduzenten — es gehört trotzdem in jede ehrliche Bewertung der 2025er Zahlen.
Bewertung — Größenordnung statt Tageskurs
Am 24. Juli 2026 schloss die Serabi-Aktie an der Londoner AIM bei 262 Pence (2,62 Pfund — nicht 262 Pfund, siehe oben). Bei 75.734.551 ausstehenden Aktien (unverändert seit dem 31. Dezember 2025 bis zum 31. März 2026, dem jüngsten Dokument mit einer genannten Aktienzahl) ergibt das eine Marktkapitalisierung von rund 198 Millionen britischen Pfund, umgerechnet mit einem Pfund-Dollar-Kurs von 1,3321 vom selben Tag rund 264 Millionen US-Dollar. Die Zweitnotierung an der Toronto Stock Exchange (SBI) und die außerbörsliche US-Dollar-Linie (SRBIF) zeigen mit rund 267 bis 270 Millionen US-Dollar einen ähnlichen Wert — ein grobes Gegenprobe-Signal, dass die Zahl nicht aus dem Rahmen fällt.
Rechnet man den Gewinn der vier zuletzt berichteten Quartale zusammen (Jahresgewinn 2025 von 53,9 Millionen US-Dollar, abzüglich des ersten Quartals 2025 von 8,8 Millionen, zuzüglich des ersten Quartals 2026 von 21,0 Millionen), kommt man auf rund 66 Millionen US-Dollar Gewinn über die vergangenen vier Quartale. Bezogen auf die Marktkapitalisierung von 264 Millionen US-Dollar ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 4 — eine Größenordnung, die auf den ersten Blick günstig wirkt, aber genau die Goldpreis-Abhängigkeit aus der dritten unbequemen Wahrheit in sich trägt: Ein Teil dieses Gewinns ist Goldpreis, kein Dauerzustand. Das bilanzielle Eigenkapital von 198,2 Millionen US-Dollar (31. März 2026) entspricht rund 2,62 US-Dollar je Aktie. Anders als bei einigen anderen Titeln derselben Ausgabe des Börsenbriefs nennt dieser für Serabi selbst kein Kursziel eines Analysehauses — es gibt für diese Analyse also keinen Dritt-Vergleichswert einzuordnen, nur die eigene Rechnung.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Serabi Gold spricht:
- Fünf Jahre in Folge steigende Produktion, 2025 ein Rekordjahr mit 44.169 Unzen, Fortsetzung im ersten Halbjahr 2026 (23.049 Unzen).
- Praktisch schuldenfreie Bilanz seit der vollständigen Tilgung des letzten Bankdarlehens am 16. Januar 2026, wachsende Kassenposition (65,7 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026) und die erste Dividende der Firmengeschichte.
- Ressourcenbasis auf 1,4 Millionen Unzen ausgebaut (Stand Januar 2026, davon 731.000 Unzen in der gemessenen und angezeigten sowie 653.000 Unzen in der vermuteten Kategorie laut Betriebsmeldung Juli 2026) — mehr als die Hälfte des selbst gesteckten Wachstumsziels von 1,5 bis 2,0 Millionen Unzen.
- Fortschritte beim Genehmigungsverfahren für die permanente Coringa-Lizenz (Indigenen-Studie positiv aufgenommen, zweiter Ortsbesuch im Juli 2026) und eine Rückfalloption über eine mögliche Verlängerung der bestehenden Übergangslizenz.
Was dagegen spricht:
- Die Übergangslizenz für Coringa — mehr als die Hälfte der Konzernproduktion — läuft am 29. Januar 2027 aus; die permanente Lizenz hängt noch an zwei ausstehenden Behördenfreigaben, und das Unternehmen selbst nennt die Erteilung im vierten Quartal 2026 nur als Annahme, nicht als Zusage.
- Ein erheblicher Teil des Gewinnwachstums 2025 (realisierter Goldpreis plus 45 Prozent) ist dem Marktumfeld zu verdanken, nicht der eigenen operativen Leistung; bei fallendem Goldpreis würde sich die Marge je Unze deutlich zusammenziehen.
- Am Stammsitz Palito sank die verarbeitete Erzqualität 2026 bisher spürbar, dazu kamen im zweiten Quartal 2026 rund 4 Millionen US-Dollar einmalige Verwaltungs- und Steuerkosten laut Unternehmensangabe.
- Ein einzelner brasilianischer Finanzinvestor hält inzwischen fast ein Viertel der Aktien (siehe Beifang) — für die übrigen Aktionäre bedeutet das einen kleineren freien Streubesitz und eine Beteiligungsstruktur, die sich in kurzer Zeit stark verschoben hat.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Tabelle vom Anfang: elf grüne Kästchen, eines rot. Die elf grünen sind real und beeindruckend — Rekordproduktion, ein Umsatz, der sich in zwei Jahren mehr als verdoppelt hat, eine praktisch schuldenfreie Bilanz, die erste Dividende der Firmengeschichte. Das rote Kästchen ist ebenso real: eine Übergangslizenz für die Mine, die mehr als die Hälfte des Goldes liefert, mit einem Ablaufdatum im Januar 2027 und einer Nachfolgeregelung, die das Unternehmen selbst nur als Annahme formuliert. Der Bestätigungsfehler würde dir jetzt zuflüstern, das rote Kästchen sei doch bestimmt nicht so wichtig, schließlich laufe doch alles andere so gut. Vielleicht hat er recht — die Fortschritte bei den Behördengenehmigungen sind real, und eine Verlängerung der Übergangslizenz stünde als Rückfalloption zur Verfügung. Vielleicht auch nicht. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Serabi Gold plc — Annual Report & Accounts 2025 (Bilanzstichtag 31.12.2025, veröffentlicht 30.04.2026)
- Serabi Gold plc — Financial Report and Commentary, drei Monate zum 31.03.2026 (veröffentlicht 29.05.2026)
- Serabi Gold plc — Reports Q2-2026 Production & Operational Highlights (23.07.2026)
- Serabi Gold plc — Dividend Information (22.05.2026)
- Serabi Gold plc — TR-1 Notification (veröffentlicht 11.02.2026)
- Serabi Gold plc — Übersicht Finanzberichte (serabigold.com)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Kurs- und Marktkapitalisierungsangaben; Datenstand 24. Juli 2026).
- Aufhänger: „Hot Stocks Europe“, Ausgabe 24 vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH), zugesandt von einem Leser — zitierte Zahlen ausschließlich als fremde Erwartung vom damaligen Stichtag eingeordnet, keine Übernahme von Kaufempfehlungen.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Serabi-Gold-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Finanzielle Substanz positiv
- Praktisch schuldenfreie Bilanz seit der vollständigen Tilgung des letzten Bankdarlehens am 16. Januar 2026, wachsende Kasse (65,7 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026) und die erste Dividende der Firmengeschichte (5 Pence je Aktie, gezahlt 10. Juli 2026). Kein Going-Concern-Hinweis, kein negatives Eigenkapital.
- Produktions- und Ergebniswachstum positiv
- Fünftes Rekordjahr in Folge bei der Produktion (44.169 Unzen 2025, +18 Prozent), Umsatz plus 65 Prozent, Nettogewinn fast verdoppelt auf 53,9 Millionen US-Dollar — mit Fortsetzung im ersten Halbjahr 2026 (23.049 Unzen).
- Regulatorische Abhängigkeit bei Coringa negativ
- Die Coringa-Mine — mehr als die Hälfte der Konzernproduktion 2025 — läuft auf einer Übergangslizenz, die am 29. Januar 2027 ausläuft. Die permanente Lizenz hängt an zwei noch ausstehenden Behördenfreigaben (INCRA, FUNAI); das Unternehmen selbst nennt deren Erteilung im vierten Quartal 2026 nur als Annahme seiner eigenen Produktionsprognose, nicht als gesicherte Tatsache.
- Ergebnisqualität und Goldpreis-Abhängigkeit neutral
- Ein erheblicher Teil des Gewinnsprungs 2025 stammt vom um 45 Prozent gestiegenen realisierten Goldpreis, nicht von sinkenden eigenen Kosten (AISC praktisch unverändert bei rund 1.816 US-Dollar je Unze). Zusätzlich sank 2026 bislang die Erzqualität bei Palito, und im zweiten Quartal 2026 fielen rund 4 Millionen US-Dollar einmalige Verwaltungs- und Steuerkosten an.
- Bewertung neutral
- Marktkapitalisierung rund 264 Millionen US-Dollar (24. Juli 2026), Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 4 auf Basis der letzten vier berichteten Quartale — eine Größenordnung, die auf den ersten Blick günstig wirkt, aber die Goldpreis-Abhängigkeit des Gewinns bereits mit einpreist. Für Serabi selbst nennt der auslösende Börsenbrief kein Kursziel eines Analysehauses.
Serabi Gold zeigt 2025 fünf grüne Kennzahlen fast im Dutzend: Rekordproduktion, deutlich höherer Umsatz und Gewinn, eine praktisch schuldenfreie Bilanz und die erste Dividende der Firmengeschichte. Der Haken sitzt bei der Mine, die heute mehr als die Hälfte des Goldes liefert: Coringa läuft auf einer Übergangslizenz, die im Januar 2027 ausläuft, und die permanente Genehmigung ist nach eigener Unternehmensaussage noch nicht gesichert. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäftsmodell trägt operativ und finanziell: fünf Jahre steigende Produktion, eine praktisch schuldenfreie Bilanz, kein Governance- oder Bilanzbruch, keine existenzielle Abhängigkeit von einem einzigen Kunden. Es gibt aber eine wesentliche, vom Unternehmen selbst offen benannte operative Frage: Über die Hälfte der Konzernproduktion hängt an einer Übergangslizenz mit Ablaufdatum 29. Januar 2027, deren dauerhafte Nachfolgeregelung (die permanente Lizenz „LI“) zum Zeitpunkt dieser Analyse noch an zwei offenen Behördenfreigaben hängt — Serabi selbst formuliert die eigene Produktionsprognose 2026 ausdrücklich nur als Annahme, nicht als gesicherte Tatsache. Das ist kein Substanzrisiko im Sinne eines Going-Concern-Zweifels — dafür ist die Bilanz zu gesund und die Rückfalloption (mögliche Verlängerung der Übergangslizenz) zu konkret —, aber eine reale, terminierte operative Unsicherheit, die den grünen Gesamteindruck der übrigen Kennzahlen nicht überdecken darf. Preis und KGV spielen für diese Einstufung keine Rolle.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Börsenbrief „Hot Stocks Europe“, Ausgabe 24 vom 28.11.2025 (B-Inside International Media GmbH), zugesandt von einem Leser. Der Brief nennt Serabi zweimal — als Top-Performer 2025 und als Musterdepot-Position — und weist selbst auf mögliche Interessenkonflikte hin (Longpositionen von Verlag/Autor, MAR EU Nr. 596/2014); keine der dort genannten Zahlen wurde als eigene Quelle übernommen, nur als fremde Erwartung vom damaligen Stichtag eingeordnet.
- Serabi Gold ist kein SEC-Filer: kein 10-K, kein 10-Q, kein 20-F/40-F (eigens im Melderegister der US-Börsenaufsicht geprüft, 26.07.2026, beide Ticker leer). Grundlage dieser Analyse sind der Jahresbericht 2025 (30.04.2026), der Quartalsbericht Q1 2026 (29.05.2026) und die Betriebsmeldung zum zweiten Quartal 2026 (23.07.2026).
- Keine Company-Zeile im eigenen Datenbestand angelegt: Ein an der Londoner AIM in Pence notierter Titel würde die auf US-Notierungen und Euro/Dollar ausgelegten Scanner-Schwellen verfälschen. Kurs- und Marktkapitalisierungsangaben in GBP und USD strikt getrennt gehalten; Pence (GBX) ist nicht Pfund (GBP), Faktor 100.
Häufige Fragen
Serabi Gold ist an der Londoner AIM notiert, dem Wachstumssegment der Londoner Börse. Dort werden Aktienkurse traditionell in Pence (GBX) angegeben, nicht in Pfund: 262 Pence sind 2,62 britische Pfund, nicht 262 Pfund. Zusätzlich notiert die Aktie in kanadischen Dollar an der Toronto Stock Exchange und außerbörslich in US-Dollar (OTCQX); die Bilanz führt das Unternehmen durchgehend in US-Dollar.
Das Unternehmen äußert sich dazu nicht spekulativ. Bekannt ist: Die Übergangslizenz (GU) läuft am 29. Januar 2027 aus, die permanente Lizenz (LI) hängt noch an zwei Behördenfreigaben (INCRA, FUNAI), und Serabi selbst nennt deren Erteilung im vierten Quartal 2026 nur als Annahme. Als Rückfalloption laufen Gespräche mit der Bergbaubehörde ANM über eine mögliche Verlängerung der bestehenden Übergangslizenz.
Serabi Gold ist kein bei der US-Börsenaufsicht SEC gemeldetes Unternehmen; die Ticker-Suche liefert für SRB und SRBIF keinen Treffer. Als an der Londoner AIM notierte britische Gesellschaft veröffentlicht Serabi ihre Pflichtberichte stattdessen über britische Meldesysteme (RNS) und die eigene Investor-Relations-Seite — Jahresbericht und Zwischenberichte statt 10-K und 10-Q.
Ja, seit dem 10. Juli 2026 zum ersten Mal in der Firmengeschichte: 5 Pence je Aktie (entspricht rund 0,07 US-Dollar), zusammen rund 5,41 Millionen US-Dollar oder etwa 20 Prozent des 2025 erzielten freien Cashflows nach Unternehmensangabe. Der Vorstand kündigte an, künftig zwischen 20 und 30 Prozent des freien Cashflows ausschütten zu wollen, abhängig von der Kassenlage.
Nach eigener Aussage ja: Am 16. Januar 2026 tilgte Serabi das letzte kurzfristige Bankdarlehen (rund 5,3 Millionen US-Dollar bei der Banco Santander Brasilien) vollständig. In der Bilanz zum 31. März 2026 standen noch rund 2,7 Millionen US-Dollar Leasingverbindlichkeiten für Ausrüstung — kein Bankkredit, aber auch nicht buchstäblich null Verbindlichkeiten.
Serabi förderte 2025 44.169 Unzen Gold (Rekord, plus 18 Prozent), im ersten Halbjahr 2026 weitere 23.049 Unzen. Die Produktion kommt aus zwei Minen im brasilianischen Bundesstaat Pará: dem älteren Palito-Komplex (reguläre Lizenz) und der jüngeren Coringa-Mine (Übergangslizenz bis Januar 2027), die 2025 erstmals mehr lieferte als Palito.
Ausgabe 24 vom 28. November 2025 nennt Serabi als einen der Top-Performer 2025 (Empfehlung aus Ausgabe 1/2025 zu 1,32 Euro, Spitze 3,50 Euro, plus 165 Prozent) und als Musterdepot-Position (Kauf 31.10.2025 zu 2,72 Euro). Diese Zahlen sind fremde Erwartung vom damaligen Stichtag, keine eigene Quelle dieser Analyse; die Euro-Kurse des Briefs sind zudem eine Umrechnung, denn die Aktie notiert tatsächlich in britischen Pence.
Am 24. Juli 2026 lag die Marktkapitalisierung bei rund 264 Millionen US-Dollar (262 Pence je Aktie, 75,7 Millionen Aktien). Bezogen auf den Gewinn der letzten vier berichteten Quartale (rund 66 Millionen US-Dollar) ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 4 — eine Größenordnung, die den hohen aktuellen Goldpreis mit einpreist, keine Kaufempfehlung.
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