Microsoft-Aktie: Der Gewinn springt um 31 Prozent — das freie Geld fällt
Microsoft verdiente im Geschäftsjahr 2026, das am 30. Juni 2026 endete, unterm Strich 133,7 Milliarden US-Dollar — 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Der freie Mittelzufluss, das Geld, das nach allen Investitionen wirklich übrig bleibt, sank im selben Jahr von 71,6 auf 67,0 Milliarden. Dazwischen liegen 115,9 Milliarden US-Dollar Investitionen in Rechenzentren, 329,1 Milliarden an Mietverträgen, die noch gar nicht begonnen haben, und ein Auftragsbestand, der um 84 Prozent wuchs — ohne die Azure-Zusagen von OpenAI aber nur um 25 Prozent. Wir haben den Jahresbericht Zeile für Zeile gelesen und nachgerechnet, was von diesem Rekordgewinn am Ende tatsächlich übrig bleibt.
Stand heute
Stand: 17. September 2026
- Schlusskurs
- 497,80 $ +1,50 %
- Marktkapitalisierung
- 3.632,6 Mrd. $
- KGV
- 30,8
- Wachstums-Score
- 7/10
- AAQS
- 10/10
Kursentwicklung seit 4. August 2026: +2,1 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 352,80 $ bis 542,10 $ · Letzter Kurs: 497,80 $ (Stand: 17. September 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Die Falle heißt Vertrautheit
Machen wir einen Deal. Bevor wir über Microsoft reden, gebe ich zu, dass ich selbst in diese Falle getappt bin — und du wahrscheinlich auch. Sie heißt Vertrautheit, und sie funktioniert so: Bei einer Firma, deren Namen wir nicht kennen, lesen wir den Geschäftsbericht mit spitzen Fingern. Bei einer Firma, deren Software wir jeden Morgen starten, deren Aktie seit vierzig Jahren steigt und die zu den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt gehört, überfliegen wir die Schlagzeile — „Rekordgewinn“ — und legen den Bericht weg.
Genau da wird es interessant. Denn Microsofts Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht SEC enthält eine Schlagzeile und eine zweite Zahl, die niemand auf die Titelseite setzt. Die Schlagzeile: Im Geschäftsjahr 2026, das am 30. Juni 2026 endete, stieg das Nettoergebnis um 31 Prozent auf 133,7 Milliarden US-Dollar. Die zweite Zahl: Der freie Mittelzufluss — das Geld, das nach allen Investitionen tatsächlich übrig bleibt — fiel im selben Jahr von 71,6 auf 67,0 Milliarden.
Merke dir dieses Spannungsfeld, es zieht sich durch jedes Kapitel: Microsofts Gewinn wächst so schnell wie lange nicht — und das Geld, das am Ende frei verfügbar ist, schrumpft. Dazwischen liegen Rechenzentren im Wert von Hunderten Milliarden. Wir lesen jetzt gemeinsam nach, wo der Unterschied entsteht.
Aktualisiert am 9. August 2026: Diese Analyse ist vollständig auf den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2026 umgestellt. Microsoft reichte am 29. Juli 2026 gleich zwei Dokumente ein — den Geschäftsbericht (10-K) für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr und eine Pflichtmeldung (8-K) mit der Ergebnismitteilung für das vierte Fiskalquartal. Alle Zahlen, Kapitel, Schaubilder und Belege dieser Analyse stammen jetzt aus diesen beiden Berichten; die vorherige Fassung stand auf dem Quartalsbericht zum 31. März 2026. Neu hinzugekommen sind ein Kapitel zum Jahresabschluss samt Auswertung des zugehörigen Analystencalls sowie zwei Befunde, die es vorher nicht gab: Mietverträge über 329,1 Milliarden US-Dollar, die noch nicht begonnen haben, und die erstmalige Offenlegung von OpenAI als nahestehender Person mit 24,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Was Microsoft eigentlich macht
Microsoft verkauft im Kern drei Dinge, und der Geschäftsbericht ordnet sie in drei Segmente. Erstens Produktivitätssoftware im Abonnement: Microsoft 365 mit Word, Excel, Teams und Outlook, dazu LinkedIn und die Unternehmenssoftware Dynamics. Zweitens Cloud-Infrastruktur: Azure — gemietete Rechenleistung und Speicherplatz in Microsofts Rechenzentren — plus die klassischen Serverprodukte. Drittens das Endkundengeschäft: Windows, Geräte, Xbox und Suchwerbung.
Im Geschäftsjahr 2026 verteilte sich der Umsatz von 331,8 Milliarden US-Dollar so: Productivity and Business Processes 140,0 Milliarden (plus 16 Prozent), Intelligent Cloud 137,8 Milliarden (plus 30 Prozent), More Personal Computing 54,1 Milliarden (minus 1 Prozent). Der größte Einzelposten der Produktliste sind Serverprodukte und Cloud-Dienste mit 129,4 Milliarden (Vorjahr 98,4 Milliarden), gefolgt von Microsoft 365 für Geschäftskunden mit 102,0 Milliarden. Das Endkundengeschäft schrumpft dabei leise: Xbox setzte 21,8 statt 23,5 Milliarden um, die Hardware-Erlöse fielen um 29 Prozent.
Ein Alltagsbild für Azure, falls dir der Begriff Cloud immer noch schwammig vorkommt: Statt sich eigene Server in den Keller zu stellen, mieten Unternehmen Rechenleistung bei Microsoft — so wie man ein Auto leasen statt kaufen kann. Man zahlt nach Verbrauch, Microsoft kümmert sich um Hardware, Strom und Wartung. Und genau deshalb muss Microsoft die Hardware, den Strom und die Gebäude erst einmal bezahlen — Jahre, bevor die Mieteinnahmen vollständig fließen. Das ist der ökonomische Kern dieser Analyse.
Das Geschäftsjahr endet bei Microsoft am 30. Juni. Das „Geschäftsjahr 2026“ umfasst also Juli 2025 bis Juni 2026, nicht das Kalenderjahr 2026. Wer Microsoft mit Alphabet oder anderen Kalenderjahr-Berichtern vergleicht, verschiebt sich um ein halbes Jahr — ein Fehler, der in Vergleichstabellen erstaunlich oft steckt. Aus demselben Grund ist auch die verbreitete Bezeichnung „Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026“ für den Bericht vom 29. Juli 2026 falsch: Microsoft legte an diesem Tag den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2026 vor, dazu die Ergebnisse des vierten Fiskalquartals (April bis Juni 2026). Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Geschäftsbericht (10-K), eingereicht am 29. Juli 2026, sowie aus der Ergebnismitteilung (8-K) vom selben Tag.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diesmal war es kein Scanner-Treffer. Unsere Aktien-Scanner filtern nach Kennzahlen — günstige Bewertung, hoher Piotroski-Score, Momentum — und genau deshalb fallen die bekanntesten Schwergewichte systematisch durch: Sie sind selten billig. Als wir im Juli 2026 nachzählten, welche der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert bei uns bereits eine Tiefenanalyse haben, standen 88 ohne. Microsoft war davon der größte, damals auf Rang 5.
Das ist eine ehrliche Auskunft über unsere eigene Methode: Ein Scanner, der nach Schnäppchen sucht, findet keine Blue Chips. Wer nur den Scannern folgt, hat am Ende ein Depot voller Halbleiter-Nachzügler und kein einziges der Unternehmen, die den Index tragen. Deshalb arbeiten wir die Liste von oben ab — und fangen mit dem an, dessen Berichte am meisten hergeben.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Microsoft steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2026 (endete am 30. Juni 2026) um 18 Prozent auf 331,8 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis um 21 Prozent auf 155,2 Milliarden und das Nettoergebnis um 31 Prozent auf 133,7 Milliarden. Zum Vergleich die drei Jahre davor: 281,7 Milliarden Umsatz und 101,8 Milliarden Gewinn im Geschäftsjahr 2025, 245,1 und 88,1 Milliarden im Geschäftsjahr 2024, 211,9 und 72,4 Milliarden im Geschäftsjahr 2023.
Eine operative Marge von 46,8 Prozent bedeutet im Alltagsbild: Von 100 US-Dollar Umsatz bleiben 46,80 als Betriebsgewinn übrig. Zum Einordnen — ein solides Industrieunternehmen liegt bei 10 bis 15, ein sehr gutes bei 20. Microsoft ist in dieser Disziplin außergewöhnlich, und das seit Jahren.
Auch das Cloud-Geschäft wuchs kräftig: Microsoft Cloud erreichte 214,4 Milliarden US-Dollar (plus 27 Prozent) nach 168,9 Milliarden im Geschäftsjahr 2025 und 137,7 Milliarden im Geschäftsjahr 2024. Azure allein legte um 41 Prozent zu — nach 34 Prozent im Vorjahr — und überschritt dabei erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.
Jetzt kommt die zweite Zahlenreihe — dieselben Jahre, aber die Cashflow-Rechnung. Hier zeigt sich das Spannungsfeld in voller Deutlichkeit:
Die Zahlen im Einzelnen, alle aus den Geschäftsberichten 10-K für 2024, 2025 und 2026:
| Geschäftsjahr (Ende 30. Juni) | Mittelzufluss aus dem Geschäft | Investitionen in Sachanlagen | Freier Mittelzufluss |
|---|---|---|---|
| 2022 | 89,0 Mrd. $ | 23,9 Mrd. $ | 65,1 Mrd. $ |
| 2023 | 87,6 Mrd. $ | 28,1 Mrd. $ | 59,5 Mrd. $ |
| 2024 | 118,5 Mrd. $ | 44,5 Mrd. $ | 74,1 Mrd. $ |
| 2025 | 136,2 Mrd. $ | 64,6 Mrd. $ | 71,6 Mrd. $ |
| 2026 | 182,9 Mrd. $ | 115,9 Mrd. $ | 67,0 Mrd. $ |
Lies die letzte Spalte noch einmal von oben nach unten. Der Gewinn stieg im Geschäftsjahr 2026 um 31 Prozent — der freie Mittelzufluss fiel um 6,5 Prozent, im zweiten Jahr hintereinander. Anteilig ausgedrückt: Im Geschäftsjahr 2022 verschlangen die Investitionen 27 Prozent des operativen Mittelzuflusses, im Geschäftsjahr 2025 waren es 47 Prozent, im Geschäftsjahr 2026 sind es 63 Prozent.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: In einem Jahr flossen 115,9 Milliarden in Beton, Server und Kabel
Im Geschäftsjahr 2026 hat sich das Muster nicht abgeschwächt, sondern verschärft. Aus dem laufenden Geschäft kamen 182,9 Milliarden US-Dollar herein — ein Plus von 46,8 Milliarden gegenüber dem Vorjahr, für sich genommen ein hervorragender Wert. Gleichzeitig flossen 115,9 Milliarden in Sachanlagen ab; im Vorjahr waren es 64,6 Milliarden. Übrig blieben 67,0 statt 71,6 Milliarden.
Wo das Geld hingeht, zeigt die Bilanz. Die Sachanlagen stiegen netto von 205,0 Milliarden US-Dollar (30. Juni 2025) auf 313,1 Milliarden (30. Juni 2026). Im Detail, jeweils zu Anschaffungskosten: „Server, Netzwerktechnik und Software“ wuchs von 132,8 auf 215,9 Milliarden, „Gebäude und Einbauten“ von 137,9 auf 182,7 Milliarden. In zwölf Monaten hat Microsoft also Rechenzentren im Wert von rund 133 Milliarden US-Dollar aktiviert.
Eine Zahl aus derselben Anhangangabe gehört unbedingt dazu, weil sie zeigt, dass selbst die 115,9 Milliarden noch untertrieben sind: Zum 30. Juni 2026 waren 26,7 Milliarden US-Dollar an Sachanlagen-Käufen noch gar nicht bezahlt und standen in den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Ein Jahr zuvor waren es 6,9 Milliarden. Die Rechnung für einen erheblichen Teil des Baujahres 2026 wird also erst im Geschäftsjahr 2027 durch die Kasse laufen.
Microsoft schreibt selbst, was das für die Marge bedeutet:
„The investments we are making in cloud and AI infrastructure and devices will continue to increase our operating costs and may decrease our operating margins.“
Übersetzung: „Die Investitionen, die wir in Cloud- und KI-Infrastruktur sowie in Geräte tätigen, werden unsere Betriebskosten weiter erhöhen und könnten unsere operativen Margen verringern.“
— Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 7 (MD&A), Abschnitt „Economic Conditions, Challenges, and Risks“
Und die Warnung ist keine Floskel — sie ist in den Segmentzahlen bereits sichtbar. Im Segment Intelligent Cloud stieg der Umsatz um 30 Prozent auf 137,8 Milliarden US-Dollar, die Umsatzkosten aber um 44 Prozent auf 57,9 Milliarden. Die Bruttomarge des gesamten Cloud-Geschäfts sank auf 66 Prozent. Der Bericht nennt als Grund wörtlich „continued investments in AI infrastructure and growing AI product usage“ — die KI-Infrastruktur und die wachsende Nutzung von KI-Produkten. Auch die Abschreibungen ziehen an: Der Abschreibungsaufwand auf Sachanlagen stieg von 22,0 auf 34,3 Milliarden US-Dollar, nach 15,2 Milliarden im Geschäftsjahr 2024.
Merksatz: Wachstum, das erst gebaut werden muss, ist nie umsonst. Es steht zuerst in der Investitionsrechnung und erst Jahre später in der Gewinnrechnung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 5,0 Milliarden des Gewinns hat niemand verdient — sie sind eine Neubewertung
Die 133,7 Milliarden US-Dollar Nettoergebnis sind nicht ganz das, wonach sie aussehen. Eine einzelne Zeile im Finanzergebnis wechselte das Vorzeichen: „Other income (expense), net“ ging von minus 4,901 Milliarden im Vorjahr auf plus 10,697 Milliarden. Ein Schwung von 15,6 Milliarden US-Dollar in einem Posten, der eigentlich Zinsen und kleinere Bewertungseffekte sammelt.
Der Anhang erklärt, woher das kommt: Aus der Beteiligung an OpenAI flossen 6,5 Milliarden US-Dollar Nettogewinne in diese Zeile — im Vorjahr hatte dieselbe Beteiligung noch 4,8 Milliarden gekostet. Nach Steuern bleiben davon 5,0 Milliarden, oder 0,67 US-Dollar je Aktie. Und der entscheidende Halbsatz steht direkt daneben: Die Gewinne beziehen sich „primarily … to the dilution gain from the OpenAI Recapitalization“ — sie stammen aus einem Verwässerungsgewinn.
Was das heißt, in Alltagssprache: Microsofts Anteil an OpenAI wurde durch die Umstrukturierung kleiner — von rund 27 Prozent im März 2026 auf rund 25 Prozent zum Jahresende. Weil der verbleibende, kleinere Anteil aber höher bewertet wurde als der alte, größere, entsteht buchhalterisch ein Ertrag. Es fließt dabei kein einziger Dollar. Stell dir vor, dein Anteil an einem Gemeinschaftsgarten schrumpft von 27 auf 25 Prozent — aber der Garten wird gleichzeitig so viel höher bewertet, dass dein kleinerer Anteil mehr wert ist als vorher der größere. Auf dem Papier bist du reicher geworden. In deinem Portemonnaie hat sich nichts verändert.
Fairerweise muss man sagen: Microsoft versteckt das nicht — im Gegenteil. Der Konzern stellt im selben Bericht eine eigene Überleitungsrechnung auf und rechnet den OpenAI-Effekt heraus. Bereinigt liegt das Nettoergebnis bei 128,8 statt 133,7 Milliarden US-Dollar, der Zuwachs bei 22 statt 31 Prozent, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 17,28 statt 17,95 US-Dollar. Das ist die Art von Transparenz, die man selten sieht — und der Grund, warum diese Wahrheit unbequem, aber nicht alarmierend ist. Nur: In den Schlagzeilen stand die Zahl 31 Prozent, nicht 22.
Ein zweiter, kleinerer Einmaleffekt gehört der Vollständigkeit halber dazu. Laut der Ergebnismitteilung vom 29. Juli 2026 enthielt das Schlussquartal einen Buchgewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar aus der Beteiligung an Anthropic. Zusammen mit niedriger als erwarteten Kosten eines freiwilligen Vorruhestandsprogramms — teilweise ausgeglichen durch Abfindungen und Wertberichtigungen im Xbox-Geschäft — verbesserte das das Quartalsergebnis um 0,27 US-Dollar je Aktie gegenüber der eigenen Prognose vom April 2026.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die größte Finanzschuld steht nicht bei den Schulden — und die größte Verpflichtung steht in gar keiner Bilanzzeile
Wer Microsofts Verschuldung nachschlägt, findet eine beruhigende Zahl: 40,3 Milliarden US-Dollar Anleiheschulden zum 30. Juni 2026 — und das ist weniger als die 43,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Ein Konzern, der Schulden abbaut, während er wie verrückt investiert. Klingt zu gut, und ist es auch.
Ein paar Anhangangaben weiter, unter „Leases“, steht die größere Zahl: 66,6 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing. Zwölf Monate zuvor waren es 46,2 Milliarden. In einem Jahr also plus 20,4 Milliarden, während die Anleiheschuld um 2,9 Milliarden sank.
Finanzierungsleasing ist wirtschaftlich ein Kauf auf Raten: Microsoft nutzt die Rechenzentren, als gehörten sie ihm, bilanziert sie als Sachanlage (82,7 Milliarden US-Dollar zu Anschaffungskosten, nach 53,9 Milliarden im Vorjahr) und zahlt dafür über Jahre feste Raten mit Zinsen. Nicht abgezinst summieren sich diese künftigen Zahlungen auf 89,7 Milliarden US-Dollar, wovon 55,5 Milliarden erst nach dem Geschäftsjahr 2031 fällig werden. Die gewichtete Restlaufzeit beträgt 13 Jahre, der gewichtete Zinssatz 4,5 Prozent. Der Bericht nennt den Effekt: Der Zinsaufwand stieg auf 3,051 Milliarden US-Dollar, „primarily due to higher finance lease interest expense“.
Und jetzt der Satz, der im Jahresbericht 2026 neu die Dimension sprengt. Er steht am Ende derselben Leasing-Anhangangabe, direkt unter der Fälligkeitstabelle:
„As of June 30, 2026, we had additional leases, primarily for datacenters, that had not yet commenced of $329.1 billion, with some arrangements subject to certain contractual conditions being met. These leases will commence between fiscal year 2027 and fiscal year 2033 with lease terms of 1 year to 20 years.“
Übersetzung: „Zum 30. Juni 2026 hatten wir zusätzliche Mietverträge, überwiegend für Rechenzentren, die noch nicht begonnen hatten, in Höhe von 329,1 Milliarden US-Dollar, wobei einige Vereinbarungen an die Erfüllung bestimmter vertraglicher Bedingungen geknüpft sind. Diese Mietverhältnisse beginnen zwischen dem Geschäftsjahr 2027 und dem Geschäftsjahr 2033 mit Laufzeiten von einem Jahr bis zu zwanzig Jahren.“
— Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Note 13 „Leases“
Der Verlauf dieser einen Angabe ist der eigentliche Befund. Zum 30. Juni 2025 lautete sie auf 92,7 Milliarden, zum 31. März 2026 auf 196,6 Milliarden, zum 30. Juni 2026 auf 329,1 Milliarden US-Dollar. In zwölf Monaten mehr als verdreifacht. Zum Größenvergleich: In der Bilanz stehen zum selben Stichtag 66,6 Milliarden Finanzierungsleasing und 21,9 Milliarden operatives Leasing, zusammen 88,5 Milliarden. Was noch nicht begonnen hat, ist rund viermal so groß wie alles, was bereits bilanziert ist — und entspricht drei Vierteln des gesamten Eigenkapitals.
Buchhalterisch ist das völlig korrekt: Ein Mietvertrag wird erst mit Beginn der Laufzeit als Nutzungsrecht und Verbindlichkeit erfasst. Wirtschaftlich sind es trotzdem eingegangene Verpflichtungen. Rechnet man sie mit den 34,6 Milliarden zugesagten Baukosten und den 194,1 Milliarden Einkaufsverpflichtungen zusammen, weist Microsoft im Bericht 743,8 Milliarden US-Dollar vertragliche Verpflichtungen aus — mehr als das Doppelte des Jahresumsatzes.
Damit das nicht falsch ankommt: Für einen Konzern mit 442,4 Milliarden Eigenkapital und 155,2 Milliarden operativem Ergebnis ist eine Zinslast von 3,1 Milliarden trivial; die Zinsdeckung liegt bei rund 51. Das ist kein Verschuldungsproblem. Es ist ein Wahrnehmungsproblem: Wer nur die Zeile „Schulden“ liest, sieht 40,3 Milliarden und übersieht die 66,6 Milliarden eine Anhangangabe weiter — und die 329,1 Milliarden, die erst in den kommenden sieben Jahren überhaupt in einer Bilanz auftauchen werden.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kasse schrumpft, während der Gewinn steigt
Ein Blick auf die Bilanz, weil er die vorherigen Punkte zusammenbindet. Kasse und kurzfristige Anlagen sanken von 94,6 Milliarden US-Dollar (30. Juni 2025) auf 76,8 Milliarden (30. Juni 2026) — ein Rückgang um 17,8 Milliarden in einem Jahr, in dem Microsoft 133,7 Milliarden verdient hat.
Die Rechnung wird nachvollziehbar, wenn man die Abflüsse nebeneinanderlegt: 115,9 Milliarden Investitionen in Sachanlagen, 26,4 Milliarden gezahlte Dividenden, 22,3 Milliarden für Aktienrückkäufe und 3,0 Milliarden Schuldentilgung — zusammen 167,6 Milliarden gegen 182,9 Milliarden Zufluss aus dem Geschäft. Was das Geschäft hereinspült, ist beeindruckend; der Rest der Lücke wurde aus dem Wertpapierbestand gedeckt, in den zugleich per saldo umgeschichtet wurde. Bemerkenswert ist auch, was nicht passierte: Microsoft nahm im Geschäftsjahr 2026 keine neuen Anleihen auf, sondern tilgte 3,0 Milliarden.
Auffällig ist ferner die Mitarbeiterzahl. Sie sank von rund 228.000 auf rund 223.000 Vollzeitkräfte (Stand jeweils 30. Juni), davon 121.000 in den USA. Das passt zum freiwilligen Vorruhestandsprogramm und zu den Abfindungen, die die Ergebnismitteilung für das Schlussquartal nennt. Ein Konzern, der seine Investitionen verdoppelt und gleichzeitig Personal abbaut, verschiebt sein Kostengerüst spürbar von Menschen zu Maschinen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der größte Kunde gehört Microsoft zu einem Viertel selbst
Diese Wahrheit ist im Jahresbericht 2026 zum ersten Mal überhaupt nachlesbar, und sie ist die wichtigste Neuerung gegenüber allen früheren Berichten. Im Quartalsbericht zum 31. März 2026 stand über OpenAI im Wesentlichen, dass Microsoft rund 27 Prozent hält und daraus Buchgewinne verbucht. Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 stuft OpenAI nun ausdrücklich als nahestehende Person im Sinne des US-Rechnungslegungsstandards ASC 850 ein — und muss deshalb offenlegen, wie viel Geschäft zwischen beiden läuft.
„We have an investment accounted for under the equity method that represents an approximate 25% interest on an as-converted basis. As an equity method investee, OpenAI is a related party as defined in Accounting Standards Codification Topic 850, Related Party Disclosures … For fiscal year 2026, we recorded revenue from commercial arrangements with OpenAI, inclusive of revenue-sharing payments, of $24.1 billion, and accounts receivable from OpenAI as of June 30, 2026 was $6.0 billion.“
Übersetzung: „Wir halten eine nach der Equity-Methode bilanzierte Beteiligung, die einem Anteil von rund 25 Prozent auf voll gewandelter Basis entspricht. Als Beteiligung nach der Equity-Methode ist OpenAI eine nahestehende Person im Sinne von ASC 850, Angaben über Beziehungen zu nahestehenden Personen … Im Geschäftsjahr 2026 erfassten wir Umsatzerlöse aus kommerziellen Vereinbarungen mit OpenAI, einschließlich Umsatzbeteiligungen, in Höhe von 24,1 Milliarden US-Dollar; die Forderungen gegen OpenAI beliefen sich zum 30. Juni 2026 auf 6,0 Milliarden US-Dollar.“
— Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Note 1 „Accounting Policies“, Abschnitt Investments
Rechnen wir das um: 24,1 Milliarden von 331,8 Milliarden Konzernumsatz sind 7,3 Prozent — erwirtschaftet mit einer Firma, an der Microsoft selbst rund ein Viertel hält, der es Finanzierungszusagen über 13,0 Milliarden gegeben hat (11,9 Milliarden davon eingezahlt) und deren Aufwertung im selben Jahr 5,0 Milliarden zum Nettogewinn beitrug. Dazu kommen 6,0 Milliarden offene Forderungen.
Das ist kein Vorwurf — die Konstruktion ist offengelegt, geprüft und regelkonform bilanziert. Es ist ein Klumpenrisiko mit Rückkopplung: Microsoft investiert in OpenAI, OpenAI kauft davon Azure-Kapazität bei Microsoft, der so entstehende Umsatz begründet weitere Rechenzentren, deren Kosten wiederum in der Cashflow-Rechnung stehen, die wir oben gelesen haben. Solange OpenAI wächst und zahlt, ist der Kreis ein Schwungrad. Sollte er stocken, trifft es Microsoft an drei Stellen gleichzeitig: Umsatz, Beteiligungswert und Auslastung der neuen Kapazität.
Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Ab dem Geschäftsjahr 2027 wird anders gemessen
Diese Wahrheit steht nicht im Geschäftsbericht, sondern im Wortprotokoll des Analystencalls vom 29. Juli 2026 — und sie betrifft ausgerechnet die Kennzahl, um die sich diese ganze Analyse dreht. Finanzchefin Amy Hood kündigte zwei Änderungen an, die zusammenwirken.
Erstens verlängert Microsoft ab dem Geschäftsjahr 2027 die angenommene Nutzungsdauer seiner Rechenzentren und Bürogebäude von 15 auf 25 Jahre. Wer eine Serverhalle über 25 statt über 15 Jahre abschreibt, belastet jedes einzelne Jahr weniger. Hood nannte den Effekt auf das operative Ergebnis selbst „minimal“.
Zweitens — und das ist der eigentliche Punkt — verschiebt dieselbe Änderung die Einstufung künftiger Mietverträge. Hood im Wortlaut:
„The greater impact is on capital expenditures as more of our future datacenter leases will shift from finance leases to operating leases as a result of this update. Finance leases are included in capital expenditures while operating leases are not. Outside of this useful life impact, our calendar year 2026 CapEx investment expectations remain unchanged. However, the shift from finance to operating leases adjusts our expectation to approximately $175 billion.“
Übersetzung: „Die größere Auswirkung betrifft die Investitionen, weil infolge dieser Anpassung mehr unserer künftigen Rechenzentrums-Mietverträge vom Finanzierungsleasing zum operativen Leasing wechseln werden. Finanzierungsleasing zählt zu den Investitionen, operatives Leasing nicht. Abgesehen von diesem Nutzungsdauer-Effekt bleiben unsere Investitionserwartungen für das Kalenderjahr 2026 unverändert. Die Verschiebung vom Finanzierungs- zum operativen Leasing passt unsere Erwartung jedoch auf rund 175 Milliarden US-Dollar an.“
— Amy Hood, Finanzvorständin, Microsoft-Analystencall zum vierten Fiskalquartal 2026 am 29. Juli 2026
Übersetzt in Klartext: Ein Teil der Rechenzentrums-Verpflichtungen wandert aus der Investitionsrechnung heraus — nicht, weil weniger gebaut wird, sondern weil die Verträge anders eingestuft werden. Da der freie Mittelzufluss als Mittelzufluss aus dem Geschäft minus Investitionen berechnet wird, macht diese Umstellung den freien Mittelzufluss künftig automatisch größer und die Investitionen kleiner, ohne dass sich wirtschaftlich das Geringste ändert. Hood sagt es selbst: Ohne diesen Effekt bleiben die Investitionserwartungen unverändert.
Das ist regelkonform, transparent angekündigt und sachlich begründbar — Rechenzentren halten tatsächlich länger als 15 Jahre. Für dich als Leser bedeutet es trotzdem: Wer die Zahlen des Geschäftsjahres 2027 mit denen von 2026 vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Maßbänder. Die Verbesserung des freien Mittelzuflusses, die dann vermutlich in den Schlagzeilen stehen wird, ist zu einem unbekannten Teil eine Definitionsänderung. Die aussagekräftigere Zahl bleibt die Summe aus Investitionen und Leasingverpflichtungen — also genau die 329,1 Milliarden aus Wahrheit Nr. 3, die dadurch eher noch schneller wachsen dürften.
Die Gegenprobe: Ist das ein Spitzengewinn, der sich nicht wiederholt?
Diese Frage stellen wir bei jeder Analyse, und bei Microsoft lautet die Antwort: zum Teil ja. Von den 133,7 Milliarden US-Dollar Jahresgewinn sind 5,0 Milliarden ein einmaliger Buchgewinn aus der OpenAI-Rekapitalisierung, dazu kommen 3,2 Milliarden aus der Anthropic-Beteiligung im Schlussquartal. Der bereinigte Wert von 128,8 Milliarden ist die belastbarere Basis.
Was den operativen Teil angeht, spricht dagegen wenig für einen Spitzenwert: Die operative Marge stieg auf 46,8 Prozent (Vorjahr 45,6 Prozent), das Wachstum kommt aus Abonnements und Verbrauchsabrechnung, nicht aus Einmalverkäufen, und der Auftragsbestand ist so hoch wie nie. Der ehrlichere Risikopfad läuft nicht über den Umsatz, sondern über die Abschreibungen: Die kumulierten Abschreibungen auf Sachanlagen stiegen von 93,7 auf 118,7 Milliarden US-Dollar, der jährliche Abschreibungsaufwand von 22,0 auf 34,3 Milliarden. Jede neue Serverhalle wird künftige Gewinne belasten, lange bevor sie ausgelastet ist — die ab 2027 verlängerte Nutzungsdauer dämpft genau diesen Effekt. Wer wissen will, wie schnell so etwas kippen kann, findet in unserer Nvidia-Analyse die andere Seite derselben Rechnung — die Chips, die Microsoft gerade im großen Stil einbaut.
Das Gegengewicht: 678 Milliarden, die schon bestellt sind
Es wäre unfair, hier aufzuhören. Denn dieselbe Berichtsseite enthält die Zahl, die den ganzen Investitionsberg begründet:
„Commercial remaining performance obligation increased 84% to $678 billion.“
Übersetzung: „Der kommerzielle Auftragsbestand stieg um 84 Prozent auf 678 Milliarden US-Dollar.“
— Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 7 (MD&A), Abschnitt „Highlights“
Der „Commercial Remaining Performance Obligation“ ist der kommerzielle Auftragsbestand — bereits unterschriebener Umsatz, der noch geliefert werden muss. Zum Größenvergleich: 678 Milliarden US-Dollar entsprechen mehr als dem Doppelten des gesamten Jahresumsatzes 2026 (331,8 Milliarden). Die gewichtete Restlaufzeit beträgt rund 2,3 Jahre; etwa 30 Prozent sollen in den folgenden zwölf Monaten als Umsatz erfasst werden. Wer sich fragt, warum Microsoft 115,9 Milliarden in einem Jahr verbaut: Das ist die Antwort. Die Kapazität ist verkauft, bevor sie gebaut ist.
Nur — und das gehört im selben Atemzug dazu — trägt diese Zahl dieselbe Rückkopplung in sich wie Wahrheit Nr. 5. Amy Hood nannte im Analystencall am 29. Juli 2026 die Gegenprobe von sich aus: „RPO increased 25% when excluding OpenAI.“ Der Auftragsbestand ohne die Azure-Zusagen von OpenAI wuchs also um 25 Prozent statt um 84. Dasselbe Muster bei den Auftragseingängen: „Commercial bookings grew 18% when excluding the impact from OpenAI“ — mit OpenAI waren es nur 10 Prozent, weil der Vorjahreszeitraum bereits große OpenAI-Zusagen enthielt. Beide Zahlen sind stark. Nur ist der Unterschied zwischen 84 und 25 Prozent genau der Unterschied zwischen einer breiten Nachfragewelle und einer sehr großen Einzelbestellung.
Bewertung: Was du für diese Firma bezahlst
Microsoft kostete Anfang August 2026 rund 3.713 Milliarden US-Dollar an der Börse (Datenstand 9. August 2026). Bei einem Ergebnis je Aktie von 17,95 US-Dollar ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27,9, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 11,2 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 8,4. Rechnet man mit dem bereinigten Ergebnis von 17,28 US-Dollar, liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 28,9. Zum Einordnen: Ein KGV von 28 liegt für einen Konzern mit 47 Prozent operativer Marge und 18 Prozent Umsatzwachstum im oberen Mittelfeld — deutlich über einem Versorger, aber unter dem, was Wachstumswerte in Euphoriephasen kosten.
Interessanter als das KGV ist bei Microsoft der Blick auf den freien Mittelzufluss. Mit 67,0 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 zahlt der Markt derzeit rund das 55-Fache des freien Mittelzuflusses. Das ist der Preis der Wette: Wer heute kauft, bezahlt dafür, dass die 115,9 Milliarden Investitionen eines einzigen Jahres später als Mittelzufluss zurückkommen. Ein Jahr zuvor lag dasselbe Vielfache noch bei rund 40.
Die Dividende spielt bei dieser Bewertung praktisch keine Rolle: 3,64 US-Dollar je Aktie im Geschäftsjahr 2026 entsprechen einer Rendite von rund 0,7 Prozent. Zusammen mit den Rückkäufen flossen 48,7 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre — bei 67,0 Milliarden freiem Mittelzufluss ist das eine Ausschüttungsquote von rund 73 Prozent des frei verfügbaren Geldes. Vor zwei Jahren war dieser Anteil deutlich niedriger.
Der Blick der Profis fällt deutlich freundlicher aus. 61 Einschätzungen ergaben zum Datenstand 9. August 2026 ein durchschnittliches Kursziel von rund 563 US-Dollar bei 41 Mal „Strong Buy“, 15 Mal „Buy“, 5 Mal „Hold“ und keiner Verkaufsempfehlung. Ein Chor ohne eine einzige Gegenstimme ist allerdings selten eine unabhängige Zweitmeinung — bei den größten Indexschwergewichten ist er fast der Normalzustand.
Ein datierter Anker aus den Filings selbst, weil er ehrlicher ist als jeder Tageskurs: Microsoft kaufte im Geschäftsjahr 2026 36 Millionen eigene Aktien für 16,7 Milliarden US-Dollar über das Rückkaufprogramm zurück — im Schnitt also rund 464 US-Dollar je Aktie. Vom 60-Milliarden-Programm waren zum 30. Juni 2026 noch 40,6 Milliarden offen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Microsoft spricht:
- Auftragsbestand von 678 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni 2026, plus 84 Prozent — mehr als der doppelte Jahresumsatz.
- Operative Marge von 46,8 Prozent bei 18 Prozent Umsatzwachstum; Nettomarge 40,3 Prozent.
- Azure wuchs im Geschäftsjahr 2026 um 41 Prozent, nach 34 Prozent im Vorjahr, und überschritt erstmals 100 Milliarden Jahresumsatz.
- Bilanz mit 442,4 Milliarden Eigenkapital, 76,8 Milliarden Liquidität und nur 40,3 Milliarden Anleiheschulden bei einer Zinsdeckung von rund 51.
- Ungewöhnliche Transparenz: Microsoft rechnet den eigenen OpenAI-Buchgewinn freiwillig heraus und legt die Geschäfte mit OpenAI erstmals als Beziehung zu einer nahestehenden Person offen.
- Rückflüsse an die Aktionäre: 26,4 Milliarden Dividende und 22,3 Milliarden Rückkäufe im Geschäftsjahr, 40,6 Milliarden Rückkaufrahmen offen.
Was dagegen spricht:
- Der freie Mittelzufluss fiel im zweiten Jahr in Folge: 67,0 nach 71,6 und zuvor 74,1 Milliarden US-Dollar.
- Investitionen von 115,9 Milliarden US-Dollar in einem Jahr binden Kapital, dessen Rückfluss erst über Jahre entsteht; weitere 26,7 Milliarden waren zum Stichtag noch gar nicht bezahlt.
- 329,1 Milliarden US-Dollar an Mietverträgen hatten zum 30. Juni 2026 noch nicht begonnen und stehen in keiner Bilanzzeile — nach 92,7 Milliarden ein Jahr zuvor.
- Ohne die Azure-Zusagen von OpenAI wuchs der Auftragsbestand nur um 25 statt um 84 Prozent; 24,1 Milliarden oder 7,3 Prozent des Konzernumsatzes stammen von einer Firma, an der Microsoft rund 25 Prozent hält.
- Die Cloud-Bruttomarge sank auf 66 Prozent; die Umsatzkosten im Segment Intelligent Cloud stiegen um 44 Prozent bei 30 Prozent Umsatzplus.
- 5,0 Milliarden des Jahresgewinns sind ein einmaliger, zahlungsunwirksamer Buchgewinn aus der OpenAI-Verwässerung, weitere 3,2 Milliarden ein Bewertungsgewinn aus der Anthropic-Beteiligung.
- Ab dem Geschäftsjahr 2027 verlängert Microsoft die Nutzungsdauer der Rechenzentren von 15 auf 25 Jahre und verschiebt damit Leasingverträge aus der Investitionsrechnung — der freie Mittelzufluss wird dadurch besser aussehen, ohne besser zu sein.
Der Jahresabschluss 2026 — und was der Abschlusscall verriet
Am 29. Juli 2026 legte Microsoft beides an einem Tag vor: den Geschäftsbericht (10-K) für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr und die Ergebnismitteilung (8-K) für das vierte Fiskalquartal, also April bis Juni 2026. Wer die Meldungen dieses Tages als „Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026“ gelesen hat, hat sie um ein halbes Jahr verschoben — es war der Jahresabschluss.
Das Schlussquartal in Zahlen: Umsatz 90,0 Milliarden US-Dollar (plus 18 Prozent), operatives Ergebnis 40,6 Milliarden (plus 18 Prozent), Nettoergebnis 35,8 Milliarden (plus 31 Prozent), Ergebnis je Aktie 4,81 US-Dollar. Bereinigt um die OpenAI-Effekte waren es 35,3 Milliarden und 4,74 US-Dollar, ein Plus von 22 beziehungsweise 23 Prozent. Microsoft Cloud kam im Quartal auf 59,3 Milliarden (plus 27 Prozent), Azure wuchs um 43 Prozent — schneller als im Jahresdurchschnitt.
Und die Cashflow-Zahlen desselben Quartals bringen das Thema dieser Analyse auf den Punkt. Amy Hood im Call: „Cash flow from operations was $55.4 billion, up 30% … And free cash flow was $19.6 billion reflecting higher capital expenditures.“ Aus 55,4 Milliarden operativem Zufluss wurden also 19,6 Milliarden freies Geld — in einem einzigen Quartal flossen rund 35,8 Milliarden in Sachanlagen.
Satya Nadella beschrieb im selben Call, wofür: „We added 31 new datacenters across 5 continents this quarter, bringing the total to 88 this year“, und weiter: „All up, we added another gigawatt of capacity this quarter and remain on track to roughly double our overall capacity in just two years.“ Eine Verdopplung der gesamten Rechenkapazität in zwei Jahren — das ist die physische Entsprechung der 329,1 Milliarden aus Wahrheit Nr. 3.
Auf der Nachfrageseite meldete Nadella zwei belastbare Zahlen: Azure überschritt im Geschäftsjahr erstmals 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, und Microsoft 365 Copilot erreichte über 30 Millionen bezahlte Arbeitsplätze, wobei sich die Netto-Neuzugänge gegenüber dem Vorquartal mehr als verdoppelten. Das ist bemerkenswert, weil Microsoft diese Copilot-Zahl über zwei Jahre lang gar nicht genannt hatte — sie tauchte erst 2026 wieder auf, zunächst mit 15, dann mit über 20 und nun mit über 30 Millionen.
Der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027 ist die Stelle, an der es für Anleger konkret wird. Für das erste Quartal stellte Hood 89,85 bis 90,95 Milliarden US-Dollar Umsatz in Aussicht (plus 16 bis 17 Prozent) und für Azure rund 45 Prozent Wachstum zu konstanten Wechselkursen — also noch einmal mehr als im Schlussquartal. Für das Gesamtjahr kündigte sie zweistelliges Umsatz- und Ergebniswachstum an, eine operative Marge, die „weniger als einen Punkt“ niedriger liegt, und eine Steuerquote von rund 20 Prozent.
Zwei Sätze aus diesem Ausblick verdienen besondere Aufmerksamkeit. Der erste betrifft die Investitionen: „We expect FY27 capital expenditures will grow year-over-year given demand signals across our portfolio“ — für das erste Quartal allein nannte Hood „über 50 Milliarden US-Dollar“, nach rund 35,8 Milliarden im gerade abgelaufenen Schlussquartal. Der zweite ist ein Halbsatz, den man bei einem Konzern dieser Ertragskraft kaum erwartet: „In addition, we expect to remain free cash flow positive in FY27.“ Ein Unternehmen, das 133,7 Milliarden US-Dollar verdient, hält es für erwähnenswert, dass am Ende überhaupt etwas übrig bleiben wird. Genau darum geht es in dieser Analyse.
Zur Frage, ob die Kapazität irgendwann reicht, blieb Hood bei der Antwort, die sie seit Quartalen gibt: „there are still constraints in the system. I think we've continued to say, I think now, for a number of quarters, that demand continues to exceed available supply, and that certainly remains true.“ Auf die Sorge, was bei einem Nachfrageeinbruch passiert, antwortete sie mit einem Argument, das man kennen sollte: Ein wachsender Teil der Investitionen fließe inzwischen in kurzlebige Anlagen — Prozessoren und Grafikchips mit kurzen Lieferzeiten. Bei einem Umschwung könne man diesen größten Kostenblock schlicht drosseln. Das ist plausibel; es gilt allerdings nicht für Gebäude, Strom und die 329,1 Milliarden an Mietverträgen, die über bis zu zwanzig Jahre laufen.
Was die Conference Calls verraten
Wir haben die elf Wortprotokolle der Microsoft-Quartalscalls von 2024-Q2 bis 2026-Q4 gelesen. Alle Quartalsangaben sind Fiskalquartale, Microsofts Geschäftsjahr endet im Juni. Uns interessierte weniger das Quartalsergebnis als die Frage, was das Management ankündigt und was davon in den späteren Calls tatsächlich eintrifft. Das Bild ist zweigeteilt: Die Ergebnisprognosen werden geliefert, die Planungszusagen nicht — und die Kennzahlen, an denen sich das KI-Geschäft von außen prüfen ließe, tauchen auf und verschwinden wieder, statt eine durchgehende Reihe zu bilden.
Zuerst die Habenseite, denn sie ist stark. Die im Call 2024-Q4 gegebene Zusage, das Azure-Wachstum werde sich im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025 beschleunigen, wurde eingelöst: Aus 34 und 31 Prozent im ersten Halbjahr wurden 35 und 39 Prozent im zweiten. Die für das Geschäftsjahr 2025 angekündigte Marge — „nur etwa einen Punkt“ niedriger — wurde nicht nur gehalten, sondern übertroffen. Seit 2026-Q1 liegt Azure zudem in jedem Quartal über der eigenen Prognose; im Schlussquartal 2026-Q4 waren es 43 Prozent. Auch Schwächen werden benannt statt umschifft: Im Call 2025-Q2 räumte Finanzchefin Amy Hood offen Vertriebsprobleme im indirekten Geschäft ein und bestätigte in 2025-Q3, dass die Reparatur noch nicht abgeschlossen sei.
Anders sieht es bei den datierten Planungszusagen aus. Zwei davon wurden gebrochen, und beide sind bis heute nicht eingelöst:
- Im Call 2025-Q2 sagte das Management zu, die KI-Rechenkapazität werde bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025 in etwa mit der Nachfrage im Gleichgewicht stehen. Daraus wurde „über Juni hinaus“ (2025-Q3), dann Dezember (2025-Q4), dann Geschäftsjahresende (2026-Q1) und zuletzt „mindestens bis Ende 2026“ (2026-Q3). Amy Hood im Call 2025-Q4: „I thought we'd be in better supply demand shape by June. And now I'm saying I hope I'm in better shape by December.“ Ein Quartal später: „I thought we were going to catch up, we are not.“ Im Abschlusscall 2026-Q4 lautete der Stand unverändert, die Nachfrage übersteige weiterhin das verfügbare Angebot.
- Ebenfalls im Call 2025-Q2 wurde angekündigt, die Investitionen würden im Geschäftsjahr 2026 langsamer wachsen als im Vorjahr. Die Aussage wurde in 2025-Q3 wörtlich bestätigt, in 2025-Q4 erneut bekräftigt — und in 2026-Q1 umgedreht. Tatsächlich stiegen die Investitionen im Geschäftsjahr 2026 von 64,6 auf 115,9 Milliarden US-Dollar, also um 80 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2027 kündigte Hood im Abschlusscall erneut einen Anstieg an.
Beide Male ist die Begründung dieselbe und plausibel: Die Nachfrage wächst schneller als erwartet. Für Anleger bleibt dennoch die Erkenntnis, dass Zahlen aus der Mehrjahresplanung dieses Unternehmens derzeit nur wenige Monate halten. Unangenehmer finden wir den zweiten Befund: das Verschwinden von Kennzahlen. Von 2024-Q2 bis 2025-Q3 nannte Microsoft in jedem Call, wie viele Wachstumspunkte von Azure aus KI-Diensten stammten — 6, 7, 8, rund 12, 13 und zuletzt 16. Ab 2025-Q4 entfiel die Angabe ersatzlos, begründet schon ein Quartal vorher in 2025-Q3 mit dem Satz: „It's getting harder and harder to separate what an AI workload is from a non-AI workload.“ Der KI-Umsatz nach Jahresrate wurde in 2025-Q1 für das Folgequartal mit 10 Milliarden Dollar angekündigt, in 2025-Q2 mit 13 Milliarden beziffert, dann vier Quartale lang gar nicht genannt und erst in 2026-Q3 mit 37 Milliarden wieder aufgegriffen. Dass hier schwache Zahlen versteckt wurden, geben die Calls nicht her — beide Angaben endeten nach ihrem jeweils höchsten Wert. Was fehlt, ist die durchgehende Messgröße. Dasselbe gilt für die Frage, wie viele Microsoft-365-Copilot-Arbeitsplätze bezahlt werden: Sie blieb von 2024-Q2 bis 2026-Q1 ohne Absolutzahl, die erste harte Zahl fiel in 2026-Q2 mit 15 Millionen, in 2026-Q3 waren es über 20 Millionen und in 2026-Q4 über 30 Millionen.
Der Abschlusscall 2026-Q4 hat dieser Liste einen neuen Punkt hinzugefügt — allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen. Zum ersten Mal nannte Amy Hood von sich aus die Gegenprobe zum Auftragsbestand: 84 Prozent Wachstum mit OpenAI, 25 Prozent ohne. Genau diese Zahl hatte in den Calls zuvor gefehlt, obwohl schon im Call 2026-Q2 rund 45 Prozent des damaligen Auftragsbestands von 625 Milliarden Dollar auf einen einzigen Partner entfielen. Damals verwies Hood auf die übrigen 55 Prozent und nannte die Partnerschaft tragfähig, ohne auf das Risiko des Partners selbst einzugehen. Dass sie die Aufteilung nun ungefragt liefert, ist ein Fortschritt in der Berichterstattung — und zugleich die Bestätigung, dass die Frage berechtigt war.
Unsere Einordnung: Wer Microsoft kauft, kauft ein Unternehmen, das seine Quartalsversprechen einhält und die eigenen Ergebnisziele eher übertrifft. Er muss aber akzeptieren, dass die mehrjährige Investitionsplanung derzeit nicht verlässlich ist, dass sich die Messgrößen ab dem Geschäftsjahr 2027 ändern und dass ein erheblicher Teil des Auftragswachstums an einem einzigen Partner hängt.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an die Vertrautheitsfalle vom Anfang? Sie hat bei Microsoft eine besondere Pointe. Wer den Bericht wirklich liest, findet nämlich nicht die versteckte Katastrophe, die man in solchen Analysen manchmal erwartet. Er findet einen außergewöhnlich profitablen Konzern, der ungewöhnlich ehrlich berichtet — bis hin zu einer freiwilligen Überleitung, die den eigenen Gewinn kleinrechnet, und einer Offenlegung, die den größten Kunden als nahestehende Person benennt.
Was er aber auch findet, ist eine Verschiebung, die keine Schlagzeile bekommt. Vor vier Jahren behielt Microsoft von jedem operativ eingenommenen Dollar rund 73 Cent als freies Geld. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 53 Cent, im Geschäftsjahr 2026 noch 37 Cent. Der Rest wandert in Gebäude, Server, Kabel und Leasingraten — und in weitere 329,1 Milliarden an Mietverträgen, die noch nicht einmal begonnen haben. Ob das eine großartige Investition ist oder eine, die man in fünf Jahren als Überbau bezeichnet, entscheidet sich nicht an der Gewinnzeile — sondern daran, ob die 678 Milliarden bestellter Umsatz auch geliefert und bezahlt werden. Und daran, wer sie bestellt hat.
Genau das ist die Frage, die du für dich beantworten musst, und niemand kann sie dir abnehmen. Wer glaubt, dass die Kapazität in fünf Jahren zu heutigen Margen ausgelastet ist, kauft hier eine der besten Firmen der Welt zu einem Preis, der historisch nicht absurd ist. Wer daran zweifelt, sieht einen Konzern, der seinen Gewinn wachsen lässt, während das Geld, das davon übrig bleibt, schrumpft — und der ab dem nächsten Geschäftsjahr mit einem anderen Maßband misst. Beide Lesarten stehen im selben Dokument. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (eingereicht 29.07.2026, Accession 0001193125-26-323660) — Item 1 (Business, Mitarbeiterzahl), Item 7 (MD&A) inklusive Non-GAAP-Überleitung und Contractual Obligations, Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz, Kapitalflussrechnung, Note 1 (Accounting Policies/OpenAI als nahestehende Person), Note 3 (Other Income), Note 6 (Property and Equipment), Note 10 (Debt), Note 13 (Leases), Note 15 (Stockholders’ Equity), Note 18 (Segment Information)
- Microsoft Corporation, SEC-Pflichtmeldung 8-K vom 29.07.2026, Item 2.02 und 9.01 (Accession 0001193125-26-323632) mit der Ergebnismitteilung als Anlage 99.1 — Zahlen des vierten Fiskalquartals 2026, Anthropic-Buchgewinn, Aussagen von Satya Nadella und Amy Hood
- Microsoft Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 29.04.2026) — Zwischenwerte für den Verlauf der noch nicht begonnenen Leasingverträge und der OpenAI-Beteiligung
- Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 30.07.2025) — Vergleichszahlen der Geschäftsjahre 2022 bis 2025
- SEC EDGAR, Einreichungsübersicht Microsoft Corporation (CIK 0000789019) — geprüft wurden alle Einreichungen ab dem 29.07.2026; nach dem Geschäftsbericht und der Ergebnismitteilung dieses Tages folgten bis zum 9. August 2026 nur Verkaufsanzeigen (Form 144) und Insider-Meldungen (Form 4), die das Zahlenbild nicht verändern
- Wortprotokoll des Microsoft-Analystencalls zum vierten Fiskalquartal des Geschäftsjahres 2026 vom 29. Juli 2026 (Microsoft Investor Relations) — Aussagen von Satya Nadella und Amy Hood zu Kapazität, Investitionen, Auftragsbestand ohne OpenAI, Nutzungsdauer-Änderung und Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027; ergänzend die Wortprotokolle der Calls 2024-Q2 bis 2026-Q3 (Fiskalquartale)
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Analystenkonsens), Datenstand 9. August 2026
Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung. Sie ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen ihren jeweiligen Stichtag; nach Redaktionsschluss veröffentlichte Berichte sind nicht berücksichtigt. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 198.270,0 | 211.915,0 | 245.122,0 | 281.724,0 | 331.839,0 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 83.383,0 | 88.523,0 | 109.433,0 | 128.528,0 | 155.237,0 |
| Nettogewinn | 72.738,0 | 72.361,0 | 88.136,0 | 101.832,0 | 133.749,0 |
| Nettomarge | 36,7 % | 34,1 % | 36,0 % | 36,1 % | 40,3 % |
| Gewinn je Aktie | 9,65 $ | 9,68 $ | 11,80 $ | 13,64 $ | 17,95 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Nachfrage und Marktstellung positiv
- Der kommerzielle Auftragsbestand stieg zum 30.06.2026 um 84 Prozent auf 678 Mrd. US-Dollar, Azure wuchs im Geschäftsjahr um 41 Prozent und überschritt erstmals 100 Mrd. Jahresumsatz, Microsoft Cloud erreichte 214,4 Mrd. (plus 27 Prozent). Einschränkung: Ohne die Azure-Zusagen von OpenAI wuchs der Auftragsbestand nur um 25 Prozent (10-K 2026, Analystencall vom 29.07.2026).
- Ertragskraft positiv
- Operative Marge von 46,8 Prozent im Geschäftsjahr 2026 (Vorjahr 45,6 Prozent), Nettomarge 40,3 Prozent, Eigenkapitalrendite rund 34 Prozent (Datenstand 09.08.2026). Selbst nach Bereinigung um den OpenAI-Buchgewinn bleiben 128,8 Mrd. US-Dollar Gewinn in einem Jahr.
- Mittelzufluss nach Investitionen negativ
- Der freie Mittelzufluss fiel im Geschäftsjahr 2026 von 71,6 auf 67,0 Mrd. US-Dollar, obwohl das Nettoergebnis um 31 Prozent zulegte — der zweite Rückgang in Folge. Ursache sind die Investitionen in Sachanlagen (GJ 2025: 64,6 Mrd.; GJ 2026: 115,9 Mrd.). Von jedem operativ eingenommenen Dollar blieben zuletzt 37 Cent frei verfügbar, im GJ 2022 waren es 73 Cent.
- Ergebnisqualität neutral
- 5,0 der 133,7 Mrd. US-Dollar Nettoergebnis des Geschäftsjahres 2026 sind ein zahlungsunwirksamer Buchgewinn aus der Verwässerung der OpenAI-Beteiligung. Microsoft weist ihn transparent aus und rechnet ihn selbst heraus — die bereinigte Steigerung liegt bei 22 statt 31 Prozent (10-K 2026, Abschnitt Non-GAAP Financial Measures).
- Bilanz und Verschuldung positiv
- Eigenkapital 442,4 Mrd. US-Dollar, Kasse und kurzfristige Anlagen 76,8 Mrd., Anleiheschulden 40,3 Mrd. zum 30.06.2026. Auch mit 66,6 Mrd. Finanzierungsleasing bleibt die Verschuldung im Verhältnis zur Ertragskraft niedrig; der Zinsaufwand von 3,1 Mrd. steht 155,2 Mrd. operativem Ergebnis gegenüber, das ist eine Zinsdeckung von rund 51.
- Verpflichtungen außerhalb der Bilanz negativ
- Zum 30.06.2026 standen 329,1 Mrd. US-Dollar an Mietverträgen aus, die noch nicht begonnen hatten — nach 92,7 Mrd. ein Jahr zuvor. Das ist rund viermal so viel wie alle bilanzierten Leasingverbindlichkeiten zusammen (88,5 Mrd.). Zusammen mit Bau- und Einkaufsverpflichtungen weist der Bericht 743,8 Mrd. US-Dollar vertragliche Verpflichtungen aus (10-K 2026, Note 13 und Item 7).
Microsoft ist unverändert eine der ertragsstärksten Firmen der Welt: 46,8 Prozent operative Marge im Geschäftsjahr 2026, ein Auftragsbestand von 678 Mrd. US-Dollar und ein Cloud-Geschäft, das um 27 Prozent auf 214,4 Mrd. zulegte. Der Preis dafür steht in derselben Cashflow-Rechnung: 115,9 Mrd. US-Dollar Investitionen in einem Jahr, ein freier Mittelzufluss, der zum zweiten Mal in Folge gesunken ist, und 329,1 Mrd. an Mietverträgen, die noch nicht einmal begonnen haben. Dazu kommen ein Buchgewinn von 5,0 Mrd. aus der OpenAI-Verwässerung, den Microsoft selbst herausrechnet, und ein Auftragsbestand, dessen Wachstum ohne OpenAI von 84 auf 25 Prozent schrumpft. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Die Qualität des Unternehmens ist belegt: profitables Kerngeschäft mit hoher Marge, 442,4 Mrd. US-Dollar Eigenkapital, 76,8 Mrd. Liquidität, Zinsdeckung von rund 51, kein Bilanz- oder Governance-Bruch, saubere und ungewöhnlich transparente Berichterstattung — Microsoft rechnet den eigenen OpenAI-Buchgewinn freiwillig heraus und legt die Geschäfte mit OpenAI seit dem Geschäftsjahr 2026 als Beziehung zu einer nahestehenden Person offen. Wer einsteigt, wettet allerdings darauf, dass die 115,9 Mrd. US-Dollar Investitionen eines einzigen Jahres später als Mittelzufluss zurückkommen; bis dahin wächst der Gewinn, während das Geld, das tatsächlich übrig bleibt, schrumpft. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger der Erstfassung: Rangliste der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert (Stand 28.07.2026); Microsoft stand auf Rang 5 und hatte noch keine Analyse.
- Datenstand: Jahres- und Bilanzzahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (eingereicht 29.07.2026, Accession 0001193125-26-323660), Quartalszahlen und der Anthropic-Buchgewinn aus der Ergebnismitteilung 8-K vom 29.07.2026 (Accession 0001193125-26-323632, Anlage 99.1), Aussagen des Managements aus dem Wortprotokoll des Analystencalls vom 29.07.2026, Bewertungskennzahlen mit Datenstand 09.08.2026.
- Verwechslungsgefahr: Microsofts Geschäftsjahr endet am 30. Juni. „Geschäftsjahr 2026“ bedeutet Juli 2025 bis Juni 2026 — nicht das Kalenderjahr 2026. Der Bericht vom 29.07.2026 ist deshalb ein Jahresabschluss samt Schlussquartal, kein „zweites Quartal 2026“.
- Analysen sind evergreen; ein Tageskurs ist kein Kaufargument.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 26. August 2026. Was sich seitdem bei MSFT geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Zwei auf einmal. Zum einen den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026, das am 30. Juni 2026 endete; zum anderen eine Pflichtmeldung (8-K) mit der Ergebnismitteilung für das vierte Fiskalquartal, also April bis Juni 2026. Es handelt sich ausdrücklich nicht um ein „zweites Quartal 2026“: Microsofts Geschäftsjahr endet am 30. Juni, deshalb war der Zeitraum April bis Juni 2026 das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026 und nicht das zweite Quartal eines Kalenderjahres.
Microsoft berichtet in drei Segmenten. Im Geschäftsjahr 2026 lieferte Productivity and Business Processes (Microsoft 365, LinkedIn, Dynamics) 140,0 Milliarden US-Dollar Umsatz, Intelligent Cloud (Azure, Serverprodukte) 137,8 Milliarden und More Personal Computing (Windows, Geräte, Xbox, Suchwerbung) 54,1 Milliarden. Der größte Einzelposten sind Serverprodukte und Cloud-Dienste mit 129,4 Milliarden, gefolgt von Microsoft 365 für Geschäftskunden mit 102,0 Milliarden.
Weil die Investitionen schneller steigen als der operative Mittelzufluss. Im Geschäftsjahr 2026 kamen 182,9 Milliarden US-Dollar aus dem laufenden Geschäft herein (Vorjahr 136,2 Milliarden), gleichzeitig flossen 115,9 Milliarden in Sachanlagen ab (Vorjahr 64,6 Milliarden). Übrig blieben 67,0 statt 71,6 Milliarden — ein Minus von 6,5 Prozent bei 31 Prozent Gewinnwachstum. Zusätzlich waren zum Stichtag 26,7 Milliarden an Sachanlagen-Käufen noch gar nicht bezahlt (Vorjahr 6,9 Milliarden).
Rund 25 Prozent auf voll gewandelter Basis, bilanziert nach der Equity-Methode; im Quartalsbericht zum 31. März 2026 waren es noch rund 27 Prozent. Microsoft hat Finanzierungszusagen über insgesamt 13,0 Milliarden US-Dollar gegeben, davon waren zum 30. Juni 2026 11,9 Milliarden eingezahlt. Neu im Geschäftsbericht 2026: Microsoft führt OpenAI als nahestehende Person und weist 24,1 Milliarden US-Dollar Umsatz aus kommerziellen Vereinbarungen mit OpenAI aus, dazu 6,0 Milliarden Forderungen.
Das ist der kommerzielle Auftragsbestand: bereits vertraglich zugesagter Umsatz, der noch nicht als Erlös erfasst wurde. Zum 30. Juni 2026 lag er bei 678 Milliarden US-Dollar, 84 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, mit einer gewichteten Restlaufzeit von rund 2,3 Jahren; etwa 30 Prozent davon sollen in den folgenden zwölf Monaten als Umsatz erfasst werden. Wichtig für die Einordnung: Ohne die Azure-Zusagen von OpenAI wuchs derselbe Auftragsbestand laut Analystencall vom 29. Juli 2026 nur um 25 Prozent.
Die Anleiheschuld lag zum 30. Juni 2026 bei 40,3 Milliarden US-Dollar und ist damit gegenüber dem Vorjahr gesunken (43,2 Milliarden). Größer sind die Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing für Rechenzentren: 66,6 Milliarden nach 46,2 Milliarden. Dazu kommen 21,9 Milliarden operatives Leasing sowie 329,1 Milliarden an Mietverträgen, die noch nicht begonnen haben und deshalb in keiner Bilanzzeile stehen. Dem gegenüber stehen 76,8 Milliarden Kasse und kurzfristige Anlagen sowie 442,4 Milliarden Eigenkapital.
Um 41 Prozent im Geschäftsjahr 2026 und um 43 Prozent im Schlussquartal, jeweils gegenüber dem Vorjahreszeitraum; im Geschäftsjahr 2025 waren es 34 Prozent. Azure überschritt damit erstmals 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte das Management rund 45 Prozent Wachstum in Aussicht. Gleichzeitig sank die Bruttomarge des gesamten Cloud-Geschäfts auf 66 Prozent; der Bericht nennt als Grund die Investitionen in KI-Infrastruktur.
Ja. Im Geschäftsjahr 2026 erklärte der Verwaltungsrat viermal 0,91 US-Dollar je Aktie, zusammen 3,64 US-Dollar oder 27,0 Milliarden. Gezahlt wurden im Geschäftsjahr 26,4 Milliarden, dazu kamen 22,3 Milliarden US-Dollar Aktienrückkäufe. Die zuletzt erklärte Quartalsdividende stammt vom 10. Juni 2026 und ist am 10. September 2026 zahlbar. Vom 60-Milliarden-Rückkaufprogramm waren zum 30. Juni 2026 noch 40,6 Milliarden offen.
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