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Expand-Energy-Aktie: KGV 6,7, Eigenkapitalrendite 17,6 Prozent — und beide Zahlen wurden neu geschrieben

Expand-Energy-Aktie: KGV 6,7, Eigenkapitalrendite 17,6 Prozent — und beide Zahlen wurden neu geschrieben

Expand Energy ist nach eigener Angabe der größte Erdgasförderer Nordamerikas und steht in unserem strengsten Qualitätsfilter auf Rang 42. Wir haben Jahresbericht, Quartalsbericht und die Kaufpreisallokation der Fusion gelesen. Ergebnis: 1.609 Millionen US-Dollar des Zwölfmonatsgewinns sind Bewertung ohne Zahlungsvorgang — und der Nenner der Eigenkapitalrendite wurde zweimal auf einen neuen Stand gesetzt, einmal von einem Insolvenzgericht und einmal von einem Bewertungsgutachter.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 21 Min. Lesezeit
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Expand-Energy-Aktie: KGV 6,7, Eigenkapitalrendite 17,6 Prozent — und beide Zahlen wurden neu geschrieben
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q)

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Stell dir vor, jemand erzählt dir, er habe im vergangenen Jahr 17,6 Prozent Rendite auf sein Eigenkapital erwirtschaftet. Das klingt nach einer harten, überprüfbaren Zahl. Sie ist aber ein Bruch — oben der Gewinn, unten das Kapital. Und ein Bruch ist nur so belastbar wie seine beiden Hälften.

Bei Expand Energy (NASDAQ: EXE) sind beide Hälften bearbeitet worden. Oben steckt Geld, das nie geflossen ist: die Neubewertung von Sicherungsgeschäften, die jedes Quartal durch die Gewinnrechnung läuft. Unten steht ein Eigenkapital, das zweimal auf einen neuen Stand gesetzt wurde — einmal am 9. Februar 2021 durch ein Insolvenzgericht, einmal am 1. Oktober 2024 durch einen Bewertungsgutachter.

Deshalb machen wir einen Deal: Bevor du dich von 17,6 Prozent überzeugen lässt, lesen wir gemeinsam die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC. Am Ende entscheidest du selbst.

Damit du weißt, worauf wir hinauswollen, hier gleich das Spannungsfeld dieser Analyse: Von 3.227 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn sind 1.609 Millionen die Bewertung von Sicherungsgeschäften. Bereinigt bleiben 1.972 Millionen — das Kurs-Gewinn-Verhältnis steigt von 6,7 auf 11,0, die Eigenkapitalrendite fällt von 17,6 auf 10,7 Prozent. Die gute Nachricht steckt in der Bilanz darunter, und die ist echt.

Was Expand Energy eigentlich macht

Expand Energy fördert Erdgas — und praktisch nichts anderes. Im zweiten Quartal 2026 waren 92 Prozent der Fördermenge Erdgas; der Rest sind Flüssiggas und etwas Öl aus einem einzigen Gebiet. In der eigenen Quartalsmeldung nennt sich das Unternehmen „North America's largest natural gas producer", also der größte Erdgasförderer Nordamerikas.

Gefördert wird in drei Regionen, alle innerhalb der USA:

  • Haynesville in Louisiana und Texas — 1.095 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent im Jahr 2025, also 42 Prozent der Menge, aber nur 23 Prozent der Reserven. Das ist das kurzlebige, ergiebige Gebiet nahe den Verflüssigungsanlagen am Golf.
  • Northeast Appalachia in Pennsylvania — 958 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent, 37 Prozent der Menge und 42 Prozent der Reserven. Reines Trockengas.
  • Southwest Appalachia in West Virginia — 569 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent, 22 Prozent der Menge und 35 Prozent der Reserven. Hier kommen Öl und Flüssiggas dazu.

Zusammen waren das 2025 2.622 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent. Im zweiten Quartal 2026 lag die Tagesmenge bei rund 7,48 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent, für das Gesamtjahr 2026 plant das Unternehmen 7,4 bis 7,6 Milliarden bei Investitionen von 2,75 bis 2,95 Milliarden US-Dollar.

Die Firmengeschichte muss man kennen, sonst versteht man die Bilanz nicht — und sie steht so im SEC-Stammsatz:

  • Das Unternehmen hieß bis zum 26. September 2024 Chesapeake Energy Corporation. Es ist derselbe Rechtsträger mit derselben Kennnummer bei der Börsenaufsicht (CIK 0000895126) — kein Neugründung, nur ein neuer Name.
  • Chesapeake stellte am 28. Juni 2020 Insolvenzantrag nach Chapter 11 und kam am 9. Februar 2021 wieder heraus. Genau an diesem Tag wurden die Bücher neu aufgesetzt.
  • Am 1. Oktober 2024 fusionierte Chesapeake mit Southwestern Energy und benannte sich in Expand Energy um. Alle Zahlen vor diesem Datum beschreiben ein etwa halb so großes Unternehmen.

Für dich als Leser heißt das: Jeder Mehrjahresvergleich bei dieser Aktie ist ein Vergleich zwischen drei verschiedenen Unternehmen. Wir arbeiten deshalb ausschließlich mit Zeiträumen, in denen der heutige Zuschnitt gilt — also ab dem vierten Quartal 2024.

Zum Einordnen zwei Nachbarn aus unserem Bestand: Wie ein Förderer aussieht, der Erdgas mit einem hohen Ölanteil mischt und dadurch eine völlig andere Kosten- und Preisstruktur hat, zeigt EOG Resources. Und wie dasselbe Appalachen-Gas bei einem Unternehmen aussieht, das zusätzlich Leitungen, Speicher und Endkunden besitzt, liest du bei National Fuel Gas.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht

Auf die Rechercheliste kam Expand Energy über einen einzigen Filter: »QARP — Qualität zum fairen Preis«, dort Rang 42 der US-Auswahl (Datenstand 29. Juli 2026). Dieser Scanner ist streng, weil er fünf Bedingungen gleichzeitig verlangt — Qualität allein ist meist teuer, Billiges allein meist Schrott. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner" den Filter »QARP — Qualität zum fairen Preis« öffnen, Land auf USA stellen und die Zeile EXE suchen.

Und so schneidet die Aktie bei den fünf Hürden ab — mit einem Hinweis, den du dir gleich merken solltest:

  • Piotroski-F-Score mindestens 7 — Expand Energy: 8 von 9. Diese Kennzahl zählt neun Ja/Nein-Fragen zu Ertrag, Bilanz und Effizienz zusammen. Mehrere davon lauten „ist der Gewinn positiv?", „ist er gestiegen?" und „ist die Gesamtkapitalrendite gestiegen?". Alle drei Antworten hängen an der Bewertung der Sicherungsgeschäfte, die Gesamtkapitalrendite zusätzlich an der neu bewerteten Bilanzsumme.
  • Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent — Expand Energy: 17,6 Prozent. Gegenrechnung: 3.227 Millionen US-Dollar Gewinn der zwölf Monate bis zum 31. März 2026 auf ein Durchschnittseigenkapital von 18.368,5 Millionen ergeben 17,57 Prozent — punktgenau. Zähler und Nenner sind beide bearbeitet.
  • EBIT-Marge mindestens 10 Prozent — Expand Energy: 29,8 Prozent nach eigener Rechnung (4.270 Millionen operatives Ergebnis auf 14.325 Millionen Umsatz, jeweils zwölf Monate bis 31. März 2026). Die Buchbewertung steckt hier sowohl im Zähler als auch im Nenner — sie läuft bei diesem Unternehmen über die Umsatzzeile.
  • Verschuldungsgrad höchstens 1 — Expand Energy: 0,27 nach eigener Rechnung (5.009 Millionen Finanzschulden auf 18.578 Millionen Eigenkapital zum 31. Dezember 2025). Diese Hürde hält auch dann, wenn man das Eigenkapital auf den Stand vor der Fusion zurückdreht — dann läge sie bei rund 0,49.
  • Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — Expand Energy: 6,7. Auch hier steht die Buchbewertung im Nenner.

Ergänzend führt der Datenbestand ein Fundamental-Rating von 58 (Note B) und einen Börsenwert von rund 21,6 Milliarden US-Dollar (Datenstand 29. Juli 2026). Vier der fünf Hürden werden also von Größen mitbestimmt, die nicht aus dem laufenden Geschäft stammen. Sehen wir uns diese Größen an — erst den Zähler, dann den Nenner.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Hälfte des Gewinns ist Buchbewertung

Expand Energy verkauft einen großen Teil der künftigen Förderung im Voraus. Wirtschaftlich ist das eine Versicherung gegen fallende Gaspreise. Buchhalterisch ist es etwas anderes, und der Jahresbericht sagt selbst, was:

„Derivative instruments are recorded at fair value, and changes in fair value are recognized currently in earnings unless specific hedge accounting criteria are followed. As of December 31, 2025, none of our open derivative instruments were designated as cash flow hedges."

Übersetzung: „Derivate werden zum beizulegenden Zeitwert erfasst, und Änderungen dieses Zeitwerts werden unmittelbar im Ergebnis erfasst, sofern nicht besondere Voraussetzungen für die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen erfüllt sind. Zum 31. Dezember 2025 war keines unserer offenen Derivate als Absicherung von Zahlungsströmen designiert."

— Expand Energy Corporation, SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Bilanzierungsgrundsätze, Abschnitt Derivatives

Gelb markierter und rot umrandeter Ausschnitt aus dem Jahresbericht 10-K 2025 von Expand Energy: Derivate werden zum Zeitwert erfasst, Änderungen des Zeitwerts laufen unmittelbar durch das Ergebnis, und zum 31. Dezember 2025 war kein offenes Derivat als Absicherung von Zahlungsströmen designiert.
Die Bilanzierungsregel im Original-Jahresbericht (10-K), gelb markiert: Zeitwertänderungen laufen direkt durch die Gewinnrechnung — bei allen offenen Geschäften. Quelle: SEC-10-K Geschäftsjahr 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Zum beizulegenden Zeitwert" heißt: Jedes Quartal wird geschätzt, was die Sicherungsgeschäfte gerade wert wären, wenn man sie heute glattstellen würde. Fällt der Gaspreis, springt der Gewinn nach oben, ohne dass ein Dollar hereinkommt. Steigt er, entsteht ein Buchverlust, ohne dass ein Dollar abfließt.

Wie groß dieser Effekt ist, muss man nicht selbst schätzen — Expand Energy stellt die Zeile in der eigenen Quartalsmeldung offen aus. Für die vier Quartale bis zum 30. Juni 2026 sieht sie so aus:

Balkendiagramm der vier Quartale Q3 2025 bis Q2 2026: ausgewiesener Nettogewinn in Blau mit 547, 553, 1.159 und 522 Millionen US-Dollar, daneben in Orange die darin enthaltene unrealisierte Hedge-Bewertung mit 309, 179, 279 und 153 Millionen.
Der blaue Balken ist der gemeldete Quartalsgewinn. Der orange Balken ist die Neubewertung der Sicherungsgeschäfte, für die kein Geld floss — sie steckt im blauen Balken drin. Quelle: SEC-Berichte (10-K/10-Q) und Non-GAAP-Überleitung der Meldung 8-K vom 28.07.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Jetzt die eigentliche Rechnung — und wir machen sie zweimal, weil zwei Zeiträume im Spiel sind.

Erstens der Zeitraum, auf dem die Scanner-Werte beruhen (Juli 2025 bis März 2026, also der Stand nach dem Quartalsbericht vom 28. April 2026). Ausgewiesen wurden 3.227 Millionen US-Dollar. Die unrealisierte Bewertung darin betrug 1.609 Millionen vor Steuern, zusammengesetzt aus 842 Millionen im zweiten, 309 im dritten und 179 im vierten Quartal 2025 sowie 279 im ersten Quartal 2026. Belastet man sie mit dem Steuersatz von 22 Prozent, den Expand Energy selbst für genau diese Bereinigung verwendet, bleiben 1.972 Millionen US-Dollar.

38,9 Prozent des ausgewiesenen Gewinns waren Bewertung. Was das für die Kennzahlen bedeutet, die Expand Energy in den Filter gebracht haben:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis: Bei einem Börsenwert von 21,6 Milliarden US-Dollar ergeben 1.972 Millionen bereinigter Gewinn ein Verhältnis von 11,0 statt der ausgewiesenen 6,7.
  • Eigenkapitalrendite: 1.972 Millionen auf 18.368,5 Millionen Durchschnittseigenkapital sind 10,7 Prozent statt 17,6. Damit fällt Expand Energy bereinigt unter die 15-Prozent-Hürde des Filters — als einzige der fünf Bedingungen.
  • EBIT-Marge: 2.661 Millionen bereinigtes operatives Ergebnis auf 12.716 Millionen bereinigten Umsatz sind 20,9 Prozent statt 29,8. Diese Hürde hält auch bereinigt bequem.

Zweitens der aktuelle Stand. Am 28. Juli 2026 erschien der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026. Damit rutscht das Zwölfmonatsfenster weiter, und die Zahlen werden etwas freundlicher: 2.781 Millionen ausgewiesener Gewinn, darin 920 Millionen unrealisierte Bewertung, nach Steuern 718 Millionen.

Wasserfalldiagramm für die zwölf Monate Juli 2025 bis Juni 2026: vom ausgewiesenen Gewinn von 2.781 Millionen US-Dollar bleiben nach Abzug von 718 Millionen Hedge-Bewertung nach Steuern noch 2.063 Millionen bereinigter Gewinn.
Dieselbe Bereinigung auf den frischesten Stand angewendet — Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026. Realisierte Barabrechnungen bleiben im Gewinn, denn sie sind echtes Geld. Quelle: SEC-Berichte 10-K 2025 und 10-Q zum 30.06.2026; eigene Rechnung. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bereinigt bleiben 2.063 Millionen US-Dollar — ein Anteil von 25,8 Prozent Bewertung statt 38,9. Auf den Börsenwert gerechnet: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,5 statt der ausgewiesenen 7,8, eine Eigenkapitalrendite von 11,0 statt 14,9 Prozent.

Wichtig ist die Richtung, nicht die dritte Nachkommastelle: Egal welches Fenster man wählt, das bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 11 und die bereinigte Eigenkapitalrendite bei rund 11 Prozent. Beides ist ordentlich. Nur ist es eben nicht 6,7 und 17,6.

Dass wir hier nicht willkürlich rechnen, zeigt ein Blick in die eigene Quartalsmeldung: Für das zweite Quartal 2026 meldete Expand Energy 522 Millionen US-Dollar ausgewiesenen Gewinn und 317 Millionen bereinigten Gewinn — das Unternehmen zieht dieselbe Zeile ab wie wir, mit demselben Steuersatz. Im zweiten Quartal 2025 waren es 968 Millionen ausgewiesen gegen 265 Millionen bereinigt.

Wer die gleiche Mechanik bei einem kleineren Gasförderer nachlesen will, findet sie bei CNX Resources — dort machte die Bewertung sogar 62 Prozent des Ausweises aus. Einen Förderer ohne diese Glättung zeigt Range Resources.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Nenner wurde zweimal neu geschrieben

Jetzt die andere Hälfte des Bruchs. Eine Eigenkapitalrendite misst, wie viel ein Unternehmen aus dem Kapital macht, das die Eigentümer darin gelassen haben. Bei Expand Energy sagt dieses Kapital wenig darüber aus, was tatsächlich einmal hineingesteckt wurde.

Die Zahlen stammen aus den Unternehmensdaten der SEC selbst und sind unbestechlich:

  • 31. Dezember 2020 — Gewinnrücklagen: minus 23.954 Millionen US-Dollar. Eigenkapital: minus 5.341 Millionen. Das Unternehmen war bilanziell überschuldet und steckte mitten im Insolvenzverfahren.
  • 9. Februar 2021 — Gewinnrücklagen: exakt null. Eigenkapital: plus 3.586 Millionen. An einem einzigen Tag drehte sich das Eigenkapital um 8,9 Milliarden US-Dollar.

Das ist kein Buchungsfehler, sondern die vorgeschriebene Folge eines abgeschlossenen Insolvenzverfahrens: Im Fachjargon heißt das „fresh start accounting" — Neuanfangsbilanzierung. Vermögenswerte und Schulden werden zum Zeitwert neu angesetzt, die aufgelaufenen Verluste verschwinden aus den Gewinnrücklagen. Man erkennt das Verfahren auch daran, dass die SEC-Daten das Jahr 2021 in zwei getrennte Perioden zerlegen: 1. Januar bis 9. Februar 2021 (Vorgänger) mit einem Ergebnis von plus 5.383 Millionen US-Dollar, das fast vollständig aus dem Schuldenerlass stammt, und 10. Februar bis 31. Dezember 2021 (Nachfolger) mit plus 945 Millionen.

Der zweite Schnitt kam am 1. Oktober 2024. Die Fusion mit Southwestern Energy wurde als Unternehmenserwerb bilanziert, mit Expand Energy als Erwerber. Der Jahresbericht 2025 zeigt die Aufteilung des Kaufpreises, und sie ist bemerkenswert klar:

  • Gegenleistung: 585 Millionen US-Dollar in bar, 7.871 Millionen als Zeitwert der neu ausgegebenen Expand-Aktien und 17 Millionen für Ersatz-Aktienrechte — zusammen 8.473 Millionen.
  • Davon flossen 10.002 Millionen in erschlossene und 4.270 Millionen in unerschlossene Förderrechte — zusammen 14.272 Millionen US-Dollar, zum Zeitwert neu in die Bilanz geschrieben.
  • Übernommen wurden Schulden von 7.377 Millionen, darunter 3.305 Millionen Finanzschulden und 1.287 Millionen „Vertragsverbindlichkeiten" — dazu gleich mehr.
  • Das identifizierbare Nettovermögen betrug exakt 8.473 Millionen, also genau die Gegenleistung. Es entstand kein Firmenwert und kein Erwerbsgewinn.

Das ist die gute Nachricht in diesem Kapitel: Auf Expand Energys Bilanz steht kein einziger Dollar Firmenwert, der bei der nächsten Preisdelle abgeschrieben werden müsste. Der Kaufpreis sitzt vollständig in Förderrechten, deren Wert an nachgewiesenen Reserven hängt — überprüfbar, wenn auch schwankend.

Die unbequeme Nachricht: Das heutige Eigenkapital von 19.410 Millionen US-Dollar (Stand 30. Juni 2026) enthält 7.871 Millionen aus Aktien, die 2024 zu einem damaligen Börsenkurs bewertet wurden, und ruht auf Gewinnrücklagen, die vor fünfeinhalb Jahren bei null neu starteten. Von den 23,95 Milliarden US-Dollar, die Chesapeake bis Ende 2020 verloren hatte, steht in dieser Bilanz nichts mehr. Eine Eigenkapitalrendite auf einen solchen Nenner misst nicht, was die Eigentümer über die Zeit verdient haben — sie misst, was auf einen zweimal frisch gesetzten Buchwert verdient wird.

Fairerweise gehört dazu: Das ist kein Trick von Expand Energy, sondern geltende Rechnungslegung, und jedes Unternehmen nach einem Insolvenzverfahren steht so da. Nur sollte man es wissen, bevor man 17,6 Prozent mit der Eigenkapitalrendite eines Unternehmens vergleicht, dessen Bücher seit dreißig Jahren durchlaufen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Fusion hat die Stückkosten nicht gesenkt

Fusionen werden mit Synergien begründet. Prüfen wir das an den Zahlen, die Expand Energy selbst je tausend Kubikfuß Gasäquivalent ausweist — 2025 gegen 2024, also im Wesentlichen das erste volle Jahr nach der Fusion gegen das Jahr davor:

  • Förderkosten: 0,24 US-Dollar nach 0,23 — praktisch unverändert.
  • Sammeln, Aufbereiten, Transport: 0,91 US-Dollar nach 0,75 — ein Anstieg um 21 Prozent.
  • Förderabgaben und Grundsteuern: 0,07 nach 0,07 — unverändert.
  • Verwaltung: 0,07 US-Dollar nach 0,14 — halbiert.
  • Summe der Barkosten: 1,29 US-Dollar nach 1,19 — ein Anstieg um 8,4 Prozent.
  • Nachrichtlich, weil nicht zahlungswirksam: die Abschreibung auf die Förderrechte fiel von 1,26 auf 1,13 US-Dollar.

Der Befund ist eindeutig und zweigeteilt. Die Verwaltungssynergie ist echt und belegt: Absolut fielen die Verwaltungskosten von 186 auf 181 Millionen US-Dollar — bei einer Fördermenge, die sich von 1.375 auf 2.622 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent nahezu verdoppelte. Zwei Zentralen wurden zu einer.

Nur wird diese Ersparnis von der Transportseite mehr als aufgefressen. Die Southwestern-Gebiete in Southwest Appalachia kosten 1,30 US-Dollar je tausend Kubikfuß Gasäquivalent an Transport — gegen 0,73 in Haynesville. Dazu kommen jährliche Gebührenanpassungen und die neue NG3-Pipeline, die seit dem 1. Oktober 2025 läuft. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich der Trend fort: Förderkosten 0,26 nach 0,24, Transport 0,98 nach 0,89 — die Barkosten liegen dort schon bei rund 1,41 US-Dollar.

Wo die Fusion dagegen wirklich geliefert hat, ist die Bilanz. Seit dem Abschluss hat Expand Energy die Schulden um rund 1,2 Milliarden US-Dollar gesenkt, im ersten Halbjahr 2026 kamen 1,3 Milliarden dazu. Der Verlauf der Nettoverschuldung:

  • 31. Dezember 2025: 5.025 Millionen US-Dollar Nennbetrag der Schulden minus 616 Millionen Kasse = 4.409 Millionen netto.
  • 30. Juni 2026: 3.738 Millionen minus 663 Millionen Kasse = 3.075 Millionen netto. Das entspricht dem 0,5-Fachen des Zwölfmonats-Betriebsergebnisses vor Abschreibungen nach eigener Definition des Unternehmens (5.658 Millionen).

Und noch ein Punkt, der zur Fusionsbilanz gehört: Jene 1.287 Millionen US-Dollar Vertragsverbindlichkeiten aus der Kaufpreisaufteilung sind Transportverträge, die über dem Marktpreis lagen. Sie werden über die Laufzeit bis 2035 ertragswirksam aufgelöst — und liefern damit einen weiteren nicht zahlungswirksamen Ertrag. In den zwölf Monaten bis Juni 2026 waren das 177 Millionen US-Dollar. Das ist die zweite Zeile im Gewinn, hinter der kein Geld steht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Reservenzuwachs kam nicht aus dem Bohrer

Bei einem Förderer ist die wichtigste Frage nicht der Gewinn, sondern der Vorrat. Der Bestand zum 31. Dezember 2025: 25.880 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent nachgewiesene Reserven, geprüft von der Ingenieurgesellschaft Netherland, Sewell & Associates. Bei einer Jahresförderung von 2.622 Milliarden ergibt das eine Reichweite von 9,9 Jahren; rechnet man nur die bereits erschlossenen Reserven (18.576 Milliarden), sind es 7,1 Jahre.

Jetzt die Bewegung des Jahres 2025, und hier wird es unbequem. Der Reservenspiegel des Jahresberichts zeigt in Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent:

  • Bestand am Jahresanfang: 20.800
  • Erweiterungen und Funde: plus 52
  • Revisionen früherer Schätzungen: plus 7.650
  • Förderung: minus 2.622
  • Zukäufe und Verkäufe: null
  • Bestand am Jahresende: 25.880

Damit lässt sich die Ersatzquote ausrechnen — sie misst, welcher Anteil der geförderten Menge durch neuen Vorrat ersetzt wurde:

  • Nur aus eigener Bohrtätigkeit (Erweiterungen und Funde): 52 gegen 2.622 — 2 Prozent.
  • Einschließlich der Revisionen: 7.702 gegen 2.622 — 294 Prozent.

Woher die Revisionen kommen, schreibt das Unternehmen selbst:

„We had a net upward revision in previous estimates of 4,998 Bcfe. The net upward revision primarily consisted of 5,430 Bcfe of upward revisions due to new PUDs that had improved economics and were in areas previously classified as proved."

Übersetzung: „Wir hatten eine Netto-Aufwärtsrevision früherer Schätzungen von 4.998 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent. Die Netto-Aufwärtsrevision bestand im Wesentlichen aus 5.430 Milliarden Kubikfuß Aufwärtsrevisionen bei neuen unerschlossenen Reserven, die eine verbesserte Wirtschaftlichkeit aufwiesen und in bereits als nachgewiesen eingestuften Gebieten lagen."

— Expand Energy Corporation, SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Item 2, Abschnitt Proved Undeveloped Reserves

Gelb markierter und rot umrandeter Ausschnitt aus dem Jahresbericht 10-K 2025: darüber die Tabelle der unerschlossenen Reserven mit 3.842 zu Jahresbeginn, 49 aus Erweiterungen, 4.998 aus Revisionen, minus 1.585 Umwandlung und 7.304 zum Jahresende; markiert der Erläuterungsabsatz, wonach 5.430 Milliarden Kubikfuß Aufwärtsrevision aus verbesserter Wirtschaftlichkeit in bereits nachgewiesenen Gebieten stammen.
Die Bewegung der unerschlossenen Reserven im Original-Jahresbericht (10-K): 49 Milliarden Kubikfuß aus Erweiterungen und Funden, 4.998 aus Revisionen. Quelle: SEC-10-K Geschäftsjahr 2025, Item 2. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Verbesserte Wirtschaftlichkeit" heißt in der Praxis: höherer Gaspreis. Die Reservenberechnung der SEC schreibt vor, den Durchschnitt der Monatsanfangspreise der zurückliegenden zwölf Monate zu verwenden — für 2025 waren das 3,39 US-Dollar je tausend Kubikfuß. Steigt dieser Durchschnitt, werden Bohrziele rechnerisch rentabel und dürfen als Reserve gebucht werden. Fällt er, verschwinden sie wieder.

Das erklärt auch, warum der abgezinste Barwert der Reserven (die sogenannte Standardized Measure) von 7.531 auf 17.126 Millionen US-Dollar sprang: 11.359 Millionen dieses Zuwachses entfallen laut Jahresbericht auf „Änderungen der Preise und Förderkosten".

Zur Fairness gehört: Expand Energy hat 2025 immerhin 658 Millionen US-Dollar investiert und damit 1.585 Milliarden Kubikfuß von unerschlossenen in erschlossene Reserven überführt. Und die neu gebuchten unerschlossenen Reserven sind nicht wertlos — sie kosten nur noch Geld: rund 4,2 Milliarden US-Dollar Erschließungsaufwand, davon 2.044 Millionen allein 2026. Das ist mehr als zwei Drittel des gesamten Investitionsbudgets für dieses Jahr.

Absicherung, LNG und was Expand Energy sich langfristig aufgeladen hat

Wie stark ist das Unternehmen abgesichert? Der Jahresbericht sagt es in einem Satz:

„Our future estimated cash flow is partially protected from commodity price volatility due to our current hedge positions that provide a floor price on over 60% of our projected gas volumes through the end of 2026 with significant upside participation via costless collars and three-way collars."

Übersetzung: „Unser künftig erwarteter Mittelzufluss ist teilweise gegen Rohstoffpreisschwankungen geschützt, weil unsere derzeitigen Sicherungspositionen für über 60 Prozent unserer geplanten Gasmengen bis Ende 2026 einen Mindestpreis vorsehen — bei erheblicher Teilhabe an Preisanstiegen über kostenlose Preiskorridore und Drei-Wege-Korridore."

— Expand Energy Corporation, SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Item 7, Abschnitt Economic and Market Conditions

Gelb markierter und rot umrandeter Absatz aus dem Jahresbericht 10-K 2025 zum Markt- und Preisumfeld: Sicherungspositionen mit Mindestpreis für über 60 Prozent der geplanten Gasmengen bis Ende 2026, mit Teilhabe an Preisanstiegen über kostenlose und Drei-Wege-Preiskorridore.
Der Absicherungsgrad im Original-Jahresbericht (10-K), gelb markiert. Anders als bei einem festen Vorverkauf bleibt hier eine Teilhabe an steigenden Preisen erhalten. Quelle: SEC-10-K Geschäftsjahr 2025, Item 7. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem klassischen Vorverkauf: Ein Preiskorridor („Collar") setzt einen Boden und eine Decke. Nach unten ist Expand Energy geschützt, nach oben nur teilweise gedeckelt. Genau deshalb kann die Buchbewertung so heftig schwanken.

Im jüngsten Quartalsbericht vom 28. Juli 2026 ist der Absicherungsgrad noch einmal gestiegen — und derselbe Absatz nennt auch, worauf das Unternehmen seine Preishoffnung stützt:

„However, structural demand drivers, led by the commissioning of new LNG export capacity, accelerating industrial onshoring, and the rapid expansion of AI-powered data centers, are expected to tighten market conditions […]. Our future estimated cash flow is partially protected from commodity price movements through our current hedge positions that provide a floor price on over 65% of our projected gas volumes through the end of 2026."

Übersetzung: „Strukturelle Nachfragetreiber — allen voran die Inbetriebnahme neuer Verflüssigungskapazitäten für den Export, die beschleunigte Rückverlagerung von Industrie und der rasche Ausbau KI-gestützter Rechenzentren — dürften den Markt jedoch enger machen […]. Unser künftig erwarteter Mittelzufluss ist teilweise gegen Preisbewegungen geschützt, weil unsere derzeitigen Sicherungspositionen für über 65 Prozent unserer geplanten Gasmengen bis Ende 2026 einen Mindestpreis vorsehen."

— Expand Energy Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Item 2, Abschnitt Economic and Market Conditions

Zwei Dinge stehen darin. Erstens: Aus „über 60 Prozent" im Jahresbericht sind über 65 Prozent geworden — Expand Energy hat die Absicherung ausgeweitet, nachdem milde Witterung und hohe Förderung die Gaspreise im ersten Halbjahr 2026 gedrückt hatten. Zweitens: Zu den Nachfragetreibern zählt das Unternehmen ausdrücklich den Ausbau KI-gestützter Rechenzentren. Das ist die Wette hinter dieser Aktie — dass Strombedarf aus Rechenzentren, Industrie-Rückverlagerung und Flüssiggas-Export den amerikanischen Gaspreis dauerhaft anheben.

Und was fließt tatsächlich? Im ersten Halbjahr 2026 stand in der Kapitalflussrechnung ein Derivate-Gewinn von 320 Millionen US-Dollar als nicht zahlungswirksamer Posten — gleichzeitig flossen 92 Millionen US-Dollar an Barabrechnungen ab. Buchgewinn und Geldfluss zeigten also in entgegengesetzte Richtungen.

Die jüngste strategische Entwicklung steht im Quartalsbericht vom 28. Juli 2026 und ist zweischneidig:

Gelb markierter und rot umrandeter Absatz aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026: Am 22. April 2026 wurde ein Liefervertrag über rund 1,15 Millionen Tonnen Flüssigerdgas jährlich mit Delfin FLNG 1 zum Henry-Hub-Preis mit Startziel 2031 geschlossen; die zuvor angekündigten Verträge mit Delfin und Gunvor Group wurden beendet.
Der neue Flüssiggas-Vertrag im Original-Quartalsbericht (10-Q), gelb markiert — samt der Beendigung der zuvor angekündigten Verträge. Quelle: SEC-10-Q zum 30.06.2026, Item 2. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Vertrag mit Delfin FLNG 1 läuft 20 Jahre, umfasst rund 1,15 Millionen Tonnen Flüssigerdgas im Jahr, beginnt 2031 — und ist ein Kaufvertrag: Expand Energy erwirbt Verflüssigungsleistung, um eigenes Gas auf den Weltmarkt zu bringen. Zum 30. Juni 2026 waren alle aufschiebenden Bedingungen erfüllt, der Vertrag ist wirksam. Die fest vereinbarten Zahlungsbestandteile beziffert das Unternehmen auf rund 2,9 Milliarden US-Dollar über die Laufzeit. Zugleich wurden die früher angekündigten Verträge mit Delfin und der Gunvor Group beendet.

Für dich als Leser heißt das: Ein Förderer, der bislang am amerikanischen Binnenpreis hing, bindet sich für zwei Jahrzehnte an eine Zahlungsverpflichtung, die sich erst rechnet, wenn der Abstand zwischen amerikanischem und asiatisch-europäischem Gaspreis groß genug bleibt. Das kann sehr gut ausgehen. Es ist aber kein Selbstläufer, und es beginnt erst in fünf Jahren.

Zyklik-Ehrlichkeit: Was bleibt bei einem durchschnittlichen Gaspreis?

Die bisherigen Rechnungen haben nur die Buchbewertung entfernt. Der zweite Test ist härter: Was bleibt, wenn zusätzlich der Gaspreis auf einen mehrjährigen Durchschnitt zurückfällt?

Expand Energy erzielte 2025 im Schnitt 3,23 US-Dollar je tausend Kubikfuß Gasäquivalent (8.476 Millionen US-Dollar Erlöse aus Gas, Öl und Flüssiggas auf 2.622 Milliarden Kubikfuß) — 2024 waren es 2,16 US-Dollar (2.969 Millionen auf 1.375 Milliarden). Beide Werte sind ohne Derivate gerechnet. Der Zweijahresschnitt liegt damit bei 2,70 US-Dollar, also 0,53 unter dem Wert von 2025.

Rechnen wir das durch, mit der geplanten Fördermenge 2026 von 7,5 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent am Tag, also rund 2.738 Milliarden im Jahr:

  • 0,53 US-Dollar weniger je tausend Kubikfuß Gasäquivalent bedeuten rund 1.451 Millionen US-Dollar weniger Erlös im Jahr.
  • Nach Steuern zu 22 Prozent sind das 1.132 Millionen weniger Gewinn.
  • Vom bereinigten Zwölfmonatsgewinn von 2.063 Millionen blieben damit rund 931 Millionen US-Dollar.
  • Auf den Börsenwert von 21,6 Milliarden gerechnet ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23 und eine Eigenkapitalrendite von rund 5 Prozent.

Das ist bewusst die ungünstige Lesart, und wir sagen dazu, was sie nicht berücksichtigt: Die Sicherungsgeschäfte setzen für über 65 Prozent der Menge 2026 einen Mindestpreis, der bei einem Preisrückgang tatsächlich Geld einbringen würde. Die Höhe dieser Mindestpreise nennt Expand Energy nicht als Einzelwert, deshalb bleibt der Effekt hier unbeziffert. Ebenso wenig berücksichtigt sind mögliche Kostensenkungen bei geringerer Bohraktivität.

Die Botschaft der Rechnung ist trotzdem eindeutig: Von 6,7 über 11,0 bis rund 23 reicht die Spanne des Kurs-Gewinn-Verhältnisses — je nachdem, ob man die Buchbewertung mitzählt und welchen Gaspreis man unterstellt. Wer diese Aktie kauft, kauft nicht ein KGV von 6,7. Er kauft eine Wette auf den Gaspreis.

Bilanz, Mittelfluss und was mit dem Geld geschieht

Hier wird das Bild deutlich freundlicher — und diese Zahlen sind zahlungswirksam, also nicht bereinigungsbedürftig.

  • Operativer Mittelzufluss im ersten Halbjahr 2026: 3.498 Millionen US-Dollar nach 2.418 Millionen im Vorjahreszeitraum. Investitionen: 1.460 Millionen nach 1.220. Freier Mittelzufluss also 2.038 Millionen in sechs Monaten.
  • Schuldenabbau: 1.287 Millionen US-Dollar für den Rückkauf von Anleihen im ersten Halbjahr 2026, dabei ein Gewinn von 37 Millionen. Die langfristigen Finanzschulden fielen von 5.009 auf 3.685 Millionen.
  • Aktienrückkäufe: 580 Millionen US-Dollar bar im ersten Halbjahr, laut Quartalsmeldung 849 Millionen bis zum 24. Juli 2026 — rund 4 Prozent aller Aktien. Die Aktienzahl fiel von 240.398.260 (11. Februar 2026) auf 231.503.789 (24. Juli 2026). Eine neue Ermächtigung über rund 1 Milliarde US-Dollar wurde beschlossen.
  • Dividende: eine Basisdividende von 0,575 US-Dollar je Aktie und Quartal, zahlbar am 3. September 2026 — 2,30 US-Dollar im Jahr. 2025 flossen 765 Millionen US-Dollar an Dividenden.
  • Zinsdeckung: Das Betriebsergebnis der zwölf Monate bis Juni 2026 von 3.662 Millionen US-Dollar deckt den Zinsaufwand von 218 Millionen 16,8-fach.

Der Altman-Z″-Wert — eine Kennzahl zur Einschätzung der Ausfallgefahr, unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher — liegt nach eigener Nachrechnung zum 30. Juni 2026 bei 3,87. Zieht man die unrealisierte Bewertung von 920 Millionen aus dem Betriebsergebnis heraus, bleiben 3,65. Beide Werte liegen klar in der sicheren Zone; anders als bei manchem Wettbewerber hält dieses Ergebnis der Bereinigung stand.

Ein Punkt zur Führung gehört noch dazu: Die Quartalsmeldung vom 28. Juli 2026 ist mit Mike Wichterich, Interim President and Chief Executive Officer, gezeichnet. Der Führungswechsel wurde am 26. Juni 2026 gemeldet. Ein Unternehmen dieser Größe ohne dauerhafte Führungsspitze ist kein Substanzrisiko, aber ein offener Punkt — zumal gleichzeitig die Übernahme von Twin Eagle Holdings angekündigt wurde, mit der Expand Energy nach eigener Darstellung zum führenden integrierten Erdgasunternehmen Nordamerikas werden will.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für das Unternehmen spricht:

  • Größter Erdgasförderer Nordamerikas mit 25.880 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent nachgewiesenen Reserven und einer geprüften Reservenschätzung durch ein unabhängiges Ingenieurbüro.
  • Kein Firmenwert in der Bilanz — der gesamte Kaufpreis der Fusion sitzt in Förderrechten, es gibt keine Abschreibungsbombe auf einen Erwerbsaufschlag.
  • Nettoverschuldung binnen sechs Monaten von 4.409 auf 3.075 Millionen US-Dollar gesenkt, Zinsdeckung 16,8-fach, Altman-Z″ auch bereinigt bei 3,65.
  • Belegte Verwaltungssynergie: 181 statt 186 Millionen US-Dollar bei nahezu verdoppelter Fördermenge.
  • 2.038 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss allein im ersten Halbjahr 2026, davon 849 Millionen in Rückkäufe und rund 4 Prozent weniger Aktien seit Februar.

Was dagegen spricht:

  • Ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Gewinns ist Buchbewertung — 38,9 Prozent im Scanner-Zeitraum, 25,8 Prozent im aktuellsten Zwölfmonatsfenster. Dazu kommen 177 Millionen US-Dollar jährliche Auflösung von Vertragsverbindlichkeiten, ebenfalls ohne Geldfluss.
  • Die Barkosten je Einheit steigen: von 1,19 auf 1,29 US-Dollar im Jahresvergleich und auf rund 1,41 im ersten Halbjahr 2026. Die Fusion hat die Verwaltung verbilligt, nicht den Transport.
  • Die Reserven wuchsen 2025 fast ausschließlich durch Neubewertung: 52 Milliarden Kubikfuß aus dem Bohrer gegen 7.650 aus Revisionen. Fällt der Preisdurchschnitt, kehrt sich das um.
  • Reservenreichweite 9,9 Jahre — solide, aber deutlich kürzer als bei reinen Appalachen-Förderern. Die Erschließung der unerschlossenen Reserven kostet 4,2 Milliarden US-Dollar.
  • Eine 20-jährige Zahlungsverpflichtung von rund 2,9 Milliarden US-Dollar aus dem Flüssiggas-Vertrag, die erst ab 2031 wirkt.
  • Nur ein kommissarischer Vorstandsvorsitzender, während eine Übernahme angekündigt wurde.

Was uns diese Recherche gelehrt hat

Wir sind mit einer einfachen Frage gestartet: Wie kann ein Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,7 gleichzeitig eine Eigenkapitalrendite von 17,6 Prozent haben? Die Antwort ist unspektakulär und trotzdem lehrreich — weil beide Zahlen aus Bausteinen bestehen, die man einzeln nachrechnen muss.

Oben im Bruch steckte eine Bewertungszeile, die Expand Energy selbst herausrechnet, sobald es über die eigene Ertragskraft spricht. Unten stand ein Buchwert, den ein Insolvenzgericht auf null und ein Bewertungsgutachter auf 14,3 Milliarden neu gesetzt hat. Nichts davon ist verboten, nichts davon ist versteckt — es steht alles in den Berichten, wir mussten es nur lesen.

Was am Ende bleibt, ist trotzdem ein ordentliches Unternehmen: rund 11 Prozent bereinigte Eigenkapitalrendite, eine Bilanz, die sich in Rekordtempo entschuldet, kein Firmenwert, keine Fortführungszweifel, ein 16,8-facher Zinsdeckungsgrad. Aber es ist eben kein Unternehmen, das für das Sechsfache seines Gewinns zu haben ist. Es ist ein Gasförderer für rund das Elffache — und was daraus wird, entscheidet der Gaspreis, nicht die Buchhaltung.

Die Entscheidung liegt bei Dir. Wir liefern die Rechnung, nicht das Urteil.

Quellen

  • SEC-Jahresbericht 10-K, Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 18. Februar 2026 (Reserven, Mengen, Stückkosten, Kaufpreisallokation, Derivate-Bilanzierung, Risikofaktoren).
  • SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, eingereicht am 28. Juli 2026 (Bilanz, Ergebnis, Kapitalfluss, Derivate-Tabellen, Flüssiggas-Vertrag, Aktienzahl).
  • SEC-Meldung 8-K vom 28. Juli 2026, Anlage 99.1 (Quartalsmeldung mit firmeneigener Überleitung von ausgewiesenem zu bereinigtem Ergebnis je Quartal, Nettoverschuldung, Fördermenge, Rückkäufe).
  • SEC-Stammsatz zu CIK 0000895126 (frühere Firmierung, Notierung, Filer-Typ) sowie die Unternehmensdaten der SEC im XBRL-Format für die Jahresreihen und die Vorgänger-/Nachfolger-Trennung des Jahres 2021.
  • SEC-Formular 15-12G vom 18. Februar 2026 (Abmeldung der Optionsscheine aus dem Insolvenzplan; die Stammaktie bleibt registriert).
  • Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 29. Juli 2026.

Diese Analyse ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Sie gibt den Rechercheestand zum genannten Datum wieder. Wertpapiergeschäfte bergen das Risiko des Totalverlusts.

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragsqualität negativ
Von 3.227 Millionen US-Dollar Nettogewinn der zwölf Monate bis zum 31. März 2026 waren 1.609 Millionen unrealisierte Bewertungsänderungen von Gas-Sicherungsgeschäften — Beträge, für die kein Geld geflossen ist. Der Jahresbericht sagt selbst, dass Zeitwertänderungen unmittelbar im Ergebnis erfasst werden und zum 31. Dezember 2025 kein einziges offenes Derivat als Absicherung von Zahlungsströmen designiert war. Nach Steuern zu 22 Prozent bereinigt bleiben 1.972 Millionen, also 61,1 Prozent des Ausweises. Im aktuellsten Fenster bis 30. Juni 2026 sind es 2.063 von 2.781 Millionen. Hinzu kommen 177 Millionen US-Dollar jährliche ertragswirksame Auflösung der Vertragsverbindlichkeiten aus der Fusion, ebenfalls ohne Zahlungsvorgang. Das Unternehmen rechnet dieselbe Zeile selbst heraus: 522 Millionen ausgewiesener gegen 317 Millionen bereinigter Gewinn im zweiten Quartal 2026.
Vergleichbarkeit der Zahlen negativ
Der Buchwert, auf den die Eigenkapitalrendite gerechnet wird, wurde zweimal neu gesetzt. Am 9. Februar 2021 endete das Chapter-11-Verfahren von Chesapeake Energy: Die Gewinnrücklagen fielen von minus 23.954 Millionen US-Dollar auf exakt null, das Eigenkapital sprang von minus 5.341 auf plus 3.586 Millionen. Die SEC-Daten führen 2021 folgerichtig als zwei getrennte Perioden (Vorgänger 01.01. bis 09.02. mit plus 5.383 Millionen, Nachfolger ab 10.02. mit plus 945 Millionen). Am 1. Oktober 2024 folgte die Fusion: 14.272 Millionen US-Dollar Förderrechte wurden zum Zeitwert neu eingebucht, 7.871 Millionen an neuen Aktien in das Eigenkapital. Jeder Vergleich über mehr als sieben Quartale hinweg vergleicht damit unterschiedliche Unternehmen auf unterschiedlichen Buchwerten.
Operative Stabilität neutral
Das Geschäft trägt, wächst aber nicht aus eigener Kraft billiger. Die Verwaltungssynergie der Fusion ist belegt: 181 statt 186 Millionen US-Dollar bei einer Fördermenge, die sich von 1.375 auf 2.622 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent fast verdoppelte — je Einheit von 0,14 auf 0,07 US-Dollar halbiert. Zugleich stiegen die Kosten für Sammeln, Aufbereiten und Transport von 0,75 auf 0,91 US-Dollar je tausend Kubikfuß Gasäquivalent, weil die Southwestern-Gebiete mit 1,30 US-Dollar deutlich teurer anzubinden sind als Haynesville mit 0,73. Die Barkosten je Einheit stiegen dadurch von 1,19 auf 1,29 und im ersten Halbjahr 2026 weiter auf rund 1,41 US-Dollar. Die Fördermenge selbst ist stabil: 7,48 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent am Tag im zweiten Quartal 2026 bei einer bestätigten Jahresprognose von 7,4 bis 7,6.
Reserven & Substanz neutral
Zum 31. Dezember 2025 lagen die nachgewiesenen Reserven bei 25.880 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent — 9,9 Jahre Reichweite bei einer Jahresförderung von 2.622 Milliarden, 7,1 Jahre allein aus den erschlossenen Reserven. Die Schätzung wurde von Netherland, Sewell & Associates geprüft. Einschränkend: Der Zuwachs von 5.080 Milliarden Kubikfuß im Jahr 2025 kam nur zu 52 Milliarden aus Erweiterungen und Funden; 7.650 Milliarden stammen aus Revisionen früherer Schätzungen, die das Unternehmen ausdrücklich mit verbesserter Wirtschaftlichkeit in bereits nachgewiesenen Gebieten begründet. Die Ersatzquote aus eigener Bohrtätigkeit lag damit bei 2 Prozent. Die neu gebuchten unerschlossenen Reserven kosten rund 4,2 Milliarden US-Dollar an Erschließungsaufwand, davon 2.044 Millionen im Jahr 2026.
Bilanz & Fälligkeiten positiv
Zum 30. Juni 2026 stehen 19.410 Millionen US-Dollar Eigenkapital (Quote 69,2 Prozent) gegen 3.685 Millionen langfristige Finanzschulden und 663 Millionen Kasse — eine Nettoverschuldung von 3.075 Millionen nach 4.409 Millionen zum Jahresende 2025. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden 1.287 Millionen US-Dollar für Anleiherückkäufe aufgewendet, mit einem Gewinn von 37 Millionen. Die Zinsdeckung liegt bei 16,8 (3.662 Millionen Betriebsergebnis der zwölf Monate bis Juni 2026 auf 218 Millionen Zinsaufwand), der Verschuldungsgrad bei 0,27. Der Altman-Z″-Wert erreicht nach eigener Rechnung 3,87 gegenüber der Sicherheitsschwelle von 2,6 — und hält der Bereinigung um die Buchgewinne mit 3,65 stand. Auf der Bilanz steht kein Firmenwert, der abgeschrieben werden könnte.
Kapitalallokation positiv
Der freie Mittelzufluss von 2.038 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2026 (3.498 Millionen operativ abzüglich 1.460 Millionen Investitionen) geht in Schuldenabbau und Rückkäufe. Bis zum 24. Juli 2026 wurden 849 Millionen US-Dollar für eigene Aktien ausgegeben, rund 4 Prozent des Bestands; die Aktienzahl fiel von 240.398.260 auf 231.503.789. Eine neue Ermächtigung über rund 1 Milliarde US-Dollar kam hinzu. Dazu eine Basisdividende von 0,575 US-Dollar je Aktie und Quartal. Einschränkend: Am 22. April 2026 wurde eine 20-jährige Zahlungsverpflichtung von rund 2,9 Milliarden US-Dollar aus einem Flüssiggas-Kaufvertrag mit Delfin FLNG 1 eingegangen, deren Wirkung erst 2031 beginnt, und am 28. Juli 2026 die Übernahme von Twin Eagle Holdings angekündigt — beides bindet künftige Mittel.

Expand Energy ist nach eigener Angabe der größte Erdgasförderer Nordamerikas und entstand am 1. Oktober 2024 aus der Fusion von Chesapeake Energy und Southwestern Energy. Die auffälligen Scanner-Werte — Kurs-Gewinn-Verhältnis 6,7, Eigenkapitalrendite 17,6 Prozent — halten der Nachrechnung nur teilweise stand: Von 3.227 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn sind 1.609 Millionen die Neubewertung von Sicherungsgeschäften, für die kein Geld floss. Bereinigt bleiben 1.972 Millionen, das Verhältnis steigt auf 11,0 und die Eigenkapitalrendite fällt auf 10,7 Prozent. Hinzu kommt, dass der Buchwert im Nenner zweimal neu gesetzt wurde: am 9. Februar 2021 durch das Insolvenzverfahren (Gewinnrücklagen von minus 23.954 Millionen auf null) und am 1. Oktober 2024 durch die Fusion (14.272 Millionen Förderrechte zum Zeitwert). Was echt ist, steht in der Bilanz: Nettoverschuldung binnen sechs Monaten von 4.409 auf 3.075 Millionen gesenkt, 2.038 Millionen freier Mittelzufluss im ersten Halbjahr 2026, 16,8-fache Zinsdeckung, kein Firmenwert. Offen bleiben die steigenden Stückkosten und ein Reservenzuwachs, der 2025 fast vollständig aus Neubewertung stammte. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb, weil wesentliche Fragen zur Ertragsqualität und zur Vergleichbarkeit der Zahlen offen sind, ohne dass die Substanz gefährdet wäre. Der Befund: Von 3.227 Millionen US-Dollar Nettogewinn der zwölf Monate bis 31. März 2026 sind 1.609 Millionen unrealisierte Bewertungsänderungen von Sicherungsgeschäften — 38,9 Prozent des Ausweises entstehen nach Steuern ohne Zahlungsvorgang, und das Unternehmen rechnet dieselbe Zeile selbst heraus (522 Millionen ausgewiesener gegen 317 Millionen bereinigter Gewinn im zweiten Quartal 2026). Dazu kommen 177 Millionen jährliche ertragswirksame Auflösung der Vertragsverbindlichkeiten aus der Fusion. Zweitens ist die Zeitreihe gebrochen: Die Gewinnrücklagen wurden am 9. Februar 2021 von minus 23.954 Millionen auf null gesetzt und die Bilanz am 1. Oktober 2024 um 14.272 Millionen neu bewertete Förderrechte erweitert — die Eigenkapitalrendite misst also einen zweimal frisch gesetzten Buchwert. Drittens operativ: Die Barkosten je tausend Kubikfuß Gasäquivalent stiegen trotz Fusion von 1,19 auf 1,29 US-Dollar und im ersten Halbjahr 2026 weiter auf rund 1,41, weil der teurere Transport der Southwestern-Gebiete die halbierten Verwaltungskosten mehr als aufzehrt. Und der Reservenzuwachs 2025 von 5.080 Milliarden Kubikfuß kam nur zu 52 Milliarden aus eigener Bohrtätigkeit, der Rest aus Revisionen bei besserer Wirtschaftlichkeit. Warum trotzdem nicht Rot: Es gibt kein belegtes Substanzrisiko. Das Eigenkapital beträgt 19.410 Millionen US-Dollar bei 28.030 Millionen Bilanzsumme (Quote 69,2 Prozent), die Nettoverschuldung fiel binnen sechs Monaten von 4.409 auf 3.075 Millionen, die Zinsdeckung liegt bei 16,8 und der Altman-Z″-Wert bei 3,87 — bereinigt bei 3,65 und damit weiterhin klar in der sicheren Zone. Auf der Bilanz steht kein Firmenwert, der abgeschrieben werden könnte; die Kaufpreisallokation der Fusion ging vollständig in Förderrechte auf. Es gibt keinen Fortführungszweifel und keine Bilanznarbe. Der operative Kern trägt: 3.498 Millionen operativer Mittelzufluss im ersten Halbjahr 2026, 2.038 Millionen davon frei, bei einer stabilen Fördermenge von 7,48 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent am Tag und 9,9 Jahren Reservenreichweite. Warum nicht Grün: Ein erheblicher Teil des Ergebnisausweises ist Bewertung statt Ergebnis, die Stückkosten steigen, die Reservenmehrung stammt aus dem Rechenmodell statt aus dem Bohrer, und das Unternehmen wird derzeit nur kommissarisch geführt. Das sind offene operative Fragen im Sinne der Gelb-Definition.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Expand Energy über den Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis" (Rang 42 der US-Auswahl, Datenstand 29. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (EXE: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (17,6), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (29,8 nach eigener Rechnung), Verschuldungsgrad höchstens 1 (0,27 nach eigener Rechnung) und ein positives KGV bis 20 (6,7). Ergänzend: Fundamental-Rating 58 (Note B), Börsenwert rund 21,6 Milliarden US-Dollar. Entscheidend ist, welche dieser Kennzahlen von den beiden Sondereffekten mitbestimmt werden. Die Hedge-Bewertung wirkt auf das KGV (Nenner), auf die Eigenkapitalrendite (Zähler) und auf die EBIT-Marge (Zähler und Nenner, weil die Derivate-Zeile bei diesem Unternehmen über den Umsatz läuft). Die Neubewertungen aus Insolvenz und Fusion wirken auf die Eigenkapitalrendite (Nenner), auf den Verschuldungsgrad (Nenner) und über die Bilanzsumme auf zwei Fragen des F-Score. Bereinigt fällt allein die Eigenkapitalrendite auf 10,7 Prozent und damit unter die 15-Prozent-Hürde; das bereinigte KGV hält mit 11,0, die bereinigte EBIT-Marge mit 20,9 Prozent, und der Verschuldungsgrad läge selbst auf dem Eigenkapital vor der Fusion bei rund 0,49 und damit weiterhin unter 1.
  • Hedge-Bereinigung (eigene Rechnung, Methode offengelegt): Vom ausgewiesenen Nettogewinn wird die unrealisierte Bewertungsänderung der Rohstoff-Derivate abgezogen, belastet mit dem Steuersatz von 22 Prozent, den Expand Energy selbst für genau diese Bereinigung verwendet (Fußnote a der Non-GAAP-Überleitung in der Anlage 99.1 zur Meldung 8-K vom 28.07.2026). Die realisierten Barabrechnungen bleiben im Gewinn, weil sie zahlungswirksam sind. Unrealisierte Bewertung je Quartal in Mio. US-Dollar: Q2 2025 842, Q3 2025 309, Q4 2025 179, Q1 2026 279, Q2 2026 153. Für das Fenster Juli 2025 bis März 2026, auf dem die Scanner-Werte beruhen, ergibt das 1.609 Mio. vor Steuern und 1.255 Mio. nach Steuern: 3.227 minus 1.255 sind 1.972 Mio. bereinigt. Für das aktuellste Fenster Juli 2025 bis Juni 2026 sind es 920 Mio. vor und 718 Mio. nach Steuern: 2.781 minus 718 sind 2.063 Mio. Gegenprobe an der firmeneigenen Rechnung: Expand Energy weist für das zweite Quartal 2026 317 Mio. bereinigten Gewinn gegen 522 Mio. ausgewiesenen aus, für das zweite Quartal 2025 265 gegen 968 Mio. Die Jahresreihen stammen aus dem 10-K Geschäftsjahr 2025 (unrealisiert 2025 plus 361 Mio., 2024 minus 979 Mio.) und den XBRL-Unternehmensdaten der SEC.
  • Neubewertungs-Prüfung (Auftrag: fresh start accounting und Fusionsaufwertung): Beides ist belegt und wirkt auf die Eigenkapitalrendite. Erstens Insolvenz — die XBRL-Unternehmensdaten der SEC führen für us-gaap:RetainedEarningsAccumulatedDeficit zum 31.12.2020 minus 23.954 Mio. US-Dollar und zum 09.02.2021 exakt 0; us-gaap:StockholdersEquity springt am selben Stichtag von minus 5.341 auf plus 3.586 Mio. Das Jahr 2021 ist in zwei Berichtsperioden zerlegt (01.01. bis 09.02. mit plus 5.383 Mio. Ergebnis bei 5.569 Mio. Reorganisationsposten, 10.02. bis 31.12. mit plus 945 Mio.) — die für eine Neuanfangsbilanzierung typische Vorgänger-/Nachfolger-Trennung. Der Jahresbericht 2025 verwendet den Begriff „fresh start" nicht mehr, nennt aber den Effective Date 09.02.2021 und die daraus folgende Section-382-Beschränkung. Zweitens Fusion — die Kaufpreisallokation im 10-K 2025 weist eine Gegenleistung von 8.473 Mio. (585 bar, 7.871 Zeitwert neuer Aktien, 17 Ersatz-Aktienrechte) und ein identifizierbares Nettovermögen von exakt 8.473 Mio. aus; davon 10.002 Mio. erschlossene und 4.270 Mio. unerschlossene Förderrechte. Firmenwert entstand keiner: Das Wort „goodwill" kommt im gesamten Jahresbericht nur in der Bilanzierungsrichtlinie nach ASC 805 vor, nicht als Bilanzposition. Ebenfalls aus der Allokation: 1.287 Mio. Vertragsverbindlichkeiten für über Markt liegende Transportverträge mit Laufzeit bis 2035, die ertragswirksam aufgelöst werden — 177 Mio. in den zwölf Monaten bis Juni 2026, ebenfalls ohne Zahlungsvorgang.
  • Altman-Z″ (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Eigene Nachrechnung zum 30.06.2026 aus dem Quartalsbericht. Nettoumlaufvermögen minus 123 Mio. US-Dollar (2.842 minus 2.965) auf 28.030 Mio. Bilanzsumme ergibt minus 0,03; Gewinnrücklagen 5.634 Mio. ergeben plus 0,66; operatives Ergebnis 3.662 Mio. auf Zwölfmonatssicht (725 im dritten und 745 im vierten Quartal 2025, 1.531 im ersten und 661 im zweiten Quartal 2026) ergibt plus 0,88; Eigenkapital 19.410 Mio. gegen 8.620 Mio. Verbindlichkeiten ergibt plus 2,36. Summe 3,87 — klar in der sicheren Zone. Gegenprobe ohne die unrealisierte Bewertung von 920 Mio.: Der dritte Beitrag fällt auf 0,66, die Summe auf 3,65 und bleibt damit in der sicheren Zone. Zur Kontrolle: Zinsdeckung 16,8 nach eigener Rechnung (3.662 Mio. operatives Ergebnis auf 218 Mio. Zinsaufwand der zwölf Monate bis Juni 2026).
  • Börsenwert-Gegenprobe: Der Datenbestand führt rund 21,6 Milliarden US-Dollar (Datenstand 29. Juli 2026). Laut Deckblatt des Quartalsberichts waren am 24.07.2026 genau 231.503.789 Aktien ausstehend. Multipliziert mit dem Schlusskurs vom 27.07.2026 von 90,51 US-Dollar ergeben sich 20,95 Mrd. US-Dollar — eine Abweichung von 3,1 Prozent und damit weit unter der Fünftel-Schwelle, ab der wir einen Börsenwert verwerfen. Die Abweichung hat eine erklärbare Ursache: Der Datenbestand führt noch 239,2 Mio. Aktien (Stand Jahresende 2025), während das Unternehmen bis zum 24.07.2026 rund 4 Prozent der Aktien zurückgekauft hat. Bewusst nicht gerechnet wurde der umgekehrte Weg — Börsenwert geteilt durch die Deckblatt-Aktienzahl —, weil die beiden Größen unterschiedliche Stichtage haben und daraus nur ein Scheinbefund entstünde. Anmerkung zur Datenlage: Für EXE existiert im lokalen Datenbestand keine Company-Zeile; die Scanner-Kennzahlen dieser Analyse entsprechen dem Live-Stand des hauseigenen Aktien-Scanners.
  • Zyklik-Rechnung (eigene Rechnung, Annahmen offengelegt): Erzielter Preis ohne Derivate 2025 3,23 US-Dollar je Tsd. Kubikfuß Gasäquivalent (8.476 Mio. Erlöse auf 2.622 Mrd. Kubikfuß), 2024 2,16 US-Dollar (2.969 Mio. auf 1.375 Mrd.); Zweijahresschnitt 2,70 US-Dollar, also 0,53 unter 2025. Auf die Planmenge 2026 von 7,5 Mrd. Kubikfuß Gasäquivalent am Tag beziehungsweise rund 2.738 Mrd. im Jahr ergibt das 1.451 Mio. US-Dollar weniger Erlös, nach Steuern zu 22 Prozent 1.132 Mio. weniger Gewinn. Vom bereinigten Zwölfmonatsgewinn von 2.063 Mio. blieben rund 931 Mio., was auf 21,6 Mrd. Börsenwert einem KGV von rund 23 und einer Eigenkapitalrendite von rund 5 Prozent entspricht. Nicht berücksichtigt sind die Mindestpreise der Sicherungsgeschäfte, die für über 65 Prozent der Menge 2026 greifen und bei fallenden Preisen Geld einbringen würden — ihre Höhe nennt das Unternehmen nicht als Einzelwert. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind Kostensenkungen bei geringerer Bohraktivität. Die Rechnung ist damit bewusst die ungünstige Lesart.
  • Materialitäts-Gate (Fund-Typisierung): Anteil der unrealisierten Bewertung am Gewinn (1.609 von 3.227 Mio. US-Dollar im Scanner-Fenster, 920 von 2.781 Mio. im aktuellsten Fenster) = Ertragsqualitäts-Fund mit beziffertem Maß, wirkt auf drei der fünf Filterhürden. Zweimalige Neubewertung des Eigenkapitals (09.02.2021 und 01.10.2024) = Vergleichbarkeits-Fund ohne Existenzwirkung, aber mit unmittelbarer Wirkung auf die Eigenkapitalrendite. Auflösung der Vertragsverbindlichkeiten von 177 Mio. auf Zwölfmonatssicht = Fußnoten-Fund, 6,4 Prozent des ausgewiesenen Gewinns und damit über der Wesentlichkeitsschwelle. Reservenzuwachs 2025 zu 7.650 von 7.702 Mrd. Kubikfuß aus Revisionen = Substanz-Fund, die Reichweite bleibt mit 9,9 Jahren komfortabel. Stückkostenanstieg von 1,19 auf 1,29 und weiter auf rund 1,41 US-Dollar = Kosten-Fund, 8,4 Prozent Anstieg im Jahresvergleich. Kein Existenz-Fund, kein Going Concern, keine Bilanznarbe — deshalb Ampel Gelb für die Firma und beobachten für die Aktie.
  • Identität und Aktualität (am Einreichungsindex geprüft, nicht angenommen): Expand Energy Corporation, CIK 0000895126, Nasdaq, SIC 1311, Large accelerated filer, Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Frühere Firmierung laut SEC-Stammsatz: CHESAPEAKE ENERGY CORP bis 26.09.2024. Verwerfungs-Kriterien geprüft: Ticker in der SEC-Registry vorhanden, reguläre Nasdaq-Notierung, Chapter-11-Verfahren seit 09.02.2021 abgeschlossen. Die Form 15-12G vom 18.02.2026 betrifft ausschließlich die Class-A-, -B- und -C-Optionsscheine aus dem Insolvenzplan mit jeweils null Inhabern; im Formular ist die Stammaktie ausdrücklich als weiterhin berichtspflichtiges Wertpapier aufgeführt — kein Verwerfungsgrund. Jüngster Periodenbericht ist der 10-Q zum 30.06.2026, eingereicht am 28.07.2026 und vollständig ausgewertet. Einreichungen danach: keine. Am selben Tag wurde die 8-K mit den Quartalszahlen eingereicht (Items 2.02, 7.01, 9.01), davor eine 8-K vom 27.07.2026 (Item 7.01), eine 8-K vom 26.06.2026 (Item 5.02, Führungswechsel) und eine 8-K vom 04.06.2026 (Item 5.07, Hauptversammlung) sowie Formulare 4.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 29. Juli 2026, Bilanz- und Quartalszahlen auf den 30. Juni 2026, Aktienzahl auf den 24. Juli 2026, Reserven-, Mengen-, Kosten- und Preisangaben auf das Geschäftsjahr 2025. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Freier Mittelzufluss, Nettoverschuldung, Ersatzquote, Reichweite, Zinsdeckung, EBIT-Marge, erzielte Durchschnittspreise, die Hedge-Bereinigung und die Zyklik-Rechnung sind eigene Rechnungen aus den Abschlussposten und keine vom Unternehmen ausgewiesenen Kennzahlen. Die Zwölfmonatswerte entstehen aus dem Jahresbericht 2025 zuzüglich der Quartale 2026 abzüglich der Vorjahresquartale; alle Zeitreihen dieser Analyse verwenden durchgehend den Gesamtkonzern nach der Fusion.

Häufige Fragen

Von 3.227 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn bis März 2026 waren 1.609 Millionen unrealisierte Bewertung von Sicherungsgeschäften. Nach Steuern zu 22 Prozent bereinigt bleiben 1.972 Millionen — 61,1 Prozent des Ausweises. Im aktuellsten Fenster bis Juni 2026 sind es 2.063 von 2.781 Millionen, also 74,2 Prozent.

Am 9. Februar 2021 endete das Insolvenzverfahren von Chesapeake Energy: Die Gewinnrücklagen sprangen von minus 23.954 Millionen US-Dollar auf null, das Eigenkapital von minus 5.341 auf plus 3.586 Millionen. Am 1. Oktober 2024 folgte die Fusion mit Southwestern Energy, bei der 14.272 Millionen US-Dollar Förderrechte zum Zeitwert neu eingebucht wurden.

Nein. Die Gegenleistung von 8.473 Millionen US-Dollar entsprach exakt dem identifizierbaren Nettovermögen von 8.473 Millionen. Es gibt weder einen Firmenwert noch einen Erwerbsgewinn. Der gesamte Kaufpreis sitzt in erschlossenen (10.002 Millionen) und unerschlossenen Förderrechten (4.270 Millionen).

Nur teilweise. Die Verwaltung fiel von 0,14 auf 0,07 US-Dollar je tausend Kubikfuß Gasäquivalent, absolut von 186 auf 181 Millionen bei fast verdoppelter Menge. Zugleich stiegen die Transportkosten von 0,75 auf 0,91 US-Dollar. Die Barkosten je Einheit kletterten insgesamt von 1,19 auf 1,29 US-Dollar, im ersten Halbjahr 2026 auf rund 1,41.

Zum 31. Dezember 2025 lagen die nachgewiesenen Reserven bei 25.880 Milliarden Kubikfuß Gasäquivalent. Bei einer Jahresförderung von 2.622 Milliarden ergibt das 9,9 Jahre; allein die erschlossenen Reserven von 18.576 Milliarden reichen 7,1 Jahre. Der Zuwachs 2025 kam allerdings nur zu 52 Milliarden aus eigener Bohrtätigkeit.

Zum 30. Juni 2026 standen 3.738 Millionen US-Dollar Schulden gegen 663 Millionen Kasse — eine Nettoverschuldung von 3.075 Millionen nach 4.409 Millionen zum Jahresende 2025. Das entspricht dem 0,5-Fachen des Zwölfmonats-Betriebsergebnisses vor Abschreibungen. Die Zinsdeckung liegt bei 16,8, der Altman-Z″-Wert bei 3,87.

Am 22. April 2026 schloss Expand Energy einen 20-jährigen Vertrag über rund 1,15 Millionen Tonnen Flüssigerdgas jährlich mit Delfin FLNG 1 zum Henry-Hub-Preis, Start geplant für 2031. Die fest vereinbarten Zahlungsbestandteile betragen rund 2,9 Milliarden US-Dollar über die Laufzeit. Frühere Verträge mit Delfin und Gunvor wurden beendet.

Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (EXE: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (17,6), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (29,8), Verschuldungsgrad höchstens 1 (0,27) und ein positives KGV bis 20 (6,7). Bereinigt um die Hedge-Bewertung fällt allein die Eigenkapitalrendite unter die Hürde, nämlich auf 10,7 Prozent.

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