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AXIS Capital: Ein Ausstieg, der die Katastrophenlast gedrittelt hat

AXIS Capital: Ein Ausstieg, der die Katastrophenlast gedrittelt hat

Im Juni 2022 verließ AXIS Capital das Katastrophen- und Sachrückversicherungsgeschäft. Seither ist die Katastrophenschadenquote von 9,5 auf 2,8 Ratiopunkte gefallen, die Schaden-Kosten-Quote von 97,5 auf 89,8 Prozent und der Buchwert je Aktie von 46,95 auf 78,19 US-Dollar. Auf derselben Insel entschied sich RenaissanceRe genau umgekehrt. Wir haben beide Zahlenreihen nebeneinandergelegt — und geprüft, was ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,1 nach so einem Umbau noch verdeckt. Keine Anlageberatung.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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AXIS Capital: Ein Ausstieg, der die Katastrophenlast gedrittelt hat
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt zwei Wege, mit Naturkatastrophen Geld zu verdienen. Der eine: sie versichern und in guten Jahren viel kassieren. Der andere: es lassen. AXIS Capital hat sich im Juni 2022 für den zweiten entschieden — und der Geschäftsbericht formuliert das in einem Nebensatz, der die ganze Strategie enthält: „The Company exited the catastrophe and property lines of business in June 2022.“

Vier Jahre später lässt sich nachrechnen, was das gebracht hat. Die Katastrophen- und Wetterschadenquote fiel von 9,5 Ratiopunkten (2021) auf 2,8 (2025). Die Schaden-Kosten-Quote sank von 97,5 auf 89,8 Prozent. Der Buchwert je verwässerter Stammaktie stieg von 46,95 US-Dollar (31.12.2022) auf 78,19 (31.03.2026).

Interessant wird das erst durch den Gegenversuch. Nur wenige Kilometer entfernt, in derselben Stadt auf derselben Insel, entschied sich RenaissanceRe genau umgekehrt und blieb im Katastrophengeschäft. Beide Häuser stehen heute in unserem Qualitätsfilter, beide erfüllen dieselben fünf Bedingungen — und ihre Zahlenreihen sehen völlig verschieden aus. Diese Analyse legt sie nebeneinander und stellt eine einzige Frage: Was ist die ruhigere Ertragsreihe wert — und was verdeckt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,1 nach so einem Umbau noch?

Was AXIS Capital macht — und warum Bermuda nichts an der Meldepflicht ändert

AXIS Capital Holdings Limited sitzt in der 92 Pitts Bay Road in Pembroke auf Bermuda und wird an der New York Stock Exchange unter „AXS“ gehandelt; eine Vorzugsaktie der Serie E läuft dort als „AXS PRE“. Gegründet wurde das Haus 2001, unmittelbar nach dem 11. September, als frisches Kapital in den Versicherungsmarkt strömte. Geführt wird es von Vince Tizzio als President und Chief Executive Officer.

Das Geschäft läuft in zwei berichtspflichtigen Segmenten:

  • AXIS Insurance — Spezialversicherung für Unternehmen: Haftpflicht, Berufshaftpflicht, Sach, Marine und Luftfahrt, Cyber, Kredit- und politische Risiken, Unfall und Krankheit. Das ist mit Abstand der größere Teil: 1.983,7 Millionen US-Dollar Bruttoprämien im ersten Quartal 2026 (plus 19,8 Prozent) bei einer Schaden-Kosten-Quote von 86,3 Prozent.
  • AXIS Re — Rückversicherung, aber ohne Katastrophen- und Sachgeschäft. Bruttoprämien im ersten Quartal 2026: 1.114,2 Millionen US-Dollar (minus 2,2 Prozent) bei einer Quote von 92,7 Prozent. Der Konzernchef beschreibt die Ausrichtung so, dass kurzabwickelnde Sparten mehr als 60 Prozent der Rückversicherungsprämien ausmachen.

Ein Hinweis zur Meldeform, weil er bei Bermuda-Gesellschaften regelmäßig falsch angenommen wird: AXIS ist kein ausländischer Emittent. Der Konzern reicht den vollen US-Satz ein — Geschäftsbericht 10-K, Quartalsbericht 10-Q, Ad-hoc-Meldungen 8-K. Ein 20-F existiert in der Filing-Historie nicht. Der jüngste Zahlenstand dieser Analyse ist deshalb der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 29. April 2026. Danach kamen nur noch zwei Meldungen ohne Zahlenwirkung: das Ergebnis der Hauptversammlung vom 14. Mai 2026 und die Bestellung von Pradip Patiath in den Verwaltungsrat am 15. Juni 2026.

Wer Bermuda-Versicherer vergleichen will, findet bei uns vier weitere Häuser derselben Insel: RenaissanceRe, SiriusPoint, Hamilton Insurance Group und Pelagos Insurance Capital. Für den Blick auf einen rein amerikanischen Spezialversicherer lohnt der Vergleich mit American Financial Group.

Der Bruch: Im Juni 2022 stieg AXIS aus dem Katastrophengeschäft aus

Die Entscheidung steht nicht in einer Pressemitteilung, sondern dort, wo sie am wenigsten schmückend wirkt: im Anhang des Geschäftsberichts, im Abschnitt über die Schadenrückstellungen der abzuwickelnden Sparten.

„The Run-off reserve class provides cover for catastrophe, property and engineering lines of business. The Company exited the catastrophe and property lines of business in June 2022. The Company exited the engineering line of business in 2020.“

Übersetzung: „Die Abwicklungs-Reserveklasse deckt die Sparten Katastrophe, Sach und Technik ab. Das Unternehmen hat die Sparten Katastrophe und Sach im Juni 2022 verlassen. Die Sparte Technik hat das Unternehmen 2020 verlassen.“

— AXIS Capital Holdings Limited, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Anhang Nr. 8 „Reserve for Losses and Loss Expenses“

Gelb markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: AXIS Capital hat die Sparten Katastrophe und Sach im Juni 2022 verlassen; darunter die Abwicklungstabelle der Rückversicherungs-Altschäden nach Schadenjahren.
Die markierte Stelle im Original — und direkt darunter die Abwicklungstabelle, die zeigt, wie das alte Buch ausläuft: Für das Schadenjahr 2021 stehen dort 445,1 Millionen US-Dollar, für 2022 noch 229,5, für 2023 nur noch 61,5, für 2024 32,8 und für 2025 10,0 Millionen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum das eine große Entscheidung war: AXIS gab damit die Sparte auf, die in guten Jahren die höchsten Margen der ganzen Branche liefert. Katastrophen-Rückversicherung ist kein Nebengeschäft, sondern das Herzstück des Bermuda-Modells — die Insel existiert als Versicherungsstandort im Wesentlichen deshalb, weil hier nach den großen Hurrikanen der 1990er Jahre Kapital für genau dieses Risiko gebündelt wurde.

Wer aussteigt, verzichtet auf die Ausschläge nach oben, um die nach unten loszuwerden. Ob sich das rechnet, entscheidet sich nicht an einem Jahr, sondern an der Reihe.

Was der Ausstieg gebracht hat — vier Jahre in Zahlen

Die Katastrophen- und Wetterschadenquote misst, wie viele Punkte der Schaden-Kosten-Quote auf Naturereignisse entfallen. Bei AXIS sieht diese Reihe so aus:

Balkendiagramm der Katastrophen- und Wetterschadenquote von AXIS Capital in Ratiopunkten: 2021 9,5 Punkte, 2022 7,8, 2023 2,7, 2024 4,3, 2025 2,8 und erstes Quartal 2026 3,2 Punkte.
Vor dem Ausstieg (2021 und 2022) lag die Katastrophenlast im Mittel bei 8,7 Ratiopunkten, danach (2023 bis 2025) bei 3,3. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die vollständige Zerlegung der Schaden-Kosten-Quote, wie sie in den Geschäftsberichten steht:

Konzern, in Prozentpunkten20212022202320242025
Schadenquote laufendes Jahr, ohne Katastrophen55,155,555,955,756,3
Katastrophen- und Wetterschäden9,57,82,74,32,8
Vorjahres-Reserveentwicklung−0,7−0,5+8,1−0,5−1,6
Abschlusskosten19,619,819,720,219,9
Verwaltungskosten14,013,213,512,612,4
Schaden-Kosten-Quote97,595,899,992,389,8

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Die Schadenquote des laufenden Jahres ohne Katastrophen ist über fünf Jahre praktisch unverändert geblieben — 55,1 gegen 56,3 Punkte. AXIS zeichnet sein Kerngeschäft also nicht besser als früher; der Fortschritt kommt aus dem Weglassen und aus den gesunkenen Verwaltungskosten (14,0 auf 12,4 Punkte).

Zweitens: Das schlechteste Jahr der Reihe ist 2023 mit 99,9 Prozent — und es war kein Katastrophenjahr. Die Katastrophenlast lag mit 2,7 Punkten am unteren Rand. Was 2023 verdarb, war etwas anderes, und dem widmen wir gleich ein eigenes Kapitel.

Auf Segmentebene zeigt sich das Muster noch deutlicher:

Schaden-Kosten-Quote je Segment20212022202320242025Q1 2026
AXIS Insurance (Versicherung)91,689,692,589,186,186,3
AXIS Re (Rückversicherung)99,099,1107,691,892,692,7

Das Versicherungsgeschäft ist der Motor: 597,1 Millionen US-Dollar Zeichnungsgewinn 2025 nach 427,9 (2024) und 260,9 (2023). Die Rückversicherung steuerte 2025 nur 128,1 Millionen bei — und war 2023 mit minus 100,2 Millionen sogar defizitär.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte

Wir lassen täglich rund 3.200 US-Aktien durch unsere Scanner laufen. AXIS Capital kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, Qualität zum fairen Preis. Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig, und AXS steht dort auf Rang 31 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026):

  • Piotroski-F-Score 8 von 9 — die neunteilige Bilanz-Checkliste ist fast vollständig erfüllt; verlangt sind mindestens 7.
  • Eigenkapitalrendite 17,4 Prozent — über der 15-Prozent-Hürde. Der Konzern selbst weist für 2025 eine Rendite auf das durchschnittliche Stammaktienkapital von 17,3 Prozent aus, für 2024 sogar 20,5 Prozent.
  • EBIT-Marge — verlangt sind mindestens 10 Prozent. Nach unserer Rechnung aus dem Geschäftsbericht liegt sie bei rund 19,5 Prozent: 1.216,2 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis plus 66,7 Millionen Zinsaufwand gegen 6.563,7 Millionen Erträge (2025).
  • Verschuldungsgrad — erlaubt ist bis 1,0. AXIS liegt bei rund 0,22: Schulden von 1.317,1 Millionen US-Dollar plus 66,4 Millionen Vorschüsse der Federal Home Loan Bank gegen 6.380,6 Millionen Eigenkapital (31.03.2026). Die Gesellschaft selbst nennt eine Schuldenquote am Gesamtkapital von 17,2 Prozent.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis 9,1 — deutlich unter der 20er-Grenze. Genau diese Zahl nehmen wir weiter unten auseinander.

Dazu meldet der Scanner einen Börsenwert von rund 8,5 Milliarden US-Dollar und ein Fundamental-Rating von 59 Punkten (Note B). Zur Einordnung: 50 Punkte sind der Durchschnitt des Universums, ab 75 gibt es die Note A. AXIS liegt also im oberen Mittelfeld — und damit zwölf Punkte über RenaissanceRe, das mit 47 Punkten (Note C) das schlechteste Rating des gesamten Scanners trägt. Dieser Abstand ist kein Zufall, sondern genau die Folge der Entscheidung von 2022: Das Rating belohnt stetige Zahlenreihen.

Der Gegenversuch: RenaissanceRe blieb im Katastrophengeschäft

Zwei Häuser, eine Insel, dieselbe Ausgangslage im Jahr 2021 — und zwei entgegengesetzte Entscheidungen. So sehen die Ergebnisse aus:

Liniendiagramm mit zwei Reihen von 2021 bis 2025: AXIS Capital fällt von 97,5 über 95,8 und 99,9 auf 92,3 und 89,8 Prozent, RenaissanceRe von 102,1 über 97,7 auf 77,9, dann zurück auf 83,9 und 87,2 Prozent.
AXIS bewegt sich in einer Spanne von 10,1 Prozentpunkten (89,8 bis 99,9), RenaissanceRe in einer von 24,2 Punkten (77,9 bis 102,1). Wer im Katastrophengeschäft bleibt, kauft sich die Ausschläge in beide Richtungen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäftsberichte 10-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der entscheidende Punkt steht nicht im Diagramm, sondern in der Frage, was ein schlechtes Jahr kostet:

Das jeweils schlechteste JahrAXIS CapitalRenaissanceRe
Jahr20222022
Gewinn je verwässerter Aktie+2,25 US-Dollar−25,50 US-Dollar
Rendite auf das Stammaktienkapital+4,3 Prozent−22,0 Prozent
Buchwert je Aktie zu Jahresbeginn55,78 US-Dollar132,17 US-Dollar
Buchwert je Aktie zum Jahresende46,95 US-Dollar104,65 US-Dollar
Veränderung des Buchwerts−15,8 Prozent−20,8 Prozent

2022 traf beide, weil in diesem Jahr die Anleihekurse einbrachen — bei RenaissanceRe kamen 1.800,5 Millionen US-Dollar Bewertungsverluste aus den Kapitalanlagen dazu. AXIS blieb trotzdem profitabel, RenaissanceRe verlor 1.096,6 Millionen US-Dollar.

Und heute? Der Markt bezahlt die Entscheidungen unterschiedlich:

Stand 28. Juli 2026AXIS CapitalRenaissanceRe
Rang im QARP-Scanner3122
Kurs-Gewinn-Verhältnis9,15,4
Eigenkapitalrendite17,4 Prozent23,4 Prozent
Kurs-Buchwert-Verhältnisrund 1,52rund 1,16
Fundamental-Rating59 (Note B)47 (Note C)
Börsenwert8,5 Mrd. US-Dollar13,1 Mrd. US-Dollar

Das ist der Kern des Vergleichs, und er ist unbequem für beide Seiten: AXIS liefert die niedrigere Eigenkapitalrendite und kostet trotzdem das höhere Vielfache des Buchwerts. Auf 17,4 Prozent Rendite zahlt man bei AXIS das 1,52-Fache des Eigenkapitals, auf 23,4 Prozent bei RenaissanceRe nur das 1,16-Fache — ein Aufschlag von rund 31 Prozent für die um ein Drittel niedrigere Rendite.

Dafür gibt es genau ein Argument, und es ist ein gutes: Berechenbarkeit. Wer die Ertragsreihe eines Unternehmens fortschreiben kann, braucht keinen Abschlag für die Möglichkeit, dass in einem einzigen Jahr ein Fünftel des Eigenkapitals verschwindet. Ob 31 Prozent Aufschlag dafür der richtige Preis sind, ist keine Rechenfrage, sondern eine Einschätzung — und sie hängt daran, ob AXIS die Berechenbarkeit auch behält. Das führt direkt zum nächsten Kapitel.

Unbequeme Wahrheit: 412 Millionen US-Dollar Nachreservierung im Jahr 2023

Der Ausstieg aus dem Katastrophengeschäft hat AXIS nicht davor bewahrt, ein Jahr später eine unangenehme Überraschung zu erleben — nur kam sie aus einer ganz anderen Richtung. 2023 musste der Konzern 412 Millionen US-Dollar für Schäden aus Vorjahren nachreservieren. Das sind 8,1 Ratiopunkte der Schaden-Kosten-Quote und der alleinige Grund, warum sie in diesem Jahr auf 99,9 Prozent sprang.

Gelb markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2023 mit den Tabellen zur Reserveentwicklung: 2023 minus 176,353 Millionen im Segment Versicherung und minus 235,529 Millionen in der Rückversicherung, zusammen minus 411,882 Millionen US-Dollar, gegenüber positiven Werten in den Jahren 2022 und 2021.
Die markierte Stelle im Original, darüber die Aufteilung nach Segmenten: 2023 fehlten 176,4 Millionen US-Dollar in der Versicherung und 235,5 Millionen in der Rückversicherung. In den Jahren 2022 und 2021 hatten sich Reserven noch zugunsten des Ergebnisses aufgelöst. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2023 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Ursache benennt der Bericht ungewöhnlich offen:

„$235 million of net adverse prior year reserve development on liability business primarily due to reserve strengthening within the U.S. primary casualty book of business […] The reserve strengthening was attributable to updated trend assumptions, emerging development patterns and new industry data reflecting the impact of current economic and social inflation trends in the U.S. casualty market.“

Übersetzung: „235 Millionen US-Dollar ungünstige Vorjahresentwicklung im Haftpflichtgeschäft, überwiegend wegen einer Verstärkung der Reserven im US-Erstversicherungsbestand für allgemeine Haftpflicht […] Die Reserveverstärkung war auf aktualisierte Trendannahmen, sich abzeichnende Abwicklungsmuster und neue Branchendaten zurückzuführen, die die Wirkung der gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Inflation im US-Haftpflichtmarkt widerspiegeln.“

— AXIS Capital Holdings Limited, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2023, Anhang Nr. 8 „Reserve for Losses and Loss Expenses“

„Soziale Inflation“ ist der Fachbegriff für die Beobachtung, dass US-Gerichte höhere Schadenersatzsummen zusprechen als früher und dass Prozessfinanzierer Klagen bündeln. Das trifft Haftpflichtversicherer mit Verzögerung: Ein Vertrag aus dem Jahr 2019 kann 2023 mehr kosten als bei Abschluss gerechnet.

Für die Bewertung von AXIS ist das die zentrale offene Frage — aus drei Gründen:

  • Das Haftpflichtgeschäft ist langabwickelnd. Anders als ein Hurrikan, der binnen Wochen bezahlt ist, zeigt sich ein Haftpflichtschaden über Jahre. Die Reserve ist eine Schätzung, und sie kann sich noch mehrfach ändern.
  • Es ist genau der Bestand, den AXIS ausbaut. Die Bruttoprämien der Versicherungssparte stiegen im ersten Quartal 2026 um 19,8 Prozent — das Wachstum findet dort statt, wo 2023 die Überraschung herkam.
  • Der Ausstieg aus dem Katastrophengeschäft hat die Volatilität nicht beseitigt, sondern verlagert: von einem Risiko, das man in einer Nachrichtensendung sieht, zu einem, das erst in der Reserveabwicklung sichtbar wird.

Die gute Nachricht: Seit 2023 läuft es wieder in die andere Richtung. 2024 lösten sich Reserven mit 0,5 Ratiopunkten zugunsten des Ergebnisses auf, 2025 mit 1,6 Punkten oder 87 Millionen US-Dollar, im ersten Quartal 2026 mit 1,2 Punkten. Und im April 2025 hat AXIS 2.039 Millionen US-Dollar bar an die Enstar Group gezahlt, damit deren Tochter Cavello Bay 75 Prozent der Altreserven aus den Zeichnungsjahren bis 2021 übernimmt. Das ist der zweite Teil des Ausstiegs: erst aufhören zu zeichnen, dann die Vergangenheit verkaufen.

Woher der Gewinn kommt: 60 Prozent aus der Kapitalanlage

Ein Versicherer verdient an zwei Stellen — im Zeichnungsgeschäft und an den Prämien, die er bis zur Schadenzahlung anlegt. Bei AXIS ist die zweite Quelle heute die größere:

  • 2025: Nettoanlageergebnis 767,0 Millionen US-Dollar bei einem Vorsteuerergebnis von 1.216,2 Millionen — ein Anteil von 63 Prozent. Das Zeichnungsgeschäft steuerte 725 Millionen bei.
  • Erstes Quartal 2026: Nettoanlageergebnis 184,7 Millionen bei 308,1 Millionen Vorsteuerergebnis — 60 Prozent.

Das ist bei Versicherern normal und kein Vorwurf. Es heißt aber, dass ein wesentlicher Teil der Ertragskraft am Zinsniveau hängt und nicht an der Zeichnungsdisziplin. Die Buchrendite der festverzinslichen Anlagen lag zum 31. März 2026 bei 4,7 Prozent nach 4,5 Prozent ein Jahr zuvor; die Marktrendite betrug 5,1 Prozent — der Bestand verzinst sich beim Wiederanlegen also noch etwas höher, solange die Zinsen bleiben, wo sie sind.

Die Anlagen selbst sind konservativ: 17,2 Milliarden US-Dollar Barmittel und Kapitalanlagen zum 31. Dezember 2025, davon 86 Prozent in festverzinslichen und kurzfristigen Papieren mit einem durchschnittlichen Rating von AA−. Im ersten Quartal 2026 fiel das Anlageergebnis um 11 Prozent, weil mit der Enstar-Zahlung zwei Milliarden Dollar Bargeld die Bilanz verlassen haben.

Buchwert, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Rückkäufe

Bei Versicherern ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis die tragende Bewertungsgröße neben dem KGV — weil das Eigenkapital hier nicht Anlagevermögen, sondern Risikotragfähigkeit ist. Die Reihe von AXIS:

Buchwert je verwässerter Stammaktie2021202220232024202531.03.2026
in US-Dollar55,7846,9554,0665,2777,2078,19
Rendite auf das Stammaktienkapital12,2 %4,3 %7,9 %20,5 %17,3 %17,0 % *

* annualisiert für das erste Quartal 2026; operativ 17,7 Prozent.

Vom Tiefpunkt Ende 2022 bis zum 31. März 2026 ist der Buchwert je Aktie um 66 Prozent gestiegen, in den zwölf Monaten bis Ende März 2026 um 11,71 US-Dollar oder 17,6 Prozent. Beim Kurs vom Datenstand 28. Juli 2026 ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,52.

Ein Teil dieses Anstiegs stammt aus Rückkäufen. AXIS hat 2025 eigene Aktien für 914 Millionen US-Dollar zurückgekauft nach 216 Millionen im Jahr 2024. Die Zahl der umlaufenden Aktien fiel dadurch von 85,286 Millionen (31.12.2023) auf 73,937 Millionen (31.03.2026) — ein Rückgang um 13,3 Prozent in gut zwei Jahren. Im ersten Quartal 2026 wurde spürbar gedrosselt: 60 Millionen US-Dollar Rückkauf plus 33 Millionen Dividende.

Zur Kapitalstruktur: Den Schulden von 1.317,1 Millionen US-Dollar plus 66,4 Millionen Vorschüssen der Federal Home Loan Bank steht ein Eigenkapital von 6.380,6 Millionen gegenüber (31.03.2026), darin 550,0 Millionen Vorzugsaktien der Serie E mit 30,25 Millionen Jahresdividende. Die Gesellschaft nennt eine Schuldenquote am Gesamtkapital von 17,2 Prozent bei einem Gesamtkapital von 7,7 Milliarden US-Dollar. Die Finanzstärke der operativen Töchter bewerten S&P mit „A+“ („Strong“) und A.M. Best mit „A“ („Excellent“).

Was ein KGV von 9,1 hier wirklich misst

Bei Versicherern gilt die Faustregel, dass ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis ein katastrophenarmes Jahr misst. Bei AXIS ist das nach dem Ausstieg weniger falsch als bei einem Katastrophenrückversicherer — aber es ist nicht ganz richtig. Die Gewinnreihe je verwässerter Aktie:

Gewinn je verwässerter Aktie2019202020212022202320242025
in US-Dollar3,34−1,796,902,254,0212,3512,35

Die Reihe zerfällt sauber in zwei Hälften. Vor dem Ausstieg (2019 bis 2022) lag der Gewinn je Aktie zwischen minus 1,79 und plus 6,90 US-Dollar, im Schnitt bei 2,68. Nach dem Ausstieg (2023 bis 2025) zwischen 4,02 und 12,35, im Schnitt bei 9,57. Ein Verlustjahr gab es seither nicht — und im schlechtesten dieser Jahre, dem Reservejahr 2023, stieg der Buchwert je Aktie trotzdem von 46,95 auf 54,06 US-Dollar.

Drei Rechenwege für eine normalisierte Bewertung, alle mit demselben Kurs:

  • Über die Rendite: Die durchschnittliche Rendite auf das Stammaktienkapital der Jahre 2021 bis 2025 beträgt 12,4 Prozent. Auf das Stammaktienkapital von 5.830,6 Millionen US-Dollar (31.03.2026) angewandt ergibt das 725 Millionen Gewinn oder 9,84 US-Dollar je Aktie — ein Vielfaches von rund 12.
  • Über die Jahre nach dem Ausstieg: Der Durchschnittsgewinn 2023 bis 2025 von 9,57 US-Dollar ergibt ein Vielfaches von rund 12,4.
  • Über den ganzen Zyklus: Der Durchschnitt der sieben Jahre 2019 bis 2025 beträgt 5,63 US-Dollar und ergäbe ein Vielfaches von rund 21. Diese Zahl überzeichnet allerdings, weil sie ein Geschäft mitrechnet, das AXIS nicht mehr betreibt.

Die ehrliche Antwort liegt bei den ersten beiden Wegen: Das reale Vielfache liegt bei etwa 12, nicht bei 9,1. Der Abstand beträgt rund ein Drittel. Zum Vergleich: Bei RenaissanceRe klafft zwischen dem gemeldeten Vielfachen von 5,4 und dem normalisierten von rund 9 eine Lücke von zwei Dritteln. Der Ausstieg von 2022 hat die Zyklik also tatsächlich verkleinert — er hat sie nicht abgeschafft.

Und die Frage, was ein schlechtes Jahr heute kostet, hat nach dem Umbau eine andere Antwort als vorher. Sie lautet nicht mehr „ein Hurrikan“, sondern „eine Nachreservierung“. Wiederholte sich 2023, läge der Gewinn je Aktie bei 4,02 US-Dollar — und das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp 30.

Was der Altman-Z-Score hier nicht sagt

Die Fundamentaldaten weisen für AXIS Capital wie für jedes Unternehmen einen Altman-Z″-Score aus. Die üblichen Schwellen lauten: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher.

Wir deuten diesen Wert bewusst nicht. Die Formel wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht, und ihr am stärksten gewichteter Baustein ist das Nettoumlaufvermögen — die Differenz zwischen kurzfristigem Vermögen und kurzfristigen Schulden. Eine Versicherungsbilanz kennt diese Trennung nicht: Die Schadenrückstellungen von 18.294,1 Millionen US-Dollar und die unverdienten Prämien von 6.563,8 Millionen (beide 31.03.2026) sind statistisch geschätzte Größen ohne Fälligkeitsdatum. Was daraus gerechnet wird, ist arithmetisch korrekt und inhaltlich bedeutungslos.

Aussagekräftig sind bei einem Versicherer stattdessen: Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung, Finanzstärke-Rating und die Solvenzanforderung der Bermuda Monetary Authority.

Was für AXIS Capital spricht — und was dagegen

Dafür:

  • Die Strategie ist umgesetzt und nachweisbar wirksam: Katastrophenlast von 9,5 auf 2,8 Ratiopunkte, Schaden-Kosten-Quote von 97,5 auf 89,8 Prozent, seit dem Ausstieg kein Verlustjahr.
  • Das Versicherungssegment arbeitet mit einer Quote von 86,1 Prozent (2025) und wächst zugleich um 19,8 Prozent bei den Bruttoprämien (erstes Quartal 2026).
  • Der Buchwert je Aktie ist von 46,95 US-Dollar (31.12.2022) auf 78,19 (31.03.2026) gestiegen — plus 66 Prozent, auch weil 2025 für 914 Millionen US-Dollar eigene Aktien zurückgekauft wurden.
  • Die Bilanz ist solide: Verschuldungsgrad rund 0,22, Schuldenquote am Gesamtkapital 17,2 Prozent, Piotroski-F-Score 8 von 9, Finanzstärke „A+“ bei S&P und „A“ bei A.M. Best.
  • Die Vergangenheit wurde aktiv bereinigt: 2.039 Millionen US-Dollar an Enstar für 75 Prozent der Altreserven bis Zeichnungsjahr 2021.

Dagegen:

  • Die Nachreservierung von 412 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 kam aus dem US-Haftpflichtgeschäft — genau dem Bestand, der heute am schnellsten wächst. Die soziale Inflation im US-Haftpflichtmarkt ist nicht abgeschlossen.
  • Rund 60 Prozent des Vorsteuerergebnisses stammen aus der Kapitalanlage und damit vom Zinsniveau, nicht von der Zeichnungsdisziplin.
  • Die Schadenquote des laufenden Jahres ohne Katastrophen ist seit 2021 unverändert (55,1 auf 56,3 Punkte). Der Fortschritt kommt aus dem Weglassen, nicht aus besserem Zeichnen.
  • Das Rückversicherungssegment liegt mit 92,6 Prozent (2025) nur knapp im Gewinn, die Nettoprämien schrumpften dort im ersten Quartal 2026 um 13,0 Prozent, und für die Straffung dieses Geschäfts fielen allein im ersten Quartal 23,2 Millionen US-Dollar Reorganisationsaufwand an.
  • Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,52 kostet AXIS mehr als RenaissanceRe mit rund 1,16 — bei niedrigerer Eigenkapitalrendite.

Fazit: Der Umbau hat funktioniert — bezahlt ist er auch

AXIS Capital hat 2022 etwas getan, was in der Rückversicherung selten vorkommt: eine profitable, prestigeträchtige Sparte aufgegeben, weil ihre Schwankungen den Rest des Hauses überlagerten. Vier Jahre später steht das Ergebnis in den Büchern — eine Schaden-Kosten-Quote von 89,8 Prozent, drei Jahre ohne Verlust, ein um zwei Drittel gestiegener Buchwert je Aktie.

Der Vergleich mit RenaissanceRe zeigt beide Seiten der Entscheidung. RenaissanceRe verdient mehr auf das eingesetzte Eigenkapital — 23,4 gegen 17,4 Prozent — und kostet trotzdem weniger davon. AXIS liefert die ruhigere Reihe und wird dafür mit rund 31 Prozent Aufschlag auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis bezahlt. Wer Berechenbarkeit sucht, bekommt sie hier; wer die höchste Rendite je eingesetztem Dollar sucht, findet sie ein paar Straßen weiter.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,1 ist dabei ehrlicher als bei einem Katastrophenrückversicherer, aber es ist nicht die ganze Wahrheit: Normalisiert liegt das Vielfache bei rund 12. Und die offene Frage ist nicht mehr das Wetter, sondern die Reserve. Der Prüfpunkt steht im nächsten Quartalsbericht: Bleibt die Vorjahres-Reserveentwicklung günstig — im ersten Quartal 2026 waren es 1,2 Ratiopunkte —, dann trägt die Bewertung. Kippt sie noch einmal so wie 2023, kostet das nach dem Muster jenes Jahres rund acht Prozentpunkte der Schaden-Kosten-Quote und zwei Drittel des Gewinns.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der AXIS Capital Holdings Limited.

Unser Fazit auf einen Blick

Strategischer Umbau positiv
Der Ausstieg aus dem Katastrophen- und Sachrückversicherungsgeschäft im Juni 2022 ist umgesetzt und messbar wirksam. Die Katastrophen- und Wetterschadenquote fiel von 9,5 Ratiopunkten (2021) auf 2,8 (2025), die Schaden-Kosten-Quote von 97,5 auf 89,8 Prozent. Das Altbuch läuft sichtbar aus: Für das Schadenjahr 2021 standen zum 31.12.2025 noch 445,1 Millionen US-Dollar in der Abwicklung, für 2024 nur 32,8 und für 2025 10,0 Millionen. Im April 2025 gab AXIS zusätzlich 2.039 Millionen US-Dollar an Enstar, um 75 Prozent der Altreserven bis Zeichnungsjahr 2021 abzugeben (10-K für 2025).
Zeichnungsergebnis positiv
Das Versicherungssegment arbeitet mit einer Schaden-Kosten-Quote von 86,1 Prozent (2025) nach 91,6 Prozent (2021) und lieferte 597,1 Millionen US-Dollar Zeichnungsgewinn nach 260,9 Millionen im Jahr 2023. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Bruttoprämien dort um 19,8 Prozent auf 1.983,7 Millionen, das Zeichnungsergebnis des Konzerns um 15 Prozent auf 187 Millionen. Die Verwaltungskostenquote sank von 14,0 Ratiopunkten (2021) auf 12,4 (2025) und 10,7 im ersten Quartal 2026. Die Rückversicherung liegt mit 92,6 Prozent (2025) dagegen nur knapp im Gewinn.
Reserven negativ
Das offene Thema. 2023 musste AXIS 412 Millionen US-Dollar nachreservieren — 176,4 Millionen im Versicherungs- und 235,5 Millionen im Rückversicherungssegment —, überwiegend im US-Haftpflichtgeschäft wegen „economic and social inflation trends in the U.S. casualty market“. Das entsprach 8,1 Ratiopunkten und trieb die Schaden-Kosten-Quote auf 99,9 Prozent, den Gewinn je Aktie auf 4,02 US-Dollar. Seither ist die Entwicklung wieder günstig (−0,5 Punkte 2024, −1,6 oder 87 Millionen 2025, −1,2 im ersten Quartal 2026). Das Risiko bleibt jedoch im Bestand: Haftpflicht wickelt über Jahre ab, und genau diese Sparte wächst am schnellsten (10-K für 2023 und 2025).
Gewinnquellen neutral
Rund 60 Prozent des Vorsteuerergebnisses stammen aus der Kapitalanlage: 767,0 von 1.216,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, 184,7 von 308,1 Millionen im ersten Quartal 2026. Das ist bei Versicherern üblich, macht die Ertragskraft aber zinsabhängig. Die Anlagen sind konservativ — 17,2 Milliarden US-Dollar Barmittel und Kapitalanlagen, davon 86 Prozent festverzinslich und kurzfristig mit durchschnittlichem Rating AA−, Buchrendite 4,7 Prozent bei einer Marktrendite von 5,1 Prozent (31.03.2026). Nach der Enstar-Zahlung fiel das Anlageergebnis im ersten Quartal 2026 um 11 Prozent.
Bilanz & Rating positiv
Den Schulden von 1.317,1 Millionen US-Dollar plus 66,4 Millionen Vorschüssen der Federal Home Loan Bank steht ein Eigenkapital von 6.380,6 Millionen gegenüber (31.03.2026); der Verschuldungsgrad liegt bei rund 0,22, die Schuldenquote am Gesamtkapital bei 17,2 Prozent, der Piotroski-F-Score bei 8 von 9. Die Finanzstärke der operativen Töchter bewerten Standard & Poor’s mit „A+“ („Strong“) und A.M. Best mit „A“ („Excellent“). Der Buchwert je verwässerter Stammaktie stieg von 46,95 US-Dollar (31.12.2022) auf 78,19 (31.03.2026); 2025 wurden zusätzlich eigene Aktien für 914 Millionen US-Dollar zurückgekauft.
Bewertung neutral
Kurs-Gewinn-Verhältnis 9,1, Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 1,52 gegen den Buchwert je Aktie von 78,19 US-Dollar (31.03.2026), Börsenwert rund 8,5 Milliarden US-Dollar — Rang 31 im QARP-Scanner (Datenstand 28. Juli 2026). Das KGV misst 2025 mit 12,35 US-Dollar Gewinn je Aktie. Normalisiert auf die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Jahre 2021 bis 2025 von 12,4 Prozent ergibt sich eine Ertragskraft von rund 9,84 US-Dollar je Aktie und ein Vielfaches von rund 12; über die drei Jahre seit dem Ausstieg gerechnet rund 12,4. Im direkten Vergleich kostet AXIS mit 1,52 mehr Buchwert-Aufschlag als RenaissanceRe mit rund 1,16 — bei einer um sechs Punkte niedrigeren Eigenkapitalrendite.

AXIS Capital hat im Juni 2022 das Katastrophen- und Sachrückversicherungsgeschäft verlassen und sich auf Spezialversicherung konzentriert. Der Ertrag dieser Entscheidung ist nachweisbar: Katastrophenlast von 9,5 auf 2,8 Ratiopunkte, Schaden-Kosten-Quote von 97,5 auf 89,8 Prozent, Buchwert je Aktie von 46,95 auf 78,19 US-Dollar, seither kein Verlustjahr. Der Preis war ebenfalls sichtbar: 412 Millionen US-Dollar Nachreservierung im US-Haftpflichtbestand 2023 und 2.039 Millionen bar an Enstar, um die Altreserven abzugeben. Der Vergleich mit RenaissanceRe, das auf derselben Insel im Katastrophengeschäft blieb, zeigt den Handel: AXIS liefert die ruhigere Reihe bei 17,4 Prozent Eigenkapitalrendite, RenaissanceRe die höhere Rendite von 23,4 Prozent bei ungleich größeren Ausschlägen — und kostet trotzdem weniger Buchwert-Aufschlag (1,16 gegen 1,52). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,1 liegt normalisiert bei rund 12. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Für Rot gibt es keinen Substanzbefund, und das mit Abstand. Dem Eigenkapital von 6.380,6 Millionen US-Dollar stehen Schulden von 1.317,1 Millionen plus 66,4 Millionen Vorschüsse gegenüber (Verschuldungsgrad rund 0,22, Schuldenquote am Gesamtkapital 17,2 Prozent), der Piotroski-F-Score steht bei 8 von 9, die Finanzstärke der operativen Töchter lautet „A+“ bei Standard & Poor’s und „A“ bei A.M. Best. Das Zeichnungsgeschäft arbeitet profitabel: Schaden-Kosten-Quote 89,8 Prozent im Jahr 2025 und im ersten Quartal 2026, im Versicherungssegment 86,1 Prozent. Seit dem Ausstieg aus dem Katastrophengeschäft im Juni 2022 gab es kein Verlustjahr; der Buchwert je verwässerter Stammaktie stieg von 46,95 US-Dollar (31.12.2022) auf 78,19 (31.03.2026), und 2025 kaufte das Haus zusätzlich eigene Aktien für 914 Millionen US-Dollar zurück. Für Grün fehlt trotzdem die Antwort auf eine wesentliche operative Frage, und sie ist konkret: die Reserveauskömmlichkeit im US-Haftpflichtgeschäft. 2023 fehlten dort 412 Millionen US-Dollar — 8,1 Ratiopunkte, die die Schaden-Kosten-Quote auf 99,9 Prozent und den Gewinn je Aktie auf 4,02 US-Dollar drückten. Der Bericht nennt als Ursache aktualisierte Trendannahmen und die soziale Inflation im US-Haftpflichtmarkt; beides ist nicht abgeschlossen. Genau dieser langabwickelnde Bestand ist zugleich der am schnellsten wachsende: plus 19,8 Prozent Bruttoprämien im Versicherungssegment im ersten Quartal 2026. Dass AXIS im April 2025 2.039 Millionen US-Dollar bar an Enstar zahlte, um 75 Prozent der Altreserven bis Zeichnungsjahr 2021 loszuwerden, spricht für Problembewusstsein — löst die Frage für die neuen Jahrgänge aber nicht. Dazu kommt, dass rund 60 Prozent des Vorsteuerergebnisses aus der Kapitalanlage stammen und damit am Zinsniveau hängen. Das sind operative Fragen ohne Substanzrisiko — also Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam AXS über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 31 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (AXS: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (17,4), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (nach unserer Rechnung aus dem Geschäftsbericht rund 19,5 Prozent: 1.216,2 Mio. US-Dollar Vorsteuerergebnis plus 66,7 Mio. Zinsaufwand gegen 6.563,7 Mio. Erträge), Verschuldungsgrad höchstens 1,0 (rund 0,22) und ein positives KGV bis 20 (9,1). Das Fundamental-Rating liegt bei 59 Punkten (Note B) — 50 ist der Durchschnitt des Universums, ab 75 gibt es die Note A. Zum Vergleich: RenaissanceRe, das im Katastrophengeschäft blieb, trägt mit 47 Punkten (Note C) das schlechteste Rating des gesamten Scanners; der Abstand von zwölf Punkten ist genau die Folge der gegenläufigen Entscheidung von 2022, denn das Rating belohnt stetige Zahlenreihen. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
  • Der Altman-Z″-Score wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Er wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht; eine Versicherungsbilanz kennt die Trennung in kurz- und langfristig nicht, sodass sich das am stärksten gewichtete Nettoumlaufvermögen nicht bilden lässt — Schadenrückstellungen von 18.294,1 Millionen und unverdiente Prämien von 6.563,8 Millionen US-Dollar (31.03.2026) werden statistisch geschätzt. Aussagekräftig sind stattdessen Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Finanzstärke-Rating.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 28. Juli 2026 (Börsenwert rund 8,5 Milliarden US-Dollar). Die Gegenprobe mit 73.723.236 umlaufenden Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 24. April 2026) und dem Kurs desselben Datenstands von 118,86 US-Dollar ergibt rund 8,76 Milliarden US-Dollar; die Abweichung von rund 3 Prozent liegt weit unter der Fünftel-Schwelle, der Börsenwert ist damit verwendbar. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis hält der Gegenprobe stand: Gegen den verwässerten Gewinn je Aktie von 12,35 US-Dollar (2025) ergibt sich 9,6, gegen den rollierenden Zwölfmonatsgewinn von 13,38 US-Dollar (zweites Quartal 2025 bis erstes Quartal 2026) 8,9 — der Scanner-Wert von 9,1 liegt dazwischen. Hinweis in eigener Sache: Diese Werte wurden am 28. Juli 2026 korrigiert; zuvor rechnete die Liste mit einem 26 Tage alten Börsenwert (KGV 8,1 bei 7,5 Milliarden US-Dollar). Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
  • Verwechslungsgefahr: AXIS Capital Holdings Limited (NYSE: AXS) hat nichts mit der AXA-Gruppe und nichts mit Axis Communications zu tun. Der Konzern führt keine frühere Firmierung; das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Trotz Sitz auf Bermuda ist AXIS US-Inlandsemittent und legt 10-K, 10-Q und 8-K vor — in der Filing-Historie existiert kein 20-F und kein 6-K. Der jüngste Quartalsbericht ist das 10-Q zum 31. März 2026, eingereicht am 29. April 2026. Sämtliche Einreichungen danach sind ausgewertet: die Hauptversammlungsergebnisse vom 14. Mai 2026 (8-K vom 18.05.2026, alle drei Beschlussvorlagen angenommen, Abschlussprüfer Deloitte Ltd., Hamilton) und die Bestellung von Pradip Patiath in den Verwaltungsrat zum 15. Juni 2026 (8-K vom 15.06.2026) — beide ohne Zahlenwirkung. Form 15 oder Form 25 liegen nicht vor.

Häufige Fragen

Weil die Schwankungen aus der Katastrophen-Rückversicherung das übrige Geschäft überlagerten. Der Geschäftsbericht 10-K für 2025 hält den Schritt nüchtern fest: „The Company exited the catastrophe and property lines of business in June 2022.“ Seither konzentriert sich AXIS auf Spezialversicherung. Die Katastrophen- und Wetterschadenquote fiel von 9,5 Ratiopunkten (2021) auf 2,8 (2025).

Die Schaden-Kosten-Quote sank von 97,5 Prozent (2021) auf 89,8 Prozent (2025 und erstes Quartal 2026), im Versicherungssegment sogar auf 86,1 Prozent. Der Gewinn je verwässerter Aktie stieg von 2,25 US-Dollar (2022) auf 12,35 (2024 und 2025), der Buchwert je Aktie von 46,95 auf 78,19 US-Dollar (31.03.2026). Ein Verlustjahr gab es seit dem Ausstieg nicht.

Beide sitzen in Pembroke auf Bermuda, entschieden sich 2022 aber gegenläufig. RenaissanceRe blieb im Katastrophengeschäft: Schaden-Kosten-Quote zwischen 77,9 und 102,1 Prozent, Eigenkapitalrendite 23,4 Prozent, aber 2022 ein Verlust von 25,50 US-Dollar je Aktie. AXIS bewegt sich zwischen 89,8 und 99,9 Prozent, verdient 17,4 Prozent auf das Eigenkapital und kostet mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,52 gegen 1,16 rund 31 Prozent mehr Buchwert-Aufschlag.

AXIS musste 2023 insgesamt 412 Millionen US-Dollar für Schäden aus Vorjahren nachreservieren — 176,4 Millionen im Versicherungs- und 235,5 Millionen im Rückversicherungssegment. Ursache war überwiegend das US-Haftpflichtgeschäft, laut Geschäftsbericht wegen „economic and social inflation trends in the U.S. casualty market“. Die Schaden-Kosten-Quote sprang dadurch auf 99,9 Prozent.

Um die Altlasten loszuwerden. Am 24. April 2025 zahlte AXIS 2.039 Millionen US-Dollar an Cavello Bay Reinsurance, eine Tochter der Enstar Group. Dafür übernimmt Enstar 75 Prozent der Nettoschadenreserven von rund 2.060 Millionen US-Dollar aus den Zeichnungsjahren 2021 und davor, gedeckelt bei rund 940 Millionen. Der Preis: Das Nettoanlageergebnis fiel im ersten Quartal 2026 um 11 Prozent.

Ein Jahr mit niedriger Katastrophenlast und günstiger Reserveentwicklung. Normalisiert auf die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Jahre 2021 bis 2025 von 12,4 Prozent ergibt sich eine Ertragskraft von rund 9,84 US-Dollar je Aktie und ein Vielfaches von rund 12. Wiederholte sich das Reservejahr 2023 mit 4,02 US-Dollar Gewinn je Aktie, läge das Vielfache bei knapp 30.

Weil die Formel an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht wurde (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Ihr am stärksten gewichteter Baustein, das Nettoumlaufvermögen, lässt sich für eine Versicherungsbilanz nicht bilden: Schadenrückstellungen von 18.294,1 Millionen und unverdiente Prämien von 6.563,8 Millionen US-Dollar (31.03.2026) sind geschätzt und nicht nach Fristen getrennt. Aussagekräftiger sind Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Rating.

Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, EBIT-Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad höchstens 1,0 und ein positives KGV bis 20. AXIS erfüllt alle fünf (8 von 9; 17,4 Prozent; rund 19,5 Prozent; rund 0,22; 9,1) und steht damit auf Rang 31 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026).

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