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Hartford-Aktie: Der Berkshire-Schirm gegen Asbest ist zu — und es regnet

Hartford-Aktie: Der Berkshire-Schirm gegen Asbest ist zu — und es regnet

The Hartford hatte seine Asbest-Altlast 2017 bei National Indemnity abgesichert, einer Tochter von Berkshire Hathaway. Zum 31. Dezember 2025 war das Deckungslimit von 1,5 Milliarden US-Dollar aufgebraucht. Und im ersten Quartal 2026 stellte der Rückversicherer auch noch jede weitere Zahlung ein — Streitfall, Schiedsverfahren, Ausgang offen. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026 gelesen, das dritte Standbein Employee Benefits beziffert und nachgerechnet, was vom Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,1 übrig bleibt, wenn man den Zyklus glattzieht. Keine Anlageberatung.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 21 Min. Lesezeit
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Hartford-Aktie: Der Berkshire-Schirm gegen Asbest ist zu — und es regnet
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts-, Quartals- und Zwischenberichte, 10-K/10-Q/8-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Stell Dir vor, Du hast vor Jahren einen Regenschirm gekauft — einen sehr teuren, für einen sehr speziellen Regen. Er sollte genau dann aufgehen, wenn eine alte Rechnung aus Deiner Vergangenheit fällig wird. Jetzt fällt der Regen, Du greifst nach dem Schirm, und zwei Dinge passieren gleichzeitig: Er ist schon durchgeweicht, weil Du ihn längst aufgebraucht hast. Und der Hersteller sagt, er zahle vorerst gar nichts mehr, man streite sich vor Gericht. Genau das steht, in nüchternem Bilanzdeutsch, in Anhang 9 des jüngsten Quartalsberichts der Hartford Insurance Group (NYSE: HIG).

Wir lesen deshalb gemeinsam, was der Konzern der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat: den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht am 20. Februar 2026), den Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026 (eingereicht am 23. Juli 2026) und sämtliche Pflichtmitteilungen (8-K) danach. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest Du selbst.

Erst einmal: Wie heißt die Firma eigentlich?

Wer nach dieser Aktie sucht, stolpert über zwei Namen — und beide sind richtig gewesen. Der Konzern firmierte seit den neunziger Jahren als The Hartford Financial Services Group, Inc. Seit Anfang 2025 heißt er The Hartford Insurance Group, Inc. Die Umbenennung ist im Register der US-Börsenaufsicht dokumentiert: Der alte Name lief dort bis zum 30. Januar 2025, der neue seit dem 6. Februar 2025. Die Kennnummer des Emittenten (CIK 874766) blieb dieselbe, ebenso das Kürzel HIG an der New Yorker Börse.

Der Namenswechsel ist keine Kosmetik, sondern ein Programm. „Financial Services“ stand für ein Haus, das neben Versicherungen auch Fonds verkaufte und früher Renten- und Lebensversicherungen führte. „Insurance Group“ ist die Ansage, künftig nur noch zu versichern — und im Juni 2026 wurde daraus ein Vollzug: Am 3. Juni 2026 meldete der Konzern, dass Wellington Management das Fondsgeschäft Hartford Funds übernimmt. Gegenleistung sind 300 Millionen US-Dollar bei Vollzug plus laufende Quartalszahlungen in Höhe von 95 Prozent des verfügbaren Nach-Steuer-Cashflows über voraussichtlich sieben Jahre; The Hartford beziffert den Barwert des Geschäfts auf 1,9 Milliarden US-Dollar bei einem Abzinsungssatz von 11 Prozent. Das Fondsgeschäft steuerte 2025 noch 213 Millionen US-Dollar zum Ergebnis bei und wird seither als aufgegebener Geschäftsbereich geführt.

Merke Dir das für die Zahlen weiter unten: Der Gewinnsprung im zweiten Quartal 2026 kommt zu einem großen Teil aus diesem Verkauf, nicht aus dem Versicherungsgeschäft.

Drei Standbeine statt zwei — das ist der Unterschied zu allen anderen

Der Konzern sitzt an One Hartford Plaza in Hartford, Connecticut, beschäftigt rund 19.200 Menschen (Stand 31. Dezember 2025), davon etwa 6.700 allein in der Schadenbearbeitung, und wird von Christopher J. Swift als Chairman und Vorstandschef geführt; Finanzvorständin ist Beth A. Costello. Entscheidend für das Verständnis ist der Zuschnitt: The Hartford verdient sein Geld in drei Sparten, nicht in zwei.

Balkendiagramm der Segmentergebnisse der Hartford Insurance Group im Geschäftsjahr 2025 in Millionen US-Dollar: Gewerbe plus 2.780, Privatkunden plus 447, Employee Benefits plus 557, Hartford Funds plus 213 und Abwicklung mit Asbestaltlasten minus 103.
Vier grüne Balken und ein roter: Der Abwicklungsbestand mit den Asbest- und Umweltaltlasten kostet jedes Jahr Geld. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.
  • Business Insurance (Gewerbe: Arbeiterunfall, Haftpflicht, Sachversicherung, Flotten, Spezialrisiken über den Lloyd's-Syndikat 1221) — das Kerngeschäft. Verdiente Prämien 13.883 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025, Segmentergebnis 2.780 Millionen, Schaden-Kosten-Quote 88,3 Prozent.
  • Personal Insurance (Privatkunden: Kfz und Wohngebäude, vertrieben direkt und über unabhängige Makler) — verdiente Prämien 3.725 Millionen, Segmentergebnis 447 Millionen, Quote 91,9 Prozent.
  • Employee Benefits (Gruppenlebensversicherung, Kurz- und Langzeit-Berufsunfähigkeit, bezahlte Familien- und Krankheitsfreistellung für Arbeitgeber) — Erträge 7.140 Millionen, Segmentergebnis 557 Millionen.

Dazu kommt ein viertes, kleines Segment ohne Neugeschäft: Property & Casualty Other Operations, der Abwicklungsbestand. Dort liegen die Asbest- und Umweltschäden aus Policen, die zum Teil vor einem halben Jahrhundert gezeichnet wurden. Dieses Segment machte 2025 einen Verlust von 103 Millionen US-Dollar, 2024 von 127 und 2023 von 130 Millionen. Es ist der rote Balken in der Grafik — und der Grund für die halbe Analyse.

Warum Employee Benefits anders schwankt als das Sachgeschäft

Dieses dritte Standbein hat in unserer Serie kein anderer Titel. Travelers hat Gewerbe, Privatkunden und Spezialgeschäft — alles Sachversicherung. Allstate ist überwiegend Privatkunden-Autoversicherer. W. R. Berkley und Arch Capital sind Spezial- und Rückversicherer. Sie alle haben eines gemeinsam: Ihr Ergebnis hängt am Wetter. Ein Hurrikan, eine Hagelfront, ein Waldbrand — und das Quartal ist hin.

Employee Benefits ist anders gebaut. Wer eine Gruppenlebensversicherung für die Belegschaft eines Konzerns zeichnet, trägt Sterblichkeitsrisiko. Wer Berufsunfähigkeit zeichnet, trägt Invaliditätsrisiko — also die Frage, wie viele Beschäftigte krank werden, wie lange sie ausfallen und wie viele wieder in den Beruf zurückkehren. Ein Tornado in Oklahoma berührt diese Zahlen nicht. Dafür berühren sie zwei andere Dinge: Konjunktur und Beschäftigung. Steigt die Arbeitslosigkeit, sinken die versicherten Lohnsummen und damit die Prämien; gleichzeitig steigt die Zahl der Krankmeldungen erfahrungsgemäß in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, und die Rückkehrquote sinkt.

Genau das lässt sich derzeit beobachten. Im zweiten Quartal 2026 stieg die Schadenquote der Gruppen-Berufsunfähigkeit auf 74,8 Prozent, nach 68,5 Prozent im Vorjahresquartal — laut Bericht wegen „gestiegener Fallzahlen bei Kurz- und Langzeit-Berufsunfähigkeit und weniger günstiger Genesungsverläufe“. Die Gruppenlebensversicherung blieb dagegen stabil bei 74,2 Prozent (Vorjahr 74,3). Das Segmentergebnis fiel im Quartal um 2 Prozent auf 147 Millionen US-Dollar und im Halbjahr um 6 Prozent auf 265 Millionen — und das, obwohl die Prämien um 6 Prozent wuchsen und das Neugeschäft im Halbjahr um 48 Prozent auf 722 Millionen US-Dollar zulegte.

Für Dich als Anleger heißt das: Employee Benefits ist kein Gegengift gegen den Sachversicherungszyklus, sondern ein zweiter, davon unabhängiger Zyklus. In einem Jahr mit ruhigem Wetter und schwacher Konjunktur bremst es; in einem Jahr mit Stürmen und Vollbeschäftigung stützt es. Über die letzten drei Geschäftsjahre lieferte es 535, 561 und 557 Millionen US-Dollar — bemerkenswert konstant, aber eben auch ohne Wachstum im Ergebnis, während das Gewerbegeschäft von 2.085 auf 2.780 Millionen zulegte. Sein Anteil am Konzerngewinn schrumpfte damit von rund 21 auf rund 15 Prozent.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. The Hartford kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, angelehnt an die quantitative Faktor-Forschung. Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig, und HIG erfüllt jede einzelne:

  • Piotroski F-Score ≥ 7 — The Hartford: 9 von 9. Der Höchstwert. Was er wirklich misst, klären wir in einem eigenen Kapitel.
  • Eigenkapitalrendite ≥ 15 Prozent — The Hartford: 22,7 Prozent. Unsere Gegenprobe: 3.815 Millionen US-Dollar Gewinn für die Stammaktionäre im Geschäftsjahr 2025 gegen ein durchschnittliches Stammkapital von 17.379 Millionen (Mittel aus 16.113 zum 31.12.2024 und 18.645 zum 31.12.2025) ergibt 22,0 Prozent — die Größenordnung stimmt.
  • EBIT-Marge ≥ 10 Prozent — The Hartford: rund 17,5 Prozent (4.760 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis zuzüglich 199 Millionen Zinsaufwand auf 28.368 Millionen Gesamterträge, Geschäftsjahr 2025).
  • Verschuldungsgrad zwischen 0 und 1 — The Hartford: 0,22 (4.374 Millionen US-Dollar Schulden auf 19.633 Millionen Eigenkapital zum 30. Juni 2026). Der Konzern weist die Quote selbst mit 22 Prozent aus, die Schuldenquote am Gesamtkapital mit 18 Prozent.
  • Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — The Hartford: 10,1. Der Wert, den wir gleich auseinandernehmen.

Im Scanner steht HIG damit auf Rang 35 unter den US-Treffern, bei einem Fundamental-Rating von 60 Punkten (Note B) auf der Skala von 0 bis 100 und einem ausgewiesenen Börsenwert von 37,9 Milliarden US-Dollar.

Die Börsenwert-Gegenprobe: Auf dem Deckblatt des Quartalsberichts steht die Aktienzahl zum 22. Juli 2026 — 270.872.002 Stück. Aus 37,9 Milliarden geteilt durch diese Aktienzahl ergibt sich ein rechnerischer Kurs von 139,92 US-Dollar. Der letzte Kurs, den ein Filing selbst dokumentiert, ist der Durchschnittspreis der eigenen Aktienrückkäufe im Juni 2026: 129,60 US-Dollar (April 139,22, Mai 134,96). Die Abweichung beträgt 7,9 Prozent nach oben — deutlich unter unserer Verwerfungsschwelle von einem Fünftel. Der Scanner-Wert ist also brauchbar; Du solltest nur wissen, dass er einen Kurs am oberen Rand der zuletzt belegten Spanne unterstellt.

Ein Wort zum Altman Z″, das viele Screener mitliefern: Werte unter 1,1 gelten dort als Krisenzone, über 2,6 als sicher. Für einen Versicherer ist diese Formel nicht aussagekräftig — sie wurde an Industrieunternehmen kalibriert und rechnet mit Umlaufvermögen, Betriebskapital und Umsatz je Bilanzsumme. Eine Versicherungsbilanz besteht aber aus Kapitalanlagen und Schadenrückstellungen; „Working Capital“ im industriellen Sinn gibt es dort nicht, und die Bilanzsumme wird von den Rückstellungen für künftige Schäden bestimmt, nicht von Vorräten und Forderungen. Wir nennen die Schwellen deshalb nur — und deuten den Wert bewusst nicht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Schirm gegen Asbest ist zu

Jetzt zum Kern. The Hartford trägt einen der größten Asbest- und Umweltbestände der US-Branche. Solche Schäden stammen aus Haftpflichtpolicen, die vor Jahrzehnten gezeichnet wurden, als niemand wusste, welche Krankheiten Asbest auslöst — und sie melden sich bis heute. 2017 tat der Konzern, was viele für die endgültige Lösung hielten: Er kaufte eine Deckung für Schadenentwicklung (im Fachjargon adverse development cover) bei National Indemnity Company, einer Tochter von Berkshire Hathaway. Die Konstruktion: Alles, was oberhalb eines Selbstbehalts von 1,7 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Asbest- und Umweltschäden für Schadenjahre vor 2016 anfällt, übernimmt der Rückversicherer — bis zu einem Gesamtlimit von 1,5 Milliarden US-Dollar. Eine zweite, kleinere Deckung über 300 Millionen betraf den 2019 übernommenen Spezialversicherer Navigators.

Die Frage, die eine Analyse beantworten muss, lautet: Trägt diese Deckung noch? Der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 beantwortet sie in zwei Sätzen — und die Antwort ist zweimal nein.

Gelb markierter Absatz im Quartalsbericht der Hartford Insurance Group zum 30. Juni 2026: Der Konzern hat zwei Rückversicherungsverträge mit National Indemnity, einer Tochter von Berkshire Hathaway, über 1,5 Milliarden und 300 Millionen US-Dollar; alle verfügbaren Limits wurden bereits abgegeben, sodass zum 31. Dezember 2025 kein Limit mehr verfügbar war.
Die markierte Stelle im Original: Das Gesamtlimit von 1,5 Milliarden US-Dollar war zum 31. Dezember 2025 vollständig ausgeschöpft, das Navigators-Limit bereits seit dem 31. Dezember 2023. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Anhang 9 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„The Company had previously ceded all available limits under the agreements. As such, no remaining limit was available under the A&E ADC as of December 31, 2025, and no remaining limit was available under the Navigators' ADC as of December 31, 2023.“

Übersetzung: „Das Unternehmen hatte zuvor sämtliche verfügbaren Limits unter den Verträgen abgegeben. Daher war zum 31. Dezember 2025 kein verbleibendes Limit mehr unter der Asbest- und Umweltdeckung verfügbar, und zum 31. Dezember 2023 kein verbleibendes Limit mehr unter der Navigators-Deckung.“

— The Hartford Insurance Group, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Anhang 9 „Reserve for Unpaid Losses and Loss Adjustment Expenses“

Das ist die erste Hälfte. Die zweite steht drei Zeilen darunter und ist die eigentliche Nachricht dieser Analyse.

Gelb markierter Absatz im Quartalsbericht zum 30. Juni 2026: Im ersten Quartal 2026 zog der Konzern Erstattungen von National Indemnity und vereinnahmte 36 Millionen US-Dollar des abgegrenzten Ertrags; anschließend stellte der Rückversicherer jede weitere Zahlung wegen eines Streits ein, der Gegenstand eines Schiedsverfahrens ist. Der abgegrenzte Ertrag betrug 814 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026 und 850 Millionen zum 31. Dezember 2025.
Die markierte Stelle im Original: Erst floss Geld, dann stellte der Rückversicherer die Zahlungen ein — Ausgang und Zeitpunkt des Schiedsverfahrens sind laut Bericht nicht bekannt. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Anhang 9 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Subsequently during the first quarter of 2026, NICO suspended any further payment under the A&E ADC due to a dispute that is the subject of an arbitration proceeding. The timing of any resolution or outcome of the arbitration is not yet known and there may be impacts to the Company's cash flows or operating results as a result of the dispute.“

Übersetzung: „Anschließend stellte National Indemnity im ersten Quartal 2026 jede weitere Zahlung unter der Asbest- und Umweltdeckung ein, wegen eines Streits, der Gegenstand eines Schiedsverfahrens ist. Der Zeitpunkt einer etwaigen Beilegung und der Ausgang des Schiedsverfahrens sind noch nicht bekannt, und es kann sich daraus ergeben, dass die Zahlungsströme oder das operative Ergebnis des Unternehmens beeinträchtigt werden.“

— The Hartford Insurance Group, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Anhang 9 „Reserve for Unpaid Losses and Loss Adjustment Expenses“

Was das in Zahlen bedeutet. Bei einer solchen rückwirkenden Rückversicherung darf der Gewinn aus der Deckung nicht sofort gebucht werden; er wird als abgegrenzter Ertrag in die Bilanz gestellt und erst dann Schritt für Schritt vereinnahmt, wenn tatsächlich Geld vom Rückversicherer eingeht. Dieser Posten betrug zum 30. Juni 2026 noch 814 Millionen US-Dollar, nach 850 Millionen zum Jahresende 2025. Die Differenz von 36 Millionen ist genau der Betrag, den The Hartford im ersten Quartal 2026 vereinnahmen konnte, bevor die Zahlungen stoppten — und er ist zugleich der einzige Grund, warum der Abwicklungsbestand im ersten Halbjahr 2026 überhaupt einen Zeichnungsgewinn (32 Millionen) statt eines Verlusts auswies.

Die 814 Millionen entsprechen 4,1 Prozent des Eigenkapitals von 19.633 Millionen US-Dollar. Sie sind kein Verlust — sie sind ein Guthaben, das derzeit nicht fließt. Die Netto-Asbest- und Umweltreserven, die The Hartford nach Abzug der abgegebenen Schäden selbst trägt, betrugen zum 30. Juni 2026 281 Millionen US-Dollar. Und der Bericht selbst sagt, dass diese Zahl unsicher ist:

„While the Company believes that its current Run-off A&E reserves are appropriate, significant uncertainties limit our ability to estimate the ultimate reserves necessary for unpaid losses and related expenses. The ultimate liabilities, thus, could exceed the currently recorded reserves, and any such additional liability, while not reasonably estimable now, could be material to The Hartford's consolidated operating results or liquidity.“

Übersetzung: „Obwohl das Unternehmen seine derzeitigen Rückstellungen für den Asbest- und Umwelt-Abwicklungsbestand für angemessen hält, schränken erhebliche Unsicherheiten unsere Fähigkeit ein, die letztlich erforderlichen Rückstellungen für unbezahlte Schäden und damit verbundene Aufwendungen zu schätzen. Die endgültigen Verbindlichkeiten könnten daher die derzeit gebuchten Rückstellungen übersteigen, und eine solche zusätzliche Verbindlichkeit — derzeit nicht verlässlich schätzbar — könnte für das konsolidierte operative Ergebnis oder die Liquidität von The Hartford wesentlich sein.“

— The Hartford Insurance Group, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Anhang 13 „Commitments and Contingencies“, Abschnitt „Run-off Asbestos and Environmental Claims“

Wie sich der Schirm in drei Jahren geschlossen hat

Der Vorgang ist keine Überraschung, sondern das Ende eines sichtbaren Prozesses. Die Geschäftsberichte weisen jedes Jahr aus, wie viel im Abwicklungsbestand nachreserviert werden musste — und wie viel davon der Rückversicherer noch übernahm:

Balkendiagramm für die Jahre 2023 bis 2025: Die Nachreservierung im Abwicklungsbestand betrug 224, 219 und 196 Millionen US-Dollar, der an den Rückversicherer abgegebene Anteil dagegen 194, 62 und null Millionen US-Dollar.
Die roten Balken bleiben fast gleich hoch, die blauen verschwinden: 2023 trug der Rückversicherer noch fast alles, 2025 nichts mehr. Quelle: SEC-Geschäftsberichte 10-K für die Geschäftsjahre 2023 bis 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und die Belastung selbst wird nicht kleiner. Der Geschäftsbericht 2025 beziffert sie so:

Gelb markierter Satz im Geschäftsbericht 2025: Die Nachreservierung auf Asbestreserven betrug 2025 122 Millionen US-Dollar wegen höher als erwarteter Fallzahlen, gestiegener Vergleichsquoten und höherer Vergleichssummen; darüber steht, dass die Asbest- und Umweltreserven 2025 um 165 und 2024 um 203 Millionen US-Dollar erhöht wurden.
Die markierte Stelle im Original: 122 Millionen US-Dollar allein auf Asbest, dazu 43 Millionen auf Umweltschäden — und die Begründung nennt höhere Fallzahlen und höhere Vergleichssummen, nicht einen einmaligen Sondereffekt. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die ehrliche Einordnung: Rund 200 Millionen US-Dollar Nachreservierung im Jahr sind gegen einen Konzerngewinn von 3.815 Millionen und ein Eigenkapital von 19.633 Millionen kein existenzielles Problem. Es ist auch kein verstecktes: The Hartford weist die Zahl offen aus, prüft sie jährlich und benennt die Gründe. Aber es ist ab sofort eine ungedeckte Jahresrechnung von rund fünf Prozent des Gewinns, wo bis 2023 ein Dritter zahlte. Und der Dritte zahlt derzeit nicht einmal die alten Rechnungen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Reserveauflösungen schrumpfen

Ein Versicherer stellt für gemeldete und noch nicht gemeldete Schäden Geld zurück. Stellt sich später heraus, dass er zu vorsichtig war, löst er die Rückstellung auf — und der Betrag erhöht unmittelbar den Gewinn des laufenden Jahres, obwohl er wirtschaftlich zu früheren Jahren gehört. Bei Allstate und Travelers war genau das der entscheidende Befund. Bei The Hartford sieht die Reihe so aus (negative Zahlen sind günstige Auflösungen, positive sind Nachreservierungen, jeweils vor Steuern):

GeschäftsjahrGewerbePrivatkundenAbwicklungKonzern netto
2023−225 Mio. US-$+11 Mio. US-$+224 Mio. US-$+10 Mio. US-$
2024−231 Mio. US-$−108 Mio. US-$+219 Mio. US-$−120 Mio. US-$
2025−441 Mio. US-$−179 Mio. US-$+196 Mio. US-$−424 Mio. US-$

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: 2023 stand unter dem Strich eine Nachreservierung, keine Auflösung — die Altlast fraß die Auflösungen des laufenden Geschäfts vollständig auf. Zweitens: Der Sprung auf 424 Millionen im Jahr 2025 kam aus dem Gewerbegeschäft, wo sich der Beitrag von 231 auf 441 Millionen fast verdoppelte. Genau dieser Beitrag geht gerade zurück.

Gelb markierter Absatz im Quartalsbericht zum 30. Juni 2026: Die günstige Reserveauflösung der Sachversicherung fiel um 76 Millionen US-Dollar, von 187 Millionen im Vorjahresquartal auf 111 Millionen; günstig entwickelten sich Arbeiterunfall, Katastrophen, Privat-Kfz und Wohngebäude, ungünstig dagegen allgemeine Haftpflicht und gewerbliche Kfz-Haftpflicht.
Die markierte Stelle im Original: 111 statt 187 Millionen US-Dollar Auflösung — und in derselben Passage steht, wo nachreserviert werden musste: allgemeine Haftpflicht und gewerbliche Kfz-Haftpflicht. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im Gewerbegeschäft ist die Bewegung noch deutlicher: Im zweiten Quartal 2026 löste das Segment 52 Millionen US-Dollar auf, nach 146 Millionen im Vorjahresquartal; im Halbjahr waren es 22 statt 229 Millionen. In Quotenpunkten: Die Reserveauflösung senkte die Schaden-Kosten-Quote des Gewerbegeschäfts im zweiten Quartal 2026 nur noch um 1,4 Punkte, im Vorjahresquartal um 4,3 Punkte.

Und die Richtung, in die nachreserviert wird, ist die unangenehme: Günstig entwickelten sich Arbeiterunfall, Katastrophen, Privat-Kfz und Wohngebäude. Ungünstig — also nachreserviert — wurde bei allgemeiner Haftpflicht und gewerblicher Kfz-Haftpflicht. Das sind die beiden Sparten, in denen die US-Branche seit Jahren unter „soziale Inflation“ leidet: steigende Anwaltsquoten, höhere Geschworenenurteile, längere Abwicklung. Bei den Privatkunden schreibt The Hartford ausdrücklich, der Schadentrend im Kfz-Geschäft berücksichtige weiterhin „höhere Anwaltsvertretungsquoten“.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Preiszyklus kühlt ab

Ein Gewerbeversicherer verdient dann gut, wenn er die Preise schneller erhöhen kann, als die Schäden teurer werden. Diese Schere schließt sich gerade. Die Erneuerungsaufschläge, die The Hartford selbst ausweist, sind binnen eines Jahres deutlich zurückgegangen:

BereichQ2 2025Q2 2026Veränderung
Kleingewerbe (gebuchte Erneuerungspreise)6,0 %4,1 %−1,9 Punkte
Mittelstand (gebuchte Erneuerungspreise)6,1 %3,5 %−2,6 Punkte
Spezialgeschäft (gebuchte Erneuerungspreise)5,1 %5,5 %+0,4 Punkte
Privatkunden Kfz13,9 %5,5 %−8,4 Punkte
Privatkunden Wohngebäude12,6 %10,4 %−2,2 Punkte

Gleichzeitig steigt die Quote des Grundgeschäfts im Gewerbe wieder — von 88,0 auf 89,3 Prozent im zweiten Quartal, ein Punkt mehr als vor einem Jahr. Die berichtete Schaden-Kosten-Quote des Gewerbes verschlechterte sich von 87,0 auf 91,4 Prozent. Der Zeichnungsgewinn des größten Segments fiel um 29 Prozent von 444 auf 316 Millionen US-Dollar. Dass das Segmentergebnis trotzdem stieg (704 nach 696 Millionen), liegt allein am Kapitalanlageergebnis, das um 24 Prozent auf 556 Millionen zulegte.

Die Gegenbewegung im Privatkundengeschäft ist echt und stark. Dort fiel die Schaden-Kosten-Quote im ersten Halbjahr 2026 auf 88,9 Prozent, nach 100,0 Prozent im Vorjahreshalbjahr — der Segmentgewinn stieg von 96 auf 269 Millionen US-Dollar. Zwei Drittel davon sind allerdings Wetter: Das erste Halbjahr 2025 enthielt 114 Millionen US-Dollar aus den kalifornischen Waldbränden im Januar 2025; die Katastrophenlast des Segments fiel von 285 auf 152 Millionen. Die Quote des Grundgeschäfts verbesserte sich „nur“ von 88,8 auf 85,7 Prozent — das ist immer noch respektabel, aber es ist eben ein Drittel der Schlagzeile, nicht die ganze.

Und es hat einen Preis: Der Kfz-Bestand schrumpfte binnen eines Jahres von 1.121.000 auf 990.000 Policen, das Wohngebäudegeschäft von 724.000 auf 703.000. Die gezeichneten Privatkundenprämien fielen im Quartal um 7 Prozent.

Piotroski 9 von 9 — was der Test bei einem Versicherer wirklich misst

Neun von neun Punkten im Piotroski-F-Score sind der Höchstwert. In unserer gesamten Analyse-Serie hat ihn außer The Hartford nur Newmont erreicht. Das klingt nach einem Gütesiegel — und es ist eines, aber für etwas anderes, als die meisten annehmen.

Der Test des Chicagoer Bilanzprofessors Joseph Piotroski stellt neun Ja-Nein-Fragen, und sechs davon sind Vergleichsfragen zum Vorjahr: Ist die Gesamtkapitalrendite gestiegen? Ist der Verschuldungsgrad gesunken? Ist die Liquiditätsquote gestiegen? Ist die Bruttomarge gestiegen? Ist der Kapitalumschlag gestiegen? Wurden keine neuen Aktien ausgegeben? Nur drei Fragen messen einen Zustand (positiver Gewinn, positiver operativer Mittelzufluss, Mittelzufluss über dem Gewinn).

Neun von neun heißt deshalb: „In jeder einzelnen dieser Dimensionen ging es gegenüber dem Vorjahr aufwärts.“ Bei The Hartford war 2025 genau so ein Jahr — und man kann in unserer eigenen Analyse nachlesen, warum:

  • Der Gewinn für die Stammaktionäre stieg um 23 Prozent von 3.090 auf 3.815 Millionen US-Dollar.
  • Das Privatkundengeschäft drehte von einer Schaden-Kosten-Quote von 99,1 auf 91,9 Prozent und von 208 auf 447 Millionen Segmentgewinn.
  • Die Netto-Reserveauflösung sprang von 120 auf 424 Millionen US-Dollar.
  • Das Kapitalanlageergebnis stieg von 2.568 auf 2.911 Millionen.
  • Es wurden Aktien zurückgekauft, nicht ausgegeben — die Zahl fiel von 275,9 Millionen Stück (19. Februar 2026) auf 270,9 Millionen (22. Juli 2026).
  • Die Schulden blieben mit 4.371 Millionen praktisch unverändert, während das Eigenkapital von 16.447 auf 18.979 Millionen wuchs — der Verschuldungsgrad sank also automatisch.

Das ist die Falle: Genau die Posten, die den F-Score auf neun getrieben haben — hohe Reserveauflösungen, ein außergewöhnlich gutes Privatkundenjahr, ein starkes Kapitalanlageergebnis —, sind die zyklischsten des ganzen Geschäftsmodells. Der Test belohnt Verbesserung, nicht Niveau. Ein Versicherer im günstigen Zyklusjahr bekommt fast zwangsläufig einen hohen F-Score; derselbe Versicherer bekommt im Jahr danach einen niedrigen, selbst wenn er weiterhin gutes Geld verdient — schlicht weil sich Rekordwerte selten zweimal hintereinander verbessern. Ein F-Score von 9 ist deshalb ein Momentum-Signal, kein Qualitätssiegel. Bei Industrieunternehmen, für die Piotroski ihn entwickelt hat, hält der Effekt länger; bei einem Sachversicherer, dessen Ergebnis am Wetter und an Reserveschätzungen hängt, sollte man ihn mit besonderer Vorsicht lesen.

Kapitalanlagen: der eigentliche Gewinntreiber 2026

Was das Ergebnis 2026 bislang trägt, ist nicht das Versicherungsgeschäft, sondern das Depot. Die Kapitalanlagen beliefen sich zum 30. Juni 2026 auf 63.999 Millionen US-Dollar (Jahresende 2025: 63.494 Millionen). Das Kapitalanlageergebnis stieg im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 800 Millionen, im Halbjahr um 17 Prozent auf 1.534 Millionen US-Dollar.

Der Grund ist ungewöhnlich konzentriert: Beteiligungen an Fonds und alternativen Anlagen warfen im zweiten Quartal 2026 114 Millionen US-Dollar ab — nach 13 Millionen im Vorjahresquartal. In Renditepunkten: 7,6 Prozent gegen 1,0 Prozent. Rechnet man diese Position heraus, stieg das Anlageergebnis nur von 645 auf 686 Millionen, die Rendite von 4,6 auf 4,7 Prozent. Der Rest ist solide Handwerkskunst: Wiederangelegt wurde im zweiten Quartal zu 5,4 Prozent, während auslaufende und verkaufte Papiere nur 4,8 Prozent brachten — jeder Euro, der frei wird, kommt teurer zurück.

Ein Wort zur Anlagepolitik, weil sie zwischen Versicherern stark auseinandergeht: The Hartford hält sein Depot ganz überwiegend in Zinspapieren und Hypothekendarlehen. Der Ergebnisbeitrag hängt damit an Zinsen und an einer vergleichsweise kleinen Position alternativer Anlagen — nicht am Aktienmarkt. Bei Cincinnati Financial stecken dagegen fast 40 Prozent des Portfolios in Aktien; dort schwankt der Konzerngewinn mit dem Börsenwetter. Wer beide Titel vergleicht, vergleicht deshalb nicht nur zwei Versicherer, sondern zwei völlig verschiedene Bilanzrisiken.

Die Bilanz trägt das mühelos. Eigenkapital 19.633 Millionen US-Dollar (Jahresende 2025: 18.979), Schulden unverändert 4.374 Millionen, Verschuldung zum Gesamtkapital 18 Prozent. Die Ratingagenturen haben das 2025 dreimal quittiert: A.M. Best hob am 3. Juli 2025 das Anleiherating auf „a“ an, S&P am 19. August 2025 die Finanzstärke der Kerntöchter auf „AA−“, Moody's am 10. Oktober 2025 die Finanzstärke der Sachversicherungstöchter auf „Aa3“. Alle Ausblicke stabil.

Bewertung: was von einem KGV von 10,1 übrig bleibt

Jetzt die ehrliche Rechnung. Wir nehmen den Gewinn für die Stammaktionäre über die zwölf Monate bis zum 30. Juni 2026 und ziehen ab, was sich nicht wiederholt.

RechenschrittGewinn (Mio. US-$)KGV bei 37,9 Mrd. US-$
Berichtet, Geschäftsjahr 20253.8159,9 (Scanner: 10,1)
Berichtet, rollierend 12 Monate bis 30.06.20264.3448,7
abzüglich Steuervorteil aus dem Verkauf von Hartford Funds (251)4.0939,3
abzüglich Netto-Reserveauflösungen (267 vor / rund 214 nach Steuern)3.8799,8
zuzüglich Katastrophenlast auf dem Dreijahresschnitt (210 vor / rund 168 nach Steuern)3.71110,2

Zur Herleitung: Die Katastrophenlast der beiden Sachsegmente betrug 676 Millionen US-Dollar (2023), 768 Millionen (2024) und 748 Millionen (2025) — im Schnitt 731 Millionen. Über die zwölf Monate bis zum 30. Juni 2026 waren es nur 521 Millionen, weil das erste Halbjahr 2026 mit 452 Millionen deutlich unter den 679 Millionen des Vorjahreshalbjahres lag. Die Netto-Reserveauflösungen summierten sich im selben Zwölfmonatszeitraum auf 267 Millionen. Als Steuersatz haben wir 20 Prozent angesetzt (tatsächlich 19,4 Prozent im Geschäftsjahr 2025 und 19,7 Prozent im ersten Halbjahr 2026).

Das Ergebnis ist der überraschendste Befund dieser Analyse. Bei Travelers wurde aus einem nachlaufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,5 normalisiert eine Spanne von 16 bis 19. Bei The Hartford werden aus 10,1 gerade einmal 10,2. Der Grund ist strukturell: Ein Konzern, dessen Gewinn zu 73 Prozent aus dem Gewerbegeschäft und zu 15 Prozent aus Employee Benefits stammt, hat schlicht weniger Wetteranteil im Ergebnis als ein Haus mit großem Privatkunden-Sachgeschäft. Die Aktie ist also nicht deshalb billig, weil ein Ausnahmejahr das Vielfache drückt.

Was Du stattdessen bezahlst, zeigt der Buchwert. Das Stammaktionärskapital betrug zum 30. Juni 2026 19.299 Millionen US-Dollar (Eigenkapital abzüglich 334 Millionen Vorzugskapital); auf 270.872.002 Aktien sind das 71,25 US-Dollar je Aktie. Ohne die zinsbedingten Bewertungsverluste im Anleihebestand — der Konzern weist sie mit −2.371 Millionen US-Dollar aus — wären es 80,00 US-Dollar. Beim rechnerischen Kurs von 139,92 US-Dollar ergibt das ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,96 beziehungsweise 1,75 auf bereinigter Basis. Das ist kein Schnäppchenpreis, sondern der Preis für ein Haus, das 22 Prozent Eigenkapitalrendite verdient.

Die Kapitalrückgabe ist beachtlich. Im ersten Halbjahr 2026 kaufte The Hartford 900 Millionen US-Dollar eigener Aktien zurück (6,7 Millionen Stück), zwischen dem 1. und 22. Juli weitere 109 Millionen. Dazu kamen 655 Millionen Dividende. Vom laufenden 3,3-Milliarden-Programm waren zum 30. Juni noch 648 Millionen offen — und am 23. Juli 2026 genehmigte der Aufsichtsrat ein neues Programm über 4,2 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 1. August 2026 bis 31. Dezember 2028. Das entspricht rund 11 Prozent des heutigen Börsenwerts. Die Quartalsdividende liegt bei 0,60 US-Dollar, zuletzt erklärt am 15. Juli 2026 — auf Jahressicht 2,40 US-Dollar oder rund 1,7 Prozent.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für die Aktie spricht: Drei voneinander unabhängige Ertragsquellen statt zwei, davon eine (Employee Benefits) ohne Wetterrisiko. Ein Gewerbegeschäft, das seit drei Jahren zweistellig wächst und dessen Segmentergebnis von 2.085 auf 2.780 Millionen US-Dollar gestiegen ist. Ein saniertes Privatkundengeschäft, das von 100,0 auf 88,9 Prozent Schaden-Kosten-Quote gekommen ist. Ein Kapitalanlagebestand von 64 Milliarden, der zu 5,4 Prozent wiederangelegt wird. Drei Rating-Heraufstufungen im Jahr 2025. Ein Rückkaufprogramm über 4,2 Milliarden US-Dollar. Und ein Bewertungsniveau, das den Zyklus bereits weitgehend enthält.

Was dagegen spricht: Die Asbest-Deckung ist aufgebraucht, und der Rückversicherer zahlt derzeit nicht — 814 Millionen US-Dollar hängen an einem Schiedsverfahren mit offenem Ausgang. Rund 200 Millionen US-Dollar jährliche Nachreservierung auf Asbest und Umwelt trägt der Konzern ab sofort allein. Die Reserveauflösungen im Gewerbe sind im Halbjahr von 229 auf 22 Millionen eingebrochen, und nachreserviert wird ausgerechnet bei allgemeiner Haftpflicht und gewerblicher Kfz-Haftpflicht. Die Erneuerungsaufschläge fallen in fast allen Bereichen. Das Privatkundengeschäft verdient gut, schrumpft aber um 131.000 Kfz-Policen im Jahr. Und das dritte Standbein Employee Benefits liefert seit drei Jahren dasselbe Ergebnis, während die Berufsunfähigkeits-Schadenquote von 68,5 auf 74,8 Prozent gestiegen ist.

Was wir davon halten

The Hartford ist ein solides Haus mit einer Besonderheit, die man erst beim dritten Lesen des Quartalsberichts findet. Die Firma verdient in drei Sparten Geld, hat ihre Bilanz in Ordnung, wird von drei Ratingagenturen besser bewertet als noch vor einem Jahr und gibt in den nächsten zweieinhalb Jahren 4,2 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurück. Der Preis dafür ist mit dem Zehnfachen eines normalisierten Gewinns nicht überzogen — und anders als bei den meisten Versicherern, die wir untersucht haben, steckt in diesem Vielfachen kein verstecktes Wetterglück.

Was uns beschäftigt, ist der Satz in Anhang 9. Ein Unternehmen, das seine größte Altlast bei Berkshire Hathaway abgesichert hat und nun feststellt, dass die Deckung erstens aufgebraucht ist und zweitens der Vertragspartner die Zahlungen eingestellt hat, hat kein Bilanzproblem — aber es hat eine offene Rechnung, deren Höhe niemand kennt und deren Termin niemand nennen kann. Der Bericht selbst sagt, dass die endgültigen Verbindlichkeiten die gebuchten Rückstellungen übersteigen könnten und dass das „wesentlich“ sein könnte. Wir nehmen so einen Satz ernst, wenn ihn ein Vorstand unter Strafandrohung unterschreibt.

Unsere Haltung: Das ist keine Firma, die man wegen dieser Sache meidet — dafür ist der Rest zu stark. Aber es ist eine Firma, bei der man vor dem Kauf wissen sollte, wo man nachschlägt: im Anhang zu den Schadenrückstellungen, Abschnitt „Change in Deferred Gain on Retroactive Reinsurance“. Solange dort steht, dass das Schiedsverfahren läuft, ist ein Teil des Eigenkapitals eine Forderung gegen einen Vertragspartner, der gerade nicht zahlt. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Quellen und Hinweis

Alle Zahlen stammen aus den Originalberichten der Hartford Insurance Group, Inc. an die US-Börsenaufsicht SEC (Kennnummer des Emittenten: 874766): dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht am 20. Februar 2026) und dem Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (eingereicht am 23. Juli 2026), ergänzt um den Quartalsbericht zum 31. März 2026 und die Pflichtmitteilungen 8-K vom 23. Juli 2026 (Ergebnis zweites Quartal und Rückkaufermächtigung), 15. Juli 2026 (Aufsichtsratswahl), 3. Juni 2026 (Verkauf von Hartford Funds an Wellington Management) und 20. Mai 2026 (Hauptversammlung). Kennzahlen und Scanner-Einordnung: Quelle Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts-, Quartals- und Zwischenberichte, 10-K/10-Q/8-K), Datenstand 28. Juli 2026.

Dies ist eine journalistische Auswertung öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aktienkurse schwanken; ein Totalverlust ist bei jeder Aktie möglich. Prüfe jede Angabe selbst in den verlinkten Originalquellen, bevor Du eine Anlageentscheidung triffst.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz & Finanzstärke positiv
Zum 30. Juni 2026 standen 19.633 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 63.999 Millionen Kapitalanlagen nur 4.374 Millionen Schulden gegenüber — eine Verschuldung von 22 Prozent des Eigenkapitals und 18 Prozent des Gesamtkapitals. Alle drei großen Ratingagenturen haben 2025 heraufgestuft: Moody’s auf Aa3 für die Sachversicherungstöchter, S&P auf AA− für die Kerntöchter, A.M. Best auf „a“ für die Anleihen; alle Ausblicke stabil. Der Konzern erwartete für 2026 rund 2,2 Milliarden US-Dollar Nettodividenden aus den Sachversicherungstöchtern und weitere 580 Millionen aus der Personenversicherungstochter.
Altlasten & Rückversicherung negativ
Die Deckung für Asbest- und Umweltschäden bei National Indemnity (Berkshire Hathaway) ist mit ihrem Gesamtlimit von 1,5 Milliarden US-Dollar zum 31. Dezember 2025 ausgeschöpft; die Navigators-Deckung bereits seit 31. Dezember 2023. Zusätzlich stellte der Rückversicherer im ersten Quartal 2026 jede weitere Zahlung ein — Schiedsverfahren, Ausgang und Zeitpunkt laut Bericht unbekannt, mögliche Auswirkungen auf Zahlungsströme und Ergebnis. Der abgegrenzte Ertrag von 814 Millionen US-Dollar (4,1 Prozent des Eigenkapitals) fließt bis auf Weiteres nicht. Die jährliche Nachreservierung von rund 200 Millionen trägt der Konzern seit 2025 allein.
Diversifikation positiv
Drei Segmente statt zwei: Gewerbe (2.780 Millionen US-Dollar Ergebnis 2025), Employee Benefits (557 Millionen) und Privatkunden (447 Millionen). Employee Benefits trägt Sterblichkeits- und Invaliditätsrisiko und ist damit vom Wetterzyklus des Sachgeschäfts unabhängig — es lieferte in den Jahren 2023 bis 2025 konstant 535, 561 und 557 Millionen. Genau diese Struktur ist der Grund, warum das Kurs-Gewinn-Verhältnis normalisiert kaum steigt: weniger Wetteranteil im Ergebnis als bei reinen Sachversicherern.
Ertragsqualität neutral
Der Gewinnsprung im zweiten Quartal 2026 auf 1.293 Millionen US-Dollar (plus 31 Prozent) ist zu großen Teilen nicht operativ: 251 Millionen davon sind ein einmaliger Steuervorteil aus dem Verkauf von Hartford Funds im aufgegebenen Geschäft, weitere 101 Millionen kommen aus dem Sprung der alternativen Kapitalanlagen von 13 auf 114 Millionen. Das Zeichnungsergebnis der Sachversicherung fiel dagegen um 93 Millionen vor Steuern. Positiv: Über zwölf Monate normalisiert bleibt ein Gewinn von rund 3.711 Millionen — der Abstand zum Berichtswert ist kleiner als bei jedem anderen Versicherer unserer Serie.
Reserven negativ
Die Auflösungen schrumpfen dort, wo sie zuletzt getragen haben. Im zweiten Quartal 2026 löste die Sachversicherung netto 111 Millionen US-Dollar auf, nach 187 Millionen im Vorjahresquartal; im Gewerbegeschäft fiel der Halbjahresbeitrag von 229 auf 22 Millionen, in Quotenpunkten von 4,3 auf 1,4. Nachreserviert wurde ausgerechnet bei allgemeiner Haftpflicht und gewerblicher Kfz-Haftpflicht — den Sparten mit steigenden Anwaltsquoten und höheren Urteilssummen. Zur Erinnerung: 2023 stand konzernweit unter dem Strich eine Nachreservierung von 10 Millionen, keine Auflösung.
Preiszyklus & Bestand negativ
Die Erneuerungsaufschläge fallen fast überall: Kleingewerbe von 6,0 auf 4,1 Prozent, Mittelstand von 6,1 auf 3,5 Prozent, Privatkunden-Kfz von 13,9 auf 5,5 Prozent (jeweils zweites Quartal 2026 gegen Vorjahresquartal). Gleichzeitig steigt die Quote des Grundgeschäfts im Gewerbe von 88,0 auf 89,3 Prozent, und der Zeichnungsgewinn des größten Segments fiel um 29 Prozent auf 316 Millionen US-Dollar. Der Privatkundenbestand schrumpfte um 131.000 Kfz-Policen auf 990.000 — profitable Sanierung, aber die Basis wird kleiner.
Bewertung & Kapitalrückgabe positiv
Bei 37,9 Milliarden US-Dollar Börsenwert und 270.872.002 Aktien liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 1,96 (bereinigt um zinsbedingte Bewertungsverluste 1,75). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,1 wird normalisiert zu 10,2 — der kleinste Zyklus-Aufschlag, den wir bei einem US-Versicherer gemessen haben. Dazu ein Rückkaufprogramm über 4,2 Milliarden US-Dollar für 2026 bis 2028 (rund 11 Prozent des Börsenwerts), 900 Millionen bereits im ersten Halbjahr 2026 zurückgekauft und 655 Millionen Dividende.

The Hartford Insurance Group ist ein solider US-Versicherer mit einer Besonderheit: drei voneinander unabhängige Ertragsquellen, darunter mit Employee Benefits eine, die nicht am Wetter hängt. Das Gewerbegeschäft wuchs seit 2023 von 2.085 auf 2.780 Millionen US-Dollar Ergebnis, das Privatkundengeschäft drehte von 107,5 auf 91,9 Prozent Schaden-Kosten-Quote, alle drei Ratingagenturen stuften 2025 herauf, und für 2026 bis 2028 stehen 4,2 Milliarden US-Dollar Rückkäufe an. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,1 hält der Normalisierung stand — es wird zu 10,2. Die offene Flanke steht in Anhang 9 des Quartalsberichts: Die Asbest-Deckung bei National Indemnity ist seit Ende 2025 aufgebraucht, und der Rückversicherer hat Anfang 2026 die Zahlungen eingestellt — 814 Millionen US-Dollar hängen an einem Schiedsverfahren mit offenem Ausgang. Dazu schrumpfen die Reserveauflösungen und die Preisaufschläge. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Qualität belegt

Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.

Die Substanz ist belegt und breit abgestützt. The Hartford verdient in drei voneinander unabhängigen Sparten Geld und hat in den Jahren 2023 bis 2025 durchgehend Gewinne von 2.483, 3.090 und 3.815 Millionen US-Dollar für die Stammaktionäre ausgewiesen — auch 2023, als das Privatkundengeschäft mit einer Schaden-Kosten-Quote von 107,5 Prozent tief in den roten Zahlen steckte und konzernweit netto sogar nachreserviert werden musste. Genau das ist der Härtetest, den ein Versicherer bestehen muss, und er hat ihn bestanden. Die Bilanz trägt es mühelos: 63.999 Millionen US-Dollar Kapitalanlagen gegen 4.374 Millionen Schulden, eine Verschuldung von 18 Prozent des Gesamtkapitals, Eigenkapital von 16.447 über 18.979 auf 19.633 Millionen gewachsen, dazu drei Rating-Heraufstufungen im Jahr 2025 (Moody’s Aa3, S&P AA−, A.M. Best „a“) mit durchweg stabilem Ausblick. Die naheliegende Einwendung ist die Asbest-Altlast — und sie wiegt hier schwerer als bei Travelers, weil die Rückversicherung ausgeschöpft ist und der Vertragspartner die Zahlungen eingestellt hat. Sie begründet trotzdem kein Substanzrisiko: Die Netto-Reserven für den Abwicklungsbestand betragen 281 Millionen US-Dollar, die jährliche Nachreservierung rund 200 Millionen — gegen 19.633 Millionen Eigenkapital und einen Jahresgewinn von 3.815 Millionen ist beides tragbar. Auch der strittige abgegrenzte Ertrag von 814 Millionen ist eine Forderung, kein Loch: Er steht als Verbindlichkeit in der Bilanz und würde erst dann zu Gewinn, wenn Geld fließt. Verliert The Hartford das Schiedsverfahren vollständig, entgeht ihm ein künftiger Ertrag; ein bereits gebuchter Wert bricht nicht weg. Für Gelb müsste eine wesentliche operative Frage offen sein. Die belegten Schwächen — schrumpfende Reserveauflösungen (im Gewerbe 22 statt 229 Millionen im Halbjahr), fallende Erneuerungsaufschläge, ein um 131.000 Policen kleinerer Kfz-Bestand und eine von 68,5 auf 74,8 Prozent gestiegene Berufsunfähigkeits-Schadenquote — sind real und im Text beziffert. Sie stellen die Ertragskraft aber nicht in Frage: Bei einer Grundquote von 89,3 Prozent im Gewerbe und 85,7 Prozent bei den Privatkunden verdient dieses Haus auch ohne Reservehilfe und ohne ruhiges Wetter Geld. Es sind Zyklus- und Bewertungsfragen, keine Substanzfragen.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam HIG über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 35 unter den US-Treffern, Datenstand 28. Juli 2026). The Hartford erfüllt alle fünf Bedingungen: Piotroski F-Score 9 von 9 (verlangt ≥ 7), Eigenkapitalrendite 22,7 Prozent (≥ 15 %), EBIT-Marge rund 17,5 Prozent (≥ 10 %), Verschuldungsgrad 0,22 (zwischen 0 und 1) und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,1 (positiv bis 20). Fundamental-Rating 60 Punkte (Note B), Börsenwert 37,9 Milliarden US-Dollar. Der Piotroski-Höchstwert misst Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, nicht Niveau — bei einem Versicherer im günstigen Zyklusjahr ist er deshalb eher ein Momentum-Signal als ein Qualitätssiegel.
  • Börsenwert-Gegenprobe: 37,9 Milliarden US-Dollar geteilt durch 270.872.002 Aktien (Deckblatt des Quartalsberichts, Stand 22.07.2026) ergibt einen rechnerischen Kurs von 139,92 US-Dollar. Der letzte in einem Filing dokumentierte Kurs ist der Durchschnittspreis der eigenen Rückkäufe im Juni 2026 mit 129,60 US-Dollar (April 139,22, Mai 134,96). Die Abweichung von 7,9 Prozent nach oben liegt unter der Verwerfungsschwelle von einem Fünftel; der Scanner-Wert wird deshalb verwendet, unterstellt aber einen Kurs am oberen Rand der belegten Spanne.
  • Das Altman-Z″-Modell (Krisenzone unter 1,1, sicherer Bereich über 2,6) wird hier bewusst nicht gedeutet: Es wurde an Industrieunternehmen kalibriert und rechnet mit Betriebskapital, Umlaufvermögen und Umsatz je Bilanzsumme. Eine Versicherungsbilanz besteht aus Kapitalanlagen und Schadenrückstellungen, kennt kein Working Capital im industriellen Sinn, und ihre Bilanzsumme wird von den Rückstellungen für künftige Schäden bestimmt — die Formel trägt für Versicherer nicht.
  • Zur Firmierung: Der Konzern heißt seit Anfang 2025 The Hartford Insurance Group, Inc.; der Vorgängername The Hartford Financial Services Group, Inc. lief im Register der US-Börsenaufsicht bis zum 30. Januar 2025. Kennnummer des Emittenten und Börsenkürzel blieben unverändert. Ältere Quellen und Datenbanken führen die Aktie deshalb weiterhin unter dem alten Namen.
  • Versicherer-Kennzahlen folgen einer eigenen Logik: Entscheidend sind die Schaden-Kosten-Quote (unter 100 Prozent = versicherungstechnischer Gewinn), vor allem aber ihre Variante ohne Katastrophen und Reserveeffekte, dazu Buchwert je Aktie, Reserveentwicklung aus Vorjahren und das Kapitalanlage-Ergebnis. Alle Zahlen tragen den Stichtag ihres Filings; das Geschäftsjahr von The Hartford endet am 31. Dezember.

Häufige Fragen

Hartford Insurance Group, Inc. — seit Anfang 2025. Im Register der US-Börsenaufsicht lief der alte Name „The Hartford Financial Services Group, Inc.“ bis zum 30. Januar 2025, der neue seit dem 6. Februar 2025. Kennnummer (CIK 874766) und Börsenkürzel HIG blieben unverändert. Der Namenswechsel begleitet den Rückzug aus dem Fondsgeschäft.

Der Konzern aus Hartford in Connecticut versichert in drei Sparten: Gewerbe (Business Insurance, Segmentergebnis 2.780 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025), Privatkunden mit Kfz und Wohngebäude (447 Millionen) und Employee Benefits mit Gruppenlebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung (557 Millionen). Rund 19.200 Beschäftigte, Vorstandschef ist Christopher J. Swift.

Nein, in zweifacher Hinsicht. Das Gesamtlimit von 1,5 Milliarden US-Dollar war laut Quartalsbericht zum 31. Dezember 2025 vollständig ausgeschöpft. Und im ersten Quartal 2026 stellte National Indemnity, die Berkshire-Tochter, jede weitere Zahlung ein — wegen eines Streits, der Gegenstand eines Schiedsverfahrens ist. Der abgegrenzte Ertrag von 814 Millionen US-Dollar steht als Verbindlichkeit in der Bilanz.

Im Geschäftsjahr 2025 mussten 165 Millionen US-Dollar auf die Asbest- und Umweltreserven nachgelegt werden, dazu 31 Millionen auf zugehörige Bearbeitungskosten — davon 122 Millionen allein auf Asbest wegen höherer Fallzahlen und höherer Vergleichssummen. 2024 waren es 203 plus 28 Millionen. Der Abwicklungsbestand machte 2025 einen Verlust von 103 Millionen US-Dollar.

Weil Sterblichkeit und Berufsunfähigkeit nicht am Wetter hängen, sondern an Konjunktur und Beschäftigung. Sinkt die Beschäftigung, sinken die versicherten Lohnsummen; steigt die wirtschaftliche Unsicherheit, steigen Krankmeldungen und sinken Genesungsquoten. Im zweiten Quartal 2026 stieg die Berufsunfähigkeits-Schadenquote auf 74,8 Prozent nach 68,5 Prozent, während die Gruppenlebensversicherung mit 74,2 Prozent stabil blieb.

Er bedeutet „alles ging aufwärts“, nicht „alles ist gut“. Sechs der neun Fragen vergleichen mit dem Vorjahr. 2025 stieg der Gewinn um 23 Prozent, das Privatkundengeschäft drehte von 99,1 auf 91,9 Prozent Schaden-Kosten-Quote, die Reserveauflösung sprang von 120 auf 424 Millionen US-Dollar, und es wurden Aktien zurückgekauft. Genau diese Posten sind die zyklischsten des Geschäftsmodells.

Es ist ehrlicher als bei den meisten Versicherern. Rechnet man den einmaligen Steuervorteil von 251 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf von Hartford Funds heraus, lässt die Reserveauflösungen weg und setzt die Katastrophenlast auf den Dreijahresschnitt von 731 Millionen, bleibt ein Gewinn von rund 3.711 Millionen — und ein Vielfaches von 10,2 statt 10,1. Der Zyklus-Aufschlag ist ungewöhnlich klein.

Im ersten Halbjahr 2026 waren es 900 Millionen US-Dollar Rückkäufe (6,7 Millionen Aktien) und 655 Millionen Dividende. Am 23. Juli 2026 genehmigte der Aufsichtsrat ein neues Rückkaufprogramm über 4,2 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 1. August 2026 bis 31. Dezember 2028 — rund 11 Prozent des Börsenwerts. Die Quartalsdividende liegt bei 0,60 US-Dollar.

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