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Rheinmetall: 80 Milliarden im Auftragsbuch — und trotzdem verlässt gerade Geld das Haus

Rheinmetall: 80 Milliarden im Auftragsbuch — und trotzdem verlässt gerade Geld das Haus

Der Rheinmetall Backlog stieg im zweiten Quartal 2026 über 80 Milliarden Euro, der Umsatz sprang laut vorläufigen Zahlen vom 29. Juli 2026 um rund 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis auf 562 Millionen. Gleichzeitig war der operative Free Cashflow im ersten Quartal mit minus 285 Millionen Euro negativ — und für das zweite Quartal kündigt das Unternehmen selbst „einen deutlich negativen OFCF“ an. Ein gutes Drittel des Auftragspolsters besteht zudem aus Rahmenverträgen, aus denen erst noch abgerufen werden muss. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Frage, was ein Auftragsbuch wert ist, bevor daraus Geld geworden ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 3. August 2026

Schlusskurs
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Marktkapitalisierung
54,7 Mrd. €
KGV
51,7
Wachstums-Score
6/10
AAQS
10/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Rheinmetall: 80 Milliarden im Auftragsbuch — und trotzdem verlässt gerade Geld das Haus
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 946,60 € bis 1.988,50 € · Letzter Kurs: 1.175,00 € (Stand: 3. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Schwäche, die ausgerechnet bei den erfolgreichsten Aktien am gefährlichsten ist: den Heldenbonus. Sobald wir eine Firma innerlich zum Gewinner erklärt haben, hören wir auf zu prüfen. Zahlen, die wir bei jedem anderen Unternehmen zerpflücken würden, nicken wir bei einem Helden freundlich ab — „bei denen läuft es doch“. Rheinmetall ist so ein Held. Die Aktie schloss das Jahr 2021 bei 83,06 Euro und das Jahr 2025 bei 1.561,00 Euro, beides nachzulesen in der Kennzahlenübersicht des eigenen Geschäftsberichts. Vier Jahre, ein Faktor von fast neunzehn. Machen wir also einen Deal: Wir lassen den Applaus stehen, wo er hingehört, und lesen stattdessen gemeinsam den Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht am 11. März 2026), die Quartalsmitteilung zum 31. März 2026 und die beiden Ad-hoc-Mitteilungen vom 2. und 29. Juli 2026. Es gibt darin viel zu bewundern — und drei, vier Stellen, an denen man kurz innehält.

Das Spannungsfeld dieser Analyse lässt sich in einem Satz sagen: Rheinmetall hat mehr Aufträge als je zuvor — und trotzdem verlässt gerade Geld das Unternehmen, statt hineinzufließen. Beides ist wahr, beides ist erklärbar, und beides gehört zusammengelesen.

Was Rheinmetall eigentlich macht — vom Autozulieferer zum reinen Rüstungskonzern

Die Rheinmetall AG mit Sitz in Düsseldorf geht auf die 1889 gegründete „Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft“ zurück, die für das Deutsche Reich Munition liefern sollte. Über hundert Jahre lang war der Konzern zweigeteilt: Rüstung auf der einen Seite, Autozulieferung (Kolben, Pumpen, Aftermarket) auf der anderen. Diese Zweiteilung ist seit dem 17. Dezember 2025 Geschichte — an diesem Tag beschloss der Vorstand, die zivile Division Power Systems zu verkaufen und sie bilanziell als „nicht fortgeführte Aktivität“ zu führen.

Am 3. Juni 2026 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet: Die Münchner Industriegruppe AEQUITA übernimmt Power Systems für einen vorläufigen Kaufpreis von 350 Millionen Euro für 100 Prozent der Anteile, Closing angestrebt im vierten Quartal 2026, unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Aufsichtsbehörden. Power Systems erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 6.250 Menschen; die Marken Pierburg, Kolbenschmidt und Motorservice bleiben im verkauften Unternehmen. Drei Teile sind ausgenommen: die drei deutschen Standorte der KS Huayu AluTech, die Beteiligung an Dermalog SensorTec (wandert in die Division Weapon and Ammunition) und das spanische Werk Abadiano, das schrittweise auf militärische Fertigung umgestellt wird.

Was übrig bleibt, ist ein reines Verteidigungsunternehmen — und das in fünf Segmenten. Vehicle Systems baut militärische Rad- und Kettenfahrzeuge (Schützenpanzer Puma und Lynx, taktische Lastwagen). Weapon and Ammunition ist das historische Kerngeschäft: Waffensysteme, Munition, Treibladungen, Schutzsysteme. Air Defence liefert bodengebundene Flugabwehr und Drohnenabwehr (Skyranger, Skynex). Digital Systems steht für die Digitalisierung der Streitkräfte, Soldatenausrüstung, Simulation und Aviation Systems. Und seit dem 27. Februar 2026 gibt es Naval Systems: An diesem Tag übernahm Rheinmetall 100 Prozent an der Werftengruppe Naval Vessels Lürssen (NVL) mit vier Werften in Norddeutschland, 31 Gesellschaften und rund 2.100 Beschäftigten. Damit deckt der Konzern erstmals auch die See ab — von unbemannten Marinefahrzeugen bis zu Korvetten und Fregatten. Zum 1. Januar 2026 wurde außerdem die frühere Division Electronic Solutions in Air Defence und Digital Systems aufgeteilt und das US-Geschäft in eine eigene Division U.S. America überführt.

Zum Jahresende 2025 beschäftigte der Rheinmetall-Konzern 32.251 Vollzeitkräfte (Vorjahr 28.539), davon 25.865 in den fortgeführten Verteidigungsaktivitäten; 16.558 arbeiteten im Inland, 15.694 im Ausland. Nach der NVL-Übernahme nennt das Unternehmen in seinen Pressemitteilungen rund 34.000 Beschäftigte an rund 160 Standorten (Stand 3. Juni 2026). Die Aktie ist seit März 2023 im DAX und seit 2025 zusätzlich im EURO STOXX 50 gelistet.

Warum es hier kein 10-K gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen

Ein Punkt vorweg, weil er die gesamte Beleglage prägt: Von Rheinmetall gibt es keinen Geschäftsbericht nach US-Muster (10-K) und keinen Quartalsbericht nach US-Muster (10-Q). Rheinmetall ist kein US-Meldeunternehmen. Die Pflichtberichte laufen über den regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse: ein testierter IFRS-Konzernabschluss — für 2025 geprüft von Deloitte, gewählt auf der Hauptversammlung am 13. Mai 2025 —, ein Halbjahresfinanzbericht und kurze, ungeprüfte Quartalsmitteilungen. Dazu kommen Ad-hoc-Mitteilungen nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung, sobald eine Information kursrelevant wird.

Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“. Dieselbe Konstellation kennst du aus unserer Analyse zu HENSOLDT und aus der Analyse zu RENK — beide ebenfalls deutsche Rüstungstitel ohne SEC-Registrierung, bei denen die komplette Belegkette über die Originalberichte des Unternehmens läuft.

Und noch ein Hinweis in eigener Sache, weil er für die Aktualität entscheidend ist: Der jüngste vollständige Periodenbericht ist die Quartalsmitteilung zum 31. März 2026, veröffentlicht am 7. Mai 2026. Der Halbjahresfinanzbericht 2026 erscheint am 6. August 2026 — laut dem Finanzkalender auf Seite 285 des Geschäftsberichts 2025 und laut der Investor-Relations-Seite um 14:00 Uhr MESZ. Diese Analyse ist am 4. August 2026 geschrieben. Alles, was seither an neuen Zahlen bekannt wurde, stammt aus der Ad-hoc-Mitteilung vom 29. Juli 2026 mit vorläufigen Q2-Werten — und ist als vorläufig gekennzeichnet.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlich gesagt: nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über eine Rangliste der Aufmerksamkeit. Rheinmetall stand am Stichtag 4. August 2026 in den Ranglisten der meistdiskutierten Werte im Forum von wallstreet-online weit oben — also dort, wo Privatanleger gerade am lautesten über eine Aktie sprechen. Das ist ein Aufmerksamkeitssignal und ausdrücklich kein Kaufargument. Eine Aktie steht in solchen Listen, wenn viel über sie geschrieben wird; das kann Begeisterung sein, Streit, Angst oder schlicht Gewohnheit. Über den Wert des Unternehmens sagt es nichts.

Für uns ist so eine Liste trotzdem nützlich — als Themenradar. Wenn sehr viele Menschen gleichzeitig über eine Aktie reden, lohnt der nüchterne Blick in die Originalberichte besonders, weil im Lärm die Details untergehen. Genau die holen wir jetzt hervor.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist eine Menge. Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten stieg 2025 um 29 Prozent auf 9.935 Millionen Euro (Vorjahr 7.715 Millionen). Das operative Ergebnis kletterte überproportional um 33 Prozent auf 1.841 Millionen Euro (Vorjahr 1.389 Millionen), die operative Marge stieg auf 18,5 Prozent nach 18,0 Prozent. Zum Vergleich: 2019 lag dieselbe Marge bei 8,1 Prozent. Der Konzern verdient heute an jedem Euro Umsatz mehr als doppelt so viel wie vor sechs Jahren.

Auch die Bilanz hat sich gedreht. Das Eigenkapital wuchs 2025 um 25,8 Prozent auf 5.614 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote auf 33,5 Prozent. Die Finanzverbindlichkeiten sanken um 47,1 Prozent auf 1.281 Millionen Euro, die liquiden Mittel stiegen auf 1.650 Millionen. Ergebnis: Aus einer Nettofinanzverbindlichkeit von 1.292 Millionen Euro (Ende 2024) wurde eine Nettoliquidität von 369 Millionen Euro — im Alltagsbild: Auf dem Konto liegt mehr Geld, als die Bank noch zu bekommen hat. Die Gesamtkapitalrendite (ROCE), also das, was das eingesetzte Kapital abwirft, sprang von 25,7 auf 33,5 Prozent. Und die Dividende stieg von 2,40 Euro je Aktie (für 2019) über 8,10 Euro (für 2024) auf 11,50 Euro für 2025, beschlossen von der Hauptversammlung am 12. Mai 2026; das entspricht einer Ausschüttungsquote von 45,5 Prozent.

Auch bei der Kasse sah 2025 hervorragend aus: Der operative Free Cashflow des Gesamtkonzerns — also inklusive der nicht fortgeführten Aktivitäten, damit alle Jahre auf derselben Basis stehen — erreichte 1.415 Millionen Euro nach 1.023 Millionen im Vorjahr. Das ist der Betrag, der nach allen laufenden Ausgaben und nach den Investitionen tatsächlich übrig blieb — die ehrlichste aller Zahlen, weil man sie schlecht schönrechnen kann. Die Jahre davor lesen sich so: 314 Millionen Euro (2019), 217 Millionen (2020), 419 Millionen (2021), minus 175 Millionen (2022) und 344 Millionen (2023). Das Geschäftsjahr entspricht bei Rheinmetall dem Kalenderjahr.

Balkendiagramm: operativer Free Cashflow des Rheinmetall-Konzerns von 314 Millionen Euro (2019) über minus 175 Millionen (2022) auf 1.023 Millionen (2024) und 1.415 Millionen Euro (2025).
Sieben Jahre auf derselben Basis: 2022 floss Geld ab, seit 2024 fließt es kräftig zu. Quelle: Geschäftsbericht 2025, Kennzahlenübersicht (Cashflow). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und 2026 wächst das Geschäft weiter, sogar schneller. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 8 Prozent auf 1.938 Millionen Euro, das operative Ergebnis um 17 Prozent auf 224 Millionen (Marge 11,6 Prozent nach 10,6 Prozent). Im zweiten Quartal legte der Konzern nach eigenen vorläufigen Angaben vom 29. Juli 2026 einen echten Sprung hin: Umsatz rund 3,289 Milliarden Euro, ein Plus von rund 69 Prozent, operatives Ergebnis 562 Millionen Euro gegenüber einer Markterwartung von 469,9 Millionen. Rechnet man beide veröffentlichten Quartalswerte zusammen, ergibt das für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 5.227 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von 786 Millionen Euro — eine Halbjahresmarge von rund 15 Prozent. Die Jahresprognose (Umsatz 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro, operative Marge rund 19 Prozent) hat Rheinmetall zuletzt am 7. Mai 2026 bestätigt.

So weit die Heldengeschichte, und sie ist zu großen Teilen verdient. Jetzt kommt der Teil, den der Applaus überdeckt.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein gutes Drittel des Auftragspolsters ist noch gar kein Auftrag

„80 Milliarden Auftragsbestand“ klingt nach einem Tresor voller unterschriebener Bestellungen. Rheinmetall meint damit aber etwas anderes, und das Unternehmen sagt es im Geschäftsbericht auch klar:

„Als Bestandsgröße umfasst der Rheinmetall Backlog die Kennzahl Auftragsbestand sowie die Kennzahl Frame Backlog. Der Frame Backlog spiegelt die in Zukunft erwarteten Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen wider und wandelt sich bei Abruf durch den Kunden in Auftragsbestand um.“

— Rheinmetall AG, Geschäftsbericht 2025, Kapitel „Weitere bedeutende Auftragskennzahlen“, Seite 33

Markierte Stelle im Rheinmetall-Geschäftsbericht 2025, Seite 33: Der Rheinmetall Backlog umfasst den Auftragsbestand sowie den Frame Backlog, der erwartete Abrufe aus bestehenden Rahmenverträgen abbildet.
Die Definition im Original. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (rheinmetall.com), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Rahmenvertrag ist eine Speisekarte, kein bestelltes Essen. Der Kunde darf über Jahre hinweg Mengen abrufen — muss aber nicht. Rheinmetall schreibt dazu selbst, die aus dem Frame Backlog resultierenden Umsätze könnten „in Abhängigkeit der finalen Abrufmengen abweichen“.

Und wie groß ist die Speisekarte im Verhältnis zum bestellten Essen? Zum 31. Dezember 2025 bestand der Rheinmetall Backlog von 63.761 Millionen Euro aus 40.847 Millionen Euro verbindlichem Auftragsbestand und 22.914 Millionen Euro Frame Backlog. Das sind 35,9 Prozent, also gut ein Drittel, das noch nicht bestellt ist. Vier Jahre zuvor, Ende 2022, lagen die beiden Größen bei 15.089 und 3.427 Millionen Euro; dazwischen standen 21.977 und 7.931 Millionen Euro (Ende 2023) sowie 30.728 und 16.215 Millionen Euro (Ende 2024). Der Rahmenvertragsteil ist also deutlich schneller gewachsen als der feste Teil: Er hat sich in vier Jahren fast versiebenfacht, der verbindliche Auftragsbestand knapp verdreifacht. Beide Reihen zeigen ausschließlich die fortgeführten Verteidigungsaktivitäten.

Balkendiagramm: verbindlicher Auftragsbestand von Rheinmetall steigt von 15.089 Millionen Euro (Ende 2022) auf 40.847 Millionen Euro (Ende 2025), der Frame Backlog aus Rahmenverträgen von 3.427 auf 22.914 Millionen Euro.
Blau ist bestellt, grün ist vereinbart: Ende 2025 entfielen 22.914 von 63.761 Millionen Euro auf Rahmenverträge. Quelle: Geschäftsbericht 2025, Kennzahlenübersicht (Auftragsdaten). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist keine Trickserei — Rheinmetall legt die Zusammensetzung offen, und Rahmenverträge sind in der Rüstung üblich, weil Staaten so über Jahre flexibel bleiben. Es ist nur ein Grund, die Schlagzeile „über 80 Milliarden“ nicht mit „80 Milliarden künftiger Umsatz, sicher“ zu verwechseln. Merksatz: Ein Auftragsbuch ist ein Versprechen. Erst der Abruf macht daraus eine Rechnung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Geld fließt gerade in die falsche Richtung

Hier liegt das Spannungsfeld dieser Analyse. Während der Auftragsberg wächst, läuft die Kasse rückwärts. Die Quartalsmitteilung zum 31. März 2026 sagt es unmissverständlich:

„Der operative Free Cashflow aus fortgeführten Aktivitäten sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich um -527 MioEUR auf -285 MioEUR, nachdem er im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch bei 243 MioEUR gelegen hatte.“

— Rheinmetall AG, Quartalsmitteilung Q1 2026, veröffentlicht am 7. Mai 2026, Seite 2

Markierte Stelle in der Rheinmetall-Quartalsmitteilung Q1 2026: Der operative Free Cashflow aus fortgeführten Aktivitäten sank um 527 Millionen Euro auf minus 285 Millionen Euro nach plus 243 Millionen im Vorjahresquartal.
Minus 285 Millionen Euro in einem einzigen Quartal, nach plus 243 Millionen im Vorjahr. Quelle: Quartalsmitteilung Q1 2026 (rheinmetall.com), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und das zweite Quartal? Auch dazu hat sich das Unternehmen schon geäußert, in derselben Ad-hoc-Mitteilung, die die Rekordzahlen brachte:

„Im zweiten Quartal wird ein deutlich negativer OFCF erwartet, da sich Anzahlungen verschoben haben. Die Vorbereitungen der Kapazitätsausweitungen sind unverändert vorangetrieben worden. Zudem wirkten sich gestiegene Kundenforderungen durch die hohe Umsatzlegung zum Quartalsende und der Vorratsaufbau für die Folgequartale negativ auf den OFCF aus.“

— Rheinmetall AG, Ad-hoc-Mitteilung nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung vom 29. Juli 2026, 12:39 Uhr MESZ

Zwei Quartale in Folge fließt also Geld ab, während Umsatz und Ergebnis Rekorde brechen. Wie passt das zusammen? Ganz einfach, wenn man es sich als Handwerksbetrieb vorstellt: Du hast Aufträge für zwei Jahre im Buch, kaufst dafür jetzt Material, stellst Leute ein und baust eine zweite Werkstatt. Bezahlt wirst du erst, wenn du lieferst. Genau das passiert hier — Rheinmetall soll den Umsatz 2026 um 40 bis 45 Prozent steigern, und dieser Sprung muss vorfinanziert werden.

Zwei Zahlen relativieren die Sorge, zwei verschärfen sie. Dafür spricht: Der Konzern hat Nettoliquidität (369 Millionen Euro Ende 2025) und erhielt allein 2025 zusätzliche Kundenanzahlungen, die die Vertragsverbindlichkeiten um 1.776 auf 5.642 Millionen Euro anschwellen ließen — Rüstungskunden zahlen viel im Voraus. Dagegen spricht: Die eigene Cash Conversion Rate — wie viel des operativen Ergebnisses tatsächlich als Geld ankommt — fiel bereits 2025 von 76,0 auf 66,2 Prozent. Und als Mittelfristziel nennt Rheinmetall selbst nur „größer 50 Prozent“, und das erst für 2030. Wer in den nächsten Jahren auf üppigen freien Mittelzufluss setzt, sollte diese Zielmarke kennen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Zeitplan wurde still um drei Jahre gestreckt

Im Geschäftsbericht 2024 hatte Rheinmetall als Mittelfristziel ausgegeben: 20 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2027, eine operative Marge von rund 18 Prozent, eine Cash Conversion Rate über 40 Prozent. Im Geschäftsbericht 2025 stehen deutlich größere Zahlen — aber mit einer neuen Jahreszahl darüber:

„Daher wurde der Zeithorizont für die Erreichung mittelfristiger Ziele von dem Geschäftsjahr 2027, wie im Geschäftsbericht 2024 ausgewiesen, auf das Geschäftsjahr 2030 ausgeweitet.“

— Rheinmetall AG, Geschäftsbericht 2025, Kapitel „Strategie“, Seite 37

Markierte Stelle im Rheinmetall-Geschäftsbericht 2025, Seite 37: Der Zeithorizont für die Erreichung mittelfristiger Ziele wurde vom Geschäftsjahr 2027 auf das Geschäftsjahr 2030 ausgeweitet.
Drei Jahre mehr Zeit für die mittelfristigen Ziele — begründet mit Verkauf und Zukäufen. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (rheinmetall.com), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die neuen Ziele lauten: rund 50 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2030, eine operative Marge über 20 Prozent und eine Cash Conversion Rate über 50 Prozent. Als Begründung nennt der Bericht, dass sich die Effekte des Verkaufs des Zivilgeschäfts und der Zukäufe wie NVL „nicht direkt im laufenden Geschäftsjahr materialisieren“. Das ist nachvollziehbar. Aber es bleibt eine Verschiebung: Wer 2025 auf die 20 Milliarden für 2027 gerechnet hat, muss jetzt drei Jahre länger warten — auf allerdings deutlich mehr.

Ein zweites Ziel ist im laufenden Jahr sogar ausdrücklich gerissen worden. Am 2. Juli 2026 teilte Rheinmetall per Ad-hoc mit, dass die Absage des Fregattenprogramms F126 durch den deutschen Kunden dazu führe, dass das erwartete Ziel von 20 Milliarden Euro Rheinmetall Nomination für 2026 nicht erreicht werden kann. Die Umsatzbelastung 2026 bezifferte das Unternehmen auf bis zu 300 Millionen Euro, falls keine Kompensationsmaßnahmen gefunden werden; der geplante Beitrag des Programms zur Mittelfristprognose 2030 liege unter 3 Prozent. Das ist verkraftbar — aber es ist ein Beleg dafür, wie schnell eine einzige politische Entscheidung ein Ziel kippt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Kuchen wird still geteilt

Diese Stelle steht ganz hinten im Bericht, im Kapitel „Ereignisse nach dem Bilanzstichtag“, und sie geht neben den Auftragsrekorden leicht unter:

„Einhergehend mit dem weiterhin hohen Kurs der Rheinmetall Aktie wurden bis Ende Februar 2026 Wandelschuldverschreibungen der Tranche B im Volumen von 159 MioEUR (Nennbetrag) gewandelt. In der Folge hat sich die Anzahl der ausgegebenen Aktien um 514.107 Stück auf 46.516.641 Stück erhöht.“

— Rheinmetall AG, Geschäftsbericht 2025, Konzernanhang (41) Ereignisse nach dem Bilanzstichtag, Seite 265

Markierte Stelle im Rheinmetall-Geschäftsbericht 2025, Seite 265: Bis Ende Februar 2026 wurden Wandelschuldverschreibungen der Tranche B über 159 Millionen Euro gewandelt, die Aktienzahl stieg um 514.107 auf 46.516.641 Stück.
Die Aktienzahl wächst weiter, auch nach dem Bilanzstichtag. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (rheinmetall.com), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Eine Wandelanleihe ist ein Kredit mit Eintrittskarte: Der Gläubiger leiht Geld und darf seine Forderung später in neue Aktien tauschen. Steigt der Kurs, tut er genau das — und dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil derselbe Gewinn plötzlich auf mehr Anteile verteilt wird. Bei Rheinmetall stieg die Aktienzahl so von 43.558.850 Stück (31. Dezember 2024) auf 46.002.534 Stück (31. Dezember 2025) und bis Ende Februar 2026 auf 46.516.641 Stück: 2.957.791 neue Aktien oder 6,8 Prozent in vierzehn Monaten.

Fairerweise: Für die Bilanz ist das gut. Die Wandlungen erhöhten allein 2025 die Kapitalrücklage um 694 Millionen Euro (vor latenten Steuern) und drückten die Finanzverbindlichkeiten. Genau deshalb steht heute Nettoliquidität in der Bilanz. Der Preis dafür trägt der Altaktionär, und er steht auf Seite 265, nicht in der Schlagzeile. Zusätzlich hat die Hauptversammlung vom 14. Mai 2024 den Vorstand ermächtigt, bis zum 13. Mai 2029 weitere Schuldverschreibungen im Gesamtnennbetrag von bis zu 7,4 Milliarden Euro zu begeben, unterlegt durch ein bedingtes Kapital von bis zu 22.302.100 Euro.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der wichtigste Kunde ist ein Haushaltsplan

Rheinmetall verkauft an sehr viele Staaten — 62 Prozent des Umsatzes 2025 kamen aus dem Ausland, 38 Prozent aus Deutschland. Aber alle Kunden gehorchen derselben Logik. Der Risikobericht formuliert es nüchtern:

„Risiken bestehen in der Abhängigkeit vom Ausgabeverhalten öffentlicher Haushalte im Inland und in ausländischen Kundenländern. In Staatshaushalten kann es grundsätzlich zu Umschichtungen und Kürzungen kommen, von denen auch die Verteidigungsressorts betroffen sein können.“

— Rheinmetall AG, Geschäftsbericht 2025, Risiko- und Chancenbericht, Abschnitt Kundenrisiken, Seite 72

Wie real das ist, zeigte das Jahr 2026 gleich zweimal. Positiv: Am 29. Mai 2026 erteilte Rumänien unter dem EU-Programm SAFE das größte internationale Auftragspaket der jüngeren Firmengeschichte — 5,7 Milliarden Euro für 298 Lynx-Gefechtsfahrzeuge, Skyranger-Flugabwehr, Mittelkalibermunition und vier Marineschiffe, mit Auslieferungen von 2028 bis 2030. Negativ: die F126-Absage einen Monat später. Beide Entscheidungen fielen in Ministerien, nicht in Vertriebsgesprächen.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir einen Handwerksbetrieb vor, dessen Auftragsbuch prall gefüllt ist — aber sämtliche Kunden sind Behörden, deren Budget jedes Jahr neu beschlossen wird. Solange die Haushalte wachsen, ist das ein Traumgeschäft. Genau darauf setzt die Aktie. Rheinmetall selbst verweist im Bericht auf die Nato-Beschlüsse zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035, davon 3,5 Prozent für klassische Militärausgaben, und auf ein europäisches Investitionsvolumen von bis zu 800 Milliarden Euro. Das ist die Wachstumsstory — und zugleich die Abhängigkeit.

Bewertung — Größenordnung statt Tageskurs

Wir nennen hier keinen Tageskurs, sondern datierte Anker aus dem Bericht selbst. Am 31. Dezember 2025 schloss die Aktie laut Kennzahlenübersicht bei 1.561,00 Euro. Multipliziert mit den 46.002.534 damals ausgegebenen Aktien ergibt das einen Börsenwert von rund 71,8 Milliarden Euro. Gemessen am Umsatz 2025 (9.935 Millionen Euro) entspricht das dem rund 7,2-Fachen; gemessen an der eigenen Umsatzprognose für 2026 (14,0 bis 14,5 Milliarden Euro) dem rund 5,0-Fachen. Gemessen am Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten (22,73 Euro) ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 69 — der Markt bezahlte also am Jahresende 2025 rund 69 Jahresgewinne im Voraus.

Interessanter als der einzelne Wert ist die Entwicklung. Auf derselben Basis — Jahresschlusskurs geteilt durch das Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten, beides aus der Kennzahlenübersicht des Geschäftsberichts 2025 — sah es so aus: 2021 rund 9, 2022 rund 17, 2023 rund 22, 2024 rund 36, 2025 rund 69. Der Gewinn je Aktie hat sich von 9,04 auf 22,73 Euro mehr als verdoppelt; der Preis, den der Markt dafür zahlt, hat sich versiebenfacht. Ein Hinweis zur Sauberkeit dieser Reihe: Rheinmetall hat die Werte für 2024 und 2020 nach IFRS 5 angepasst, weil das zivile Geschäft beziehungsweise das Kleinkolbengeschäft herausgelöst wurde; die früheren Jahre enthalten diese Bereinigung nicht. Die Reihe zeigt also die Richtung zuverlässig, nicht die dritte Nachkommastelle.

Die Dividende relativiert das Bild kaum: 11,50 Euro je Aktie für 2025 entsprechen auf den Jahresschlusskurs von 1.561,00 Euro einer Rendite von rund 0,7 Prozent. Wer Rheinmetall kauft, kauft Wachstum, nicht Ausschüttung.

Und was sagt der Blick der Profis? Rheinmetall selbst nennt im Geschäftsbericht keine Analystenschätzungen. Belastbar ist stattdessen die eigene Prognose: Umsatz 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro und rund 19 Prozent operative Marge für 2026, bestätigt am 7. Mai 2026 — das wäre ein operatives Ergebnis in der Größenordnung von rund 2,7 Milliarden Euro. Ob der Markt bereit ist, für dieses Wachstum weiterhin ein KGV im hohen Zweistelligen zu zahlen, ist eine Preisfrage, keine Qualitätsfrage. Sie entscheidet über die Rendite, nicht über die Substanz.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Auftragspolster von über 80 Milliarden Euro (30. Juni 2026, vorläufig) bei zuletzt 9,9 Milliarden Euro Jahresumsatz — rechnerisch mehr als acht Jahresumsätze an Sichtbarkeit.
  • Strukturell steigende Verteidigungsbudgets: Nato-Ziel von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035, EU-Programm SAFE, europäisches Investitionsvolumen von bis zu 800 Milliarden Euro (alle Angaben aus dem Geschäftsbericht 2025).
  • Steigende Profitabilität: operative Marge von 8,1 Prozent (2019) auf 18,5 Prozent (2025), Ziel über 20 Prozent für 2030; ROCE 33,5 Prozent nach 25,7 Prozent.
  • Bilanz mit Nettoliquidität von 369 Millionen Euro (31. Dezember 2025) statt Nettoschulden — Spielraum für den Kapazitätsaufbau ohne neuen Kredit.
  • Neue Domäne See: Naval Systems brachte zum 31. März 2026 allein 5,5 Milliarden Euro Auftragsbestand mit; im ersten Berichtsmonat März 2026 erwirtschaftete das Segment 77 Millionen Euro Umsatz bei 10,1 Prozent Marge.
  • Fokussierung: Mit dem Verkauf von Power Systems für 350 Millionen Euro (Vertrag vom 3. Juni 2026) fällt das margenschwache Autozuliefergeschäft weg.

Risiken

  • Zwei Quartale in Folge negativer operativer Free Cashflow: minus 285 Millionen Euro im ersten Quartal 2026, „deutlich negativ“ laut eigener Ankündigung im zweiten.
  • 35,9 Prozent des Backlogs zum 31. Dezember 2025 sind Rahmenverträge ohne verbindliche Bestellung (22.914 von 63.761 Millionen Euro).
  • Abhängigkeit von öffentlichen Haushalten, ausdrücklich im Risikobericht benannt — die F126-Absage vom Juli 2026 kostet bis zu 300 Millionen Euro Umsatz 2026 und riss das Nomination-Ziel von 20 Milliarden Euro.
  • Verwässerung durch Wandelanleihen: plus 6,8 Prozent Aktien in vierzehn Monaten, weitere Ermächtigung über bis zu 7,4 Milliarden Euro Nennbetrag bis 2029.
  • Ausführungsrisiko: Der Umsatzsprung von 9,9 auf 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro erfordert neue Werke (Unterlüß, Litauen, Lettland, Bulgarien, Rumänien) und Personal — die Investitionen stiegen 2025 bereits auf 872 Millionen Euro nach 697 Millionen.
  • Bewertung: rund 69 Jahresgewinne zum Jahresschlusskurs 2025 lassen wenig Raum für Enttäuschungen.
  • Integrationsrisiko NVL: erst ein Monat Konsolidierung im ersten Quartal 2026, refinanziert über einen Club Deal von 1.500 Millionen Euro mit einer Laufzeit von bis zu zwölf Monaten, davon 1.000 Millionen am 4. März 2026 gezogen.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Heldenbonus. Er ist verführerisch, weil er sich wie Loyalität anfühlt: Man hat früh erkannt, dass hier etwas Großes passiert, und will das nicht durch Kleinkram beschädigen. Nur ist das Nachrechnen kein Kleinkram, sondern der einzige Weg, eine gute Firma von einem guten Preis zu unterscheiden.

Nach der Lektüre bleibt ein doppeltes Bild. Rheinmetall ist unbestreitbar ein starkes Unternehmen: 29 Prozent Umsatzwachstum, 18,5 Prozent operative Marge, Nettoliquidität statt Schulden, ein verbindlicher Auftragsbestand von 40,8 Milliarden Euro, eine Dividende, die sich in sechs Jahren fast verfünffacht hat. Und gleichzeitig gilt: Ein gutes Drittel des gefeierten Backlogs ist noch keine Bestellung, das Geld fließt gerade heraus statt herein, die mittelfristigen Ziele haben drei Jahre mehr Zeit bekommen, und die Zahl der Aktien wächst leise weiter.

Am 6. August 2026 legt Rheinmetall den Halbjahresfinanzbericht vor. Dann steht der Cashflow des ersten Halbjahres in einer Zahl, die Aktienzahl ist aktualisiert, und die Segmentmargen sind nachlesbar. Bis dahin ist jede Aussage über das erste Halbjahr 2026 vorläufig — auch unsere.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Disclaimer: Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalveröffentlichungen der Rheinmetall AG und tragen den dort genannten Stichtag; Datenstand dieser Analyse ist der 4. August 2026. Die Angaben zum zweiten Quartal 2026 sind vorläufig — der vollständige Halbjahresfinanzbericht 2026 erscheint am 6. August 2026 und kann die hier genannten Werte präzisieren oder korrigieren. Aktien können erhebliche Verluste bis zum Totalverlust verursachen. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der Rheinmetall-Aktie.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 5.658,0 6.410,0 7.176,0 9.751,0 9.935,0
Betriebsergebnis (EBIT) 614,0 738,0 897,0 1.407,0 1.702,0
Nettogewinn 291,0 540,0 586,0 717,0 696,0
Nettomarge 5,1 % 8,4 % 8,2 % 7,4 % 7,0 %
Gewinn je Aktie 6,72 € 12,45 € 12,65 € 15,37 € 14,92 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Wachstum und Profitabilität positiv
Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten stieg 2025 um 29 Prozent auf 9.935 Mio. Euro, das operative Ergebnis um 33 Prozent auf 1.841 Mio. Euro. Die operative Marge kletterte von 8,1 Prozent (2019) auf 18,5 Prozent (2025). Im zweiten Quartal 2026 legte der Umsatz laut vorläufigen Zahlen vom 29.07.2026 um rund 69 Prozent auf 3,289 Mrd. Euro zu.
Bilanz und Finanzierung positiv
Zum 31.12.2025 steht eine Nettoliquidität von 369 Mio. Euro in der Bilanz, nach einer Nettofinanzverbindlichkeit von 1.292 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Das Eigenkapital stieg um 25,8 Prozent auf 5.614 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote auf 33,5 Prozent, der ROCE auf 33,5 Prozent nach 25,7 Prozent.
Kassenlage im laufenden Jahr negativ
Der operative Free Cashflow aus fortgeführten Aktivitäten sank im ersten Quartal 2026 um 527 Mio. auf minus 285 Mio. Euro; für das zweite Quartal 2026 kündigte Rheinmetall in der Ad-hoc vom 29.07.2026 selbst einen „deutlich negativen OFCF“ an. Die Cash Conversion Rate fiel 2025 bereits von 76,0 auf 66,2 Prozent.
Qualität des Auftragsbestands neutral
Vom Rheinmetall Backlog über 63.761 Mio. Euro (31.12.2025) waren 22.914 Mio. Euro oder 35,9 Prozent Frame Backlog — erwartete Abrufe aus Rahmenverträgen, die laut Geschäftsbericht 2025 „in Abhängigkeit der finalen Abrufmengen abweichen“ können. Verbindlich bestellt waren 40.847 Mio. Euro.
Abhängigkeit von öffentlichen Haushalten neutral
Der Risikobericht des Geschäftsberichts 2025 (Seite 72) benennt die Abhängigkeit vom Ausgabeverhalten öffentlicher Haushalte ausdrücklich. Die Absage des F126-Programms (Ad-hoc vom 02.07.2026) kostet bis zu 300 Mio. Euro Umsatz 2026 und macht das Nomination-Ziel von 20 Mrd. Euro unerreichbar — gegenläufig steht der Rumänien-Auftrag über 5,7 Mrd. Euro vom 29.05.2026.
Aktienzahl und Verwässerung negativ
Wandlungen von Wandelschuldverschreibungen erhöhten die Aktienzahl von 43.558.850 Stück (31.12.2024) auf 46.002.534 Stück (31.12.2025) und bis Ende Februar 2026 auf 46.516.641 Stück — plus 6,8 Prozent in vierzehn Monaten. Eine Ermächtigung über bis zu 7,4 Mrd. Euro Nennbetrag läuft bis zum 13.05.2029.

Rheinmetall wächst schnell, verdient gut und steht bilanziell solide da — mit Nettoliquidität, 33,5 Prozent Eigenkapitalquote und einem verbindlichen Auftragsbestand von 40,8 Mrd. Euro (31.12.2025). Gleichzeitig sind gut ein Drittel des gefeierten Backlogs Rahmenverträge ohne Bestellung, der operative Free Cashflow war 2026 zwei Quartale in Folge negativ, die Mittelfristziele wurden von 2027 auf 2030 gestreckt und die Aktienzahl wächst durch Wandelanleihen weiter. Der Halbjahresfinanzbericht am 6. August 2026 liefert die erste belastbare Halbjahreszahl zum Cashflow. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Qualität belegt

Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.

Die Qualität des Unternehmens ist belegt: ein tragendes Geschäftsmodell mit steigender Marge, ein testierter IFRS-Abschluss, eine Bilanz mit Nettoliquidität statt Nettoschulden, keine existenzielle Abhängigkeit von einer einzelnen Gegenpartei und kein Bilanz- oder Governance-Befund. Der negative Mittelzufluss der ersten beiden Quartale 2026 ist Working Capital für einen Umsatzsprung von 40 bis 45 Prozent und durch Nettoliquidität und hohe Kundenanzahlungen unterlegt — er ist eine Kennzahl zum Nachhalten, kein Substanzrisiko. Ausdrücklich getrennt davon: Die Aktie war zum Jahresschlusskurs 2025 mit einem KGV von rund 69 sehr teuer bewertet, ein gutes Drittel des Backlogs ist noch nicht bestellt, und die Wandelanleihen verwässern weiter. Das sind Preis- und Timing-Argumente, die diese Ampel bewusst nicht färben.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Rheinmetall stand am 4. August 2026 weit oben in den Ranglisten der meistdiskutierten Werte im Forum von wallstreet-online — ein Aufmerksamkeitssignal, kein Kaufargument.
  • Datenstand 4. August 2026. Jüngster vollständiger Periodenbericht ist die Quartalsmitteilung Q1 2026 vom 7. Mai 2026; die Q2-Zahlen stammen aus der Ad-hoc-Mitteilung vom 29. Juli 2026 und sind ausdrücklich vorläufig.
  • Der Halbjahresfinanzbericht 2026 (1.1.–30.6.2026) erscheint am 6. August 2026 um 14:00 Uhr MESZ und kann alle Halbjahresangaben dieser Analyse präzisieren oder korrigieren.
  • Rheinmetall ist kein SEC-Filer: kein 10-K, kein 10-Q. Alle Belege stammen aus dem Geschäftsbericht 2025, der Quartalsmitteilung Q1 2026, den Ad-hoc-Mitteilungen und Pressemitteilungen des Unternehmens.
  • Verwechslungsgefahr: Der „Rheinmetall Backlog“ ist nicht der Auftragsbestand. Er enthält zusätzlich den Frame Backlog aus Rahmenverträgen; die Kennzahl „Rheinmetall Nomination“ enthält neben dem Auftragseingang die Frame Nomination, also den erwarteten Wert neuer Rahmenverträge.
  • Die Kennzahlen für 2024 und 2020 wurden nach IFRS 5 angepasst (ziviles Geschäft beziehungsweise Kleinkolbengeschäft), frühere Jahre nicht — Mehrjahresreihen zeigen deshalb die Richtung, nicht die dritte Nachkommastelle.

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Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 4. August 2026. Was sich seitdem bei RHM.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu Rheinmetall AG (RHM.DE) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Die Rheinmetall AG aus Düsseldorf ist ein Systemhaus für Sicherheits- und Verteidigungstechnik in fünf Segmenten: Vehicle Systems (Rad- und Kettenfahrzeuge), Weapon and Ammunition (Waffen und Munition), Air Defence (Flugabwehr), Digital Systems (Digitalisierung der Streitkräfte) und seit Februar 2026 Naval Systems (Marineschiffbau). Zum Jahresende 2025 beschäftigte der Konzern 32.251 Vollzeitkräfte.

Rheinmetall notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse und ist kein US-Meldeunternehmen — es gibt weder Geschäftsberichte nach US-Muster (10-K) noch Quartalsberichte nach US-Muster (10-Q). Pflicht sind ein testierter IFRS-Jahresabschluss, ein Halbjahresfinanzbericht, kurze Quartalsmitteilungen und Ad-hoc-Mitteilungen nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung.

Der Rheinmetall Backlog lag zum 31. Dezember 2025 bei 63.761 Millionen Euro und stieg laut Ad-hoc vom 29. Juli 2026 im zweiten Quartal 2026 über 80 Milliarden Euro. Verbindlich bestellt waren Ende 2025 aber nur 40.847 Millionen Euro; die übrigen 22.914 Millionen sind erwartete Abrufe aus Rahmenverträgen, die erst beim Abruf zum Auftragsbestand werden.

Im ersten Quartal 2026 sank der operative Free Cashflow um 527 Millionen auf minus 285 Millionen Euro; für das zweite Quartal kündigte Rheinmetall selbst einen deutlich negativen Wert an. Gründe sind verschobene Kundenanzahlungen, gestiegene Forderungen und der Vorratsaufbau für den geplanten Umsatzsprung auf 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro im Jahr 2026.

Der Halbjahresfinanzbericht 2026 für den Zeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2026 erscheint am 6. August 2026 um 14:00 Uhr MESZ. Der Termin steht sowohl im Finanzkalender auf Seite 285 des Geschäftsberichts 2025 als auch auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens und wurde in der Ad-hoc-Mitteilung vom 29. Juli 2026 bestätigt.

Ja. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Dividende von 11,50 Euro je Aktie ausgeschüttet, nach 8,10 Euro im Vorjahr; die Ausschüttungsquote lag bei 45,5 Prozent, der Beschluss fiel auf der Hauptversammlung am 12. Mai 2026. Bezogen auf den Jahresschlusskurs 2025 von 1.561,00 Euro entspricht das einer Dividendenrendite von rund 0,7 Prozent.

Rheinmetall teilte am 2. Juli 2026 per Ad-hoc mit, dass die Absage des Fregattenprogramms F126 das Ziel von 20 Milliarden Euro Rheinmetall Nomination für 2026 unerreichbar macht. Die Umsatzbelastung für 2026 beziffert das Unternehmen auf bis zu 300 Millionen Euro, sofern keine Kompensation gefunden wird; der Beitrag zur Mittelfristprognose 2030 liege unter 3 Prozent.

Auf Basis des Jahresschlusskurses 2025 von 1.561,00 Euro und eines Ergebnisses je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten von 22,73 Euro ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 69. Zum Jahresende 2021 lag derselbe Wert bei rund 9, Ende 2023 bei rund 22. Der Gewinn hat sich verdoppelt, der bezahlte Preis je Gewinneinheit hat sich versiebenfacht.

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