CorVel: Rekordgewinn, null Schulden — und trotzdem auf der Turnaround-Liste
CorVel prüft die Rechnungen, die nach US-Arbeitsunfällen anfallen. Im Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 verdiente die Firma 110,3 Millionen US-Dollar — so viel wie nie —, hielt 233,1 Millionen in der Kasse und hat nach eigener Aussage seit 35 Jahren praktisch keine verzinsten Schulden. Trotzdem stand die Aktie am 24. Juli 2026 rund 53 Prozent unter ihrem split-bereinigten Allzeithoch vom 5. Februar 2025 — und genau deshalb im Turnaround-Scanner. Nur: Gedreht hat hier nicht das Geschäft, sondern der Preis. Wir lesen den Geschäftsbericht, die Hauptversammlungs-Einladung und die Pflichtmitteilung vom 1. Juni 2026 — und finden einen Rückkauf, der wenig bewirkt, einen Aktionär mit 38 Prozent und einen Chefwechsel, den der Bericht noch nicht kennt. Keine Empfehlung — nur die Frage, wer hier eigentlich krank war.
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Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.
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Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschnappt, wenn man besonders ordentlich arbeitet: die Krankenakte-Falle. Sie funktioniert so. Du bekommst eine Liste, und über der Liste steht ein Wort. Steht dort „Turnaround“, liest dein Kopf jede folgende Zahl wie eine Krankenakte — er sucht Symptome. Und weil man Symptome immer findet, findet er welche. Die Frage, die dabei untergeht, ist die wichtigste von allen: War hier überhaupt jemand krank? Bei CorVel Corporation (Nasdaq: CRVL) lautet die Antwort: nein. Das Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 war das beste der Firmengeschichte — 958,5 Millionen US-Dollar Umsatz, 110,3 Millionen Nettogewinn, 155,6 Millionen operativer Mittelzufluss, praktisch keine Schulden. Die Aktie stand am 24. Juli 2026 trotzdem 53,4 Prozent unter ihrem Höchststand vom 5. Februar 2025. Machen wir also einen Deal: Bevor wir die Diagnose stellen, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) vom 22. Mai 2026, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. Dezember 2025, die Einladung zur Hauptversammlung vom 26. Juni 2026 und eine Pflichtmitteilung (8-K) vom 1. Juni 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und diese hier erzählen von einem Rückkauf, der weniger bringt als sein Preisschild, von einem Mann mit 38 Prozent — und von einem Chef, den der Geschäftsbericht noch gar nicht kennt.
Inhalt dieser Analyse
- Was CorVel eigentlich macht — der stille Rechnungsprüfer hinter dem Arbeitsunfall
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt
- Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
- Bewertung — was der Markt für diesen Gewinn zahlt
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was CorVel eigentlich macht — der stille Rechnungsprüfer hinter dem Arbeitsunfall
Stell dir vor, in einer Lagerhalle in Ohio rutscht jemand aus und bricht sich den Arm. Ab diesem Moment beginnt ein zweiter, unsichtbarer Vorgang: Arztrechnungen, Physiotherapie, Medikamente, ein Gutachten, vielleicht ein Streit über die Arbeitsfähigkeit. Der Arbeitgeber oder sein Versicherer muss das bezahlen — und wissen, ob jede einzelne Rechnung korrekt und angemessen ist. Genau dieser zweite Vorgang ist das Geschäft von CorVel.
Die Firma sitzt in Fort Worth, Texas, wurde 1987 in Delaware gegründet und ist seit dem 28. Juni 1991 börsennotiert. Sie arbeitet ausschließlich in den USA und verkauft zwei Dinge, die im Geschäftsbericht als getrennte Erlösströme geführt werden:
- Network Solutions — die Rechnungsseite: automatisierte Prüfung von Arztrechnungen gegen die Gebührenordnungen der Bundesstaaten, ein eigenes Anbieternetz (zum 31. März 2026 über 1,2 Millionen Leistungserbringer), Apotheken- und Diagnostiksteuerung. Umsatz im Geschäftsjahr 2026: 362 Millionen US-Dollar, ein Plus von 15 Prozent.
- Patient Management — die Menschenseite: Schadenbearbeitung, Fallmanagement, Pflegetelefon rund um die Uhr, Wiedereingliederung. Umsatz im Geschäftsjahr 2026: 596 Millionen US-Dollar, ein Plus von 3 Prozent.
Wo die Rechnungsprüfung schneller wächst als die Fallbetreuung, wächst auch die Marge — die Prüfsparte ist die margenstärkere von beiden, was der Geschäftsbericht ausdrücklich als Grund für den Margenanstieg nennt. Das erklärt einen guten Teil dessen, was gleich in den Zahlen zu sehen ist.
Der Motor dahinter ist Software. Der Geschäftsbericht beschreibt ihn ungewöhnlich offen:
„CorVel’s artificial intelligence engine includes over 100 million individual rules, which offers a comprehensive, paperless solution that surpasses the capabilities of traditional, manual bill review processes.“
Übersetzung: „CorVels Motor für künstliche Intelligenz umfasst über 100 Millionen einzelne Regeln und bietet damit eine umfassende, papierlose Lösung, die die Möglichkeiten herkömmlicher, manueller Rechnungsprüfung übertrifft.“
— CorVel Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1 (Business)
Zum 31. März 2026 arbeiteten 5.239 Menschen für CorVel, davon 93 Prozent dauerhaft im Homeoffice oder hybrid — bei einem Dienstleister, dessen Produkt aus Prüfung, Telefonaten und Dokumenten besteht, ist das kein Detail, sondern ein Kostenmodell. Kein einziger Kunde stand im Geschäftsjahr 2026 für 10 Prozent oder mehr des Umsatzes; zwei Kunden erreichten diese Schwelle allerdings bei den offenen Forderungen. Wer sehen will, wie anders ein US-Gesundheitsdienstleister aussieht, der eigene Kliniken betreibt statt Rechnungen zu prüfen, findet den Vergleich in unserer Analyse zu Encompass Health.
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes weitere Kapitel zieht: Was hier gefallen ist, ist nicht die Firma, sondern der Preis, den der Markt für dieselbe Firma zahlt. Ein Scanner kann diesen Unterschied nicht messen — ein Leser schon.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Auf die Rechercheliste kam CorVel über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 15 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen, nach der Spalte „Wende-Check“ sortieren. Diese Listen werden täglich neu berechnet — die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand.
Das Modell hat zwei Pflicht-Säulen, und wer eine davon reißt, fliegt sofort aus der Liste, egal wie gut das Geschäft läuft:
- Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch stehen. Ohne echten Absturz kein Turnaround. CorVel schloss am 24. Juli 2026 bei 59,86 US-Dollar, das split-bereinigte Allzeithoch liegt bei 128,46 US-Dollar vom 5. Februar 2025 — macht 53,4 Prozent Abstand.
- Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Score (ein Frühwarnwert für Insolvenzen aus mehreren Bilanzkennzahlen) muss über 1,1 liegen, das Eigenkapital positiv sein, höchstens ein Bilanz-Warnsignal vorliegen. CorVel steht bei einem Altman-Z von 12,2 und einer Eigenkapitalquote von 61,3 Prozent (Datenstand 26. Juli 2026). Dazu kommt die Handelbarkeit: Kurs über 3 US-Dollar, durchschnittlicher Tagesumsatz über 2 Millionen US-Dollar — bei CorVel rund 13,2 Millionen.
Erst danach zählt der eigentliche Wende-Check: acht Punkte, vier aus den Quartalszahlen (Umsatzrichtung, Nettomarge, operativer Mittelzufluss, Bilanzheilung) und vier aus dem Marktverhalten (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke der letzten drei gegen die letzten zwölf Monate, Insiderkäufe netto, Fondsaufstockung). Angezeigt wird, wer mindestens 6 von 8 erreicht; CorVel stand am 25. Juli 2026 bei 7.
Einen dieser acht Punkte holt CorVel nachweislich nicht. In den zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026 stehen null Insiderkäufe sieben Insiderverkäufen gegenüber — verkauft wurde unter anderem zu 91,54, 89,16, 76,94 und zuletzt am 16. März 2026 zu 54,00 US-Dollar je Aktie (Quelle: Fundamentaldaten, Datenstand 26. Juli 2026). Auf der anderen Seite bauten die Fondsprofis auf: 14 institutionelle Aufstocker gegen 6 Reduzierer, netto rund 3,7 Millionen Aktien.
Und jetzt der Satz, der diese Liste ehrlich macht: CorVel steht dort nicht, weil es der Firma schlecht ginge, sondern weil der Kurs gefallen ist. Die tragende Bedingung ist Säule 1 — und die ist knapp. Steigt die Aktie über rund 64,23 US-Dollar, also 50 Prozent unter dem Allzeithoch, verschwindet CorVel aus genau der Liste, die sie hier auf den Tisch gebracht hat. Nicht weil etwas schlechter geworden wäre, sondern weil sie dann nicht mehr abgestürzt genug ist. Denselben Mechanismus haben wir in dieser Serie schon bei einem anderen Titel beschrieben, der Wachstum und tiefen Kurs verbindet — nachzulesen in der Analyse zu FactSet. Merke dir den Grundsatz: Ein Scanner sortiert nach Merkmalen, nicht nach Gründen. Den Grund muss man lesen.
Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt
Fangen wir mit dem an, was ehrlich beeindruckt, denn davon gibt es reichlich. CorVels Geschäftsjahr endet am 31. März; das Geschäftsjahr 2026 lief also vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026. Wer CorVel mit Kalenderjahr-Berichterstattern vergleicht, muss diese Verschiebung von drei Monaten mitrechnen.
Die Reihe liest sich in beiden Zeilen gleich: Der Umsatz stieg von 795,3 (Geschäftsjahr 2024) über 895,6 (2025) auf 958,5 Millionen US-Dollar (2026), der Nettogewinn von 76,3 über 95,2 auf 110,3 Millionen. Wichtiger als die absoluten Zahlen ist der Abstand zwischen beiden Wachstumsraten: Der Umsatz legte im Geschäftsjahr 2026 um 7,0 Prozent zu, der Gewinn um 16,0 Prozent. Das ist der Beweis, dass hier nicht nur mehr, sondern besser gearbeitet wird.
Die Nettomarge stieg entsprechend von 9,6 über 10,6 auf 11,5 Prozent, der verwässerte Gewinn je Aktie von 1,47 über 1,83 auf 2,14 US-Dollar. Der operative Mittelzufluss — das Geld, das tatsächlich hereinkommt — kletterte von 99,2 über 127,3 auf 155,6 Millionen US-Dollar. Nach Investitionen von 45,4 Millionen bleiben rund 110,3 Millionen freier Mittelzufluss. Merksatz: Wenn der freie Mittelzufluss so hoch ist wie der ausgewiesene Gewinn, ist der Gewinn kein Buchhaltungseffekt.
Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Die Investitionen wachsen schneller als das Geschäft. 45,4 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 (nach 35,8 und 29,2) stehen Abschreibungen von 31,8 Millionen gegenüber — CorVel investiert also rund das Anderthalbfache dessen, was es abschreibt, laut Bericht überwiegend in Softwareentwicklung. Solange die Marge dabei steigt, ist das gut angelegtes Geld. Kippt die Marge, wird aus derselben Zahl ein Kostenblock.
Die Bilanz zum 31. März 2026 ist ungewöhnlich aufgeräumt: 642,99 Millionen US-Dollar Bilanzsumme, davon 394,23 Millionen Eigenkapital (Quote 61,3 Prozent) und 233,07 Millionen Kasse. Finanzschulden gibt es keine; die einzige nennenswerte langfristige Verbindlichkeit sind 20,69 Millionen aus Mietverträgen. Der Bericht formuliert es selbst so:
„The risk of decreased operating cash flow from a decline in earnings is partially mitigated by the diversity of the Company’s services, geographies and customers, and the Company has had virtually no interest-bearing debt for the past 35 years.“
Übersetzung: „Das Risiko eines sinkenden operativen Mittelzuflusses infolge rückläufiger Erträge wird teilweise durch die Vielfalt der Dienstleistungen, Regionen und Kunden des Unternehmens gemildert; zudem hatte das Unternehmen in den vergangenen 35 Jahren praktisch keine verzinsten Schulden.“
— CorVel Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 7 (Liquidity and Capital Resources)
Und weil in dieser Analyse gleich viel von Rückkäufen die Rede sein wird, hier die Größenordnung: Seit dem Start des Programms im Herbst 1996 hat CorVel bis zum 31. März 2026 115.259.435 eigene Aktien für 888 Millionen US-Dollar zurückgekauft — bei ausstehenden 50.909.297 Aktien. Das Unternehmen hat also mehr als das Doppelte dessen aus dem Markt genommen, was heute noch umläuft, finanziert aus kumulierten Gewinnen von rund einer Milliarde US-Dollar. Das ist die Kultur dieses Hauses in einer Zahl.
Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: 56,2 Millionen US-Dollar Rückkauf — und netto 450.247 Aktien weniger
Ein Aktienrückkauf soll dein Stück vom Kuchen größer machen: Weniger Aktien, gleicher Gewinn, mehr Gewinn je Aktie. Im Geschäftsjahr 2026 hat CorVel dafür ordentlich Geld in die Hand genommen:
782.744 Aktien für 56,2 Millionen US-Dollar, durchschnittlich 71,81 US-Dollar je Stück. Klingt nach einem spürbaren Schluck aus der Pulle. Nun blättert man in den Eigenkapitalspiegel desselben Berichts — und findet die Gegenrechnung: 276.905 neue Aktien aus Optionsausübungen, 13.987 aus dem Mitarbeiter-Aktienprogramm, 41.605 als Gegenleistung für einen Vermögenserwerb. Zusammen 332.497 Stück, die auf der anderen Seite wieder hineinkamen.
Unterm Strich sank die Zahl der ausstehenden Aktien von 51.359.544 auf 50.909.297 — um 450.247 Stück oder 0,88 Prozent. Rechne es einmal von hinten: 56,2 Millionen US-Dollar geteilt durch 450.247 tatsächlich verschwundene Aktien ergibt rund 125 US-Dollar je Aktie. So teuer war die Verkleinerung des Kuchens wirklich, während am Markt 71,81 US-Dollar gezahlt wurden. Merke: Ein Rückkauf ist nur dann eine Rendite, wenn die Aktienzahl auch sinkt. Sonst ist er zu einem guten Teil die Bezahlung der eigenen Belegschaft — nur über die Bilanz statt über die Gewinn- und Verlustrechnung.
Zur Fairness gehört: Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg trotzdem um 16,9 Prozent, weil der Gewinn selbst so kräftig zulegte. Und die Richtung stimmt — die Zahl der verwässerten Durchschnittsaktien sank von 51,994 auf 51,625 Millionen. Nur ist das eben ein Prozentpunkt Wirkung, kein Hebel.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Mann hält 38 Prozent — und führt den Ausschuss, der den Verwaltungsrat besetzt
In der Einladung zur Hauptversammlung vom 26. Juni 2026 steht eine Tabelle, die man bei einem Unternehmen mit drei Milliarden US-Dollar Börsenwert nicht alle Tage sieht.
Jeffrey J. Michael hielt zum 31. März 2026 19.361.079 Aktien oder 37,99 Prozent, davon 18.742.108 Stück über die Holding Corstar Holdings, Inc. in Wayzata, Minnesota. Alleingesellschafterin von Corstar ist der Michael Family Grantor Trust, dessen Treuhänder Herr Michael selbst ist. Er sitzt seit September 1990 im Verwaltungsrat — also seit vor dem Börsengang. Alle Organmitglieder zusammen (zehn Personen) kommen auf 39,72 Prozent.
Das ist für sich genommen weder gut noch schlecht: Ein Eigentümer, der seit 36 Jahren dabei ist, denkt in anderen Zeiträumen als ein Quartalsmarkt. Bemerkenswert ist die Rollenverteilung. Dieselbe Einladung führt Herrn Michael als unabhängigen Direktor, als Vorsitzenden des Nominierungs- und Governance-Ausschusses — also des Gremiums, das entscheidet, wer überhaupt zur Wahl in den Verwaltungsrat gestellt wird — und als Mitglied des Vergütungsausschusses. Jeder dieser beiden Ausschüsse tagte im Geschäftsjahr 2026 genau einmal.
Übersetzt in eine Alltagsfrage: Wer kontrolliert hier wen? Der größte Anteilseigner sitzt an der Stelle, an der die Kandidatenliste für seine eigene Kontrolle entsteht. Das ist in den USA rechtlich sauber und wird offengelegt — genau deshalb steht es ja in dem Dokument. Für dich als Kleinanleger heißt es trotzdem: Bei jeder Frage, die eine Mehrheit braucht — Übernahme, Verkauf, Take-private, Satzungsänderung —, entscheidet faktisch eine Adresse in Minnesota mit. Ein Übernahmeangebot gegen diesen Willen ist praktisch ausgeschlossen. Zum Stand 26. Juli 2026 läuft im Übrigen kein Übernahme-, Fusions- oder Take-private-Verfahren: In den SEC-Unterlagen der Firma finden sich weder ein Formular S-4 oder SC 13E3 noch eine Fusions-Einladung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Geschäftsbericht nennt einen Chef, den es so seit dem 1. Juli 2026 nicht mehr gibt
Hier lohnt sich der Blick auf das Kalenderblatt. Der Geschäftsbericht wurde am 22. Mai 2026 eingereicht. In seinem Risikoteil steht der klassische Schlüsselpersonen-Satz: Der Verlust von Führungskräften, „especially Michael Combs, our Chairman, Chief Executive Officer and President“, könne das Geschäft erheblich beeinträchtigen. Zehn Tage später, am 1. Juni 2026, meldete das Unternehmen genau diesen Wechsel:
Michael G. Combs — 34 Jahre im Haus, seit Januar 2019 Vorstandsvorsitzender, seit April 2017 Präsident, seit November 2024 auch Verwaltungsratsvorsitzender — gab zum 1. Juli 2026 die operative Führung ab und wurde Executive Chair. Sein Gehalt in dieser neuen Rolle: 25.000 US-Dollar im Monat plus Krankenversicherung. Nachfolgerin ist Sarah Scott (49), seit 1999 im Unternehmen und zuletzt Executive Vice President für Produkt und zentrale Dienste. Ihr Grundgehalt beträgt 600.000 US-Dollar, das Bonusziel 75 Prozent davon, dazu 25.000 Aktienoptionen.
Warum das hier steht: Wer die Aktie über den Geschäftsbericht bewertet, bewertet eine Firma mit einem Chef, der diese Rolle nicht mehr innehat. Die Nachfolge kommt aus dem eigenen Haus, ist also kein Bruch — aber das erste Quartal unter neuer Führung endete am 30. Juni 2026, und der zugehörige Quartalsbericht ist zum Redaktionsstand dieser Analyse (26. Juli 2026) noch nicht eingereicht. Merke: Ein Geschäftsbericht ist immer eine Momentaufnahme mit Redaktionsschluss. Was danach kam, steht im 8-K.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die gesamte Kasse liegt über der Einlagensicherung
In den Bilanzierungsgrundsätzen steht ein Satz, den man bei einer schuldenfreien Firma nicht sofort erwartet:
Die US-Einlagensicherung FDIC schützt je Einleger und Bank 250.000 US-Dollar. CorVel hielt zum 31. März 2026 233,07 Millionen US-Dollar Kasse und zusätzlich 115,71 Millionen US-Dollar Kundengelder, die es für Auftraggeber verwaltet. Zusammen sind das 348,78 Millionen US-Dollar — rund 88 Prozent des Eigenkapitals und 54 Prozent der Bilanzsumme. Das ist kein akutes Problem und bei Unternehmen dieser Größe üblich; es ist aber das einzige nennenswerte Gegenparteirisiko in einer ansonsten makellosen Bilanz. Wer sich an das Frühjahr 2023 erinnert, weiß, warum dieser Satz nicht mehr nur Formsache ist.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Sieben Insiderverkäufe, kein einziger Kauf
Insiderkäufe sind das ehrlichste Signal an der Börse, weil sie Geld kosten. Verkäufe sind das unehrlichste, weil es tausend harmlose Gründe gibt — Steuern, ein Hauskauf, Streuung. Trotzdem ist die Bilanz eindeutig: In den zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026 verzeichnen die Daten sieben Insiderverkäufe und keinen einzigen Insiderkauf. Verkauft wurde am 20. August 2025 zu 89,16 US-Dollar, am 8. September 2025 zu 91,54, im November 2025 dreimal zwischen 76,20 und 76,94 sowie zu 72,35 — und zuletzt am 16. März 2026 zu 54,00 US-Dollar (Quelle: Fundamentaldaten, Datenstand 26. Juli 2026).
Der letzte Verkauf ist der interessante. Bei 54 US-Dollar lag der Kurs bereits rund 58 Prozent unter dem Allzeithoch. Wer dort verkauft, hält den Kurs offenbar nicht für ein Schnäppchen — oder hatte gute private Gründe. Beides ist möglich, und genau deshalb ist es ein Indiz, kein Beweis. Es ist aber der eine Punkt, den der Wende-Check nicht vergibt: Das Unternehmen kauft seine eigenen Aktien. Die Menschen, die das Unternehmen führen, tun es nicht.
Bewertung — was der Markt für diesen Gewinn zahlt
Der Ausgangspunkt: 50.691.185 ausstehende Aktien (Deckblatt des Geschäftsberichts, Stand 19. Mai 2026) und ein Schlusskurs von 59,86 US-Dollar am 24. Juli 2026 ergeben rund 3,0 Milliarden US-Dollar Börsenwert. Weil CorVel mehr Kasse als Schulden hat, liegt der Unternehmenswert mit rund 2,85 Milliarden darunter.
In Größenordnungen, nicht in Nachkommastellen (Datenstand 26. Juli 2026): Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 28 (2,14 US-Dollar Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2026), das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 3,2, der Unternehmenswert zum Betriebsergebnis vor Abschreibungen bei rund 16, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei rund 7,8. Die Eigenkapitalrendite beträgt 30,8 Prozent, die Gesamtkapitalrendite 15,1 Prozent.
Wie ordnet man das ein? Ein 28-faches Ergebnis ist für einen schuldenfreien Dienstleister mit 11,5 Prozent Nettomarge, 30 Prozent Eigenkapitalrendite und drei Rekordjahren in Folge kein Ramschpreis — aber auch keine Übertreibung mehr. Zur Erinnerung: Am 30. September 2025 lag der Kurs laut Deckblatt des Geschäftsberichts noch bei 77,42 US-Dollar, und die Firma selbst kaufte im Geschäftsjahr 2026 zu durchschnittlich 71,81 US-Dollar zurück. Der Markt zahlt heute also weniger, als das Management im vergangenen Geschäftsjahr selbst gezahlt hat. Das ist ein Argument — aber eines über den Preis, nicht über die Qualität.
Ein Analysten-Konsens liegt in unseren Daten nicht vor (Datenstand 26. Juli 2026): weder ein Durchschnittsurteil noch ein Kursziel. Das ist bei CorVel plausibel, denn bei knapp 40 Prozent fest gebundenen Anteilen ist der frei handelbare Teil überschaubar — der Titel ist für große Häuser schlicht zu eng. Wer eine Meinung will, muss sie sich hier selbst bilden. Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Richtung der Bücher, steht bei 6 von 9: okay, nicht glänzend — kerngesund beginnt bei 8. Der Altman-Z-Score von 12,2 liegt so weit außerhalb jeder Gefahrenzone, wie es bei einer schuldenfreien Bilanz zu erwarten ist.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für CorVel spricht
- Drei Rekordjahre in Folge: Umsatz 795,3 → 895,6 → 958,5 Millionen US-Dollar, Nettogewinn 76,3 → 95,2 → 110,3 Millionen (Geschäftsjahre 2024 bis 2026).
- Die Marge steigt aus eigener Kraft: Nettomarge 9,6 → 10,6 → 11,5 Prozent, getrieben von der margenstärkeren Rechnungsprüfung (plus 15 Prozent auf 362 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026).
- Bilanz ohne Finanzschulden: 394,23 Millionen Eigenkapital (Quote 61,3 Prozent), 233,07 Millionen Kasse, Altman-Z 12,2.
- Der Gewinn ist mit Bargeld unterlegt: 155,6 Millionen operativer Mittelzufluss, nach Investitionen rund 110,3 Millionen frei — praktisch deckungsgleich mit dem ausgewiesenen Gewinn.
- Kein Kunde stand im Geschäftsjahr 2026 für 10 Prozent oder mehr des Umsatzes; das Geschäft ist auf viele Auftraggeber verteilt.
- Eigentümerkultur: seit 1996 wurden 115.259.435 Aktien für 888 Millionen US-Dollar zurückgekauft, finanziert aus laufenden Gewinnen statt aus Schulden.
Was dagegen spricht
- Der Rückkauf verpufft zu großen Teilen: 56,2 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 senkten die Aktienzahl netto nur um 450.247 Stück oder 0,88 Prozent.
- Machtkonzentration: 37,99 Prozent bei einem Aktionär, der zugleich den Nominierungsausschuss führt und im Vergütungsausschuss sitzt; enger Streubesitz, kein Analysten-Konsens.
- Führungswechsel zum 1. Juli 2026 — die erste Quartalszahl unter Sarah Scott steht noch aus.
- Das Bewertungsniveau bleibt anspruchsvoll: rund das 28-Fache des Gewinns und das 7,8-Fache des Buchwerts für ein Geschäft mit 7 Prozent Umsatzwachstum.
- Investitionen wachsen schneller als der Umsatz (45,4 Millionen US-Dollar gegen 31,8 Millionen Abschreibungen im Geschäftsjahr 2026) — steigt die Marge nicht weiter, wird daraus Kostendruck.
- Insider verkaufen: sieben Verkäufe, kein Kauf in den zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026.
- Praktisch die gesamte Kasse liegt oberhalb der Einlagensicherung — das einzige Gegenparteirisiko der Bilanz.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Krankenakte-Falle vom Anfang. Wir hatten eine Liste mit der Überschrift „Turnaround“ in der Hand und haben nach Symptomen gesucht. Gefunden haben wir eine Firma, die drei Jahre in Folge mehr verdient hat als je zuvor, keine Schulden trägt, ihren Gewinn in bar erwirtschaftet und ihre eigenen Aktien kauft. Der Patient war nie krank. Gefallen ist der Preis, nicht das Geschäft.
Das macht die Sache aber nicht einfacher, sondern nur ehrlicher. Denn wenn nichts zu reparieren ist, gibt es auch keine Reparatur, auf die man wetten könnte. Übrig bleibt eine schlichte Frage: Ist ein solides, langsam wachsendes Dienstleistungsgeschäft rund das 28-Fache seines Gewinns wert? Auf die Antwort geben dir die Berichte drei Hinweise mit: Das Management hat im vergangenen Geschäftsjahr selbst zu höheren Kursen gekauft. Die Insider haben zu niedrigeren verkauft. Und über allem sitzt ein Eigentümer mit 38 Prozent, der seit 1990 dabei ist und offensichtlich keine Eile hat.
Wir sagen dir nicht, was du damit machst. Wir sagen dir nur, dass „Turnaround“ hier das falsche Wort ist — und dass ein falsches Wort über einer Liste die teuerste Zutat einer Anlageentscheidung sein kann. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (Ende 31.03.2026), eingereicht am 22.05.2026 — CorVel Corporation, CIK 0000874866
- Quartalsbericht 10-Q zum 31.12.2025, eingereicht am 05.02.2026
- Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht am 23.05.2025
- Pflichtmitteilung 8-K vom 01.06.2026, Item 5.02 (Führungswechsel zum 01.07.2026)
- Einladung zur Hauptversammlung DEF 14A vom 26.06.2026 (Beteiligungen, Ausschüsse, Vergütung)
- Pflichtmitteilung 8-K vom 13.12.2024 und 8-K vom 26.12.2024 — Aktiensplit 3:1, wirksam am 24.12.2024
- Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q): Kennzahlen, Kurshistorie, Insider- und Fondsbewegungen, Datenstand 24. bis 26. Juli 2026
- Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ — Platz 15 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
Diese Analyse ist journalistische Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust. Alle Zahlen sind mit ihrem jeweiligen Stichtag angegeben und können sich seit Erscheinen geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in CorVel Corporation.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell & Ertragskraft positiv
- Drei Rekordjahre in Folge: Der Umsatz stieg in den Geschäftsjahren 2024 bis 2026 von 795,3 über 895,6 auf 958,5 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn von 76,3 über 95,2 auf 110,3 Millionen. Die Nettomarge kletterte von 9,6 auf 11,5 Prozent, weil die margenstärkere Rechnungsprüfung schneller wächst (plus 15 Prozent auf 362 Millionen im Geschäftsjahr 2026) als das Fallmanagement (plus 3 Prozent auf 596 Millionen). Kein Kunde stand für 10 Prozent oder mehr des Umsatzes.
- Bilanz & Mittelzufluss positiv
- Zum 31. März 2026 stehen 394,23 Millionen US-Dollar Eigenkapital (Quote 61,3 Prozent) und 233,07 Millionen Kasse ohne jede Finanzschuld in der Bilanz; die einzige langfristige Verbindlichkeit sind 20,69 Millionen aus Mietverträgen. Der operative Mittelzufluss stieg auf 155,64 Millionen, nach Investitionen von 45,36 Millionen bleiben rund 110,3 Millionen frei — praktisch deckungsgleich mit dem ausgewiesenen Gewinn.
- Kapitalverwendung neutral
- Im Geschäftsjahr 2026 flossen 56,21 Millionen US-Dollar in 782.744 eigene Aktien (Ø 71,81 US-Dollar). Weil gleichzeitig 332.497 Aktien aus Optionen, Mitarbeiterprogramm und einem Zukauf entstanden, sank die Aktienzahl netto nur von 51.359.544 auf 50.909.297 — um 0,88 Prozent. Rechnerisch kostete jede tatsächlich verschwundene Aktie rund 125 US-Dollar. Über 30 Jahre summiert sich das Programm auf 115.259.435 Aktien für 888 Millionen.
- Eigentümerstruktur & Governance negativ
- Laut Einladung zur Hauptversammlung vom 26. Juni 2026 hielt Jeffrey J. Michael zum 31. März 2026 37,99 Prozent (überwiegend über Corstar Holdings, Inc.); alle zehn Organmitglieder zusammen 39,72 Prozent. Derselbe Bericht führt ihn als unabhängigen Direktor, als Vorsitzenden des Nominierungs- und Governance-Ausschusses und als Mitglied des Vergütungsausschusses; beide Ausschüsse tagten im Geschäftsjahr 2026 je einmal. Der Streubesitz ist entsprechend eng, ein Analysten-Konsens liegt nicht vor.
- Führungswechsel neutral
- Zum 1. Juli 2026 übernahm Sarah Scott (49, seit 1999 im Haus) den Vorstandsvorsitz von Michael G. Combs, der Executive Chair mit 25.000 US-Dollar Monatsgehalt wurde (Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juni 2026). Der zehn Tage zuvor eingereichte Geschäftsbericht nennt in seinem Risikoteil noch Combs als Vorstandschef. Die Nachfolge kommt aus dem eigenen Haus; das erste Quartal unter neuer Führung endete am 30. Juni 2026 und ist zum Datenstand 26. Juli 2026 noch nicht berichtet.
- Bewertung & Marktbild neutral
- Rund 3,0 Milliarden US-Dollar Börsenwert (50.691.185 Aktien, Schlusskurs 59,86 US-Dollar am 24. Juli 2026) entsprechen grob dem 28-Fachen des Gewinns je Aktie von 2,14 US-Dollar und dem 7,8-Fachen des Buchwerts — für 7 Prozent Umsatzwachstum anspruchsvoll, gemessen an 30,8 Prozent Eigenkapitalrendite vertretbar. Zur Einordnung: Am 30. September 2025 lag der Kurs laut Deckblatt bei 77,42 US-Dollar, und das Unternehmen selbst kaufte im Geschäftsjahr 2026 zu durchschnittlich 71,81 zurück. Insider verkauften in zwölf Monaten siebenmal und kauften kein einziges Mal.
CorVel steht im Turnaround-Scanner, ist aber kein Sanierungsfall: Das Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 war mit 958,5 Millionen US-Dollar Umsatz, 110,3 Millionen Nettogewinn und 155,6 Millionen operativem Mittelzufluss das beste der Firmengeschichte, die Bilanz trägt 61,3 Prozent Eigenkapital und keine Finanzschulden. Gefallen ist der Preis, nicht das Geschäft — und genau das macht die Entscheidung schwerer, weil es keine Reparatur gibt, auf die man wetten könnte. Drei Punkte bleiben unbequem: Der Rückkauf über 56,2 Millionen US-Dollar senkte die Aktienzahl netto nur um 0,88 Prozent, ein Aktionär hält 37,99 Prozent und führt zugleich den Nominierungsausschuss, und die Insider haben in zwölf Monaten siebenmal verkauft und keinmal gekauft. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Die Qualität dieses Unternehmens ist belegt und nicht strittig: Das Geschäft wächst seit drei Jahren, die Marge steigt aus eigener Kraft von 9,6 auf 11,5 Prozent, der Gewinn ist mit Bargeld unterlegt (155,6 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss gegen 110,3 Millionen ausgewiesenen Gewinn), die Bilanz trägt keine Finanzschulden und 61,3 Prozent Eigenkapital, und kein Kunde steht für 10 Prozent des Umsatzes. Was wir kritisch sehen, sind keine Substanzfragen, sondern Fragen der Kapitalverwendung und der Machtverteilung: ein Rückkauf, der netto 0,88 Prozent der Aktien tilgt, und ein Großaktionär mit 37,99 Prozent, der zugleich über die Kandidatenliste des Verwaltungsrats entscheidet. Auch der Preis ist mit rund dem 28-Fachen des Gewinns kein Schnäppchen — nur bestimmt der Preis diese Ampel nicht. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam CorVel über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 15 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026. Diese Listen werden täglich neu berechnet — die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme. Die tragende Pflicht-Säule ist der Abstand zum Allzeithoch von mindestens 50 Prozent; steigt die Aktie über rund 64 US-Dollar, verlässt CorVel diese Liste, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hätte.
- Das Geschäftsjahr endet am 31. März. Angaben zum „Geschäftsjahr 2026“ beziehen sich auf den Zeitraum vom 01.04.2025 bis 31.03.2026 (Geschäftsbericht eingereicht am 22.05.2026). Der jüngste Periodenbericht ist dieser Geschäftsbericht; der Quartalsbericht für das am 30.06.2026 beendete Quartal lag zum Datenstand 26.07.2026 noch nicht vor.
- Kursangaben sind datierte Bewertungsanker, keine Kaufargumente: Schlusskurs 59,86 US-Dollar am 24.07.2026, split-bereinigtes Allzeithoch 128,46 US-Dollar am 05.02.2025, 52-Wochen-Tief 46,00 US-Dollar am 09.02.2026. Alle Kurse vor dem 26.12.2024 sind wegen des Aktiensplits im Verhältnis 3:1 nur split-bereinigt vergleichbar.
- Zum Datenstand 26.07.2026 läuft kein Übernahme-, Fusions- oder Take-private-Verfahren: In den SEC-Unterlagen der Gesellschaft finden sich weder Formular S-4 oder SC 13E3 noch eine Fusions-Einladung, weder Formular 25 noch Formular 15.
- Verwechslungsgefahr: CorVel Corporation (CRVL) ist weder mit Corvel-ähnlich klingenden Medizintechnik-Anbietern noch mit der Holding Corstar Holdings, Inc. identisch — Corstar ist der Großaktionär, nicht das operative Geschäft.
Häufige Fragen
CorVel steuert in den USA die Kosten, die nach Arbeitsunfällen, Kfz-Schäden und in der Krankenversicherung entstehen. Zwei Erlösströme: Network Solutions prüft Arztrechnungen automatisiert gegen die Gebührenordnungen der Bundesstaaten und betreibt ein Netz von über 1,2 Millionen Leistungserbringern (362 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026). Patient Management übernimmt Schadenbearbeitung, Fallmanagement und Wiedereingliederung (596 Millionen).
Weil der Scanner den Kurs misst, nicht die Not. Pflicht-Säule 1 verlangt einen Abstand von mindestens 50 Prozent zum Allzeithoch: CorVel schloss am 24. Juli 2026 bei 59,86 US-Dollar, das split-bereinigte Hoch vom 5. Februar 2025 liegt bei 128,46 — macht 53,4 Prozent. Pflicht-Säule 2 verlangt Überlebensfähigkeit, die hier klar erfüllt ist. Steigt die Aktie über rund 64 US-Dollar, fällt CorVel aus der Liste. Die Listen werden täglich neu berechnet.
Am 31. März. Das Geschäftsjahr 2026 lief vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 und wurde am 22. Mai 2026 als Geschäftsbericht (10-K) eingereicht. Wer CorVel mit Unternehmen vergleicht, die zum 31. Dezember abschließen, muss diese Verschiebung von drei Monaten mitrechnen. Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 endete am 30. Juni 2026.
Der Verwaltungsrat beschloss am 13. Dezember 2024 einen Split im Verhältnis 3:1 und eine proportionale Erhöhung des genehmigten Kapitals von 120 auf 360 Millionen Aktien. Die Satzungsänderung wurde am 23. Dezember 2024 in Delaware eingereicht und am 24. Dezember 2024 wirksam; ab dem 26. Dezember 2024 wurde split-bereinigt gehandelt. Eine Hauptversammlung war dafür nicht nötig. Alte Kurse müssen deshalb durch drei geteilt werden.
Zum 31. März 2026 hielt Jeffrey J. Michael 19.361.079 Aktien oder 37,99 Prozent, davon 18.742.108 Stück (36,81 Prozent) über die Holding Corstar Holdings, Inc.; Alleingesellschafterin von Corstar ist der Michael Family Grantor Trust. Kayne Anderson Rudnick hielt 9,80 Prozent. Alle zehn Organmitglieder zusammen kamen auf 39,72 Prozent. Herr Michael sitzt seit September 1990 im Verwaltungsrat.
Sarah Scott, 49 Jahre alt und seit 1999 im Unternehmen, ist seit dem 1. Juli 2026 Vorstandsvorsitzende und Präsidentin. Ihr Vorgänger Michael G. Combs, 34 Jahre im Haus und seit Januar 2019 Vorstandschef, wurde zum selben Datum Executive Chair mit einem Monatsgehalt von 25.000 US-Dollar. Der Geschäftsbericht vom 22. Mai 2026 nennt in seinem Risikoteil noch Combs als Vorstandschef — er wurde zehn Tage vor der Meldung eingereicht.
Praktisch keine. Zum 31. März 2026 standen 248,76 Millionen US-Dollar Gesamtverbindlichkeiten einem Eigenkapital von 394,23 Millionen gegenüber; die Verbindlichkeiten sind fast vollständig kurzfristige Rückstellungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen. Die einzige langfristige Position sind 20,69 Millionen aus Mietverträgen. Der Geschäftsbericht spricht von praktisch keinen verzinsten Schulden in den vergangenen 35 Jahren.
Nur wenig. Im Geschäftsjahr 2026 gab CorVel 56,2 Millionen US-Dollar für 782.744 eigene Aktien aus, im Schnitt 71,81 US-Dollar je Stück. Gleichzeitig entstanden 332.497 neue Aktien aus Optionen, Mitarbeiterprogramm und einem Zukauf. Netto sank die Zahl der ausstehenden Aktien von 51.359.544 auf 50.909.297 — um 450.247 Stück oder 0,88 Prozent. Rechnerisch kostete jede tatsächlich verschwundene Aktie rund 125 US-Dollar.
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