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Ameriprise-Aktie: 66,9 Prozent Eigenkapitalrendite — und was nach der Gegenrechnung übrig bleibt

Ameriprise-Aktie: 66,9 Prozent Eigenkapitalrendite — und was nach der Gegenrechnung übrig bleibt

Ameriprise Financial trägt die höchste Eigenkapitalrendite unseres gesamten QARP-Scanners. Wir haben nachgerechnet, woher sie kommt: Die Gesamtkapitalrendite liegt bei 1,87 Prozent, der Bilanzhebel beim 29-Fachen. Rückkäufe über 29,7 Milliarden US-Dollar seit 2007 haben das Eigenkapital auf 6,2 Milliarden abgeschmolzen, nicht realisierte Anleiheverluste drücken es zusätzlich. Dazu kommen rund 30 Prozent des Konzerngewinns aus den Zinsen auf Kundenguthaben — genau der Teil, der bei fallenden Leitzinsen zuerst wegbricht. Keine Anlageberatung, nur die Frage, was eine Spitzenkennzahl wirklich misst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Ameriprise-Aktie: 66,9 Prozent Eigenkapitalrendite — und was nach der Gegenrechnung übrig bleibt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

66,9 Prozent Eigenkapitalrendite. Das ist der höchste Wert, den unser QARP-Scanner in der gesamten US-Auswahl ausweist — kein anderes Unternehmen in diesem Qualitätsfilter kommt auch nur in die Nähe. Wer solche Zahlen sieht, denkt an ein Geschäft mit unfairem Vorteil: eine Marke, ein Patent, eine Monopolstellung.

Bei Ameriprise Financial ist es etwas anderes. Die Gesamtkapitalrendite dieses Konzerns lag 2025 bei 1,87 Prozent — 3.563 Millionen US-Dollar Gewinn auf 190.904 Millionen Bilanzsumme. Das ist ein völlig normaler Wert für einen Finanzkonzern. Zwischen 1,87 und 66,9 Prozent liegt kein Wettbewerbsvorteil, sondern eine Rechenoperation: Bilanzsumme geteilt durch Eigenkapital ergibt das 29,2-Fache. 1,87 mal 29,2 ergibt 54,4 Prozent — genau die Rendite auf das Jahresend-Eigenkapital.

Wir haben deshalb den Geschäftsbericht für 2025, den Quartalsbericht zum 31. März 2026 und die Quartalszahlen vom 23. Juli 2026 gelesen und eine einzige Frage mitgenommen: Warum ist das Eigenkapital dieses Konzerns so klein — und was bleibt von der Rendite übrig, wenn man die Gründe herausrechnet? Die Antwort macht die Aktie nicht schlecht. Sie macht nur klar, dass die Spitzenkennzahl etwas anderes misst, als die meisten annehmen.

Was Ameriprise eigentlich macht

Ameriprise Financial, Inc. sitzt im Ameriprise Financial Center in Minneapolis, wird von Jim Cracchiolo als Vorstandschef und Verwaltungsratsvorsitzendem geführt und ist seit 2005 eigenständig an der New Yorker Börse — davor gehörte das Geschäft zu American Express. Die SEC führt den Konzern deshalb unter der Kennnummer CIK 0000820027 noch mit den früheren Firmennamen „American Express Financial Corp“ und „IDS Financial Corp“; die Wurzeln reichen mehr als 130 Jahre zurück.

Das Herzstück ist ein Netz von mehr als 10.000 Finanzberatern in den USA. Sie beraten überwiegend wohlhabende Privatkunden, verkaufen Finanzpläne, verwalten Depots gegen eine laufende Gebühr und vermitteln Versicherungen und Rentenprodukte. Ameriprise verdient daran auf drei Wegen, und die entsprechen den drei Segmenten:

  • Advice & Wealth Management — die Finanzberatung, das mit Abstand wichtigste Geschäft. Im zweiten Quartal 2026 steuerte es 939 Millionen US-Dollar zum bereinigten operativen Vorsteuerergebnis bei, ein Plus von 16 Prozent, bei einer Marge von 28,9 Prozent. Die Kundenvermögen dieses Segments erreichten 1.247.579 Millionen US-Dollar (plus 15 Prozent).
  • Asset Management — der Vermögensverwalter Columbia Threadneedle, der eigene Fonds für Privatanleger und Institutionelle auflegt. Beitrag im zweiten Quartal 2026: 274 Millionen US-Dollar (plus 23 Prozent) bei einer bemerkenswerten Marge von 42,7 Prozent, verwaltetes Vermögen 714.809 Millionen.
  • Retirement & Protection Solutions — Renten- und Versicherungsprodukte, überwiegend über die eigenen Berater verkauft. Beitrag: 202 Millionen US-Dollar, sechs Prozent weniger als im Vorjahresquartal, bei um 20 Prozent gestiegenen Verkäufen von 1,6 Milliarden.

Zusammen verwaltete, betreute oder beriet der Konzern zum 30. Juni 2026 ein Rekordvermögen von 1,813 Billionen US-Dollar, 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Nettomittelbewegungen sind allerdings zweigeteilt: In der Beratung flossen im zweiten Quartal 3,1 Milliarden US-Dollar netto zu, in die gebührenstarken Vermögensverwaltungs-Depots sogar 6,9 Milliarden. Bei Columbia Threadneedle flossen dagegen 6,5 Milliarden ab — davon 5,1 Milliarden bei institutionellen Kunden. Der Abfluss hat sich gegenüber dem Vorjahr immerhin um 26 Prozent verringert.

Merke dir das Grundmuster: Ameriprise wächst dort, wo Menschen mit einem Berater sprechen, und schrumpft dort, wo Fonds ohne Berater verkauft werden. Der Produktivitätsgewinn ist messbar — der Erlös je Berater erreichte auf Zwölfmonatssicht mit 1,203 Millionen US-Dollar einen neuen Höchstwert, plus zwölf Prozent, und im zweiten Quartal wechselten 79 erfahrene Berater zu Ameriprise.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftauchte

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Ameriprise kam über den QARP-Scanner auf die Rechercheliste — „Quality at a Reasonable Price“, Qualität zum fairen Preis. Der Filter verlangt fünf Dinge gleichzeitig, und Ameriprise nimmt alle fünf Hürden (Datenstand 28. Juli 2026):

  • Piotroski-F-Score 7 von 9 — die neunteilige Bilanz-Checkliste ist erfüllt, der Mindestwert liegt bei 7.
  • Eigenkapitalrendite 66,9 Prozent — mehr als das Vierfache der geforderten 15 Prozent. Genau um diese Zahl geht es in dieser Analyse.
  • EBIT-Marge über 10 Prozent — die Vorsteuermarge lag 2025 bei 24,4 Prozent (4.504 Millionen Vorsteuerergebnis auf 18.480 Millionen Nettoerlöse), im zweiten Quartal 2026 bereinigt operativ bei 27 Prozent.
  • Verschuldungsgrad zwischen 0 und 1 — erfüllt.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis 13,4 — die Obergrenze liegt bei 20, hier ist reichlich Luft. Ameriprise ist in diesem Filter kein Grenzfall, sondern eine der günstigeren Aktien.

Das Fundamental-Rating liegt bei 58 Punkten (Note B), der Börsenwert bei 48,9 Milliarden US-Dollar, die Platzierung bei Rang 34 der US-Auswahl. Und hier lohnt eine methodische Zwischenbemerkung, weil sie erklärt, warum wir überhaupt so genau hingesehen haben.

Wenn eine Kennzahl den gesamten Vergleichsbestand anführt, ist das kein Gütesiegel, sondern eine Aufforderung nachzurechnen. Ein Wert, der viermal so hoch ist wie die Filterhürde und höher als bei jedem anderen Unternehmen im selben Filter, entsteht bei einem Finanzkonzern fast nie aus operativer Stärke allein. Bei Evercore war es umgekehrt: Dort trug die Spitzenposition im Rating tatsächlich, aber die Rückkäufe senkten die Aktienzahl nicht. Bei Ameriprise senken sie die Aktienzahl sehr wohl — nur eben so gründlich, dass sie die Rendite-Kennzahl mit verändern.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich trägt. Ameriprise wächst seit Jahren verlässlich, und zwar operativ:

  • Nettoerlöse: 11.958 Millionen US-Dollar (2020), 13.389 (2021), 14.334 (2022), 16.096 (2023), 17.926 (2024), 18.911 (2025). Das sind fünf Jahre Wachstum in Folge, zusammen plus 58 Prozent.
  • Nettogewinn: 1.534 Millionen (2020), 3.417 (2021), 3.149 (2022), 2.556 (2023), 3.401 (2024), 3.563 (2025).
  • Zweites Quartal 2026: GAAP-Nettogewinn 1.113 Millionen US-Dollar (plus fünf Prozent), bereinigtes operatives Ergebnis 1.028 Millionen (plus 14 Prozent), bereinigter Gewinn je Aktie 11,07 US-Dollar (plus 22 Prozent).

Der Unterschied zwischen fünf Prozent Gewinnplus und 22 Prozent Plus je Aktie ist kein Rechenfehler. Er ist der Kern dieser Analyse — und führt direkt zur ersten unbequemen Wahrheit.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Rendite misst den Hebel, nicht die Ertragskraft

Die Eigenkapitalrendite ist ein Bruch. Oben steht der Gewinn, unten das Eigenkapital. Man kann sie auf zwei Wegen steigern: mehr verdienen oder das Eigenkapital verkleinern. Ameriprise tut seit 18 Jahren konsequent beides — und das Zweite mit mehr Wirkung.

Die saubere Zerlegung geht so. Der Konzern verdiente 2025 3.563 Millionen US-Dollar auf eine Bilanzsumme von 190.904 Millionen. Das ergibt eine Gesamtkapitalrendite von 1,87 Prozent — ein Wert, wie ihn jede solide Bank oder Versicherung erreicht, und weit unter dem, was ein guter Industriebetrieb schafft. Das Eigenkapital betrug zum Jahresende 6.549 Millionen. Bilanzsumme geteilt durch Eigenkapital ergibt einen Hebel von 29,2. Und 1,87 Prozent mal 29,2 ergibt exakt die 54,4 Prozent, die auf das Jahresend-Eigenkapital herauskommen; auf das Durchschnitts-Eigenkapital sind es 60,5 Prozent, auf die letzten zwölf Monate bis Juni 2026 rund 64 Prozent.

Anders gesagt: Von 100 Dollar in der Bilanz gehören den Aktionären 3,43 Dollar. Der Rest sind Kundengelder, Versicherungsrückstellungen, Einlagen und Verbindlichkeiten. Auf diesen dünnen Eigenkapitalsockel wirkt jeder verdiente Dollar wie ein Vergrößerungsglas.

Zum Vergleich, weil er in unserem eigenen Bestand steht: Bei Cincinnati Financial, einem Versicherer mit ähnlich langlebigem Geschäft, liegt das Eigenkapital in einer ganz anderen Relation zur Bilanz — und die Eigenkapitalrendite entsprechend niedriger, obwohl das Geschäft nicht schlechter ist. Auch W. R. Berkley zeigt dasselbe Muster: solide Erträge, aber eine Rendite, die nicht durch einen ausgereizten Hebel überzeichnet wird. Die Kennzahl bewertet nicht nur, wie gut gearbeitet wird, sondern auch, wie wenig Kapital dabei stehen bleibt.

Gelb markierte Textstelle aus der Ameriprise-Quartalsmitteilung zum zweiten Quartal 2026: Die Eigenkapitalrendite bleibe mit 55 Prozent herausragend in der Branche.
Die markierte Stelle im Original: „Return on equity remains distinguished in the industry at 55 percent“ — auf Deutsch: „Die Eigenkapitalrendite bleibt mit 55 Prozent herausragend in der Branche.“ Die Fußnote dazu erklärt, dass dieser Wert das kumulierte sonstige Ergebnis ausklammert und auf zwölf Monate gerechnet ist. Direkt darüber steht die zweite wichtige Zahl: 932 Millionen US-Dollar oder 91 Prozent des operativen Ergebnisses gingen im Quartal an die Aktionäre. Quelle: SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 23.07.2026, Anlage 99.1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 29,7 Milliarden Rückkäufe haben das Eigenkapital abgeschmolzen

Jetzt zur Frage, warum das Eigenkapital so dünn ist. Die erste Antwort steht in den Kapitalflussrechnungen der letzten 19 Geschäftsberichte, Zeile „Rückkauf eigener Aktien“:

Balkendiagramm mit Eigenkapital zum Jahresende und Aktienrückkäufen von Ameriprise 2019 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Eigenkapital 5.911, 6.131, 4.837, 3.803, 4.729, 5.228 und 6.549; Rückkäufe 1.943, 1.441, 2.030, 1.978, 2.127, 2.448 und 2.907.
Jedes Jahr fließt ein Drittel bis fast die Hälfte des gesamten Eigenkapitals in Rückkäufe zurück. 2025 waren es 2.907 Millionen US-Dollar bei einem Eigenkapital von 6.549 Millionen — der höchste Jahreswert der Firmengeschichte. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

In Zahlen: Von 2019 bis 2025 kaufte Ameriprise für 14.874 Millionen US-Dollar eigene Aktien zurück. Das ist das 2,4-Fache des gesamten heutigen Eigenkapitals von 6.212 Millionen (31.03.2026). Rechnet man bis zum Jahr 2007 zurück, kommen 29.693 Millionen US-Dollar zusammen — das 4,8-Fache. Der Konzern hat also in 19 Jahren fast fünfmal sein gesamtes heutiges Eigenkapital an die Aktionäre zurückgegeben, statt es in der Bilanz stehen zu lassen.

Die Wirkung auf die Aktienzahl ist eindeutig — und hier liegt der ehrliche Verdienst dieser Kapitalpolitik:

Liniendiagramm der umlaufenden Ameriprise-Aktien in Millionen Stück von 181,7 im Jahr 2015 fallend über 134,1 (2019), 117,3 (2021), 105,7 (2023) und 96,7 (2025) auf 89,9 im April 2026.
Von 181,7 Millionen Aktien (2015) auf 89,9 Millionen (Deckblatt des Quartalsberichts, 24.04.2026) — ein Rückgang um 50,5 Prozent. Deshalb stieg der Gewinn je Aktie im zweiten Quartal 2026 um 22 Prozent, während der Gewinn selbst nur um fünf Prozent zulegte. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist echte Wertschöpfung für Aktionäre, und man sollte sie nicht kleinreden: Wer 2015 eingestiegen ist, hält heute den doppelten Anteil am selben Unternehmen. Anders als bei Evercore, wo die Rückkäufe nur die Vergütungsverwässerung aufhalten, wirken sie hier voll durch.

Aber sie haben eben auch eine Nebenwirkung auf die Kennzahl. Die Gegenrechnung: Hätte Ameriprise die Rückkäufe der Jahre 2019 bis 2025 stattdessen im Unternehmen gelassen, läge das Eigenkapital heute bei rund 21.086 Millionen US-Dollar — und die Rendite auf den Zwölfmonatsgewinn von 3.948 Millionen bei rund 19 Prozent statt 66,9. Rechnet man alle Rückkäufe seit 2007 zurück, sind es rund 11 Prozent.

Diese Rechnung ist ein Gedankenexperiment, kein Bilanzbefund — einbehaltenes Kapital hätte selbst etwas verdient, der wahre Wert liegt also darüber. Sie zeigt aber die Größenordnung: Die Differenz zwischen „66,9 Prozent“ und „rund 19 Prozent“ ist keine Frage der Ertragskraft, sondern eine Frage dessen, wie viel Kapital man stehen lässt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Anleiheverluste drücken das Eigenkapital zusätzlich

Die zweite Ursache ist stiller und steht in einer Zeile, die viele überlesen: dem kumulierten sonstigen Ergebnis, im Englischen „accumulated other comprehensive income“, kurz AOCI. Dort landen Wertänderungen, die noch nicht durch die Gewinn- und Verlustrechnung gelaufen sind — bei einem Haus mit Versicherungs- und Rentenbestand vor allem die Kursverluste des eigenen Anleiheportfolios.

Der Stand zum 31. Dezember 2025: minus 892 Millionen US-Dollar. Zum 31. März 2026: minus 1.205 Millionen. Diese Beträge werden direkt vom Eigenkapital abgezogen. Sie machen also rund ein Sechstel bis ein Fünftel des ausgewiesenen Eigenkapitals aus — und drücken damit den Nenner der Renditeformel weiter nach unten.

Wie groß das zugrunde liegende Portfolio ist, steht im Anhang des Geschäftsberichts. Zum 31. Dezember 2025 hielt Ameriprise Wertpapiere der Kategorie „zur Veräußerung verfügbar“ mit fortgeführten Anschaffungskosten von 54.137 Millionen US-Dollar. Dem standen 728 Millionen Bruttogewinne und 1.269 Millionen Bruttoverluste gegenüber; der Zeitwert lag bei 53.591 Millionen, netto also 546 Millionen unter den Anschaffungskosten. Die größten Verlustposten: Wohnimmobilien-Anleihen mit 666 Millionen, Unternehmensanleihen mit 464 Millionen, Gewerbeimmobilien-Anleihen mit 103 Millionen.

Immerhin: Die Lage hat sich deutlich entspannt. Ein Jahr zuvor lagen allein die Bruttoverluste bei Wohnimmobilien-Anleihen noch bei 1.133 Millionen und bei Unternehmensanleihen bei 711 Millionen. Der Bestand heilt sich, weil die Papiere ihrer Fälligkeit entgegenlaufen.

Ameriprise kennt diesen Effekt und rechnet ihn selbst heraus. In der Quartalsmitteilung steht die Rendite deshalb doppelt: 53,0 Prozent GAAP-Eigenkapitalrendite ohne AOCI und 55,0 Prozent bereinigt operativ, jeweils auf zwölf Monate gerechnet — gegenüber 45,8 beziehungsweise 51,5 Prozent ein Jahr zuvor. Das ist die Zahl, die der Konzern selbst als maßgeblich betrachtet, und sie liegt rund 14 Prozentpunkte unter dem Scanner-Wert von 66,9 Prozent.

Merke dir den Zusammenhang: Bei einem Finanzkonzern mit großem Anleihebestand schmeichelt ein Zinsanstieg der Eigenkapitalrendite gleich zweimal — er erhöht die Zinserträge im Zähler und senkt über die Kursverluste das Eigenkapital im Nenner. Umgekehrt wirkt ein Zinsrückgang doppelt bremsend.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Rund 30 Prozent des Gewinns kommen aus Zinsen auf Kundengeld

Damit sind wir beim konkretesten Risiko dieses Titels. Ameriprise verwahrt Kundengeld, das nicht angelegt ist — auf Bankkonten, in eigenen Sparzertifikaten und auf Verrechnungskonten der Wertpapiertochter. Dieses Geld legt der Konzern an und behält die Differenz zwischen dem, was er einnimmt, und dem, was er den Kunden zahlt. Im Fachjargon heißt das „cash sweep“.

Der Geschäftsbericht nennt diese Ertragsquelle gleich im ersten Satz seines Marktrisiko-Kapitels:

„Our primary market risk exposures are interest rate, equity price, foreign currency exchange rate and credit risk. Equity price and interest rate fluctuations can have a significant impact on our results of operations, primarily due to the effects they have on the asset management and other asset-based fees we earn, the spread income generated on our brokerage client cash balances, banking deposits, face-amount certificate products, fixed portion of our variable annuities and variable insurance contracts, fixed annuity and insurance contracts, the value of market risk benefits and other liabilities associated with our variable annuities and the value of derivatives held to hedge related benefits.“

Übersetzung: „Unsere wesentlichen Marktrisiken sind Zins-, Aktienkurs-, Währungs- und Kreditrisiko. Schwankungen von Aktienkursen und Zinssätzen können erhebliche Auswirkungen auf unser Geschäftsergebnis haben, vor allem wegen ihrer Wirkung auf die Vermögensverwaltungs- und sonstigen vermögensabhängigen Gebühren, die wir einnehmen, auf die Zinsmarge aus den Barguthaben unserer Brokerage-Kunden, aus Bankeinlagen, aus Sparzertifikaten, aus dem festverzinslichen Teil unserer variablen Renten- und Versicherungsverträge sowie aus festverzinslichen Renten- und Versicherungsverträgen, auf den Wert der Marktrisiko-Vorteile und anderer Verbindlichkeiten aus unseren variablen Renten sowie auf den Wert der zur Absicherung gehaltenen Derivate.“

— Ameriprise Financial, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 7A „Quantitative and Qualitative Disclosures About Market Risk“

Gelb markierte Textstelle aus dem Ameriprise-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Zins- und Aktienkursschwankungen wirken vor allem über die vermögensabhängigen Gebühren und die Zinsmarge aus Brokerage-Guthaben, Bankeinlagen und Sparzertifikaten.
Die markierte Stelle im Original: Der Konzern nennt die Zinsmarge auf Kundenguthaben in einem Atemzug mit den Vermögensverwaltungsgebühren — als eine der beiden Hauptquellen seiner Marktabhängigkeit. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Beziffern lässt sich das aus den Segmentzahlen des zweiten Quartals 2026 direkt. Im Beratungssegment standen:

  • 455 Millionen US-Dollar Zinserträge auf bilanzierte Kundenguthaben (Vorjahresquartal: 496 Millionen),
  • plus 21 Millionen Vertriebsgebühren auf außerbilanzielle Brokerage-Guthaben (Vorjahr: 25 Millionen),
  • minus 73 Millionen Zinsaufwand für Bank- und Einlagenkonten (Vorjahr: 115 Millionen).

Netto bleiben 403 Millionen US-Dollar je Quartal, also rund 1,6 Milliarden im Jahr. Gegen das bereinigte operative Vorsteuerergebnis des Segments von 939 Millionen sind das 43 Prozent; gegen das des gesamten Konzerns von 1.334 Millionen sind es rund 30 Prozent. Fast ein Drittel des Konzerngewinns stammt also nicht aus Beratung, sondern aus dem Zinsniveau.

Die zugrunde liegende Basis: 37.230 Millionen US-Dollar Kundenguthaben zum 30. Juni 2026 — davon 23.940 Millionen Bankeinlagen, 7.381 Millionen Sparzertifikate, 2.423 Millionen bei der Wertpapiertochter und 3.486 Millionen außerbilanziell. Die Bruttorenditen lagen bei 4,67 Prozent (Bank), 4,57 Prozent (Zertifikate) und 5,38 Prozent (Sonstige).

Und jetzt die Rechnung, auf die es ankommt. Der Geschäftsbericht enthält eine eigene Sensitivitätstabelle. Sie misst, was ein plötzlicher Zinsanstieg um 100 Basispunkte über zwölf Monate bringen würde:

Gelb markierte Textstelle aus dem Ameriprise-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Der Zinsrisiko-Test unterstellt eine plötzliche Parallelverschiebung der Zinskurve um 100 Basispunkte, die zwölf Monate lang bestehen bleibt.
Die markierte Stelle im Original beschreibt die Methode: plötzliche Parallelverschiebung der Zinskurve um 100 Basispunkte, zwölf Monate lang. Die Tabelle darunter beziffert das Ergebnis auf plus 514 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Ergebnis für einen Anstieg um 100 Basispunkte: plus 514 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis (Stand 31.12.2025; ein Jahr zuvor waren es 529 Millionen). Aufgeschlüsselt entfallen davon auf Bankeinlagen 40 Millionen, auf Brokerage-Kundenguthaben 52 Millionen, auf feste Renten- und Versicherungsverträge 32 Millionen und auf Sparzertifikate minus 2 Millionen; der größte Einzelposten sind mit 448 Millionen die Bewertungseffekte aus den Rentenbestand-Garantien und deren Absicherung, gegengerechnet mit minus 66 Millionen bei den vermögensabhängigen Gebühren.

Zwei Lesarten sind also nötig, und wir nennen beide ehrlich. Erstens, streng nach der Firmentabelle: Ein Zinsrückgang um 100 Basispunkte kostet im direkten Zinsgeschäft rund 92 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis im Jahr — das ist deshalb so wenig, weil auch die Einlagenzinsen an die Kunden mitfallen und weil die Anlagen des Bankbuchs überwiegend fest verzinst sind und erst nach und nach neu angelegt werden. Über das gesamte Modell gerechnet, einschließlich der Garantie-Bewertungen, wären es rund 514 Millionen.

Zweitens, aus der Wirklichkeit: Genau dieser Prozess läuft bereits. Die Zinserträge des Beratungssegments fielen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal von 496 auf 455 Millionen US-Dollar — minus acht Prozent, obwohl die durchschnittlich verzinsten Bankaktiva um vier Prozent wuchsen. Auf ein volles Jahr hochgerechnet sind das rund 164 Millionen US-Dollar weniger. Die Bruttorendite der Sparzertifikate rutschte von 5,02 auf 4,57 Prozent, die der Bankaktiva von 4,73 auf 4,67 Prozent.

Merke dir den Unterschied: Die Momentaufnahme im Geschäftsbericht unterschätzt die Wirkung, weil sie nur zwölf Monate misst. Die eigentliche Erosion entsteht über Jahre, wenn hoch verzinste Altanlagen auslaufen und zu niedrigeren Sätzen neu angelegt werden. Wer diesen Titel hält, hält eine Wette darauf, dass die Leitzinsen nicht weit fallen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der alte Rentenbestand mit Garantien

Ameriprise trägt aus seiner Vergangenheit einen Bestand variabler Rentenversicherungen. Das sind Verträge, bei denen der Kunde in Fonds investiert, der Versicherer ihm aber Mindestleistungen zusagt — im Todesfall, bei Entnahmen oder beim Kapitalaufbau. Fällt der Markt tief genug, muss der Versicherer aus eigener Tasche auffüllen.

„The diversified variable annuity block consists of $49 billion of account value with no living benefit guarantees and $42 billion of account value with living benefit guarantees, primarily GMWB provisions.“

Übersetzung: „Der breit gestreute Bestand an variablen Rentenversicherungen besteht aus 49 Milliarden US-Dollar Vertragswert ohne Garantien für Leistungen zu Lebzeiten und 42 Milliarden US-Dollar Vertragswert mit solchen Garantien, überwiegend garantierte Mindestentnahmen.“

— Ameriprise Financial, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Abschnitt „Variable Annuities“

Gelb markierte Textstelle aus dem Ameriprise-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Der Bestand variabler Renten besteht aus 49 Milliarden US-Dollar ohne Garantien und 42 Milliarden US-Dollar mit Garantien für Leistungen zu Lebzeiten.
Die markierte Stelle im Original: 42 der insgesamt rund 91 Milliarden US-Dollar Vertragswert tragen eine Garantie. Im Satz davor steht, dass dieser Bestand über mehr als fünfzig Jahre aufgebaut wurde. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der gesamte Vertragswert aller variablen Renten lag zum 31. Dezember 2025 bei 91,3 Milliarden US-Dollar. Drei Dinge entschärfen den Posten, und sie gehören zur ehrlichen Einordnung dazu:

  • Der Neuverkauf ist gestoppt. Ameriprise verkauft keine neuen festen Renten und keine neuen variablen Renten mit Garantien für Leistungen zu Lebzeiten mehr. Der Anteil der Vertragswerte mit solchen Zusatzgarantien sank von 50 auf 46 Prozent binnen eines Jahres.
  • Es gibt ein Absicherungsprogramm. Der Konzern sichert die Risiken laufend mit Optionen, Swaptions, Swaps und Futures ab und misst die Positionen täglich. In der Sensitivitätstabelle sieht man die Wirkung: Ein Aktienkursrückgang um zehn Prozent belastet vor Absicherung mit 804 Millionen US-Dollar bei den Garantien — nach Absicherung bleiben 149 Millionen übrig.
  • Der Gesamtschaden ist überschaubar. Ein Kursrückgang um zehn Prozent kostet den Konzern insgesamt 510 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis, bereinigt operativ 379 Millionen — bei einem Jahresvorsteuerergebnis von 4.504 Millionen also gut ein Zehntel.

Ein Randposten bleibt die Langzeitpflegeversicherung: Sie steuerte 2025 nur noch 2 Millionen US-Dollar zum Vorsteuerergebnis bei nach 58 Millionen im Vorjahr, weil Annahmen zu Krankheits- und Sterbewahrscheinlichkeiten angepasst wurden. Diese Sparte ist branchenweit ein Sorgenkind; bei Ameriprise ist sie klein, aber sie schwankt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Warum wir den Altman-Z hier nicht deuten

Der Altman-Z″-Score ist eine Insolvenz-Frühwarnzahl mit zwei Schwellen: unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher. Wir nennen sie hier nur — deuten werden wir sie nicht, und das ist Methodik, keine Bescheidenheit.

Die Formel wurde an Industriebetrieben geeicht. Ihre Bausteine sind Nettoumlaufvermögen, einbehaltene Gewinne, operatives Ergebnis und Eigenkapital, jeweils an der Bilanzsumme gemessen. Bei einem Hersteller füllen Warenlager, Maschinen und Lieferantenverbindlichkeiten diese Größen. Bei Ameriprise besteht die Bilanzsumme von 190.904 Millionen US-Dollar ganz überwiegend aus Kapitalanlagen und Sondervermögen, die für Versicherungs- und Rentenverträge gehalten werden — Geld, das wirtschaftlich den Kunden gehört. Es gibt kein Umlaufvermögen im Sinne der Formel, und das Eigenkapital ist per Geschäftsmodell dünn. Ein Wert aus solchen Zahlen misst nicht das Insolvenzrisiko, sondern die Bilanzstruktur einer Branche. Dasselbe gilt für Primerica, wo der Vertrieb von Finanzprodukten ebenfalls eine Bilanz erzeugt, die mit Industriemaßstäben nicht messbar ist.

Was stattdessen zählt: Die Beitragseinnahmen und Gebühren fließen laufend, der Konzern gab im zweiten Quartal 2026 932 Millionen US-Dollar an die Aktionäre zurück und behielt trotzdem genug für das Wachstum. Der Piotroski-F-Score von 7 von 9 bestätigt die Bilanzentwicklung. Und die Bankeinlagen wachsen, statt abzufließen — der Punkt, an dem 2023 mehrere US-Regionalbanken gescheitert sind.

Bewertung: 13,4 — und diesmal ist der Preis nicht das Problem

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt laut Datenbestand bei 13,4 (Stand 28. Juli 2026), der Börsenwert bei 48,9 Milliarden US-Dollar. Wir haben beides gegengeprüft: Multipliziert man die 89,9 Millionen Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 24.04.2026) mit dem hinterlegten Kurs, kommen rund 48,4 Milliarden US-Dollar heraus — eine Abweichung von 1,1 Prozent gegenüber dem ausgewiesenen Wert. Der Börsenwert ist damit belastbar, und alle davon abgeleiteten Kennzahlen sind es auch.

Die Gegenprobe beim Vielfachen: Auf den Zwölfmonatsgewinn von 3.948 Millionen US-Dollar gerechnet ergeben 48,9 Milliarden ein Vielfaches von 12,4; auf den Jahresgewinn 2025 von 3.563 Millionen sind es 13,7. Der ausgewiesene Wert von 13,4 liegt genau dazwischen und ist plausibel.

Damit ist Ameriprise keine teure Aktie. Ein Vielfaches von 13,4 für einen Konzern, dessen Erlöse fünf Jahre in Folge gewachsen sind, der 1,8 Billionen US-Dollar Kundenvermögen betreut und 91 Prozent seines operativen Ergebnisses ausschüttet oder zurückkauft, ist im historischen Vergleich eher günstig. Anders als bei Affiliated Managers Group, wo die niedrige Bewertung eine Antwort auf strukturelle Mittelabflüsse war, wächst hier das Kerngeschäft.

Der Preis ist bei diesem Titel also nicht die Frage. Die Frage ist die Haltbarkeit des Gewinns. Wenn rund 30 Prozent des Vorsteuerergebnisses aus einer Zinsmarge stammen, die bereits um acht Prozent im Jahr schrumpft, dann misst das Vielfache von 13,4 gegen einen Gewinn, der einen bequemen Rückenwind enthält. Fällt dieser Rückenwind über mehrere Jahre weg, wird aus 13,4 rechnerisch schnell 15 oder 16 — ohne dass der Kurs sich bewegt hätte.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für den Titel spricht: Das Beratungsgeschäft wächst zweistellig und ist der profitabelste Teil — 939 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis im Quartal, plus 16 Prozent, bei stabiler Marge. Die Beratungshonorare allein stiegen um 23 Prozent auf 1.859 Millionen. Die Kundenbindung ist hoch, weil Depots mit laufender Gebühr selten gewechselt werden. Columbia Threadneedle arbeitet mit einer Marge von 42,7 Prozent und verbessert die Mittelabflüsse. Die Kapitalrückgabe ist außergewöhnlich verlässlich und hat die Aktienzahl tatsächlich halbiert. Und die Bewertung von 13,4 lässt Raum.

Was dagegen spricht: Rund 30 Prozent des Konzern-Vorsteuerergebnisses hängen an der Zinsmarge auf Kundenguthaben, und diese Marge schrumpft bereits messbar. Der Vermögensverwalter verliert weiter Geld an institutionelle Kunden — 5,1 Milliarden US-Dollar netto allein im zweiten Quartal. Das ausgewiesene Eigenkapital ist mit 6,2 Milliarden gegen 190,9 Milliarden Bilanzsumme dünn, was jede Bewertungsschwankung im Anleihebestand sichtbar durchschlagen lässt. 42 Milliarden US-Dollar garantierter Rentenverträge bleiben ein Bestandsrisiko, auch wenn es abgesichert und rückläufig ist. Und die viel zitierte Rendite von 66,9 Prozent ist, wie gezeigt, zu einem erheblichen Teil eine Bilanzgröße.

Was am Ende bleibt

Ameriprise ist ein gut geführter Finanzberatungskonzern mit einem echten Wettbewerbsvorteil: Zehntausend Berater, die persönliche Beziehungen zu wohlhabenden Kunden halten, sind schwer zu kopieren und noch schwerer abzuwerben. Das Geschäft wächst, die Kapitalrückgabe ist konsequent, die Bewertung ist maßvoll.

Aber die Spitzenkennzahl, die diese Aktie in unserem Scanner nach oben trägt, misst etwas anderes, als der Name suggeriert. 66,9 Prozent Eigenkapitalrendite bedeuten hier nicht, dass Ameriprise viermal so gut wirtschaftet wie ein starker Industriebetrieb. Sie bedeuten, dass 1,87 Prozent Gesamtkapitalrendite auf einen Eigenkapitalsockel treffen, den 19 Jahre Rückkäufe und ein Anleiheportfolio unter Wasser sehr klein gehalten haben.

Rechnet man beides heraus, bleibt eine Rendite in der Größenordnung von 19 Prozent — nach der Bereinigung um sieben Jahre Rückkäufe — und damit immer noch klar über der Filterhürde von 15 Prozent. Die QARP-Bedingung hält also auch ehrlich gerechnet. Nur der Spitzenplatz hält nicht.

Wer diesen Titel kauft, kauft ein solides Beratungsgeschäft zu einem vertretbaren Preis — und dazu eine Zinswette, die er kennen sollte. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Quellen

Diese Analyse ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Sie gibt den Stand der ausgewerteten Unterlagen zum 28. Juli 2026 wieder. Jede Anlageentscheidung triffst Du selbst und auf eigenes Risiko.

Unser Fazit auf einen Blick

Kapitalverzinsung neutral
Die ausgewiesene Eigenkapitalrendite von 66,9 Prozent ist der höchste Wert im gesamten QARP-Scanner, misst aber überwiegend den Bilanzhebel: Die Gesamtkapitalrendite lag 2025 bei 1,87 Prozent (3.563 Mio. US-Dollar auf 190.904 Mio. Bilanzsumme), der Hebel beim 29,2-Fachen. Ameriprise selbst weist ohne kumuliertes sonstiges Ergebnis 53,0 Prozent GAAP beziehungsweise 55,0 Prozent operativ aus; um sieben Jahre Rückkäufe bereinigt bleiben rund 19 Prozent — die QARP-Hürde von 15 Prozent hält also auch ehrlich gerechnet (10-K GJ 2025, 8-K vom 23.07.2026).
Geschäftsentwicklung positiv
Die Nettoerlöse wuchsen fünf Jahre in Folge von 11.958 Mio. US-Dollar (2020) auf 18.911 Mio. (2025). Im zweiten Quartal 2026 stieg das bereinigte operative Ergebnis um 14 Prozent auf 1.028 Mio., das Beratungssegment um 16 Prozent auf 939 Mio. bei 28,9 Prozent Marge. Das verwaltete, betreute und beratene Vermögen erreichte mit 1,813 Bio. US-Dollar einen Rekord (+14 %), der Erlös je Berater mit 1,203 Mio. ebenfalls (+12 %).
Zinsabhängigkeit negativ
Rund 30 Prozent des Konzern-Vorsteuerergebnisses stammen aus der Zinsmarge auf Kundenguthaben: 455 Mio. US-Dollar Zinserträge plus 21 Mio. Gebühren minus 73 Mio. Einlagenzinsen ergeben netto 403 Mio. je Quartal gegen 1.334 Mio. Konzernergebnis. Die Erosion läuft bereits — die Zinserträge fielen um acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, obwohl die verzinsten Bankaktiva um vier Prozent wuchsen; die Zertifikate-Guthaben schrumpften um 25 Prozent auf 7.381 Mio. (8-K vom 23.07.2026).
Kapitalrückgabe positiv
Von 2007 bis 2025 flossen 29.693 Mio. US-Dollar in Aktienrückkäufe, davon 14.874 Mio. seit 2019 und 2.907 Mio. allein 2025. Die Aktienzahl fiel von 181,7 Mio. (2015) auf 89,9 Mio. (24.04.2026), also um 50,5 Prozent — anders als bei manchem Wettbewerber wirken die Rückkäufe hier voll durch. Im zweiten Quartal 2026 gingen 932 Mio. oder 91 Prozent des operativen Ergebnisses an die Aktionäre.
Bilanz & Bestandsrisiken neutral
Das Eigenkapital ist mit 6.549 Mio. US-Dollar gegen 190.904 Mio. Bilanzsumme dünn (3,4 Prozent zum 31.12.2025; 6.212 Mio. zum 31.03.2026). Im Anleihebestand standen zum 31.12.2025 Bruttoverluste von 1.269 Mio., das kumulierte sonstige Ergebnis lag bei minus 892 Mio. und zum 31.03.2026 bei minus 1.205 Mio. Aus dem Altbestand tragen 42 der rund 91,3 Mrd. US-Dollar variabler Renten Garantien; Neuverkäufe sind eingestellt, der Anteil sank von 50 auf 46 Prozent, und ein Aktienrückgang um zehn Prozent kostet nach Absicherung 510 Mio. Vorsteuerergebnis.
Bewertung positiv
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4 (Datenstand 28. Juli 2026) lässt Raum — die Filterobergrenze liegt bei 20. Die Gegenprobe stützt den Börsenwert: 89,9 Mio. Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts mal hinterlegtem Kurs ergeben rund 48,4 Mrd. US-Dollar gegen ausgewiesene 48,9 Mrd., eine Abweichung von 1,1 Prozent. Auf den Zwölfmonatsgewinn von 3.948 Mio. gerechnet ergibt sich ein Vielfaches von 12,4, auf 2025 von 13,7.

Ameriprise Financial ist ein Finanzberatungskonzern mit mehr als 10.000 eigenen Beratern, dem Vermögensverwalter Columbia Threadneedle und einem alten Renten- und Versicherungsbestand. Das Geschäft wächst verlässlich: 1,813 Billionen US-Dollar betreutes Vermögen (+14 %), fünf Jahre Erlöswachstum in Folge, 939 Millionen Vorsteuerergebnis allein im Beratungssegment. Die Eigenkapitalrendite von 66,9 Prozent — der höchste Wert im gesamten QARP-Scanner — misst allerdings überwiegend den Bilanzhebel: 1,87 Prozent Gesamtkapitalrendite mal 29,2. Ursachen sind Rückkäufe über 29,7 Milliarden US-Dollar seit 2007 und nicht realisierte Anleiheverluste. Bereinigt bleiben rund 19 Prozent, was die Filterhürde von 15 Prozent weiterhin hält. Das konkreteste Risiko sind die rund 30 Prozent des Konzerngewinns aus der Zinsmarge auf Kundenguthaben, die bereits um acht Prozent im Jahr schrumpft. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Grün wäre zu großzügig, rot wäre falsch. Für Grün spricht viel: Das Geschäftsmodell trägt sichtbar — mehr als 10.000 Berater, 1,813 Billionen US-Dollar betreutes Vermögen mit 14 Prozent Zuwachs, fünf Jahre Erlöswachstum in Folge, ein Beratungssegment mit 28,9 Prozent Marge und 16 Prozent Ergebnisplus. Es gibt keinen Bilanz- oder Governance-Bruch, keine Zweifel an der Fortführung, keine Zinsdeckungslücke; der Piotroski-F-Score liegt bei 7 von 9, und im zweiten Quartal 2026 gingen 932 Millionen US-Dollar an die Aktionäre. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: kein negatives Eigenkapital, kein Mittelabfluss aus dem operativen Geschäft, keine existenzielle Abhängigkeit von einer einzelnen Gegenpartei, wachsende statt abfließende Bankeinlagen. Offen bleibt aber eine wesentliche operative Frage, und sie ist beziffert: Rund 30 Prozent des Konzern-Vorsteuerergebnisses stammen aus der Zinsmarge auf Kundenguthaben — netto 403 Millionen US-Dollar je Quartal gegen 1.334 Millionen Konzernergebnis. Dieser Beitrag hängt an einem Zinsniveau, das das Management nicht steuert, und er erodiert bereits messbar: Die Zinserträge fielen um acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, obwohl die verzinsten Bankaktiva um vier Prozent wuchsen, und die Zertifikate-Guthaben schrumpften binnen eines Jahres um 25 Prozent auf 7.381 Millionen. Dazu kommt ein Eigenkapital von nur 6.212 Millionen gegen 190.904 Millionen Bilanzsumme, das Bewertungsschwankungen im Anleihebestand ungefiltert durchschlagen lässt — 1.269 Millionen Bruttoverluste entsprechen rund einem Fünftel des Eigenkapitals. Wie haltbar der Gewinn ohne den Zinsrückenwind ist, muss sich erst zeigen; bis dahin gilt die vorsichtigere Stufe.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Ameriprise über den QARP-Scanner „Qualität zum fairen Preis“ (Rang 34 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (Ameriprise: 7 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (66,9), EBIT-Marge mindestens 10 Prozent (Vorsteuermarge 24,4 Prozent im Jahr 2025), Verschuldungsgrad zwischen 0 und 1 (erfüllt) und ein positives KGV bis 20 (13,4). Das Fundamental-Rating liegt bei 58 Punkten (Note B), der Börsenwert bei 48,9 Milliarden US-Dollar. Wichtig für die Einordnung: Die Bedingung „Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent“ wird hier zu einem erheblichen Teil von einem Bilanzeffekt getragen — 19 Jahre Rückkäufe und ein Anleiheportfolio unter Wasser halten den Nenner klein. Auch nach Bereinigung um sieben Jahre Rückkäufe bleiben rund 19 Prozent, die Bedingung hält also; der Spitzenplatz in der Kennzahl hält nicht.
  • Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet. Die Formel wurde an Industriebetrieben geeicht; ihre Bausteine — Nettoumlaufvermögen, einbehaltene Gewinne, operatives Ergebnis und Eigenkapital gegen die Bilanzsumme — setzen eine Produktionsbilanz voraus. Bei Ameriprise besteht die Bilanzsumme von 190.904 Millionen US-Dollar ganz überwiegend aus Kapitalanlagen und Sondervermögen, die für Versicherungs- und Rentenverträge gehalten werden und wirtschaftlich den Kunden gehören; das Eigenkapital ist per Geschäftsmodell dünn. Ein daraus errechneter Wert misst die Bilanzstruktur einer Branche, nicht das Insolvenzrisiko dieses Unternehmens.
  • Börsenwert-Gegenprobe: 89,9 Millionen Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts zum 31.03.2026 (Stichtag 24.04.2026) mal dem hinterlegten Kurs ergeben rund 48,37 Milliarden US-Dollar gegenüber den ausgewiesenen 48,9 Milliarden — eine Abweichung von 1,1 Prozent und damit weit innerhalb der Toleranz. Der Börsenwert ist belastbar, ebenso die davon abgeleiteten Kennzahlen. Zur Einordnung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses: Auf den Zwölfmonatsgewinn bis 30.06.2026 von rund 3.948 Millionen US-Dollar gerechnet ergibt sich ein Vielfaches von 12,4, auf den Jahresgewinn 2025 von 3.563 Millionen eines von 13,7 — der ausgewiesene Wert von 13,4 liegt plausibel dazwischen.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 28. Juli 2026. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Ausgewertet wurden der Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 19.02.2026), der Nachtrag 10-K/A (12.03.2026), der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 07.05.2026) sowie sämtliche Meldungen danach; wesentlich davon ist die Ad-hoc-Meldung 8-K vom 23.07.2026 mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 (Item 2.02, Anlage 99.1), die in dieser Analyse durchgehend verwendet werden. Die übrigen Meldungen (Anleiheemission im Juni 2026, Personalie im Mai 2026, Beteiligungsmeldungen) waren ohne Befund für die Bewertung.

Häufige Fragen

Weil das Eigenkapital sehr klein ist, nicht weil die Ertragskraft außergewöhnlich wäre. Die Gesamtkapitalrendite lag 2025 bei 1,87 Prozent (3.563 Millionen US-Dollar Gewinn auf 190.904 Millionen Bilanzsumme). Der Bilanzhebel beträgt das 29,2-Fache. 1,87 Prozent mal 29,2 ergibt die ausgewiesenen 54,4 Prozent auf das Jahresend-Eigenkapital.

Ameriprise hat seit 2007 insgesamt 29.693 Millionen US-Dollar für eigene Aktien ausgegeben, davon 14.874 Millionen allein zwischen 2019 und 2025. Das Eigenkapital lag zum 31.03.2026 bei 6.212 Millionen — die Rückkäufe der letzten sieben Jahre entsprechen also dem 2,4-Fachen, seit 2007 dem 4,8-Fachen des heutigen Eigenkapitals.

Ameriprise selbst weist für das zweite Quartal 2026 eine Eigenkapitalrendite ohne kumuliertes sonstiges Ergebnis von 53,0 Prozent (GAAP) beziehungsweise 55,0 Prozent (bereinigt operativ) aus. Rechnet man zusätzlich sieben Jahre Rückkäufe ins Eigenkapital zurück, bleiben rund 19 Prozent; über den Zeitraum seit 2007 rund 11 Prozent. Die QARP-Hürde von 15 Prozent hält damit auch bereinigt.

Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Beratungssegment netto 403 Millionen US-Dollar aus der Zinsmarge auf Kundenguthaben — 455 Millionen Zinserträge plus 21 Millionen Gebühren minus 73 Millionen Einlagenzinsen. Das sind 43 Prozent des Segmentergebnisses und rund 30 Prozent des Konzern-Vorsteuerergebnisses. Die Zinserträge fielen bereits um acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Der Geschäftsbericht beziffert die Wirkung eines Zinsanstiegs um 100 Basispunkte auf plus 514 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis über zwölf Monate; davon entfallen 40 Millionen auf Bankeinlagen und 52 Millionen auf Brokerage-Guthaben. Ein Rückgang wirkt entsprechend umgekehrt. Die tatsächliche Erosion ist größer, weil hoch verzinste Altanlagen über Jahre auslaufen.

Von rund 91,3 Milliarden US-Dollar Vertragswert variabler Renten tragen 42 Milliarden Garantien für Leistungen zu Lebzeiten, überwiegend garantierte Mindestentnahmen. Neuverkäufe solcher Verträge sind eingestellt, der Anteil sank von 50 auf 46 Prozent. Ein Aktienkursrückgang um zehn Prozent kostet nach Absicherung insgesamt 510 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis.

Die Schwellen lauten: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher. Die Formel wurde jedoch an Industriebetrieben geeicht und misst Umlaufvermögen, einbehaltene Gewinne und operatives Ergebnis gegen die Bilanzsumme. Bei Ameriprise besteht die Bilanzsumme von 190.904 Millionen US-Dollar überwiegend aus Kapitalanlagen und Sondervermögen für Versicherungs- und Rentenverträge. Ein daraus errechneter Wert misst die Branchenstruktur, nicht das Insolvenzrisiko.

Der QARP-Scanner („Qualität zum fairen Preis“) verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7, Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent, EBIT-Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad zwischen 0 und 1 und ein positives KGV bis 20. Ameriprise erfüllt alle fünf (7 von 9; 66,9 Prozent; 24,4 Prozent Vorsteuermarge; erfüllt; 13,4) und steht auf Rang 34 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026.

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