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Oceaneering: Platz 8 im Kurslücken-Scanner — und diesmal blieb die Lücke offen

Oceaneering: Platz 8 im Kurslücken-Scanner — und diesmal blieb die Lücke offen

Der Filter sucht den „Buyable Gap Up“: Ein ohnehin führender Titel beantwortet gute Zahlen mit einer Kurslücke, die nicht mehr geschlossen wird. Bei Oceaneering öffnete die Aktie am 23. Juli 2026 mit 4,93 Prozent Abstand nach oben — und fiel danach an keinem Tag mehr unter den Kurs vor den Zahlen. Nur: Der ausgewiesene Gewinn von 3,49 US-Dollar je Aktie für 2025 kommt zu rund zwei Dritteln vom Finanzamt. Wir rechnen nach, was diese Aktie auf einen normalisierten Gewinn kostet — und wie weit das Unterwassergeschäft vom Zyklushoch 2014 noch entfernt ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit
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Oceaneering: Platz 8 im Kurslücken-Scanner — und diesmal blieb die Lücke offen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts-, Quartals- und Ad-hoc-Berichte, 10-K/10-Q/8-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Denkfalle, die bei Kursmustern besonders zuverlässig zuschnappt. Nennen wir sie den Lücken-Trugschluss. Er geht so: Eine Aktie eröffnet nach guten Zahlen mit einem Sprung nach oben, also müssen die Zahlen gut gewesen sein, also weiß der Markt etwas, also steigt sie weiter. Bei den beiden Titeln, die wir vor diesem aus derselben Scanner-Liste geprüft haben, ging genau das schief: Beide Male lag das Tagestief noch am Tag der Eröffnungslücke unter dem Schlusskurs vor dem Bericht — die Lücke war zu, bevor irgendjemand sie in Ruhe kaufen konnte.

Bei Oceaneering International, Inc. (NYSE: OII) ist es diesmal anders gelaufen, und deshalb lohnt der genaue Blick. Die Aktie steht auf Platz 8 von zehn Treffern in unserem Scanner „Earnings-Gap + RS“ — einem Filter, der den sogenannten Buyable Gap Up sucht: Ein ohnehin führender Titel beantwortet gute Zahlen mit einer Kurslücke, die nicht mehr geschlossen wird.

Am 22. Juli 2026 nach Börsenschluss kamen die Zahlen zum zweiten Quartal, der Schlusskurs lag bei 45,00 US-Dollar. Am 23. Juli eröffnete die Aktie bei 47,22 US-Dollar — eine Kurslücke von 4,93 Prozent. Das Tagestief lag bei 46,49 und damit über dem Schlusskurs des Vortags: Die Lücke wurde an diesem Tag nicht einmal angetestet. Am 24. Juli schloss die Aktie bei 52,73, am 27. Juli bei 52,17 US-Dollar. Drei Handelstage, plus 15,9 Prozent.

Machen wir also einen Deal: Wir sehen nach, ob die Zahlen diesen Sprung wirklich tragen — und was diese Aktie auf einen Gewinn kostet, der nicht von einer einmaligen Steuerbuchung lebt. Die Quellen sind die Berichte, die Oceaneering bei der US-Börsenaufsicht SEC einreicht. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Inhaltsübersicht

Was Oceaneering eigentlich macht — 250 Tauchroboter und ein Verteidigungsgeschäft

Oceaneering baut und betreibt Roboter, die dort arbeiten, wo kein Mensch hinkommt. Das Kerngeschäft sind ferngesteuerte Arbeitsfahrzeuge — im Branchenjargon ROV für remotely operated vehicle: Tauchroboter, die über ein Kabel von einem Schiff oder einer Bohrplattform aus gesteuert werden, mit Greifarmen, Sonar und Kameras ausgerüstet sind und in Wassertiefen von 3.000 Metern und mehr Bohrungen begleiten, Rohrleitungen prüfen oder Unterwasseranlagen warten.

Das Unternehmen wurde 1969 in Delaware gegründet, aus dem Zusammenschluss dreier Tauchdienstleister aus den frühen 1960er-Jahren. Der Sitz liegt in Houston, Texas. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort rund 11.100 Menschen, etwa 35 Prozent in den USA und 65 Prozent im Ausland. 55 Prozent des Umsatzes — rund 1,5 Milliarden US-Dollar — entstehen außerhalb der Vereinigten Staaten, vor allem in Afrika, Großbritannien, Norwegen, Brasilien, Asien und Australien.

Fünf Segmente, vier davon im Energiegeschäft:

  • Unterwasserrobotik (Subsea Robotics) — die Tauchroboterflotte, dazu Vermessungsdienste und ROV-Werkzeuge. Umsatz 2025: 855,2 Millionen US-Dollar, Betriebsergebnis 257,1 Millionen, Marge 30 Prozent. Das ist die Gewinnmaschine des Hauses.
  • Gefertigte Produkte (Manufactured Products) — Versorgungsleitungen für Unterwasseranlagen, Spezialverbindungen der Marke Grayloc, dazu Fahrgeschäfte für Freizeitparks. Umsatz 2025: 569,0 Millionen, Betriebsergebnis 72,5 Millionen, Marge 13 Prozent.
  • Offshore-Projekte (OPG) — schiffsgestützte Arbeiten im Golf von Mexiko und vor Afrika, mit zwei eigenen und fünf gecharterten dynamisch positionierten Tiefwasserschiffen. Umsatz 2025: 616,0 Millionen, Betriebsergebnis 96,1 Millionen, Marge 16 Prozent.
  • Integritätsmanagement und Digitales (IMDS) — Prüfung und Zustandsüberwachung von Anlagen, Software. Umsatz 2025: 284,0 Millionen, Betriebsergebnis 10,7 Millionen, Marge 4 Prozent.
  • Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung (ADTech) — Ingenieurleistungen und Fertigung für die US-Marine, die NASA und deren Hauptauftragnehmer: Prototypenbau, Instandsetzung an U-Booten und Überwasserschiffen, Raumfahrttechnik, unbemannte Unterwasserfahrzeuge. Umsatz 2025: 459,9 Millionen, Betriebsergebnis 57,7 Millionen, Marge 13 Prozent.

Dazu kommen nicht zugeordnete Konzernkosten von 189,6 Millionen US-Dollar (2025), die vom Segmentergebnis abgehen. Konzernumsatz 2025: 2.784,2 Millionen US-Dollar, Betriebsergebnis 304,6 Millionen.

Die Marktstellung beschreibt das Unternehmen im Geschäftsbericht selbst — und sie ist der Grund, warum diese Firma überhaupt interessant ist:

Markierte Textstelle aus dem SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Oceaneering besaß zum 31. Dezember 2025 250 Arbeits-Tauchroboter, betreibt nach eigener Einschätzung die größte Flotte der Welt und hält bei der Bohrunterstützung geschätzt 60 Prozent Marktanteil an den 136 unter Vertrag stehenden schwimmenden Bohreinheiten.
Der Satz, an dem alles hängt: 250 Fahrzeuge, größte Flotte der Welt, größter Ergebnisbeitrag des Energiegeschäfts, rund 60 Prozent Marktanteil bei der Bohrunterstützung. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„As of December 31, 2025, we owned 250 work-class ROVs. We believe we own and operate the largest fleet of work-class ROVs in the world and this business segment is the largest contributor to our Energy business operating income. We also believe we are the industry leader in providing ROV services for offshore drill support, with an estimated 60% market share of the 136 contracted floating drilling rigs at the end of 2025.“

Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 besaßen wir 250 Arbeits-Tauchroboter. Wir gehen davon aus, dass wir die größte Flotte an Arbeits-Tauchrobotern der Welt besitzen und betreiben, und dieses Segment ist der größte Beitragszahler zum Betriebsergebnis unseres Energiegeschäfts. Wir gehen ferner davon aus, dass wir Marktführer bei ROV-Diensten für die Offshore-Bohrunterstützung sind, mit einem geschätzten Marktanteil von 60 Prozent an den 136 zum Jahresende 2025 unter Vertrag stehenden schwimmenden Bohreinheiten.“Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Subsea Robotics“ (sec.gov)

Und ein Satz zum Merken für den Rest des Textes: Oceaneering verdient sein Geld nicht an der Zahl der Roboter, sondern an der Zahl der Tage, an denen sie im Wasser sind — und die hängt an den Investitionsbudgets der Ölkonzerne für Tiefwasserprojekte. Der Konzern kann seine Kostenbasis nicht mit diesen Budgets mitatmen lassen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 8 von zehn

Wir lassen täglich mehrere tausend Aktien durch unsere Scanner laufen. Oceaneering kam über den Filter „Earnings-Gap + RS“ auf die Rechercheliste. Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:

  • Quartalsbericht in den letzten sieben Tagen
  • am oder nach dem Berichtstag eine Eröffnungs-Kurslücke von mindestens 2 Prozent nach oben
  • relative Stärke über zwölf Monate von mindestens 80 — die Aktie ist also stärker gestiegen als mindestens 80 Prozent aller Aktien im Universum

So findest du die Zeile selbst: Scanner-Übersicht öffnen, Rubrik „Earnings & Überraschungen“, Filter „Earnings-Gap + RS“ wählen. Am 28. Juli 2026 zeigte diese Liste im gesamten Universum genau zehn Treffer, sortiert nach der angezeigten Spalte „RS“ absteigend: Richardson Electronics auf Platz 1 (90), Liberty Energy auf Platz 2 (88), Knight-Swift Transportation auf Platz 3 (86), Valmont Industries auf Platz 4 (85), Five Star Bancorp auf Platz 5 (81), FirstCash und Mueller Industries auf 6 und 7 (je 80), Oceaneering auf Platz 8 (77), Weatherford International auf Platz 9 (70) und QuantumScape auf Platz 10 (36).

Ein Hinweis zur Genauigkeit, den man an dieser Stelle machen muss: Die angezeigte Spalte „RS“ und das Feld, das der Filter liest, sind nicht dasselbe. Die Tabelle zeigt eine zusammengesetzte Stärke-Note (bei Oceaneering 77), der Filter prüft dagegen die reine Zwölfmonats-Stärke und verlangt dort mindestens 80. Beide Werte können auseinanderlaufen, und bei Oceaneering tun sie es. Wer die Liste nach der sichtbaren Spalte liest und sich über Platz 8 bei einer Schwelle von 80 wundert, hat also recht — es sind zwei verschiedene Zahlen.

Und jetzt der Satz, den man bei diesem Filter aussprechen muss, weil er sonst niemandem auffällt: Dieser Scanner sagt nichts über die Firma. Er kennt weder Flottenauslastung noch Auftragsbestand noch Verschuldung. Er beweist genau eines — dass der Markt die zuletzt gemeldeten Zahlen mit einer Kurslücke nach oben quittiert hat und dass der Titel in den zwölf Monaten davor zu den Stärksten gehörte. Ob diese Lücke trägt, muss man selbst nachsehen.

Die Zahlen zu Oceaneering in dieser Zeile, Kurs-Stand 27. Juli 2026: Kurs 52,20 US-Dollar, Börsenwert 5,2 Milliarden, erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis 19,5, Kurs-Umsatz 1,8, Kurs zu freiem Cashflow 23,3, Unternehmenswert zum Ergebnis vor Abschreibungen 9,9, Eigenkapitalquote 41,9 Prozent, Bruttomarge 20,0 Prozent, Nettomarge 12,1 Prozent, Eigenkapitalrendite 35,9 Prozent, Altman-Z 9,2, relative Stärke 77, Gewinn-Wachstums-Rating 21, Piotroski-Wert 4 von 9, Fundamental-Rating C (50 von 100), Stage 2, Beta 1,15, Leerverkaufsquote 7,8 Prozent, keine Dividende. Das mittlere Kursziel der vier erfassten Analysten liegt 7,3 Prozent unter dem Kurs.

Vier Angaben auf dieser Seite verdienen einen zweiten Blick, und wir legen sie offen, statt sie zu glätten.

Erstens: Die Renditespalten sind über einen Monat alt. Angezeigt werden seit Jahresbeginn plus 51,0 Prozent, zwölf Monate plus 75,3 Prozent, sechs Monate plus 62,7 Prozent. Nachgerechnet am Kursverlauf ergeben sich zum Schlusskurs des 27. Juli 2026 aber plus 117,1 Prozent seit Jahresbeginn (Jahresschluss 2025: 24,03 US-Dollar), plus 127,6 Prozent auf zwölf Monate (28. Juli 2025: 22,92) und plus 68,5 Prozent auf sechs Monate. Zwei der drei angezeigten Werte gehen exakt auf, wenn man sie auf den 23. Juni 2026 und einen Kurs von 36,28 US-Dollar bezieht. Der Kurs in der Zeile ist also aktuell, die Renditen daneben sind es nicht.

Zweitens: Drei Kennzahlen fehlen ganz. Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Verschuldungsgrad zeigen einen Strich, obwohl das Unternehmen in den letzten zwölf Monaten 350,1 Millionen US-Dollar verdient hat, 1.168,8 Millionen Eigenkapital ausweist und 490,2 Millionen langfristige Schulden trägt. Wir rechnen die drei Werte im Bewertungskapitel selbst aus.

Drittens: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2,1 Prozent lässt sich mit dem Kursverlauf nicht in Einklang bringen. Das Zwölfmonatshoch wurde am 27. Juli 2026 selbst erreicht — 53,97 US-Dollar im Handelsverlauf; der höchste Schlusskurs lag am 24. Juli bei 52,73. Der tatsächliche Abstand beträgt 3,3 beziehungsweise 1,1 Prozent.

Viertens: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 unterstellt einen Gewinn von rund 2,68 US-Dollar je Aktie. Oceaneering selbst stellt für 2026 einen Jahresüberschuss von 184 bis 203 Millionen US-Dollar in Aussicht — das sind 1,83 bis 2,02 US-Dollar je Aktie. Die Schätzung liegt also ein Drittel bis die Hälfte über der eigenen Prognose des Unternehmens.

Die Lücke: 4,93 Prozent auf — und offen geblieben

Zuerst das, was tatsächlich passiert ist — Kurs für Kurs.

Liniendiagramm der Oceaneering-Aktie um die Zahlen zum zweiten Quartal 2026: Schlusskurs am 22. Juli 45,00 US-Dollar, Eröffnung am 23. Juli 47,22, Tagestief 46,49, Tagesschluss 48,02, Schlusskurs am 24. Juli 52,73 und am 27. Juli 52,17 US-Dollar.
Die Kurslücke von 4,93 Prozent hielt: Das Tagestief des 23. Juli lag mit 46,49 US-Dollar über dem Schlusskurs vor den Zahlen. Gehandelt wurden an diesem Tag 2.596.400 Stück nach 1.327.900 am Vortag, am 24. Juli 3.955.100. Quelle: Fundamentaldaten (Kursverlauf) & SEC-Meldung 8-K vom 22.07.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Unterschied zu den beiden Vorgängern aus derselben Liste ist eindeutig. Bei Knight-Swift Transportation eröffnete die Aktie am 23. Juli 3,91 Prozent höher und fiel im Tagesverlauf bis auf 71,44 US-Dollar — 6,0 Prozent unter den Schlusskurs vor den Zahlen. Bei Valmont Industries eröffnete sie am 21. Juli 3,65 Prozent höher und fiel bis auf 503,84 US-Dollar, 4,2 Prozent unter den Vortagsschluss. Beide Lücken waren am selben Tag zu. Bei Oceaneering ist der Kurs an keinem der drei folgenden Handelstage in die Nähe der 45,00 US-Dollar zurückgekommen: Das Tagestief des 24. Juli lag bei 47,66, das Tagestief des 27. Juli bei 51,10.

Ein zweiter Umstand gehört dazu, damit das Bild ehrlich bleibt: Am 24. Juli 2026 hat Oceaneering eine weitere Meldung eingereicht — eine Regulation-FD-Mitteilung, dass eine Investorenpräsentation für Gespräche mit institutionellen Anlegern nach Börsenschluss auf der eigenen Website verfügbar sein werde. Der stärkste Tag der Bewegung (plus 9,8 Prozent) fällt also mit dem Beginn einer Investorenansprache zusammen. Ein Beweis für Kausalität ist das nicht, aber es gehört in die Chronologie.

Was im Bericht stand — Segment für Segment

Die Zahlen waren gut, und sie waren besser als der eigene Ausblick. Im Einzelnen, alles aus der Pressemitteilung zum zweiten Quartal 2026 (Vergleich jeweils zum zweiten Quartal 2025):

  • Umsatz 768,2 Millionen US-Dollar, plus 10,0 Prozent.
  • Betriebsergebnis 88,2 Millionen, plus 11,4 Prozent — Marge unverändert 11 Prozent.
  • Auf Oceaneering entfallender Gewinn 65,0 Millionen, plus 19,4 Prozent; ausgewiesener Gewinn je Aktie 0,65 US-Dollar nach 0,54, bereinigt 0,63 nach 0,49.
  • Bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 114,5 Millionen — über der Obergrenze des eigenen Ausblicks.
  • Operativer Mittelzufluss 55,2 Millionen, freier Cashflow 32,0 Millionen. Kassenbestand zum Quartalsende 629,5 Millionen nach 434 Millionen ein Jahr zuvor.
  • Aktienrückkäufe: 263.335 Stück für rund 10,0 Millionen US-Dollar.

Der Vorstandsvorsitzende Rod Larson ordnet das Quartal in der Mitteilung so ein:

„We delivered a strong second quarter, with our consolidated adjusted EBITDA of $115 million exceeding the top end of our guidance. These positive results were driven by overperformance from our Offshore Projects Group (OPG), where favorable project mix and operational execution drove better-than-expected revenue and profitability. […] All of our segments generated increased revenue and operating income, except for Integrity Management and Digital Solutions (IMDS), which was partially impacted by the ongoing Middle East conflict.“

Übersetzung: „Wir haben ein starkes zweites Quartal geliefert; unser bereinigtes Konzern-EBITDA von 115 Millionen US-Dollar hat die Obergrenze unseres Ausblicks übertroffen. Getragen wurden diese Ergebnisse von einer Überperformance unserer Offshore-Projektsparte, wo ein günstiger Projektmix und die operative Umsetzung zu besser als erwarteten Umsätzen und Erträgen führten. […] Alle unsere Segmente erzielten höhere Umsätze und Betriebsergebnisse, mit Ausnahme des Integritätsmanagements und der digitalen Lösungen, die teilweise vom anhaltenden Nahostkonflikt betroffen waren.“Anlage 99.1 zur SEC-Meldung 8-K vom 22. Juli 2026 (sec.gov)

Segment für Segment sah das so aus:

  • Unterwasserrobotik: Umsatz 232,0 Millionen US-Dollar (plus 6,0 Prozent), Betriebsergebnis 66,3 Millionen (plus 2,8 Prozent), Marge 29 Prozent. Der Erlös je ROV-Einsatztag stieg auf 11.894 US-Dollar, die Flottenauslastung fiel leicht von 67 auf 66 Prozent.
  • Gefertigte Produkte: Umsatz 149,0 Millionen (plus 2,7 Prozent), Betriebsergebnis 21,9 Millionen (plus 16,9 Prozent), Marge 15 Prozent. Auftragsbestand zum 30. Juni 2026: 445 Millionen US-Dollar nach 516 Millionen ein Jahr zuvor.
  • Offshore-Projekte: Umsatz 182,8 Millionen (plus 22,5 Prozent), Betriebsergebnis 30,0 Millionen (plus 38,6 Prozent), Marge 16 Prozent — der stärkste Treiber des Quartals.
  • Integritätsmanagement und Digitales: Umsatz 70,8 Millionen (minus 6,0 Prozent), Betriebsergebnis 0,1 Millionen nach 4,6 Millionen. Für das Gesamtjahr wurde die Ergebnisprognose dieses Segments auf eine „niedrige einstellige“ Marge gesenkt.
  • Luft- und Raumfahrt/Verteidigung: Umsatz 133,5 Millionen (plus 21,8 Prozent), Betriebsergebnis 16,4 Millionen (plus 0,8 Prozent) — die Marge fiel von 15 auf 12 Prozent.
  • Nicht zugeordnete Kosten: 46,6 Millionen, praktisch unverändert.

Für das dritte Quartal 2026 stellt Oceaneering ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 115 bis 125 Millionen US-Dollar in Aussicht; die Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis wurde von 390 bis 440 auf 400 bis 440 Millionen angehoben.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zur Fairness gehört: Diese Firma hat sich aus einem tiefen Loch herausgearbeitet. Das Betriebsergebnis lag 2018 bis 2020 drei Jahre in Folge im Minus, im Corona-Jahr 2020 bei minus 446,1 Millionen US-Dollar. Seither geht es Jahr für Jahr aufwärts:

  • Umsatz (Millionen US-Dollar): 1.869,3 (2021) · 2.066,1 (2022) · 2.424,7 (2023) · 2.661,2 (2024) · 2.784,2 (2025)
  • Betriebsergebnis: 39,8 · 110,9 · 181,3 · 246,3 · 304,6 — eine Versiebenfachung in vier Jahren
  • Gewinn je Aktie, ausgewiesen (US-Dollar): −0,49 · 0,26 · 0,95 · 1,44 · 3,49
  • Gewinn je Aktie, bereinigt: 0,17 · 0,31 · 0,80 · 1,14 · 1,93
  • Bruttomarge: 14,1 · 14,9 · 16,5 · 18,2 · 20,4 Prozent

2025 war nach Angabe des Unternehmens das siebte Jahr in Folge mit steigendem bereinigtem Ergebnis vor Abschreibungen (401 Millionen US-Dollar). Der Auftragseingang lag bei 3,7 Milliarden US-Dollar, das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz konzernweit bei 1,33. Der gesamte feste Auftragsbestand wuchs von 2.439 auf 2.703 Millionen US-Dollar, dazu kommen 658 Millionen noch nicht finanzierter Aufträge im Verteidigungssegment (Vorjahr: 279 Millionen).

Wer den Gewinn tatsächlich verdient, zeigt der Blick auf die Segmente:

Liniendiagramm des Betriebsergebnisses je Segment von Oceaneering für die Jahre 2021 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Unterwasserrobotik steigt von 76,9 auf 257,1, gefertigte Produkte von minus 15,9 auf 72,5, Offshore-Projekte von 31,2 auf 96,1, Luft- und Raumfahrt fällt von 61,0 auf 44,2 und erreicht 2025 wieder 57,7, Integritätsmanagement fällt von 18,6 auf 10,7.
Die Unterwasserrobotik trug 2025 mit 257,1 von 494,1 Millionen US-Dollar Segmentergebnis 52 Prozent des gesamten Gewinns vor Konzernkosten — bei nur 31 Prozent des Umsatzes. Das Verteidigungsgeschäft liegt mit 57,7 Millionen unter seinem Wert von 2021 (61,0). Quelle: SEC-Geschäftsberichte 10-K für 2021 bis 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Zwei Drittel des Gewinnsprungs 2025 kamen vom Finanzamt

Der Gewinn je Aktie sprang 2025 von 1,44 auf 3,49 US-Dollar — eine Steigerung um 142 Prozent. In derselben Zeit stieg das Betriebsergebnis nur um 24 Prozent. Die Differenz steht in einer einzigen Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung: Die Steuerposition kippte von einem Aufwand von 77,4 Millionen US-Dollar (2024) auf einen Ertrag von 67,9 Millionen (2025). Ein Unterschied von 145,3 Millionen, ohne dass ein einziger Roboter mehr gearbeitet hätte.

Markierte Textstelle aus dem SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Die Wertberichtigung auf latente Steuerforderungen sank 2025 um 154 Millionen US-Dollar, davon 140 Millionen auf Bundesebene und 10 Millionen auf Ebene der US-Bundesstaaten.
Die Auflösung des Steuerpolsters, im Klartext: minus 154 Millionen US-Dollar Wertberichtigung im Jahr 2025, davon 140 Millionen US-Bundessteuer und 10 Millionen Bundesstaatensteuer. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„In accordance with applicable accounting standards, the valuation allowance decreased by $154 million in 2025 and $23 million in 2024. The 2025 decrease in valuation allowance was primarily related to US federal and state valuation allowance release of $140 million and $10 million, respectively.“

Übersetzung: „Nach den anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften sank die Wertberichtigung im Jahr 2025 um 154 Millionen US-Dollar und 2024 um 23 Millionen. Der Rückgang im Jahr 2025 beruhte im Wesentlichen auf der Auflösung von Wertberichtigungen auf US-Bundes- und Bundesstaatenebene in Höhe von 140 beziehungsweise 10 Millionen US-Dollar.“Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Income Taxes“ (sec.gov)

Was ist da passiert? Ein Unternehmen, das jahrelang Verluste geschrieben hat, sammelt Verlustvorträge an — Ansprüche darauf, künftige Gewinne steuerfrei zu stellen. Solange unklar ist, ob diese Gewinne je kommen, muss es diese Ansprüche in der Bilanz abwerten. Fällt die Unsicherheit weg, wird die Abwertung aufgelöst — und das gesamte Polster landet auf einen Schlag im Gewinn. Genau das ist 2025 geschehen. Das Unternehmen rechnet den Effekt in seiner eigenen Überleitungsrechnung transparent heraus:

Balkendiagramm des ausgewiesenen und des bereinigten Gewinns je Aktie von Oceaneering für 2021 bis 2025 in US-Dollar: ausgewiesen minus 0,49, 0,26, 0,95, 1,44 und 3,49; bereinigt 0,17, 0,31, 0,80, 1,14 und 1,93.
2021 bis 2024 liegen beide Werte dicht beieinander. 2025 klaffen sie auseinander: 3,49 US-Dollar ausgewiesen gegen 1,93 bereinigt — die Differenz von 1,56 US-Dollar je Aktie entspricht 158,6 Millionen US-Dollar, davon 167,5 Millionen allein aus der Auflösung der Wertberichtigung. Quelle: SEC-Meldungen 8-K mit den Jahreszahlen 2021 bis 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Einordnungen dazu, damit das Bild nicht schief wird. Erstens ist die Auflösung kein Trick, sondern die Folge einer echten Verbesserung: Das Unternehmen begründet sie mit einem Trend positiver Ergebnisse und dem Wegfall eines kumulierten Dreijahresverlusts. Zweitens ist das Polster nicht aufgebraucht. Zum 31. Dezember 2025 stehen weiterhin 35 Millionen US-Dollar Wertberichtigung in den USA (für Anrechnungsguthaben ausländischer Steuern mit begrenzter Laufzeit) und 451 Millionen in ausländischen Steuergebieten in den Büchern. Weitere Auflösungen sind also möglich — und jede würde denselben Einmaleffekt erzeugen.

Was der Steuerertrag nicht ist: eine Zahlungsersparnis. Oceaneering rechnet für 2026 mit Steuerzahlungen von 95 bis 105 Millionen US-Dollar, weil viele Länder auf Basis des im Land erzielten Umsatzes besteuern, unabhängig davon, ob dort Gewinn anfällt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Tiefwasserzyklus ist 39 Prozent vom Hoch entfernt — und die Einsatztage fallen wieder

Oceaneering benennt seine Abhängigkeit in den Risikofaktoren selbst, und zwar in der Überschrift:

Markierte Textstelle aus dem SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Oceaneering erzielt den Großteil seines Umsatzes mit Kunden aus der Offshore-Öl- und Gasindustrie, einer historisch zyklischen Branche mit erheblichen Schwankungen der Explorations- und Entwicklungsaktivität.
Der Risikofaktor Nummer eins, im Wortlaut des Unternehmens: historisch zyklische Branche, Aktivitätsniveaus stark von Höhe und Schwankung der Öl- und Gaspreise abhängig. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Risikofaktoren (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„We derive most of our revenue from customers in the offshore oil and gas exploration, development and production industry. The offshore oil and gas industry is a historically cyclical industry characterized by significant changes in the levels of exploration and development activities.“

Übersetzung: „Den Großteil unseres Umsatzes erzielen wir mit Kunden aus der Offshore-Öl- und Gasindustrie in Exploration, Erschließung und Förderung. Die Offshore-Öl- und Gasindustrie ist eine historisch zyklische Branche, die von erheblichen Schwankungen im Umfang der Explorations- und Erschließungstätigkeit geprägt ist.“Geschäftsbericht 10-K für 2025, Risikofaktoren (sec.gov)

Wie weit dieser Zyklus vom Hoch entfernt ist, lässt sich beziffern — und zwar an der Kernkennzahl des Hauses, den Einsatztagen der Roboterflotte.

Liniendiagramm der ROV-Einsatztage in Tausend und der Flottenauslastung in Prozent bei Oceaneering von 2013 bis 2025: Einsatztage fallen von 98.302 im Jahr 2014 auf 47.282 im Jahr 2017 und erreichen 2025 wieder 59.629; die Auslastung fällt von 83 auf 46 Prozent und liegt 2025 bei 65 Prozent.
Zwölf Jahre Tiefwasserzyklus: Vom Hoch 2014 (98.302 Einsatztage, 83 Prozent Auslastung) in den Absturz auf 47.282 Tage und 46 Prozent im Jahr 2017 — und dann eine Erholung, die 2023 mit 61.874 Tagen ihren bisherigen Gipfel hatte. Quelle: SEC-Geschäftsberichte 10-K für 2015, 2018, 2021, 2023 und 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die harten Zahlen dazu:

  • ROV-Einsatztage 2025: 59.629 — das sind 39,3 Prozent weniger als im Zyklushoch 2014 (98.302).
  • Flottenauslastung 2025: 65 Prozent nach 83 Prozent im Jahr 2014 und 85 Prozent im Jahr 2013.
  • Flottengröße: 250 Fahrzeuge — unverändert seit 2022. Ende 2015 waren es 315.
  • Umsatz der letzten zwölf Monate: 2.872,1 Millionen US-Dollar gegen 3.659,6 Millionen im Jahr 2014 — 21,5 Prozent darunter, und das nach zwölf Jahren Inflation.
  • Betriebsergebnis der letzten zwölf Monate: 297,9 Millionen gegen 628,3 Millionen im Jahr 2014 — 52,6 Prozent darunter.
  • Investitionen in die Roboterflotte: 65 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 gegen 189 Millionen im Jahr 2014.

Und jetzt der Teil, den man in einem Jubelbericht über eine Kurslücke nicht liest: Die Einsatztage sind seit zwei Jahren rückläufig. 61.874 (2023) → 61.382 (2024) → 59.629 (2025). Die Auslastung sank im selben Zeitraum von 68 über 67 auf 65 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 28.604 Tage und 63 Prozent — nach 30.382 Tagen und 67 Prozent im Vorjahreszeitraum. Auch die durchschnittliche Zahl schwimmender Bohreinheiten unter Vertrag ging 2025 um 6,2 Prozent auf rund 137 zurück.

Das Wachstum der Unterwasserrobotik kommt seit drei Jahren ausschließlich aus dem Preis. Der Erlös je Einsatztag stieg von 9.618 US-Dollar (viertes Quartal 2023) über 10.786 (viertes Quartal 2024) auf 11.550 (viertes Quartal 2025), 12.401 (erstes Quartal 2026) und 11.894 (zweites Quartal 2026) — plus 23,7 Prozent in zweieinhalb Jahren. Das ist eine reale Leistung in einem Markt mit begrenztem Angebot. Es ist aber auch die einzige Quelle des Segmentwachstums, und Preise sind zyklischer als Mengen.

Ein Hoffnungszeichen aus dem eigenen Ausblick gehört dazu: Für 2026 erwartet die vom Unternehmen zitierte Branchenanalyse 306 Auftragsvergaben und 370 Installationen für Unterwasser-Fördereinrichtungen, nach 190 Vergaben und 343 Installationen im Jahr 2025. Das ist der Vorlaufindikator für das Segment „gefertigte Produkte“ — und er zeigt nach oben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Verteidigungsgeschäft verdient 2025 weniger als 2021

Die Erzählung, die den Kurs seit Jahresbeginn getragen hat, lautet: Oceaneering ist nicht nur ein Ölzykliker, sondern zunehmend ein Verteidigungsunternehmen. Das Unternehmen selbst nennt Luft- und Raumfahrt für 2026 „unseren wichtigsten Wachstumsmotor“. Der Umsatz stützt diese Erzählung — der Gewinn nur bedingt.

  • Umsatz (Millionen US-Dollar): 367,0 (2021) · 342,6 (2022) · 376,8 (2023) · 392,9 (2024) · 459,9 (2025) — plus 25,3 Prozent in vier Jahren.
  • Betriebsergebnis: 61,0 · 44,2 · 45,0 · 42,2 · 57,7 — das ist weniger als 2021.
  • Marge: 16,6 · 12,9 · 11,9 · 10,7 · 12,6 Prozent.

Im zweiten Quartal 2026 setzte sich das fort: Der Umsatz stieg um 21,8 Prozent auf 133,5 Millionen, das Betriebsergebnis aber nur um 0,8 Prozent auf 16,4 Millionen — die Marge fiel von 15 auf 12 Prozent. Das Unternehmen begründet das mit „Programmkostenmix und Zeitpunkten“. Im ersten Halbjahr 2026 liegt das Segmentergebnis mit 24,5 Millionen sogar unter dem Vorjahreswert von 27,0 Millionen, bei 28,0 Prozent mehr Umsatz.

Dazu kommt die Kundenkonzentration. Ein einziger Kunde — die US-Regierung, bedient überwiegend über dieses Segment — stand 2025 für 12 Prozent des Konzernumsatzes:

Markierte Textstelle aus dem SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Im Geschäftsjahr 2025 entfielen auf einen einzigen Kunden, die US-Regierung, die überwiegend über das Segment Luft- und Raumfahrt bedient wird, 12 Prozent des gesamten Konzernumsatzes.
Ein Kunde, 12 Prozent des Konzernumsatzes: die US-Regierung, überwiegend über das Verteidigungssegment. Die fünf größten Kunden zusammen standen 2025 für 31 Prozent. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Vier der fünf größten Kunden sind Öl- und Gasförderer, der fünfte ist die US-Regierung. Zusammen stehen sie für 31 Prozent des Umsatzes (2024: 31, 2023: 36 Prozent). Das Unternehmen nennt unter seinen Risikofaktoren ausdrücklich „künftige Haushalts- und Fiskalbeschränkungen der US-Regierung, einschließlich des Risikos von Haushaltssperren“. Und im Geschäftsbericht steht ein offener Streitfall: Oceaneering verhandelt mit einem Kunden dieses Segments über einen Vertragskonflikt; ein Gerichtsverfahren läuft nicht, die Höhe eines möglichen Schadens ist offen.

Die gute Nachricht bleibt: Der noch nicht finanzierte Auftragsbestand dieses Segments stieg von 279 auf 658 Millionen US-Dollar, getragen von einem Auftrag, den Oceaneering als den mit dem größten anfänglichen Vertragswert seiner Geschichte bezeichnet. Ob daraus Marge wird, ist die Frage der nächsten zwei Jahre.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Auftragsbestand der gefertigten Produkte schrumpft seit drei Jahren

Das Segment „gefertigte Produkte“ ist das einzige, für das Oceaneering einen Auftragsbestand ausweist — und dieser Bestand ist der beste verfügbare Vorlaufindikator für das Energiegeschäft. Er sieht so aus (Millionen US-Dollar, jeweils zum Jahresende):

  • 467 (2022) → 622 (2023) → 604 (2024) → 511 (2025) → 445 (30. Juni 2026)

Das sind 28,5 Prozent weniger als am Höchststand Ende 2023. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, das über eins liegen muss, damit der Bestand wächst, lag bei 0,97 (2024), 0,84 (2025) und 0,88 für die zwölf Monate bis 30. Juni 2026. Das Unternehmen erwartet weitere Aufträge im zweiten Halbjahr 2026 und rechnet damit, dass sie den Bestand wieder anheben.

Wichtig zur Einordnung, weil es sonst schief klingt: Der gesamte feste Auftragsbestand des Konzerns ist gewachsen — von 2.439 auf 2.703 Millionen US-Dollar, getragen von der Unterwasserrobotik (1.041 nach 876 Millionen) und dem Integritätsmanagement (517 nach 291 Millionen). Nur die Sparte, deren Marge 2025 am stärksten gestiegen ist, arbeitet ihren Vorrat gerade ab.

Und noch eine Zahl aus derselben Sparte, die zeigt, dass dort auch Nicht-Energiegeschäft steckt: 2025 wurde eine Wertberichtigung auf Vorräte von 13 Millionen US-Dollar auf das Geschäft mit Fahrgeschäften für Freizeitparks gebucht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der freie Cashflow des ersten Halbjahres ist negativ

Die Bilanz von Oceaneering ist solide — das muss man zuerst sagen. Zum 30. Juni 2026:

  • Kasse 629,5 Millionen US-Dollar gegen 490,2 Millionen langfristige Schulden: eine Nettoliquidität von rund 139 Millionen.
  • Eigenkapital 1.168,8 Millionen bei einer Bilanzsumme von 2.688,8 Millionen — Eigenkapitalquote 43,5 Prozent.
  • Kreditlinie: 345 Millionen (seit 6. Juli 2026, zuvor 215), Laufzeit bis Juli 2031, vollständig unbezogen; zusätzlich 85 Millionen aufstockbar.
  • Firmenwert nur 50,8 Millionen — 1,9 Prozent der Bilanzsumme. Diese Bilanz ist nicht aus Zukäufen aufgeblasen.
  • Nach unserer eigenen Rechnung liegt der Altman-Z″-Wert bei 6,1, weit über der Sicherheitsgrenze von 2,6 und der Gefahrenschwelle von 1,1. Das Datenblatt weist 9,2 aus; beide Werte sagen dasselbe.

Der schwache Punkt ist die Zahlungsmittelerzeugung im Jahresverlauf. Oceaneering bindet in der ersten Jahreshälfte regelmäßig Kapital und holt es in der zweiten wieder herein — 2026 fällt das besonders deutlich aus:

  • Erstes Halbjahr 2026: operativer Mittelfluss minus 3,9 Millionen US-Dollar, Investitionen 40,6 Millionen, freier Cashflow minus 44,5 Millionen (Vorjahreszeitraum: minus 59,9 Millionen).
  • Gesamtjahr 2025: operativer Mittelzufluss 318,9 Millionen, freier Cashflow 208 Millionen — davon 191 Millionen allein im vierten Quartal, nach eigener Angabe „hauptsächlich getrieben vom Zeitpunkt der Kundenzahlungen“.
  • Prognose 2026: freier Cashflow 100 bis 120 Millionen US-Dollar — also weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts, bei Investitionen von 105 bis 115 Millionen.

Das ist für die Bewertung nicht nebensächlich. Das Datenblatt zeigt ein Kurs-zu-freiem-Cashflow-Verhältnis von 23,3 — das rechnet mit den 223 Millionen der letzten zwölf Monate und geht auf. Auf die eigene Prognose des Unternehmens für 2026 gerechnet sind es 43 bis 52.

Dazu kommt die Umschuldung, deren Kosten erst im dritten Quartal 2026 sichtbar werden: Für rund 400 Millionen US-Dollar Nennwert der alten 6,000-Prozent-Anleihe zahlte Oceaneering im Rückkaufangebot rund 415 Millionen; der Rest wurde zum 25. Juli 2026 mit Vorfälligkeitsentschädigung gekündigt. Der jährliche Kuponaufwand auf 500 Millionen steigt von 30,0 auf 34,4 Millionen US-Dollar. Gekauft wurden dafür sechs Jahre mehr Laufzeit (2028 → 2034) und eine deutlich größere Kreditlinie.

Bewertung: sieben Kurs-Gewinn-Verhältnisse für dieselbe Aktie

Jetzt die Rechnung, um die sich alles dreht. Grundlage: Bewertungsanker 52,17 US-Dollar (Schlusskurs 27. Juli 2026), 99.529.645 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 17. Juli 2026), Börsenwert also rund 5,19 Milliarden US-Dollar, Unternehmenswert nach Abzug der Nettoliquidität rund 5,05 Milliarden.

  • Auf das ausgewiesene Ergebnis der letzten zwölf Monate (350,1 Millionen US-Dollar): Kurs-Gewinn-Verhältnis 14,8. Das ist die Zahl, die billig aussieht — und die den Steuerertrag von 2025 enthält.
  • Auf das bereinigte Ergebnis der letzten zwölf Monate (194,6 Millionen, 1,93 US-Dollar je Aktie): 26,7.
  • Auf die eigene Jahresprognose 2026 (184 bis 203 Millionen, also 1,83 bis 2,02 US-Dollar je Aktie): 25,6 bis 28,2.
  • Auf den Fünfjahresschnitt 2021 bis 2025 des ausgewiesenen Gewinns (1,13 US-Dollar je Aktie): 46,2.
  • Auf den bereinigten Fünfjahresschnitt (0,87 US-Dollar): 60,0.
  • Auf den bereinigten Dreijahresschnitt 2023 bis 2025 (1,29 US-Dollar): 40,4.
  • Auf das Zyklushoch 2014 (4,00 US-Dollar ausgewiesen): 13,0.

Die Spannweite von 13 bis 60 ist keine Rechenspielerei, sondern die ehrliche Beschreibung der Lage: Oceaneering ist ein Zykliker in der Mitte einer Erholung. Wer auf den Zwölfmonatsgewinn schaut, sieht 14,8 und hält die Aktie für günstig. Wer den Steuereffekt herausrechnet, sieht 26,7. Wer den Durchschnitt der letzten fünf Jahre nimmt — also die Frage stellt, was diese Firma über einen halben Zyklus wirklich verdient —, sieht 60.

Die weiteren Kennzahlen zum Anker:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis 1,81 (letzte zwölf Monate).
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis 4,44 — der Buchwert je Aktie beträgt 11,74 US-Dollar. Das Datenblatt lässt diese Zeile leer.
  • Unternehmenswert zum bereinigten Ergebnis vor Abschreibungen 12,7 (letzte zwölf Monate: 399,3 Millionen) beziehungsweise 12,0 auf die Mitte der Jahresprognose (420 Millionen). Das Datenblatt zeigt 9,9.
  • Verschuldungsgrad 0,42 (490,2 Millionen langfristige Schulden zu 1.168,8 Millionen Eigenkapital) — abzüglich Kasse sogar negativ. Das Datenblatt lässt auch diese Zeile leer.
  • Keine Dividende. Kapital fließt über Rückkäufe zurück: 1.810.732 Aktien für 40,3 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, 263.335 Stück für 10,0 Millionen allein im zweiten Quartal 2026. Rund 5,4 Millionen Aktien bleiben in der Ermächtigung.

Zum Vergleich in derselben Scanner-Liste: Weatherford International und Liberty Energy stehen als Ölfelddienstleister unter demselben Zyklusdruck, und die Riley-Exploration-Permian-Analyse zeigt dieselbe Frage aus Sicht eines Förderers. Wer sehen will, wie ein Industrietitel ohne Ölbindung im selben Filter dasteht, findet das bei Mueller Industries, und wie ein Finanztitel darin aussieht, bei FirstCash.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was dafür spricht:

  • Der Aufhänger hat gehalten: Die Kurslücke vom 23. Juli 2026 von 4,93 Prozent wurde an keinem der drei folgenden Handelstage angetestet; das Tagestief lag jeweils deutlich über dem Kurs vor den Zahlen.
  • Belegte Marktführerschaft: 250 Arbeits-Tauchroboter, nach eigener Einschätzung die größte Flotte der Welt, rund 60 Prozent Marktanteil bei der Bohrunterstützung.
  • Sieben Jahre in Folge steigendes bereinigtes Ergebnis vor Abschreibungen; das Betriebsergebnis hat sich von 39,8 Millionen US-Dollar (2021) auf 304,6 Millionen (2025) versiebenfacht.
  • Solide Bilanz: 629,5 Millionen US-Dollar Kasse gegen 490,2 Millionen Schulden, Eigenkapitalquote 43,5 Prozent, Firmenwert nur 1,9 Prozent der Bilanzsumme, Kreditlinie auf 345 Millionen erweitert und bis 2031 verlängert.
  • Preisdurchsetzung in der Kernsparte: Der Erlös je ROV-Einsatztag stieg seit dem vierten Quartal 2023 um 23,7 Prozent auf 11.894 US-Dollar.
  • Auftragslage insgesamt aufwärts: fester Auftragsbestand 2.703 nach 2.439 Millionen US-Dollar, Auftragseingang 2025 von 3,7 Milliarden, konzernweites Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz 1,33; dazu 658 Millionen noch nicht finanzierte Verteidigungsaufträge nach 279 Millionen.
  • Das zweite Quartal 2026 hat den eigenen Ausblick übertroffen; die Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis wurde von 390–440 auf 400–440 Millionen angehoben.
  • Der Vorlaufindikator der Produktsparte zeigt nach oben: 306 erwartete Auftragsvergaben für Unterwasser-Fördereinrichtungen im Jahr 2026 nach 190 im Jahr 2025.

Was dagegen spricht:

  • Der ausgewiesene Gewinn 2025 von 3,49 US-Dollar je Aktie enthält 167,5 Millionen US-Dollar aus der Auflösung von Steuer-Wertberichtigungen; bereinigt blieben 1,93. Wer das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,8 liest, liest einen Einmaleffekt mit.
  • Der Tiefwasserzyklus liegt weit unter dem Hoch: Umsatz 21,5 Prozent, Betriebsergebnis 52,6 Prozent, ROV-Einsatztage 39,3 Prozent unter den Werten von 2014 — bei einer von 315 auf 250 Fahrzeuge geschrumpften Flotte.
  • Die Einsatztage fallen seit 2023 wieder (61.874 → 61.382 → 59.629), die Auslastung von 68 auf 65 Prozent; im ersten Halbjahr 2026 waren es 63 Prozent nach 67. Das Segmentwachstum kommt allein aus dem Preis.
  • Das Verteidigungsgeschäft, der erklärte Wachstumsmotor, verdiente 2025 mit 57,7 Millionen US-Dollar weniger als 2021 (61,0) — bei 25,3 Prozent mehr Umsatz. Im ersten Halbjahr 2026 liegt es mit 24,5 gegen 27,0 Millionen ebenfalls im Minus.
  • Kundenkonzentration: Die US-Regierung stand 2025 für 12 Prozent des Konzernumsatzes, die fünf größten Kunden für 31 Prozent. Ein Vertragsstreit in diesem Segment ist offen.
  • Der Auftragsbestand der gefertigten Produkte sank von 622 (Ende 2023) auf 445 Millionen US-Dollar (30. Juni 2026); das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz liegt seit zwei Jahren unter eins.
  • Das Integritätsmanagement verdient praktisch nichts mehr: 0,1 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis im zweiten Quartal 2026, im ersten Halbjahr minus 0,9 Millionen; die Jahresprognose wurde auf eine niedrige einstellige Marge gesenkt.
  • Der freie Cashflow des ersten Halbjahres 2026 ist mit minus 44,5 Millionen US-Dollar negativ; die eigene Jahresprognose von 100 bis 120 Millionen liegt bei knapp der Hälfte des Vorjahreswerts. Darauf gerechnet kostet die Aktie das 43- bis 52-Fache des freien Cashflows.
  • Die Umschuldung kostet: rund 415 Millionen US-Dollar für 400 Millionen Nennwert, dazu Vorfälligkeitsentschädigung auf den Rest und ein Kupon, der von 6,000 auf 6,875 Prozent steigt.
  • Auf den bereinigten Fünfjahresschnitt kostet die Aktie das 60-Fache; das mittlere Kursziel der Analysten liegt 7,3 Prozent unter dem Bewertungsanker, die Aktie 117 Prozent über dem Jahresanfang.

Ein menschliches Fazit

Der Scanner hat diesmal recht behalten, jedenfalls im engen Sinn seiner eigenen Aufgabe. Die Kurslücke hielt drei Handelstage, sie wurde nicht angetestet, und wer sie am Morgen des 23. Juli gekauft hätte, läge am 27. Juli 10,5 Prozent im Plus. Das ist mehr, als in den beiden Fällen davor herauskam.

Nur beweist ein Kursmuster nichts über die Firma darunter, und die Firma darunter ist zwiespältig. Sie ist Marktführerin in einer Nische mit hohen Eintrittsbarrieren — 250 Tauchroboter baut man nicht über Nacht nach —, sie hat ihre Bilanz in Ordnung, sie kauft eigene Aktien zurück, und sie hat sieben Jahre in Folge ihr operatives Ergebnis gesteigert. Sie hängt aber weiter an den Investitionsbudgets der Ölkonzerne für Tiefwasserprojekte, und diese Budgets liegen, gemessen an den Einsatztagen ihrer eigenen Flotte, noch immer 39 Prozent unter dem Stand von 2014 — mit zwei Rückgangsjahren in Folge.

Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,8 nicht günstig?“, sondern: Traust du diesem Unternehmen zu, in den nächsten Jahren dauerhaft 2,50 bis 3,00 US-Dollar je Aktie zu verdienen — ohne Steuerpolster, mit einer Flotte, deren Einsatztage seit zwei Jahren fallen, mit einem Verteidigungsgeschäft, das noch keinen Gewinn beisteuert, und mit einem Produktauftragsbestand, der seit drei Jahren schrumpft? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, zahlt heute das 17- bis 21-Fache eines Gewinns, den es noch nicht gibt. Wer sie mit Nein beantwortet, zahlt das 27-Fache des bereinigten und das 60-Fache des über fünf Jahre normalisierten Gewinns.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Oceaneering International.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung positiv
Oceaneering besaß zum 31. Dezember 2025 nach eigener Angabe mit 250 Arbeits-Tauchrobotern die größte Flotte der Welt und schätzt seinen Marktanteil bei der Bohrunterstützung auf rund 60 Prozent der 136 damals unter Vertrag stehenden schwimmenden Bohreinheiten. Die Unterwasserrobotik erwirtschaftete 2025 mit 257,1 Millionen US-Dollar rund 52 Prozent des gesamten Segmentergebnisses bei nur 31 Prozent des Umsatzes; die Segmentmarge lag bei 30 Prozent gegen 11 Prozent im Konzern. Eine Flotte dieser Größe lässt sich nicht kurzfristig nachbauen — die Investitionen dafür lagen im Zyklushoch 2014 bei 189 Millionen US-Dollar im Jahr.
Operative Erholung positiv
Das Betriebsergebnis stieg von 39,8 Millionen US-Dollar (2021) auf 304,6 Millionen (2025) — eine Versiebenfachung in vier Jahren, nach drei Verlustjahren von 2018 bis 2020 mit einem Tiefpunkt von minus 446,1 Millionen. 2025 war nach Unternehmensangabe das siebte Jahr in Folge mit steigendem bereinigtem Ergebnis vor Abschreibungen (401 Millionen). Das zweite Quartal 2026 übertraf mit 114,5 Millionen die Obergrenze des eigenen Ausblicks, alle Segmente außer dem Integritätsmanagement steigerten Umsatz und Betriebsergebnis, und die Jahresprognose wurde von 390–440 auf 400–440 Millionen angehoben.
Bilanz und Kapitalstruktur positiv
Zum 30. Juni 2026 standen 629,5 Millionen US-Dollar Kasse gegen 490,2 Millionen langfristige Schulden — eine Nettoliquidität von rund 139 Millionen. Die Eigenkapitalquote lag bei 43,5 Prozent, der Firmenwert bei nur 50,8 Millionen oder 1,9 Prozent der Bilanzsumme; diese Bilanz ist nicht aus Zukäufen aufgeblasen. Der Altman-Z″-Wert liegt nach eigener Rechnung bei 6,1 gegen eine Sicherheitsgrenze von 2,6. Die Kreditlinie wurde am 6. Juli 2026 von 215 auf 345 Millionen erhöht und bis Juli 2031 verlängert, sie ist unbezogen. Zurückgekauft wurden 2025 1,8 Millionen Aktien für 40,3 Millionen US-Dollar, im zweiten Quartal 2026 weitere 263.335 Stück.
Ergebnisgüte negativ
Der ausgewiesene Gewinn je Aktie sprang 2025 von 1,44 auf 3,49 US-Dollar, während das Betriebsergebnis nur um 24 Prozent stieg. Die Differenz stammt aus einer Steuerbuchung: Die Steuerposition kippte von 77,4 Millionen US-Dollar Aufwand auf 67,9 Millionen Ertrag, weil Wertberichtigungen auf latente Steuerforderungen über 154 Millionen aufgelöst wurden (140 Millionen US-Bundes-, 10 Millionen Bundesstaatensteuer). In der eigenen Überleitungsrechnung des Unternehmens sind das 167,5 Millionen Anpassung; bereinigt blieben 1,93 US-Dollar je Aktie. Weitere 486 Millionen US-Dollar Wertberichtigungen stehen noch in den Büchern, sodass sich der Effekt wiederholen kann.
Zyklusabhängigkeit negativ
Oceaneering hängt an den Investitionsbudgets der Ölkonzerne für Tiefwasserprojekte und benennt das in den Risikofaktoren selbst. Der Abstand zum Zyklushoch ist erheblich: Der Umsatz der letzten zwölf Monate liegt mit 2.872,1 Millionen US-Dollar 21,5 Prozent unter dem Wert von 2014, das Betriebsergebnis mit 297,9 Millionen 52,6 Prozent darunter, und die ROV-Einsatztage liegen mit 59.629 um 39,3 Prozent niedriger als 2014 — bei einer von 315 auf 250 Fahrzeuge geschrumpften Flotte. Bedenklicher als der Abstand ist die Richtung: Die Einsatztage fallen seit 2023 zwei Jahre in Folge, die Auslastung sank von 68 über 67 auf 65 Prozent und im ersten Halbjahr 2026 auf 63 Prozent. Das Wachstum kommt allein aus dem Preis je Einsatztag.
Verteidigungsgeschäft & Kundenkonzentration negativ
Das Segment Luft- und Raumfahrt/Verteidigung gilt als Wachstumsmotor für 2026, verdiente 2025 mit 57,7 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis aber weniger als 2021 (61,0), bei 25,3 Prozent mehr Umsatz; die Marge sank von 16,6 auf 12,6 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Segmentergebnis mit 24,5 Millionen unter dem Vorjahreswert von 27,0 Millionen, obwohl der Umsatz um 28,0 Prozent stieg. Die US-Regierung stand 2025 für 12 Prozent des Konzernumsatzes, die fünf größten Kunden für 31 Prozent; das Unternehmen nennt Haushaltsbeschränkungen und mögliche Haushaltssperren als Risiko und hat einen offenen Vertragsstreit in diesem Segment.
Auftragslage & Cashflow negativ
Der Auftragsbestand der gefertigten Produkte sank von 622 Millionen US-Dollar (Ende 2023) über 604 und 511 auf 445 Millionen zum 30. Juni 2026 — minus 28,5 Prozent; das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz lag mit 0,84 (2025) und 0,88 (zwölf Monate bis Juni 2026) zwei Jahre in Folge unter eins. Das Integritätsmanagement verdiente im zweiten Quartal 2026 noch 0,1 Millionen und im ersten Halbjahr minus 0,9 Millionen; die Jahresprognose wurde auf eine niedrige einstellige Marge gesenkt. Der freie Cashflow des ersten Halbjahres 2026 ist mit minus 44,5 Millionen negativ, und die eigene Jahresprognose von 100 bis 120 Millionen liegt bei knapp der Hälfte des Vorjahreswerts von 208 Millionen.
Aufhänger & Bewertung negativ
Der Scanner „Earnings-Gap + RS“ misst ein reines Kursmuster. Bei Oceaneering hat es gehalten: Die Kurslücke vom 23. Juli 2026 betrug 4,93 Prozent und wurde an keinem der drei folgenden Handelstage angetestet. Das ändert nichts an der Bewertungsfrage. Zum Bewertungsanker von 52,17 US-Dollar kostet die Aktie das 14,8-Fache des ausgewiesenen Ergebnisses der letzten zwölf Monate, aber das 26,7-Fache des bereinigten, das 46,2-Fache des ausgewiesenen und das 60-Fache des bereinigten Fünfjahresschnitts. Die Aktie steht 117 Prozent über dem Jahresanfang, das mittlere Kursziel der vier erfassten Analysten liegt 7,3 Prozent unter dem Anker, und das im Datenblatt gezeigte erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 unterstellt einen Gewinn, der ein Drittel bis die Hälfte über der eigenen Prognose des Unternehmens liegt.

Oceaneering ist der Gegenfall zum Lücken-Trugschluss: Die Eröffnungs-Kurslücke von 4,93 Prozent am 23. Juli 2026 wurde an keinem der drei folgenden Handelstage angetestet; von 45,00 auf 52,17 US-Dollar sind das plus 15,9 Prozent. Die Zahlen trugen den Sprung: Umsatz plus 10,0 Prozent auf 768,2 Millionen US-Dollar, bereinigter Gewinn je Aktie 0,63 nach 0,49, bereinigtes Ergebnis vor Abschreibungen über der eigenen Prognose-Obergrenze, Jahresausblick angehoben. Die Bewertungsfrage bleibt trotzdem offen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,8 enthält einen Steuerertrag von 67,9 Millionen US-Dollar aus der Auflösung von Wertberichtigungen über 154 Millionen — bereinigt sind es 26,7, auf den bereinigten Fünfjahresschnitt 60. Dazu kommt der Tiefwasserzyklus: Die ROV-Einsatztage liegen 39,3 Prozent unter dem Hoch von 2014 und fallen seit 2023 zwei Jahre in Folge, das Verteidigungsgeschäft verdiente 2025 weniger als 2021, der Auftragsbestand der gefertigten Produkte schrumpfte um 28,5 Prozent seit Ende 2023, und der freie Cashflow des ersten Halbjahres 2026 ist negativ. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für ein finanziell gesundes Unternehmen mit belegter Marktführerschaft, dessen Ergebnisqualität und Zyklusabhängigkeit aber offene Flanken sind — nicht für ein Substanzrisiko. Die Substanz ist belegt: 250 Arbeits-Tauchroboter und nach eigener Einschätzung die größte Flotte der Welt, rund 60 Prozent Marktanteil bei der Bohrunterstützung, 629,5 Millionen US-Dollar Kasse gegen 490,2 Millionen Schulden zum 30. Juni 2026, eine Eigenkapitalquote von 43,5 Prozent, ein Firmenwert von nur 1,9 Prozent der Bilanzsumme, eine unbezogene und auf 345 Millionen erweiterte Kreditlinie bis 2031, sieben Jahre in Folge steigendes bereinigtes Ergebnis vor Abschreibungen und ein zweites Quartal 2026 über dem eigenen Ausblick. Für Gelb sprechen fünf Befunde. Erstens die Ergebnisqualität: Vom Sprung des ausgewiesenen Gewinns 2025 auf 3,49 US-Dollar je Aktie stammen 167,5 Millionen US-Dollar aus der Auflösung von Steuer-Wertberichtigungen; bereinigt blieben 1,93 — und weitere 486 Millionen Wertberichtigungen stehen noch in den Büchern. Zweitens die Zyklusabhängigkeit: Umsatz 21,5 Prozent, Betriebsergebnis 52,6 Prozent und ROV-Einsatztage 39,3 Prozent unter dem Hoch von 2014, wobei die Einsatztage seit 2023 zwei Jahre in Folge fallen und die Auslastung von 68 auf 65 und im ersten Halbjahr 2026 auf 63 Prozent gesunken ist. Drittens das Verteidigungsgeschäft, das als Wachstumsmotor gilt, aber 2025 mit 57,7 Millionen US-Dollar weniger verdiente als 2021 mit 61,0 — bei 25,3 Prozent mehr Umsatz und einer von 16,6 auf 12,6 Prozent gefallenen Marge. Viertens die Kundenkonzentration: Die US-Regierung stand 2025 für 12 Prozent des Konzernumsatzes, die fünf größten Kunden für 31 Prozent, und ein Vertragsstreit im Verteidigungssegment ist offen. Fünftens die Auftrags- und Cashflow-Lage: Der Auftragsbestand der gefertigten Produkte sank seit Ende 2023 um 28,5 Prozent auf 445 Millionen US-Dollar bei einem Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz unter eins, das Integritätsmanagement verdient praktisch nichts mehr, und der freie Cashflow des ersten Halbjahres 2026 ist mit minus 44,5 Millionen negativ. Gegen Rot spricht die Finanzlage klar: Nettoliquidität statt Nettoverschuldung, keine kurzfristigen Fälligkeiten nach der Umschuldung auf 2034, ein Zinsaufwand von 37,0 Millionen US-Dollar gegen ein Betriebsergebnis von 304,6 Millionen und ein Altman-Z″-Wert von 6,1 gegen eine Sicherheitsgrenze von 2,6. Ausdrücklich nicht Teil dieses Urteils ist die Bewertung.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Scanner „Earnings-Gap + RS“, Gesamtuniversum, Platz 8 von 10 Treffern — die Trefferliste wurde am 28. Juli 2026 am gerenderten Seiteninhalt gezählt, nicht an einer nachgebauten Abfrage. Sortiert wird die Seite nach der angezeigten Spalte „RS“ absteigend; vor Oceaneering (77) stehen Richardson Electronics (90), Liberty Energy (88), Knight-Swift (86), Valmont (85), Five Star Bancorp (81) sowie FirstCash und Mueller Industries (je 80). Der Kurs-Stand der Kennzahlen ist der 27. Juli 2026, die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Zwei verschiedene Stärke-Kennzahlen: Die Tabellenspalte „RS“ zeigt eine zusammengesetzte Stärke-Note (bei Oceaneering 77), während der Filter die reine Zwölfmonats-Stärke prüft und dort mindestens 80 verlangt. Beide Felder werden getrennt geführt und können auseinanderlaufen. Wer nur die sichtbare Spalte liest, hält den Treffer sonst für einen Fehler.
  • Abweichung im Datenbestand, für die Einordnung die wichtigste: Die Renditespalten sind über einen Monat alt. Angezeigt werden seit Jahresbeginn +51,0 Prozent, zwölf Monate +75,3 Prozent und sechs Monate +62,7 Prozent. Zum Schlusskurs des 27. Juli 2026 von 52,17 US-Dollar ergeben sich nachgerechnet +117,1 Prozent seit Jahresbeginn (Jahresschluss 2025: 24,03 US-Dollar), +127,6 Prozent auf zwölf Monate (28.07.2025: 22,92) und +68,5 Prozent auf sechs Monate (27.01.2026: 30,97). Zwei der drei angezeigten Werte gehen exakt auf, wenn man sie auf den 23. Juni 2026 und einen Kurs von 36,28 US-Dollar bezieht — die Kursspalte selbst ist dagegen aktuell (angezeigt 52,20 gegen tatsächlich 52,17 US-Dollar).
  • Zweite Abweichung: Drei Kennzahlen fehlen ganz. Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Verschuldungsgrad zeigen einen Strich, obwohl Oceaneering in den letzten zwölf Monaten 350,1 Millionen US-Dollar verdient hat, zum 30. Juni 2026 ein Eigenkapital von 1.168,8 Millionen und langfristige Schulden von 490,2 Millionen ausweist. Die Analyse rechnet die Werte selbst: KGV 14,8 ausgewiesen und 26,7 bereinigt, Kurs-Buchwert 4,44, Verschuldungsgrad 0,42.
  • Dritte Abweichung: Der angezeigte Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2,1 Prozent lässt sich mit dem Kursverlauf nicht in Einklang bringen. Das Zwölfmonatshoch wurde am 27. Juli 2026 selbst erreicht — 53,97 US-Dollar im Handelsverlauf; der höchste Schlusskurs lag am 24. Juli bei 52,73. Zum Bewertungsanker ergibt das einen Abstand von 3,3 beziehungsweise 1,1 Prozent.
  • Vierte Abweichung: Das angezeigte erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 unterstellt rund 2,68 US-Dollar Gewinn je Aktie. Oceaneering selbst stellt für 2026 einen Jahresüberschuss von 184 bis 203 Millionen US-Dollar in Aussicht, also 1,83 bis 2,02 US-Dollar je Aktie — die Schätzung liegt ein Drittel bis die Hälfte darüber. Ebenfalls abweichend: Unternehmenswert zum Ergebnis vor Abschreibungen angezeigt 9,9 gegen 12,7 nach eigener Rechnung, EBIT-Marge angezeigt 8,4 Prozent gegen 10,4 Prozent auf zwölf Monate und 10,9 Prozent für 2025, Eigenkapitalquote angezeigt 41,9 gegen 43,5 Prozent zum 30. Juni 2026. Der Kurs-zu-freiem-Cashflow-Wert von 23,3 geht dagegen auf: Er entspricht den 223 Millionen US-Dollar der letzten zwölf Monate.
  • Nettomarge und Eigenkapitalrendite im Datenblatt (12,1 beziehungsweise 35,9 Prozent) sind rechnerisch nachvollziehbar, beziehen sich aber auf das ausgewiesene Ergebnis der letzten zwölf Monate und enthalten damit den Steuerertrag von 2025. Auf das bereinigte Ergebnis von 194,6 Millionen US-Dollar gerechnet liegen sie bei 6,8 beziehungsweise rund 19 Prozent.
  • Rechnungsgrundlagen sauber getrennt: Die Gewinne je Aktie für 2021 bis 2025 (−0,49 / 0,26 / 0,95 / 1,44 / 3,49 US-Dollar) sind ausgewiesene verwässerte Werte nach US-Bilanzrecht; die bereinigten Werte (0,17 / 0,31 / 0,80 / 1,14 / 1,93) stammen aus den vom Unternehmen selbst veröffentlichten Überleitungsrechnungen in den Ad-hoc-Meldungen 8-K. Die Zwölfmonatswerte bis 30. Juni 2026 sind eigene Rechnungen nach dem Muster Geschäftsjahr 2025 minus erstes Halbjahr 2025 plus erstes Halbjahr 2026: 2.872,1 Millionen US-Dollar Umsatz, 297,9 Millionen Betriebsergebnis, 350,1 Millionen ausgewiesenes und 194,6 Millionen bereinigtes Ergebnis, 399,3 Millionen bereinigtes Ergebnis vor Abschreibungen, 223,4 Millionen freier Cashflow.
  • Der Altman-Z″-Wert von 6,1 ist eine eigene Rechnung auf Basis der Bilanz zum 30. Juni 2026 (Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Schulden zu Bilanzsumme 0,318; Gewinnrücklagen zu Bilanzsumme 0,754; Betriebsergebnis der letzten zwölf Monate zu Bilanzsumme 0,111; Eigenkapital zu Verbindlichkeiten 0,769). Die hier verwendete Skala hat die Grenzen 1,1 (Gefahrenzone) und 2,6 (sichere Zone); der Wert liegt klar im grünen Bereich. Das Datenblatt weist 9,2 aus — beide Werte führen zur selben Aussage.
  • Datenstand: Ausgewertet wurden die Ad-hoc-Meldung 8-K vom 22.07.2026 mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026, der Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 (eingereicht 23.07.2026), die Ad-hoc-Meldungen 8-K vom 18.02.2026 (Gesamtjahr 2025) und 22.04.2026 (erstes Quartal 2026), die Geschäftsberichte 10-K für 2025, 2023, 2021, 2018 und 2015 sowie die Meldungen 8-K vom 26.06.2026 (Anleihe 2034) und 07.07.2026 (Kreditlinie). Die Meldung 8-K vom 24.07.2026 (Investorenpräsentation, Item 7.01) ist in der Chronologie der Kursbewegung berücksichtigt.
  • Verwerfungsprüfung erledigt: keine Form 15 (Deregistrierung), keine Form 25, Ticker OII in der SEC-Registry, Handelsplatz New York Stock Exchange, kein Insolvenzverfahren. CIK 0000073756, Gründung 1969 in Delaware, SIC-Code 1389.
  • Die Qualitäts-Ampel dieser Analyse beurteilt das Unternehmen, nicht den Einstiegszeitpunkt.

Häufige Fragen

Weil die Aktie am 28. Juli 2026 alle drei Bedingungen des Filters erfüllte: Quartalsbericht innerhalb der letzten sieben Tage (22. Juli), eine Eröffnungs-Kurslücke von mindestens 2 Prozent nach oben (tatsächlich 4,93 Prozent am 23. Juli) und eine Zwölfmonats-Stärke von mindestens 80. Sortiert wird die Seite nach der angezeigten Spalte „RS“ absteigend, und dort steht Oceaneering mit 77 auf Platz 8. Beide Werte sind verschiedene Kennzahlen. Insgesamt hatte die Liste zehn Treffer.

Sie hielt. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 kamen am 22. Juli nach Börsenschluss, der Schlusskurs lag bei 45,00 US-Dollar. Am 23. Juli eröffnete die Aktie bei 47,22 US-Dollar, was einer Lücke von 4,93 Prozent entspricht. Das Tagestief lag mit 46,49 über dem Vortagsschluss, der Tag endete bei 48,02. Am 24. Juli schloss die Aktie bei 52,73, am 27. Juli bei 52,17 US-Dollar — plus 15,9 Prozent gegenüber dem Kurs vor den Zahlen.

Ja, gemessen am eigenen Ausblick. Der Umsatz stieg um 10,0 Prozent auf 768,2 Millionen US-Dollar, das Betriebsergebnis um 11,4 Prozent auf 88,2 Millionen, der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,49 auf 0,63 US-Dollar. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag mit 114,5 Millionen über der Obergrenze der eigenen Prognose. Alle Segmente außer Integritätsmanagement steigerten Umsatz und Betriebsergebnis; die Jahresprognose wurde auf 400 bis 440 Millionen angehoben.

Zu rund zwei Dritteln wegen einer Steuerbuchung. Der ausgewiesene Gewinn je Aktie sprang von 1,44 auf 3,49 US-Dollar, das Betriebsergebnis aber nur um 24 Prozent. Die Steuerposition kippte von 77,4 Millionen US-Dollar Aufwand auf 67,9 Millionen Ertrag, weil Wertberichtigungen auf latente Steuerforderungen über 154 Millionen aufgelöst wurden. Bereinigt um diesen Effekt verdiente Oceaneering 1,93 US-Dollar je Aktie. Weitere 486 Millionen US-Dollar an Wertberichtigungen stehen noch in den Büchern.

Deutlich mehr als das angezeigte Vielfache. Zum Bewertungsanker von 52,17 US-Dollar und rund 5,19 Milliarden US-Dollar Börsenwert kostet die Aktie das 14,8-Fache des ausgewiesenen Ergebnisses der letzten zwölf Monate, das 26,7-Fache des bereinigten, das 46,2-Fache des ausgewiesenen Fünfjahresschnitts (1,13 US-Dollar je Aktie) und das 60-Fache des bereinigten Fünfjahresschnitts (0,87 US-Dollar). Auf die eigene Jahresprognose 2026 sind es 25,6 bis 28,2.

Zum 31. Dezember 2025 besaß Oceaneering 250 Arbeits-Tauchroboter, unverändert seit 2022; Ende 2015 waren es 315. Die Flottenauslastung lag 2025 bei 65 Prozent nach 67 (2024) und 68 (2023); im Zyklushoch 2014 waren es 83 Prozent. Die Einsatztage sanken von 61.874 (2023) über 61.382 (2024) auf 59.629 (2025) — 39,3 Prozent unter dem Wert von 2014. Das Wachstum kommt aus dem Preis: 11.894 US-Dollar Erlös je Einsatztag im zweiten Quartal 2026 nach 9.618 im vierten Quartal 2023.

Im Umsatz ja, im Gewinn noch nicht. Der Umsatz des Segments Luft- und Raumfahrt/Verteidigung stieg von 367,0 Millionen US-Dollar (2021) auf 459,9 Millionen (2025), das Betriebsergebnis fiel jedoch von 61,0 auf 57,7 Millionen; die Marge sank von 16,6 auf 12,6 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Segmentergebnis mit 24,5 Millionen unter dem Vorjahreswert von 27,0 Millionen. Der noch nicht finanzierte Auftragsbestand stieg allerdings von 279 auf 658 Millionen US-Dollar.

Netto gar nicht. Zum 30. Juni 2026 standen 629,5 Millionen US-Dollar Kasse gegen 490,2 Millionen langfristige Schulden, das Eigenkapital betrug 1.168,8 Millionen bei 2.688,8 Millionen Bilanzsumme — eine Eigenkapitalquote von 43,5 Prozent. Am 6. Juli 2026 wurde die alte 6,000-Prozent-Anleihe mit Fälligkeit 2028 durch eine neue über 500 Millionen mit 6,875 Prozent und Laufzeit bis 2034 abgelöst; die Kreditlinie stieg von 215 auf 345 Millionen und läuft bis Juli 2031.

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