Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · Makro-Großtermin direkt benachbart

Evercore-Aktie: 3,36 Milliarden für Rückkäufe — und am Ende gibt es mehr Aktien als vorher

Evercore-Aktie: 3,36 Milliarden für Rückkäufe — und am Ende gibt es mehr Aktien als vorher

Evercore berät bei Übernahmen und Restrukturierungen, vergibt keinen einzigen Kredit und sitzt auf 1,48 Milliarden US-Dollar Nettoliquidität. Der Aktien-Scanner meldet das höchste Fundamental-Rating seines gesamten Qualitätsfilters. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31.03.2026 gelesen: 64,9 Prozent der Nettoerlöse gehen an die eigenen Berater, die Rückkäufe von 3,36 Milliarden US-Dollar haben die Aktienzahl seit 2021 nicht gesenkt, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,2 misst gegen die stärksten zwölf Monate der Firmengeschichte. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was ein Spitzenjahr am Gipfel eines Übernahmebooms wirklich wert ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 17 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (EVR)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Evercore-Aktie: 3,36 Milliarden für Rückkäufe — und am Ende gibt es mehr Aktien als vorher
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Evercore hat zwischen 2021 und März 2026 3.359 Millionen US-Dollar für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben — ein Viertel des heutigen Börsenwerts. Am Ende dieses Zeitraums waren 38.676.527 Class-A-Aktien im Umlauf. Ende 2021 waren es 37.903.430. Es sind also mehr geworden, nicht weniger.

Das ist kein Skandal und kein Buchungsfehler. Es ist die ehrlichste Beschreibung dessen, wie eine unabhängige Beratungsbank funktioniert: Sie hat keine Fabrik, kein Patent und kein Kreditbuch. Ihr einziger Produktionsfaktor sind Menschen — bei Evercore 210 Senior Managing Directors, die Vorstände beraten, wenn diese Firmen kaufen, verkaufen oder ihre Schulden neu ordnen wollen. Diese Menschen bekommen einen erheblichen Teil ihrer Bezahlung in Aktien. Die Rückkäufe kaufen zurück, was die Vergütung ausgibt.

Wir haben deshalb den Geschäftsbericht für 2025 und den Quartalsbericht zum 31. März 2026 gelesen und eine einzige Frage mitgenommen: Wie viel von dem, was diese Firma erwirtschaftet, kommt bei den Aktionären an — und wie viel bleibt bei den Beratern? Die Antwort ist unbequem, aber sie macht die Aktie nicht schlecht. Sie macht nur klar, wofür man den Preis bezahlt.

Was Evercore eigentlich macht

Evercore Inc., seit August 2006 an der New Yorker Börse und mit Sitz in der 55 East 52nd Street in Manhattan, geführt von John S. Weinberg als Vorstandschef und Verwaltungsratsvorsitzendem, ist eine unabhängige Beratungsbank — im Fachjargon eine „Investmentbank ohne Bilanz“. Sie berät bei Übernahmen und Fusionen, bei Restrukturierungen und Schuldenverhandlungen, bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen, und sie hilft Beteiligungsgesellschaften beim Einsammeln von Fondskapital. Was sie nicht tut: eigenes Geld verleihen, mit eigenem Kapital spekulieren oder Kundeneinlagen halten.

Verdient wird fast ausschließlich an einer Sache. 2025 erwirtschaftete das Segment Investment Banking & Equities 3,69 Milliarden US-Dollar, also 98 Prozent der Erlöse (ohne sonstige Erträge); allein die Beratungshonorare machten 3.267,1 Millionen US-Dollar aus. Daneben gibt es zwei kleine Standbeine: das Aktiengeschäft — Research, Handel und Emissionsbegleitung für institutionelle Anleger, 2025 mit 242,7 Millionen US-Dollar Kommissionen und 179,6 Millionen Emissionsgebühren — und die Vermögensverwaltung Evercore Wealth Management, die zum 31. Dezember 2025 15,5 Milliarden US-Dollar verwaltete (plus 12 Prozent) und dafür 87,4 Millionen US-Dollar Gebühren einnahm. Das sind rund zwei Prozent des Konzernumsatzes.

Der Personalbestand ist überschaubar: rund 2.570 Menschen in 33 Städten zum 31. Dezember 2025, davon etwa 2.100 im Investment Banking & Equities und rund 1.900 in den USA. Entscheidend ist aber nicht die Kopfzahl, sondern die Zahl der Senior Managing Directors — jener Partner, die Mandate hereinholen.

Gelb markierte Textstelle aus dem Evercore-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Das Segment Investment Banking und Equities verfügt zu Beginn des Jahres 2026 über 171 Investment-Banking-Senior-Managing-Directors und 39 Equities-Senior-Managing-Directors.
Die markierte Stelle im Original: 171 plus 39 Senior Managing Directors — das ist der gesamte Produktionsapparat dieser Firma. Darüber steht die zweite wichtige Zahl: 806 abgerechnete Mandate im Jahr 2025. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und dieser Apparat wächst: 2025 kamen 18 neue Investment-Banking-Partner hinzu (davon fünf über die Übernahme des britischen Beratungshauses Robey Warshaw) sowie ein Equities-Partner; elf eigene Direktoren wurden befördert, im Januar 2026 acht weitere. Neue Städte kamen dazu, unter anderem Stockholm und Mailand. Merke dir das: Bei einer Beratungsbank ist die Zahl der Partner das, was bei einem Industriebetrieb die Produktionskapazität ist. Sie sagt mehr über die nächsten drei Jahre als jede Umsatzzahl.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Evercore kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, Qualität zum fairen Preis. Der Filter ist unbequem, weil er beides gleichzeitig verlangt. Fünf Hürden müssen zusammen genommen werden, und Evercore nimmt alle fünf (Datenstand 27. Juli 2026):

  • Piotroski-F-Score 7 von 9 — die Bilanz-Checkliste ist erfüllt (Mindestwert 7).
  • Eigenkapitalrendite 42,2 Prozent — fast das Dreifache der geforderten 15 Prozent.
  • Operative Marge 24,4 Prozent — mehr als das Doppelte des Mindestwerts von 10 Prozent.
  • Verschuldungsgrad 0,71 — die Obergrenze liegt bei 1,0, hier ist Luft.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis 19,2 — und hier wird es eng: Die Grenze liegt bei 20. Vier Prozent Kursplus ohne Gewinnplus, und Evercore fällt aus diesem Filter.

Dazu meldet der Scanner etwas Bemerkenswertes: ein Fundamental-Rating von 81 Punkten (Note A) — das ist der höchste Wert im gesamten QARP-Scanner. Auf der Skala steht 50 für den Durchschnitt, ab 75 gibt es ein A. Keine andere Aktie in diesem Qualitätsfilter kommt an die Kombination aus Rendite, Marge und Bilanzstärke heran. In der Rangliste selbst steht Evercore trotzdem nur auf Rang 15 der US-Auswahl, weil die Reihung auch die Bewertung einrechnet — und 19,2 ist eben kein Schnäppchenpreis.

Der Rest des Datenblatts passt ins Bild: Kurs-Buchwert 7,4, Eigenkapitalquote 41,3 Prozent, Aufwärtstrend nach Stan Weinstein („Stage 2“), relative Stärke 70, Gewinn-Rating 86. Über drei Jahre brachte die Aktie 227,7 Prozent Gesamtrendite, also rund 75,9 Prozent pro Jahr; auf Zwölfmonatssicht 38,9 Prozent, seit Jahresbeginn 8,3 Prozent. Vom Allzeithoch ist der Kurs 7,3 Prozent entfernt. Der Börsenwert liegt bei rund 13,4 Milliarden US-Dollar. Merke dir den Fingerabdruck: Wenn eine Aktie einen Filter nur an einer Stelle knapp besteht, ist genau diese Stelle der Ort, an dem man nachsehen muss. Bei Evercore ist es der Preis.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. 2025 war das beste Jahr der Firmengeschichte: Die Nettoerlöse stiegen um 29 Prozent auf 3.855,8 Millionen US-Dollar, die Beratungshonorare allein um 34 Prozent auf 3.267,1 Millionen. Der Nettogewinn (Anteil der Aktionäre) legte um 56 Prozent auf 591,9 Millionen US-Dollar zu. Und das erste Quartal 2026 setzte noch einen drauf: Die Nettoerlöse verdoppelten sich auf 1.391,6 Millionen, die Beratungshonorare stiegen um 123 Prozent auf 1.244,7 Millionen.

Genau deshalb muss man den Zyklus daneben legen. Denn dieselbe Firma hat vor zwei Jahren etwas anderes berichtet.

Balkendiagramm mit Nettoerlösen und Nettogewinn von Evercore 2021 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Nettoerlöse 3.289,5, 2.762,0, 2.425,9, 2.979,6 und 3.855,8; Nettogewinn 740,1, 476,5, 255,5, 378,3 und 591,9.
Der Übernahmezyklus im Bild: Vom Rekordjahr 2021 fiel der Nettogewinn bis 2023 um 65 Prozent auf 255,5 Millionen US-Dollar — bei Erlösen, die nur um 26 Prozent nachgaben. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der verwässerte Gewinn je Aktie lief denselben Weg: 17,08 US-Dollar (2021), 11,61 (2022), 6,37 (2023), 9,08 (2024), 14,05 (2025). Von der Spitze bis zum Tal waren es minus 63 Prozent — und das in einer Firma, die kerngesund war, keine Kredite abschreiben musste und nie in die Nähe einer Krise kam. Das ist keine Schwäche des Managements, das ist die Natur des Geschäfts: Wenn Vorstände keine Firmen kaufen, gibt es nichts zu beraten.

Warum der Gewinn stärker schwankt als der Umsatz, erklärt die zweite Kurve — und das ist die wichtigste Kennzahl, die man über eine Beratungsbank kennen muss.

Die Personalaufwandsquote: der eingebaute Stoßdämpfer

Bei Evercore ist der größte Kostenblock kein Fixkostenblock, sondern ein Bonus-Topf. Die Personalaufwandsquote — Personalaufwand geteilt durch Nettoerlöse — bewegt sich mit dem Zyklus, und zwar gegenläufig: Im Boom sinkt sie, in der Flaute steigt sie.

Liniendiagramm der Personalaufwandsquote von Evercore in Prozent der Nettoerlöse: 56,2 Prozent 2021, 61,5 Prozent 2022, 68,3 Prozent 2023, 66,3 Prozent 2024, 64,9 Prozent 2025 und 65,0 Prozent im ersten Quartal 2026.
Im Boomjahr 2021 gingen 56,2 Prozent der Nettoerlöse an die Belegschaft, im schwachen Jahr 2023 waren es 68,3 Prozent. Der Puffer federt ab — vollständig schützen kann er nicht. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.
Gelb markierte Textstelle aus dem Evercore-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Der Personalaufwand betrug 64,9 Prozent der Nettoerlöse im Jahr 2025 gegenüber 66,3 Prozent im Jahr 2024.
Die markierte Stelle im Original: 64,9 Prozent der Nettoerlöse gingen 2025 an die eigenen Leute. Absolut waren das 2,50 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 27 Prozent gegenüber 2024. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Teil dieser Vergütung wird nicht sofort ausgezahlt, sondern über vier Jahre aufgeschoben — in Aktienpaketen (Restricted Stock Units) und in aufgeschobener Barvergütung. Die Größenordnung steht im Bericht: Im ersten Quartal 2026 teilte Evercore rund 1,6 Millionen neue Aktienpakete mit einem Zeitwert von etwa 523,0 Millionen US-Dollar zu, dazu 117,0 Millionen US-Dollar aufgeschobene Barvergütung. Zum 31. Dezember 2025 waren allein aus alten Aktienpaketen noch 475,0 Millionen US-Dollar Aufwand nicht erfasst, verteilt über durchschnittlich 31 Monate; für das Barprogramm erwartet der Konzern Auszahlungen von insgesamt 360,2 Millionen US-Dollar.

Das hat zwei Folgen, die man auseinanderhalten muss. Erstens: Die Gewinn- und Verlustrechnung eines schwachen Jahres trägt noch die Boni des starken Jahres davor — deshalb sprang die Quote 2023 auf 68,3 Prozent. Zweitens: Aus diesen Aktienpaketen entstehen jedes Jahr neue Aktien. Und damit sind wir bei der ersten unbequemen Wahrheit.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Rückkäufe senken die Aktienzahl nicht

Evercore kauft im großen Stil eigene Aktien zurück. Die Summen sind beeindruckend: 720,7 Millionen US-Dollar (2021), 520,5 (2022), 387,3 (2023), 448,2 (2024), 661,1 (2025) und 621,3 Millionen allein im ersten Quartal 2026 — zusammen 3.359 Millionen US-Dollar für 19,5 Millionen Aktien. Bei einem Börsenwert von 13,4 Milliarden US-Dollar ist das ein Viertel des Unternehmens.

Und jetzt das Ergebnis dieser Anstrengung:

Balkendiagramm der umlaufenden Class-A-Aktien von Evercore in Millionen Stück: 40,75 Ende 2020, 37,90 Ende 2021, 38,35 Ende 2022, 37,77 Ende 2023, 38,12 Ende 2024, 38,52 Ende 2025 und 38,68 zum 31. März 2026.
3.359 Millionen US-Dollar für Rückkäufe — und der Balken steht seit fünf Jahren praktisch still. Seit dem Tiefpunkt Ende 2021 ist die Aktienzahl sogar wieder gestiegen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Mechanismus steht offen in der Eigenkapitalveränderungsrechnung des Quartalsberichts. Im ersten Quartal 2026 kaufte Evercore 1.929.641 Aktien zurück und gab im selben Quartal 2.018.098 neue Class-A-Aktien als Vergütung aus. Von den zurückgekauften Stücken dienten 904.000 ausdrücklich nur dazu, die Steuerlast der Mitarbeiter bei der Übertragung zu begleichen (Durchschnittspreis 344,71 US-Dollar); nur 1.026.000 Stück liefen über das eigentliche Rückkaufprogramm (302,01 US-Dollar). Auch die maßgebliche verwässerte Aktienzahl erzählt dieselbe Geschichte: 40,099 Millionen (2023), 41,646 (2024), 42,131 (2025), 41,850 im ersten Quartal 2026.

Das ist der zentrale Unterschied zu einem echten Rückkäufer. Bei Affiliated Managers Group — ebenfalls ein Finanzdienstleister ohne Bilanzrisiko und in demselben QARP-Scanner — sank die maßgebliche Aktienzahl in gut zwei Jahren um mehr als ein Viertel, und der Gewinn je Aktie stieg deutlich stärker als der Gewinn selbst. Bei Evercore ist es umgekehrt: Der Rückkauf ist kein Renditehebel, sondern eine Gegenrechnung. Wer ihn als Kapitalrückgabe einrechnet, zählt Geld doppelt, das in Wahrheit Vergütungsaufwand ist.

Fairerweise gehört dazu: Ohne die Rückkäufe wäre die Aktienzahl deutlich gestiegen, und der Verwaltungsrat hat am 29. April 2025 eine neue Ermächtigung erteilt — bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar oder 8,0 Millionen Aktien, von denen zum 31. Dezember 2025 noch 7.195.462 offen waren. Der Motor läuft also weiter. Er treibt nur nicht vorwärts, er hält die Position.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Rekordgewinn des ersten Quartals ist steuerlich geschönt

Im ersten Quartal 2026 verdiente Evercore 7,20 US-Dollar je verwässerter Aktie nach 3,48 im Vorjahresquartal. Ein Teil dieses Sprungs kommt aber nicht aus dem Geschäft, sondern aus der Steuerzeile.

„The Company’s Provision (Benefit) for Income Taxes was $9,056 and ($41,727) for the three months ended March 31, 2026 and 2025, respectively. The effective tax rate was 2.7% and (37.2%) … The effective tax rate reflects the recognition of net excess tax benefits associated with appreciation in the Company’s share price upon vesting of employee share-based awards above the original grant price of $88,528 and $74,311 … which resulted in a reduction in the effective tax rate of 26.7 and 66.3 percentage points.“

Übersetzung: „Die Steuerlast (bzw. der Steuerertrag) des Unternehmens betrug 9.056 beziehungsweise minus 41.727 Tausend US-Dollar für die drei Monate bis zum 31. März 2026 und 2025. Der effektive Steuersatz lag bei 2,7 Prozent beziehungsweise minus 37,2 Prozent … Der effektive Steuersatz spiegelt die Erfassung von Netto-Überschuss-Steuervorteilen wider, die mit dem Kursanstieg der Unternehmensaktie beim Unverfallbarwerden mitarbeiterbezogener Aktienzuteilungen über den ursprünglichen Zuteilungspreis hinaus verbunden sind, in Höhe von 88.528 beziehungsweise 74.311 Tausend US-Dollar … was zu einer Senkung des effektiven Steuersatzes um 26,7 beziehungsweise 66,3 Prozentpunkte führte.“

— Evercore Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 18 „Income Taxes“

Gelb markierte Textstelle aus dem Evercore-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Die Überschuss-Steuervorteile senkten den effektiven Steuersatz um 26,7 beziehungsweise 66,3 Prozentpunkte.
Die markierte Stelle im Original: 88,5 Millionen US-Dollar Steuervorteil aus dem gestiegenen Kurs der Vergütungsaktien — sie drückten die Steuerquote von rund 29 auf 2,7 Prozent. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnet man diesen Vorteil heraus, hätte der Steuersatz bei rund 29,4 Prozent gelegen und der verwässerte Gewinn je Aktie bei etwa 5,08 statt 7,20 US-Dollar. Der Effekt ist kein Einzelfall — auch 2025 senkten 78,5 Millionen US-Dollar Überschuss-Steuervorteil die Jahressteuerquote um 9,9 Prozentpunkte auf 19,3 Prozent. Aber er hat eine Eigenschaft, die man kennen muss: Er hängt daran, dass der Aktienkurs steigt. Fällt der Kurs unter den Zuteilungspreis, dreht sich das Vorzeichen — und zwar genau dann, wenn auch das operative Geschäft schwach ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Es gibt kein Auftragsbuch — und der Bericht sagt das selbst

Bei einem Softwarehaus kann man den wiederkehrenden Umsatz messen. Bei Evercore gibt es nichts Wiederkehrendes. Jedes Mandat wird einzeln angefragt, einzeln vergeben, einzeln verhandelt — und meist erst bei erfolgreichem Abschluss bezahlt. Der Geschäftsbericht formuliert es ungewöhnlich klar:

„Each revenue-generating engagement typically is separately solicited, awarded and negotiated. In addition, many businesses do not routinely engage in transactions requiring our services. As a consequence, our fee-paying engagements with many clients are not likely to be predictable and high levels of revenue in one quarter are not necessarily predictive of continued high levels of revenue in future periods.“

Übersetzung: „Jedes umsatzbringende Mandat wird typischerweise einzeln eingeworben, einzeln vergeben und einzeln verhandelt. Zudem führen viele Unternehmen nicht regelmäßig Transaktionen durch, die unsere Dienste erfordern. Folglich sind unsere honorarpflichtigen Mandate mit vielen Kunden wahrscheinlich nicht vorhersehbar, und hohe Erlöse in einem Quartal sind nicht notwendigerweise ein Hinweis auf anhaltend hohe Erlöse in künftigen Zeiträumen.“

— Evercore Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Evercore-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Hohe Erlöse in einem Quartal sind nicht notwendigerweise ein Hinweis auf anhaltend hohe Erlöse in künftigen Zeiträumen.
Die markierte Stelle im Original: Evercore warnt selbst davor, ein starkes Quartal fortzuschreiben. Im selben Absatz steht, dass Beratungs- und Emissionsgebühren zusammen 91 Prozent der Erlöse ausmachten. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Gegengewicht gibt es allerdings, und es wird gern übersehen: die Restrukturierungsberatung. Evercore berät Unternehmen, Gläubiger und Beteiligungsgesellschaften bei Schuldenverhandlungen und Sanierungen — innerhalb wie außerhalb von Insolvenzverfahren. Dieses Geschäft läuft dem Übernahmezyklus entgegen: Wenn Zinsen steigen, Finanzierungen brechen und Übernahmen ausbleiben, wächst die Zahl der Firmen mit Bilanzproblemen. Genau das hat den Absturz 2023 gedämpft — die Nettoerlöse fielen gegenüber 2021 um 26 Prozent, während der Übernahmemarkt weltweit deutlich stärker einbrach. Ein Vollkasko-Schutz ist es nicht, aber es ist mehr, als ein reiner Fusionsberater hätte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 65 Prozent gehen an die Berater — dauerhaft

Die Personalaufwandsquote ist kein Krisenphänomen, sondern der Normalzustand. Selbst im besten Jahr der Firmengeschichte blieben nach der Vergütung nur 35 Prozent der Nettoerlöse übrig, aus denen Miete, Technik, Reisen, Steuern und der Aktionärsgewinn bezahlt werden mussten. Von 3.855,8 Millionen US-Dollar Nettoerlösen 2025 blieben am Ende 591,9 Millionen für die Aktionäre — 15,3 Prozent.

Warum ändert das niemand? Weil es nicht geht. Der Geschäftsbericht beschreibt den Grund unter „Risikofaktoren“ ausführlich: Die Senior Managing Directors sind nicht verpflichtet zu bleiben, der Markt für erfahrene Berater ist hart umkämpft, und Wettbewerber können jederzeit attraktivere Pakete bieten. Wer die Quote senkt, verliert Partner — und mit ihnen die Kundenbeziehungen, denn die gehören dem Berater, nicht der Firma. Merke dir das Spannungsfeld: Bei einer Beratungsbank sind Belegschaft und Aktionäre Konkurrenten um denselben Erlös, und die Belegschaft hat die besseren Karten.

Der Trost für Anleger: Die Quote sinkt seit 2023 in kleinen Schritten (68,3 → 66,3 → 64,9 Prozent), und die Nicht-Personalkosten je Mitarbeiter stiegen 2025 nur um 12 Prozent auf rund 229,3 Tausend US-Dollar. Der Konzern skaliert also durchaus. Nur eben langsam und nur, solange die Erlöse wachsen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Warum wir den Altman-Z hier nicht deuten — und was stattdessen zählt

Der Altman-Z″-Score ist eine Insolvenz-Frühwarnzahl (Schwellen: unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher). Für Evercore weist unser Datenbestand einen sehr hohen Wert aus. Wir deuten ihn trotzdem nicht — und das ist keine Bescheidenheit, sondern Methodik.

Die Formel wurde an Industriebetrieben geeicht. Ihre Bausteine sind Nettoumlaufvermögen, einbehaltene Gewinne, operatives Ergebnis und Eigenkapital, jeweils an der Bilanzsumme gemessen. Bei einem Hersteller füllen Warenlager, Maschinen und Lieferantenverbindlichkeiten diese Größen. Bei einer Beratungsbank gibt es kein Warenlager, keine Fabrik, kein Kreditbuch und keine Vorräte — die Bilanzsumme besteht fast nur aus Bargeld, Wertpapieren und Honorarforderungen. Ein Wert, der aus solchen Zahlen entsteht, misst nicht das Insolvenzrisiko, sondern nur, wie liquide die Bilanz gebaut ist. Bei OneMain Holdings haben wir gezeigt, warum Kennzahlen aus der Industriewelt bei Finanzunternehmen regelmäßig in die Irre führen; hier gilt dasselbe, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Was stattdessen zählt, ist erfreulich einfach abzulesen — Stand 31. März 2026:

  • Barmittel 986,0 Millionen US-Dollar plus 1.035,0 Millionen Wertpapiere und Festgelder = 2.021,0 Millionen liquide Mittel.
  • Anleihen 539,7 Millionen US-Dollar, sämtlich Privatplatzierungen mit gestaffelten Fälligkeiten zwischen 2028 und 2032. Die im März 2026 fällige Tranche über 48,0 Millionen wurde aus dem Kassenbestand getilgt.
  • Daraus folgt eine Nettoliquidität von rund 1.481 Millionen US-Dollar — die Firma schuldet netto niemandem etwas.
  • Zinsdeckung 35,3-fach; Eigenkapital der Aktionäre 1.782,1 Millionen, Eigenkapitalquote 41,3 Prozent.
  • Firmenwert nur 227,4 Millionen US-Dollar — gut fünf Prozent der Bilanzsumme von 4.314,3 Millionen. Es gibt hier keine aufgeblähte Zukaufsblase.

Eine Eigenheit gehört dazu: Der operative Mittelzufluss ist im ersten Quartal jedes Jahres negativ, weil dann die Boni des Vorjahres ausgezahlt werden. Die Position „aufgelaufene Vergütung“ fiel entsprechend von 1.381,3 Millionen US-Dollar (31.12.2025) auf 653,3 Millionen (31.03.2026). Über das Gesamtjahr 2025 flossen dagegen 1.256,5 Millionen US-Dollar aus dem operativen Geschäft zu. Wer den ersten Quartalsbericht eines Jahres isoliert liest, hält eine gesunde Firma für eine Geldvernichtungsmaschine.

Bewertung: 19,2 — aber gemessen woran?

Ende Juli 2026 kostete die Evercore-Aktie 347,31 US-Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,2 im Datenbestand misst gegen die letzten zwölf Monate — und die waren die stärksten der Firmengeschichte: Von April 2025 bis März 2026 verdiente Evercore rund 17,6 US-Dollar je verwässerter Aktie. Ein Vielfaches von 19,2 auf dem Gipfel eines Übernahmebooms ist etwas völlig anderes als ein Vielfaches von 19,2 im Mittel. Deshalb die Gegenprobe: Was wäre der heutige Kurs in jedem einzelnen Jahr für ein Vielfaches gewesen?

Balkendiagramm: Kurs von 347,31 US-Dollar geteilt durch den verwässerten Gewinn je Aktie des jeweiligen Jahres — 20,3 für 2021, 29,9 für 2022, 54,5 für 2023, 38,2 für 2024, 24,7 für 2025 und 29,8 für den Fünfjahresdurchschnitt.
Im schwachen Übernahmejahr 2023 verdiente Evercore 6,37 US-Dollar je Aktie — der heutige Kurs wäre darauf das 54,5-Fache gewesen. Auf den Fünfjahresschnitt von 11,64 US-Dollar gerechnet zahlt man rund das 30-Fache. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist die zentrale Bewertungsfrage dieser Aktie, und sie lässt sich nicht wegdiskutieren: Wer 19,2 sagt, unterstellt, dass das Rekordjahr das neue Normal ist. Wer den Zyklus einrechnet, zahlt rund das 30-Fache — für ein Geschäft, das im schlechten Jahr zwei Drittel seines Gewinns verliert. Und im schwachen Jahr 2023 lagen die Nettoerlöse bei 2.425,9 Millionen US-Dollar; wiederholte sich das, wäre der Umsatz gegenüber 2025 um 37 Prozent niedriger.

Die Dividende spielt dabei eine Nebenrolle: 2025 wurden 3,32 US-Dollar je Aktie ausgeschüttet (128,5 Millionen insgesamt), für das erste Quartal 2026 waren es 0,84 US-Dollar, für das zweite am 28. April 2026 erklärte 0,89 US-Dollar. Auf Jahresbasis sind das rund 3,56 US-Dollar oder etwa ein Prozent Rendite. Wer Evercore wegen der Ausschüttung kauft, liegt falsch.

Eine Besonderheit der Aktienstruktur — und was der Datenbestand nicht sieht

Evercore hat zwei Aktiengattungen und darunter noch eine Partnerschaftsebene. Class A ist die börsennotierte Aktie; von ihr waren zum 31. März 2026 38.676.527 Stück im Umlauf. Class B umfasst ganze 46 Stück — reine Stimmrechtspapiere ohne wirtschaftliches Gewicht. Darunter liegt die Evercore LP, die Tochterpersonengesellschaft, an der die Senior Managing Directors direkt beteiligt sind: rund 1,2 Millionen Class-A-, 0,3 Millionen Class-E-, 0,4 Millionen Class-I- und 0,8 Millionen Class-K-LP-Einheiten, jeweils unverfallbar und auf Verlangen eins zu eins in Class-A-Aktien tauschbar; dazu 0,7 Millionen noch nicht unverfallbare Class-K-P-Einheiten.

Rechnet man den Kurs von 347,31 US-Dollar gegen die 38.676.527 Class-A-Aktien, ergeben sich rund 13,43 Milliarden US-Dollar — exakt der Wert im Datenbestand (13,4 Milliarden). Das heißt: Der Datenbestand zählt nur Class A. Nimmt man die rund 2,7 Millionen unverfallbaren LP-Einheiten hinzu, kommt man auf gut 41,4 Millionen Anteile und einen wirtschaftlichen Börsenwert von rund 14,4 Milliarden US-Dollar — etwa sieben Prozent mehr. Zur Kontrolle: Die verwässerte Aktienzahl im Quartalsbericht beträgt 41,850 Millionen. Wer Unternehmenswert-Kennzahlen selbst nachrechnet, muss diese sieben Prozent aufschlagen; das ausgewiesene Kurs-Gewinn-Verhältnis ist davon nicht betroffen, weil der Gewinn je Aktie bereits verwässert gerechnet wird.

Zum Einordnen der Bewertung hilft ein Blick auf verwandte Häuser im Bestand: Acadian Asset Management zeigt, wie eine erfolgsabhängige Gebührenstruktur die Ertragskraft schwanken lässt, und bei StoneX haben wir vorgeführt, warum bei Finanzhäusern die Bruttogrößen fast nie das messen, was man zu messen glaubt. Bei Evercore halten institutionelle Anleger 94,1 Prozent der Aktien, Insider 2,3 Prozent — der Titel ist genau beobachtet, nicht übersehen.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Evercore spricht:

  • Eine Bilanz ohne jedes Kreditrisiko: 2.021,0 Millionen US-Dollar liquide Mittel gegen 539,7 Millionen Anleihen zum 31.03.2026, also rund 1.481 Millionen Nettoliquidität; Zinsdeckung 35,3-fach; Firmenwert nur 227,4 Millionen von 4.314,3 Millionen Bilanzsumme.
  • Herausragende Kapitalverzinsung: Eigenkapitalrendite 42,2 Prozent, operative Marge 24,4 Prozent, Piotroski-F-Score 7 von 9 — Fundamental-Rating 81 Punkte (Note A) und damit der höchste Wert im gesamten QARP-Scanner (Datenstand 27. Juli 2026).
  • Der Produktionsfaktor wächst: 171 Investment-Banking- und 39 Equities-Senior-Managing-Directors zu Beginn 2026; 2025 kamen 18 neue Investment-Banking-Partner hinzu, elf wurden intern befördert, im Januar 2026 acht weitere; neue Standorte in Stockholm und Mailand.
  • Ein eingebauter Stoßdämpfer: Die Personalaufwandsquote sinkt im Boom (56,2 Prozent 2021) und steigt in der Flaute (68,3 Prozent 2023) — ein erheblicher Teil der Kosten atmet mit dem Zyklus.
  • Ein natürlicher Gegenläufer im Geschäft: Die Restrukturierungs- und Schuldenberatung lebt genau dann auf, wenn Übernahmen ausbleiben — das dämpfte den Einbruch 2023.
  • Das laufende Geschäft läuft: Nettoerlöse 2025 plus 29 Prozent auf 3.855,8 Millionen US-Dollar, erstes Quartal 2026 plus 100 Prozent auf 1.391,6 Millionen; operativer Mittelzufluss 2025 von 1.256,5 Millionen.

Was dagegen spricht:

  • Die Rückkäufe erzeugen keine Rendite: 3.359 Millionen US-Dollar von 2021 bis Q1 2026 für 19,5 Millionen Aktien — und trotzdem sind mit 38.676.527 Class-A-Aktien mehr im Umlauf als Ende 2021 (37.903.430). Die verwässerte Aktienzahl stieg von 40,099 Millionen (2023) auf 42,131 Millionen (2025).
  • Der Preis misst gegen das Rekordjahr: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,2 bezieht sich auf die stärksten zwölf Monate der Firmengeschichte. Auf den Fünfjahresschnitt gerechnet zahlt man rund das 30-Fache, auf das schwache Jahr 2023 das 54,5-Fache.
  • Der Quartalsgewinn ist steuerlich geschönt: 2,7 Prozent Steuersatz im ersten Quartal 2026 dank 88,5 Millionen US-Dollar Überschuss-Steuervorteil aus den eigenen Vergütungsaktien. Ohne ihn wären es rund 5,08 statt 7,20 US-Dollar je Aktie gewesen.
  • Extreme Zyklik ohne Auftragsbuch: Der verwässerte Gewinn je Aktie fiel von 17,08 US-Dollar (2021) auf 6,37 (2023) — minus 63 Prozent. Der Bericht warnt selbst, dass hohe Erlöse eines Quartals nichts über die folgenden aussagen.
  • Die Belegschaft hat den ersten Zugriff: 64,9 Prozent der Nettoerlöse gingen 2025 an die eigenen Leute; für die Aktionäre blieben 15,3 Prozent. Aufgeschobene Vergütung von 475,0 Millionen US-Dollar (Aktienpakete, über 31 Monate) und 360,2 Millionen (Barprogramm) belasten künftige Jahre bereits fest.
  • Kein Massengeschäft als Rückfallebene: Beratungs- und Emissionsgebühren machten 2025 zusammen 91 Prozent der Erlöse aus; die Vermögensverwaltung steuert mit 15,5 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen nur rund zwei Prozent bei.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Anfang, zu den 3,36 Milliarden für Rückkäufe, aus denen keine einzige Aktie weniger geworden ist. Der Reflex, ein Rückkaufprogramm für ein Geschenk an die Eigentümer zu halten, ist verständlich — und bei Evercore ist er falsch. Hier ist der Rückkauf ein Instandhaltungsposten. Er hält die Aktienzahl stabil, während die Vergütung sie Jahr für Jahr nach oben drückt. Das ist nicht unehrlich; es steht in jedem Bericht. Aber es verlangt, dass man die Rendite dieser Aktie ausschließlich aus dem Gewinnwachstum erwartet und nicht aus der Arithmetik.

Und das Gewinnwachstum ist da — im Moment sogar spektakulär. Nur eben nicht verlässlich. Diese Firma verdient ihr Geld daran, dass Vorstände mutig sind. Werden sie es nicht, gibt es nichts zu beraten, und dann fällt der Gewinn nicht um zehn, sondern um sechzig Prozent. Genau deshalb ist der Preis die entscheidende Größe: Auf das Rekordjahr gerechnet wirkt Evercore günstig, auf den Zyklus gerechnet normal bis ambitioniert.

Was ehrlich bleibt, ist die Substanz. Diese Bank hat kein Kreditbuch, keine Vorräte, keine Zukaufsblase und netto keine Schulden. Sie kann ein schlechtes Jahr aussitzen, ohne dass jemand nervös werden muss — die Boni schrumpfen, die Partner bleiben oder gehen, das Geschäft läuft weiter. Wer heute kauft, kauft eine kerngesunde Firma zu einem Preis, der ein sehr gutes Jahr voraussetzt. Wer wartet, kann in genau einer Zeile des nächsten Quartalsberichts nachlesen, ob die These trägt: den Beratungshonoraren. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Evercore.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz & Finanzlage positiv
Zum 31.03.2026 standen 986,0 Millionen US-Dollar Barmittel und 1.035,0 Millionen Wertpapiere und Festgelder nur 539,7 Millionen Anleihen gegenüber — rund 1.481 Millionen Nettoliquidität. Es gibt kein Kreditbuch, kein Warenlager und keine Zukaufsblase: Der Firmenwert beträgt 227,4 Millionen von 4.314,3 Millionen Bilanzsumme. Die Zinsdeckung liegt beim 35,3-Fachen, die Eigenkapitalquote bei 41,3 Prozent (10-Q Q1 2026).
Kapitalverzinsung positiv
Eigenkapitalrendite 42,2 Prozent, operative Marge 24,4 Prozent, Piotroski-F-Score 7 von 9. Das Fundamental-Rating von 81 Punkten (Note A) ist der höchste Wert im gesamten QARP-Scanner. Die Nettoerlöse stiegen 2025 um 29 Prozent auf 3.855,8 Millionen US-Dollar, im ersten Quartal 2026 um 100 Prozent auf 1.391,6 Millionen (Datenstand 27. Juli 2026; 10-K GJ 2025, 10-Q Q1 2026).
Kapitalrückgabe negativ
Von 2021 bis zum ersten Quartal 2026 kaufte Evercore 19,5 Millionen eigene Aktien für 3.359 Millionen US-Dollar zurück — trotzdem waren zum 31.03.2026 mit 38.676.527 Class-A-Aktien mehr im Umlauf als Ende 2021 (37.903.430). Allein im ersten Quartal 2026 standen 1.929.641 zurückgekauften Aktien 2.018.098 neu für Vergütung ausgegebene gegenüber. Die Dividende liegt bei rund einem Prozent Rendite.
Ertragsqualität neutral
Der Gewinn je Aktie von 7,20 US-Dollar im ersten Quartal 2026 enthält rund 2,11 US-Dollar aus Überschuss-Steuervorteilen: Bei 331,8 Millionen Vorsteuerergebnis betrug die Steuerlast nur 9,1 Millionen — ein Satz von 2,7 Prozent statt rund 29,4 Prozent. Der Vorteil entsteht aus dem gestiegenen Kurs der Vergütungsaktien und verschwindet, wenn der Kurs fällt (10-Q Q1 2026, Note 18).
Zyklik & Planbarkeit negativ
Der verwässerte Gewinn je Aktie fiel von 17,08 US-Dollar (2021) auf 6,37 (2023) und stieg auf 14,05 (2025). Ein Auftragsbuch gibt es nicht — der Geschäftsbericht warnt selbst, dass hohe Erlöse eines Quartals nichts über die folgenden aussagen. Beratungs- und Emissionsgebühren machten 2025 zusammen 91 Prozent der Erlöse aus. Gegenläufig wirkt allein die Restrukturierungsberatung (10-K GJ 2025, Item 1A).
Bewertung neutral
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,2 misst gegen die stärksten zwölf Monate der Firmengeschichte (rund 17,6 US-Dollar je Aktie bis 31.03.2026). Auf den Fünfjahresschnitt von 11,64 US-Dollar gerechnet zahlt man beim Kurs von 347,31 US-Dollar rund das 30-Fache, auf das schwache Jahr 2023 das 54,5-Fache. Kurs-Buchwert 7,4 (Datenstand 27. Juli 2026).

Evercore ist eine unabhängige Beratungsbank ohne eigenes Kreditgeschäft: Sie berät bei Übernahmen, Restrukturierungen und Kapitalmarkttransaktionen und verdient damit 98 Prozent ihrer Erlöse. Die Finanzlage ist außergewöhnlich solide — rund 1.481 Millionen US-Dollar Nettoliquidität, kein Kreditbuch, Firmenwert von nur 227,4 Millionen bei 4.314,3 Millionen Bilanzsumme, Eigenkapitalrendite 42,2 Prozent und das höchste Fundamental-Rating des gesamten QARP-Scanners. Zwei Dinge muss man aber wissen: 64,9 Prozent der Nettoerlöse gingen 2025 an die eigenen Berater, und die Rückkäufe über 3.359 Millionen US-Dollar seit 2021 haben die Aktienzahl nicht gesenkt — sie halten nur die Vergütungsverwässerung auf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,2 misst zudem gegen das beste Jahr der Firmengeschichte. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Qualität belegt

Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.

Die Zahlen tragen Grün, und zwar deutlich. Es gibt keinen Substanzbefund: 2.021,0 Millionen US-Dollar Barmittel und Wertpapiere stehen 539,7 Millionen Anleihen gegenüber, macht rund 1.481 Millionen Nettoliquidität; die Zinsdeckung liegt beim 35,3-Fachen, die Eigenkapitalquote bei 41,3 Prozent. Kreditrisiko gibt es keines — die Firma vergibt keine Darlehen und hält keine Kundeneinlagen; der Firmenwert aus Zukäufen macht nur 227,4 Millionen von 4.314,3 Millionen Bilanzsumme aus. Die Ertragskraft ist außergewöhnlich: Eigenkapitalrendite 42,2 Prozent, operative Marge 24,4 Prozent, Piotroski-F-Score 7 von 9 und mit 81 Punkten (Note A) das höchste Fundamental-Rating im gesamten QARP-Scanner. Der Produktionsfaktor wächst statt zu schrumpfen: 210 Senior Managing Directors zu Beginn 2026, 18 Neuzugänge im Investment Banking und 19 interne Beförderungen innerhalb eines Jahres. Was gegen die Aktie spricht — die Zyklik und die Tatsache, dass die Rückkäufe die Aktienzahl nicht senken — ist keine Frage der Unternehmensqualität, sondern eine Frage des Einstiegspreises und der Verteilung. Diese Einwände stehen deshalb in der Kaufüberlegung, nicht in der Ampel.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Evercore über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 15 der US-Auswahl, Datenstand 27. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (Evercore: 7 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (42,2), operative Marge mindestens 10 Prozent (24,4), Verschuldungsgrad höchstens 1,0 (0,71) und ein positives KGV bis 20 (19,2). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist die knappste dieser Hürden. Das Fundamental-Rating von 81 Punkten (Note A) ist der höchste Wert im gesamten Scanner.
  • Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet. Die Formel wurde an Industriebetrieben geeicht; ihre Bausteine — Nettoumlaufvermögen, Sachanlagen, Lieferantenverbindlichkeiten — setzen eine Produktionsbilanz voraus. Eine Beratungsbank ohne Warenlager und ohne Kreditbuch hat davon nichts; ihre Bilanz besteht fast nur aus Bargeld, Wertpapieren und Honorarforderungen. Aussagekräftig sind stattdessen die Nettoliquidität von rund 1.481 Millionen US-Dollar und die 35,3-fache Zinsdeckung zum 31.03.2026.
  • Börsenwert-Gegenprobe mit Befund: 38.676.527 Class-A-Aktien (31.03.2026) mal 347,31 US-Dollar ergeben rund 13,43 Milliarden US-Dollar — deckungsgleich mit dem Datenbestand (13,4 Milliarden). Der Datenbestand zählt also ausschließlich Class A. Nicht enthalten sind die rund 2,7 Millionen unverfallbaren LP-Einheiten der Senior Managing Directors an der Tochtergesellschaft Evercore LP (Klassen A, E, I und K), die jederzeit eins zu eins in Class-A-Aktien tauschbar sind; mit ihnen läge der wirtschaftliche Börsenwert bei rund 14,4 Milliarden US-Dollar, also etwa sieben Prozent höher. Class B umfasst nur 46 Stück ohne wirtschaftliches Gewicht.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 27. Juli 2026 (Kurs 347,31 US-Dollar). Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Evercores Geschäftsjahr endet am 31. Dezember; der nächste Quartalsbericht wurde für den 29. Juli 2026 erwartet. Sämtliche Ad-hoc-Meldungen (8-K) nach dem Quartalsbericht vom 06.05.2026 wurden durchgesehen — die einzige betraf die Ergebnisse der Hauptversammlung vom 10. Juni 2026 und war ohne wirtschaftlichen Befund.

Häufige Fragen

Evercore ist eine unabhängige Beratungsbank ohne eigenes Kreditgeschäft. Sie berät bei Übernahmen und Fusionen, bei Restrukturierungen und Schuldenverhandlungen sowie bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen. 2025 stammten 98 Prozent der Erlöse aus dem Segment Investment Banking & Equities; daneben gibt es ein Aktiengeschäft und die Vermögensverwaltung Evercore Wealth Management mit 15,5 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen.

Sie misst, wie viel der Nettoerlöse als Vergütung an die eigenen Leute geht — bei einer Beratungsbank die entscheidende Kennzahl, weil Menschen der einzige Produktionsfaktor sind. Bei Evercore lag sie 2021 bei 56,2 Prozent, 2023 bei 68,3 Prozent, 2025 bei 64,9 Prozent und im ersten Quartal 2026 bei 65,0 Prozent. Sie wirkt als Puffer: Im schwachen Jahr steigt sie und dämpft den Gewinneinbruch, im Boomjahr sinkt sie.

Nein. Von 2021 bis zum ersten Quartal 2026 kaufte Evercore 19,5 Millionen Aktien für 3.359 Millionen US-Dollar zurück. Trotzdem waren zum 31. März 2026 mit 38.676.527 Class-A-Aktien mehr im Umlauf als Ende 2021 (37.903.430). Grund ist die Vergütung in Aktien: Allein im ersten Quartal 2026 standen 1.929.641 zurückgekauften Stücken 2.018.098 neu ausgegebene gegenüber. Die Rückkäufe halten die Verwässerung auf, sie erzeugen keine Rendite.

Nur, wenn das Rekordjahr das neue Normal ist. Die 19,2 messen gegen die stärksten zwölf Monate der Firmengeschichte (rund 17,6 US-Dollar je verwässerter Aktie bis 31. März 2026). Im schwachen Übernahmejahr 2023 verdiente Evercore nur 6,37 US-Dollar je Aktie — der Kurs von 347,31 US-Dollar wäre darauf das 54,5-Fache gewesen. Auf den Fünfjahresschnitt von 11,64 US-Dollar gerechnet zahlt man rund das 30-Fache.

Weil die Formel an Industriebetrieben geeicht wurde (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). Ihre Bausteine setzen Warenlager, Maschinen und Lieferantenverbindlichkeiten voraus. Eine Beratungsbank hat nichts davon — die Bilanz besteht fast nur aus Bargeld, Wertpapieren und Honorarforderungen. Aussagekräftig sind stattdessen die Nettoliquidität von rund 1.481 Millionen US-Dollar und die 35,3-fache Zinsdeckung (Stand 31.03.2026).

Sehr. Der verwässerte Gewinn je Aktie fiel von 17,08 US-Dollar (2021) auf 6,37 (2023) und stieg dann auf 14,05 (2025) — Ausschläge von über 60 Prozent in beide Richtungen. Es gibt kein Auftragsbuch: Jedes Mandat wird einzeln vergeben und meist erst bei Abschluss bezahlt. Gedämpft wird das durch die Restrukturierungsberatung, die genau dann anzieht, wenn Übernahmen ausbleiben.

Weil der Aktienkurs zwischen Zuteilung und Unverfallbarkeit der Mitarbeiter-Aktien gestiegen war. Daraus entstand ein Überschuss-Steuervorteil von 88,5 Millionen US-Dollar, der den Steuersatz um 26,7 Prozentpunkte drückte. Ohne diesen Vorteil hätte er bei rund 29,4 Prozent gelegen und der verwässerte Gewinn je Aktie bei etwa 5,08 statt 7,20 US-Dollar. Der Effekt hängt daran, dass der Kurs steigt.

Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, operative Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad höchstens 1,0 und ein positives KGV bis 20. Evercore erfüllt alle fünf (7 von 9; 42,2 Prozent; 24,4 Prozent; 0,71; 19,2) und trägt mit 81 Punkten (Note A) das höchste Fundamental-Rating des gesamten Scanners — Rang 15 der US-Auswahl, Datenstand 27. Juli 2026.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?