Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht (44 ) Schwache Marktbreite · Breite fallend (−10 zum 10-Tage-Schnitt) · Makro-Großtermin direkt benachbart

Deutsche Bank: Der Abschlag ist weg — die Rendite noch nicht da

Deutsche Bank: Der Abschlag ist weg — die Rendite noch nicht da

Jahrelang war die Deutsche Bank der Inbegriff der billigen Aktie: ein Bruchteil des Buchwerts, ein Fass ohne Boden. Diese Zeit ist vorbei. Zum 30. Juni 2026 stehen 32,22 Euro materieller Buchwert je Aktie gegen 33,05 Euro Kurs am 18. September 2026 — der Abschlag, der das ganze Argument war, ist aufgebraucht. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital liegt im ersten Halbjahr 2026 bei 11,1 Prozent; das eigene Ziel für 2028 lautet über 13. Wir lesen den Jahresbericht (20-F) und den Zwischenbericht (6-K) Zeile für Zeile und schauen nach, wer diese Lücke schließen soll.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 23. September 2026

Schlusskurs
31,70 € -3,00 %
Marktkapitalisierung
59,6 Mrd. €
KGV
9,6
Wachstums-Score
8/10
AAQS
2/10

Kursentwicklung seit 18. September 2026: -4,1 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Deutsche Bank: Der Abschlag ist weg — die Rendite noch nicht da
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahresbericht 20-F, Zwischenbericht 6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 24,80 € bis 35,80 € · Letzter Kurs: 31,70 € (Stand: 23. September 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Schwäche, die besonders zäh ist, weil sie sich wie Erfahrung anfühlt: die Erinnerungs-Falle. Du hast einen Kurs einmal gesehen — tief, blamabel, ein Trümmerhaufen — und dieser Kurs bleibt für immer dein innerer Maßstab. Alles darüber fühlt sich teuer an, alles darunter nach Schnäppchen. Nur hat dein Gedächtnis eine unangenehme Eigenschaft: Es speichert Preise, keine Zahlen. Und während du dich an den Preis erinnerst, hat sich die Firma dahinter verändert. Manchmal zum Schlechteren. Manchmal, und das ist der schwierigere Fall, zum Besseren.

Kaum eine Aktie eignet sich besser für diese Falle als die Deutsche Bank. Ein Jahrzehnt lang war sie das Standardbeispiel für „optisch billig und trotzdem gefährlich“: Sie notierte deutlich unter dem Wert, den ihre eigene Bilanz auswies, und wurde trotzdem Jahr für Jahr billiger. Das hat sich geändert. Am 18. September 2026 schloss die Aktie im Xetra-Handel bei 33,05 Euro. Der materielle Buchwert je Aktie lag zum 30. Juni 2026 bei 32,22 Euro. Der Abschlag, der über Jahre das eigentliche Argument war, ist damit aufgebraucht.

Machen wir also einen Deal: Wir lesen die Originaldokumente — den Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht SEC (Formular 20-F) vom 12. März 2026 und den Zwischenbericht zum 30. Juni 2026 (Formular 6-K) vom 29. Juli 2026 — und rechnen selbst nach. Nicht, ob die Aktie billig aussieht. Sondern, was die Bank verdient, wovon sie es verdient und wie weit sie von ihren eigenen Zielen entfernt ist.

Was die Deutsche Bank eigentlich macht

Die Deutsche Bank Aktiengesellschaft mit Sitz an der Taunusanlage 12 in Frankfurt am Main nennt ihre Strategie seit Jahren Global Hausbank. Das ist keine Marketingfloskel, sondern eine ziemlich genaue Selbstbeschreibung: Sie will für deutsche und europäische Unternehmen die erste Adresse sein — und diese Unternehmen weltweit begleiten, wenn sie exportieren, zukaufen oder sich Geld besorgen.

Berichtet wird in vier Geschäftsbereichen. Ihre Erträge im ersten Halbjahr 2026 sagen mehr über die Bank als jede Strategiefolie:

  • Investment Bank — 6.558 Millionen Euro. Handel mit Anleihen, Devisen und Zinsen, Finanzierungen, Beratung bei Übernahmen und Börsengängen. Der größte Ertragsbringer und der schwankungsanfälligste.
  • Private Bank — 5.133 Millionen Euro. Privatkunden in Deutschland unter den Marken Deutsche Bank und Postbank sowie das weltweite Vermögensverwaltungsgeschäft.
  • Corporate Bank — 3.722 Millionen Euro. Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Kredite für Firmenkunden — das langweiligste und verlässlichste Geschäft.
  • Asset Management — 1.558 Millionen Euro. Die börsennotierte Fondstochter DWS, die auch Fremdaktionäre hat.

Dazu kommt der Sammelposten Corporate & Other, der im ersten Halbjahr 2026 nur 13 Millionen Euro beisteuerte. Insgesamt standen 16.985 Millionen Euro Erträge zu Buche, ein Plus von 3 Prozent. Zum 30. Juni 2026 arbeiteten 89.742 Menschen (in Vollzeitkapazitäten gerechnet) für den Konzern, nach 89.879 zum Jahresende 2025.

Und dann ist da die Bilanz. Sie ist der eigentliche Charakterzug dieses Unternehmens: 1.526 Milliarden Euro Bilanzsumme zum 30. Juni 2026, nach 1.440 Milliarden zum Jahresende 2025. Dem stehen 68,6 Milliarden Euro Eigenkapital der Aktionäre gegenüber. In einem Bild: Auf jeden Euro echtes Eigenkapital kommen rund 22 Euro Bilanz. Genau deshalb wird eine Bank nicht an ihrer Gesamtkapitalrendite gemessen, sondern an Kapitalquoten — dazu gleich mehr.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2010

    Übernahmeangebot für die Postbank zu 25 Euro je Aktie

    Rund 48,2 Mio. Postbank-Aktien werden angedient. Für Aktionäre der Deutschen Bank wurde daraus ein Rechtsstreit, der das Ergebnis erst 14 Jahre später mit 1,3 Mrd. € belastete.

  2. 2021

    Tiefpunkt der Ertragskraft: 3.518 Mio. Euro vor Steuern

    Nach dem Konzernumbau bleiben 2.595 Mio. € Gewinn nach Steuern. Wer die Aktie damals kaufte, bezahlte einen Bruchteil des Buchwerts — der Sicherheitspuffer, den es heute nicht mehr gibt.

  3. 2024

    1,3 Milliarden Euro Rückstellung für das Postbank-Verfahren

    Nach einem Hinweis des Oberlandesgerichts Köln bildet die Bank im 2. Quartal die Rückstellung. Der Gewinn nach Steuern fällt von 6.452 auf 4.481 Mio. € — ein Rechts-, kein Geschäftsproblem.

  4. 2025

    Bester Vorsteuergewinn seit Jahren, Dividende auf 1,00 Euro

    Der Vorsteuergewinn erreicht 9.069 Mio. €, die Dividende steigt binnen zwei Jahren von 0,45 auf 1,00 € je Aktie. Die Erträge bleiben dabei auf dem Niveau von 2023.

  5. 2026

    Zwei Rückkaufprogramme, 11,1 Prozent Halbjahresrendite, neues AT1-Kapital

    Der Rückkauf über 1 Mrd. € läuft vom 26. Februar bis 21. August, am 25. August startet das zweite Programm über 500 Mio. €. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital erreicht im Halbjahr 11,1 Prozent. Am 21. September begibt die Bank 1,25 Mrd. € AT1-Kapital zu 7,000 Prozent.

Warum es hier ein 20-F gibt und kein 10-K

Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage prägt und weil er an einer Stelle regelmäßig falsch erzählt wird. Die Deutsche Bank ist bei der SEC gemeldet — anders als etwa die Commerzbank, deren Analyse wir vollständig aus deutschen Pflichtberichten gebaut haben. Ihre Kennung lautet CIK 0001159508, und sie reicht regelmäßig Dokumente ein.

Nur eben andere. Als ausländischer Emittent (im US-Recht: Foreign Private Issuer) legt sie keinen Geschäftsbericht auf Formular 10-K und keine Quartalsberichte auf Formular 10-Q vor, sondern einen Jahresbericht auf Formular 20-F und Zwischenberichte auf Formular 6-K. Wer bei EDGAR nach einem 10-Q der Deutschen Bank sucht, findet nichts — und zieht daraus gelegentlich den falschen Schluss, es gebe keine SEC-Berichterstattung. Es gibt sie, sie heißt nur anders. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahresbericht 20-F, Zwischenbericht 6-K)“.

Zweite Klarstellung, und sie ist für deutsche Anleger überraschender: Was an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel DB gehandelt wird, ist kein Hinterlegungsschein. Das Deckblatt des Jahresberichts führt unter den registrierten Wertpapieren „Ordinary shares, no par value | DB | The New York Stock Exchange“, und im Kapitel über die Wertpapiere steht es ausdrücklich:

„Deutsche Bank’s ordinary shares are not represented by American Depositary Receipts and accordingly no information is required to be provided pursuant to Item 12.D.3 and Item 12.D.4.“

Übersetzung: „Die Stammaktien der Deutschen Bank sind nicht durch American Depositary Receipts verbrieft; entsprechend sind zu Punkt 12.D.3 und Punkt 12.D.4 keine Angaben zu machen.“

— Deutsche Bank Aktiengesellschaft, Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025, Punkt 12 (eingereicht am 12. März 2026)

Markierter Ausschnitt aus dem Jahresbericht 20-F für 2025: Die Stammaktien der Deutschen Bank sind nicht durch American Depositary Receipts verbrieft.
Die markierte Stelle im Original: An der NYSE notiert die Stammaktie selbst, kein Hinterlegungsschein. Quelle: Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025 (SEC EDGAR), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wichtig für die Recherche: In der SEC-Einreichungsübersicht stehen neben DB noch die Kürzel DGP, DGZ und DZZ — ebenfalls an einer New Yorker Börse, aber das sind Gold-Schuldverschreibungen aus dem Emissionsprogramm der Bank, keine Aktien. Wer eine dieser Kennungen mit der Aktie verwechselt, misst etwas völlig anderes.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlich bleiben heißt auch: Es gab hier keinen Scanner-Treffer als Aufhänger. Die Deutsche Bank steht auf unserer redaktionellen Beobachtungsliste der deutschen Standardwerte, und was uns beim Prüfen der Belegbasis wirklich überrascht hat, war ihr Einreichungsprofil bei der SEC.

Die Zahl, Stand 21. September 2026: Von den 1.003 jüngsten Dokumenten im EDGAR-Archiv der Bank (Zeitraum 15. Oktober 2024 bis 18. September 2026) sind 953 Preisnachträge auf Formular 424B2 — das sind 95 Prozent. Im laufenden Jahr 2026 waren es bis zum 18. September 352 von 370 Dokumenten. Dem stehen in derselben Zeit ganze 23 Unternehmensberichte gegenüber: zwei Jahresberichte auf Formular 20-F und 21 Meldungen auf Formular 6-K — davon nur sechs Quartals- und Zwischenberichte, der Rest Ergebnismitteilungen, Hauptversammlungsunterlagen und Quartalsrückblicke.

Was ein Preisnachtrag ist, lässt sich in einem Satz sagen: das Preisschild für eine einzelne strukturierte Schuldverschreibung, die die Bank an US-Anleger verkauft. Die Deutsche Bank ist an der amerikanischen Börsenaufsicht also vor allem als Emissionsmaschine sichtbar. In der Bilanz findet sich die Kehrseite: Die als zum Zeitwert bewertet eingestuften finanziellen Verbindlichkeiten stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 26 Prozent auf 144.434 Millionen Euro. Das ist kein Skandal und auch kein Warnsignal — aber es ist ein guter Hinweis darauf, dass diese Bank sehr viel mehr Kapitalmarkt ist, als das Wort „Hausbank“ vermuten lässt.

Und noch eine Randnotiz, die zum Charakter passt: Die klassischen Kennzahlen, mit denen Anleger Aktien sortieren, funktionieren hier nicht. Der Altman-Z-Score, der Unternehmenswert und das Kurs-Umsatz-Verhältnis sind für Industrieunternehmen gebaut. Eine Bank hat ihrer Natur nach eine riesige Bilanz aus Krediten und Einlagen; sie fällt in diesen Formeln entweder durch oder sieht grotesk günstig aus. Wir verwenden sie deshalb hier gar nicht erst. Maßgeblich sind vier andere Größen: harte Kernkapitalquote (wie viel echtes Eigenkapital steht hinter den Risiken?), Verschuldungsquote (wie viel Kapital steht hinter der Bilanz insgesamt?), Kosten-Ertrags-Verhältnis (wie viel Aufwand kostet ein Euro Ertrag?) und die Rendite auf das materielle Eigenkapital.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Die Deutsche Bank kommt aus einem sehr tiefen Loch, und der Weg heraus ist in den Jahresberichten gut dokumentiert. Der Gewinn vor Steuern nach den Zahlen der SEC-Berichte:

  • 2021: 3.518 Millionen Euro vor Steuern, 2.595 Millionen nach Steuern
  • 2022: 5.447 Millionen vor Steuern, 5.554 Millionen nach Steuern — hier lag der Nachsteuergewinn höher, weil ein Steuerertrag von 107 Millionen Euro anfiel
  • 2023: 7.955 Millionen vor Steuern, 6.452 Millionen nach Steuern
  • 2024: 6.703 Millionen vor Steuern, 4.481 Millionen nach Steuern
  • 2025: 9.069 Millionen vor Steuern, 6.814 Millionen nach Steuern
Balkendiagramm: Gewinn der Deutschen Bank vor Steuern steigt von 3.518 Millionen Euro (2021) über 5.447, 7.955 und 6.703 auf 9.069 Millionen Euro (2025); der Gewinn nach Steuern von 2.595 über 5.554, 6.452 und 4.481 auf 6.814 Millionen Euro.
Der Vorsteuergewinn hat sich zwischen 2021 und 2025 von 3.518 auf 9.069 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Einbruch 2024 auf 6.703 Millionen war keine Geschäftsschwäche, sondern eine Rechtslast — dazu gleich mehr. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahresbericht 20-F). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und 2026 legte noch einmal zu. Im ersten Halbjahr stiegen die Erträge um 3 Prozent auf 16.985 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern um 3 Prozent auf 5.555 Millionen, der Gewinn nach Steuern um 3 Prozent auf 3.960 Millionen Euro. Das zweite Quartal war dabei deutlich stärker als das erste: 9.168 Millionen Euro Erträge (plus 10 Prozent), 3.368 Millionen Gewinn vor Steuern (plus 14 Prozent), ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von 58,2 Prozent und eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 14,0 Prozent — so jedenfalls nach der Rechnung des SEC-Berichts. Warum die Bank selbst für dasselbe Quartal deutlich schwächere Werte meldet, ist die erste unbequeme Wahrheit weiter unten.

Auch die Bilanz ist heute eine andere. Zum 30. Juni 2026 lag die harte Kernkapitalquote bei 13,9 Prozent — das sind 51.099 Millionen Euro hartes Kernkapital gegen 367 Milliarden Euro risikogewichtete Aktiva. Die Verschuldungsquote betrug 4,5 Prozent (63,1 Milliarden Euro Kernkapital gegen 1.400,0 Milliarden Euro Gesamtrisikopositionsmessgröße). Die Liquiditätsdeckungsquote lag im zweiten Quartal 2026 bei 140 Prozent und damit 67,9 Milliarden Euro über der aufsichtsrechtlichen Mindestanforderung; hochliquide Aktiva von 237,4 Milliarden Euro standen zur Verfügung.

Eine Ergänzung, die erst nach dem Bilanzstichtag kam: Am 21. September 2026 begab die Bank neue Papiere des zusätzlichen Kernkapitals — im Fachjargon „Additional Tier 1“, kurz AT1 — über 1,25 Milliarden Euro, mit einem festen Kupon von 7,000 Prozent und einem ersten Kündigungstermin am 30. Oktober 2033. Die Bank schreibt selbst, die Emission stütze die Verschuldungsquote sowie die Kernkapital- und die Gesamtkapitalquote. Was sie ausdrücklich nicht stützt, ist die harte Kernkapitalquote: AT1-Papiere zählen zum zusätzlichen Kernkapital, nicht zum harten — die 13,9 Prozent bleiben davon unberührt.

Das ist Routine und kein Notruf: Im ersten Halbjahr 2026 hatte die Bank bereits 1,25 Milliarden Euro solcher Papiere begeben und 801 Millionen Euro (650 Millionen Pfund) zurückgezahlt. Kostenlos ist diese Kapitalschicht trotzdem nicht. Zum 30. Juni 2026 waren 11.967 Millionen Euro AT1-Instrumente aufsichtsrechtlich anrechenbar (als Bilanzposten stehen 12.144 Millionen Euro), und allein im ersten Halbjahr 2026 flossen dafür 796 Millionen Euro Kupons ab. Diese Kupons gehören nicht den Aktionären, und die Bank zieht sie ausdrücklich ab, bevor sie die Rendite auf das materielle Eigenkapital ausrechnet. Die 11,1 Prozent aus dem ersten Halbjahr stehen also bereits nach diesem Abzug — und die neue Tranche kostet für sich genommen rund 88 Millionen Euro Kupon im Jahr.

Dazu kommt, was Aktionäre am direktesten spüren: Die Dividende stieg von 0,45 Euro je Aktie für 2023 über 0,68 Euro für 2024 auf 1,00 Euro für 2025 — in zwei Jahren mehr als verdoppelt. Dazu kommt der Rückkauf eigener Aktien. Ein Programm über 1 Milliarde Euro lief vom 26. Februar bis zum 21. August 2026; bis zum 30. Juni 2026 hatte die Bank daraus 25,4 Millionen Aktien gekauft, am Ende waren es laut ihrer Abschlussmeldung vom 24. August 2026 35,7 Millionen Aktien zu durchschnittlich 28,00 Euro — 1,87 Prozent des Grundkapitals. Am 25. August 2026 begann ein zweites Programm über 500 Millionen Euro, das spätestens am 11. Dezember 2026 endet; bis zum 18. September 2026 waren daraus 8,36 Millionen Aktien zu durchschnittlich 34,24 Euro gekauft, zusammen rund 286 Millionen Euro. Die beiden Programme gehören zu verschiedenen Jahren: Das erste über 1 Milliarde Euro ist laut Jahresbericht eine Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2025; erst das zweite über 500 Millionen zählt zur Zielmarke, ab dem Geschäftsjahr 2026 60 Prozent des Gewinns auszuschütten — laut Zwischenbericht wird es aus dem Gewinn 2026 bezahlt und ist durch bereits vom Kapital abgezogene Beträge vollständig gedeckt.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Es gibt zwei Rechnungen, und die Ziele werden an der EU-Fassung gemessen

Hier lohnt sehr genaues Lesen. Die Deutsche Bank veröffentlicht ihre Zahlen in zwei Fassungen. Für Europa rechnet sie nach den internationalen Rechnungslegungsstandards in der Fassung der Europäischen Union und nutzt dabei eine Sonderregel, die es erlaubt, Zinsabsicherungen auf Sichteinlagen zu bilanzieren. Für die SEC rechnet sie ohne diese Sonderregel. Beide Fassungen sind zulässig und nach denselben Standards aufgestellt — sie liefern nur nicht dasselbe Ergebnis. Der Zwischenbericht selbst weist seine Zahlen ausdrücklich als ungeprüft aus („unaudited“); testiert wird der Jahresabschluss.

Im Alltagsbild: Du führst zwei Haushaltsbücher nach zwei erlaubten Methoden. Beide sind korrekt, beide zeigen am Jahresende einen anderen Betrag. Und wenn du dir selbst ein Sparziel setzt, entscheidest du, welches der beiden Bücher darüber abstimmt.

Die Deutsche Bank sagt genau das, in einem einzigen nüchternen Satz:

„The IASB IFRS financial results may materially differ from the EU-IFRS results as Deutsche Bank applies hedge accounting under the EU carve-out. Deutsche Bank does not use the IASB IFRS financial results as a basis for measuring the bank’s progress towards its financial targets or capital objectives.“

Übersetzung: „Die Ergebnisse nach den IFRS des IASB können wesentlich von den EU-IFRS-Ergebnissen abweichen, weil die Deutsche Bank die Absicherungsbilanzierung nach der EU-Sonderregel anwendet. Die Deutsche Bank verwendet die Ergebnisse nach den IFRS des IASB nicht als Grundlage, um den Fortschritt der Bank bei ihren finanziellen Zielen oder Kapitalzielen zu messen.“

— Deutsche Bank AG, Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Abschnitt „Group results“ (Anlage 99.1 zum Formular 6-K vom 29. Juli 2026)

Markierter Ausschnitt aus dem Zwischenbericht zum 30. Juni 2026: Die Deutsche Bank verwendet die Ergebnisse nach den IFRS des IASB nicht als Grundlage für die Messung ihrer Ziele.
Die markierte Stelle im Original: Die Zielmessung läuft nicht über die Zahlen, die im SEC-Bericht stehen. Quelle: Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Anlage 99.1 zum Formular 6-K (SEC EDGAR), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie groß ist der Unterschied? Die Bank beziffert ihn selbst, Quartal für Quartal. Im zweiten Quartal 2026 senkte die Sonderregel den Gewinn vor Steuern um 688 Millionen Euro und nach Steuern um 496 Millionen — bei einem Quartalsgewinn vor Steuern von 3.368 Millionen Euro also rund ein Fünftel. Im ersten Halbjahr 2026 drehte das Vorzeichen: dort war der Effekt mit plus 166 Millionen Euro positiv. Auf die harte Kernkapitalquote wirkte die Sonderregel zum 30. Juni 2026 kumuliert mit rund minus 53 Basispunkten, nach rund minus 75 Basispunkten ein Jahr zuvor.

„The application of the EU carve out version of IAS 39 had a negative impact of € 688 million on profit before tax and of € 496 million on profit after tax for the three-month period ended June 30, 2026, compared to a negative impact of € 535 million on profit before tax and of € 383 million on profit after tax for the three-month period ended June 30, 2025.“

Übersetzung: „Die Anwendung der EU-Sonderfassung von IAS 39 wirkte sich im Dreimonatszeitraum bis zum 30. Juni 2026 mit minus 688 Millionen Euro auf den Gewinn vor Steuern und mit minus 496 Millionen Euro auf den Gewinn nach Steuern aus, gegenüber minus 535 Millionen Euro vor Steuern und minus 383 Millionen Euro nach Steuern im Dreimonatszeitraum bis zum 30. Juni 2025.“

— Deutsche Bank AG, Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Abschnitt „Basis of preparation“

Markierter Ausschnitt aus dem Zwischenbericht zum 30. Juni 2026: Die EU-Sonderfassung von IAS 39 wirkte sich im zweiten Quartal 2026 mit minus 688 Millionen Euro auf den Gewinn vor Steuern aus.
688 Millionen Euro Unterschied in einem einzigen Quartal — das ist die Spanne zwischen beiden zulässigen Rechnungen. Quelle: Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Anlage 99.1 zum Formular 6-K (SEC EDGAR), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was heißt das für dich? Nichts Dramatisches, aber etwas sehr Praktisches: Vergleiche nie eine Zahl aus einer Pressemitteilung mit einer Zahl aus dem SEC-Bericht, ohne die Rechnungsbasis zu prüfen. Wir verwenden in dieser Analyse für Ergebnis und Bilanz durchgehend die SEC-Zahlen — auch dort, wo das die Bank schlechter aussehen lässt. Eine Ausnahme macht der Bericht selbst: Die aufsichtsrechtlichen Kapitalquoten, also auch die harte Kernkapitalquote von 13,9 Prozent und die Verschuldungsquote, stehen auch im SEC-Dokument auf Basis der EU-Fassung („The Group’s regulatory capital and ratios thereof are also reported on the basis of the EU carve out version of IAS 39“).

Wie weit die beiden Rechnungen auseinanderliegen können, zeigt das zweite Quartal 2026. Im SEC-Bericht steht eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 14,0 Prozent und ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von 58,2 Prozent — beides läge innerhalb der Ziele für 2028. Die Pressemitteilung der Bank vom 29. Juli 2026, gerechnet nach der EU-Fassung, nennt für dasselbe Quartal 11,0 Prozent Rendite und 63,0 Prozent Kosten-Ertrags-Verhältnis. Gemessen wird die Bank an der zweiten Zahl. Und wer die Halbjahresrendite vergleicht: Am 23. September 2026 nannte Finanzvorstand Raja Akram sie auf einer Investorenkonferenz der Bank of America laut veröffentlichter Mitschrift „close to 12%“; im SEC-Bericht stehen 11,1 Prozent. Beides stimmt — es ist nur nicht dieselbe Rechnung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Erträge stehen seit drei Jahren still

Der Gewinnsprung von 2024 auf 2025 sieht nach Wachstum aus. Er ist keines. Die Erträge des Konzerns lagen bei 31.155 Millionen Euro (2023), 31.504 Millionen (2024) und 31.434 Millionen Euro (2025). Das ist über drei Jahre eine Seitwärtsbewegung — 2025 lag sogar minimal unter 2024.

Wo kam der Gewinn dann her? Aus zwei Quellen. Erstens aus den Kosten: Die Verwaltungsaufwendungen sanken 2025 spürbar, weil die Rechtslasten des Vorjahres wegfielen. Zweitens aus der Steuer: Die Steuerquote lag 2025 bei 25 Prozent nach 33 Prozent im Vorjahr, unter anderem wegen der deutschen Steuerreform. Beides sind echte, legitime Gewinnquellen — nur wiederholen sie sich nicht beliebig.

Für 2026 nennt die Bank eine Ertragsmarke von rund 33 Milliarden Euro. Nach 16.985 Millionen im ersten Halbjahr ist das erreichbar, aber es wäre der erste echte Ertragszuwachs seit drei Jahren. Wer die Bewertung der Aktie auf Wachstum stützt, stützt sie auf diese eine Zahl.

Woher soll es kommen? Ein Blick auf das erste Halbjahr 2026 zeigt, wie schmal die Basis ist. Von den 513 Millionen Euro Ertragsplus gegenüber dem Vorjahreszeitraum brachte die Investment Bank 509 Millionen, die Private Bank 324 Millionen und das Asset Management 103 Millionen. Die Corporate Bank verlor 40 Millionen, und der Sammelposten Corporate & Other brach um 382 Millionen auf nur noch 13 Millionen Euro ein. Anders gesagt: Das gesamte Wachstum kommt aus dem Handels- und Beratungsgeschäft und aus dem Vermögensaufbau der Kunden — also genau aus den beiden Bereichen, die am stärksten an Börsenstimmung und Kapitalmarktaktivität hängen. Das stabile Firmenkundengeschäft, das die Strategie „Global Hausbank“ trägt, schrumpfte im selben Zeitraum leicht.

Und der wichtigste einzelne Ertragsposten, der Zinsüberschuss — also das, was die Bank an Krediten und Anlagen mehr verdient, als sie für Einlagen zahlt? Er lag bei 16.122 Millionen Euro (2023), 15.161 Millionen (2024) und 15.673 Millionen Euro (2025), im ersten Halbjahr 2026 bei 8.382 Millionen nach 7.727 Millionen ein Jahr zuvor, ein Plus von 8 Prozent. Das ist der Motor, an dem die 33-Milliarden-Marke hängt — und er ist bewusst gedämpft. Die Bank legt Einlagen, die nicht auf Zinsänderungen reagieren, nicht kurzfristig an, sondern über Jahre gestaffelt:

„To protect the net interest income of rate‑insensitive deposits, Deutsche Bank undertakes interest rate hedging by investing these deposits over a medium‑term horizon, predominantly through structures with a typical 10‑year tractor profile.“

Übersetzung: „Um den Zinsüberschuss aus zinsunempfindlichen Einlagen zu schützen, sichert die Deutsche Bank das Zinsrisiko ab, indem sie diese Einlagen über einen mittelfristigen Zeitraum anlegt, überwiegend in Strukturen mit einem typischen zehnjährigen, gleitend erneuerten Profil.“

— Deutsche Bank AG, Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Abschnitt „Net interest income in the key banking book segments“

Im Alltagsbild: eine Leiter aus Festgeldern mit zehn Sprossen, von denen jedes Jahr nur die unterste zu neuen Zinsen erneuert wird. Laut Bericht hängt der Zinsüberschuss dieser Einlagen vor allem an der Wiederanlage, die rund ein Zehntel des Bestands ausmacht und den Bewegungen der zehnjährigen Zinsen ausgesetzt ist. Das macht den Zinsüberschuss berechenbar — nach unten wie nach oben. Ein schneller Sprung ist aus dieser Quelle deshalb nicht zu erwarten. Und genau diese Absicherungsgeschäfte sind es übrigens, die über die EU-Sonderregel aus Wahrheit Nr. 1 unterschiedlich verbucht werden.

Am 23. September 2026 hat Finanzvorstand Raja Akram beides auf der Investorenkonferenz der Bank of America eingeordnet, laut veröffentlichter Mitschrift. Zum Zinsüberschuss sagte er, der Nutzen komme „gradually over the outer years, as the hedges roll over and we reset them at a higher rate“ — also schrittweise in den Folgejahren, wenn die Absicherungen auslaufen und zu höheren Zinsen erneuert werden; einen größeren Schub erwartet er 2027 und einen noch größeren 2028. Und zum Handel mit Anleihen und Währungen (im Bankjargon „FIC“), dem Kern der Investment Bank, die im ersten Halbjahr fast das ganze Ertragsplus trug, erwartet er für das dritte Quartal 2026 gegenüber dem bislang stärksten dritten Quartal dieses Geschäfts Erträge, die „either flattish or slightly down“ ausfallen, also stagnieren oder leicht sinken. Ob die 33-Milliarden-Marke hält, zeigt der Ergebnisbericht zum 30. September 2026, den die Bank für den 28. Oktober 2026 angekündigt hat.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die größte Einzelrückstellung von 2024 kam aus dem Jahr 2010

Im Oktober 2010 bot die Deutsche Bank den Aktionären der Deutschen Postbank AG 25 Euro je Aktie; rund 48,2 Millionen Aktien wurden angedient. Ehemalige Postbank-Aktionäre klagten, das Angebot sei zu niedrig gewesen: Die Bank hätte bereits 2009 ein Pflichtangebot für alle Aktien abgeben müssen, und angemessen wären 57,25 Euro je Aktie gewesen — in einigen Klagen sogar 64,25 Euro. Die Zahlungsansprüche summierten sich ursprünglich auf knapp 700 Millionen Euro, Zinsen nicht eingerechnet.

Ende April 2024 deutete das Oberlandesgericht Köln in einer Verhandlung an, dass es diese Ansprüche in einer späteren Entscheidung für begründet halten könnte. Die Folge stand ein Quartal später in der Bilanz:

„As a consequence, Deutsche Bank recognized a provision of € 1.3 billion in the second quarter of 2024 to provide for the amount of all pending claims and cumulative interest.“

Übersetzung: „Infolgedessen bildete die Deutsche Bank im zweiten Quartal 2024 eine Rückstellung von 1,3 Milliarden Euro, um die Summe aller anhängigen Ansprüche samt aufgelaufener Zinsen abzudecken.“

— Deutsche Bank Aktiengesellschaft, Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025, Note 27 „Provisions“

Markierter Ausschnitt aus dem Jahresbericht 20-F für 2025: Die Deutsche Bank bildete im zweiten Quartal 2024 eine Rückstellung von 1,3 Milliarden Euro für alle anhängigen Ansprüche samt aufgelaufener Zinsen.
Eine Übernahme aus dem Jahr 2010 schlägt 14 Jahre später mit 1,3 Milliarden Euro zu Buche. Quelle: Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025, Note 27 (SEC EDGAR), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

In der Rückstellungsübersicht wird daraus eine Zeile, die man gesehen haben sollte: Für Zivilverfahren bildete der Konzern im Jahr 2024 insgesamt 2.201 Millionen Euro neue Rückstellungen, bei einem Anfangsbestand von 1.124 Millionen. Genau das ist der Grund, warum der Nachsteuergewinn 2024 von 6.452 auf 4.481 Millionen Euro fiel — nicht das Geschäft.

Die gute Nachricht: Der Fall ist weitgehend abgearbeitet. Bis zum zweiten Quartal 2025 hatte sich die Bank mit 90 Prozent der Ansprüche nach Wert verglichen; zum 31. Dezember 2025 waren noch 112 Millionen Euro Restansprüche vollständig zurückgestellt. Abgeschlossen ist er aber nicht: Am 23. Oktober 2024 gab das Oberlandesgericht Köln im verbliebenen Leitverfahren (im Jahresbericht „lead case“) den Klägern vollständig recht und ließ die Revision zum Bundesgerichtshof nicht zu; dagegen legte die Bank am 19. November 2024 Nichtzulassungsbeschwerde ein. Die Rechtsfrage selbst — ob 2009 ein Pflichtangebot fällig war — liegt damit weiter beim Bundesgerichtshof. Die unbequeme Nachricht steht daneben: Zum selben Stichtag lagen die Rückstellungen für Zivilverfahren immer noch bei 1.192 Millionen Euro, dazu kamen 921 Millionen Euro Eventualverbindlichkeiten — also Fälle, in denen ein Abfluss möglich, aber nicht wahrscheinlich genug für eine Rückstellung ist. Ein Jahr zuvor waren es rund 0,6 Milliarden Euro gewesen. Diese Position wächst.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kostenquote hat noch zwei Jahre Weg vor sich

Das Kosten-Ertrags-Verhältnis sagt, wie viel Aufwand ein Euro Ertrag kostet. Bei der Deutschen Bank lag es bei 69,6 Prozent (2023), 72,9 Prozent (2024), 65,7 Prozent (2025) und 61,5 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Die Richtung stimmt also eindeutig. Das Ziel für 2028 lautet unter 60 Prozent, die Zielrendite auf das materielle Eigenkapital über 13 Prozent — erreicht wurden im ersten Halbjahr 2026 nach der SEC-Rechnung 11,1 Prozent. Nach der EU-Fassung, an der die Bank sich misst, war es laut Finanzvorstand „close to 12%“: Die Lücke ist dort kleiner, geschlossen ist sie auch dort nicht.

Liniendiagramm: Rendite auf das materielle Eigenkapital der Deutschen Bank bei 10,2 Prozent (2023), 6,2 (2024), 9,4 (2025) und 11,1 Prozent im ersten Halbjahr 2026; Kosten-Ertrags-Verhältnis bei 69,6, 72,9, 65,7 und 61,5 Prozent. Gestrichelte Linien markieren die Ziele für 2028 von über 13 und unter 60 Prozent.
Beide Linien laufen in die richtige Richtung: Die Rendite steigt von 6,2 Prozent im Rechtsstreit-Jahr 2024 auf 11,1 Prozent im ersten Halbjahr 2026, das Kosten-Ertrags-Verhältnis sinkt von 72,9 auf 61,5 Prozent. Die gestrichelten Ziellinien für 2028 liegen bei über 13 und unter 60 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Haken steckt im eigenen Ausblick. Für 2026 stellt die Bank Verwaltungsaufwendungen von etwas über 21 Milliarden Euro in Aussicht — also mehr als 2025, weil rund 900 Millionen Euro zusätzliche Investitionen aus einem Gesamtpaket von 1,5 Milliarden Euro bis 2028 anfallen. Und für die Kostenquote nennt sie für 2026 eine deutlich weichere Marke als für 2028:

„For 2026, the bank expects the cost/income ratio to remain below 65%.“

Übersetzung: „Für 2026 erwartet die Bank, dass das Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 65 Prozent bleibt.“

— Deutsche Bank AG, Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Abschnitt „Outlook“

Markierter Ausschnitt aus dem Zwischenbericht zum 30. Juni 2026: Für 2026 erwartet die Bank ein Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 65 Prozent.
Die eigene Marke für 2026 liegt bei unter 65 Prozent — fünf Punkte über dem Ziel für 2028. Quelle: Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, Anlage 99.1 zum Formular 6-K (SEC EDGAR), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt: Der Weg von 61,5 auf unter 60 Prozent ist nicht der schwierige Teil — der schwierige Teil ist, dort zu bleiben, während die Investitionen anlaufen. Die Bank rechnet mit mindestens 2 Milliarden Euro Effizienzgewinnen bis 2028, die das mehr als ausgleichen sollen. Das ist ein Plan, keine Tatsache.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Kreditvorsorge steigt — und der Ausblick lässt sich eine Hintertür offen

Die Vorsorge für ausfallende Kredite lag im ersten Halbjahr 2026 bei 979 Millionen Euro, 9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (894 Millionen), das entspricht 40 Basispunkten des durchschnittlichen Kreditvolumens. Im Gesamtjahr 2025 waren es 1.707 Millionen Euro. Das ist für eine Bank dieser Größe kein Alarmwert, aber die Richtung ist die falsche.

Bemerkenswert ist der Ausblick dazu. Die Bank erwartet für 2026 grundsätzlich eine niedrigere Vorsorge als 2025 — und schiebt im selben Absatz nach, dass sie ausgewählte notleidende Kredite verkaufen könnte, was die Vorsorge dann doch höher ausfallen ließe. Solche Verkäufe sind kapitalschonend und in der Sache vernünftig; für den Leser der Prognose heißt es trotzdem: Die genannte Richtung steht unter Vorbehalt der eigenen Entscheidungen.

Bewertung — was der Markt heute für die Bank zahlt

Jetzt zur Frage aus dem Einstieg. Am 18. September 2026 schloss die Aktie im Xetra-Handel bei 33,05 Euro. Zum 30. Juni 2026 liefen 1.879,0 Millionen Aktien um; seither hat die Bank laut ihren Rückkaufmeldungen bis zum 18. September 2026 weitere rund 18,7 Millionen zurückgekauft. Mit rechnerisch rund 1.860 Millionen Aktien ergibt das einen Börsenwert von rund 61,5 Milliarden Euro — innerhalb von einem Prozent dessen, was die Fundamentaldaten ausweisen (62,1 Milliarden).

Drei Maßstäbe, alle auf diesen Stichtag:

  • Materieller Buchwert: 32,22 Euro je Aktie zum 30. Juni 2026. Der Kurs liegt damit beim rund 1,03-Fachen. Der bilanzielle Buchwert je Aktie beträgt 35,94 Euro; darauf bezogen sind es rund 0,92.
  • Gewinn: Je nach Bezugsgröße das Neun- bis Zehnfache. Die Fundamentaldaten weisen für die letzten vier Quartale ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10 aus; rechnet man das erste Halbjahr 2026 (3.433 Millionen Euro Gewinn der Deutsche-Bank-Aktionäre) auf ein Jahr hoch, sind es rund 9.
  • Ausschüttung: 1,00 Euro Dividende für 2025 entsprechen rund 3,0 Prozent des Kurses. Dazu kommt der Rückkauf über 500 Millionen Euro, der seit dem 25. August 2026 läuft, rund 0,8 Prozent des Börsenwerts. Das Ziel ist eine Gesamtausschüttungsquote von 60 Prozent ab dem Geschäftsjahr 2026.

Wie schmal diese Kante ist, zeigt eine einfache Rechnung: Bei 32,22 Euro — rund 2,5 Prozent unter dem Schlusskurs vom 18. September 2026 — kostet die Aktie genau ihren materiellen Buchwert. Am 23. September 2026, nach dem Konferenzauftritt des Finanzvorstands, gab die Aktie laut Investing.com schon vorbörslich um 4,3 Prozent nach. Ob der Kurs gerade knapp über oder knapp unter dem materiellen Buchwert steht, ändert an der Aussage nichts: Einen nennenswerten Abschlag gibt es nicht mehr.

Nach diesen Maßstäben ist die Aktie nicht teuer bewertet. Aber es ist auch nicht mehr die Aktie, die zum halben Buchwert herumlag. Der Unterschied ist wichtig: Wer 2019 zum Bruchteil des Buchwerts kaufte, bekam eine Wette auf das schiere Überleben mit riesigem Sicherheitsabstand. Wer heute kauft, bezahlt das materielle Eigenkapital ungefähr zu seinem Buchwert und bekommt dafür eine Wette auf die Rendite — darauf, dass aus 11,1 Prozent bis 2028 mehr als 13 werden. Zum Vergleich: Bei der Commerzbank lag die entsprechende Rendite im ersten Halbjahr 2026 bei 12,6 Prozent, allerdings nach der EU-Rechnungsbasis und damit nicht eins zu eins vergleichbar.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für die Bank spricht:

  • Die Ertragskraft ist zurück: 9.069 Millionen Euro Gewinn vor Steuern im Jahr 2025, 5.555 Millionen im ersten Halbjahr 2026.
  • Die Kapitalausstattung ist komfortabel: 13,9 Prozent harte Kernkapitalquote, 4,5 Prozent Verschuldungsquote, 140 Prozent Liquiditätsdeckungsquote zum 30. Juni 2026.
  • Die Ausschüttung steigt sichtbar: Dividende von 0,45 (2023) über 0,68 (2024) auf 1,00 Euro je Aktie (2025), dazu zwei Rückkaufprogramme über zusammen 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2026.
  • Das zweite Quartal 2026 war das stärkste des Halbjahres: 9.168 Millionen Euro Erträge (plus 10 Prozent) und 3.368 Millionen Euro Gewinn vor Steuern (plus 14 Prozent) nach den Zahlen des SEC-Berichts.
  • Die Altlast Postbank-Übernahme ist zu 90 Prozent des Anspruchswerts verglichen; die Restansprüche von 112 Millionen Euro sind vollständig zurückgestellt.

Was dagegen spricht:

  • Die Erträge stehen seit drei Jahren still (31.155 / 31.504 / 31.434 Millionen Euro), das Wachstum muss erst noch kommen.
  • Die Jahreswerte liegen unter den Zielen: 9,4 Prozent Rendite und 65,7 Prozent Kostenquote im Jahr 2025 gegen über 13 und unter 60 Prozent für 2028.
  • Rechtsrisiken sind kein abgeschlossenes Kapitel: 1.192 Millionen Euro Rückstellungen für Zivilverfahren und 921 Millionen Euro Eventualverbindlichkeiten zum 31. Dezember 2025, letztere gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
  • Die Kreditvorsorge steigt (979 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026, plus 9 Prozent), und der Ausblick hält sich eine Erhöhung durch Kreditverkäufe ausdrücklich offen.
  • Die Bilanz bleibt riesig und kapitalmarktlastig: 1.526 Milliarden Euro Bilanzsumme, davon 260.170 Millionen Euro negative Marktwerte aus Derivaten. Solche Positionen bewegen sich in Krisen sehr schnell.
  • Der Bewertungsabschlag, der jahrelang der Sicherheitspuffer war, ist mit dem 1,03-Fachen des materiellen Buchwerts aufgebraucht.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Erinnerungs-Falle vom Anfang. Wer die Deutsche Bank im Kopf noch als Trümmerhaufen führt, liegt bei den Zahlen falsch: Diese Bank verdient wieder Geld, sie ist solide kapitalisiert, und sie schüttet mehr aus als seit Jahren. Wer sie umgekehrt als fertig saniert abhakt, liegt genauso falsch: Die Erträge wachsen nicht, die Jahresrendite liegt unter dem eigenen Ziel, und die Rückstellungen für Zivilverfahren sind weiterhin eine vierstellige Millionenzahl.

Das Unangenehme an der Erinnerungs-Falle ist, dass sie in beide Richtungen zuschnappt. Der alte Kurs macht die Aktie heute teuer und billig — je nachdem, welchen Preis dein Gedächtnis gespeichert hat. Der einzige Ausweg ist derselbe wie immer: den Preis vergessen und die Zahlen lesen. Und die sagen hier ziemlich klar, worum es geht. Nicht mehr ums Überleben. Sondern um die letzten ein bis zwei Prozentpunkte Rendite bis 2028 — je nachdem, welche der beiden Rechnungen du anlegst — und darum, ob die Erträge dafür endlich mitspielen.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; der Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt, der Gesamtstand dieser Fassung ist der 24. September 2026. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 25.313,0 26.585,0 59.348,0 66.340,0 60.887,0
Betriebsergebnis (EBIT) 4.024,0 5.805,0 5.678,0 5.291,0 9.731,0
Nettogewinn 2.366,0 5.524,0 4.772,0 3.366,0 6.931,0
Nettomarge 9,3 % 20,8 % 8,0 % 5,1 % 11,4 %
Gewinn je Aktie 1,12 € 2,62 € 2,27 € 1,65 € 3,47 €

symbol.source_foreign

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragskraft positiv
Der Gewinn vor Steuern stieg von 3.518 Millionen Euro (2021) auf 9.069 Millionen Euro (2025), der Gewinn nach Steuern von 2.595 auf 6.814 Millionen. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 5.555 Millionen Euro vor Steuern hinzu, im zweiten Quartal allein 3.368 Millionen. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag in diesem Quartal bei 14,0 Prozent nach der SEC-Rechnung, aber nur bei 11,0 Prozent nach der EU-Fassung, an der die Bank ihre Ziele misst.
Ertragswachstum negativ
Die Erträge liegen seit drei Jahren praktisch unverändert bei 31.155 Millionen Euro (2023), 31.504 Millionen (2024) und 31.434 Millionen Euro (2025). Der Gewinnsprung 2025 kam aus gesunkenen Rechtslasten und einer Steuerquote von 25 statt 33 Prozent. Die eigene Marke für 2026 liegt bei rund 33 Milliarden Euro.
Kapital und Liquidität positiv
Zum 30. Juni 2026 lag die harte Kernkapitalquote bei 13,9 Prozent (51.099 Millionen Euro hartes Kernkapital gegen 367 Milliarden Euro risikogewichtete Aktiva), die Verschuldungsquote bei 4,5 Prozent, die Liquiditätsdeckungsquote im zweiten Quartal bei 140 Prozent — 67,9 Milliarden Euro über der Mindestanforderung.
Zielerreichung neutral
Für 2028 nennt die Bank eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von über 13 Prozent und ein Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 60 Prozent. Erreicht wurden 2025 9,4 und 65,7 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 11,1 und 61,5 Prozent. Für 2026 erwartet die Bank selbst nur ein Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 65 Prozent.
Rechtsrisiken negativ
Im Jahr 2024 bildete der Konzern 2.201 Millionen Euro neue Rückstellungen für Zivilverfahren, davon 1,3 Milliarden Euro für das Postbank-Übernahmeverfahren aus dem Jahr 2010. Zum 31. Dezember 2025 standen noch 1.192 Millionen Euro Rückstellungen und 921 Millionen Euro Eventualverbindlichkeiten in den Büchern; letztere lagen ein Jahr zuvor bei rund 0,6 Milliarden Euro.
Ausschüttung positiv
Die Dividende stieg von 0,45 Euro je Aktie (2023) über 0,68 Euro (2024) auf 1,00 Euro (2025). Dazu kommen zwei Rückkaufprogramme im Jahr 2026 über zusammen 1,5 Milliarden Euro: Das erste endete am 21. August 2026 mit 35,7 Millionen zurückgekauften Aktien, aus dem zweiten waren bis zum 18. September 2026 8,36 Millionen Aktien gekauft. Das Programm über 1 Milliarde Euro ist die Ausschüttung für 2025, das über 500 Millionen zählt zur angestrebten Quote von 60 Prozent ab dem Geschäftsjahr 2026.

Die Deutsche Bank hat 2025 mit 9.069 Millionen Euro den höchsten Vorsteuergewinn der letzten fünf Jahre erzielt und ist mit 13,9 Prozent harter Kernkapitalquote solide kapitalisiert. Die Erträge stehen dagegen seit drei Jahren still, die Jahresrendite auf das materielle Eigenkapital lag 2025 mit 9,4 Prozent klar unter dem Ziel von über 13 Prozent für 2028, und die Rückstellungen für Zivilverfahren betragen weiterhin 1.192 Millionen Euro. Zum Kurs von 33,05 Euro am 18. September 2026 wird das materielle Eigenkapital mit dem rund 1,03-Fachen bezahlt — der Abschlag früherer Jahre ist aufgebraucht. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier ausdrücklich nicht wegen eines Substanzrisikos. Die Bilanz zum 30. Juni 2026 ist tragfähig: 13,9 Prozent harte Kernkapitalquote, 4,5 Prozent Verschuldungsquote, 140 Prozent Liquiditätsdeckungsquote mit 67,9 Milliarden Euro Abstand zur Mindestanforderung, 68,6 Milliarden Euro Eigenkapital der Aktionäre, kein Hinweis auf Kapital- oder Liquiditätsprobleme, kein Bilanz- oder Governance-Bruch, kein Fortführungsvorbehalt. Und die Ertragskraft ist belegt zurück: 9.069 Millionen Euro Gewinn vor Steuern im Jahr 2025 nach 3.518 Millionen 2021, 5.555 Millionen im ersten Halbjahr 2026. Gelb steht, weil zwei operative Fragen offen sind. Erstens das Wachstum: Die Erträge liegen seit drei Jahren bei rund 31,2 bis 31,5 Milliarden Euro, 2025 sogar leicht unter 2024. Der Gewinnsprung des Jahres 2025 kam aus weggefallenen Rechtslasten und einer von 33 auf 25 Prozent gesunkenen Steuerquote — beides echte, aber nicht beliebig wiederholbare Quellen. Zweitens die Zielerreichung: Auf Jahressicht lagen Rendite (9,4 Prozent) und Kosten-Ertrags-Verhältnis (65,7 Prozent) im Jahr 2025 deutlich neben den Marken für 2028 von über 13 und unter 60 Prozent; für 2026 stellt die Bank selbst nur ein Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 65 Prozent in Aussicht, bei Verwaltungsaufwendungen von etwas über 21 Milliarden Euro. Dazu kommen die Rechtsrisiken als Dauerposten: 2.201 Millionen Euro neue Rückstellungen für Zivilverfahren allein im Jahr 2024, zum 31. Dezember 2025 noch 1.192 Millionen Euro Rückstellungen und 921 Millionen Euro Eventualverbindlichkeiten, letztere gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zur Bewertung, die die Ampelfarbe ausdrücklich nicht bestimmt: Zum Kurs von 33,05 Euro am 18. September 2026 wird das materielle Eigenkapital mit dem rund 1,03-Fachen bezahlt, der frühere Abschlag ist damit aufgebraucht. Der nächste überprüfbare Zwischenstand ist der nächste Zwischenbericht auf Formular 6-K.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger dieser Analyse war kein Scanner-Treffer, sondern das Einreichungsprofil bei der US-Börsenaufsicht: Von den 1.003 jüngsten Dokumenten im EDGAR-Archiv der Bank (15.10.2024 bis 18.09.2026) sind 953 Preisnachträge auf Formular 424B2 aus dem Emissionsprogramm für strukturierte Schuldverschreibungen, im Jahr 2026 bis zum 18. September 352 von 370. Periodenberichte gab es in diesem Zeitraum 23 (zwei 20-F, 21 6-K).
  • Rechnungsbasis: Alle Ergebnis- und Bilanzzahlen dieser Analyse stammen aus den SEC-Dokumenten und stehen damit nach den IFRS des IASB. Eine Ausnahme nennt der Bericht selbst: Die aufsichtsrechtlichen Kapitalquoten (harte Kernkapitalquote, Verschuldungsquote) weist auch das SEC-Dokument auf der EU-Fassung aus. Die Bank veröffentlicht daneben durchgehend eine EU-Fassung mit einer Sonderregel zur Absicherungsbilanzierung und misst ihre Ziele ausdrücklich an dieser zweiten Fassung. Der Unterschied lief in beide Richtungen: Im zweiten Quartal 2026 lag der Vorsteuergewinn nach der EU-Fassung um 688 Millionen Euro niedriger, im ersten Halbjahr 2026 um 166 Millionen Euro höher als nach der im SEC-Bericht verwendeten Fassung. Zahlen aus Pressemitteilungen der Bank sind deshalb nicht ohne Weiteres mit den hier genannten vergleichbar.
  • Aktienzahl und Börsenwert wurden gegengeprüft: Der Zwischenbericht zum 30. Juni 2026 nennt 1.910,6 Millionen ausgegebene Aktien, 31,5 Millionen eigene Aktien und 1.879,0 Millionen umlaufende Aktien. Seither kaufte die Bank laut ihren Rückkaufmeldungen bis zum 18. September 2026 rund 18,7 Millionen weitere Aktien zurück (rund 10,3 Millionen aus dem Ende August abgeschlossenen ersten Programm, 8,36 Millionen aus dem zweiten); Aktienausgaben an Mitarbeiter sind darin nicht berücksichtigt. Rechnerisch rund 1.860 Millionen Aktien mal 33,05 Euro Xetra-Schlusskurs vom 18. September 2026 ergeben rund 61,5 Milliarden Euro — innerhalb von einem Prozent der 62,1 Milliarden Euro aus den Fundamentaldaten. Ein jüngerer Schlusskurs als der vom 18. September 2026 lag bei Fertigstellung dieser Fassung nicht vor. Für Buchwert-Vergleiche wurden die Angaben des Zwischenberichts verwendet (35,94 Euro Buchwert und 32,22 Euro materieller Buchwert je Aktie), nicht abweichende Feed-Werte, die zusätzliches Eigenkapital außerhalb des Aktionärsanteils enthalten.
  • Klassische Industrie-Kennzahlen wie Altman-Z-Score, Kurs-Umsatz-Verhältnis oder Unternehmenswert sind bei einer Bank ohne Aussagekraft und wurden deshalb gar nicht erst verwendet. Maßgeblich sind harte Kernkapitalquote, Verschuldungsquote, Liquiditätsdeckungsquote, Kosten-Ertrags-Verhältnis und die Rendite auf das materielle Eigenkapital.
  • Verwechslungsgefahr: Das in dieser Analyse verwendete Kürzel DBK.DE steht für die Notierung im Xetra-Handel (ISIN DE0005140008, WKN 514000). An der New York Stock Exchange läuft dieselbe Aktie unter DB — laut Punkt 12 des Jahresberichts ausdrücklich ohne Hinterlegungsscheine. Die in der SEC-Einreichungsübersicht ebenfalls gelisteten Kürzel DGP, DGZ und DZZ gehören zu Gold-Schuldverschreibungen der Bank an der NYSE Arca, nicht zur Aktie.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 24. September 2026. Was sich seitdem bei DBK.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu Deutsche Bank Aktiengesellschaft (DBK.DE) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Die Deutsche Bank AG aus Frankfurt am Main ist eine Universalbank mit vier Geschäftsbereichen. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete die Investment Bank 6.558 Millionen Euro Erträge, die Private Bank 5.133 Millionen, die Corporate Bank 3.722 Millionen und das Asset Management 1.558 Millionen. Zum 30. Juni 2026 arbeiteten 89.742 Menschen (in Vollzeitkapazitäten) für den Konzern, die Bilanzsumme lag bei 1.526 Milliarden Euro.

Weil sie bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Emittent gemeldet ist. Statt eines Geschäftsberichts (10-K) reicht sie einen Jahresbericht auf Formular 20-F ein, statt Quartalsberichten (10-Q) Zwischenberichte auf Formular 6-K. Ihre Kennung lautet CIK 0001159508. Der jüngste Jahresbericht stammt vom 12. März 2026, der jüngste Zwischenbericht vom 29. Juli 2026 und deckt den Stand zum 30. Juni 2026 ab.

Nein. Das Deckblatt des Jahresberichts führt unter den registrierten Wertpapieren „Ordinary shares, no par value“ mit dem Handelssymbol DB an der New York Stock Exchange, und Punkt 12 stellt ausdrücklich fest, dass die Stammaktien nicht durch American Depositary Receipts verbrieft sind. An der NYSE notiert also dieselbe Aktie wie im Xetra-Handel unter DBK. Die Kürzel DGP, DGZ und DZZ gehören dagegen zu Gold-Schuldverschreibungen der Bank.

Die Erträge stiegen um 3 Prozent auf 16.985 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern um 3 Prozent auf 5.555 Millionen und der Gewinn nach Steuern um 3 Prozent auf 3.960 Millionen Euro. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag bei 11,1 Prozent, das Kosten-Ertrags-Verhältnis bei 61,5 Prozent. Das zweite Quartal war deutlich stärker: 9.168 Millionen Euro Erträge und 3.368 Millionen Gewinn vor Steuern; die Quartalsrendite von 14,0 Prozent gilt allerdings nur nach der SEC-Rechnung, nach der EU-Fassung waren es 11,0 Prozent.

Weil zwei zulässige Rechnungsbasen nebeneinander stehen. Für Europa rechnet die Bank nach den IFRS in der EU-Fassung mit einer Sonderregel zur Absicherungsbilanzierung, für die SEC ohne diese Sonderregel. Im zweiten Quartal 2026 lag der Vorsteuergewinn nach der EU-Fassung um 688 Millionen Euro niedriger, im ersten Halbjahr 2026 um 166 Millionen höher. Die Bank schreibt selbst, dass sie ihre Ziele nicht an den SEC-Zahlen misst.

Die Deutsche Bank bot 2010 für Postbank-Aktien 25 Euro je Stück; rund 48,2 Millionen Aktien wurden angedient. Kläger hielten 57,25 Euro für angemessen. Nachdem das Oberlandesgericht Köln im April 2024 andeutete, es könnte diese Ansprüche für begründet halten, stellte die Bank im zweiten Quartal 2024 1,3 Milliarden Euro zurück. Inzwischen sind 90 Prozent der Ansprüche nach Wert verglichen; zum 31. Dezember 2025 waren 112 Millionen Euro Restansprüche vollständig zurückgestellt.

Ja, und sie steigt deutlich. Für das Geschäftsjahr 2023 wurden 0,45 Euro je Aktie ausgeschüttet, für 2024 0,68 Euro, für 2025 nach der Hauptversammlung vom 28. Mai 2026 1,00 Euro je Aktie — insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro. Dazu kommen Aktienrückkäufe: ein Programm über 1 Milliarde Euro vom 26. Februar bis 21. August 2026 — das ist die Ausschüttung für 2025 — und ein zweites über 500 Millionen Euro seit dem 25. August 2026, das bereits zur Zielquote von 60 Prozent ab dem Geschäftsjahr 2026 zählt.

Nach den Kapitalkennzahlen komfortabel. Zum 30. Juni 2026 lag die harte Kernkapitalquote bei 13,9 Prozent (51.099 Millionen Euro hartes Kernkapital gegen 367 Milliarden Euro risikogewichtete Aktiva), die Verschuldungsquote bei 4,5 Prozent und die Liquiditätsdeckungsquote im zweiten Quartal bei 140 Prozent — 67,9 Milliarden Euro über der Mindestanforderung. Die Vorsorge für ausfallende Kredite stieg im Halbjahr allerdings um 9 Prozent auf 979 Millionen Euro.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?