Tetra Tech-Aktie: Als Washington abbestellte — 576 Millionen Dollar Umsatz verschwanden über Nacht
Tetra Tech plant Wasserwerke, saniert Altlasten und beriet jahrzehntelang die US-Entwicklungshilfe. Im Februar 2025 wurden praktisch alle USAID-Verträge fristlos gekündigt: 576,4 Millionen US-Dollar Jahresumsatz fielen weg, 92,4 Millionen Firmenwert wurden abgeschrieben, der Auftragsbestand fiel von 5,38 auf 3,95 Milliarden. Wir haben Jahres- und Quartalsbericht gelesen — und dabei etwas gefunden, das kaum jemand erwartet hätte: Ohne diesen Kunden verdient das Unternehmen mehr als vorher.
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Stell dir einen Ingenieurbetrieb vor, der seit dreißig Jahren für dieselbe Behörde arbeitet. Kläranlagen in Ostafrika, Trinkwasserleitungen in Südasien, Hochwasserschutz auf den Philippinen. Die Aufträge kommen jedes Jahr, die Rechnungen werden bezahlt, man kennt die Sachbearbeiter beim Vornamen. Und dann, an einem Donnerstag im Februar, liegt eine E-Mail im Postfach: Alle Verträge sind beendet. Sofort. Ohne Frist.
Genau das ist Tetra Tech (NASDAQ: TTEK) passiert. Es ist kein hypothetisches Risikoszenario aus einem Kleingedruckten — es steht als vollzogene Tatsache im Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht SEC. Deshalb machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam nach, was dieser Kunde wert war, was sein Wegfall gekostet hat und was seither passiert ist. Am Ende entscheidest du selbst.
Damit du weißt, worauf wir hinauswollen, hier gleich das Spannungsfeld dieser Analyse: Der Verlust war real und teuer. Aber die Zahlen der Quartale danach erzählen etwas, das man nicht erwartet — der Umsatz ist kleiner geworden und der Gewinn größer. Merk dir diesen Satz: Bei einem Dienstleister sagt der Umsatz weniger über die Qualität aus, als man denkt.
Was Tetra Tech eigentlich macht
Tetra Tech ist ein Ingenieur- und Beratungshaus, kein Bauunternehmen. Das Unternehmen plant, misst, gutachtet und überwacht: Trinkwasser- und Abwassersysteme, Hochwasserschutz, Altlastensanierung, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Katastrophenhilfe, dazu IT- und Datenanalyse für Behörden. Es besitzt keine Kläranlagen und keine Deiche. Es verkauft die Arbeitsstunden von mehr als 25.000 Fachleuten — Hydrogeologen, Umweltingenieure, Toxikologen, Datenwissenschaftler, Archäologen.
Das bedeutet zweierlei. Erstens: Der Kapitaleinsatz ist winzig. Von 4.362,2 Millionen US-Dollar Bilanzsumme zum 29. März 2026 entfallen ganze 65,4 Millionen auf Sachanlagen — Computer, Messgeräte, Büroausstattung. Zweitens: Es gibt keinen Puffer. Wer keine Aufträge hat, hat kein Geschäft. Genau deshalb ist bei einem solchen Unternehmen der Auftragsbestand die wichtigste Frühkennzahl, nicht der Umsatz.
Das Geschäft läuft in zwei Segmenten. Die Zahlen sind die des Geschäftsjahres 2025, das am 28. September 2025 endete:
- Government Services Group (GSG) — Beratung und Planung für US-Behörden auf Bundes-, Bundesstaats- und Kommunalebene sowie für internationale Entwicklungsagenturen. Umsatz 2.673,9 Millionen US-Dollar, Betriebsergebnis 340,6 Millionen. Die Marge auf den Umsatz nach Subunternehmerkosten lag bei 16,0 Prozent nach 14,7 Prozent im Vorjahr.
- Commercial/International Services Group (CIG) — Gewerbekunden in den USA sowie das gesamte Auslandsgeschäft in Kanada, Australien, Neuseeland, Europa, Großbritannien und Brasilien. Umsatz 2.844,6 Millionen, Betriebsergebnis 356,9 Millionen, Marge 14,3 Prozent nach 13,8 Prozent.
Und jetzt die Zahl, um die sich alles dreht. Im Geschäftsjahr 2025 kamen 46,1 Prozent des Umsatzes von US-Behörden: 31,6 Prozent vom Bund, 14,5 Prozent von Bundesstaaten und Kommunen. Weitere 37,4 Prozent kamen aus dem Ausland, nur 16,5 Prozent von US-Gewerbekunden. Wer Tetra Tech kauft, kauft eine Wette auf öffentliche Haushalte.
Das Geschäftsjahr endet übrigens nicht am 31. Dezember, sondern Ende September oder Anfang Oktober. Das Geschäftsjahr 2025 lief vom 30. September 2024 bis zum 28. September 2025, das laufende Geschäftsjahr 2026 endet Ende September 2026. Wenn im Folgenden vom „ersten Halbjahr 2026“ die Rede ist, sind damit die Kalendermonate Oktober 2025 bis März 2026 gemeint.
Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte
Auf die Rechercheliste kam Tetra Tech über einen einzigen Filter: »QARP — Qualität zum fairen Preis«, dort Rang 41 der US-Auswahl (Datenstand 29. Juli 2026). Dieser Scanner ist streng, weil er fünf Bedingungen gleichzeitig verlangt — Qualität allein ist meist teuer, Billiges allein meist Schrott. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ den Filter »QARP — Qualität zum fairen Preis« öffnen, Land auf USA stellen und die Zeile TTEK suchen. Und so schneidet die Aktie bei den fünf Hürden ab:
- Piotroski-F-Score mindestens 7 — TTEK: 8 von 9. Diese Kennzahl zählt neun Ja/Nein-Fragen zu Ertrag, Bilanz und Effizienz zusammen.
- Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent — TTEK: 25,7 Prozent. Gegenrechnung: 440,2 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn auf 1.863,7 Millionen Eigenkapital zum 29. März 2026 ergeben 23,6 Prozent. Die Hürde fällt in beiden Lesarten deutlich.
- Operative Marge mindestens 10 Prozent — TTEK: 12,5 Prozent. Gegenrechnung: 618,8 Millionen Zwölfmonats-Betriebsergebnis auf 5.130,7 Millionen Umsatz ergeben 12,1 Prozent.
- Verschuldungsgrad höchstens 1 — TTEK: 0,60. Gegenrechnung: 880,2 Millionen langfristige Schulden auf 1.863,7 Millionen Eigenkapital ergeben 0,47.
- Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — TTEK: 19,7. Das ist die Hürde, die hier auf der Kippe steht — und darum geht es weiter unten ausführlich.
Ergänzend führt der Datenbestand ein Fundamental-Rating von 64 (Note B), einen Börsenwert von rund 8,0 Milliarden US-Dollar und eine Kursentwicklung von minus 18,6 Prozent auf Jahressicht. Ein Scanner beschreibt immer, was war. Also schauen wir uns an, was war.
Die Zahlen über die Jahre — und der Riss im Geschäftsjahr 2025
Auf den ersten Blick sieht das Geschäftsjahr 2025 gut aus: 5.442,6 Millionen US-Dollar Umsatz, ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber den 5.198,7 Millionen des Vorjahres und der höchste Wert der Unternehmensgeschichte. Auf den zweiten Blick fällt das Betriebsergebnis auf: Es sank von 500,7 auf 408,4 Millionen, ein Minus von 18,4 Prozent. Der Nettogewinn fiel von 333,4 auf 247,7 Millionen, der Gewinn je Aktie von 1,23 auf 0,93 US-Dollar.
Der Einbruch beim Ergebnis hat zwei Ursachen, und beide sind Einmaleffekte. Das Unternehmen weist sie im Lagebericht selbst aus: eine Firmenwert-Abschreibung von 92,4 Millionen US-Dollar und eine Rückstellung für Rechtsstreitigkeiten von 115,0 Millionen. Rechnet man beides heraus, stieg das bereinigte Betriebsergebnis von 510,4 auf 603,6 Millionen — ein Plus von 18,3 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte von 1,26 auf 1,56 US-Dollar.
Beide Sonderposten haben denselben Auslöser. Und der heißt USAID.
Die unbequemen Wahrheiten
Vier Dinge sollte man gelesen haben, bevor man über diese Aktie nachdenkt. Die erste ist die wichtigste — sie ist der eigentliche Grund für diese Analyse.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Kunde mit 576 Millionen Dollar Umsatz war über Nacht weg
Am 20. Januar 2025 unterzeichnete der US-Präsident den Präsidialerlass 14169 mit dem Titel „Reevaluating and Realigning United States Foreign Aid“. Er verhängte eine 90-tägige Pause für sämtliche US-Auslandshilfe. Sechs Wochen später, am 27. Februar 2025, verkündete der US-Außenminister die Streichung von 83 Prozent aller USAID-Programme — rund 5.200 Verträge. Was danach geschah, beschreibt Tetra Tech in seinem Jahresbericht in einem einzigen Satz:
„Subsequently, we were notified that virtually all of our contracts with USAID were terminated for convenience with immediate effect. In fiscal 2025, our U.S. federal government revenue included $576.4 million from USAID programs compared to $677.2 million last fiscal year. We currently expect no significant USAID revenue in fiscal 2026.“
Übersetzung: „In der Folge wurde uns mitgeteilt, dass praktisch alle unsere Verträge mit USAID mit sofortiger Wirkung aus Zweckmäßigkeitsgründen gekündigt wurden. Im Geschäftsjahr 2025 enthielt unser Umsatz mit der US-Bundesregierung 576,4 Millionen US-Dollar aus USAID-Programmen, verglichen mit 677,2 Millionen im vergangenen Geschäftsjahr. Wir erwarten derzeit für das Geschäftsjahr 2026 keinen nennenswerten USAID-Umsatz.“
— Tetra Tech, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Lagebericht (MD&A)
Wie groß dieser Kunde war, zeigt der Abschnitt über die Kundenstruktur. USAID stand für 10,6 Prozent des Konzernumsatzes im Geschäftsjahr 2025, für 13,0 Prozent im Geschäftsjahr 2024 und für 12,2 Prozent im Geschäftsjahr 2023. Zum Vergleich: Das US-Verteidigungsministerium kam 2025 auf 11,6 Prozent. Kein einziger weiterer Kunde außerhalb der US-Bundesbehörden erreichte auch nur zehn Prozent.
Im laufenden Geschäftsjahr ist der Effekt voll sichtbar. Im ersten Halbjahr 2026 enthielt der Umsatz mit der US-Bundesregierung noch 122,2 Millionen US-Dollar aus USAID- und Außenministeriums-Programmen — nach 446,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der gesamte US-Bundesumsatz fiel um 36,1 Prozent von 915,3 auf 584,7 Millionen. Wer sich fragt, wie ein solcher Klumpen in einer Bilanz aussieht, findet bei Cirrus Logic den privatwirtschaftlichen Zwilling dieses Problems — dort hängt ein Chiphersteller an einem einzigen Kunden statt an einer Behörde.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Firmenwert ist die halbe Bilanz — und ein Teil davon steht auf der Kippe
Tetra Tech wächst seit Jahren durch Zukäufe. Das hinterlässt Spuren: Von 4.362,2 Millionen US-Dollar Bilanzsumme zum 29. März 2026 sind 2.209,6 Millionen Firmenwert — also mehr als die Hälfte. Firmenwert entsteht, wenn beim Kauf eines Unternehmens mehr bezahlt wird, als dessen einzelne Vermögenswerte wert sind. Er ist nicht verkäuflich, nicht beleihbar und wird nicht abgeschrieben — er wird nur einmal im Jahr geprüft. Und wenn die Prüfung negativ ausfällt, verschwindet er auf einen Schlag.
Genau das passierte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025. Die Berichtseinheit Global Development Services (GDS) erbrachte Leistungen für internationale Entwicklungsagenturen — und über achtzig Prozent dieser Tätigkeit entfiel historisch auf USAID. Nach den Kündigungen prüfte das Unternehmen den Firmenwert außerplanmäßig und schrieb 92,4 Millionen US-Dollar ab. Vom Firmenwert der Einheit blieben von 130,5 Millionen genau 38,1 Millionen übrig, getragen im Wesentlichen von der Arbeit für australische und britische Entwicklungsbehörden.
Das Unbequeme steht im Satz danach:
„At of the annual impairment review date, the estimated fair value of the GDS reporting unit continued to approximate its carrying value. Accordingly, a future reduction in foreign aid budgets could result in additional impairment to the GDS reporting unit.“
Übersetzung: „Zum Stichtag der jährlichen Werthaltigkeitsprüfung entsprach der geschätzte beizulegende Zeitwert der Berichtseinheit GDS weiterhin ungefähr ihrem Buchwert. Eine künftige Kürzung der Auslandshilfe-Budgets könnte daher zu einer weiteren Wertminderung bei der Berichtseinheit GDS führen.“
— Tetra Tech, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2025, Anhang 6 (Firmenwert und immaterielle Vermögenswerte)
Zur Einordnung: 38,1 Millionen US-Dollar sind gemessen an 8,0 Milliarden Börsenwert wenig. Aber die Zukäufe gehen weiter. Allein im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 kaufte Tetra Tech den US-Behördendienstleister Halvik Corp für rund 210 Millionen US-Dollar — davon wurden 160 Millionen als Firmenwert gebucht. Zusammen mit den Zukäufen Carron + Walsh und SAGE (147 Millionen Kaufpreis, 124 Millionen Firmenwert) ist der Firmenwert binnen anderthalb Jahren um rund 284 Millionen gewachsen. Wer diese Bilanz liest, liest zur Hälfte Erwartungen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 115 Millionen Dollar für einen Fall aus dem Jahr 2019 — und er ist nicht zu Ende
Die zweite Sonderbelastung des Geschäftsjahres 2025 hat mit USAID nichts zu tun. Sie stammt aus einer Marinewerft in San Francisco. Die Tochtergesellschaft Tetra Tech EC, Inc. sollte auf dem ehemaligen Gelände Hunters Point Naval Shipyard Altlasten sanieren. Seit Januar 2019 klagte die US-Staatsanwaltschaft — der Vorwurf lautete auf Verstöße gegen den False Claims Act, also auf Falschabrechnung gegenüber dem Staat; 2024 kamen Ansprüche nach dem US-Umwelthaftungsgesetz CERCLA hinzu.
Am 17. Januar 2025 wurde verglichen: 57 Millionen US-Dollar für die False-Claims-Ansprüche, 40 Millionen für die CERCLA-Ansprüche. Beide Beträge sind gezahlt. Zusammen mit 18 Millionen, die für Nebenklagen privater Dritter zurückgestellt wurden, ergibt das die Belastung von 115,0 Millionen US-Dollar im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025. Ein Schuldeingeständnis enthält der Vergleich ausdrücklich nicht.
Zwei Dinge bleiben offen, und beide stehen noch im jüngsten Quartalsbericht. Erstens laufen die Nebenklagen privater Dritter aus denselben Arbeiten weiter; der Vergleich mit dem Staat erledigt sie nicht. Zweitens hat Tetra Tech EC seinen eigenen Haftpflichtversicherer verklagt, um einen wesentlichen Teil der 97 Millionen erstattet zu bekommen — mit der ausdrücklichen Einschränkung, dass keine Zusage darüber möglich ist, welcher Anteil, wenn überhaupt, hereinkommt. Das ist eine offene Position in beide Richtungen: Sie kann Geld zurückbringen oder weiteres kosten.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Auftragsbestand fiel um ein Viertel
Bei einem Dienstleister ist der Auftragsbestand die ehrlichste Zahl, die es gibt — er zeigt, was schon verkauft, aber noch nicht abgearbeitet ist. Tetra Tech nimmt dabei nur Aufträge auf, für die eine Finanzierung bereitsteht und eine Arbeitsfreigabe vorliegt. Rund 70 Prozent des Bestands zum Ende des Geschäftsjahres 2025 sollen im Geschäftsjahr 2026 zu Umsatz werden.
Die Reihe liest sich als Chronik des Einschnitts. Zum Ende des Geschäftsjahres 2024 (29. September 2024) lag der Bestand bei 5.376 Millionen US-Dollar. Ein halbes Jahr später, zum 30. März 2025 — also unmittelbar nach den Kündigungen —, waren es 4.306 Millionen, ein Minus von 1,07 Milliarden oder 19,9 Prozent. Der Rückgang setzte sich fort: 4.277 Millionen (29. Juni 2025), 4.140 Millionen (28. September 2025), 3.953 Millionen zum 28. Dezember 2025. Erst im jüngsten Quartal drehte er auf 4.282 Millionen zum 29. März 2026.
Das letzte Quartal ist damit das erste seit dem Einschnitt vom Februar 2025, in dem mehr hereinkam, als abgearbeitet wurde — ein Auftragseingang über eins, im Fachjargon ein Book-to-Bill über 1,0. Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Im selben Quartal wurde der US-Behördendienstleister Halvik übernommen, dessen laufende Aufträge in den Bestand eingehen; welcher Teil des Anstiegs darauf entfällt, weist das Unternehmen nicht aus. Und ein Auftragsbestand von 4,3 Milliarden bei 5,1 Milliarden Zwölfmonatsumsatz reicht rechnerisch für gut zehn Monate Arbeit — nicht mehr.
Die Überraschung: Weniger Umsatz, mehr Gewinn
Und jetzt kommt der Teil, der die Analyse gedreht hat. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 fiel der Umsatz um 11,4 Prozent von 2.742,7 auf 2.430,8 Millionen US-Dollar. Das Betriebsergebnis stieg im selben Zeitraum von 62,1 auf 272,5 Millionen — das ist mehr als eine Vervierfachung. Ein Teil davon ist der Basiseffekt der Sonderlasten aus dem Vorjahr; der Rest ist echt.
Warum? Weil das USAID-Geschäft ein margenschwaches Geschäft war. Es lief zu großen Teilen über Kostenerstattungsverträge, bei denen der Auftraggeber die Kosten erstattet und einen kleinen Aufschlag zahlt. Solche Verträge blähen den Umsatz auf und drücken die Marge. Das Unternehmen schreibt es im Quartalsbericht selbst:
„Operating income decreased primarily due to the aforementioned revenue decline. However, our operating margin, based on revenue, net of subcontractor costs, increased to 16.4% in the first half of fiscal 2026 compared to 14.2% in the prior-year period. The increased operating margin reflects improved project execution and the elimination of the lower margin cost-reimbursable revenue with USAID.“
Übersetzung: „Das Betriebsergebnis sank vor allem wegen des erwähnten Umsatzrückgangs. Unsere operative Marge, bezogen auf den Umsatz nach Subunternehmerkosten, stieg jedoch im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 auf 16,4 Prozent gegenüber 14,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die verbesserte operative Marge spiegelt eine bessere Projektabwicklung und den Wegfall des margenschwächeren Kostenerstattungsgeschäfts mit USAID wider.“
— Tetra Tech, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026, Segment Government Services Group
Zwei weitere Zahlen stützen das. Erstens: Rechnet man das USAID- und Außenministeriums-Geschäft sowie die Katastrophenhilfe aus beiden Halbjahren heraus, wuchs der Umsatz des Segments GSG um rund 2 Prozent. Zweitens: Das Auslandsgeschäft und die Gewerbekunden wachsen weiter — der Umsatz des Segments CIG stieg im zweiten Quartal 2026 um 6,0 Prozent, der Umsatz nach Subunternehmerkosten sogar um 9,6 Prozent.
Und noch ein Detail, das man erwartet hätte und das nicht eintrat: große Forderungsausfälle. Bei 1.165,8 Millionen US-Dollar Gesamtforderungen zum Ende des Geschäftsjahres 2025 stand die Rückstellung für zweifelhafte Forderungen bei 6,9 Millionen nach 4,9 Millionen im Vorjahr. Der Lagebericht nennt sogar ausdrücklich „Zahlungseingänge auf beendeten USAID-Programmen“ als Grund für einen Anstieg des operativen Mittelzuflusses um 27,6 Prozent auf 457,7 Millionen. Der Staat hat gekündigt — aber er hat bezahlt.
Die Bilanz — solide, aber nicht spektakulär
Zum 29. März 2026 standen 223,6 Millionen US-Dollar Kasse gegen 880,2 Millionen langfristige Schulden. Die Nettoverschuldung beträgt damit rund 656,6 Millionen — bei einem Zwölfmonats-Betriebsergebnis von 618,8 Millionen also etwa das Einfache. Zusätzlich waren 884,3 Millionen der Kreditlinie ungenutzt verfügbar. Das Eigenkapital lag bei 1.863,7 Millionen, die Eigenkapitalquote bei 42,7 Prozent.
Die Schulden bestehen aus zwei Teilen: 315,0 Millionen gezogene Kreditlinie und eine Wandelanleihe über 575,0 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 2,25 Prozent, fällig am 15. August 2028. Der angepasste Wandlungspreis liegt bei rund 39,25 US-Dollar je Aktie. Solange der Kurs darunter notiert, verwässert die Anleihe nicht — im ersten Halbjahr 2026 hatte sie laut Bericht keinen Einfluss auf die Aktienzahl, im Vorjahreszeitraum hatte sie einen.
Wer den Altman-Z″-Wert sehen will, die Insolvenz-Frühwarnzahl aus vier Bilanzkennzahlen (unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Unsere Nachrechnung zum 29. März 2026 ergibt rund 3,67 — sicher, aber ohne den Abstand, den man bei einem schuldenfreien Industriebetrieb sieht. Und man muss wissen, worauf dieser Wert steht: 1,46 der 3,67 Punkte stammen aus den einbehaltenen Gewinnen von 1.955,5 Millionen, 0,95 aus dem Betriebsergebnis, 0,78 aus dem Verhältnis von Eigenkapital zu Verbindlichkeiten — und nur 0,47 aus dem Nettoumlaufvermögen, das mit 313,3 Millionen dünn ist. Ein Vorbehalt gilt bei jedem Dienstleister mit hohem Firmenwert: Die Formel rechnet mit der Bilanzsumme, und in dieser Bilanzsumme stecken 2.209,6 Millionen Firmenwert, die im Ernstfall nichts wert wären. Rechnet man sie heraus, fällt der Wert deutlich. Der Z″-Wert misst hier also die Ertragskraft, nicht die Substanz.
Zurück fließt trotzdem Geld an die Eigentümer. Im Geschäftsjahr 2025 kaufte Tetra Tech 7.304.697 eigene Aktien zu durchschnittlich 34,22 US-Dollar für zusammen 250,0 Millionen zurück, im ersten Halbjahr 2026 weitere 2.894.539 Aktien zu 34,55 US-Dollar für 100,0 Millionen. Die Quartalsdividende stieg auf 0,072 US-Dollar je Aktie (erklärt am 27. April 2026); im Geschäftsjahr 2025 wurden insgesamt 65,0 Millionen ausgeschüttet. Die Ausschüttungsquote liegt bei rund 17 Prozent — reichlich Spielraum.
Die Bewertung — und warum dieser Titel am Rand des Filters steht
Hier wird es interessant, und wir sagen es unverblümt: Tetra Tech steht mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,7 knapp unter der Filtergrenze von 20. Rechnerisch genügt ein Kursanstieg von rund 1,8 Prozent — von 31,90 auf etwa 32,46 US-Dollar —, und der Titel fällt aus dem Scanner heraus, ohne dass sich im Unternehmen das Geringste geändert hätte. Wer diese Aktie über den Filter gefunden hat, sollte wissen, dass sie mit einem Fuß draußen steht.
Die Gegenprobe fällt freundlicher aus. Auf Zwölfmonatssicht — Geschäftsjahr 2025 abzüglich des ersten Halbjahres 2025 zuzüglich des ersten Halbjahres 2026 — verdiente Tetra Tech 440,2 Millionen US-Dollar oder 1,67 US-Dollar je Aktie. Bei einem Börsenwert von 8,0 Milliarden entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,2. Der Unterschied zu den ausgewiesenen 19,7 erklärt sich über den Zeitraum, den der Datenbestand für den Gewinn heranzieht.
Ein Vorbehalt bleibt: In diesen 440,2 Millionen steckt ein nicht-operativer Gewinn von 12,4 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf des norwegischen Geschäfts im ersten Quartal 2026 (Erlös 40,3 Millionen). Rechnet man ihn vor Steuern heraus, bleiben rund 430 Millionen und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 18,7. Auch das liegt noch unter 20 — aber die Luft ist dünn.
Die Börsenwert-Gegenprobe geht auf. Laut Deckblatt des Quartalsberichts waren am 20. April 2026 genau 259.524.699 Aktien ausstehend. Multipliziert mit dem hinterlegten Kurs von 31,90 US-Dollar ergibt das rund 8,279 Milliarden gegenüber 8,021 Milliarden im Datenbestand — eine Abweichung von 3,1 Prozent, erklärbar über die laufenden Rückkäufe und den Kursstichtag. Die Kennzahlen sind belastbar.
Was bekommt man für dieses Geld? Ein Unternehmen mit 12,5 Prozent operativer Marge, 25,7 Prozent Eigenkapitalrendite und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,63. Zum Vergleich: Wie ein Bauingenieur-Dienstleister mit ganz anderem Risikoprofil aussieht, haben wir uns bei Argan angesehen; einen kapitalintensiveren Industriewert aus demselben Scanner findest du in unserer Analyse zu Mueller Industries.
Was für die Aktie spricht — und was dagegen
Was dafür spricht:
- Der Schock ist verarbeitet und in den Zahlen sichtbar: Die operative Marge stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 16,4 Prozent nach 14,2 Prozent, weil das margenschwache Kostenerstattungsgeschäft wegfiel. Ohne USAID und Katastrophenhilfe wuchs das Segment GSG um rund 2 Prozent.
- Der Auftragsbestand hat gedreht: von 3.953 Millionen US-Dollar (28.12.2025) auf 4.282 Millionen (29.03.2026) — das erste Quartal seit dem Einschnitt vom Februar 2025, in dem mehr hereinkam, als abgearbeitet wurde.
- Das Geld kam herein: 457,7 Millionen operativer Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025 (plus 27,6 Prozent), ausdrücklich auch aus Zahlungseingängen auf beendeten USAID-Programmen. Die Rückstellung für zweifelhafte Forderungen stieg nur von 4,9 auf 6,9 Millionen.
- Kapitalrückführung ohne Verschuldungssprung: 250,0 Millionen Rückkäufe im Geschäftsjahr 2025, 100,0 Millionen im ersten Halbjahr 2026, Quartalsdividende auf 0,072 US-Dollar erhöht, Ausschüttungsquote rund 17 Prozent.
- Zwei Beine statt einem: Das Segment CIG steuert mit 2.844,6 Millionen mehr Umsatz bei als das Behördengeschäft und wuchs im zweiten Quartal 2026 um 6,0 Prozent — Wasserwirtschaft in Großbritannien, Infrastruktur in Australien und Kanada.
Was dagegen spricht:
- Die Abhängigkeit bleibt: 46,1 Prozent des Umsatzes kamen im Geschäftsjahr 2025 von US-Behörden, davon 11,6 Prozent allein vom Verteidigungsministerium. Was USAID passiert ist, kann jeder anderen Behörde passieren — Aufträge des Bundes sind nach eigener Darstellung jederzeit kündbar, mit oder ohne Grund.
- Der Firmenwert ist die halbe Bilanz: 2.209,6 Millionen US-Dollar von 4.362,2 Millionen Bilanzsumme, und er wächst mit jedem Zukauf weiter (Halvik: 160 Millionen zusätzlicher Firmenwert). Beim Restfirmenwert der Einheit GDS von 38,1 Millionen sieht das Unternehmen selbst keinen Sicherheitsabstand mehr.
- Der Rechtsfall Hunters Point ist nicht abgeschlossen: Nebenklagen privater Dritter laufen weiter, und die Klage gegen den eigenen Haftpflichtversicherer über einen wesentlichen Teil der gezahlten 97 Millionen US-Dollar ist offen — mit ausdrücklich ungewissem Ausgang.
- Bewertung am Rand: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,7 gegenüber der Filtergrenze von 20 genügen rund 1,8 Prozent Kursanstieg, damit der Titel den Qualitätsfilter verlässt. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 4,58 spiegelt eine Bilanz, deren größter Posten Firmenwert ist.
- Ertragsqualität mit Sternchen: Der ausgewiesene Gewinn je Aktie des Geschäftsjahres 2025 von 0,93 US-Dollar enthält die Sonderlasten, der bereinigte Wert von 1,56 US-Dollar lässt sie weg. Im Zwölfmonatsgewinn stecken 12,4 Millionen aus dem Verkauf des Norwegen-Geschäfts.
- Der Auftragsbestand reicht rechnerisch nur für gut zehn Monate, und in das jüngste Quartal fiel der Zukauf Halvik, dessen Anteil am Anstieg das Unternehmen nicht ausweist.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an den Ingenieurbetrieb vom Anfang — den, dem an einem Donnerstag im Februar per E-Mail alle Aufträge gekündigt wurden? Nach dem Blick in die Berichte weißt du jetzt, was das kostet: 576,4 Millionen US-Dollar Jahresumsatz, 92,4 Millionen Firmenwert, 1,42 Milliarden Auftragsbestand. Das sind keine Schätzungen, das steht so in den Unterlagen.
Und doch ist die Geschichte anders ausgegangen, als man denkt. Der Kunde, der wegfiel, war der Kunde, der am wenigsten einbrachte. Tetra Tech macht heute weniger Umsatz und verdient mehr Geld. Die Marge des betroffenen Segments ist gestiegen, nicht gefallen. Die Rechnungen der gekündigten Programme wurden bezahlt. Der Auftragsbestand dreht wieder nach oben. Wenn man einen Satz mitnehmen soll, dann diesen: Bei einem Dienstleister ist nicht jeder verlorene Umsatz ein Verlust.
Was bleibt, ist die eigentliche Frage — und sie hat nichts mit USAID zu tun. Sie lautet: Wie viel ist ein Unternehmen wert, dessen Auftragsbücher jederzeit per Federstrich einer Regierung leerer werden können, und dessen Bilanz zur Hälfte aus dem besteht, was einmal für zugekaufte Firmen bezahlt wurde? Der Markt hat darauf schon eine Antwort gegeben: minus 18,6 Prozent auf Jahressicht, ein Kurs 34 Prozent unter dem Hoch. Ob das zu viel oder zu wenig Skepsis ist, entscheidest du. Wir haben dir gezeigt, wo es nachzulesen steht.
Quellen
- Tetra Tech, Inc. — SEC-Jahresbericht 10-K, Geschäftsjahr 2025 (per 28.09.2025, eingereicht 20.11.2025)
- Tetra Tech, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026 (eingereicht 01.05.2026)
- Tetra Tech, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.12.2025 (eingereicht 30.01.2026)
- Tetra Tech, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.06.2025 (eingereicht 01.08.2025)
- Tetra Tech, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.03.2025 (eingereicht 08.05.2025)
- Tetra Tech, Inc. — SEC-Jahresbericht 10-K, Geschäftsjahr 2024 (per 29.09.2024, eingereicht 19.11.2024)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Bewertung, Jahres- und Quartalsreihe); hauseigener Aktien-Scanner, Datenstand 29. Juli 2026.
Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung. Er stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar und kann persönliche Umstände nicht berücksichtigen. Aktien unterliegen Kursschwankungen; ein Totalverlust ist möglich. Triff deine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ziehe im Zweifel unabhängigen Rat hinzu.
Unser Fazit auf einen Blick
- Kundenabhängigkeit negativ
- Im Geschäftsjahr 2025 kamen 46,1 Prozent des Umsatzes von US-Behörden: 31,6 Prozent vom Bund, 14,5 Prozent von Bundesstaaten und Kommunen. USAID stand allein für 10,6 Prozent (2024: 13,0 %, 2023: 12,2 %), das Verteidigungsministerium für 11,6 Prozent. Nach dem Präsidialerlass 14169 vom 20.01.2025 und der Streichung von 83 Prozent aller USAID-Programme am 27.02.2025 wurden nach eigener Darstellung praktisch alle Verträge mit USAID fristlos gekündigt. Aufträge des US-Bundes sind laut Jahresbericht jederzeit kündbar, mit oder ohne Grund — dieses Risiko hat sich realisiert und bleibt bestehen.
- Ertragsqualität neutral
- Das ausgewiesene Ergebnis des Geschäftsjahres 2025 ist von zwei Einmaleffekten verzerrt: 92,4 Millionen US-Dollar Firmenwert-Abschreibung und 115,0 Millionen Rückstellung für Rechtsstreitigkeiten. Ausgewiesen wurden 0,93 US-Dollar Gewinn je Aktie, bereinigt 1,56 — bei 1,26 im Vorjahr. Auch der Zwölfmonatsgewinn von 440,2 Millionen enthält einen nicht-operativen Posten: 12,4 Millionen aus dem Verkauf des Norwegen-Geschäfts. Ohne diesen bleiben rund 430 Millionen. Die Steuerquote schwankte entsprechend zwischen 34,3 Prozent (2025, bereinigt 27,4) und 28,1 Prozent (2024).
- Operative Entwicklung positiv
- Der Wegfall des größten Einzelkunden hat die Marge gehoben, nicht gesenkt. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 fiel der Umsatz um 11,4 Prozent auf 2.430,8 Millionen US-Dollar, das Betriebsergebnis stieg von 62,1 auf 272,5 Millionen und die operative Marge des Segments GSG von 14,2 auf 16,4 Prozent — laut Quartalsbericht durch bessere Projektabwicklung und den Wegfall des margenschwächeren Kostenerstattungsgeschäfts mit USAID. Ohne USAID, Außenministerium und Katastrophenhilfe wuchs GSG um rund 2 Prozent; das Segment CIG legte im zweiten Quartal um 6,0 Prozent zu.
- Auftragsbestand neutral
- Der Auftragsbestand fiel von 5.376 Millionen US-Dollar (29.09.2024) über 4.306 (30.03.2025), 4.277 (29.06.2025) und 4.140 (28.09.2025) auf 3.953 Millionen zum 28.12.2025 — ein Minus von 26,5 Prozent. Zum 29.03.2026 stieg er wieder auf 4.282 Millionen, das erste Quartal seit dem Einschnitt vom Februar 2025, in dem mehr hereinkam, als abgearbeitet wurde. Einschränkung: In dasselbe Quartal fiel der Zukauf Halvik; welcher Teil des Anstiegs darauf entfällt, weist das Unternehmen nicht aus. Gemessen an 5.130,7 Millionen Zwölfmonatsumsatz deckt der Bestand gut zehn Monate Arbeit.
- Bilanz & Firmenwert neutral
- Zum 29.03.2026 standen 223,6 Millionen US-Dollar Kasse gegen 880,2 Millionen langfristige Schulden, also rund 656,6 Millionen netto — etwa das Einfache des Zwölfmonats-Betriebsergebnisses von 618,8 Millionen. Die Eigenkapitalquote liegt bei 42,7 Prozent, 884,3 Millionen der Kreditlinie sind ungenutzt. Auffällig: 2.209,6 Millionen der 4.362,2 Millionen Bilanzsumme sind Firmenwert, und er wächst mit jedem Zukauf (Halvik allein 160 Millionen). Beim Restfirmenwert der Einheit GDS von 38,1 Millionen sieht das Unternehmen selbst keinen Sicherheitsabstand mehr. Altman-Z″ nach eigener Nachrechnung 3,67 bei einer Sicherheitsschwelle von 2,6.
- Rechtsrisiken neutral
- Der Vergleich vom 17.01.2025 im Verfahren um die Altlastensanierung auf der ehemaligen Marinewerft Hunters Point ist mit 57 Millionen US-Dollar (False Claims Act) und 40 Millionen (CERCLA) vollständig bezahlt und enthält kein Schuldeingeständnis. Offen bleiben zwei Punkte, die auch im jüngsten Quartalsbericht stehen: die Nebenklagen privater Dritter aus denselben Arbeiten und die Klage der Tochter Tetra Tech EC gegen ihren Haftpflichtversicherer auf Erstattung eines wesentlichen Teils der 97 Millionen — ausdrücklich ohne jede Zusage, welcher Anteil hereinkommt.
Tetra Tech plant Wasser-, Umwelt- und Infrastrukturprojekte und verdiente im Geschäftsjahr 2025 46,1 Prozent seines Umsatzes bei US-Behörden. Als Washington im Februar 2025 rund 83 Prozent der USAID-Programme strich, wurden nach eigener Darstellung praktisch alle Verträge des Unternehmens mit dieser Behörde fristlos gekündigt: 576,4 Millionen US-Dollar Jahresumsatz fielen weg, 92,4 Millionen Firmenwert wurden abgeschrieben, der Auftragsbestand sank von 5,38 auf 3,95 Milliarden. Die Quartale danach zeigen jedoch etwas Unerwartetes: Der Umsatz des ersten Halbjahres 2026 fiel um 11,4 Prozent, das Betriebsergebnis stieg von 62,1 auf 272,5 Millionen und die Marge des betroffenen Segments von 14,2 auf 16,4 Prozent — das verlorene Geschäft war das margenschwächste. Der Auftragsbestand dreht wieder. Offen bleiben die grundsätzliche Behördenabhängigkeit, ein Firmenwert von 2,21 Milliarden in einer Bilanz von 4,36 Milliarden und die Nebenklagen aus dem Fall Hunters Point. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, weil eine wesentliche operative Frage offen bleibt: Ob das Unternehmen die Lücke aus dem Wegfall seines größten Einzelkunden dauerhaft aus eigener Kraft schließt, ist noch nicht bewiesen. Belegt ist die Größe der Abhängigkeit — 46,1 Prozent des Umsatzes von US-Behörden im Geschäftsjahr 2025, USAID allein 10,6 Prozent, das Verteidigungsministerium 11,6 Prozent — und dass Aufträge des Bundes nach eigener Darstellung jederzeit kündbar sind. Belegt ist auch, dass genau dieses Risiko eingetreten ist: 576,4 Millionen US-Dollar Umsatz weg, 92,4 Millionen Firmenwert abgeschrieben, der Auftragsbestand von 5.376 auf 3.953 Millionen gefallen. Zwei Quartale mit steigender Marge (16,4 nach 14,2 Prozent) und ein wieder wachsender Auftragsbestand (4.282 Millionen) sind ein gutes Zeichen, aber noch kein Beweis — in dasselbe Quartal fiel der Zukauf Halvik, dessen Anteil am Anstieg nicht ausgewiesen ist. Zur Ertragsqualität: Das ausgewiesene Ergebnis des Geschäftsjahres 2025 enthält zwei Sonderlasten (92,4 Millionen Firmenwert, 115,0 Millionen Rechtsstreit), der Zwölfmonatsgewinn zusätzlich 12,4 Millionen aus dem Verkauf des Norwegen-Geschäfts — die ausgewiesenen Werte 0,93 und 1,67 US-Dollar je Aktie sind ohne Bereinigung nicht vergleichbar. Kein Rot: Es gibt keinen Fortführungszweifel, kein negatives Eigenkapital, keinen Bilanz- oder Governance-Bruch; der operative Mittelzufluss stieg im Geschäftsjahr 2025 um 27,6 Prozent auf 457,7 Millionen, die Forderungen der gekündigten Programme wurden bezahlt, die Zinsdeckung ist mit 618,8 Millionen Betriebsergebnis gegen rund 31 Millionen Nettozinsaufwand komfortabel, und die Rechtssache Hunters Point ist gegenüber dem Staat vollständig beglichen. Kein Grün: Ein Unternehmen, dem eine einzige Verwaltungsentscheidung binnen Wochen ein Zehntel des Umsatzes nehmen konnte, hat diese Frage noch nicht beantwortet.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Tetra Tech über den Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis“ (Rang 41 der US-Auswahl, Datenstand 29. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (TTEK: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (25,7; eigene Gegenrechnung 23,6 auf das Eigenkapital zum 29.03.2026), operative Marge mindestens 10 Prozent (12,5; eigene Gegenrechnung 12,1 auf Zwölfmonatssicht), Verschuldungsgrad höchstens 1 (0,60; eigene Gegenrechnung 0,47) und ein positives KGV bis 20 (19,7). Ergänzend: Fundamental-Rating 64 (Note B), Eigenkapitalquote 42,7 Prozent, Dividendenrendite 0,96 Prozent, Beta 0,917.
- Randlage im Filter (ausdrücklicher Hinweis): TTEK erfüllt die KGV-Bedingung mit 19,7 gegen eine Obergrenze von 20 — der Abstand beträgt 1,8 Prozent Kursbewegung. Nach der Korrektur der Börsenwert-Berechnung vom 28. Juli 2026 war ein Herausfallen erwartet worden; der Titel ist geblieben, steht aber weiterhin am Rand. Wer diese Analyse später liest und den Titel im Scanner nicht mehr findet, sollte zuerst den Kurs prüfen, nicht das Unternehmen.
- Materialitäts-Gate (Fund-Typisierung): Wegfall des größten Einzelkunden USAID mit 576,4 Mio. US-Dollar Jahresumsatz (10,6 Prozent des Konzernumsatzes) = Klumpenrisiko-Fund mit realisiertem Schaden, aber ohne Existenzwirkung. Firmenwert-Abschreibung von 92,4 Mio. und Rechtsstreit-Rückstellung von 115,0 Mio. im Geschäftsjahr 2025 = Ertragsqualitäts-Funde, im Text herausgerechnet (0,93 ausgewiesen gegen 1,56 bereinigt je Aktie). Restfirmenwert der Einheit GDS von 38,1 Mio. ohne Sicherheitsabstand = Bilanz-Fund, als Beifang aufgenommen. Klage gegen den eigenen Haftpflichtversicherer über einen wesentlichen Teil von 97 Mio. = Fußnoten-Fund mit offenem Ausgang in beide Richtungen, als Beifang aufgenommen. Wandelanleihe über 575 Mio. mit Wandlungspreis 39,25 US-Dollar = Verwässerungs-Fund. Kein Existenz-Fund, keine Governance-Auffälligkeit — deshalb Ampel Gelb für die Firma wegen der offenen operativen Frage und beobachten für die Aktie.
- Altman-Z″ (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sichere Zone): Eigene Nachrechnung zum 29.03.2026 aus dem Quartalsbericht. Nettoumlaufvermögen 313,3 Mio. US-Dollar (1.542,0 abzüglich 1.228,7) und einbehaltene Gewinne 1.955,5 Mio. auf 4.362,2 Mio. Bilanzsumme; Zwölfmonats-Betriebsergebnis 618,8 Mio.; Eigenkapital 1.863,7 Mio. gegen 2.498,5 Mio. Verbindlichkeiten. Daraus 6,56 × 0,0718 + 3,26 × 0,4483 + 6,72 × 0,1419 + 1,05 × 0,7460 = 3,67. Einordnung für einen Dienstleister mit hohem Firmenwert: 2.209,6 Mio. der Bilanzsumme sind Firmenwert, der im Ernstfall keinen Verwertungserlös brächte. Rechnet man ihn heraus, fällt der Wert deutlich; der Z″-Wert misst hier die laufende Ertragskraft, nicht die Substanz.
- Börsenwert-Gegenprobe: Der Datenbestand führt 8,021 Milliarden US-Dollar bei einem hinterlegten Kurs von 31,90 US-Dollar. Laut Deckblatt des Quartalsberichts waren am 20.04.2026 genau 259.524.699 Aktien ausstehend; 259.524.699 × 31,90 ergibt 8,279 Milliarden — eine Abweichung von 3,1 Prozent, erklärbar über die laufenden Rückkäufe (im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 wurden 2.894.539 Aktien eingezogen) und den Kursstichtag. Bewusst nicht gerechnet wurde der umgekehrte Weg: Börsenwert geteilt durch die Deckblatt-Aktienzahl ergäbe einen „impliziten Kurs“, der nur die unterschiedlichen Stichtage abbildet und keinen Befund trägt.
- Identität/Rechtsform: Tetra Tech, Inc. (CIK 831641), Delaware-Gesellschaft mit Konzernsitz in Pasadena, Kalifornien, notiert an der Nasdaq. Berichtet als US-Inlandsemittent per 10-K, 10-Q und 8-K; keine früheren Firmennamen in der EDGAR-Einreichungsdatei. Das Geschäftsjahr endet Ende September oder Anfang Oktober (Fiskalkennung 0927): Geschäftsjahr 2023 am 01.10.2023, 2024 am 29.09.2024, 2025 am 28.09.2025. Wenn im Text vom „ersten Halbjahr 2026“ die Rede ist, sind die Kalendermonate Oktober 2025 bis März 2026 gemeint. Nicht verwechseln mit Tetra Technologies, Inc. (NYSE: TTI), einem eigenständigen Unternehmen der Öl- und Gaschemie.
- Aktualitäts-Gate: Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026, eingereicht am 01.05.2026 und vollständig ausgewertet. In der EDGAR-Einreichungsliste folgen danach ausschließlich zwei Form-4-Meldungen zu Insidergeschäften (15.05.2026 und 05.06.2026) — keine Ad-hoc-Meldung 8-K, kein Registrierungsdokument, keine Beteiligungsmeldung. Der Quartalsbericht für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 lag zum Datenstand noch nicht vor; im Vorjahr erschien er am 01.08.
- Lokaler Datenbestand: Für TTEK existiert in der Entwicklungsdatenbank keine Company-Zeile; die Beifang-Einträge dieser Analyse werden lokal ohne Unternehmensverknüpfung angelegt und erhalten sie beim Einspielen auf der Produktivinstanz. Kurs- und Bewertungsangaben sind auf den 29. Juli 2026 datiert, Bilanzzahlen auf den 29. März 2026, Jahreszahlen auf den 28. September 2025. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Tetra Tech, Inc. (NASDAQ: TTEK) ist ein Ingenieur- und Beratungshaus für Wasser, Umwelt und nachhaltige Infrastruktur mit mehr als 25.000 Beschäftigten. Es plant Trinkwasser- und Abwassersysteme, saniert Altlasten, betreut Hochwasserschutz und Katastrophenhilfe und liefert Datenanalyse und IT für Behörden. Berichtet wird in zwei Segmenten: Government Services Group und Commercial/International Services Group.
Sehr stark. Im Geschäftsjahr 2025 kamen 46,1 Prozent des Umsatzes von US-Behörden — 31,6 Prozent vom Bund, 14,5 Prozent von Bundesstaaten und Kommunen. USAID stand allein für 10,6 Prozent, das Verteidigungsministerium für 11,6 Prozent. Weitere 37,4 Prozent kamen aus dem Ausland, wo nach eigener Darstellung etwa gleich viele Behörden- wie Gewerbekunden sitzen.
Der USAID-Umsatz fiel von 677,2 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024 auf 576,4 Millionen im Geschäftsjahr 2025; für 2026 erwartet das Unternehmen keinen nennenswerten USAID-Umsatz mehr. Dazu kam eine Firmenwert-Abschreibung von 92,4 Millionen auf die Einheit Global Development Services. Im ersten Halbjahr 2026 blieben von 446,5 Millionen USAID- und Außenministeriums-Umsatz noch 122,2 Millionen.
Kaum. Bei 1.165,8 Millionen US-Dollar Gesamtforderungen zum Ende des Geschäftsjahres 2025 stieg die Rückstellung für zweifelhafte Forderungen nur von 4,9 auf 6,9 Millionen. Der Lagebericht nennt sogar Zahlungseingänge auf beendeten USAID-Programmen als Grund dafür, dass der operative Mittelzufluss um 27,6 Prozent auf 457,7 Millionen stieg.
Er fiel von 5.376 Millionen US-Dollar zum Ende des Geschäftsjahres 2024 über 4.306 Millionen (30.03.2025), 4.277 Millionen (29.06.2025) und 4.140 Millionen (28.09.2025) auf 3.953 Millionen zum 28.12.2025 — ein Minus von 26,5 Prozent. Zum 29.03.2026 stieg er wieder auf 4.282 Millionen. Rund 70 Prozent des Bestands sollen binnen eines Jahres zu Umsatz werden.
Weil das USAID-Geschäft überwiegend über Kostenerstattungsverträge lief, die den Umsatz aufblähen und die Marge drücken. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die operative Marge des Segments GSG auf 16,4 Prozent nach 14,2 Prozent — das Unternehmen nennt im Quartalsbericht ausdrücklich den Wegfall dieses margenschwächeren Geschäfts als Grund, neben besserer Projektabwicklung.
Für einen Vergleich vom 17. Januar 2025 im Verfahren um die Altlastensanierung auf der ehemaligen Marinewerft Hunters Point in San Francisco: 57 Millionen US-Dollar nach dem False Claims Act, 40 Millionen nach dem Umwelthaftungsgesetz CERCLA, dazu 18 Millionen Rückstellung für Nebenklagen. Ein Schuldeingeständnis enthält der Vergleich nicht. Die Nebenklagen und eine Klage gegen den eigenen Versicherer laufen weiter.
Weil das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,7 knapp unter der Filtergrenze von 20 liegt. Rechnerisch genügt ein Kursanstieg von rund 1,8 Prozent — von 31,90 auf etwa 32,46 US-Dollar —, und der Titel fällt aus dem Scanner, ohne dass sich im Unternehmen etwas ändert. Auf Zwölfmonatssicht liegt das Verhältnis mit 18,2 etwas niedriger.
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