Walmart-Aktie: 706 Milliarden Umsatz — und fast ein Viertel des Gewinns kommt gar nicht aus dem Warenverkauf
Walmart verkauft im Geschäftsjahr 2026 Ware für 706 Milliarden US-Dollar und behält davon 4,2 Prozent als Betriebsergebnis. Von diesen 29,8 Milliarden stammen 6,75 Milliarden aus Mitgliedsbeiträgen und anderen Erträgen — bei Sam's Club sogar mehr als das gesamte Segmentergebnis. Wir rechnen nach, wo der Gewinn dieses Konzerns wirklich entsteht.
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Die Popcorn-Falle
Machen wir einen Deal. Bevor wir über den größten Einzelhändler der Welt reden, gestehe ich dir einen Denkfehler, den wir beide schon gemacht haben. Du gehst ins Kino. Die Karte kostet zwölf Euro, das Popcorn mit Getränk noch einmal elf. Und wenn dich jemand fragen würde, woran das Kino verdient, würdest du wie selbstverständlich sagen: am Film.
Tut es nicht. Vom Ticketpreis wandert der größere Teil an den Verleih. Was übrig bleibt, ist schmal. Das Geld liegt in der Theke im Foyer.
Bei Walmart lautet die Schlagzeile für das Geschäftsjahr 2026: 706.413 Millionen US-Dollar Umsatz. Das ist mehr, als jedes andere Unternehmen der Welt in einem Jahr umsetzt. Davon blieben als Betriebsergebnis 29.825 Millionen übrig — 4,2 Prozent. Von jedem Dollar, den ein Kunde an der Kasse lässt, sind gut vier Cent Betriebsgewinn.
Und jetzt kommt die Theke im Foyer. Von diesen 29.825 Millionen stammen 6.750 Millionen nicht aus verkaufter Ware, sondern aus Mitgliedsbeiträgen und anderen Erträgen. Das sind 22,6 Prozent des Betriebsergebnisses — bei einem Anteil von unter einem Prozent am Umsatz.
Merke dir dieses Spannungsfeld, es zieht sich durch jedes Kapitel: Walmart verdient am Warenverkauf erstaunlich wenig — und der Teil des Gewinns, der nicht aus Ware kommt, wird immer wichtiger. Wir lesen das jetzt gemeinsam nach, Zeile für Zeile.
Inhaltsübersicht
- Was Walmart eigentlich macht — und warum das Geschäftsjahr verschoben ist
- Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
- Bewertung: Was du für diesen Händler bezahlst
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Walmart eigentlich macht — und warum das Geschäftsjahr verschoben ist
Fangen wir mit der Falle an, in die jede zweite Walmart-Auswertung tappt. Walmarts Geschäftsjahr endet am 31. Januar. Das „Geschäftsjahr 2026“ lief vom 1. Februar 2025 bis zum 31. Januar 2026 und deckt damit im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab.
Der Grund ist banal und typisch für den Handel: Nach Weihnachten und dem Januar-Ausverkauf sind die Regale leer und die Inventur ist billig. Für dich heißt das: Wenn hier „Geschäftsjahr 2026“ steht, denk „2025“. Sonst vergleichst du Walmart durchgehend ein Jahr zu früh mit anderen Firmen.
Der Konzern berichtet in drei Segmenten. Der Reihe nach, mit den Zahlen des Geschäftsjahres 2026:
- Walmart U.S.: 482.975 Millionen US-Dollar Umsatz, 68 Prozent des Konzerns. 4.611 Filialen in allen 50 Bundesstaaten, Washington D.C. und Puerto Rico. Betriebsergebnis 25.158 Millionen, Marge 5,2 Prozent.
- Walmart International: 130.423 Millionen, 19 Prozent. 5.743 Filialen in 18 Ländern — Mexiko und Mittelamerika, China, Kanada, Chile, Indien und das südliche Afrika. Betriebsergebnis 5.103 Millionen, Marge 3,9 Prozent.
- Sam's Club U.S.: 93.015 Millionen, 13 Prozent. 601 Clubs, in die man nur mit Mitgliedskarte kommt. Betriebsergebnis 2.442 Millionen, Marge 2,6 Prozent.
Was Walmart verkauft, ist weniger bunt, als die Filiale aussieht. Bei Walmart U.S. entfielen im Geschäftsjahr 2026 285.482 Millionen US-Dollar auf Lebensmittel — 59,1 Prozent des Segmentumsatzes. Bei Sam's Club sind es sogar 69,6 Prozent. Walmart ist in erster Linie ein Supermarkt, der nebenbei Fernseher verkauft, nicht umgekehrt.
Und dann ist da das, was der Konzern selbst „unser Ökosystem“ nennt: Werbung für Marken und Marktplatzhändler, Logistikdienste für fremde Verkäufer, Datenauswertungen für Lieferanten, Mitgliedschaften (Walmart+ und Sam's Club) sowie Finanzdienste. Diese Geschäfte sind winzig im Umsatz und groß im Ergebnis. Sie sind der Grund, warum dieser Artikel geschrieben wurde.
Eine Einordnung, die man leicht falsch macht: Walmart Inc. ist nicht Walmex. Walmart de México y Centroamérica ist eine mehrheitlich zum Konzern gehörende Tochter mit eigener Notierung in Mexiko-Stadt. Und wer alte Zeitreihen sucht: Bis zum 31. Januar 2018 hieß der Konzern Wal-Mart Stores Inc.
Noch eine Kleinigkeit, die viele Datenbanken noch falsch führen: Die Aktie notiert seit Ende 2025 am Nasdaq Global Select Market, nicht mehr an der New York Stock Exchange. Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 nannte noch die NYSE, der für das Geschäftsjahr 2026 die Nasdaq; die Abmeldung wurde am 8. Dezember 2025 als Form 25 eingereicht. Das Kürzel WMT blieb.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diesmal war es kein Treffer aus unseren hauseigenen Aktien-Scannern. Die filtern nach Kennzahlen — günstige Bewertung, hoher Punktwert bei der Bilanzqualität, Momentum —, und genau deshalb fallen die bekanntesten Schwergewichte systematisch durch: Sie sind selten billig. Als wir am 28. Juli 2026 nachzählten, welche der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert bei uns bereits eine Tiefenanalyse haben, standen 88 ohne. Walmart war davon der größte Handelswert, auf Rang 13 mit rund 900 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 29. Juli 2026).
Das ist eine ehrliche Auskunft über unsere eigene Methode: Ein Scanner, der nach Schnäppchen sucht, findet keine Blue Chips. Deshalb arbeiten wir die Liste jetzt von oben ab.
Bei Walmart lohnt der Blick auch deshalb, weil hier zwei Welten aufeinandertreffen, die wir schon einzeln durchleuchtet haben. Auf der einen Seite steht der Onlinehandel: Amazon hat vorgemacht, wie man mit Werbung und Marktplatzgebühren mehr verdient als mit der Ware selbst — Walmart baut dasselbe zweite Stockwerk nun auf ein Filialnetz. Auf der anderen Seite steht die Technik, die den Einkauf verändert: Wenn Software den Einkaufszettel abarbeitet, verschiebt sich, wer den Kunden überhaupt noch zu Gesicht bekommt. Wie viel Geld in diese Software fließt, haben wir bei Microsoft nachgerechnet. Walmart nennt genau diese Entwicklung inzwischen selbst als Risiko — dazu unten mehr.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Ein Konzern dieser Größe wächst normalerweise nicht mehr. Walmart schon — und zwar erstaunlich gleichmäßig. Alle Werte in Millionen US-Dollar, alle aus dem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026:
| Geschäftsjahr (endet 31.01.) | Umsatz | Rohertrag | Betriebskosten | Betriebsergebnis | Marge | Ergebnis je Aktie |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2024 (= Kalenderjahr 2023) | 642.637 | 152.495 | 130.971 | 27.012 | 4,2 % | 1,91 $ |
| 2025 (= Kalenderjahr 2024) | 674.538 | 162.785 | 139.884 | 29.348 | 4,4 % | 2,41 $ |
| 2026 (= Kalenderjahr 2025) | 706.413 | 171.018 | 147.943 | 29.825 | 4,2 % | 2,73 $ |
Drei Dinge lohnen einen zweiten Blick. Erstens: Der Umsatz stieg in zwei Jahren um 63,8 Milliarden US-Dollar. Das ist, als hätte Walmart nebenbei einen Konzern von der Größe der Deutschen Post neu gegründet. Zweitens: Die Rohertragsmarge kletterte von 23,7 auf 24,2 Prozent — im Handel sind fünf Zehntelprozentpunkte eine Menge Arbeit. Drittens: Das Ergebnis je Aktie stieg um 43 Prozent, während das Betriebsergebnis nur um 10 Prozent zulegte.
Diese Lücke ist der erste Hinweis darauf, dass die Ergebnisreihe nicht so glatt ist, wie sie aussieht. Sie hat drei Ursachen: Rückkäufe verringern die Zahl der Aktien, Beteiligungsbewertungen schwanken, und die Steuerquote wandert. Dazu gleich mehr.
Was Walmart operativ leistet, sieht man am ehesten am Geld, nicht am Gewinn. Der operative Mittelzufluss stieg von 35.726 (Geschäftsjahr 2024) über 36.443 auf 41.565 Millionen US-Dollar. Nach Sachinvestitionen von 26.642 Millionen blieben 14.923 Millionen freier Mittelzufluss. Und die Kapitalrendite, die das Unternehmen selbst ausweist, lag bei 15,1 Prozent nach 15,5 Prozent im Vorjahr.
Jetzt die Frage, um die es in diesem Artikel geht: Wo genau entsteht dieses Betriebsergebnis?
Der grüne Balken ist klein und trotzdem entscheidend. Ohne ihn läge das Betriebsergebnis bei 23.075 Millionen US-Dollar statt bei 29.825 — und die Betriebsmarge bei 3,3 statt 4,2 Prozent.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Fast ein Viertel des Betriebsgewinns ist gar keine Warenmarge
Der Posten heißt im Bericht „Membership and other income“ — Mitglieds- und sonstige Erträge. Er umfasst Mitgliedsbeiträge für Walmart+ und Sam's Club, Miet- und Pachteinnahmen, Recyclingerlöse und den Wert nie eingelöster Geschenkkarten. Was er nicht umfasst: die Marge auf verkaufte Ware.
Die Reihe: 5.488 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2024), 6.447 Millionen (2025), 6.750 Millionen (2026). Bezogen auf den Umsatz sind das jeweils nicht einmal ein Prozent. Bezogen auf das Betriebsergebnis sind es 20,3 / 22,0 / 22,6 Prozent — und der Anteil steigt jedes Jahr.
Der härteste Teil davon sind die reinen Mitgliedsbeiträge. Der Anhang des Geschäftsberichts nennt sie beim Namen:
„Membership fee revenue was $4.4 billion, $3.8 billion and $3.1 billion for fiscal 2026, 2025 and 2024, respectively.“
Übersetzung: „Die Erlöse aus Mitgliedsbeiträgen betrugen 4,4 Milliarden, 3,8 Milliarden und 3,1 Milliarden US-Dollar in den Geschäftsjahren 2026, 2025 und 2024.“
— Walmart Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Note 1
Ein Zuwachs von 3,1 auf 4,4 Milliarden US-Dollar in zwei Jahren — plus 42 Prozent. Zum Vergleich: Das Betriebsergebnis wuchs im selben Zeitraum um 10 Prozent. Und Mitgliedsbeiträge sind fast reine Marge; ein zusätzlicher Beitrag verursacht kaum zusätzliche Kosten.
Dazu kommt ein Geschäft, das im Zahlenwerk nicht als eigener Posten auftaucht, weil es je nach Vertragsgestaltung im Umsatz oder als Minderung des Wareneinsatzes verbucht wird: die Werbung. In der Einladung zur Hauptversammlung vom 23. April 2026 nennt der Verwaltungsrat als Erfolgsmaßstab des Geschäftsjahres 2026 ausdrücklich ein Wachstum des globalen Werbegeschäfts von 46 Prozent. Im Quartal bis zum 30. April 2026 waren es laut Ergebnismitteilung 37 Prozent, bei Walmart U.S. 36 Prozent.
Wie unterschiedlich die drei Segmente von diesen Nebenerlösen abhängen, zeigt der zweite Chart:
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Bei Sam's Club verdient der Warenverkauf inzwischen genau nichts
Der dritte Balken oben ist kein Rundungsfehler. Rechne die Segmenttabelle des Geschäftsberichts mit: Sam's Club U.S. erzielte im Geschäftsjahr 2026 einen Rohertrag von 10.556 Millionen US-Dollar. Die Betriebskosten des Segments lagen bei 10.639 Millionen. Macht minus 83 Millionen aus dem Warenverkauf.
Das ausgewiesene Segmentergebnis von 2.442 Millionen stammt also vollständig aus den Mitglieds- und sonstigen Erträgen von 2.525 Millionen. Zwei Jahre zuvor war das noch anders: Im Geschäftsjahr 2024 trug der Warenhandel plus 141 Millionen bei, im Geschäftsjahr 2025 plus 81 Millionen. Der Vorzeichenwechsel geht in der Meldung „Segmentergebnis leicht gestiegen“ unter.
Walmart macht daraus kein Geheimnis. Im Beschreibungsteil des Geschäftsberichts steht der Satz so klar, wie man ihn schreiben kann:
„As a membership-only club, membership income is a significant component of the segment's operating income.“
Übersetzung: „Als reiner Mitgliederclub sind die Mitgliedserlöse ein wesentlicher Bestandteil des Betriebsergebnisses dieses Segments.“
— Walmart Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1
Im jüngsten Quartalsbericht, für das Quartal bis zum 30. April 2026, wird die Rechnung noch schärfer. Sam's Club setzte 23.405 Millionen US-Dollar um, der Wareneinsatz betrug 20.731 Millionen — Rohertrag also 2.674 Millionen. Die Betriebskosten des Segments: ebenfalls 2.674 Millionen. Das Segmentergebnis von 674 Millionen entspricht auf den Dollar genau den Mitglieds- und sonstigen Erträgen desselben Quartals.
Ein Merksatz für die Modellrechnung: Bei Sam's Club ist die Ware das Argument, mit dem die Mitgliedschaft verkauft wird — verdient wird an der Mitgliedschaft. Das ist ein völlig legitimes Geschäftsmodell; Costco betreibt es seit Jahrzehnten. Man sollte es nur nicht mit dem Geschäftsmodell eines Händlers verwechseln.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Gewinnsprung 2026 kam zum guten Teil aus Wertpapierkursen
Das Konzernergebnis stieg im Geschäftsjahr 2026 von 20.157 auf 22.270 Millionen US-Dollar — ein Plus von 2.113 Millionen. Das Betriebsergebnis stieg im selben Jahr nur um 477 Millionen. Wo kommt der Rest her?
Aus einer Zeile, die unterhalb des Betriebsergebnisses steht und mit dem Handelsgeschäft nichts zu tun hat: den Bewertungsänderungen auf Beteiligungen und Wertpapiere. Der Anhang beziffert sie:
„Other gains and losses included a gain of $2.1 billion and losses of $0.8 billion and $3.0 billion for fiscal 2026, 2025, and 2024, respectively, driven primarily by fair value changes on these investments, as well as other immaterial activity.“
Übersetzung: „Die sonstigen Gewinne und Verluste umfassten einen Gewinn von 2,1 Milliarden US-Dollar sowie Verluste von 0,8 Milliarden und 3,0 Milliarden in den Geschäftsjahren 2026, 2025 und 2024 — hauptsächlich getrieben von Zeitwertänderungen dieser Beteiligungen sowie von weiteren unwesentlichen Vorgängen.“
— Walmart Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Note 7
Für die Modellrechnung heißt das: Von den 2.113 Millionen zusätzlichem Gewinn stammen rund 2.869 Millionen allein aus dem Umschwung dieses Postens — von minus 794 auf plus 2.075 Millionen. Ohne ihn wäre das Ergebnis gefallen, nicht gestiegen.
Fairerweise gehört die Gegenrichtung dazu, denn sie ist genauso ein Sonderposten: Die Betriebskosten des Geschäftsjahres 2026 enthalten 0,7 Milliarden US-Dollar nicht zahlungswirksamen Aufwand aus der Änderung aktienbasierter Vergütungszusagen bei der indischen Bezahltochter PhonePe — laut Bericht „in Erwartung eines möglichen Börsengangs“. Weil dieser Aufwand keinen Steuervorteil brachte, stieg die Konzern-Steuerquote von 23,4 auf 24,4 Prozent. Zusätzlich schlugen rund 0,9 Milliarden höhere Schadensaufwendungen aus der Eigenversicherung zu Buche.
Und noch eine Zahl aus derselben Anhangangabe, die man im Hinterkopf behalten sollte: Zum 31. Januar 2026 standen rund 3 Milliarden US-Dollar noch nicht erfasster Vergütungsaufwand aus Plänen von Tochtergesellschaften in den Büchern, teilweise gekoppelt an einen Börsengang. Fällt er an, fällt er in einer einzigen Berichtsperiode an.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Walmart nennt erstmals selbst die Software als Frequenzrisiko
Jetzt wird es interessant. Wir haben den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 gegen den des Vorjahres gelegt und nach einem einzigen Wort gesucht: agentic — also nach Software, die selbstständig einkauft. Im Bericht für das Geschäftsjahr 2025 kommt es kein einziges Mal vor. Im Bericht für das Geschäftsjahr 2026 fünfmal.
Der wichtigste dieser Sätze steht im Risikoteil und benennt einen sehr konkreten Mechanismus:
„In addition, a greater concentration of eCommerce sales, including increasing online grocery sales and the increasing role of AI-enabled platforms in product search, discovery, advertising and purchasing, could result in a reduction in the amount of traffic in our stores and clubs, which would, in turn, reduce the opportunities for cross-store or cross-club sales of merchandise that such traffic creates and could reduce our sales within our stores and clubs and materially adversely affect our financial performance.“
Übersetzung: „Darüber hinaus könnte eine stärkere Konzentration der Umsätze im Onlinehandel — einschließlich steigender Online-Lebensmittelverkäufe und der wachsenden Rolle KI-gestützter Plattformen bei Produktsuche, Produktentdeckung, Werbung und Kauf — zu einem Rückgang der Kundenfrequenz in unseren Filialen und Clubs führen, was wiederum die Gelegenheiten für filial- und clubübergreifende Warenverkäufe verringern würde, die diese Frequenz schafft, und unsere Umsätze in Filialen und Clubs senken sowie unsere Ertragslage wesentlich beeinträchtigen könnte.“
— Walmart Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A (Risikofaktoren)
Der Punkt ist feiner, als es zunächst klingt. Walmart hat keine Angst davor, online zu verkaufen — der Onlineumsatz stieg im Geschäftsjahr 2026 global um 24 Prozent auf über 150 Milliarden US-Dollar, bei Walmart U.S. auf 99,6 Milliarden. Die Sorge gilt dem Zusatzverkauf: Wer für Milch in die Filiale fährt, nimmt Waschmittel und ein T-Shirt mit. Wer die Milch von einer Software bestellen lässt, nimmt nichts mit.
An derselben Stelle listet der Bericht „aufkommende agentische Einkaufswerkzeuge und Plattformen“ ausdrücklich unter den Wettbewerbern auf und warnt, eine „schnellere Entwicklung von KI-Fähigkeiten und agentischen Werkzeugen durch diese Wettbewerber“ könne den Wettbewerbsdruck erhöhen. Für einen Konzern mit 4.611 US-Filialen und einer Verkaufsfläche von 1.057 Millionen Quadratfuß ist das ein Satz mit Gewicht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Ausschüttung war erstmals größer als der freie Mittelzufluss
Walmart zahlt seit über fünfzig Jahren Dividende und erhöht sie jedes Jahr. Für das Geschäftsjahr 2026 waren es 0,94 US-Dollar je Aktie, für das laufende Geschäftsjahr 2027 wurden 0,99 US-Dollar beschlossen. Nichts daran ist auffällig.
Auffällig ist die Summe daneben. Im Geschäftsjahr 2026 zahlte Walmart 7.507 Millionen US-Dollar Dividende und kaufte für 8.088 Millionen eigene Aktien zurück — zusammen 15.595 Millionen. Der freie Mittelzufluss desselben Jahres betrug 14.923 Millionen. Zum Vergleich die beiden Vorjahre:
| Geschäftsjahr | Freier Mittelzufluss | Dividende | Aktienrückkäufe | Deckung |
|---|---|---|---|---|
| 2024 | 15.120 | 6.140 | 2.779 | +6.201 |
| 2025 | 12.660 | 6.688 | 4.494 | +1.478 |
| 2026 | 14.923 | 7.507 | 8.088 | −672 |
Alle Werte in Millionen US-Dollar. Die Lücke von 672 Millionen ist für einen Konzern dieser Größe keine Notlage — Walmart nahm im selben Jahr netto neue Schulden auf und im April 2026 weitere 4,25 Milliarden US-Dollar am Anleihemarkt. Sie zeigt aber, dass die Rückkäufe inzwischen aus der Substanz mitfinanziert werden, nicht mehr allein aus dem laufenden Geschäft. Und sie erklärt, warum die Zahl der Aktien schneller sinkt als früher: 85,0 Millionen Stück im Geschäftsjahr 2026 nach 61,9 und 54,6 Millionen in den Vorjahren, zu einem Durchschnittspreis von 95,13 US-Dollar.
Bewertung: Was du für diesen Händler bezahlst
Hier wird es unbequem, und zwar in eine Richtung, die nichts mit der Qualität des Unternehmens zu tun hat. Zum Datenstand 29. Juli 2026 kostete Walmart rund 900 Milliarden US-Dollar. Bezogen auf den ausgewiesenen Gewinn ergibt das ein nachlaufendes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 39, erwartet rund 38. Der Kurs entspricht dem 9,2-Fachen des Buchwerts.
Zur Einordnung: Das sind Vielfache, die man bei Software- und Wachstumswerten sieht. Walmart wächst um 4 bis 5 Prozent im Jahr und verdient 4,2 Prozent Betriebsmarge. Ein Händler mit dieser Marge wurde historisch mit einem KGV zwischen 15 und 25 bewertet.
Zwei Kennzahlen sehen dagegen harmlos aus und sind es nicht. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,23 wirkt niedrig — bei einem Geschäft mit 4 Prozent Marge ist der Umsatz aber die falsche Bezugsgröße; ein Softwarehaus mit 30 Prozent Marge und demselben Verhältnis wäre etwas völlig anderes. Und die Eigenkapitalrendite von rund 24 Prozent klingt glänzend, entsteht aber zu einem guten Teil daraus, dass Walmart durch Rückkäufe wenig Eigenkapital in der Bilanz stehen lässt.
Der Analystenkonsens lag zum selben Datenstand bei einem mittleren Kursziel von rund 138 US-Dollar. Das ist der Blick der Profis, kein Naturgesetz — und er unterstellt, dass die margenstarken Nebengeschäfte weiter so wachsen wie zuletzt.
Das Unternehmen selbst hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 am 21. Mai 2026 bestätigt: währungsbereinigt 3,5 bis 4,5 Prozent mehr Umsatz, gemessen an 706,4 Milliarden US-Dollar Umsatz, 31,0 Milliarden bereinigtem Betriebsergebnis und 2,64 US-Dollar bereinigtem Ergebnis je Aktie im Vorjahr. Für das zweite Quartal nannte Walmart 4,0 bis 5,0 Prozent Umsatzwachstum und 0,72 bis 0,74 US-Dollar bereinigtes Ergebnis je Aktie.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Die Nebengeschäfte wachsen zweistellig. Mitgliedsbeiträge von 3,1 auf 4,4 Milliarden US-Dollar in zwei Jahren, globales Werbegeschäft im Geschäftsjahr 2026 plus 46 Prozent, im Quartal bis 30. April 2026 plus 37 Prozent. Diese Erlöse sind margenstark und binden Kunden.
- Lebensmittel als Anker. 59,1 Prozent des US-Umsatzes sind Lebensmittel — der Teil des Handels, der in Abschwüngen am wenigsten leidet und Kunden regelmäßig in die Filiale bringt.
- Der Onlinehandel läuft. Global über 150 Milliarden US-Dollar bei plus 24 Prozent im Geschäftsjahr 2026, plus 26 Prozent im Quartal bis 30. April 2026; getragen von Abholung und Lieferung aus der Filiale — also mit vorhandenen Anlagen.
- Bilanz und Mittelzufluss sind solide. 41.565 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss, 99.617 Millionen Eigenkapital, 34.624 Millionen langfristige Schulden zum 31. Januar 2026; das Betriebsergebnis deckt die Zinszahlungen mehr als zehnfach.
- Preisführerschaft in einem angespannten Umfeld. Die Vergleichsumsätze bei Walmart U.S. stiegen 4,3 Prozent (Geschäftsjahr 2026) und 4,1 Prozent (Quartal bis 30. April 2026), getragen von mehr Kundenbesuchen statt nur von höheren Preisen.
- Rückkäufe mit Rückenwind. Neue Ermächtigung über 30.000 Millionen US-Dollar seit Februar 2026, davon 28,2 Milliarden offen.
Risiken
- Die Warenmarge ist hauchdünn. 3,3 Prozent vom Umsatz ohne die Nebenerlöse. Ein Prozentpunkt mehr Wareneinsatz oder Lohnkosten frisst rund ein Viertel des Betriebsergebnisses.
- Abhängigkeit von Nebenerlösen. 22,6 Prozent des Betriebsergebnisses im Konzern, 103,4 Prozent bei Sam's Club. Werbebudgets und Mitgliedschaften sind konjunkturempfindlicher als Lebensmittel.
- Ergebnisqualität. Der Umschwung bei den Beteiligungsbewertungen von minus 794 auf plus 2.075 Millionen US-Dollar trug mehr zum Gewinnzuwachs bei als das operative Geschäft.
- Kanalverschiebung durch Software. Der eigene Geschäftsbericht nennt KI-gestützte Plattformen und agentische Einkaufswerkzeuge erstmals als Risiko für die Filialfrequenz und die daraus entstehenden Zusatzverkäufe.
- Vorräte wachsen schneller als der Umsatz. Zum 30. April 2026 lagen sie bei 62.570 Millionen US-Dollar, 8,9 Prozent über dem Vorjahr, bei 7,3 Prozent Erlöswachstum; bei Sam's Club plus 14,9 Prozent.
- Ausschüttung über dem freien Mittelzufluss. Dividende und Rückkäufe summierten sich im Geschäftsjahr 2026 auf 15.595 Millionen US-Dollar bei 14.923 Millionen freiem Mittelzufluss.
- Offene Rechtsstreitigkeiten ohne Rückstellung. Die nicht vom Opioid-Vergleich erfassten Verfahren sind nicht zurückgestellt; die Neuauflage des Prozesses Florida Health Sciences Center beginnt am 27. August 2026, die Klage des US-Justizministeriums ist für November 2027 terminiert.
- Kontrollierender Aktionär. Walton Enterprises hielt zum 10. April 2026 44,11 Prozent der Stimmen. Bei Interessenkonflikten entscheidet faktisch die Familie.
- Bewertung. Rund 39-faches nachlaufendes KGV und 9,2-facher Buchwert lassen wenig Spielraum für Enttäuschungen.
Ein menschliches Fazit
Zurück ins Kino. Der Film ist gut, die Karte ist knapp kalkuliert, und das Geld liegt an der Theke. So funktioniert Walmart im Geschäftsjahr 2026: 706 Milliarden US-Dollar Umsatz, 4,2 Prozent Marge — und fast ein Viertel des Betriebsergebnisses aus Mitgliedschaften, Werbung, Mieten und Gebühren.
Das ist kein Vorwurf, sondern ein Kompliment an die Kaufleute. Wer 285 Milliarden US-Dollar Lebensmittel im Jahr bewegt, hat sich das Recht verdient, an der Aufmerksamkeit dieser Kunden ein zweites Mal zu verdienen. Und Walmart benennt es selbst: „Wachstum in margenstärkeren Bereichen, etwa digitaler Werbung“ steht als erklärtes Ziel im eigenen Geschäftsbericht.
Was gleichzeitig gilt: Bei Sam's Club trägt der Warenverkauf inzwischen ein Minus. Der Gewinnsprung des Geschäftsjahres 2026 kam zum größeren Teil aus einer Zeile unterhalb des Betriebsergebnisses. Dividende und Rückkäufe lagen erstmals über dem freien Mittelzufluss. Und im Risikoteil steht seit diesem Jahr ein Satz, den es vorher nicht gab — über Software, die einkauft, ohne dass jemand an der Süßwarentheke vorbeigeht.
Beides steht in denselben Berichten, unterschrieben von denselben Leuten. Es gibt keine geheime Version. Es gibt nur die Frage, welchen Teil des Geschäfts du für den Kern hältst — den Warenverkauf oder die Theke im Foyer.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Walmart Inc., SEC-Geschäftsbericht (Form 10-K) für das Geschäftsjahr 2026, Stichtag 31. Januar 2026, eingereicht am 13. März 2026 (CIK 0000104169)
- Walmart Inc., SEC-Quartalsbericht (Form 10-Q) zum 30. April 2026, eingereicht am 29. Mai 2026
- Walmart Inc., Ergebnismitteilung zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (Form 8-K, Item 2.02, Anlage 99.1) vom 21. Mai 2026
- Walmart Inc., Einladung zur Hauptversammlung (Form DEF 14A) vom 23. April 2026 — Anteilsbesitz der Gründerfamilie, Vorstandswechsel
- Walmart Inc., SEC-Geschäftsbericht (Form 10-K) für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 14. März 2025 — Vergleichsgrundlage für den Risikoteil und den Börsenplatz
- SEC-EDGAR-Einreichungsübersicht Walmart Inc. (CIK 0000104169) — Prüfung aller Einreichungen ab dem 13. März 2026
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Analystenkonsens), Datenstand 29. Juli 2026
Diese Analyse ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust. Alle Zahlen stammen aus den oben genannten Originalquellen und tragen den dort angegebenen Stichtag; sie können sich seither geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Walmart Inc.
Unser Fazit auf einen Blick
- Marktstellung und Geschäftsmodell positiv
- Der größte Einzelhändler der Welt: 706.413 Mio. US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2026, 10.955 Standorte in 19 Ländern, rund 2,1 Millionen Beschäftigte. Alle drei Segmente wachsen und verdienen Geld; die Vergleichsumsätze bei Walmart U.S. stiegen 4,3 Prozent nach 4,8 Prozent im Vorjahr, der Onlineumsatz global auf über 150 Mrd. US-Dollar (10-K Geschäftsjahr 2026, DEF 14A vom 23.04.2026).
- Ertragsstruktur neutral
- Vom Betriebsergebnis 2026 über 29.825 Mio. US-Dollar stammen 6.750 Mio. — 22,6 Prozent — aus Mitglieds- und sonstigen Erträgen. Bei Sam's Club sind es 103,4 Prozent, der Warenhandel trug dort minus 83 Mio. bei. Das ist kaufmännisch klug und margenstark, macht das Ergebnis aber abhängig von Mitgliederzahlen, Werbebudgets und Marktplatzgebühren statt vom Warenverkauf (10-K Geschäftsjahr 2026, Segmentangaben).
- Ergebnisqualität negativ
- Im Konzernergebnis von 22.270 Mio. US-Dollar steckt ein Bewertungsgewinn auf Beteiligungen von 2.075 Mio., während die Vorjahre Verluste von 794 bzw. 3.027 Mio. trugen. Diese Schwankung von 2,9 Mrd. binnen eines Jahres hat mit dem Handelsgeschäft nichts zu tun. Gegenläufig belasteten 0,7 Mrd. nicht zahlungswirksamer PhonePe-Aufwand und 0,9 Mrd. höhere Schadensaufwendungen aus Eigenversicherung (10-K Geschäftsjahr 2026, Note 7 und Item 7).
- Bilanz und Kapitaldisziplin neutral
- Die Bilanz ist solide: 99.617 Mio. US-Dollar Eigenkapital, 34.624 Mio. langfristige Schulden, 41.565 Mio. operativer Mittelzufluss zum 31.01.2026. Aber im Geschäftsjahr 2026 überstiegen Dividende (7.507 Mio.) und Rückkäufe (8.088 Mio.) mit zusammen 15.595 Mio. erstmals in drei Jahren den freien Mittelzufluss von 14.923 Mio.; die Investitionen stiegen auf 26.642 Mio. (10-K Geschäftsjahr 2026, Kapitalflussrechnung).
- Wettbewerb und Kanalverschiebung negativ
- Der Geschäftsbericht 2026 nennt erstmals KI-gestützte Such- und Kaufplattformen sowie „agentische“ Einkaufswerkzeuge als Risiko für die Kundenfrequenz in Filialen und Clubs — und damit für die Zusatzverkäufe, die diese Frequenz erzeugt. Im Vorjahresbericht kam das Wort „agentic“ nicht vor. Wer 4.611 US-Filialen betreibt, hat bei einer Verlagerung ins Netz mehr zu verlieren als ein reiner Onlinehändler (10-K Geschäftsjahr 2026, Item 1A).
- Eigentümerstruktur und Führung neutral
- Walton Enterprises hielt zum 10.04.2026 44,11 Prozent der Stimmen — faktisch eine kontrollierende Beteiligung, auch wenn der Verwaltungsrat mehrheitlich unabhängig besetzt ist. Zum Februar 2026 löste John Furner den seit 2014 amtierenden Doug McMillon als Vorstandsvorsitzenden ab; Furner ist der sechste Chef der Firmengeschichte und war zuvor Leiter von Walmart U.S. (DEF 14A vom 23.04.2026).
Walmart ist der größte Einzelhändler der Welt und arbeitet mit einer bemerkenswert stabilen Betriebsmarge von 4,2 bis 4,4 Prozent: 706.413 Mio. US-Dollar Umsatz, 29.825 Mio. Betriebsergebnis und 41.565 Mio. operativer Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2026. Bemerkenswert ist, woher der Gewinn kommt: 22,6 Prozent des Betriebsergebnisses stammen aus Mitglieds- und sonstigen Erträgen, bei Sam's Club sogar 103,4 Prozent. Dazu kommen ein Bewertungsgewinn von 2.075 Mio. auf Beteiligungen, eine Ausschüttung über dem freien Mittelzufluss und ein Geschäftsbericht, der erstmals agentische Einkaufswerkzeuge als Frequenzrisiko nennt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Die Substanz ist belegt und nicht knapp: 99.617 Mio. US-Dollar Eigenkapital gegen 34.624 Mio. langfristige Schulden, 41.565 Mio. operativer Mittelzufluss, 14.923 Mio. freier Mittelzufluss und ein Betriebsergebnis, das die Zinszahlungen von 2.793 Mio. US-Dollar mehr als zehnfach deckt. Die Betriebsmarge liegt seit drei Jahren zwischen 4,2 und 4,4 Prozent, das Betriebsergebnis stieg in jedem dieser Jahre, alle drei Segmente verdienen Geld, und der Lebensmittelanteil von 59,1 Prozent bei Walmart U.S. ist der konjunkturunempfindlichste Teil des Einzelhandels. Von Going Concern, Überschuldung, Bilanz- oder Governance-Bruch ist hier nichts zu sehen — deshalb grün. Das heißt ausdrücklich nicht, dass hier alles glatt läuft: Fast ein Viertel des Betriebsergebnisses stammt nicht aus dem Warenverkauf, bei Sam's Club trägt der Warenhandel inzwischen ein Minus, Dividende und Rückkäufe lagen erstmals über dem freien Mittelzufluss, und der eigene Geschäftsbericht nennt agentische Einkaufswerkzeuge als Frequenzrisiko. Dazu ist die Aktie mit einem nachlaufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 39 und dem 9,2-Fachen des Buchwerts ausgesprochen teuer für einen Händler mit 4,2 Prozent Marge — das ist ein Preisargument, es bestimmt diese Ampel nicht. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Rangliste der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert (Stand 28.07.2026); Walmart stand auf Rang 13 und hatte noch keine Analyse.
- Geschäftsjahr: Walmarts Geschäftsjahr endet am 31. Januar. Das Geschäftsjahr 2026 lief vom 01.02.2025 bis 31.01.2026 und deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Alle Jahresangaben in dieser Analyse folgen dieser Zählung.
- Datenstand: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (eingereicht 13.03.2026), Quartalszahlen aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 30.04.2026 (eingereicht 29.05.2026) und der Ergebnismitteilung 8-K vom 21.05.2026 (Item 2.02, Anlage 99.1). Alle Einreichungen ab dem 13.03.2026 wurden durchgesehen. Bewertungskennzahlen mit Datenstand 29.07.2026.
- Sondereffekt-Hinweis: Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2026 enthält 2.075 Mio. US-Dollar Bewertungsgewinn auf Beteiligungen und wird durch 0,7 Mrd. nicht zahlungswirksamen PhonePe-Aufwand belastet. Weder der eine noch der andere Posten taugt zur Fortschreibung; deshalb stehen die Geschäftsjahre 2024 bis 2026 vollständig im Artikel.
- Börsenplatz: Die Aktie notiert am Nasdaq Global Select Market. Ältere Quellen und Datenbanken führen noch die New York Stock Exchange — der Wechsel wurde am 08.12.2025 als Form 25 eingereicht.
- Verwechslungsgefahr: Walmart Inc. (WMT) ist nicht Walmart de México y Centroamérica (Walmex), die mehrheitlich zum Konzern gehörende, in Mexiko-Stadt eigenständig notierte Tochter. Ältere Zeitreihen laufen unter „Wal-Mart Stores Inc.“.
- Analysen sind evergreen; ein Tageskurs ist kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Walmarts Geschäftsjahr endet am 31. Januar. Das Geschäftsjahr 2026 lief vom 1. Februar 2025 bis zum 31. Januar 2026 und deckt damit im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Wer die Umsatzzahl von 706.413 Millionen US-Dollar aus dem „Geschäftsjahr 2026“ mit dem Kalenderjahr 2026 anderer Firmen vergleicht, vergleicht ein Jahr zu spät. Das laufende Geschäftsjahr 2027 endet am 31. Januar 2027.
Mit drei Segmenten. Im Geschäftsjahr 2026 setzte Walmart U.S. 482.975 Millionen US-Dollar um (68 Prozent des Konzerns), Walmart International 130.423 Millionen (19 Prozent) und Sam's Club U.S. 93.015 Millionen (13 Prozent). Der größte Einzelposten sind Lebensmittel: Sie machten bei Walmart U.S. 285.482 Millionen aus, also 59,1 Prozent des Segmentumsatzes. Dazu kommen Werbung, Marktplatzgebühren, Mitgliedschaften und Datendienste.
Die Rohertragsmarge lag im Geschäftsjahr 2026 bei 24,2 Prozent, die Betriebsmarge bei 4,2 Prozent — 29.825 von 706.413 Millionen US-Dollar. Von diesem Betriebsergebnis stammen 6.750 Millionen aus Mitglieds- und sonstigen Erträgen, die keine Warenmarge sind. Rechnet man sie heraus, bleiben aus dem reinen Warenhandel 23.075 Millionen oder 3,3 Prozent vom Umsatz.
Laut Einladung zur Hauptversammlung vom 23. April 2026 hielt Walton Enterprises, LLC zum 10. April 2026 insgesamt 3.516.197.849 Aktien und damit 44,11 Prozent des Grundkapitals. Darin enthalten sind 513.524.456 Aktien des Walton Family Holdings Trust, über die Walton Enterprises aufgrund einer unwiderruflichen Vollmacht das Stimmrecht ausübt. Zwei Mitglieder der Familie sitzen im Verwaltungsrat.
Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 nannte noch die New York Stock Exchange, der Bericht für das Geschäftsjahr 2026 den Nasdaq Global Select Market. Die Abmeldung von der bisherigen Notierung wurde am 8. Dezember 2025 als Form 25 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das Kürzel WMT blieb unverändert; auch neun Anleihen von Walmart notieren seither an der Nasdaq.
In der Ergebnismitteilung vom 21. Mai 2026 bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose: währungsbereinigt 3,5 bis 4,5 Prozent Umsatzwachstum, gemessen an 706,4 Milliarden US-Dollar Umsatz, 31,0 Milliarden bereinigtem Betriebsergebnis und 2,64 US-Dollar bereinigtem Ergebnis je Aktie im Geschäftsjahr 2026. Für das zweite Quartal nannte Walmart 4,0 bis 5,0 Prozent Umsatzwachstum und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,72 bis 0,74 US-Dollar.
Gemessen am Gewinn ja. Zum Datenstand 29. Juli 2026 lag das nachlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 39,4 und das erwartete bei rund 37,6, der Kurs beim 9,2-Fachen des Buchwerts. Das ist ein Vielfaches, das man sonst bei Wachstumswerten sieht, nicht bei einem Händler mit 4,2 Prozent Betriebsmarge. Zugleich ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis mit rund 1,23 niedrig — bei diesem Geschäftsmodell sagt es allerdings wenig aus.
Der Opioid-Vergleich über rund 3,3 Milliarden US-Dollar war zum 31. Januar 2025 vollständig bezahlt. Für die nicht erfassten Verfahren besteht keine Rückstellung; die Neuauflage des Prozesses Florida Health Sciences Center beginnt am 27. August 2026, die Zivilklage des US-Justizministeriums ist für November 2027 terminiert. Dazu laufen die Asda-Klagen von rund 73.000 Beschäftigten in Großbritannien, deren dritte Phase am 23. November 2026 beginnt.
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