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TUI: Rekordjahr auf der Vorderseite, aufgelaufene Verluste auf der Rückseite

TUI: Rekordjahr auf der Vorderseite, aufgelaufene Verluste auf der Rückseite

TUI hat im Geschäftsjahr 2025 das beste bereinigte Ergebnis der Konzerngeschichte erzielt: 1.413,1 Millionen Euro bei 24.178,7 Millionen Euro Umsatz. Doch 1.283,2 dieser Millionen kamen aus Hotels, Kreuzfahrten und Ausflügen — der Reiseveranstalter samt Airline steuerte nur 199,9 Millionen bei, ein Drittel weniger als im Jahr zuvor. Und in der Bilanz stehen 7.980,4 Millionen Euro eingezahltes Kapital gegen 6.725,4 Millionen Euro aufgelaufene Verluste. Wer eine Aktie kennt, weil er mit ihr in den Urlaub geflogen ist, sollte beide Seiten der Karte lesen.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 6. August 2026

Schlusskurs
7,70 € -0,80 %
Marktkapitalisierung
3,9 Mrd. €
KGV
5,9
Wachstums-Score
5/10
AAQS
3/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

TUI: Rekordjahr auf der Vorderseite, aufgelaufene Verluste auf der Rückseite
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 6,20 € bis 9,40 € · Letzter Kurs: 7,70 € (Stand: 6. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Eine Postkarte hat zwei Seiten. Vorne die Bucht, das Blau, der Sonnenuntergang — hinten die Adresse, die Briefmarke und der Satz, der wirklich etwas sagt. Bei Aktien passiert uns dasselbe: Wir kennen ein Unternehmen von seiner Vorderseite. Wir sind mit dem Flugzeug geflogen, haben im Hotel gefrühstückt, das Logo am Gate gesehen. Und weil dieses Bild angenehm ist, halten wir es unbewusst für ein Urteil über die Firma. Nennen wir es die Postkarten-Falle. Kaum ein deutscher Titel triggert sie so zuverlässig wie TUI. Machen wir deshalb einen Deal: Wir schauen uns zuerst die Vorderseite an — und die ist wirklich stark, das Geschäftsjahr 2025 war das beste seit über einem Jahrzehnt. Und dann drehen wir die Karte um und lesen, was auf der Rückseite steht. Beides gehört zusammen.

Was TUI eigentlich macht — vier Geschäfte unter einem blauen Dach

TUI ist längst nicht mehr das Reisebüro von früher. Der Konzern mit Sitz in Hannover deckt die gesamte Wertschöpfungskette einer Urlaubsreise ab und berichtet dafür in zwei großen Bereichen. Holiday Experiences ist alles, was TUI selbst besitzt und betreibt: mehr als 460 Hotels und Resorts mit Marken wie RIU, TUI Blue und Robinson, 19 Kreuzfahrtschiffe von der Luxusklasse MS Europa über die Expeditionsschiffe bis zur Mein-Schiff-Flotte und den britischen Marella Cruises (Stand August 2026; zum Bilanzstichtag 30. September 2025 waren es 18 — im Juni 2026 kam die Mein Schiff Flow hinzu), dazu TUI Musement mit Ausflügen, Transfers und Erlebnissen vor Ort. Markets + Airline ist das, was die meisten Menschen mit dem Namen TUI verbinden: die Reiseveranstalter in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Skandinavien und weiteren Ländern, rund 1.200 Reisebüros und fünf Fluggesellschaften mit 125 Flugzeugen. Im Geschäftsjahr 2025 reisten 34,7 Millionen Gäste mit TUI, der Konzern beschäftigte zum 30. September 2025 66.854 Menschen.

Übersetzt in ein Alltagsbild: TUI ist gleichzeitig Hotelier, Reederei, Fluggesellschaft und Reisebüro. Das ist der Unterschied zu einer reinen Buchungsplattform — TUI verdient nicht an der Vermittlung, sondern am eigenen Bett und an der eigenen Kabine. Warum genau dieser Unterschied im Geschäftsjahr 2025 so wichtig geworden ist, sehen wir gleich in den Zahlen.

Warum es hier kein 10-K gibt — und was ein Geschäftsjahr bis Ende September bedeutet

Zwei Dinge vorab, weil sie die gesamte Beleglage dieser Analyse prägen. Erstens: Von TUI gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Das sind die Pflichtberichte, die US-Unternehmen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC einreichen — TUI ist kein US-Meldeunternehmen, die EDGAR-Suche nach den Kürzeln TUI und TUI1 liefert keine Fundstelle. TUIs Pflichtberichte laufen über den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse: ein testierter Konzern-Geschäftsbericht nach IFRS, ein Halbjahresfinanzbericht und kurze Quartalsmitteilungen. Die Londoner Zweitnotierung endete am 21. Juni 2024, seit dem 24. Juni 2024 ist die Aktie im MDAX. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“. Diese Konstellation teilt sich TUI mit anderen deutschen Titeln, die wir bereits durchleuchtet haben — auch bei unserer Analyse zu Adidas lief die komplette Belegkette über die Original-Geschäfts- und Quartalsberichte statt über sec.gov.

Zweitens: TUIs Geschäftsjahr endet nicht am 31. Dezember, sondern am 30. September. Das Geschäftsjahr 2025 lief also vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025. Das ist kein Verwaltungsdetail, sondern folgt der Saison: Der Sommer, in dem TUI den Großteil des Geldes verdient, liegt komplett im vierten Geschäftsquartal — und der Bericht erscheint, wenn die Reisenden zurück sind. Für dich heißt das: Wenn du in einer Kurstabelle „Q1“ liest, meint TUI Oktober bis Dezember, das schwächste Quartal des Jahres. Und der jüngste veröffentlichte Bericht zum Zeitpunkt dieser Analyse ist der Halbjahresfinanzbericht zum 31. März 2026, vorgelegt am 13. Mai 2026. Die Quartalsmitteilung für das dritte Geschäftsquartal steht laut Finanzkalender erst am 12. August 2026 an.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlichkeit zuerst: Der Aufhänger dieser Analyse ist kein Kennzahlen-Treffer aus unserem hauseigenen Aktien-Scanner, sondern eine Popularitäts-Messung. TUI steht am Stichtag 7. August 2026 weit oben in den Foren-Ranglisten von wallstreet-online, also unter den am meisten diskutierten Aktien deutscher Privatanleger. Das sagt exakt nichts über die Qualität des Unternehmens aus — es sagt etwas über die Postkarten-Falle. Kaum eine andere deutsche Aktie ist so vielen Menschen persönlich vertraut. Genau diese Vertrautheit ist der Grund, warum wir hier besonders sorgfältig in die Berichte schauen: Wo unser Bauchgefühl schon eine Meinung hat, brauchen wir die Zahlen am dringendsten. Merke dir das als roten Faden dieser Analyse: Bekanntheit ist keine Kennzahl.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. TUI ist eines der wenigen Unternehmen, die man einmal komplett hat abstürzen und wieder aufstehen sehen. Im Geschäftsjahr 2020 brach der Umsatz auf 7.943,7 Millionen Euro ein, im Geschäftsjahr 2021 auf 4.731,6 Millionen — zusammen mit Verlusten von 3.148,4 und 2.480,9 Millionen Euro, die den TUI-AG-Aktionären zuzurechnen waren. Seither geht es in jedem einzelnen Jahr aufwärts: 16.544,9 Millionen Euro Umsatz (2022), 20.665,9 (2023), 23.167,3 (2024) und schließlich 24.178,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025, ein Plus von 4,4 Prozent. Das Ergebnis folgte: von minus 212,6 Millionen (2022) über plus 305,8 (2023) und plus 507,1 (2024) auf plus 635,9 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025.

Balkendiagramm: TUIs Umsatz steigt von 7.943,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2020 auf 24.178,7 Millionen im Geschäftsjahr 2025, das Konzernergebnis von minus 3.148,4 auf plus 635,9 Millionen Euro.
Sechs Geschäftsjahre, je zum 30. September: der Absturz 2020/2021 und die Rückkehr in die Gewinnzone ab 2023. Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahresbericht, Frankfurter Wertpapierbörse). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch die Finanzlage hat sich geordnet. Die Nettoverschuldung sank im Geschäftsjahr 2025 um 20,5 Prozent auf 1.304,9 Millionen Euro, der Verschuldungsgrad im Verhältnis zum bereinigten Ergebnis vor Abschreibungen von 0,8 auf 0,6. Die Ratingagenturen zogen nach: Standard & Poor's hob TUI im Geschäftsjahr 2025 auf „BB-“ (Ausblick stabil), Moody's auf „Ba3“ (stabil), und Fitch vergab im Februar 2025 erstmals überhaupt ein Rating — „BB“ (stabil). Ein Jahr später ging es noch einmal einen halben Schritt weiter: Im Februar 2026 bestätigte Moody's das Ba3-Rating und hob den Ausblick von stabil auf positiv, Fitch bestätigte im selben Monat „BB“ mit stabilem Ausblick — so steht es bis heute in TUIs eigener Ratingübersicht (abgerufen am 7. August 2026), in der Standard & Poor's inzwischen nicht mehr geführt wird. Zur Einordnung: Das sind alles Noten unterhalb der Investmentqualität, aber sie liegen weit über dem Pandemie-Tief von „CCC+“ beziehungsweise „Caa1“ aus dem Jahr 2020. Und erstmals seit der Pandemie gibt es wieder Geld für die Aktionäre: 0,10 Euro Dividende je Aktie für das Geschäftsjahr 2025, ab dem Geschäftsjahr 2026 sollen 10 bis 20 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie ausgeschüttet werden.

Das ist die Vorderseite der Postkarte, und sie ist echt. Jetzt drehen wir sie um.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das Rekordergebnis kommt fast vollständig aus Hotels und Schiffen

TUIs Kennzahlentabelle im Geschäftsbericht 2025 schlüsselt das bereinigte EBIT nach Bereichen auf — und die Aufteilung ist der eigentliche Kern dieser Analyse. Von den 1.413,1 Millionen Euro bereinigtem EBIT des Konzerns kamen 1.283,2 Millionen aus Holiday Experiences, also aus den eigenen Hotels (735,0 Millionen), Kreuzfahrten (481,1 Millionen) und TUI Musement (67,2 Millionen). Der Bereich Markets + Airline — Reiseveranstalter, Reisebüros, Fluggesellschaften — steuerte 199,9 Millionen bei. Im Vorjahr waren es noch 303,9 Millionen gewesen: ein Rückgang um 34,2 Prozent. Innerhalb dieses Bereichs rutschte die Westliche Region (Niederlande, Belgien, Frankreich) von plus 10,3 auf minus 21,6 Millionen Euro.

Balkendiagramm: Bereinigtes EBIT von TUI nach Bereichen. Holiday Experiences steigt von 1.091,9 auf 1.283,2 Millionen Euro, Markets + Airline fällt von 303,9 auf 199,9 Millionen, übrige Segmente von minus 99,6 auf minus 70,0 Millionen.
Der Bereich, der den Namen TUI trägt, verdient am wenigsten — und schrumpft. Quelle: TUI Geschäftsbericht 2025, Kennzahlen des Konzerns (veröffentlicht 10. Dezember 2025). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum ist das unbequem? Weil es die Postkarte umdreht. Der Teil des Konzerns, den du kennst — das Reisebüro in der Fußgängerzone, der Flug mit dem lachenden Smiley am Heck — steuert heute rund 14 Prozent des operativen Ergebnisses bei und liefert weniger als im Vorjahr. Der Teil, den du in der Regel nicht mit TUI verbindest — das Hotel, das dir gehört, ohne dass du es weißt, und das Kreuzfahrtschiff mit der Auslastung von 93 Prozent — trägt die anderen 86 Prozent. TUI selbst nennt das die „Transformation“ und sieht in Markets + Airline vor allem einen Kanal, der Nachfrage in die eigenen Produkte lenkt. Das ist eine plausible Strategie. Aber für dich als Anleger ändert sich damit die Frage: Du kaufst nicht mehr einen Reiseveranstalter, du kaufst eine Hotel- und Kreuzfahrtgruppe mit einem angeschlossenen Vertriebsnetz.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Von 8,5 Milliarden Euro eingezahltem Kapital sind 2,7 Milliarden übrig

Die Eigenkapitalquote ist eine der wenigen Kennzahlen, die man ohne Vorwissen versteht: Wie viel von dem, was die Firma besitzt, gehört ihr wirklich, und wie viel ist geliehen? TUI nennt die Zahl selbst:

„The equity ratio was 14.8% (previous year 10.2%). Equity and non-current financial liabilities accounted for 23.4% (previous year 19.1%) of the balance sheet total.“

Übersetzung: „Die Eigenkapitalquote betrug 14,8 Prozent (Vorjahr 10,2 Prozent). Eigenkapital und langfristige Finanzverbindlichkeiten machten 23,4 Prozent (Vorjahr 19,1 Prozent) der Bilanzsumme aus.“

— TUI AG, Geschäftsbericht 2025, Zusammengefasster Lagebericht / Business Review

Markierter Ausschnitt aus TUIs Geschäftsbericht 2025: Die Eigenkapitalquote betrug 14,8 Prozent nach 10,2 Prozent im Vorjahr.
Die markierte Stelle im Original: 14,8 Prozent Eigenkapitalquote zum 30. September 2025. Quelle: TUI Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 10. Dezember 2025), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

14,8 Prozent bei einer Bilanzsumme von 18.148,9 Millionen Euro — das ist besser als die 10,2 Prozent des Vorjahres, aber es bleibt dünn. Interessanter als die Quote ist jedoch, woraus dieses Eigenkapital besteht. Der Konzern weist zum 30. September 2025 aus: gezeichnetes Kapital 507,4 Millionen Euro, Kapitalrücklagen 7.980,4 Millionen, Gewinnrücklagen minus 6.725,4 Millionen, Anteile Dritter 924,2 Millionen. Summe: 2.686,7 Millionen Euro.

Wasserfalldiagramm: TUIs Eigenkapital zum 30. September 2025 setzt sich aus 507,4 Millionen Euro gezeichnetem Kapital, plus 7.980,4 Millionen Kapitalrücklagen, minus 6.725,4 Millionen Gewinnrücklagen und plus 924,2 Millionen Anteilen Dritter zusammen und ergibt 2.686,7 Millionen Euro.
Die Rückseite der Postkarte: Von rund 8,5 Milliarden Euro eingezahltem Kapital haben aufgelaufene Verluste 6,7 Milliarden aufgezehrt. Quelle: TUI Geschäftsbericht 2025, Kapitalstruktur des Konzerns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Die Aktionäre haben im Laufe der Jahre rund 8,5 Milliarden Euro in dieses Unternehmen eingezahlt — Grundkapital plus Kapitalrücklagen. Davon sind, nach allen Gewinnen und Verlusten der Vergangenheit, 6,7 Milliarden Euro verbraucht. Der größte Teil dieser Lücke stammt aus den Pandemiejahren, die wir oben im Chart gesehen haben. Das ist keine Bilanzmanipulation, sondern schlicht die Geschichte des Unternehmens, in Zahlen. Aber es erklärt, warum TUI trotz eines Rekordergebnisses ein so dünnes Polster hat.

Und es kommt eine zweite Zahl dazu:

„Goodwill amounted to €2,933.6m. a slight decline of 2.2 % compared with the previous year's level of €2,998.7m.“

Übersetzung: „Der Firmenwert belief sich auf 2.933,6 Millionen Euro, ein leichter Rückgang um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 2.998,7 Millionen Euro.“

— TUI AG, Geschäftsbericht 2025, Zusammengefasster Lagebericht / Business Review

Markierter Ausschnitt aus TUIs Geschäftsbericht 2025: Der Firmenwert belief sich auf 2.933,6 Millionen Euro nach 2.998,7 Millionen im Vorjahr.
Die markierte Stelle im Original: 2.933,6 Millionen Euro Firmenwert zum 30. September 2025. Quelle: TUI Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 10. Dezember 2025), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Firmenwert — auf Englisch Goodwill — ist der Aufpreis, den ein Unternehmen bei früheren Übernahmen über den Wert der gekauften Gegenstände hinaus bezahlt hat. Man kann ihn nicht anfassen, nicht verkaufen, nicht vermieten. Und er ist bei TUI mit 2.933,6 Millionen Euro rund zwei Drittel größer als das Eigenkapital, das den TUI-AG-Aktionären zusteht (507,4 plus 7.980,4 minus 6.725,4 = 1.762,4 Millionen Euro). Rechnet man die sonstigen immateriellen Vermögenswerte von 596,8 Millionen Euro noch hinzu, ist das materielle Eigenkapital der Aktionäre rechnerisch negativ. Solange die Hotels und Schiffe liefern, ist das eine Buchhaltungsfrage. Käme es aber einmal zu einer Abschreibung auf diesen Firmenwert, träfe sie ein Polster, das kleiner ist als der Posten selbst.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Zwei Blöcke sitzen auf deinem Anteil

Der erste Block ist eingefroren. Der Geschäftsbericht 2025 formuliert es im Kapitel zu den übernahmerechtlichen Angaben so nüchtern, wie man einen Ausnahmezustand nur formulieren kann:

„The Executive Board assumes that it is currently impossible to transfer the shares it considers attributable to Alexey Mordashov or to exercise the voting rights from these shares.“

Übersetzung: „Der Vorstand geht davon aus, dass es derzeit unmöglich ist, die Aktien zu übertragen, die er Alexey Mordashov zurechnet, oder die Stimmrechte aus diesen Aktien auszuüben.“

— TUI AG, Geschäftsbericht 2025, Übernahmerechtliche Angaben (Seite 169)

Vor der Kapitalerhöhung von April 2023 hielt der sanktionierte russische Unternehmer rund 30,9 Prozent von TUI. Weil ihm wegen der EU-Sanktionen keine Bezugsrechte gewährt wurden, konnte er an der Emission nicht teilnehmen: TUI gab 328.890.829 neue Aktien zu 5,55 Euro aus und nahm damit rund 1,8 Milliarden Euro ein, mit denen die Staatshilfen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds vollständig zurückgezahlt wurden. Die Aktienzahl stieg dadurch von rund 178,5 Millionen auf 507.431.033, und sein Anteil sank auf rund 10,9 Prozent. Für die übrigen Aktionäre war das damals ein Vorteil: Wer mitzog, bekam den Anteil, den der gesperrte Großaktionär nicht zeichnen durfte.

Der zweite Block wartet noch. Im Juli 2024 begab TUI eine Wandelanleihe über 487,0 Millionen Euro, verzinst mit nur 1,95 Prozent und fällig im Juli 2031. Der Preis für diesen günstigen Zins steht im Kleingedruckten: Der Wandlungspreis liegt bei 9,60 Euro je Aktie, und bei vollständiger Ausübung entstehen daraus bis zu 50.729.166 neue Aktien — genau 10,0 Prozent der heute ausstehenden Stücke. Deshalb weist TUI für das Geschäftsjahr 2025 zwei Ergebnisse je Aktie aus: 1,25 Euro unverwässert und 1,17 Euro verwässert. Übersetzt in ein Alltagsbild: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, sobald der Kurs über 9,60 Euro steigt — und zwar genau dann, wenn du dich über den steigenden Kurs freust. Am 7. August 2026 stand die Aktie bei 7,74 Euro, also 19 Prozent unter dieser Marke.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Winter frisst die Kasse — jedes Jahr aufs Neue

Zum 30. September 2025 hatte TUI 3.120,2 Millionen Euro flüssige Mittel und eine Nettoverschuldung von 1.304,9 Millionen Euro. Ein halbes Jahr später, zum 31. März 2026, waren es noch 1.448,6 Millionen Euro flüssige Mittel bei einer Nettoverschuldung von rund 3,0 Milliarden. Das ist kein Alarmsignal, sondern das Geschäftsmodell — und TUI benennt es im Risikobericht selbst:

„Tourism is inherently seasonal with the majority of business undertaken and profits earned in the European summer months. Cash flows are similarly seasonal, peaking in early summer as advance payments and final balances are received from customers, and dipping in winter as liabilities are settled with many suppliers after the summer season. (“The touristic swing”)."

Übersetzung: „Tourismus ist von Natur aus saisonal, der Großteil des Geschäfts und der Gewinne fällt in die europäischen Sommermonate. Die Zahlungsströme sind ebenso saisonal: Sie erreichen im Frühsommer ihren Höhepunkt, wenn Anzahlungen und Restzahlungen der Kunden eingehen, und sinken im Winter, wenn nach der Sommersaison die Verbindlichkeiten gegenüber vielen Lieferanten beglichen werden. (Der touristische Schwung.)“

— TUI AG, Geschäftsbericht 2025, Risikobericht, Risiko (3) Seasonal cash flow

Markierter Ausschnitt aus TUIs Geschäftsbericht 2025, Risikobericht: Tourismus ist von Natur aus saisonal, der Großteil des Geschäfts fällt in die europäischen Sommermonate.
Die markierte Stelle im Original: TUI beschreibt den saisonalen Kassenschwung als eigenes Hauptrisiko. Quelle: TUI Geschäftsbericht 2025, Risikobericht (veröffentlicht 10. Dezember 2025), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Hinter diesem Schwung steckt eine Zahl, die dieses Geschäftsmodell besser erklärt als jede Bilanzkennzahl: Zum 30. September 2025 standen 4.094,3 Millionen Euro touristische erhaltene Anzahlungen in TUIs Büchern (Vorjahr 4.017,1 Millionen). Das ist Geld, das Urlauber für Reisen bezahlt haben, die noch gar nicht stattgefunden haben. TUI arbeitet damit — zinslos. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Firmen, die ihre Rechnungen erst nach der Lieferung schreiben. Es ist zugleich der Grund, warum die kurzfristigen Verbindlichkeiten (10.275,4 Millionen Euro) das kurzfristige Vermögen (5.681,1 Millionen) so deutlich übersteigen — und warum klassische Bilanzampeln wie der Altman-Z-Wert bei Reiseveranstaltern regelmäßig Alarm schlagen, obwohl gar keine Not herrscht. Sie sind für Industrieunternehmen gebaut, nicht für Firmen, die vom Kunden vorfinanziert werden. Wichtig ist die Kehrseite: Bricht die Buchungsnachfrage einmal weg, verschwindet dieser zinslose Kredit sofort — genau das ist 2020 passiert. TUI hält dagegen mit syndizierten Kreditlinien von rund 2,0 Milliarden Euro (Laufzeit bis März 2030), die zum 30. September 2025 nicht in bar gezogen waren, und erfüllte zu diesem Stichtag nach eigener Angabe alle Finanzauflagen — die wichtigste davon: Die Nettoverschuldung darf das Dreifache des Ergebnisses vor Abschreibungen nicht übersteigen.

Wo TUI beim Thema künstliche Intelligenz steht

Kaum eine Branche wird beim Thema KI so oft als Verlierer gehandelt wie der Reisevertrieb: Wenn ein Sprachmodell dir die Reise zusammenstellt und direkt bucht, wozu dann noch ein Veranstalter? TUI beantwortet die Frage im Geschäftsbericht 2025 selbst — und zwar mit einem Argument, das direkt an Unbequeme Wahrheit Nr. 1 anknüpft:

„This makes AI an opportunity for us– as we are protected on distribution with differentiated products. To take advantage of this opportunity, we are incorporating the use of AI into our business to drive value.“

Übersetzung: „Das macht KI zu einer Chance für uns — denn im Vertrieb sind wir durch differenzierte Produkte geschützt. Um diese Chance zu nutzen, binden wir den Einsatz von KI in unser Geschäft ein, um Wert zu schaffen.“

— TUI AG, Geschäftsbericht 2025, TUI Group Strategy

Markierter Ausschnitt aus TUIs Geschäftsbericht 2025: Künstliche Intelligenz sei eine Chance, weil TUI im Vertrieb durch differenzierte Produkte geschützt sei.
Die markierte Stelle im Original: TUI leitet seine KI-Zuversicht ausdrücklich aus den eigenen Produkten ab. Quelle: TUI Geschäftsbericht 2025, TUI Group Strategy (veröffentlicht 10. Dezember 2025), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Argument lautet also: Ein Sprachmodell kann dir kein Zimmer im Robinson Club verkaufen, wenn TUI der einzige Anbieter dieses Zimmers ist. Wer nur fremde Betten vermittelt, ist angreifbar; wer eigene Betten besitzt, weniger. Konkret arbeitet TUI nach Angaben von Vorstandschef Sebastian Ebel aus der Halbjahres-Pressemitteilung vom 13. Mai 2026 mit Google und ChatGPT zusammen und bietet KI-Dialogfunktionen in der eigenen App an; das Ziel ist nach eigener Beschreibung, die eigenen Inhalte „AI-visible“ und „AI-bookable“ zu machen. Im Risikobericht taucht KI zugleich als Umsetzungsrisiko auf: Der Vorstand nennt ausdrücklich die Schwierigkeit, neue Technologien wie KI „at scale“, also in der Breite, zu integrieren. Für unsere Einstufung heißt das: TUI ist ein KI-Anwender, kein KI-Anbieter — und der Nutzen ist noch keine ausgewiesene Zahl, sondern eine Absichtserklärung mit ersten Beispielen. Der Anteil der Umsätze über die eigene App lag im zweiten Geschäftsquartal 2026 bei 11,4 Prozent, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Bewertung: billig auf den ersten Blick, dünn auf den zweiten

Am 7. August 2026 kostete die TUI-Aktie 7,74 Euro, was bei 507.431.033 Aktien einem Börsenwert von rund 3,93 Milliarden Euro entspricht. Das ist weniger als ein Sechstel des Jahresumsatzes (Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,16) und rund das Sechsfache des Ergebnisses der vergangenen zwölf Monate. Der Unternehmenswert — Börsenwert plus Nettoschulden — liegt bei rund 4,8 Milliarden Euro und damit beim rund Zweifachen des bereinigten Ergebnisses vor Abschreibungen. Auf dem Papier ist das billig. Innerhalb der vergangenen 52 Wochen bewegte sich der Kurs zwischen 6,08 und 9,45 Euro.

Der zweite Blick relativiert das. Erstens: Der Buchwert je Aktie, an dem sich ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,96 bemisst, besteht — siehe oben — überwiegend aus Firmenwert. Zweitens: Das Ergebnis je Aktie kommt in der verwässerten Rechnung nur noch auf 1,17 statt 1,25 Euro. Drittens: Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde bereits gesenkt. Am 22. April 2026 meldete TUI per Ad-hoc-Mitteilung, dass der Iran-Krieg im März allein rund 40 Millionen Euro gekostet habe — rund 10.000 Gäste mussten zurückgeholt werden, darunter etwa 5.000 Passagiere der Schiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5, deren Reisen bis Mitte Mai 2026 ausfielen. Die Konzernprognose:

„Subject to the recovery in the respective markets, the Group has adjusted its guidance (at constant currency) and now expects underlying EBIT for FY 2026 to be in the range of €1.1bn to €1.4bn (prior guidance +7-10%; FY 2025: €1,413m). At the same time, TUI is suspending revenue guidance until conditions stabilize.“

Übersetzung: „Vorbehaltlich einer Erholung der jeweiligen Märkte hat der Konzern seine Prognose (zu konstanten Wechselkursen) angepasst und erwartet für das Geschäftsjahr 2026 nun ein bereinigtes EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro (bisherige Prognose plus 7 bis 10 Prozent; Geschäftsjahr 2025: 1.413 Millionen Euro). Gleichzeitig setzt TUI die Umsatzprognose aus, bis sich die Bedingungen stabilisieren.“

— TUI AG, Ad-hoc-Mitteilung vom 22. April 2026

Operativ lief das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 dennoch besser als das Vorjahreshalbjahr: Das bereinigte EBIT verbesserte sich um 45 Millionen auf minus 111 Millionen Euro (Vorjahr minus 155,9 Millionen), 12,8 Millionen Gäste reisten mit TUI. Das Minus ist normal — der Winter ist die Verlustsaison, siehe Unbequeme Wahrheit Nr. 4. Für den Sommer meldete TUI am 13. Mai 2026, dass mehr als die Hälfte der Kapazität verkauft sei und die Nachfrage sich von der östlichen in die westliche Mittelmeerregion verschiebe. Wer die Zahlen ernst nimmt, wartet die Quartalsmitteilung vom 12. August 2026 ab — sie zeigt zum ersten Mal, wie der Sommer 2026 tatsächlich gelaufen ist. Ähnlich vorsichtig sind wir bei einem anderen deutschen Umbau-Fall vorgegangen, unserer Analyse zu Thyssenkrupp: Auch dort trägt eine Konzernsparte den Rest — und die Frage ist, ob der Umbau schneller wirkt als die Belastung.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für TUI spricht:

  • Bestes bereinigtes EBIT seit der Verschmelzung von 2014: 1.413,1 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 (plus 9,0 Prozent zu tatsächlichen, plus 12,6 Prozent zu konstanten Wechselkursen) bei 24.178,7 Millionen Euro Umsatz.
  • Die eigenen Vermögenswerte tragen: Hotels & Resorts 735,0 Millionen, Kreuzfahrten 481,1 Millionen bereinigtes EBIT — die Kreuzfahrtsparte legte im Geschäftsjahr 2025 um 28,5 Prozent zu.
  • Nettoverschuldung um 20,5 Prozent auf 1.304,9 Millionen Euro gesenkt, Verschuldungsgrad von 0,8 auf 0,6; Ratingaufstufungen auf BB- (Standard & Poor's), Ba3 (Moody's) und erstmals BB (Fitch) — im Februar 2026 hob Moody's den Ausblick für das Ba3-Rating zusätzlich von stabil auf positiv.
  • Erste Dividende seit der Pandemie: 0,10 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025, ab dem Geschäftsjahr 2026 eine Ausschüttungsquote von 10 bis 20 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie.
  • Rund 4.094,3 Millionen Euro Kundenanzahlungen finanzieren das Geschäft zinslos; syndizierte Kreditlinien von rund 2,0 Milliarden Euro bis März 2030 waren zum 30. September 2025 nicht in bar gezogen.

Was dagegen spricht:

  • Der Bereich Markets + Airline — Reiseveranstalter, Reisebüros, Airlines — verdiente im Geschäftsjahr 2025 nur noch 199,9 Millionen Euro, 34,2 Prozent weniger als im Vorjahr; die Westliche Region rutschte von plus 10,3 auf minus 21,6 Millionen.
  • Aufgelaufene Verluste von 6.725,4 Millionen Euro stehen 7.980,4 Millionen Euro Kapitalrücklagen gegenüber; die Eigenkapitalquote liegt bei 14,8 Prozent, das materielle Eigenkapital der Aktionäre ist nach Abzug von Firmenwert und immateriellen Werten rechnerisch negativ.
  • Bis zu 50.729.166 neue Aktien (plus 10,0 Prozent) können aus der Wandelanleihe 2024 entstehen, sobald der Kurs den Wandlungspreis von 9,60 Euro dauerhaft übersteigt.
  • Rund 10,9 Prozent der Aktien sind einem sanktionierten Großaktionär zugerechnet und nach Einschätzung des Vorstands derzeit weder übertragbar noch stimmberechtigt.
  • Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde am 22. April 2026 auf 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro gesenkt und die Umsatzprognose ausgesetzt; geopolitische Ereignisse schlagen bei TUI unmittelbar auf das Ergebnis durch (Iran-Krieg 40 Millionen, Hurrikan Melissa in Jamaika 5 Millionen Euro allein im zweiten Geschäftsquartal 2026).

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Postkarten-Falle. Die Vorderseite dieser Karte ist wirklich schön: Ein Konzern, der 2020 und 2021 zusammen mehr als 5,6 Milliarden Euro verloren hat, verdient fünf Jahre später wieder Geld, senkt Schulden, wird von den Ratingagenturen hochgestuft und zahlt zum ersten Mal seit der Pandemie eine Dividende. Wer das kleinredet, hat nicht hingesehen.

Aber die Rückseite steht eben auch da. Sie sagt, dass das Geld nicht dort verdient wird, wo das Logo klebt, sondern in den Hotels und auf den Schiffen. Sie sagt, dass von 8,5 Milliarden Euro eingezahltem Kapital 2,7 Milliarden übrig sind und der größte Bilanzposten des Eigenkapitals ein Firmenwert ist, den man nicht anfassen kann. Sie sagt, dass ein Zehntel der Aktien eingefroren ist und ein weiteres Zehntel bei 9,60 Euro darauf wartet, neu zu entstehen. Und sie sagt, dass ein Krieg im März reicht, um im April die Jahresprognose zu senken.

Keine dieser Zahlen widerlegt die andere. Sie stehen alle auf derselben Karte. Wer TUI kauft, weil er den Urlaub mochte, kauft die Vorderseite. Wer beide Seiten liest, weiß wenigstens, worauf er sich einlässt — und kann am 12. August 2026, wenn die nächste Quartalsmitteilung kommt, die richtigen Fragen stellen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in TUI-Aktien.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 4.731,6 16.544,9 20.665,9 23.167,3 24.178,7
Betriebsergebnis (EBIT) -2.284,7 303,3 621,8 900,3 1.187,3
Nettogewinn -2.480,9 -212,6 305,8 507,1 635,9
Nettomarge -52,4 % -1,3 % 1,5 % 2,2 % 2,6 %
Gewinn je Aktie -25,61 € -1,26 € 0,75 € 0,98 € 1,14 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Erholung und Ergebnis positiv
Das Geschäftsjahr 2025 (bis 30. September 2025) brachte 24.178,7 Millionen Euro Umsatz und mit 1.413,1 Millionen Euro bereinigtem EBIT nach eigener Angabe den besten Wert seit der Verschmelzung von 2014. Fünf Jahre zuvor stand ein Verlust von 3.148,4 Millionen Euro in den Büchern.
Ergebnisquellen im Konzern negativ
Von den 1.413,1 Millionen Euro bereinigtem EBIT kamen 1.283,2 Millionen aus Hotels, Kreuzfahrten und Ausflügen. Der Bereich Markets & Airline verdiente nur noch 199,9 Millionen — 34,2 Prozent weniger als im Vorjahr; die Westliche Region rutschte von plus 10,3 auf minus 21,6 Millionen Euro.
Bilanzsubstanz negativ
Eigenkapitalquote 14,8 Prozent zum 30. September 2025 (Vorjahr 10,2 Prozent). Kapitalrücklagen von 7.980,4 Millionen Euro stehen aufgelaufenen Verlusten von 6.725,4 Millionen gegenüber; der Firmenwert von 2.933,6 Millionen übersteigt das Aktionärs-Eigenkapital von 1.762,4 Millionen um rund zwei Drittel.
Verschuldung und Finanzierung positiv
Nettoverschuldung im Geschäftsjahr 2025 um 20,5 Prozent auf 1.304,9 Millionen Euro gesenkt, Verschuldungsgrad von 0,8 auf 0,6. Ratingaufstufungen auf BB− (Standard & Poor's), Ba3 (Moody's) und erstmals BB (Fitch); im Februar 2026 hob Moody's den Ausblick für Ba3 zusätzlich auf positiv, Fitch bestätigte BB (stabil). Syndizierte Kreditlinien von rund 2,0 Milliarden Euro bis März 2030 waren zum Stichtag nicht in bar gezogen, alle Finanzauflagen erfüllt.
Aktionärsstruktur und Verwässerung negativ
Rund 10,9 Prozent der 507.431.033 Aktien sind einem sanktionierten Großaktionär zugerechnet und nach Einschätzung des Vorstands weder übertragbar noch stimmberechtigt. Aus der Wandelanleihe 2024 können ab einem Kurs von 9,60 Euro bis zu 50.729.166 neue Aktien entstehen (plus 10,0 Prozent).
Prognose und Sensitivität neutral
Am 22. April 2026 senkte TUI die Prognose auf ein bereinigtes EBIT von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro und setzte die Umsatzprognose aus. Der Iran-Krieg kostete allein im zweiten Geschäftsquartal 2026 rund 40 Millionen Euro, Hurrikan Melissa in Jamaika weitere 5 Millionen — operativ verbesserte sich das Halbjahresergebnis dennoch um 45 auf minus 111 Millionen Euro.

TUI hat die Pandemie überstanden und liefert operativ ab: Rekord beim bereinigten Ergebnis, sinkende Schulden, drei Ratingaufstufungen, erste Dividende seit Jahren. Doch das Geld kommt fast vollständig aus Hotels und Kreuzfahrtschiffen, während der namensgebende Reiseveranstalter samt Airline ein Drittel seines Ergebnisses verlor. Die Bilanz trägt die Vergangenheit sichtbar mit sich: 6.725,4 Millionen Euro aufgelaufene Verluste, ein Firmenwert größer als das Aktionärs-Eigenkapital, ein eingefrorenes Aktienpaket und eine Wandelanleihe, die bei 9,60 Euro zehn Prozent neue Aktien schaffen kann. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier nicht wegen einer Existenzfrage. TUI erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen operativen Mittelzufluss von 1.728,5 Millionen Euro, senkte die Nettoverschuldung auf 1.304,9 Millionen, erfüllte zum 30. September 2025 alle Finanzauflagen, hatte rund 2,0 Milliarden Euro Kreditlinien unangetastet und wurde von allen drei Ratingagenturen heraufgestuft. Ein Substanzrisiko im Sinne einer Fortführungsfrage ist damit nicht belegt. Gelb steht, weil zwei wesentliche operative Fragen offen sind. Erstens die Ergebnisquelle: Der Bereich Markets & Airline, der den Namen des Konzerns trägt, verdiente im Geschäftsjahr 2025 nur noch 199,9 statt 303,9 Millionen Euro, und die Westliche Region rutschte ins Minus — der Konzern hängt am Erfolg der eigenen Hotels und Schiffe, während der Umbau des Vertriebs noch läuft. Zweitens die Bilanzsubstanz: Ein Firmenwert von 2.933,6 Millionen Euro über einem Aktionärs-Eigenkapital von 1.762,4 Millionen bedeutet, dass eine Abschreibung auf diesen Posten das Polster überfordern würde; das materielle Eigenkapital ist rechnerisch negativ. Dazu kommen zwei Sonderlagen bei den Aktien selbst: rund 10,9 Prozent eingefroren, bis zu 10,0 Prozent aus einer Wandelanleihe potenziell neu. Die gesenkte Prognose vom 22. April 2026 zeigt zusätzlich, wie unmittelbar geopolitische Ereignisse auf dieses Geschäft durchschlagen. Ob der Umbau schneller wirkt als die Belastungen, zeigt frühestens die Quartalsmitteilung vom 12. August 2026.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger dieser Analyse ist die Foren-Rangliste von wallstreet-online (meistdiskutierte Aktien deutscher Privatanleger) mit Stichtag 7. August 2026 — eine Popularitäts-, keine Qualitätsmessung. Alle Unternehmenszahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 10. Dezember 2025), der Halbjahres-Pressemitteilung vom 13. Mai 2026, der Ad-hoc-Mitteilung vom 22. April 2026 und der Pressemitteilung vom 18. April 2023.
  • TUI ist kein US-Meldeunternehmen: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q, die EDGAR-Suche nach TUI und TUI1 liefert keine Fundstelle (geprüft 7. August 2026). Belegquelle sind ausschließlich die Pflichtveröffentlichungen nach deutschem Recht. Das Geschäftsjahr endet am 30. September; die Quartalsmitteilung für das dritte Geschäftsquartal 2026 erscheint laut Finanzkalender am 12. August 2026 und lag zum Redaktionsschluss dieser Analyse (7. August 2026) noch nicht vor.
  • Verwechslungsgefahr: Die Kennzahl „bereinigtes EBIT“ ist TUIs eigene Steuerungsgröße und lag im Geschäftsjahr 2025 mit 1.413,1 Millionen Euro über dem ausgewiesenen EBIT von 1.368,9 Millionen. Zusätzlich nennt TUI regelmäßig einen Wert „zu konstanten Wechselkursen“ (1.458,9 Millionen Euro) — in Überschriften steht meist dieser höchste der drei Werte.

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Diese Analyse ist Stand 7. August 2026. Was sich seitdem bei TUI1.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Ganz überwiegend mit eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen. Von 1.413,1 Millionen Euro bereinigtem EBIT im Geschäftsjahr 2025 kamen 1.283,2 Millionen aus dem Bereich Holiday Experiences (Hotels & Resorts 735,0 Millionen, Kreuzfahrten 481,1 Millionen, TUI Musement 67,2 Millionen). Der Bereich Markets & Airline mit Reiseveranstaltern, Reisebüros und Fluggesellschaften trug nur 199,9 Millionen bei.

Weil es der Reisesaison folgt. Das Geschäftsjahr 2025 lief vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025, sodass die komplette Sommersaison in ein Geschäftsjahr fällt. Wenn TUI von „Q1“ spricht, meint der Konzern Oktober bis Dezember — das saisonal schwächste Quartal, in dem regelmäßig ein Verlust anfällt.

Nein. TUI notiert im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse und im MDAX, nicht in den USA. Es gibt keinen Geschäftsbericht (10-K) und keinen Quartalsbericht (10-Q) bei der US-Börsenaufsicht SEC. Pflicht sind ein testierter IFRS-Geschäftsbericht, ein Halbjahresfinanzbericht und Quartalsmitteilungen. Die Londoner Zweitnotierung endete am 21. Juni 2024.

Die Eigenkapitalquote lag am 30. September 2025 bei 14,8 Prozent nach 10,2 Prozent im Vorjahr. Dahinter stehen 7.980,4 Millionen Euro Kapitalrücklagen gegen 6.725,4 Millionen Euro aufgelaufene Verluste. Der Firmenwert von 2.933,6 Millionen Euro übersteigt das den TUI-AG-Aktionären zurechenbare Eigenkapital von 1.762,4 Millionen Euro um rund zwei Drittel.

TUI hat im Juli 2024 eine Wandelanleihe über 487,0 Millionen Euro zu 1,95 Prozent Zins begeben, fällig im Juli 2031. Der Wandlungspreis liegt bei 9,60 Euro je Aktie. Bei vollständiger Wandlung entstehen bis zu 50.729.166 neue Aktien, also 10,0 Prozent zusätzlich. Deshalb weist TUI für das Geschäftsjahr 2025 ein verwässertes Ergebnis je Aktie von 1,17 statt 1,25 Euro aus.

Der Geschäftsbericht 2025 hält fest, dass der Vorstand die Alexey Mordashov zugerechneten Aktien derzeit für weder übertragbar noch stimmberechtigt hält — Folge der EU-Sanktionen von 2022. Vor der Kapitalerhöhung im April 2023 lag der Anteil bei rund 30,9 Prozent; weil keine Bezugsrechte gewährt wurden, sank er auf rund 10,9 Prozent.

Ja. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde erstmals seit der Pandemie eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie ausgeschüttet; der Ex-Dividenden-Tag war der 11. Februar 2026. Ab dem Geschäftsjahr 2026 sollen 10 bis 20 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie ausgeschüttet werden.

TUI erwartet seit dem 22. April 2026 ein bereinigtes EBIT von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro zu konstanten Wechselkursen statt eines Wachstums von 7 bis 10 Prozent; die Umsatzprognose wurde ausgesetzt. Grund waren der Iran-Krieg (rund 40 Millionen Euro Belastung, rund 10.000 zurückgeholte Gäste) und die daraus folgende Zurückhaltung bei Buchungen.

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