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OHB SE: Volles Auftragsbuch, dünne Marge — und ein Großaktionär, der verkauft

OHB SE: Volles Auftragsbuch, dünne Marge — und ein Großaktionär, der verkauft

OHB baut Satelliten für Europa, und die Auftragsbücher sind voll: 3.304 Millionen Euro Auftragsbestand zum 30. Juni 2026. Im selben Halbjahr sammelte das Unternehmen 484 Millionen Euro frisches Kapital zu 300 Euro je Aktie ein — und der Finanzinvestor KKR reichte dabei rund 1,39 Millionen eigene Stücke mit ins Schaufenster. Gleichzeitig fiel das Betriebsergebnis auf 14,8 Millionen Euro, im zweiten Quartal sogar knapp unter null, und aus dem laufenden Geschäft flossen 194,5 Millionen Euro ab. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Frage, was von der Rakete übrig bleibt, wenn die Knappheit verschwindet.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 10. August 2026

Schlusskurs
232,50 € +1,75 %
Marktkapitalisierung
4,8 Mrd. €
KGV
80,7
Wachstums-Score
4/10
AAQS
7/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

OHB SE: Volles Auftragsbuch, dünne Marge — und ein Großaktionär, der verkauft
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 64,20 € bis 614,00 € · Letzter Kurs: 232,50 € (Stand: 10. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die ohne jede Übertreibung auskommt — sie braucht nur ein knappes Angebot. Nennen wir sie die Knappheits-Falle: Wenn es von einer Sache fast nichts zu kaufen gibt, hält unser Kopf sie automatisch für wertvoll. Wir kennen das von limitierten Turnschuhen und von Konzertkarten, und an der Börse funktioniert es genauso. Bei OHB SE aus Bremen war die Ware jahrelang extrem knapp: Zum 31. Dezember 2025 waren von 19.214.905 Aktien nur 1.092.279 frei handelbar — 5,7 Prozent. Der durchschnittliche Tagesumsatz im ersten Halbjahr 2025 lag bei 6.944 Stück. Wer in dieser Lage kaufen wollte, musste den Preis nehmen, der gerade da war. Und dann kam der Weltraum-Boom.

Machen wir also einen Deal: Bevor wir über den Kurs reden, lesen wir gemeinsam, was das Unternehmen selbst berichtet hat — den Geschäftsbericht 2025 und den Halbjahresbericht 2026 vom 6. August 2026. Beides sind Pflichtveröffentlichungen nach deutschem und europäischem Kapitalmarktrecht, der Jahresabschluss ist von einem Wirtschaftsprüfer testiert. Daraus ergibt sich das Spannungsfeld, um das sich diese Analyse dreht: Das Auftragsbuch und die Bilanz sind stark wie nie — und genau in diesem Halbjahr rutschte das Betriebsergebnis im zweiten Quartal unter null.

Was OHB eigentlich macht — Europas Satellitenbauer aus Bremen

OHB SE ist ein Raumfahrt- und Technologiekonzern mit Sitz in Bremen und Standorten in zehn Ländern. Übersetzt in ein Alltagsbild: Wenn die europäische Raumfahrt eine Baustelle wäre, ist OHB der Generalunternehmer, der die Häuser baut — die Satelliten —, außerdem Teile des Krans mitliefert, mit dem sie nach oben kommen, und am Ende auch die Leitstelle betreibt, die mit ihnen spricht. Der Konzern ist eine aktive Holding: Die Muttergesellschaft betreibt selbst kein operatives Geschäft, sondern steuert die Tochtergesellschaften.

Berichtet wird in drei Segmenten. SPACE SYSTEMS ist mit Abstand das größte und entwickelt und baut komplette Satellitensysteme — für Navigation (Galileo), Wissenschaft, Telekommunikation, Erd- und Wetterbeobachtung, Sicherheit und Exploration; im ersten Halbjahr 2026 stand das Segment für 458,7 Millionen Euro nicht-konsolidierten Umsatz. ACCESS TO SPACE liefert Strukturen und Tanks für europäische Trägerraketen, vor allem für die Ariane-Programme, und entwickelt Kleinraketen und Startinfrastruktur (92,5 Millionen Euro). DIGITAL baut Bodensysteme, Antennen und Teleskope, betreibt Satelliten und liefert Auswertungen und IT-Sicherheit (62,1 Millionen Euro). Zum 30. Juni 2026 beschäftigte der Konzern 4.094 Menschen, davon 3.234 in Deutschland — 315 mehr als zum Jahreswechsel.

Die Namen der Projekte klingen nach Kino und sind trotzdem Alltagsgeschäft: die Weltraumteleskop-Mission PLATO, deren Umwelttests im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen wurden und die im Januar 2027 starten soll; die Raumsonde RAMSES, die 2029 den Asteroiden Apophis begleiten soll und in Bremen in nur dreieinhalb Jahren gebaut wird; das Gemeinschaftsunternehmen mit Rheinmetall für die Bundeswehr-Satellitenkommunikation SATCOMBw Phase 4; und das Vorhaben „KIRK“ mit Helsing, an dem auch Kongsberg und HENSOLDT — dessen Zahlen wir hier auseinandergenommen haben — beteiligt sind.

Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen

Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage prägt: Von OHB gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Das Unternehmen ist kein US-Meldeunternehmen; in der Ticker-Registry der US-Börsenaufsicht SEC taucht es nicht auf. Die Pflichtberichte laufen über den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse: ein testierter IFRS-Konzernabschluss — den Abschluss 2025 testierte PricewaterhouseCoopers am 18. März 2026, für das laufende Jahr bestellte die Hauptversammlung am 8. Juni 2026 die BDO AG —, dazu ein Halbjahresbericht und Quartalsmitteilungen. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“. Der Gedanke „ein Pflichtbericht ist ehrlich, weil er Konsequenzen hat“ gilt sinngemäß trotzdem — nur eben nach § 114 Wertpapierhandelsgesetz statt nach US-Recht.

Eine Besonderheit im Zahlenwerk sollte man kennen, bevor man Vergleiche zieht: OHB führt neben dem Umsatz die Gesamtleistung als Hauptkennzahl. Sie zählt zusätzlich Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen mit — im ersten Halbjahr 2026 waren das 627,9 Millionen Euro gegenüber 600,1 Millionen Euro Umsatz. Die eigene Prognose und die Mittelfristziele des Vorstands beziehen sich immer auf die Gesamtleistung, nicht auf den Umsatz.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlich gesagt: nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über eine Rangliste der Aufmerksamkeit. OHB stand am Stichtag 11. August 2026 in den Ranglisten der meistdiskutierten Werte im Forum von wallstreet-online weit oben — also dort, wo Privatanleger gerade am lautesten über eine Aktie sprechen. Das ist ein Aufmerksamkeitssignal und ausdrücklich kein Kaufargument. Eine Aktie steht in solchen Listen, wenn viel über sie geschrieben wird; das kann Begeisterung sein, Ärger, Hoffnung oder schlicht Gewohnheit.

Für uns ist so eine Liste trotzdem nützlich — als Themenradar. Wenn sehr viele Menschen gleichzeitig über eine Aktie reden, lohnt der nüchterne Blick in die Originalberichte besonders, weil im Lärm die Details untergehen. Genau die holen wir jetzt hervor.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. OHB hat 2025 das beste Jahr seiner Geschichte abgeliefert: Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 1.215,5 Millionen Euro, die Gesamtleistung auf 1.247,6 Millionen. Das Ebitda kletterte von 53,2 auf 114,8 Millionen Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) von 14,1 auf 73,3 Millionen, und der Ergebnisanteil der Aktionäre sprang von minus 0,2 auf 50,0 Millionen Euro — 2,61 Euro je Aktie nach minus 0,01 Euro im Vorjahr.

Über fünf Jahre gelesen sieht das so aus — Umsatz und Betriebsergebnis jeweils in Millionen Euro: 905,0 und 47,0 (2021), 944,5 und 63,2 (2022), 1.047,8 und 125,0 (2023), 1.001,5 und 14,1 (2024), 1.215,5 und 73,3 (2025). Der Umsatz zieht fast durchgehend an; das Betriebsergebnis macht Bocksprünge. Das ist keine Buchhaltungs-Marotte, sondern die Natur eines Projektgeschäfts: Wann ein Meilenstein abgenommen wird, entscheidet, in welchem Jahr der Ertrag landet.

Balkendiagramm: Umsatz von OHB steigt 2021 bis 2025 von 905,0 über 944,5, 1.047,8 und 1.001,5 auf 1.215,5 Millionen Euro; das Ebit schwankt von 47,0 über 63,2, 125,0 und 14,1 auf 73,3 Millionen Euro.
Fünf Jahre nebeneinander: Der Umsatz wächst fast durchgehend, das Betriebsergebnis springt zwischen 14,1 und 125,0 Millionen Euro hin und her. In einem Projektgeschäft entscheidet die Abnahme einzelner Meilensteine über das Jahresergebnis. Quelle: OHB-Geschäftsbericht 2025, Fünfjahresübersicht. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch die Auftragslage trägt. Der Auftragsbestand wuchs von 1.748,6 Millionen Euro (Ende 2023) über 2.382,4 Millionen (Ende 2024) auf 3.193,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025 und lag zum 30. Juni 2026 bei 3.303,8 Millionen. Gemessen an der eigenen Prognose für 2026 — 1.400 Millionen Euro Gesamtleistung — ist das ein Polster von rund zweieinhalb Jahren. Davon entfielen zum Halbjahr 2.566 Millionen Euro auf SPACE SYSTEMS, 440 Millionen auf ACCESS TO SPACE und 298 Millionen auf DIGITAL.

Und das erste Halbjahr 2026 wuchs weiter: Umsatz 600,1 Millionen Euro (plus 11,8 Prozent), Gesamtleistung 627,9 Millionen (plus 11,4 Prozent). Beide großen Segmente legten zu, ACCESS TO SPACE sogar um knapp 59 Prozent auf 92,5 Millionen Euro Umsatz.

Der dritte starke Punkt ist die Bilanz — allerdings erst seit Juni 2026. Mit der Kapitalerhöhung flossen rund 484 Millionen Euro brutto zu. Das Eigenkapital stieg auf 915,6 Millionen Euro (30. Juni 2025: 427,2 Millionen), die Bilanzsumme auf 2.113,5 Millionen. Die Eigenkapitalquote liegt damit bei rund 43 Prozent, nach 27,5 Prozent zum 31. Dezember 2025 — das Unternehmen selbst peilt „über 25 Prozent“ an. Liquide Mittel und Wertpapiere summierten sich zum 30. Juni 2026 auf 526,9 Millionen Euro nach 220,6 Millionen zum Jahreswechsel; die Netto-Finanzposition inklusive Pensionsrückstellungen drehte von einer Verschuldung von 254,0 Millionen Euro (31. März 2026) auf ein Guthaben von 116,5 Millionen Euro.

Das ist die Sonnenseite, und sie ist echt. Jetzt die andere.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Schlagzeilen-Zahl ist bereinigt — um 24 Millionen Euro

OHB berichtet, wie die halbe Börse, zwei Ergebnisse nebeneinander: das berichtete und das bereinigte. „Bereinigt“ heißt übersetzt: ohne das, was einmalig sein soll. Im ersten Halbjahr 2026 ist der Unterschied ungewöhnlich groß. Berichtet wurden 36,4 Millionen Euro Ebitda — ein Rückgang gegenüber den 41,6 Millionen des Vorjahreszeitraums. Bereinigt sind es 60,4 Millionen Euro, ein Plus von 31 Prozent. Beide Zahlen stehen in demselben Bericht.

Wasserfalldiagramm: Aus 36,4 Millionen Euro berichtetem Ebitda werden über 1,9 Millionen Transformationskosten, 0,4 Millionen Wertminderungen, 21,4 Millionen Transaktionskosten und 0,3 Millionen Sonstiges insgesamt 60,4 Millionen Euro bereinigtes Ebitda.
Der größte Einzelposten der Überleitung sind die Transaktionskosten mit 21,4 Millionen Euro — im Vorjahreszeitraum standen dort null. Quelle: OHB-Halbjahresbericht 2026 (6. August 2026), Überleitung der alternativen Kennzahlen. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was steckt in diesen 21,4 Millionen Euro? Der Anhang sagt es ungewöhnlich präzise:

„The transaction costs include transactions at Group level. In the six months of 2026, consulting fees amounting to EUR 10,425 thousand (previous year: EUR 0 thousand) as well ass personnel costs amounting to EUR 11,000 thousand were recorded.“

Übersetzung: „Die Transaktionskosten umfassen Transaktionen auf Konzernebene. In den sechs Monaten des Jahres 2026 wurden Beraterhonorare in Höhe von 10.425 Tausend Euro (Vorjahr: 0 Tausend Euro) sowie Personalkosten in Höhe von 11.000 Tausend Euro erfasst.“

— OHB SE, Halbjahresbericht 2026, Anhang „Transaction costs“ (Schreibweise „as well ass“ wörtlich wie im Original)

Markierter Ausschnitt aus dem OHB-Halbjahresbericht 2026: Überleitungstabelle mit 21.425 Tausend Euro Transaktionskosten und dem markierten Satz zu 10.425 Tausend Euro Beraterhonoraren und 11.000 Tausend Euro Personalkosten.
Links die Überleitung vom berichteten zum bereinigten Ebitda, rechts die markierte Erläuterung. Quelle: OHB-Halbjahresbericht 2026 (ohb.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: 11,0 Millionen Euro davon sind Personalkosten, keine externen Rechnungen — Geld, das an Menschen im Unternehmen geflossen ist. Zweitens verweist der Bericht für die Details auf den Geschäftsbericht 2025, in dem Kosten des ersten Halbjahres 2026 naturgemäß nicht stehen können. Wer die Aufschlüsselung sucht, findet sie in keinem der beiden Dokumente.

Und die berichtete Zahl darunter fällt deutlich ab: Das Ebit sank im ersten Halbjahr von 22,2 auf 14,8 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern von 17,4 auf 7,8 Millionen. Im zweiten Quartal allein stand ein Ebit von minus 0,3 Millionen Euro (Vorjahresquartal plus 14,5 Millionen) und ein Ergebnisanteil der Aktionäre von minus 5,1 Millionen Euro — je Aktie minus 0,27 Euro. Gemessen an der Halbjahres-Gesamtleistung liegt die berichtete Ebit-Marge bei 2,4 Prozent. Zum Vergleich: Die eigene Prognose für das Gesamtjahr nennt eine bereinigte Ebitda-Marge von 10,5 bis 11,0 Prozent; nach sechs Monaten steht sie bei 9,6 Prozent — und eben nur bereinigt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Kunde steht für rund 42 Prozent des Umsatzes

Im Segmentanhang des Geschäftsberichts 2025 steht eine Angabe, die man leicht überliest, weil sie in Tausend Euro geschrieben ist:

„Three clients of the OHB Group account for revenue of EUR 511,143 thousand (in two operating segments), EUR 165,305 thousand (in the SPACE SYSTEMS segment) as well as EUR 52,070 thousand (in the ACCESS TO SPACE segment), each equivalent to more than 10 % of the total revenue of the respective segment.“

Übersetzung: „Drei Kunden der OHB-Gruppe stehen für Umsätze von 511.143 Tausend Euro (in zwei operativen Segmenten), 165.305 Tausend Euro (im Segment SPACE SYSTEMS) sowie 52.070 Tausend Euro (im Segment ACCESS TO SPACE), jeweils mehr als 10 Prozent des Gesamtumsatzes des jeweiligen Segments.“

— OHB SE, Geschäftsbericht 2025, Konzernanhang „Segment report“

Markierter Ausschnitt aus dem OHB-Geschäftsbericht 2025: Drei Kunden stehen für Umsätze von 511.143, 165.305 und 52.070 Tausend Euro, daneben die Umsatztabelle mit 1.215.505 Tausend Euro Konzernumsatz.
Rechts die markierte Kundenangabe, links die Umsatztabelle mit dem Konzernumsatz von 1.215.505 Tausend Euro als Bezugsgröße. Quelle: OHB-Geschäftsbericht 2025 (ohb.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir es um: 511,1 Millionen Euro von 1.215,5 Millionen Euro Konzernumsatz sind rund 42 Prozent — von einem einzigen Kunden. Die drei zusammen stehen für gut 59 Prozent. OHB nennt keine Namen; der Halbjahresbericht beschreibt das Geschäft aber als Projektgeschäft, das „generally awarded by public-sector customers“ wird — also von der öffentlichen Hand vergeben.

Das ist ausdrücklich kein Zahlungsausfallrisiko: Der Geschäftsbericht stuft Forderungen gegen öffentliche Auftraggeber als frei von Kreditrisiko ein, und deshalb versichert der Konzern seine Forderungen gar nicht erst. Es ist ein Machtgefälle-Risiko. Wer über vier von zehn Euro Umsatz entscheidet, entscheidet auch über Preise, Zeitpläne und darüber, ob ein Programm überhaupt weiterläuft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Finanzinvestor hat in die eigene Kapitalerhöhung hinein verkauft

Die Kapitalerhöhung im Juni 2026 hatte zwei Teile: eine Privatplatzierung bei institutionellen Investoren und ein Bezugsangebot an die Altaktionäre. Der interessante Satz steht im Kleingedruckten: Die Großaktionäre verzichteten auf ihre Bezugsrechte, wodurch rund 94 Prozent der neuen Aktien in die Platzierung wanderten — zusammen mit „existing shares from the holdings of Orchid Lux HoldCo S.à r.l.“. Das ist die Luxemburger Gesellschaft, über die KKR an OHB beteiligt ist.

„After completion of the transaction, KKR retains a majority of its stake at approximately 20 % and thus remains an investor in OHB. The Fuchs family has not sold any shares and remains the majority shareholder of OHB, holding more than 60 % of the share capital.“

Übersetzung: „Nach Abschluss der Transaktion behält KKR die Mehrheit seines Anteils bei rund 20 Prozent und bleibt damit Investor bei OHB. Die Familie Fuchs hat keine Aktien verkauft und bleibt mit mehr als 60 Prozent des Grundkapitals Mehrheitsaktionärin.“

— OHB SE, Halbjahresbericht 2026, Kapitel zur Privatplatzierung

Markierter Ausschnitt aus dem OHB-Halbjahresbericht 2026: KKR behält rund 20 Prozent, die Familie Fuchs hat keine Aktien verkauft und hält mehr als 60 Prozent; daneben der Hinweis auf 484 Millionen Euro Bruttoerlös.
„Behält die Mehrheit seines Anteils bei rund 20 Prozent“ — zum 31. Dezember 2025 waren es 28,64 Prozent. Quelle: OHB-Halbjahresbericht 2026 (ohb.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Behält die Mehrheit seines Anteils“ ist eine freundliche Formulierung für: Ein Teil ist weg. Die beiden harten Zahlen stehen in den Berichten desselben Unternehmens. Zum 31. Dezember 2025 hielt Orchid Lux HoldCo 5.503.295 Aktien — 28,64 Prozent. Nach Abschluss der Platzierung sind es 4.108.683 Aktien — 19,7 Prozent. Die Differenz beträgt 1.394.612 Stück; beim Platzierungspreis von 300 Euro entspricht das rund 418 Millionen Euro (eigene Rechnung). KKR Capital Markets war zugleich einer der fünf Joint Global Coordinators der Transaktion.

Fairerweise gehört die andere Hälfte dazu: Die Fuchs-Familie hat kein einziges Stück verkauft und hält weiter 60,3 Prozent — 12.560.846 Aktien. Und das Unternehmen selbst hat die vollen 484 Millionen Euro aus den neuen Aktien bekommen. Wer heute kauft, kauft trotzdem in eine veränderte Lage: Der Streubesitz ist von 1.092.279 auf 4.088.779 Aktien gestiegen, von 5,7 auf 19,7 Prozent. Das ist fast das Vierfache an handelbarem Material — die Knappheit vom Anfang dieser Analyse ist zu einem großen Teil verschwunden. Der durchschnittliche Tagesumsatz stieg entsprechend von 6.944 auf 26.205 Stück.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Auftragsbestand wächst im Dreijahrestakt einer Behörde

Ein voller Auftragsbestand ist beruhigend — bis man liest, woran sein Rhythmus hängt. Der Halbjahresbericht erklärt den Anstieg selbst:

„The increase in the non-consolidated order backlog to EUR 3,304 million is attributable to the scheduling cycle of the ESA Ministerial Conference, which takes place every three years.“

Übersetzung: „Der Anstieg des nicht-konsolidierten Auftragsbestands auf 3.304 Millionen Euro ist auf den Terminzyklus der ESA-Ministerkonferenz zurückzuführen, die alle drei Jahre stattfindet.“

— OHB SE, Halbjahresbericht 2026, Zwischenlagebericht „Financial performance“

Markierter Ausschnitt aus dem OHB-Halbjahresbericht 2026: Der Anstieg des Auftragsbestands auf 3.304 Millionen Euro geht auf den Dreijahreszyklus der ESA-Ministerkonferenz zurück.
Der Konzern erklärt den Auftragsbestand mit dem Terminkalender einer Behörde — die Budgetbeschlüsse der Ministerkonferenz werden meist im Folgejahr in Verträge gegossen. Quelle: OHB-Halbjahresbericht 2026 (ohb.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt heißt das: Der Auftragseingang von OHB folgt nicht in erster Linie dem Markt, sondern einem politischen Kalender. Alle drei Jahre beschließen die ESA-Mitgliedsstaaten Budgets, im Jahr darauf werden daraus Verträge. Das erklärt, warum der Auftragsbestand in Sprüngen wächst — und warum ein Halbjahr mit plus 3,5 Prozent gegenüber dem Jahresende weder ein Einbruch noch eine Trendwende ist. Es erklärt aber auch, dass die entscheidenden Weichen nicht im Vertrieb gestellt werden, sondern auf Konferenzen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Aus dem Betrieb floss Geld ab — fast 195 Millionen Euro

Die letzte Zahl ist die unbequemste, weil sie unabhängig von jeder Bereinigung ist: Zahlungsströme lassen sich nicht bereinigen. Im ersten Halbjahr 2026 flossen aus der laufenden Geschäftstätigkeit 194,5 Millionen Euro ab (Vorjahreszeitraum 107,5 Millionen), der freie Mittelabfluss betrug 210,5 Millionen Euro. Das entspricht rund einem Drittel des Halbjahresumsatzes.

Ein Teil davon ist Mechanik des Projektgeschäfts: Forderungen und Vertragsvermögenswerte stiegen auf 944,2 Millionen Euro, während die erhaltenen Anzahlungen von 283,6 auf 271,0 Millionen Euro sanken. OHB arbeitet also vor und wird später bezahlt — in einem Geschäft mit Meilenstein-Abnahmen ist das normal. Auffällig ist trotzdem die Reihe der Gesamtjahre: plus 9,1 Millionen Euro (2022), minus 61,8 Millionen (2023), plus 159,8 Millionen (2024), plus 38,5 Millionen (2025). Die Kasse schwankt stärker als das Ergebnis, und sie hat in keinem der letzten fünf Jahre verlässlich das finanziert, was der Konzern investiert.

Deshalb ist die Kapitalerhöhung mehr als ein Wachstumsprogramm: Sie ist auch der Puffer, der das aushält. Mit 526,9 Millionen Euro in der Kasse und einer Netto-Guthaben-Position von 116,5 Millionen Euro ist dieser Puffer zum 30. Juni 2026 belastbar. Er ist nur eben endlich, wenn der Trend so bleibt.

Bewertung — was die Börse für dieses Geschäft verlangt

Zuerst der Größenordnungs-Rahmen, bewusst datiert statt tagesaktuell. Zum 30. Juni 2026 bezifferte OHB die eigene Marktkapitalisierung auf 5.882 Millionen Euro bei einem Xetra-Schlusskurs von 282,50 Euro. Am 10. August 2026 lag der Xetra-Schlusskurs bei 232,50 Euro; bei 20.820.293 Aktien sind das rund 4,84 Milliarden Euro (eigene Rechnung; die Fundamentaldaten weisen zum selben Stichtag 4,81 Milliarden aus — Abweichung unter einem Prozent).

Was heißt das in Kennzahlen? Auf Basis des Ergebnisses je Aktie 2025 (2,61 Euro) ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 89. Gemessen am Umsatz 2025 von 1.215,5 Millionen Euro liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 4. Zieht man die Nettoliquidität von 116,5 Millionen Euro ab, kommt man auf einen Unternehmenswert von rund 4,7 Milliarden Euro — das 38-Fache des bereinigten Ebitda 2025 (125,6 Millionen) beziehungsweise rund das 31-Fache dessen, was die eigene Prognose für 2026 impliziert (1.400 Millionen Gesamtleistung mal rund 10,75 Prozent bereinigter Marge, also rund 150 Millionen Euro).

Der ehrlichste Maßstab ist deshalb das eigene Mittelfristziel des Vorstands: über 4,0 Milliarden Euro Gesamtleistung bei rund 13 Prozent bereinigter Ebitda-Marge. Das wären rund 520 Millionen Euro bereinigtes Ebitda — knapp das Neunfache des heutigen Unternehmenswerts. Anders gesagt: Selbst wenn OHB seine Gesamtleistung fast verdreifacht und die Marge um mehr als zwei Prozentpunkte verbessert, ist die Aktie beim Kursniveau vom 10. August 2026 nicht billig, sondern fair. Ohne diese Verdreifachung ist sie teuer. Ein Zieldatum für die Mittelfristziele nennt der Halbjahresbericht nicht.

Der Blick der Profis fällt entsprechend gespalten aus. Der Halbjahresbericht listet vier Kursziele: Goldman Sachs 250 Euro mit „Neutral“ (5. August 2026), Rothschild & Co Redburn 360 Euro mit „Buy“ (5. August 2026), Jefferies 280 Euro mit „Buy“ (4. August 2026) und NuWays 340 Euro mit „Buy“ (1. Juli 2026). Eine Spanne von 250 bis 360 Euro bei denselben Zahlen bedeutet vor allem eines: Auch die Analysten rechnen die Zukunft und nicht die Gegenwart. Die Dividende spielt in dieser Rechnung keine Rolle — 0,60 Euro je Aktie für 2025, beschlossen am 8. Juni 2026, sind beim Kurs vom 10. August 2026 rund 0,26 Prozent Rendite.

Zur Einordnung hilft ein Blick über den Atlantik: Auch bei den amerikanischen Raumfahrtwerten zahlt die Börse längst Vielfache des Umsatzes für Auftragsbücher statt für Gewinne — nachzulesen in unserer Analyse zu Redwire, wo dieselbe Mechanik mit anderen Zahlen auftritt.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Auftragsbestand von 3.303,8 Millionen Euro zum 30. Juni 2026 — rund das 2,4-Fache der für 2026 prognostizierten Gesamtleistung von 1.400 Millionen Euro.
  • Bilanz nach der Kapitalerhöhung: 526,9 Millionen Euro Liquidität, Eigenkapitalquote rund 43 Prozent, Netto-Guthaben von 116,5 Millionen Euro (jeweils 30. Juni 2026).
  • Struktureller Rückenwind: steigende Verteidigungsbudgets und der europäische Wunsch nach eigener Technologie-Souveränität, konkret sichtbar in den Vorhaben mit Rheinmetall (SATCOMBw Phase 4) und im Konsortium „KIRK“ mit Helsing, Kongsberg und HENSOLDT.
  • Internationalisierung wird belegbar: OHB Czechspace führt erstmals eine ESA-Mission als Hauptauftragnehmer (SOVA-S), OHB SPACE UK übernimmt Integration und Test des EnVision-Satelliten.
  • Familienkontrolle mit langem Atem: Die Fuchs-Familie hält 60,3 Prozent und verkaufte in der Platzierung kein Stück.

Risiken

  • Dünne und schwankende Marge: Ebit-Marge von 2,4 Prozent im ersten Halbjahr 2026, im zweiten Quartal ein Ebit von minus 0,3 Millionen Euro; das Jahresziel von 10,5 bis 11,0 Prozent gilt nur für die bereinigte Ebitda-Marge.
  • Kundenkonzentration: rund 42 Prozent des Umsatzes 2025 von einem einzigen Kunden, gut 59 Prozent von dreien.
  • Mittelabfluss aus dem Betrieb: minus 194,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026, freier Mittelabfluss minus 210,5 Millionen.
  • Angebotsdruck: Der Streubesitz stieg im Juni 2026 von 5,7 auf 19,7 Prozent, weil KKR rund 1,39 Millionen Altaktien mitplatzierte; der Anteil des Investors sank von 28,64 auf 19,7 Prozent.
  • Politischer Taktgeber: Der Auftragseingang folgt dem Dreijahreszyklus der ESA-Ministerkonferenz und damit staatlichen Budgetentscheidungen.
  • Bewertung: rund 89-faches Ergebnis 2025 und rund 38-faches bereinigtes Ebitda 2025 beim Kursniveau vom 10. August 2026 — die Rechnung geht nur mit dem Mittelfristziel auf, für das kein Zieldatum genannt ist.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Knappheits-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass OHB eine schlechte Firma wäre — im Gegenteil: Hier baut ein Familienunternehmen aus Bremen seit Jahrzehnten Satelliten, die tatsächlich fliegen, hat 2025 das beste Jahr seiner Geschichte abgeliefert, sitzt auf einem Auftragsbestand von zweieinhalb Jahresleistungen und hat sich im Juni 2026 eine Bilanz besorgt, die Wachstum aushält. Das ist Substanz, keine Erzählung.

Ihr Kern ist, dass ein Teil des Kursanstiegs nichts mit dieser Substanz zu tun hatte. Wenn von 19,2 Millionen Aktien nur 1,1 Millionen handelbar sind und im Schnitt keine 7.000 Stück am Tag den Besitzer wechseln, dann bewegt jeder neue Käufer den Preis — und der Preis wird zur Nachricht, die den nächsten Käufer anlockt. Genau diese Knappheit hat das Unternehmen im Juni 2026 selbst aufgelöst: neue Aktien für 484 Millionen Euro, dazu rund 1,39 Millionen Altaktien vom Finanzinvestor. Der Streubesitz hat sich fast vervierfacht.

Damit ist die Aktie in einer neuen Lage — einer ehrlicheren. Ab jetzt entscheidet, was in den Berichten steht: ob aus 2,4 Prozent Ebit-Marge zweistellige werden, ob das Geld nicht nur verdient, sondern auch eingenommen wird, ob aus 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung die versprochenen vier werden. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Aktie nach dem Rücksetzer billig?“, sondern: Würdest du diese Firma auch dann kaufen, wenn du jederzeit so viele Stücke bekämst, wie du willst — nur mit dem Halbjahresbericht vor dir? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du eine Knappheit.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und ausdrücklich keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren, ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben genannten Originaldokumenten und tragen den jeweils genannten Stichtag; Kursangaben sind datierte Anker und keine aktuellen Kurse. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in OHB SE.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 905,0 944,5 1.047,8 1.001,5 1.215,5
Betriebsergebnis (EBIT) 47,0 29,2 125,0 12,6 66,2
Nettogewinn 27,5 32,2 71,3 -0,2 49,5
Nettomarge 3,0 % 3,4 % 6,8 % 0,0 % 4,1 %
Gewinn je Aktie 1,58 € 1,86 € 4,10 € -0,01 € 2,58 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Wachstum und Auftragslage positiv
Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 11,8 Prozent auf 600,1 Millionen Euro, die Gesamtleistung um 11,4 Prozent auf 627,9 Millionen. Der Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2026 bei 3.303,8 Millionen Euro nach 3.193,6 Millionen zum Jahresende 2025 — rund das 2,4-Fache der für 2026 prognostizierten Gesamtleistung.
Profitabilität negativ
Das berichtete Ebitda sank im ersten Halbjahr 2026 von 41,6 auf 36,4 Millionen Euro, das Ebit von 22,2 auf 14,8 Millionen — eine Ebit-Marge von 2,4 Prozent. Im zweiten Quartal allein stand ein Ebit von minus 0,3 Millionen Euro und ein Ergebnisanteil der Aktionäre von minus 5,1 Millionen. Die freundlichere Lesart von 60,4 Millionen Euro entsteht erst nach 24,0 Millionen Euro Bereinigungen.
Bilanz und Finanzierung positiv
Die Kapitalerhöhung im Juni 2026 brachte rund 484 Millionen Euro brutto. Zum 30. Juni 2026 standen 526,9 Millionen Euro an liquiden Mitteln und Wertpapieren in der Kasse, das Eigenkapital lag bei 915,6 Millionen Euro (Quote rund 43 Prozent nach 27,5 Prozent zum 31. Dezember 2025), die Netto-Finanzposition inklusive Pensionen drehte auf ein Guthaben von 116,5 Millionen Euro.
Mittelzufluss negativ
Aus der laufenden Geschäftstätigkeit flossen im ersten Halbjahr 2026 194,5 Millionen Euro ab (Vorjahreszeitraum 107,5 Millionen), der freie Mittelabfluss betrug 210,5 Millionen. Auch im Gesamtjahr 2025 lag der operative Mittelzufluss mit 38,5 Millionen Euro weit unter den 159,8 Millionen des Jahres 2024.
Kundenstruktur neutral
Drei Kunden standen 2025 für Umsätze von 511,1, 165,3 und 52,1 Millionen Euro — der größte allein für rund 42 Prozent des Konzernumsatzes von 1.215,5 Millionen. Es sind überwiegend öffentliche Auftraggeber, deren Forderungen der Geschäftsbericht als frei von Kreditrisiko einstuft; das Risiko liegt bei Budgets, Preisen und Terminen, nicht bei der Zahlungsfähigkeit.
Eigentümerstruktur neutral
Die Fuchs-Familie hält seit der Platzierung im Juni 2026 60,3 Prozent und verkaufte kein einziges Stück; Vorstandschef Marco Fuchs kontrolliert den Konzern als Vorsitzender der Fuchs-Familienstiftung. Der Finanzinvestor KKR reduzierte dagegen von 28,64 Prozent (31. Dezember 2025) auf 19,7 Prozent, der Streubesitz stieg von 5,7 auf 19,7 Prozent.

OHB hat 2025 das beste Jahr seiner Geschichte abgeliefert, sitzt zum 30. Juni 2026 auf einem Auftragsbestand von 3.303,8 Millionen Euro und hat sich mit der Kapitalerhöhung im Juni 2026 rund 484 Millionen Euro und damit eine belastbare Bilanz besorgt. Im selben Halbjahr sank das berichtete Ebit auf 14,8 Millionen Euro, im zweiten Quartal unter null, und aus dem Betrieb flossen 194,5 Millionen Euro ab. Die Bewertung vom 10. August 2026 rechnet mit dem Mittelfristziel von über vier Milliarden Euro Gesamtleistung, für das kein Zieldatum genannt ist. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage — im Gegenteil, die Bilanz zum 30. Juni 2026 ist so stark wie nie: 526,9 Millionen Euro Liquidität, 915,6 Millionen Euro Eigenkapital, eine Eigenkapitalquote von rund 43 Prozent, eine Netto-Guthaben-Position von 116,5 Millionen Euro, kein Hinweis auf gefährdete Fortführung. Das Geschäft selbst trägt ebenfalls: 2025 war mit 1.215,5 Millionen Euro Umsatz und 50,0 Millionen Euro Ergebnisanteil das beste Jahr der Firmengeschichte, der Auftragsbestand deckt rund zweieinhalb Jahresleistungen, und die Kunden sind öffentliche Auftraggeber ohne Zahlungsausfallrisiko. Gelb steht, weil zwei operative Fragen offen bleiben. Erstens die Marge: Im ersten Halbjahr 2026 blieben von 627,9 Millionen Euro Gesamtleistung 14,8 Millionen Euro Ebit übrig — 2,4 Prozent —, im zweiten Quartal sogar minus 0,3 Millionen; die freundliche Zahl von 60,4 Millionen Euro entsteht erst nach 24,0 Millionen Euro Bereinigungen, davon 21,4 Millionen Transaktionskosten. Zweitens die Kasse: 194,5 Millionen Euro Mittelabfluss aus dem Betrieb in sechs Monaten sind auch im Projektgeschäft viel, und die Reihe der Vorjahre zeigt keinen verlässlichen Innenfinanzierungs-Trend. Dazu kommt die Kundenkonzentration von rund 42 Prozent auf einen Auftraggeber. Beides kann aufgehen — der nächste überprüfbare Zwischenstand ist der Neunmonatsbericht am 12. November 2026. Dass die Aktie beim Kursniveau vom 10. August 2026 teuer ist, spielt für diese Ampel keine Rolle: Preis ist kein Qualitätsmerkmal.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Datenstand 11. August 2026. Jüngster ausgewerteter Periodenbericht ist der Halbjahresbericht 2026 vom 6. August 2026; die Neunmonatszahlen erscheinen laut Finanzkalender am 12. November 2026.
  • OHB ist kein SEC-Filer: kein 10-K, kein 10-Q, keine Eintragung in der Ticker-Registry der US-Börsenaufsicht. Alle Belege stammen aus dem Geschäftsbericht 2025, dem Halbjahresbericht 2026 und der Quartalsmitteilung zum 31. März 2026 von ohb.de.
  • Der Verkaufserlös von KKR in Höhe von rund 418 Millionen Euro ist eine eigene Rechnung: 5.503.295 Aktien (31. Dezember 2025, Geschäftsbericht 2025) minus 4.108.683 Aktien (nach der Platzierung, Halbjahresbericht 2026) ergeben 1.394.612 Stück, multipliziert mit dem Platzierungspreis von 300 Euro. OHB selbst nennt nur den Bruttoerlös aus den neuen Aktien von rund 484 Millionen Euro.
  • OHB führt die Gesamtleistung als Hauptkennzahl — sie enthält zusätzlich Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen und liegt deshalb über dem Umsatz (1. Halbjahr 2026: 627,9 zu 600,1 Millionen Euro). Prognose und Mittelfristziele des Vorstands beziehen sich auf die Gesamtleistung.
  • Aufhänger dieser Analyse ist die Rangliste der meistdiskutierten Werte im Forum von wallstreet-online (Stichtag 11. August 2026) — ein Aufmerksamkeitssignal, keine Datenquelle für Unternehmenszahlen und kein Kaufargument.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 11. August 2026. Was sich seitdem bei OHB.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

OHB SE aus Bremen entwickelt und baut Satelliten für Navigation, Wissenschaft, Telekommunikation sowie Erd- und Wetterbeobachtung, liefert Strukturen für europäische Trägerraketen und betreibt Bodensysteme und Datenauswertung. Der Konzern berichtet in drei Segmenten und beschäftigte zum 30. Juni 2026 4.094 Menschen.

OHB notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse, nicht in den USA — es gibt kein 10-K, kein 10-Q und keine SEC-Registrierung. Pflicht sind ein testierter IFRS-Jahresabschluss, ein Halbjahresbericht und Quartalsmitteilungen. Diese Analyse stützt sich auf den Geschäftsbericht 2025 und den Halbjahresbericht 2026 vom 6. August 2026.

Im ersten Halbjahr 2026 stand ein berichtetes Ebitda von 36,4 Millionen Euro einem bereinigten von 60,4 Millionen gegenüber. Der Unterschied von 24,0 Millionen besteht aus 21,4 Millionen Euro Transaktionskosten, 1,9 Millionen Transformationskosten, 0,4 Millionen Wertminderungen und 0,3 Millionen Sonstigem. Die Prognose des Vorstands bezieht sich auf die bereinigte Größe.

OHB gab 1.613.023 neue Aktien zu 300 Euro aus und nahm rund 484 Millionen Euro brutto ein, die vollständig dem Unternehmen zuflossen. Die Zahl der Aktien stieg auf 20.820.293. In derselben Platzierung verkaufte der Finanzinvestor KKR eigene Altaktien; sein Anteil sank von 28,64 Prozent (31. Dezember 2025) auf 19,7 Prozent.

Nach Abschluss der Platzierung im Juni 2026 hält die Fuchs-Familie 12.560.846 Aktien (60,3 Prozent), die KKR-Gesellschaft Orchid Lux HoldCo 4.108.683 Aktien (19,7 Prozent), der Streubesitz 4.088.779 Aktien (19,7 Prozent) und OHB selbst 61.985 eigene Aktien (0,3 Prozent). Vorstandschef Marco Fuchs kontrolliert den Konzern als Vorsitzender der Fuchs-Familienstiftung.

Der Vorstand bestätigte am 6. August 2026 eine Gesamtleistung von 1.400 Millionen Euro und eine bereinigte Ebitda-Marge von 10,5 bis 11,0 Prozent für das Geschäftsjahr 2026. Mittelfristig strebt er eine Gesamtleistung von über 4,0 Milliarden Euro und eine bereinigte Ebitda-Marge von rund 13 Prozent an; ein Zieldatum dafür nennt der Bericht nicht.

Ja. Für das Geschäftsjahr 2025 beschloss die Hauptversammlung am 8. Juni 2026 eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie, unverändert zum Vorjahr. Beim Xetra-Schlusskurs vom 10. August 2026 (232,50 Euro) entspricht das rund 0,26 Prozent Rendite. Die Dividende ist bei diesem Titel also kein wesentlicher Teil der Rechnung.

Der Finanzkalender im Halbjahresbericht 2026 nennt die Neunmonatszahlen samt Analystenkonferenz für den 12. November 2026. Davor stehen Investorenkonferenzen im September 2026 an. Der nächste testierte Jahresabschluss folgt im Frühjahr 2027.

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