SAP: Die Cloud wächst schneller, als die Wartung schmilzt — noch
SAP verkauft die Software, mit der Konzerne ihr Geld zählen — und hat sich in drei Jahren vom Lizenzverkäufer zum Cloud-Abonnement-Anbieter umgebaut. Der Cloud-Umsatz stieg 2025 auf 21.023 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2026 noch einmal um 21 Prozent. Gleichzeitig schrumpft das alte Wartungsgeschäft, und SAP schreibt selbst in den Ausblick, dass dieser Rückgang sich beschleunigen wird. Ein Drittel des Ergebniszuwachses im ersten Halbjahr 2026 stammt zudem aus einer Quelle, die kaum jemand auf der Rechnung hat: dem eigenen Kursrutsch. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Frage, wofür bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 eigentlich bezahlt wird.
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Stand heute
Stand: 7. August 2026
- Schlusskurs
- 177,96 € +4,08 %
- Marktkapitalisierung
- 205,4 Mrd. €
- KGV
- 26,7
- Wachstums-Score
- 7/10
- AAQS
- 10/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 128,30 € bis 254,80 € · Letzter Kurs: 177,96 € (Stand: 7. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die besonders gut informierte Menschen trifft: den Etiketten-Effekt. Eine Firma bekommt ein neues Schild an die Tür — aus dem „behäbigen Softwarehaus“ wird der „europäische KI-Champion“ —, und plötzlich rechnen wir anders. Nicht, weil sich die Zahlenreihe geändert hätte, sondern weil sich die Geschichte geändert hat. Das Etikett fühlt sich an wie eine Information. Es ist aber nur eine Verpackung.
SAP ist dafür ein Lehrstück. Der Konzern aus Walldorf hat in den vergangenen zwei Jahren so ziemlich jedes Etikett bekommen, das der Markt zu vergeben hat: wertvollstes Unternehmen Europas, KI-Gewinner, DAX-Anker. Dann kam das erste Halbjahr 2026, und die Aktie gab um rund 75 Euro nach — das steht so, mit dieser Zahl, in SAPs eigenem Quartalsbericht. Machen wir es deshalb umgekehrt: Wir lassen das Etikett am Türrahmen hängen und lesen stattdessen die Berichte, die SAP bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen muss. Den Jahresbericht auf Form 20-F vom 26. Februar 2026 und die Quartalsmitteilung vom 28. Juli 2026. Und dort steht ein Spannungsfeld, das der Markt gerade ausrechnet: Das neue Geschäft wächst schnell — aber das alte, das heute noch die Marge trägt, schmilzt, und SAP erwartet selbst, dass es schneller schmelzen wird.
Was SAP eigentlich macht — die Buchhaltung der Weltwirtschaft
SAP SE mit Sitz in Walldorf verkauft Unternehmenssoftware. Übersetzt in ein Alltagsbild: Wenn ein Großkonzern ein Nervensystem hätte, wäre SAP das Rückenmark. Jede Bestellung, jede Rechnung, jede Lohnzahlung, jede Lieferung, jede Buchung läuft durch diese Software. Sie ist unspektakulär, unsichtbar für Kunden des Konzerns — und praktisch nicht austauschbar, wenn sie einmal läuft. Genau daraus bezieht SAP seine Preissetzungsmacht.
Das Herzstück heißt SAP S/4HANA und deckt Finanzen, Einkauf, Produktion, Lieferkette und Instandhaltung ab. Dazu kommen SuccessFactors für das Personalwesen, Ariba und Concur für Einkauf und Reisekosten, die Kundenlösungen von SAP Customer Experience sowie die Entwicklungsplattform SAP Business Technology Platform. Verkauft wird das heute überwiegend als Abonnement in Paketen: RISE with SAP für Bestandskunden, die von ihrer eigenen Serveranlage in die Cloud umziehen, und SAP GROW für Neukunden, die gleich in der Cloud starten. Obendrauf liegt seit 2024 die KI-Schicht: Joule als Sprachoberfläche, dazu sogenannte Joule Agents, die Arbeitsschritte selbständig ausführen sollen — 30 davon hat SAP nach eigenen Angaben allein 2025 veröffentlicht.
Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte SAP 111.397 Menschen (110.650 Vollzeitstellen), davon 37.965 Vollzeitstellen in der Entwicklung — 34 Prozent der Belegschaft. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben lagen 2025 bei 6.633 Millionen Euro, also 18,0 Prozent des Umsatzes. Geführt wird der Konzern von Vorstandschef Christian Klein und Finanzvorstand Dominik Asam.
Warum es hier kein 10-K gibt — und was stattdessen bei der SEC liegt
Ein Punkt vorab, weil er die Beleglage dieser Analyse prägt. SAP ist ein deutsches Unternehmen, aber ein US-Meldeunternehmen: Über sogenannte American Depositary Receipts — Hinterlegungsscheine, die je eine SAP-Aktie verbriefen — wird die Aktie auch an der New York Stock Exchange gehandelt. Deshalb reicht SAP bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, allerdings nicht in der Form, die man von US-Firmen kennt. Statt eines Geschäftsberichts (10-K) und dreier Quartalsberichte (10-Q) gibt es einen Jahresbericht auf Form 20-F und laufende Mitteilungen auf Form 6-K, in denen die Quartalszahlen als Anlage stecken. Bilanziert wird nach IFRS, nicht nach US-Standard.
Für dich als Leser ändert das nichts an der Verlässlichkeit: Auch ein 20-F wird unter Strafandrohung unterschrieben, und die Rechtsstreitigkeiten, Risikofaktoren und Aktionärslisten darin sind ebenso prüfbar. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahresbericht 20-F, Quartalsmitteilungen 6-K)“. Beim SEC-Register läuft SAP unter der Kennnummer CIK 0001000184, gelistet mit den Tickern SAP und SAPGF an NYSE und OTC. Die frühere Firmierung „SAP AG“ (bis 2014) ist dort ebenfalls hinterlegt — die Umwandlung in eine Europäische Gesellschaft (SE) ist der Grund für den heutigen Namen.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
SAP ist kein Zufallsfund aus einem Scanner. Der Konzern ist das schwerste Papier im DAX und stand über Monate im Ruf, der einzige europäische Titel mit einer glaubwürdigen KI-Geschichte zu sein. Genau deshalb interessiert er uns: Je lauter die Geschichte, desto größer der Abstand, den ein Blick in die Originalberichte offenlegen kann. Und der Anlass war konkret — SAP hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich Kurs abgegeben, während die Geschäftszahlen weiter wuchsen. Wenn Kurs und Zahlen auseinanderlaufen, hat mindestens eine Seite etwas eingepreist, das die andere noch nicht zeigt.
Vergleichsmaßstäbe haben wir uns dazu bereits angesehen: die Analyse zu Oracle, SAPs direktem Wettbewerber im Geschäft mit Unternehmenssoftware, und die Analyse zu ServiceNow, einem reinen Cloud-Anbieter ohne Altlast aus dem Lizenzgeschäft. Beide Fälle zeigen dieselbe Grundfrage aus zwei anderen Blickwinkeln: Was ist ein Software-Abonnement wert, das keiner kündigt?
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt. SAP hat einen Umbau geschafft, an dem andere Softwarehäuser gescheitert sind: den Wechsel vom einmaligen Lizenzverkauf zum laufenden Abonnement, ohne dabei in ein Umsatzloch zu fallen. Der Cloud-Umsatz stieg von 13.664 Millionen Euro (2023) über 17.141 Millionen (2024) auf 21.023 Millionen Euro (2025) — ein Plus von 23 Prozent im letzten Jahr. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Cloud-ERP-Suite, also das Kerngeschäft: 18.119 Millionen Euro oder 86 Prozent des Cloud-Umsatzes.
Auch die Ertragskraft hat einen Sprung gemacht. Das operative Ergebnis nach IFRS kletterte 2025 auf 10.293 Millionen Euro und mehr als verdoppelte sich damit gegenüber 2024 (4.665 Millionen). Der Grund dafür ist allerdings kein operatives Wunder, sondern eine Basis: 2024 enthielt 3.144 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand für ein konzernweites Umbauprogramm, das rund 10.000 Stellen betraf; 2025 waren es noch 3 Millionen. Der Nettogewinn stieg auf 7.327 Millionen Euro nach 3.124 Millionen im Vorjahr.
Der freie Mittelzufluss — das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt — lag 2025 bei 8,24 Milliarden Euro; für 2026 stellt SAP rund 10 Milliarden Euro in Aussicht. Und das Auftragsbuch ist gut gefüllt: Der gesamte Cloud-Auftragsbestand erreichte Ende 2025 77 Milliarden Euro, ein Plus von 30 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Der laufende Cloud-Auftragsbestand, also der Teil, der innerhalb von zwölf Monaten in Umsatz umschlägt, stand zum 30. Juni 2026 bei 22.929 Millionen Euro — 27 Prozent über dem Vorjahr.
Kurz gesagt: Die Wachstumsgeschichte ist keine Erfindung. Sie steht in den Büchern. Und jetzt kommt der Teil, der ebenfalls in den Büchern steht, aber selten in den Schlagzeilen.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: SAP erwartet selbst, dass die Wartungserlöse schneller wegbrechen
Neben der Cloud gibt es bei SAP einen zweiten großen Erlösstrom, über den kaum jemand spricht: die Softwarewartung. Kunden, die SAP-Software vor Jahren als Lizenz gekauft haben und auf eigenen Servern betreiben, zahlen dafür jährliche Wartungsgebühren — für Updates, Fehlerbehebung und technischen Support. Dieses Geschäft ist alt, es wächst nicht, es kostet SAP fast nichts mehr in der Entwicklung, und genau deshalb ist es außergewöhnlich margenstark. 2025 brachte es 10.525 Millionen Euro ein, rund 29 Prozent des Konzernumsatzes.
Diese Erlöse schrumpfen. 11.496 Millionen Euro (2023), 11.290 Millionen (2024), 10.525 Millionen (2025) — und im ersten Halbjahr 2026 noch einmal 9 Prozent weniger, von 5.403 auf 4.908 Millionen Euro. Der Grund ist logisch und zugleich unangenehm: Jeder Kunde, der von der eigenen Serveranlage in SAPs Cloud umzieht, hört auf, Wartungsgebühren zu zahlen — und fängt an, Abonnementgebühren zu zahlen. Der Cloud-Erfolg frisst also einen Teil des Bestandsgeschäfts. SAP schreibt das in seinen Ausblick vom 28. Juli 2026 mit bemerkenswerter Offenheit:
„Constant currencies software support revenue decline rate to accelerate in the coming years as a consequence of an acceleration of customers transforming to the cloud.“
Übersetzung: „Die Rückgangsrate der Softwarewartungserlöse zu konstanten Wechselkursen wird sich in den kommenden Jahren beschleunigen, weil sich der Wechsel der Kunden in die Cloud beschleunigt.“
— SAP SE, Form 6-K vom 28. Juli 2026, Anlage 99.1 (Quartalsmitteilung Q2 2026), Abschnitt „Outlook“
Warum das mehr ist als eine Fußnote: Ein Euro Wartungsumsatz und ein Euro Cloud-Umsatz sind nicht dasselbe. Die Cloud-Bruttomarge lag im zweiten Quartal 2026 bei 74,3 Prozent — hoch, aber sie enthält die laufenden Kosten für Rechenzentren, Betrieb und Support. Bei der Wartung fallen diese Kosten weitgehend weg, weil der Kunde die Software selbst betreibt. Wenn also ein Kunde umzieht, ersetzt SAP hochmargigen Bestandsumsatz durch etwas weniger margenstarken Neuumsatz — und muss zusätzlich wachsen, nur um auf der Stelle zu treten. Genau das erklärt, warum der Konzernumsatz 2025 zwar um 8 Prozent stieg, während der Cloud-Umsatz um 23 Prozent zulegte.
Und die Cloud-Marge steht sogar leicht unter Druck: Sie sank im zweiten Quartal 2026 von 74,7 auf 74,3 Prozent, die operative Marge (non-IFRS) von 28,5 auf 27,8 Prozent. Das ist kein Einbruch. Aber es ist die Gegenrichtung zu dem, was die Erzählung „margenstarker KI-Konzern“ nahelegt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Drittel des Ergebniszuwachses hat der eigene Kursrutsch bezahlt
Jetzt wird es rechnerisch interessant — und das ist der Befund, den wir bei dieser Analyse am wenigsten erwartet hatten. SAP zahlt einen großen Teil der Vergütung in Aktien. Nach den Rechnungslegungsregeln muss der Aufwand dafür laufend neu bewertet werden: Steigt der Aktienkurs, wird die Zusage teurer und der Aufwand höher. Fällt der Kurs, wird sie billiger — und der Aufwand sinkt. SAP erklärt den Effekt selbst:
„The decrease in share-based payment expenses is mainly due to a reduction in the SAP share price of around €75 in the first half of 2026, as compared to an increase in the first half of 2025 of around €20.“
Übersetzung: „Der Rückgang der Aufwendungen für aktienbasierte Vergütung geht im Wesentlichen auf einen Rückgang des SAP-Aktienkurses um rund 75 Euro im ersten Halbjahr 2026 zurück, verglichen mit einem Anstieg um rund 20 Euro im ersten Halbjahr 2025.“
— SAP SE, Form 6-K vom 28. Juli 2026, Anlage 99.1, Abschnitt (K) „Share-Based Payment Expenses“
Rechnen wir das nach. Die aktienbasierte Vergütung fiel im ersten Halbjahr 2026 von 949 auf 753 Millionen Euro — eine Entlastung von 196 Millionen Euro. Im selben Zeitraum stieg das operative Ergebnis nach SAPs eigener Kennzahl (non-IFRS) von 5.024 auf 5.609 Millionen Euro, also um 585 Millionen Euro. 196 von 585 sind rund ein Drittel des Zuwachses. Und dieser Posten steckt tatsächlich in der Kennzahl drin: Anders als Restrukturierungs- oder Übernahmeaufwand rechnet SAP die aktienbasierte Vergütung nicht aus dem non-IFRS-Ergebnis heraus.
Die Gegenprobe im Quartal liefert dasselbe Bild: Im zweiten Quartal 2026 allein sank der Posten von 529 auf 468 Millionen Euro (61 Millionen Entlastung), während das operative Ergebnis (non-IFRS) um 175 Millionen Euro zulegte — wieder rund ein Drittel. Es ist also kein Rundungseffekt eines einzelnen Quartals.
Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir vor, dein Arbeitgeber meldet einen Gewinnsprung — und ein Drittel davon kommt daher, dass die Mitarbeiterbeteiligung, die er versprochen hat, weniger wert geworden ist. Das ist buchhalterisch korrekt und wirtschaftlich sogar echt: Es fließt tatsächlich weniger ab. Nur ist es eben keine Leistung des Geschäfts, und es dreht sich um, sobald der Kurs wieder steigt. Zur Einordnung: 2024, als der SAP-Kurs um mehr als 95 Euro zulegte, kletterte dieser Posten auf 2.385 Millionen Euro im Gesamtjahr; 2025, bei einem Rückgang um mehr als 25 Euro, fiel er auf 1.695 Millionen. Merke: Wenn ein Ergebnis mit dem eigenen Aktienkurs atmet, ist ein Ergebnissprung in schwachen Kursjahren kein Beweis für operative Stärke.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Zwei Drittel des Eigenkapitals sind Firmenwert aus Zukäufen
Ein Blick in die Bilanz zum 30. Juni 2026. Die Bilanzsumme lag bei 75.609 Millionen Euro, das Eigenkapital der Anteilseigner bei 44.742 Millionen Euro. Davon entfallen 30.408 Millionen Euro auf den Firmenwert — den sogenannten Goodwill. Das sind gut zwei Drittel des Eigenkapitals.
Was ist ein Firmenwert? Wenn ein Konzern eine andere Firma für mehr kauft, als deren Vermögensgegenstände einzeln wert sind, landet die Differenz als Firmenwert in der Bilanz. Es ist der bezahlte Preis für Marke, Kundenstamm, Know-how und Erwartungen. Übersetzt: Er ist keine Maschine, die man verkaufen kann, sondern ein Versprechen, dass sich der Kaufpreis irgendwann rechnet. Rechnet er sich nicht, muss er abgeschrieben werden — dann verschwindet Eigenkapital, ohne dass ein einziger Euro geflossen wäre.
Zieht man neben dem Firmenwert auch die übrigen immateriellen Vermögenswerte (2.638 Millionen Euro) ab, bleiben von 44.742 Millionen Euro Eigenkapital noch rund 11,7 Milliarden Euro in greifbarer Form. Ein Softwarekonzern ist naturgemäß immateriell, das ist keine Anklage. Aber es begrenzt den Sicherheitspuffer: Bei SAP hängt die Bilanzsubstanz an der Annahme, dass die zugekauften Geschäfte weiter funktionieren.
Und SAP kauft weiter zu. Allein 2026 wurden drei Übernahmen abgeschlossen: Reltio (Stammdatenverwaltung, Abschluss 7. Mai 2026, Kaufpreis 1.259 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1.076 Millionen Euro), Dremio (Datenplattform, 6. Juli 2026) und Prior Labs (KI-Grundlagenmodelle für Tabellendaten, 16. Juli 2026). Der Firmenwert stieg im ersten Halbjahr 2026 dadurch von 29.014 auf 30.408 Millionen Euro. Bemerkenswert an dieser Stelle: Wegen der Verwässerung durch Dremio und Prior Labs hat SAP am 28. Juli 2026 die Prognose für das operative Ergebnis 2026 gesenkt — von 11,9 bis 12,3 auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Reltio steuerte im zweiten Quartal rund 25 Millionen Euro Umsatz bei und belastete das operative Ergebnis (IFRS) mit rund 13 Millionen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 480 Millionen Dollar an einen Gegner, den kaum jemand auf dem Zettel hatte
Im Jahresbericht 2025 taucht unter den Rechtsstreitigkeiten eine Rückstellung von 387 Millionen Euro auf, die es ein Jahr zuvor noch nicht gab. Der Grund: Der Datenbankanbieter Teradata hatte SAP 2018 in den USA verklagt — wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen und Verstoßes gegen das US-Kartellrecht bei der Entwicklung der Datenbank SAP HANA. SAP hatte die Klage 2021 zunächst abwehren können; ein Berufungsurteil 2024 ließ sie wieder zu, und im Oktober 2025 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA eine Überprüfung ab. Der Geschworenenprozess war für März bis April 2026 angesetzt.
Dazu kam es nicht. Ende Februar 2026 einigten sich beide Seiten:
„SAP paid the full settlement amount of US$480 million (€408 million) in March 2026.“
Übersetzung: „SAP zahlte den vollen Vergleichsbetrag von 480 Millionen US-Dollar (408 Millionen Euro) im März 2026.“
— SAP SE, Form 6-K vom 28. Juli 2026, Anlage 99.1, Abschnitt (L) „Teradata Litigation Matter“
Für einen Konzern mit 10 Milliarden Euro operativem Ergebnis sind 408 Millionen Euro verkraftbar — aber sie erklären zum Beispiel, warum der freie Mittelzufluss im ersten Halbjahr 2026 nur um 5 Prozent auf 6.250 Millionen Euro stieg, während das operative Ergebnis um 12 Prozent zulegte. Und die Sache ist nicht das einzige Verfahren dieser Art: Der Prozessdatenanalyst Celonis hat SAP im März 2025 in den USA ebenfalls wegen Kartellrechtsverstößen verklagt und fordert rund 70 Millionen US-Dollar; der Prozess ist derzeit für den 8. März 2027 angesetzt, parallel läuft eine Beschwerde beim Bundeskartellamt. Und die Europäische Kommission hat SAPs Regeln für die Wartung der klassischen, beim Kunden installierten Software untersucht — das Verfahren wurde am 9. Juli 2026 durch einen Verpflichtungsbeschluss beendet, also durch verbindliche Zusagen von SAP.
Der Zusammenhang zwischen diesen drei Verfahren ist kein Zufall: Alle drei drehen sich um dieselbe Frage — wie weit darf ein Anbieter gehen, dessen Software für seine Kunden praktisch unverzichtbar ist? Genau die Marktstellung, die SAP so wertvoll macht, ist zugleich das, was Behörden und Wettbewerber anzieht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Das Sparprogramm über 10.000 Stellen hat die Belegschaft nicht verkleinert
Im Januar 2024 kündigte SAP ein konzernweites Umbauprogramm an, das rund 10.000 Stellen betraf und 2024 mit 3.144 Millionen Euro zu Buche schlug. In der Berichterstattung klang das nach einem Stellenabbau in beträchtlicher Größenordnung. Ein Blick in die Beschäftigtentabelle des Jahresberichts 2025 zeigt etwas anderes: Die Zahl der Vollzeitstellen stieg von 109.121 (31. Dezember 2024) auf 110.650 (31. Dezember 2025). Die Kopfzahl kletterte von 109.973 auf 111.397.
Das war auch nie anders angekündigt — SAP schreibt selbst, das Programm sei überwiegend über Freiwilligenprogramme und interne Umschulung gelaufen und habe dazu gedient, „den Fokus auf strategische Wachstumsfelder, insbesondere Business AI“ zu erhöhen. Es war also eine Umschichtung, keine Verkleinerung. Für dich als Anleger ist der Unterschied wesentlich: Aus einer Umschichtung entsteht keine dauerhafte Kostenentlastung, sondern bestenfalls eine andere Kostenstruktur. Wer die Ergebnisverbesserung 2025 gegenüber 2024 als Frucht eines Sparprogramms liest, liest zu großzügig — der Löwenanteil ist schlicht der Wegfall des einmaligen Restrukturierungsaufwands.
Die KI-Frage: Wie viel steckt wirklich drin?
Weil das Etikett „KI“ den Kurs über Monate getragen hat, gehört die Frage sauber beantwortet: Verkauft SAP tatsächlich KI, oder ist es Marketing auf bestehenden Produkten? Die Antwort steht im Jahresbericht — und sie fällt deutlicher aus, als man vermuten würde:
„At the same time, we see SAP Business AI gaining momentum, with more than two-thirds of our cloud order entry containing SAP Business AI in the fourth quarter of 2025 and therefore increasing more than 20pp compared to the third quarter of 2025.“
Übersetzung: „Gleichzeitig gewinnt SAP Business AI an Fahrt: Mehr als zwei Drittel unseres Cloud-Auftragseingangs im vierten Quartal 2025 enthielten SAP Business AI, ein Zuwachs von mehr als 20 Prozentpunkten gegenüber dem dritten Quartal 2025.“
— SAP SE, Form 20-F für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 26. Februar 2026, Konzernlagebericht
Das ist eine harte Zahl, und sie stammt aus einem Dokument, das unter Strafandrohung unterschrieben wird. Dazu passt die Produktseite: Joule als Sprachoberfläche über allen Anwendungen, 30 im Jahr 2025 veröffentlichte Joule Agents, die SAP Business Data Cloud als Datenschicht darunter, dazu Partnerschaften unter anderem mit Anthropic, Amazon Web Services, NVIDIA, Palantir, Perplexity und Google Cloud. SAP formuliert die Strategie im Jahresbericht als „AI-First“: KI werde nicht an bestehende Prozesse angehängt, sondern die Produktentwicklung selbst danach ausgerichtet.
Zwei Einschränkungen bleiben aber. Erstens sagt „enthält SAP Business AI“ nichts darüber, wie viel Umsatz die KI-Funktionen für sich genommen erzeugen — es sagt nur, dass sie Teil des Pakets waren. Eine separate Umsatzangabe für Business AI gibt es in den Berichten nicht. Zweitens war die Nachricht des vierten Quartals 2025 nicht nur positiv: Der laufende Cloud-Auftragsbestand wuchs mit 25 Prozent zu konstanten Kursen langsamer als erwartet — SAP nennt das im Jahresbericht selbst eine „stärker als erwartete Verlangsamung“. Und für 2026 erwartet SAP eine weitere leichte Abschwächung dieser Wachstumsrate.
Bewertung: Was der Markt für das Etikett zahlt
Am 7. August 2026 schloss die SAP-Aktie im Xetra-Handel bei 177,96 Euro. Bei rund 1.154 Millionen ausstehenden Aktien entspricht das einer Marktkapitalisierung von rund 205 Milliarden Euro. Das ist mehr als das Fünffache des Jahresumsatzes (Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 5,4) und rund das 4,6-Fache des bilanziellen Eigenkapitals je Aktie.
Auf Basis des Gewinns der vergangenen zwölf Monate (6,67 Euro je Aktie) ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27; gemessen an den Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sind es rund 24. Der Unternehmenswert — Marktkapitalisierung plus Schulden minus Kasse — liegt bei rund 204 Milliarden Euro und damit beim rund 16-Fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die Dividende von 2,50 Euro je Aktie ergibt eine Rendite von rund 1,4 Prozent bei einer Ausschüttungsquote von rund 38 Prozent.
Ist das teuer? Das hängt davon ab, welche Wachstumsrate man einsetzt. Rechnet man mit dem Cloud-Wachstum von über 20 Prozent, wirken 27 fast günstig. Rechnet man mit dem Konzernumsatzwachstum von 8 Prozent (2025) — also nach Abzug der schrumpfenden Wartung —, wirken 27 sportlich. Genau darin liegt der Etiketten-Effekt in Zahlen: Ein „KI-Konzern“ wird nach der Cloud-Rate bewertet, ein Softwarehaus nach der Konzernrate. Es ist dieselbe Firma.
SAP selbst gibt seinem Kurs Rückenwind: Im Januar 2026 startete ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro mit Laufzeit bis zum 31. Dezember 2027. Bis zum 30. Juni 2026 wurden darunter 16.280.097 Aktien zu durchschnittlich 161,16 Euro zurückgekauft, ein Volumen von rund 2,6 Milliarden Euro. Die Finanzierung ist solide: Im Mai 2026 platzierte SAP eine Anleihe über 3,5 Milliarden Euro in vier Tranchen, bewertet mit A1 (stabil) von Moody's und A+ (stabil) von S&P Global. Zum 30. Juni 2026 standen 10.511 Millionen Euro Zahlungsmittel gegen 10.507 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten — netto also praktisch schuldenfrei.
Ein Wort zur Währung, weil sie 2026 einen spürbaren Teil des Unterschieds zwischen den gemeldeten und den „bereinigten“ Wachstumsraten erklärt: SAP verdient einen erheblichen Teil des Geldes in US-Dollar, rechnet aber in Euro ab. Bei den Wechselkursen vom 30. Juni 2026 erwartet SAP für das Gesamtjahr 2026 einen Gegenwind von 1,5 Prozentpunkten beim Cloud-Umsatz und 2,0 Prozentpunkten beim operativen Ergebnis. Deshalb steht in jeder Meldung eine zweite Zahlenreihe „zu konstanten Wechselkursen“ — sie ist die freundlichere. Ab 2027 will SAP Währungseffekte zusätzlich aus der eigenen non-IFRS-Kennzahl herausrechnen, ausdrücklich, um besser mit US-Wettbewerbern vergleichbar zu sein.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für SAP spricht:
- Der Umbau zur Cloud funktioniert messbar: Cloud-Umsatz 2025 bei 21.023 Millionen Euro (plus 23 Prozent), im ersten Halbjahr 2026 plus 21 Prozent auf 12.244 Millionen; der laufende Cloud-Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2026 bei 22.929 Millionen Euro (plus 27 Prozent).
- Außergewöhnlich hohe Wechselkosten: Wer sein Rechnungswesen auf SAP betreibt, wechselt nicht wegen eines besseren Angebots. Das zeigt sich in der Cloud-Bruttomarge von 74,3 Prozent (zweites Quartal 2026) und einer Eigenkapitalrendite von rund 18 Prozent.
- Der KI-Anteil ist beziffert, nicht behauptet: Mehr als zwei Drittel des Cloud-Auftragseingangs im vierten Quartal 2025 enthielten SAP Business AI — ein Zuwachs von über 20 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal.
- Solide Finanzlage: 10.511 Millionen Euro Zahlungsmittel gegen 10.507 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten (30. Juni 2026), Bonität A1 (Moody's) und A+ (S&P Global), Anleihe über 3,5 Milliarden Euro im Mai 2026 platziert, Rückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro bis Ende 2027.
- Der freie Mittelzufluss wächst deutlich: 8,24 Milliarden Euro 2025, für 2026 stellt SAP rund 10 Milliarden Euro in Aussicht — trotz der 408 Millionen Euro, die im März 2026 an Teradata gingen.
Was dagegen spricht:
- SAP erwartet selbst einen beschleunigten Rückgang der Softwarewartungserlöse (2025: 10.525 Millionen Euro, erstes Halbjahr 2026: minus 9 Prozent) — der margenstärkste Erlösstrom des Hauses schmilzt planmäßig ab.
- Rund ein Drittel des Ergebniszuwachses im ersten Halbjahr 2026 stammt aus dem Rückgang der aktienbasierten Vergütung (949 auf 753 Millionen Euro), verursacht durch den eigenen Kursrutsch — ein Effekt, der sich bei einer Kurserholung umkehrt.
- Der Firmenwert von 30.408 Millionen Euro entspricht gut zwei Dritteln des Eigenkapitals (44.742 Millionen Euro, 30. Juni 2026); materielles Eigenkapital bleiben rund 11,7 Milliarden Euro.
- Drei kartellrechtliche Auseinandersetzungen zur selben Grundfrage: der Teradata-Vergleich über 480 Millionen US-Dollar (gezahlt März 2026), die Celonis-Klage (Prozesstermin 8. März 2027, rund 70 Millionen US-Dollar gefordert, dazu eine Beschwerde beim Bundeskartellamt) und das EU-Verfahren zur Wartungspolitik, beendet am 9. Juli 2026 durch verbindliche Zusagen.
- Die Margen zeigen leicht nach unten statt nach oben: Cloud-Bruttomarge im zweiten Quartal 2026 von 74,7 auf 74,3 Prozent, operative Marge (non-IFRS) von 28,5 auf 27,8 Prozent. Und die Prognose für das operative Ergebnis 2026 wurde am 28. Juli 2026 wegen der Zukäufe Dremio und Prior Labs gesenkt.
- Währungsgegenwind: Bei den Kursen vom 30. Juni 2026 erwartet SAP für 2026 minus 1,5 Prozentpunkte beim Cloud-Umsatz und minus 2,0 Prozentpunkte beim operativen Ergebnis. Der Ausblick steht zudem ausdrücklich unter der Annahme einer Entspannung des Nahost-Konflikts.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Etiketten-Effekt vom Anfang. Das Etikett „KI-Champion“ ist bei SAP nicht falsch — der Jahresbericht liefert eine Zahl dafür, die man nicht wegdiskutieren kann. Aber das Etikett verdeckt, dass hinter der Tür zwei Geschäfte gleichzeitig laufen: ein junges, das schnell wächst und viel Aufmerksamkeit bekommt, und ein altes, das langsam schrumpft und die Rechnung bezahlt. SAP weiß das genau und schreibt es sogar in den Ausblick. Nur liest es kaum jemand, weil es an der langweiligsten Stelle des Dokuments steht.
Und dann ist da noch die Zahl, die uns an dieser Analyse am längsten beschäftigt hat: 196 von 585 Millionen Euro Ergebniszuwachs im ersten Halbjahr 2026 kamen daher, dass die eigene Aktie gefallen ist. Das ist ehrlich ausgewiesen, sauber erklärt, buchhalterisch korrekt — und es ist trotzdem das Gegenteil dessen, was die Überschrift „Betriebsergebnis plus 12 Prozent“ nahelegt. Wer nur die Überschrift liest, bekommt eine Erfolgsmeldung. Wer bis Seite 21 liest, bekommt die Begründung.
Am Ende ist das die einzige Fähigkeit, die dich vor dem Etiketten-Effekt schützt: Ein Etikett zu lesen dauert eine Sekunde, einen Quartalsbericht zwanzig Minuten. Die zwanzig Minuten sind der Unterschied. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- SAP SE — Form 6-K vom 28. Juli 2026, Anlage 99.1: Quartalsmitteilung zum zweiten Quartal 2026 (jüngster Periodenbericht)
- SAP SE — Form 6-K vom 28. Juli 2026, Anlage 99.2: Halbjahresbericht 2026 — Konzernzwischenabschluss, Anhang und Finanzkalender
- SAP SE — Form 20-F für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 26. Februar 2026 — Konzernlagebericht, Konzernabschluss, Rechtsstreitigkeiten, Beschäftigten- und Aktionärstabellen
- SAP SE — Form 6-K vom 28. April 2026, Anlage 99.1: Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026
- SAP SE — Form 6-K vom 3. Februar 2026, Anlage 99.1: Quartalsmitteilung zum vierten Quartal und Geschäftsjahr 2025 — Quelle für den Cloud-Auftragsbestand von 77 Milliarden Euro und das neue Rückkaufprogramm
- SAP SE — Form 6-K vom 8. Mai 2026, Anlage 99.1: Abstimmungsergebnisse der Hauptversammlung vom 5. Mai 2026
- SEC EDGAR — Einreichungsverzeichnis der SAP SE (CIK 0001000184)
- Fundamentaldaten (Kurs, Marktkapitalisierung, Bewertungskennzahlen; Datenstand 7. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt, der Gesamtstand dieser Fassung ist der 9. August 2026. Die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026 ist laut Finanzkalender für den 21. Oktober 2026 angekündigt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in SAP-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 26.953,0 | 30.872,0 | 31.207,0 | 34.176,0 | 36.800,0 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 6.308,0 | 4.672,0 | 6.584,0 | 4.665,0 | 10.293,0 |
| Nettogewinn | 5.256,0 | 3.278,0 | 3.598,0 | 3.124,0 | 7.327,0 |
| Nettomarge | 19,5 % | 10,6 % | 11,5 % | 9,1 % | 19,9 % |
| Gewinn je Aktie | 4,45 € | 2,79 € | 3,05 € | 2,65 € | 6,24 € |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell und Wechselkosten positiv
- SAP-Software steuert die Kernabläufe von Großkonzernen — Finanzen, Einkauf, Produktion, Personal. Wer sie einmal betreibt, wechselt praktisch nicht mehr. Das zeigt sich in einer Cloud-Bruttomarge von 74,3 Prozent (zweites Quartal 2026) und einer Eigenkapitalrendite von rund 18 Prozent.
- Cloud-Wachstum positiv
- Der Cloud-Umsatz stieg von 13.664 Millionen Euro (2023) auf 21.023 Millionen (2025) und im ersten Halbjahr 2026 um weitere 21 Prozent auf 12.244 Millionen. Der laufende Cloud-Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2026 bei 22.929 Millionen Euro, 27 Prozent über dem Vorjahr; der gesamte Cloud-Auftragsbestand erreichte Ende 2025 77 Milliarden Euro.
- Schmelzendes Bestandsgeschäft negativ
- Die Softwarewartung — das margenstärkste Geschäft — sank von 11.496 Millionen Euro (2023) auf 10.525 Millionen (2025) und im ersten Halbjahr 2026 um weitere 9 Prozent auf 4.908 Millionen. SAP erwartet im Ausblick vom 28. Juli 2026 ausdrücklich eine Beschleunigung dieses Rückgangs.
- Ergebnisqualität neutral
- Rund ein Drittel des Zuwachses beim operativen Ergebnis (non-IFRS) im ersten Halbjahr 2026 — 196 von 585 Millionen Euro — stammt aus dem Rückgang der aktienbasierten Vergütung von 949 auf 753 Millionen Euro, verursacht durch den eigenen Kursrutsch von rund 75 Euro. Der Effekt kehrt sich bei steigenden Kursen um. Zugleich sanken die Cloud-Bruttomarge (74,7 auf 74,3 Prozent) und die operative Marge (28,5 auf 27,8 Prozent) im zweiten Quartal.
- Bilanz und Finanzierung positiv
- Zum 30. Juni 2026 standen 10.511 Millionen Euro Zahlungsmittel gegen 10.507 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten — netto praktisch schuldenfrei. Bonität A1 (Moody's) und A+ (S&P Global), Anleihe über 3,5 Milliarden Euro im Mai 2026 platziert. Einschränkung: 30.408 Millionen Euro des Eigenkapitals von 44.742 Millionen sind Firmenwert aus Zukäufen.
- Regulierung und Rechtsrisiken neutral
- Der Teradata-Streit endete mit einer Zahlung von 480 Millionen US-Dollar im März 2026. Das EU-Verfahren zur Wartungspolitik wurde am 9. Juli 2026 durch verbindliche Zusagen beendet. Offen bleibt die Celonis-Klage (Prozesstermin 8. März 2027, rund 70 Millionen US-Dollar gefordert) samt Beschwerde beim Bundeskartellamt. Alle drei Verfahren drehen sich um dieselbe Frage: die Marktstellung eines faktisch unverzichtbaren Anbieters.
SAP hat den Umbau vom Lizenzverkäufer zum Cloud-Abonnement-Anbieter geschafft — der Cloud-Umsatz erreichte 2025 21.023 Millionen Euro und wuchs im ersten Halbjahr 2026 um weitere 21 Prozent. Gleichzeitig schmilzt das margenstarke Wartungsgeschäft, und SAP erwartet selbst eine Beschleunigung dieses Rückgangs. Ein Drittel des Ergebniszuwachses im ersten Halbjahr 2026 stammt zudem aus dem Rückgang der aktienbasierten Vergütung, den der eigene Kursrutsch ausgelöst hat. Die Bilanz ist netto schuldenfrei, ruht aber zu gut zwei Dritteln auf Firmenwert aus Zukäufen. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Grün steht hier für die Qualität des Unternehmens, nicht für einen Einstiegszeitpunkt und nicht für die Bewertung. Das Geschäftsmodell trägt: SAP-Software steuert die Kernprozesse von Großkonzernen und ist nach der Einführung praktisch nicht austauschbar — sichtbar in einer Cloud-Bruttomarge von 74,3 Prozent, einem laufenden Cloud-Auftragsbestand von 22.929 Millionen Euro zum 30. Juni 2026 und einem freien Mittelzufluss von 8,24 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Bilanz ist belastbar: 10.511 Millionen Euro Zahlungsmittel stehen 10.507 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten gegenüber, die Bonität liegt bei A1 beziehungsweise A+, es gibt keinen Fortführungshinweis, keine erkennbare Covenant-Frage und keine existenzielle Abhängigkeit von einem einzelnen Kunden. Auch die Rechtsstreitigkeiten sind kein Substanzrisiko: Der Teradata-Vergleich über 480 Millionen US-Dollar wurde im März 2026 vollständig bezahlt, das EU-Verfahren am 9. Juli 2026 durch Zusagen beendet, und die Celonis-Forderung von rund 70 Millionen US-Dollar liegt weit unter jeder Wesentlichkeitsschwelle für einen Konzern dieser Größe. Die beiden Befunde dieser Analyse sind ernst zu nehmen, ändern aber nichts an der Substanz: Der beschleunigte Rückgang der Wartungserlöse ist die planmäßige Kehrseite des Cloud-Erfolgs und kein Bruch, und die Entlastung von 196 Millionen Euro aus der aktienbasierten Vergütung ist ehrlich ausgewiesen — sie macht die Ergebnisqualität eines einzelnen Halbjahres schlechter, nicht das Unternehmen. Was gegen SAP sprechen kann, sind Preisargumente: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 bei einem Konzernumsatzwachstum von 8 Prozent, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 4,6 und ein Eigenkapital, das zu gut zwei Dritteln aus Firmenwert besteht. Preisargumente sind aber keine Qualitätsargumente — die Kaufentscheidung treffen die Scanner, nicht diese Ampel. Der nächste überprüfbare Zwischenstand ist die Quartalsmitteilung am 21. Oktober 2026.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- SAP ist ein ausländisches Meldeunternehmen (Foreign Private Issuer) bei der US-Börsenaufsicht SEC: Statt Geschäftsbericht (10-K) und Quartalsbericht (10-Q) gibt es den Jahresbericht auf Form 20-F und laufende Mitteilungen auf Form 6-K, bilanziert wird nach IFRS. Alle Zahlen dieser Analyse stammen aus dem Form 20-F für 2025 (26. Februar 2026) und den Formularen 6-K vom 3. Februar, 28. April und 28. Juli 2026. Kennnummer bei der SEC: CIK 0001000184.
- Die Rechnung „ein Drittel des Ergebniszuwachses“ bezieht sich auf das operative Ergebnis nach SAPs eigener Kennzahl (non-IFRS) im ersten Halbjahr 2026: 5.609 nach 5.024 Millionen Euro, also plus 585 Millionen. Die aktienbasierte Vergütung fiel im selben Zeitraum von 949 auf 753 Millionen Euro, eine Entlastung von 196 Millionen — das sind 33,5 Prozent des Zuwachses. Die Gegenprobe im zweiten Quartal allein ergibt denselben Anteil (61 von 175 Millionen Euro). SAP rechnet diesen Posten nicht aus der non-IFRS-Kennzahl heraus.
- Verwechslungsgefahr: Das in dieser Analyse verwendete Kürzel SAP.DE ist eine Kurzschreibweise für „SAP, notiert in Deutschland“ — kein amtlicher Börsenplatz-Code. Gehandelt wird die Aktie unter Xetra: SAP sowie an Tradegate, Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf; in den USA als Hinterlegungsschein (ADR) an der NYSE unter SAP. Nicht zu verwechseln mit dem kanadischen Molkereikonzern Saputo, der an der Börse Toronto ebenfalls unter dem Kürzel SAP notiert.
- Ab dem Geschäftsjahr 2027 ändert SAP die Darstellung: Mit dem neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 18 werden zwei zusätzliche Bereinigungen in die non-IFRS-Kennzahlen aufgenommen — Währungseffekte und Zinsen im Zusammenhang mit Steuern. SAP begründet das ausdrücklich damit, den Vergleich mit US-Wettbewerbern zu erleichtern. Die Zahlen ab 2027 sind mit den hier genannten non-IFRS-Werten deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
- Der Ausblick für 2026 steht laut Quartalsmitteilung vom 28. Juli 2026 ausdrücklich unter der Annahme einer baldigen Entspannung des Nahost-Konflikts; SAP weist darauf hin, dass weitergehende Folgen einer Eskalation derzeit nicht abschätzbar sind.
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Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 9. August 2026. Was sich seitdem bei SAP.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
SAP verkauft Unternehmenssoftware, mit der Konzerne ihre Kernabläufe steuern: Finanzen, Einkauf, Produktion, Lieferkette und Personal. Das Kernprodukt heißt SAP S/4HANA, verkauft wird es heute überwiegend als Cloud-Abonnement in den Paketen RISE with SAP (für Bestandskunden) und SAP GROW (für Neukunden). Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern 111.397 Menschen.
Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 19.432 Millionen Euro, der Cloud-Umsatz um 21 Prozent auf 12.244 Millionen. Das operative Ergebnis nach IFRS legte um 12 Prozent auf 5.383 Millionen Euro zu, der Gewinn je Aktie um 19 Prozent auf 3,55 Euro. Der freie Mittelzufluss wuchs nur um 5 Prozent auf 6.250 Millionen Euro — belastet unter anderem durch die Vergleichszahlung an Teradata im März 2026.
Weil jeder Kunde, der von seiner eigenen Serveranlage in SAPs Cloud umzieht, aufhört, jährliche Wartungsgebühren zu zahlen, und stattdessen ein Abonnement bezieht. Die Wartungserlöse sanken von 11.496 Millionen Euro (2023) auf 10.525 Millionen (2025) und im ersten Halbjahr 2026 um weitere 9 Prozent auf 4.908 Millionen. SAP erwartet im Ausblick vom 28. Juli 2026 ausdrücklich, dass sich dieser Rückgang in den kommenden Jahren beschleunigt.
SAP vergütet einen großen Teil der Belegschaft in Aktien; dieser Aufwand wird laufend zum aktuellen Kurs neu bewertet. Weil der SAP-Kurs im ersten Halbjahr 2026 um rund 75 Euro nachgab, sank der Posten von 949 auf 753 Millionen Euro. Die Entlastung von 196 Millionen Euro entspricht rund einem Drittel des Zuwachses beim operativen Ergebnis (non-IFRS) von 585 Millionen Euro. Steigt der Kurs wieder, kehrt der Aufwand zurück.
Laut Jahresbericht 2025 enthielten mehr als zwei Drittel des Cloud-Auftragseingangs im vierten Quartal 2025 SAP Business AI — über 20 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Zentrale Bausteine sind Joule als Sprachoberfläche, 30 im Jahr 2025 veröffentlichte Joule Agents und die SAP Business Data Cloud als Datenschicht. Einen gesondert ausgewiesenen KI-Umsatz nennt SAP dagegen nicht.
Weil SAP ein ausländisches Meldeunternehmen (Foreign Private Issuer) ist: Die Aktie wird über Hinterlegungsscheine an der New York Stock Exchange gehandelt, der Konzern selbst ist deutsch. Für diese Gruppe gilt statt Geschäftsbericht (10-K) und Quartalsbericht (10-Q) der Jahresbericht auf Form 20-F plus laufende Mitteilungen auf Form 6-K. Bilanziert wird nach IFRS. SAPs Kennnummer bei der SEC ist CIK 0001000184.
Die Dividende liegt bei 2,50 Euro je Aktie, was beim Kurs vom 7. August 2026 (177,96 Euro, Xetra) einer Rendite von rund 1,4 Prozent entspricht; die Ausschüttungsquote beträgt rund 38 Prozent. Zusätzlich läuft seit Januar 2026 ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro mit Laufzeit bis zum 31. Dezember 2027 — bis zum 30. Juni 2026 wurden 16.280.097 Aktien zu durchschnittlich 161,16 Euro zurückgekauft.
Der Rechtsstreit mit Teradata endete Ende Februar 2026 mit einem Vergleich; SAP zahlte im März 2026 480 Millionen US-Dollar (408 Millionen Euro). Die Klage von Celonis wegen angeblicher US-Kartellrechtsverstöße läuft weiter, der Prozess ist für den 8. März 2027 angesetzt, gefordert werden rund 70 Millionen US-Dollar. Das EU-Verfahren zur Wartungspolitik bei installierter Software wurde am 9. Juli 2026 durch verbindliche Zusagen von SAP beendet.
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