Insperity: 45,6 Milliarden fließen durch — 10 Millionen Verlust bleiben
Insperity ist der Arbeitgeber, der auf keiner Visitenkarte steht: Rund 310.000 Menschen arbeiten bei kleinen US-Firmen und stehen auf der Lohnliste dieses Unternehmens aus Texas. 2025 liefen 45.565 Millionen US-Dollar Bruttorechnungen durch die Bücher. Als Rohertrag blieben 900 Millionen — zehn Millionen weniger, als der Betrieb im selben Jahr kostete. Schuld ist eine einzige Schere: Die Krankheitskosten je Versichertem stiegen um 9 Prozent, die Preise nur um 3. Wir lesen den Geschäftsbericht und den Quartalsbericht zum 31. März 2026 und sehen nach, ob sich diese Schere wirklich schließt. Zahlen mit Datum statt Meinungen mit Ausrufezeichen.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die immer dann zuschnappt, wenn ein Unternehmen fremdes Geld verwaltet: die Kassenwart-Falle. Sie funktioniert so. Der Kassenwart deines Sportvereins hat 50.000 Euro auf dem Konto und einen dicken Ordner voller Belege. Reich ist er deswegen nicht — das Geld gehört dem Verein, und der Ordner sagt bis auf den Cent, wem was davon zusteht. Bei Insperity, Inc. (NYSE: NSP) ist es dasselbe in groß, nur dass die Zahlen so beeindruckend sind, dass man die Belege gern überliest. In einer einzigen Zeile: Von den 45.565 Millionen US-Dollar Bruttorechnungen des Jahres 2025 blieben 6.812 Millionen als Umsatz, davon 900 Millionen als Rohertrag — und darunter stand ein Betriebsverlust von 10 Millionen. Machen wir also einen Deal: Bevor wir über die Aktie reden, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 11. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 1. Mai 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser hier erzählt von einer Schere, die sich seit zwei Jahren öffnet, von einem Kreditvertrag, der zweimal nachgeben musste, und von einer Kasse, von der mehr als neun Zehntel anderen Leuten gehören.
Inhalt dieser Analyse
- Was Insperity eigentlich macht — der Arbeitgeber, der auf keiner Visitenkarte steht
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt
- Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
- Bewertung — was der Markt für dieses Geschäft zahlt
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Häufige Fragen
- Quellen
Was Insperity eigentlich macht — der Arbeitgeber, der auf keiner Visitenkarte steht
Stell dir eine Firma mit 40 Beschäftigten vor. Sie braucht Lohnabrechnung, Lohnsteuer, eine Krankenversicherung, eine Unfallversicherung, Arbeitsverträge, Kündigungsschutz-Kenntnis und jemanden, der weiß, welches Formular in Kalifornien anders aussieht als in Texas. Für eine eigene Personalabteilung ist sie zu klein. Genau hier setzt Insperity an: Das Unternehmen aus Kingwood im US-Bundesstaat Texas wird rechtlich Mitarbeitgeber der Belegschaft — im Fachjargon eine Professional Employer Organization, kurz PEO. Die Menschen arbeiten weiter beim Kunden, stehen aber auf der Lohnliste von Insperity. Im Bericht heißen sie worksite employees; wir nennen sie hier Beschäftigte beim Kunden.
Der Trick dahinter ist ein Größenvorteil: Weil Insperity die Belegschaften vieler kleiner Firmen zu einer einzigen großen Gruppe bündelt, bekommt es Krankenversicherungs-Konditionen, die eine 40-Personen-Firma allein nie bekäme. 2025 wurden im Monatsschnitt 310.089 Beschäftigte beim Kunden bezahlt, ein Plus von 1 Prozent. Direkt für Insperity arbeiteten zum 31. Dezember 2025 rund 4.200 Menschen.
Verkauft wird das in vier Ausführungen: HR 360 ist das Vollpaket und die größte Umsatzquelle. HR 360 Select Edition ist die schlankere Variante für größere Mittelständler. HR Core ist reine Lohnabrechnung ohne Mitarbeitgeberschaft. Und HR Scale ist das Neue: eine gemeinsam mit Workday, Inc. entwickelte Lösung auf Basis von deren Personalsoftware, teurer als HR 360, gedacht für Firmen mit ungefähr 150 bis 5.000 Beschäftigten. Der Geschäftsbericht nennt den Starttermin: Die ersten Kunden sollten HR Scale im ersten Quartal 2026 nutzen. Berichtet wird alles in einem einzigen Segment namens HR Solutions — eine getrennte Erfolgsrechnung für HR Scale gibt es also nicht.
Und jetzt die Zeile, die alles erklärt. Insperity kassiert vom Kunden eine Bruttorechnung: Löhne plus einen prozentualen Aufschlag. Als Umsatz zählt nur der Aufschlag. Davon bezahlt Insperity Lohnsteuern, Krankenversicherung und Unfallversicherung; was übrig bleibt, ist der Rohertrag. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes weitere Kapitel zieht: Der Aufschlag muss schneller steigen als die Krankheitskosten — aber jede Preiserhöhung kostet Kunden, und über weniger Köpfe verteilen sich dieselben Fixkosten schlechter. Das ist keine Theorie. Es ist genau das, was 2025 und im ersten Quartal 2026 passiert ist.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Auf die Rechercheliste kam Insperity über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 19 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen, nach der Spalte „Wende-Check“ sortieren. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand.
Das Modell hat zwei Pflicht-Säulen. Wer eine davon reißt, fliegt sofort aus der Liste, egal wie gut oder schlecht das Geschäft läuft:
- Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch stehen. Ohne echten Absturz kein Turnaround. Das ist die Säule, die eine Aktie ausgerechnet dann verliert, wenn es gut läuft — je höher der Kurs, desto näher der Ausschluss.
- Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Wert (ein Frühwarnwert für Insolvenzen, berechnet aus mehreren Bilanzkennzahlen) muss mindestens 1,1 betragen, das Eigenkapital muss positiv sein, höchstens ein Bilanz-Warnsignal darf vorliegen. Dazu die Handelbarkeit: Kurs über 3 US-Dollar, durchschnittlicher Tagesumsatz über 2 Millionen US-Dollar.
Und genau hier steht das Verfallsdatum dieses Aufhängers — diesmal ausrechenbar. Das dividendenbereinigte Allzeithoch der Insperity-Aktie stammt vom 26. Juli 2019 und liegt bei rund 116 US-Dollar. Die Hälfte davon sind rund 58 US-Dollar. Am 24. Juli 2026 schloss die Aktie bei 48,35 US-Dollar — das sind rund 58 Prozent unter dem Allzeithoch und damit nur rund 20 Prozent Luft bis zum Ausschluss. Zur Erinnerung: Am 28. Juli 2025 stand dieselbe Aktie noch bei 61,42 US-Dollar. Läuft der Kurs also weiter nach oben, verschwindet Insperity aus dieser Liste — nicht weil das Geschäft schlechter würde, sondern weil es besser aussieht. Säule 2 ist dagegen komfortabel erfüllt: Der Altman-Z-Wert liegt nach unseren Fundamentaldaten bei 4,05 (Datenstand 26. Juli 2026), weil ein Umsatz von 6,8 Milliarden auf eine Bilanzsumme von nur 2,2 Milliarden trifft. Positives Eigenkapital gibt es — allerdings nur 67 Millionen US-Dollar. Dazu gleich mehr.
Erst nach den Pflicht-Säulen zählt der eigentliche Wende-Check: acht Punkte, vier aus den Quartalszahlen (Umsatzrichtung, Nettomarge, operativer Mittelzufluss, Bilanzheilung) und vier aus dem Marktverhalten (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke der letzten drei gegen die letzten zwölf Monate, Insiderkäufe netto, Fondsaufstockung). Angezeigt wird, wer mindestens 6 von 8 erreicht; Insperity stand am 25. Juli 2026 bei 7. Denselben Mechanismus haben wir in dieser Serie schon bei einem Dienstleister für den US-Mittelstand beschrieben, der ebenfalls über diese Liste kam — nachzulesen in der Analyse zu CBIZ. Merke dir den Grundsatz: Ein Scanner sortiert nach Merkmalen, nicht nach Gründen. Den Grund muss man lesen.
Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt
Fangen wir mit dem an, was ehrlich beeindruckt: Insperity verliert keine Kunden im großen Stil, und der Umsatz ist in jedem der letzten Jahre gestiegen. 4.973 Millionen US-Dollar (2021), 5.939 (2022), 6.486 (2023), 6.581 (2024) und 6.812 Millionen (2025). Das ist ein Plus von 37 Prozent in vier Jahren, in einem Geschäft, dessen Verträge mit 30 Tagen Frist kündbar sind. Auch die Kundenbindung hat sich zuletzt verbessert: von 81 Prozent im Jahr 2024 auf 83 Prozent im Jahr 2025, bei einem Fünfjahresschnitt von 84 Prozent. Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.
Und jetzt die Zeile darunter. Der Rohertrag — also das, was nach Lohnsteuern, Krankenversicherung und Unfallversicherung übrig bleibt — hat den Umsatz nicht begleitet, sondern ihn 2025 verlassen:
Die Reihe des Rohertrags: 820 Millionen US-Dollar (2021), 1.011 (2022), 1.037 (2023), 1.052 (2024) — und dann 900 (2025). Die Betriebskosten dagegen: 646, 761, 818, 935, 910. 2024 lagen noch 117 Millionen zwischen beiden Linien, 2025 kreuzten sie sich. Das Betriebsergebnis fiel entsprechend von 250 Millionen (2022) über 219 (2023) und 117 (2024) auf minus 10 Millionen. Unterm Strich blieb 2025 ein Verlust von 7 Millionen US-Dollar und ein verwässertes Ergebnis je Aktie von minus 0,19 US-Dollar — nach 4,64 US-Dollar im Jahr 2022.
Bemerkenswert ist, wie diszipliniert die Kostenseite reagiert hat: Die Betriebskosten sanken 2025 um 3 Prozent, je Beschäftigtem und Monat von 253 auf 245 US-Dollar. Das Problem lag also nicht im Wasserkopf. Es lag eine Etage höher.
Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Preise stiegen um 3 Prozent, die Krankheitskosten um 9
Der Geschäftsbericht erklärt den Einbruch in vier Sätzen, ohne Umschweife:
„Gross profit decreased 14% to $900 million. The decrease was primarily due to a 15% decrease in gross profit per WSEE, which was partially offset by a 1% increase in the average number of WSEEs paid per month. Gross profit per WSEE paid per month reflected, in part, a 3% pricing increase offset by a 6% increase in direct costs per WSEE. The increase in direct costs per WSEE was primarily attributable to a 9% increase in benefits costs per participant.“
Übersetzung: „Der Rohertrag sank um 14 Prozent auf 900 Millionen US-Dollar. Der Rückgang beruhte im Wesentlichen auf einem Rückgang des Rohertrags je Beschäftigtem beim Kunden um 15 Prozent, der teilweise durch einen Anstieg der durchschnittlich je Monat bezahlten Beschäftigten um 1 Prozent ausgeglichen wurde. Im Rohertrag je Beschäftigtem und Monat spiegelt sich unter anderem eine Preisanhebung von 3 Prozent wider, der ein Anstieg der Direktkosten je Beschäftigtem um 6 Prozent gegenüberstand. Der Anstieg der Direktkosten je Beschäftigtem war im Wesentlichen auf einen Anstieg der Leistungskosten je Versichertem um 9 Prozent zurückzuführen.“
— Insperity, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Management-Bericht
Drei Prozent Preis gegen neun Prozent Kosten: Das ist keine Konjunkturdelle, das ist ein Kalkulationsfehler mit Ansage. Insperity legt seine Preise im Voraus für ein Jahr fest und muss dabei schätzen, was die Belegschaften seiner Kunden im kommenden Jahr an Arztrechnungen produzieren. Liegt die Schätzung daneben, trägt Insperity die Differenz — nicht der Kunde. Das ist der Kern des Geschäfts und zugleich sein größtes Risiko.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Schere schließt sich — aber der Preis dafür sind Kunden
Im ersten Quartal 2026 sieht es besser aus. Die Leistungskosten je Versichertem stiegen nur noch um 5,2 Prozent, bei unveränderter Preisanhebung von 3 Prozent. Aus sechs Prozentpunkten Lücke wurden 2,2:
Was diesen Fortschritt kostet, steht ebenfalls im Bericht — und zwar so ehrlich, dass man zweimal hinsieht:
„During Q1 2026, average WSEEs paid decreased 1% compared to Q1 2025. The number of WSEEs paid from new client sales and client retention decreased due in part to our margin recovery efforts, while the net change in our client base increased compared with Q1 2025.“
Übersetzung: „Im ersten Quartal 2026 sank die durchschnittliche Zahl bezahlter Beschäftigter beim Kunden gegenüber dem ersten Quartal 2025 um 1 Prozent. Die Zahl der bezahlten Beschäftigten aus Neuabschlüssen und aus der Kundenbindung ging unter anderem infolge unserer Bemühungen um die Margen-Rückgewinnung zurück, während die Nettoveränderung in unserem Kundenbestand gegenüber dem ersten Quartal 2025 zunahm.“
— Insperity, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026
Im Klartext: Insperity nimmt bewusst in Kauf, Kunden zu verlieren, um die Marge zu retten. Das ist betriebswirtschaftlich richtig und für den Anleger unbequem, denn im ersten Quartal war das Ergebnis trotzdem schwächer als im Vorjahr — 62 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis gegen 68 Millionen, 33 Millionen Nettogewinn gegen 51 Millionen, 0,88 US-Dollar je Aktie gegen 1,35. Zwei Dinge muss man dabei fair einrechnen: Im ersten Quartal 2026 steckten 9 Millionen US-Dollar Restrukturierungsaufwand aus dem im Februar 2026 angekündigten Stellenabbau; ohne diesen Posten hätte das Betriebsergebnis über dem Vorjahreswert gelegen. Und die Steuerquote sprang von 29 auf 48 Prozent, weil beim Einlösen von Mitarbeiteraktien der Kurs unter dem Zuteilungspreis lag — allein das kostete 10 Millionen US-Dollar zusätzliche Steuer. Ein gefallener Aktienkurs erhöht hier also ganz real die Steuerrechnung.
Wichtig für die Einordnung: Das erste Quartal ist bei Insperity das saisonal stärkste, weil die US-Sozialabgaben zu Jahresbeginn zurückgesetzt werden. Wer 62 Millionen mal vier rechnet, rechnet garantiert falsch — im Gesamtjahr 2025 stand nach einem ersten Quartal mit 68 Millionen am Ende minus 10 Millionen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 555 Millionen in der Kasse — davon gehören 519 Millionen anderen
Hier schnappt die Kassenwart-Falle aus dem Einstieg mit voller Wucht zu. Der Quartalsbericht nennt eine Kasse, die nach Festung klingt — und löst sie im selben Satz wieder auf:
Von 555 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapieren zum 31. März 2026 waren rund 415 Millionen im April 2026 fällig — einbehaltene Bundes- und Landessteuern, Lohnsteuern und andere Abzüge, also fremdes Geld auf dem Weg zum Finanzamt. Weitere 104 Millionen waren Kundenvorauszahlungen. Bleiben rechnerisch rund 36 Millionen. Das Nettoumlaufvermögen lag bei 142 Millionen US-Dollar (31. Dezember 2025: 102 Millionen; 31. Dezember 2024: 155 Millionen). Am Jahresende 2025 sah es genauso aus: 660 Millionen Kasse, davon 468 Millionen Anfang Januar fällig und 135 Millionen Kundenvorauszahlungen.
Dasselbe Muster gilt für den Mittelzufluss: Der operative Cashflow schwankte von plus 198 Millionen (2023) über plus 520 Millionen (2024) auf minus 278 Millionen (2025). Diese Ausschläge messen nicht die Ertragskraft, sondern die Frage, an welchem Wochentag ein Lohnzahltag über den Bilanzstichtag fällt. Wer bei einem Lohnabrechner den Cashflow als Qualitätsmaß nimmt, misst den Kalender.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kreditgeber gaben 2025 zweimal nach
Insperity hat 369 Millionen US-Dollar Kreditlinie gezogen und 67 Millionen Eigenkapital in der Bilanz (31. März 2026). Das Verhältnis ist ungewöhnlich — und es hat 2025 Spuren im Kreditvertrag hinterlassen:
Die Pflichtmitteilung 8-K vom 16. Dezember 2025 nennt die Einzelheiten des zweiten Schritts: Der Kreditrahmen stieg von 650 auf 750 Millionen US-Dollar, die Erweiterungsoption von 700 auf 800 Millionen, die Laufzeit reicht bis zum 15. Dezember 2028 — und die zulässige Verschuldungs-Kennziffer stieg von 3,00 auf 3,75. Zusätzlich wurde die Definition des maßgeblichen Ergebnisses geändert. Eine Kennzahl, deren Obergrenze angehoben wird, wird nicht angehoben, weil viel Luft nach oben ist. Zum 31. März 2026 waren 369 Millionen gezogen plus ein Akkreditiv über 1 Million; frei blieben 380 Millionen. Der Bericht bestätigt für diesen Stichtag die Einhaltung aller Finanzauflagen.
Im selben Zeitraum zahlte Insperity weiter 23 Millionen US-Dollar Dividende je Quartal — 90 Millionen im Jahr 2025, bei einem Jahresverlust von 7 Millionen. Dazu kamen 19 Millionen für Aktienrückkäufe und 31 Millionen Investitionen. Dass Dividenden aus der Zinsdeckungs-Klausel herausgenommen wurden, ist deshalb kein technisches Detail: Es ist die Bedingung dafür, dass diese Ausschüttung überhaupt so weiterlaufen kann.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Ein Versicherer, ein Vertriebsapparat — beide auf Kante
Zwei Klumpen, die im Bericht weit auseinanderliegen und zusammen gelesen werden sollten. Erstens: Rund 85 Prozent der Krankenversicherungskosten laufen über die Police mit UnitedHealthcare. Ein Anbieter bestimmt damit den größten Kostenblock des Unternehmens. Immerhin wurde nachverhandelt: Ein Nachtrag vom 3. November 2025 verlängert die Vereinbarung bis 2028, stellt zusätzliche Einsparungen ab 2026 in Aussicht und gibt Insperity das Recht, jährlich zu wählen, ob es je Versichertem für Schäden bis 500.000, 750.000 oder 1 Million US-Dollar geradesteht. Für 2026 hat das Unternehmen die vorsichtigste Stufe gewählt: 500.000 US-Dollar. Das ist genau der Hebel, der die Kostenkurve im ersten Quartal 2026 gebremst haben dürfte — und er kostet Prämie.
Zweitens: Der Vertrieb ist deutlich kleiner geworden. Die durchschnittliche Zahl der Vertriebsberater (im Bericht Business Performance Advisors) fiel von 769 im Jahr 2024 auf 612 im Jahr 2025 — ein Rückgang um gut ein Fünftel. Bei den ausgebildeten Beratern waren es 698 gegenüber 599. Das ist deshalb heikel, weil Insperity jedes Jahr rund 17 Prozent seines Bestands durch Abwanderung verliert; bei 310.089 Beschäftigten beim Kunden sind das über 50.000 Köpfe, die allein zum Stillstand ersetzt werden müssen. Im ersten Quartal 2026 sank die Kopfzahl in Vertrieb, Service und Support noch einmal um 8 Prozent, die Werbeausgaben stiegen dafür um 57 Prozent auf 11 Millionen US-Dollar. Zugleich läuft mit HR Scale ein neues, teureres Produkt an, das ausgerechnet größere Kunden gewinnen soll — und das im ersten Quartal 2026 zumindest im Mittelstandssegment sichtbar wurde: Dort stieg die Zahl der Beschäftigten um 9 Prozent, der Anteil am Gesamtbestand von 26 auf 29 Prozent.
Wie stark ein einzelner Kostenblock ein Dienstleistungsgeschäft drehen kann, haben wir in dieser Serie schon an einem Verwalter von Arbeitsunfall-Kosten gezeigt — nachzulesen in der Analyse zu CorVel.
Bewertung — was der Markt für dieses Geschäft zahlt
Als datierten Anker: Am 24. Juli 2026 schloss die Aktie bei 48,35 US-Dollar; mit 38.169.182 Aktien (Stand 23. April 2026) ergibt das einen Börsenwert von rund 1,85 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Jahresumsatz 2025 von 6.812 Millionen ist das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,27 — was bei einem Geschäft, das aus dem Umsatz nur 13 Prozent Rohertrag zieht, wenig aussagt. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für 2025 nicht bilden, weil es keinen Gewinn gab. Auf die bereinigten Zahlen gerechnet — 39 Millionen US-Dollar bereinigter Nettogewinn, 1,03 US-Dollar bereinigtes Ergebnis je Aktie — läge es bei rund dem 47-Fachen.
Am aussagekräftigsten ist deshalb die Sicht auf das, was einmal war und wieder werden könnte: Zwischen 2021 und 2023 verdiente Insperity zwischen 124 und 179 Millionen US-Dollar netto. Auf diesem Niveau entspräche der heutige Börsenwert einem Vielfachen zwischen 10 und 15. Der Buchwert taugt hier nicht als Anker: 1,755 US-Dollar je Aktie ergeben ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 27,5 — Folge jahrelanger Aktienrückkäufe, nicht von Verlusten. Die Gewinnrücklagen betrugen zum 31. März 2026 noch 648 Millionen US-Dollar.
Der Blick der Profis ist gespalten. Das durchschnittliche Kursziel in unseren Fundamentaldaten liegt bei 43,75 US-Dollar (Datenstand 26. Juli 2026) und damit unter dem Schlusskurs vom 24. Juli. Gleichzeitig erwarten dieselben Schätzungen für das laufende Jahr ein Ergebnis von 2,05 US-Dollar je Aktie und für das Folgejahr 2,80 US-Dollar — nach minus 0,19 im Jahr 2025. Wer dieser Erwartung folgt, zahlt heute rund das 17-Fache des Ergebnisses von übermorgen. Wer ihr nicht folgt, zahlt für ein Unternehmen mit einem Betriebsverlust. Beides ist dieselbe Aktie. Auffällig ist außerdem die Leerverkaufsquote von rund 12,4 Prozent des Streubesitzes: Ein nennenswerter Teil des Marktes wettet weiter dagegen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was dafür spricht:
- Die Kostenkurve bricht messbar: Leistungskosten je Versichertem nur noch plus 5,2 Prozent im ersten Quartal 2026 nach plus 9 Prozent im Jahr 2025, bei unverändert 3 Prozent Preisanhebung.
- Der größte Kostenblock wurde neu verhandelt: Der Nachtrag vom 3. November 2025 verlängert die UnitedHealthcare-Vereinbarung bis 2028, stellt Einsparungen ab 2026 in Aussicht und erlaubt die Deckelung der Eigenbeteiligung auf 500.000 US-Dollar je Versichertem, die für 2026 gewählt wurde.
- Die Kundenbindung hat sich verbessert: 83 Prozent im Jahr 2025 nach 81 Prozent im Jahr 2024.
- Die Kostendisziplin greift: Betriebskosten 2025 minus 3 Prozent auf 910 Millionen US-Dollar, je Beschäftigtem und Monat von 253 auf 245 US-Dollar; im Februar 2026 wurden weitere rund 4 Prozent der Stellen außerhalb des Vertriebs gestrichen.
- Der Vorstandsvorsitzende hat zwischen dem 17. März und dem 3. Juni 2026 für rund 12,6 Millionen US-Dollar eigene Aktien gekauft — gemeldet über Form 4, Transaktionscode P.
- Das Mittelstandsgeschäft wächst: plus 9 Prozent Beschäftigte im ersten Quartal 2026, Anteil von 26 auf 29 Prozent.
Was dagegen spricht:
- Der Turnaround ist unbewiesen: Das Betriebsergebnis lag im ersten Quartal 2026 mit 62 Millionen US-Dollar unter den 68 Millionen des Vorjahres, der Nettogewinn mit 33 unter 51 Millionen.
- Die Marge wird mit Kunden bezahlt: minus 1 Prozent bezahlte Beschäftigte im ersten Quartal 2026, laut Bericht unter anderem wegen der Margen-Rückgewinnung.
- Die Bilanz ist dünn: 67 Millionen US-Dollar Eigenkapital in einer Bilanzsumme von 2.196 Millionen (31. März 2026), das entspricht rund 3 Prozent.
- Die Kreditauflagen wurden 2025 zweimal gelockert — Dividenden aus der Zinsdeckungs-Klausel, Verschuldungs-Obergrenze von 3,00 auf 3,75.
- Die Dividende von 90 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 war durch das Ergebnis nicht gedeckt und wurde faktisch über die Kreditlinie finanziert.
- Ein Versicherer trägt rund 85 Prozent der Krankenversicherungskosten; die Verträge mit den Kunden sind mit 30 Tagen kündbar, die Abwanderung liegt bei rund 17 Prozent im Jahr.
- Der Vertriebsapparat schrumpfte 2025 um gut ein Fünftel, während HR Scale erst startet und keine eigene Segmentrechnung hat.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Kassenwart vom Anfang. Wir sind mit 45,6 Milliarden US-Dollar gestartet und bei 900 Millionen Rohertrag und minus 10 Millionen Betriebsergebnis gelandet. Dieselbe Rechnung noch einmal bei der Kasse: 555 Millionen klingen nach Polster, 519 Millionen davon gehören dem Finanzamt und den Kunden. Bei Insperity ist fast alles, was groß aussieht, nur auf der Durchreise. Was bleibt, ist eine schmale Spanne — und die entscheidet über alles.
Was uns an diesem Fall gefällt: Die Firma redet nicht drum herum. Sie schreibt in ihren eigenen Bericht, dass sie Kunden verliert, weil sie die Preise anzieht. Sie beziffert den Kostenanstieg auf die Kommastelle. Sie meldet die Lockerung ihrer Kreditauflagen in einem Satz, den man nicht überlesen kann, wenn man ihn sucht. Und ihr Vorstandsvorsitzender hat im Frühjahr 2026 zweimal eigenes Geld in die Aktie gesteckt, während der Kurs am Boden lag.
Was uns nicht gefällt: Der Beweis fehlt noch. Ein einzelnes, saisonal starkes Quartal mit einem Betriebsergebnis unter Vorjahr ist keine Wende, sondern eine Richtungsangabe. Die Frage, an der alles hängt, ist einfach zu stellen und in einem Jahr zu beantworten: Steigen die Krankheitskosten je Versichertem dauerhaft langsamer als die Preise — und bleiben dabei genug Kunden übrig, damit sich der Fortschritt in Dollar und nicht nur in Prozentpunkten zeigt? Wir sagen dir nicht, was du damit machst. Wir sagen dir nur, wo du hinsehen musst. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, eingereicht am 01.05.2026 — Insperity, Inc., CIK 0001000753 (jüngster Periodenbericht)
- Geschäftsbericht 10-K für 2025, eingereicht am 11.02.2026 — Quelle der Jahreszahlen 2025, 2024 und 2023, der Kundenbindung, der Vertriebszahlen und der Angaben zu UnitedHealthcare
- Geschäftsbericht 10-K für 2024, eingereicht am 11.02.2025; die Jahreswerte 2021 und 2022 stammen aus den XBRL-Daten der Geschäftsberichte für 2022 und 2023
- Pflichtmitteilung 8-K vom 10.02.2026, Items 2.02 und 2.05 — Realignment Plan: rund 4 Prozent der Stellen außerhalb des Vertriebs, rund 9 Millionen US-Dollar Einmalaufwand
- Pflichtmitteilung 8-K vom 16.12.2025, Items 1.01 und 2.03 — Achtes Amendment zum Kreditvertrag: Rahmen 750 Millionen US-Dollar, Laufzeit bis 15.12.2028, Verschuldungs-Obergrenze von 3,00 auf 3,75
- Pflichtmitteilung 8-K vom 03.11.2025, Items 1.01 und 2.02 — Nachtrag zur UnitedHealthcare-Vereinbarung: Verlängerung bis 2028, Wahlrecht 500.000 / 750.000 / 1 Million US-Dollar je Versichertem
- Insider-Meldungen Form 4 vom 19.03.2026 und 04.06.2026 — Käufe des Vorstandsvorsitzenden über 201.987 und 233.000 Aktien
- Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q): Kennzahlen, Kurs- und Bewertungsdaten, Datenstand 24. bis 26. Juli 2026
- Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ — Platz 19 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
Diese Analyse ist journalistische Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust. Alle Zahlen sind mit ihrem jeweiligen Stichtag angegeben und können sich seit Erscheinen geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Insperity, Inc.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell & Marktstellung positiv
- Als Mitarbeitgeber für kleine und mittlere US-Firmen bündelt Insperity Belegschaften zu einer Einkaufsgemeinschaft für Sozialleistungen — ein Nutzen, den ein 40-Personen-Betrieb allein nicht erzielt. 2025 wurden im Monatsschnitt 310.089 Beschäftigte beim Kunden bezahlt, die Kundenbindung stieg von 81 auf 83 Prozent. Der Umsatz wuchs von 4.973 Millionen US-Dollar (2021) auf 6.812 Millionen (2025), obwohl die Verträge in der Regel mit 30 Tagen Frist kündbar sind.
- Ertragskraft & Margenbruch negativ
- Der Rohertrag fiel 2025 um 14 Prozent auf 900 Millionen US-Dollar und lag damit erstmals unter den Betriebskosten von 910 Millionen. Das Betriebsergebnis kippte von 250 Millionen (2022) über 117 (2024) auf minus 10 Millionen, das verwässerte Ergebnis je Aktie von 4,64 US-Dollar (2022) auf minus 0,19. Ursache laut Geschäftsbericht 10-K für 2025: 3 Prozent Preisanhebung gegen 6 Prozent höhere Direktkosten je Beschäftigtem, getrieben von 9 Prozent höheren Leistungskosten je Versichertem.
- Fortschritt der Wende neutral
- Im ersten Quartal 2026 stiegen die Leistungskosten je Versichertem nur noch um 5,2 Prozent bei unveränderten 3 Prozent Preisanhebung — die Lücke schrumpfte von 6 auf 2,2 Prozentpunkte. Das Betriebsergebnis lag mit 62 Millionen US-Dollar dennoch unter den 68 Millionen des Vorjahresquartals, darin 9 Millionen Restrukturierungsaufwand. Die Zahl der bezahlten Beschäftigten sank um 1 Prozent, laut Bericht unter anderem infolge der eigenen Margen-Rückgewinnung.
- Bilanz & Finanzierung negativ
- Zum 31. März 2026 stehen 67 Millionen US-Dollar Eigenkapital in einer Bilanzsumme von 2.196 Millionen (rund 3 Prozent), bei 369 Millionen gezogener Kreditlinie. Von 555 Millionen Kasse und Wertpapieren waren rund 415 Millionen im April 2026 als Steuern und Lohnabzüge fällig und 104 Millionen Kundenvorauszahlungen. Im Dezember 2025 hoben die Kreditgeber die Verschuldungs-Obergrenze von 3,00 auf 3,75 an; im Laufe des Jahres 2025 wurden Dividenden aus der Zinsdeckungs-Klausel herausgenommen. Alle Auflagen wurden zum Stichtag eingehalten.
- Klumpenrisiken negativ
- Rund 85 Prozent der Krankenversicherungskosten laufen über die Police mit UnitedHealthcare; ein Nachtrag vom 3. November 2025 verlängert sie bis 2028 und erlaubt die für 2026 gewählte Deckelung der Eigenbeteiligung auf 500.000 US-Dollar je Versichertem. Gleichzeitig schrumpfte der Vertriebsapparat 2025 von durchschnittlich 769 auf 612 Berater, während jährlich rund 17 Prozent des Kundenbestands ersetzt werden müssen.
- Bewertung & Marktbild neutral
- Rund 1,85 Milliarden US-Dollar Börsenwert (38.169.182 Aktien, Kurs 48,35 US-Dollar, Datenstand 24. Juli 2026) entsprechen dem rund 0,27-Fachen des Jahresumsatzes; ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für 2025 nicht bilden. Auf die Gewinne der Jahre 2021 bis 2023 zwischen 124 und 179 Millionen US-Dollar gerechnet ergäbe sich ein Vielfaches zwischen 10 und 15. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt mit 43,75 US-Dollar unter dem Schlusskurs, die Leerverkaufsquote bei rund 12,4 Prozent des Streubesitzes.
Insperity verdient an einer schmalen Spanne: 2025 flossen 45.565 Millionen US-Dollar Bruttorechnungen durch die Bücher, als Rohertrag blieben 900 Millionen — und darunter ein Betriebsverlust von 10 Millionen, der erste seit Jahren. Ursache ist eine Schere, die das Unternehmen selbst beziffert: 3 Prozent Preisanhebung gegen 9 Prozent höhere Leistungskosten je Versichertem. Im ersten Quartal 2026 schrumpfte diese Lücke auf 2,2 Prozentpunkte, doch das Betriebsergebnis lag mit 62 Millionen weiter unter dem Vorjahreswert von 68 Millionen, und die Zahl der bezahlten Beschäftigten sank um 1 Prozent — laut Bericht wegen der eigenen Margen-Rückgewinnung. Die Bilanz trägt nur 67 Millionen Eigenkapital, die Kreditauflagen wurden 2025 zweimal gelockert, und die Dividende von 90 Millionen war 2025 nicht durch Gewinn gedeckt. Der Vorstandsvorsitzende kaufte zwischen März und Juni 2026 für rund 12,6 Millionen US-Dollar eigene Aktien. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäft selbst funktioniert: Der Umsatz stieg auch 2025 auf 6.812 Millionen US-Dollar, die Kundenbindung verbesserte sich von 81 auf 83 Prozent, das Eigenkapital ist positiv, alle Kreditauflagen wurden zum 31. März 2026 eingehalten, und das erste Quartal 2026 war mit 33 Millionen Nettogewinn profitabel. Ein Substanzbefund im Sinne von Going Concern, negativem Eigenkapital oder einer Kassenreichweite unter vier Quartalen liegt nicht vor. Offen ist die entscheidende operative Frage: Ob die Preise dauerhaft schneller steigen als die Krankheitskosten, ist nicht bewiesen — ein einzelnes, saisonal starkes Quartal mit einem Betriebsergebnis unter Vorjahr genügt dafür nicht. Dazu kommen ein Eigenkapital von nur 67 Millionen bei 2.196 Millionen Bilanzsumme, zweimal gelockerte Kreditauflagen, eine 2025 nicht durch Gewinn gedeckte Dividende und eine Abhängigkeit von einem Versicherer, über den rund 85 Prozent der Krankheitskosten laufen. Das ist der Lehrbuchfall für Gelb: ein arbeitender Betrieb mit einer unbewiesenen Wende. Der Kurs bestimmt diese Farbe nicht. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Insperity über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 19 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme. Die beiden Pflicht-Säulen sind ein Abstand von mindestens 50 Prozent zum Allzeithoch und ein Altman-Z-Wert von mindestens 1,1 bei positivem Eigenkapital. Säule 2 ist mit einem Altman-Z von 4,05 komfortabel erfüllt; Säule 1 ist die knappe: Das dividendenbereinigte Allzeithoch vom 26.07.2019 liegt bei rund 116 US-Dollar, die Hälfte davon bei rund 58 US-Dollar. Steigt der Kurs über diese Schwelle — vom Schlusskurs 48,35 US-Dollar am 24.07.2026 aus rund 20 Prozent —, verlässt der Titel die Liste, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert haben muss.
- Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht am 01.05.2026); danach wurden bis zum Datenstand 26.07.2026 nur eine Pflichtmitteilung 8-K vom 20.05.2026 zu Vorstandsangelegenheiten und Hauptversammlungsbeschlüssen (Items 5.02/5.07), Insider-Meldungen (Form 4) und Schwellenmeldungen (Schedule 13G) eingereicht. Der Bericht für das am 30.06.2026 beendete Quartal lag noch nicht vor.
- Kurs- und Bewertungsangaben sind datierte Anker, keine Kaufargumente: Schlusskurs 48,35 US-Dollar am 24.07.2026 und Börsenwert rund 1,85 Milliarden, gerechnet mit den 38.169.182 Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (23.04.2026). Das erste Quartal ist bei Insperity saisonal das stärkste, weil die US-Sozialabgaben zu Jahresbeginn zurückgesetzt werden — eine Hochrechnung des ersten Quartals auf das Gesamtjahr führt regelmäßig in die Irre.
- Zum Datenstand 26.07.2026 läuft kein Übernahme-, Fusions- oder Take-private-Verfahren; weder ein Formular S-4 noch eine SC 13E3, ein Formular 25 oder eine Schedule 13D liegen vor. Die beiden Einreichungen des Formulars 15-12B vom 08.12.2017 und 26.05.2021 betreffen andere Wertpapierklassen — die Meldung von 2021 nennt ausdrücklich Bezugsrechte auf Vorzugsaktien und hält fest, dass die Meldepflicht für die Stammaktie fortbesteht.
- Verwechslungsgefahr: Das Kürzel NSP steht an der New York Stock Exchange für Insperity, Inc., nicht für einen Netzbetreiber oder Energieversorger. Die frühere Firmierung Administaff, Inc. taucht in Unterlagen bis zum 01.03.2011 auf. Der operative Cashflow ist bei einem Lohnabrechner kein Qualitätsmaß: Die Schwankung von plus 520 Millionen US-Dollar (2024) auf minus 278 Millionen (2025) folgt im Wesentlichen der Lage der Lohnzahltage rund um den Bilanzstichtag.
Häufige Fragen
Insperity ist eine Professional Employer Organization. Das Unternehmen wird rechtlich Mitarbeitgeber für die Belegschaften kleiner und mittlerer US-Firmen und übernimmt Lohnabrechnung, Lohnsteuer, Krankenversicherung, Unfallversicherung und Arbeitsrechts-Compliance. 2025 wurden im Monatsschnitt 310.089 Beschäftigte beim Kunden bezahlt. Als Umsatz zählt nur der Aufschlag auf die Lohnkosten, nicht die Lohnsumme selbst.
Weil die Kosten schneller stiegen als die Preise. Der Geschäftsbericht 10-K für 2025 nennt eine Preisanhebung von 3 Prozent gegen einen Anstieg der Direktkosten je Beschäftigtem von 6 Prozent, getrieben von 9 Prozent höheren Leistungskosten je Versichertem. Der Rohertrag fiel dadurch um 14 Prozent auf 900 Millionen US-Dollar, während die Betriebskosten bei 910 Millionen lagen. Unterm Strich blieb ein Verlust von 7 Millionen.
Teilweise. Die Leistungskosten je Versichertem stiegen nur noch um 5,2 Prozent bei unveränderter Preisanhebung von 3 Prozent. Das Betriebsergebnis lag mit 62 Millionen US-Dollar aber unter den 68 Millionen des Vorjahresquartals, der Nettogewinn mit 33 unter 51 Millionen. Darin stecken 9 Millionen Restrukturierungsaufwand und 10 Millionen zusätzliche Steuer aus dem Einlösen von Mitarbeiteraktien unter Zuteilungspreis.
Deutlich weniger, als die Bilanzsumme vermuten lässt. Zum 31. März 2026 standen 555 Millionen US-Dollar an Kasse und Wertpapieren in den Büchern. Davon waren rund 415 Millionen im April 2026 als einbehaltene Steuern und Lohnabzüge fällig und weitere 104 Millionen Kundenvorauszahlungen. Das Nettoumlaufvermögen betrug 142 Millionen US-Dollar.
Insperity hat gemeinsam mit Workday, Inc. die Lösung HR Scale entwickelt, die auf Workdays Personalsoftware aufsetzt und höher bepreist ist als das Standardangebot HR 360. Zielgruppe sind Firmen mit rund 150 bis 5.000 Beschäftigten. Laut Geschäftsbericht sollten die ersten Kunden HR Scale im ersten Quartal 2026 nutzen. Eine eigene Segmentrechnung gibt es nicht: Insperity berichtet in einem einzigen Segment.
Sie ist derzeit nicht durch den Gewinn gedeckt. 2025 zahlte Insperity 90 Millionen US-Dollar Dividende bei einem Jahresverlust von 7 Millionen, im ersten Quartal 2026 waren es 23 Millionen bei 33 Millionen Gewinn. Im Dezember 2025 wurden Dividenden aus der Zinsdeckungs-Klausel des Kreditvertrags herausgenommen und die zulässige Verschuldung von 3,00 auf 3,75 angehoben. Alle Auflagen wurden zum 31. März 2026 eingehalten.
Sehr stark. Laut Geschäftsbericht 10-K für 2025 laufen rund 85 Prozent der Krankenversicherungskosten über die Police mit UnitedHealthcare. Ein Nachtrag vom 3. November 2025 verlängert die Vereinbarung bis 2028 und erlaubt Insperity, jährlich zwischen einer Eigenbeteiligung von 500.000, 750.000 oder 1 Million US-Dollar je Versichertem zu wählen. Für 2026 wurde die niedrigste Stufe von 500.000 US-Dollar gewählt.
Weil zwei Pflichtbedingungen erfüllt sind: Die Aktie stand am 24. Juli 2026 mit 48,35 US-Dollar rund 58 Prozent unter ihrem dividendenbereinigten Allzeithoch von rund 116 US-Dollar aus dem Juli 2019, und der Altman-Z-Wert liegt mit 4,05 klar über der Schwelle von 1,1. Steigt der Kurs über rund 58 US-Dollar, fällt der Titel allein deswegen aus der Liste. Die Listen werden täglich neu berechnet.
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