JPMorgan-Chase-Aktie: 21,2 Milliarden Quartalsgewinn — und warum 4,2 Milliarden davon nur einmal kommen
JPMorgan Chase meldete für das Quartal bis zum 30. Juni 2026 einen Nettogewinn von 21.155 Millionen US-Dollar, 41 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Bank selbst zieht davon 4,2 Milliarden nach Steuern wieder ab: Gewinne auf Visa-Anteile und Beteiligungen, die es so kein zweites Mal gibt. Übrig bleiben 16,9 Milliarden. Wir rechnen den Rekord auseinander — Posten für Posten, jeweils mit der Fundstelle daneben.
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Die Falle heißt Steuerrückzahlung
Machen wir einen Deal. Bevor wir über die größte Bank der Vereinigten Staaten reden, gestehe ich dir eine Denkfalle, in die wir beide schon getappt sind. Es ist der Monat, in dem die Steuerrückzahlung kommt. Auf dem Konto stehen plötzlich 2.400 Euro mehr als sonst, und für ein paar Tage fühlt sich alles leichter an: das größere Auto, der teurere Urlaub, die neue Küche.
Nur hat sich dein Gehalt nicht geändert. Der Monat war eine Ausnahme, kein neuer Normalzustand. Wer sein Haushaltsbudget nach diesem Monat plant, plant nach der falschen Zahl.
Bei JPMorgan Chase lautet die Schlagzeile für das Quartal bis zum 30. Juni 2026: 21.155 Millionen US-Dollar Nettogewinn, ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das ist richtig, es steht so in der Ergebnismitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC.
In derselben Mitteilung, eine Seite weiter, steht die zweite Zahl. Die Bank rechnet zwei Posten heraus, die es so kein zweites Mal gibt, und kommt auf 16,9 Milliarden. Aus plus 41 Prozent werden dann plus 13.
Merke dir dieses Spannungsfeld, es zieht sich durch jedes Kapitel: JPMorgan Chase verdient so viel wie nie — und der Zuwachs kommt aus den Teilen des Geschäfts, die am wenigsten verlässlich sind. Wir lesen das jetzt gemeinsam nach, Zeile für Zeile.
Inhaltsübersicht
- Was JPMorgan Chase eigentlich macht
- Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Warum die üblichen Kennzahlen hier nicht greifen
- Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
- Bewertung: Was du für diese Bank bezahlst
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was JPMorgan Chase eigentlich macht
JPMorgan Chase ist eine Universalbank. Das heißt: Sie macht fast alles, was man mit Geld anstellen kann, und sie macht es in einer Größenordnung, die schwer greifbar ist. Zum 30. Juni 2026 stand eine Bilanzsumme von rund 5,0 Billionen US-Dollar in den Büchern. Zum Vergleich: Das ist mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung Deutschlands.
Der Konzern berichtet in vier Blöcken. Der Reihe nach, mit dem Nettogewinn des Jahres 2025:
- Firmenkunden & Investmentbank (CIB): 27.761 Millionen US-Dollar. Hier sitzen Kredite an Unternehmen, Zahlungsverkehr, Wertpapierverwahrung, Beratung bei Übernahmen und Börsengängen — und der Handel mit Anleihen, Währungen, Rohstoffen und Aktien.
- Privat- & Geschäftskunden (CCB): 18.245 Millionen. Das ist die Marke „Chase" im Alltag: Girokonto, Filiale, Geldautomat, Baufinanzierung, Autokredit, Kreditkarte, Wertpapierdepot für Privatleute.
- Vermögensverwaltung (AWM): 6.522 Millionen. Fonds für Institutionelle und Betreuung sehr vermögender Privatkunden. Das verwaltete Vermögen erreichte im Quartal bis zum 30. Juni 2026 5,1 Billionen US-Dollar.
- Konzernbereich: 4.520 Millionen. Die Sammelstelle für Treasury, eigene Wertpapieranlagen und Beteiligungen. Hier landen die Posten, über die wir gleich ausführlich sprechen.
Wie eine Bank verdient, funktioniert anders als bei einem Industrieunternehmen, deshalb kurz das Alltagsbild. Zwei Töpfe:
Der erste heißt Zinsüberschuss. Die Bank nimmt Geld von Sparern und Gläubigern entgegen und zahlt dafür Zinsen; sie gibt Geld als Kredit weiter und kassiert dafür Zinsen. Die Differenz ist ihr Verdienst. 2025 waren das 95.443 Millionen US-Dollar.
Der zweite heißt zinsunabhängige Erträge: Gebühren für Beratung, Depotführung, Kartenumsätze, Vermögensverwaltung — plus die Gewinne und Verluste aus dem Handel. 2025 waren das 87.004 Millionen. Zusammen ergibt das den „Ertrag" von 182.447 Millionen, den andere Firmen Umsatz nennen würden.
Eine Einordnung, die man leicht falsch macht: JPMorgan Chase & Co. ist nicht Morgan Stanley. Zwei getrennte Häuser, zwei Ticker. Innerhalb des Konzerns steht „J.P. Morgan" für das Geschäft mit Unternehmen und Vermögenden, „Chase" für Privatkunden. Und wer alte Zeitreihen sucht: Der Konzern hieß bis 2000 Chase Manhattan Corp und davor Chemical Banking Corp. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr, du musst nichts umrechnen.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diesmal war es kein Treffer aus unseren hauseigenen Aktien-Scannern. Die filtern nach Kennzahlen — günstige Bewertung, hoher Piotroski-Punktwert, Momentum —, und genau deshalb fallen die bekanntesten Schwergewichte systematisch durch: Sie sind selten billig. Als wir am 28. Juli 2026 nachzählten, welche der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert bei uns bereits eine Tiefenanalyse haben, standen 88 ohne. JPMorgan Chase war davon der größte Finanzwert, auf Rang 12 mit rund 950 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 29. Juli 2026).
Das ist eine ehrliche Auskunft über unsere eigene Methode: Ein Scanner, der nach Schnäppchen sucht, findet keine Blue Chips. Deshalb arbeiten wir die Liste jetzt von oben ab.
JPMorgan hat dabei eine Sonderrolle, die über die eigene Bilanz hinausgeht. Der Vorstandsvorsitzende Jamie Dimon nennt in derselben Ergebnismitteilung als Rückenwind für die US-Wirtschaft ausdrücklich „KI-getriebene Investitionen" — und die Bank finanziert diese Investitionen mit. Wer wissen will, wovon konkret die Rede ist, findet die Gegenseite bei zwei Firmen, die wir bereits durchleuchtet haben: Microsoft gibt dieses Geld für Rechenzentren aus, und Amazon tut dasselbe im selben Tempo. Eine Bank verdient an diesem Zyklus zweimal — an der Finanzierung und an den Börsengängen, die daraus folgen. Sie trägt aber auch das Kreditrisiko, wenn er endet.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, und davon gibt es hier eine Menge. JPMorgan Chase hat in den vergangenen drei Jahren 165 Milliarden US-Dollar verdient. Nicht umgesetzt — verdient, nach Steuern. Die Eigenkapitalrendite lag in jedem dieser Jahre bei 17 oder 18 Prozent; bei einer Bank gilt alles über 10 Prozent als ordentlich, alles über 15 als sehr gut.
Noch aussagekräftiger für eine Bank ist der Buchwert je Aktie — das Eigenkapital, geteilt durch die Zahl der Aktien. Er zeigt, wie viel Substanz pro Anteilsschein tatsächlich dazugekommen ist:
| Stichtag | Buchwert je Aktie | Materieller Buchwert je Aktie |
|---|---|---|
| 31.12.2023 | 104,45 $ | 86,08 $ |
| 31.12.2024 | 116,07 $ | 97,30 $ |
| 31.12.2025 | 126,99 $ | 107,56 $ |
| 30.06.2026 | 133,01 $ | 113,35 $ |
Das sind 27 Prozent mehr Buchwert in zweieinhalb Jahren — und das, obwohl die Bank in derselben Zeit Dividenden gezahlt und die Zahl der Aktien von 2.876,6 auf 2.696,2 Millionen (Jahresende 2025) verringert hat. Beides zusammen ist selten.
Jetzt die Gesamtreihe. Alle Werte in Millionen US-Dollar, alle aus dem Geschäftsbericht für 2025:
| Geschäftsjahr | Ertrag | Aufwand | Risikovorsorge | Nettoergebnis | Ergebnis je Aktie |
|---|---|---|---|---|---|
| 2023 | 158.104 | 87.172 | 9.320 | 49.552 | 16,23 $ |
| 2024 | 177.556 | 91.797 | 10.678 | 58.471 | 19,75 $ |
| 2025 | 182.447 | 95.640 | 14.212 | 57.048 | 20,02 $ |
Zwei Spalten lohnen einen zweiten Blick. Das Nettoergebnis fiel 2025 um 2 Prozent, obwohl der Ertrag stieg — die Risikovorsorge legte um ein Drittel zu. Und das Ergebnis je Aktie stieg trotzdem, weil die Bank Aktien zurückgekauft hat. Merksatz: Wenn der Gewinn je Aktie schneller wächst als der Gewinn, arbeitet der Rückkauf, nicht das Geschäft.
Wo das Geld verdient wird, hat sich in diesen drei Jahren spürbar verschoben:
Der graue Balken in der Mitte ist der Grund, warum dieses Kapitel nicht mit einer Lobrede endet. Der Konzernbereich verdiente 2023 noch 2.821 Millionen, 2024 dann 10.601 Millionen und 2025 wieder 4.520 Millionen. Was da schwankt, ist nicht das Bankgeschäft. Es sind Bewertungen von Beteiligungen und Wertpapieren.
Warum die üblichen Kennzahlen hier nicht greifen
Bevor wir weitermachen, ein Kapitel, das wir bei jedem Finanzwert einschieben — weil sonst leicht mit falschen Werkzeugen gemessen wird.
Unsere Scanner rechnen für jede Firma unter anderem den Altman-Z-Wert aus, ein Frühwarnmaß für Zahlungsunfähigkeit. Für JPMorgan Chase liefert die Formel 0,63, und bei einem Industrieunternehmen wäre das eine laute Warnung. Hier ist es schlicht ohne Aussagekraft: Die Formel setzt Umlaufvermögen und einbehaltene Gewinne ins Verhältnis zur Bilanzsumme — bei einer Bank besteht diese Bilanzsumme aus Krediten und Kundeneinlagen. Das Modell wurde für Fabriken entwickelt, nicht für Banken. Dieselbe Einschränkung gilt für Versicherer und Immobiliengesellschaften.
Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 5,1 taugt hier nichts. Eine Bank hat keinen Umsatz im üblichen Sinn; was in der Kennzahl als Nenner landet, ist die Summe aus Zinsüberschuss und Gebühren — eine Größe, die man mit dem Umsatz eines Händlers oder Herstellers nicht vergleichen kann.
Der Unternehmenswert und alles, was darauf aufbaut, ist bei Banken ebenfalls unbrauchbar: Er zieht die Kasse vom Börsenwert ab. Bei einer Bank ist die Kasse aber Betriebsmittel, nicht überschüssiges Geld.
Und der freie Mittelzufluss? Der operative Cashflow einer Bank schwankt um dreistellige Milliardenbeträge, je nachdem, ob Kunden Einlagen bringen oder abziehen und ob die Handelsbestände wachsen oder schrumpfen. Er misst Bewegungen von Kundengeld, nicht verdientes Geld.
Was stattdessen zählt, ist überschaubar: Zinsüberschuss, zinsunabhängige Erträge, Risikovorsorge, Eigenkapitalrendite, harte Kernkapitalquote, Verschuldungsquote und die Buchwertreihe. Genau diese Größen benutzen wir hier — und die Bank selbst benutzt sie auch.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Fünftel des Rekordgewinns kam aus Aktien, die zum Nennwert in der Bilanz standen
Der Quartalsgewinn bis zum 30. Juni 2026 betrug 21.155 Millionen US-Dollar. Die Bank benennt in derselben Mitteilung, was daran einmalig war:
„The significant items, each in the current quarter, consisted of a $4.6 billion net gain related to Visa shares in Corporate as well as $1.0 billion of gains on certain equity investments, of which $763 million was in Corporate and $263 million was in CIB."
Übersetzung: „Die wesentlichen Posten, jeweils im laufenden Quartal, bestanden aus einem Nettogewinn von 4,6 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit Visa-Aktien im Konzernbereich sowie 1,0 Milliarden Gewinnen auf bestimmte Beteiligungen, von denen 763 Millionen auf den Konzernbereich und 263 Millionen auf die Investmentbank entfielen."
— JPMorgan Chase & Co., SEC-Ergebnismitteilung 8-K vom 14. Juli 2026 (Item 2.02, Anlage 99.1)
Was diese 4,6 Milliarden waren, ist die eigentliche Geschichte, und sie stand schon ein Quartal früher im Bericht. JPMorgan hielt 18,6 Millionen Visa-Aktien der Gattung B-2. Die stammen noch aus der Zeit, als die Banken Visa gemeinsam besaßen. Sie sind gesperrt, ihr Umtauschverhältnis in frei handelbare Visa-Aktien hängt vom Ausgang alter Kartellverfahren ab — und deshalb stehen sie, so der Geschäftsbericht wörtlich, „zu ihrem nominellen Übertragungswert" in der Bilanz. Im Klartext: mit fast nichts.
Am 13. April 2026 startete Visa ein Umtauschangebot. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 kündigte an, was daraus folgen würde:
Rechnen wir es zusammen. Die Sondereffekte machten nach Steuern 4,2 Milliarden US-Dollar aus — das sind 1,56 US-Dollar je Aktie und 6 Prozentpunkte Eigenkapitalrendite. Aus 7,70 US-Dollar Gewinn je Aktie werden 6,14; aus 29 Prozent Rendite auf das materielle Eigenkapital werden 23.
Und es war nicht das erste Mal. Im zweiten Quartal 2024 hatte ein früherer Visa-Tausch der Bank bereits 7,9 Milliarden US-Dollar gebracht. Deshalb sprang der Konzernbereich in unserem Chart oben 2024 so hoch. Übrig bleiben nach dem Tausch von 2026 neue Visa-B-3-Aktien, die wieder zum nominellen Wert bilanziert werden — und Visa ist ausdrücklich ermächtigt, weitere Umtauschangebote zu machen.
Im Alltagsbild: Das ist ein Sparbuch von der Oma, das jahrzehntelang mit einem Euro in den Unterlagen stand. Wenn es aufgelöst wird, ist der Ertrag echt. Nur ist er kein Gehalt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Kerngeschäft steht seit zwei Jahren praktisch still
Jetzt zu dem Teil, den man wirklich Bankgeschäft nennen kann. Der Zinsüberschuss stieg 2025 um 3 Prozent auf 95.443 Millionen US-Dollar. Klingt gut. Die Bank berichtet aber zusätzlich eine Größe, die den Handel herausrechnet — und die ist ehrlicher, weil Handelserträge in der Zinszeile stecken können, ohne mit Krediten und Einlagen zu tun zu haben.
Ohne Handelsgeschäft lag der Zinsüberschuss 2025 bei 92.591 Millionen US-Dollar — nach 92.419 Millionen im Jahr 2024. Das ist ein Plus von 0,2 Prozent. Praktisch Stillstand. Die zinsunabhängigen Erträge ohne Handel fielen im selben Zeitraum sogar um 2 Prozent auf 57.208 Millionen.
Woher kam der Zuwachs dann? Aus dem Handel. Die Markets-Erträge stiegen 2025 um 19 Prozent auf 35.782 Millionen. Und im Quartal bis zum 30. Juni 2026 verschärfte sich das Bild noch:
- Zinsüberschuss ohne Handel: 23,7 Milliarden US-Dollar, plus 4 Prozent. Die Bank nennt als Treiber höhere Einlagen und höhere revolvierende Kreditkartensalden, „weitgehend ausgeglichen durch die Wirkung niedrigerer Zinsen".
- Handelserträge: 12,1 Milliarden, plus 35 Prozent.
- Davon Aktienhandel allein: 6,0 Milliarden, plus 86 Prozent.
Der Vorstandsvorsitzende ordnet das selbst ein, und die Einordnung ist bemerkenswert offen:
„The Firm reported very strong results in the quarter, generating net income of $16.9 billion and an ROTCE of 23%, excluding gains related to Visa and certain equity investments. These results were the product of a particularly favorable environment with an elevated level of market activity, as well as rigorous execution, years of consistent investment and thoughtful capital deployment."
Übersetzung: „Das Institut hat im Quartal sehr starke Ergebnisse erzielt und einen Nettogewinn von 16,9 Milliarden US-Dollar sowie eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von 23 Prozent erwirtschaftet — ohne die Gewinne im Zusammenhang mit Visa und bestimmten Beteiligungen. Diese Ergebnisse waren das Produkt eines besonders günstigen Umfelds mit einem erhöhten Niveau an Marktaktivität sowie strenger Ausführung, jahrelanger beständiger Investitionen und durchdachten Kapitaleinsatzes."
— Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender, in der SEC-Ergebnismitteilung 8-K vom 14. Juli 2026
„Ein besonders günstiges Umfeld mit einem erhöhten Niveau an Marktaktivität" — das ist die Beschreibung eines Zustands, nicht eines Trends. Handelserträge sind der schwankungsanfälligste Teil jeder Bankbilanz. Ein Quartal mit 86 Prozent Zuwachs im Aktienhandel ist kein neues Niveau, es ist ein gutes Quartal.
Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenrichtung: Die Bank erwartet für 2026 einen Zinsüberschuss von rund 103 Milliarden US-Dollar, ohne Handel rund 95 Milliarden — nach 92,6 Milliarden im Jahr 2025. Das wäre ein Zuwachs von rund 3 Prozent im Kerngeschäft. Solide, aber eben nicht 41 Prozent.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Kreditausfälle steigen das dritte Jahr in Folge
In einem Jahr mit Rekordgewinnen schaut niemand auf die Ausfallzeile. Genau deshalb steht sie hier.
Zwei Begriffe, kurz übersetzt. Die Risikovorsorge ist der Betrag, den die Bank vorsorglich für erwartete Ausfälle zurücklegt — eine Schätzung. Die Netto-Abschreibungen sind das, was tatsächlich als verloren ausgebucht wurde — eine Tatsache. Beide steigen, aber die Tatsache steigt schneller: plus 59 Prozent in zwei Jahren, während der Nettogewinn um 15 Prozent zulegte.
Die notleidenden Vermögenswerte gingen im selben Zeitraum von 7.597 auf 10.359 Millionen US-Dollar hoch. Im Kreditkartengeschäft lag die Ausfallquote 2025 bei 3,31 Prozent, im Quartal bis zum 31. März 2026 bei 3,47 Prozent und im Quartal bis zum 30. Juni 2026 bei 3,34 Prozent. Die Bank selbst rechnet für 2026 mit rund 3,4 Prozent.
Jetzt die Gegenrede, und sie ist stark: Diese Werte sind historisch niedrig. Eine Ausfallquote von 0,74 Prozent des gesamten Kreditbuchs ist für eine Universalbank ein guter Wert; die Wertberichtigung von 31.230 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2025 deckt 1,83 Prozent des Kreditbuchs ab, also das Zweieinhalbfache eines Jahresausfalls. JPMorgan hat kein Kreditproblem.
Was es hat, ist eine Richtung. Und Richtungen im Kreditgeschäft drehen selten von einem Quartal auf das andere.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 2,2 Milliarden Vorsorge für Kredite, die der Bank noch nicht gehören
Die Risikovorsorge des Jahres 2025 sprang um ein Drittel auf 14.212 Millionen US-Dollar. Ein großer Teil davon hat mit dem laufenden Kreditgeschäft nichts zu tun.
Am 30. Dezember 2025 ging JPMorgan Chase eine Terminkaufverpflichtung für das Kreditkartenportfolio der Apple Card ein; öffentlich gemacht wurde das am 7. Januar 2026. Der Abschluss steht noch aus:
„On January 7, 2026, JPMorganChase announced that Chase will become the new issuer of Apple Card. The Firm entered into a forward purchase commitment on December 30, 2025 to acquire the Apple credit card portfolio, with an expected closing in approximately 24 months (the ‚Apple Card transaction‘)."
Übersetzung: „Am 7. Januar 2026 gab JPMorganChase bekannt, dass Chase neuer Herausgeber der Apple Card wird. Das Institut ist am 30. Dezember 2025 eine Terminkaufverpflichtung zum Erwerb des Apple-Kreditkartenportfolios eingegangen, mit einem erwarteten Abschluss in ungefähr 24 Monaten (die ‚Apple-Card-Transaktion‘)."
— JPMorgan Chase & Co., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Executive Overview
Bilanziell wirkt das Geschäft trotzdem heute schon. In der Risikovorsorge 2025 stecken 2,2 Milliarden US-Dollar Zuführung für Kreditzusagen aus genau dieser Transaktion — rund 15 Prozent der gesamten Jahres-Risikovorsorge und rund die Hälfte der Netto-Zuführung zur Wertberichtigung von 4,4 Milliarden. Auch die Kapitalquote zahlt mit: Die harte Kernkapitalquote nach dem Standardansatz fiel zum 31. Dezember 2025 wegen der Transaktion um etwa 25 Basispunkte niedriger aus.
Nichts davon ist unzulässig; die Rechnungslegung verlangt es sogar. Für den Vergleich der Jahre heißt es aber: Die Risikovorsorge 2025 ist nicht ohne Weiteres mit 2024 vergleichbar. Ein Sechstel davon gehört zu einem Geschäft, das erst gegen Ende 2027 beginnt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die eigene Bonus-Hürde liegt bei der Hälfte der aktuellen Rendite
Am 25. Juni 2026 meldete JPMorgan Chase einen Führungswechsel. Doug Petno und Troy Rohrbaugh wurden zu Co-Präsidenten des Konzerns berufen; Petno führt künftig allein die Investmentbank, Rohrbaugh das Privatkundengeschäft. Marianne Lake, bis dahin dessen Chefin, verlässt die Bank nach über 25 Jahren. Der Vergütungsausschuss beschloss dazu einmalige Halte-Zusagen in Aktien: je 30 Millionen US-Dollar für Petno und Rohrbaugh, je 20 Millionen für Mary Erdoes und Jennifer Piepszak.
Interessant ist nicht die Summe, sondern die Bedingung:
„The Awards 100% cliff-vest after three years and are subject to an additional Vesting Performance Condition that requires the Firm to achieve a three-year average return on tangible common equity (‚ROTCE‘) of 12% for calendar years 2026, 2027 and 2028."
Übersetzung: „Die Zusagen werden vollständig erst nach drei Jahren unverfallbar und unterliegen einer zusätzlichen Erfolgsbedingung, die verlangt, dass das Institut in den Kalenderjahren 2026, 2027 und 2028 eine durchschnittliche Rendite auf das materielle Eigenkapital von 12 Prozent erreicht."
— JPMorgan Chase & Co., SEC-Meldung 8-K vom 25. Juni 2026, Item 5.02
Zwölf Prozent. Zur Einordnung: Im Quartal bis zum 30. Juni 2026 erreichte JPMorgan 29 Prozent, ohne Sondereffekte 23 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 waren es 20 Prozent, 2024 sogar 22 Prozent.
Der Verwaltungsrat setzt die Latte also bei rund der Hälfte dessen an, was die Bank zuletzt verdient hat. Zwei Lesarten sind möglich, und beide sind legitim: Entweder ist es eine bewusst konservativ gewählte Untergrenze, damit die Zusage ihren Zweck — Führungskräfte halten — auch in einem schlechten Zyklus erfüllt. Oder es ist die Einschätzung derer, die die Bank am besten kennen, wie weit die Ertragskraft bis 2028 zurückgehen kann.
Wer die Ertragslage von 2026 in die Zukunft fortschreibt, sollte diese Zahl im Hinterkopf haben.
Bewertung: Was du für diese Bank bezahlst
Zum Datenstand 29. Juli 2026 lag der Börsenwert bei rund 950 Milliarden US-Dollar. Für eine Bank sind zwei Verhältnisse maßgeblich:
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: rund 2,68. Du zahlst also knapp das Zweieinhalbfache des bilanziellen Eigenkapitals. Historisch handelten Großbanken oft unter dem Buchwert; über zwei ist die Ausnahme und der Ausdruck einer über Jahre überdurchschnittlichen Eigenkapitalrendite.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 15,3 (nachlaufend), rund 15,4 erwartet. Das liegt im Bereich eines breiten US-Index — und deutlich über dem, was Banken lange gekostet haben.
Beide Zahlen brauchen eine Warnung. Der Nenner des Kurs-Gewinn-Verhältnisses enthält die Sondergewinne der zurückliegenden zwölf Monate. Rechnet man das Rekordquartal ohne die 4,2 Milliarden nach Steuern, steigt das Vielfache entsprechend. Und beim Kurs-Buchwert-Verhältnis gilt: Es misst gegen ein Eigenkapital, das die Bank durch Rückkäufe aktiv verkleinert.
Ein Bewertungsanker, der bei Banken oft übersehen wird, ist das überschüssige Kapital. Zum 30. Juni 2026 lag die harte Kernkapitalquote nach dem Standardansatz bei 14,1 Prozent. Gefordert sind einschließlich aller Puffer 11,5 Prozent:
Die Differenz beträgt 2,6 Prozentpunkte. Bei risikogewichteten Aktiva von rund 2,1 Billionen US-Dollar zum 30. Juni 2026 entspricht das nach eigener Rechnung rund 55 Milliarden US-Dollar Kapital über der Anforderung — annähernd der Betrag, den die Bank am 24. Juni 2026 als Rückkaufprogramm freigegeben hat. Genau daher kommt die angekündigte Dividendenerhöhung von 1,50 auf 1,65 US-Dollar je Quartal ab dem dritten Quartal 2026. Die Ausschüttungsquote der letzten zwölf Monate lag bereits bei 73 Prozent.
Der Blick der Profis ist bei JPMorgan ungewöhnlich verhalten für einen Marktführer. 25 Einschätzungen ergaben zum Datenstand 29. Juli 2026 ein durchschnittliches Kursziel von rund 372 US-Dollar — verteilt auf 8 Mal „Strong Buy", 7 Mal „Buy", 9 Mal „Hold", 1 Mal „Sell" und keinen ausdrücklichen Verkaufsruf. Die größte Einzelgruppe rät also zum Abwarten. Bei einer Aktie, die zum Stichtag nahe ihrem Jahreshoch von 359,25 US-Dollar notierte, ist das kein Zufall: Die Profis kaufen die Firma, nicht unbedingt den Preis.
Hier greift die Regel, die wir bei jedem Zykliker anwenden: Ertragslage nie auf dem Höchststand fortschreiben. Banken verdienen im Zyklus. Zinsniveau, Handelsvolumen und Ausfallquoten schwanken alle drei — und alle drei stehen gerade günstig.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Kapitaldecke weit über der Anforderung. 14,1 Prozent harte Kernkapitalquote gegen 11,5 Prozent Anforderung zum 30. Juni 2026, 303 Milliarden US-Dollar Kernkapital, 590 Milliarden verlustabsorbierende Kapazität, rund 1,5 Billionen Liquiditätsquellen.
- Vier verdienende Geschäftsbereiche. 2025 erwirtschafteten Investmentbank, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung zusammen 52.528 Millionen US-Dollar Nettogewinn; im Quartal bis zum 30. Juni 2026 stellte jeder Bereich einen Ertragsrekord auf.
- Buchwert wächst verlässlich. Von 104,45 US-Dollar je Aktie (Ende 2023) auf 133,01 (30. Juni 2026) — plus 27 Prozent, trotz Dividenden und trotz Rückkäufen.
- Marktführerschaft im Investmentbanking. Platz 1 bei den weltweiten Gebühren mit 9,3 Prozent Marktanteil im laufenden Jahr; die Gebühren stiegen im Quartal um 30 Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar.
- Steigende Ausschüttung. Quartalsdividende ab dem dritten Quartal 2026 geplant bei 1,65 US-Dollar nach 1,50; neues Rückkaufprogramm über 50 Milliarden ab dem 1. Juli 2026.
- Rechtsrisiken haben abgenommen. Der Aufwand für Rechtsstreitigkeiten fiel von 1,4 Milliarden US-Dollar (2023) über 740 Millionen (2024) auf 361 Millionen (2025); die geschätzten vernünftigerweise möglichen Verluste über die Rückstellungen hinaus liegen bei 0 bis rund 1,2 Milliarden.
Risiken
- Ergebnisqualität des jüngsten Quartals. 4,2 Milliarden US-Dollar nach Steuern — ein Fünftel des ausgewiesenen Gewinns — stammen aus Visa-Anteilen und Beteiligungsbewertungen.
- Kerngeschäft ohne Dynamik. Der Zinsüberschuss ohne Handel lag 2025 mit 92.591 Millionen praktisch auf Vorjahresniveau; die zinsunabhängigen Erträge ohne Handel fielen um 2 Prozent.
- Abhängigkeit vom Handel. Der Zuwachs kam 2025 (+19 Prozent) und im Quartal bis zum 30. Juni 2026 (+35 Prozent, Aktienhandel +86 Prozent) aus dem schwankungsanfälligsten Geschäft.
- Steigende Kreditkosten. Netto-Abschreibungen plus 59 Prozent seit 2023, Ausfallquote von 0,52 auf 0,74 Prozent, notleidende Vermögenswerte von 7.597 auf 10.359 Millionen.
- Zinswende in die andere Richtung. Die Bank nennt sinkende Zinsen als Belastung des Zinsüberschusses; im Konzernbereich fiel er im Quartal bis zum 30. Juni 2026 um 667 Millionen US-Dollar.
- Vorgezogene Belastung aus der Apple-Card-Transaktion. 2,2 Milliarden Risikovorsorge und rund 25 Basispunkte Kapitalquote für ein Portfolio, das erst gegen Ende 2027 übergeht.
- Offene Nachfolge an der Spitze. Zwei Co-Präsidenten wurden berufen, ein Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden ist nicht benannt; die Halte-Zusagen über 100 Millionen US-Dollar verlangen lediglich 12 Prozent Eigenkapitalrendite im Dreijahresschnitt.
- Regulatorische Unsicherheit. Die Berechnung der Kapitalanforderungen wird 2027 auf überarbeitete Stresstest-Modelle umgestellt; ein US-Vorschlag zur Änderung des Kapitalrahmens ist seit Juli 2023 unfertig.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Steuerrückzahlung. Im Quartal bis zum 30. Juni 2026 stand auf JPMorgans Konto ein Betrag, den es so noch nie gab — und ein Fünftel davon war die Auflösung eines Sparbuchs, das seit der Zeit dort lag, als die Banken Visa noch gemeinsam besaßen.
Das ist kein Vorwurf. Die Bank hat den Posten selbst benannt, selbst herausgerechnet und selbst beziffert: 4,2 Milliarden nach Steuern, 1,56 US-Dollar je Aktie, 6 Prozentpunkte Rendite. Wer die Mitteilung liest, kann es gar nicht übersehen. Wer nur die Schlagzeile liest, schon.
Was darunter liegt, ist eine außerordentlich solide Bank. Vier Bereiche, die alle Geld verdienen. Ein Buchwert je Aktie, der in zweieinhalb Jahren um mehr als ein Viertel gestiegen ist, obwohl Dividenden gezahlt und Aktien zurückgekauft wurden. Eine Kapitaldecke, die die aufsichtsrechtliche Anforderung um rund 55 Milliarden US-Dollar übersteigt. Und ein Aufwand für Rechtsstreitigkeiten, der binnen zwei Jahren auf ein Viertel gefallen ist.
Was gleichzeitig gilt: Das Kerngeschäft steht seit zwei Jahren praktisch still, das Wachstum kommt aus dem Handel, die Kreditausfälle steigen das dritte Jahr in Folge — und der eigene Verwaltungsrat hält eine Eigenkapitalrendite von 12 Prozent bis 2028 für eine Hürde, die man erst noch nehmen muss. Bei zuletzt 23 Prozent.
Beides steht in denselben Berichten, unterschrieben von denselben Leuten. Es gibt keine geheime Version. Es gibt nur die Frage, welchen Monat du für den Normalfall hältst.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- JPMorgan Chase & Co., SEC-Geschäftsbericht (Form 10-K) für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 13. Februar 2026 (CIK 0000019617)
- JPMorgan Chase & Co., SEC-Quartalsbericht (Form 10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 1. Mai 2026
- JPMorgan Chase & Co., Ergebnismitteilung zum zweiten Quartal 2026 (Form 8-K, Item 2.02, Anlage 99.1) vom 14. Juli 2026
- JPMorgan Chase & Co., Mitteilung zu Dividende, Rückkaufprogramm und Kapitalanforderung (Form 8-K, Item 8.01, Anlage 99) vom 24. Juni 2026
- JPMorgan Chase & Co., Meldung zum Führungswechsel (Form 8-K, Item 5.02) vom 25. Juni 2026
- SEC-EDGAR-Einreichungsübersicht JPMorgan Chase & Co. (CIK 0000019617) — Prüfung aller Einreichungen ab dem 1. Mai 2026
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Analystenkonsens), Datenstand 29. Juli 2026
Diese Analyse ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust. Alle Zahlen stammen aus den oben genannten Originalquellen und tragen den dort angegebenen Stichtag; sie können sich seither geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in JPMorgan Chase & Co.
Unser Fazit auf einen Blick
- Marktstellung und Geschäftsmodell positiv
- Vier Geschäftsbereiche, die alle Geld verdienen: 2025 erwirtschafteten die Investmentbank 27.761 Mio., das Privatkundengeschäft 18.245 Mio. und die Vermögensverwaltung 6.522 Mio. US-Dollar Nettogewinn. Im Quartal bis 30.06.2026 stellte jeder Bereich einen Ertragsrekord auf; das verwaltete Vermögen erreichte 5,1 Bio. US-Dollar (+18 Prozent), bei den Gebühren im Investmentbanking führte JPMorgan mit 9,3 Prozent Marktanteil (8-K vom 14.07.2026).
- Kapital, Bilanz und Liquidität positiv
- Zum 30.06.2026 lag die harte Kernkapitalquote bei 14,1 Prozent gegen eine Anforderung von 11,5 Prozent, das harte Kernkapital bei 303 Mrd. und die verlustabsorbierende Kapazität bei 590 Mrd. US-Dollar. Die Liquiditätsquellen beliefen sich zum 31.03.2026 auf rund 1,5 Bio. Der Buchwert je Aktie stieg von 104,45 (2023) auf 133,01 US-Dollar (30.06.2026) — 27 Prozent in zweieinhalb Jahren (10-K 2025, 10-Q zum 31.03.2026, 8-K vom 14.07.2026).
- Ergebnisqualität des Rekordquartals negativ
- Vom Quartalsgewinn von 21.155 Mio. US-Dollar zieht die Bank selbst 4,2 Mrd. nach Steuern ab — 4,6 Mrd. Nettogewinn auf Visa-Anteile, die zuvor zum nominellen Übertragungswert bilanziert waren, und 1,0 Mrd. aus Beteiligungsbewertungen. Das sind 1,56 US-Dollar je Aktie und 6 Prozentpunkte Eigenkapitalrendite. Schon 2024 enthielt das Ergebnis einen Visa-Gewinn von 7,9 Mrd. (8-K vom 14.07.2026, 10-K 2025).
- Kerngeschäft ohne Handel neutral
- Der Zinsüberschuss ohne Handelsgeschäft lag 2025 bei 92.591 Mio. US-Dollar nach 92.419 Mio. im Vorjahr — praktisch unverändert; die zinsunabhängigen Erträge ohne Handel fielen um 2 Prozent. Im Quartal bis 30.06.2026 wuchs der Zinsüberschuss ohne Handel um 4 Prozent, das Handelsgeschäft dagegen um 35 Prozent und der Aktienhandel allein um 86 Prozent. Das Wachstum kommt damit aus dem schwankungsanfälligsten Teil (10-K 2025, 8-K vom 14.07.2026).
- Kreditkosten negativ
- Die Netto-Abschreibungen stiegen von 6.209 Mio. (2023) über 8.638 Mio. (2024) auf 9.849 Mio. US-Dollar (2025), die Ausfallquote von 0,52 auf 0,74 Prozent, die notleidenden Vermögenswerte von 7.597 auf 10.359 Mio. Im Kreditkartengeschäft erwartet die Bank für 2026 rund 3,4 Prozent Ausfallquote nach 3,31 Prozent im Jahr 2025. Die Werte bleiben historisch niedrig, die Richtung hält seit drei Jahren an (10-K 2025).
- Führung und Nachfolge neutral
- Am 25.06.2026 wurden Doug Petno und Troy Rohrbaugh zu Co-Präsidenten berufen, Marianne Lake verlässt die Bank nach über 25 Jahren. Der Vergütungsausschuss beschloss Halte-Zusagen über zusammen 100 Mio. US-Dollar, deren Erfüllung eine Drei-Jahres-Eigenkapitalrendite von 12 Prozent verlangt — bei zuletzt 23 Prozent ohne Sondereffekte. Geordnete Nachfolgeplanung, aber die Frage nach dem Nachfolger von Jamie Dimon ist offen (8-K vom 25.06.2026).
JPMorgan Chase ist die größte US-Bank und liefert seit drei Jahren 17 bis 18 Prozent Eigenkapitalrendite: 57.048 Mio. US-Dollar Nettogewinn 2025, ein Buchwert je Aktie, der von 104,45 auf 133,01 US-Dollar gestiegen ist, eine harte Kernkapitalquote von 14,1 Prozent gegen 11,5 Prozent Anforderung und rund 1,5 Bio. Liquiditätsquellen. Der Rekord des Quartals bis 30.06.2026 ist trotzdem kein Maßstab: 4,2 Mrd. nach Steuern stammen aus Visa-Anteilen und Beteiligungsbewertungen, das Zinsgeschäft ohne Handel wuchs nur um 4 Prozent, und die Kreditausfälle steigen das dritte Jahr in Folge. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Die Substanz ist belegt und nicht knapp: 14,1 Prozent harte Kernkapitalquote gegen 11,5 Prozent Anforderung, 303 Mrd. US-Dollar Kernkapital, 590 Mrd. verlustabsorbierende Kapazität, rund 1,5 Bio. Liquiditätsquellen und ein Stresskapitalpuffer, der bis September 2027 festgeschrieben ist. Alle vier Geschäftsbereiche verdienen Geld, die Eigenkapitalrendite lag drei Jahre in Folge bei 17 bis 18 Prozent, der Buchwert je Aktie stieg in zweieinhalb Jahren um 27 Prozent, und der Aufwand für Rechtsstreitigkeiten fiel von 1,4 Mrd. auf 361 Mio. US-Dollar. Von Going Concern, Überschuldung, Bilanz- oder Governance-Bruch ist hier nichts zu sehen — deshalb grün. Das heißt ausdrücklich nicht, dass das jüngste Quartal ein Maßstab wäre: Ein Fünftel des ausgewiesenen Gewinns stammt aus Visa-Anteilen und Beteiligungsbewertungen, das Zinsgeschäft ohne Handel steht seit zwei Jahren praktisch still, das Wachstum kommt aus dem Handel, und die Kreditausfälle steigen seit drei Jahren. Dazu ist die Aktie mit rund 2,7-fachem Buchwert und einem Kurs nahe dem Jahreshoch nicht billig — das ist ein Preisargument, es bestimmt diese Ampel nicht. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Rangliste der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert (Stand 28.07.2026); JPMorgan Chase stand auf Rang 12 und hatte noch keine Analyse.
- Datenstand: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 13.02.2026), Quartalszahlen zum 31.03.2026 aus dem Quartalsbericht 10-Q (eingereicht 01.05.2026), Zahlen zum Quartal bis 30.06.2026 aus der Ergebnismitteilung 8-K vom 14.07.2026 (Item 2.02, Anlage 99.1). Alle Einreichungen ab dem 01.05.2026 wurden durchgesehen; der Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026 lag am 29.07.2026 noch nicht vor. Bewertungskennzahlen mit Datenstand 29.07.2026.
- Kennzahlen-Hinweis: Bei Banken sind Altman Z, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Unternehmenswert und Kurs zu freiem Mittelzufluss ohne Aussagekraft — der operative Mittelzufluss wird von Handelsbeständen und Kundeneinlagen getrieben, nicht vom verdienten Geld. Diese Größen werden im Artikel benannt und nicht verwendet.
- Zykliker-Hinweis: Das Bankgeschäft ist zyklisch. Zinsniveau, Handelsvolumen und Kreditausfälle schwanken mit der Konjunktur; weder das Rekordquartal bis 30.06.2026 noch das Kreditjahr 2025 taugen als Fortschreibung. Deshalb stehen die Jahre 2023 bis 2025 vollständig im Artikel.
- Verwechslungsgefahr: JPMorgan Chase & Co. (JPM) ist nicht Morgan Stanley (MS) — zwei getrennte Häuser. Die Marke „J.P. Morgan" wird innerhalb des Konzerns für das Firmenkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft verwendet, „Chase" für das Privatkundengeschäft. Ältere Zeitreihen laufen unter „Chase Manhattan Corp" beziehungsweise „Chemical Banking Corp".
- Analysen sind evergreen; ein Tageskurs ist kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Mit vier Geschäftsbereichen. 2025 erwirtschaftete die Investmentbank mit Firmenkunden, Handel und Zahlungsverkehr 27.761 Millionen US-Dollar Nettogewinn, das Privat- und Geschäftskundengeschäft 18.245 Millionen, die Vermögensverwaltung 6.522 Millionen und der Konzernbereich 4.520 Millionen. Rund die Hälfte des Ertrags stammt aus dem Zinsgeschäft: 95.443 Millionen Zinsüberschuss gegenüber 87.004 Millionen zinsunabhängigen Erträgen.
Zu einem großen Teil wegen zweier Posten, die die Bank selbst als Sondereffekte ausweist: 4,6 Milliarden US-Dollar Nettogewinn auf Visa-Anteile und 1,0 Milliarden aus der Neubewertung anderer Beteiligungen. Nach Steuern sind das 4,2 Milliarden. Ohne sie lag der Gewinn im Quartal bis zum 30. Juni 2026 bei 16,9 Milliarden statt 21,2 — ein Plus von 13 Prozent. Der Rest kam vor allem aus dem Handelsgeschäft.
Der Zinsüberschuss ist die Differenz zwischen dem, was eine Bank für Kredite und Wertpapiere einnimmt, und dem, was sie Sparern und Gläubigern zahlt. Er ist das Kerngeschäft. JPMorgan wies für 2025 95.443 Millionen US-Dollar aus. Aussagekräftiger ist die Größe ohne Handelsgeschäft: Sie lag 2025 bei 92.591 Millionen nach 92.419 Millionen im Vorjahr — also praktisch unverändert. Für 2026 erwartet die Bank rund 95 Milliarden.
Nach den aufsichtsrechtlichen Kennzahlen gut. Zum 30. Juni 2026 lag die harte Kernkapitalquote bei 14,1 Prozent (Standardansatz), gefordert sind einschließlich aller Puffer 11,5 Prozent. Das Kernkapital betrug 303 Milliarden US-Dollar, die verlustabsorbierende Gesamtkapazität 590 Milliarden. Der Stresskapitalpuffer bleibt bis zum 30. September 2027 bei 2,5 Prozent. Die Liquiditätsquellen beliefen sich zum 31. März 2026 auf rund 1,5 Billionen.
Weil sie für Industrieunternehmen entwickelt wurden. Der Altman-Z-Wert misst Umlaufvermögen und Betriebsergebnis gegen die Bilanzsumme — bei einer Bank, deren Bilanz aus Krediten und Einlagen besteht, ergibt das keinen sinnvollen Wert. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis setzt einen „Umsatz" voraus, den es so nicht gibt. Und der operative Mittelzufluss schwankt mit Handelsbeständen und Kundeneinlagen um dreistellige Milliardenbeträge. Aussagekräftig sind Kurs/Buchwert, Eigenkapitalrendite und Kapitalquote.
Im Quartal bis zum 30. Juni 2026 zahlte die Bank 4,0 Milliarden US-Dollar Dividende (1,50 je Aktie) und kaufte netto für 6,2 Milliarden eigene Aktien zurück. Die Ausschüttungsquote der letzten zwölf Monate betrug 73 Prozent des Gewinns. Am 24. Juni 2026 kündigte der Verwaltungsrat eine Anhebung der Quartalsdividende auf 1,65 US-Dollar ab dem dritten Quartal 2026 an sowie ein neues Rückkaufprogramm über 50 Milliarden.
Chase wird neuer Herausgeber der Apple Card. Die Terminkaufverpflichtung für das Kreditkartenportfolio ging JPMorgan am 30. Dezember 2025 ein, öffentlich gemacht wurde sie am 7. Januar 2026; der Abschluss wird in rund 24 Monaten erwartet. Bilanziell wirkt sie bereits: 2,2 Milliarden US-Dollar der Risikovorsorge 2025 entfallen darauf, und die harte Kernkapitalquote fiel deswegen zum 31. Dezember 2025 um rund 25 Basispunkte niedriger aus.
Entschieden ist das nicht. Am 25. Juni 2026 wurden Doug Petno und Troy Rohrbaugh zu Co-Präsidenten des Konzerns berufen; Petno führt künftig allein die Investmentbank, Rohrbaugh das Privatkundengeschäft. Marianne Lake, bis dahin dessen Chefin, verlässt die Bank nach über 25 Jahren. Der Vergütungsausschuss beschloss zugleich Halte-Zusagen über zusammen 100 Millionen US-Dollar, um „interne Nachfolgekandidaten zu sichern".
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