R&S Group: 47 Prozent mehr Umsatz, 41 Prozent mehr Gewinn — und ein Eigenkapital von 12,2 Prozent der Bilanzsumme
R&S Group aus dem Schweizer Sissach baut Transformatoren für alternde Stromnetze — und hat 2025 ein Rekordjahr hingelegt: Umsatz 414,8 Millionen Franken (plus 47 Prozent), Gewinn 58,1 Millionen (plus 41 Prozent), Auftragseingang und -bestand auf Rekordhoch. Der Haken steht im Anhang: 231,7 Millionen Franken Goodwill sind nach Swiss GAAP FER direkt gegen das Eigenkapital verrechnet, das deshalb nur 12,2 Prozent der Bilanzsumme ausmacht — ein Jahr zuvor war es noch negativ. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Rechnung, die im Jahresbericht steht, aber selten im Depotauszug landet.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Der Psychologe Daniel Kahneman hat dafür eine Abkürzung geprägt: WYSIATI — What You See Is All There Is, „was du siehst, ist alles, was es gibt“. Unser Gehirn baut aus den Informationen, die gerade sichtbar sind, ganz automatisch eine runde, überzeugende Geschichte — und fragt nicht nach, was außerhalb des Bildausschnitts liegt. Bei einer Aktie sieht dieser Bildausschnitt meistens so aus: Umsatz, Gewinn, vielleicht noch der Auftragsbestand. Bei R&S Group Holding AG (SIX: RSGN), einem Schweizer Transformatorenhersteller aus Sissach, ist genau dieser Ausschnitt blendend: Umsatz 2025 plus 47 Prozent, Gewinn plus 41 Prozent, Auftragseingang auf Rekord. Ein Leser hat uns Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 geschickt (B-Inside International Media GmbH, Freiburg i. Br., Autor Michael Calivas), der R&S Group neben sechs weiteren Europa-Titeln als Wette auf alternde Stromnetze vorstellte. Machen wir also einen Deal: Wir lesen den Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 8. April 2026) zu Ende — auch den Anhang, den kaum jemand aufschlägt. Denn genau dort liegt der Teil des Bildes, den WYSIATI dir sonst vorenthält. Am Ende entscheidest du selbst, was du daraus machst.
Was R&S Group eigentlich macht — ein Getriebe fürs Stromnetz
Das Geschäftsmodell lässt sich in einem Bild zusammenfassen: Ein Transformator ist im Grunde ein Getriebe für elektrischen Strom — er wandelt Spannung von einem Niveau auf ein anderes um, ohne die Energie selbst zu verändern, so wie ein Fahrradgetriebe die Kraft deiner Beine auf unterschiedliche Übersetzungen verteilt. Ohne dieses Getriebe kommt kein Strom vom Kraftwerk oder Windpark zur Steckdose. R&S Group baut genau diese Getriebe: Öl- und gießharzisolierte Verteiltransformatoren, Leistungstransformatoren bis 220 Kilovolt und 160 MVA sowie Instrumententransformatoren — unter vier Marken, die jeweils eigene Produktschwerpunkte haben: Rauscher & Stoecklin (Schweiz, Leistungstransformatoren), Kyte Powertech (Cavan, Irland, Verteiltransformatoren für britische und irische Netzbetreiber), Tesar (Italien, Pionier bei gießharzisolierten Transformatoren, über 100.000 ausgelieferte Einheiten) und ZREW (Polen, Verteiltransformatoren, mit einem neuen Leistungstransformatoren-Werk im Bau in Łódź). Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern 1.328 Menschen in acht Fertigungsstätten in fünf Ländern — Schweiz, Italien, Polen, Irland und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die Börsen-Story dahinter ist kein Hype-Narrativ, sondern eine nüchterne Infrastruktur-Wette: Europas Stromnetze sind alt, und Elektrifizierung, Rechenzentren und erneuerbare Energien brauchen mehr davon. Rund 30 Prozent der europäischen Stromnetze sind heute älter als 40 Jahre, bis 2030 soll dieser Anteil auf rund 50 Prozent steigen — mehr als 60 Prozent der Verteiltransformatoren sind bereits älter als 30 Jahre. Dazu kommt echte Nachfrage aus neuen Anwendungen: Batteriespeicher (BESS), E-Mobilität, Rechenzentren — auch solche, die laut einer im Geschäftsbericht selbst zitierten Studie der Internationalen Energieagentur ihren Strombedarf wegen KI-getriebenen Wachstums bis 2035 auf 4,4 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs steigern könnten. R&S Group verkauft dabei keine KI — sie verkauft das Blech und Kupfer, das jedes Rechenzentrum unabhängig von seinem KI-Anteil braucht, um überhaupt Strom zu bekommen. Diese Wette auf die Erneuerung alternder Netze teilt sich R&S Group mit weiteren Titeln aus demselben Marktumfeld — etwa in unserer Analyse zu PFISTERER, einem weiteren Anbieter für kritische Schnittstellen im Stromnetz. Klingt nach einem Selbstläufer? Nicht ganz — denn schneller wachsen heißt auch: schneller Kapital verbrauchen, wie der Rest dieser Analyse zeigt.
Warum es hier keinen Bericht wie bei US-Aktien gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen
Ein Punkt zuerst, weil er die gesamte Beleglage dieser Analyse prägt: Von R&S Group gibt es kein 10-K, kein 10-Q. Die Gesellschaft ist kein US-Meldeunternehmen — die EDGAR-Suche nach dem Ticker RSGN liefert keine CIK, keine Filings. R&S Groups Pflichtberichte liegen woanders: Die Aktie notiert seit Dezember 2023 an der SIX Swiss Exchange und bilanziert nach Swiss GAAP FER — einem Schweizer Rechnungslegungsstandard, der bewusst schlanker ist als US-GAAP oder IFRS. Pflicht sind ein testierter Konzern-Jahresbericht (2025er Ausgabe: veröffentlicht 8. April 2026) und ein Halbjahresbericht; Quartalsberichte im US-Sinn gibt es nicht, nur gelegentliche Trading-Updates.
Was heißt das für dich als Leser? Die Erzähl-Logik, die wir sonst bemühen — „ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich“ — gilt für den testierten Swiss-GAAP-FER-Abschluss sinngemäß genauso: Ein von einer Revisionsstelle geprüfter Konzernabschluss ist ein haftungsbewehrtes Dokument. Aber zwei Dinge sind anders. Erstens die Quelle: Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahresbericht, SIX Swiss Exchange)“, nicht „SEC-Berichte“. Zweitens der Rechnungslegungsstandard selbst — und das ist keine Randnotiz: Swiss GAAP FER erlaubt bei Firmenzukäufen eine Behandlung des Goodwill (des Mehrpreises, den ein Käufer über den reinen Substanzwert einer übernommenen Firma hinaus zahlt), die es unter US-GAAP oder IFRS in dieser Form nicht gibt — dazu gleich mehr. Wir haben den Originalbericht gelesen, die entscheidenden Stellen markiert und mit Seitenzahl belegt.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was der Brief selbst durcheinanderbringt
Ehrlichkeit zuerst: R&S Group kam nicht über unseren hauseigenen Aktien-Scanner auf die Rechercheliste — der deckt in erster Linie US-gelistete Titel ab, eine reine SIX-Notierung ohne US-Listing taucht dort nicht auf. Stattdessen hat uns ein Leser Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 zugeschickt. Der Brief beschrieb R&S Group damals als „Full-Service-Anbieter für Transformatorlösungen“ mit sechs Produktionsstandorten und einem Auftragsbestand von rund 320 Millionen Franken, nannte eine Guidance-Senkung des Umsatzwachstums auf „8 bis 13 Prozent p. a.“ (vorher 10 bis 13 Prozent) und zitierte die Zürcher Kantonalbank mit einer skeptischeren Schätzung: Ebit-Marge 2026 nur noch rund 17 Prozent, Gewinn je Aktie rund 20 Prozent unter Konsens. Dazu Berenberg Research mit einer deutlich optimistischeren Rechnung: Umsatz 2023 bis 2027 von 217 auf 490 Millionen Franken, Nettogewinn 64 Millionen (1,73 Franken je Aktie), Dividende bis 2027 auf 0,80 Franken steigend, KGV 2027 einstellig, Kursziel 35 Franken.
Zwei Dinge fallen beim Nachprüfen auf. Erstens: Der Brief nennt zu Beginn des R&S-Abschnitts einen „Kurs im Brief EUR 17,40“ — verwechselt an dieser Stelle die Berichtswährung Franken mit Euro, denn R&S Group notiert ausschließlich in Schweizer Franken an der SIX; an anderer Stelle desselben Textes ist korrekt von „um CHF 16“ die Rede. Das ist keine böswillige Täuschung, sondern ein Beleg dafür, warum man Kennzahlen aus einem Börsenbrief nie unbesehen übernimmt — auch der Brief selbst ist nur ein Mensch, der schnell schreibt. Zweitens: Die tatsächliche, von R&S Group selbst am 6. November 2025 kommunizierte Guidance-Senkung lautete 8 bis 12 Prozent Umsatzwachstum (nicht 13 Prozent) bei einer Ebitda-Marge von 19 bis 21 Prozent — ein kleiner, aber real vorhandener Unterschied zur Zahl im Brief. Diese Werte sind fremde Erwartung vom 28. November 2025 — keine Quelle für diese Analyse; jede Unternehmenszahl im Folgenden stammt aus dem Geschäftsbericht 2025 oder der Ad-hoc-Mitteilung vom 6. November 2025 selbst. Zur Einordnung gehört auch der Interessenkonflikt-Hinweis, den der Brief auf Seite 8 offenlegt: Verlag und Autor können Longpositionen in besprochenen Werten halten und beabsichtigen, bei steigenden Kursen zu verkaufen (Marktmissbrauchsverordnung EU Nr. 596/2014). Ein ganz ähnliches Muster — eine fremde Zahl, die beim Nachrechnen leicht danebenliegt — begegnet uns übrigens auch bei einem anderen Titel aus derselben Brief-Ausgabe: In unserer Analyse zu ACG Metals zeigte der geprüfte Abschluss einen Verlust, wo ein Analyst zuvor einen Gewinn gesehen hatte.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt — und das ist eine ganze Menge. R&S Group wächst in einem Tempo, das man bei einem Transformatorenhersteller nicht erwartet: Umsatz 216,9 Millionen Franken (2023), 282,6 Millionen (2024), 414,8 Millionen Franken (2025) — ein Plus von 46,8 Prozent im letzten Jahr, organisch (ohne Zukäufe und Wechselkurseffekte) immerhin 8,6 Prozent. Der Gewinn nach Steuern läuft nicht nur mit, er beschleunigt: 11,6 Millionen (2023), 41,2 Millionen (2024), 58,1 Millionen Franken (2025), ein Plus von 41 Prozent, Ergebnis je Aktie 1,56 Franken (2024: 1,31 Franken).
Auch der Frühindikator für die kommenden Jahre sieht stark aus. Der Geschäftsbericht selbst formuliert es so:
„Order intake remained strong throughout most of 2025, culminating in a record figure of CHF 476.8 million (FY2024: CHF 305.5 million), supporting the good future visibility of our business.“
Übersetzung: „Der Auftragseingang blieb während des Großteils des Jahres 2025 stark und gipfelte in einem Rekordwert von 476,8 Millionen Franken (Geschäftsjahr 2024: 305,5 Millionen), was die gute Vorhersehbarkeit unseres Geschäfts unterstützt.“
— R&S Group Holding AG, Annual Report 2025, Kapitel Business development, Seite 21
Der Auftragsbestand zum Jahresende 2025 erreichte mit 325,7 Millionen Franken ebenfalls einen Rekord (2024: 278,0 Millionen, plus 17 Prozent), das Buch-zu-Rechnung-Verhältnis (neue Aufträge im Verhältnis zum Umsatz) lag bei 1,15 — jeder Franken Umsatz wurde durch 1,15 Franken neuer Aufträge ersetzt. Umgerechnet deckt der Bestand bereits rund 9,4 Monate des Jahresumsatzes 2025 vertraglich ab. Auch operativ überzeugt die Entwicklung: Die Nettofinanzschulden sanken von 91,3 auf 62,9 Millionen Franken (Leverage 0,7-fach Ebitda), der operative Cashflow stieg von 48,7 auf 65,9 Millionen Franken, und der freie Cashflow blieb mit 48,1 Millionen Franken deutlich positiv (2024 bereinigt: 44,9 Millionen — der ausgewiesene Rohwert 2024 von minus 176,2 Millionen erklärt sich allein durch den Kaufpreis für Kyte Powertech). Bis hierhin sieht alles nach einer sauberen Wachstumsgeraden aus — genau das Bild, das ein flüchtiger Blick auf Umsatz und Gewinn zeichnet. Jetzt zum Teil des Bildes, den WYSIATI dir vorenthält.
Was im Jahresbericht steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das Eigenkapital ist so dünn, weil 231,7 Millionen Franken Goodwill gar nicht in der Bilanz stehen
Trotz Rekordgewinn steht am 31. Dezember 2025 ein Eigenkapital von gerade einmal 34,957 Millionen Franken in der Bilanz — bei einer Bilanzsumme von 286,1 Millionen. Das sind 12,2 Prozent. Zur Einordnung: Ein Jahr zuvor war die Zahl noch negativ (minus 5,3 Millionen Franken). Der Geschäftsbericht erklärt den Sprung ins Positive selbst — und benennt im selben Satz den Grund für die Dünnheit:
„Equity is back to a positive number at CHF 35.0 million versus a negative CHF 5.3 million at the end of 2024, owing to goodwill of CHF 180.7 million from the Kyte acquisition in August 2024 offset against equity in accordance with the Group's accounting policy and Swiss GAAP FER.“
Übersetzung: „Das Eigenkapital ist mit 35,0 Millionen Franken wieder positiv, verglichen mit negativen 5,3 Millionen Ende 2024 — wegen des Goodwills von 180,7 Millionen Franken aus der Kyte-Übernahme im August 2024, der gemäß der Rechnungslegungspolitik der Gruppe und Swiss GAAP FER gegen das Eigenkapital verrechnet wurde.“
— R&S Group Holding AG, Annual Report 2025, Kapitel Business development, Seite 22
Was hier passiert, ist unter Swiss GAAP FER legal und offen ausgewiesen — aber ungewöhnlich im internationalen Vergleich. Unter US-GAAP oder IFRS müsste R&S Group den Goodwill (den Mehrpreis über den reinen Substanzwert der zugekauften Firmen hinaus) als Vermögenswert in der Bilanz aktivieren und jährlich auf Wertminderung prüfen. Swiss GAAP FER erlaubt stattdessen die sofortige, vollständige Verrechnung gegen das Eigenkapital — R&S Group hat sich für diesen Weg entschieden, und zwar bei jeder ihrer bisherigen Übernahmen: 17,7 Millionen Franken bei der Gründung der Holding Ende 2023, 180,7 Millionen bei Kyte Powertech im August 2024, plus kleinere Beträge bei ZREW und Tesar. Zusammen: 231,695 Millionen Franken — mehr als 30 Prozent des heutigen Börsenwerts von 752,7 Millionen Franken (Kurs 20,26 Franken, 24. Juli 2026) —, die es in der ausgewiesenen Bilanz schlicht nicht mehr gibt.
Die Folge für zwei beliebte Kennzahlen: Der Buchwert je Aktie liegt bei nur 0,94 Franken — der Kurs entspricht damit dem gut 21-Fachen des Buchwerts. Und die Eigenkapitalrendite (Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital) sieht mit rund 39 Prozent auf den ersten Blick sensationell aus. Merke dir dieses Bild: Eine Eigenkapitalrendite von 39 Prozent ist kein Beleg für außergewöhnliche Kapitaleffizienz, wenn die Basis, durch die geteilt wird, künstlich klein ist — sie ist ein Rechenartefakt einer Bilanzierungsmethode, kein Qualitätssiegel. Beide Kennzahlen — Kurs-Buchwert-Verhältnis wie Eigenkapitalrendite — sind bei R&S Group deshalb praktisch aussagelos, solange man den Grund dafür nicht kennt.
Der Geschäftsbericht liefert diese Gegenrechnung selbst, als Pflichtangabe nach Swiss GAAP FER: Würde man den gesamten Goodwill stattdessen aktivieren und über fünf Jahre abschreiben, läge das Eigenkapital nicht bei 35,0, sondern bei 176,7 Millionen Franken — und der Jahresgewinn 2025 nicht bei 58,1, sondern nach Abzug von 39,675 Millionen Franken theoretischer Abschreibung nur bei 18,4 Millionen Franken. Zwei Bilanzbilder derselben Firma, derselben Zahlen, nur einer anderen Bilanzierungsentscheidung — mit einem Faktor von mehr als drei beim Gewinn. Welches Bild „stimmt“, ist die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Weißt du, welches der beiden du gerade ansiehst?
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Eine Wertminderung dieses Goodwills würde im Ergebnis nie sichtbar
Die zweite Konsequenz aus derselben Bilanzierungsentscheidung ist noch weniger bekannt, aber genauso real. Weil der Goodwill bereits vollständig gegen das Eigenkapital verrechnet wurde, kann er auch nicht mehr über die Erfolgsrechnung abgeschrieben werden, sollte sich einer der Zukäufe als überteuert erweisen. Der Geschäftsbericht sagt das ausdrücklich:
„As goodwill is fully offset against equity at the date of acquisition, an impairment of goodwill will not affect income, but will only be disclosed in the notes to the consolidated financial statements.“
Übersetzung: „Da der Goodwill zum Zeitpunkt der Übernahme bereits vollständig gegen das Eigenkapital verrechnet wurde, würde eine Wertminderung des Goodwills das Ergebnis nicht berühren, sondern nur in den Anhang zum Konzernabschluss aufgenommen.“
— R&S Group Holding AG, Annual Report 2025, Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze (Wertminderung)
Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir vor, du hast für ein gebrauchtes Auto einen Aufpreis über den reinen Materialwert hinaus bezahlt, weil du an die Marke geglaubt hast — und diesen Aufpreis sofort aus deinem Sparbuch abgebucht, statt ihn als Vermögenswert zu verbuchen. Stellt sich später heraus, dass der Aufpreis unberechtigt war, taucht dieser Verlust in keiner deiner monatlichen Ausgabenübersichten mehr auf — er ist ja schon weg. Genau das gilt für R&S Group: Der einzige Ort, an dem sich eine schlecht gelaufene Übernahme zeigen würde, ist der jährliche Werthaltigkeitstest im Konzernanhang selbst — eine Textzeile, kein Gewinnrückgang. Wer Ebitda und Gewinn als Frühwarnsystem für eine misslungene Integration liest, schaut damit an genau der Stelle vorbei, an der sich ein Problem zuerst zeigen würde. Das ist der Kern des Beifang-Fundes zu dieser Analyse (siehe Kasten „Beifang“ auf dieser Seite): kein Vorwurf an das Unternehmen, sondern eine Lücke im Frühwarnsystem der meisten Leser.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die eigene Prognose bestätigt, dass das Wachstum Marge kostet
Auch ohne Goodwill-Frage zeigt der Bericht selbst, dass das Rekordwachstum nicht ohne Reibung kommt. Die Rohertragsmarge fiel von 50,9 auf 46,2 Prozent, die Ebitda-Marge von 23,9 auf 20,9 Prozent, die Ebit-Marge von 22,2 auf 19,1 Prozent — R&S Group begründet das selbst mit dem „unterschiedlichen Margenprofil“ von Kyte Powertech gegenüber dem angestammten Geschäft. Am 6. November 2025, also drei Wochen vor dem Börsenbrief, senkte das Management deshalb die eigene Mittelfristprognose: Umsatzwachstum künftig 8 bis 12 Prozent pro Jahr (vorher 10 bis 13 Prozent), Profitabilitätsziel neu als Ebitda-Marge 19 bis 21 Prozent statt vormals rund 20 Prozent Ebit-Marge — und die Prognose für den freien Cashflow wurde ganz gestrichen. 2026 nennt das Unternehmen selbst das „Jahr der Investitionen“. Der Geschäftsbericht vom 7. April 2026 bestätigt diese Leitplanken wörtlich unverändert.
Auch beim freien Cashflow zeigt sich dieselbe Reibung: Zwar blieb er 2025 mit 48,1 Millionen Franken positiv und sogar leicht über dem bereinigten Vorjahreswert (44,9 Millionen) — doch die Marge fiel von 15,9 auf 11,6 Prozent, weil 17,8 Millionen Franken in Wachstumsprojekte flossen, etwa das neue Leistungstransformatoren-Werk in Łódź. Merke dir diesen Zusammenhang: Ein Unternehmen, das schneller wächst als der Markt, bezahlt dieses Tempo fast immer mit Marge oder mit Kapital — meistens mit beidem. Dass R&S Group das selbst so offen einräumt und die eigene Prognose entsprechend anpasst, ist eher ein Zeichen von Ehrlichkeit als von Schwäche — aber es widerspricht dem reinen Rekord-Narrativ, mit dem der Börsenbrief den Titel vorstellte.
Bewertung: ein KGV von 13 oder von 41 — je nachdem, welchem Gewinn du traust
Bei einem Kurs von 20,26 Franken (24. Juli 2026) und 37,15 Millionen ausstehenden Aktien ergibt sich ein Börsenwert von rund 752,7 Millionen Franken. Gemessen am Umsatz 2025 (414,8 Millionen) entspricht das einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,8 — für einen Industriehersteller mit diesem Wachstumstempo keine auffällige Zahl. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wird es interessant: Auf Basis des ausgewiesenen Gewinns (58,1 Millionen Franken) liegt es bei rund 13 — auf Basis des theoretischen Gewinns nach Goodwill-Abschreibung (18,4 Millionen, siehe oben) dagegen bei rund 41. Beide Zahlen sind mit denselben Rohdaten korrekt gerechnet; welche „richtig“ ist, hängt davon ab, ob du die Swiss-GAAP-FER-Sofortverrechnung als endgültig erledigt betrachtest oder als aufgeschobene Belastung. Eigene Berechnung zum Unternehmenswert (Börsenwert plus Nettofinanzschulden von 62,9 Millionen): rund 815,6 Millionen Franken, das Neunfache des ausgewiesenen Ebitda von 86,7 Millionen.
Die im Börsenbrief vom 28. November 2025 zitierten Analystenmeinungen sind acht Monate alt und entsprechend mit Vorsicht zu lesen. Berenberg Research rechnete damals mit einem Umsatzsprung von 217 auf 490 Millionen Franken bis 2027, einem Nettogewinn von 64 Millionen (1,73 Franken je Aktie) und einem Kursziel von 35 Franken — bemerkenswert daran: Selbst diese optimistische Prognose für 2027 (1,73 Franken) liegt nur moderat über dem bereits 2025 tatsächlich erreichten Ergebnis je Aktie von 1,56 Franken, was zur eigenen Guidance-Senkung des Unternehmens passt. Die Zürcher Kantonalbank war skeptischer und erwartete für 2026 eine Ebit-Marge von nur rund 17 Prozent (nicht direkt vergleichbar mit der neuen Ebitda-Leitplanke des Unternehmens von 19 bis 21 Prozent) sowie einen Gewinn je Aktie rund 20 Prozent unter Konsens. Beide Einschätzungen stammen vom 28. November 2025, keine davon ist eine Tatsachenbehauptung über die Gegenwart.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für R&S Group spricht:
- Strukturelles Rückenwind-Thema: alternde Stromnetze in Europa (rund 30 Prozent bereits über 40 Jahre alt, bis 2030 rund 50 Prozent), plus Nachfrage aus Batteriespeichern, E-Mobilität und Rechenzentren — unabhängig von kurzfristigen Konjunkturzyklen.
- Rekord-Auftragslage: Auftragseingang 476,8 Millionen Franken (plus 56 Prozent), Bestand 325,7 Millionen (Buch-zu-Rechnung 1,15) — das deckt bereits rund 9,4 Monate des Jahresumsatzes 2025 ab.
- Entschuldung trotz Wachstumsinvestitionen: Nettofinanzschulden von 91,3 auf 62,9 Millionen Franken gesunken, Leverage 0,7-fach Ebitda, freier Cashflow weiterhin positiv (48,1 Millionen).
- Streubesitz gestiegen: Der frühere Mehrheitsaktionär CGS III (Jersey) L.P. verkaufte seine verbliebenen 6,8 Prozent im Mai 2025 vollständig per Blocktrade; der Streubesitz stieg dadurch von 83 auf rund 90 Prozent — kein bekannter Großaktionär wartet mehr auf einen Ausstieg.
- Dividende trotz Investitionsphase bestätigt: 0,50 Franken je Aktie für das Geschäftsjahr 2025, am 7. Mai 2026 genehmigt und am 13. Mai 2026 ausbezahlt, aus steuerfreien Kapitaleinlagereserven.
Was dagegen spricht:
- Eigenkapital von nur 12,2 Prozent der Bilanzsumme (34,957 Millionen Franken), weil 231,7 Millionen Franken Goodwill nach Swiss GAAP FER direkt gegen das Eigenkapital verrechnet wurden — noch Ende 2024 war die Zahl negativ. Eine Wertminderung dieses Goodwills würde das ausgewiesene Ergebnis nie berühren (siehe unbequeme Wahrheit Nr. 2).
- Margen unter Druck: Rohertragsmarge von 50,9 auf 46,2 Prozent gefallen, Ebitda-Marge von 23,9 auf 20,9 Prozent — die eigene Prognose vom 6. November 2025 bestätigt diesen Trend als strukturell, nicht als Ausrutscher.
- Freie-Cashflow-Prognose für 2026 komplett gestrichen, während das Unternehmen selbst von einem „Jahr der Investitionen“ spricht — ohne Zielmarke ist schwer zu prüfen, ob der Kapitalverbrauch im Rahmen bleibt.
- Sehr kurze Börsenhistorie (Dezember 2023) für einen Konzern, der seither durch zwei größere Übernahmen (Kyte Powertech, ZREW/Tesar-Integration) gewachsen ist — ein vollständiger Konjunkturzyklus mit einem schwächeren Jahr steht noch aus.
- Governance-Wechsel: Board-Mitglied Dr. Beatrix Natter trat zum 30. Juni 2026 aus persönlichen Gründen zurück; ein Nachfolger soll erst an der nächsten ordentlichen Generalversammlung (voraussichtlich April 2027) gewählt werden.
Ein menschliches Fazit
Zurück zu WYSIATI vom Anfang. Der Ausschnitt, den ein flüchtiger Blick auf R&S Group zeigt, ist nicht falsch: Umsatz plus 47 Prozent, Gewinn plus 41 Prozent, Auftragseingang auf Rekord — jede dieser Zahlen ist echt, geprüft, im Geschäftsbericht nachlesbar. Was WYSIATI dir aber vorenthält, ist der Teil des Bildes außerhalb des Ausschnitts: ein Eigenkapital, das nur deshalb positiv ist, weil 231,7 Millionen Franken Goodwill gar nicht mehr in der Bilanz stehen, und eine Wertminderung dieses Goodwills, die im Ergebnis niemals sichtbar würde. Beides ist wahr, und beides gehört in dieselbe Analyse. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist das Wachstum echt?“, sondern: Reicht dir der Ausschnitt aus Umsatz und Gewinn — oder schaust du auch dahin, wo laut eigenem Geschäftsbericht ein Problem zuerst sichtbar würde: in den Anhang, nicht in die Erfolgsrechnung? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- R&S Group Holding AG — Annual Report 2025 (PDF, veröffentlicht 8. April 2026)
- R&S Group Holding AG — Investor-Relations-Seite: Jahres- und Halbjahresberichte
- R&S Group Holding AG — Ad-hoc-Mitteilung „R&S Group refines mid-term guidance and structure“ (6. November 2025)
- R&S Group Holding AG — Ad-hoc-Mitteilung zur Veröffentlichung des Jahresberichts 2025 (8. April 2026)
- R&S Group Holding AG — Ergebnis der Generalversammlung vom 7. Mai 2026 (Dividende genehmigt, Auszahlung 13. Mai 2026)
- R&S Group Holding AG — Rücktritt von Dr. Beatrix Natter aus dem Verwaltungsrat (Mitteilung, wirksam 30. Juni 2026)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Kurs, Marktkapitalisierung; Datenstand 26. Juli 2026), abgeglichen mit dem Geschäftsbericht.
- Aufhänger: Börsenbrief „Hot Stocks Europe“ Nr. 24 vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH, Freiburg i. Br.) — als fremde Erwartung zitiert, nicht als Quelle für Unternehmenszahlen verwendet.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in R&S-Group-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Wachstum positiv
- Umsatz 2025 plus 46,8 Prozent auf 414,8 Millionen Franken (organisch plus 8,6 Prozent), Gewinn nach Steuern plus 41 Prozent auf 58,1 Millionen. Strukturell trägt der europaweite Netzausbau (alternde Transformatoren, Rechenzentren, Batteriespeicher, E-Mobilität) das Geschäft über mehrere Jahre.
- Auftragslage positiv
- Auftragseingang 476,8 Millionen Franken (Rekord, plus 56 Prozent), Auftragsbestand 325,7 Millionen (Rekord, Buch-zu-Rechnung 1,15) — deckt bereits rund 9,4 Monate des Jahresumsatzes 2025 vertraglich ab.
- Eigenkapital und Goodwill negativ
- Eigenkapital nur 12,2 Prozent der Bilanzsumme (34,957 Millionen Franken), weil 231,695 Millionen Franken Goodwill nach Swiss GAAP FER direkt gegen das Eigenkapital verrechnet wurden — Ende 2024 war die Zahl noch negativ. Eine künftige Wertminderung dieses Goodwills würde das ausgewiesene Ergebnis nie berühren, sondern nur im Anhang erscheinen.
- Margenentwicklung neutral
- Rohertragsmarge von 50,9 auf 46,2 Prozent gefallen, Ebitda-Marge von 23,9 auf 20,9 Prozent. Die eigene Mittelfristprognose vom 6. November 2025 (Umsatzwachstum künftig 8 bis 12 statt 10 bis 13 Prozent, Ebitda-Marge 19 bis 21 statt vormals rund 20 Prozent Ebit-Marge, Freie-Cashflow-Prognose ausgesetzt) bestätigt diesen Trend als strukturell.
- Verschuldung und Liquidität positiv
- Nettofinanzschulden von 91,3 auf 62,9 Millionen Franken gesenkt (Leverage 0,7-fach Ebitda), operativer Cashflow von 48,7 auf 65,9 Millionen gestiegen, freier Cashflow trotz höherer Wachstumsinvestitionen weiterhin positiv (48,1 Millionen, wenn auch bei gesunkener Marge).
- Bewertung neutral
- Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 13 auf Basis des ausgewiesenen Gewinns, rund 41 auf Basis des theoretischen Gewinns nach Goodwill-Abschreibung; Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 1,8 (Stand 24. Juli 2026). Die im November 2025 zitierten Analystenmeinungen (Berenberg optimistisch, Zürcher Kantonalbank skeptischer) sind acht Monate alt.
R&S Group liefert ein Rekordjahr: Umsatz plus 46,8 Prozent, Gewinn plus 41 Prozent, Auftragseingang und -bestand auf Rekordhoch, Nettoschulden rückläufig. Doch das Eigenkapital liegt bei nur 12,2 Prozent der Bilanzsumme, weil 231,7 Millionen Franken Goodwill nach Swiss GAAP FER direkt gegen das Eigenkapital verrechnet wurden — eine künftige Wertminderung würde im Ergebnis nie sichtbar. Die eigene Mittelfristprognose vom 6. November 2025 bestätigt zudem, dass das Wachstum Marge kostet. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage: Das Eigenkapital ist dünn, aber positiv, die Finanzverbindlichkeiten sind rückläufig (Leverage nur 0,7-fach Ebitda), der operative Cashflow ist gesund, und der Geschäftsbericht bestätigt ausdrücklich die Fortführung als Going Concern — von einer Überschuldung, einer Zinsdeckung unter eins oder einer akuten Liquiditätsenge kann keine Rede sein. Gelb steht, weil zwei operative Fragen offen sind, die ein flüchtiger Blick auf Umsatz und Gewinn nicht zeigt: Erstens macht die Swiss-GAAP-FER-Sofortverrechnung des Goodwills (231,7 Millionen Franken, mehr als 30 Prozent des Börsenwerts) das Eigenkapital strukturell dünn und ließe eine künftige Wertminderung im Ergebnis unsichtbar bleiben — kein Bilanzbruch, aber eine Bilanzstruktur, die im internationalen Vergleich ungewöhnlich wenig Puffer zeigt. Zweitens hat das Management selbst am 6. November 2025 die Mittelfristprognose gesenkt (Umsatzwachstum 8 bis 12 statt 10 bis 13 Prozent, neue Ebitda-Marge-Leitplanke 19 bis 21 Prozent) und die Freie-Cashflow-Prognose für das „Jahr der Investitionen“ 2026 komplett ausgesetzt — ob die Kapitalintensität des Wachstums im Rahmen bleibt, zeigt frühestens der Trading Update zum ersten Halbjahr 2026 am 5. August 2026. Das Geschäftsmodell selbst (strukturell wachsender Markt für Netzinfrastruktur, Rekord-Auftragsbestand, sinkende Nettoschulden) trägt erkennbar.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger dieser Analyse ist Ausgabe 24 des Börsenbriefs „Hot Stocks Europe“ vom 28. November 2025 (B-Inside International Media GmbH, Freiburg), der R&S Group mit einem als „um CHF 16“ bzw. an anderer Stelle fälschlich „EUR 17,40“ bezeichneten Kurs vorstellte — R&S Group notiert ausschließlich in Schweizer Franken. Verlag und Autor können nach eigenem Hinweis (Seite 8) Longpositionen in besprochenen Werten halten und beabsichtigen, bei steigenden Kursen zu verkaufen (Marktmissbrauchsverordnung EU Nr. 596/2014).
- Alle Unternehmenszahlen stammen aus dem Annual Report 2025 (veröffentlicht 8. April 2026) und der Ad-hoc-Mitteilung vom 6. November 2025, nicht aus dem Börsenbrief. Datenstand der Bewertungskennzahlen: 26. Juli 2026.
- Verwechslungsgefahr beim Datenanbieter: Das Feld „FiscalYearEnd“ ist im Feed auf „April“ gesetzt, tatsächlich ist das Geschäftsjahr von R&S Group das Kalenderjahr (Ende 31. Dezember) — alle Zahlen dieser Analyse stammen aus dem Geschäftsbericht, nicht aus dem Feed-Etikett.
- Company-Zeile auf Prod nicht vorhanden (gemessen 26. Juli 2026): Die KI-Akte zu R&S Group ist deshalb als Fragment geparkt, nicht regulär eingespielt.
Häufige Fragen
R&S Group Holding AG aus Sissach (Schweiz) entwickelt und produziert Transformatoren für elektrische Stromnetze — öl- und gießharzisolierte Verteiltransformatoren, Leistungstransformatoren bis 220 Kilovolt und Instrumententransformatoren — unter den Marken Rauscher & Stoecklin, Kyte Powertech (Irland), Tesar (Italien) und ZREW (Polen). Der Konzern beschäftigte zum 31. Dezember 2025 1.328 Menschen in acht Fertigungsstätten in fünf Ländern.
Weil R&S Group nach Swiss GAAP FER den Goodwill aus Firmenübernahmen — insgesamt 231,7 Millionen Franken, vor allem aus der Kyte-Powertech-Übernahme 2024 — sofort und vollständig gegen das Eigenkapital verrechnet, statt ihn als Vermögenswert zu aktivieren. Das Eigenkapital lag deshalb Ende 2024 sogar im Minus (minus 5,3 Millionen Franken) und liegt Ende 2025 bei nur 12,2 Prozent der Bilanzsumme, trotz eines Rekordgewinns von 58,1 Millionen Franken.
Nicht im Ergebnis. Der Geschäftsbericht 2025 stellt ausdrücklich klar, dass eine Wertminderung des bereits gegen das Eigenkapital verrechneten Goodwills die Erfolgsrechnung nicht berührt, sondern nur im Anhang offengelegt würde. Sichtbar würde ein Problem also frühestens im jährlichen Werthaltigkeitstest im Anhang — nicht in Umsatz, Ebitda oder Gewinn.
R&S Group notiert an der SIX Swiss Exchange, nicht in den USA — es gibt kein 10-K, kein 10-Q, keine SEC-Registrierung. Die Gesellschaft bilanziert nach Swiss GAAP FER und veröffentlicht einen testierten Jahresbericht sowie einen Halbjahresbericht. Diese Analyse stützt sich auf den Annual Report 2025 (veröffentlicht 8. April 2026) und die Ad-hoc-Mitteilung vom 6. November 2025.
Ausgabe 24 vom 28. November 2025 feierte einen Auftragsbestand von rund 320 Millionen Franken und nannte eine Guidance-Senkung auf „8 bis 13 Prozent“ Umsatzwachstum. Die tatsächliche, von R&S Group am 6. November 2025 kommunizierte Spanne lautet 8 bis 12 Prozent bei 19 bis 21 Prozent Ebitda-Marge; der Brief verwechselte an einer Stelle zudem die Berichtswährung Franken mit Euro. Beide Ungenauigkeiten sind klein, zeigen aber, warum Zahlen aus Börsenbriefen stets an der Originalquelle geprüft gehören.
Ja. Für das Geschäftsjahr 2024 wurden 0,50 Franken je Aktie ausgeschüttet (Juni 2025), für das Geschäftsjahr 2025 erneut 0,50 Franken je Aktie — von der Generalversammlung am 7. Mai 2026 genehmigt und am 13. Mai 2026 ausbezahlt, aus steuerfreien Kapitaleinlagereserven. Bei einem Kurs von 20,26 Franken (24. Juli 2026) entspricht das rund 2,5 Prozent Rendite.
Das hängt davon ab, welchem Gewinn man traut. Auf Basis des ausgewiesenen Gewinns 2025 (58,1 Millionen Franken) liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 13 — auf Basis des theoretischen Gewinns nach Goodwill-Abschreibung (18,4 Millionen Franken) dagegen bei rund 41. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 1,8 (Kurs 20,26 Franken, Börsenwert 752,7 Millionen Franken, Stand 24. Juli 2026).
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