Microsoft-Aktie: Der Gewinn springt um 31 Prozent — das freie Geld um 2,8 Prozent
Microsoft verdiente in den neun Monaten bis zum 31. März 2026 unterm Strich 98,0 Milliarden US-Dollar, 31 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der freie Mittelzufluss — das Geld, das nach allen Investitionen wirklich übrig bleibt — wuchs im selben Zeitraum von 46,0 auf 47,3 Milliarden, also um 2,8 Prozent. Dazwischen liegen 80,1 Milliarden US-Dollar Investitionen in Rechenzentren, ein Buchgewinn von 4,5 Milliarden aus der Verwässerung der OpenAI-Beteiligung und eine Leasingverbindlichkeit von 62,9 Milliarden, die inzwischen größer ist als alle Anleihen des Konzerns zusammen. Wir lesen die Quartalsberichte Zeile für Zeile — und schauen nach, wo der Gewinn hinfließt, bevor er beim Aktionär ankommt.
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Die Falle heißt Vertrautheit
Machen wir einen Deal. Bevor wir über Microsoft reden, gebe ich zu, dass ich selbst in diese Falle getappt bin — und du wahrscheinlich auch. Sie heißt Vertrautheit, und sie funktioniert so: Bei einer Firma, deren Namen wir nicht kennen, lesen wir den Geschäftsbericht mit spitzen Fingern. Bei einer Firma, deren Software wir jeden Morgen starten, deren Aktie seit vierzig Jahren steigt und die zu den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt gehört, überfliegen wir die Schlagzeile — „Rekordgewinn“ — und legen den Bericht weg.
Genau da wird es interessant. Denn Microsofts jüngster Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht SEC enthält eine Schlagzeile und eine zweite Zahl, die niemand auf die Titelseite setzt. Die Schlagzeile: In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 stieg das Nettoergebnis um 31 Prozent auf 98,0 Milliarden US-Dollar. Die zweite Zahl: Der freie Mittelzufluss — das Geld, das nach allen Investitionen tatsächlich übrig bleibt — wuchs im selben Zeitraum von 46,0 auf 47,3 Milliarden. Das sind 2,8 Prozent.
Merke dir dieses Spannungsfeld, es zieht sich durch jedes Kapitel: Microsofts Gewinn wächst so schnell wie lange nicht — aber das Geld, das am Ende frei verfügbar ist, wächst kaum noch. Dazwischen liegen Rechenzentren im Wert von Milliarden. Wir lesen jetzt gemeinsam nach, wo der Unterschied entsteht.
Inhaltsübersicht
- Was Microsoft eigentlich macht
- Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
- Bewertung: Was du für diese Firma bezahlst
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Microsoft eigentlich macht
Microsoft verkauft im Kern drei Dinge, und der Geschäftsbericht ordnet sie in drei Segmente. Erstens Produktivitätssoftware im Abonnement: Microsoft 365 mit Word, Excel, Teams und Outlook, dazu LinkedIn und die Unternehmenssoftware Dynamics. Zweitens Cloud-Infrastruktur: Azure — gemietete Rechenleistung und Speicherplatz in Microsofts Rechenzentren — plus die klassischen Serverprodukte. Drittens das Endkundengeschäft: Windows, Geräte, Xbox und Suchwerbung.
In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 verteilte sich der Umsatz von 241,8 Milliarden US-Dollar so: Productivity and Business Processes 102,1 Milliarden, Intelligent Cloud 98,5 Milliarden, More Personal Computing 41,2 Milliarden. Der größte Einzelposten der Produktliste sind Serverprodukte und Cloud-Dienste mit 92,3 Milliarden (Vorjahreszeitraum 70,6 Milliarden), gefolgt von Microsoft 365 für Geschäftskunden mit 74,1 Milliarden.
Ein Alltagsbild für Azure, falls dir der Begriff Cloud immer noch schwammig vorkommt: Statt sich eigene Server in den Keller zu stellen, mieten Unternehmen Rechenleistung bei Microsoft — so wie man ein Auto leasen statt kaufen kann. Man zahlt nach Verbrauch, Microsoft kümmert sich um Hardware, Strom und Wartung. Und genau deshalb muss Microsoft die Hardware, den Strom und die Gebäude erst einmal bezahlen — Jahre, bevor die Mieteinnahmen vollständig fließen. Das ist der ökonomische Kern dieser Analyse.
Das Geschäftsjahr endet bei Microsoft am 30. Juni. Das „Geschäftsjahr 2026“ umfasst also Juli 2025 bis Juni 2026, nicht das Kalenderjahr 2026. Wer Microsoft mit Alphabet oder anderen Kalenderjahr-Berichtern vergleicht, verschiebt sich um ein halbes Jahr — ein Fehler, der in Vergleichstabellen erstaunlich oft steckt. Und ein wichtiger Hinweis zur Aktualität: Das Geschäftsjahr 2026 endete am 30. Juni 2026, der zugehörige Jahresbericht (10-K) lag am 29. Juli 2026 noch nicht vor. Der jüngste vollständige Bericht ist deshalb der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 29. April 2026. Alle Neunmonatszahlen in diesem Artikel stammen daraus.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diesmal war es kein Scanner-Treffer. Unsere Aktien-Scanner filtern nach Kennzahlen — günstige Bewertung, hoher Piotroski-Score, Momentum — und genau deshalb fallen die bekanntesten Schwergewichte systematisch durch: Sie sind selten billig. Als wir am 28. Juli 2026 nachzählten, welche der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert bei uns bereits eine Tiefenanalyse haben, standen 88 ohne. Microsoft war davon der größte, auf Rang 5 mit rund 2.890 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 28. Juli 2026).
Das ist eine ehrliche Auskunft über unsere eigene Methode: Ein Scanner, der nach Schnäppchen sucht, findet keine Blue Chips. Wer nur den Scannern folgt, hat am Ende ein Depot voller Halbleiter-Nachzügler und kein einziges der Unternehmen, die den Index tragen. Deshalb arbeiten wir die Liste jetzt von oben ab — und fangen mit dem an, dessen Berichte am meisten hergeben.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Microsoft steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2025 (endete am 30. Juni 2025) um 15 Prozent auf 281,7 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis um 17 Prozent auf 128,5 Milliarden und das Nettoergebnis um 16 Prozent auf 101,8 Milliarden. Zum Vergleich die beiden Jahre davor: 245,1 Milliarden Umsatz und 88,1 Milliarden Gewinn im Geschäftsjahr 2024, 211,9 und 72,4 Milliarden im Geschäftsjahr 2023.
Eine operative Marge von 45,6 Prozent bedeutet im Alltagsbild: Von 100 US-Dollar Umsatz bleiben 45,60 als Betriebsgewinn übrig. Zum Einordnen — ein solides Industrieunternehmen liegt bei 10 bis 15, ein sehr gutes bei 20. Microsoft ist in dieser Disziplin außergewöhnlich, und das seit Jahren.
Auch das Cloud-Geschäft wuchs im Geschäftsjahr 2025 kräftig: Microsoft Cloud erreichte 168,9 Milliarden US-Dollar (plus 23 Prozent) nach 137,7 Milliarden im Geschäftsjahr 2024 und 111,6 Milliarden im Geschäftsjahr 2023; Azure allein legte um 34 Prozent zu. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 beschleunigte sich das sogar: Azure plus 40 Prozent, Microsoft Cloud 155,1 Milliarden gegenüber 122,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum.
Jetzt kommt die zweite Zahlenreihe — dieselben Jahre, aber die Cashflow-Rechnung. Hier zeigt sich das Spannungsfeld zum ersten Mal:
Die Zahlen im Einzelnen, alle aus den Geschäftsberichten 10-K für 2024 und 2025:
| Geschäftsjahr (Ende 30. Juni) | Mittelzufluss aus dem Geschäft | Investitionen in Sachanlagen | Freier Mittelzufluss |
|---|---|---|---|
| 2022 | 89,0 Mrd. $ | 23,9 Mrd. $ | 65,1 Mrd. $ |
| 2023 | 87,6 Mrd. $ | 28,1 Mrd. $ | 59,5 Mrd. $ |
| 2024 | 118,5 Mrd. $ | 44,5 Mrd. $ | 74,1 Mrd. $ |
| 2025 | 136,2 Mrd. $ | 64,6 Mrd. $ | 71,6 Mrd. $ |
Lies die letzte Spalte noch einmal. Der Gewinn stieg im Geschäftsjahr 2025 um 16 Prozent — der freie Mittelzufluss fiel um 3,3 Prozent. Das ist der erste Rückgang in dieser Reihe, und er ist kein Ausreißer, sondern der Beginn eines Musters. Anteilig ausgedrückt: Im Geschäftsjahr 2022 verschlangen die Investitionen 27 Prozent des operativen Mittelzuflusses, im Geschäftsjahr 2025 waren es 47 Prozent.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: In neun Monaten flossen 80,1 Milliarden in Beton, Server und Kabel
Im Geschäftsjahr 2026 hat sich das Muster nicht abgeschwächt, sondern verschärft. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 kamen 127,5 Milliarden US-Dollar aus dem laufenden Geschäft herein — ein Plus von 34,0 Milliarden gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig flossen 80,1 Milliarden in Sachanlagen ab; im Vorjahreszeitraum waren es 47,5 Milliarden. Übrig blieben 47,3 statt 46,0 Milliarden.
Die vier Vergleichspaare im Klartext, jeweils neun Monate bis zum 31. März: Der Umsatz stieg von 205,3 auf 241,8 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis von 94,2 auf 114,6 Milliarden, das Nettoergebnis von 74,6 auf 98,0 Milliarden — und der freie Mittelzufluss von 46,0 auf 47,3 Milliarden. Der freie Mittelzufluss ist dabei schlicht der Mittelzufluss aus dem Geschäft abzüglich der Investitionen in Sachanlagen; er ist die einzige der vier Zahlen, die misst, was am Ende wirklich zur freien Verfügung steht.
Wo das Geld hingeht, zeigt die Bilanz. Die Sachanlagen stiegen netto von 205,0 Milliarden US-Dollar (30. Juni 2025) auf 283,2 Milliarden (31. März 2026). Im Detail, jeweils zu Anschaffungskosten: „Server, Netzwerktechnik und Software“ wuchs von 132,8 auf 190,9 Milliarden, „Gebäude und Einbauten“ von 137,9 auf 172,3 Milliarden. In neun Monaten hat Microsoft also Rechenzentren im Wert von rund 96 Milliarden US-Dollar aktiviert — mehr als der gesamte Jahresumsatz eines DAX-Schwergewichts.
Microsoft schreibt selbst, was das für die Marge bedeutet:
„The investments we are making in cloud and AI infrastructure and devices will continue to increase our operating costs and may decrease our operating margins.“
Übersetzung: „Die Investitionen, die wir in Cloud- und KI-Infrastruktur sowie in Geräte tätigen, werden unsere Betriebskosten weiter erhöhen und könnten unsere operativen Margen verringern.“
— Microsoft Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 2 (MD&A), Abschnitt „Economic Conditions, Challenges, and Risks“
Und die Warnung ist keine Floskel — sie ist in den Segmentzahlen bereits sichtbar. Im Segment Intelligent Cloud stieg der Umsatz in neun Monaten um 29 Prozent auf 98,5 Milliarden US-Dollar, die Umsatzkosten aber um 45 Prozent auf 41,0 Milliarden. Die Bruttomarge des gesamten Cloud-Geschäfts sank auf 67 Prozent in den neun Monaten, im Quartal bis 31. März 2026 sogar auf 66 Prozent. Der Bericht nennt als Grund wörtlich „continued investments in AI infrastructure and growing AI product usage“ — die KI-Infrastruktur und die wachsende Nutzung von KI-Produkten.
Merksatz: Wachstum, das erst gebaut werden muss, ist nie umsonst. Es steht zuerst in der Investitionsrechnung und erst Jahre später in der Gewinnrechnung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 4,5 Milliarden des Gewinnzuwachses hat niemand verdient — sie sind eine Neubewertung
Die 98,0 Milliarden US-Dollar Nettoergebnis der neun Monate sind nicht ganz das, wonach sie aussehen. Eine einzelne Zeile im Finanzergebnis wechselte das Vorzeichen: „Other income (expense), net“ ging von minus 3,194 Milliarden im Vorjahreszeitraum auf plus 7,253 Milliarden. Ein Schwung von 10,4 Milliarden US-Dollar in einem Posten, der eigentlich Zinsen und kleinere Bewertungseffekte sammelt.
Der Anhang erklärt, woher das kommt: Aus der Beteiligung an OpenAI flossen in denselben neun Monaten 5,9 Milliarden US-Dollar Nettogewinne in diese Zeile — im Vorjahreszeitraum hatte dieselbe Beteiligung noch 2,7 Milliarden gekostet. Nach Steuern bleiben davon 4,5 Milliarden, oder 0,60 US-Dollar je Aktie. Und der entscheidende Halbsatz steht direkt daneben: Die Gewinne beziehen sich „primarily … to the dilution gain from the OpenAI Recapitalization“ — sie stammen aus einem Verwässerungsgewinn.
Was das heißt, in Alltagssprache: Microsofts Anteil an OpenAI wurde durch die Umstrukturierung kleiner. Weil der verbleibende, kleinere Anteil aber höher bewertet wurde als der alte, größere, entsteht buchhalterisch ein Ertrag. Es fließt dabei kein einziger Dollar. Stell dir vor, dein Anteil an einem Gemeinschaftsgarten schrumpft von 30 auf 27 Prozent — aber der Garten wird gleichzeitig so viel höher bewertet, dass dein kleinerer Anteil mehr wert ist als vorher der größere. Auf dem Papier bist du reicher geworden. In deinem Portemonnaie hat sich nichts verändert.
Der Bericht selbst nennt die Größenordnung der Beteiligung:
„We have an investment of approximately 27 percent of OpenAI on an as-converted basis accounted for under the equity method of accounting. As a result of the OpenAI Recapitalization, we had a decrease in our proportionate ownership of OpenAI and recorded a dilution gain in other income (expense), net.“
Übersetzung: „Wir halten eine Beteiligung von rund 27 Prozent an OpenAI auf voll gewandelter Basis, bilanziert nach der Equity-Methode. Infolge der OpenAI-Rekapitalisierung verringerte sich unser anteiliges Eigentum an OpenAI, und wir erfassten einen Verwässerungsgewinn im sonstigen Ergebnis, netto.“
— Microsoft Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 1 „Accounting Policies“, Abschnitt Investments
Fairerweise muss man sagen: Microsoft versteckt das nicht — im Gegenteil. Der Konzern stellt im selben Bericht eine eigene Überleitungsrechnung auf und rechnet den OpenAI-Effekt heraus. Bereinigt liegt das Nettoergebnis der neun Monate bei 93,5 statt 98,0 Milliarden US-Dollar, der Zuwachs bei 22 statt 31 Prozent, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 12,54 statt 13,14 US-Dollar. Das ist die Art von Transparenz, die man selten sieht — und der Grund, warum diese Wahrheit unbequem, aber nicht alarmierend ist. Nur: In den Schlagzeilen stand die Zahl 31 Prozent, nicht 22.
Eine zweite Zahl aus derselben Anhangangabe gehört dazu. Microsoft hat OpenAI Finanzierungszusagen über insgesamt 13,0 Milliarden US-Dollar gegeben, davon waren zum 31. März 2026 11,8 Milliarden eingezahlt. Der Beteiligungsposten „Equity and other investments“ in der Bilanz sprang entsprechend von 15,4 auf 33,7 Milliarden. Diese Beteiligung ist damit gleichzeitig Microsofts größte strategische Wette und die volatilste Zeile in seiner Gewinnrechnung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die größte Finanzschuld steht nicht bei den Schulden
Wer Microsofts Verschuldung nachschlägt, findet eine beruhigende Zahl: 40,3 Milliarden US-Dollar Anleiheschulden zum 31. März 2026 — und das ist weniger als die 43,2 Milliarden zum 30. Juni 2025. Ein Konzern, der Schulden abbaut, während er wie verrückt investiert. Klingt zu gut, und ist es auch.
Sechs Anhangangaben weiter, unter „Leases“, steht die größere Zahl: 62,9 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing. Neun Monate zuvor, zum 30. Juni 2025, waren es 46,2 Milliarden. In neun Monaten also plus 16,8 Milliarden, während die Anleiheschuld um 2,9 Milliarden sank.
Finanzierungsleasing ist wirtschaftlich ein Kauf auf Raten: Microsoft nutzt die Rechenzentren, als gehörten sie ihm, bilanziert sie als Sachanlage (77,6 Milliarden US-Dollar zu Anschaffungskosten, nach 53,9 Milliarden zum 30. Juni 2025) und zahlt dafür über Jahre feste Raten mit Zinsen. Nicht abgezinst summieren sich diese künftigen Zahlungen auf 84,6 Milliarden US-Dollar, wovon 57,0 Milliarden erst nach dem Geschäftsjahr 2030 fällig werden. Die gewichtete Restlaufzeit beträgt 13 Jahre, der gewichtete Zinssatz 4,4 Prozent. Der Bericht nennt den Effekt: Der Zinsaufwand stieg in den neun Monaten auf 2,212 Milliarden US-Dollar, „primarily due to higher finance lease interest expense“.
Damit das nicht falsch ankommt: Für einen Konzern mit 414,4 Milliarden Eigenkapital und 114,6 Milliarden operativem Ergebnis in neun Monaten ist eine Zinslast von 2,2 Milliarden trivial. Das ist kein Verschuldungsproblem. Es ist ein Wahrnehmungsproblem: Wer nur die Zeile „Schulden“ liest, sieht 40,3 Milliarden und übersieht die 62,9 Milliarden, die eine Anhangangabe weiter stehen — und die schneller wachsen als alles andere in der Bilanz.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kasse schrumpft, während der Gewinn steigt
Ein letzter Blick auf die Bilanz, weil er die drei vorherigen Punkte zusammenbindet. Kasse und kurzfristige Anlagen sanken von 94,6 Milliarden US-Dollar (30. Juni 2025) auf 78,3 Milliarden (31. März 2026) — ein Rückgang um 16,3 Milliarden in neun Monaten, in denen Microsoft 98,0 Milliarden verdient hat.
Die Rechnung wird nachvollziehbar, wenn man die Abflüsse nebeneinanderlegt: 80,1 Milliarden Investitionen in Sachanlagen, 19,7 Milliarden gezahlte Dividenden, 17,7 Milliarden für Aktienrückkäufe (so steht es in der Cashflow-Rechnung; auf Basis der zurückgekauften Stücke waren es 13,3 Milliarden für 27 Millionen Aktien) und 3,0 Milliarden Schuldentilgung — zusammen 120,5 Milliarden gegen 127,5 Milliarden Zufluss aus dem Geschäft. Was das Geschäft hereinspült, ist beeindruckend; es reicht nur nicht mehr für alles gleichzeitig, und der Rest kam aus dem Wertpapierbestand.
Auch die im Voraus vereinnahmten Kundengelder gingen zurück: Der Posten „Unearned revenue“ sank von 67,3 auf 53,7 Milliarden US-Dollar. Das ist zum Teil Saison — Microsofts Umsatz ist laut Bericht „generally higher in the fourth quarter of our fiscal year“, also im Zeitraum April bis Juni, wenn viele Mehrjahresverträge abgeschlossen werden. Genau deshalb ist Vorsicht bei jeder Hochrechnung geboten: Wer die neun Monate einfach auf zwölf hochrechnet, unterschätzt das Schlussquartal.
Die Gegenprobe: Ist das ein Spitzengewinn, der sich nicht wiederholt?
Diese Frage stellen wir bei jeder Analyse, und bei Microsoft lautet die Antwort: zum Teil ja. Von den 98,0 Milliarden US-Dollar Neunmonatsgewinn sind 4,5 Milliarden ein einmaliger Buchgewinn, der sich per Definition nicht wiederholt — die OpenAI-Rekapitalisierung findet nur einmal statt. Der bereinigte Wert von 93,5 Milliarden ist die belastbarere Basis.
Was den operativen Teil angeht, spricht dagegen wenig für einen Spitzenwert: Die operative Marge stieg auf 47,4 Prozent (Vorjahreszeitraum 45,9 Prozent), das Wachstum kommt aus Abonnements und Verbrauchsabrechnung, nicht aus Einmalverkäufen, und der Auftragsbestand ist so hoch wie nie. Der ehrlichere Risikopfad läuft nicht über den Umsatz, sondern über die Abschreibungen: Die kumulierten Abschreibungen auf Sachanlagen stiegen von 93,7 auf 111,7 Milliarden US-Dollar, die Position „Abschreibungen und Amortisation“ in der Cashflow-Rechnung von 20,1 auf 27,5 Milliarden in neun Monaten. Jede neue Serverhalle wird künftige Gewinne belasten, lange bevor sie ausgelastet ist. Wer wissen will, wie schnell so etwas kippen kann, findet in unserer Nvidia-Analyse die andere Seite derselben Rechnung — die Chips, die Microsoft gerade im großen Stil einbaut.
Das Gegengewicht: 627 Milliarden, die schon bestellt sind
Es wäre unfair, hier aufzuhören. Denn dieselbe Berichtsseite enthält die Zahl, die den ganzen Investitionsberg begründet:
„Commercial remaining performance obligation increased 99% to $627 billion.“
Übersetzung: „Der kommerzielle Auftragsbestand stieg um 99 Prozent auf 627 Milliarden US-Dollar.“
— Microsoft Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 2 (MD&A), Abschnitt „Highlights“
Der „Commercial Remaining Performance Obligation“ ist der kommerzielle Auftragsbestand — bereits unterschriebener Umsatz, der noch geliefert werden muss. Zum Größenvergleich: 627 Milliarden US-Dollar entsprechen mehr als dem Doppelten des gesamten Jahresumsatzes 2025 (281,7 Milliarden). Wer sich fragt, warum Microsoft 80 Milliarden in neun Monaten verbaut: Das ist die Antwort. Die Kapazität ist verkauft, bevor sie gebaut ist.
Bewertung: Was du für diese Firma bezahlst
Microsoft kostete Ende Juli 2026 rund 2.890 Milliarden US-Dollar an der Börse (Datenstand 28. Juli 2026). Bei einem nachlaufenden Ergebnis je Aktie von 17,12 US-Dollar ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 9 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 6,8. Zum Einordnen: Ein KGV von 23 liegt für einen Konzern mit 47 Prozent operativer Marge und zweistelligem Wachstum im mittleren Bereich — deutlich über einem Versorger, deutlich unter dem, was Wachstumswerte in Euphoriephasen kosten.
Interessanter als das KGV ist bei Microsoft gerade der Blick auf den freien Mittelzufluss. Legt man den Neunmonatswert von 47,3 Milliarden US-Dollar zugrunde und rechnet ihn nicht hoch — das Schlussquartal ist saisonal das stärkste, aber auch investitionsintensiv —, dann zahlt der Markt für einen Konzern, dessen freies Geld auf Jahresbasis zuletzt bei 71,6 Milliarden lag, rund das Vierzigfache. Das ist der Preis der Wette: Wer heute kauft, bezahlt dafür, dass die 80 Milliarden Investitionen später als Mittelzufluss zurückkommen.
Der Blick der Profis fällt deutlich freundlicher aus. 61 Einschätzungen ergaben zum Datenstand 28. Juli 2026 ein durchschnittliches Kursziel von rund 557 US-Dollar bei 41 Mal „Strong Buy“, 15 Mal „Buy“, 5 Mal „Hold“ und keiner Verkaufsempfehlung. Ein Chor ohne eine einzige Gegenstimme ist allerdings selten eine unabhängige Zweitmeinung — bei den größten Indexschwergewichten ist er fast der Normalzustand.
Ein datierter Anker aus den Filings selbst, weil er ehrlicher ist als jeder Tageskurs: Microsoft kaufte im Quartal bis zum 31. März 2026 eigene Aktien zurück, im Januar 2026 zu durchschnittlich 465,49 US-Dollar, im Februar zu 402,72 und im März zu 391,53 US-Dollar. Der Konzern selbst hat also innerhalb eines Quartals zu sehr unterschiedlichen Kursen gekauft.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Microsoft spricht:
- Auftragsbestand von 627 Milliarden US-Dollar zum 31. März 2026, plus 99 Prozent — mehr als der doppelte Jahresumsatz 2025.
- Operative Marge von 47,4 Prozent in den neun Monaten bis 31. März 2026, bei 18 Prozent Umsatzwachstum.
- Azure wuchs in den neun Monaten um 40 Prozent, nach 34 Prozent im Geschäftsjahr 2025 — das Wachstum beschleunigte sich.
- Bilanz mit 414,4 Milliarden Eigenkapital, 78,3 Milliarden Liquidität und nur 40,3 Milliarden Anleiheschulden.
- Ungewöhnliche Transparenz: Microsoft rechnet den eigenen OpenAI-Buchgewinn freiwillig aus dem Ergebnis heraus.
- Rückflüsse an die Aktionäre: 19,7 Milliarden Dividende und 13,3 Milliarden Rückkäufe in neun Monaten, 44,0 Milliarden Rückkaufrahmen offen.
Was dagegen spricht:
- Der freie Mittelzufluss wuchs in neun Monaten nur um 2,8 Prozent und fiel im Geschäftsjahr 2025 sogar (71,6 nach 74,1 Milliarden).
- Investitionen von 80,1 Milliarden US-Dollar in neun Monaten binden Kapital, dessen Rückfluss erst über Jahre entsteht.
- Die Cloud-Bruttomarge sank auf 66 Prozent im Quartal; die Umsatzkosten im Segment Intelligent Cloud stiegen um 45 Prozent bei 29 Prozent Umsatzplus.
- 4,5 Milliarden des Neunmonatsgewinns sind ein einmaliger, zahlungsunwirksamer Buchgewinn aus der OpenAI-Verwässerung.
- Finanzierungsleasing-Verbindlichkeiten von 62,9 Milliarden wachsen schnell (plus 16,8 Milliarden in neun Monaten) und stehen außerhalb der Zeile „Schulden“.
- Kasse und kurzfristige Anlagen sanken in neun Monaten von 94,6 auf 78,3 Milliarden US-Dollar.
- Der Jahresbericht für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr lag am 29. Juli 2026 noch nicht vor — das vollständige Bild des Geschäftsjahres 2026 fehlt.
Ein menschliches Fazit
Erinnerst du dich an die Vertrautheitsfalle vom Anfang? Sie hat bei Microsoft eine besondere Pointe. Wer den Bericht wirklich liest, findet nämlich nicht die versteckte Katastrophe, die man in solchen Analysen manchmal erwartet. Er findet einen außergewöhnlich profitablen Konzern, der ungewöhnlich ehrlich berichtet — bis hin zu einer freiwilligen Überleitung, die den eigenen Gewinn kleinrechnet.
Was er aber auch findet, ist eine Verschiebung, die keine Schlagzeile bekommt. Vor vier Jahren behielt Microsoft von jedem operativ eingenommenen Dollar rund 73 Cent als freies Geld. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 53 Cent, in den neun Monaten bis März 2026 noch 37 Cent. Der Rest wandert in Gebäude, Server, Kabel und Leasingraten. Ob das eine großartige Investition ist oder eine, die man in fünf Jahren als Überbau bezeichnet, entscheidet sich nicht an der Gewinnzeile — sondern daran, ob die 627 Milliarden bestellter Umsatz auch geliefert und bezahlt werden.
Genau das ist die Frage, die du für dich beantworten musst, und niemand kann sie dir abnehmen. Wer glaubt, dass die Kapazität in fünf Jahren zu heutigen Margen ausgelastet ist, kauft hier eine der besten Firmen der Welt zu einem Preis, der historisch nicht absurd ist. Wer daran zweifelt, sieht einen Konzern, der seinen Gewinn schneller wachsen lässt als das Geld, das davon übrig bleibt. Beide Lesarten stehen im selben Dokument. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Microsoft Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 29.04.2026) — Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz, Kapitalflussrechnung, Note 1 (Investments/OpenAI), Note 3 (Other Income), Note 9 (Debt), Note 12 (Leases), Note 14 (Stockholders’ Equity), Item 2 (MD&A) inklusive Non-GAAP-Überleitung
- Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 30.07.2025) — Item 1 (Business, Mitarbeiterzahl, Azure), Item 7 (MD&A), Jahresabschluss
- Microsoft Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht 30.07.2024) — Vergleichszahlen der Geschäftsjahre 2022 bis 2024
- SEC EDGAR, Einreichungsübersicht Microsoft Corporation (CIK 0000789019) — geprüft wurden alle Einreichungen ab dem 29.04.2026; die 8-K-Meldungen vom 14.05.2026 und 05.06.2026 betreffen ausschließlich die Besetzung des Verwaltungsrats und verändern das Zahlenbild nicht
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Analystenkonsens), Datenstand 28. Juli 2026
Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung. Sie ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen ihren jeweiligen Stichtag; nach Redaktionsschluss veröffentlichte Berichte sind nicht berücksichtigt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.
Unser Fazit auf einen Blick
- Nachfrage und Marktstellung positiv
- Der kommerzielle Auftragsbestand stieg zum 31.03.2026 um 99 Prozent auf 627 Mrd. US-Dollar, Azure wuchs in den neun Monaten davor um 40 Prozent, Microsoft Cloud auf 155,1 Mrd. (Vorjahr 122,2 Mrd.). Das ist keine Absichtserklärung, sondern vertraglich zugesagter Umsatz (10-Q zum 31.03.2026).
- Ertragskraft positiv
- Operative Marge von 47,4 Prozent in den neun Monaten bis 31.03.2026 (Vorjahr 45,9 Prozent), Nettomarge 40,5 Prozent, Eigenkapitalrendite rund 34 Prozent (Datenstand 28.07.2026). Selbst nach Bereinigung um den OpenAI-Buchgewinn bleiben 93,5 Mrd. US-Dollar Gewinn in neun Monaten.
- Mittelzufluss nach Investitionen negativ
- Der freie Mittelzufluss wuchs in den neun Monaten bis 31.03.2026 nur um 2,8 Prozent (47,3 nach 46,0 Mrd. US-Dollar), obwohl das Nettoergebnis um 31 Prozent zulegte. Schon im Geschäftsjahr 2025 war er gefallen: 71,6 nach 74,1 Mrd. im Vorjahr. Ursache sind die Investitionen in Sachanlagen (GJ 2025: 64,6 Mrd.; neun Monate GJ 2026: 80,1 Mrd.).
- Ergebnisqualität neutral
- 4,5 der 98,0 Mrd. US-Dollar Nettoergebnis der neun Monate bis 31.03.2026 sind ein zahlungsunwirksamer Buchgewinn aus der Verwässerung der OpenAI-Beteiligung. Microsoft weist ihn transparent aus und rechnet ihn selbst heraus — die bereinigte Steigerung liegt bei 22 statt 31 Prozent (10-Q zum 31.03.2026, Abschnitt Non-GAAP Financial Measures).
- Bilanz und Verschuldung positiv
- Eigenkapital 414,4 Mrd. US-Dollar, Kasse und kurzfristige Anlagen 78,3 Mrd., Anleiheschulden 40,3 Mrd. zum 31.03.2026. Auch mit dem Finanzierungsleasing von 62,9 Mrd. bleibt die Verschuldung im Verhältnis zur Ertragskraft niedrig; der Zinsaufwand von 2,2 Mrd. in neun Monaten steht 114,6 Mrd. operativem Ergebnis gegenüber.
- Margenrisiko neutral
- Die Bruttomarge des Cloud-Geschäfts sank auf 66 Prozent im Quartal bis 31.03.2026; die Umsatzkosten im Segment Intelligent Cloud stiegen in neun Monaten um 45 Prozent, der Segmentumsatz nur um 29 Prozent. Microsoft schreibt selbst, die Investitionen könnten die operativen Margen senken (10-Q zum 31.03.2026, Item 2).
Microsoft ist unverändert eine der ertragsstärksten Firmen der Welt: 47,4 Prozent operative Marge, ein Auftragsbestand von 627 Mrd. US-Dollar und ein Cloud-Geschäft, das in neun Monaten um 27 Prozent zulegte. Der Preis dafür steht in derselben Cashflow-Rechnung: 80,1 Mrd. US-Dollar Investitionen in neun Monaten, ein freier Mittelzufluss, der praktisch stagniert, und eine Leasingverbindlichkeit für Rechenzentren, die inzwischen größer ist als alle Anleihen des Konzerns. Dazu kommt ein Buchgewinn von 4,5 Mrd. aus der OpenAI-Verwässerung, den Microsoft selbst herausrechnet. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Die Qualität des Unternehmens ist belegt: profitables Kerngeschäft mit hoher Marge, 414,4 Mrd. US-Dollar Eigenkapital, 78,3 Mrd. Liquidität, keine existenzielle Abhängigkeit von einer Gegenpartei, kein Bilanz- oder Governance-Bruch, saubere und ungewöhnlich transparente Berichterstattung — Microsoft rechnet den eigenen OpenAI-Buchgewinn freiwillig heraus. Wer einsteigt, wettet allerdings darauf, dass die 80,1 Mrd. US-Dollar Investitionen der letzten neun Monate später als Mittelzufluss zurückkommen; bis dahin wächst der Gewinn schneller als das Geld, das tatsächlich übrig bleibt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Rangliste der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert (Stand 28.07.2026); Microsoft stand auf Rang 5 und hatte noch keine Analyse.
- Datenstand: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 30.07.2025), Neunmonatszahlen aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 29.04.2026), Bewertungskennzahlen mit Datenstand 28.07.2026. Der Jahresbericht für das am 30.06.2026 beendete Geschäftsjahr 2026 lag am 29.07.2026 noch nicht vor.
- Verwechslungsgefahr: Microsofts Geschäftsjahr endet am 30. Juni. „Geschäftsjahr 2026“ bedeutet Juli 2025 bis Juni 2026 — nicht das Kalenderjahr 2026.
- Analysen sind evergreen; ein Tageskurs ist kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Microsoft berichtet in drei Segmenten. In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 lieferte Productivity and Business Processes (Microsoft 365, LinkedIn, Dynamics) 102,1 Milliarden US-Dollar Umsatz, Intelligent Cloud (Azure, Serverprodukte) 98,5 Milliarden und More Personal Computing (Windows, Geräte, Gaming, Suchwerbung) 41,2 Milliarden. Der größte Einzelposten sind Serverprodukte und Cloud-Dienste mit 92,3 Milliarden.
Am 30. Juni. Das Geschäftsjahr 2026 umfasst also Juli 2025 bis Juni 2026, das Geschäftsjahr 2025 endete am 30. Juni 2025. Wer Microsoft mit Kalenderjahr-Berichterstattern vergleicht, verschiebt sich um ein halbes Jahr. Der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 deckt die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 ab; der Jahresbericht für 2026 lag am 29. Juli 2026 noch nicht vor.
Weil die Investitionen schneller steigen als der operative Mittelzufluss. In den neun Monaten bis 31. März 2026 kamen 127,5 Milliarden US-Dollar aus dem laufenden Geschäft herein (Vorjahr 93,5 Milliarden), gleichzeitig flossen 80,1 Milliarden in Sachanlagen ab (Vorjahr 47,5 Milliarden). Übrig blieben 47,3 statt 46,0 Milliarden — ein Plus von 2,8 Prozent bei 31 Prozent Gewinnwachstum.
Rund 27 Prozent auf voll gewandelter Basis, bilanziert nach der Equity-Methode. Das geht aus dem Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 hervor. Microsoft hat Finanzierungszusagen über insgesamt 13,0 Milliarden US-Dollar gegeben, davon waren zum 31. März 2026 11,8 Milliarden eingezahlt. In den neun Monaten davor führte die Beteiligung zu 5,9 Milliarden Buchgewinnen.
Das ist der kommerzielle Auftragsbestand: bereits vertraglich zugesagter Umsatz, der noch nicht als Erlös erfasst wurde — inklusive der bereits bezahlten, aber noch nicht gelieferten Leistungen. Zum 31. März 2026 lag er bei 627 Milliarden US-Dollar, 99 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Er ist der belastbarste Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach Microsofts Cloud-Diensten weiter zunimmt.
Die Anleiheschuld lag zum 31. März 2026 bei 40,3 Milliarden US-Dollar und ist damit gegenüber dem 30. Juni 2025 gesunken (43,2 Milliarden). Größer sind inzwischen die Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing für Rechenzentren: 62,9 Milliarden nach 46,2 Milliarden. Dem stehen 78,3 Milliarden Kasse und kurzfristige Anlagen sowie 414,4 Milliarden Eigenkapital gegenüber.
Um 40 Prozent — sowohl im Quartal bis zum 31. März 2026 als auch in den neun Monaten davor, jeweils gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 34 Prozent. Gleichzeitig sank die Bruttomarge des gesamten Cloud-Geschäfts auf 66 Prozent im Quartal beziehungsweise 67 Prozent in den neun Monaten; der Bericht nennt als Grund die Investitionen in KI-Infrastruktur.
Ja. Die zuletzt erklärte Quartalsdividende betrug 0,91 US-Dollar je Aktie (erklärt am 10. März 2026, zahlbar am 11. Juni 2026). In den neun Monaten bis zum 31. März 2026 zahlte Microsoft 19,7 Milliarden US-Dollar Dividende aus und kaufte für 13,3 Milliarden eigene Aktien zurück. Vom 60-Milliarden-Rückkaufprogramm waren zum 31. März 2026 noch 44,0 Milliarden offen.
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