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Silvercorp verdient so viel wie nie — und meldet trotzdem ein Minus, weil die eigene Aktie gestiegen ist

Silvercorp verdient so viel wie nie — und meldet trotzdem ein Minus, weil die eigene Aktie gestiegen ist

Im Geschäftsjahr 2026 holte Silvercorp Metals 438,1 Millionen US-Dollar Umsatz aus zwei Bergwerken in China, so viel wie noch nie. Aus dem Minenbetrieb blieben 253,7 Millionen hängen — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Unter dem Strich steht für die Aktionäre trotzdem ein Verlust von 9,9 Millionen. Schuld ist kein Bergwerk, sondern eine Wandelanleihe: 178,5 Millionen Bewertungsbelastung, weil der eigene Aktienkurs von 3,87 auf 10,06 US-Dollar kletterte und das Wandlungsrecht der Gläubiger dadurch wertvoller wurde. Kein einziger Dollar davon hat das Haus verlassen. Wenige Wochen vor dem Jahresende stieg ein Londoner Hedgefonds mit 16,1 Millionen Aktien neu ein. Am Ende steht kein Rat, sondern eine Frage: Wie viel von dem, was aus dem Berg kommt, landet am Ende wirklich bei dir?

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
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Silvercorp verdient so viel wie nie — und meldet trotzdem ein Minus, weil die eigene Aktie gestiegen ist
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (40-F/6-K)

Chart

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Es gibt einen Denkfehler, den fast jeder Anleger begeht, und er hat nichts mit Gier zu tun, sondern mit Bequemlichkeit — nennen wir ihn die Unterm-Strich-Falle. Sie funktioniert so: Eine Gewinn- und Verlustrechnung ist lang, unübersichtlich und voller Fachbegriffe. Also springt das Auge nach unten, auf die letzte Zeile. Steht dort ein Plus, war das Jahr gut. Steht dort ein Minus, war es schlecht. Fertig. Bei Silvercorp Metals Inc. (NYSE American: SVM; Toronto: SVM) führt dieser Reflex im Geschäftsjahr 2026 in beide Richtungen in die Irre — und deshalb lohnt sich der Umweg. Machen wir einen Deal: Wir lesen die Zeilen darüber. Nicht die Schlagzeilen, nicht die Pressemitteilung, sondern das, was der Konzern der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht auf Formular 40-F für das Geschäftsjahr 2026, eingereicht am 30. Juni 2026, samt geprüftem Konzernabschluss und Lagebericht. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt vom besten Betriebsjahr der Firmengeschichte, von einem Verlust, der entstand, weil die eigene Aktie stieg, von zwei Bergwerken in einem einzigen Land — und von einem Federstrich im März, der eine Barschuld in Aktien verwandelt hat. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Was Silvercorp eigentlich macht — zwei Bergwerke in China und eine Baustelle in den Anden

Silvercorp ist kein Explorer, der Löcher bohrt und auf Investoren hofft, sondern ein laufender Produzent: Der Konzern holt seit Jahren Erz aus dem Berg, mahlt es, trennt die Metalle und verkauft Konzentrate an Schmelzhütten. Der Sitz ist Vancouver, die Notierung liegt in New York und Toronto — aber die gesamte laufende Förderung liegt in China. Zwei Betriebe tragen das Geschäft: der Ying Mining District in der Provinz Henan, ein Verbund mehrerer Untertagebergwerke, der im Geschäftsjahr 2026 für 399,2 der 438,1 Millionen US-Dollar Umsatz stand, und die kleinere GC Mine in Guangdong mit 38,9 Millionen. Zusammen wurden 1.475.512 Tonnen Erz verarbeitet und daraus rund 6,8 Millionen Unzen Silber, 8.723 Unzen Gold, 60,4 Millionen Pfund Blei und 21,7 Millionen Pfund Zink gewonnen.

Jetzt der Punkt, den man verstanden haben muss, um die Kostenzahlen dieser Firma zu lesen. Silber kommt hier nie allein aus dem Fels — es steckt in Erz, das auch Blei, Zink und ein wenig Gold enthält. Diese Nebenmetalle werden mitverkauft, und ihr Erlös wird von den Kosten des Silbers abgezogen. Man nennt das Nebenprodukt-Gutschriften. Im Alltagsbild: Ein Bäcker verkauft Brötchen und Kaffee. Wenn der Kaffee die komplette Ladenmiete trägt, kosten die Brötchen rechnerisch nichts mehr. Genau das steht im Bericht — die Barkosten je Unze Silber lagen im Geschäftsjahr 2026 bei minus 0,94 US-Dollar, nach minus 0,54 im Vorjahr. Ein negativer Wert bedeutet: Blei, Zink und Gold haben die gesamte Förderung bezahlt, und es blieb sogar etwas übrig. Rechnet man alle Erhaltungsinvestitionen und Steuern dazu, kommt man auf die aussagekräftigere Kennzahl AISC von 14,25 US-Dollar je Unze (Vorjahr 12,12) — bei einem im Geschäftsjahr 2026 erzielten Silberpreis von 46,44 US-Dollar je Unze. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt die Marge dieser Firma.

Dazu kommt seit zwei Jahren ein zweites Bein. Mit der Übernahme von Adventus Mining am 31. Juli 2024 kaufte Silvercorp das Kupfer-Gold-Projekt El Domo und das Goldprojekt Condor in Ecuador; El Domo soll im Juli 2027 in Betrieb gehen und kostet nach aktueller Schätzung 283,6 Millionen US-Dollar. Am 27. Januar 2026 kam für 92 Millionen US-Dollar bar der Goldkomplex Chaarat ZAAV in der Kirgisischen Republik dazu, verbunden mit bedingten Zahlungen von bis zu 70 Millionen — davon wurden am 13. Mai 2026 bereits 60 Millionen fällig, als die Regierung die Bergbaulizenz bis zum 25. Juli 2062 verlängerte. Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse gesetzt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Der Bergbau von Silvercorp arbeitet so gut wie nie zuvor — aber zwischen dem Erz und dem Aktionär stehen inzwischen so viele andere Anspruchsberechtigte, dass unter dem Strich zuletzt nichts mehr ankam.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Diese Analyse beginnt nicht mit einem Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern mit einem Formular. Am 8. Mai 2026 reichte Helikon Investments Ltd aus London bei der SEC ihr Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein (Aktenzeichen 0001839497-26-000002). Ein 13F ist die Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter: Wer mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-gelisteten Aktien verwaltet, muss vierteljährlich offenlegen, was er hält. In Helikons Tabelle stehen 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar — und darin, neu und vorher nicht vorhanden, 16.115.414 Silvercorp-Aktien im Wert von 173.079.547 US-Dollar. Zu den drei vorangegangenen Stichtagen (30. Juni, 30. September und 31. Dezember 2025) meldete derselbe Fonds jeweils null Stück.

Zwei Zahlen machen diesen Einstieg bemerkenswert. Erstens die Größe im Depot: Mit 6,5 Prozent Gewicht ist Silvercorp die fünftgrößte Position eines Portfolios, das zu gut der Hälfte aus Gold- und Silberminen besteht — Skeena Resources, Allied Gold, Collective Mining, Solaris Resources, New Pacific Metals, Highlander Silver. Zweitens die Größe in der Firma: 16.115.414 Aktien sind rund 7,3 Prozent aller 220.910.911 Aktien, die zum 31. März 2026 ausstanden. Das ist kein Testkauf, das ist eine Ansage. Im selben Quartal stieg der Fonds übrigens auch bei sechs anderen Titeln neu ein und verkaufte sechs Positionen komplett — ein Umbau-Quartal, kein Nachlegen im Bestand.

Und jetzt die Grenze, die zu jedem 13F gehört, damit aus einer Pflichtmeldung keine Legende wird: Ein 13F zeigt ausschließlich US-gelistete Long-Positionen, gemeldet mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne Derivate und ohne alles, was außerhalb der USA notiert. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Bei Silvercorp wird das besonders greifbar: Der Stichtag ist der 31. März 2026 — also genau der letzte Tag des Geschäftsjahres, dessen Zahlen erst drei Monate später veröffentlicht wurden. Was der Fonds zwischen Stichtag und heute getan hat, sagt das Formular nicht. Es sagt nur, was am Quartalsende im Depot lag.

Ein Wort zum Scanner, weil es zur Ehrlichkeit gehört. Silvercorp taucht in unseren Filtern mit einem gemischten Bild auf, Datenstand 24. Juli 2026: Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, steht bei 5 von 9 — Mittelfeld; eine kerngesunde Firma liegt bei 8 oder 9, und der Punktabzug kommt vor allem daher, dass das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr eingebrochen ist. Der Altman-Z-Wert von 4,87 misst die Insolvenzferne; alles über 3 gilt als sicher, 4,87 ist komfortabel. Die Eigenkapitalquote von 64,3 Prozent bestätigt das aus der Bilanz. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich schlicht nicht bilden, weil für die Aktionäre kein Gewinn ausgewiesen wurde, sondern ein Verlust — das ist keine Datenlücke, das ist das Thema dieses Artikels. Ein Momentum- oder Tiefstwert-Filter hätte diese Aktie also nicht nach vorne gespült. Genau das ist die Lücke, die ein Formular manchmal füllt.

Warum es von Silvercorp keinen Quartalsbericht gibt — und was das Geschäftsjahr damit zu tun hat

Bevor wir in die Zahlen gehen, zwei Eigenheiten, die man kennen muss, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Erstens: Von Silvercorp gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Der Konzern ist ein kanadisches Unternehmen und nutzt das grenzüberschreitende Verfahren zwischen Kanada und den USA. Sein Jahresbericht heißt Formular 40-F und besteht im Kern aus den kanadischen Originaldokumenten: dem Annual Information Form, dem Lagebericht (MD&A) und dem geprüften Konzernabschluss. Zwischenzahlen erscheinen nur als Anhang zu einem Formular 6-K — ungeprüft, ohne den Detailgrad eines US-Quartalsberichts. Wer Silvercorp kauft, kauft mit: Neun Monate im Jahr weißt du weniger, als du bei einem US-Wettbewerber wüsstest.

Zweitens rechnet Silvercorp nach anderen Regeln — und sagt das auf der ersten Seite des 40-F selbst:

„Silvercorp’s Audited Consolidated Financial Statements included in this Annual Report on Form 40-F have been prepared in accordance with IFRS® Accounting Standards as issued by the International Accounting Standards Board. Therefore, they are not comparable in all respects to financial statements of United States companies that are prepared in accordance with United States generally accepted accounting principles.“

Übersetzung: „Der in diesem Jahresbericht auf Formular 40-F enthaltene geprüfte Konzernabschluss von Silvercorp wurde nach den IFRS-Rechnungslegungsstandards des International Accounting Standards Board aufgestellt. Er ist deshalb nicht in jeder Hinsicht mit Abschlüssen von US-Unternehmen vergleichbar, die nach den allgemein anerkannten US-Rechnungslegungsgrundsätzen erstellt werden.“

— Silvercorp Metals Inc., SEC-Jahresbericht 40-F für das Geschäftsjahr 2026, Abschnitt „Principal Documents“

Gelb markierter Absatz auf der Titelseite des Silvercorp-Jahresberichts 40-F für das Geschäftsjahr 2026: Der geprüfte Konzernabschluss wurde nach IFRS aufgestellt und ist deshalb nicht in jeder Hinsicht mit Abschlüssen von US-Unternehmen nach US-GAAP vergleichbar.
Die markierte Stelle im Original: IFRS statt US-GAAP — und darunter die drei Anhänge, aus denen der Bericht besteht. Quelle: SEC-Jahresbericht 40-F für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und drittens die Falle, in die bei dieser Aktie die meisten tappen: Das Geschäftsjahr endet am 31. März. „Geschäftsjahr 2026“ heißt bei Silvercorp der Zeitraum vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 — also im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 plus ein Quartal. Wer die Zahlen mit denen eines Kalenderjahr-Produzenten vergleicht, vergleicht verschobene Zeiträume. Merke dir das: Bei Silvercorp liegt das Geschäftsjahr immer ein Quartal vor dem Kalenderjahr, das seinen Namen trägt. Berichtet wird übrigens in US-Dollar, obwohl fast alle Einnahmen in chinesischen Yuan anfallen — die funktionale Währung sämtlicher chinesischer Töchter ist der Renminbi, und der Konzern sichert Währungsrisiken nach eigener Angabe nicht ab.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und davon gibt es reichlich. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2026 um 47 Prozent auf 438,1 Millionen US-Dollar — der höchste Wert der Firmengeschichte. Das Ergebnis aus dem Minenbetrieb verdoppelte sich von 123,6 auf 253,7 Millionen, weil die Kosten fast unverändert blieben (184,4 nach 175,3 Millionen), während der erzielte Silberpreis um 72 Prozent kletterte. Der operative Mittelzufluss sprang von 138,6 auf 310,6 Millionen US-Dollar, der freie Mittelzufluss von 58,8 auf 181,3 Millionen. Die Bilanz zum 31. März 2026: 1.464,2 Millionen Bilanzsumme, 941,0 Millionen Eigenkapital der Aktionäre, 422,3 Millionen Kasse und kurzfristige Anlagen bei 117,2 Millionen Wandelanleihe als einziger nennenswerter Finanzschuld. Und der Berg ist nicht bald leer: Der technische Bericht zum 31. Dezember 2025 weist für die Ying-Bergwerke 19,08 Millionen Tonnen sichere und wahrscheinliche Reserven mit 174 Gramm Silber je Tonne aus — 106,5 Millionen Unzen Silber, genug für einen Betriebsplan bis 2042.

Jetzt die Kurve, um die es geht — fünf Geschäftsjahre nebeneinander:

Balken- und Liniendiagramm für die Geschäftsjahre 2022 bis 2026: Umsatz 217,9, 208,1, 215,2, 298,9 und 438,1 Millionen US-Dollar; das Ergebnis für die Aktionäre steigt von 30,6 über 20,6, 36,3 und 58,2 Millionen und fällt im Geschäftsjahr 2026 auf minus 9,9 Millionen.
Der Umsatz hat sich in fünf Geschäftsjahren verdoppelt — das Ergebnis für die Aktionäre kippt im Geschäftsjahr 2026 ins Minus. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (40-F/6-K); XBRL-Kennzahlenreihe der SEC, CIK 1340677. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Fairness gehört die Erklärung. Die Jahre bis zum Geschäftsjahr 2024 waren Seitwärtsjahre: 217,9 Millionen US-Dollar Umsatz (Geschäftsjahr 2022), 208,1 (2023), 215,2 (2024). Erst mit dem Silberpreis kam die Dynamik — 298,9 Millionen (2025) und 438,1 Millionen (2026). Die geförderte Menge blieb dabei fast konstant: 6,9 Millionen Unzen Silber im Geschäftsjahr 2025, 6,8 Millionen im Geschäftsjahr 2026, also ein Minus von 2 Prozent. Das gesamte Umsatzwachstum kommt vom Preis, nicht aus dem Berg. Das ist keine Kritik — so funktioniert Bergbau. Aber es bedeutet: Wer Silvercorp kauft, kauft in erster Linie eine Wette auf den Silberpreis, veredelt durch eine Kostenbasis, die zu den niedrigsten der Branche gehört.

Und nun die Zeile, die alles kippt. Wie kommt man von 253,7 Millionen US-Dollar Minenergebnis zu minus 9,9 Millionen für die Aktionäre? Wir haben es aufgeschlüsselt:

Wasserfalldiagramm für das Geschäftsjahr 2026 in Millionen US-Dollar: plus 253,7 aus dem Minenbetrieb, minus 178,5 durch die Wandelanleihe, plus 33,7 Kursgewinne auf Beteiligungen, minus 26,8 Verwaltung und Sonstiges, minus 1,7 Finanzergebnis, minus 47,5 Steuern, minus 42,9 an Minderheitsgesellschafter — es bleiben minus 9,9 für die Aktionäre.
Sieben Stationen zwischen dem Bergwerk und dem Aktionär: Das Minenergebnis von 253,7 Millionen US-Dollar wird auf dem Weg nach unten aufgezehrt. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (40-F/6-K); Zahlen aus dem geprüften Konzernabschluss zum 31.03.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Balken erklären fast alles: die 178,5 Millionen für die Wandelanleihe und die 42,9 Millionen für Minderheitsgesellschafter. Um beide geht es jetzt.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Verlust entstand, weil die Aktie gestiegen ist

Das klingt wie ein Widerspruch, ist aber sauber nachvollziehbar. Im November 2024 lieh sich Silvercorp 150 Millionen US-Dollar über eine Wandelanleihe — ein Kredit mit Umtauschrecht: Der Gläubiger nimmt 4,75 Prozent Zinsen und darf sein Geld später in Aktien tauschen, zu einem im Voraus festgelegten Preis von rund 4,628 US-Dollar je Stück. Solange Silvercorp selbst wählen durfte, ob es im Fall der Wandlung Geld oder Aktien liefert, galt dieses Umtauschrecht bilanziell nicht als Eigenkapital, sondern als eigenständige Verbindlichkeit, die zu jedem Stichtag neu bewertet werden muss. Und der Wert eines Umtauschrechts steigt, wenn die Aktie steigt. Genau das passierte: Die Bewertungstabelle im Bericht nennt für den 31. März 2025 einen Aktienkurs von 3,87 US-Dollar und für den 18. März 2026 einen von 10,06 US-Dollar. Der Buchwert des Umtauschrechts kletterte im Gleichschritt — und die Differenz landete als Aufwand in der Erfolgsrechnung. Der Lagebericht formuliert es so:

„Net loss attributable to equity shareholders of $9.9 million, or $0.05 per share, mainly due to a $178.5 million non-cash charge on ‚mark-to-market‘ of the fair value of the derivative liabilities primarily related to the convertible notes“

Übersetzung: „Nettoverlust der Aktionäre von 9,9 Millionen US-Dollar oder 0,05 US-Dollar je Aktie, im Wesentlichen wegen einer nicht zahlungswirksamen Belastung von 178,5 Millionen US-Dollar aus der Neubewertung zum beizulegenden Zeitwert der Derivate-Verbindlichkeiten, die vor allem mit den Wandelanleihen zusammenhängen“

— Silvercorp Metals Inc., Lagebericht (MD&A) zum Geschäftsjahr 2026, Abschnitt 3 „Fiscal 2026 Highlights“

Gelb markierter Punkt in der Zusammenfassung des Silvercorp-Lageberichts für das Geschäftsjahr 2026: Nettoverlust der Aktionäre von 9,9 Millionen US-Dollar oder 0,05 US-Dollar je Aktie, verursacht durch eine nicht zahlungswirksame Belastung von 178,5 Millionen aus der Neubewertung der Derivate-Verbindlichkeiten.
Die markierte Stelle im Original — darüber in derselben Liste die Rekordzahlen: 438,1 Millionen Umsatz, 46,44 US-Dollar Silberpreis, 310,6 Millionen operativer Mittelzufluss. Quelle: Lagebericht (MD&A) zum Geschäftsjahr 2026, 40-F-Anhang 99.2 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wichtig ist das Wort non-cash: Kein einziger Dollar hat wegen dieser Belastung das Haus verlassen. Es ist eine reine Buchung, und sie zeigt paradoxerweise Stärke an, nicht Schwäche — die Aktie hatte sich seit dem Vorjahresstichtag mehr als verdoppelt. Silvercorp weist deshalb parallel ein bereinigtes Ergebnis von 150,8 Millionen US-Dollar oder 0,69 US-Dollar je Aktie aus (Vorjahr 75,1 Millionen beziehungsweise 0,37). Und zur Ehrlichkeit gehört auch: Bereinigte Zahlen sind keine geprüften Zahlen, sie sind die Sicht des Managements. Aber in diesem Fall bereinigt sie einen Posten, den der Konzern selbst gar nicht steuern kann. Merke dir den Mechanismus: Bei einer Wandelanleihe mit Wahlrecht kostet ein steigender Aktienkurs in der Erfolgsrechnung Geld, das gar nicht existiert.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Seit dem 18. März 2026 wird nicht mehr in Geld getilgt, sondern in Aktien

Jetzt kommt die Zeile, die im Jubel über das Ende der Buchverluste leicht untergeht. Silvercorp hat das Problem an der Wurzel gelöst — indem es dem eigenen Wahlrecht abgeschworen hat:

„The Company concluded that the removal of the cash settlement alternative now causes the conversion option to meet the ‚fixed-for-fixed‘ condition under IAS 32, and thus the conversion feature is no longer accounted for as a derivative liability and instead meets the definition of equity.“

Übersetzung: „Das Unternehmen kam zu dem Schluss, dass die Streichung der Barausgleichsalternative dazu führt, dass das Wandlungsrecht nunmehr die ‚fixed-for-fixed‘-Bedingung nach IAS 32 erfüllt; das Wandlungsrecht wird deshalb nicht länger als Derivate-Verbindlichkeit bilanziert, sondern erfüllt die Definition von Eigenkapital.“

— Silvercorp Metals Inc., Lagebericht (MD&A) zum Geschäftsjahr 2026, Abschnitt 10 „Convertible Notes“

Gelb markierter Absatz im Silvercorp-Lagebericht zum Geschäftsjahr 2026: Nach Streichung der Barausgleichsalternative erfüllt das Wandlungsrecht die Fixed-for-fixed-Bedingung nach IAS 32 und wird ins Eigenkapital umgebucht; darunter die Bewertungstabelle mit Aktienkurs 10,06 US-Dollar am 18. März 2026 gegen 3,87 US-Dollar am 31. März 2025 und die Umbuchung von 223.928 Tausend US-Dollar ins Eigenkapital.
Die markierte Stelle im Original, darunter die Zahlen: Aktienkurs 10,06 gegen 3,87 US-Dollar, Bewertungsänderung 174.900 und Umbuchung ins Eigenkapital 223.928 (in Tausend US-Dollar). Quelle: Lagebericht (MD&A) zum Geschäftsjahr 2026, 40-F-Anhang 99.2 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was dort in Fachsprache steht, heißt im Klartext: Silvercorp darf bei einer Wandlung nicht mehr mit Geld bezahlen. Der Nennwert wird ausschließlich in neuen Aktien getilgt. Die Rechnung dazu kann jeder selbst machen: 150.000 Anleihestücke zu je 1.000 US-Dollar mal 216,0761 Aktien je Stück ergeben 32.411.415 Aktien14,7 Prozent der 220.910.911 Aktien zum 31. März 2026. Übersetzt in ein Alltagsbild: Verwässerung heißt, dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke abgeschnitten werden, ohne dass der Kuchen wächst. Hier ist schon festgelegt, wie viele Stücke das im Zweifel sein werden.

Und noch ein Detail, das man kennen sollte: In der ausgewiesenen verwässerten Aktienzahl des Geschäftsjahres 2026 stecken diese Stücke nicht. Sie beträgt 219.425.164 — exakt so viel wie die unverwässerte, weil bei einem Verlust potenzielle Wandlungen den Verlust je Aktie verkleinern würden und deshalb nach den Rechnungslegungsregeln unberücksichtigt bleiben. Wer die Verwässerung sehen will, muss sie selbst dazurechnen. Ein Ausweg bleibt dem Unternehmen: Ab dem 20. Dezember 2027 darf es die Anleihe gegen Bargeld kündigen, falls der Kurs an 20 von 30 Handelstagen über 130 Prozent des Wandlungspreises notiert. Mit 422,3 Millionen US-Dollar in der Kasse wäre das machbar — entschieden ist es nicht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Zwei Bergwerke, ein Land — und im Juni 2026 stand die Förderung still

Silvercorps Ertragskraft hängt an zwei Standorten in einem einzigen Land. Wie schnell das zum Problem wird, zeigte sich unmittelbar nach dem Bilanzstichtag. Ende Mai 2026 ereignete sich in der Provinz Shanxi ein schweres Grubenunglück in einer Kohlemine. Chinas Behörden fassen Kohle- und Nicht-Kohle-Bergbau unter einer gemeinsamen Sicherheitsaufsicht zusammen — also galten die neuen Auflagen für alle. Silvercorp prüfte sich selbst und legte beide Betriebe still. Die Meldung vom 29. Juni 2026, einen Tag vor Einreichung des Jahresberichts, nennt die Größenordnung:

„Due to these major safety system improvement activities, production at the Ying Mining District is expected to be affected by 40% to 50% during the July-September quarter, while production at the GC mine is expected to be affected by approximately 50% over the same time period. For the current quarter, production is expected to be affected by 10 to 15%.“

Übersetzung: „Wegen dieser umfangreichen Verbesserungen an den Sicherheitssystemen wird die Produktion im Ying Mining District im Quartal von Juli bis September voraussichtlich um 40 bis 50 Prozent beeinträchtigt, die Produktion in der GC Mine im selben Zeitraum um rund 50 Prozent. Im laufenden Quartal wird eine Beeinträchtigung von 10 bis 15 Prozent erwartet.“

— Silvercorp Metals Inc., Mitteilung „Silvercorp Provides Updates on China Operations“ vom 29. Juni 2026, übermittelt als 6-K-Anhang 99.1

Gelb markierter Absatz der Silvercorp-Mitteilung vom 29. Juni 2026 zu den China-Betrieben: Die Produktion im Ying Mining District wird von Juli bis September voraussichtlich um 40 bis 50 Prozent beeinträchtigt, die GC Mine um rund 50 Prozent, das laufende Quartal um 10 bis 15 Prozent.
Die markierte Stelle im Original: die Größenordnung des Produktionsausfalls, benannt einen Tag vor Einreichung des Jahresberichts. Quelle: 6-K-Anhang 99.1 vom 30. Juni 2026, Mitteilung vom 29. Juni 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Kosten der Nachrüstung sind überschaubar: rund 5,5 Millionen US-Dollar für die sechs vorgeschriebenen Sicherheitssysteme in etwa 50 Tagen, dazu rund 6 Millionen für Anlagen und halogenfreie Kabel. Der Ausfall an Fördermenge ist es nicht. Wie er sich anfühlt, zeigte die Produktionsmeldung vom 15. Juli 2026 für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 (bis 30. Juni 2026): Umsatz 138,7 Millionen US-Dollar, ein Plus von 70 Prozent — aber Silberförderung 1,5 Millionen Unzen, ein Minus von 17 Prozent. Wieder trug der Preis, nicht der Berg. Das eigentliche Ausfallquartal, Juli bis September 2026, lag zum Zeitpunkt dieser Analyse noch vor dem Unternehmen; die Zahlen des ersten Quartals stehen für den 10. August 2026 im Kalender.

Das Klumpenrisiko hat übrigens eine zweite Etage. Nicht nur die Förderung ist konzentriert, auch der Absatz: Fünf Abnehmer standen im Geschäftsjahr 2026 für 337,8 Millionen US-Dollar oder 77 Prozent des Umsatzes, der größte allein für 20 Prozent. Im Vorjahr waren es fünf Kunden mit 83 Prozent. Wenn dein Nachbar erzählt, sein Betrieb laufe glänzend, aber fünf Kunden bringen drei Viertel des Umsatzes — würdest du kurz schlucken? Hinzu kommt die Rechtslage: Der Bericht widmet der chinesischen Devisenkontrolle einen eigenen Risikoabschnitt mit der Überschrift, die chinesische Politik zur Währungsumrechnung könne „unsere Fähigkeit, Dividenden aus China zu erhalten“, beeinträchtigen. Wie sehr das Geld auf dem Weg nach Hause schrumpft, zeigt eine kleine Zeile in der Steuerposition: Von den 47,5 Millionen US-Dollar Steueraufwand des Geschäftsjahres 2026 waren 8,4 Millionen Quellensteuer, die mit 10 Prozent auf Ausschüttungen aus China anfielen. Wer die Risiken einer China-Notierung in ihrer schärfsten Form sehen will, findet sie in unserer Analyse zu iQIYI.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein großer Teil des Gewinns gehört Partnern, die nicht du bist

Silvercorp besitzt seine chinesischen Bergwerke nicht vollständig. Die Betreibergesellschaft des Ying-Distrikts, Henan Found, gehört zu 77,5 Prozent dem Konzern — die restlichen 22,5 Prozent liegen bei lokalen Partnern. Ähnliches gilt für Henan Huawei (20 Prozent fremd), Yunxiang (30 Prozent) und die ecuadorianische Salazar Holdings (25 Prozent). Diese Minderheiten sind keine stillen Teilhaber: Ihnen steht ihr Anteil am Gewinn zu, und sie bekommen ihn auch ausgezahlt.

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2026 machen daraus eine Kuriosität, die man zweimal lesen muss. Der Konzerngewinn betrug 32,9 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 42,9 Millionen auf die Minderheitsgesellschafter — mehr als der gesamte Konzerngewinn. Für die Silvercorp-Aktionäre blieben deshalb minus 9,9 Millionen. Möglich ist das, weil die Bewertungsbelastung aus der Wandelanleihe komplett auf der Ebene der Muttergesellschaft anfällt, während die Bergwerke unbeirrt verdienten: Der Ying-Distrikt allein erwirtschaftete 198,6 Millionen US-Dollar Nettoergebnis, davon 43,5 Millionen für die Minderheiten. Bar geflossen sind an sie im Geschäftsjahr 2026 24,9 Millionen US-Dollar nach 11,0 Millionen im Vorjahr. Zum Vergleich: Die Dividende an alle Silvercorp-Aktionäre zusammen betrug 5,5 Millionen US-Dollar, also 0,025 US-Dollar je Aktie im Jahr. Merke dir das Bild: Bei einem Konzern mit Minderheitsbeteiligungen ist der Gewinn, den du liest, nicht der Gewinn, der dir gehört.

Ein stiller Posten in der Bilanz: 53,5 Millionen im Buch, 212,9 Millionen an der Börse

Nicht jede Überraschung im Bericht ist unangenehm. Silvercorp hält 27,84 Prozent an New Pacific Metals Corp. (Toronto: NUAG, NYSE American: NEWP), einem Silberentwickler in Bolivien — 51.426.988 Aktien zum 31. März 2026. Weil dieser Anteil groß genug für maßgeblichen Einfluss ist, wird er nach der Equity-Methode geführt: mit fortgeschriebenen Anschaffungskosten, nicht mit dem Börsenkurs. Der Bericht stellt beides nebeneinander — Buchwert 53,5 Millionen US-Dollar, Börsenwert 212,9 Millionen US-Dollar. Die stille Reserve von 159,4 Millionen entspricht 16,9 Prozent des Eigenkapitals, das den Aktionären zusteht. Ein Jahr zuvor lagen beide Werte noch dicht beieinander (45,3 gegen 51,6 Millionen). Ein zweiter, kleinerer Posten derselben Sorte: der 29,15-Prozent-Anteil an Tincorp Metals, mit 1,1 Millionen im Buch und 7,4 Millionen an der Börse.

Zwei Dinge sind daran bemerkenswert. Erstens hat Silvercorp im Geschäftsjahr 2026 nachgekauft, nicht verkauft: 3.083.536 Aktien für 7,8 Millionen US-Dollar in einer Kapitalerhöhung im Oktober 2025 und weitere 1.435.751 Stück über die Börse. Zweitens hat auch der Londoner Fonds vom Anfang dieses Artikels im selben Quartal bei New Pacific Metals kräftig aufgestockt — von 2.293.539 auf 9.936.183 Aktien. Wer Silvercorp kauft, kauft dieses Silberprojekt also gleich zweimal mit. Ein stiller Wert bleibt allerdings genau so lange still, bis ihn jemand hebt.

Bewertung: Was der Markt für die Unze bezahlt

Für eine evergreen-taugliche Einordnung brauchen wir einen datierten Anker statt eines Tageskurses — und den liefert wieder das Formular vom Anfang. Aus 173.079.547 US-Dollar für 16.115.414 Aktien ergibt sich zum Stichtag 31. März 2026 ein rechnerischer Kurs von 10,74 US-Dollar je Aktie. Bei den zum selben Datum ausstehenden 220.910.911 Aktien entspricht das einem Börsenwert in der Größenordnung von 2,4 Milliarden US-Dollar. Zieht man die Nettoliquidität ab — 422,3 Millionen Kasse und kurzfristige Anlagen gegen 117,2 Millionen Wandelanleihe —, bleibt ein Unternehmenswert von rund 2,1 Milliarden US-Dollar.

Was heißt das? Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden, weil unter dem Strich ein Verlust steht. Nimmt man das bereinigte Ergebnis von 150,8 Millionen US-Dollar, kommt man auf rund das 16-Fache; gemessen am Umsatz von 438,1 Millionen ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 5,4. Das ist für einen Produzenten kein Schnäppchenpreis — Freeport-McMoRan, der Riese im Kupfer, wird traditionell niedriger bewertet, wie unsere Analyse zu Freeport-McMoRan zeigt; wie ein kleiner Goldproduzent im Vergleich dasteht, haben wir bei TRX Gold aufgeschrieben. Der Aufschlag, den der Markt Silvercorp zubilligt, hat drei erkennbare Bestandteile: die außergewöhnlich niedrige Kostenbasis, die 422,3 Millionen in der Kasse und die Fantasie aus El Domo, Condor und dem kirgisischen Goldkomplex. Dagegen stehen der China-Klumpen und die 14,7 Prozent Verwässerung, die in der Wandelanleihe schlummern. Alle Bewertungsangaben mit Datenstand 24. Juli 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Silvercorp spricht:

  • Außergewöhnlich niedrige Kosten: Barkosten von minus 0,94 US-Dollar je Unze Silber im Geschäftsjahr 2026 (Nebenmetalle tragen die gesamte Förderung), AISC von 14,25 US-Dollar bei einem erzielten Silberpreis von 46,44 US-Dollar je Unze.
  • Bilanz ohne Sorgenfalten: 422,3 Millionen US-Dollar Kasse und kurzfristige Anlagen zum 31. März 2026, 941,0 Millionen Eigenkapital der Aktionäre bei 1.464,2 Millionen Bilanzsumme (Eigenkapitalquote 64,3 Prozent), als einzige nennenswerte Finanzschuld 117,2 Millionen Wandelanleihe ohne Finanzkennzahl-Auflagen.
  • Echte Zahlungsströme statt Versprechen: operativer Mittelzufluss 310,6 Millionen US-Dollar (Vorjahr 138,6), freier Mittelzufluss 181,3 Millionen (Vorjahr 58,8), dazu eine halbjährliche Dividende von 0,0125 US-Dollar je Aktie.
  • Reserven mit Laufzeit: 19,08 Millionen Tonnen sichere und wahrscheinliche Reserven im Ying-Distrikt mit 174 Gramm Silber je Tonne (106,5 Millionen Unzen Silber) zum 31. Dezember 2025, Betriebsplan bis 2042; die GC Mine kommt auf 6,19 Millionen Tonnen.
  • Drei Wachstumsbaustellen und ein stiller Posten: El Domo in Ecuador (Start geplant Juli 2027, Investition 283,6 Millionen US-Dollar), das Goldprojekt Condor, der kirgisische Komplex Chaarat ZAAV — dazu ein Anteil an New Pacific Metals, der mit 53,5 Millionen im Buch steht und 212,9 Millionen wert war.

Was dagegen spricht:

  • Alles hängt an China: Die gesamte laufende Förderung stammt aus zwei Betrieben in Henan und Guangdong; nach dem Grubenunglück in Shanxi legte Silvercorp beide im Juni 2026 still. Für Juli bis September 2026 nennt das Unternehmen 40 bis 50 Prozent Produktionsausfall in Ying und rund 50 Prozent in der GC Mine.
  • Vorprogrammierte Verwässerung: Seit dem Nachtrag vom 18. März 2026 wird der Nennwert der Wandelanleihe ausschließlich in Aktien getilgt — rechnerisch 32,4 Millionen Stück oder 14,7 Prozent der 220.910.911 Aktien vom 31. März 2026. In der ausgewiesenen verwässerten Aktienzahl (219.425.164) stecken sie nicht.
  • Ein erheblicher Teil des Gewinns gehört anderen: 42,9 Millionen US-Dollar des Konzerngewinns von 32,9 Millionen entfielen im Geschäftsjahr 2026 auf Minderheitsgesellschafter; bar an sie ausgezahlt wurden 24,9 Millionen, während alle Silvercorp-Aktionäre zusammen 5,5 Millionen Dividende erhielten.
  • Absatz- und Devisenrisiko: Fünf Abnehmer stellten 77 Prozent des Umsatzes, der größte 20 Prozent. Auf Ausschüttungen aus China fielen 8,4 Millionen US-Dollar Quellensteuer an (10 Prozent), und der Bericht widmet der chinesischen Devisenkontrolle einen eigenen Risikoabschnitt; Währungsrisiken werden nicht abgesichert.
  • Dünnere Datenlage und ein Preis, der alles trägt: Als kanadischer Emittent legt Silvercorp kein 10-K und kein 10-Q vor, Zwischenzahlen sind ungeprüfte 6-K-Anhänge. Das Umsatzplus von 47 Prozent kam ausschließlich vom Silberpreis — die Fördermenge sank um 2 Prozent.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Unterm-Strich-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die letzte Zeile lügt — sie sagt sogar präzise die Wahrheit. Ihr Kern ist, dass sie eine andere Frage beantwortet, als du gestellt hast. Du fragst: „Verdient diese Firma Geld?“ Die letzte Zeile antwortet: „Was blieb nach allen Buchungen, Steuern und fremden Ansprüchen für die Mutter übrig?“ Bei Silvercorp fallen diese beiden Antworten im Geschäftsjahr 2026 weit auseinander. Die Bergwerke lieferten 253,7 Millionen US-Dollar, so viel wie nie; die Kasse wuchs um 53,3 Millionen; und trotzdem steht dort minus 9,9 Millionen — weil eine Anleihe teurer bewertet werden musste, seit die eigene Aktie gestiegen ist, und weil ein größerer Batzen an Partner ging, die nicht du sind. Wer nur nach unten schaut, sieht ein schlechtes Jahr. Wer nur die bereinigte Zahl liest, sieht ein märchenhaftes. Beide haben unrecht.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „War 2026 ein gutes Jahr?“, sondern: Bist du bereit, den Silberpreis zu kaufen, mitsamt zwei Bergwerken in einem Land, das im Juni 2026 kurzerhand die Förderung angehalten hat, mitsamt 14,7 Prozent Verwässerung, die vertraglich schon festgeschrieben sind, und mitsamt Partnern, die vom Gewinn zuerst bedient werden? Wenn ja, bekommst du dafür eine der niedrigsten Kostenbasen der Branche, 422,3 Millionen US-Dollar in der Kasse und drei Wachstumsprojekte. Wenn nein, hast du zumindest verstanden, warum ein Rekordjahr mit einem Minus enden kann. Der Londoner Fonds, der im ersten Quartal 2026 mit 7,3 Prozent eingestiegen ist, hat all das gewusst oder in Kauf genommen — sein Formular sagt nur, dass er gekauft hat, nicht warum und nicht, ob er noch dabei ist. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Silvercorp-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Kostenposition positiv
Die Nebenmetalle Blei, Zink und Gold trugen im Geschäftsjahr 2026 die gesamte Förderung: Die Barkosten je Unze Silber lagen bei minus 0,94 US-Dollar (Vorjahr minus 0,54). Selbst inklusive Erhaltungsinvestitionen und Steuern kam Silvercorp auf 14,25 US-Dollar je Unze — bei einem erzielten Silberpreis von 46,44 US-Dollar. Das Ergebnis aus dem Minenbetrieb verdoppelte sich auf 253,7 Millionen US-Dollar, der freie Mittelzufluss stieg auf 181,3 Millionen.
Bilanz positiv
Zum 31. März 2026 standen 422,3 Millionen US-Dollar Kasse und kurzfristige Anlagen 117,2 Millionen Wandelanleihe als einziger nennenswerter Finanzschuld gegenüber; das Eigenkapital der Aktionäre betrug 941,0 Millionen bei 1.464,2 Millionen Bilanzsumme, also 64,3 Prozent. Die Anleihe enthält keine Finanzkennzahl-Auflagen. Der Altman-Z-Wert von 4,87 liegt weit über der Sicherheitsschwelle von 3 (Datenstand 24. Juli 2026).
Länder- und Absatzrisiko negativ
Die gesamte laufende Förderung stammt aus zwei Betrieben in China. Nach dem Grubenunglück in Shanxi legte Silvercorp Ying und GC im Juni 2026 selbst still; für Juli bis September 2026 nennt das Unternehmen 40 bis 50 Prozent Produktionsausfall in Ying und rund 50 Prozent in der GC Mine. Dazu kommen fünf Abnehmer mit 77 Prozent des Umsatzes, 8,4 Millionen US-Dollar Quellensteuer auf Ausschüttungen aus China und ein eigener Risikoabschnitt zur chinesischen Devisenkontrolle.
Kapitalstruktur & Verwässerung negativ
Seit dem Nachtrag vom 18. März 2026 wird der Nennwert der Wandelanleihe ausschließlich in Aktien getilgt: rechnerisch 32.411.415 Stück oder 14,7 Prozent der 220.910.911 Aktien vom 31. März 2026. In der ausgewiesenen verwässerten Aktienzahl (219.425.164) stecken sie nicht, weil ein Verlust ausgewiesen wurde. Hinzu kommt, dass 42,9 Millionen US-Dollar des Konzerngewinns von 32,9 Millionen den Minderheitsgesellschaftern der chinesischen Töchter zustanden.
Wachstum & Datenlage neutral
Das Umsatzplus von 47 Prozent kam ausschließlich vom Silberpreis — die Fördermenge sank um 2 Prozent. Drei Wachstumsbaustellen sollen das ändern: El Domo in Ecuador (Start geplant Juli 2027, 283,6 Millionen US-Dollar Investition), Condor und der kirgisische Goldkomplex Chaarat ZAAV (92 Millionen bar plus bis zu 70 Millionen bedingt). Gegenzurechnen sind die Bedingungen des Wheaton-Metallstroms auf El Domo und eine dünnere Datenlage: kein 10-K, kein 10-Q, Zwischenzahlen nur als ungeprüfter 6-K-Anhang.

Silvercorp ist die Unterm-Strich-Falle in Reinform: Das Geschäftsjahr 2026 (endete am 31. März 2026) brachte mit 438,1 Millionen US-Dollar den höchsten Umsatz der Firmengeschichte und ein verdoppeltes Minenergebnis von 253,7 Millionen — und trotzdem einen Verlust von 9,9 Millionen für die Aktionäre, weil das Wandlungsrecht der Anleihe um 178,5 Millionen teurer bewertet werden musste, nachdem die eigene Aktie von 3,87 auf 10,06 US-Dollar gestiegen war. Dieser Posten ist ab dem 18. März 2026 erledigt, dafür wird der Nennwert seither ausschließlich in Aktien getilgt (rechnerisch 32,4 Millionen Stück, 14,7 Prozent). Dagegen stehen 422,3 Millionen US-Dollar Kasse, Barkosten von minus 0,94 US-Dollar je Unze — und zwei Bergwerke in einem Land, das im Juni 2026 die Förderung angehalten hat. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Solange die im Fazit genannte Frage offen ist, sehen wir keine Grundlage für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Unsere Befunde liefern keinen akuten Verkaufsgrund — entscheidend bleiben die genannten Prüfpunkte.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Silvercorp nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über das Formular 13F-HR der Helikon Investments Ltd (London) zum Stichtag 31. März 2026: 16.115.414 Aktien im Wert von 173.079.547 US-Dollar, eine komplett neue Position und rund 7,3 Prozent der Gesellschaft. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate — ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
  • Silvercorp ist ein kanadischer Emittent im grenzüberschreitenden Verfahren mit den USA: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Geprüft wird einmal jährlich im Formular 40-F (für das Geschäftsjahr 2026 eingereicht am 30. Juni 2026), Zwischenzahlen erscheinen nur als ungeprüfter Anhang zu einem Formular 6-K. Gerechnet wird nach IFRS, berichtet in US-Dollar. Das Geschäftsjahr endet am 31. März, weshalb jede Jahreszahl mit dem Geschäftsjahr benannt ist.
  • Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis wird bewusst nicht ausgewiesen: Für das Geschäftsjahr 2026 steht für die Aktionäre ein Verlust von 9,9 Millionen US-Dollar in den Büchern. Der rechnerische Kurs von 10,74 US-Dollar je Aktie stammt aus der 13F-Meldung zum 31. März 2026 und dient als datierte Größenordnung, nicht als Tageskurs. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Silvercorp Metals Inc. (NYSE American: SVM, Sitz Vancouver) ist ein produzierender Bergbaukonzern für Silber, Blei, Zink und etwas Gold. Die gesamte laufende Förderung liegt in China: im Ying Mining District in Henan (399,2 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2026) und in der GC Mine in Guangdong (38,9 Millionen). Hinzu kommen Entwicklungsprojekte in Ecuador (El Domo, Condor) und in der Kirgisischen Republik (Chaarat ZAAV).

Wegen einer Buchung, nicht wegen des Bergbaus. Das Wandlungsrecht der Wandelanleihe über 150 Millionen US-Dollar musste zu jedem Stichtag neu bewertet werden, und es wurde teurer, weil der Aktienkurs von 3,87 US-Dollar (31. März 2025) auf 10,06 US-Dollar (18. März 2026) stieg. Daraus entstand eine nicht zahlungswirksame Belastung von 178,5 Millionen. Das Ergebnis für die Aktionäre fiel dadurch auf minus 9,9 Millionen US-Dollar; bereinigt weist Silvercorp 150,8 Millionen aus.

Am 31. März. Das „Geschäftsjahr 2026“ umfasst den Zeitraum vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 und deckt damit im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 plus ein Quartal ab. Wer die Zahlen mit denen eines Produzenten vergleicht, dessen Geschäftsjahr dem Kalenderjahr folgt, vergleicht gegeneinander verschobene Zeiträume. Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 endete am 30. Juni 2026.

Weil Silvercorp ein kanadisches Unternehmen ist und bei der SEC das grenzüberschreitende Verfahren zwischen Kanada und den USA nutzt. Der Jahresbericht erscheint als Formular 40-F (für das Geschäftsjahr 2026 eingereicht am 30. Juni 2026) und enthält die kanadischen Originaldokumente. Zwischenzahlen werden nur als ungeprüfter Anhang zu einem Formular 6-K übermittelt. Gerechnet wird nach IFRS, berichtet in US-Dollar.

Rechnerisch gar nichts. Weil die mitgeförderten Metalle Blei, Zink und Gold als Nebenprodukt-Gutschriften abgezogen werden, lagen die Barkosten je Unze Silber im Geschäftsjahr 2026 bei minus 0,94 US-Dollar (Vorjahr minus 0,54). Die aussagekräftigere Gesamtkostenkennzahl AISC, die Erhaltungsinvestitionen und Steuern einschließt, betrug 14,25 US-Dollar je Unze nach 12,12 im Vorjahr — bei einem erzielten Silberpreis von 46,44 US-Dollar.

Nach einem schweren Grubenunglück in Shanxi Ende Mai 2026 verschärfte China die Sicherheitsauflagen für den gesamten Bergbau. Silvercorp legte Ying und GC im Juni 2026 selbst still. Die Nachrüstung kostet rund 5,5 Millionen US-Dollar plus rund 6 Millionen für Anlagen und Kabel. Für Juli bis September 2026 erwartet das Unternehmen 40 bis 50 Prozent Produktionsausfall in Ying und rund 50 Prozent in der GC Mine, im Quartal bis 30. Juni 2026 10 bis 15 Prozent.

Seit dem Nachtrag vom 18. März 2026 kann Silvercorp den Nennwert bei einer Wandlung nicht mehr in bar tilgen, sondern nur noch in eigenen Aktien. Bei 150.000 Anleihestücken zu je 1.000 US-Dollar und einem Wandlungsverhältnis von 216,0761 Aktien je Stück sind das rechnerisch 32.411.415 Aktien — 14,7 Prozent der 220.910.911 Aktien, die zum 31. März 2026 ausstanden. Ab dem 20. Dezember 2027 darf das Unternehmen die Anleihe unter Bedingungen bar kündigen.

Ein 13F ist die vierteljährliche Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter. Helikon Investments Ltd aus London meldete zum Stichtag 31. März 2026 erstmals 16.115.414 Silvercorp-Aktien im Wert von 173.079.547 US-Dollar — rund 7,3 Prozent der Gesellschaft und 6,5 Prozent eines Portfolios von 2,65 Milliarden. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate: ein Rückspiegel, kein Fahrplan.

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