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Cirrus-Logic-Aktie: 91 Prozent des Umsatzes hängen an einem einzigen Kunden

Cirrus-Logic-Aktie: 91 Prozent des Umsatzes hängen an einem einzigen Kunden

Cirrus Logic entwickelt Audio- und Stromversorgungs-Chips, die fast ausschließlich in Geräten von Apple stecken. Im Geschäftsjahr 2026 (endete am 28. März 2026) kamen 91 Prozent des Umsatzes von diesem einen Endkunden — nach 89 und 87 Prozent in den beiden Jahren davor. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) gelesen: eine Bilanz ohne Finanzschulden, 1.153,8 Millionen US-Dollar Liquidität, ein freier Mittelzufluss von 635,8 Millionen — und ein Risiko, das keine Kennzahl abbildet, weil es kein Konjunkturrisiko ist, sondern eine Entscheidung in Cupertino. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was ein Qualitätsurteil wert ist, wenn die Qualität an einer einzigen Unterschrift hängt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 16 Min. Lesezeit
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Cirrus-Logic-Aktie: 91 Prozent des Umsatzes hängen an einem einzigen Kunden
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Zahl in diesem Text, die in keiner einzigen Kennzahl auftaucht: 91. So viel Prozent seines Umsatzes machte Cirrus Logic im Geschäftsjahr 2026 mit einem einzigen Endkunden — Apple. Nicht mit einer Branche, nicht mit einer Region, nicht mit einer Produktfamilie. Mit einer Firma.

Und jetzt passiert beim Lesen etwas mit uns, das teuer werden kann. Kennzahlen wirken neutral, deshalb vertrauen wir ihnen. Ein Piotroski-F-Score von 8 von 9 sieht nach geprüfter Solidität aus, eine Eigenkapitalrendite von 20,3 Prozent nach Ertragskraft, eine Bilanz ohne Finanzschulden nach Sicherheit. Alle drei Angaben stimmen. Nur fragt kein Filter der Welt: Von wem kommt das Geld?

Wir haben deshalb den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 gelesen — es lief vom 30. März 2025 bis zum 28. März 2026 — und eine einzige Frage mitgenommen: Was ist ein Qualitätsurteil wert, wenn die Qualität an einer einzigen Unterschrift hängt? Die Antwort führt zu einem Spannungsfeld, das diese ganze Analyse trägt: Cirrus Logic ist finanziell eines der robustesten Halbleiterhäuser, die uns je durch den Scanner gelaufen sind — und gleichzeitig eines der verwundbarsten. Beides ist wahr. Beides steht im selben Dokument.

Was Cirrus Logic eigentlich macht

Cirrus Logic sitzt in Austin im US-Bundesstaat Texas, ist in Delaware eingetragen und an der NASDAQ notiert. Das Unternehmen entwirft Halbleiter — bauen lässt es sie andere. Dieses Modell heißt fabless: eigene Entwicklung, fremde Fabriken. Zum 28. März 2026 arbeiteten dort 1.668 Menschen, davon 71 Prozent in Forschung und Produktentwicklung, nur 5 Prozent in fertigungsnahen Tätigkeiten. Der Konzern hält rund 4.340 angemeldete und erteilte Patente weltweit, darunter etwa 1.620 erteilte US-Patente.

Die Produkte laufen in zwei Linien. Audio — Verstärker, Codecs, „Smart Codecs“ mit eingebauter Signalverarbeitung, Wandler zwischen analoger und digitaler Welt — brachte im Geschäftsjahr 2026 1.159,9 Millionen US-Dollar. HPMS (englisch für hochpräzise Mixed-Signal-Bausteine) umfasst Kamerasteuerungen, Haptik- und Sensorlösungen sowie Batterie- und Stromversorgungs-Chips und kam auf 837,4 Millionen US-Dollar. Zusammen 1.997,4 Millionen — knapp zwei Milliarden.

Balkendiagramm des Umsatzes von Cirrus Logic nach Produktlinie in Millionen US-Dollar: Audio 1.083,9 (GJ 2024), 1.137,2 (GJ 2025) und 1.159,9 (GJ 2026); HPMS 705,0, 758,9 und 837,4.
Das jüngere Geschäft wächst schneller: HPMS legte im Geschäftsjahr 2026 um 10 Prozent zu, Audio nur um 2 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wichtig für jede Zahl in diesem Text: Das Geschäftsjahr von Cirrus Logic endet nicht im Dezember, sondern Ende März. Das Geschäftsjahr 2026 begann am 30. März 2025 und endete am 28. März 2026 — es deckt also im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Auch die Quartale verschieben sich: Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 endete am 28. Juni 2025, das dritte am 27. Dezember 2025. Wer „Q3“ liest und an Herbst denkt, liegt bei diesem Unternehmen um ein Quartal daneben.

Gefertigt wird ausschließlich außer Haus. Die Wafer kommen überwiegend von TSMC in Taiwan und von GlobalFoundries in Singapur und Deutschland; verpackt und getestet wird unter anderem bei Advanced Semiconductor Engineering, Amkor Technology, STATS ChipPAC, SFA Semicon und Siliconware Precision. Die eigene Strategie beschreibt der Bericht in drei Punkten: die Führungsrolle bei Smartphone-Audio halten, den HPMS-Anteil im Smartphone erhöhen und beides in weitere Anwendungen tragen.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Cirrus Logic kam über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ auf die Rechercheliste. Der Filter ist bewusst unbequem, weil er zwei Dinge gleichzeitig verlangt — Qualität und eine vernünftige Bewertung. Fünf Hürden müssen zusammen genommen werden:

  • Piotroski-F-Score 8 von 9 — gefordert sind mindestens 7. Die Bilanz-Checkliste ist praktisch vollständig erfüllt.
  • Eigenkapitalrendite 20,3 Prozent — gefordert sind mindestens 15 Prozent.
  • Operative Marge (EBIT-Marge) 23,0 Prozent — gefordert sind mindestens 10 Prozent, also mehr als das Doppelte.
  • Verschuldungsgrad 0,17 — erlaubt ist alles zwischen 0 und 1. Cirrus Logic hat überhaupt keine gezogenen Finanzschulden; die Verbindlichkeiten bestehen fast nur aus Leasing, Lieferantenrechnungen und Steuerrückstellungen.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis 18,7 — erlaubt ist ein positives KGV bis 20. Und hier wird es eng: Das ist nicht die Mitte des Korridors, das ist sein oberes Ende.

Cirrus Logic steht damit auf Rang 12 von 50 gelisteten Treffern der US-Auswahl (Datenstand 27. Juli 2026). Dazu meldet der Scanner ein Fundamental-Rating von 60 Punkten (Note B), eine Durchschnittsrendite von 37,9 Prozent pro Jahr über drei Jahre und einen Börsenwert von rund 8,1 Milliarden US-Dollar. Merke dir den Fingerabdruck: Wenn eine Aktie einen Filter an genau einer Stelle nur knapp besteht, ist diese Stelle der Ort, an dem man nachsehen muss. Bei Cirrus Logic ist es die Bewertung — und das eigentliche Risiko sieht der Filter überhaupt nicht.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Der Umsatz stieg von 1.788,9 (GJ 2024) über 1.896,1 (GJ 2025) auf 1.997,4 Millionen US-Dollar (GJ 2026) — plus 5 Prozent im letzten Jahr. Die Bruttomarge verbesserte sich von 51,2 über 52,5 auf 52,8 Prozent, das Betriebsergebnis von 343,5 über 410,4 auf 460,4 Millionen US-Dollar. Die operative Marge kletterte damit von 19,2 auf 23,0 Prozent. Das ist keine Zufallsbewegung, das ist eine Kostenkurve, die stillsteht, während der Umsatz wächst: Die Forschungsausgaben lagen drei Jahre in Folge bei 426,5, 434,7 und 433,95 Millionen US-Dollar — die Forschungsquote fiel dadurch von 23,8 auf 21,7 Prozent.

Der Gewinn je Aktie stieg noch deutlich stärker: von 4,90 (GJ 2024) über 6,00 auf 7,85 US-Dollar (verwässert, GJ 2026). Zwei Kräfte wirken hier zusammen. Die eine ist der Rückkauf: Die durchschnittliche verwässerte Aktienzahl fiel von 56,0 über 55,2 auf 52,8 Millionen; ausstehend waren zum 28. März 2026 noch 50.596.000 Aktien nach 55.098.000 drei Jahre zuvor. Allein im Geschäftsjahr 2026 flossen 280,0 Millionen US-Dollar in eigene Aktien. Die andere Kraft ist unangenehmer — dazu gleich mehr.

Und die Bilanz ist, offen gesagt, das Sauberste, was man in dieser Branche findet. Zum 28. März 2026 standen einer Bilanzsumme von 2.489,4 Millionen US-Dollar ein Eigenkapital von 2.128,0 Millionen gegenüber — eine Eigenkapitalquote von 85,5 Prozent. Auf der Aktivseite liegen 800,9 Millionen US-Dollar Zahlungsmittel plus 86,7 Millionen kurzfristige und 266,2 Millionen langfristige Wertpapiere, zusammen 1.153,8 Millionen US-Dollar. Dem stehen keine gezogenen Finanzschulden gegenüber. Das Umlaufvermögen von 1.433,7 Millionen übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten von 194,7 Millionen um das Siebenfache.

Der einzige Zinsaufwand des Jahres — 0,9 Millionen US-Dollar — bestand aus Bereitstellungsgebühren für einen Kreditrahmen, den niemand in Anspruch nahm. Bemerkenswert ist deshalb, was gut fünf Wochen nach dem Bilanzstichtag geschah: Am 4. Mai 2026 schloss Cirrus Logic einen neuen Kreditvertrag über 350 Millionen US-Dollar mit Laufzeit bis zum 4. Mai 2031 — der alte Rahmen über 300 Millionen wäre im Juli 2026 ausgelaufen.

Gelb markierte Textstelle aus der Cirrus-Logic-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 4. Mai 2026: Der neue Kreditvertrag sieht einen besicherten revolvierenden Rahmen über 350 Millionen US-Dollar mit Fälligkeit am 4. Mai 2031 vor.
Die markierte Stelle im Original: 350 Millionen US-Dollar Kreditrahmen bis 2031 — für ein Unternehmen, das zum Bilanzstichtag keinen Cent davon gezogen hatte. Quelle: SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 4. Mai 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Für die Vollständigkeit die Insolvenz-Frühwarnzahl: Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher) liegt für Cirrus Logic bei rund 10,9. Die Formel trägt hier, weil die Bilanz klassisch in kurz- und langfristig gegliedert ist — und sie sagt das Erwartbare: Von der Bilanzseite droht diesem Unternehmen nichts. Getrieben wird der Wert vor allem vom Verhältnis Eigenkapital zu Gesamtverbindlichkeiten, das bei 5,9 liegt. Merke dir: Eine Frühwarnzahl warnt vor Zahlungsunfähigkeit, nicht vor dem Verlust eines Kunden. Genau darin liegt das Missverständnis, um das es in dieser Analyse geht.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Apple ist kein Klumpenrisiko, Apple ist das Geschäft

Der Geschäftsbericht sagt es zweimal, wortgleich, einmal im Geschäftsmodell und einmal im Risikoteil — und er nennt den Namen:

„For the twelve-month periods ending March 28, 2026, March 29, 2025, and March 30, 2024, we had one end customer, Apple Inc., who purchased through multiple contract manufacturers and represented approximately 91 percent, 89 percent and 87 percent of the Company’s total net sales, respectively.“

Übersetzung: „In den Zwölfmonatszeiträumen bis zum 28. März 2026, 29. März 2025 und 30. März 2024 hatten wir einen Endkunden, Apple Inc., der über mehrere Auftragsfertiger kaufte und rund 91 Prozent, 89 Prozent beziehungsweise 87 Prozent des gesamten Nettoumsatzes des Unternehmens ausmachte.“

— Cirrus Logic, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Cirrus-Logic-Geschäftsbericht 10-K für 2026: Ein Endkunde, Apple Inc., stand für rund 91, 89 und 87 Prozent des Nettoumsatzes; darunter die Aufzählung der Gründe, warum Kunden verloren gehen können.
Die markierte Stelle im Original: Ein Endkunde, 91 Prozent des Umsatzes — und direkt darunter die Liste der Gründe, aus denen Kunden abspringen können. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Drei Dinge daran sind bemerkenswert. Erstens die Höhe: 91 Prozent bedeutet, dass von zwei Milliarden US-Dollar Umsatz rund 1,8 Milliarden an einer einzigen Geschäftsbeziehung hängen. Zweitens die Richtung: 87, dann 89, dann 91 Prozent — die Abhängigkeit wird nicht kleiner, sie wächst. Und im Quartalsbericht steht die Spitze dieser Kurve: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 — das ist das Kalenderquartal Oktober bis Dezember 2025, in dem die neuen Geräte anlaufen — kam der größte Endkunde auf 94 Prozent des Umsatzes, nach 91 Prozent im Vorjahresquartal. Über die ersten neun Monate des Geschäftsjahres waren es 90 Prozent. Drittens die Vertragslage. Der Bericht listet in derselben Passage auf, wie wenig diese Beziehung gesichert ist: Kunden können die Produkte „mit kurzer Frist und ohne nennenswerte Strafe“ aus ihren Geräten nehmen, die Verträge verlangen keine Mindestabnahmemengen, und die entwickelten Bausteine sind so eng auf die Systemarchitektur des Kunden zugeschnitten, dass sie sich an niemanden sonst verkaufen lassen.

Balkendiagramm des Apple-Anteils am Umsatz von Cirrus Logic: 87 Prozent im Geschäftsjahr 2024, 89 Prozent 2025 und 91 Prozent 2026, gegenüber 13, 11 und 9 Prozent für alle übrigen Kunden zusammen.
Was von der Diversifikation übrig bleibt: Alle anderen Kunden der Welt zusammen kamen im Geschäftsjahr 2026 auf 9 Prozent des Umsatzes. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Einordnung gehört die andere Seite: Der Kunde ist kein wackliges Unternehmen, sondern der wertvollste Gerätehersteller der Welt — wie es dort um Geschäft und Bilanz steht, haben wir in unserer Apple-Analyse aufgeschrieben. Cirrus Logic ist seit vielen Jahren tief in dessen Entwicklungsprozesse eingebettet, und ein Zulieferer, dessen Anteil beim Kunden von 87 auf 91 Prozent steigt, wird offensichtlich nicht gerade aussortiert. Das Risiko ist nicht, dass diese Beziehung morgen endet. Das Risiko ist, dass sie eines Tages endet — und dass niemand außerhalb von Cupertino den Termin kennt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das eigentliche Szenario ist nicht die Konjunktur, sondern die Eigenentwicklung

Bei einem gewöhnlichen Zulieferer wäre die naheliegende Frage: Was passiert im nächsten Abschwung? Bei Cirrus Logic ist das die falsche Frage. Ein Smartphone-Zyklus kostet Volumen und kommt zurück. Was nicht zurückkommt, ist eine Funktion, die der Kunde künftig selbst baut. Der Bericht beschreibt dieses Szenario in eigenen Worten — und es ist die deutlichste Passage des ganzen Dokuments:

„Our customers, particularly in the smartphone market, could potentially transition to different audio and system architectures, develop their own competing technologies and ICs, integrate the functionality that our ICs and software have historically provided into other components in their systems, or eliminate certain functionality that our products provide in their future end products.“

Übersetzung: „Unsere Kunden, insbesondere im Smartphone-Markt, könnten zu anderen Audio- und Systemarchitekturen übergehen, eigene konkurrierende Technologien und integrierte Schaltkreise entwickeln, die Funktionen, die unsere Bausteine und unsere Software bisher erbracht haben, in andere Komponenten ihrer Systeme integrieren oder bestimmte Funktionen, die unsere Produkte bereitstellen, in ihren künftigen Endgeräten ganz streichen.“

— Cirrus Logic, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Cirrus-Logic-Geschäftsbericht 10-K für 2026: Kunden könnten eigene konkurrierende Schaltkreise entwickeln oder die bisher von Cirrus gelieferten Funktionen in andere Komponenten ihrer Systeme integrieren.
Die markierte Stelle im Original: Cirrus Logic benennt selbst, dass Kunden die gelieferte Funktion in andere Bausteine integrieren oder ganz streichen können. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

In der Aufzählung zum Kundenrisiko steht derselbe Gedanke noch nüchterner: „Viele unserer Kunden verfügen über ausreichende Mittel, um intern Technologielösungen und Halbleiterkomponenten zu entwickeln, die die von uns gelieferten Produkte ersetzen könnten.“ Bei einem Kunden, der seine Hauptprozessoren, seine Funkchips und seine Modems inzwischen selbst entwirft, ist das keine theoretische Formulierung.

Wichtig für die Einordnung: Das ist kein Ereignis mit Datum, sondern ein schleichender Prozess. Er würde nicht als Gewinnwarnung sichtbar, sondern als eine Reihe von Sätzen im Geschäftsbericht — ein sinkender Anteil je Gerät, eine gestrichene Produktfamilie, ein Halbsatz über „reduzierte durchschnittliche Verkaufspreise“. Merke dir: Bei einem Zulieferer mit einem Kunden ist die wichtigste Kennzahl nicht der Umsatz, sondern der Umsatz je verkauftem Endgerät des Kunden — und die veröffentlicht niemand.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Viertel des Gewinnsprungs kam aus dem Steuerrecht

Der Nettogewinn stieg im Geschäftsjahr 2026 um 25 Prozent auf 414,4 Millionen US-Dollar. Das Betriebsergebnis stieg aber nur um 12 Prozent, und der Gewinn vor Steuern ebenfalls nur um 12 Prozent — von 444,9 auf 496,7 Millionen US-Dollar. Der Rest kam aus der Steuerzeile: Sie fiel von 113,4 auf 82,3 Millionen US-Dollar, die effektive Steuerquote von 25,5 auf 16,6 Prozent.

Der Grund steht im Anhang: Das US-Gesetzespaket OBBBA hat mit dem Geschäftsjahr 2026 die Pflicht dauerhaft abgeschafft, Forschungs- und Entwicklungsaufwand steuerlich über fünf beziehungsweise fünfzehn Jahre zu verteilen. Für ein Haus, das 433,95 Millionen US-Dollar in Forschung steckt, ist das ein großer Hebel. Rechnet man den Gewinn vor Steuern mit der Vorjahresquote, blieben rund 370 Millionen US-Dollar übrig statt 414,4 — je Aktie etwa 7,01 statt 7,85 US-Dollar. Das ist kein Vorwurf: Die Ersparnis ist echt, sie ist dauerhaft angelegt, und Cirrus Logic weist sie offen aus. Aber sie ist eine Verschiebung des Niveaus, kein Wachstum. Wer die 25 Prozent Gewinnwachstum fortschreibt, schreibt eine Gesetzesänderung fort.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Sechstel des Rekord-Mittelzuflusses kam aus dem Lager

Der operative Mittelzufluss sprang von 444,4 auf 650,6 Millionen US-Dollar, der freie Mittelzufluss nach Investitionen von 14,8 Millionen auf 635,8 Millionen. Das sieht nach einer Geldmaschine aus, und zu großen Teilen ist es das auch. Aber in der Kapitalflussrechnung stehen zwei Posten, die nicht aus dem laufenden Geschäft stammen: 58,2 Millionen US-Dollar aus dem Abbau der Vorräte (von 299,1 auf 240,9 Millionen) und 53,3 Millionen aus dem Verbrauch vorausbezahlter Wafer. Zusammen 111,5 Millionen US-Dollar oder rund 17 Prozent des gesamten Zuflusses.

Beim zweiten Posten ist das Ende sogar ablesbar: Die kurzfristigen vorausbezahlten Wafer schrumpften von 52,6 auf 14,7 Millionen US-Dollar, der langfristige Posten von 15,5 Millionen auf null. Der Vorrat, der jahrelang Mittelzufluss produziert hat, ist praktisch geleert. Wer den freien Mittelzufluss als Bewertungsgrundlage nimmt, sollte diesen Sondereffekt herausrechnen — bereinigt liegt er eher bei rund 524 Millionen US-Dollar.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Ohne eigene Fabrik hängt alles an zwei Adressen — eine davon in Taiwan

Fabless zu sein hat Vorteile: keine Milliardeninvestitionen, keine Auslastungssorgen, Zugang zu den jeweils besten Fertigungsverfahren. Die Sachinvestitionen von Cirrus Logic betrugen im Geschäftsjahr 2026 gerade einmal 14,8 Millionen US-Dollar. Der Preis dafür steht im Risikoteil:

„Although we seek to reduce our dependence on any one subcontractor, the substantial majority of our semiconductor wafers are manufactured by TSMC at fabs in Taiwan, and GlobalFoundries in Singapore and Germany.“

Übersetzung: „Obwohl wir bestrebt sind, unsere Abhängigkeit von einem einzelnen Subunternehmer zu verringern, wird die deutliche Mehrheit unserer Halbleiter-Wafer von TSMC in Werken in Taiwan sowie von GlobalFoundries in Singapur und Deutschland gefertigt.“

— Cirrus Logic, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Cirrus-Logic-Geschäftsbericht 10-K für 2026: Die deutliche Mehrheit der Wafer wird von TSMC in Taiwan und GlobalFoundries in Singapur und Deutschland gefertigt, mit Hinweis auf die Beziehungen zwischen China und Taiwan.
Die markierte Stelle im Original: Der Bericht nennt Taiwan und die Beziehungen zwischen China und Taiwan ausdrücklich als Risiko für den eigenen Nachschub. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu kommt eine Abnahmeverpflichtung: Seit 2021 hat sich Cirrus Logic bei GlobalFoundries Kapazität und Wafer-Preise für die Kalenderjahre 2022 bis 2026 gesichert — und muss die vereinbarten Mengen quartalsweise auch dann abnehmen, wenn die Kunden weniger bestellen. Der Bericht nennt genau das als Grund für überschüssige Lagerbestände. Insgesamt standen zum 28. März 2026 354,2 Millionen US-Dollar unbedingte Einkaufsverpflichtungen in den Büchern, davon 322,2 Millionen allein für das Geschäftsjahr 2027. Wie stark ein Halbleiterhaus ohne eigene Fabrik von seinen Auftragsfertigern abhängt, haben wir auch bei SiTime beschrieben — dort mit dem umgekehrten Vorzeichen: viele Kunden, aber schwankende Erträge.

Und hier gehört eine gute Nachricht hin, die im selben Bericht steht: Cirrus Logic ist dem „American Manufacturing Program“ seines größten Kunden beigetreten und entwickelt gemeinsam mit ihm und mit GlobalFoundries neue Fertigungsverfahren — mit dem erklärten Ziel, erstmals im Werk Malta im US-Bundesstaat New York produzieren zu lassen. Der Konzern nennt das selbst einen Schritt zu mehr geografischer Streuung der Lieferkette. Das löst die Taiwan-Frage nicht über Nacht, aber es ist die erste konkrete Bewegung weg von ihr — und bemerkenswerterweise eine, die der große Kunde mitträgt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Die Diversifikation läuft — aber in die falsche Richtung

Cirrus Logic arbeitet erkennbar daran, weniger vom Audio-Chip im Smartphone abzuhängen. Das jüngere HPMS-Geschäft — Kamerasteuerungen, Haptik, Sensorik, Batterie- und Stromversorgungs-Bausteine — wuchs im Geschäftsjahr 2026 um 78,5 Millionen US-Dollar oder 10 Prozent, während Audio nur um 22,8 Millionen oder 2 Prozent zulegte. Der HPMS-Anteil am Umsatz stieg damit auf 42 Prozent. Auch außerhalb des Smartphones tut sich etwas: Bei PCs meldet der Bericht kräftiges Wachstum und Marktanteilsgewinne „über alle PC-Segmente hinweg“, getragen von neuen Verstärkern und Codecs für KI-fähige Notebooks; im allgemeinen Marktgeschäft kamen neue Produktfamilien für Profi-Audio, Automobil, Industrie und Bildverarbeitung hinzu.

Nur: Das ist überwiegend eine Produkt-Diversifikation, keine Kunden-Diversifikation. Der Bericht selbst nennt als wichtigsten Treiber des HPMS-Wachstums die Nachfrage nach Bausteinen, „die in Smartphones geliefert werden“ — dieselben Geräte, derselbe Kunde. Am deutlichsten wird das beim neuesten Feld: Als „aufregenden neuen Anwendungsbereich“ beschreibt der Bericht einen intelligenten Stromversorgungs-Baustein — entwickelt für die Gesichtserkennung künftiger Geräte des größten Kunden. Solange das so bleibt, erhöht jedes zusätzliche Bauteil zwar den Umsatz je Gerät, aber nicht die Unabhängigkeit. Genau das zeigen die Zahlen: In demselben Jahr, in dem HPMS um 10 Prozent wuchs, stieg der Apple-Anteil von 89 auf 91 Prozent. Die Strategie funktioniert — sie löst nur ein anderes Problem als das, das man lösen müsste.

Bewertung: 8,1 Milliarden für ein Unternehmen ohne Schulden und ohne zweiten Kunden

Der hauseigene Datenbestand weist einen Börsenwert von rund 8,1 Milliarden US-Dollar und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,7 aus (Datenstand 27. Juli 2026). Die Gegenprobe mit den 50.582.893 Aktien, die auf dem Deckblatt des Geschäftsberichts zum 19. Mai 2026 stehen, ergibt einen rechnerischen Kurs von rund 160 US-Dollar — gemessen am ausgewiesenen Gewinn je Aktie von 7,85 US-Dollar wäre das ein Vielfaches von 20,4 statt 18,7. Die beiden Angaben im Datenbestand sind also nicht auf denselben Kursstichtag gerechnet; die Abweichung beträgt rund 9 Prozent. Für die Einordnung ändert das nichts Wesentliches: Die Aktie kostet das 19- bis 20-Fache ihres Gewinns.

Zieht man die Nettoliquidität von 1.153,8 Millionen US-Dollar ab, bleibt ein Unternehmenswert von rund 6,9 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Betriebsergebnis von 460,4 Millionen entspricht das dem 15-Fachen, gemessen am freien Mittelzufluss von 635,8 Millionen dem 11-Fachen — und gemessen am um den Lagereffekt bereinigten Mittelzufluss von rund 524 Millionen dem 13-Fachen. Das ist für ein wachsendes, hochprofitables Halbleiterhaus ohne Schulden kein hoher Preis.

Und trotzdem gehört hier ein deutliches Wort hin: Im QARP-Sinn ist ein KGV von 18,7 kein Schnäppchen, sondern die Obergrenze des Filters. Der Scanner lässt alles bis 20 durch; Cirrus Logic liegt knapp darunter und ist damit unter den 50 gelisteten Treffern eine der teureren Positionen — Rang 12 verdankt der Titel seiner Qualität, nicht seinem Preis. Wer hier kauft, kauft keine Unterbewertung, sondern zahlt einen fairen Preis für ein sehr gutes Geschäft.

Damit ist die entscheidende Frage keine Bewertungsfrage mehr, sondern eine Szenariofrage. Und das Szenario, das man durchrechnen muss, ist nicht ein Smartphone-Zyklus. Angenommen, ein Teil der heutigen Funktionen wandert in eigene Bausteine des Kunden oder Volumen wird auf einen zweiten Lieferanten verteilt, und der Umsatz fiele über zwei bis drei Jahre um ein Viertel: Bei den heutigen Fixkosten — 433,95 Millionen Forschung plus 159,8 Millionen Vertrieb und Verwaltung — bliebe vom Betriebsergebnis kaum die Hälfte. Aus dem 15-Fachen des Betriebsergebnisses würde dann das 30-Fache, ohne dass sich der Kurs bewegt hätte. Genau deshalb ist die Aktie nicht billiger bewertet: Der Markt preist keine schwache Firma ein, sondern die Möglichkeit, dass eine starke Firma ihren einzigen Kunden verliert.

Auf der anderen Seite steht ein Rückkaufprogramm mit Substanz: 280,0 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026, davon im Schlussquartal rund 491.000 Aktien zu durchschnittlich 142,54 US-Dollar. Von der im März 2025 beschlossenen Ermächtigung über 500 Millionen US-Dollar waren zum 28. März 2026 noch 274,1 Millionen offen. Eine Dividende zahlt Cirrus Logic nicht; die gesamte Kapitalrückgabe läuft über eigene Aktien.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Cirrus Logic spricht:

  • Eine Bilanz ohne jede Finanzschuld: 1.153,8 Millionen US-Dollar Zahlungsmittel und Wertpapiere, Eigenkapitalquote 85,5 Prozent, Umlaufvermögen siebenmal so hoch wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten, Altman-Z″ rund 10,9 (Schwellen 1,1 und 2,6), Zinsaufwand von 0,9 Millionen nur aus Bereitstellungsgebühren (28.03.2026).
  • Steigende Profitabilität bei stillstehenden Kosten: Bruttomarge von 51,2 auf 52,8 Prozent, operative Marge von 19,2 auf 23,0 Prozent, Forschungsaufwand drei Jahre in Folge bei rund 430 Millionen US-Dollar (GJ 2024 bis GJ 2026).
  • Echte Kapitalrückgabe: 280,0 Millionen US-Dollar Rückkäufe im Geschäftsjahr 2026, Aktienzahl von 55,098 auf 50,596 Millionen in drei Jahren gesenkt, Restermächtigung 274,1 Millionen US-Dollar.
  • Das jüngere Geschäft wächst schneller: HPMS plus 10 Prozent auf 837,4 Millionen US-Dollar gegenüber Audio plus 2 Prozent auf 1.159,9 Millionen; HPMS-Anteil inzwischen 42 Prozent.
  • Ein fairer, kein hoher Preis: Unternehmenswert rund 6,9 Milliarden US-Dollar, das 15-Fache des Betriebsergebnisses und das 11-Fache des freien Mittelzuflusses; Eigenkapitalrendite 20,3 Prozent, Piotroski-F-Score 8 von 9 (Datenstand 27. Juli 2026).

Was dagegen spricht:

  • Ein Endkunde steht für 91 Prozent des Umsatzes — Tendenz steigend (87, 89, 91 Prozent in den Geschäftsjahren 2024 bis 2026); die zehn größten Endkunden zusammen für 96 Prozent. Verträge ohne Mindestabnahme, Ausstieg laut Bericht mit kurzer Frist und ohne nennenswerte Strafe möglich.
  • Das Hauptrisiko ist kein Zyklus, sondern eine Entscheidung: Der Bericht nennt selbst, dass Kunden die gelieferten Funktionen in eigene Bausteine integrieren oder ganz streichen können — und dass sie die Mittel dazu haben.
  • Der Gewinnsprung 2026 trägt nicht weit: Vorsteuerergebnis plus 12 Prozent, Nettogewinn plus 25 Prozent — der Unterschied kam aus dem Fall der Steuerquote von 25,5 auf 16,6 Prozent; mit der Vorjahresquote wären es rund 370 statt 414,4 Millionen US-Dollar gewesen.
  • Der freie Mittelzufluss enthält einen Sondereffekt: 111,5 Millionen US-Dollar oder rund 17 Prozent des operativen Zuflusses kamen aus dem Abbau von Vorräten und vorausbezahlten Wafern; der Wafer-Vorrat ist auf 14,7 Millionen (kurzfristig) und null (langfristig) geschrumpft.
  • Keine eigene Fertigung, dafür Abnahmezwang: Die deutliche Mehrheit der Wafer stammt von TSMC in Taiwan und GlobalFoundries; 354,2 Millionen US-Dollar unbedingte Einkaufsverpflichtungen, davon 322,2 Millionen im Geschäftsjahr 2027.
  • Die Diversifikation löst das falsche Problem: HPMS wächst laut Bericht vor allem mit Bausteinen für Smartphones — mehr Inhalt je Gerät, aber nicht mehr Unabhängigkeit vom Kunden.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Anfang, zu den 91 Prozent. Der Reflex, gute Kennzahlen für Sicherheit zu halten, ist bei diesem Unternehmen besonders verführerisch — weil hier wirklich alles stimmt, was ein Filter messen kann. Keine Schulden. Über eine Milliarde auf der Bank. Steigende Margen. Ein Rückkaufprogramm, das die Aktienzahl in drei Jahren um acht Prozent gesenkt hat. Ein Piotroski-Wert von 8 von 9. Man muss sich anstrengen, um in dieser Bilanz etwas Unschönes zu finden.

Und trotzdem ist die wichtigste Information über diese Aktie keine Zahl aus der Bilanz, sondern ein Satz aus dem Risikoteil: dass der Kunde die gelieferte Funktion selbst bauen könnte. Cirrus Logic ist ein hervorragender Zulieferer, aber es ist eben ein Zulieferer — mit ausgezeichneter Technik, hoher Wechselhürde und trotzdem ohne Griff auf die Entscheidung, die alles bestimmt. Diese Entscheidung fällt in einem anderen Unternehmen, in einem anderen Bundesstaat, hinter verschlossenen Türen.

Wer heute kauft, kauft ein sehr gutes Geschäft zu einem fairen, nicht zu einem billigen Preis — und wettet dabei nicht auf die Weltwirtschaft, sondern auf die Fortsetzung einer einzigen Geschäftsbeziehung. Wer wartet, verzichtet vielleicht auf ein solides Investment, kann aber in jedem Geschäftsbericht in einer einzigen Zeile nachlesen, wie die Wette steht: dem Prozentsatz, den der größte Endkunde am Nettoumsatz ausmacht. Steht dort im nächsten Jahr wieder 91 oder mehr, geht die These auf. Steht dort 84, ist etwas ins Rutschen geraten — und dann wird man sehr genau lesen müssen, warum. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Cirrus Logic.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz & Finanzierung positiv
Zum 28. März 2026 standen 800,9 Millionen US-Dollar Zahlungsmittel und 352,9 Millionen Wertpapiere in der Bilanz, zusammen 1.153,8 Millionen — bei null gezogenen Finanzschulden. Die Eigenkapitalquote liegt bei 85,5 Prozent, das Umlaufvermögen übersteigt die kurzfristigen Verbindlichkeiten um das Siebenfache, der Altman-Z″-Score liegt bei rund 10,9 (Schwellen 1,1 und 2,6). Der Kreditrahmen wurde am 4. Mai 2026 auf 350 Millionen erhöht und bis 2031 verlängert, blieb aber ungenutzt (10-K GJ 2026, 8-K vom 04.05.2026).
Kundenkonzentration negativ
Ein einziger Endkunde — Apple Inc., der über mehrere Auftragsfertiger kauft — stand im Geschäftsjahr 2026 für rund 91 Prozent des Nettoumsatzes, nach 89 und 87 Prozent in den beiden Vorjahren. Die zehn größten Endkunden zusammen kommen auf 96 Prozent. Die Verträge verlangen keine Mindestabnahme, und laut Bericht können Kunden die Produkte mit kurzer Frist und ohne nennenswerte Strafe aus ihren Geräten nehmen (10-K GJ 2026, Item 1A).
Ertragsqualität neutral
Das Betriebsergebnis stieg um 12 Prozent auf 460,4 Millionen US-Dollar und die operative Marge auf 23,0 Prozent — das ist echte operative Verbesserung. Der ausgewiesene Gewinnsprung von 25 Prozent auf 414,4 Millionen kam jedoch zu einem erheblichen Teil aus dem Fall der Steuerquote von 25,5 auf 16,6 Prozent; mit der Vorjahresquote wären rund 370 Millionen geblieben. Auch der freie Mittelzufluss von 635,8 Millionen enthält 111,5 Millionen aus dem Abbau von Vorräten und vorausbezahlten Wafern (10-K GJ 2026).
Lieferkette & Fertigung neutral
Cirrus Logic besitzt keine eigene Fabrik; die deutliche Mehrheit der Wafer stammt laut Bericht von TSMC in Taiwan und von GlobalFoundries in Singapur und Deutschland, Montage und Test laufen bei fünf asiatischen Dienstleistern. Das hält die Investitionen bei 14,8 Millionen US-Dollar im Jahr, bindet aber 354,2 Millionen an unbedingten Einkaufsverpflichtungen, davon 322,2 Millionen allein im Geschäftsjahr 2027 (10-K GJ 2026, Note 13).
Diversifikation neutral
Das jüngere HPMS-Geschäft mit Kamerasteuerungen, Haptik, Sensorik sowie Batterie- und Stromversorgungs-Bausteinen wuchs im Geschäftsjahr 2026 um 10 Prozent auf 837,4 Millionen US-Dollar und macht inzwischen 42 Prozent des Umsatzes aus, während Audio nur um 2 Prozent zulegte. Der Bericht nennt als Haupttreiber jedoch die Nachfrage nach Bausteinen für Smartphones — mehr Inhalt je Gerät, aber keine zusätzliche Unabhängigkeit vom größten Kunden.
Bewertung neutral
Kurs-Gewinn-Verhältnis 18,7, Eigenkapitalrendite 20,3 Prozent, Piotroski-F-Score 8 von 9, Börsenwert rund 8,1 Milliarden US-Dollar — Rang 12 im QARP-Scanner. Abzüglich der Nettoliquidität entspricht das dem 15-Fachen des Betriebsergebnisses. Im QARP-Filter ist ein KGV von 18,7 aber nicht die Mitte, sondern die Obergrenze (erlaubt sind Werte bis 20): ein fairer Preis für Qualität, kein Abschlag (Datenstand 27. Juli 2026).

Cirrus Logic entwickelt Audio- und hochpräzise Mixed-Signal-Halbleiter und lässt sie vollständig extern fertigen. Im Geschäftsjahr 2026 (endete am 28. März 2026) setzte das Unternehmen 1.997,4 Millionen US-Dollar um und verdiente 414,4 Millionen netto — bei einer Bilanz ohne jede gezogene Finanzschuld, 1.153,8 Millionen US-Dollar Liquidität und einer Eigenkapitalquote von 85,5 Prozent. Dem steht eine Abhängigkeit gegenüber, die kein Filter misst: Rund 91 Prozent des Umsatzes stammen von einem einzigen Endkunden, und dieser Anteil wächst seit drei Jahren. Der Geschäftsbericht nennt selbst das entscheidende Szenario — Kunden könnten die gelieferten Funktionen in eigene Bausteine integrieren. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: Cirrus Logic hat keine gezogenen Finanzschulden, 1.153,8 Millionen US-Dollar an Zahlungsmitteln und Wertpapieren, ein Eigenkapital von 2.128,0 Millionen bei 2.489,4 Millionen Bilanzsumme, einen freien Mittelzufluss von 635,8 Millionen und einen Altman-Z″-Score von rund 10,9 gegen eine Sicherheitsschwelle von 2,6. Die Liquidität allein deckt die gesamten Betriebskosten aus Forschung, Vertrieb und Verwaltung (593,8 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026) fast zwei Jahre lang. Für Grün fehlt die Antwort auf eine wesentliche operative Frage: Rund 91 Prozent des Nettoumsatzes stammen von einem einzigen Endkunden, und dieser Anteil ist in drei Jahren von 87 über 89 auf 91 Prozent gestiegen. Die Verträge verlangen keine Mindestabnahme, ein Ausstieg ist laut Geschäftsbericht mit kurzer Frist und ohne nennenswerte Strafe möglich, und derselbe Bericht nennt ausdrücklich, dass Kunden die bisher zugelieferte Funktion in eigene Bausteine integrieren oder ganz streichen könnten. Dazu kommt, dass der Gewinnsprung des Geschäftsjahres 2026 zu einem erheblichen Teil aus dem Rückgang der Steuerquote von 25,5 auf 16,6 Prozent stammt und der freie Mittelzufluss 111,5 Millionen US-Dollar aus dem Abbau von Vorräten und vorausbezahlten Wafern enthält. Das ist eine offene operative Frage — eine Kundenkonzentration ohne akute Existenzgefahr, weil die Beziehung wächst statt schrumpft und die Bilanz jeden Einbruch jahrelang tragen würde. Also Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Cirrus Logic über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 12 von 50 gelisteten Treffern der US-Auswahl, Datenstand 27. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (CRUS: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (20,3), operative Marge mindestens 10 Prozent (23,0), Verschuldungsgrad zwischen 0 und 1 (0,17) und ein positives KGV bis 20 (18,7). Die Bewertung ist die knappste dieser Hürden — 18,7 ist die Obergrenze des Korridors, nicht seine Mitte.
  • Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wurde für diese Analyse selbst gerechnet und liegt bei rund 10,9. Die Formel trägt hier, weil die Bilanz klassisch in kurz- und langfristig gegliedert ist; getragen wird der Wert vor allem vom Verhältnis Eigenkapital zu Gesamtverbindlichkeiten von 5,9. Sie warnt allerdings vor Zahlungsunfähigkeit, nicht vor dem Verlust eines Kunden — das eigentliche Risiko dieser Aktie misst sie nicht.
  • Das Geschäftsjahr endet Ende März: Geschäftsjahr 2026 = 30.03.2025 bis 28.03.2026, es deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Die Quartalszählung weicht entsprechend ab (erstes Quartal endete am 28.06.2025, drittes am 27.12.2025). Jüngster Periodenbericht ist der Geschäftsbericht 10-K vom 21.05.2026; danach eingereichte Dokumente (Proxy, Formular 4 und 144, Form SD) verändern das Bild nicht.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 27. Juli 2026 (Börsenwert rund 8,1 Milliarden US-Dollar, KGV 18,7). Die Gegenprobe mit den 50.582.893 Aktien vom 19.05.2026 ergibt einen rechnerischen Kurs von rund 160 US-Dollar und damit gegen den Gewinn je Aktie von 7,85 US-Dollar ein Vielfaches von 20,4 — die beiden Angaben im Datenbestand sind nicht auf denselben Kursstichtag gerechnet, die Abweichung beträgt rund 9 Prozent. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Cirrus Logic entwirft Halbleiter für Audio und für hochpräzise Mixed-Signal-Anwendungen, lässt sie aber ausschließlich extern fertigen. Die Bausteine stecken vor allem in Smartphones: Verstärker, Codecs, Kamerasteuerungen, Haptik, Sensorik sowie Batterie- und Stromversorgungs-Chips. Im Geschäftsjahr 2026 setzte das Unternehmen 1.997,4 Millionen US-Dollar um und beschäftigte 1.668 Menschen in Austin, Texas, und an weiteren Standorten.

Sehr. Laut Geschäftsbericht entfielen im Geschäftsjahr 2026 rund 91 Prozent des Nettoumsatzes auf einen einzigen Endkunden, Apple Inc., der über mehrere Auftragsfertiger kauft. In den beiden Jahren davor waren es 89 und 87 Prozent — die Abhängigkeit wächst also. Die zehn größten Endkunden zusammen stehen für 96 Prozent des Umsatzes.

Ende März. Das Geschäftsjahr 2026 lief vom 30. März 2025 bis zum 28. März 2026 und deckt damit im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Auch die Quartale verschieben sich: Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 endete am 28. Juni 2025, das dritte am 27. Dezember 2025. Wer Quartalszahlen mit dem Kalender vergleicht, liegt um rund ein Quartal daneben.

Keine gezogenen Finanzschulden. Zum 28. März 2026 lagen 800,9 Millionen US-Dollar Zahlungsmittel und weitere 352,9 Millionen in Wertpapieren in der Bilanz, zusammen 1.153,8 Millionen. Der Kreditrahmen war unangetastet; der Zinsaufwand von 0,9 Millionen US-Dollar bestand nur aus Bereitstellungsgebühren. Am 4. Mai 2026 wurde der Rahmen auf 350 Millionen US-Dollar aufgestockt und bis 2031 verlängert.

Zu einem erheblichen Teil wegen der Steuer. Der Gewinn vor Steuern stieg um 12 Prozent auf 496,7 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn aber um 25 Prozent auf 414,4 Millionen — weil die effektive Steuerquote von 25,5 auf 16,6 Prozent fiel. Grund ist eine US-Gesetzesänderung, die Forschungsaufwand nicht mehr über Jahre verteilt. Mit der Vorjahresquote wären es rund 370 Millionen US-Dollar gewesen.

Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, operative Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad zwischen 0 und 1 sowie ein positives KGV bis 20. Cirrus Logic erfüllt alle fünf (8 von 9; 20,3 Prozent; 23,0 Prozent; 0,17; 18,7) und steht auf Rang 12 von 50 gelisteten Treffern der US-Auswahl (Datenstand 27. Juli 2026).

Nein, sie ist fair bewertet. Ein KGV von 18,7 ist im QARP-Filter nicht die Mitte, sondern die Obergrenze — erlaubt sind Werte bis 20. Abzüglich der Nettoliquidität von 1.153,8 Millionen US-Dollar entspricht der Börsenwert von rund 8,1 Milliarden dem 15-Fachen des Betriebsergebnisses. Für ein schuldenfreies, wachsendes Halbleiterhaus ist das angemessen, aber kein Schnäppchen.

Nicht der Konjunkturzyklus, sondern die Eigenentwicklung beim Kunden. Der Geschäftsbericht nennt ausdrücklich, dass Kunden zu anderen Systemarchitekturen wechseln, eigene konkurrierende Schaltkreise entwickeln oder die bisher zugelieferte Funktion in andere Bausteine integrieren könnten. Bei 91 Prozent Umsatzanteil eines einzigen Endkunden wäre das nicht ausgleichbar — und es würde schleichend passieren, nicht als Ereignis.

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