W. R. Berkley: 60 Firmen, eine Zentrale mit 126 Leuten
W. R. Berkley lässt 60 weitgehend eigenständige Einheiten selbst zeichnen. Die Schaden-Kosten-Quote lag sechs Jahre in einem Band von 1,4 Punkten — bei AXIS Capital sind es 10,1, bei RenaissanceRe 24,2. Dafür kostet die Aktie das 2,87-Fache des Buchwerts, fast das Doppelte von Arch Capital bei fast gleicher Eigenkapitalrendite. Wir haben nachgerechnet, wofür dieser Aufschlag bezahlt wird — und was der Gründertod im Juni 2026 an der Eigentümerlage ändert. Keine Anlageberatung.
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Die meisten Versicherungskonzerne funktionieren wie eine Pyramide: Oben sitzt ein Vorstand, der entscheidet, welche Risiken zu welchem Preis gezeichnet werden, unten führen Tausende Mitarbeiter das aus. W. R. Berkley macht das Gegenteil. Der Konzern besteht aus 60 weitgehend eigenständigen Geschäftseinheiten, jede mit eigener Zeichnungsvollmacht und eigener Führung. In der Holding in Greenwich sitzen 126 Menschen.
Das ist keine Marketingaussage, sondern steht im Geschäftsbericht: 8.804 Mitarbeiter zum 15. Januar 2026, davon 8.678 in den Tochtergesellschaften. Die Differenz ist die Zentrale. Sie verwaltet 15,1 Milliarden US-Dollar Bruttoprämien und ein Anlagevermögen von 34,2 Milliarden — aber sie zeichnet keine einzige Police.
Ob das funktioniert, entscheidet eine einzige Zahl über viele Jahre: die Schaden-Kosten-Quote. Bei W. R. Berkley lag sie 2021 bei 89,6 Prozent, 2022 bei 89,3, 2023 bei 89,7, 2024 bei 90,3 und 2025 bei 90,7. Fünf Jahre, ein Band von 1,4 Punkten. Diese Analyse fragt zwei Dinge: Warum liefert ein dezentrales Haus stetigere Zahlen als ein zentral gesteuertes — und ist ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,87 dafür der richtige Preis?
Was W. R. Berkley macht — zwei Segmente, 60 Firmen
W. R. Berkley Corporation sitzt in der 475 Steamboat Road in Greenwich, Connecticut, und wird an der New York Stock Exchange unter „WRB“ gehandelt; dazu notieren dort vier nachrangige Anleihen (WRB-PE, WRB-PF, WRB-PG, WRB-PH). Gegründet wurde das Haus 1967 von William R. Berkley. Geführt wird es von W. Robert Berkley, Jr. als Chairman, President und Chief Executive Officer.
Berichtet wird in zwei Segmenten:
- Insurance — Erstversicherung für Unternehmen, überwiegend in den USA, dazu Asien, Australien, Kanada, Kontinentaleuropa, Mexiko, Skandinavien, Südamerika und Großbritannien. Das ist der Motor: 11.183,7 Millionen US-Dollar Nettoprämien 2025, also 88,0 Prozent des Konzerns, bei einer Schaden-Kosten-Quote von 91,7 Prozent.
- Reinsurance & Monoline Excess — fakultative und Vertrags-Rückversicherung plus Geschäft, das ausschließlich Exzedentenrisiken behält. Deutlich kleiner, aber profitabler: 1.527,6 Millionen US-Dollar Nettoprämien 2025 (12,0 Prozent) bei einer Quote von 83,7 Prozent.
Die eigentliche Besonderheit steht in Item 1 des Geschäftsberichts, in einem Satz, der leicht überlesen wird:
„This strategy of decentralized operations allows each of our businesses to identify and respond quickly and effectively to changing market conditions and specific customer needs, while capitalizing on the benefits of centralized capital, investment and reinsurance management, and corporate actuarial, financial, enterprise risk management and compliance support. […] Of our 60 businesses, 53 have been organized and developed internally and seven have been added through acquisition.“
Übersetzung: „Diese Strategie dezentraler Geschäfte erlaubt jeder unserer Einheiten, veränderte Marktbedingungen und besondere Kundenbedürfnisse schnell und wirksam zu erkennen und darauf zu reagieren, während sie zugleich die Vorteile zentraler Kapital-, Anlage- und Rückversicherungssteuerung sowie zentraler versicherungsmathematischer, finanzieller, risikosteuernder und rechtlicher Unterstützung nutzt. […] Von unseren 60 Geschäften wurden 53 selbst aufgebaut und entwickelt, sieben kamen durch Zukäufe hinzu.“
— W. R. Berkley Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1 „Business“
Warum das etwas ändert: In einem zentral gesteuerten Versicherer entscheidet eine Stelle über den Preis eines Risikos, das sie nicht kennt. Bei W. R. Berkley entscheidet die Einheit, die täglich mit Bauunternehmern, Krankenhäusern, Energieversorgern oder Landwirten arbeitet — und deren Führung nach dem Ergebnis genau dieser Einheit bezahlt wird. Neue Geschäfte werden gegründet, wenn eine Gelegenheit und passende Leute zusammenkommen; 53 der 60 Einheiten sind so entstanden, nicht durch Zukauf.
Der Preis dieses Modells ist ebenso offensichtlich: 60 Zeichnungsstellen sind 60 Möglichkeiten, sich zu irren. Wer dezentral zeichnet, muss zentral kontrollieren — deshalb liegen Kapital, Kapitalanlage, Rückversicherungseinkauf, Aktuariat und Compliance ausdrücklich in der Holding. Ob diese Klammer hält, zeigt sich nicht an der Schaden-Kosten-Quote eines Jahres, sondern an der Reserveentwicklung über viele Jahre. Dazu kommen wir gleich.
Wer Versicherer vergleichen will, findet bei uns vier weitere Häuser: Arch Capital, AXIS Capital und RenaissanceRe auf Bermuda sowie die amerikanischen Spezialversicherer American Financial Group und Cincinnati Financial.
Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte
Wir lassen täglich rund 3.200 US-Aktien durch unsere Scanner laufen. W. R. Berkley kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, Qualität zum fairen Preis. Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig, und WRB steht dort auf Rang 33 der US-Auswahl (Datenstand 28. Juli 2026):
- Piotroski-F-Score 7 von 9 — verlangt sind mindestens 7. WRB liegt also genau auf der Schwelle, nicht darüber.
- Eigenkapitalrendite 20,2 Prozent — deutlich über der 15-Prozent-Hürde. Der Konzern selbst weist für das zweite Quartal 2026 eine Rendite von 18,6 Prozent aus, operativ 20,5 Prozent, jeweils auf das Eigenkapital zu Jahresbeginn.
- EBIT-Marge — verlangt sind mindestens 10 Prozent. Nach unserer Rechnung aus dem Geschäftsbericht sind es 16,4 Prozent: 2.280,5 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis plus 126,9 Millionen Zinsaufwand gegen 14.707,9 Millionen Erträge (2025).
- Verschuldungsgrad — erlaubt ist bis 1,0. WRB liegt bei rund 0,29: 1.829,4 Millionen US-Dollar vorrangige Anleihen plus 1.010,9 Millionen nachrangige Schuldverschreibungen gegen 9.833,2 Millionen Eigenkapital (30.06.2026).
- Kurs-Gewinn-Verhältnis 16,5 — unter der 20er-Grenze, aber als einziger Versicherer der Liste nahe an der Obergrenze. Genau diese Zahl nehmen wir weiter unten auseinander.
Dazu meldet der Scanner einen Börsenwert von rund 28,2 Milliarden US-Dollar und ein Fundamental-Rating von 56 Punkten (Note B). Zur Einordnung: 50 Punkte sind der Durchschnitt des Universums, ab 75 gibt es die Note A. WRB liegt damit im oberen Mittelfeld — knapp unter AXIS Capital mit 59 Punkten, deutlich über RenaissanceRe mit 47.
Was das Modell liefert — sechs Jahre in einem Band von 1,4 Punkten
Die Schaden-Kosten-Quote misst, wie viel von einem Prämien-Dollar für Schäden und Kosten draufgeht. Unter 100 bedeutet Gewinn aus dem Zeichnungsgeschäft, über 100 Verlust. Bei W. R. Berkley sieht die Reihe so aus:
Die vollständige Zerlegung, wie sie in den Geschäftsberichten steht:
| Konzern, in Prozentpunkten | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Schadenquote | 61,1 | 61,3 | 61,3 | 61,8 | 62,4 |
| Kostenquote | 28,5 | 28,0 | 28,4 | 28,5 | 28,3 |
| Schaden-Kosten-Quote | 89,6 | 89,3 | 89,7 | 90,3 | 90,7 |
| davon Katastrophenschäden | 2,49 | 2,22 | 1,87 | 2,58 | 2,70 |
| Schadenquote ohne Katastrophen und Vorjahre | — | — | 59,2 | 59,2 | 59,8 |
Drei Beobachtungen. Erstens: Die Kostenquote ist über fünf Jahre bemerkenswert stabil zwischen 28,0 und 28,5 Punkten. Ein Konzern aus 60 Einzelfirmen leistet sich also keinen erkennbaren Verwaltungsaufschlag gegenüber einem zentral geführten Haus — genau das ist die Pointe des Modells.
Zweitens: Die Katastrophenlast liegt bei 1,87 bis 2,70 Ratiopunkten und damit sehr niedrig. Das ist kein Zufall und kein Verdienst der Dezentralisierung, sondern Folge der Ausrichtung: W. R. Berkley zeichnet überwiegend Haftpflicht, nicht Sachrisiken in Hurrikan-Regionen. 2025 waren es 336 Millionen US-Dollar, größte Posten waren die kalifornischen Waldbrände und eine Häufung schwerer Stürme.
Drittens: Die Schadenquote steigt langsam, aber stetig — von 61,1 auf 62,4 Punkte. Bereinigt um Katastrophen und Vorjahresabwicklung waren es 59,2 Prozent in 2023 und 2024 und 59,8 Prozent in 2025. Das ist der Preiszyklus: Nach den starken Jahren 2021 bis 2023 wird der Haftpflichtmarkt wieder weicher. Im zweiten Quartal 2026 zeigt sich das bereits an den Prämien — im Segment Reinsurance & Monoline Excess fielen die Bruttoprämien um 8,0 Prozent, im Halbjahr um 8,6 Prozent. Das Versicherungssegment wuchs dagegen um 5,4 Prozent.
Der jüngste Stand: Im zweiten Quartal 2026 meldete W. R. Berkley am 20. Juli eine Schaden-Kosten-Quote von 90,0 Prozent nach 91,6 im Vorjahresquartal, im Halbjahr 90,4 nach 91,3. Die Bruttoprämien erreichten mit 4.144,0 Millionen US-Dollar einen Rekord, das Kapitalanlageergebnis mit 418,7 Millionen ebenfalls. Der Gewinn je verwässerter Aktie stieg auf 1,15 US-Dollar nach 1,00.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn enthält keine Reserveauflösungen — und das ist beides
Versicherer schätzen ihre künftigen Schadenzahlungen. Stellt sich später heraus, dass zu viel zurückgestellt wurde, wird die Differenz aufgelöst und erhöht den Gewinn. Viele Häuser leben davon. Bei W. R. Berkley sieht das so aus:
| Vorjahresabwicklung, netto | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| in Millionen US-Dollar | +16,2 | +6,6 | −36,4 | −18,9 | +4,4 | +3,2 |
| in Prozent der verdienten Nettoprämien | +0,2 | +0,1 | −0,4 | −0,2 | +0,0 | +0,0 |
Plus bedeutet günstig, Minus ungünstig. Die Zahl, auf die es ankommt: In sechs Jahren hat die Vorjahresabwicklung das Ergebnis nie um mehr als 0,4 Prozent der Prämien bewegt. Der Gewinn von 1.779,4 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 enthält 3,2 Millionen aus Reserveauflösungen — 0,2 Prozent. Wer bei diesem Haus fragt, wie viel vom Gewinn aus der Vergangenheit stammt, bekommt die Antwort: praktisch nichts.
Das ist die gute Nachricht, und sie ist für die Bewertung wichtiger, als sie klingt. Sie ist aber nur die halbe Geschichte. Denn die Null ist ein Saldo aus zwei gegenläufigen Bewegungen:
„Insurance – Reserves for the Insurance segment developed unfavorably by $44 million in 2025 (net of additional and return premiums). The adverse development was driven by the other liability and auto liability lines of business, and was partially offset by favorable development for short tail lines of business, auto physical damage, professional liability and workers’ compensation.“
Übersetzung: „Versicherung – Die Rückstellungen des Versicherungssegments entwickelten sich 2025 um 44 Millionen US-Dollar ungünstig (nach zusätzlichen und zurückerstatteten Prämien). Die nachteilige Entwicklung wurde von den Sparten sonstige Haftpflicht und Kfz-Haftpflicht getrieben und teilweise durch eine günstige Entwicklung bei kurz abwickelnden Sparten, Kfz-Kasko, Berufshaftpflicht und Arbeiterunfallversicherung ausgeglichen.“
— W. R. Berkley Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 7 „Management’s Discussion and Analysis“
Die Ursache benennt der Bericht selbst: soziale Inflation. Gemeint sind höhere Vergleichsforderungen, Prozessfinanzierung durch Dritte, eine wachsende Zahl beklagter Großschäden und zurückgenommene Haftungsbegrenzungen. Die ungünstige Haftpflichtentwicklung konzentriert sich auf die Unfalljahre 2017 bis 2022, die Kfz-Haftpflicht auf 2021 bis 2023. Diese Jahrgänge wickeln noch jahrelang ab.
Und hier liegt die eigentliche Zyklik dieses Hauses — nicht im Wetter, sondern in der Bilanz. Zum 30. Juni 2026 standen 23.182,2 Millionen US-Dollar Schadenrückstellungen gegen ein Eigenkapital von 9.833,2 Millionen. Das ist ein Verhältnis von 2,36 zu 1. Was das bedeutet, lässt sich ausrechnen:
| Wenn sich die Rückstellungen als zu niedrig erweisen um … | vor Steuern | nach Steuern | gemessen am Jahresgewinn 2025 | gemessen am Eigenkapital |
|---|---|---|---|---|
| 1 Prozent | 232 Mio. US-Dollar | 182 Mio. | 10,2 Prozent | 1,8 Prozent |
| 3 Prozent | 695 Mio. | 544 Mio. | 30,6 Prozent | 5,5 Prozent |
| 5 Prozent | 1.159 Mio. | 908 Mio. | 51,0 Prozent | 9,2 Prozent |
Gerechnet mit dem effektiven Steuersatz von 21,7 Prozent (2025). Ein Schätzfehler von fünf Prozent auf einen langabwickelnden Haftpflichtbestand ist historisch keineswegs ungewöhnlich — und er würde hier die Hälfte eines Jahresgewinns kosten. Das ist der Grund, warum wir die Reserveentwicklung bei diesem Haus für die wichtigere Kennzahl halten als die Katastrophenlast.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Gründerfamilie und der neue Großaktionär
Am 9. Juni 2026 meldete das Unternehmen:
„W. R. Berkley Corporation (NYSE: WRB) announced with deep sadness the passing of its founder and Executive Chairman, William R. Berkley, today at the age of 80. Mr. Berkley founded the Company in 1967 and, over the course of nearly six decades, built it into a Fortune 500 company that is one of the world’s leading commercial insurance organizations.“
Übersetzung: „W. R. Berkley Corporation (NYSE: WRB) hat mit tiefer Trauer das Ableben ihres Gründers und geschäftsführenden Verwaltungsratsvorsitzenden William R. Berkley heute im Alter von 80 Jahren bekanntgegeben. Herr Berkley gründete das Unternehmen 1967 und baute es im Lauf von fast sechs Jahrzehnten zu einem Fortune-500-Unternehmen auf, das zu den weltweit führenden Industrieversicherern zählt.“
— W. R. Berkley Corporation, SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 10. Juni 2026, Anlage 99.1 (Pressemitteilung vom 09.06.2026)
Für Aktionäre ist die interessantere Frage, wem das Haus gehört. Die Beteiligungsmeldung vom 21. Juli 2026 beantwortet sie: Die Familie Berkley — über zwei Gesellschaften, den Nachlass, mehrere Trusts sowie Marjorie J. Berkley und W. Robert Berkley, Jr. persönlich — hält zusammen 95.557.324 Aktien oder 25,67 Prozent, gerechnet auf 372.276.732 umlaufende Aktien zum 27. April 2026.
Dazu kommt ein zweiter Block. Im März 2025 bestätigte das Unternehmen, dass Mitsui Sumitomo Insurance, ein japanischer Schaden- und Unfallversicherer aus der MS&AD-Gruppe, 15 Prozent erwerben will. Wichtig ist, wie:
„Under the terms of the agreements being entered into between MSI and the Berkley Family, once MSI acquires 4.9% of the outstanding Common Stock, MSI agrees to vote those shares pursuant to the recommendations of the Berkley Family, except in limited circumstances where the Berkley Family will vote the MSI shares in the same proportion as all of the non-MSI shares are voted. Once MSI acquires at least 12.5% of the outstanding shares, the Berkley Family agrees to recommend the nomination and election of a MSI director designee to the Company’s Board of Directors […]“
Übersetzung: „Nach den zwischen MSI und der Familie Berkley geschlossenen Vereinbarungen verpflichtet sich MSI, ab dem Erwerb von 4,9 Prozent der ausstehenden Stammaktien diese Aktien gemäß den Empfehlungen der Familie Berkley abzustimmen — außer in begrenzten Fällen, in denen die Familie Berkley die MSI-Aktien im selben Verhältnis abstimmt wie sämtliche Nicht-MSI-Aktien. Sobald MSI mindestens 12,5 Prozent der ausstehenden Aktien erwirbt, verpflichtet sich die Familie Berkley, die Nominierung und Wahl eines von MSI benannten Direktors in den Verwaltungsrat der Gesellschaft zu empfehlen […]“
— W. R. Berkley Corporation, SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 28. März 2025, Anlage 99.1 (Pressemitteilung)
Zum 4. Juni 2026 hielt Mitsui Sumitomo 58.780.450 Aktien oder 15,8 Prozent. Rechnet man beide Blöcke zusammen, ergibt das 154.337.774 Aktien oder rund 41,5 Prozent der Stimmen, gebunden an die Empfehlung einer Familie.
Was das für Minderheitsaktionäre bedeutet, hat zwei Seiten. Dafür: Ein Eigentümer mit einem Viertel des Kapitals denkt in Jahrzehnten, nicht in Quartalen — genau das ist die Voraussetzung dafür, dass ein Haus 60 Einheiten über Jahrzehnte aufbaut, statt Ergebnisse zu glätten. Die Vereinbarung wurde von einem Sonderausschuss aus drei unabhängigen Direktoren mit eigener Rechtsberatung verhandelt, und Mitsui Sumitomo unterliegt einer Stillhaltevereinbarung, die die Gesellschaft selbst durchsetzen kann. Dagegen: Es existiert faktisch ein Kontrollblock von gut 41 Prozent, für den nie eine Kontrollprämie an die übrigen Aktionäre gezahlt wurde. Eine Übernahme gegen den Willen dieses Blocks ist praktisch ausgeschlossen — die Übernahmefantasie, die bei anderen Versicherern einen Teil der Bewertung trägt, fehlt hier vollständig. Und die Zahl der eingetragenen Aktionäre betrug am 23. Februar 2026 ganze 312.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 2,8 Milliarden in alternativen Anlagen, Ertrag 9 Millionen
Das Kapitalanlageergebnis ist bei jedem Versicherer die zweite Ertragssäule, und bei W. R. Berkley wächst sie schnell: 583,8 Millionen US-Dollar (2020), 671,6 (2021), 779,2 (2022), 1.052,8 (2023), 1.333,2 (2024), 1.429,1 (2025). Im zweiten Quartal 2026 waren es 418,7 Millionen, ein Rekord.
Interessant wird es bei der Frage, woher dieses Geld kommt:
| Nettoanlageergebnis 2025 | Ertrag in Mio. US-Dollar | Rendite | Ertrag 2024 | Rendite 2024 |
|---|---|---|---|---|
| Anleihen, Barmittel, Darlehen | 1.307,1 | 4,9 % | 1.260,4 | 5,3 % |
| Arbitragekonto | 74,4 | 6,5 % | 69,6 | 5,8 % |
| Aktien | 50,5 | 5,3 % | 48,9 | 5,0 % |
| Investmentfonds | 27,6 | 1,9 % | −11,5 | −0,7 % |
| Immobilien | −18,5 | −1,4 % | −23,6 | −1,8 % |
| Anlageaufwand | −12,1 | — | −10,7 | — |
| Summe | 1.429,1 | 4,5 % | 1.333,2 | 4,6 % |
Die beiden Zeilen in der Mitte sind der Punkt. Investmentfonds und Immobilien standen zum 30. Juni 2026 mit 1.431,4 und 1.350,8 Millionen US-Dollar in den Büchern — zusammen 2,8 Milliarden oder 8,1 Prozent der Nettoanlagen von 34.168,9 Millionen. Ihr Beitrag zum Ergebnis 2025: 9,1 Millionen. Im Jahr davor: minus 35,1 Millionen.
Das ist bemerkenswert, weil es die übliche Erzählung umkehrt. Wenn ein Versicherer 20 Prozent Eigenkapitalrendite ausweist, lautet der Verdacht meist, dass alternative Anlagen das Ergebnis aufblähen. Bei W. R. Berkley ist das Gegenteil belegt: Die Rendite entsteht trotz dieser Position, nicht durch sie. Getragen wird das Anlageergebnis von einem sehr konservativen Anleihebuch — 25.900,0 Millionen US-Dollar, 75,8 Prozent des Portfolios, durchschnittliches Rating AA−, Duration 3,2 Jahre einschließlich Barmitteln. Eine kurze Duration bedeutet, dass steigende Zinsen schnell in höhere laufende Erträge durchschlagen; der Konzernchef verweist darauf, dass die aktuellen Wiederanlagesätze weiterhin über der Buchrendite liegen.
Ein Detail aus dem Kleingedruckten, das man kennen sollte: Fondsergebnisse werden mit einem Quartal Verzug gebucht. Wer die Zeile „Investment funds“ in einer Quartalsmeldung liest, sieht also die Vorquartalslage.
Die Bewertungsfrage: der teuerste Versicherer der Liste
Jetzt zum Kern. W. R. Berkley steht mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,5 im QARP-Scanner — und ist damit der teuerste Versicherer der gesamten Auswahl. Der Abstand ist kein Rundungsfehler:
| Stand 28. Juli 2026 | W. R. Berkley | Arch Capital | AXIS Capital | RenaissanceRe |
|---|---|---|---|---|
| Kurs-Gewinn-Verhältnis | 16,5 | 8,3 | 9,1 | 5,4 |
| Kurs-Buchwert-Verhältnis | 2,87 | 1,55 | 1,47 | 1,24 |
| Eigenkapitalrendite | 20,2 % | 21,3 % | 17,4 % | 21,5 % |
| Buchwert je Aktie | 26,50 US-Dollar | 66,45 | 78,86 | 264,77 |
| Börsenwert | 28,2 Mrd. US-Dollar | 36,3 | 8,4 | 13,7 |
| Spanne der Schaden-Kosten-Quote 2021–2025 | 1,4 Punkte | — | 10,1 Punkte | 24,2 Punkte |
Die entscheidende Zeile ist die zweite. W. R. Berkley kostet das 2,87-Fache seines Eigenkapitals, Arch Capital das 1,55-Fache — bei einer Eigenkapitalrendite von 20,2 gegen 21,3 Prozent. Arch verdient also mehr auf das eingesetzte Kapital und kostet trotzdem nur gut die Hälfte des Buchwert-Vielfachen.
Rechnet man das auf den bezahlten Kurs um, wird der Unterschied greifbar. Teilt man die Eigenkapitalrendite durch das Kurs-Buchwert-Verhältnis, erhält man die Rendite, die beim Käufer ankommt:
Wofür wird dieser Aufschlag bezahlt? Es gibt genau ein Argument, und es ist ein starkes: die Abwesenheit schlechter Jahre. RenaissanceRe verdient 21,5 Prozent auf das Eigenkapital — im Durchschnitt. 2022 verlor das Haus 25,50 US-Dollar je Aktie und ein Fünftel seines Buchwerts. AXIS Capital sprang 2023 auf eine Schaden-Kosten-Quote von 99,9 Prozent. W. R. Berkley hatte in den letzten fünf Jahren keine Schaden-Kosten-Quote über 90,7 Prozent und keine Eigenkapitalrendite unter 16,2 Prozent:
| W. R. Berkley | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Nettogewinn in Mio. US-Dollar | 1.022,5 | 1.381,1 | 1.381,4 | 1.756,1 | 1.779,4 |
| Gewinn je verwässerter Aktie | 3,66 | 3,29 | 3,37 | 4,36 | 4,45 |
| Eigenkapitalrendite auf das Anfangskapital | 16,2 % | 20,8 % | 20,5 % | 23,6 % | 21,2 % |
Der Markt hat das honoriert. Der Geschäftsbericht enthält den Fünfjahresvergleich der Gesamtrendite: Aus 100 US-Dollar, Anfang 2020 investiert und mit wiederangelegten Dividenden, wurden bis Ende 2025 bei W. R. Berkley 267,30 US-Dollar — gegen 228,45 im S&P-500-Index für Schaden- und Unfallversicherer und 195,63 im S&P 500. Über fünf Jahre hat das Haus also beide Vergleichsmaßstäbe geschlagen.
Ein Teil dieser Überrendite ist allerdings selbst Höherbewertung — wer heute kauft, zahlt das Ergebnis der letzten fünf Jahre mit. Das ist der Kern der Frage, und er lässt sich nicht wegrechnen: Damit sich 2,87 Buchwerte gegen 1,55 rechnen, muss W. R. Berkley seine Rendite ungefähr doppelt so lange durchhalten wie Arch Capital — oder Arch muss sie in einem schlechten Jahr zurückgeben. Genau das ist RenaissanceRe 2022 passiert. Ob es Arch passiert, weiß niemand.
Zyklik ehrlich gerechnet: Was bleibt ohne Sondereffekte?
Bei zyklischen Geschäften ist die Pflichtübung, den Gewinn um Sondereffekte zu bereinigen. Bei Rückversicherern führt das meist zu unangenehmen Ergebnissen, weil ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf einem Rekordjahr sitzt. Bei W. R. Berkley fällt die Rechnung anders aus:
| Geschäftsjahr 2025, je verwässerter Aktie | US-Dollar |
|---|---|
| ausgewiesener Gewinn je Aktie | 4,45 |
| abzüglich Reserveauflösungen (3,2 Mio. vor, 2,5 Mio. nach Steuern) | −0,01 |
| zuzüglich Katastrophenlast über dem Fünfjahresschnitt (41,0 Mio. vor, 32,1 Mio. nach Steuern) | +0,08 |
| normalisierter Gewinn je Aktie | rund 4,52 |
Die Katastrophenlast betrug 2025 mit 336 Millionen US-Dollar 2,70 Ratiopunkte; der Schnitt der Jahre 2021 bis 2025 liegt bei 2,37 Punkten. Das Jahr war also schlechter als normal, nicht besser. Und die Reserveauflösungen sind mit 3,2 Millionen praktisch null.
Ergebnis: Der Gewinn 2025 ist nicht geschönt — normalisiert läge er rund 1,6 Prozent höher. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis fällt dadurch nicht, es steigt leicht in der Bereinigung: gegen den ausgewiesenen Gewinn von 4,45 US-Dollar sind es 17,0, gegen den normalisierten von 4,52 rund 16,7.
Dazu kommt ein Aktualitätshinweis, der die Zahl in die andere Richtung bewegt. Der Scanner-Wert von 16,5 misst den rollierenden Zwölfmonatsgewinn bis zum 31. März 2026 von 4,71 US-Dollar je Aktie. Mit den am 20. Juli 2026 gemeldeten Zahlen des zweiten Quartals steigt dieser Wert auf 4,86 US-Dollar — das Vielfache sinkt damit auf rund 15,6. Wir nennen beide Werte, weil beide stimmen; sie messen nur unterschiedliche Zeiträume.
Das ist der ehrliche Befund zur Zyklik: Die 16,5 sind eine der wenigen unverfälschten Bewertungszahlen im ganzen Versicherungssektor. Bei RenaissanceRe misst ein KGV von 5,4 ein Jahr ohne große Hurrikane. Bei W. R. Berkley misst ein KGV von 16,5 ein durchschnittliches Jahr eines Hauses, das seit fünf Jahren kaum schwankt. Der Aufschlag ist also nicht nur ein Qualitäts-, sondern auch ein Messaufschlag — man vergleicht nicht dieselben Dinge.
Was den Aufschlag nicht rechtfertigt: Wachstum. Die Bruttoprämien stiegen im zweiten Quartal 2026 um 4,2 Prozent, das Rückversicherungssegment schrumpfte um 8,0 Prozent. Der Nettogewinn wuchs 2025 gegenüber 2024 um 1,3 Prozent — von 1.756,1 auf 1.779,4 Millionen US-Dollar. Wer 16,5-fache Gewinne zahlt, kauft Stetigkeit, keine Dynamik.
Kapitalrückgabe: die Sonderdividende als System
Eine Eigenheit dieses Hauses gehört in jede Bewertung: W. R. Berkley zahlt regelmäßig Sonderdividenden. 2025 waren es zusätzlich zur regulären Quartalsdividende von 0,08 US-Dollar (erstes Quartal) und je 0,09 (übrige drei) zwei Sonderausschüttungen von 0,50 und 1,00 US-Dollar je Aktie — insgesamt 700 Millionen US-Dollar Dividenden.
Im zweiten Quartal 2026 flossen 334,1 Millionen US-Dollar an die Aktionäre zurück: 185,5 Millionen Sonderdividende, 111,5 Millionen Aktienrückkäufe und 37,1 Millionen reguläre Dividende. Im Halbjahr kaufte das Haus 6.156.370 Aktien für 413,9 Millionen US-Dollar zurück — mehr als im gesamten Jahr 2025 (4.069.026 Aktien für 270 Millionen). Die Zahl der umlaufenden Aktien fiel dadurch von 377.155.799 (31.12.2025) auf 371.058.000 (30.06.2026).
Für die Bewertung heißt das zweierlei. Erstens ist die ausgewiesene Dividendenrendite irreführend niedrig, weil sie die Sonderausschüttungen nicht abbildet. Zweitens — und wichtiger — zeigt das Muster, wie das Management über Kapital denkt: Was nicht zu auskömmlichen Preisen gezeichnet werden kann, geht zurück an die Aktionäre. Bei einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,87 ist der Rückkauf allerdings eine teure Form davon; Aktien deutlich über Buchwert zurückzukaufen mindert den Buchwert je Aktie der Bleibenden.
Bilanz und Rating: der langweilige Teil
Die Bilanzseite ist unauffällig, und das ist bei einem Versicherer ein Kompliment. Zum 30. Juni 2026: Bilanzsumme 45.677,1 Millionen US-Dollar, Schadenrückstellungen 23.182,2, Eigenkapital 9.833,2. Die Finanzschulden bestehen aus 1.829,4 Millionen vorrangigen Anleihen und 1.010,9 Millionen nachrangigen Schuldverschreibungen — zusammen 2.840,3 Millionen oder 23 Prozent des Gesamtkapitals von 12,5 Milliarden.
Der Fälligkeitenplan ist der eigentliche Befund: Nach 7 Millionen US-Dollar im Jahr 2026 wird die nächste Tranche von 250 Millionen erst 2037 fällig, danach folgen Fälligkeiten bis 2061. Am 9. Juni 2026 verlängerte das Haus zusätzlich seine Kreditlinie über 300 Millionen US-Dollar vom 1. April 2027 auf den 9. Juni 2031. Ein Refinanzierungsrisiko existiert auf absehbare Zeit nicht.
33 Versicherungstöchter tragen bei A.M. Best die Finanzstärke „A+“ (Superior) — die zweitbeste von 15 Stufen. Die risikobasierte Kapitalausstattung jeder US-Tochter lag zum 31. Dezember 2025 über allen aufsichtsrechtlichen Eingriffsschwellen.
Zum Altman-Z″-Score ein ausdrücklicher Hinweis: Wir deuten ihn hier nicht. Die Schwellen lauten üblicherweise unter 1,1 Gefahrenzone und ab 2,6 sicher — aber die Formel wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht. Ihr am stärksten gewichteter Baustein ist das Nettoumlaufvermögen, und eine Versicherungsbilanz kennt die Trennung in kurz- und langfristig nicht: Schadenrückstellungen von 23.182,2 Millionen US-Dollar sind geschätzt und nicht nach Fristen sortiert. Der zweite Baustein, das Verhältnis von Umsatz zu Bilanzsumme, liegt bei einem Versicherer konstruktionsbedingt niedrig — 14,7 Milliarden Erträge gegen 45,7 Milliarden Bilanzsumme —, was die Formel als Kapitalintensität und damit als Gefahr liest. Aussagekräftig sind stattdessen Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Finanzstärke-Rating.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Dafür:
- Sechs Jahre Schaden-Kosten-Quote zwischen 89,3 und 90,7 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 bei 90,4 — eine Stetigkeit, die im Sektor selten ist.
- Der Gewinn enthält praktisch keine Reserveauflösungen: netto 3,2 Millionen US-Dollar bei 1.779,4 Millionen Nettogewinn (2025).
- Eigenkapitalrendite seit 2021 nie unter 16,2 Prozent; 2024 bei 23,6, 2025 bei 21,2 Prozent.
- Konservative Bilanz: Verschuldungsgrad rund 0,29, nächste nennenswerte Fälligkeit 2037, 33 Töchter mit A.M.-Best-Rating „A+“, Anleiheportfolio mit Rating AA− und 3,2 Jahren Duration.
- Kapitalrückgabe ist eingeübt: 700 Millionen US-Dollar Dividenden 2025 inklusive zweier Sonderausschüttungen, 413,9 Millionen Rückkäufe allein im ersten Halbjahr 2026.
Dagegen:
- Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,87 kostet WRB fast das Doppelte von Arch Capital (1,55) — bei niedrigerer Eigenkapitalrendite (20,2 gegen 21,3 Prozent). Auf den Kurs gerechnet bleiben 7,0 statt 13,7 Prozent.
- Das Versicherungssegment, 88 Prozent der Prämien, musste 2025 um 44 Millionen US-Dollar nachreservieren — Haftpflicht und Kfz, Unfalljahre 2017 bis 2023, Ursache soziale Inflation. Diese Jahrgänge wickeln weiter ab.
- Schadenrückstellungen von 23.182,2 Millionen US-Dollar stehen gegen 9.833,2 Millionen Eigenkapital. Ein Schätzfehler von fünf Prozent kostet nach Steuern rund 908 Millionen — die Hälfte eines Jahresgewinns.
- Familie und Mitsui Sumitomo verfügen zusammen über rund 41,5 Prozent der Stimmen; eine Kontrollprämie wurde nie gezahlt, eine Übernahme ist praktisch ausgeschlossen.
- Wachstum trägt die Bewertung nicht: plus 4,2 Prozent Bruttoprämien im zweiten Quartal 2026, minus 8,0 Prozent in der Rückversicherung, plus 1,3 Prozent Nettogewinn 2025 gegenüber 2024.
- 2,8 Milliarden US-Dollar in Investmentfonds und Immobilien lieferten 2025 zusammen 9,1 Millionen Ertrag und 2024 einen Verlust von 35,1 Millionen.
Fazit: Das Modell trägt — bezahlt ist es auch
W. R. Berkley beweist seit Jahrzehnten etwas, das der Intuition widerspricht: dass 60 eigenständige Firmen mit eigener Zeichnungsvollmacht stetigere Ergebnisse liefern als ein zentral gesteuerter Konzern. Die Belege stehen in den Büchern — eine Schaden-Kosten-Quote, die fünf Jahre lang um weniger als anderthalb Punkte schwankt, eine Kostenquote, die trotz der vielen Einheiten stabil bleibt, und ein Gewinn, der ohne Reserveauflösungen auskommt.
Der Preis dieses Modells ist die Kontrolle über 60 Zeichnungsstellen, und die Rechnung dafür kommt in der Reserve, nicht in der Katastrophenlast. 2025 hat das Versicherungssegment zum ersten Mal seit Jahren spürbar nachreserviert. 44 Millionen US-Dollar sind für sich genommen wenig; als Richtungsanzeige auf einem Bestand, der 2,36-mal so groß ist wie das Eigenkapital, sind sie die wichtigste Zahl im ganzen Bericht.
Der zweite Preis ist der Aktienkurs. Bei 2,87 Buchwerten kauft man ein hervorragendes Haus zu einem Vielfachen, das rund 85 Prozent über dem von Arch Capital liegt — einem Versicherer, der mehr auf sein Eigenkapital verdient. Wer das bezahlt, kauft die Abwesenheit schlechter Jahre. Das ist ein legitimes Motiv; RenaissanceRe hat 2022 vorgeführt, was ein schlechtes Jahr kostet. Nur muss man wissen, dass die Rechnung erst über einen sehr langen Zeitraum aufgeht.
Der Prüfpunkt steht im nächsten Geschäftsbericht: die Vorjahresabwicklung des Versicherungssegments. Bleibt sie bei minus 44 Millionen US-Dollar oder besser, trägt die Bewertung. Weitet sie sich aus, trifft es einen Kurs, der wenig Puffer eingepreist hat.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 1. Mai 2026)
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 20. Juli 2026 mit der Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (endete 31. Dezember 2025; eingereicht 27. Februar 2026)
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht 24. Februar 2025), mit den Jahren 2022 bis 2024
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2022 (eingereicht 24. Februar 2023), mit den Jahren 2020 bis 2022
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 10. Juni 2026 zum Tod des Gründers William R. Berkley
- W. R. Berkley Corporation — SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 28. März 2025 zum Framework Agreement mit Mitsui Sumitomo Insurance
- WR Berkley & Others LLC und weitere — SEC-Beteiligungsmeldung Schedule 13D/A vom 21. Juli 2026
- Kennzahlenhistorie 2017 bis 2026 aus der XBRL-Datenbank der SEC zu CIK 11544
- Fundamentaldaten und hauseigener Aktien-Scanner, Datenstand 28. Juli 2026 (QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“, US-Auswahl, Rang 33)
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der W. R. Berkley Corporation.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell positiv
- W. R. Berkley betreibt 60 weitgehend eigenständige Geschäftseinheiten mit eigener Zeichnungsvollmacht; 53 davon wurden selbst aufgebaut, sieben zugekauft (10-K für 2025, Item 1). Von 8.804 Mitarbeitern zum 15. Januar 2026 arbeiten 8.678 in den Töchtern — die Holding zählt 126 Menschen und steuert 15,1 Milliarden US-Dollar Bruttoprämien sowie 34,2 Milliarden Kapitalanlagen. Der Beleg, dass dieses Modell keinen Verwaltungsaufschlag kostet, steht in der Kostenquote: Sie lag 2021 bis 2025 zwischen 28,0 und 28,5 Ratiopunkten.
- Zeichnungsergebnis positiv
- Die Schaden-Kosten-Quote des Konzerns lag 2021 bei 89,6 Prozent, 2022 bei 89,3, 2023 bei 89,7, 2024 bei 90,3 und 2025 bei 90,7 — ein Band von 1,4 Punkten; im ersten Halbjahr 2026 waren es 90,4 Prozent, im zweiten Quartal 90,0 nach 91,6 im Vorjahresquartal. Das Versicherungssegment arbeitet bei 91,7 Prozent (2025), das Rückversicherungssegment bei 83,7. Die Katastrophenlast liegt strukturell niedrig bei 1,87 bis 2,70 Ratiopunkten, weil überwiegend Haftpflicht und nicht Sachrisiken in Katastrophenregionen gezeichnet werden.
- Reserven negativ
- Das offene Thema. Die Vorjahresabwicklung war über sechs Jahre nahezu null (+16,2 / +6,6 / −36,4 / −18,9 / +4,4 / +3,2 Millionen US-Dollar) — der Gewinn ist also nicht durch Auflösungen geschönt. Der Saldo verdeckt aber eine Bewegung: Das Versicherungssegment, 88 Prozent der Prämien, entwickelte sich 2025 um 44 Millionen US-Dollar ungünstig, getrieben von sonstiger Haftpflicht und Kfz-Haftpflicht in den Unfalljahren 2017 bis 2023; als Ursache nennt der Bericht „social inflation“. Ausgeglichen wurde das durch 47 Millionen günstiger Abwicklung in der Rückversicherung. Bei Rückstellungen von 23.182,2 Millionen gegen 9.833,2 Millionen Eigenkapital (30.06.2026) kostet ein Schätzfehler von fünf Prozent nach Steuern rund 908 Millionen — die Hälfte eines Jahresgewinns.
- Kapitalanlage neutral
- Das Anlageergebnis stieg von 583,8 Millionen US-Dollar (2020) auf 1.429,1 (2025); im zweiten Quartal 2026 waren es 418,7 Millionen, ein Rekord. Getragen wird es vom Anleihebuch: 25.900,0 Millionen US-Dollar oder 75,8 Prozent des Portfolios, Rating-Schnitt AA−, Duration 3,2 Jahre, Rendite 4,9 Prozent (2025). Die alternativen Anlagen enttäuschen dagegen: Investmentfonds und Immobilien standen zum 30.06.2026 mit 1.431,4 und 1.350,8 Millionen in den Büchern und brachten 2025 zusammen 9,1 Millionen Ertrag, 2024 einen Verlust von 35,1 Millionen. Die Eigenkapitalrendite entsteht also trotz dieser Position, nicht durch sie.
- Eigentümer & Führung neutral
- Gründer William R. Berkley starb am 9. Juni 2026 im Alter von 80 Jahren; sein Sohn W. Robert Berkley, Jr., seit Jahren President und Chief Executive Officer, wurde noch am selben Tag Chairman. Die Familie hält 95.557.324 Aktien oder 25,67 Prozent (Schedule 13D/A vom 21.07.2026). Mitsui Sumitomo Insurance hielt zum 4. Juni 2026 weitere 58.780.450 Aktien oder 15,8 Prozent, erworben über die Börse und von Dritten — ohne Verwässerung, ohne Mittelzufluss an die Gesellschaft — und stimmt oberhalb von 4,9 Prozent nach Empfehlung der Familie ab. Zusammen sind das rund 41,5 Prozent der Stimmen. Verhandelt wurde das von einem Sonderausschuss aus drei unabhängigen Direktoren, Mitsui Sumitomo unterliegt einer durch die Gesellschaft durchsetzbaren Stillhaltevereinbarung. Ein langfristig denkender Ankeraktionär ist ein Vorteil; eine Kontrollprämie hat für diesen Block nie jemand bezahlt.
- Bilanz & Rating positiv
- Den Finanzschulden von 2.840,3 Millionen US-Dollar steht ein Eigenkapital von 9.833,2 Millionen gegenüber (30.06.2026); der Verschuldungsgrad liegt bei rund 0,29, der Anteil am Gesamtkapital von 12,5 Milliarden bei 23 Prozent. Nach 7 Millionen US-Dollar Fälligkeit 2026 wird die nächste Tranche von 250 Millionen erst 2037 fällig; die Kreditlinie über 300 Millionen wurde am 9. Juni 2026 bis 2031 verlängert. 33 Versicherungstöchter tragen bei A.M. Best die Finanzstärke „A+“ (Superior), die zweitbeste von 15 Stufen; die risikobasierte Kapitalausstattung jeder US-Tochter lag zum 31.12.2025 über allen Eingriffsschwellen. Der Buchwert je Aktie stieg von 25,72 US-Dollar (31.12.2025) auf 26,50 (30.06.2026).
- Bewertung negativ
- Kurs-Gewinn-Verhältnis 16,5, Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 2,87 gegen den Buchwert je Aktie von 26,50 US-Dollar (30.06.2026), Börsenwert rund 28,2 Milliarden — Rang 33 im QARP-Scanner (Datenstand 28. Juli 2026). Damit ist WRB der teuerste Versicherer der Liste: Arch Capital steht bei 8,3 und 1,55, AXIS Capital bei 9,1 und 1,47, RenaissanceRe bei 5,4 und 1,24. Der Vergleich mit Arch Capital ist der schärfste — dort 21,3 Prozent Eigenkapitalrendite für 1,55 Buchwerte, hier 20,2 Prozent für 2,87. Auf den bezahlten Kurs gerechnet bleiben dem Käufer 7,0 statt 13,7 Prozent. Die Bereinigung hilft nicht: Die Katastrophenlast lag 2025 mit 2,70 Ratiopunkten über dem Fünfjahresschnitt von 2,37, Reserveauflösungen gab es praktisch keine — normalisiert liegt der Gewinn je Aktie bei rund 4,52 statt 4,45 US-Dollar. Mit den Zahlen des zweiten Quartals 2026 sinkt das Vielfache auf rund 15,6.
W. R. Berkley zeichnet dezentral: 60 weitgehend eigenständige Einheiten mit eigener Zeichnungsvollmacht, gesteuert aus einer Holding mit 126 Mitarbeitern. Das Ergebnis dieses Modells ist eine Stetigkeit, die im Sektor selten ist — die Schaden-Kosten-Quote lag 2021 bis 2025 zwischen 89,3 und 90,7 Prozent, die Eigenkapitalrendite nie unter 16,2 Prozent, und der Gewinn enthält praktisch keine Reserveauflösungen. Der Preis dafür steht im Kurs: Mit einem KGV von 16,5 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,87 ist WRB der teuerste Versicherer des QARP-Scanners; Arch Capital verdient 21,3 statt 20,2 Prozent auf das Eigenkapital und kostet 1,55 statt 2,87 Buchwerte. Auf den Kurs gerechnet bleiben dem Käufer 7,0 statt 13,7 Prozent. Die offene operative Frage ist die Reserve: Das Versicherungssegment reservierte 2025 um 44 Millionen US-Dollar nach, Ursache soziale Inflation im Haftpflichtgeschäft. Dazu die Eigentümerlage nach dem Tod des Gründers am 9. Juni 2026 — Familie und Mitsui Sumitomo verfügen zusammen über rund 41,5 Prozent der Stimmen. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Die Qualität ist über einen langen Zeitraum belegt, und zwar an genau den Stellen, an denen sich ein Versicherer nicht verstecken kann. Das Zeichnungsgeschäft arbeitet seit fünf Jahren durchgehend profitabel: Schaden-Kosten-Quote 89,6 Prozent (2021), 89,3 (2022), 89,7 (2023), 90,3 (2024), 90,7 (2025), 90,4 im ersten Halbjahr 2026 — ein Band von 1,4 Punkten, während AXIS Capital in denselben Jahren 10,1 und RenaissanceRe 24,2 Punkte Spanne brauchten. Die Eigenkapitalrendite auf das Jahresanfangskapital lag nie unter 16,2 Prozent und erreichte 2024 mit 23,6 Prozent den Höchstwert; ein Verlustjahr gab es in der ganzen Reihe nicht. Entscheidend für die Belastbarkeit der Zahlen: Der Gewinn ist nicht durch Reserveauflösungen aufgehübscht. Die Vorjahresabwicklung betrug netto +16,2 / +6,6 / −36,4 / −18,9 / +4,4 / +3,2 Millionen US-Dollar in den Jahren 2020 bis 2025 — nie mehr als 0,4 Prozent der verdienten Nettoprämien. Im Nettogewinn 2025 von 1.779,4 Millionen stecken 3,2 Millionen aus Auflösungen. Ebenso wenig stützt sich die Rendite auf alternative Anlagen: Investmentfonds und Immobilien mit 2,8 Milliarden US-Dollar Buchwert brachten 2025 zusammen 9,1 Millionen und 2024 einen Verlust von 35,1 Millionen; die 20,2 Prozent entstehen also trotz dieser Position. Die Bilanz ist konservativ: Verschuldungsgrad rund 0,29, Fremdkapitalanteil am Gesamtkapital 23 Prozent, nach 7 Millionen Fälligkeit 2026 die nächste Tranche erst 2037, Kreditlinie bis 2031 verlängert, Anleiheportfolio mit Rating-Schnitt AA− und 3,2 Jahren Duration, 33 Versicherungstöchter mit A.M.-Best-Rating „A+“ (Superior) und risikobasierte Kapitalausstattung über allen Eingriffsschwellen. Existenzielle Abhängigkeiten fehlen — 60 Einheiten in zwei Segmenten und in mehr als einem Dutzend Ländern sind das Gegenteil eines Klumpenrisikos. Ein Governance- oder Bilanzbruch liegt nicht vor: Die Vereinbarung mit Mitsui Sumitomo wurde von einem Sonderausschuss aus drei unabhängigen Direktoren verhandelt und vollständig offengelegt, der Erwerb erfolgte über die Börse ohne Verwässerung. Die 44 Millionen US-Dollar ungünstiger Abwicklung im Versicherungssegment 2025 sind ein ernstzunehmender Richtungshinweis, aber gemessen am Jahresgewinn 2,5 Prozent und im Konzernsaldo mehr als ausgeglichen — das ist kein Substanzrisiko und auch keine offene Frage darüber, ob das Geschäftsmodell trägt. Dass die Aktie mit 2,87 Buchwerten teuer ist, ist ein Preisargument und ändert an der Qualität des Unternehmens nichts.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam WRB über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 33 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (WRB: 7 von 9, also genau auf der Schwelle), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (20,2), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (nach unserer Rechnung aus dem Geschäftsbericht 16,4 Prozent: 2.280,5 Mio. US-Dollar Vorsteuerergebnis plus 126,9 Mio. Zinsaufwand gegen 14.707,9 Mio. Erträge), Verschuldungsgrad höchstens 1,0 (rund 0,29: 1.829,4 Mio. vorrangige Anleihen plus 1.010,9 Mio. nachrangige Schuldverschreibungen gegen 9.833,2 Mio. Eigenkapital zum 30.06.2026) und ein positives KGV bis 20 (16,5). Bei der letzten Bedingung ist WRB der einzige Versicherer der Liste nahe an der Obergrenze — Arch Capital steht bei 8,3, AXIS Capital bei 9,1, RenaissanceRe bei 5,4. Das Fundamental-Rating liegt bei 56 Punkten (Note B); 50 ist der Durchschnitt des Universums, ab 75 gibt es die Note A. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
- Der Altman-Z″-Score wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Er wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht; eine Versicherungsbilanz kennt die Trennung in kurz- und langfristig nicht, sodass sich das am stärksten gewichtete Nettoumlaufvermögen nicht bilden lässt — Schadenrückstellungen von 23.182,2 Millionen US-Dollar (30.06.2026) werden statistisch geschätzt. Auch der Baustein „Umsatz zu Bilanzsumme“ trägt nicht: 14,7 Milliarden Erträge gegen 45,7 Milliarden Bilanzsumme liest die Formel als Kapitalintensität und damit als Gefahrensignal, obwohl die Bilanzsumme nur die Kapitalanlagen und die Schadenrückstellungen abbildet. Aussagekräftig sind stattdessen Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Finanzstärke-Rating.
- Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 28. Juli 2026 (Börsenwert rund 28,2 Milliarden US-Dollar). Die Gegenprobe mit 371.058.000 umlaufenden Aktien aus der Ergebnismitteilung zum 30. Juni 2026 und dem Kurs desselben Datenstands von rund 75,70 US-Dollar ergibt 28,09 Milliarden — eine Abweichung von 0,4 Prozent. Rechnet man die 17.378.810 Aktien im Treuhandvermögen hinzu, sind es 29,40 Milliarden oder 4,3 Prozent mehr; beide Werte liegen weit unter der Fünftel-Schwelle, der Börsenwert ist damit verwendbar. Zum KGV: Der Scanner-Wert von 16,5 misst den rollierenden Zwölfmonatsgewinn bis zum 31. März 2026 von 4,71 US-Dollar je Aktie. Gegen den Jahresgewinn 2025 von 4,45 US-Dollar ergibt sich 17,0, gegen den rollierenden Zwölfmonatsgewinn nach der Meldung des zweiten Quartals 2026 von 4,86 US-Dollar nur noch 15,6. Hinweis in eigener Sache: Diese Werte wurden am 28. Juli 2026 korrigiert; zuvor rechnete die Liste mit einem 26 Tage alten Börsenwert (KGV 15,1 bei 25,8 Milliarden US-Dollar). Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
- Verwechslungsgefahr: Die W. R. Berkley Corporation (NYSE: WRB) aus Greenwich, Connecticut, hat nichts mit Berkshire Hathaway und nichts mit der Stadt Berkeley in Kalifornien zu tun. Der Konzern führt keine frühere Firmierung, ist in Delaware eingetragen und legt als US-Inlandsemittent 10-K, 10-Q und 8-K vor; ein 20-F existiert nicht. Der jüngste Quartalsbericht ist das 10-Q zum 31. März 2026, eingereicht am 1. Mai 2026 — die aktuelleren Zahlen dieser Analyse stammen aus der Ergebnismitteilung 8-K vom 20. Juli 2026 zum zweiten Quartal 2026, deren Quartalsbericht zum Redaktionsschluss noch nicht eingereicht war. Sämtliche Einreichungen nach dem 1. Mai 2026 sind ausgewertet: der Tod des Gründers (8-K vom 10.06.2026), die Verlängerung der Kreditlinie bis 2031 (8-K vom 11.06.2026), die Hauptversammlungsergebnisse (8-K vom 05.06.2026), der Rücktritt von Executive Vice President Lucille Sgaglione zum 30. Juni 2026 mit Wechsel in eine Beraterrolle (8-K vom 26.06.2026), die Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal (8-K vom 20.07.2026) sowie die Beteiligungsmeldungen Schedule 13D/A vom 4. Juni und 21. Juli 2026. Form 15 oder Form 25 liegen nicht vor. Ein Hinweis zum Datenbestand: Für WRB existiert in unserem lokalen Entwicklungsstand keine Unternehmenszeile; die Beifang-Einträge werden dort ohne Unternehmensverknüpfung angelegt und erhalten sie beim Einspielen auf dem Produktivsystem.
Häufige Fragen
Das Haus zeichnet dezentral. Statt eines zentral gesteuerten Konzerns betreibt W. R. Berkley 60 weitgehend eigenständige Geschäftseinheiten mit eigener Zeichnungsvollmacht; 53 davon wurden selbst aufgebaut, sieben zugekauft. Von 8.804 Mitarbeitern (15.01.2026) arbeiten 8.678 in den Töchtern — in der Holding sitzen 126 Menschen, die Kapital, Kapitalanlage, Rückversicherung und Aktuariat steuern.
Ungewöhnlich stabil. Sie lag 2021 bei 89,6 Prozent, 2022 bei 89,3, 2023 bei 89,7, 2024 bei 90,3 und 2025 bei 90,7 — ein Band von 1,4 Punkten. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 90,4 Prozent, im zweiten Quartal 90,0. Zum Vergleich brauchte AXIS Capital in denselben Jahren eine Spanne von 10,1 Punkten, RenaissanceRe eine von 24,2.
Praktisch nicht. Die Vorjahresabwicklung betrug netto plus 16,2 Millionen US-Dollar (2020), plus 6,6 (2021), minus 36,4 (2022), minus 18,9 (2023), plus 4,4 (2024) und plus 3,2 (2025) — nie mehr als 0,4 Prozent der verdienten Nettoprämien. Im Nettogewinn 2025 von 1.779,4 Millionen US-Dollar stecken 3,2 Millionen aus Reserveauflösungen, also 0,2 Prozent.
Bezahlt wird die Abwesenheit schlechter Jahre. Mit einem KGV von 16,5 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,87 ist WRB der teuerste Versicherer des QARP-Scanners — Arch Capital steht bei 8,3 und 1,55, AXIS Capital bei 9,1 und 1,47, RenaissanceRe bei 5,4 und 1,24. Dafür lag die Eigenkapitalrendite seit 2021 nie unter 16,2 Prozent, während RenaissanceRe 2022 25,50 US-Dollar je Aktie verlor.
Die Familie Berkley hält laut Beteiligungsmeldung vom 21. Juli 2026 zusammen 95.557.324 Aktien oder 25,67 Prozent. Mitsui Sumitomo Insurance hielt zum 4. Juni 2026 weitere 58.780.450 Aktien oder 15,8 Prozent und stimmt oberhalb von 4,9 Prozent nach Empfehlung der Familie ab. Zusammen sind das rund 41,5 Prozent der Stimmen. Gründer William R. Berkley starb am 9. Juni 2026 im Alter von 80 Jahren.
Ja, regelmäßig. 2025 zahlte das Haus zusätzlich zur regulären Quartalsdividende von 0,08 US-Dollar (erstes Quartal) und je 0,09 (übrige drei) Sonderdividenden von 0,50 und 1,00 US-Dollar je Aktie; insgesamt flossen 700 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal 2026 kamen 185,5 Millionen Sonderdividende, 37,1 Millionen reguläre Dividende und 111,5 Millionen Aktienrückkäufe zusammen.
Ein durchschnittliches Jahr, kein Rekordjahr. Die Katastrophenlast lag 2025 mit 2,70 Ratiopunkten über dem Fünfjahresschnitt von 2,37, Reserveauflösungen gab es praktisch keine. Normalisiert läge der Gewinn je Aktie bei rund 4,52 statt 4,45 US-Dollar — das Vielfache steigt in der Bereinigung also leicht. Mit den Zahlen des zweiten Quartals 2026 sinkt es dagegen auf rund 15,6.
Weil die Formel an Industriebetrieben geeicht wurde (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Ihr am stärksten gewichteter Baustein, das Nettoumlaufvermögen, lässt sich für eine Versicherungsbilanz nicht bilden: Schadenrückstellungen von 23.182,2 Millionen US-Dollar (30.06.2026) sind geschätzt und nicht nach Fristen getrennt. Aussagekräftiger sind Schaden-Kosten-Quote, Reserveentwicklung und Finanzstärke-Rating.
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