Kingstone: Platz 4 im Zulu-Screen — und ein Kälteeinbruch, der die ganze Rechnung kippt
Kingstone versichert Wohngebäude fast ausschließlich im Süden des Bundesstaats New York. Im Rekordjahr 2025 lag die Schaden-Kosten-Quote bei 75,0 Prozent, die Katastrophenlast bei nur 1,2 Punkten — dem niedrigsten Wert seit Jahren. Ein Quartal später kostete eine Frostperiode im Februar 14,5 Millionen US-Dollar, die Quote sprang auf 112,0 Prozent, und aus dem Gewinn wurde ein Verlust von 0,40 US-Dollar je Aktie. Wir rechnen nach, was die Aktie auf eine durchschnittliche Katastrophenlast kostet — und warum bei einem Versicherer ausgerechnet die Rückversicherung der eigentliche Gewinnhebel ist.
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Es gibt eine Denkfalle, die bei Versicherungsaktien besonders zuverlässig zuschnappt. Nennen wir sie den Schönwetter-Trugschluss. Er geht so: Ein Versicherer verdient zwei Jahre lang glänzend. Die Kennzahlen sehen billig aus, die Rendite hoch, die Bilanz solide. Also muss das Unternehmen gut geführt sein. In Wahrheit kann es genauso gut bedeuten, dass es zwei Jahre lang einfach nicht richtig gestürmt hat.
Bei Kingstone Companies, Inc. (Nasdaq: KINS) lässt sich dieser Trugschluss auf den Tag genau datieren. Die Aktie steht auf Platz 4 von vier Treffern in unserem Scanner nach dem Zulu-Prinzip von Jim Slater — einem Filter, der Wachstum zum Schnäppchenpreis sucht. Sie ist damit der letzte Treffer einer Liste, die im gesamten Universum nur vier Namen findet.
Und sie hat gerade vorgeführt, wie schnell so eine Rechnung kippt. Im Rekordjahr 2025 lag die Schaden-Kosten-Quote bei 75,0 Prozent, der Gewinn je Aktie bei 2,88 US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 lag dieselbe Quote bei 112,0 Prozent, und es blieb ein Verlust von 0,40 US-Dollar je Aktie. Dazwischen lag kein Hurrikan. Dazwischen lag eine Frostperiode im Februar. Machen wir also einen Deal: Wir schauen uns an, was dieser Versicherer wirklich verdient, wenn das Wetter durchschnittlich ist. Die Quellen sind die Berichte, die Kingstone bei der US-Börsenaufsicht SEC einreicht — der Geschäftsbericht 10-K für 2025 vom 16. März 2026, der Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 und die Geschäftsberichte der Jahre davor. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.
Inhaltsübersicht
- Was Kingstone eigentlich macht — ein Bundesstaat, ein Küstenstreifen
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 4 von vier
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das billige KGV ist die Rückseite eines schadenarmen Jahres
- Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Gewinnhebel heißt Rückversicherung — und er wurde gerade umgelegt
- Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Bundesstaat, 98,7 Prozent, kein Ausweichen
- Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Drei Zulu-Kriterien messen bei einem Versicherer nichts
- Bewertung: drei Kurs-Gewinn-Verhältnisse für dieselbe Aktie
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Kingstone eigentlich macht — ein Bundesstaat, ein Küstenstreifen
Kingstone ist eine Holding mit genau einem operativen Kern: der Kingstone Insurance Company, kurz KICO, einem in New York zugelassenen Schaden- und Unfallversicherer. Verkauft wird über selbstständige Makler und Agenturen, nicht über eigene Filialen. Das größte Geschäftsfeld ist das Privatkundengeschäft — Wohngebäude-, Feuer-, Wohnungseigentums-, Hausrat- und private Haftpflichtpolicen. Dazu kommen Kaskopolicen für Mietwagen- und Taxibetriebe.
Die entscheidende Zahl steht gleich im ersten Absatz des Quartalsberichts: Im ersten Quartal 2026 stammten 98,7 Prozent der direkt gezeichneten Prämien aus New York-Policen, im Gesamtjahr 2025 waren es 98,0 Prozent. Zugelassen ist KICO zwar auch in New Jersey, Rhode Island, Massachusetts, Connecticut, Pennsylvania, New Hampshire und Maine — aktiv gezeichnet wird aber praktisch nur in New York, und dort überwiegend im Süden des Bundesstaats: Long Island und die äußeren Bezirke New York Citys. Küstenlage.
Die Größenordnung: 277,8 Millionen US-Dollar direkt gezeichnete Prämien im Jahr 2025 (2024: 242,0 Millionen), 80.432 Policen in Kraft zum 31. Dezember 2025 (Vorjahr: 77.656), 113 Beschäftigte, 465,3 Millionen US-Dollar Bilanzsumme zum 31. März 2026. Nach eigener Angabe im Quartalsbericht war KICO 2025 der elftgrößte Wohngebäudeversicherer im Bundesstaat New York; für 2024 nennt der Geschäftsbericht Platz zwölf.
Warum das Geschäft gerade wächst, hat einen Namen, den Kingstone selbst vergeben hat: die Änderung der Marktdynamik. Am 2. August 2024 kündigten zwei große Wettbewerber an, ihr Privatkundengeschäft im Bundesstaat New York abzuwickeln und den gesamten Bestand noch vor Jahresende nicht zu verlängern oder vorzeitig zu kündigen. Deren Kunden brauchten neue Verträge. Am 14. April 2025 kam ein zweiter Fall dazu: Ein weiterer Wettbewerber mit rund 70 Millionen US-Dollar gezeichneter Prämie zog sich aus dem zugelassenen Privatkundengeschäft zurück; die dazugehörige Abwicklungsvereinbarung wurde von der New Yorker Finanzaufsicht DFS genehmigt und erlaubt es Kingstone, ausgewählten Versicherungsnehmern ein Ersatzangebot zu machen.
Kingstone hat daraus einen Plan gemacht: 500 Millionen US-Dollar direkt gezeichnete Prämien bis 2029 — eine Verdopplung. Zwei erste Schritte über New York hinaus sind bereits belegt: Die Tochter Kingstone America Insurance Company erhielt am 1. Mai 2026 die Zulassung in Connecticut und soll später im Jahr 2026 mit der Zeichnung beginnen; die Agentur-Tochter Cosi wurde im April 2026 in Kalifornien lizenziert.
Ein Satz zum Merken für den Rest des Textes: Bei einem Versicherer ist der Gewinn eines Jahres keine Leistung, sondern eine Differenz — zwischen dem, was kassiert wurde, und dem, was in genau diesem Jahr zufällig passiert ist. Genau daran scheitern gleich mehrere Kennzahlen, die für Fabriken gebaut wurden.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 4 von vier
Wir lassen täglich mehrere tausend Aktien durch unsere Scanner laufen. Kingstone kam über den Filter „Jim Slater: Zulu Principle“ auf die Rechercheliste. Der britische Investor Jim Slater beschrieb in seinem Buch The Zulu Principle die Idee, sich auf ein kleines Gebiet zu spezialisieren und dort Wachstum zu kaufen, das noch nicht bezahlt ist. In unserem Scanner sind daraus sieben Bedingungen geworden, die alle gleichzeitig erfüllt sein müssen:
- Börsenwert höchstens 5 Milliarden US-Dollar
- Kurs-Gewinn-Verhältnis positiv
- erwartetes Wachstum des Gewinns je Aktie im nächsten Geschäftsjahr zwischen 15 und 30 Prozent
- Kurs-Gewinn-Verhältnis geteilt durch dieses Wachstum (PEG) höchstens 0,75
- Kurs-Cashflow positiv und niedriger als das Kurs-Gewinn-Verhältnis
- Verschuldungsgrad zwischen 0 und 0,5
- relative Stärke mindestens 50
So findest du die Zeile selbst: Scanner-Übersicht öffnen, Rubrik „Bewertung“, Filter „Jim Slater: Zulu Principle“ wählen. Am 28. Juli 2026 zeigte diese Liste im gesamten Universum genau vier Treffer, sortiert nach relativer Stärke: Dime Community auf Platz 1, First BanCorp auf Platz 2, Riley Exploration Permian auf Platz 3, Kingstone auf Platz 4. Drei der vier sind Finanzunternehmen — bei First BanCorp haben wir das in einer eigenen Analyse auseinandergenommen.
Die Zahlen zu Kingstone in dieser Zeile, Kurs-Stand 27. Juli 2026: Kurs 19,70 US-Dollar, Börsenwert rund 0,2 Milliarden, Kurs-Gewinn-Verhältnis 8,2, erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis 10,2, Kurs-Buchwert 2,2, Kurs zu freiem Mittelzufluss 3,9, Verschuldungsgrad 0,04, relative Stärke 57, Gewinn-Wachstums-Rating 88, Piotroski-Wert 4 von 9, Fundamental-Rating C (53 von 100). Die Aktie steht 12,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, liegt seit Jahresbeginn 2,8 Prozent im Plus und hat im letzten Monat 25,5 Prozent zugelegt.
Zwei Dinge auf derselben Seite verdienen einen zweiten Blick. Erstens: Die Spalte „PEG“ zeigt 3,28 — der Filter rechnet dagegen mit 0,53. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Definitionsfrage. Die Spalte übernimmt das Verhältnis aus den Fundamentaldaten, das mit einer langfristigen Wachstumsschätzung rechnet; der Filter teilt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,2 durch das erwartete Wachstum von 15,4 Prozent für das kommende Geschäftsjahr. Zweitens, und wichtiger: Dieses erwartete Wachstum von 15,4 Prozent liegt nur 0,4 Punkte über der Untergrenze des Filters. Eine kleine Rücknahme der Schätzungen, und die Aktie steht nicht mehr auf der Liste.
Und eine Abweichung, die wir offenlegen statt zu glätten: Das angezeigte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,2 und der Kurs-Cashflow von 3,9 rechnen mit einem Börsenwert, der einem Kurs von rund 17,6 US-Dollar entspricht — die Aktie ist im Juli 2026 schneller gestiegen, als die Kennzahl nachgezogen hat. Auf den ausgewiesenen Schlusskurs von 19,70 US-Dollar und den Gewinn der letzten zwölf Monate gerechnet liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 8,9. Wir rechnen im Folgenden mit der eigenen Zahl und nennen jedes Mal dazu, worauf sie beruht.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich gut aussieht, und das ist eine Menge. Das Jahr 2025 war das mit Abstand beste der Firmengeschichte: verdiente Nettoprämien 187,1 Millionen US-Dollar nach 128,5 Millionen (plus 45,6 Prozent), versicherungstechnisches Ergebnis 46,7 Millionen nach 25,6 Millionen, Vorsteuerergebnis 51,0 Millionen nach 23,3 Millionen, Jahresüberschuss 40,8 Millionen US-Dollar und ein Gewinn je Aktie von 2,88 US-Dollar nach 1,48 im Vorjahr.
Auch die Bilanz wurde in derselben Zeit repariert. Die 13,75-Prozent-Anleihe über 14,95 Millionen US-Dollar, die selbst schon der Nachfolger einer 12-Prozent-Anleihe war, wurde 2025 vollständig getilgt; übrig sind nur noch 4,1 Millionen US-Dollar Finanzierungsleasing für Ausrüstung (31. März 2026). Das Eigenkapital stieg von 34,5 Millionen (Ende 2023) über 66,7 Millionen (Ende 2024) auf 122,7 Millionen US-Dollar (Ende 2025). Und die Aufsicht zog nach: Bis zum 30. September 2025 durfte KICO nur nach einer Absprache mit der New Yorker Finanzaufsicht Dividenden an die Holding zahlen; seither ist diese Beschränkung aufgehoben.
Jetzt die Zeitreihe, die alles einordnet.
Diese Kennzahl ist bei einem Versicherer die wichtigste überhaupt, und Kingstone erklärt sie im eigenen Geschäftsbericht so knapp, dass wir sie wörtlich übernehmen:
„The key measure of relative underwriting performance for an insurance company is the combined ratio. An insurance company's combined ratio is calculated by taking the ratio of incurred loss and LAE to earned premiums (the 'loss and LAE ratio') and adding it to the ratio of policy acquisition and other underwriting expenses to earned premiums (the 'expense ratio'). A combined ratio under 100% indicates that an insurance company is generating an underwriting profit prior to the impact of investment income.“
Übersetzung: „Der entscheidende Maßstab für die relative Zeichnungsleistung eines Versicherers ist die Schaden-Kosten-Quote. Sie berechnet sich, indem man das Verhältnis der angefallenen Schäden und Schadenregulierungskosten zu den verdienten Prämien (die ‚Schadenquote‘) um das Verhältnis der Abschluss- und sonstigen Zeichnungskosten zu den verdienten Prämien (die ‚Kostenquote‘) ergänzt. Eine Quote unter 100 Prozent bedeutet, dass der Versicherer vor Berücksichtigung der Kapitalanlageerträge einen versicherungstechnischen Gewinn erzielt.“ — Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Combined Ratio“ (sec.gov)
Der Gewinn je Aktie zeichnet dieselbe Kurve: minus 0,70 US-Dollar (2021), minus 2,12 (2022), minus 0,57 (2023), plus 1,48 (2024), plus 2,88 (2025) — und minus 0,40 im ersten Quartal 2026. Über fünf Jahre gerechnet macht das im Schnitt 0,19 US-Dollar je Aktie. Das ist eine Reihe, die man einem Unternehmen mit 31,6 Prozent Eigenkapitalrendite nicht ansieht.
Zur Fairness gehört: Die drei Verlustjahre hatten nicht nur Wetterursachen. Kingstone stellte im Juli 2019 das Gewerbe- und Gewerbehaftpflichtgeschäft wegen anhaltend schlechter Ergebnisse vollständig ein; die Altverträge liefen aus, machen zum 31. März 2026 aber immer noch 9,9 Prozent der Netto-Schadenrückstellungen aus. Parallel zog sich das Haus aus dem Geschäft außerhalb New Yorks zurück — 2022 standen dort noch 39,0 Millionen US-Dollar direkt gezeichnete Prämien, 2023 fiel dieses Geschäft um 39,8 Prozent, heute sind es die genannten 2 Prozent. Und die Kostenquote fiel von 40,6 auf 30,0 Prozent. Das ist echte Sanierungsarbeit, nicht nur Glück.
An dieselbe Stelle gehört ein Befund, den man in den Zahlen nicht sieht, weil er hinter ihnen steht: Der Abschlussprüfer hat dem internen Kontrollsystem für das Jahr 2025 ein versagtes Urteil erteilt. CBIZ CPAs P.C. testierte den Jahresabschluss selbst uneingeschränkt — für die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems zum 31. Dezember 2025 gab dieselbe Kanzlei dagegen ein „adverse opinion“ ab. Der Grund ist eng umrissen und technisch: Für das Prämien-Angebotssystem und für das Hauptbuchsystem liegt kein sogenannter SOC-1-Type-2-Bericht des jeweiligen Anbieters vor — also keine externe Prüfbescheinigung über die Kontrollen beim Dienstleister. Weil beide Systeme Zahlen in den Abschluss liefern, kann sich das Management auf deren Kontrollen nicht stützen. Dieselbe Schwäche steht unverändert im Quartalsbericht zum 31. März 2026; auch die Offenlegungskontrollen gelten deshalb als nicht wirksam. Kingstone arbeitet nach eigener Angabe mit beiden Anbietern an einem Behebungsplan und erwartet die Erledigung bis zum 31. Dezember 2026. Einzuordnen ist das so: kein Fehler in den berichteten Zahlen, keine Nachbuchung, kein verspäteter Bericht — aber eine offene Baustelle in einem Haus, das erst seit Kurzem der Prüfpflicht für das interne Kontrollsystem unterliegt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das billige KGV ist die Rückseite eines schadenarmen Jahres
Jetzt die Zahl, um die sich in dieser Analyse alles dreht. Kingstone weist in jedem Geschäftsbericht aus, um wie viele Prozentpunkte Katastrophenschäden die Netto-Schadenquote erhöht haben. Diese Reihe ist der Schlüssel.
Im Jahr 2021 kosteten Katastrophen 10,3 Punkte der Schadenquote, allein 7,1 davon durch die Reste von Hurrikan Ida. 2022 waren es 6,7 Punkte (7.632.000 US-Dollar), getrieben von zwei Winterereignissen im ersten Quartal und Wintersturm Elliott im vierten. 2023 waren es 7,1 Punkte (8.155.000 US-Dollar). Dann kam der Bruch: 1,9 Punkte im Jahr 2024, 1,2 Punkte im Jahr 2025. Der Geschäftsbericht formuliert es selbst so nüchtern, dass man es überlesen kann: Der Süden New Yorks wurde 2025 von zwölf Ereignissen getroffen, „keines davon ein namentlich benannter Sturm“.
Der Fünfjahresschnitt 2021 bis 2025 liegt bei 5,4 Punkten. Das Rekordjahr 2025 lag also 4,2 Punkte unter dem eigenen Durchschnitt. Rechnen wir aus, was das wert ist. Ein Punkt Schadenquote entspricht bei 187,1 Millionen US-Dollar verdienten Nettoprämien rund 1,87 Millionen US-Dollar vor Steuern. 4,2 Punkte sind also 7,9 Millionen US-Dollar; nach dem für 2025 ausgewiesenen effektiven Steuersatz von 20,0 Prozent bleiben 6,3 Millionen, verteilt auf 13,93 Millionen gewichtete Aktien sind das 0,45 US-Dollar je Aktie.
- Ausgewiesener Gewinn 2025: 2,88 US-Dollar je Aktie — Kurs-Gewinn-Verhältnis 6,8.
- Auf eine durchschnittliche Katastrophenlast normalisiert: 2,43 US-Dollar — Kurs-Gewinn-Verhältnis 8,1.
- Auf ein Jahr wie 2021 (10,3 Punkte): 1,90 US-Dollar — Kurs-Gewinn-Verhältnis 10,4.
- Auf die letzten zwölf Monate bis 31. März 2026 (2,21 US-Dollar): Kurs-Gewinn-Verhältnis 8,9.
Das ist eine erfreulich unspektakuläre Spanne — anders als bei manchem Zykliker bricht die Bewertung hier nicht zusammen, wenn man normalisiert. Sie ist bloß nicht mehr auffällig billig. Aus „das 6,8-Fache“ wird „das 8,1- bis 10,4-Fache“, und damit ein Preis, den man für einen kleinen Regionalversicherer normal nennen würde.
Was die Rechnung nicht abbildet, hat das erste Quartal 2026 nachgeliefert. Lesen wir die Stelle im Original.
„The higher loss ratio in the Three Months of 2026 is due to a greater impact from catastrophes, in particular several large winter storm catastrophe events from January and February. The largest of these events was an extended period of subfreezing temperatures in early February resulting in a large number of pipe freeze claims. The total net catastrophe impact for the Three Months of 2026 was $14,499,000, which contributed 26.0 points to the loss ratio.“
Übersetzung: „Die höhere Schadenquote in den drei Monaten des Jahres 2026 geht auf eine stärkere Belastung durch Katastrophen zurück, insbesondere mehrere große Wintersturm-Katastrophenereignisse im Januar und Februar. Das größte dieser Ereignisse war eine anhaltende Periode mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt Anfang Februar, die zu einer großen Zahl von Rohrbruchschäden führte. Die gesamte Netto-Katastrophenbelastung betrug in den drei Monaten des Jahres 2026 14.499.000 US-Dollar und trug damit 26,0 Punkte zur Schadenquote bei.“ — Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov)
Drei Punkte daran sind wichtig. Erstens: Es war kein Jahrhundertsturm. Es war Frost. Zweitens: 14,5 Millionen US-Dollar in einem Quartal entsprechen, auf die Jahresprämien von 2025 gerechnet, allein schon 7,7 Punkten Jahres-Katastrophenlast — mehr als der Fünfjahresschnitt von 5,4 Punkten, und das nach einem einzigen Vierteljahr. Drittens, und das spricht für das Unternehmen: Die zugrundeliegende Schadenquote, also der Wert ohne Katastrophen und ohne Abwicklungsergebnis, lag mit 57,9 Prozent sogar besser als die 62,1 Prozent des Vorjahresquartals. Das laufende Geschäft war nicht schlechter. Es war nur kalt.
Ein zweiter ehrlicher Pluspunkt gehört an dieselbe Stelle, weil er einen häufigen Verdacht ausräumt. Gewinne bei Versicherern stammen oft aus dem Auflösen alter Rückstellungen — Geld aus der Vergangenheit, kein laufendes Geschäft. Bei Kingstone ist das nicht der Fall: Das Abwicklungsergebnis der Vorjahresschäden war 2022 mit 2.699.862 US-Dollar sogar ungünstig, 2023 mit 7.273 US-Dollar praktisch null, 2024 mit 1.779.827 und 2025 mit 1.083.663 US-Dollar günstig. Im Rekordjahr 2025 senkten diese Auflösungen die Schadenquote um gerade einmal 0,6 Punkte. Der Gewinn kam also aus dem Zeichnungsjahr selbst.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Gewinnhebel heißt Rückversicherung — und er wurde gerade umgelegt
Ein kleiner Versicherer verdient nicht nur daran, welche Risiken er zeichnet, sondern vor allem daran, welchen Anteil davon er selbst behält. Kingstone beschreibt dieses Instrument im eigenen Geschäftsbericht ungewöhnlich offen.
„Reinsurance via quota share allows a carrier to write business without increasing its underwriting leverage above a level determined by management. The business written under a quota share reinsurance structure obligates a reinsurer to assume some portion of the risks involved, and gives the reinsurer the profit (or loss) associated with such in exchange for a ceding commission.“
Übersetzung: „Quotenrückversicherung erlaubt es einem Versicherer, Geschäft zu zeichnen, ohne seinen Zeichnungshebel über ein von der Geschäftsleitung bestimmtes Niveau hinaus zu erhöhen. Das unter einer Quotenrückversicherung gezeichnete Geschäft verpflichtet den Rückversicherer, einen Teil der Risiken zu übernehmen, und überlässt ihm im Gegenzug für eine Rückversicherungsprovision den damit verbundenen Gewinn (oder Verlust).“ — Geschäftsbericht 10-K für 2025, Abschnitt „Reinsurance“ (sec.gov)
Genau dieser Regler wurde in zwei Schritten fast zugedreht. Die Abgabequote für das Privatkundengeschäft lag im Vertragsjahr 2024/2025 bei 27 Prozent, im Vertragsjahr 2025/2026 bei 16 Prozent und im laufenden Vertragsjahr 2026/2027 bei 5 Prozent. Nur für Kalifornien — das neue Gebiet — wurden gleich 30 Prozent abgegeben, was einiges über die Risikoeinschätzung des eigenen Hauses sagt.
Die Wirkung ist doppelt. Auf der Ertragsseite: Die abgegebenen Quotenprämien fielen von 50.539 Tausend US-Dollar (2024) auf 23.828 Tausend (2025), und weil weniger abgegeben wird, stiegen die netto gezeichneten Prämien um 38,6 Prozent auf 213.719 Tausend US-Dollar, während die direkt gezeichneten nur um 14,8 Prozent zulegten. Ein guter Teil des gefeierten Prämienwachstums ist also gar kein neues Geschäft, sondern zurückgeholtes Risiko. Auf der Kostenseite: Die Provisionserträge aus der Abgabe, die die Fixkosten mittragen, fielen von 18.837.946 auf 15.674.971 US-Dollar im Jahr und im ersten Quartal 2026 von 2.958.691 auf 1.403.876 US-Dollar — mehr als eine Halbierung.
Was das für die Kapitalausstattung bedeutet, zeigt der Zeichnungshebel: netto gezeichnete Prämien geteilt durch das statutorische Eigenkapital der Versicherungstochter. Er lag Ende 2024 bei 2,01 (154.230 von 76.704 Tausend US-Dollar) und Ende 2025 bei 2,15 (213.719 von 99.198 Tausend). Bei einer Abgabequote von nur noch 5 Prozent muss dieser Wert 2026 weiter steigen, sofern das Kapital nicht ebenso schnell mitwächst — und im ersten Quartal 2026 fiel das Konzern-Eigenkapital von 122,7 auf 114,5 Millionen US-Dollar.
Zur Risikokapitalquote selbst, nach der man bei kleinen Versicherern zuerst fragen würde, sagt Kingstone im Geschäftsbericht nur, dass das anrechenbare Gesamtkapital in beiden Berichtsjahren über der aufsichtlichen Aufgreifschwelle lag. Eine Prozentzahl nennt das Unternehmen nicht. Das ist zulässig, aber es ist eben auch keine Auskunft. Was genannt wird: Das statutorische Eigenkapital von KICO stieg von 76,7 auf 99,2 Millionen US-Dollar, der statutorische Jahresüberschuss von 23,3 auf 38,7 Millionen — und KICO durfte an die Holding 2025 erstmals wieder Dividenden zahlen, nämlich 7,95 Millionen US-Dollar nach null im Vorjahr.
Der zweite Teil des Rückversicherungsprogramms schützt gegen den einen großen Sturm — und der ist beeindruckend groß. Zum 1. Juli 2025 hob Kingstone die obere Grenze der Katastrophendeckung von 280 auf 440 Millionen US-Dollar an, nach eigener Modellrechnung genug für ein Ereignis, wie es statistisch alle hundert Jahre vorkommt. Die Deckung setzt bei 5 Millionen US-Dollar Schaden ein; nach eigener Angabe behält Kingstone seit dem 1. Januar 2026 je Katastrophenereignis 5,5 Millionen US-Dollar Risiko. Für die Deckungsschicht zwischen 10 und 60 Millionen ist die Wiederauffüllungsprämie abgesichert, das Unternehmen muss also nach einem Ereignis dieser Größe nicht für die Wiederherstellung der Deckung nachzahlen. Und ein Teil des Turms steht mehrjährig fest: eine Katastrophenanleihe über 125 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 4,5 Prozent, begeben über die bermudische Zweckgesellschaft 1886 Re Ltd., die vier jährliche Risikoperioden vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juni 2029 abdeckt.
Genau hier steckt die Pointe: Dieses Programm schützt gegen den einen großen Sturm, nicht gegen eine Reihe mittlerer Ereignisse. Das erste Quartal 2026 hat den Beweis geliefert — 14,5 Millionen US-Dollar Netto-Schaden aus mehreren Winterereignissen. Für Winterstürme galt in dieser Zeit eine eigene Zusatzdeckung, die vom 15. Oktober 2025 bis zum 30. April 2026 90 Prozent von 5 Millionen US-Dollar oberhalb eines Selbstbehalts von 5 Millionen übernahm — höchstens 4,5 Millionen US-Dollar. Alles darüber blieb bei Kingstone.
Und dann ist da eine Fußnote im Quartalsbericht, die man leicht überliest.
Kingstone erneuert diese Verträge traditionell zum 1. Juli, und dass die Erneuerung stattfindet, ist der Normalfall. Zu welchem Preis, ist die eigentliche Frage — das Unternehmen sagt selbst, dass es die Marktbedingungen für Rückversicherung nicht kontrolliert und dass es bei zu teuren Konditionen entweder mehr Risiko selbst tragen oder weniger Geschäft zeichnen müsste. Die Antwort steht im nächsten Quartalsbericht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Bundesstaat, 98,7 Prozent, kein Ausweichen
Kingstone benennt seine Konzentration in den Risikofaktoren selbst — als eigene Überschrift.
„Because substantially all of our revenue is currently derived from sources located in New York, our business may be adversely affected by conditions in such state.“
Übersetzung: „Weil praktisch unsere gesamten Erträge derzeit aus Quellen im Bundesstaat New York stammen, kann unser Geschäft durch die dortigen Verhältnisse beeinträchtigt werden.“ — Geschäftsbericht 10-K für 2025, Risikofaktoren (sec.gov)
Das hat drei Ausprägungen. Wetter: Der Bestand liegt in Küstennähe, Kingstone zeichnet nach eigener Aussage bewusst in Küstenmärkten und arbeitet mit Hurrikan-Selbstbehalten. Ein einziger namentlich benannter Sturm über Long Island trifft nicht einen Teil des Bestands, sondern den ganzen.
Aufsicht: Preise für Wohngebäudeversicherung müssen in New York genehmigt werden. Der Bundesstaat hat im August 2025 eine umfassende Datenabfrage zum Zustand des Sachversicherungsmarkts gestartet, im November 2025 folgte eine Anhörung, in der unter anderem das Verfahren der Prämienfestsetzung und die Treiber von Prämienerhöhungen befragt wurden. Zusätzlich traten am 2. Februar 2026 neue Vorgaben für Hurrikan-Selbstbehalte in Kraft. Wer nur in einem Bundesstaat zeichnet, hat gegen eine ungünstige Regeländerung kein Gegengewicht.
Vertrieb: Kingstone verkauft ausschließlich über selbstständige Makler und Agenturen. Die 25 größten Makler brachten 2025 zusammen 39 Prozent der Bruttoprämien. Und die Finanzstärkebewertung, an der Hypothekenbanken hängen, kommt seit Juli 2023 nur noch von einer Agentur: Damals zog A. M. Best auf Wunsch von KICO die Bewertung zurück, weil das Unternehmen den interaktiven Bewertungsprozess nicht länger mitmachen wollte. Geblieben ist eine Bewertung von A bei Demotech — der Agentur, die Kingstone selbst als die unter Küstenversicherern gebräuchlichste bezeichnet.
Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenrechnung: Genau diese Konzentration ist derzeit der Wachstumstreiber. Weil sich große Anbieter aus dem New Yorker Privatkundenmarkt zurückgezogen haben, kommt Geschäft zu Kingstone, ohne dass das Haus dafür im Preis kämpfen müsste. Die Policenzahl stieg 2025 nur um 3,6 Prozent, die direkt gezeichneten Prämien aber um 14,8 Prozent — der Rest kam aus höheren Versicherungssummen wegen gestiegener Wiederbeschaffungskosten und aus Prämienanpassungen. Diese Konstellation ist gut, solange sie anhält. Sie ist kein Burggraben.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Drei Zulu-Kriterien messen bei einem Versicherer nichts
Jim Slater schrieb über Industrie- und Wachstumsunternehmen. Bei einem Versicherer verlieren mehrere seiner Prüfungen ihren Sinn — nicht, weil man großzügiger sein müsste, sondern weil die Formeln ein anderes Geschäftsmodell unterstellen.
Erstens der Verschuldungsgrad. Der Filter verlangt höchstens 0,5, Kingstone zeigt 0,04. Das ist rechnerisch richtig: Den 4,1 Millionen US-Dollar Finanzierungsleasing steht ein Eigenkapital von 114,5 Millionen gegenüber (31. März 2026). Nur besteht die Passivseite eines Versicherers gar nicht aus Finanzschulden. Zum 31. März 2026 standen dort 171,7 Millionen US-Dollar Schadenrückstellungen und 153,6 Millionen US-Dollar Beitragsüberträge — zusammen 325,4 Millionen, gegen die der Verschuldungsgrad blind ist. Diese Posten sind das eigentliche Fremdkapital eines Versicherers, und sie sind der Grund, warum ein Versicherer bei einem Schadenereignis nicht langsam, sondern sofort Kapital verliert.
Zweitens der Kurs-Cashflow. Der Filter will, dass der operative Mittelzufluss über dem Gewinn liegt — bei Slater der Beweis, dass ein Gewinn „mit Bargeld unterlegt“ ist. Kingstone erfüllt das mit Abstand: 75,9 Millionen US-Dollar Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit im Jahr 2025 gegen 40,8 Millionen Jahresüberschuss. Nur ist das bei einem wachsenden Versicherer kein Qualitätsbeweis, sondern Arithmetik: Prämien fließen im Voraus, Schäden werden später bezahlt. Die Beitragsüberträge stiegen 2025 von 134,7 auf 154,0 Millionen US-Dollar, die Netto-Schadenrückstellungen von 93,9 auf 107,3 Millionen. Diese 32,7 Millionen sind Geld auf dem Konto, das dem Versicherer nicht gehört. Die Gegenprobe: Im Jahr 2023, als das Geschäft schrumpfte, war der operative Mittelzufluss mit minus 11,3 Millionen US-Dollar negativ.
Drittens der Altman-Z-Wert. Unser Datenblatt weist 2,90 aus, auf der hier verwendeten Skala mit den Grenzen 1,1 (Gefahrenzone) und 2,6 (sichere Zone) also knapp im grünen Bereich. Diese Formel ist an Industrieunternehmen entwickelt worden und für Versicherer, Banken und Immobilienwerte ausdrücklich nicht gemacht — unser eigenes Datenblatt sagt das an derselben Stelle dazu. Wir verwenden den Wert in dieser Analyse nicht als Solvenzaussage. Aussagekräftig sind stattdessen die Schaden-Kosten-Quote, der Zeichnungshebel und das statutorische Eigenkapital der Versicherungstochter.
Zwei weitere Zahlen im Datenblatt gehören in dieselbe Kategorie: Eine „Bruttomarge“ von 21,1 Prozent und ein Unternehmenswert zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen von 76,8 setzen Größen ins Verhältnis, die es bei einem Versicherer in dieser Form nicht gibt. Wer ähnliche Rechnungen an einem größeren Schaden- und Unfallversicherer nachvollziehen will, findet sie in unserer Analyse zu United Fire Group, wo die Schaden-Kosten-Quote ebenfalls die entscheidende Kennzahl ist.
Bewertung: drei Kurs-Gewinn-Verhältnisse für dieselbe Aktie
Zum Bewertungsanker vom 27. Juli 2026 — Kurs 19,70 US-Dollar, 14.484.841 Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 5. Mai 2026), Börsenwert rund 285 Millionen US-Dollar — ergibt sich folgendes Bild:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis 6,8 auf den Gewinn von 2025 (2,88 US-Dollar je Aktie), 8,9 auf die letzten zwölf Monate bis 31. März 2026 (2,21 US-Dollar), 8,1 auf einen um die durchschnittliche Katastrophenlast normalisierten Gewinn (2,43 US-Dollar) und 10,4 bei einer Katastrophenlast wie 2021.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,49 — Buchwert je Aktie 7,91 US-Dollar zum 31. März 2026 (114.504.510 US-Dollar Eigenkapital, 14.482.603 ausstehende Aktien). Für einen Sachversicherer ist das ein sportlicher Preis: Er unterstellt, dass die Eigenkapitalrendite dauerhaft deutlich über den Eigenkapitalkosten liegt. In den zwölf Monaten bis 31. März 2026 lag sie bei 31,6 Prozent — in den drei Jahren davor war sie negativ.
- Dividendenrendite rund 1,2 Prozent: Am 23. Juli 2026 beschloss der Verwaltungsrat eine Quartalsdividende von 0,06 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 26. August 2026, nach 0,05 US-Dollar im Vorquartal. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 0,24 US-Dollar oder rund 11 Prozent des Gewinns der letzten zwölf Monate.
Auf den Fünfjahresschnitt des ausgewiesenen Gewinns (0,19 US-Dollar je Aktie) gerechnet wäre das Kurs-Gewinn-Verhältnis dreistellig. Wir führen diese Zahl der Vollständigkeit halber auf, halten sie aber für die schwächste der vier — weil die Jahre 2021 bis 2023 ein Unternehmen abbilden, das es so nicht mehr gibt: mit einem Gewerbeversicherungsbestand in Abwicklung, mit Geschäft außerhalb New Yorks und mit einer Kostenquote von über 36 Prozent statt heute 30,0.
Zum Blick der Profis: Der institutionelle Anteil liegt bei 54,6 Prozent, der Streubesitz bei 79,9 Prozent, die Leerverkaufsquote bei 2,2 Prozent. Das mittlere Kursziel der Analysten liegt rund 26 Prozent über dem Bewertungsanker. Die Aktie hat ein Beta von 0,43 — sie schwankt im Alltag also weniger als der Markt. Das ist eine Eigenschaft, die man bei einem Versicherer nicht mit Sicherheit verwechseln sollte: Das Risiko liegt hier nicht in der täglichen Schwankung, sondern in einem Ereignis, das in der Statistik der letzten zwei Jahre nicht vorkommt.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was dafür spricht:
- Echte Sanierung, belegt über fünf Jahre: Kostenquote von 40,6 (2021) auf 30,0 Prozent (2025), Ausstieg aus dem Gewerbegeschäft (seit Juli 2019 in Abwicklung, zuletzt 9,9 Prozent der Netto-Rückstellungen), Rückzug aus dem Geschäft außerhalb New Yorks.
- Der Gewinn 2025 stammt nicht aus Reserveauflösungen: Das günstige Abwicklungsergebnis senkte die Schadenquote um nur 0,6 Punkte (1.083.663 US-Dollar); 2022 war das Abwicklungsergebnis sogar ungünstig.
- Bilanz saniert: 13,75-Prozent-Anleihe 2025 vollständig getilgt, Finanzschulden nur noch 4,1 Millionen US-Dollar, Eigenkapital von 34,5 (Ende 2023) auf 122,7 Millionen (Ende 2025), statutorisches Eigenkapital von KICO von 76,7 auf 99,2 Millionen; die Dividendenbeschränkung der Aufsicht fiel zum 30. September 2025.
- Rückenwind aus dem Markt: Zwei große Wettbewerber verließen im August 2024 das New Yorker Privatkundengeschäft, ein weiterer mit rund 70 Millionen US-Dollar Prämie im April 2025 — die verdienten Nettoprämien stiegen 2025 um 45,6 Prozent.
- Der Katastrophenschutz ist groß und teilweise mehrjährig gesichert: 440 Millionen US-Dollar Deckung, davon 125 Millionen über eine Katastrophenanleihe mit Laufzeit bis 30. Juni 2029; Wiederauffüllungsprämie für 50 Millionen Deckung abgesichert.
- Das laufende Geschäft war auch im schlechten Quartal gut: zugrundeliegende Schadenquote im ersten Quartal 2026 bei 57,9 Prozent nach 62,1 Prozent im Vorjahresquartal.
Was dagegen spricht:
- Das billige Kurs-Gewinn-Verhältnis beruht auf der niedrigsten Katastrophenlast der letzten fünf Jahre (1,2 Punkte gegen 5,4 im Schnitt). Auf den Schnitt normalisiert steigt es von 6,8 auf 8,1, bei einem Jahr wie 2021 auf 10,4.
- Das erste Quartal 2026 hat es bereits vorgeführt: 26,0 Punkte Katastrophenlast aus Winterereignissen, Schaden-Kosten-Quote 112,0 Prozent, Verlust von 0,40 US-Dollar je Aktie — ohne dass ein namentlich benannter Sturm nötig war.
- Der Selbstbehalt steigt in jeder Runde: Einzelschaden-Selbstbehalt von 530.000 (2024) über 640.000 und 715.000 auf 825.000 US-Dollar (2026); Netto-Selbstbehalt je Katastrophenereignis seit 1. Januar 2026 bei 5,5 Millionen.
- Die Quotenrückversicherung fiel von 27 auf 16 auf 5 Prozent. Kingstone behält also deutlich mehr Risiko, der Zeichnungshebel stieg von 2,01 auf 2,15, und die Provisionserträge aus der Abgabe halbierten sich im ersten Quartal 2026 auf 1.403.876 US-Dollar.
- Der Einzelschaden- und der Katastrophenvertrag liefen zum 30. Juni 2026 aus; der Quartalsbericht nennt für die Zeit vom 1. Juli 2026 bis 1. Januar 2027 ausdrücklich keine solche Deckung und formuliert die Erneuerung als Erwartung.
- Konzentration ohne Ausweichmöglichkeit: 98,7 Prozent der direkt gezeichneten Prämien aus New York (erstes Quartal 2026), Küstenlage, genehmigungspflichtige Prämien, 39 Prozent der Bruttoprämien über 25 Makler, Finanzstärkebewertung nur noch von einer Agentur, seit A. M. Best im Juli 2023 auf Wunsch von KICO austrat.
- Die Ertragsreihe ist kurz: Zwei gute Jahre stehen gegen drei Verlustjahre davor (Gewinn je Aktie minus 0,70 / minus 2,12 / minus 0,57) und ein Verlustquartal danach. Der Fünfjahresschnitt liegt bei 0,19 US-Dollar je Aktie.
- Versagtes Prüfurteil zum internen Kontrollsystem: Für das Prämien-Angebotssystem und das Hauptbuchsystem fehlen die SOC-1-Type-2-Berichte der Anbieter; der Abschlussprüfer erteilte für den 31. Dezember 2025 ein „adverse opinion“, die Schwäche steht unverändert im Quartalsbericht zum 31. März 2026, Behebung bis 31. Dezember 2026 erwartet. Der Jahresabschluss selbst ist uneingeschränkt testiert.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Anfang, zum Schönwetter-Trugschluss. Der Filter, der uns zu dieser Aktie geführt hat, sucht Wachstum zum Schnäppchenpreis. Was er bei Kingstone gefunden hat, ist ein sanierter kleiner Versicherer, der zwei außergewöhnlich schadenarme Jahre hinter sich hat und dessen Bewertungskennzahlen genau deshalb billig aussehen.
Das Ironische daran: Das Unternehmen darunter ist gar nicht schlecht. Die Kostenquote fiel von 40,6 auf 30,0 Prozent, der Gewerbebestand ist abgewickelt, die teure Anleihe ist getilgt, das Kapital hat sich in zwei Jahren mehr als verdreifacht, und der Gewinn kommt nicht aus Reserveauflösungen, sondern aus dem laufenden Zeichnungsjahr. Sogar im Verlustquartal war das zugrundeliegende Geschäft besser als im Vorjahr. Das ist ordentliche Arbeit, und die Börse hat sie mit 25,5 Prozent Kursplus allein im letzten Monat bereits bezahlt.
Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 nicht spottbillig?“, sondern: Wie viele Rohrbrüche, Winterstürme und Hurrikane traust du dir für die nächsten fünf Jahre zu — bei einem Versicherer, der 98,7 Prozent seiner Prämien in einem einzigen Küsten-Bundesstaat zeichnet, der von seiner Risikoabgabe nur noch 5 statt 27 Prozent behalten lässt und dessen wichtigster Schutzvertrag jedes Jahr am 1. Juli neu gekauft werden muss? Wer diese Frage beantworten kann, hat eine These. Wer nur auf die 8,2 im Kennzahlenblatt geschaut hat, hat eine Wetterstatistik von zwei Jahren.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (endete 31. Dezember 2025; eingereicht 16. März 2026)
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026)
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht 18. März 2025)
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2023 (eingereicht 1. April 2024)
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2022 (eingereicht 31. März 2023)
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 16. Juli 2026: Zahlen zum zweiten Quartal 2026 am 6. August 2026 nach Börsenschluss, Telefonkonferenz am 7. August 2026
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Meldung 8-K vom 23. Juli 2026: Quartalsdividende von 0,06 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 26. August 2026
- Kingstone Companies, Inc. — SEC-Einladung zur Hauptversammlung (DEF 14A) vom 25. Juni 2026
- Fundamentaldaten und hauseigener Aktien-Scanner, Trefferliste „Jim Slater: Zulu Principle“ gemessen am gerenderten Seiteninhalt am 28. Juli 2026 (Platz 4 von 4 Treffern im Gesamtuniversum); Kurs 19,70 US-Dollar, Kennzahlen-Stand 27. Juli 2026
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Kingstone Companies.
Unser Fazit auf einen Blick
- Sanierung & Kostenlage positiv
- Die Kostenquote fiel von 40,6 Prozent (2021) auf 30,0 Prozent (2025). Das Gewerbehaftpflichtgeschäft ist seit Juli 2019 in Abwicklung und macht nur noch 9,9 Prozent der Netto-Schadenrückstellungen aus; das Geschäft außerhalb New Yorks wurde zurückgefahren. Die 13,75-Prozent-Anleihe über 14,95 Millionen US-Dollar wurde 2025 vollständig getilgt, übrig sind 4,1 Millionen US-Dollar Finanzierungsleasing. Das Eigenkapital stieg von 34,5 Millionen (Ende 2023) auf 122,7 Millionen (Ende 2025).
- Ergebnisqualität positiv
- Der Gewinn von 2025 stammt nicht aus Reserveauflösungen: Das günstige Abwicklungsergebnis der Vorjahresschäden senkte die Schadenquote um nur 0,6 Punkte (1.083.663 US-Dollar), 2022 war es sogar ungünstig. Auch im schwachen ersten Quartal 2026 lag die zugrundeliegende Schadenquote ohne Katastrophen und Abwicklung mit 57,9 Prozent besser als die 62,1 Prozent des Vorjahresquartals. Das laufende Zeichnungsjahr trägt also. Der Jahresabschluss 2025 ist uneingeschränkt testiert — das interne Kontrollsystem dagegen nicht (siehe Aspekt „Kontrollen & Governance“).
- Katastrophenexponierung & Schwankung negativ
- Die Katastrophenlast fiel von 10,3 Punkten der Schadenquote (2021) auf 1,2 Punkte (2025) — das Rekordjahr lag 4,2 Punkte unter dem Fünfjahresschnitt von 5,4 Punkten. Im ersten Quartal 2026 kosteten mehrere Winterstürme und eine Frostperiode Anfang Februar 14.499.000 US-Dollar netto oder 26,0 Punkte, ohne dass ein namentlich benannter Sturm nötig war. Entsprechend schwankte die Schaden-Kosten-Quote binnen fünf Jahren um 38 Punkte (111,5 / 113,3 / 105,3 / 80,0 / 75,0 Prozent, dann 112,0 Prozent) und der Gewinn je Aktie von minus 2,12 US-Dollar (2022) auf plus 2,88 (2025) und wieder auf minus 0,40. Das Rückversicherungsprogramm über 440 Millionen US-Dollar schützt gegen den einen großen Sturm, nicht gegen eine Reihe mittlerer Ereignisse.
- Kontrollen & Governance negativ
- Der Abschlussprüfer CBIZ CPAs P.C. erteilte für die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems zum 31. Dezember 2025 ein versagtes Urteil („adverse opinion“). Ursache: Für das Prämien-Angebotssystem und das Hauptbuchsystem fehlen die SOC-1-Type-2-Berichte der Anbieter, weshalb sich das Management auf deren Kontrollen nicht stützen kann; auch die Offenlegungskontrollen gelten deshalb als nicht wirksam. Der Befund steht unverändert im Quartalsbericht zum 31. März 2026, die Behebung wird bis zum 31. Dezember 2026 erwartet. Der Jahresabschluss selbst ist uneingeschränkt testiert — es gibt keine Nachbuchung und keinen verspäteten Bericht.
- Rückversicherung & Kapital negativ
- Die Quotenrückversicherung fiel von 27 auf 16 auf 5 Prozent; Kingstone behält damit deutlich mehr Risiko selbst. Der Zeichnungshebel — netto gezeichnete Prämien zum statutorischen Eigenkapital von KICO — stieg von 2,01 auf 2,15, die Provisionserträge aus der Abgabe halbierten sich im ersten Quartal 2026 auf 1.403.876 US-Dollar. Der Einzelschaden- und der Katastrophenvertrag liefen zum 30. Juni 2026 aus; der Quartalsbericht nennt für die Zeit vom 1. Juli 2026 bis 1. Januar 2027 ausdrücklich keine solche Deckung. Eine Risikokapitalquote weist das Unternehmen nicht aus.
- Konzentration & Aufhänger negativ
- 98,7 Prozent der direkt gezeichneten Prämien stammen aus New York-Policen (Q1 2026), überwiegend aus dem Küstenraum im Süden des Bundesstaats; Prämien sind genehmigungspflichtig, 39 Prozent der Bruttoprämien kommen über 25 Makler, und die Finanzstärkebewertung liefert seit dem Austritt bei A. M. Best im Juli 2023 nur noch eine Agentur. Beim Aufhänger selbst gilt: Das erwartete Gewinnwachstum von 15,4 Prozent liegt nur 0,4 Punkte über der Untergrenze des Filters, und Verschuldungsgrad, Kurs-Cashflow und Altman-Wert messen bei einem Versicherer nicht, was sie bei einem Industrieunternehmen messen.
Kingstone ist der Testfall für den Schönwetter-Trugschluss: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,8 auf den Gewinn 2025 beruht auf der niedrigsten Katastrophenlast der letzten fünf Jahre — 1,2 Punkte gegen 5,4 im Schnitt. Auf diesen Schnitt normalisiert steigt es auf 8,1, bei einem Jahr wie 2021 auf 10,4. Das erste Quartal 2026 hat den Beweis gleich mitgeliefert: 26,0 Punkte Katastrophenlast aus Winterstürmen und einer Frostperiode, Schaden-Kosten-Quote 112,0 Prozent, Verlust von 0,40 US-Dollar je Aktie. Das Unternehmen darunter ist saniert — Kostenquote von 40,6 auf 30,0 Prozent, teure Anleihe getilgt, Gewinn nicht aus Reserveauflösungen. Offen bleiben die Ein-Bundesstaat-Konzentration von 98,7 Prozent, der von 27 auf 5 Prozent gesenkte Rückversicherungsanteil und die Erneuerung des Katastrophenvertrags. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb steht hier für mehrere offene operative Fragen, nicht für ein Substanzrisiko. Die Substanz ist belegt: Finanzschulden von nur 4,1 Millionen US-Dollar gegen 114,5 Millionen Eigenkapital (31. März 2026), die 13,75-Prozent-Anleihe 2025 vollständig getilgt, statutorisches Eigenkapital der Versicherungstochter von 76,7 auf 99,2 Millionen US-Dollar gestiegen, anrechenbares Gesamtkapital in beiden Berichtsjahren über der aufsichtlichen Aufgreifschwelle, ein uneingeschränkt testierter Jahresabschluss, Finanzstärkebewertung A bei Demotech und ein Abwicklungsergebnis, das den Gewinn nicht trägt. Für Gelb sprechen fünf Befunde. Erstens die Katastrophenexponierung: Die Belastung schwankte binnen fünf Jahren zwischen 1,2 und 10,3 Punkten der Schadenquote, und ein einziges Quartal mit 26,0 Punkten hat 2026 bereits zu einem Verlust geführt. Zweitens die Konzentration: 98,7 Prozent der direkt gezeichneten Prämien stammen aus einem einzigen, küstennahen Bundesstaat mit genehmigungspflichtigen Prämien. Drittens die Abhängigkeit von Rückversicherungspreisen: Die Abgabequote fiel von 27 auf 5 Prozent, der Zeichnungshebel stieg auf 2,15, und der Einzelschaden- wie der Katastrophenvertrag liefen zum 30. Juni 2026 aus, ohne dass der letzte Bericht eine Anschlussdeckung nennt. Viertens die kurze Ertragsreihe: Zwei Gewinnjahre stehen gegen drei Verlustjahre davor und ein Verlustquartal danach. Fünftens das versagte Prüfurteil zum internen Kontrollsystem: Weil die SOC-1-Type-2-Berichte für das Prämien-Angebotssystem und das Hauptbuchsystem fehlen, erteilte der Abschlussprüfer für den 31. Dezember 2025 ein „adverse opinion“; die Schwäche steht unverändert im Quartalsbericht zum 31. März 2026, die Behebung wird bis zum 31. Dezember 2026 erwartet. Gegen Rot spricht dabei der enge, technische Zuschnitt des Befunds: Die berichteten Zahlen selbst sind uneingeschränkt testiert, es gibt keine Nachbuchung, keinen verspäteten Bericht und keinen Prüferwechsel. Ausdrücklich nicht Teil dieses Urteils ist die Bewertung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Scanner „Jim Slater: Zulu Principle“, Gesamtuniversum, Platz 4 von 4 Treffern — die Trefferliste wurde am 28. Juli 2026 am gerenderten Seiteninhalt gezählt, nicht an einer nachgebauten Abfrage. Sortiert wird die Seite nach relativer Stärke absteigend; Platz 4 ist der letzte Rang, kein Gleichstand. Der Kurs-Stand der Kennzahlen ist der 27. Juli 2026, die Listen werden täglich neu berechnet.
- Abweichung im Datenbestand, offengelegt statt geglättet: Das angezeigte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,2, der Kurs zu freiem Mittelzufluss von 3,9 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,2 rechnen mit einem Börsenwert von rund 255 Millionen US-Dollar, was einem Kurs von etwa 17,6 US-Dollar entspricht — die Aktie ist im Juli 2026 schneller gestiegen (plus 25,5 Prozent im Monat), als die Kennzahl nachgezogen hat. Auf den ausgewiesenen Schlusskurs von 19,70 US-Dollar und 14.484.841 Aktien beträgt der Börsenwert 285 Millionen US-Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf die letzten zwölf Monate 8,9 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,49. Der Artikel rechnet mit den eigenen Werten und nennt jeweils die Grundlage.
- Zweite Abweichung im Datenbestand: Die Kopfzeile „GpA-Wachstum letztes Quartal“ zeigt plus 149,60 Prozent und „Umsatzwachstum letztes Quartal“ plus 23,20 Prozent. Die Quartalstabelle derselben Seite weist für das zuletzt berichtete Quartal (Q1 2026) dagegen minus 249,6 Prozent beim Gewinn je Aktie und plus 18,4 Prozent beim Umsatz aus. Die Kopfwerte sind veraltet; nachgerechnet gegen den Quartalsbericht ergeben sich für Q1 2026 ein Gewinn je Aktie von minus 0,40 US-Dollar (Vorjahr plus 0,27) und ein Umsatz von 59.775.736 US-Dollar (Vorjahr 50.498.775), also plus 18,4 Prozent.
- Der Altman-Z-Wert von 2,90 im Datenblatt ist für einen Versicherer keine Kennzahl, sondern eine Formel aus einem anderen Geschäftsmodell; die hier verwendete Skala setzt die Grenzen bei 1,1 (Gefahrenzone) und 2,6 (sichere Zone), und das Datenblatt selbst weist darauf hin, dass die Formel für Versicherer nicht passt. Er wird in dieser Analyse ausdrücklich nicht als Solvenzaussage verwendet. Dasselbe gilt für die ausgewiesene „Bruttomarge“ von 21,1 Prozent und den Unternehmenswert zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen von 76,8.
- Rechnungsgrundlagen sauber getrennt: Die Gewinne je Aktie für 2021 bis 2025 (−0,70 / −2,12 / −0,57 / 1,48 / 2,88) sind ausgewiesene verwässerte Werte nach US-Bilanzrecht aus den Geschäftsberichten. Die Normalisierungsrechnung ersetzt ausschließlich die Katastrophenlast des Jahres 2025 (1,2 Punkte) durch den Fünfjahresschnitt (5,4 Punkte): 4,2 Punkte auf 187.126.722 US-Dollar verdiente Nettoprämien ergeben 7,86 Millionen US-Dollar vor Steuern, nach dem für 2025 ausgewiesenen effektiven Steuersatz von 20,0 Prozent 6,29 Millionen, verteilt auf 13.926.024 gewichtete Aktien 0,45 US-Dollar je Aktie. Das erwartete Gewinnwachstum von 15,4 Prozent ist eine Analystenschätzung und aus den Filings nicht belegbar; es liegt nur 0,4 Punkte über der Untergrenze des Filters.
- Datenstand: Der Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 16.03.2026) und der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (08.05.2026) sind vollständig ausgewertet, dazu die Geschäftsberichte für 2024, 2023 und 2022 für die Zeitreihen. Sämtliche Einreichungen nach dem 10-Q wurden durchgesehen: 8-K vom 20.05.2026 (Item 7.01), Meldungen nach Form 4 vom 13.05., 01.06. und 23.06.2026, die Einladung zur Hauptversammlung (DEF 14A) vom 25.06.2026, das 8-K vom 16.07.2026 (Termin der Zahlen zum zweiten Quartal 2026) und das 8-K vom 23.07.2026 (Quartalsdividende 0,06 US-$). Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 waren am 28.07.2026 noch nicht veröffentlicht; sie erscheinen laut 8-K vom 16.07.2026 am 06.08.2026 nach Börsenschluss.
- Verwerfungsprüfung erledigt: keine Form 15 (Deregistrierung), keine Form 25, Ticker in der SEC-Registry, Handelsplatz Nasdaq Capital Market, kein Chapter-11-Verfahren. Zur Firmenhistorie: Die Gesellschaft wurde 1961 gegründet, firmierte ab 1999 als DCAP Group, Inc. und trägt seit dem 1. Juli 2009 den Namen Kingstone Companies, Inc.; Kurs- und Kennzahlenreihen vor 2009 gehören zu DCAP Group. Nicht verwechseln: Kingstone Companies, Inc. ist die börsennotierte Holding, Kingstone Insurance Company (KICO) die Versicherungstochter, deren statutorische Zahlen getrennt zu lesen sind.
- Die Qualitäts-Ampel dieser Analyse beurteilt das Unternehmen, nicht den Einstiegszeitpunkt.
Häufige Fragen
Weil die Aktie am 28. Juli 2026 alle sieben Bedingungen des Filters erfüllte und unter den vier Treffern die niedrigste relative Stärke hatte (57). Sortiert wird die Seite nach relativer Stärke absteigend, nicht nach Bewertung — Platz 4 ist also der letzte Rang, nicht der schlechteste Titel. Entscheidend für die Aufnahme ist das Verhältnis aus Kurs-Gewinn-Verhältnis (8,2) und erwartetem Gewinnwachstum für das nächste Geschäftsjahr (15,4 Prozent): Daraus ergibt sich ein PEG von 0,53, der Filter lässt bis 0,75 zu.
Sie ist die Summe aus Schadenquote und Kostenquote, beide gemessen an den verdienten Nettoprämien. Unter 100 Prozent macht ein Versicherer vor Kapitalanlageerträgen einen Gewinn, darüber einen Verlust. Bei Kingstone lag sie bei 111,5 Prozent (2021), 113,3 (2022), 105,3 (2023), 80,0 (2024) und 75,0 (2025) — und bei 112,0 Prozent im ersten Quartal 2026. Diese Spanne von 38 Punkten binnen fünf Jahren erklärt, warum ein einzelnes Gewinnjahr bei diesem Unternehmen wenig über die Zukunft sagt.
Sehr stark. Katastrophenschäden erhöhten die Netto-Schadenquote um 10,3 Punkte (2021), 6,7 (2022), 7,1 (2023), 1,9 (2024) und 1,2 Punkte (2025) — im Schnitt 5,4 Punkte. Das Rekordjahr 2025 lag also 4,2 Punkte unter dem eigenen Durchschnitt, was bei 187,1 Millionen US-Dollar verdienten Nettoprämien rund 7,9 Millionen US-Dollar vor Steuern oder 0,45 US-Dollar je Aktie ausmacht. Im ersten Quartal 2026 kosteten Winterstürme und eine Frostperiode 14.499.000 US-Dollar netto oder 26,0 Punkte.
Zum 1. Juli 2025 wurde die obere Grenze der Katastrophendeckung von 280 auf 440 Millionen US-Dollar erhöht, nach eigener Modellrechnung genug für ein Ereignis, wie es statistisch alle hundert Jahre vorkommt. Die Deckung setzt bei 5 Millionen US-Dollar Schaden ein; nach eigener Angabe behält Kingstone seit dem 1. Januar 2026 je Katastrophenereignis 5,5 Millionen US-Dollar Risiko. Für 50 Millionen Deckung oberhalb von 10 Millionen ist die Wiederauffüllungsprämie abgesichert. 125 Millionen des Turms stehen mehrjährig über eine Katastrophenanleihe mit 4,5 Prozent Kupon bis zum 30. Juni 2029 fest.
Weil der Einzelschaden- und der Katastrophenvertrag am 30. Juni 2026 ausliefen. Die Fußnote 5 der Rückversicherungstabelle im Quartalsbericht zum 31. März 2026 hält ausdrücklich fest, dass für die Zeit vom 1. Juli 2026 bis 1. Januar 2027 keine dieser Deckungen in Kraft ist und dass die Erneuerung erst noch stattfinden muss. Kingstone erneuert traditionell zum 1. Juli; die offene Frage ist der Preis. Das Unternehmen schreibt selbst, dass es die Marktbedingungen für Rückversicherung nicht kontrolliert.
Nein, und das ist ein Pluspunkt. Das Abwicklungsergebnis der Vorjahresschäden war 2022 mit 2.699.862 US-Dollar ungünstig, 2023 mit 7.273 US-Dollar praktisch neutral, 2024 mit 1.779.827 und 2025 mit 1.083.663 US-Dollar günstig. Im Rekordjahr 2025 senkten diese Auflösungen die Schadenquote um nur 0,6 Punkte. Der Gewinn kam also überwiegend aus dem laufenden Zeichnungsjahr und nicht aus der Vergangenheit.
Der Verschuldungsgrad von 0,04 misst nur Finanzschulden: 4,1 Millionen US-Dollar Finanzierungsleasing gegen 114,5 Millionen Eigenkapital (31. März 2026). Das eigentliche Fremdkapital eines Versicherers steht daneben — 171,7 Millionen Schadenrückstellungen und 153,6 Millionen Beitragsüberträge. Und der operative Mittelzufluss übersteigt den Gewinn (75,9 gegen 40,8 Millionen im Jahr 2025), weil ein wachsender Versicherer Prämien im Voraus kassiert: Beitragsüberträge und Netto-Schadenrückstellungen stiegen 2025 zusammen um 32,7 Millionen. 2023, als das Geschäft schrumpfte, war der Mittelzufluss negativ.
Der Abschlussprüfer CBIZ CPAs P.C. testierte den Jahresabschluss 2025 uneingeschränkt, erteilte für die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems zum 31. Dezember 2025 aber ein versagtes Urteil. Grund ist eine eng umrissene Lücke: Für das Prämien-Angebotssystem und das Hauptbuchsystem liegen keine SOC-1-Type-2-Berichte der Anbieter vor, also keine externen Prüfbescheinigungen über deren Kontrollen. Der Befund steht unverändert im Quartalsbericht zum 31. März 2026; Kingstone erwartet die Behebung bis zum 31. Dezember 2026.
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