Börsenlotse
Kauftag heute: Neutral (56 →) Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (+2 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

ITM Power verkauft immer mehr Elektrolyseure — und legt bei jedem noch drauf

ITM Power verkauft immer mehr Elektrolyseure — und legt bei jedem noch drauf

Der Umsatz des britischen Wasserstoff-Spezialisten hat sich in vier Geschäftsjahren von 4,3 auf 26,0 Millionen Pfund versechsfacht, der Staat ist im April 2026 mit 40 Millionen Pfund eingestiegen. Einen Bruttogewinn hat ITM Power in keinem dieser Jahre erzielt. Wir haben Geschäfts- und Halbjahresbericht sowie die Pflichtmitteilungen bis September 2026 gelesen — und nachgerechnet, wie viel von der Wasserstoff-Geschichte schon in der Gewinn- und Verlustrechnung angekommen ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 25. September 2026

Schlusskurs
0,9845 £ +1,30 %
Marktkapitalisierung
0,7 Mrd. £
Wachstums-Score
6/10
AAQS
5/10

Kursentwicklung seit 15. September 2026: -0,4 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

ITM Power verkauft immer mehr Elektrolyseure — und legt bei jedem noch drauf
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Berichte der ITM Power plc (Geschäfts- und Halbjahresberichte, RNS-Pflichtmitteilungen)

Chart

Tagesschlusskurse seit 1. Dez 2025, um Splits und Dividenden bereinigt.

Letzter Schluss 0,98 £ Höchster Schluss (bereinigt) 2,09 £ Niedrigster Schluss (bereinigt) 0,59 £ 1. Dez 2025 – 25. Sep 2026

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Falle, in die Anleger besonders gern tappen, wenn es um die Zukunft der Energie geht. Sie hat keinen offiziellen Namen, wir nennen sie die Erzählfalle: Eine Geschichte ist so überzeugend, dass wir aufhören, nach der Rechnung zu fragen. Grüner Wasserstoff ist so eine Geschichte. Stahlwerke, Raffinerien und Chemieparks brauchen ihn, um ohne Kohle und Gas auszukommen; Regierungen fördern ihn mit Milliarden; und irgendjemand muss die Maschinen bauen, die ihn aus Wasser und Ökostrom herstellen. Wer diese Maschinen baut, so die Erzählung, sitzt an der Quelle.

ITM Power aus Sheffield baut genau diese Maschinen, und die Aktie gehört seit Jahren zu den Lieblingen deutscher Privatanleger. Machen wir es also anders, als die Erzählfalle es will: Wir lesen erst die Berichte und entscheiden dann, was wir von der Geschichte halten. Das Spannungsfeld dieser Analyse lautet: Der Umsatz wächst schnell, aber ITM Power hat in keinem der vergangenen fünf Geschäftsjahre einen Bruttogewinn erzielt — die Herstellung kostete jedes Mal mehr, als der Verkauf einbrachte. Ob sich das dreht, ist die eine Frage, an der alles hängt.

Was ITM Power eigentlich macht — Maschinen, die Wasser in Wasserstoff zerlegen

ITM Power wurde im Jahr 2000 gegründet und ist seit 2004 am AIM notiert, dem Wachstumssegment der Londoner Börse. Das Unternehmen stellt Elektrolyseure her. Das Alltagsbild dafür: Ein Elektrolyseur ist eine Art umgekehrte Batterie. Man schickt Strom durch Wasser, und das Wasser zerfällt in Sauerstoff und Wasserstoff. Kommt der Strom aus Wind oder Sonne, heißt das Ergebnis grüner Wasserstoff. ITM nutzt dafür die sogenannte PEM-Technik, bei der eine hauchdünne Kunststoffmembran die beiden Gase trennt. Das Herzstück sind die Stapel aus solchen Zellen — bei ITM heißt der aktuelle Stapel TRIDENT, der Nachfolger CHRONOS ist in Entwicklung.

Verkauft werden daraus fertige Anlagen in drei Größen: NEPTUNE V, eine 5-Megawatt-Anlage im Container, POSEIDON, ein 20-Megawatt-Modul für Großprojekte, und seit Oktober 2025 ALPHA 50, eine komplette 50-Megawatt-Anlage, die ITM laut Halbjahresbericht für 50 Millionen Euro anbietet. Dazu kommen Wartung, Ingenieurstudien und seit Juni 2025 eine eigene Tochter namens Hydropulse, die Wasserstoffanlagen selbst bauen, besitzen und betreiben und den Wasserstoff an Industriekunden verkaufen soll. Zum 30. April 2025 beschäftigte ITM 306 Menschen.

Die bekanntesten Referenzen liegen in Deutschland. Für RWE liefert ITM zusammen mit Linde Engineering in Lingen im Emsland zwei Anlagen mit je 100 Megawatt — die erste ist laut Halbjahresbericht vollständig installiert, bei der zweiten waren im Januar 2026 alle Gerüste und 40 Prozent der Zellstapel eingebaut; am 4. August 2026 meldete ITM, dass von dort erstmals Wasserstoff über eine rund 120 Kilometer lange Leitung beim Chemiepark von Evonik in Marl angekommen ist. Für Shell entsteht in Wesseling das 100-Megawatt-Projekt REFHYNE II. Deutschland war im ersten Halbjahr 2025/26 mit 15,3 von 18,0 Millionen Pfund Umsatz der mit Abstand wichtigste Markt.

Zwei Hinweise für jede Zahl in diesem Text. Erstens: Das Geschäftsjahr von ITM endet am 30. April. „2024/25“ heißt Mai 2024 bis April 2025; das Unternehmen selbst nennt das „FY25“. Zweitens: ITM Power berichtet nicht an die US-Börsenaufsicht SEC. Das Kürzel ITMPF ist nur ein Zweitsymbol im amerikanischen Freiverkehr ohne eigene Berichtspflicht. Alle Belege stammen deshalb aus den Originalberichten des Unternehmens — dem Geschäftsbericht 2025, dem Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026 und den Pflichtmitteilungen über den Nachrichtendienst der Londoner Börse (RNS).

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2004

    Notierung am AIM der Londoner Börse

    Seitdem finanzierte sich ITM über Kapitalerhöhungen: 542,8 Mio. £ Agio stehen zum 31.10.2025 einem aufgelaufenen Verlust von 361,4 Mio. £ gegenüber.

  2. 2022

    Höchststand der Kasse

    365,9 Mio. £ zum 30. April 2022. Seither sinkt der Bestand zu jedem Geschäftsjahresende — für Aktionäre das Maß, wie lange die Verluste noch getragen werden können.

  3. 2023

    Bruttoverlust von 79,1 Millionen Pfund

    Bruttoverlust 2022/23: über das 15-Fache des Umsatzes von 5,2 Mio. £, laut Geschäftsbericht vor allem Verluste auf Vorräte und Kundenverträge. Seit Dezember 2022 führt CEO Dennis Schulz den Neustart.

  4. 2025

    Vergleich mit Linde über 13,0 Millionen Pfund

    Im Geschäftsjahr 2024/25 zahlte ITM dem eigenen Großaktionär 13,0 Mio. £ zur Beilegung eines Streits — die Hälfte des Jahresumsatzes von 26,0 Mio. £.

  5. 2026

    April: Staat steigt ein

    Great British Energy zeichnet 40 Mio. £ zu 55,56 Pence, 13,7 % unter dem Vortageskurs; dazu 46,5 Mio. £ Zuschuss für die CHRONOS-Linie. Die Aktienzahl steigt um rund 12 %.

  6. 2026

    August: erster Wasserstoff aus Lingen beim Kunden

    Wasserstoff aus der RWE-Anlage erreicht über rund 120 km Leitung den Chemiepark in Marl. Der technische Beweis im großen Maßstab — der finanzielle steht mit dem Jahresabschluss noch aus.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Über die Foren-Hitliste von wallstreet-online, die Liste der meistdiskutierten Aktien deutscher Privatanleger — Ende September 2026, dort unter dem US-Kürzel ITMPF. Eine solche Liste misst Aufmerksamkeit, nicht Qualität. Wie groß die deutsche Fangemeinde tatsächlich ist, zeigt das Aktionärsregister auf der Unternehmensseite (Stand 15. Juli 2026): Unter den meldepflichtigen Großaktionären stehen neben den britischen Anlegerplattformen Hargreaves Lansdown (8,21 Prozent) und Interactive Investor (5,63 Prozent) die Deutsche WertpapierService Bank (5,50 Prozent), ING-DiBa (3,11 Prozent) und die Commerzbank (3,10 Prozent) — Verwahrstellen, hinter denen vor allem Privatdepots stehen.

Anlass für die Aufmerksamkeit gab es genug. Der Kurs hat sich in diesem Jahr deutlich bewegt: Am 8. April 2026 schloss die Aktie nach den Angaben in der Pflichtmitteilung vom Folgetag bei rund 64,4 Pence (der Ausgabepreis von 55,56 Pence lag 13,7 Prozent darunter). Am 15. September 2026 kauften die drei Vorstände im Rahmen des Mitarbeiter-Sparplans zu 98,89 Pence je Aktie. Das ist ein Plus von gut 50 Prozent in fünf Monaten. Dazwischen lagen der Einstieg der staatlichen Great British Energy, ein bewilligter Staatszuschuss über 46,5 Millionen Pfund, eine Kooperation mit Rheinmetall und der erste Wasserstoff aus Lingen. Genau das Material, aus dem Erzählungen gemacht werden.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das, was ohne Einschränkung beeindruckt: das Wachstum. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei 4,3 Millionen Pfund, stagnierte zwei Jahre bei 5,6 und 5,2 Millionen und sprang dann auf 16,5 Millionen (2023/24) und 26,0 Millionen Pfund (2024/25). Das erste Halbjahr 2025/26 (Mai bis Oktober 2025) brachte mit 18,0 Millionen Pfund bereits gut zwei Drittel des gesamten Vorjahres und laut Unternehmen das umsatzstärkste Halbjahr seiner Geschichte. Für das volle Geschäftsjahr 2025/26 hat ITM die Prognose am 17. Februar 2026 auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben. Auch die Fabrik läuft besser: Die Quote der Anlagen, die den Werksabnahmetest beim ersten Versuch bestehen, stieg laut Jahresergebnis von unter 50 auf 99 Prozent.

Und jetzt die andere Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung. Das Bruttoergebnis — der Umsatz minus das, was die Herstellung der verkauften Anlagen gekostet hat — war in jedem dieser Jahre negativ: minus 6,5, minus 23,5, minus 79,1, minus 16,7 und minus 23,7 Millionen Pfund im Geschäftsjahr 2024/25. Im ersten Halbjahr 2025/26 waren es minus 6,5 Millionen. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (bereinigtes EBITDA, eine Kennzahl des Unternehmens ohne Einmaleffekte und aktienbasierte Vergütung) lag 2024/25 bei minus 33,0 Millionen Pfund, der Verlust vor Steuern bei minus 45,4 Millionen.

Balkendiagramm: Umsatz von ITM Power in den Geschäftsjahren 2020/21 bis 2024/25 mit 4,3, 5,6, 5,2, 16,5 und 26,0 Millionen Pfund, daneben das Bruttoergebnis mit minus 6,5, minus 23,5, minus 79,1, minus 16,7 und minus 23,7 Millionen Pfund.
Der Umsatz steigt von 4,3 auf 26,0 Millionen Pfund, das Bruttoergebnis bleibt in allen fünf Geschäftsjahren im Minus — am tiefsten 2022/23 mit minus 79,1 Millionen, zuletzt minus 23,7 Millionen. Quelle: Geschäftsberichte 2023 und 2025, vorläufige Jahreszahlen vom 14. August 2025 (ITM Power plc). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was die Verluste bisher erträglich gemacht hat, ist die Kasse. ITM hat sich über die Jahre immer wieder frisches Geld bei Aktionären geholt; zum 31. Oktober 2025 standen in der Bilanz 542,8 Millionen Pfund Agio (das Aufgeld aus Kapitalerhöhungen) und ein aufgelaufener Verlust von 361,4 Millionen Pfund. Der Kassenbestand erreichte am 30. April 2022 mit 365,9 Millionen Pfund seinen Höchststand und ist seither zu jedem Geschäftsjahresende gesunken. Ein Jahr vor dem Höchststand, am 30. April 2021, waren es 176,1 Millionen. Danach folgten zum 30. April 282,6 Millionen (2023), 230,3 Millionen (2024) und 207,0 Millionen Pfund (2025). Nur einmal ging es zwischendurch aufwärts: im zweiten Halbjahr 2024/25, von 203,1 auf 207,0 Millionen. Zum 31. Oktober 2025 lag die Kasse bei 197,8 Millionen Pfund. Schulden hat ITM praktisch keine, abgesehen von Mietverpflichtungen. Und das Geld arbeitet: Im Geschäftsjahr 2024/25 brachten die Zinsen 10,2 Millionen Pfund ein.

Liniendiagramm: Kassenbestand von ITM Power mit 176,1 Millionen Pfund am 30. April 2021, 365,9 Millionen am 30. April 2022, 282,6 Millionen 2023, 230,3 Millionen 2024, 207,0 Millionen 2025 und 197,8 Millionen Pfund am 31. Oktober 2025.
Nach dem Höchststand von 365,9 Millionen Pfund im April 2022 sinkt die Kasse zu jedem Geschäftsjahresende und liegt zuletzt bei 197,8 Millionen Pfund zum 31. Oktober 2025. Die 40 Millionen Pfund von Great British Energy vom April 2026 sind darin noch nicht enthalten. Quelle: Geschäftsberichte 2023 und 2025, Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026 (ITM Power plc). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein wichtiger Hinweis zum Stand dieser Analyse: Das Geschäftsjahr 2025/26 endete am 30. April 2026, die Jahreszahlen lagen bis zum 26. September 2026 aber noch nicht vor. Im Vorjahr hatte ITM die vorläufigen Zahlen bereits am 14. August veröffentlicht. Nach den Regeln des AIM muss der geprüfte Abschluss spätestens sechs Monate nach Geschäftsjahresende erscheinen, also bis Ende Oktober 2026. Der jüngste veröffentlichte Periodenbericht ist deshalb der Halbjahresbericht zum 31. Oktober 2025. Was seither geschah, stammt aus den Pflichtmitteilungen — insbesondere die Prognose: Umsatz 40 bis 43 Millionen Pfund, bereinigtes EBITDA minus 27 bis minus 29 Millionen, Kasse 210 bis 215 Millionen Pfund zum 30. April 2026. Merke: Eine Prognose ist ein Versprechen, kein Ergebnis. Ob sie gehalten wurde, zeigt erst der Jahresabschluss.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Jedes verkaufte Pfund hat bisher mehr als ein Pfund gekostet

Im Geschäftsjahr 2024/25 standen 26,0 Millionen Pfund Umsatz Herstellungskosten von 49,7 Millionen gegenüber. Für jedes Pfund, das ein Kunde bezahlte, gab ITM also rund 1,91 Pfund aus, bevor auch nur ein Cent Verwaltung, Forschung oder Vertrieb bezahlt war. Im ersten Halbjahr 2025/26 war das Verhältnis mit 24,5 Millionen Kosten zu 18,0 Millionen Umsatz besser, rund 1,36 Pfund je Pfund Umsatz — aber immer noch über eins. Die Begründung des Unternehmens: Die Fabrik ist noch nicht ausgelastet, ihre Fixkosten verteilen sich auf zu wenige Anlagen. Und im Auftragsbuch stecken noch alte Verträge, die zu Preisen abgeschlossen wurden, mit denen ITM kein Geld verdienen kann:

„The remaining legacy projects, which do not contribute to margin but are fully provided for, are expected to be recognised over the next 18 months.“

Übersetzung: „Die verbleibenden Altprojekte, die keinen Beitrag zur Marge leisten, für die aber vollständig vorgesorgt ist, sollen voraussichtlich in den nächsten 18 Monaten umsatzwirksam werden.“

— ITM Power, Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026, Abschnitt „Income statement“

Markierter Ausschnitt aus dem Halbjahresbericht von ITM Power vom 29. Januar 2026: Die verbleibenden Altprojekte leisten keinen Beitrag zur Marge und sollen in den nächsten 18 Monaten umsatzwirksam werden.
Die markierte Stelle im Original, direkt nach dem Satz, dass 71 Prozent des Auftragsbestands inzwischen aus profitablen Verträgen bestehen. Quelle: Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026 (RNS), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt heißt das: Von dem Auftragsbestand über 152 Millionen Pfund stammen laut Halbjahresbericht 71 Prozent aus profitablen Verträgen, 29 Prozent — rechnerisch rund 44 Millionen Pfund — aus Altverträgen ohne Marge. Deren Verluste hat ITM schon in früheren Jahren als Rückstellung gebucht. Das hat eine Nebenwirkung, die man kennen sollte: Im ersten Halbjahr 2025/26 verbrauchte ITM 7,5 Millionen Pfund aus dieser Vorsorge für verlustbringende Verträge. Die Kosten dieser Lieferungen tauchen deshalb nicht noch einmal im Bruttoergebnis des Halbjahres auf — sie waren früher schon verbucht. Das verbesserte Bruttoergebnis ist also zum Teil echter Fortschritt und zum Teil die Tatsache, dass alte Verluste nicht zweimal zählen.

Dazu kommt eine Umstellung der Umsatzbuchung. Bisher verbuchte ITM Umsatz erst bei Meilensteinen wie Auslieferung oder Abnahme. Für neue, nicht standardisierte Verträge (POSEIDON, ALPHA, nicht standardisierte NEPTUNE) wird der Umsatz nun nach Baufortschritt verteilt. Im ersten Halbjahr waren das erst 1,6 Millionen Pfund. Aber die Anhebung der Umsatzprognose vom 17. Februar 2026 begründete ITM ausdrücklich auch damit, dass diese Methode Umsatz aus kürzlich gemeldeten Aufträgen früher in die Bücher bringt. Mehr Umsatz nach Baufortschritt heißt nicht mehr Geschäft, sondern früher gebuchtes Geschäft. Wie viel davon im Jahresabschluss steckt, ist eine der Fragen an den Oktober.

Auch die Prognose selbst gibt einen Hinweis. Bei einem bereinigten EBITDA von minus 11,9 Millionen Pfund im ersten Halbjahr und minus 27 bis minus 29 Millionen für das ganze Jahr bleibt für das zweite Halbjahr ein Verlust von 15,1 bis 17,1 Millionen — mehr als im ersten Halbjahr, obwohl dort laut Prognose der größere Teil des Jahresumsatzes anfallen soll.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Teil der Kasse ist Geld der Kunden

Im ersten Halbjahr 2025/26 sank die Kasse nur um 9,2 Millionen Pfund. Das klingt nach einem Unternehmen, das seine Verluste fast selbst deckt. Der Halbjahresbericht erklärt, warum das Bild zu freundlich ist:

„Cash at 31 October 2025 was £198m (31 October 2024: £203m), representing an outflow since the year-end of £9.2m as we continued manufacturing customer commitments for which cash had been received in previous periods.“

Übersetzung: „Die Kasse betrug zum 31. Oktober 2025 198 Millionen Pfund (31. Oktober 2024: 203 Millionen Pfund), was einem Abfluss von 9,2 Millionen Pfund seit dem Geschäftsjahresende entspricht, da wir weiter Kundenaufträge gefertigt haben, für die das Geld bereits in früheren Perioden eingegangen war.“

— ITM Power, Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026, Abschnitt „Cash flow and balance sheet“

Markierter Ausschnitt aus dem Halbjahresbericht von ITM Power vom 29. Januar 2026: Die Kasse lag zum 31. Oktober 2025 bei 198 Millionen Pfund, ein Abfluss von 9,2 Millionen Pfund, weil Aufträge gefertigt wurden, für die das Geld bereits früher eingegangen war.
Die markierte Stelle im Original, direkt vor der Angabe, dass die Zinserträge im Halbjahr 4,1 Millionen Pfund betrugen. Quelle: Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026 (RNS), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Alltagsbild: Ein Handwerker lässt sich bei jedem Auftrag eine Anzahlung geben. Solange ständig neue Aufträge mit Anzahlungen hereinkommen, sieht sein Konto prall aus — auch wenn er an den einzelnen Aufträgen nichts verdient. Genau diese Anzahlungen stehen bei ITM als „deferred income“ in der Bilanz, zum 30. April 2025 waren es 64,2 Millionen Pfund. Der Geschäftsbericht sagt offen, dass ITM die Zahlungsmeilensteine so gestaltet, dass sie die Materialkosten im Voraus decken.

Die Kapitalflussrechnung des Halbjahres zeigt, wie groß der Effekt war. Vor Veränderungen im Umlaufvermögen flossen im operativen Geschäft 12,1 Millionen Pfund ab. Dass am Ende nur 5,9 Millionen operativer Abfluss übrig blieben, lag an 12,7 Millionen Pfund aus dem Umlaufvermögen, vor allem an um 14,9 Millionen gestiegenen Verbindlichkeiten. Dazu kamen 6,9 Millionen Pfund Investitionen. Wer die 9,2 Millionen Halbjahres-Abfluss auf das Jahr hochrechnet, rechnet also mit einem Rückenwind, der nur so lange weht, wie neue Anzahlungen die Fertigung alter Aufträge überholen. Die eigene Prognose bestätigt das: Ohne die 40 Millionen Pfund von Great British Energy hätte die Kasse zum 30. April 2026 bei 170 bis 175 Millionen gelegen — ein Abfluss von 32 bis 37 Millionen Pfund im Gesamtjahr, rund das Drei- bis Vierfache des ersten Halbjahres.

Fair ist auch die Gegenrechnung. Ein Abfluss in dieser Größenordnung gegen eine Kasse von über 200 Millionen Pfund ist keine akute Gefahr. Der Vorstand hat seine Fortführungsprognose bis Ende Januar 2027 laut Halbjahresbericht sogar einem Stresstest unterzogen, in dem kein einziger Kunde mehr zahlt — auch dann bliebe die Kasse zwölf Monate lang positiv. ITM hat Zeit. Die Frage ist nur, ob die Zeit reicht, bis die Fabrik Geld verdient.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Kunde brachte 70 Prozent des Halbjahres — und Linde sitzt auf allen Seiten des Tisches

Der Halbjahresbericht nennt die Kunden nicht beim Namen, aber er nennt die Größenordnung. Ein einzelner Kunde, dort „Customer B“ genannt, stand im ersten Halbjahr 2025/26 für 12,6 von 18,0 Millionen Pfund Umsatz, also knapp 70 Prozent. Der Umsatz des Halbjahres stammte laut Bericht überwiegend aus Lieferungen für Lingen 1; ein Name für Customer B fällt dort aber nicht. Im Geschäftsjahr 2024/25 kamen zwei andere Kunden zusammen auf 76 Prozent (10,8 und 9,0 von 26,0 Millionen Pfund). Wenige Großprojekte machen also einen Großteil des Umsatzes aus, und jedes endet irgendwann. In Lingen ist der Lieferumfang von ITM für die erste Anlage laut Mitteilung vom Dezember 2025 vollständig geliefert und installiert.

Noch bemerkenswerter ist die Rolle eines anderen Namens: Linde. Der Industriegase-Konzern ist mit 100 Millionen Aktien größter Aktionär von ITM (14,46 Prozent, Stand 15. Juli 2026), stellt einen Vertreter im Board, ist Partner im gemeinsamen Unternehmen ITM Linde Electrolysis und Projektpartner in Lingen. Er ist zugleich Kunde: Im ersten Halbjahr 2025/26 stellte ITM der Linde/BOC-Gruppe laut Anhang Meilensteinzahlungen über 5,0 Millionen Pfund in Rechnung. Und er war Gegner in einem Streit, der ITM viel Geld gekostet hat:

„In the last financial year, the Group reached the conclusion of the commercial dispute with Linde/BOC Group, represented on the Board by M von Plotho, leading to a payment to Linde of £13.0m.“

Übersetzung: „Im vergangenen Geschäftsjahr hat der Konzern den geschäftlichen Streit mit der Linde/BOC-Gruppe, die im Board durch M. von Plotho vertreten ist, beigelegt, was zu einer Zahlung von 13,0 Millionen Pfund an Linde führte.“

— ITM Power, Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026, Note 7 „Related Parties“

Markierter Ausschnitt aus Note 7 des Halbjahresberichts von ITM Power vom 29. Januar 2026: Beilegung des Streits mit der Linde/BOC-Gruppe, die im Board vertreten ist, mit einer Zahlung von 13,0 Millionen Pfund an Linde.
Die markierte Stelle im Original; darunter stehen die Meilensteinabrechnungen mit Linde/BOC über 5,0 Millionen Pfund im ersten Halbjahr. Quelle: Halbjahresbericht vom 29. Januar 2026, Note 7 (RNS), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

13,0 Millionen Pfund — das ist die Hälfte des gesamten Umsatzes von 2024/25, gezahlt an den eigenen Großaktionär. Die Einzelheiten des Streits blieben vertraulich. Dazu kommt die Besetzung an der Spitze: Vorstandschef Dennis Schulz kam im Dezember 2022 von Linde. Seit dem 15. Januar 2026 leitet Jürgen Nowicki das Board als Vorsitzender; er war laut Geschäftsbericht zuvor fünf Jahre lang der von Linde entsandte Vertreter im Board und zuletzt Chef von Linde Engineering. Der Geschäftsbericht kündigt an, diese frühere Rolle bei der jährlichen Prüfung seiner Unabhängigkeit zu berücksichtigen. Seit dem 24. Juni 2026 vertritt Oleg Williamson aus der Linde-Finanzabteilung den Großaktionär im Board.

Nichts davon ist verborgen, alles ist offengelegt. Aber es heißt: Bei ITM ist ein Konzern gleichzeitig größter Eigentümer, Partner, Kunde und — bis vor Kurzem — Gegner in einem vertraulich beigelegten Geschäftsstreit, und die Leute an der Spitze kennen ihn von innen. Das kann ein Vorteil sein, weil es Türen öffnet. Es kann aber auch heißen, dass bei einem Konflikt nicht klar ist, auf welcher Seite des Tisches wer sitzt. Wer die Aktie hält, sollte die Angaben zu nahestehenden Personen im nächsten Geschäftsbericht aufmerksam lesen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Staat stieg mit 13,7 Prozent Rabatt ein

Am 9. April 2026 meldete ITM zwei gute Nachrichten auf einmal. Great British Energy, die staatliche Energiegesellschaft Großbritanniens, investiert 40 Millionen Pfund in neue Aktien. Und das Energieministerium stellte einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund in Aussicht, der am 9. Juli 2026 förmlich bewilligt wurde. Beides soll eine automatisierte Fertigungslinie in Sheffield für den neuen CHRONOS-Stapel mit einem Gigawatt Jahreskapazität finanzieren; ITM rechnet mit Investitionen von bis zu 120 Millionen Pfund über drei Jahre und dem Betriebsstart 2028. Der Zuschuss wird quartalsweise nachträglich ausgezahlt, und ITM hat sich verpflichtet, in fünf Jahren rund 250 zusätzliche Stellen in Großbritannien zu schaffen.

Die Konditionen stehen weiter unten in derselben Mitteilung:

„The Subscription Shares will represent approximately 10.4% of the Company's issued share capital immediately following the Subscription and the Subscription Price represents a 13.7% discount to the closing mid-market price of an ITM Power ordinary share on 8 April 2026.“

Übersetzung: „Die neuen Aktien werden unmittelbar nach der Zeichnung rund 10,4 Prozent des ausgegebenen Grundkapitals ausmachen, und der Zeichnungspreis entspricht einem Abschlag von 13,7 Prozent auf den Mittelkurs einer ITM-Power-Aktie zum Handelsschluss am 8. April 2026.“

— ITM Power, Pflichtmitteilung vom 9. April 2026, Abschnitt „The Subscription“

Markierter Ausschnitt aus der Pflichtmitteilung von ITM Power vom 9. April 2026: Die neuen Aktien für Great British Energy machen rund 10,4 Prozent des Kapitals aus, der Zeichnungspreis liegt 13,7 Prozent unter dem Schlusskurs vom 8. April 2026.
Die markierte Stelle im Original; darüber stehen die Zahl der neuen Aktien (71.994.240) und der Zeichnungspreis von 55,56 Pence. Quelle: Pflichtmitteilung vom 9. April 2026 (RNS), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil mehr Leute mitessen. Great British Energy erhielt 71.994.240 neue Aktien zu 55,56 Pence, ohne dass die bisherigen Aktionäre mitzeichnen konnten. Die Aktienzahl stieg damit von 617,4 Millionen auf 689,4 Millionen und bis zum 30. April 2026 — über Mitarbeiterprogramme — auf 691.405.563. Dazu kommen Optionen: Zum 31. Oktober 2025 standen 12,1 Millionen potenziell verwässernde Aktien aus, und im April 2026 erhielten die drei Vorstände weitere Optionen über zusammen gut 3,1 Millionen Aktien, darunter eine einmalige Sonderzuteilung von 1,3 Millionen an den Vorstandschef.

In derselben Mitteilung steht eine Klausel, die leicht zu überlesen ist: Sollte ITM innerhalb von sechs Monaten erneut Kapital mit einem höheren Abschlag aufnehmen, muss das Unternehmen Great British Energy so stellen, als hätte sie zu diesem Abschlag gezeichnet. Außerdem darf der neue Großaktionär einen Beobachter ins Board schicken und bei einem Anteil von mindestens zehn Prozent einen Direktor benennen. Das ist nichts Ungewöhnliches für einen strategischen Investor. Es heißt aber, dass mit Linde und dem britischen Staat nun zwei Großaktionäre mit eigenen Zielen im Register stehen — laut Unternehmen sind zusammen 24,88 Prozent der Aktien nicht im Streubesitz.

Was die Aktie kostet

Zum Kurs von 98,89 Pence, zu dem die Vorstände am 15. September 2026 kauften, ist ITM Power bei 691,4 Millionen Aktien rund 684 Millionen Pfund wert. Auf den Umsatz von 2024/25 (26,0 Millionen) gerechnet entspricht das dem gut 26-Fachen, auf die Mitte der Prognose für 2025/26 (41,5 Millionen) rund dem 16,5-Fachen. Zieht man die angekündigte Kasse von 210 bis 215 Millionen Pfund ab — noch nicht durch einen geprüften Abschluss bestätigt —, bleibt ein Unternehmenswert von rund 470 Millionen Pfund, gut das Elffache des Prognoseumsatzes.

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Gemessen am Eigenkapital von 210,6 Millionen Pfund zum 31. Oktober 2025 zahlt der Markt gut das Dreifache des Buchwerts; die Einlage von Great British Energy ist darin noch nicht enthalten. Wie weit sich der Kurs seither bewegt hat, zeigt der Kasten „Stand heute“ auf dieser Seite. Die Größenordnung ist entscheidend: Der Markt bezahlt bei ITM heute nicht für Gewinne, sondern für die Erwartung, dass die Fabrik ausgelastet wird und die Altverträge auslaufen. Das ist ein Preisargument, kein Urteil über die Qualität — aber es zeigt, wie viel Zukunft schon im Kurs steckt.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf Plug Power, den amerikanischen Wasserstoff-Konzern, der ebenfalls Elektrolyseure verkauft und bei dem sich dieselbe Frage nach der Bruttomarge seit Jahren stellt. Und wer sich für die Rüstungsseite der Geschichte interessiert: Die im April 2026 vereinbarte Zusammenarbeit mit Rheinmetall zielt auf dezentrale Anlagen für synthetische Kraftstoffe der NATO-Streitkräfte, zunächst in Großbritannien — bislang eine Kooperation ohne bezifferten Auftrag.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für ITM Power spricht:

  • Der Umsatz wächst kräftig: von 16,5 (2023/24) auf 26,0 Millionen Pfund (2024/25), 18,0 Millionen allein im ersten Halbjahr 2025/26, Prognose 40 bis 43 Millionen für das ganze Jahr.
  • Der Anteil profitabler Verträge im Auftragsbestand stieg von 60 Prozent (April 2025) auf 71 Prozent (Januar 2026); die Altverträge ohne Marge sollen bis etwa Mitte 2027 abgearbeitet sein.
  • Die Bilanz ist schuldenfrei, die Kasse lag zum 31. Oktober 2025 bei 197,8 Millionen Pfund; mit der Einlage von Great British Energy erwartete ITM 210 bis 215 Millionen zum 30. April 2026.
  • Der britische Staat ist Aktionär und Zuschussgeber (40 Millionen Pfund Eigenkapital plus 46,5 Millionen Zuschuss) — das stärkt die Glaubwürdigkeit bei Großprojekten im Heimatmarkt.
  • Referenzprojekte bei RWE, Shell und Linde und der erste Wasserstoff aus Lingen im August 2026 zeigen, dass die Technik im großen Maßstab läuft.

Was gegen ITM Power spricht:

  • In keinem der Geschäftsjahre 2020/21 bis 2024/25 gab es einen Bruttogewinn; 2024/25 kostete die Herstellung 1,91 Pfund je Pfund Umsatz.
  • Die Kasse wird von Kundenanzahlungen gestützt (64,2 Millionen Pfund zum 30. April 2025); ohne die Staatseinlage hätte der Abfluss 2025/26 laut Prognose 32 bis 37 Millionen Pfund betragen.
  • Hohe Kundenkonzentration: ein Kunde mit knapp 70 Prozent des Halbjahresumsatzes; dazu die Mehrfachrolle von Linde als Großaktionär, Partner, Kunde und früherer Streitgegner.
  • Verwässerung: Die Aktienzahl stieg 2026 um rund 12 Prozent auf 691,4 Millionen; die neuen Aktien wurden mit 13,7 Prozent Abschlag ausgegeben.
  • Die Jahreszahlen 2025/26 lagen fünf Monate nach Geschäftsjahresende noch nicht vor; der Kurs setzt beim rund 16,5-Fachen des Prognoseumsatzes viel Erfolg voraus.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die Erzählfalle vom Anfang? Bei ITM Power ist die Geschichte nicht erfunden. Die Anlagen laufen, in Lingen fließt Wasserstoff durch eine Pipeline zu einem Chemiepark, der britische Staat hat Geld auf den Tisch gelegt, und der Umsatz hat sich in vier Jahren versechsfacht. Aber die Geschichte hat eine Zeile, die sie selten erzählt: Bisher hat ITM mit jeder verkauften Anlage Geld verloren, bevor auch nur ein Büro bezahlt war. Die Kasse schrumpft seit 2022, und sie wird zum Teil vom Geld der Kunden getragen.

Das macht ITM Power nicht zu einem schlechten Unternehmen. Es macht ITM zu einem Unternehmen, das den Beweis noch schuldig ist — den Beweis, dass eine volle Fabrik mit neuen Verträgen und dem neuen CHRONOS-Stapel Geld verdient. Die nächste Probe kommt mit dem Jahresabschluss 2025/26, der nach den AIM-Regeln bis Ende Oktober 2026 erscheinen muss: Wurde die Umsatzprognose von 40 bis 43 Millionen Pfund erreicht, wie viel davon stammt aus der neuen Buchungsmethode, und wie stark ist das Bruttoergebnis ins Positive gedreht — oder eben nicht? Wer bis dahin nur die Erzählung liest, liest die Hälfte. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren. Aktien können an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust. Alle Zahlen tragen den Stand ihrer Quelle; Kursangaben sind datierte Momentaufnahmen. Eigene Positionen des Betreibers legen wir tagesaktuell offen; besteht eine, steht sie als Hinweis am Anfang dieser Analyse.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen £, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 4,3 5,6 5,2 16,5 26,0
Betriebsergebnis (EBIT) -26,7 -44,7 -100,8 -38,0 -54,5
Nettogewinn -27,7 -46,7 -101,2 -27,2 -45,5
Nettomarge -647,9 % -829,8 % -1.935,4 % -164,9 % -174,8 %
Gewinn je Aktie -0,05 £ -0,08 £ -0,16 £ -0,04 £ -0,07 £

symbol.source_foreign

Unser Fazit auf einen Blick

Umsatzwachstum positiv
Von 4,3 Mio. £ (GJ 2020/21) auf 26,0 Mio. £ (2024/25) und 18,0 Mio. £ im ersten Halbjahr 2025/26; Prognose für 2025/26 am 17.02.2026 auf 40–43 Mio. £ angehoben.
Bruttomarge negativ
In allen fünf Geschäftsjahren bis 2024/25 negativ, zuletzt −23,7 Mio. £ bei 26,0 Mio. £ Umsatz; im ersten Halbjahr 2025/26 −6,5 Mio. £. 29 % des Auftragsbestands sind Altverträge ohne Marge (Halbjahresbericht 29.01.2026).
Bilanz und Kasse positiv
197,8 Mio. £ Kasse und keine Bankschulden (31.10.2025), plus 40 Mio. £ von Great British Energy im April 2026. Der Stresstest der Fortführungsprognose bleibt auch ohne jeden Kundeneingang zwölf Monate positiv.
Qualität des Mittelabflusses neutral
Der Halbjahres-Abfluss von nur 9,2 Mio. £ ist von Kundenanzahlungen gestützt; vor Umlaufvermögen flossen 12,1 Mio. £ ab. Ohne Staatseinlage erwartete ITM für 2025/26 einen Abfluss von 32–37 Mio. £.
Kundenkonzentration und Linde negativ
Ein Kunde brachte 12,6 von 18,0 Mio. £ Halbjahresumsatz. Linde ist Großaktionär (14,46 %), Partner, Kunde und erhielt 2024/25 eine Vergleichszahlung von 13,0 Mio. £; der Vorsitzende war fünf Jahre Lindes Board-Vertreter.
Verwässerung negativ
Aktienzahl 2026 um rund 12 % auf 691.405.563 gestiegen; die 71.994.240 Aktien für Great British Energy wurden mit 13,7 % Abschlag zu 55,56 p ausgegeben, dazu 12,1 Mio. potenziell verwässernde Optionen (31.10.2025).

ITM Power wächst schnell und ist dank Kasse und Staatseinstieg finanziell gut gepolstert, hat aber noch in keinem Geschäftsjahr einen Bruttogewinn erzielt. Ob die volle Fabrik, das Auslaufen der Altverträge und der neue CHRONOS-Stapel das ändern, zeigt frühestens der Jahresabschluss 2025/26, der bis Ende Oktober 2026 erscheinen muss. Bis dahin kaufen Anleger vor allem eine Erwartung. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Ein Substanzrisiko ist nicht belegt: rund 200 Mio. £ Kasse, keine Bankschulden, ein Stresstest ohne Kundeneingänge bleibt zwölf Monate positiv, der Staat ist Aktionär. Für Grün fehlt das Wichtigste — der Beweis, dass das Geschäftsmodell trägt. Die Herstellung kostete in jedem Geschäftsjahr seit 2020/21 mehr, als der Verkauf einbrachte, fast ein Drittel des Auftragsbestands sind Verträge ohne Marge, und der Umsatz hängt an wenigen Großprojekten. Das ist ein unbewiesener Turnaround, deshalb Gelb. Bei einem Börsenwert von rund 684 Mio. £ am 15.09.2026 steckt viel Hoffnung im Kurs — das ist ein Preisargument, kein Qualitätsurteil. Die Entscheidung liegt bei dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger war die Foren-Hitliste von wallstreet-online (Ende September 2026) unter dem US-Freiverkehrs-Kürzel ITMPF; analysiert wird die Heimatnotierung ITM am AIM der Londoner Börse.
  • Datenstand 26. September 2026. Jüngster veröffentlichter Periodenbericht ist der Halbjahresbericht zum 31.10.2025 (29.01.2026). Die Jahreszahlen 2025/26 (Geschäftsjahr bis 30.04.2026) lagen noch nicht vor; Prognosewerte stammen aus den Pflichtmitteilungen vom 17.02. und 09.04.2026.
  • ITM Power ist kein SEC-Filer: kein 10-K, kein 10-Q, kein 20-F. Alle Belege stammen aus Geschäftsberichten, dem Halbjahresbericht und RNS-Pflichtmitteilungen.
  • Kursanker ist der Preis von 0,9889 £, zu dem die Vorstände am 15.09.2026 im Mitarbeiter-Sparplan kauften (Pflichtmitteilung vom 17.09.2026). Der Kurs am 08.04.2026 (rund 64,4 p) ist aus dem Zeichnungspreis von 55,56 p und dem gemeldeten Abschlag von 13,7 % zurückgerechnet.
  • Verwechslungsgefahr: ITM Power hat nichts mit dem gleichlautenden Kürzel ITM eines US-Kommunalanleihen-ETF zu tun; das Gemeinschaftsunternehmen ITM Linde Electrolysis wird nicht von ITM, sondern von Linde konsolidiert.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 26. September 2026. Was sich seitdem bei ITM.LSE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu ITM Power (ITM.LSE) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

ITM Power aus Sheffield baut Elektrolyseure, also Anlagen, die mit Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen — mit Ökostrom entsteht grüner Wasserstoff. Angeboten werden die Container-Anlage NEPTUNE V (5 Megawatt), das Modul POSEIDON (20 Megawatt) und die Komplettanlage ALPHA 50 (50 Megawatt). Die Aktie ist seit 2004 am AIM der Londoner Börse notiert.

Noch nicht. Im Geschäftsjahr 2024/25 (bis 30. April 2025) standen 26,0 Millionen Pfund Umsatz ein Bruttoverlust von 23,7 Millionen und ein Verlust vor Steuern von 45,4 Millionen Pfund gegenüber. Im ersten Halbjahr 2025/26 lag der Bruttoverlust bei 6,5 Millionen Pfund bei 18,0 Millionen Umsatz. Einen Bruttogewinn gab es in keinem Geschäftsjahr seit 2020/21.

Das Geschäftsjahr endete am 30. April 2026. Bis zum 26. September 2026 hatte ITM die Jahreszahlen noch nicht veröffentlicht; im Vorjahr kamen sie am 14. August. Nach Regel 19 der AIM-Regeln muss der geprüfte Abschluss spätestens sechs Monate nach Geschäftsjahresende vorliegen, also bis 31. Oktober 2026. Prognostiziert sind 40 bis 43 Millionen Pfund Umsatz.

Zum 31. Oktober 2025 lagen 197,8 Millionen Pfund in der Kasse, Bankschulden gibt es nicht. Im April 2026 kamen 40 Millionen Pfund von Great British Energy hinzu; für den 30. April 2026 erwartete ITM 210 bis 215 Millionen Pfund. Ein Teil der Kasse sind Anzahlungen von Kunden (64,2 Millionen Pfund zum 30. April 2025).

Laut Unternehmensseite (Stand 15. Juli 2026) hält Linde 14,46 Prozent, die staatliche Great British Energy 10,41 Prozent. Danach folgen Anlegerplattformen und Verwahrbanken wie Hargreaves Lansdown (8,21 Prozent), Interactive Investor (5,63 Prozent), die Deutsche WertpapierService Bank (5,50 Prozent), ING-DiBa und Commerzbank mit je gut 3 Prozent.

Ja. ITMPF ist ein Kürzel im amerikanischen Freiverkehr für die Aktie der ITM Power plc, die an der Londoner Börse im Segment AIM unter ITM gehandelt wird (ISIN GB00B0130H42). ITM Power ist nicht bei der US-Börsenaufsicht SEC registriert und reicht dort keine Berichte ein; maßgeblich sind die britischen Pflichtmitteilungen und Geschäftsberichte.

ITM Power hat ein abweichendes Geschäftsjahr vom 1. Mai bis 30. April. „2024/25“ bzw. „FY25“ umfasst Mai 2024 bis April 2025, das erste Halbjahr 2025/26 die Monate Mai bis Oktober 2025. Halbjahreszahlen erscheinen üblicherweise im Januar, Jahreszahlen im Spätsommer oder Herbst.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?