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First BanCorp: Die Bank hat längst gedreht — der Kurschart nicht

First BanCorp: Die Bank hat längst gedreht — der Kurschart nicht

Ein hauseigener Scanner sucht abgestürzte Aktien, bei denen das Geschäft messbar dreht — und spuckt eine Bank aus, die seit Jahren Rekorde meldet. First BanCorp aus Puerto Rico verdiente 2025 344,9 Millionen US-Dollar, im zweiten Quartal 2026 noch einmal 96,2 Millionen bei einer Gesamtkapitalrendite von 2,02 Prozent. Trotzdem liegt der Kurs rund 91 Prozent unter dem bereinigten Höchststand vom Dezember 2004 — weil dazwischen eine Beinahe-Pleite, ein Milliardenverlust und eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:15 liegen. Wir lesen die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC und schauen, was von der Wende übrig ist, was sie gekostet hat und welche Risiken die Insel bis heute mitliefert. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was ein Kurschart über eine Bank verschweigt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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First BanCorp: Die Bank hat längst gedreht — der Kurschart nicht
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau die Leute erwischt, die vorsichtig sein wollen: die Narben-Falle. Sie geht so. Du siehst einen Kurschart, der 90 Prozent unter seinem Hoch liegt, und dein Kopf liest ihn wie einen Lebenslauf: „Da ist etwas kaputtgegangen — und es ist nie repariert worden." Manchmal stimmt das. Manchmal siehst du aber nur eine Narbe, unter der längst neue Haut gewachsen ist. First BanCorp. (NYSE: FBP) aus San Juan, Puerto Rico, ist der zweite Fall. Die Bankholding hinter FirstBank Puerto Rico steht rund 91 Prozent unter ihrem bereinigten Höchststand vom Dezember 2004 — und meldete im zweiten Quartal 2026 gleichzeitig das beste Ergebnis ihrer Geschichte: 96,2 Millionen US-Dollar Gewinn bei einer Gesamtkapitalrendite von 2,02 Prozent. Auf unseren Tisch kam sie über den hauseigenen Aktien-Scanner für Turnaround-Kandidaten, auf Platz 11 von 62 US-Treffern (Stand 25. Juli 2026). Machen wir also einen Deal: Bevor du dem Chart glaubst, lesen wir gemeinsam, was die Bank selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und die Ergebnismeldung (8-K) vom 22. Juli 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einer Bank, die ihre Wende vor Jahren hinter sich gebracht hat, von einer Insel, die bis heute das größte Risiko bleibt, und von einem Loch im Eigenkapital, das gerade wieder wächst. Am Ende entscheidest du selbst.

Was First BanCorp eigentlich macht — eine Inselbank mit zwei Außenposten

First BanCorp ist eine Bankholding: eine Dachgesellschaft, die eine Bank besitzt. Die Bank heißt FirstBank Puerto Rico, ist 1948 gegründet und macht genau das, was Banken seit jeher machen — Einlagen einsammeln und Kredite vergeben. Zum 31. Dezember 2025 betrieb sie ihren Hauptsitz in San Juan, 57 Filialen in Puerto Rico, acht Filialen auf den US-amerikanischen und Britischen Jungferninseln und acht Filialen im US-Bundesstaat Florida. Beschäftigt waren 3.218 Menschen, davon 2.854 in Puerto Rico, 206 in Florida und 158 auf den Jungferninseln.

Bei einer Bank zählen andere Kennzahlen als bei einem Industriebetrieb — das ist der erste Schritt zum Verständnis. Der Zinsüberschuss ist das, was von den Kreditzinsen übrig bleibt, nachdem die Sparer bezahlt sind: 2025 waren das 868,9 Millionen US-Dollar. Die Nettozinsmarge setzt diesen Überschuss ins Verhältnis zu den zinstragenden Vermögenswerten — sie ist die Handelsspanne des Bankgeschäfts und lag im zweiten Quartal 2026 bei 4,87 Prozent. Die Risikovorsorge ist das Geld, das die Bank für erwartete Kreditausfälle zurücklegt: 2025 rund 86,0 Millionen US-Dollar. Und die Kernkapitalquote (CET1) sagt, wie viel echtes Eigenkapital hinter den Risiken steht — bei First BanCorp zum 30. Juni 2026 16,96 Prozent, wo die Aufsicht deutlich weniger verlangt. Übersetzt in ein Alltagsbild: Die Bank arbeitet mit einer ungewöhnlich dicken Matratze unter dem Hochseil.

Das Geschäft steht auf drei geografischen Beinen von sehr unterschiedlicher Länge: Puerto Rico ist Rumpf und Beine, Florida und die Jungferninseln sind Zehenspitzen. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Bank selbst ist heute so profitabel wie nie — aber ihr Schicksal hängt an einer Insel mit 3,2 Millionen Einwohnern, deren Haushalt seit 2016 unter der Aufsicht eines vom US-Kongress eingesetzten Gremiums steht.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Gefunden hat die Aktie unser hauseigener Aktien-Scanner für Turnaround-Kandidaten — dort steht sie auf Platz 11 von 62 US-Treffern mit einem Wende-Check von 7 von 8 Punkten (Stand 25. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet, der Platz kann sich also verschieben). Der Scanner arbeitet nach vier Säulen, und man versteht den Fund erst, wenn man sie kennt.

Säule 1 ist der Absturz: mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch. Säule 2 ist das Überleben: Insolvenzferne, höchstens ein Bilanz-Warnsignal, positives Eigenkapital. Beide sind Pflicht. Säule 3 misst die operative Wende über die letzten Quartale (Umsatz stabilisiert, Marge dreht, Mittelzufluss dreht, Bilanz heilt), Säule 4 die Bestätigung durch den Markt (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke dreht, Insider kaufen netto). Aus den Säulen 3 und 4 entsteht die Acht-Punkte-Liste; ab 6 Punkten gilt eine Aktie als Treffer. Übersetzt: Der Scanner sucht Firmen, die tief gefallen sind, das Schlimmste überstanden haben und deren Zahlen messbar in die richtige Richtung zeigen.

Und genau hier wird es interessant. Die Pflichtsäule 1 erfüllt First BanCorp mühelos — aber nicht, weil das Geschäft am Boden liegt, sondern weil das Allzeithoch aus dem Dezember 2004 stammt, also aus einer anderen Epoche. Dazwischen liegt die Beinahe-Pleite der Jahre 2009 bis 2013 und eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:15 am 7. Januar 2011, bei der aus 15 alten Aktien eine neue wurde. Eine solche Zusammenlegung ist der Verband über einer Wunde: Sie macht den Kurs optisch wieder handelbar, aber sie friert im bereinigten Chart für immer ein, wie tief der Absturz war. Merke dir das: Der Scanner misst den Abstand zu einem Kurs, den es in dieser Firma seit über zwanzig Jahren nicht mehr gibt. Für die Punkte der Säulen 3 und 4 misst er dagegen die Gegenwart — und die ist bei dieser Bank tatsächlich gut. Das ist kein Fehler des Werkzeugs, sondern eine Lücke, die man kennen muss: Was der Filter „abgestürzt" nennt, kann bei einer Bank mit alter Zusammenlegung auch schlicht „Narbe" heißen.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. First BanCorp hat den steilsten Weg hinter sich, den eine Bank gehen kann: von einem Verlust von 524,3 Millionen US-Dollar im Jahr 2010 zu einem Gewinn von 344,9 Millionen im Jahr 2025. Dazwischen liegen vier Verlustjahre (2009, 2010, 2011 und 2013), eine Kapitalstruktur, die mehrfach umgebaut wurde, und die Finanzkrise Puerto Ricos. Seit 2014 schreibt die Bank in jedem einzelnen Jahr Gewinn — zwölf Jahre in Folge.

Balkendiagramm des Konzernergebnisses von First BanCorp 2009 bis 2025 in Millionen US-Dollar: −275,2 (2009), −524,3 (2010), −82,2 (2011), +29,8 (2012), −164,5 (2013), +392,3 (2014), +21,3 (2015), +93,2 (2016), +67,0 (2017), +201,6 (2018), +167,4 (2019), +102,3 (2020), +281,0 (2021), +305,1 (2022), +302,9 (2023), +298,7 (2024), +344,9 (2025). Verluste rot, Gewinne grün.
Der Weg aus dem Loch: vier Verlustjahre bis 2013, seit 2014 durchgehend Gewinn. Das Ausreißerjahr 2014 (+392,3 Millionen US-Dollar) entstand nicht im Betrieb — das Vorsteuerergebnis lag bei nur 91,6 Millionen; den Rest steuerte die Auflösung einer Wertberichtigung auf latente Steueransprüche bei. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die jüngsten drei Jahre im Detail: Der Zinsüberschuss stieg von 797,1 Millionen US-Dollar (2023) über 807,5 Millionen (2024) auf 868,9 Millionen (2025). Der Gewinn je Aktie kletterte von 1,71 über 1,81 auf 2,15 US-Dollar — deutlich schneller als der Gewinn selbst, weil die Bank kräftig eigene Aktien zurückkauft. Und im laufenden Jahr geht es weiter: Im ersten Halbjahr 2026 verdiente First BanCorp 184,9 Millionen US-Dollar oder 1,19 US-Dollar je Aktie, nach 157,2 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Das operative Herzstück einer Bank ist die Zinsmarge — und die zieht seit fünf Quartalen an:

Liniendiagramm der Nettozinsmarge von First BanCorp je Quartal in Prozent: 4,56 (Q2 2025), 4,57 (Q3 2025), 4,68 (Q4 2025), 4,75 (Q1 2026), 4,87 (Q2 2026). Die Linie steigt durchgehend.
Fünf Quartale in Folge nach oben: Die Nettozinsmarge stieg von 4,56 Prozent im zweiten Quartal 2025 auf 4,87 Prozent im zweiten Quartal 2026. Getragen wird das vom Umschichten niedrig verzinster Wertpapiere in höher verzinste Aktiva. Quelle: SEC-Berichte (Quartalsbericht 10-Q, Ergebnismeldung 8-K vom 22.07.2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie gut die Zahlen des zweiten Quartals 2026 wirklich sind, zeigt der Vergleich mit dem, was in der Branche üblich ist. Eine Gesamtkapitalrendite von 2,02 Prozent gilt bei Regionalbanken als sehr stark — 1,0 Prozent ist der klassische Anstandswert. Eine Eigenkapitalrendite von 19,49 Prozent liegt weit über dem, was die meisten Banken erreichen. Und eine Effizienzquote von 48,07 Prozent bedeutet, dass die Bank für einen Dollar Ertrag nur 48 Cent Kosten aufwendet — je niedriger, desto besser, und unter 50 ist gut. Der Vorstandsvorsitzende Aurelio Alemán formulierte es in der Ergebnismeldung so:

„Adjusted pre-tax, pre-provision income reached a record of $137.5 million, earnings per share increased 24% compared to the prior year, and return on average assets was 2.02%, marking our 18th consecutive quarter above 1.5%."

Übersetzung: „Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Risikovorsorge erreichte mit 137,5 Millionen US-Dollar einen Rekord, der Gewinn je Aktie stieg gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent, und die Gesamtkapitalrendite lag bei 2,02 Prozent — unser 18. Quartal in Folge über 1,5 Prozent."

— First BanCorp., Exhibit 99.1 zur SEC-Ergebnismeldung 8-K vom 22. Juli 2026

Auch die Bilanz sieht aufgeräumt aus. Zum 30. Juni 2026 lag die Bilanzsumme bei 19,24 Milliarden US-Dollar, die Einlagen bei 16,87 Milliarden, die Kredite netto bei 13,03 Milliarden. Die notleidenden Vermögenswerte machten nur 0,59 Prozent der Bilanzsumme aus (113,9 Millionen US-Dollar), die Deckung durch die Risikovorsorge lag bei 1,85 Prozent des Kreditbuchs. Und das Kapital ist üppig:

Gelb markierte Textstelle aus der First-BanCorp-Ergebnismeldung zum 30. Juni 2026: Die Kapitalquoten übertrafen die aufsichtsrechtlich geforderten Werte für Bankholdings und gut kapitalisierte Banken. Darüber der Absatz zum Eigenkapital von 2,0 Milliarden US-Dollar mit 50,0 Millionen Aktienrückkauf zu durchschnittlich 25,08 US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: „capital ratios exceeded the required regulatory levels" — und direkt darüber die Kapitalverwendung des Quartals: 50,0 Millionen US-Dollar Aktienrückkauf zu durchschnittlich 25,08 US-Dollar, 31,0 Millionen Dividende. Quelle: SEC-Ergebnismeldung 8-K vom 22. Juli 2026, Exhibit 99.1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist der Teil, der wirklich beeindruckt — und die Aktionäre bekommen ihn zu spüren: Im zweiten Quartal 2026 gingen 84 Prozent des Gewinns als Dividende und Rückkauf an sie zurück. Die Zahl der ausstehenden Aktien sank binnen eines Jahres von 161,5 auf 152,7 Millionen Stück — jede verbliebene Aktie repräsentiert also einen größeren Anteil an derselben Bank. Von den insgesamt 223,7 Millionen jemals ausgegebenen Aktien liegen inzwischen 71,0 Millionen als eigene Anteile im Bestand, fast ein Drittel. Und trotzdem gibt es Dinge, die man wissen sollte, bevor man das für eine reine Erfolgsgeschichte hält.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Diese Bank ist eine Wette auf eine Insel

Fast alles, was First BanCorp ausmacht, steht auf 9.100 Quadratkilometern im Karibischen Meer. 2.854 der 3.218 Beschäftigten arbeiten dort, 57 der 73 Filialen stehen dort, und der Löwenanteil der Kredite ist dort vergeben. Der Geschäftsbericht sagt es ohne Umschweife:

„A significant portion of our business activities and credit exposure is concentrated in Puerto Rico, which has faced prolonged economic and fiscal challenges."

Übersetzung: „Ein wesentlicher Teil unserer Geschäftstätigkeit und unseres Kreditrisikos ist auf Puerto Rico konzentriert, das mit lang anhaltenden wirtschaftlichen und fiskalischen Herausforderungen zu kämpfen hatte."

— First BanCorp., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risk Factors

Wer das für eine Pflichtfloskel hält, unterschätzt die Lage. Puerto Rico ist ein US-Außengebiet, dessen Haushalt seit 2016 unter der Aufsicht eines vom US-Kongress eingesetzten Gremiums steht — des PROMESA-Aufsichtsrats, benannt nach dem Gesetz, mit dem Washington die Insel-Finanzen nach einer Staatsschuldenkrise unter Kuratel stellte. Die gute Nachricht: Die Wirtschaft wächst wieder, wenn auch minimal — das reale Bruttosozialprodukt legte im Fiskaljahr 2025 um 0,4 Prozent zu, das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Die schlechte: Der Haushalt für 2026 kalkuliert mit rund 1,2 Milliarden US-Dollar weniger Bundesmitteln, vor allem im Bildungsbereich, und hält vorsorglich fünf Prozent der Ausgaben der meisten Behörden acht Monate lang zurück, falls die Einnahmen einbrechen oder die Medicaid-Kosten steigen. Eine Insel, deren Wirtschaft zu erheblichen Teilen an Bundestransfers hängt, ist ein anderes Kreditumfeld als eine Bankregion auf dem US-Festland.

Und die Bank ist dieser Regierung nicht nur indirekt ausgesetzt, sondern hält ihr direkt Geld:

Gelb markierte Textstelle aus dem First-BanCorp-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Zum 31. Dezember 2025 hatte die Gesellschaft 297,8 Millionen US-Dollar direkte Forderungen gegenüber der Regierung Puerto Ricos, ihren Gemeinden und öffentlichen Körperschaften. Darüber der Absatz zur Konzentration des Geschäfts auf Puerto Rico und zum PROMESA-Haushalt 2026.
Die markierte Stelle im Original: 297,8 Millionen US-Dollar direkte Forderungen an die Regierung Puerto Ricos, ihre Gemeinden und öffentlichen Körperschaften (31. Dezember 2025). Darüber steht der Absatz zur Konzentration auf die Insel und zum Rückgang der Bundesmittel. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Von den 297,8 Millionen US-Dollar entfielen 211,3 Millionen auf Gemeinden, die ihre Schulden aus zugewiesenen Grundsteuern bedienen und dafür in der Regel ihre volle Steuerkraft verpfändet haben. Dazu kommen die Einlagen der öffentlichen Hand: 3,0 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni 2026 — vollständig durch Sicherheiten unterlegt, aber eben Geld eines einzigen, angeschlagenen Schuldners, das jederzeit politisch bewegt werden kann. Übersetzt in ein Alltagsbild: Es ist, als hätte der größte Mieter im Haus auch noch die Hälfte des Hausgeldkontos bei dir geparkt. Solange alles gut geht, ist das bequem. Wenn nicht, kommen beide Probleme gleichzeitig.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 368 Millionen Dollar Loch im Eigenkapital — und es wird größer

Das Eigenkapital von First BanCorp betrug zum 30. Juni 2026 1.976,8 Millionen US-Dollar. Das klingt solide, bis man eine Zeile weiter unten schaut. Dort steht der Posten accumulated other comprehensive loss mit minus 368,4 Millionen US-Dollar — die aufgelaufenen, noch nicht realisierten Kursverluste des Anleihebuchs. Übersetzt: Die Bank hat vor der Zinswende Anleihen mit niedrigen Zinsen gekauft; seit die Marktzinsen gestiegen sind, sind diese Papiere weniger wert. Solange sie bis zur Fälligkeit gehalten werden, fließt kein Geld ab — aber der Buchwert ist trotzdem schon belastet. 18,6 Prozent des Eigenkapitals sind auf diese Weise vorbelegt.

Der Geschäftsbericht für 2025 sah das entspannt: Das Portfolio werde weiter schrumpfen und der Bewertungsverlust „entsprechend abnehmen" — ausgenommen die Wirkung der Marktzinsen. Genau diese Wirkung trat ein. Der Posten stieg von 354,6 Millionen US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 360,7 Millionen (31. März 2026) und weiter auf 368,4 Millionen (30. Juni 2026), davon allein 7,7 Millionen im zweiten Quartal. Für dich als Anleger ist das kein Alarm, aber ein Maßstab: Der materielle Buchwert je Aktie lag zum 30. Juni 2026 bei 12,68 US-Dollar — er wäre spürbar höher, wenn das Anleihebuch nicht wäre. Merke dir den Satz: Bei Banken steht der interessanteste Verlust selten in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Rekordjahr 2025 ist um rund 20 Millionen geschminkt

344,9 Millionen US-Dollar Gewinn im Jahr 2025 gegenüber 298,7 Millionen im Vorjahr — das sind 15,4 Prozent Zuwachs und der beste Wert der Firmengeschichte. Die Bank selbst rechnet diese Zahl allerdings herunter. In ihrer Überleitung auf das bereinigte Ergebnis zieht sie drei Posten ab: 16,6 Millionen US-Dollar Steuerentlastung aus der Auflösung einer Wertberichtigung auf latente Steueransprüche, 2,4 Millionen aus einer Steuergutschrift für gehaltenes Personal aus der Corona-Zeit und 1,1 Millionen aus der Rückbuchung einer FDIC-Sonderabgabe. Übrig bleiben 325,3 Millionen US-Dollar bereinigter Gewinn — nach 299,4 Millionen im Vorjahr also 8,6 statt 15,4 Prozent Wachstum. Immer noch gut. Aber eben anders gut.

Der größte dieser Posten hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte:

Gelb markierte Textstelle aus dem First-BanCorp-Geschäftsbericht 10-K für 2025 unter der Überschrift Enactment of Act 65-2025: eine Auflösung der Wertberichtigung auf latente Steueransprüche über 16,6 Millionen US-Dollar, überwiegend im Zusammenhang mit Verlustvorträgen auf Holdingebene.
Die markierte Stelle im Original: 16,6 Millionen US-Dollar aus der Auflösung einer Wertberichtigung auf latente Steueransprüche — „primarily associated with NOL carryforwards", also überwiegend mit steuerlichen Verlustvorträgen aus der Krisenzeit. Ausgelöst hat sie das puerto-ricanische Steuergesetz Act 65-2025 vom 17. Juli 2025. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Ironie ist schwer zu übersehen: Ein erheblicher Teil des Rekordgewinns 2025 stammt aus steuerlichen Verlustvorträgen — also aus den Milliardenverlusten, die dieselbe Bank vor über zehn Jahren geschrieben hat. Die Vergangenheit zahlt in die Gegenwart ein. Nur eben genau einmal.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Büros, Hotels und Autokredite

Zwei Stellen im Kreditbuch verdienen einen zweiten Blick. Erstens die Gewerbeimmobilien:

Gelb markierte Textstelle aus dem First-BanCorp-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Zum 31. Dezember 2025 belief sich das gesamte Gewerbehypotheken-Engagement auf 2,6 Milliarden US-Dollar oder 19 Prozent des Kreditportfolios.
Die markierte Stelle im Original: 2,6 Milliarden US-Dollar Gewerbehypotheken, 19 Prozent des gesamten Kreditbuchs (31. Dezember 2025). Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Von diesen 2,6 Milliarden lagen 1,7 Milliarden US-Dollar in Puerto Rico — und deren Zusammensetzung liest man besser genau: 40 Prozent Einzelhandel, 26 Prozent Büroimmobilien, 19 Prozent Hotels. Büro- und Hotelimmobilien sind seit der Pandemie die beiden schwierigsten Kategorien überhaupt; 45 Prozent des puerto-ricanischen Gewerbehypothekenbuchs stecken zusammen in ihnen. Rechnet man Bau- und Gewerbehypotheken zusammen, sind es 2,8 Milliarden US-Dollar oder 21 Prozent des Kreditbuchs. Das ist kein Alarm — die Ausfälle sind niedrig —, aber es ist die Stelle, an der eine Regionalbank erfahrungsgemäß als Erstes wehtut.

Zweitens die Privatkunden. Im zweiten Quartal 2026 sprangen die Kredite in Frühverzug — 30 bis 89 Tage überfällig, aber noch nicht ausgefallen — um 32,9 Millionen auf 143,4 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 20,7 Millionen auf Konsumentenkredite und Leasing, überwiegend auf das Autokreditbuch. Gleichzeitig sank die Ausfallquote auf 0,49 Prozent nach 0,65 Prozent im Vorquartal. Beides zusammen ergibt ein Bild, das man aushalten muss: Was heute ausfällt, wird weniger; was morgen ausfallen könnte, wird mehr. Frühverzug ist der Frühindikator — bei einer Bank ist er die Zahl, die man im nächsten Quartalsbericht zuerst sucht.

Bewertung: was die Aktie kostet

Bei einer Bank sind zwei Maßstäbe entscheidend, und beide lassen sich sauber datieren. Der erste ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis: Zum Quartalsende 30. Juni 2026 nennt der Bericht selbst einen Schlusskurs von 26,07 US-Dollar; der Buchwert je Aktie lag bei 12,95 US-Dollar, der materielle bei 12,68. Macht rund das Doppelte des Buchwerts — für eine Bank mit 19,5 Prozent Eigenkapitalrendite ist das keine Übertreibung, aber auch kein Schnäppchen. Regionalbanken mit durchschnittlicher Ertragskraft handeln eher beim Ein- bis Anderthalbfachen.

Der zweite Maßstab ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis: Auf den Jahresgewinn 2025 von 2,15 US-Dollar je Aktie bezogen ergibt derselbe Kurs rund das Zwölffache. Auch das ist eine Größenordnung, kein Ausschlag: günstiger als der breite Markt, teurer als der Sektordurchschnitt in seinen schlechten Phasen. Dazu kommt eine Dividende von 0,76 US-Dollar je Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bei einer Ausschüttungsquote von rund 26 Prozent — also reichlich Luft.

Der Blick der Profis fällt freundlich aus, aber nicht euphorisch: Sechs Analystenstimmen ergaben zuletzt vier Kaufempfehlungen und zwei Halte-Voten bei einem durchschnittlichen Kursziel von 30,71 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026). Das entspricht einem überschaubaren Aufschlag auf den Quartalsschlusskurs — die Profis sehen also eine gut geführte Bank, keine Neubewertungsfantasie. Wer Vergleichsmaßstäbe sucht, findet in unserer Analyse von Pathward Financial ein zweites Beispiel dafür, wie unterschiedlich zwei Bankgeschäftsmodelle unter derselben Aufsicht aussehen können.

Ein Wort zur Vorsicht bei Kennzahlen aus Screenern: Der klassische Altman-Z-Wert, mit dem viele Filter die Insolvenznähe messen, ist für Banken praktisch bedeutungslos — er wurde für Industriebetriebe entwickelt, und eine Bank hat konstruktionsbedingt ein Vielfaches an Verbindlichkeiten. Wer die Überlebensfähigkeit von First BanCorp beurteilen will, schaut auf die Kapitalquoten (CET1 16,96 Prozent, Gesamtkapital 18,21 Prozent zum 30. Juni 2026) und die verfügbare Liquidität von 19,60 Prozent der Bilanzsumme — nicht auf einen Industrie-Index.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für First BanCorp spricht:

  • Außergewöhnliche Ertragskraft: 2,02 Prozent Gesamtkapitalrendite und 19,49 Prozent Eigenkapitalrendite im zweiten Quartal 2026, Effizienzquote 48,07 Prozent — das 18. Quartal in Folge über 1,5 Prozent Gesamtkapitalrendite.
  • Dicke Kapitaldecke: Kernkapitalquote (CET1) 16,96 Prozent, Gesamtkapitalquote 18,21 Prozent zum 30. Juni 2026, dazu 19,60 Prozent verfügbare Liquidität gemessen an der Bilanzsumme.
  • Konsequente Kapitalrückgabe: 50,0 Millionen US-Dollar Aktienrückkauf und 31,0 Millionen Dividende allein im zweiten Quartal 2026 — zusammen 84 Prozent des Quartalsgewinns; die Aktienzahl sank binnen eines Jahres von 161,5 auf 152,7 Millionen Stück.
  • Steigende Zinsmarge und wachsendes Geschäft: Nettozinsmarge fünf Quartale in Folge aufwärts auf 4,87 Prozent, Kreditvergaben im zweiten Quartal 2026 bei 1,7 Milliarden US-Dollar und damit 21 Prozent über dem Vorjahr.
  • Gute Kreditqualität heute: notleidende Vermögenswerte 0,59 Prozent der Bilanzsumme, annualisierte Ausfallquote 0,49 Prozent, Deckung durch Risikovorsorge 1,85 Prozent des Kreditbuchs (30. Juni 2026).

Was dagegen spricht:

  • Klumpenrisiko Puerto Rico: 2.854 von 3.218 Beschäftigten und 57 von 73 Filialen auf einer Insel unter Haushaltsaufsicht; 297,8 Millionen US-Dollar direkte Forderungen an Regierung, Gemeinden und öffentliche Körperschaften (31. Dezember 2025) und 3,0 Milliarden US-Dollar Einlagen der öffentlichen Hand.
  • Abhängigkeit von Bundesmitteln: Der Haushalt 2026 der Insel kalkuliert mit rund 1,2 Milliarden US-Dollar weniger Geld aus Washington und hält vorsorglich fünf Prozent der Behördenausgaben acht Monate zurück.
  • Bewertungsloch im Eigenkapital: 368,4 Millionen US-Dollar nicht realisierte Verluste aus dem Anleihebuch zum 30. Juni 2026 — 18,6 Prozent des Eigenkapitals, und im ersten Halbjahr 2026 gewachsen statt geschrumpft.
  • Rekordjahr mit Einmaleffekten: Bereinigt lag der Gewinn 2025 bei 325,3 statt 344,9 Millionen US-Dollar; 16,6 Millionen stammen aus der Auflösung einer Wertberichtigung auf Verlustvorträge, die sich nicht wiederholt.
  • Immobilien- und Konsumentenrisiken: 26 Prozent des puerto-ricanischen Gewerbehypothekenbuchs von 1,7 Milliarden US-Dollar stecken in Büroimmobilien, 19 Prozent in Hotels; der Frühverzug stieg im zweiten Quartal 2026 um 32,9 auf 143,4 Millionen US-Dollar, überwiegend im Autokreditbuch.
  • Bewertung ohne Sicherheitsmarge: rund das Doppelte des Buchwerts und etwa das Zwölffache des Jahresgewinns 2025 (Quartalsschlusskurs 26,07 US-Dollar zum 30. Juni 2026) — die gute Ertragslage ist eingepreist.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Narben-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass Charts lügen — sie zeigen ehrlich, was war. Ihr Kern ist, dass wir sie als Prognose lesen, obwohl sie Geschichte sind. Bei First BanCorp erzählt der Chart von 2009 bis 2013: von einer Bank, die fast unterging, von Aktionären, deren Anteile zerrieben wurden, von 15 alten Aktien, aus denen eine neue wurde. Das ist alles wahr, und niemand, der damals dabei war, hat sein Geld wiedergesehen. Aber es sagt nichts darüber, ob die Bank, die heute unter demselben Namen firmiert, ihr Geschäft versteht. Diese Frage beantworten die Berichte, und sie beantworten sie mit 2,02 Prozent Gesamtkapitalrendite, 16,96 Prozent Kernkapital und einem Vorstand, der 84 Prozent des Quartalsgewinns an die Aktionäre zurückgibt.

Genauso ehrlich ist die Gegenrichtung: Wer diese Aktie kauft, kauft keine Wende mehr — die ist gelaufen und bezahlt. Er kauft eine sehr gut geführte Bank zum rund zweifachen Buchwert, deren Schicksal an einer Insel hängt, die von Bundesmitteln abhängt, in deren Eigenkapital ein wachsendes Bewertungsloch steckt und deren Rekordjahr ein Fünftel seines Zuwachses aus Einmaleffekten bezog. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist der Turnaround intakt?", sondern: Willst du für ein exzellentes Bankgeschäft den vollen Preis zahlen — und dabei ein geografisches Klumpenrisiko tragen, das dir kein Kursanstieg abnimmt? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du einen Chart. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Nicht zu verwechseln ist First BanCorp. aus Puerto Rico (NYSE: FBP) mit der gleichnamigen First Bancorp aus North Carolina (Nasdaq: FBNC) oder der früheren First BanCorp aus Maine. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in First-BanCorp-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragskraft positiv
Im zweiten Quartal 2026 erreichte First BanCorp 2,02 Prozent Gesamtkapitalrendite, 19,49 Prozent Eigenkapitalrendite und eine Effizienzquote von 48,07 Prozent — das 18. Quartal in Folge über 1,5 Prozent Gesamtkapitalrendite. Die Nettozinsmarge stieg fünf Quartale in Folge auf 4,87 Prozent, der Jahresgewinn 2025 lag mit 344,9 Millionen US-Dollar auf Rekordniveau.
Kapital & Kapitalrückgabe positiv
Kernkapitalquote (CET1) 16,96 Prozent und Gesamtkapitalquote 18,21 Prozent zum 30. Juni 2026, dazu 19,60 Prozent verfügbare Liquidität. Im zweiten Quartal 2026 flossen 50,0 Millionen US-Dollar in Rückkäufe (Durchschnittspreis 25,08 US-Dollar) und 31,0 Millionen in Dividenden — 84 Prozent des Quartalsgewinns; die Aktienzahl sank binnen eines Jahres von 161,5 auf 152,7 Millionen Stück.
Geografisches Klumpenrisiko negativ
Der Geschäftsbericht 2025 nennt die Konzentration auf Puerto Rico als eigenen Risikofaktor: 2.854 von 3.218 Beschäftigten und 57 von 73 Filialen liegen dort, dazu 297,8 Millionen US-Dollar direkte Forderungen an Regierung und Gemeinden (31. Dezember 2025). Der Inselhaushalt steht seit 2016 unter PROMESA-Aufsicht und rechnet 2026 mit rund 1,2 Milliarden US-Dollar weniger Bundesmitteln.
Bilanzqualität neutral
Die Kreditqualität ist gut (notleidende Vermögenswerte 0,59 Prozent der Bilanzsumme, Ausfallquote 0,49 Prozent zum 30. Juni 2026), aber im Eigenkapital von 1.976,8 Millionen US-Dollar stecken 368,4 Millionen nicht realisierte Verluste aus dem Anleihebuch — 18,6 Prozent, und im ersten Halbjahr 2026 gewachsen statt geschrumpft. Der Frühverzug stieg im zweiten Quartal 2026 um 32,9 auf 143,4 Millionen, überwiegend im Autokreditbuch.
Ergebnisqualität neutral
Vom Rekordgewinn 2025 über 344,9 Millionen US-Dollar bleiben nach der eigenen Bereinigung 325,3 Millionen; allein 16,6 Millionen stammen aus der Auflösung einer Wertberichtigung auf Verlustvorträge aus der Krisenzeit, ausgelöst durch das puerto-ricanische Steuergesetz Act 65-2025. Bereinigt wuchs der Gewinn 2025 um 8,6 statt 15,4 Prozent.
Bewertung neutral
Zum Quartalsschlusskurs von 26,07 US-Dollar (30. Juni 2026) handelt die Aktie bei rund dem Doppelten des Buchwerts von 12,95 US-Dollar je Aktie und etwa dem Zwölffachen des Jahresgewinns 2025. Für eine Bank mit 19,5 Prozent Eigenkapitalrendite ist das vertretbar, aber ohne Sicherheitsmarge; das mittlere Analysten-Kursziel lag bei 30,71 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026).

First BanCorp ist die Narben-Falle in Reinform: Der Kurschart steht rund 91 Prozent unter dem bereinigten Hoch vom Dezember 2004 und erzählt damit von der Beinahe-Pleite 2009 bis 2013 und der Aktienzusammenlegung 1:15 vom 7. Januar 2011 — nicht vom heutigen Geschäft. Das ist so gut wie nie: 96,2 Millionen US-Dollar Quartalsgewinn, 2,02 Prozent Gesamtkapitalrendite, 16,96 Prozent Kernkapital und 84 Prozent des Gewinns zurück an die Aktionäre (zweites Quartal 2026). Wer heute kauft, kauft deshalb keinen Turnaround mehr, sondern eine sehr profitable Inselbank zum rund zweifachen Buchwert — mit einem Klumpenrisiko in Puerto Rico, 368,4 Millionen Bewertungsloch im Eigenkapital und rund 20 Millionen Einmaleffekten im Rekordjahr 2025. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft ist belegbar exzellent, die Bewertung nimmt das vorweg, und die offenen Fragen lassen sich Quartal für Quartal an konkreten Zahlen prüfen. Wer beobachtet, achtet auf drei Dinge: Bleibt der Frühverzug über 143,4 Millionen US-Dollar oder war der Sprung des zweiten Quartals 2026 ein Ausreißer? Schrumpft das Bewertungsloch im Eigenkapital wieder unter 368,4 Millionen? Und hält die bereinigte Ertragskraft von zuletzt 325,3 Millionen im Jahr 2026 stand, ohne Steuersondereffekte? Dazu die Insel selbst: Wie viel Bundesmittel bekommt Puerto Rico im Haushaltsjahr, das am 1. Juli 2026 begonnen hat? Für die Kapitalseite spricht die Rückkaufmaschine — 84 Prozent des Quartalsgewinns gingen zuletzt an die Aktionäre. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam First BanCorp über den hauseigenen Aktien-Scanner für Turnaround-Kandidaten, Platz 11 von 62 US-Treffern bei einem Wende-Check von 7 von 8 Punkten (Stand 25. Juli 2026). Die Listen werden täglich neu berechnet, der Rang kann sich also verschieben.
  • Wichtige Einordnung zum Scanner: Die Pflichtsäule „mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch" erfüllt diese Aktie, weil das bereinigte Hoch aus dem Dezember 2004 stammt und die Aktienzusammenlegung 1:15 vom 7. Januar 2011 im bereinigten Chart bis heute nachwirkt — nicht, weil das Geschäft schwach wäre. Der klassische Altman-Z-Wert, den der Filter zur Insolvenzferne heranzieht, ist für Banken ohnehin nicht aussagekräftig; maßgeblich sind die Kapitalquoten.
  • Alle Zahlen sind datiert und evergreen: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025, Quartalszahlen aus dem 10-Q zum 31. März 2026 und der Ergebnismeldung 8-K vom 22. Juli 2026 (Quartal zum 30. Juni 2026); Bewertungs- und Analystenangaben mit Datenstand 25. Juli 2026. Der genannte Kurs von 26,07 US-Dollar ist der im Quartalsbericht dokumentierte Schlusskurs zum 30. Juni 2026, kein Tageskurs.
  • Verwechslungsgefahr: First BanCorp. aus Puerto Rico (NYSE: FBP) ist weder die First Bancorp aus North Carolina (Nasdaq: FBNC) noch die frühere First BanCorp aus Maine. Maßgeblich ist die SEC-Kennung CIK 0001057706, eingetragen als „FIRST BANCORP /PR/".

Häufige Fragen

First BanCorp. (NYSE: FBP) mit Sitz in San Juan ist die Bankholding von FirstBank Puerto Rico, einer 1948 gegründeten Geschäftsbank. Sie sammelt Einlagen ein und vergibt Kredite an Privat- und Firmenkunden. Zum 31. Dezember 2025 betrieb sie 57 Filialen in Puerto Rico, acht auf den US-amerikanischen und Britischen Jungferninseln und acht in Florida, beschäftigte 3.218 Menschen und wies eine Bilanzsumme von 19,1 Milliarden US-Dollar aus, davon 16,7 Milliarden Einlagen und 12,9 Milliarden Kredite.

Weil das bereinigte Allzeithoch aus dem Dezember 2004 stammt und dazwischen zwei Dinge liegen: die Beinahe-Pleite der Jahre 2009 bis 2013 mit einem Verlust von 524,3 Millionen US-Dollar allein 2010 und eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:15 am 7. Januar 2011. Der Kursabstand von rund 91 Prozent (Datenstand 25. Juli 2026) beschreibt damit die Vergangenheit der Aktie, nicht den heutigen Zustand der Bank — die 2025 einen Rekordgewinn von 344,9 Millionen US-Dollar erzielte.

Deutlich überdurchschnittlich. Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Bank eine Gesamtkapitalrendite von 2,02 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 19,49 Prozent; bei Regionalbanken gilt 1,0 Prozent Gesamtkapitalrendite als solider Durchschnitt. Die Effizienzquote lag bei 48,07 Prozent — die Bank wendet also 48 Cent Kosten für einen Dollar Ertrag auf. Laut eigener Mitteilung war es das 18. Quartal in Folge mit einer Gesamtkapitalrendite über 1,5 Prozent.

Der Geschäftsbericht 2025 nennt die Konzentration auf Puerto Rico ausdrücklich als Risikofaktor. 2.854 der 3.218 Beschäftigten arbeiten dort, 57 der 73 Filialen stehen dort. Zum 31. Dezember 2025 hatte die Bank 297,8 Millionen US-Dollar direkte Forderungen an die Regierung, ihre Gemeinden und öffentliche Körperschaften. Der Haushalt der Insel steht seit 2016 unter Aufsicht des PROMESA-Gremiums und kalkuliert für 2026 mit rund 1,2 Milliarden US-Dollar weniger Bundesmitteln.

Die Kernkapitalquote (CET1) sagt, wie viel hartes Eigenkapital hinter den risikogewichteten Geschäften einer Bank steht. 16,96 Prozent zum 30. Juni 2026 liegen weit über den aufsichtsrechtlichen Mindestwerten; die Gesamtkapitalquote betrug 18,21 Prozent, die Verschuldungsquote 11,72 Prozent. Die Ergebnismeldung hält fest, dass alle Kapitalquoten die geforderten Werte für Bankholdings und gut kapitalisierte Banken übertrafen. Praktisch heißt das: viel Puffer für Kreditausfälle und Rückkäufe.

Nur teilweise. Von den 344,9 Millionen US-Dollar Gewinn 2025 zieht die Bank in ihrer eigenen Überleitung 16,6 Millionen Steuerentlastung aus der Auflösung einer Wertberichtigung auf latente Steueransprüche, 2,4 Millionen aus einer Personal-Steuergutschrift und 1,1 Millionen aus der Rückbuchung einer FDIC-Sonderabgabe ab. Bereinigt bleiben 325,3 Millionen US-Dollar nach 299,4 Millionen im Vorjahr — also 8,6 statt 15,4 Prozent Wachstum. Die operative Verbesserung ist echt, der Sprung aber kleiner.

Zum Quartalsende 30. Juni 2026 nennt der Bericht einen Schlusskurs von 26,07 US-Dollar. Bei einem Buchwert von 12,95 US-Dollar je Aktie entspricht das rund dem Doppelten des Buchwerts, bezogen auf den Jahresgewinn 2025 von 2,15 US-Dollar je Aktie etwa dem Zwölffachen. Die Dividende lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 0,76 US-Dollar je Aktie, die Ausschüttungsquote bei rund 26 Prozent. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel betrug 30,71 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026).

Dafür gibt es in den SEC-Unterlagen keinen Anhaltspunkt. Zwischen dem Quartalsbericht zum 31. März 2026 und dem 25. Juli 2026 reichte die Gesellschaft ausschließlich übliche Meldungen ein: Ergebnismeldungen, Personalien, Hauptversammlungsergebnisse, Mitarbeiterbeteiligungsprogramme. Es gibt keine Mitteilung über einen wesentlichen Vertrag (8-K Item 1.01), kein Fusions-Proxy (DEFM14A oder PREM14A) und keine Erklärung zum Delisting (SC 13E-3). Die Aktie ist an der New York Stock Exchange notiert, die Gesellschaft gilt als Large Accelerated Filer.

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