Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht (57 ) Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (+2 zum 10-Tage-Schnitt) · heute Core PCE (Juli) ≈

Apple-Aktie: 101 Milliarden Dollar Gewinn in neun Monaten — und drei Gerichte verhandeln über die profitabelste Mautstelle der Welt

Apple-Aktie: 101 Milliarden Dollar Gewinn in neun Monaten — und drei Gerichte verhandeln über die profitabelste Mautstelle der Welt

Jeder kennt Apple — und genau das ist das Problem: Wer das Produkt täglich in der Hand hält, glaubt, auch die Aktie zu kennen. Wir haben stattdessen die Pflichtberichte gelesen: 364,4 Milliarden US-Dollar Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026, ein iPhone-Rekordzyklus nach vier Jahren Stagnation, eine Services-Sparte mit 75 Prozent Marge — aber auch ein Google-Suchvertrag, über dessen Zukunft ein Berufungsgericht entscheidet, eine App-Store-Provision, die inzwischen vor dem Supreme Court liegt, ein Speicherchip-Kostenschub, den Apple selbst „intensivierend“ nennt, und ein Chefwechsel zum 1. September 2026. Unser Value-Scanner nach Joel Greenblatts Magic Formula schlägt trotzdem an. Keine Anlageberatung — nur die Gebrauchsanweisung, die dem bekanntesten Produkt der Welt nie beiliegt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 26 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 26. August 2026

Schlusskurs
314,60 $ +0,40 %
Marktkapitalisierung
4.620,6 Mrd. $
KGV
39,1
Wachstums-Score
6/10
AAQS
10/10

Kursentwicklung seit 4. August 2026: +3,7 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Apple-Aktie: 101 Milliarden Dollar Gewinn in neun Monaten — und drei Gerichte verhandeln über die profitabelste Mautstelle der Welt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 226,80 $ bis 340,10 $ · Letzter Kurs: 314,60 $ (Stand: 26. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die stärker wirkt als jede Werbung: die Vertrautheits-Illusion. Du hältst das Produkt jeden Tag in der Hand, du kennst den Laden in der Innenstadt, die halbe Familie hängt im selben Foto-Abo — also fühlt sich die Aktie an wie ein alter Bekannter. „Apple? Kenne ich. Läuft.“ Nur: Das Produkt kennen und das Unternehmen kennen sind zwei verschiedene Dinge. Die Vertrautheit beantwortet keine einzige der Fragen, an denen sich der Wert der Aktie entscheidet — zum Beispiel, wem die profitabelste Sparte des Konzerns in fünf Jahren rechtlich noch gehört. Deshalb machen wir einen Deal: Wir behandeln Apple (Nasdaq: AAPL) heute wie eine Firma, von der du noch nie gehört hast. Keine Keynote-Erinnerungen, keine Nostalgie, sondern nur das, was Apple selbst unter Strafandrohung an die US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat: der Geschäftsbericht (10-K, der jährliche Pflichtbericht) für das Geschäftsjahr 2025 und die Quartalsberichte (10-Q). Der Anlass ist seriös: Unser hauseigener Aktien-Scanner nach Joel Greenblatts Magic Formula — ein Value-Filter, kein Warnsystem — führt die Aktie in seiner Trefferliste. Und die Lektüre fördert Dinge zutage, die in keiner Produktvorstellung vorkommen: einen Milliarden-Vertrag mit Google, über den gerade ein Berufungsgericht verhandelt; eine Verweisung zur Prüfung strafrechtlicher Schritte; und einen Speicherchip-Kostenschub, den Apple selbst „intensivierend“ nennt. Am Ende entscheidest du selbst.

Aktualisiert am 11. August 2026: Eingearbeitet ist jetzt das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 — die drei Monate bis zum 27. Juni 2026 — aus der Ergebnismitteilung vom 30. Juli und dem Quartalsbericht vom 31. Juli 2026, dazu die Prognose des Managements für das September-Quartal, die Annahme der Epic-Revision durch den Obersten Gerichtshof und der Wechsel im Vorstandsvorsitz zum 1. September 2026. Alles dazu steht im Kapitel „Was das Quartal bis zum 27. Juni 2026 zeigt“. Kurs- und Scanner-Angaben tragen weiterhin ihren eigenen Stichtag, den 8. Juli 2026.

Aktualisiert am 2. August 2026: Diese Analyse wurde um ein eigenes Kapitel zu den Earnings Calls erweitert. Ausgewertet haben wir die zehn Wortprotokolle von 2024-Q2 bis 2026-Q3 mit einer einzigen Frage: Hält das Management, was es ein oder zwei Quartale vorher angekündigt hat? Ergebnis: Bei den Quartalsprognosen gab es keinen einzigen Fehlschlag — die Guidance ist eher zu vorsichtig als geschönt. Dagegen steht genau ein datierbarer Bruch, die persönliche Siri, und eine offene Zusage aus 2026-Q3, die wir unter Beobachtung stellen.

Was Apple eigentlich macht — und warum das Geschäftsjahr am letzten September-Samstag endet

Apples Geschäftsmodell hat zwei Etagen. Die erste kennt jeder: Geräte verkaufen — iPhone, Mac, iPad, Apple Watch, AirPods. Das iPhone allein brachte im Geschäftsjahr 2025 mit 209,6 Milliarden US-Dollar etwas mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von 416,2 Milliarden; der Konzern beschäftigt dafür rund 166.000 Menschen, lässt aber praktisch alle Geräte von Auftragsfertigern bauen — laut Geschäftsbericht „ganz überwiegend“ in China, Indien, Japan, Südkorea, Taiwan und Vietnam. Die zweite Etage ist die spannendere, und sie funktioniert wie eine Mautstelle: Wer einmal ein Apple-Gerät besitzt, bezahlt fortan kleine Beträge für alles, was darüber läuft — App-Käufe (der App Store behält eine Provision), iCloud-Speicher, AppleCare-Garantien, Musik- und Video-Abos. Und selbst wer nichts kauft, bringt Geld: Google bezahlt Apple dafür, auf iPhones die voreingestellte Suchmaschine zu sein — im Bericht nüchtern „Lizenzvereinbarungen“ genannt, unter „Werbung“ verbucht. Diese Services-Etage setzte 2025 109,2 Milliarden US-Dollar um (+14 Prozent) — mit 75,4 Prozent Bruttomarge, mehr als doppelt so viel wie das Gerätegeschäft (36,8 Prozent). Übersetzt: Gut jeder vierte Umsatz-Dollar ist ein Services-Dollar, aber gut 42 Prozent des Bruttogewinns kommen von der Mautstelle.

Ein Detail vorweg, damit dich die Jahreszahlen nicht verwirren: Apple hat ein gebrochenes Geschäftsjahr — es endet immer am letzten Samstag im September. „Geschäftsjahr 2025“ heißt also: 29. September 2024 bis 27. September 2025. Das laufende „Geschäftsjahr 2026“ begann Ende September 2025; sein drittes Quartal endete am 27. Juni 2026 — und diese ersten neun Monate waren die besten der Firmengeschichte. Merke dir außerdem das Spannungsfeld dieser Analyse, es zieht sich durch jedes Kapitel: Apple verdient so viel wie nie, und der wachsende Teil dieses Gewinns kommt aus einer Mautstelle — deren Schranken gerade von drei Seiten gleichzeitig vor Gericht stehen: der Google-Vertrag in Washington, die App-Store-Provision in Kalifornien und Brüssel, das ganze Ökosystem in New Jersey.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. AAPL schlug am 8. Juli 2026 in vier Scannern an — ausnahmslos Value-/Qualitäts-Scanner, kein einziges Warnsignal: „Joel Greenblatt: Magic Formula“, „Terry Smith: Quality“, „Martin Zweig: Wachstum mit Vernunft“ und „Altman-Z: Bilanz-Festung“ (beim Live-Gegencheck am 14. Juli 2026 waren Greenblatt und Terry Smith weiterhin aktiv, aus den beiden anderen war die Aktie zwischenzeitlich herausgefallen). Greenblatts Formel sucht, auf Deutsch übersetzt, gute Firmen zu fairen Preisen — gemessen an genau zwei Zahlen: der Kapitalrendite (wie viel operativer Gewinn pro eingesetztem Dollar Betriebskapital?) und der Gewinnrendite (wie viel operativer Gewinn pro Dollar Unternehmenswert?). Bei Apple lohnt ein genauer Blick, warum die Formel anschlägt: Die Kapitalrendite ist astronomisch — aber auch deshalb, weil die Fabriken den Auftragsfertigern gehören und die Rückkauf-Maschine das Eigenkapital ausgezehrt hat (dazu später mehr); auf dem Papier erwirtschaftet Apple seinen Gewinn fast ohne eigenes Kapital. Die Gewinnrendite dagegen ist bei einem Börsenwert von rund 4.041 Milliarden US-Dollar und einem operativen Jahresgewinn in der Größenordnung von 147 Milliarden mit etwa 3,7 Prozent solide, aber kein Schnäppchen-Signal. Die Formel findet hier also vor allem Qualität — und sie hat denselben blinden Fleck wie bei Alphabet, der anderen Mega-Cap-Überraschung in dieser Trefferliste: Sie sieht den Gewinn, aber nicht die Gerichte, die über seine Quelle verhandeln.

Ausschnitt aus dem hauseigenen Aktien-Scanner Joel Greenblatt: Magic Formula: Die rot markierte Zeile zeigt AAPL (Apple Inc) mit plus 20 Prozent Durchschnittsrendite pro Jahr über drei Jahre, Stage 2, Fundamental-Rating B 69 von 100, Piotroski 8 von 9 und 4.041,2 Milliarden US-Dollar Börsenwert, Industrie Consumer Electronics; darüber stehen unter anderem Alphabet, Eli Lilly und Kirby, direkt darunter NVIDIA und Fastenal.
Die AAPL-Zeile (rot markiert) in unserem Value-Scanner „Joel Greenblatt: Magic Formula“: Piotroski 8 von 9, Stage 2, rund 4.041 Milliarden US-Dollar Börsenwert. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, nach „AAPL“ suchen. Quelle: hauseigener Aktien-Scanner, Datenstand 8. Juli 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die übrigen Kennzahlen zeichnen einen Qualitätsriesen in stabiler, unaufgeregter Verfassung: Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für Bilanzqualität, steht bei starken 8 von 9 — eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9, und Apple steht dort. Der Altman-Z-Score, eine klassische Insolvenz-Frühwarnung, liegt bei 6,6 (Gefahr beginnt unter 1,1) — Zahlungsprobleme sind schlicht kein Thema. Die Relative Stärke von 65 sagt: etwas besser als der Durchschnitt, keine Rakete; auf Sicht von zwölf Monaten legte der Kurs rund 46 Prozent zu und notierte am Stichtag etwa 7 Prozent unter dem Allzeithoch (alle Scanner-Angaben: Datenstand 8. Juli 2026). Ein Wermutstropfen auch hier: Das hauseigene Fundamental-Rating steht mit B (38) nur im Mittelfeld — das Wachstum der Vergangenheit war eben vier Jahre lang mager, und genau darum geht es im nächsten Kapitel.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das, was kaum jemand über Apple weiß, weil es so gar nicht zur Vertrautheits-Illusion passt: Apple war bis vor Kurzem eine Wachstums-Flaute. Der Umsatz stand im Geschäftsjahr 2022 bei 394,3 Milliarden US-Dollar, fiel 2023 auf 383,3 Milliarden (−3 Prozent), erholte sich 2024 auf 391,0 Milliarden (+2 Prozent) — und erst 2025 kam mit 416,2 Milliarden (+6 Prozent) ein echter neuer Rekord. Das iPhone, der halbe Konzern, trat vier Jahre lang auf der Stelle: 205,5 — 200,6 — 201,2 — 209,6 Milliarden. Dass der Nettogewinn 2025 trotzdem auf 112,0 Milliarden sprang (nach 93,7 Milliarden), lag zum Teil an einem Steuer-Einmaleffekt: 2024 hatte der Europäische Gerichtshof die irische Steuernachzahlung bestätigt und Apple 10,2 Milliarden Sonder-Steueraufwand beschert; 2025 normalisierte sich die Steuerquote von 24,1 auf 15,6 Prozent. Was in der Flaute-Zeit wirklich wuchs, war die Mautstelle: Services kletterten von 78,1 (2022) über 85,2 und 96,2 auf 109,2 Milliarden US-Dollar (2025) — Jahr für Jahr zweistellig prozentual, mit steigender Marge.

Balkendiagramm der Apple-Geschäftsjahre 2022 bis 2025 und der zwölf Monate bis zum 27. Juni 2026: Der iPhone-Umsatz stagniert bei 205,5, 200,6, 201,2 und 209,6 Milliarden US-Dollar und springt dann auf 245,5 Milliarden, während der Services-Umsatz stetig von 78,1 über 85,2, 96,2 und 109,2 auf 120,5 Milliarden wächst.
Vier Jahre Flaute im Gerätegeschäft, stetiges Wachstum an der Mautstelle — und dann der Bruch: iPhone-Umsatz (blau) gegen Services-Umsatz (grün), Geschäftsjahre 2022–2025 sowie die zwölf Monate bis zum 27. Juni 2026 (letzter Balken; ein Zwölfmonatswert, kein Geschäftsjahr). Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und dann kam das Jahr, das alles änderte. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 (Ende 27. Juni 2026) sprang der Umsatz um 16 Prozent auf 364,4 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn um 20 Prozent auf 101,5 Milliarden — mehr Gewinn in neun Monaten, als der Konzern in den kompletten Geschäftsjahren 2023 (97,0 Milliarden) oder 2024 (93,7 Milliarden) verdient hat. Das Weihnachtsquartal (bis 27. Dezember 2025) war mit 143,8 Milliarden Umsatz das größte Quartal der Firmengeschichte. Der Treiber ist unübersehbar: Das iPhone wuchs in neun Monaten um 22 Prozent auf 196,5 Milliarden — laut Bericht getragen von den Pro-Modellen. Selbst die Region, die jahrelang schrumpfte, drehte: Greater China hatte von 72,6 Milliarden (Geschäftsjahr 2023) auf 64,4 Milliarden (2025) nachgegeben — in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 setzte Apple dort bereits 64,8 Milliarden um, also mehr als im gesamten Vorjahr. Dazu stieg die Konzern-Bruttomarge auf 49,1 Prozent (Vorjahreszeitraum: 46,8), und der operative Mittelzufluss erreichte 117,0 Milliarden in neun Monaten nach 81,8 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das ist die ehrliche Würdigung: Dieses Jahr ist operativ makellos gelaufen. Die ebenso ehrliche Einordnung: Ein Produktzyklus ist eine Welle, kein Meeresspiegel — die Jahre 2022 bis 2024 stehen im selben Zahlenwerk und erinnern daran, wie flach es nach einer Welle werden kann.

Bleibt die Bilanz — und die war bei Apple jahrelang ein Kuriosum für sich. Zum 27. Juni 2026 standen 146,5 Milliarden US-Dollar Kasse und Wertpapiere gegen 84,3 Milliarden Finanzschulden: Netto-Kasse von gut 62 Milliarden, dazu Piotroski 8 von 9 — eine Festung. Das Kuriosum saß eine Zeile tiefer: Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 zeigte die Bilanz in der Zeile „Accumulated deficit“ einen Fehlbetrag von 14,3 Milliarden — dort, wo sich bei anderen Konzernen die Gewinne von Jahrzehnten stapeln, stand bei Apple ein Minus. Kein Verlust ist schuld, sondern die Rückkauf-Maschine: In den Geschäftsjahren 2022 bis 2025 schüttete Apple rund 413 Milliarden US-Dollar über Rückkäufe und Dividenden aus — mehr, als es im selben Zeitraum verdiente (rund 403 Milliarden). Die Aktienzahl sank so von 16,2 auf 14,9 Milliarden Stück, was den Gewinn je Aktie auch in den Flaute-Jahren wachsen ließ. Im Mai 2025 kam ein neues 100-Milliarden-Rückkaufprogramm, im April 2026 gleich das nächste über weitere 100 Milliarden, dazu die x-te Dividendenerhöhung (auf 0,27 US-Dollar je Quartal). Merke dir dazu zweierlei: Rückkäufe sind kein Trick, aber ein Verstärker — sie machen aus stagnierenden Gewinnen wachsende Gewinne je Aktie, und sie machen Kennzahlen wie die Eigenkapitalrendite bedeutungslos. Wachstum ersetzt haben sie vier Jahre lang nicht. Wie der Fehlbetrag inzwischen verschwunden ist, steht im nächsten Kapitel.

Kombiniertes Diagramm der Apple-Geschäftsjahre 2022 bis 2025: Rote Balken zeigen Aktienrückkäufe plus Dividenden von 104,2, 92,6, 110,2 und 106,1 Milliarden US-Dollar, grüne Balken den Nettogewinn von 99,8, 97,0, 93,7 und 112,0 Milliarden; die blaue Linie der ausstehenden Aktien fällt von 16,2 auf 14,9 Milliarden Stück.
Die Rückkauf-Maschine: In zwei von vier Geschäftsjahren schüttete Apple mehr aus (rot: Rückkäufe + Dividenden), als es verdiente (grün: Nettogewinn) — über die vier Jahre zusammen rund 413 gegen 403 Milliarden; die Aktienzahl (blaue Linie) sank um rund 8 Prozent. In den zwölf Monaten bis zum 27. Juni 2026 kehrte sich das Verhältnis um: rund 128,9 Milliarden verdient gegen rund 97,9 Milliarden ausgeschüttet. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was das Quartal bis zum 27. Juni 2026 zeigt — Rekord, Rechnung und ein Chefwechsel

Am 30. Juli 2026 meldete Apple das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 — die drei Monate bis zum 27. Juni 2026 —, der vollständige Quartalsbericht folgte einen Tag später. Der Rekordlauf ging weiter, und deutlicher, als es das Halbjahr erwarten ließ: 109,4 Milliarden US-Dollar Umsatz (+16 Prozent), 29,8 Milliarden Nettogewinn (+27 Prozent) und ein verwässertes Ergebnis je Aktie von 2,02 US-Dollar (+29 Prozent) — für ein Juni-Quartal jeweils Bestwerte. Das iPhone legte um 22 Prozent auf 54,3 Milliarden zu, der Mac um 29 Prozent auf 10,4 Milliarden, die Services um 12 Prozent auf 30,7 Milliarden; nur das iPad gab um 6 Prozent nach. Greater China wuchs um 22 Prozent, Europa ebenfalls um 22 Prozent — es gab kein einziges schrumpfendes Gebiet.

„Today, Apple is proud to report our strongest June quarter ever, with double-digit revenue growth across iPhone, Mac and Services, and in every geographic segment.“

Übersetzung: „Apple ist heute stolz, das stärkste Juni-Quartal seiner Geschichte zu melden — mit zweistelligem Umsatzwachstum bei iPhone, Mac und Services und in jedem geografischen Segment.“

— Tim Cook, Vorstandsvorsitzender von Apple, SEC-Ergebnismitteilung (Formular 8-K, Item 2.02, Anlage 99.1) vom 30.07.2026

Jetzt die Rechnung — sie steht in denselben zwei Dokumenten. Erstens: Ein Stück der Rekordmarge ist geliehen. Die Konzern-Bruttomarge sprang auf 50,1 Prozent nach 46,5 Prozent im Vorjahresquartal — „including a favorable impact of approximately 2 percentage points from tariff refunds“, also einschließlich rund zwei Prozentpunkten aus Zoll-Erstattungen; beim Ergebnis je Aktie waren es 0,11 US-Dollar. Das ist die Rückseite des Zoll-Kapitels aus der dritten unbequemen Wahrheit: Der Oberste Gerichtshof kippte im Februar 2026 einen Teil der Zölle, Apple beantragte die Rückerstattung — und verbucht das Geld nun als Minderung der Produkt-Herstellkosten. Ein Einmaleffekt mit Ansage, kein neues Margen-Niveau.

Zweitens frisst die Speicherwelle bereits mit. Die Produkt-Bruttomarge stieg zwar von 34,5 auf 40,1 Prozent, aber der Bericht nennt die Ursachen in genau dieser Reihenfolge: anderer Produktmix und Zoll-Erstattungen, „partially offset by higher costs, including memory“ — teilweise ausgeglichen durch höhere Kosten, unter anderem für Speicher. Und die Forschungsausgaben kletterten im Quartal um 32 Prozent auf 11,7 Milliarden US-Dollar. Deren Begründung ist neu und ungewöhnlich offen: höhere Infrastruktur-Kosten „including investments in artificial intelligence“ — einschließlich Investitionen in Künstliche Intelligenz — sowie Personalaufwand. Im Vorquartal stand an dieser Stelle nur das Wort „Infrastruktur“.

Drittens die Bilanz — und hier liegt die stille Sensation des Quartals. Der Fehlbetrag ist weg. Wo zum Ende des Geschäftsjahres 2025 noch ein „Accumulated deficit“ von 14,3 Milliarden US-Dollar stand, weist Apple zum 27. Juni 2026 wieder eine positive Gewinnrücklage von 11,3 Milliarden aus; das Eigenkapital stieg von 73,7 auf 107,5 Milliarden. Der Grund ist rechnerisch banal und inhaltlich bemerkenswert: In den zwölf Monaten bis zum 27. Juni 2026 verdiente Apple rund 128,9 Milliarden und schüttete rund 97,9 Milliarden aus — erstmals seit Jahren wieder deutlich weniger, als es verdiente. Nicht weil Apple sparsam geworden wäre: Allein im Quartal flossen 25,8 Milliarden in Rückkäufe und 4,0 Milliarden in Dividenden. Der Gewinn ist schlicht schneller gewachsen als die Ausschüttung. Die Rückkauf-Ermächtigung ist entsprechend prall gefüllt: 138,0 Milliarden US-Dollar waren zum 27. Juni 2026 noch offen (38,0 aus dem Programm vom Mai 2025, 100,0 aus dem vom 30. April 2026), dazu ein beschleunigtes Rückkaufgeschäft über 10,0 Milliarden vom Mai 2026, das im vierten Quartal ausläuft. Die Aktienzahl fiel auf 14,594 Milliarden Stück (Stand 17. Juli 2026).

Und jetzt der Teil, der die nächsten Monate bestimmt. Seine Prognose gibt Apple traditionell nicht in der Mitteilung, sondern in der Telefonkonferenz — und die fiel am 30. Juli 2026 auffallend vorsichtig aus: Für das laufende September-Quartal stellte Finanzchef Kevan Parekh ein Umsatzplus von 9 bis 11 Prozent in Aussicht, eine Bruttomarge von nur noch 47 bis 48 Prozent (bei rund einem Prozentpunkt Zoll-Erstattung) und ein iPhone-Wachstum „im mittleren Zehner-Bereich“; die Belastung aus Lieferengpässen werde gegenüber dem Juni-Quartal „significantly“ — deutlich — zunehmen. Übersetzt: Apple rechnet selbst damit, dass Speicherkosten und Engpässe die Rekordmarge um zwei bis drei Prozentpunkte zurückholen. Der Quartalsbericht nennt inzwischen auch das Gegenmittel und dessen Preis — Preiserhöhungen, die die Belastung möglicherweise nicht ausgleichen und „zugleich die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens verringern“ können.

Über all dem steht eine Personalie, die kein Quartalsbericht überstrahlt: Apple bekommt zum 1. September 2026 einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Am 20. April 2026 meldete der Konzern der SEC, dass Tim Cook nach fünfzehn Jahren an der Spitze zum Executive Chair des Verwaltungsrats wechselt und John Ternus — bislang Senior Vice President für Hardware-Entwicklung, seit 2001 im Haus — zum selben Tag Vorstandsvorsitzender und Verwaltungsratsmitglied wird; Art Levinson, bisher Vorsitzender des Gremiums, wird Lead Independent Director. Das Juni-Quartal war damit Cooks letztes volles Quartal als Chef. Für dich als Anlegerin oder Anleger ist das keine Randnotiz: Ternus ist Hardware-Ingenieur und übernimmt einen Konzern, dessen Gewinnschwerpunkt seit Jahren in die Software- und Dienste-Etage wandert — und zwar genau in dem Moment, in dem drei Gerichte über die Regeln dieser Etage verhandeln.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Im Services-Gewinn stecken Google-Milliarden — und über deren Zukunft entscheidet gerade ein Berufungsgericht

Die Services-Sparte gilt als Apples Zukunft, und ihr Wachstum 2025 kam laut Bericht „vor allem aus Werbung, App Store und Cloud-Diensten“. Was sich hinter dem Wort „Werbung“ unter anderem verbirgt, steht im Risikokapitel — die Lizenzzahlungen von Google für den Platz als voreingestellte Suchmaschine auf Apples Geräten. Und zu diesem Fundament schreibt Apple selbst:

„For example, the Company earns revenue from licensing arrangements with Google LLC (“Google”) and other companies to offer their search services on the Company’s platforms and applications, and certain of these arrangements are currently subject to government investigations and legal proceedings. […] A reversal of the order on appeal could result in imposition of certain remedies initially proposed by the DOJ, such as those prohibiting Google from offering the Company commercial terms for search distribution. If implemented, these remedies could materially adversely affect the Company’s ability to earn revenue from such licensing arrangements."

Übersetzung: „Das Unternehmen erzielt beispielsweise Erlöse aus Lizenzvereinbarungen mit Google LLC („Google“) und anderen Unternehmen, deren Suchdienste auf den Plattformen und Anwendungen des Unternehmens angeboten werden; einige dieser Vereinbarungen sind derzeit Gegenstand behördlicher Untersuchungen und Gerichtsverfahren. […] Eine Aufhebung der Anordnung im Berufungsverfahren könnte dazu führen, dass bestimmte ursprünglich vom Justizministerium vorgeschlagene Abhilfemaßnahmen verhängt werden — etwa solche, die es Google verbieten, dem Unternehmen kommerzielle Konditionen für die Suchverteilung anzubieten. Würden diese Maßnahmen umgesetzt, könnte das die Fähigkeit des Unternehmens, Erlöse aus solchen Lizenzvereinbarungen zu erzielen, wesentlich beeinträchtigen.“

— Apple Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Part II, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Apple-Quartalsbericht 10-Q zum 28. März 2026: Apple erzielt Erlöse aus Lizenzvereinbarungen mit Google für Suchdienste; eine Aufhebung der Gerichtsanordnung in der Berufung könnte Google verbieten, Apple kommerzielle Konditionen für die Suchverteilung anzubieten, was die Erlöse wesentlich beeinträchtigen könnte.
Die markierte Stelle im Original: Apples eigene Warnung, dass die Google-Lizenzerlöse am Ausgang des Kartell-Berufungsverfahrens hängen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zum Hintergrund: Im August 2024 befand das Bezirksgericht in Washington, dass Google gegen US-Kartellrecht verstoßen hat; im September 2025 ordnete es Abhilfemaßnahmen an, die den Suchvertrag mit Apple bestehen lassen — das US-Justizministerium hatte ursprünglich ein Verbot kommerzieller Konditionen für die Suchverteilung vorgeschlagen. Gegen diese Anordnung haben beide Seiten Berufung eingelegt. Für Apple heißt das: Das mildeste Ergebnis ist bereits das aktuelle, und jede Verschärfung in der Berufung träfe eine Erlösquelle, die praktisch ohne Kosten direkt in den Gewinn läuft. Wortgleich steht die Warnung auch im jüngsten Bericht, dem Quartalsbericht zum 27. Juni 2026 — ergänzt um einen Satz, der die Sache eher offener macht: Die Anordnung sei Gegenstand weiterer Verfahren vor dem Bezirksgericht in Washington, die zu einer geänderten Auslegung oder Anwendung der Maßnahmen führen können, „sowie zu neuen oder geänderten angeordneten Abhilfemaßnahmen“. Wie groß die Zahlungen genau sind, verrät Apple nicht — die Zahlungen sind in der Werbe-Zeile der Services versteckt. Dass der Konzern ihnen einen eigenen Absatz im Risikokapitel widmet, sagt genug. Die Ironie am Rande: Dasselbe Urteil, das bei Alphabet als Risiko im Bericht steht, steht bei Apple noch einmal — ein einziger Vertrag, zwei Billionen-Konzerne, die ihn beide im Risikokapitel führen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die App-Store-Provision steht in drei Rechtsordnungen gleichzeitig zur Disposition — bis hin zur Prüfung strafrechtlicher Schritte

Die zweite Säule der Mautstelle ist die App-Store-Provision — und ihr Rechtsstreit-Dossier liest sich wie ein Weltatlas. In den USA eskalierte das Epic-Games-Verfahren 2025 auf eine Weise, die es bei Konzernen dieser Größe praktisch nie gibt:

„On April 30, 2025, the California District Court found the Company to be in violation of the 2021 Injunction and enjoined the Company from imposing any commission or any fee on purchases that consumers make outside an app […] The California District Court also denied the Company’s motion to narrow or vacate the 2021 Injunction and referred the Company to the U.S. Attorney for the Northern District of California for a determination whether criminal contempt proceedings are appropriate.“

Übersetzung: „Am 30. April 2025 stellte das kalifornische Bezirksgericht fest, dass das Unternehmen gegen die einstweilige Anordnung von 2021 verstoßen hat, und untersagte dem Unternehmen, auf Käufe, die Verbraucher außerhalb einer App tätigen, irgendeine Provision oder Gebühr zu erheben […] Das Gericht wies zudem den Antrag des Unternehmens ab, die Anordnung von 2021 einzuschränken oder aufzuheben, und verwies das Unternehmen an die US-Staatsanwaltschaft für den nördlichen Bezirk Kaliforniens zur Prüfung, ob ein strafrechtliches Verfahren wegen Missachtung des Gerichts angemessen ist.“

— Apple Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K GJ 2025, Part I, Item 3 „Legal Proceedings — Epic Games“

Gelb markierte Textstelle aus dem Apple-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025: Das kalifornische Bezirksgericht stellte einen Verstoß gegen die Anordnung von 2021 fest, untersagte jede Provision auf Käufe außerhalb einer App und verwies Apple an die US-Staatsanwaltschaft zur Prüfung strafrechtlicher Contempt-Schritte; darunter der Hinweis auf die beschleunigte Berufung vor dem Ninth Circuit.
Die markierte Stelle im Original: Provisions-Verbot und Verweisung an die Staatsanwaltschaft im Epic-Verfahren. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K GJ 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Fairerweise gehört die Fortsetzung dazu: Im Dezember 2025 entschärfte das Berufungsgericht (Ninth Circuit) die Anordnung teilweise — Apple darf demnach grundsätzlich wieder eine Provision auf „Link-out“-Käufe erheben, muss aber Gleichbehandlung zwischen dem eigenen Bezahlsystem und externen Kauf-Links zulassen. Damit ist der Fall aber nicht zu Ende, sondern eine Instanz weiter gewandert: Apple beantragte am 21. Mai 2026 die Überprüfung durch den Obersten Gerichtshof, und am 30. Juni 2026 nahm der Supreme Court die Revision an — verhandelt wird der Maßstab, nach dem eine Missachtung des Gerichts festgestellt wird; das Verfahren vor dem Bezirksgericht will Apple bis zur Entscheidung ruhen lassen (Quartalsbericht zum 27.06.2026, Part II, Item 1 „Legal Proceedings“). Ein Teilsieg mit Verlängerung also — und der Quartalsbericht formuliert die Restsorge selbst: Sollte Apple „mit der Verteidigung seiner Provisionsstruktur letztlich erfolglos bleiben“ oder sollten ähnliche Beschränkungen in anderen Ländern kommen, könne das die Geschäftsergebnisse „wesentlich und nachteilig beeinflussen“. Und die anderen Länder sind längst da: Die EU-Kommission verhängte im April 2025 eine Strafe von 500 Millionen Euro nach dem Digitalgesetz DMA (Digital Markets Act — die EU-Sonderregeln für große Plattformen) samt Anordnung, die „Steering“-Beschränkungen abzustellen; Apple hat Rechtsmittel eingelegt. Im zweiten DMA-Verfahren drohen laut Bericht Bußgelder von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes — bei Apple wären das über 40 Milliarden US-Dollar. Und in New Jersey klagt das US-Justizministerium seit März 2024 gleich gegen das ganze Ökosystem: Vorwurf Monopolisierung des Smartphone-Markts. Keiner dieser Fälle ist entschieden, Apple verteidigt sich in allen. Aber zähl mit: Es ist dieselbe Mautstelle, an der Washington, Kalifornien und Brüssel gleichzeitig rütteln — und sie erwirtschaftet den profitabelsten Teil des Konzerngewinns.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Produkt, eine Fertigungsregion — der Klumpen bleibt Apples Bauplan

Die dritte Wahrheit steht seit Jahren im Risikokapitel und wird durch den Rekordlauf eher größer als kleiner. Erstens das Produkt: Das iPhone stand im Geschäftsjahr 2025 für gut 50 Prozent des Umsatzes, in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 für 54 Prozent — und Apple schreibt selbst: „the Company generates a significant portion of its net sales from a single product category and a decline in demand for that product could significantly impact net sales and gross margins.“ — „Das Unternehmen erzielt einen erheblichen Teil seiner Umsätze mit einer einzigen Produktkategorie, und ein Nachfragerückgang bei diesem Produkt könnte Umsätze und Bruttomargen erheblich beeinträchtigen.“ (10-Q zum 28.03.2026, Risikokapitel.) Zweitens die Fertigung: Die Endmontage praktisch aller Geräte liegt laut Geschäftsbericht bei Auftragsfertigern „hauptsächlich in Asien“, die Lieferkette hängt an Single-Source-Partnern für viele Komponenten, und die Region Greater China ist zugleich drittgrößter Absatzmarkt (64,4 Milliarden US-Dollar Umsatz 2025). Drittens die Handelspolitik dazwischen: Seit Frühjahr 2025 gelten neue US-Zölle auf Importe unter anderem aus China, Indien und Vietnam — exakt Apples Fertigungsländern; der Geschäftsbericht nennt Zollkosten ausdrücklich als Margenbelastung. Der Oberste Gerichtshof kippte am 20. Februar 2026 einen Teil dieser Zölle; Apple beantragte die Erstattung und verbuchte die eingegangenen Rückzahlungen als Minderung der Produkt-Herstellkosten — im Juni-Quartal 2026 waren das rund zwei Prozentpunkte Bruttomarge. Entwarnung ist das keine: Derselbe Bericht listet die nächsten möglichen Instrumente auf, darunter neu verhängte Zölle nach Section 301 und mögliche weitere Maßnahmen aus der Halbleiter-Untersuchung nach Section 232. Übersetzt in ein Alltagsbild: Apple ist ein Haus, das auf einem einzigen, hervorragenden Pfeiler steht, gebaut auf gemietetem Boden in einer Erdbebenzone der Geopolitik. Das Haus hält seit fünfzehn Jahren — aber der Bauplan steht so im Pflichtbericht, nicht in der Keynote.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Bei KI ist Apple Zahler, nicht Kassierer — und der eigene Bericht sagt es jetzt selbst

Die vielleicht aufschlussreichste Passage des jüngsten Quartalsberichts ist eine, die es vorher nicht gab: Apple hat im Frühjahr 2026 erstmals einen eigenständigen KI-Risikofaktor in den Bericht aufgenommen. Er beginnt mit einer Feststellung — und wird dann bemerkenswert konkret bei der Frage, ob sich das alles rechnet:

„Artificial intelligence technologies are increasingly integrated into the Company’s products and services and its business and operations. […] For example, the Company’s artificial intelligence efforts may give rise to risks related to: competition and strategy; recouping costs and returns on investments; product liability; intellectual property infringement; data privacy; cybersecurity; sanctions and export controls; exposing users to harmful, inaccurate or other negative content or experiences; bias and discrimination; and online safety and protection of minors; among other issues.“

Übersetzung: „Technologien der Künstlichen Intelligenz werden zunehmend in die Produkte und Dienste des Unternehmens sowie in sein Geschäft und seine Abläufe integriert. […] Die KI-Anstrengungen des Unternehmens können beispielsweise Risiken mit sich bringen in Bezug auf: Wettbewerb und Strategie; die Wiedererwirtschaftung von Kosten und die Rendite der Investitionen; Produkthaftung; Verletzung geistigen Eigentums; Datenschutz; Cybersicherheit; Sanktionen und Exportkontrollen; die Konfrontation von Nutzern mit schädlichen, unzutreffenden oder anderweitig negativen Inhalten und Erfahrungen; Voreingenommenheit und Diskriminierung; sowie Online-Sicherheit und Jugendschutz — neben weiteren Themen.“

— Apple Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Part II, Item 1A „Risk Factors“ (neuer KI-Risikofaktor)

Gelb markierte Textstelle aus dem Apple-Quartalsbericht 10-Q zum 28. März 2026: Der neue KI-Risikofaktor nennt unter anderem Wettbewerb und Strategie sowie die Wiedererwirtschaftung von Kosten und Investitionsrenditen als Risiken der eigenen KI-Anstrengungen.
Die markierte Stelle im Original: der im Frühjahr 2026 neu aufgenommene, eigenständige KI-Risikofaktor. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Wettbewerb und Strategie“ und „Wiedererwirtschaftung von Kosten“ — das ist, in der vorsichtigen Sprache eines Pflichtberichts, das Eingeständnis einer Aufholjagd auf eigene Rechnung. Die Kosten dazu stehen ein paar Seiten weiter vorn, und sie steigen weiter: Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben legten im Quartal bis zum 27. Juni 2026 um 32 Prozent auf 11,7 Milliarden US-Dollar zu, in neun Monaten um 33 Prozent auf 34,0 Milliarden. Die Begründung ist inzwischen unmissverständlich: höhere Infrastruktur-Kosten, „einschließlich Investitionen in Künstliche Intelligenz“, plus Personalaufwand. Auffällig bleibt, was in der Ertragsrechnung nicht dasteht: Der komplette Geschäftsbericht für 2025 erwähnt Apples eigenes KI-System „Apple Intelligence“ kein einziges Mal, und eine als solche ausgewiesene KI-Umsatzquelle gibt es in keinem Filing. Im Juni-Quartal 2026 stellte Apple mit den Systemen der Generation 27 die neue „Siri AI“ vor — der Bericht führt sie unter den Produktankündigungen auf, nicht unter den Erlösquellen.

Neu und aufschlussreich ist dafür ein anderer Risikofaktor: Apple hat im Quartalsbericht zum 27. Juni 2026 das Kapitel über die Beschaffung von Bauteilen um Rechenleistung erweitert — und räumt darin ein, für seine KI-Angebote auf fremde Rechenzentren angewiesen zu sein:

„The Company’s business, including its artificial intelligence and machine learning offerings, also depends on access to sufficient computing resources. Demand for cloud computing and artificial intelligence infrastructure has increased substantially across the technology industry, resulting in constrained supply, extended lead times, and increasing costs. In addition to its own data center infrastructure, the Company relies on third-party cloud service providers to meet these compute needs, and the Company may be unable to secure sufficient capacity on commercially reasonable terms, or at all, to meet customer demand.“

Übersetzung: „Das Geschäft des Unternehmens, einschließlich seiner Angebote im Bereich Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, hängt zudem vom Zugang zu ausreichender Rechenleistung ab. Die Nachfrage nach Cloud-Rechenleistung und KI-Infrastruktur ist in der gesamten Technologiebranche erheblich gestiegen, was zu knappem Angebot, längeren Lieferzeiten und steigenden Kosten führt. Neben der eigenen Rechenzentrums-Infrastruktur greift das Unternehmen auf Cloud-Anbieter Dritter zurück, um diesen Rechenbedarf zu decken, und es könnte dem Unternehmen nicht gelingen, ausreichende Kapazität zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen — oder überhaupt — zu sichern, um die Kundennachfrage zu bedienen.“

— Apple Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27.06.2026, Part II, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierter Absatz aus dem Apple-Quartalsbericht 10-Q zum 27. Juni 2026: Das Geschäft einschließlich der KI-Angebote hängt vom Zugang zu ausreichender Rechenleistung ab; Apple greift neben eigenen Rechenzentren auf Cloud-Anbieter Dritter zurück und könnte die nötige Kapazität womöglich nicht zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen sichern.
Die markierte Stelle im Original: Apple räumt ein, für seine KI-Angebote auf fremde Rechenzentren angewiesen zu sein — bei knappem Angebot und steigenden Preisen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in Alltagssprache: Der Konzern mit der größten Barkasse der Welt schreibt in seinen Pflichtbericht, dass er sich Rechenzeit womöglich nicht zu vernünftigen Preisen sichern kann. Und die Kostenseite hat noch eine zweite Front, die dich als Leser unserer Micron-Analyse bekannt vorkommen dürfte — dort ist sie der Boom, hier ist sie die Rechnung:

„The Company is experiencing a period of supply constraints and increasing costs for components driven by factors such as industry supply-demand imbalances for components, including advanced semiconductors, storage (NAND) and memory (DRAM). The Company expects these trends to intensify […]“

Übersetzung: „Das Unternehmen erlebt eine Phase von Lieferengpässen und steigenden Kosten für Komponenten, getrieben von Faktoren wie branchenweiten Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage — unter anderem bei fortgeschrittenen Halbleitern, Speicher (NAND) und Arbeitsspeicher (DRAM). Das Unternehmen erwartet, dass sich diese Trends intensivieren […]“

— Apple Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Item 2 MD&A „Macroeconomic Conditions“

Gelb markierte Textstelle aus dem Apple-Quartalsbericht 10-Q zum 28. März 2026: Apple erlebt Lieferengpässe und steigende Kosten für Komponenten wie fortgeschrittene Halbleiter, NAND-Speicher und DRAM-Arbeitsspeicher und erwartet, dass sich diese Trends intensivieren.
Die markierte Stelle im Original: Apples Warnung vor sich „intensivierenden“ Engpässen und Kosten bei Speicherchips. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der KI-Boom treibt die Preise für Speicherchips — jeder KI-Server frisst DRAM, den sonst iPhones bekämen. Für Speicherhersteller wie Micron ist das der Jackpot; für Apple, einen der größten Speicher-Einkäufer der Welt, ist es eine Kostenwelle mit Ansage. Im Juni-Quartal 2026 war sie schon in den Zahlen zu sehen, nur eben überdeckt: Der Bericht nennt „höhere Kosten, unter anderem für Speicher“ als Gegenposten zur Produktmarge, und in der Bilanz stiegen die Vorräte an Komponenten binnen neun Monaten von 2,1 auf 7,6 Milliarden US-Dollar — Apple, der Erfinder der fast leeren Lagerhalle, deckt sich ein. Für das September-Quartal kündigte der Konzern selbst eine Bruttomarge von nur noch 47 bis 48 Prozent an. Merke dir die Konstellation: Apple bezahlt den KI-Boom vierfach — über eigene Infrastruktur, über eingekaufte Rechenzeit, über teurere Bauteile und über das Risiko, dass die Plattform-Konkurrenz schneller ist. Verdient hat es an ihm bislang: nichts Ausgewiesenes.

Bewertung: 4 Billionen Dollar — Qualität zum Qualitätspreis, Rekorde als Messlatte

Anfang Juli 2026 kostete die Aktie rund 275 US-Dollar, der Börsenwert lag bei etwa 4.041 Milliarden US-Dollar — nach rund 46 Prozent Kursanstieg binnen zwölf Monaten und etwa 7 Prozent unter dem Allzeithoch (alle Kursangaben: Datenstand 8. Juli 2026; zur Einordnung: Apple selbst kaufte im Mai und Juni 2026 eigene Aktien zu Durchschnittspreisen von 297,18 und 296,18 US-Dollar zurück). Rechnet man diesen Kurs gegen die inzwischen bekannten vier Quartale bis zum 27. Juni 2026 — 466,8 Milliarden Umsatz, 128,9 Milliarden Nettogewinn, 8,72 US-Dollar verwässertes Ergebnis je Aktie —, ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 31, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 8,7 und ein Verhältnis von Kurs zu freiem Mittelzufluss von rund 30 (136,7 Milliarden freier Mittelzufluss in denselben zwölf Monaten). Zum Vergleich innerhalb derselben Scanner-Trefferliste: Alphabet kostete das 26-fache seines Gewinns bei zuletzt höherem Wachstum. Die Dividendenrendite bleibt trotz jährlicher Erhöhungen bei mageren 0,4 Prozent; das eigentliche Ausschüttungsvehikel sind die Rückkäufe — 138,0 Milliarden US-Dollar waren zum 27. Juni 2026 noch genehmigt. Der „Blick der Profis“: 48 Analysten, Konsens klar auf „Kaufen“ — beim bekanntesten Konzern der Welt allerdings eher Umgebungstemperatur als Information. Rechne lieber die Gegenprobe: Ein KGV von 31 unterstellt, dass der iPhone-Schub keine einmalige Welle war, dass die Marge nach dem Auslaufen der Zoll-Erstattungen und unter der Speicherkosten-Last nicht dauerhaft unter die angekündigten 47 bis 48 Prozent rutscht — und dass die Mautstelle ihre Schranken behält. Merke dir den Kern: Du bekommst hier die vielleicht beste Firma der Welt — aber zu einem Preis, der das beste Jahr ihrer Geschichte bereits als neuen Normalzustand einpreist, während das Unternehmen selbst für das nächste Quartal eine sinkende Marge in Aussicht stellt.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Apple spricht:

  • Ein Rekordlauf mit Substanz: 364,4 Milliarden US-Dollar Umsatz (+16 Prozent) und 101,5 Milliarden Nettogewinn (+20 Prozent) in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026, Bruttomarge 49,1 Prozent, 117,0 Milliarden operativer Mittelzufluss; allein das Juni-Quartal brachte 109,4 Milliarden Umsatz und 2,02 US-Dollar Ergebnis je Aktie (10-Q zum 27.06.2026).
  • Der iPhone-Zyklus dreht nach vier Jahren Stagnation: iPhone-Umsatz +22 Prozent in neun Monaten, Mac +29 Prozent im Juni-Quartal, Greater China nach Jahren des Schrumpfens +30 Prozent in neun Monaten — kein einziges schrumpfendes Gebiet (10-Q zum 27.06.2026).
  • Die Mautstelle wächst zweistellig weiter: Services 91,7 Milliarden US-Dollar in neun Monaten (+14 Prozent) bei 76,3 Prozent Bruttomarge — planbare Abo-, Provisions- und Lizenzerlöse quer über die gesamte Geräteflotte (10-Q zum 27.06.2026).
  • Festungs-Bilanz plus Aktionärs-Maschine: rund 62 Milliarden US-Dollar Netto-Kasse, Eigenkapital wieder bei 107,5 Milliarden und der Bilanz-Fehlbetrag getilgt, Piotroski 8 von 9, Altman-Z 6,6, dazu 138,0 Milliarden noch genehmigte Rückkäufe (10-Q zum 27.06.2026; Scanner-Datenstand 8. Juli 2026).
  • Vier Value-/Qualitäts-Scanner-Treffer am 8. Juli 2026 (Greenblatt, Terry Smith, Zweig, Altman-Z-Bilanz-Festung; Greenblatt und Terry Smith am 14. Juli live bestätigt) — und kein einziger Warnscanner.

Was dagegen spricht:

  • Drei Rechtsfronten an der profitabelsten Sparte: Google-Suchvertrag im Kartell-Berufungsverfahren (mögliches Verbot kommerzieller Konditionen), das Epic-Verfahren seit dem 30. Juni 2026 vor dem Obersten Gerichtshof, EU: 500 Millionen Euro DMA-Strafe plus zweites Verfahren mit bis zu 10 Prozent des Weltumsatzes, dazu die DOJ-Monopolklage (10-K GJ 2025; 10-Q zum 27.06.2026).
  • Klumpen im Bauplan: 54 Prozent des Umsatzes aus einer Produktkategorie, Endmontage praktisch aller Geräte bei Auftragsfertigern vor allem in Asien, Greater China zugleich Markt und Fertigungszentrum, Zoll-Regime im Dauerumbau (10-K GJ 2025; 10-Q zum 27.06.2026).
  • Die Marge sinkt auf Ansage: Von den 50,1 Prozent Bruttomarge des Juni-Quartals kamen rund zwei Prozentpunkte aus einmaligen Zoll-Erstattungen; für das September-Quartal kündigte Apple 47 bis 48 Prozent an und „deutlich“ zunehmende Lieferengpässe, während sich die Preise für DRAM/NAND laut eigenem Bericht weiter „intensivieren“ sollen (8-K vom 30.07.2026; Telefonkonferenz vom 30.07.2026; 10-Q zum 27.06.2026).
  • KI als offene Flanke: eigenständiger KI-Risikofaktor („Wettbewerb und Strategie“, „Wiedererwirtschaftung von Kosten“), dazu ein neuer Rechenleistungs-Risikofaktor mit dem Eingeständnis, Kapazität womöglich nicht zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen sichern zu können, Forschungsausgaben +32 Prozent im Quartal, keine ausgewiesene KI-Umsatzquelle (10-Q zum 27.06.2026).
  • Führungswechsel in der heikelsten Phase: Tim Cook gibt den Vorstandsvorsitz zum 1. September 2026 an John Ternus ab, während drei Verfahren an der Services-Sparte laufen (8-K vom 20.04.2026).
  • Bewertung am oberen Rand: KGV rund 31 auf Basis eines Rekordjahres, Kurs zu freiem Mittelzufluss rund 30, Dividendenrendite 0,4 Prozent — die Jahre 2022 bis 2024 zeigen, wie schnell aus Apple-Wachstum Apple-Stagnation werden kann (Kursstand 8. Juli 2026; 10-Q zum 27.06.2026).

Was die Conference Calls verraten

Wir haben die zehn Earnings-Call-Wortprotokolle von Apple von 2024-Q2 bis 2026-Q3 chronologisch gelesen und dabei nur eine Frage gestellt: Hält das Management, was es ein oder zwei Quartale vorher angekündigt hat? Bei den Zahlen lautet die Antwort uneingeschränkt ja. In allen neun prüfbaren Übergängen wurde die Umsatzprognose erreicht oder übertroffen, oft deutlich. Jenseits der Zahlen bleibt ein klarer Bruch stehen — und ein zweiter Punkt, der bei genauem Hinsehen keiner ist.

Der eine echte Fall ist Siri. Die persönliche Siri wurde im Juni 2024 angekündigt, im Call zu 2024-Q4 erklärte Tim Cook ausdrücklich, man liege genau im angekündigten Plan und führe gut aus. Im Call zu 2025-Q1 hieß es, die neue Siri komme „in den nächsten Monaten“. Vier Monate später, in 2025-Q2, folgte die Kehrtwende, ohne dass ein vorheriger Call darauf vorbereitet hätte: Man brauche mehr Zeit. Auf die direkte Analystenfrage nach der Ursache — Organisation, alter Software-Unterbau oder Budget? — zählte Cook die bereits ausgelieferten Funktionen auf und sagte dann nur: „Es dauert eben etwas länger, als wir dachten. Mehr Gründe gibt es nicht.“ Der Finanzchef ergänzte, am Forschungsbudget werde nicht gespart. Ab 2025-Q3 verschob sich die Zusage aufs Folgejahr, in 2026-Q1 stellte sich heraus, dass die neue Siri auf einer Zusammenarbeit mit Google beruht, und erst in 2026-Q3 ging sie als öffentliche Beta an den Start. In der EU und in China ist sie weiterhin nicht verfügbar. Rund achtzehn Monate zwischen „in den nächsten Monaten“ und der Auslieferung — das ist ein Bruch.

Anders liegt der Fall bei der Bilanz. Seit Jahren nannte Apple die Netto-Cash-Neutralität als Ziel, zuletzt bekräftigt im Call zu 2025-Q2 bei einer Nettoliquidität von 35 Milliarden Dollar. Danach entfernte sich der Konzern wieder davon: 34 Milliarden in 2025-Q4, 54 Milliarden in 2026-Q1. Im Call zu 2026-Q2, bei 62 Milliarden Dollar, wurde das Ziel als formale Vorgabe gestrichen. Ein Datum hat Apple dafür allerdings nie genannt — schon in 2024-Q2 antwortete Finanzchef Luca Maestri auf die Nachfrage, es werde „noch eine Weile dauern“, und man werde die optimale Kapitalstruktur neu bewerten, sobald man dort sei. Und gestrichen wurde offen: im vorbereiteten Teil des Finanzchefs, auf Nachfrage ausführlich begründet (Cash und Schulden werde man künftig unabhängig bewerten, weil das wirtschaftlich bessere Entscheidungen erlaube), begleitet von weiteren 100 Milliarden Dollar Rückkaufermächtigung und einer um 4 Prozent erhöhten Dividende. Das Rückkaufvolumen fiel im selben Quartal von 25 auf 11 Milliarden Dollar; auch dafür nannte der Call einen Grund, die kurz zuvor angekündigte Wachablösung an der Konzernspitze. Ein aufgegebenes Ziel ohne Termin, offen erklärt — das ist ein Strategiewechsel, kein gebrochenes Versprechen.

Zwei Punkte bleiben als Beobachtung, ohne dass sie das Bild kippen:

  • Die Zahlungen des Suchmaschinen-Partners. In vier Calls — 2024-Q4, 2025-Q2, 2025-Q3 und 2025-Q4 — fragten Analysten nach Größenordnung, Risiko oder Ausweichmöglichkeiten. Eine Zahl kam nie. Der Grund war jedes Mal derselbe und ist nachvollziehbar: das laufende Kartellverfahren gegen den Partner, zu dessen Ausgang das Management nicht spekulieren wollte; in 2025-Q2 benannte Cook das Risiko immerhin ausdrücklich als vorhanden und den Ausgang als offen. Cooks bekannter Satz aus 2025-Q4 — „Ich weiche der Frage bewusst aus, weil wir das nicht so aufschlüsseln“ — bezog sich nicht auf die Suchzahlungen, sondern auf die Nachfrage, ob innerhalb der Werbekategorie das eigene und das fremde Geschäft je einzeln Rekorde erreicht hätten; dass die Werbekategorie insgesamt einen Rekord erreichte, hatte er zuvor offengelegt. Für den Anleger positiv: In 2025-Q3 legte Apple ausdrücklich offen, dass die Umsatzprognose den Fortbestand genau dieser Vereinbarung voraussetzt.
  • Vision Pro. In 2024-Q2 bis 2024-Q4 füllte das Gerät eigene Absätze der Eröffnungsrede, samt Hinweis, mehr als die Hälfte der 100 größten US-Konzerne habe bereits gekauft. Danach nahm die Präsenz ab, wenn auch nicht gleichmäßig. In 2025-Q3 musste ein Analyst anmerken, Vision Pro sei zu kurz gekommen. In 2026-Q1 und 2026-Q2 fiel der Name kein einziges Mal, in 2026-Q3 nur noch in einer Randnotiz zur Barrierefreiheit. Eine eigene Umsatz- oder Stückzahl wurde nie genannt — das entspricht allerdings der Berichtspraxis des Konzerns: Stückzahlen nennt Apple seit 2018 für kein einziges Produkt mehr, und Umsatz wird nur auf Segmentebene ausgewiesen, weshalb auch Watch und AirPods keine eigene Zahl bekommen.

Zur Gegenbilanz gehört, dass Apple bei allem, was es beziffert, sehr verlässlich ist. Die im Call zu 2025-Q4 gegebenen Zusagen für das Dezemberquartal — bestes Quartal der Firmengeschichte, bestes iPhone-Quartal aller Zeiten, Rückkehr zu Wachstum in China — wurden in 2026-Q1 alle übertroffen: 143,8 Milliarden Dollar Umsatz, statt der angesagten 10 bis 12 Prozent Wachstum wurden es 16 Prozent, iPhone plus 23 Prozent, Großraum China plus 38 Prozent. Auch die Zollkostenschätzungen trafen präzise (0,9 Milliarden angesagt, 0,8 gezahlt; 1,1 Milliarden angesagt und exakt getroffen). Die einzigen dokumentierten Überschreitungen betreffen die Betriebskosten, die in 2025-Q4 und 2026-Q2 jeweils über der genannten Spanne lagen — in 2026-Q2 räumte der Finanzchef das selbst ein.

Unser Fazit: Wer Apple an der Quartalsprognose misst, bekommt ein sehr sauberes Bild — die Guidance ist eher zu vorsichtig als geschönt. Wer das Unternehmen an seinen datierbaren Zusagen misst, muss genau einen Bruch notieren, die persönliche Siri, und sollte die offene Siri-Zusage aus 2026-Q3 (Auslieferung im Herbst 2026, EU und China ohne Termin) mitschreiben. Nach der Vorgeschichte gehört gerade dieser Punkt unter Beobachtung.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Vertrautheits-Illusion. Sie flüstert: „Du kennst Apple doch.“ Nach der Lektüre der Pflichtberichte kannst du präziser sagen, was du kennst: das Produkt, die Marke, die Verlässlichkeit einer Maschine, die selbst in ihren Flaute-Jahren neunzig Milliarden Dollar Gewinn auswarf und gerade in neun Monaten mehr verdient hat als in manchem ganzen Jahr davor. Was die Vertrautheit dir nicht zeigt, steht in den Berichten: dass der margenstärkste Teil dieses Gewinns eine Mautstelle ist, deren Schranken in Washington, Kalifornien und Brüssel gleichzeitig verhandelt werden — im Epic-Fall inzwischen vor dem Obersten Gerichtshof; dass der Konzern auf einem Produkt-Pfeiler in einer geopolitischen Erdbebenzone baut; dass ein gutes Stück der Rekordmarge des Juni-Quartals aus einmaligen Zoll-Erstattungen stammt und Apple für das nächste Quartal selbst zwei bis drei Prozentpunkte weniger ankündigt; dass bei der KI ausgerechnet der Konzern mit dem Geld-Rekord im Risikokapitel von „Wiedererwirtschaftung von Kosten“ und von womöglich unbezahlbarer Rechenzeit schreibt statt von Erlösen; und dass all das ab dem 1. September 2026 ein neuer Vorstandsvorsitzender verantworten wird. Nichts davon ist versteckt — es steht in denselben Dokumenten wie die Rekorde. Der Greenblatt-Scanner hat seinen Job gemacht: Er hat eine außergewöhnlich gute Firma gefunden, deren Gewinn im Verhältnis zum Preis nicht absurd ist. Was er nicht kann: Berufungsurteile, Provisions-Modelle und Produktzyklen bepreisen. Diese Prüfung nimmt dir niemand ab — am wenigsten das Gerät in deiner Hand. Jetzt kennst du beide Seiten. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 365.817,0 394.328,0 383.285,0 391.035,0 416.161,0
Betriebsergebnis (EBIT) 108.949,0 119.437,0 114.301,0 123.216,0 133.050,0
Nettogewinn 94.680,0 99.803,0 96.995,0 93.736,0 112.010,0
Nettomarge 25,9 % 25,3 % 25,3 % 24,0 % 26,9 %
Gewinn je Aktie 5,61 $ 6,11 $ 6,13 $ 6,08 $ 7,46 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Marktposition & Produkt positiv
Das wertvollste Konsumgüter-Ökosystem der Welt: iPhone-Umsatz +22 Prozent in neun Monaten nach vier Jahren Stagnation, Comeback in Greater China (+30 Prozent in neun Monaten), dazu die Services-Mautstelle mit 91,7 Milliarden US-Dollar Neunmonatsumsatz und 76,3 Prozent Bruttomarge (10-K GJ 2025; 10-Q zum 27.06.2026).
Ertragskraft & Bilanz positiv
Rekordjahr mit 364,4 Milliarden US-Dollar Umsatz und 101,5 Milliarden Nettogewinn in neun Monaten, 117,0 Milliarden operativer Mittelzufluss, rund 62 Milliarden Netto-Kasse, wieder positive Gewinnrücklage nach dem getilgten Bilanz-Fehlbetrag, Piotroski 8 von 9 und Altman-Z 6,6 — dazu 138,0 Milliarden noch genehmigte Rückkäufe (10-Q zum 27.06.2026; Scanner-Datenstand 8. Juli 2026).
Rechts- & Regulierungsrisiko negativ
Drei Fronten an der profitabelsten Sparte: mögliches Verbot kommerzieller Google-Konditionen im Kartell-Berufungsverfahren, das Epic-Verfahren seit dem 30. Juni 2026 vor dem Obersten Gerichtshof, 500 Millionen Euro DMA-Strafe plus zweites EU-Verfahren mit bis zu 10 Prozent des Weltumsatzes, dazu die DOJ-Monopolklage (10-K GJ 2025; 10-Q zum 27.06.2026).
Klumpen, Kosten & KI negativ
54 Prozent des Umsatzes aus einer Produktkategorie, Endmontage praktisch komplett bei Auftragsfertigern in Asien, Zoll-Regime im Dauerumbau; Speicherkosten (DRAM/NAND) steigen laut eigenem Bericht mit „intensivierender“ Tendenz, ein neuer Risikofaktor räumt zudem ein, Rechenleistung womöglich nicht zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen sichern zu können — und eine ausgewiesene KI-Umsatzquelle gibt es weiterhin nicht (10-K GJ 2025; 10-Q zum 27.06.2026).
Margen-Ausblick & Führungswechsel neutral
Von den 50,1 Prozent Bruttomarge des Juni-Quartals stammen rund zwei Prozentpunkte aus einmaligen Zoll-Erstattungen; für das September-Quartal kündigte Apple am 30. Juli 2026 nur noch 47 bis 48 Prozent und „deutlich“ zunehmende Lieferengpässe an. Zugleich übergibt Tim Cook den Vorstandsvorsitz zum 1. September 2026 an John Ternus (8-K vom 20.04.2026) — ein von langer Hand geplanter, terminlich aber unbequemer Wechsel.
Bewertung & Gewinnqualität neutral
KGV rund 31, Kurs zu freiem Mittelzufluss rund 30, Dividendenrendite 0,4 Prozent (Kursstand 8. Juli 2026, gerechnet gegen die vier Quartale bis zum 27.06.2026) — bezahlt wird das beste Jahr der Firmengeschichte als Normalzustand; die Rückkauf-Maschine verstärkt den Gewinn je Aktie, ersetzt aber kein Wachstum, wie die Geschäftsjahre 2022 bis 2024 zeigen.

Apple ist der seltene Fall eines Value-Scanner-Treffers am Allzeithoch der eigenen Leistungsfähigkeit: Rekordjahr, iPhone-Superzyklus, Netto-Kasse, ein getilgter Bilanz-Fehlbetrag, Piotroski 8 von 9 — Qualität, wie sie die Magic Formula liebt. Dagegen stehen vier offene Fragen, die kein Scanner bepreist: ob die Gerichte in Washington, Kalifornien und Brüssel die Mautstelle intakt lassen, deren Lizenz- und Provisionserlöse den margenstärksten Teil des Gewinns tragen; ob der iPhone-Schub eine neue Ebene oder nur eine Welle ist; ob Apple die KI-Aufholjagd bezahlen kann, ohne dass Speicher-, Rechen- und Infrastrukturkosten die Marge zurückholen — für das September-Quartal kündigt der Konzern selbst 47 bis 48 Prozent statt 50,1 Prozent an; und wie sich der Wechsel im Vorstandsvorsitz zum 1. September 2026 auswirkt. Ein KGV von rund 31 lässt für Enttäuschungen an keiner dieser Fronten viel Platz. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Qualität belegt

Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.

Wer die Aktie hält, hält einen operativ herausragenden Konzern mit Festungs-Bilanz und einem Produktzyklus in voller Fahrt — dafür gibt es keinen Verkaufsgrund aus den Berichten. Ein Neueinstieg zum 31-fachen Rekordgewinn ist dagegen eine bewusste Dreifach-Wette: auf die Haltbarkeit des iPhone-Zyklus, auf glimpfliche Urteile an Google-Vertrag und App-Store-Provision und darauf, dass die Speicherkosten-Welle die Marge nicht tiefer erwischt als die vom Unternehmen selbst angekündigten 47 bis 48 Prozent. Wer alle drei Wetten versteht und mittragen will, kauft Qualität zum Qualitätspreis; wer auf eine davon keine Antwort hat, wartet — etwa auf das Berufungsurteil zum Google-Vertrag, auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Epic-Verfahren oder auf die ersten Quartale unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden mit voller Speicherkosten-Last. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Apple hat ein gebrochenes Geschäftsjahr (Ende: letzter Samstag im September). „GJ 2025“ bezeichnet die zwölf Monate bis zum 27.09.2025; das „dritte Quartal GJ 2026“ sind die drei Monate bis zum 27.06.2026, die „ersten neun Monate GJ 2026“ die Zeit vom 28.09.2025 bis zum 27.06.2026.
  • Fortschreibung vom 11.08.2026: eingearbeitet sind das dritte Quartal GJ 2026 (8-K Item 2.02 vom 30.07.2026, 10-Q vom 31.07.2026), die Prognose des Managements fürs September-Quartal aus der Telefonkonferenz vom 30.07.2026, die Annahme der Epic-Revision durch den Obersten Gerichtshof am 30.06.2026 und der Wechsel im Vorstandsvorsitz zum 01.09.2026 (8-K Item 5.02 vom 20.04.2026).
  • Zwölfmonatswerte (466,8 Mrd. Umsatz, 128,9 Mrd. Nettogewinn, 8,72 US-Dollar je Aktie, 136,7 Mrd. freier Mittelzufluss, 97,9 Mrd. Ausschüttung) sind aus dem GJ 2025 und den Neunmonatszahlen beider Jahre selbst gerechnet; sie sind kein Geschäftsjahr.
  • Der Nettogewinn des GJ 2024 (93,7 Milliarden US-Dollar) war durch den einmaligen Steueraufwand von 10,2 Milliarden aus der bestätigten Irland-Steuernachzahlung (EuGH-Urteil September 2024) gedrückt; der Gewinnsprung 2025 ist teilweise Basiseffekt.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 8. Juli 2026 (rund 275 US-Dollar je Aktie, rund 4.041 Milliarden US-Dollar Börsenwert); Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
  • Die Scanner-Zugehörigkeit wurde doppelt geprüft: Datenstand 8. Juli 2026 (Greenblatt, Terry Smith, Zweig, Altman-Z-Bilanz-Festung) und Live-Check am 14. Juli 2026 (Greenblatt und Terry Smith bestätigt; die anderen beiden zwischenzeitlich entfallen).

Urteilskarte herunterladen (Ampel und Bewertung dieser Analyse als Bild, PNG)

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 14. Juli 2026. Was sich seitdem bei AAPL geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu Apple Inc (AAPL) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Mit Geräten und einer Mautstelle: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 (Ende 27. Juni 2026) brachte das iPhone 196,5 von 364,4 Milliarden US-Dollar Umsatz, dazu Mac, iPad und Wearables. Die Services-Sparte (App Store, Werbung inklusive Google-Suchvertrag, iCloud, AppleCare, Abos) setzte 91,7 Milliarden um — bei 76,3 Prozent Bruttomarge und damit gut 42 Prozent des Konzern-Bruttogewinns im Juni-Quartal.

Apple nutzt ein gebrochenes Geschäftsjahr: Es endet immer am letzten Samstag im September und umfasst 52 oder 53 Wochen. „Geschäftsjahr 2025“ lief vom 29. September 2024 bis zum 27. September 2025; das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 endete am 27. Juni 2026 — deshalb nennt Apple dieses Sommerquartal „drittes Quartal“ und nicht „zweites“. Das wichtige Weihnachtsgeschäft liegt dadurch im ersten Quartal des Geschäftsjahres.

Joel Greenblatts Magic Formula sucht hohe Kapitalrendite plus hohe Gewinnrendite. Apples Kapitalrendite ist außergewöhnlich, weil die Fabriken den Auftragsfertigern gehören und Rückkäufe das Eigenkapital verkleinert haben; die Gewinnrendite ist mit rund 3,7 Prozent solide (Datenstand 8. Juli 2026). Die Formel findet hier vor allem Qualität — Rechtsrisiken am Services-Gewinn sieht sie nicht.

Stark: Das iPhone stand im Geschäftsjahr 2025 für gut 50 Prozent des Umsatzes, in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 für 54 Prozent. Apple warnt im Risikokapitel selbst, dass ein Nachfragerückgang bei dieser einen Produktkategorie Umsätze und Bruttomargen erheblich beeinträchtigen könnte. Zuvor stagnierte der iPhone-Umsatz vier Jahre lang bei 200 bis 210 Milliarden US-Dollar.

Google zahlt Apple für den Platz als voreingestellte Suchmaschine; diese Lizenzerlöse laufen fast ohne Kosten in den Gewinn. Das US-Kartellgericht ließ den Vertrag im September 2025 bestehen, beide Seiten legten Berufung ein. Apple warnt selbst: Eine Aufhebung könnte Google verbieten, kommerzielle Konditionen für die Suchverteilung anzubieten — mit wesentlichen Folgen für diese Erlöse.

Sie steht in mehreren Rechtsordnungen zur Disposition: Im Epic-Verfahren untersagte ein US-Gericht 2025 zeitweise jede Provision auf Käufe außerhalb der App und verwies Apple zur Prüfung strafrechtlicher Schritte an die Staatsanwaltschaft; die Berufungsinstanz erlaubte im Dezember 2025 grundsätzlich wieder eine Provision, und am 30. Juni 2026 nahm der Oberste Gerichtshof Apples Revision an. Die EU verhängte 500 Millionen Euro DMA-Strafe, ein zweites Verfahren droht mit bis zu 10 Prozent des Weltumsatzes.

Operativ eine Festung: rund 146,5 Milliarden US-Dollar Kasse und Wertpapiere gegen 84,3 Milliarden Finanzschulden (27. Juni 2026), Piotroski 8 von 9, Altman-Z 6,6. Bemerkenswert: Weil Apple über Jahre mehr ausschüttete als es verdiente, wies die Bilanz Ende September 2025 noch einen Fehlbetrag von 14,3 Milliarden aus. Der ist getilgt — zum 27. Juni 2026 steht eine positive Gewinnrücklage von 11,3 Milliarden, das Eigenkapital liegt bei 107,5 Milliarden.

Eher voll bewertet: Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 31, Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 8,7, Kurs zu freiem Mittelzufluss rund 30, Dividendenrendite 0,4 Prozent — gerechnet mit dem Kursstand vom 8. Juli 2026 gegen die vier Quartale bis zum 27. Juni 2026, also gegen ein Rekordjahr. Günstig ist das nur, wenn der iPhone-Schub trägt, die Marge nach dem Auslaufen der Zoll-Erstattungen nicht dauerhaft unter die angekündigten 47 bis 48 Prozent rutscht und die Gerichte die Services-Erlöse intakt lassen.

Eine datierbare, und zwar die persönliche Siri: Im Call zu 2025-Q1 hieß es, sie komme in den nächsten Monaten; im Call zu 2025-Q2 folgte ohne inhaltliche Erklärung die Verschiebung, ab 2025-Q3 auf das Folgejahr, ausgeliefert wird sie erst im Herbst 2026 — in der EU und in China weiterhin gar nicht. Das oft genannte zweite Beispiel, die Aufgabe des Ziels der Netto-Cash-Neutralität in 2026-Q2, zählt bei genauem Hinsehen nicht dazu: Apple hat dafür nie einen Termin genannt, und die Streichung wurde im vorbereiteten Teil offen vorgetragen und begründet. Bei den Quartalsprognosen gab es keinen einzigen Fehlschlag.

Sehr verlässlich, und tendenziell zu vorsichtig. In allen neun prüfbaren Übergängen von 2024-Q2 bis 2026-Q3 wurde die Umsatzprognose erreicht oder übertroffen. Die größte Abweichung nach oben lag im Call zu 2025-Q2, wo für das Juniquartal ein niedriges bis mittleres einstelliges Wachstum angesagt wurde und tatsächlich 10 Prozent herauskamen. Auch die Zollkostenschätzungen trafen punktgenau. Für Modelle taugt die Mitte der Guidance daher eher als Untergrenze denn als Punktschätzung; nur bei den Betriebskosten wurde die Spanne zweimal überschritten.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?