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AMG-Aktie: 882 Milliarden verwaltetes Vermögen — und fast nichts davon gehört dem Unternehmen

AMG-Aktie: 882 Milliarden verwaltetes Vermögen — und fast nichts davon gehört dem Unternehmen

Affiliated Managers Group kauft Anteile an unabhängigen Vermögensverwaltern und lässt deren Chefs weiterarbeiten wie zuvor. Zum 31. März 2026 verwalteten diese Beteiligungen rund 882 Milliarden US-Dollar — im Konzernumsatz erscheinen davon nur rund 2,1 Milliarden. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31.03.2026 gelesen: Der ausgewiesene Gewinnsprung von 40 Prozent kam zu 371,3 Millionen US-Dollar aus Beteiligungsverkäufen, der wirtschaftliche Gewinn stieg nur um 10 Prozent — je Aktie aber um 22 Prozent, weil AMG in zwei Jahren ein Fünftel seiner eigenen Aktien eingezogen hat. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was von einem Qualitätsurteil übrig bleibt, wenn der größte Vermögensblock des Hauses seit Jahren abfließt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 17 Min. Lesezeit
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AMG-Aktie: 882 Milliarden verwaltetes Vermögen — und fast nichts davon gehört dem Unternehmen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Zahl in diesem Text, die alles verdirbt, wenn man sie falsch liest: 882 Milliarden US-Dollar. So viel Vermögen verwalteten die Beteiligungen der Affiliated Managers Group zum 31. März 2026. Die Zahl ist gewaltig, sie ist belegt — und sie gehört dem Unternehmen nicht. Keinen Cent davon. Es ist fremdes Geld, verwaltet von fremden Firmen, an denen AMG in vielen Fällen nicht einmal die Mehrheit hält.

Trotzdem passiert beim Lesen etwas mit uns. Große Zahlen erzeugen ein Gefühl von Substanz, und unser Kopf schiebt sie unwillkürlich dem Unternehmen zu, das sie nennt. Genau diese Schwäche macht Beteiligungsholdings so schwer einzuschätzen: Sie berichten über Vermögen, das ihnen nicht gehört, über Gebühren, die sie nur teilweise einnehmen dürfen, und über Firmen, die sie nicht führen. Der Aktien-Scanner sieht davon nichts. Er sieht eine Eigenkapitalrendite von 21,8 Prozent, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,0 und einen Piotroski-F-Score von 7 von 9 — und meldet Qualität zum fairen Preis.

Wir haben deshalb den Geschäftsbericht für 2025 und den Quartalsbericht zum 31. März 2026 gelesen und eine einzige Frage mitgenommen: Was davon gehört wirklich den Aktionären — und was ist nur Durchlauf? Die Antwort führt zu einem Spannungsfeld, das sich durch diese ganze Analyse zieht: AMG verdient je Aktie deutlich mehr als vor zwei Jahren, obwohl der Konzern insgesamt kaum mehr verdient. Der Unterschied ist kein Wachstum. Es ist Arithmetik.

Was AMG eigentlich macht

Affiliated Managers Group, gegründet 1993, seit dem 21. November 1997 an der Börse und heute in Jupiter im US-Bundesstaat Florida ansässig, ist keine Fondsgesellschaft im üblichen Sinn. Der Konzern kauft Anteile an unabhängigen, partnergeführten Vermögensverwaltern — im Firmenjargon „Affiliates“ — und lässt deren Management anschließend weiterarbeiten wie zuvor: Die Chefs behalten die Führung ihres Hauses und einen erheblichen eigenen Kapitalanteil, AMG steuert Wachstumskapital, Produktentwicklung, Vertriebszugang und Nachfolgeplanung bei.

Bezahlt wird AMG über eine Konstruktion, die der Bericht structured partnership interest nennt. Bei den Beteiligungen, die die Mehrheit des Konzernumsatzes stellen, bekommt AMG einen festgelegten Prozentsatz der Erlöse — ohne Rücksicht auf die Kosten. Steigt der Umsatz des Affiliates, steigt AMGs Anteil; steigen dessen Kosten, geht das zu Lasten des Affiliate-Managements, nicht zu Lasten von AMG. Bei anderen Beteiligungen teilt sich AMG Umsatz abzüglich vereinbarter Kosten und trägt das Kostenrisiko mit.

Die Größenverhältnisse sind bemerkenswert: Im gesamten Verbund arbeiteten Ende 2025 rund 5.600 Menschen — davon nur etwa 250 bei AMG selbst. Die Holding ist ein kleines Team, das Kapital verteilt und Verträge verwaltet. Das ist ihre Stärke und zugleich ihre Grenze: Sie kann investieren, aber sie kann nicht operieren.

Gelb markierte Textstelle aus dem AMG-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Das insgesamt verwaltete Vermögen betrug rund 882 Milliarden US-Dollar über Privatmarkt-, liquide alternative und differenzierte Long-only-Strategien.
Die markierte Stelle im Original: rund 882 Milliarden US-Dollar verwaltetes Vermögen zum 31. März 2026 — verwaltet, nicht besessen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. AMG kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, also Qualität zum fairen Preis. Der Filter ist bewusst unbequem, weil er beides gleichzeitig verlangt: Qualität und eine vernünftige Bewertung. Fünf Hürden müssen zusammen genommen werden — Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, operative Marge (EBIT-Marge) mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad (Schulden zu Eigenkapital) höchstens 1,0 und ein positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20.

AMG steht dort auf Rang 3 von 50 gelisteten Treffern in der US-Auswahl (Datenstand 27. Juli 2026). So sehen die fünf Hürden im Einzelnen aus:

  • Piotroski-F-Score 7 von 9 — die Bilanz-Checkliste ist erfüllt (Mindestwert 7).
  • Eigenkapitalrendite 21,8 Prozent — komfortabel über der 15-Prozent-Hürde.
  • Operative Marge 22,1 Prozent — mehr als das Doppelte des geforderten Mindestwerts.
  • Verschuldungsgrad 0,95 — und hier wird es eng: Die Obergrenze liegt bei 1,0. Ein einziges Quartal mit mehr Schulden, und AMG fällt aus diesem Filter.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis 14,0 — deutlich unter der 20er-Grenze.

Dazu meldet der Scanner ein Fundamental-Rating von 66 Punkten (Note B), einen Aufwärtstrend nach Stan Weinstein („Stage 2“), eine relative Stärke von 82 und eine Durchschnittsrendite von rund 48 Prozent pro Jahr über drei Jahre; auf Sicht von zwölf Monaten legte der Kurs um 84,9 Prozent zu, vom Hoch ist er 6,5 Prozent entfernt. Der Börsenwert liegt bei rund 9,2 Milliarden US-Dollar. Merke dir diesen Fingerabdruck: Wenn eine Aktie einen Filter an einer Stelle nur knapp besteht, ist genau diese Stelle der Ort, an dem man nachsehen muss. Bei AMG ist es die Verschuldung — und die Antwort darauf ist überraschend beruhigend, wie wir gleich sehen werden. Die eigentliche offene Frage liegt woanders.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Das verwaltete Vermögen stieg 2025 um 105,4 Milliarden US-Dollar oder 15 Prozent auf 813,3 Milliarden, und diesmal war es nicht nur der Aktienmarkt: Netto flossen 28,7 Milliarden US-Dollar neu zu, dazu 23,0 Milliarden aus vier neuen Partnerschaften mit Firmen, die zusammen rund 23 Milliarden in alternativen Strategien verwalten. Bis zum 31. März 2026 kletterte das Vermögen weiter auf rund 882 Milliarden US-Dollar — trotz eines schwachen Quartals an den Märkten (minus 5,9 Milliarden aus Kursveränderungen), weil 22,5 Milliarden netto zuflossen und 59,8 Milliarden über neue Beteiligungen hinzukamen.

Wasserfalldiagramm des verwalteten Vermögens von AMG im Geschäftsjahr 2025: Ausgangswert 707,9 Milliarden US-Dollar, plus 28,7 Netto-Mittelzufluss, plus 23,0 neue Partnerschaften, minus 32,5 Beteiligungsverkäufe, plus 85,3 Markt, plus 11,9 Währung, minus 8,2 Ausschüttungen, minus 2,8 Sonstiges, Endwert 813,3 Milliarden.
Der Weg von 707,9 auf 813,3 Milliarden US-Dollar: Der größte einzelne Treiber war 2025 die Marktentwicklung mit plus 85,3 Milliarden — die eigene Leistung steckt in den 28,7 Milliarden Netto-Zufluss. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Ertrag folgt dieser Kurve allerdings nur zum Teil, und dafür gibt es einen buchhalterischen Grund, den man einmal verstanden haben muss. AMG weist zwei Umsatzgrößen aus. Die aggregierten Gebühren umfassen die Gebühren aller Beteiligungen und lagen 2025 bei 6.167,5 Millionen US-Dollar (plus 18 Prozent). Der konsolidierte Konzernumsatz dagegen enthält nur die Beteiligungen, die AMG mehrheitlich kontrolliert — er lag bei 2.074,4 Millionen (plus 2 Prozent). Alles andere landet als „Ergebnis aus at-equity bilanzierten Beteiligungen“ weiter unten in der Rechnung, 2025 mit 462,9 Millionen US-Dollar.

Balkendiagramm mit zwei Reihen für 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Gebühren aller Beteiligungen 5.066,6, 5.236,0 und 6.167,5 gegenüber konsolidiertem Konzernumsatz von 2.057,8, 2.040,9 und 2.074,4.
Zwei Umsatzgrößen, zwei Geschichten: Die Gebühren aller Beteiligungen wuchsen 2025 um 18 Prozent, der bilanzierte Konzernumsatz um 2 Prozent — weil die schnell wachsenden Beteiligungen überwiegend nicht konsolidiert werden. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern hat handfeste Folgen für jede Bewertung: Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis oder eine operative Marge, gerechnet auf den konsolidierten Umsatz, misst bei AMG nur ein Drittel des Geschäfts. Auch beim Erfolgshonorar-Potenzial klafft die Schere: Rund 28 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens können erfolgsabhängige Gebühren verdienen — aber nur 10 Prozent bei den konsolidierten Beteiligungen gegenüber 47 Prozent bei den at-equity bilanzierten. Die Ertragsfantasie sitzt also überwiegend dort, wo sie im Umsatz gar nicht auftaucht.

Und jetzt der Punkt, an dem die Arithmetik übernimmt. Der wirtschaftliche Gewinn — AMGs eigene, um Abschreibungen auf Firmenwerte und Sondereffekte bereinigte Ertragsgröße — stieg von 717,8 (2023) über 701,6 (2024) auf 769,3 Millionen US-Dollar (2025). Das sind über zwei Jahre magere 7 Prozent. Der wirtschaftliche Gewinn je Aktie im selben Zeitraum: von 19,48 über 21,36 auf 26,05 US-Dollar — plus 34 Prozent. Der Unterschied ist vollständig durch die Aktienzahl erklärt.

Balkendiagramm der durchschnittlichen bereinigt verwässerten Aktienzahl von AMG in Millionen: 36,8 im Jahr 2023, 32,8 im Jahr 2024, 29,5 im Jahr 2025 und 27,3 im ersten Quartal 2026.
Der stärkste Hebel des Konzerns ist kein Produkt, sondern die eigene Aktie: In gut zwei Jahren sank die maßgebliche Aktienzahl um mehr als ein Viertel. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie weit das getrieben wurde, zeigt die Bilanz: Von 58,5 Millionen jemals ausgegebenen Aktien lagen zum 31. März 2026 32,0 Millionen als eigene Anteile im Bestand, angeschafft für insgesamt 5.073,3 Millionen US-Dollar — mehr, als das gesamte Eigenkapital der Aktionäre heute wert ist (3.089,8 Millionen). Umlaufend waren am 5. Mai 2026 noch 26.412.085 Aktien. Merke dir den Mechanismus: Ein Rückkaufprogramm dieser Größenordnung macht aus einem kaum wachsenden Unternehmen ein je Aktie wachsendes — solange der Kurs mitspielt und die Kasse reicht. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der 40-Prozent-Gewinnsprung war zum großen Teil ein Verkaufserlös

Der Nettogewinn (Anteil der Aktionäre) stieg 2025 um 40 Prozent auf 716,6 Millionen US-Dollar. In derselben Gewinn- und Verlustrechnung steht die Position „Affiliate transaction gains“ mit 371,3 Millionen US-Dollar — Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an eigenen Beteiligungen; im Vorjahr stand dort eine Null. Vor Steuern verdiente AMG 1.186,3 Millionen; fast ein Drittel davon war also Verkaufserlös.

Das Ehrliche daran: AMG rechnet es selbst wieder heraus. In der Überleitung zum wirtschaftlichen Gewinn zieht der Konzern 284,4 Millionen US-Dollar aus diesen Transaktionen ab — und übrig bleibt ein Plus von 10 Prozent statt 40. Das Unangenehme daran: Mit den Anteilen verließen auch 32,5 Milliarden US-Dollar verwaltetes Vermögen das Haus. Ein Verkaufsgewinn ist immer auch ein Stück verkaufte Zukunft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der größte Vermögensblock ist der schwächste — und er schrumpft

AMG teilt sein verwaltetes Vermögen in vier Blöcke, und der Bericht legt für jeden offen, wie viel davon seinen Vergleichsindex geschlagen hat. Das Ergebnis ist unmissverständlich:

  • Privatmarkt-Strategien — 18 Prozent des Vermögens, 86 Prozent über Vergleichsmaßstab (interne Rendite der jüngsten Auflage).
  • Liquide Alternative — 28 Prozent des Vermögens, 93 Prozent über drei Jahre vor dem Vergleichsindex (97 Prozent über fünf, 90 Prozent über zehn Jahre).
  • Aktienstrategien38 Prozent des Vermögens, aber nur 38 Prozent davon über drei Jahre vor dem Vergleichsindex (44 Prozent über fünf, 55 Prozent über zehn Jahre).
  • Multi-Asset und Anleihen — 16 Prozent des Vermögens, überwiegend Vermögensverwaltung für Privatvermögen, die typischerweise gar nicht gegen einen Index gemessen wird.

Die Kunden ziehen daraus die naheliegende Konsequenz: Aus den Aktienstrategien flossen 2025 netto 45,3 Milliarden US-Dollar ab, im ersten Quartal 2026 weitere 9,1 Milliarden. Aufgefangen wurde das von den liquiden Alternativen (plus 50,5 Milliarden 2025, plus 24,6 Milliarden im ersten Quartal 2026) und den Privatmärkten (plus 23,9 beziehungsweise plus 4,2 Milliarden). AMG nennt das im Bericht selbst einen Bereich, „der weiterhin mit Gegenwind im Einklang mit den Branchentrends zu kämpfen hat“.

Das ist die zentrale offene Frage dieser Aktie: Der Umbau vom Aktienhaus zum Alternativen-Haus läuft — aber er ist ein Wettrennen. Solange die Zuflüsse in Alternative größer sind als die Abflüsse aus Aktien, wächst das Vermögen. Kippt eines von beidem, kippt die Rechnung. Und weil AMG die Anlageergebnisse seiner Beteiligungen nicht steuert, kann es dieses Rennen nicht selbst gewinnen — nur mitfinanzieren.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: AMG führt die Firmen nicht, von denen es lebt

Der Bericht ist an dieser Stelle bemerkenswert offen. Die Verträge, über die AMG an den Erlösen beteiligt ist, sind nicht auf jede Entwicklung vorbereitet:

„In these types of structures, while our distributions generally have priority, our agreed allocations may not anticipate changes in the revenue and operating expense base of the Affiliate, and the revenue remaining after our specified share is allocated to us may not be large enough to cover all of the Affiliate's operating expenses, which could result in a reduction of the amount allocated to us or could negatively impact the Affiliate's operations and prospects.“

Übersetzung: „Bei diesen Strukturen haben unsere Ausschüttungen zwar grundsätzlich Vorrang, doch unsere vereinbarten Zuteilungen berücksichtigen möglicherweise nicht Veränderungen bei den Erlösen und Betriebskosten der Beteiligung; und der Umsatz, der nach der Zuteilung unseres festgelegten Anteils verbleibt, reicht womöglich nicht aus, um sämtliche Betriebskosten der Beteiligung zu decken — was zu einer Kürzung des uns zugeteilten Betrags führen oder den Geschäftsbetrieb und die Aussichten der Beteiligung beeinträchtigen könnte.“

— Affiliated Managers Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem AMG-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Die vereinbarten Zuteilungen berücksichtigen möglicherweise nicht Veränderungen bei Erlösen und Betriebskosten der Beteiligung.
Die markierte Stelle im Original: AMGs Anteil hat Vorrang — aber wenn danach zu wenig für die Kosten des Beteiligungsunternehmens übrig bleibt, wird auch AMGs Anteil zum Problem. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu kommt: Die zugrunde liegenden Verwaltungsmandate sind laut Bericht meist mit einer Frist von höchstens 60 Tagen kündbar. Und selbst bei so alltäglichen Dingen wie der IT räumt AMG ein, „nicht zu kontrollieren und möglicherweise nur begrenzt eingebunden zu sein“ in Aufbau, Überwachung und Pflege der Systeme seiner Beteiligungen. Übersetzt in Anlegerdeutsch: AMG ist ein Kapitalgeber mit Vorrang beim Geldfluss — aber ohne Griff auf das operative Steuer. Das kann eine Stärke sein (die Unternehmer bleiben Unternehmer) und eine Schwäche zugleich (bei Fehlentwicklungen bleibt vor allem der Weg über den Verkauf).

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Bilanz besteht überwiegend aus Zukaufswerten — und deshalb sagt der Altman-Z hier nichts

Zum 31. März 2026 stand einer Bilanzsumme von 9.396,1 Millionen US-Dollar ein Eigenkapital der Aktionäre von 3.089,8 Millionen gegenüber. Die Aktivseite besteht aber zu großen Teilen aus Werten, die beim Kauf entstanden sind: 2.524,1 Millionen Firmenwert („Goodwill“) plus 1.585,7 Millionen erworbene Kundenbeziehungen, macht 4.109,8 Millionen immaterielle Posten; dazu kommen 2.965,8 Millionen at-equity bilanzierte Beteiligungen. Rechnet man die immateriellen Posten vom Eigenkapital ab, bleibt rechnerisch ein negativer materieller Buchwert.

Für einen Vermögensverwalter mit hohem laufendem Mittelzufluss ist das kein Alarmzeichen — sein Wert steckt nun einmal in Verträgen und Kundenbeziehungen, nicht in Maschinen. Aber es erklärt, warum die üblichen Insolvenz-Frühwarnzahlen hier ins Leere greifen. Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher) wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht. AMG gliedert seine Bilanz gar nicht in kurz- und langfristig — der am stärksten gewichtete Baustein der Formel, das Nettoumlaufvermögen, lässt sich für dieses Unternehmen also überhaupt nicht bilden. Wir deuten den Wert deshalb nicht. Wer die Bilanzstabilität eines solchen Hauses beurteilen will, schaut stattdessen auf Zinsdeckung, Fälligkeiten und die Auflagen des Kreditvertrags — und da sieht es gut aus:

  • Verschuldungsgrad nach Kreditvertrag: das 0,9-Fache des Ergebnisses — erlaubt wäre das 3,25-Fache (31.12.2025).
  • Zinsdeckung nach Kreditvertrag: das 8,5-Fache — gefordert ist mindestens das 3-Fache.
  • Gewichtete Restlaufzeit der Anleihen: 22 Jahre. Die nächste Fälligkeit sind 350,0 Millionen US-Dollar im Juni 2030.
  • Kreditrahmen 1,25 Milliarden US-Dollar, am 9. Juni 2026 per neuem Vertrag bis zum 9. Juni 2031 verlängert und um bis zu 750 Millionen erweiterbar.

Eine Einschränkung gehört dazu: Zum 31.12.2025 war der Kreditrahmen unangetastet, zum 31. März 2026 hingen dort 565,0 Millionen US-Dollar zu 4,77 Prozent, und die Gesamtschulden stiegen von 2.691,3 auf 2.918,6 Millionen. Das Geld floss in neue Beteiligungen und in eigene Aktien — eine Entscheidung, keine Notlage. Aber es ist genau die Bewegung, die den Verschuldungsgrad von 0,95 an der QARP-Hürde von 1,0 kratzen lässt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Rückkauf-Hebel wird teurer

2025 kaufte AMG 3,3 Millionen eigene Aktien zu durchschnittlich 212,92 US-Dollar zurück, netto 706,3 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 waren es 0,6 Millionen Aktien zu durchschnittlich 307,01 US-Dollar. Der Kurs stand am 27. Juli 2026 bei 358,30 US-Dollar. Dieselbe Milliarde kauft also heute deutlich weniger Aktien als vor anderthalb Jahren — der Motor läuft weiter, aber mit sinkendem Wirkungsgrad.

Wie viel Weg noch da ist, steht im Bericht: Zum 31. März 2026 waren 5,6 Millionen Aktien zum Rückkauf freigegeben — bei 26,4 Millionen umlaufenden Aktien gut ein Fünftel des Unternehmens. Der Verwaltungsrat hat die Ermächtigung im Januar 2026 um 4,2 Millionen Aktien aufgestockt. Eine Dividende spielt daneben keine Rolle: Die Ausschüttungsquote liegt bei 0,1 Prozent, die Dividendenrendite bei rund null (Datenstand 27. Juli 2026). Wer AMG kauft, kauft ausdrücklich einen Rückkäufer, keinen Dividendenzahler.

Und noch ein Detail, das zeigt, wie ernst es dem Haus mit der Aktienzahl ist: Ende 2025 löste AMG seine Wandelanleihe vorzeitig ab und bediente sämtliche Wandlungsansprüche in bar statt mit neuen Aktien — für einen Wandlungsaufschlag von 155,5 Millionen US-Dollar:

„On December 15, 2025 (the „Election Date“), the Company made an irrevocable election to settle its conversion obligations in cash by reference to the daily volume weighted average price of the Company's common stock during each applicable ten trading day conversion reference period.“

Übersetzung: „Am 15. Dezember 2025 (dem „Wahltag“) traf das Unternehmen die unwiderrufliche Entscheidung, seine Wandlungsverpflichtungen in bar zu erfüllen, bemessen am volumengewichteten Tagesdurchschnittskurs der eigenen Stammaktie während des jeweils maßgeblichen zehntägigen Referenzzeitraums.“

— Affiliated Managers Group, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 5 „Debt“

Gelb markierte Textstelle aus dem AMG-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Das Unternehmen traf die unwiderrufliche Entscheidung, seine Wandlungsverpflichtungen in bar zu erfüllen.
Die markierte Stelle im Original: Wandlungsansprüche wurden in bar bedient statt mit neuen Aktien — 155,5 Millionen US-Dollar Aufschlag gegen 1,7 Millionen vermiedene Aktien. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Der Bericht nennt künstliche Intelligenz beim Namen — als Gefahr für die Gebühr

Vermögensverwaltung ist ein Geschäft, das Wissen und Zugang verkauft. Beides wird durch Software billiger. AMG schreibt das in seinem Wettbewerbs-Risikokapitel selbst:

„… technological developments, including financial applications and services based on generative artificial intelligence, machine-learning algorithms, and large language models („AI“), may over time reduce the demand for, or clients' willingness to pay for, certain products and services.“

Übersetzung: „… technologische Entwicklungen, darunter Finanzanwendungen und -dienste auf Basis generativer künstlicher Intelligenz, maschineller Lernverfahren und großer Sprachmodelle („KI“), könnten mit der Zeit die Nachfrage nach bestimmten Produkten und Dienstleistungen verringern oder die Bereitschaft der Kunden senken, dafür zu zahlen.“

— Affiliated Managers Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem AMG-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Finanzanwendungen auf Basis generativer künstlicher Intelligenz, maschineller Lernverfahren und großer Sprachmodelle könnten die Zahlungsbereitschaft der Kunden verringern.
Die markierte Stelle im Original: AMG nennt generative KI ausdrücklich als möglichen Grund dafür, dass Kunden künftig weniger für Anlageprodukte zahlen wollen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Interessanterweise arbeitet der Umbau des Konzerns genau gegen dieses Risiko: Privatmarkt- und alternative Strategien sind schwerer zu automatisieren und tragen höhere Gebühren als klassische Aktienfonds, die im Wettbewerb mit Indexprodukten und Software stehen. Der Preisdruck trifft also gerade den Block, aus dem AMG ohnehin abfließt.

Bewertung: 9,2 Milliarden für einen Konzern, dessen Ertragskraft man zweimal lesen muss

Ende Juli 2026 kostete die AMG-Aktie 358,30 US-Dollar. Der hauseigene Datenbestand weist einen Börsenwert von rund 9,2 Milliarden US-Dollar aus (Datenstand 27. Juli 2026); rechnet man den Kurs gegen die 26.412.085 Aktien vom 5. Mai 2026, kommt man auf rund 9,5 Milliarden. Beide Zahlen liegen nah beieinander — die Größenordnung stimmt.

Auf dieser Basis ergibt sich ein ungewöhnlich einheitliches Bild: Kurs-Gewinn-Verhältnis 14,0, vorausschauend 9,9; Kurs-Buchwert 2,9; Kurs zu freiem Mittelzufluss 8,6; Unternehmenswert zu operativem Ergebnis vor Abschreibungen 7,6; wachstumsbereinigtes KGV 0,88. Gegen den wirtschaftlichen Gewinn je Aktie von 26,05 US-Dollar gerechnet, liegt das Vielfache bei rund 13,8 — die Bewertung hält also auch dann, wenn man die Verkaufsgewinne herausrechnet. Die Eigenkapitalquote beträgt 32,9 Prozent, die Nettomarge 35,6 Prozent, die Eigenkapitalrendite 21,8 Prozent (alle Werte Datenstand 27. Juli 2026).

Warum ist das nicht teurer? Weil der Markt genau das einpreist, was wir oben gelesen haben: einen Konzernumsatz, der seit drei Jahren bei rund 2,06 Milliarden US-Dollar verharrt; einen Ertragssprung, der zu einem Drittel aus Verkäufen kam; und einen Vermögensblock, der seit Jahren abfließt. Dagegen steht ein Rückkaufprogramm, das die Aktienzahl in gut zwei Jahren um mehr als ein Viertel gesenkt hat, ein Umbau in wachstumsstärkere Anlageklassen und eine Bilanz, deren Fälligkeiten erst 2030 beginnen. Zum Vergleich: In demselben QARP-Scanner steht mit Mercury General ein Kfz-Versicherer, dessen Ertragskraft man ebenfalls erst nach Abzug von Sondereffekten beurteilen kann — und bei OneMain Holdings haben wir gezeigt, warum bei Finanzunternehmen Kennzahlen aus der Industriewelt regelmäßig in die Irre führen. Institutionelle Anleger halten 98,8 Prozent der AMG-Aktien, die Leerverkaufsquote liegt bei 6,4 Prozent — der Titel ist genau beobachtet, nicht übersehen.

Merke dir das Spannungsfeld: Ein niedriges Vielfaches ist bei einer Beteiligungsholding selten ein Schnäppchen — es ist meist der Abschlag dafür, dass niemand von außen sieht, wie stabil die Erträge der Beteiligungen wirklich sind.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für AMG spricht:

  • Ein Rückkaufprogramm mit echter Wirkung: Aktienzahl (bereinigt verwässert) von 36,8 Millionen (2023) auf 27,3 Millionen (Q1 2026); wirtschaftlicher Gewinn je Aktie von 19,48 auf 26,05 US-Dollar (2025) und 8,23 US-Dollar allein im ersten Quartal 2026; 5,6 Millionen Aktien bleiben freigegeben.
  • Eine Bilanz ohne kurzfristigen Druck: Verschuldung nach Kreditvertrag beim 0,9-Fachen (erlaubt: 3,25-Fache), Zinsdeckung beim 8,5-Fachen (gefordert: 3-Fache), gewichtete Restlaufzeit der Anleihen 22 Jahre, nächste Fälligkeit 350 Millionen US-Dollar in 2030, Kreditrahmen von 1,25 Milliarden bis Juni 2031 verlängert.
  • Der Umbau greift: Privatmarkt- und liquide alternative Strategien machen zusammen 46 Prozent des Vermögens aus und liefern 86 beziehungsweise 93 Prozent Anteil über Vergleichsmaßstab; 47 Prozent des at-equity bilanzierten Vermögens können Erfolgshonorare verdienen.
  • Wachstum durch Zukauf funktioniert weiterhin: vier neue Partnerschaften 2025 mit rund 23 Milliarden US-Dollar in alternativen Strategien, im ersten Quartal 2026 BBH Credit Partners, eine Aufstockung bei Garda Capital Partners und HighBrook Investors mit zusammen 59,8 Milliarden.
  • Die Bewertung hält auch bereinigt: KGV 14,0 (vorausschauend 9,9), rund das 13,8-Fache des wirtschaftlichen Gewinns je Aktie, Kurs zu freiem Mittelzufluss 8,6, Eigenkapitalrendite 21,8 Prozent (Datenstand 27. Juli 2026).

Was dagegen spricht:

  • Der größte Vermögensblock blutet: Aktienstrategien stehen für 38 Prozent des verwalteten Vermögens, liegen aber nur zu 38 Prozent über ihrem Vergleichsindex (drei Jahre); Abflüsse 2025 netto 45,3 Milliarden US-Dollar, erstes Quartal 2026 weitere 9,1 Milliarden.
  • Der Gewinnsprung 2025 trägt nicht weit: 371,3 Millionen US-Dollar der 1.186,3 Millionen Vorsteuerergebnis kamen aus Beteiligungsverkäufen; der wirtschaftliche Gewinn stieg nur um 10 Prozent, der konsolidierte Umsatz um 2 Prozent.
  • Kein operatives Steuer: AMG hält bei vielen Beteiligungen keine Mehrheit, die Verwaltungsmandate sind meist mit 60 Tagen kündbar, und die Erlösteilungsverträge sind laut Bericht nicht auf jede Kostenentwicklung der Beteiligung vorbereitet.
  • Eine Bilanz aus Zukaufswerten: 2.524,1 Millionen US-Dollar Firmenwert und 1.585,7 Millionen erworbene Kundenbeziehungen gegenüber 3.089,8 Millionen Eigenkapital der Aktionäre — der materielle Buchwert ist rechnerisch negativ, klassische Insolvenz-Frühwarnzahlen greifen hier nicht.
  • Der Rückkauf-Hebel wird teurer und wird auf Kredit betrieben: Durchschnittspreis 212,92 US-Dollar (2025) gegenüber 307,01 US-Dollar (Q1 2026); Inanspruchnahme des Kreditrahmens von null auf 565,0 Millionen US-Dollar zu 4,77 Prozent; Verschuldungsgrad 0,95 an der QARP-Grenze von 1,0.
  • Strukturelle Preisgefahr: AMG nennt generative künstliche Intelligenz im Geschäftsbericht selbst als möglichen Grund für sinkende Zahlungsbereitschaft der Kunden — und der Preisdruck trifft zuerst die klassischen Aktienstrategien.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Anfang, zu den 882 Milliarden. Der Reflex, große Zahlen für Substanz zu halten, ist bei einer Beteiligungsholding besonders teuer — weil hier fast alles fremd ist: das Vermögen, die Firmen, die Menschen, sogar der größere Teil der Gebühren. Was AMG wirklich gehört, ist ein Recht: der vertraglich vorrangige Anteil an fremden Erlösen. Das ist weniger romantisch als „882 Milliarden“ — aber es ist ein sehr gutes Geschäft, solange die Beteiligungen ihre Kunden halten.

Und genau da liegt die Unruhe. Der Konzern verdient je Aktie deutlich mehr als vor zwei Jahren, aber insgesamt kaum mehr. Der Zuwachs kommt aus der Aktienzahl, nicht aus dem Geschäft. Das ist kein Vorwurf — Kapital an die Eigentümer zurückzugeben, wenn man keine besseren Ideen hat, ist eine ehrliche unternehmerische Entscheidung, und AMG macht sie konsequent und offen. Aber ein Rückkauf ist eine Rechenoperation mit einem Ende: Irgendwann ist das billige Papier weg, und dann muss wieder das Geschäft liefern.

Ob es das kann, entscheidet sich in einem Rennen, das AMG nur mitfinanziert, aber nicht selbst läuft: Fließt mehr Geld in Privatmärkte und liquide Alternative hinein, als aus den Aktienstrategien herausfließt? 2025 lautete die Antwort ja, im ersten Quartal 2026 ebenfalls. Wer heute kauft, wettet darauf, dass das so bleibt — und bekommt dafür ein Unternehmen mit einer sehr soliden Fälligkeitsstruktur, einem funktionierenden Rückkaufprogramm und einem Vielfachen von rund 14. Wer wartet, verzichtet vielleicht auf einen günstigen Einstieg, kann aber in jedem Quartalsbericht (10-Q) in einer einzigen Tabelle nachlesen, wie das Rennen steht: der Nettomittelbewegung nach Strategie. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der Affiliated Managers Group.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz & Fälligkeiten positiv
Der Verschuldungsgrad nach Kreditvertrag lag zum 31.12.2025 beim 0,9-Fachen des Ergebnisses (erlaubt: 3,25-Fache), die Zinsdeckung beim 8,5-Fachen (gefordert: 3-Fache). Die Anleihen haben eine gewichtete Restlaufzeit von 22 Jahren, die nächste Fälligkeit sind 350,0 Millionen US-Dollar im Juni 2030; der Kreditrahmen über 1,25 Milliarden wurde am 9. Juni 2026 bis 2031 verlängert (10-K GJ 2025, 8-K vom 09.06.2026).
Kapitalrückgabe positiv
Die bereinigt verwässerte Aktienzahl fiel von 36,8 Millionen (2023) auf 27,3 Millionen (Q1 2026); der wirtschaftliche Gewinn je Aktie stieg dadurch von 19,48 auf 26,05 US-Dollar. Ende 2025 wurde zusätzlich die Wandelanleihe für 155,5 Millionen US-Dollar Aufschlag in bar abgelöst statt in Aktien gewandelt. Freigegeben sind noch 5,6 Millionen Aktien — gut ein Fünftel des Unternehmens.
Ertragsqualität neutral
Der Nettogewinn stieg 2025 um 40 Prozent auf 716,6 Millionen US-Dollar, enthält aber 371,3 Millionen aus Beteiligungsverkäufen; der wirtschaftliche Gewinn legte nur um 10 Prozent auf 769,3 Millionen zu, der konsolidierte Umsatz um 2 Prozent auf 2.074,4 Millionen. Immerhin: Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz ohne Sondereffekte um 10 Prozent auf 544,9 Millionen (10-K GJ 2025, 10-Q Q1 2026).
Anlageergebnisse & Mittelbewegung negativ
Aktienstrategien sind mit 38 Prozent der größte Vermögensblock, liegen aber nur zu 38 Prozent über ihrem Vergleichsindex (drei Jahre). 2025 flossen dort netto 45,3 Milliarden US-Dollar ab, im ersten Quartal 2026 weitere 9,1 Milliarden. Der Ausgleich über liquide Alternative (93 Prozent über Vergleichsindex) und Privatmärkte funktioniert bisher — aber AMG steuert die Anlageergebnisse seiner Beteiligungen nicht selbst.
Struktur & Kontrolle neutral
AMG hält bei vielen Beteiligungen keine Mehrheit und führt sie nicht operativ; die Verwaltungsmandate sind meist mit 60 Tagen kündbar, und die Erlösteilungsverträge sind laut Geschäftsbericht nicht auf jede Kostenentwicklung der Beteiligung vorbereitet. Von 9.396,1 Millionen US-Dollar Bilanzsumme sind 4.109,8 Millionen Firmenwert und erworbene Kundenbeziehungen (10-K GJ 2025, Item 1A; 10-Q Q1 2026).
Bewertung positiv
Kurs-Gewinn-Verhältnis 14,0 (vorausschauend 9,9), rund das 13,8-Fache des wirtschaftlichen Gewinns je Aktie, Kurs zu freiem Mittelzufluss 8,6, Unternehmenswert zu operativem Ergebnis vor Abschreibungen 7,6, Eigenkapitalrendite 21,8 Prozent — Rang 3 im QARP-Scanner. Die Bewertung hält auch dann, wenn man die Verkaufsgewinne herausrechnet (Datenstand 27. Juli 2026).

Affiliated Managers Group ist eine Beteiligungsholding, die Anteile an unabhängigen Vermögensverwaltern hält und dafür einen vertraglich vorrangigen Anteil an deren Erlösen bekommt. Zum 31. März 2026 verwalteten diese Beteiligungen rund 882 Milliarden US-Dollar — im Konzernumsatz erscheinen davon nur rund 2,1 Milliarden. Die Bilanz ist robust (Verschuldung beim 0,9-Fachen des Ergebnisses, Zinsdeckung 8,5-fach, erste Anleihefälligkeit 2030), und das Rückkaufprogramm hat die Aktienzahl in gut zwei Jahren um mehr als ein Viertel gesenkt. Aber der ausgewiesene Gewinnsprung 2025 kam zu 371,3 Millionen US-Dollar aus Beteiligungsverkäufen, der konsolidierte Umsatz verharrt seit drei Jahren bei rund 2,06 Milliarden, und aus dem größten Vermögensblock — den Aktienstrategien — flossen 2025 netto 45,3 Milliarden ab. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: Das Eigenkapital der Aktionäre beträgt 3.089,8 Millionen US-Dollar, der Verschuldungsgrad nach Kreditvertrag liegt beim 0,9-Fachen gegen eine Obergrenze von 3,25, die Zinsdeckung beim 8,5-Fachen gegen einen Mindestwert von 3,0, die erste Anleihefälligkeit liegt 2030, und der wirtschaftliche Gewinn von 769,3 Millionen US-Dollar ist real. Für Grün fehlt die Antwort auf eine wesentliche operative Frage: Der größte Vermögensblock — Aktienstrategien mit 38 Prozent des verwalteten Vermögens — liegt nur zu 38 Prozent über seinem Vergleichsindex und verlor 2025 netto 45,3 Milliarden US-Dollar, im ersten Quartal 2026 weitere 9,1 Milliarden. Der Ausgleich über Privatmärkte und liquide Alternative funktioniert bisher, ist aber ein Wettrennen, dessen Ausgang AMG nicht selbst steuert, weil der Konzern die Anlageergebnisse seiner Beteiligungen weder verantwortet noch führt. Dazu kommt, dass der konsolidierte Umsatz seit drei Jahren bei rund 2,06 Milliarden US-Dollar verharrt und der Ergebnissprung 2025 zu 371,3 Millionen aus Verkaufsgewinnen stammte. Das ist eine offene operative Frage, kein Substanzrisiko — also Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam AMG über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 3 von 50 gelisteten Treffern der US-Auswahl, Datenstand 27. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (AMG: 7 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (21,8), operative Marge mindestens 10 Prozent (22,1), Verschuldungsgrad höchstens 1,0 (0,95) und ein positives KGV bis 20 (14,0). Die Verschuldung ist die knappste dieser Hürden.
  • Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet. Er wurde an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht; AMG trennt seine Bilanz gar nicht in kurz- und langfristig, sodass sich das am stärksten gewichtete Nettoumlaufvermögen nicht bilden lässt. Aussagekräftig sind stattdessen die Kennziffern des Kreditvertrags (Verschuldung 0,9×, Zinsdeckung 8,5× zum 31.12.2025).
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 27. Juli 2026 (Kurs 358,30 US-Dollar, Börsenwert rund 9,2 Milliarden US-Dollar; Gegenprobe mit 26.412.085 Aktien vom 05.05.2026 ergibt rund 9,5 Milliarden). Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. AMGs Geschäftsjahr endet am 31. Dezember.

Häufige Fragen

AMG ist eine Beteiligungsholding für Vermögensverwalter: Der Konzern kauft Anteile an unabhängigen, partnergeführten Investmenthäusern und lässt deren Management eigenständig weiterarbeiten. AMG erhält dafür einen vertraglich vorrangigen Anteil an den Erlösen. Zum 31. März 2026 verwalteten diese Beteiligungen rund 882 Milliarden US-Dollar. Im Verbund arbeiten rund 5.600 Menschen, davon nur etwa 250 bei AMG selbst.

Weil AMG viele Beteiligungen nicht mehrheitlich kontrolliert und sie deshalb nach der Equity-Methode einbucht. Die Gebühren aller Beteiligungen lagen 2025 bei 6.167,5 Millionen US-Dollar, der konsolidierte Konzernumsatz nur bei 2.074,4 Millionen. Der Rest erscheint als Ergebnis aus at-equity bilanzierten Beteiligungen (2025: 462,9 Millionen). Umsatzbezogene Kennzahlen messen bei AMG deshalb nur einen Ausschnitt.

Der Nettogewinn (Anteil der Aktionäre) stieg um 40 Prozent auf 716,6 Millionen US-Dollar — darin stecken aber 371,3 Millionen aus dem Verkauf von Beteiligungsanteilen. Der um Sondereffekte bereinigte wirtschaftliche Gewinn legte nur um 10 Prozent auf 769,3 Millionen zu. Je Aktie stieg er dennoch um 22 Prozent auf 26,05 US-Dollar, weil die Aktienzahl deutlich sank.

Von 58,5 Millionen jemals ausgegebenen Aktien lagen zum 31. März 2026 bereits 32,0 Millionen als eigene Anteile im Bestand, angeschafft für 5.073,3 Millionen US-Dollar. Umlaufend waren am 5. Mai 2026 noch 26.412.085 Aktien. Allein 2025 wurden 3,3 Millionen Aktien zu durchschnittlich 212,92 US-Dollar eingezogen, im ersten Quartal 2026 weitere 0,6 Millionen zu 307,01 US-Dollar. Freigegeben sind noch 5,6 Millionen Aktien.

In den Aktienstrategien. Sie stellen mit 38 Prozent den größten Vermögensblock, liegen aber nur zu 38 Prozent über ihrem Vergleichsindex (Drei-Jahres-Sicht). 2025 flossen dort netto 45,3 Milliarden US-Dollar ab, im ersten Quartal 2026 weitere 9,1 Milliarden. Aufgefangen wurde das bislang von liquiden Alternativen und Privatmarkt-Strategien — der Umbau ist ein Wettrennen, das AMG nicht selbst steuert.

Weil die Formel an Industriebetrieben mit klassisch gegliederter Bilanz geeicht wurde (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher). AMG gliedert seine Bilanz gar nicht in kurz- und langfristig, das am stärksten gewichtete Nettoumlaufvermögen lässt sich also nicht bilden. Aussagekräftiger sind bei einem solchen Haus die Auflagen des Kreditvertrags: Verschuldung beim 0,9-Fachen (erlaubt 3,25) und Zinsdeckung beim 8,5-Fachen (gefordert 3,0) zum 31.12.2025.

Praktisch nicht. Die Ausschüttungsquote liegt bei 0,1 Prozent, die Dividendenrendite bei rund null (Datenstand 27. Juli 2026). AMG gibt Kapital nahezu ausschließlich über Aktienrückkäufe an die Eigentümer zurück — 2025 netto 706,3 Millionen US-Dollar. Wer den Titel wegen laufender Erträge kauft, liegt falsch; die Rendite entsteht über die sinkende Aktienzahl.

Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, operative Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad höchstens 1,0 und ein positives KGV bis 20. AMG erfüllt alle fünf (7 von 9; 21,8 Prozent; 22,1 Prozent; 0,95; 14,0) und steht damit auf Rang 3 von 50 gelisteten Treffern der US-Auswahl (Datenstand 27. Juli 2026).

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