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Lufthansa: Der Konzern verdient sein Geld längst nicht mehr mit dem Fliegen

Lufthansa: Der Konzern verdient sein Geld längst nicht mehr mit dem Fliegen

Die Lufthansa Group setzte im ersten Halbjahr 2026 rund 19,9 Milliarden Euro um, acht Prozent mehr als im Vorjahr — und schrieb trotzdem ein Betriebsergebnis von minus 229 Millionen Euro. Die beiden Passagier-Geschäftsfelder verloren zusammen 720 Millionen Euro, während Fracht und Technik 514 Millionen verdienten. Der Kerosinpreis stieg um 60 Prozent, Streiks kosteten zusätzlich, und die Jahresprognose wurde am 4. August 2026 auf eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro heruntergenommen. Diese Analyse liest den Halbjahresbericht Zeile für Zeile — und zeigt, an welcher einzigen Zahl das Jahr hängt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 10. August 2026

Schlusskurs
8,30 € -0,50 %
Marktkapitalisierung
10,0 Mrd. €
KGV
14,8
Wachstums-Score
5/10
AAQS
2/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Lufthansa: Der Konzern verdient sein Geld längst nicht mehr mit dem Fliegen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Zwischen-/Jahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 6,90 € bis 10,10 € · Letzter Kurs: 8,30 € (Stand: 10. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet die Aktien trifft, die du am besten zu kennen glaubst: die Vertrautheits-Falle. Du bist mit dem Kranich geflogen, du kennst die gelbe Bordkarte, das Logo hängt seit deiner Kindheit über deutschen Flughäfen. Vertrautheit fühlt sich an wie Wissen — ist aber keines. Genau das erklärt, warum die Lufthansa-Aktie in den Diskussions-Ranglisten deutscher Anlegerforen dauerhaft weit oben steht: Sie wird nicht deshalb so oft besprochen, weil so viele sie durchgerechnet haben, sondern weil so viele sie kennen. Machen wir es also andersherum. Wir lassen das Kranich-Gefühl weg und lesen den 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, veröffentlicht am 4. August 2026. Und der liefert das Spannungsfeld, um das sich diese ganze Analyse dreht: Die Lufthansa Group verdient ihr Geld längst nicht mehr mit dem, wofür jeder sie kennt.

Was die Lufthansa Group eigentlich macht — vier Geschäfte in einem Konzern

Die Deutsche Lufthansa AG mit Sitz in Köln ist kein Fluggesellschaft, sondern ein Konzern aus vier ziemlich verschiedenen Geschäften. Zum 30. Juni 2026 beschäftigte er 103.305 Menschen (Vorjahresstichtag 102.974) und betrieb 740 Flugzeuge (31. Dezember 2025: 737).

Seit Beginn des Geschäftsjahres 2026 berichtet der Konzern in einer neuen Segmentierung. Das frühere Segment „Passagier-Airlines“ wurde aufgeteilt in Netzwerk-Airlines — Lufthansa Airlines einschließlich Discover Airlines, dazu die Regionalgesellschaften Lufthansa CityLine, Lufthansa City Airlines und Air Dolomiti sowie SWISS mit Edelweiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und die Beteiligung an ITA Airways — und Punkt-zu-Punkt-Airlines, im Wesentlichen Eurowings. Dazu kommen zwei Geschäfte, die mit dem Ticketverkauf nichts zu tun haben: Logistik (Lufthansa Cargo) und Technik (Lufthansa Technik, Wartung und Instandhaltung von Flugzeugen — auch für fremde Airlines). Ein fünfter Block, „Weitere Gesellschaften und Konzernfunktionen“, bündelt Servicegesellschaften wie Lufthansa Aviation Training, Lufthansa Systems und Lufthansa Industry Solutions.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir einen Familienbetrieb vor, der ein Taxiunternehmen, eine Spedition und eine große Kfz-Werkstatt unter einem Dach betreibt. Alle drei haben mit Fahrzeugen zu tun, aber sie verdienen völlig unterschiedlich Geld — und nur eines davon steht im Firmennamen.

Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen

Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage prägt: Von der Deutschen Lufthansa AG gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Der Konzern ist kein US-Meldeunternehmen; in den Vereinigten Staaten wird lediglich ein unregistriertes Hinterlegungszertifikat gehandelt, kein reguläres Listing. Die Pflichtberichte laufen über den regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse: ein testierter Konzern-Jahresabschluss nach IFRS, ein Halbjahresbericht mit prüferischer Durchsicht und Zwischenberichte zum ersten und dritten Quartal. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Zwischen-/Jahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“.

Die Erzähl-Logik bleibt dieselbe: Ein Bericht, den ein Vorstand unterschreibt und ein Prüfer durchsieht, ist ehrlicher als jede Pressemitteilung. Diese Konstellation — großer deutscher Index-Wert ohne SEC-Registrierung — teilt sich Lufthansa mit vielen Titeln, die wir hier untersucht haben; auch bei unserer Analyse zu TUI, dem zweiten großen deutschen Reisekonzern, lief die Belegkette vollständig über die Originalberichte des Unternehmens statt über sec.gov.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlichkeit zuerst: Der Aufhänger ist kein Analystenurteil und keine Kaufempfehlung, sondern schlichte Aufmerksamkeit. Die Lufthansa-Aktie gehört zu den am häufigsten diskutierten Werten in den Foren deutscher Privatanleger — sie taucht in den Ranglisten der meistbesprochenen Titel dauerhaft weit oben auf. Das ist kein Qualitätssignal und kein Kurssignal. Es ist ein Hinweis darauf, dass viele Menschen Geld in einem Wert haben, über den viel geredet und wenig gerechnet wird. Genau solche Titel nehmen wir uns vor.

Die Zahlen des ersten Halbjahres 2026 — ehrlich gewürdigt

Erst das, was funktioniert. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um acht Prozent auf 19.887 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum 18.449 Millionen). Der Sitzladefaktor — der Anteil der verkauften Sitze — kletterte um 1,9 Prozentpunkte auf 82,4 Prozent, obwohl die Kapazität um zwei Prozent gesenkt wurde. Über 60 Millionen Fluggäste wurden befördert. Die Fracht wuchs: verkaufte Fracht-Tonnenkilometer plus vier Prozent.

Und dann kommt die Zeile darunter. Das Adjusted EBIT — das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis, die zentrale Steuerungsgröße des Konzerns — lag bei minus 229 Millionen Euro, nach plus 149 Millionen im Vorjahreszeitraum. Ein Rückgang um 378 Millionen Euro. Die Adjusted-EBIT-Marge fiel von plus 0,8 auf minus 1,1 Prozent. Unter dem Strich stand ein den Aktionären zurechenbares Konzernergebnis von minus 542 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum plus 127 Millionen), ein Ergebnis je Aktie von minus 0,45 Euro.

Das zweite Quartal für sich genommen war positiv — 383 Millionen Euro Adjusted EBIT —, aber auch das war nur noch etwa die Hälfte des Vorjahreswerts von 870 Millionen. Das Konzernergebnis im zweiten Quartal fiel von 1.012 auf 123 Millionen Euro, ein Minus von 88 Prozent.

Balkendiagramm: Konzernergebnis der Lufthansa Group je Quartal, minus 885 Millionen Euro im ersten Quartal 2025, plus 1.012 im zweiten, plus 966 im dritten, plus 246 im vierten, minus 665 im ersten Quartal 2026 und plus 123 Millionen Euro im zweiten Quartal 2026.
Das Geschäftsmodell ist saisonal bis zum Anschlag: Zwei Quartale tragen das Jahr, das erste Quartal ist strukturell defizitär. Deshalb sagt ein Halbjahresverlust bei einer Fluggesellschaft für sich genommen wenig — der Vergleich mit demselben Zeitraum des Vorjahres dagegen alles. Quelle: Zwischenberichte der Lufthansa Group und Fundamentaldaten. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das Fliegen verliert Geld, Fracht und Werkstatt verdienen es

Hier liegt der Kern dieser Analyse. Rechne die Geschäftsfelder für das erste Halbjahr 2026 einzeln durch:

  • Netzwerk-Airlines (Lufthansa Airlines, SWISS, Austrian, Brussels, Discover, ITA-Beteiligung): Adjusted EBIT minus 468 Millionen Euro — nach minus 113 Millionen im Vorjahreszeitraum. Umsatz 13.380 Millionen Euro, Marge minus 3,5 Prozent.
  • Punkt-zu-Punkt-Airlines (Eurowings): Adjusted EBIT minus 252 Millionen Euro nach minus 137 Millionen. Umsatz 1.413 Millionen Euro, Marge minus 17,8 Prozent.
  • Logistik (Lufthansa Cargo): Adjusted EBIT plus 199 Millionen Euro, ein Plus von 47 Prozent gegenüber 135 Millionen. Umsatz 1.916 Millionen Euro, Marge 10,4 Prozent.
  • Technik (Lufthansa Technik): Adjusted EBIT plus 315 Millionen Euro nach 310 Millionen. Umsatz 4.428 Millionen Euro, Marge 7,1 Prozent.
  • Weitere Gesellschaften und Konzernfunktionen: minus 49 Millionen Euro nach minus 5 Millionen.

Das Passagiergeschäft — jene 14,8 Milliarden Euro Umsatz, für die der Konzern bekannt ist — verlor also im ersten Halbjahr 720 Millionen Euro. Die beiden Nebengeschäfte, zusammen 6,3 Milliarden Euro Umsatz, verdienten 514 Millionen Euro. Anders gesagt: Auf jeden Euro Umsatz verlor das Fliegen rund fünf Cent, während Fracht und Werkstatt rund acht Cent verdienten.

Balkendiagramm: Adjusted EBIT der Lufthansa-Geschäftsfelder im ersten Halbjahr. Netzwerk-Airlines minus 113 Millionen Euro 2025 und minus 468 Millionen 2026, Punkt-zu-Punkt minus 137 und minus 252, Logistik plus 135 und plus 199, Technik plus 310 und plus 315, weitere Gesellschaften minus 5 und minus 49 Millionen Euro.
Beide Passagier-Geschäftsfelder haben sich gegenüber dem Vorjahreshalbjahr verschlechtert, beide Nebengeschäfte verbessert. Der Konzernwert für das erste Halbjahr 2026 liegt bei minus 229 Millionen Euro; die Differenz zur Summe der Geschäftsfelder entsteht durch Konsolidierungseffekte. Quelle: Lufthansa Group, 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch innerhalb der Netzwerk-Airlines ist die Verteilung schief. SWISS erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2026 ein Adjusted EBIT von 213 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum 205 Millionen), während Austrian Airlines auf minus 93 Millionen kam (Vorjahreszeitraum minus 43 Millionen) und Brussels Airlines auf minus 70 Millionen (minus 46 Millionen). Merke: Wenn ein Konzern vier Airlines betreibt und nur eine davon verdient, ist die Konzernmarke kein Qualitätsversprechen, sondern eine Sammelbezeichnung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein einziger Preis entscheidet über das Jahr

Warum kippte das Halbjahr? Der Bericht ist da unmissverständlich. Der Konflikt im Nahen Osten trieb den Kerosinpreis nach oben:

„Der durchschnittliche Kerosinpreis erhöhte sich dementsprechend ebenfalls deutlich um 60 % auf 1.133,90 USD/t gegenüber Vorjahr (Vorjahr: 707,86 USD/t).“

— Deutsche Lufthansa AG, 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Zwischenlagebericht „Gesamtwirtschaftliche Lage“, Seite 4

Markierter Ausschnitt aus dem Lufthansa-Zwischenbericht Januar bis Juni 2026, Seite 4: Der durchschnittliche Kerosinpreis erhöhte sich um 60 Prozent auf 1.133,90 US-Dollar je Tonne gegenüber 707,86 US-Dollar im Vorjahr.
Die markierte Stelle im Original: plus 60 Prozent beim Kerosinpreis, plus 201 Prozent beim Jet Fuel Crack — der Preisdifferenz zwischen Rohöl und Kerosin. Quelle: 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Seite 4, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was das in Euro bedeutet, steht im Segmentkapitel: Allein bei den Netzwerk-Airlines stiegen die Treibstoffkosten preisbedingt um 16 Prozent, das sind plus 488 Millionen Euro in sechs Monaten. Zum Vergleich: Das gesamte Adjusted EBIT des Konzerns im Rekordjahr 2025 lag bei 1.960 Millionen Euro. Ein Rohstoffpreis, der sich in einem Halbjahr um 60 Prozent bewegt, kann also rund ein Viertel des Jahresergebnisses auffressen, bevor irgendjemand etwas falsch gemacht hat.

Lufthansa sichert einen Teil des Treibstoffbedarfs mit Termingeschäften ab, aber eben nur einen Teil — und der Bericht benennt selbst, dass das Risiko bleibt: Ein erhöhtes Treibstoffkostenniveau könne „nur teilweise oder zeitverzögert über eine Erhöhung der Erlöse kompensiert werden“. Weil Kerosin überwiegend in US-Dollar eingekauft wird, verstärkt ein hoher Kerosinpreis zusätzlich die Wechselkurs-Empfindlichkeit des Ergebnisses.

Die Reaktion des Vorstands vom 16. April 2026 ist entsprechend hart: Der Flugbetrieb von Lufthansa CityLine wird aus dem Angebot genommen, die gesamte Teilflotte des Typs Canadair CR-9 mit 23 Flugzeugen ausgemustert, treibstoffintensive Langstreckenflugzeuge wie der Airbus A340-600 vorzeitig stillgelegt und zwei Boeing 747-400 ab dem Winterflugplan vorübergehend geparkt. Das ist keine Feinsteuerung. Das ist ein Konzern, der Flugzeuge verschrottet, weil ein Preis sich bewegt hat.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Prognose wurde nicht bestätigt, sondern gekappt

In der Berichterstattung liest man häufig, Lufthansa habe „einen Ausblick von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro gegeben“. Das stimmt — verschweigt aber, was vorher dastand. Der Bericht selbst schreibt es zweimal in denselben Absatz:

„Des Weiteren erwartet sie ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Mrd. EUR.“

— Deutsche Lufthansa AG, 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Prognosebericht, Seite 30

Markierter Ausschnitt aus dem Lufthansa-Zwischenbericht Januar bis Juni 2026, Seite 30: Die Lufthansa Group erwartet ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro; in der bisherigen Prognose hatte sie ein Adjusted EBIT deutlich über Vorjahr erwartet.
Die markierte Stelle im Original — und der Satz direkt danach ist der eigentliche Befund: „In ihrer bisherigen Prognose hatte die Lufthansa Group noch ein Adjusted EBIT deutlich über Vorjahr erwartet.“ Quelle: 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Seite 30, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne es nach: 2025 lag das Adjusted EBIT bei 1.960 Millionen Euro. Das untere Ende der neuen Spanne, 1,7 Milliarden, liegt also unter dem Vorjahr; nur das obere Ende bedeutet, wie der Bericht selbst formuliert, „ein Ergebnis deutlich über Vorjahr“. Aus einer Ansage wurde eine Bandbreite, deren unteres Ende einen Rückgang beschreibt. Das ist eine Herabsetzung, keine Bestätigung.

Sie zieht sich durch alle Ebenen: Bei den Netzwerk-Airlines wurde aus „deutlich über Vorjahr“ eine Spanne von 750 bis 1.150 Millionen Euro. Bei den Punkt-zu-Punkt-Airlines rutschte die Erwartung von 0 bis 20 Millionen auf minus 50 bis plus 20 Millionen Euro. Die geplante Kapazität sank von plus null bis zwei Prozent auf ungefähr Vorjahresniveau, die Nettoinvestitionen von 2,9 auf rund 2,5 Milliarden Euro — Letzteres allerdings, weil weniger Flugzeuge ausgeliefert werden als geplant. Und der Adjusted Free Cashflow soll 2026 bei rund 0,9 Milliarden Euro landen, nach 1.188 Millionen Euro im Jahr 2025.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Schulden sind größer, als die Schlagzeile sagt

Die meistzitierte Verschuldungszahl ist die Nettokreditverschuldung. Sie lag zum 30. Juni 2026 bei 6.697 Millionen Euro:

„Die Nettokreditverschuldung lag trotz positivem Free Cashflow aufgrund gestiegener Leasingverpflichtungen und negativer Währungseffekte mit 6.697 Mio. EUR um 290 Mio. EUR über dem Niveau vom Jahresende 2025 (31. Dezember 2025: 6.407 Mio. EUR).“

— Deutsche Lufthansa AG, 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, „Vermögenslage“, Seite 14

Markierter Ausschnitt aus dem Lufthansa-Zwischenbericht Januar bis Juni 2026, Seite 14: Die Nettokreditverschuldung lag mit 6.697 Millionen Euro um 290 Millionen Euro über dem Niveau vom Jahresende 2025 von 6.407 Millionen Euro.
Die markierte Stelle im Original: 6.697 Millionen Euro Nettokreditverschuldung zum 30. Juni 2026. Quelle: 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Seite 14, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahl ist korrekt — aber sie ist ein Nettowert. Brutto stehen 14.825 Millionen Euro Finanzschulden in der Bilanz (31. Dezember 2025: 14.527 Millionen), darunter 6.003 Millionen Euro Anleihen, 3.985 Millionen Euro Leasingverbindlichkeiten, 3.590 Millionen Euro Flugzeugfinanzierungen und 1.136 Millionen Euro Schuldscheindarlehen. Davon abgezogen werden Bankguthaben von 1.799 Millionen Euro und verzinsliche Wertpapiere von 6.345 Millionen Euro.

Dazu kommen die Pensionen. Die Pensionsrückstellungen lagen bei 2.148 Millionen Euro, netto — nach Abzug von Vermögensüberhängen einzelner Pläne — bei 1.585 Millionen Euro. Zusammen mit der Nettokreditverschuldung ergibt das 8.281 Millionen Euro. Und ein Detail, das man kennen sollte: Die vom Konzern gesteuerte Kennzahl „Adjusted Net Debt“ liegt mit 8.031 Millionen Euro darunter, weil sie 50 Prozent der 2025 begebenen Hybridanleihe abzieht — eine Anleihe wird dort also zur Hälfte wie Eigenkapital behandelt. Das ist bei Ratingagenturen üblich und keineswegs unseriös; es ist nur eine Rechenregel, die die Zahl kleiner macht als die Bilanz.

Fairerweise gehört die andere Seite dazu, und sie ist solide: Die bilanzielle Liquidität lag zum 30. Juni 2026 bei 8.144 Millionen Euro, davon 7.598 Millionen zentral bei der Deutschen Lufthansa AG verfügbar. Plus ungenutzte Kreditlinien von 2.583 Millionen Euro standen dem Konzern insgesamt 10.727 Millionen Euro zur Verfügung. Das Verhältnis von Adjusted Net Debt zum Adjusted EBITDA der letzten zwölf Monate lag bei 2,0 (Jahresende 2025: 1,8). Und der Risikobericht endet mit dem Satz, dass gegenwärtig keine Risiken identifiziert werden, die einzeln oder zusammen den Fortbestand der Lufthansa Group gefährden. Das ist kein Krisenbild — es ist ein Bild von einem Konzern, der viel Kapital braucht, um wenig Marge zu erzeugen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Streiks sind bei Lufthansa kein Sonderfall, sondern ein Kostenblock

Im ersten Halbjahr 2026 riefen die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Kabinengewerkschaft UFO im Februar, März und April zu Streiks auf — bei Lufthansa Classic, Lufthansa Cargo, Lufthansa CityLine und Eurowings, teilweise gleichzeitig. Es ging um die betriebliche Altersversorgung der Piloten und um einen neuen Manteltarifvertrag für die Kabine. Der Bericht formuliert nüchtern, dass die Streiks „zeitweise zu erheblichen Einschränkungen im Flugbetrieb“ führten.

Was das kostet, steht in den Segmentzahlen. Bei den Netzwerk-Airlines stiegen die Aufwendungen für die Betreuung von Passagieren bei Flugunregelmäßigkeiten zusammen mit den Kompensationszahlungen für Verspätungen und Ausfälle um 35 Prozent auf 254 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum 188 Millionen). Bei Eurowings verdreifachten sich diese Posten fast, von 16 auf 43 Millionen Euro. Und im Risikobericht steht der entscheidende Satz für die Zukunft:

„Aufgrund offener Tarifverträge mit verschiedenen Beschäftigtengruppen innerhalb der Lufthansa Group besteht weiterhin das Risiko von Arbeitskämpfen.“

— Deutsche Lufthansa AG, 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Chancen- und Risikobericht, Seite 27

Markierter Ausschnitt aus dem Lufthansa-Zwischenbericht Januar bis Juni 2026, Seite 27: Aufgrund offener Tarifverträge mit verschiedenen Beschäftigtengruppen besteht weiterhin das Risiko von Arbeitskämpfen.
Die markierte Stelle im Original: das Streikrisiko steht als eigener Punkt im Risikobericht — mit dem Zusatz, dass „Bemühungen der Tarifpartner erkennbar“ sind. Quelle: 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Seite 27, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Immerhin: Am 10. April 2026 einigten sich Lufthansa City Airlines und ver.di im Grundsatz auf einen tariflichen Rahmen für das fliegende Personal mit einer Mindestlaufzeit von drei Jahren. Ein Anfang, aber eben nur für eine der Gesellschaften.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Eine Kapital-Vollmacht über mehr als die Hälfte des Bestands

Der letzte Punkt steht nicht im Zahlenteil, sondern im Anhang — und er ist der Grund, warum wir Anhänge lesen. Das Grundkapital beträgt 3.077.332.211,20 Euro, verteilt auf 1.202.082.895 vinkulierte Namens-Stückaktien. Die Hauptversammlung vom 12. Mai 2026 hat dem Vorstand parallel dazu Folgendes eingeräumt:

„das Grundkapital der Gesellschaft um bis zu 920.000.000 EUR durch ein- oder mehrmalige Ausgabe von neuen, auf den Namen lautenden Stückaktien gegen Bar- und Sacheinlagen zu erhöhen (Genehmigtes Kapital A 2026)“

— Deutsche Lufthansa AG, 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Anhang Abschnitt 8 „Gezeichnetes Kapital“, Seite 43

Markierter Ausschnitt aus dem Lufthansa-Zwischenbericht Januar bis Juni 2026, Seite 43: Ermächtigung, das Grundkapital um bis zu 920 Millionen Euro durch Ausgabe neuer Namens-Stückaktien zu erhöhen, Genehmigtes Kapital A 2026.
Die markierte Stelle im Original: 920 Millionen Euro genehmigtes Kapital, gültig bis zum 11. Mai 2031, mit der Möglichkeit, das Bezugsrecht in bestimmten Fällen auszuschließen. Quelle: 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, Seite 43, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

920 Millionen Euro geteilt durch 2,56 Euro Nennanteil sind 359.375.000 mögliche neue Aktien — knapp 30 Prozent des heutigen Bestands. Dazu kommen der Rest des Mitarbeiter-Kapitals (83.111.037,44 Euro, rund 32,5 Millionen Aktien) und zwei bedingte Kapitalia für Wandel- und Optionsanleihen über 306.044.326,40 Euro und 306.944.000,00 Euro (zusammen rund 239,4 Millionen Aktien). In Summe: rund 631 Millionen mögliche neue Aktien, mehr als die Hälfte des heutigen Bestands. Obendrauf erlaubt § 4 Abs. 3 Luftverkehrsnachweissicherungsgesetz eine weitere Erhöhung um bis zu 10 Prozent unter Ausschluss des Bezugsrechts — ein Instrument, das sicherstellen soll, dass die Mehrheit der Aktien in deutscher Hand bleibt, weil sonst Verkehrsrechte gefährdet wären.

Wichtig für die Einordnung: Eine Ermächtigung ist keine Ankündigung. Genutzt wurde im ersten Halbjahr 2026 lediglich das Mitarbeiter-Kapital in Höhe von 7,168 Millionen Euro. Merke: Genehmigtes Kapital sagt nichts darüber, was ein Vorstand tun wird — nur darüber, was er tun könnte, ohne dich noch einmal zu fragen. Bei einem Konzern, dessen Ergebnis an einem Rohstoffpreis hängt, ist das eine Information, die man kennen sollte. Wie schnell aus einer Vollmacht Realität wird, haben wir bei unserer Analyse zu thyssenkrupp gesehen, einem anderen deutschen Industriekonzern im Umbau.

Bewertung: eine Aktie unter Buchwert

Am 10. August 2026 schloss die Lufthansa-Aktie auf Xetra bei 8,30 Euro. Der Zwischenbericht nennt als Schlusskurs zum 30. Juni 2026 noch 10,01 Euro — der Abschlag nach der Vorlage der Halbjahreszahlen ist also erheblich. Bei 1.202.082.895 Aktien ergibt sich ein Börsenwert von rund 9,98 Milliarden Euro. Diese Zahl haben wir gegen die Fundamentaldaten geprüft; beide stimmen überein.

Daraus folgt ein Bewertungsbild, das man bei einem DAX-Wert selten sieht:

  • Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 0,82. Das Eigenkapital lag zum 30. Juni 2026 bei 12.171 Millionen Euro, rechnerisch 10,12 Euro je Aktie. Die Börse bewertet den Konzern also mit rund vier Fünfteln seines bilanziellen Eigenkapitals.
  • Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,24 auf Basis eines Zwölfmonatsumsatzes von rund 41,1 Milliarden Euro. Für vier Euro Umsatz zahlt die Börse einen Euro.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 15 auf Basis des Ergebnisses der letzten zwölf Monate (rund 670 Millionen Euro, also etwa 0,56 Euro je Aktie). Nicht billig — aber dieser Zwölfmonatswert enthält bereits zwei schwache Quartale.
  • Unternehmenswert rund 18,3 Milliarden Euro (Börsenwert plus Nettokreditverschuldung plus Netto-Pensionsverpflichtungen), gemessen an einem Adjusted EBITDA der letzten zwölf Monate von rund 4,0 Milliarden Euro — das entspricht dem gut Vierfachen.
  • Dividendenrendite rund 4,0 Prozent. Für 2025 beschloss die Hauptversammlung am 12. Mai 2026 eine Dividende von 0,33 Euro je Aktie; ausgezahlt wurden insgesamt 396 Millionen Euro.

Die naheliegende Frage: Warum handelt ein DAX-Konzern unter Buchwert? Die Antwort steckt in der Bilanzstruktur. 19.755 Millionen Euro der Aktiva sind Flugzeuge und Reservetriebwerke — Vermögenswerte, deren Wert an Nachfrage und Treibstoffeffizienz hängt und die man nicht ohne Preisabschlag verkauft. Die Eigenkapitalquote liegt bei 23,9 Prozent; auf jeden Euro Eigenkapital kommen gut drei Euro Fremdkapital. Wer unter Buchwert kauft, kauft hier kein Schnäppchen, sondern die Frage, ob diese Flotte künftig genug verdient.

Chancen und Risiken

Was für Lufthansa spricht: Fracht und Technik sind eigenständig profitable Geschäfte mit zweistelliger beziehungsweise mittlerer einstelliger Marge, die gerade wachsen — Lufthansa Cargo profitiert davon, dass geopolitische Verwerfungen Frachtwege verändern und Wettbewerber Kapazität abziehen. Die Liquidität von 10,7 Milliarden Euro ist komfortabel, das Verhältnis von Adjusted Net Debt zu Adjusted EBITDA mit 2,0 unauffällig. Der Sitzladefaktor stieg trotz Kapazitätskürzung, die Durchschnittserlöse zogen an — die Nachfrage ist da. Die Flottenmaßnahmen senken den Treibstoffverbrauch und wirken überproportional auf den nicht abgesicherten Teil des Bedarfs. Und die Aktie handelt unter ihrem bilanziellen Eigenkapital.

Was dagegen spricht: Das Kerngeschäft verlor im ersten Halbjahr 2026 operativ 720 Millionen Euro. Das Jahresergebnis hängt an einem Rohstoffpreis, den niemand im Konzern beeinflusst, und an einem geopolitischen Konflikt. Die Prognose wurde gekappt, nicht bestätigt. Offene Tarifverträge halten das Streikrisiko am Leben. Der Zukauf der ITA-Mehrheit für 325 Millionen Euro fällt in ein Halbjahr, in dem ITA vom Gewinn- zum Verlustbringer wurde. Der Steueraufwand von 165 Millionen Euro auf einen Vorsteuerverlust zeigt, dass ein schwaches Ergebnis auf Konzernebene nicht zu einer Steuerentlastung führt. Und über allem steht eine Kapital-Ermächtigung, die rechnerisch mehr als die Hälfte des heutigen Aktienbestands abdeckt.

Dazu ein Altfall, der noch nicht abgeschlossen ist: Ryanair hat gegen die Beihilfeentscheidung zur Corona-Stabilisierung geklagt. Der Europäische Gerichtshof wies das Rechtsmittel der Lufthansa am 23. April 2026 im Ergebnis zurück, folgte aber der Argumentation des Konzerns in wesentlichen Punkten und revidierte das erstinstanzliche Urteil in weiten Teilen. Die sechs Milliarden Euro Stabilisierungsmittel sind vollständig zurückgezahlt, ein unmittelbares Rückzahlungsrisiko besteht laut Bericht nicht — mittelbar sind Rückforderungszinsen oder Auflagen aus einer neuen Beihilfeentscheidung der Europäischen Kommission möglich.

Fazit: Was die Vertrautheit verdeckt

Zurück zum Anfang. Die Vertrautheits-Falle wirkt hier besonders gut, weil das, was du von Lufthansa kennst — das Fliegen —, ausgerechnet der Teil ist, der im ersten Halbjahr 2026 kein Geld verdient hat. Was verdient hat, siehst du nie: eine Frachtfluggesellschaft und eine der größten Flugzeugwerkstätten der Welt. Wer die Aktie kauft, weil er die Marke mag, kauft eine Wette auf einen Kerosinpreis und auf einen Konzernumbau — nicht auf ein Flugerlebnis.

Das ist ausdrücklich kein Verriss. Die Lufthansa Group ist finanziell tragfähig: 10,7 Milliarden Euro Liquidität, 12,2 Milliarden Euro Eigenkapital, eine moderate Verschuldungskennzahl, ein Risikobericht ohne Bestandsgefährdung und eine Dividende, die auch für ein Verlusthalbjahr gezahlt wurde. Es ist auch kein Loblied. Ein Konzern, der 19,9 Milliarden Euro in sechs Monaten umsetzt und dabei ein Betriebsergebnis von minus 229 Millionen Euro erzielt, hat kein Nachfrage-, sondern ein Kosten- und Strukturproblem — und die Antwort darauf besteht bisher vor allem darin, Flugzeuge früher als geplant stillzulegen.

Der nächste überprüfbare Zwischenstand ist der 3. Zwischenbericht Januar–September 2026, angekündigt für den 3. November 2026. Bis dahin gilt: Das dritte Quartal ist bei Fluggesellschaften das stärkste des Jahres. Wenn die Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro halten soll, muss sie dort verdient werden. Keine Kaufempfehlung, keine Verkaufsempfehlung — nur die Bitte, bei diesem Titel die eigene Vertrautheit einmal beiseitezulegen und die Segmenttabelle zu lesen.

Quellen

Datenherkunft: Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Zwischen-/Jahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse). Alle Unternehmenszahlen stammen aus dem 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026; jede Zahl trägt den Stichtag, zu dem sie gemeldet wurde.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erhebliche Verluste bis hin zum Totalverlust bedeuten. Prüfe jede Entscheidung selbst und ziehe im Zweifel unabhängigen Rat hinzu.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 16.811,0 30.895,0 35.442,0 37.581,0 39.597,0
Betriebsergebnis (EBIT) -2.991,0 732,0 1.517,0 734,0 830,0
Nettogewinn -2.191,0 791,0 1.673,0 1.380,0 1.339,0
Nettomarge -13,0 % 2,6 % 4,7 % 3,7 % 3,4 %
Gewinn je Aktie -2,12 € 0,66 € 1,40 € 1,15 € 1,12 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Kerngeschäft Passage negativ
Die Netzwerk-Airlines erzielten im ersten Halbjahr 2026 ein Adjusted EBIT von minus 468 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum minus 113 Millionen), die Punkt-zu-Punkt-Airlines minus 252 Millionen (minus 137 Millionen). Zusammen verlor das Passagiergeschäft 720 Millionen Euro. Innerhalb der Netzwerk-Airlines verdiente nur SWISS mit plus 213 Millionen Euro; Austrian lag bei minus 93, Brussels bei minus 70 Millionen.
Fracht und Technik positiv
Lufthansa Cargo steigerte das Adjusted EBIT im ersten Halbjahr 2026 um 47 Prozent auf 199 Millionen Euro bei 10,4 Prozent Marge, Lufthansa Technik um 2 Prozent auf 315 Millionen Euro bei 7,1 Prozent Marge und einem Umsatzplus von 11 Prozent. Beide Geschäftsfelder trugen zusammen 514 Millionen Euro und stützen den Konzern in einem schwachen Passagierhalbjahr.
Kostenabhängigkeit negativ
Der durchschnittliche Kerosinpreis stieg im ersten Halbjahr 2026 um 60 Prozent auf 1.133,90 US-Dollar je Tonne, der Jet Fuel Crack um 201 Prozent. Allein bei den Netzwerk-Airlines verteuerte sich der Treibstoff um 488 Millionen Euro. Der Konzern reagierte am 16. April 2026 mit der Herausnahme des CityLine-Flugbetriebs, der Ausmusterung von 23 Canadair CR-9 und der vorzeitigen Stilllegung treibstoffintensiver Langstreckenmuster.
Prognose negativ
Die Erwartung für 2026 wurde am 4. August 2026 von „Adjusted EBIT deutlich über Vorjahr“ auf eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro herabgesetzt; 2025 waren es 1.960 Millionen Euro, das untere Ende der Spanne liegt also darunter. Auch die Kapazitätserwartung und die Nettoinvestitionen wurden gesenkt, der Adjusted Free Cashflow auf rund 0,9 Milliarden Euro nach 1.188 Millionen im Vorjahr.
Bilanz und Liquidität neutral
Zum 30. Juni 2026 standen 12.171 Millionen Euro Eigenkapital (Quote 23,9 Prozent) einer Nettokreditverschuldung von 6.697 Millionen Euro und Netto-Pensionsverpflichtungen von 1.585 Millionen gegenüber. Die verfügbare Liquidität lag bei 10.727 Millionen Euro, das Verhältnis von Adjusted Net Debt zu Adjusted EBITDA bei 2,0 nach 1,8. Der Risikobericht nennt ausdrücklich keine bestandsgefährdenden Risiken.
Kapitalstruktur und Governance neutral
Die Hauptversammlung vom 12. Mai 2026 erteilte genehmigtes und bedingtes Kapital über zusammen rund 631 Millionen mögliche neue Aktien — mehr als die Hälfte der ausstehenden 1.202.082.895 Stückaktien; genutzt wurden im ersten Halbjahr nur 7,168 Millionen Euro aus dem Mitarbeiter-Kapital. Größter Einzelaktionär ist die Kühne Aviation GmbH mit 20,00 Prozent (Stand 25. Juni 2026).

Die Lufthansa Group steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um acht Prozent auf 19.887 Millionen Euro und schrieb dennoch ein Adjusted EBIT von minus 229 Millionen Euro. Verantwortlich waren ein um 60 Prozent gestiegener Kerosinpreis, Streiks und Streckenstreichungen: Das Passagiergeschäft verlor 720 Millionen Euro, während Fracht und Technik 514 Millionen verdienten. Die Jahresprognose wurde auf 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro herabgesetzt, deren unteres Ende unter dem Vorjahreswert von 1.960 Millionen Euro liegt. Die Bilanz bleibt mit 10,7 Milliarden Euro verfügbarer Liquidität und einem Verhältnis von Adjusted Net Debt zu Adjusted EBITDA von 2,0 tragfähig. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage. Die Bilanz zum 30. Juni 2026 trägt: 12.171 Millionen Euro Eigenkapital bei einer Quote von 23,9 Prozent, 8.144 Millionen Euro bilanzielle Liquidität plus 2.583 Millionen Euro ungenutzte Kreditlinien, ein Verhältnis von Adjusted Net Debt zu Adjusted EBITDA von 2,0 und ein Chancen- und Risikobericht, der ausdrücklich festhält, dass gegenwärtig keine Risiken identifiziert werden, die den Fortbestand der Lufthansa Group gefährden. Auch die Nachfrageseite ist intakt: Der Sitzladefaktor stieg trotz gekürzter Kapazität um 1,9 Prozentpunkte auf 82,4 Prozent, die Durchschnittserlöse zogen an, Logistik und Technik wuchsen zweistellig beim Umsatz. Gelb steht, weil eine wesentliche operative Frage offen ist — und zwar ausgerechnet im Kerngeschäft. Die beiden Passagier-Geschäftsfelder verloren im ersten Halbjahr 2026 operativ 720 Millionen Euro, nach 250 Millionen im Vorjahreszeitraum; getragen wurde der Konzern von Fracht und Technik. Das Jahresergebnis hängt damit an einem Rohstoffpreis, den der Konzern nicht beeinflusst und der sich in sechs Monaten um 60 Prozent bewegt hat, sowie an einem geopolitischen Konflikt. Die Prognose wurde am 4. August 2026 nicht bestätigt, sondern auf eine Spanne herabgesetzt, deren unteres Ende unter dem Vorjahr liegt. Dazu kommen offene Tarifverträge mit fortbestehendem Streikrisiko und ein Steueraufwand von 165 Millionen Euro auf einen Vorsteuerverlust. Nichts davon bedroht die Substanz — alles davon ist unbewiesen, bis das saisonstarke dritte Quartal vorliegt. Der nächste überprüfbare Zwischenstand ist der 3. Zwischenbericht am 3. November 2026.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger dieser Analyse ist die dauerhaft hohe Präsenz der Lufthansa-Aktie in den Diskussions-Ranglisten deutscher Anlegerforen — kein Analystenurteil, kein Börsenbrief, keine Kaufempfehlung. Sämtliche Unternehmenszahlen stammen aus dem 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026, veröffentlicht am 4. August 2026.
  • Von der Deutschen Lufthansa AG gibt es kein 10-K und kein 10-Q: Der Konzern ist kein US-Meldeunternehmen, sondern notiert im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse. In den USA wird lediglich ein unregistriertes Hinterlegungszertifikat gehandelt. Die Datenherkunft lautet deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Zwischen-/Jahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“.
  • Adjusted EBIT und Adjusted EBITDA sind Kennzahlen des Unternehmens, keine IFRS-Größen: Sie bereinigen unter anderem Buchgewinne aus Verkäufen, Restrukturierungsaufwand und Pensionssondereffekte. Im ersten Halbjahr 2026 lag das ausgewiesene EBIT bei minus 138 Millionen Euro, das Adjusted EBIT bei minus 229 Millionen — die Überleitung betrug plus 90 Millionen Euro und enthält insbesondere Buchgewinne aus Flugzeugverkäufen von 177 Millionen Euro.
  • Der Börsenwert von rund 9,98 Milliarden Euro wurde gegengeprüft: 1.202.082.895 ausstehende Stückaktien laut Anhang des Zwischenberichts, multipliziert mit dem Xetra-Schlusskurs vom 10. August 2026 von 8,30 Euro, ergibt denselben Wert wie die Fundamentaldaten. Der im Zwischenbericht genannte Schlusskurs vom 30. Juni 2026 lag noch bei 10,01 Euro.
  • Verwechslungsgefahr: Das hier verwendete Kürzel LHA.DE ist eine Kurzschreibweise für „Lufthansa, notiert in Deutschland“ — kein amtlicher Börsenplatz-Code. Gehandelt wird die Aktie unter Xetra: LHA sowie in Frankfurt, Stuttgart, München, Düsseldorf und Hamburg. Nicht zu verwechseln mit dem US-Hinterlegungszertifikat DLAKY oder mit der Zweitgattung LHAB.

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Häufige Fragen

Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um acht Prozent auf 19.887 Millionen Euro. Das Adjusted EBIT lag dennoch bei minus 229 Millionen Euro nach plus 149 Millionen im Vorjahreszeitraum, das den Aktionären zurechenbare Konzernergebnis bei minus 542 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum plus 127 Millionen). Das Ergebnis je Aktie betrug minus 0,45 Euro. Im zweiten Quartal allein war das Adjusted EBIT mit 383 Millionen Euro positiv, aber 56 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal.

Im ersten Halbjahr 2026 verdienten nur Logistik und Technik: Lufthansa Cargo erzielte ein Adjusted EBIT von 199 Millionen Euro (plus 47 Prozent), Lufthansa Technik 315 Millionen Euro (plus 2 Prozent). Die Netzwerk-Airlines verloren dagegen 468 Millionen Euro, die Punkt-zu-Punkt-Airlines um Eurowings 252 Millionen. Das Passagiergeschäft verlor damit zusammen 720 Millionen Euro, während die beiden Nebengeschäfte 514 Millionen Euro verdienten.

Wesentlicher Treiber war der Kerosinpreis. Er stieg im ersten Halbjahr 2026 um 60 Prozent auf 1.133,90 US-Dollar je Tonne (Vorjahreszeitraum 707,86 US-Dollar), der Jet Fuel Crack um 201 Prozent. Allein bei den Netzwerk-Airlines verteuerte sich der Treibstoff um 488 Millionen Euro. Hinzu kamen Streiks der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und UFO im Februar, März und April 2026 sowie Streckenstreichungen wegen des Konflikts im Nahen Osten.

Am 4. August 2026 nannte der Konzern eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro Adjusted EBIT. Zuvor hatte er ein Adjusted EBIT deutlich über Vorjahr erwartet — 2025 waren es 1.960 Millionen Euro. Das untere Ende der neuen Spanne liegt also unter dem Vorjahr. Auch die Kapazitätserwartung wurde von plus null bis zwei Prozent auf ungefähr Vorjahresniveau gesenkt, die Nettoinvestitionen von 2,9 auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der Adjusted Free Cashflow soll bei rund 0,9 Milliarden Euro liegen.

Zum 30. Juni 2026 lag die Nettokreditverschuldung bei 6.697 Millionen Euro (31. Dezember 2025: 6.407 Millionen), die Finanzschulden brutto bei 14.825 Millionen Euro. Zusammen mit den Netto-Pensionsverpflichtungen von 1.585 Millionen Euro ergeben sich 8.281 Millionen Euro. Dem stehen eine bilanzielle Liquidität von 8.144 Millionen Euro und ungenutzte Kreditlinien von 2.583 Millionen Euro gegenüber — zusammen 10.727 Millionen Euro. Das Verhältnis von Adjusted Net Debt zu Adjusted EBITDA lag bei 2,0.

Ja. Die Hauptversammlung am 12. Mai 2026 beschloss für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 0,33 Euro je Stückaktie; ausgezahlt wurden insgesamt 396 Millionen Euro. Beim Kurs vom 10. August 2026 (8,30 Euro auf Xetra) entspricht das rund 4,0 Prozent Rendite. Gezahlt wurde sie in einem Halbjahr, das mit einem Konzernverlust von 542 Millionen Euro endete.

Die Deutsche Lufthansa AG hat im Juni 2026 ihre Option auf die Mehrheit an ITA Airways ausgeübt; die Beteiligung steigt von 41 auf 90 Prozent, der Kaufpreis für die 49-Prozent-Tranche beträgt fest vereinbarte 325 Millionen Euro. Der Vollzug wird für das erste Quartal 2027 erwartet und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, vor allem durch die Europäische Kommission und das US-Justizministerium. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Ergebnisbeitrag von ITA bei minus 58 Millionen Euro nach plus 84 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Die Deutsche Lufthansa AG ist kein US-Meldeunternehmen. Sie notiert im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse und ist im DAX gelistet; in den USA wird lediglich ein unregistriertes Hinterlegungszertifikat gehandelt. Pflicht sind ein testierter IFRS-Jahresabschluss, ein Halbjahresbericht mit prüferischer Durchsicht und Zwischenberichte. Diese Analyse stützt sich auf den 2. Zwischenbericht Januar–Juni 2026 vom 4. August 2026.

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