Ein Silberprojekt mit 2,65 Milliarden Barwert — und 589 Dollar für Bohrungen in neun Monaten
New Pacific Metals besitzt zwei der größten unentwickelten Silbervorkommen der Welt, beide in Bolivien. Die aktualisierte Vorstudie zum Projekt Carangas vom 16. Juli 2026 nennt einen Barwert nach Steuern von 2,65 Milliarden US-Dollar. Sie nennt auch, was der Bau kostet: 644,5 Millionen. In der Kasse lagen zum 31. März 2026 genau 39,9 Millionen. Das Flaggschiff Silver Sand hat seine Umweltkategorisierung schon im November 2024 verloren, der Vertrag mit dem Staatsbergbau wartet seit 2019 auf die Ratifizierung durch das bolivianische Parlament — und für Bohrungen und Analysen wurden in neun Monaten konzernweit 589 US-Dollar aktiviert. Ein Londoner Fonds hat seinen Anteil in einem Jahr von null auf 9,96 Prozent geschraubt. Am Ende steht kein Rat, sondern eine Rechenaufgabe: Was ist ein Bauplan wert, solange niemand baut?
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Es gibt eine Falle, in die jeder tappt, der schon einmal einen Architektenentwurf gesehen hat — nennen wir sie die Bauplan-Falle. Sie funktioniert so: Auf dem Blatt steht ein Haus. Glasfront, Garten, Sonne von links, daneben eine Zahl. Und weil die Zeichnung so genau ist, fängt der Kopf an, sie für Besitz zu halten. Was auf dem Blatt nicht steht: dass ein Teil des Grundstücks noch jemand anderem gehört, dass die Baugenehmigung abgelaufen ist und dass der Kredit für die Bauphase noch nicht zugesagt wurde. Der Entwurf lügt nicht. Er beantwortet nur eine andere Frage, als du gestellt hast. Bei New Pacific Metals Corp. (NYSE American: NEWP; Toronto: NUAG) ist diese Falle im Sommer 2026 besonders gut ausgeleuchtet, weil das Unternehmen am 16. Juli 2026 selbst einen sehr schönen Entwurf vorgelegt hat: Barwert nach Steuern 2,65 Milliarden US-Dollar. Machen wir einen Deal: Wir lesen das Kleingedruckte gemeinsam — nicht die Überschrift der Mitteilung, sondern das, was das Unternehmen der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat. Den Jahresbericht auf Formular 40-F für das Geschäftsjahr 2025, den Zwischenbericht zum 31. März 2026 und die Vorstudie selbst. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von zwei außergewöhnlichen Silbervorkommen, von einer Kasse, die für vier Prozent des Bauplans reicht, von einer Genehmigung, die im November 2024 verfallen ist — und von 589 US-Dollar, die in neun Monaten für Bohrungen und Analysen aktiviert wurden. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.
Was New Pacific eigentlich macht — und was es ausdrücklich nicht macht
Fangen wir mit dem an, was in der Gewinn- und Verlustrechnung fehlt: Umsatz. In allen acht Quartalen bis zum 31. März 2026 steht dort eine Null, und das ist kein Unfall, sondern das Geschäftsmodell. New Pacific ist ein Explorer und Projektentwickler: Das Unternehmen sucht Erz, bohrt es an, lässt rechnen, ob sich ein Bergwerk lohnt, und versucht, die Genehmigungen dafür zu bekommen. Verkauft wird nichts. Bezahlt wird alles aus Kapitalerhöhungen. Der Sitz ist Vancouver, die Notierung liegt in New York und Toronto, gearbeitet wird in Bolivien — mit 36 Beschäftigten zum 30. Juni 2025.
Drei Projekte tragen die Geschichte, und sie sind sehr unterschiedlich weit. Silver Sand im Departement Potosí ist das Flaggschiff: 5,42 Quadratkilometer auf 4.072 Metern Höhe, zwischen 2017 und 2022 mit 139.920 Bohrmetern in 564 Löchern erschlossen. Die Ressourcenschätzung nennt 201,77 Millionen Unzen Silber in den gemessenen und angezeigten Klassen bei einem Gehalt von 116 Gramm je Tonne. Eine Vormachbarkeitsstudie (PFS) vom 8. August 2024 rechnet daraus einen Barwert nach Steuern von 740 Millionen US-Dollar bei 358 Millionen Anfangsinvestition. Carangas im Departement Oruro ist jünger und größer: 40,75 Quadratkilometer, drei Explorationslizenzen, eine Ressourcenschätzung mit 529,6 Millionen Unzen Silberäquivalent in der angezeigten Klasse. Silverstrike südwestlich von La Paz ist frühes Stadium und liegt auf Eis.
Ein Wort zum Fachjargon, weil hier fast alles davon abhängt. Eine Ressource ist Erz, von dem man ziemlich sicher weiß, dass es da ist — im Alltagsbild: Du weißt, dass Öl im Keller steht, aber nicht, ob sich das Abpumpen lohnt. Eine Reserve ist der Teil davon, für den jemand vorgerechnet hat, dass er sich zu bestimmten Preisen fördern lässt. Und eine abgeleitete (inferred) Ressource ist die unsicherste Stufe: erahnt aus wenigen Bohrungen, laut Regelwerk „zu spekulativ“, um daraus eine Reserve zu machen. Merke dir das, denn es kommt gleich wieder: Die 2,65-Milliarden-Rechnung zu Carangas stützt sich ausdrücklich auch auf abgeleitete Ressourcen. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse gesetzt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Die Studien werden von Jahr zu Jahr größer — der Boden darunter bleibt unberührt und teilweise fremd.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diese Analyse beginnt nicht mit einem Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern mit einem Formular. Am 8. Mai 2026 reichte Helikon Investments Ltd aus London bei der SEC ihr Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein (Aktenzeichen 0001839497-26-000002). Ein 13F ist die Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter: Wer mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-gelisteten Aktien verwaltet, muss vierteljährlich offenlegen, was er hält. In Helikons Tabelle stehen 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar — und darin 9.936.183 Aktien von New Pacific Metals im Wert von 41.135.798 US-Dollar.
Interessant ist der Verlauf. Zum 30. Juni 2025 und zum 30. September 2025 meldete derselbe Fonds jeweils null Stück. Zum 31. Dezember 2025 waren es 2.293.539, zum 31. März 2026 dann 9.936.183 — ein Plus von 333 Prozent in einem einzigen Quartal. Das ist die mit Abstand aggressivste Aufstockung im gesamten Depot; sechs weitere Positionen kamen im selben Quartal neu hinzu, sechs wurden komplett verkauft. Ein Umbau-Quartal also, kein Nachlegen im Bestand — und New Pacific war darin die steilste Bewegung.
Und dann hörte es nicht auf. Am 9. Juli 2026 reichte Helikon zusätzlich ein Schedule 13G/A ein, die Beteiligungsmeldung für Anteile über fünf Prozent — und die ist jünger als das 13F. Sie nennt zum Stichtag 30. Juni 2026 nun 18.438.377 Aktien, also noch einmal rund 86 Prozent mehr als drei Monate zuvor, und beziffert die Quote auf 9,96 Prozent von 185.184.189 ausstehenden Aktien. Stimm- und Verfügungsmacht sind dabei durchgehend als geteilt ausgewiesen; meldende Personen sind Helikon Investments Limited und Federico Riggio persönlich, gemeldet wird nach Rule 13d-1(b), also als passiver Investor. Von null Stück am 30. September 2025 auf knapp zehn Prozent einer Gesellschaft ohne Umsatz — in neun Monaten.
Jetzt die Grenze, die zu jedem 13F gehört, damit aus einer Pflichtmeldung keine Legende wird: Ein 13F zeigt ausschließlich US-gelistete Long-Positionen, gemeldet mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne Derivate und ohne alles, was außerhalb der USA notiert. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Er sagt, was am Quartalsende im Depot lag — nicht warum, nicht zu welchem Preis und nicht, ob es morgen noch da ist. Das 13G/A verschiebt den Rückspiegel nur um ein Quartal nach vorn; es macht ihn nicht zur Windschutzscheibe.
Ein Wort zum Scanner, weil es zur Ehrlichkeit gehört — und weil New Pacific ein Lehrstück dafür ist, wann Kennzahlen einfach nicht greifen. Unsere Filter zeigen, Datenstand 24. Juli 2026, ein Bild, das man nicht ernst nehmen darf: Der Piotroski-F-Score steht bei 2 von 9. Dieser Neun-Punkte-Test misst, ob eine Firma profitabler, liquider und effizienter wird als im Vorjahr — bei einem Unternehmen ohne Umsatz und ohne Gewinn kann er gar nicht anders als tief ausfallen. 2 von 9 ist hier keine Aussage über Qualität, sondern über die Nichtanwendbarkeit der Kennzahl. Noch krasser der Altman-Z-Wert von 559,51. Er soll die Insolvenzferne messen; alles über 3 gilt als sicher. 559 entsteht aber nur deshalb, weil in der Formel das Verhältnis von Vermögen zu Schulden steht — und New Pacific hatte zum 31. März 2026 bei 160,8 Millionen Bilanzsumme ganze 1,1 Millionen Verbindlichkeiten. Man teilt also fast durch null. Dieser Wert ist rechnerisch korrekt und als Bonitätsbeweis wertlos. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht, weil es keinen Gewinn gibt, und eine Zinsdeckung existiert nicht, weil es keine Zinsen gibt. Was bleibt, ist die Eigenkapitalquote von 99,3 Prozent — sie ist echt, und sie sagt genau eine Sache: Diese Firma schuldet niemandem etwas. Sie sagt nichts darüber, ob sie sich das leisten kann, was sie vorhat.
Warum es von New Pacific keinen Quartalsbericht gibt — und wann das Geschäftsjahr endet
Zwei Eigenheiten muss man kennen, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Erstens: Von New Pacific gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Das Unternehmen ist kanadisch und nutzt das grenzüberschreitende Verfahren zwischen Kanada und den USA. Sein Jahresbericht heißt Formular 40-F — für das Geschäftsjahr 2025 eingereicht am 15. September 2025 — und besteht im Kern aus den kanadischen Originaldokumenten: dem Annual Information Form, dem Lagebericht und dem von Deloitte geprüften Konzernabschluss. Zwischenzahlen erscheinen nur als Anhang zu einem Formular 6-K, ungeprüft. Gerechnet wird nach IFRS, berichtet in US-Dollar.
Zweitens: Das Geschäftsjahr endet am 30. Juni. Deshalb kommt der Jahresbericht im September, und deshalb heißt das Quartal, das am 31. März 2026 endete, drittes Quartal des Geschäftsjahres 2026. Wer das nicht mitliest, vergleicht ständig verschobene Zeiträume. In dieser Analyse trägt jede Jahreszahl deshalb ihr Geschäftsjahr.
Und drittens eine Formulierung, die man einmal gelesen haben sollte. Im geprüften Konzernabschluss steht gleich in der ersten Anmerkung, was diese Firma juristisch ist:
„The Company is in the stage of exploring and advancing the development of its mineral properties and has not yet determined if they contain economically recoverable mineral reserves. The underlying value and the recoverability of the amounts shown for mineral property interests are entirely dependent upon the existence of recoverable mineral reserves, the ability of the Company to obtain the necessary financing to complete the exploration and development of the mineral properties, and future profitable production or proceeds from the disposition of the mineral property interests.“
Übersetzung: „Das Unternehmen befindet sich in der Phase der Exploration und der Weiterentwicklung seiner Mineralvorkommen und hat noch nicht festgestellt, ob diese wirtschaftlich gewinnbare Mineralreserven enthalten. Der zugrunde liegende Wert und die Werthaltigkeit der für die Mineralvorkommen ausgewiesenen Beträge hängen vollständig davon ab, dass gewinnbare Mineralreserven vorhanden sind, dass das Unternehmen die notwendige Finanzierung für Exploration und Entwicklung erhält und dass künftig gewinnbringend produziert wird oder Erlöse aus der Veräußerung der Vorkommen erzielt werden.“
— New Pacific Metals Corp., Geprüfter Konzernabschluss zum 30. Juni 2025, Anmerkung 1 „Corporate Information“ (40-F-Anhang 99.3)
Das ist Standardsprache für Explorer — und trotzdem der ehrlichste Satz des ganzen Berichts. Er sagt: Die 119,5 Millionen US-Dollar, mit denen die Projekte in der Bilanz stehen, sind kein Wert, den jemand geboten hat. Sie sind die Summe dessen, was in den Jahren hineingesteckt wurde. Ob daraus je Geld wird, hängt an drei Bedingungen, von denen keine erfüllt ist.
Die Zahlen über die Jahre — was ein Explorer statt Umsatz zu bieten hat
Wenn es keinen Umsatz gibt, verschiebt sich der Blick auf drei andere Größen: Wie viel Geld ist da? Wie schnell fließt es ab? Und wie viele Aktien gibt es inzwischen? Fangen wir mit dem an, was gut aussieht. Zum 31. März 2026 lagen 39.863.639 US-Dollar in der Kasse — mehr als doppelt so viel wie neun Monate zuvor (16.839.959 zum 30. Juni 2025). Die Bilanzsumme betrug 160,8 Millionen, das Eigenkapital 159,7 Millionen, die gesamten Verbindlichkeiten 1.060.053 US-Dollar. Es gibt keine Bankschuld, keine Anleihe, keine Wandelanleihe. Das Working Capital lag bei 39,3 Millionen. Für ein Unternehmen ohne Einnahmen ist das eine ungewöhnlich saubere Bilanz.
Auch der Verbrauch ist niedrig. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 flossen 2.884.019 US-Dollar aus dem laufenden Betrieb ab und 2.645.215 in die Projekte — zusammen rund 5,5 Millionen in neun Monaten, hochgerechnet gut 7 Millionen im Jahr. Bei diesem Tempo reicht die Kasse rechnerisch mehr als fünf Jahre. Nur: Dieses Tempo ist genau das Problem, wie wir gleich sehen werden.
Jetzt die Kurve, um die es geht. Wir haben die Kasse zu jedem Geschäftsjahresende seit 2019 neben die Zahl der ausgegebenen Aktien gelegt:
Die Treppe ist deutlich. 2023 war die Kasse bis auf 6.296.312 US-Dollar leergelaufen — knapp ein Jahr Reichweite. Im September 2023 folgte eine Kapitalerhöhung über netto 24,4 Millionen, die Kasse sprang auf 21,95 Millionen, und die Aktienzahl stieg von 157.491.172 auf 171.299.119. Zwei Jahre später dasselbe Muster: Am 21. Oktober 2025 platzierte New Pacific 11.385.000 neue Aktien zu 2,53 US-Dollar (3,55 kanadische Dollar) und nahm brutto 28.823.813 ein. Zum 31. März 2026 standen 184.749.865 Aktien aus, gut 7 Prozent mehr als neun Monate zuvor.
Übersetzt in ein Alltagsbild: Verwässerung heißt, dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke abgeschnitten werden, ohne dass der Kuchen wächst. Bei einem Explorer ist das kein Betriebsunfall, sondern der Motor — es gibt schlicht keine andere Geldquelle. Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „ob“, sondern „wie oft noch und zu welchem Preis“. Über die letzten fünf Jahre ist die Aktienzahl von 154.451.263 (30. Juni 2021) auf 184.749.865 gestiegen, also um rund 20 Prozent. Und die kumulierten Verluste, die in der Bilanz als Defizit stehen, summieren sich auf 81,6 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der Verlust des Geschäftsjahres 2025 betrug 3.780.222 US-Dollar, in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 waren es 3.204.963.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Bauplan quert Land, das der Firma nicht gehört
Am 16. Juli 2026 veröffentlichte New Pacific die aktualisierte wirtschaftliche Vorstudie zu Carangas, erstellt von Ausenco Engineering Canada. Die Zahlen sind beeindruckend: Barwert nach Steuern 2,65 Milliarden US-Dollar bei fünf Prozent Diskontierung, interne Verzinsung 35,9 Prozent, 19 Jahre Laufzeit, 339,0 Millionen Unzen Silberäquivalent, Rückfluss der Anfangsinvestition in 2,4 Jahren. Die frühere Studie vom 5. September 2024 kam auf 501 Millionen und 26 Prozent.
Wer nur die Überschrift liest, sieht eine Verfünffachung des Werts in weniger als zwei Jahren. Wer die Annahmen daneben legt, sieht etwas anderes. Die alte Studie rechnete mit 24,00 US-Dollar je Unze Silber, die neue mit 45,00. Dazu kam die Goldzone hinzu und die Verarbeitungsmenge wurde von 8 auf bis zu 16 Millionen Tonnen im Jahr verdoppelt. Ein erheblicher Teil des Sprungs stammt also aus der Preisannahme, nicht aus neuem Erz. Die Studie zeigt das selbst: Bei 22,50 US-Dollar je Unze fällt der Barwert auf 973 Millionen und die Verzinsung auf 16,3 Prozent.
Und dann kommt der Absatz ganz am Ende, den kaum jemand liest:
„The pit design for the deeper gold zone requires mining of waste (waste stripping) on Mining Concessions in the southern portion of the planned open pit that do not belong to the Company. These concessions include approximately 1.85% of the mineral resources that have been included in the economic analysis for this PEA. These Concessions are held by the state of Bolivia and are not currently available for tenure.“
Übersetzung: „Das Grubendesign für die tiefer liegende Goldzone erfordert den Abbau von Abraum auf Bergbaukonzessionen im südlichen Teil des geplanten Tagebaus, die dem Unternehmen nicht gehören. Auf diesen Konzessionen liegen rund 1,85 Prozent der Mineralressourcen, die in die Wirtschaftlichkeitsrechnung dieser Vorstudie eingeflossen sind. Diese Konzessionen werden vom Staat Bolivien gehalten und sind derzeit nicht zur Vergabe verfügbar.“
— New Pacific Metals Corp., Mitteilung vom 16. Juli 2026, Abschnitt „Cautionary Note Regarding Results of Preliminary Economic Assessment“ (6-K-Anhang 99.1)
1,85 Prozent klingen harmlos. Es geht aber nicht um die Menge, sondern um die Geometrie: Ohne dieses Stück im Süden lässt sich der Abraum über der Goldzone nicht wie geplant abtragen — und die Goldzone liefert in den Jahren 9 bis 16 rund 142.700 Unzen Gold pro Jahr. Das Unternehmen schreibt selbst, dass es andernfalls das Grubendesign und das Ergebnis der Studie neu bewerten müsste. Übersetzt: Ein Sechzehntel des Zeitplans hängt an einer Konzession, die der Staat gerade nicht vergibt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Flaggschiff hat seine Umweltgenehmigung verloren — und wartet seit 2019 auf ein Parlament
Silver Sand ist das weiter entwickelte der beiden Projekte: Es hat einen gültigen Abbauvertrag für die Hauptfläche, eine Vormachbarkeitsstudie und sogar ausgewiesene Reserven — 52,01 Millionen Tonnen mit 105 Gramm Silber je Tonne, also 175,42 Millionen Unzen, gerechnet zu 23,00 US-Dollar je Unze. Genau deshalb ist der Genehmigungsstand hier besonders bitter. Im Mai 2023 hatte das Projekt seine Umweltkategorisierung als Tagebau erhalten — der formelle Startschuss für die eigentliche Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Lagebericht zum 31. März 2026 sagt, was daraus wurde:
„The environmental categorization expired in November 2024 and the Company is in the process of opening a new environmental categorization.“
Übersetzung: „Die Umweltkategorisierung ist im November 2024 abgelaufen, und das Unternehmen ist dabei, eine neue Kategorisierung zu eröffnen.“
— New Pacific Metals Corp., Lagebericht (MD&A) zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, Silver Sand Project, Abschnitt (c) „Permitting“ (6-K-Anhang 99.2)
Die zweite offene Tür bei Silver Sand ist ein Vertrag. Am 11. Januar 2019 unterzeichnete die Tochter Minera Alcira einen Mining Production Contract mit COMIBOL, dem staatlichen Bergbaukonzern Boliviens — er sichert Rechte auf Flächen unmittelbar neben Silver Sand, auf denen rund 10 Prozent der Ressourcen aus der Vormachbarkeitsstudie liegen. Ein Update folgte am 19. Januar 2022, seit Oktober 2023 arbeitet man an der Ratifizierung. Der Bericht formuliert es knapp:
„The MPC remains subject to ratification and approval by the Plurinational Legislative Assembly of Bolivia. As of the date of this MD&A, the MPC has not been ratified nor approved by the Plurinational Legislative Assembly of Bolivia.“
Übersetzung: „Der Mining Production Contract bedarf weiterhin der Ratifizierung und Genehmigung durch die Plurinationale Gesetzgebende Versammlung Boliviens. Zum Datum dieses Lageberichts ist der Vertrag von der Plurinationalen Gesetzgebenden Versammlung Boliviens weder ratifiziert noch genehmigt worden.“
— New Pacific Metals Corp., Lagebericht (MD&A) zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, Silver Sand Project, Abschnitt (d) „Mining Production Contract“ (6-K-Anhang 99.2)
Sieben Jahre nach der Unterschrift. Dazu kommt eine dritte Baustelle, die inzwischen erledigt scheint, aber zeigt, womit man hier rechnen muss: Zwischen 2023 und Juni 2025 arbeiteten illegale Kleinbergleute auf dem Gelände von Silver Sand. New Pacific klagte im Dezember 2023, erwirkte am 7. Mai 2024 eine Vollstreckungsanordnung der Bergbaubehörde AJAM und am 25. Juni 2025 einen verfassungsrechtlichen Schutz („Amparo“) des Departamentsgerichts La Paz. Seit dem 1. Juli 2025 sind die Kleinbergleute abgezogen; nach vorläufiger Vermessung war das entnommene Material nicht wesentlich. Zwei Jahre Blockade für ein Stück Papier — das ist die Größenordnung, in der bolivianische Verfahren hier laufen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Neun Monate, 589 US-Dollar für Bohrungen
Ein Explorer lebt davon, dass er bohrt. Neues Erz, bessere Gehalte, höhere Vertrauensklassen — das ist die Währung. In der Aufstellung der aktivierten Projektkosten im Zwischenbericht zum 31. März 2026 gibt es dafür eine eigene Zeile: „Drilling and assaying“, also Bohrungen und Analysen. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 steht dort für Silver Sand 0 US-Dollar, für Carangas 0 US-Dollar und für Silverstrike 589 US-Dollar. Konzernweit also 589 Dollar in neun Monaten. Im gesamten Geschäftsjahr 2025 waren es 12.230.
Stattdessen flossen die 2,6 Millionen aktivierter Projektkosten in „Project management and support“ (1.832.549), Camp-Betrieb (743.127), Berichte und Gutachten (168.629) und Lizenzgebühren. Das ist die ehrliche Erklärung für eine Beobachtung, die man sonst übersieht: Die Ressourcenschätzung für Carangas, auf der die 2,65-Milliarden-Rechnung beruht, hat zwar einen Stichtag vom 31. März 2026 — aber sie stützt sich, wie in der Fußnote der Tabelle steht, auf Bohrergebnisse bis zum 1. Juni 2023. Es ist dieselbe Datenbasis wie vor drei Jahren, nur neu ausgewertet.
Das soll sich ändern. Nach der am 6. Juli 2026 abgeschlossenen vorherigen Konsultation der Gemeinden plant das Unternehmen ab September 2026 ein Bohrprogramm über 30.000 Meter auf Carangas; rund 25.000 Meter davon sollen abgeleitete in angezeigte Ressourcen umwandeln. Das ist genau der richtige Schritt — und er kostet Geld, das den Mittelabfluss von zuletzt gut 7 Millionen im Jahr deutlich anheben wird. Merke dir das: Die niedrige Verbrennungsrate dieser Firma ist kein Zeichen von Disziplin, sondern von Stillstand. Sobald wieder gearbeitet wird, steigt sie.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 644,5 Millionen Baukosten, 39,9 Millionen in der Kasse
Jetzt die Rechnung, um die sich alles dreht. Die beiden Studien nennen zusammen eine Anfangsinvestition von 1.002,5 Millionen US-Dollar — 358 Millionen für Silver Sand, 644,5 Millionen für Carangas. Über die Laufzeit kommen bei Carangas weitere 422,7 Millionen Erweiterungs- und 166,5 Millionen Erhaltungsinvestitionen dazu, plus 149,8 Millionen Schließungskosten. In der Kasse lagen zum 31. März 2026 39,9 Millionen. Wir haben das nebeneinandergestellt:
Die Kasse deckt rund 4 Prozent dessen, was die eigenen Studien als Anfangsinvestition ausweisen. Und weil das Unternehmen keinen Umsatz hat, gibt es nur drei Wege, diese Lücke zu schließen: neue Aktien, ein Partner, der einen Anteil am Projekt kauft, oder ein Verkauf des Unternehmens. Alle drei sind legitim, und alle drei kosten den heutigen Aktionär Anteil. Wer New Pacific kauft, kauft die Wette, dass diese Verdünnung günstiger ausfällt als der Wertzuwachs aus Genehmigung und Bohrung.
Was das Unternehmen selbst dazu sagt, ist bemerkenswert vorsichtig formuliert: Man habe „ausreichende Mittel, um den normalen Genehmigungs- und Geschäftsbetrieb für mindestens die nächsten zwölf Monate zu decken“. Das ist wahr — und es ist eine Aussage über den Betrieb, nicht über den Bau.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Wohin das Geld der vorletzten Kapitalerhöhung geflossen ist
Kanadische Emittenten müssen offenlegen, was sie mit eingesammeltem Geld gemacht haben. Diese Tabelle ist die aufschlussreichste Seite des ganzen Zwischenberichts. Aus der Kapitalerhöhung vom 29. September 2023 flossen netto 24.446.086 US-Dollar zu. Geplant waren davon 15.532.000 für Silver Sand — allein 11.908.000 für Genehmigung und Vorbereitung des Bergbaus — und 4.660.000 für Carangas, darunter 2.071.000 für Bohrungen.
Tatsächlich ausgegeben wurden bis zum 31. März 2026: 1.089.541 für Silver Sand (davon 43.989 für das Genehmigungsverfahren), 656.891 für Carangas (davon null für Bohrungen) — und 16.799.370 für „Operating expense“, also den laufenden Betrieb, bei geplanten 4.142.000. Von 18.545.802 US-Dollar, die überhaupt verbraucht wurden, gingen damit rund 91 Prozent in die Verwaltung.
Zur Fairness gehören zwei Erklärungen, die das Unternehmen selbst gibt. Erstens deckte der ursprüngliche Plan 18 Monate ab, die tatsächliche Verwendung inzwischen 30 — der Betriebsposten wächst also allein mit der Zeit. Zweitens wurden projektnahe Kosten wie Gehälter und Gemeindearbeit dieser Zeile zugeschlagen, weil sie in keine Projektkategorie passten. Beides ist plausibel. Und trotzdem bleibt die Zahl, die man einmal gelesen haben muss: Aus der vorletzten Kapitalerhöhung ist bisher mehr Geld in die Verwaltung geflossen als in beide Projekte zusammen. Die 28,8 Millionen aus der Runde vom Oktober 2025 waren zum Stichtag noch vollständig unangetastet.
Wem die Firma gehört — und warum das hier besonders wichtig ist
Bei einem Unternehmen ohne Umsatz ist der Aktionärskreis kein Randthema, sondern eine Aussage über die Finanzierungsfähigkeit. Drei Adressen haben ihre Beteiligung bei der SEC gemeldet. Silvercorp Metals Inc., ein produzierender Silberbergbaukonzern mit Betrieben in China, hält 51.426.988 Aktien oder 28,0 Prozent (Stichtag 31. Dezember 2025). Pan American Silver Corp, einer der größten Silberproduzenten der Welt, hält 21.071.264 Aktien oder 11,5 Prozent (Stichtag 21. Oktober 2025). Und die Londoner Helikon Investments kommt auf 18.438.377 Aktien oder 9,96 Prozent (Stichtag 30. Juni 2026). Zusammen sind das rund 49 Prozent.
Für den Anleger heißt das zweierlei. Positiv: Zwei erfahrene Silberproduzenten haben sich diese Vorkommen angesehen und sind investiert geblieben — das ist eine Form von Prüfung, die kein Privatanleger leisten kann. Wie eng die Verbindung zu Silvercorp ist, zeigt der Anhang des Jahresberichts: Beide Gesellschaften teilen sich ein Büro in Vancouver, haben mit Paul Simpson einen gemeinsamen Direktor, und Silvercorp stellte New Pacific im Geschäftsjahr 2025 801.406 US-Dollar für allgemeine Verwaltungsleistungen in Rechnung. Wer wissen will, wie diese Beteiligung auf der anderen Seite aussieht, findet sie in unserer Analyse zu Silvercorp Metals: Dort steht der New-Pacific-Anteil mit 53,5 Millionen US-Dollar im Buch und war zum 31. März 2026 an der Börse 212,9 Millionen wert.
Negativ: Der frei handelbare Anteil ist klein, und die Nähe ist eng. Ein gemeinsamer Direktor, ein gemeinsames Büro und ein Dienstleistungsvertrag sind kein Vorwurf — sie sind bei kanadischen Explorern verbreitet und werden korrekt offengelegt. Aber sie bedeuten, dass die Interessen eines 28-Prozent-Aktionärs und die des Streubesitzes nicht automatisch dieselben sind, etwa wenn es um den Preis einer Kapitalerhöhung oder um eine Übernahme geht.
Bewertung: Was der Markt für einen Bauplan bezahlt
Für eine evergreen-taugliche Einordnung brauchen wir einen datierten Anker statt eines Tageskurses — und den liefert wieder das Formular vom Anfang. Aus 41.135.798 US-Dollar für 9.936.183 Aktien ergibt sich zum Stichtag 31. März 2026 ein rechnerischer Kurs von 4,14 US-Dollar je Aktie. Bei den zum selben Datum ausstehenden 184.749.865 Aktien entspricht das einem Börsenwert in der Größenordnung von 765 Millionen US-Dollar. Die Gegenprobe stimmt: Silvercorp beziffert den Marktwert seines 27,84-Prozent-Anteils zum selben Stichtag auf 212,9 Millionen — das ergibt hochgerechnet dieselben 765 Millionen. Zieht man die 39,9 Millionen Kasse ab, bleibt ein Unternehmenswert von rund 725 Millionen US-Dollar.
Womit vergleicht man das? Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil kein Gewinn existiert; ein Kurs-Umsatz-Verhältnis auch nicht, weil kein Umsatz existiert. Das ist keine Datenlücke — das ist die Natur der Sache. Bleiben drei Vergleichsmaßstäbe. Erstens der Buchwert der Projekte: 119,5 Millionen US-Dollar, davon 92,2 für Silver Sand, 22,2 für Carangas und 5,0 für Silverstrike. Der Markt zahlt also rund das 6,4-Fache dessen, was hineingesteckt wurde. Zweitens die Studienbarwerte: 740 Millionen für Silver Sand plus 2.653 Millionen für Carangas ergeben 3.393 Millionen. Der Börsenwert entspricht davon rund 22 Prozent. Drittens die Unzen im Boden: Rechnet man Silver Sands 201,77 Millionen Unzen Silber und Carangas’ 529,6 Millionen Unzen Silberäquivalent zusammen, zahlt der Markt grob einen US-Dollar je Unze Silberäquivalent in der Erde.
Ein Abschlag von rund 78 Prozent auf den Studienbarwert klingt nach viel — er ist bei Entwicklungsprojekten aber normal und hier gut begründet: Die Studien setzen voraus, dass Genehmigungen kommen, dass 1,0 Milliarde US-Dollar Baukapital gefunden wird und dass die Silberpreisannahmen halten. Jede dieser Voraussetzungen hat einen Preis, und genau den zieht der Markt ab. Wie ein Bergbauunternehmen dasteht, das diese Hürden schon genommen hat, zeigt unsere Analyse zu Allied Gold; wie klein selbst ein produzierender Kleinstförderer bewertet wird, haben wir bei TRX Gold aufgeschrieben. Alle Bewertungsangaben mit Datenstand 24. Juli 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für New Pacific spricht:
- Zwei außergewöhnlich große Vorkommen in einer Hand: Silver Sand mit 201,77 Millionen Unzen Silber in den gemessenen und angezeigten Klassen (116 g/t) und ausgewiesenen Reserven von 175,42 Millionen Unzen; Carangas mit 529,6 Millionen Unzen Silberäquivalent in der angezeigten Klasse, darin 213,4 Millionen Unzen Silber und 2,2 Millionen Unzen Gold.
- Studien, die auf dem Papier funktionieren: Carangas kommt laut Vorstudie vom 16. Juli 2026 auf 2,65 Milliarden US-Dollar Barwert nach Steuern und 35,9 Prozent Verzinsung mit einem Rückfluss der Anfangsinvestition in 2,4 Jahren; Silver Sand auf 740 Millionen bei 37 Prozent. Selbst bei 22,50 US-Dollar Silber bleiben für Carangas 973 Millionen Barwert.
- Eine Bilanz ohne Schulden: 160,8 Millionen US-Dollar Bilanzsumme gegen 1,06 Millionen Verbindlichkeiten zum 31. März 2026, Eigenkapitalquote 99,3 Prozent, 39,9 Millionen Kasse, 39,3 Millionen Working Capital. Kein Kreditgeber kann diese Firma unter Druck setzen.
- Rückenwind aus dem Aktionärskreis: Zwei produzierende Silberkonzerne halten zusammen 39,5 Prozent (Silvercorp 28,0, Pan American Silver 11,5), ein Londoner Fonds ist binnen eines Jahres von null auf 9,96 Prozent gegangen.
- Erkennbarer Fortschritt bei den weichen Faktoren: Rahmenvereinbarung mit der Gemeinde Carangas im Februar 2026, positive Gemeindeversammlung im August 2025, abgeschlossene vorherige Konsultation am 6. Juli 2026, Rückzug der illegalen Kleinbergleute von Silver Sand seit dem 1. Juli 2025 nach einem gerichtlichen Schutzbeschluss.
Was dagegen spricht:
- Kein Umsatz, kein Gewinn, keine Reichweite für den Bau: In allen acht Quartalen bis zum 31. März 2026 lag der Umsatz bei null; die 39,9 Millionen Kasse decken rund 4 Prozent der Anfangsinvestitionen von zusammen 1.002,5 Millionen US-Dollar, die die beiden Studien nennen.
- Genehmigungen sind der Engpass: Die Umweltkategorisierung für Silver Sand ist im November 2024 abgelaufen; der Vertrag mit dem staatlichen COMIBOL ist seit 2019 nicht ratifiziert und betrifft rund 10 Prozent der Ressourcen aus der Silver-Sand-Studie; die Explorationslizenzen für Carangas sind noch nicht in Abbauverträge umgewandelt; die Umweltprüfung dort soll erst Ende 2027 abgeschlossen sein.
- Länderrisiko Bolivien in konkreter Form: Ausländische Gesellschaften dürfen innerhalb von 50 Kilometern zur Grenze kein Eigentum halten — Carangas und Silverstrike liegen dort und werden über bolivianische Partnergesellschaften gehalten. Die Vorstudie selbst nennt erhebliche soziale Unruhen, Blockaden und einen von der Regierung ausgerufenen Ausnahmezustand sowie frühere Störungen durch illegalen Kleinbergbau.
- Der Studienwert stammt zum Teil aus der Preisannahme und aus unsicherem Erz: Die Verfünffachung des Carangas-Barwerts gegenüber September 2024 beruht auch darauf, dass die Silberpreisannahme von 24,00 auf 45,00 US-Dollar je Unze angehoben wurde; die Rechnung schließt ausdrücklich abgeleitete Ressourcen ein, die laut Regelwerk zu spekulativ für Reserven sind.
- Verwässerung ist das Geschäftsmodell der Finanzierung: Die Aktienzahl stieg von 154.451.263 (30. Juni 2021) auf 184.749.865 (31. März 2026); zuletzt kamen am 21. Oktober 2025 11.385.000 Stück zu 2,53 US-Dollar dazu. Aus der Runde von 2023 flossen rund 91 Prozent der verbrauchten Mittel in den laufenden Betrieb.
- Dünne Datenlage: Als kanadischer Emittent legt New Pacific kein 10-K und kein 10-Q vor; Zwischenzahlen sind ungeprüfte 6-K-Anhänge, und der Jahresbericht erscheint erst im September.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Bauplan-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass der Entwurf gefälscht wäre — im Gegenteil: Ausenco, SLR und Moose Mountain sind seriöse Häuser, die Zahlen sind sauber gerechnet und die Annahmen stehen offen daneben. Ihr Kern ist, dass ein Entwurf eine andere Frage beantwortet als die, die du eigentlich stellst. Der Entwurf beantwortet: Was wäre dieses Bergwerk wert, wenn es stünde? Deine Frage lautet aber: Was ist dieses Unternehmen wert, so wie es heute ist? Und heute ist es eine Gesellschaft mit 36 Beschäftigten, 39,9 Millionen US-Dollar in der Kasse, keinerlei Umsatz, zwei sehr guten Vorkommen, drei offenen Verwaltungsverfahren in La Paz und einem Kapitalbedarf, der das Fünfzehnfache der Kasse beträgt.
Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist Carangas 2,65 Milliarden wert?“, sondern: Bist du bereit, mehrere Jahre auf Genehmigungen zu warten, in denen nichts gefördert wird, in denen dein Anteil bei jeder Finanzierungsrunde kleiner wird und in denen eine bolivianische Behörde oder ein Parlament über den Fahrplan entscheidet — dafür aber im Erfolgsfall ein Vorkommen, das kaum jemand nachbauen kann? Wenn ja, hast du eine These und solltest sie in Jahren rechnen, nicht in Quartalen. Wenn nein, hast du zumindest verstanden, warum ein Barwert von 2,65 Milliarden und ein Börsenwert von 765 Millionen kein Widerspruch sind, sondern derselbe Satz in zwei Sprachen. Der Londoner Fonds, der binnen zwölf Monaten von null auf 9,96 Prozent gegangen ist, hat all das gewusst oder in Kauf genommen — seine Formulare sagen nur, dass er gekauft hat, nicht warum und nicht, ob er noch dabei ist. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- New Pacific Metals Corp. — SEC-Jahresbericht 40-F für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 15. September 2025, Aktenzeichen 0001104659-25-090086)
- New Pacific Metals Corp. — Annual Information Form zum 30. Juni 2025 (40-F-Anhang 99.1) mit Projektbeschreibungen, Reserven und Risikoteil
- New Pacific Metals Corp. — Lagebericht (MD&A) für das Geschäftsjahr 2025 (40-F-Anhang 99.2)
- New Pacific Metals Corp. — Geprüfter Konzernabschluss zum 30. Juni 2025 und 2024 (40-F-Anhang 99.3)
- New Pacific Metals Corp. — Ungeprüfter Zwischenabschluss zum 31. März 2026 (6-K-Anhang 99.1, übermittelt 14. Mai 2026)
- New Pacific Metals Corp. — Lagebericht (MD&A) zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (6-K-Anhang 99.2)
- New Pacific Metals Corp. — Mitteilung zur aktualisierten Carangas-Vorstudie vom 16. Juli 2026 (6-K-Anhang 99.1)
- Helikon Investments Ltd — Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026, Aktenzeichen 0001839497-26-000002)
- Helikon Investments Ltd — Schedule 13G/A zu New Pacific Metals, Stichtag 30. Juni 2026 (eingereicht 9. Juli 2026)
- Silvercorp Metals Inc. — Schedule 13G/A zu New Pacific Metals, Stichtag 31. Dezember 2025 (eingereicht 12. Februar 2026)
- Pan American Silver Corp — Schedule 13G/A zu New Pacific Metals, Stichtag 21. Oktober 2025 (eingereicht 6. Januar 2026)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von New Pacific Metals Corp.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen; Datenstand 24. Juli 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten und den XBRL-Kennzahlenreihen der SEC (CIK 1369085).
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in New-Pacific-Metals-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Vorkommen positiv
- Zwei sehr große Silbervorkommen in einer Hand: Silver Sand kommt auf 201,77 Millionen Unzen Silber in den gemessenen und angezeigten Klassen bei 116 Gramm je Tonne und weist bereits Reserven von 175,42 Millionen Unzen aus. Carangas erreicht in der angezeigten Klasse 529,6 Millionen Unzen Silberäquivalent, darin 213,4 Millionen Unzen Silber und 2,2 Millionen Unzen Gold. Beide Vorkommen liegen flach und lassen sich im Tagebau abbauen — bei Carangas mit einem Abraumverhältnis von 1,4 zu 1.
- Bilanz positiv
- Zum 31. März 2026 standen 160,8 Millionen US-Dollar Bilanzsumme ganze 1,06 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber; das Eigenkapital betrug 159,7 Millionen, die Eigenkapitalquote 99,3 Prozent. In der Kasse lagen 39,9 Millionen bei einem Working Capital von 39,3 Millionen. Es gibt keine Bankschuld, keine Anleihe und keine Wandelanleihe — kein Kreditgeber kann diese Firma unter Druck setzen. Der Altman-Z-Wert von 559,51 ist genau deshalb rechnerisch korrekt und als Bonitätsbeweis wertlos: Er entsteht nur, weil kaum Verbindlichkeiten existieren.
- Genehmigungen & Länderrisiko negativ
- Die Umweltkategorisierung für Silver Sand ist im November 2024 abgelaufen, eine neue wird beantragt. Der 2019 unterzeichnete Vertrag mit dem staatlichen Bergbaukonzern COMIBOL ist bis heute nicht vom bolivianischen Parlament ratifiziert und betrifft rund 10 Prozent der Ressourcen aus der Silver-Sand-Studie. Die Carangas-Explorationslizenzen sind noch nicht in Abbauverträge umgewandelt; rund 1,85 Prozent der Ressourcen im Wirtschaftsmodell liegen auf Konzessionen des bolivianischen Staates, die derzeit nicht vergeben werden. Die Vorstudie nennt selbst erhebliche soziale Unruhen, Blockaden und einen ausgerufenen Ausnahmezustand.
- Finanzierung & Verwässerung negativ
- Die beiden Studien nennen zusammen 1.002,5 Millionen US-Dollar Anfangsinvestition; die Kasse deckt davon rund 4 Prozent. Ohne Umsatz bleiben nur neue Aktien, ein Projektpartner oder ein Verkauf. Die Aktienzahl stieg von 154.451.263 zum 30. Juni 2021 auf 184.749.865 zum 31. März 2026, zuletzt am 21. Oktober 2025 um 11.385.000 Stück zu 2,53 US-Dollar. Aus der Kapitalerhöhung von 2023 flossen von 18.545.802 verbrauchten US-Dollar rund 91 Prozent in den laufenden Betrieb.
- Projektfortschritt & Datenlage neutral
- Bei den weichen Faktoren geht es voran: Rahmenvereinbarung mit der Gemeinde Carangas im Februar 2026, abgeschlossene vorherige Konsultation am 6. Juli 2026, Rückzug der illegalen Kleinbergleute von Silver Sand seit dem 1. Juli 2025. Gebohrt wurde dagegen praktisch nicht — in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 wurden konzernweit 589 US-Dollar für Bohrungen und Analysen aktiviert, und die Carangas-Ressourcenschätzung stützt sich auf Bohrergebnisse bis zum 1. Juni 2023. Ein Programm über 30.000 Meter soll im September 2026 beginnen. Als kanadischer Emittent legt New Pacific kein 10-K und kein 10-Q vor.
New Pacific Metals ist die Bauplan-Falle in Reinform: Die aktualisierte Vorstudie zum Projekt Carangas vom 16. Juli 2026 nennt einen Barwert nach Steuern von 2,65 Milliarden US-Dollar und 35,9 Prozent Verzinsung — sie nennt in derselben Liste aber auch 644,5 Millionen Anfangsinvestition, und in der Kasse lagen zum 31. März 2026 39,9 Millionen. Zusammen mit Silver Sand summieren sich die Anfangsinvestitionen auf 1.002,5 Millionen; die Kasse deckt davon rund 4 Prozent. Gleichzeitig ist die Umweltkategorisierung des Flaggschiffs seit November 2024 abgelaufen, der Vertrag mit dem Staatsbergbau seit 2019 nicht ratifiziert, und in neun Monaten wurden konzernweit 589 US-Dollar für Bohrungen aktiviert. Dagegen stehen zwei außergewöhnliche Vorkommen, eine schuldenfreie Bilanz und zwei Silberproduzenten im Aktionärskreis. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
- Wenn Du die Aktie nicht hast
- Die belegten Risiken überwiegen aus unserer Sicht deutlich — wir sehen keine Grundlage für einen Einstieg.
- Wenn Du sie im Depot hast
- Die Befunde sind aus unserer Sicht gewichtig genug, das eigene Engagement kritisch zu hinterfragen.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam New Pacific Metals nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über das Formular 13F-HR der Helikon Investments Ltd (London) zum Stichtag 31. März 2026: 9.936.183 Aktien im Wert von 41.135.798 US-Dollar, nach 2.293.539 Stück zum 31. Dezember 2025 und null zum 30. September 2025 — ein Plus von 333 Prozent in einem Quartal und die stärkste Aufstockung des gesamten Portfolios. Eine spätere Beteiligungsmeldung nennt zum 30. Juni 2026 bereits 18.438.377 Aktien oder 9,96 Prozent. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate — ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
- Die Kennzahlen unseres Scanners sind bei diesem Titel bewusst nicht als Qualitätsurteil zu lesen. Der Piotroski-F-Score von 2 von 9 misst Veränderungen bei Profitabilität und Effizienz — bei einem Unternehmen ohne Umsatz und ohne Gewinn kann er gar nicht hoch ausfallen. Der Altman-Z-Wert von 559,51 entsteht nur, weil 160,8 Millionen US-Dollar Bilanzsumme lediglich 1,06 Millionen Verbindlichkeiten gegenüberstehen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis und eine Zinsdeckung lassen sich nicht bilden, weil weder Gewinn noch Zinsaufwand existieren (Datenstand 24. Juli 2026).
- New Pacific ist ein kanadischer Emittent im grenzüberschreitenden Verfahren mit den USA: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Geprüft wird einmal jährlich im Formular 40-F (für das Geschäftsjahr 2025 eingereicht am 15. September 2025), Zwischenzahlen erscheinen nur als ungeprüfter Anhang zu einem Formular 6-K. Gerechnet wird nach IFRS, berichtet in US-Dollar. Das Geschäftsjahr endet am 30. Juni, weshalb jede Jahres- und Quartalsangabe mit dem Geschäftsjahr benannt ist.
Häufige Fragen
New Pacific Metals Corp. (NYSE American: NEWP, Toronto: NUAG, Sitz Vancouver) ist ein Explorations- und Entwicklungsunternehmen ohne laufende Förderung und ohne Umsatz. Es hält drei Projekte in Bolivien: das Silberprojekt Silver Sand im Departement Potosí, das Silber-Gold-Projekt Carangas im Departement Oruro und das frühe Projekt Silverstrike südwestlich von La Paz. Zum 30. Juni 2025 beschäftigte der Konzern 36 Menschen.
Sie rechnet für das Projekt einen Barwert nach Steuern von 2,65 Milliarden US-Dollar bei fünf Prozent Diskontierung und eine interne Verzinsung von 35,9 Prozent — bei angenommenen 45,00 US-Dollar je Unze Silber und 3.400 US-Dollar je Unze Gold. Geplant sind 19 Betriebsjahre plus zwei Jahre Bauzeit und 339,0 Millionen Unzen Silberäquivalent. Die Anfangsinvestition beträgt 644,5 Millionen US-Dollar. Es handelt sich um eine vorläufige Studie, die ausdrücklich auch abgeleitete Ressourcen einschließt. Die Vorgängerstudie vom 5. September 2024 kam auf 501 Millionen — sie rechnete mit 24,00 US-Dollar je Unze; bei 22,50 US-Dollar weist die neue Studie 973 Millionen aus.
Zum 31. März 2026 lagen 39.863.639 US-Dollar in der Kasse, bei 1.060.053 US-Dollar Verbindlichkeiten und einem Working Capital von 39.275.196. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 flossen 2,9 Millionen aus dem laufenden Betrieb und 2,6 Millionen in die Projekte ab. Bei diesem Tempo reicht die Kasse rechnerisch mehrere Jahre — für die Anfangsinvestitionen von zusammen 1.002,5 Millionen US-Dollar aus beiden Studien reicht sie zu rund 4 Prozent.
Bei Silver Sand ist die Umweltkategorisierung im November 2024 abgelaufen; eine neue wird beantragt. Der 2019 unterzeichnete Mining Production Contract mit dem staatlichen Bergbaukonzern COMIBOL ist bis heute nicht von der Plurinationalen Gesetzgebenden Versammlung ratifiziert — in seinem Gebiet liegen rund 10 Prozent der Ressourcen aus der Silver-Sand-Studie. Bei Carangas müssen die Explorationslizenzen erst in Abbauverträge umgewandelt werden; die Umweltverträglichkeitsprüfung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Weil Carangas innerhalb von 50 Kilometern zur Grenze mit Chile liegt. In dieser sogenannten Frontier Area erlaubt Bolivien ausländischen Gesellschaften kein direktes Grundeigentum. Die drei Explorationslizenzen liegen deshalb bei einer bolivianischen Gesellschaft, an der New Pacific über eine Bergbauvereinbarung 98 Prozent hält und deren Ausgaben es vollständig trägt. Im Juli 2025 hat das Departement Oruro eine Regelung geschaffen, nach der Direkteigentum nach Erklärung einer „staatlichen Notwendigkeit“ und Zustimmung des Parlaments möglich wäre.
Weil New Pacific ein kanadisches Unternehmen ist und bei der SEC das grenzüberschreitende Verfahren zwischen Kanada und den USA nutzt. Der Jahresbericht erscheint als Formular 40-F (für das Geschäftsjahr 2025 eingereicht am 15. September 2025) und enthält die kanadischen Originaldokumente. Zwischenzahlen werden nur als ungeprüfter Anhang zu einem Formular 6-K übermittelt. Gerechnet wird nach IFRS, berichtet in US-Dollar; das Geschäftsjahr endet am 30. Juni.
Drei Adressen haben Beteiligungen bei der SEC gemeldet: Silvercorp Metals Inc. mit 51.426.988 Aktien oder 28,0 Prozent (Stichtag 31. Dezember 2025), Pan American Silver Corp mit 21.071.264 Aktien oder 11,5 Prozent (Stichtag 21. Oktober 2025) und Helikon Investments Ltd aus London mit 18.438.377 Aktien oder 9,96 Prozent (Stichtag 30. Juni 2026). Zusammen sind das rund 49 Prozent. Silvercorp teilt sich mit New Pacific ein Büro in Vancouver und hat einen gemeinsamen Direktor.
Ein 13F ist die vierteljährliche Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter. Helikon Investments Ltd aus London meldete zum Stichtag 31. März 2026 9.936.183 Aktien im Wert von 41.135.798 US-Dollar, nach 2.293.539 Stück zum 31. Dezember 2025 und null zum 30. September 2025 — die stärkste Aufstockung im gesamten Portfolio. Eine spätere Beteiligungsmeldung nennt zum 30. Juni 2026 bereits 18.438.377 Aktien. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate: ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
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