Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Encompass Health: Wer 82 Prozent der Rechnungen zahlt, setzt auch den Preis fest

Encompass Health: Wer 82 Prozent der Rechnungen zahlt, setzt auch den Preis fest

Der hauseigene Aktien-Scanner führt Encompass Health in der US-Auswahl des Piotroski-Filters: 8 von 9 Punkten im Bilanz-Check, Altman-Z 5,75, Eigenkapitalrendite 25,2 Prozent, Umsatz 2025 auf 5.935,2 Millionen US-Dollar gestiegen. Trotzdem hat die Aktie in zwölf Monaten rund 14 Prozent verloren. Der Grund steht nicht in der Bilanz, sondern im Geschäftsbericht: Medicare und Medicare Advantage bringen rund 82 Prozent der Erlöse — und der Beraterstab des Kongresses hat im Januar 2026 empfohlen, den Basissatz für Reha-Kliniken um 7 Prozent zu kürzen. Keine Anlageberatung — nur der nüchterne Blick darauf, wer bei dieser Firma am Ende den Preis festlegt: nicht sie selbst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (EHC)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Encompass Health: Wer 82 Prozent der Rechnungen zahlt, setzt auch den Preis fest
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die sich anfühlt wie gesunder Menschenverstand: der Demografie-Reflex. Du liest, dass die Zahl der über 75-Jährigen in den USA bis 2030 um rund vier Prozent im Jahr wächst, dass das Durchschnittsalter der Medicare-Patienten bei etwa 77 Jahren liegt — und im Kopf klickt es: „Die Nachfrage kann gar nicht wegbrechen.“ Der Reflex ist deshalb so verführerisch, weil er stimmt. Die Nachfrage bricht wirklich nicht weg. Nur beantwortet sie bei Encompass Health Corporation (NYSE: EHC) nicht die Frage, die über die Aktie entscheidet. Denn wie viel eine Reha-Behandlung kostet, verhandelt hier kein Kunde. Das legt eine Behörde fest. Machen wir also einen Deal: Wir lassen die Demografie kurz beiseite und lesen gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 26. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 1. Mai 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem außergewöhnlich sauber geführten Unternehmen, von 82 Prozent Erlösen aus einer einzigen Quelle, von einem Viertel Gewinn, der jemand anderem gehört — und von einer halben Zeile, in der der Beraterstab des Kongresses sieben Prozent weniger empfiehlt. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Encompass Health eigentlich macht — die Station nach dem Krankenhaus

Stell dir vor, jemand in deiner Familie hat einen Schlaganfall. Die Akutklinik rettet das Leben, stabilisiert den Kreislauf, verhindert das Schlimmste — und entlässt dann. Nur: Gehen, sprechen, schlucken, sich selbst anziehen, das ist damit nicht wiederhergestellt. Genau an dieser Stelle beginnt das Geschäft von Encompass Health. Der Konzern betreibt stationäre Rehabilitationskliniken, in denen Menschen nach schweren Erkrankungen und Verletzungen wieder auf die Beine kommen: nach Schlaganfällen, Hüftfrakturen, Schädel-Hirn-Traumata, Querschnittslähmungen, neurologischen Erkrankungen. Übersetzt in ein Alltagsbild: Encompass Health ist nicht die Notaufnahme, sondern die Werkstatt danach.

Die Größenordnung ist beachtlich. Zum 31. März 2026 betrieb der Konzern 174 Reha-Kliniken in 39 Bundesstaaten und Puerto Rico, mit Schwerpunkten in Florida und Texas. Zum Jahresende 2025 waren es 173 Kliniken mit 11.465 zugelassenen Betten, in denen im Lauf des Jahres 263.299 Patienten behandelt und entlassen wurden — nach 248.498 im Jahr 2024 und 229.480 im Jahr 2023. Beschäftigt waren über 42.000 Menschen, davon 24.611 in Vollzeit, 3.322 in Teilzeit und 14.367 im Pool- oder Tagesdienst. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als den nach Patientenzahl, Erlösen und Klinikanzahl größten Betreiber stationärer Rehabilitationskliniken der USA.

Zwei Dinge an diesem Modell sind ungewöhnlich und wichtig. Erstens die Zuflüsse: 92 Prozent der Patienten kommen nach ärztlicher Überweisung direkt aus Akutkrankenhäusern. Encompass wirbt also nicht um Kunden, sondern um Überweiser. Zweitens die Eigentümerstruktur: Von den 174 Kliniken gehören dem Konzern nur 108 vollständig. An den übrigen 66 hält er zwischen 50,0 und 97,5 Prozent — der Rest gehört den örtlichen Akutkrankenhäusern, mit denen die Klinik gemeinsam betrieben wird. Das sichert den Patientenstrom und teilt den Gewinn. Merk dir diese Konstruktion; wir kommen darauf zurück, wenn es um die Frage geht, wem der Gewinn eigentlich zusteht.

Gelb markierte Textstelle aus dem Encompass-Health-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: 174 Reha-Kliniken in 39 Bundesstaaten und Puerto Rico, 108 davon im Alleinbesitz, an den übrigen 66 hält der Konzern 50,0 bis 97,5 Prozent.
Die markierte Stelle im Original: 174 Kliniken, aber nur 108 gehören ganz. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Bilanz von Encompass Health ist nach jedem gängigen Maßstab gesund — nur wird über den Preis der Leistung nicht in dieser Bilanz entschieden, sondern in Washington.

Warum die SEC-Akte zwei Namen trägt

Wer die EDGAR-Akte mit dem Aktenzeichen CIK 785161 öffnet, stolpert über eine Kleinigkeit: Die älteren Unterlagen laufen unter einem anderen Namen. Bis zum 12. Dezember 2017 hieß das Unternehmen in den Registern der Börsenaufsicht HealthSouth Corporation. Der Geschäftsbericht sagt es selbst, und zwar mit einer bemerkenswert praktischen Anweisung an den Leser:

„Effective as of January 1, 2018, we changed our name to Encompass Health Corporation. By operation of law, any reference to “HealthSouth” in these exhibits should be read as “Encompass Health” as set forth in the Exhibit List below.“

Übersetzung: „Mit Wirkung zum 1. Januar 2018 haben wir unseren Namen in Encompass Health Corporation geändert. Kraft Gesetzes ist jede Erwähnung von ‚HealthSouth‘ in diesen Anlagen als ‚Encompass Health‘ zu lesen, wie in der nachstehenden Anlagenliste ausgeführt.“

— Encompass Health Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anlagenverzeichnis

Gelb markierte Textstelle aus dem Encompass-Health-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Mit Wirkung zum 1. Januar 2018 wurde der Name in Encompass Health Corporation geändert; jede Erwähnung von HealthSouth ist als Encompass Health zu lesen.
Die markierte Stelle im Original: Der Namenswechsel von HealthSouth zu Encompass Health wurde zum 1. Januar 2018 wirksam. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Für dich als Anleger hat das zwei praktische Folgen. Erstens: Wenn du in Archiven, alten Analystenstudien oder Gerichtsakten nach dieser Firma suchst, brauchst du beide Namen. Es ist dasselbe Aktenzeichen, dieselbe Rechtsperson, dieselbe 1984 in Delaware gegründete Gesellschaft. Zweitens: Auch der Zuschnitt des Geschäfts hat sich verändert. Das Geschäft mit häuslicher Pflege und Hospizversorgung wurde am 1. Juli 2022 abgespalten und taucht in der Gewinn- und Verlustrechnung seither nur noch als „aufgegebener Geschäftsbereich“ auf. Was heute unter Encompass Health firmiert, ist ein reiner Reha-Klinikbetreiber — und keine Zahlenreihe in dieser Analyse mischt die beiden Zuschnitte.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Anlass war kein Kursausbruch, sondern ein Bilanzfilter. Unser hauseigener Aktien-Scanner führt eine Liste namens Piotroski F-Score (7–9). Dort landet nur, wer im sogenannten Piotroski-F-Score mindestens sieben von neun Punkten erreicht — einem Neun-Punkte-Test des Finanzprofessors Joseph Piotroski, der prüft, ob die Bücher einer Firma gesund sind: Verdient sie Geld? Kommt echtes Bargeld herein oder nur Buchgewinn? Sinkt die Verschuldung? Verbessern sich Marge und Kapitalumschlag? Werden neue Aktien ausgegeben? Encompass Health steht dort bei 8 von 9 Punkten (Datenstand 24. Juli 2026). Zur Einordnung: Sechs von neun ist okay, nicht gut. Sieben ist solide. Acht ist das obere Ende dessen, was in der Praxis vorkommt — die neunte Punktzahl scheitert bei den meisten profitablen Wachstumsfirmen schlicht daran, dass sie Schulden aufnehmen oder Aktien für Mitarbeiterprogramme ausgeben.

Zum Nachmachen: Du öffnest den Aktien-Scanner, wählst die Liste „Piotroski F-Score (7–9)“ und filterst auf den US-Markt. Encompass Health steht dort in der US-Auswahl (Stand 26. Juli 2026, 16 US-Treffer; die Liste wird täglich neu berechnet). Interessanter als die Platzierung ist die Konfluenz: Am selben Tag stand EHC in insgesamt sechs Listen. Neben dem Piotroski-Filter waren das GpA-Beschleunigung (der Gewinn je Aktie wächst schneller als zuvor), KCF-Ranking (das Kurs-Cashflow-Verhältnis liegt im günstigen Bereich), Profis 80% (institutionelle Anleger halten den Großteil), Power Trend und Pocket Pivot (beides Verhaltensmuster im Kursbild).

Und jetzt kommt der Widerspruch, der diese Analyse überhaupt erst spannend macht. Dieselben Fundamentaldaten weisen für Encompass Health eine relative Stärke von 26 von 99 aus — die Aktie war also über zwölf Monate schwächer als rund drei Viertel des Marktes und lag etwa 14 Prozent unter dem Stand von zwölf Monaten zuvor, rund 22 Prozent unter ihrem Hoch der letzten 52 Wochen (Datenstand 24. Juli 2026). Eine Firma mit 8 von 9 Bilanzpunkten, einer Eigenkapitalrendite von 25,2 Prozent und einem Altman-Z-Wert von 5,75 — das ist ein Insolvenzfrühwarnmaß, bei dem alles über 3,0 als sicher gilt — wird vom Markt behandelt wie ein Sorgenfall. Wer diesen Widerspruch verstehen will, muss aufhören, in die Bilanz zu schauen, und anfangen zu lesen, wer die Rechnungen bezahlt.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Und das ist bei Encompass Health die Verlässlichkeit. Der Umsatz stieg von 4.801,2 Millionen US-Dollar (2023) über 5.373,2 Millionen (2024) auf 5.935,2 Millionen (2025) — das sind zwei Jahre in Folge mit rund zwölf beziehungsweise zehn Prozent Wachstum, ohne Ausreißer, ohne Zukaufsfeuerwerk. Der Gewinn, der den Aktionären zusteht, wuchs im selben Zeitraum von 352,0 über 455,7 auf 566,2 Millionen US-Dollar, der verwässerte Gewinn je Aktie von 3,47 über 4,46 auf 5,54 US-Dollar. Wer Wachstum sucht, das keine Nerven kostet, findet hier ein Musterbeispiel.

Balkendiagramm Umsatz und Gewinn von Encompass Health 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz 4.801,2 / 5.373,2 / 5.935,2 (blau), Gewinnanteil der Encompass-Health-Aktionäre 352,0 / 455,7 / 566,2 (grün).
Zwei Reihen, ein Muster: Der Umsatz wuchs 2024 und 2025 jeweils zweistellig bis knapp zweistellig, der Gewinnanteil der Aktionäre schneller als der Umsatz. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember; durchgehend fortgeführte Geschäfte ohne das 2022 abgespaltene Pflegegeschäft. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Wachstum kommt aus zwei Quellen, und beide sind nachprüfbar. Zum einen aus mehr Betten: Seit 2012 hat der Konzern nach eigener Angabe 78 Kliniken eröffnet oder gekauft und die Zahl der zugelassenen Betten um rund 72 Prozent beziehungsweise 4.809 Betten erhöht. Zum anderen aus höheren Sätzen je Fall. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 9,0 Prozent auf 1.586,6 Millionen US-Dollar; der Bericht führt das auf höhere Fallzahlen — die Entlassungen in bestehenden Kliniken legten um 1,6 Prozent zu — und auf höhere Vergütungssätze zurück. Das bereinigte Betriebsergebnis (Adjusted EBITDA) kletterte auf 348,8 Millionen US-Dollar nach 313,6 Millionen im Vorjahresquartal.

Bemerkenswert ist auch die Personalseite, denn sie ist in dieser Branche der Engpass. Die Fluktuation lag 2025 bei 7,8 Prozent bei den Therapeuten und 20,2 Prozent bei den Pflegekräften — beides praktisch unverändert gegenüber 2024, und der Quartalsbericht nennt sinkende Leiharbeitskosten als einen Grund dafür, dass die Personalquote im ersten Quartal 2026 gefallen ist. Wie teuer der umgekehrte Fall wird, wenn Kliniken auf teure Zeitarbeit ausweichen müssen, haben wir in der Analyse zu AMN Healthcare von der anderen Seite des Tisches beschrieben.

Und die Bilanz? Zum 31. März 2026 standen einer Bilanzsumme von 7.313,2 Millionen US-Dollar Finanzschulden von 2.573,8 Millionen und ein Eigenkapital von 3.308,4 Millionen gegenüber. Die Auflagen der Kreditverträge verlangen einen Verschuldungsgrad von höchstens 4,50 und eine Zinsdeckung von mindestens 3,0 — beides war eingehalten, und der Bericht rechnet ausdrücklich vor, dass die Auflagen selbst dann noch erfüllt wären, wenn die Kreditlinie über eine Milliarde US-Dollar das ganze Quartal über voll gezogen worden wäre. Rund 79 Prozent der Klinikimmobilien gehörten dem Konzern zum 31. Dezember 2025 selbst. Das ist keine Firma am Rand, das ist eine Firma mit Polster.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Jetzt drehen wir das Blatt um. Nichts von dem, was jetzt kommt, ist versteckt oder unzulässig — es steht alles in den Pflichtdokumenten. Es steht nur nicht auf der Titelseite.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Zahler bringt 82 Prozent

Encompass Health hat keine Kundenkonzentration, es hat eine Zahlerkonzentration. Der Zahlungsmix für 2025 liest sich so: Medicare 65,4 Prozent, Medicare Advantage 16,4 Prozent, private Verträge (Managed Care) 10,7 Prozent, Medicaid 3,1 Prozent, der Rest sind Splitterbeträge. In Dollar: Von 5.935,2 Millionen Umsatz kamen 3.886,9 Millionen direkt von Medicare und weitere 974,4 Millionen von Medicare-Advantage-Plänen. Der Geschäftsbericht schreibt es in einem einzigen Satz hin:

„Revenues from Medicare and Medicare Advantage represent approximately 82% of total revenues.“

Übersetzung: „Erlöse aus Medicare und Medicare Advantage machen rund 82 Prozent der Gesamterlöse aus.“

— Encompass Health Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 „Sources of Revenues“

Gelb markierte Textstelle aus dem Encompass-Health-Geschäftsbericht 10-K für 2025 im Kapitel Sources of Revenues: Erlöse aus Medicare und Medicare Advantage machen rund 82 Prozent der Gesamterlöse aus.
Die markierte Stelle im Original: rund 82 Prozent der Erlöse stammen von Medicare und Medicare Advantage. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Alltagsbild dazu: Stell dir einen Handwerksbetrieb vor, der hervorragend arbeitet, seine Kosten im Griff hat und jedes Jahr wächst — aber vier von fünf Rechnungen gehen an denselben Auftraggeber, und dieser Auftraggeber setzt den Stundensatz einseitig fest. Genau das ist die Lage. Encompass verhandelt seine wichtigsten Preise nicht, es bekommt sie per Verordnung mitgeteilt. Immerhin: Der Konzern behält bei diesem System die Differenz zwischen der festen Zahlung und den eigenen Kosten — Effizienz wird also belohnt. Aber die Höhe der Zahlung selbst liegt außerhalb seiner Reichweite.

Ein zweiter Trend läuft im Hintergrund mit. Der Anteil der Medicare-Berechtigten, die statt der klassischen Variante einen privat verwalteten Medicare-Advantage-Plan wählen, lag 2025 bei rund 54 Prozent und soll nach der Projektion des Haushaltsbüros des Kongresses bis 2034 auf etwa 64 Prozent steigen. Der Bericht hält nüchtern fest, dass Medicare-Advantage-Pläne für dieselbe Leistung typischerweise weniger zahlen als das klassische Medicare — auch wenn sich der Abstand zuletzt verringert hat. Wie sich Medicare Advantage auf der Seite der Versorger auswirkt, haben wir in der Analyse zu Astrana Health im Detail aufgeschrieben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Beraterstab des Kongresses empfiehlt minus 7 Prozent

Jetzt wird es konkret. Die Vergütungssätze werden jährlich angepasst, über eine Art amtlichen Warenkorb (market basket update), der die Kostensteigerungen der Kliniken abbilden soll. Die am 1. August 2025 veröffentlichte Regel für das Bundes-Fiskaljahr 2026 brachte netto 2,6 Prozent mehr — 3,3 Prozent Warenkorb minus 0,7 Prozentpunkte Produktivitätsabzug — gültig für Entlassungen zwischen dem 1. Oktober 2025 und dem 30. September 2026. Encompass rechnet nach eigener Analyse sogar mit rund 2,9 Prozent Erhöhung der eigenen Sätze.

Die nächste Stufe ist bereits beziffert — sie steht nicht im Geschäftsbericht, sondern im Quartalsbericht. Am 2. April 2026 hat die Medicare-Behörde CMS ihren Entwurf für das Bundes-Fiskaljahr 2027 veröffentlicht. Er sieht netto 2,4 Prozent mehr vor — 3,2 Prozent Warenkorb minus 0,8 Prozentpunkte Produktivitätsabzug — gültig für Entlassungen zwischen dem 1. Oktober 2026 und dem 30. September 2027:

„The 2027 Proposed IRF Rule would implement a net 2.4% market basket increase (market basket update of 3.2% reduced by a productivity adjustment of 0.8%) effective for discharges between October 1, 2026 and September 30, 2027.“

Übersetzung: „Die vorgeschlagene IRF-Regel für 2027 würde eine Netto-Warenkorb-Erhöhung von 2,4 Prozent umsetzen (Warenkorbanpassung von 3,2 Prozent, vermindert um einen Produktivitätsabzug von 0,8 Prozent), gültig für Entlassungen zwischen dem 1. Oktober 2026 und dem 30. September 2027.“

— Encompass Health Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, „Executive Overview — Key Challenges“

Der Entwurf ändert außerdem den hausindividuellen Basissatz über Lohnindex, Ausreißerzahlungen sowie Fallgruppengewichte und Verweildauern. Encompass hat das auf das eigene Haus heruntergerechnet — auf Basis der Patientenschwere der zwölf Monate bis zum 28. Februar 2026 — und erwartet daraus ebenfalls rund 2,4 Prozent mehr ab dem 1. Oktober 2026. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Ein Entwurf ist keine Schlussregel; die endgültige Fassung erscheint üblicherweise im Spätsommer und kann die Bestandteile noch verschieben. Und die Steigerung fällt geringer aus als im Vorjahr — 2,4 statt 2,6 Prozent. So weit die gute Nachricht.

Die andere steht drei Absätze weiter. Der MedPAC, der unabhängige Beraterstab des US-Kongresses für Medicare-Fragen, hat auf seiner Sitzung im Januar 2026 beschlossen, dem Kongress eine gesetzliche Kürzung zu empfehlen — und zwar keine kosmetische:

„For example, at its January 2026 meeting, MedPAC approved recommending to Congress, among other things, legislative changes to reduce by 7% the base payment rate under IRF-PPS.“

Übersetzung: „So hat MedPAC auf seiner Sitzung im Januar 2026 beschlossen, dem Kongress unter anderem gesetzliche Änderungen zu empfehlen, mit denen der Basissatz im Vergütungssystem für stationäre Reha-Kliniken um 7 Prozent gesenkt wird.“

— Encompass Health Corporation, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A „Reimbursement Risks“

Gelb markierte Textstelle aus dem Encompass-Health-Geschäftsbericht 10-K für 2025: MedPAC hat im Januar 2026 beschlossen, dem Kongress eine Senkung des Basissatzes für stationäre Reha-Kliniken um 7 Prozent zu empfehlen.
Die markierte Stelle im Original: MedPAC empfiehlt dem Kongress seit 2008 in jedem Jahr eine Nullrunde oder eine Kürzung — im Januar 2026 minus 7 Prozent auf den Basissatz. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir das einmal durch, damit die Größenordnung sichtbar wird — und zwar auf Jahresbasis, nicht auf ein Quartal hochgerechnet. Rund 82 Prozent von 5.935,2 Millionen US-Dollar Umsatz sind etwa 4.861 Millionen US-Dollar. Sieben Prozent davon wären rund 340 Millionen US-Dollar im Jahr. Der Gewinn, der den Aktionären 2025 zustand, betrug 566,2 Millionen. Eine solche Kürzung würde also, wenn sie ohne Gegenmaßnahmen durchschlüge, deutlich mehr als die Hälfte des Jahresgewinns kosten.

Bevor jetzt jemand in Panik verfällt, gehören drei Einordnungen dazu. Erstens: MedPAC empfiehlt, der Kongress entscheidet — und derselbe Absatz im Geschäftsbericht hält fest, dass MedPAC seit 2008 in jedem einzelnen Jahr entweder eine Nullrunde oder eine Kürzung empfohlen hat. Passiert ist es bislang nicht; die tatsächlichen Sätze sind gestiegen. Zweitens: Parallel läuft seit April 2013 die automatische Kürzung aller Medicare-Zahlungen um zwei Prozent, die nach heutigem Recht bis in das Bundes-Fiskaljahr 2033 gilt — sie ist in den Zahlen bereits enthalten. Drittens: Es gibt einen weiteren Hebel, der nicht am Satz, sondern an der Genehmigung ansetzt. Unter dem Prüfprogramm RCD müssen ausgewählte Kliniken jede Medicare-Abrechnung vorab prüfen lassen. In Alabama überschritten im ersten Zyklus (Ende Februar 2024) noch alle teilnehmenden Kliniken die damals geforderten 80 Prozent Freigabequote; im zweiten und dritten Zyklus (Ende Oktober 2024 und Juni 2025) erreichte dann keine Klinik die auf 85 beziehungsweise 90 Prozent angehobene Quote. Der jüngere Quartalsbericht zum 31. März 2026 formuliert es zurückhaltender: Über die inzwischen vier abgeschlossenen Zyklen habe die Freigabequote geschwankt; der Konzern hat die Vorabprüfung freiwillig für jede teilnehmende Klinik beibehalten — auch für die, die die Opt-out-Quote erreicht oder überschritten haben — und viele Ablehnungen angefochten. Ab dem 2. März 2026 (Texas) und dem 1. Mai 2026 (Kalifornien) sind nach Konzernangabe 33 Kliniken oder rund 11,9 Prozent der Medicare-Abrechnungen von dem Programm erfasst. Der Bericht sagt selbst, dass sich die Folgen nicht vorhersagen lassen.

Merk dir das Muster: Bei dieser Firma ist das größte Risiko kein Bilanzrisiko. Es ist ein Terminrisiko im Bundesregister.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Viertel des Gewinns gehört nicht dir

Erinnerst du dich an die 66 gemeinsam betriebenen Kliniken? Hier wird die Konstruktion teuer. Der Konzern konsolidiert diese Kliniken vollständig — ihr gesamter Umsatz taucht also in den 5.935,2 Millionen US-Dollar auf. Der Gewinn aber gehört anteilig den Partnern. Und dieser Anteil wächst schneller als der Gewinn selbst: Vom Konzerngewinn 2025 in Höhe von 759,1 Millionen US-Dollar entfielen 192,9 Millionen auf die Minderheitsgesellschafter — nach 140,9 Millionen (2024) und 111,0 Millionen (2023). Das ist eine Steigerung um 74 Prozent in zwei Jahren, während der Gewinn insgesamt um 64 Prozent zulegte. Übrig für die Aktionäre blieben 566,2 Millionen, also rund drei Viertel.

Das ist keine Buchhaltungsfeinheit, sondern echtes Geld: Bar an die Partner ausgeschüttet wurden 2025 152,1 Millionen US-Dollar (2024: 125,0 Millionen, 2023: 114,7 Millionen). Und im Eigenkapital von 3.308,4 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 stecken 786,7 Millionen, die den Minderheitsgesellschaftern zustehen. Wenn du also eine Kennzahl liest, die den Konzernumsatz oder die Konzernbilanz gegen den Börsenwert der Encompass-Aktien stellt, misst du einen Anteil mit, der dir nicht gehört. In Alltagssprache: Du kaufst dich in ein Restaurant ein, in dem an jedem dritten Tisch ein Mitgesellschafter mitverdient.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der starke Jahresauftakt enthält zwei Einmaleffekte

Das erste Quartal 2026 sieht auf den ersten Blick fantastisch aus: 194,5 Millionen US-Dollar Gewinn für die Aktionäre nach 151,5 Millionen im Vorjahresquartal, verwässert 1,93 US-Dollar je Aktie nach 1,48 — ein Sprung von rund 30 Prozent. Zwei Positionen erklären davon einen erheblichen Teil, und beide kommen nicht wieder.

Der erste Effekt ist ein Geist aus der Vergangenheit. Encompass Health führt seit Jahren einen Rechtsstreit gegen frühere Führungskräfte des Geschäfts mit häuslicher Pflege und Hospizversorgung, das am 1. Juli 2022 abgespalten wurde. Allein 2023 kostete dieser Streit 15,8 Millionen US-Dollar an Rechtskosten. Im Januar 2026 kam es zur Einigung über bereits zugesprochene Anwaltskosten und Schadenersatz; im Februar 2026 flossen 21,9 Millionen US-Dollar, woraus im ersten Quartal ein Gewinn von 16,3 Millionen US-Dollar nach Steuern gebucht wurde — ausgewiesen im aufgegebenen Geschäftsbereich.

Der zweite Effekt ist ein Verkauf. Zum 1. Januar 2026 gab der Konzern seinen 50-Prozent-Anteil an einer Gemeinschaftsgesellschaft für Strahlenchirurgie an den Partner ab, für 17,9 Millionen US-Dollar, und buchte daraus einen Gewinn von 17,5 Millionen US-Dollar vor Steuern in den sonstigen Erträgen. Genau deshalb springt diese Zeile im Quartalsvergleich von 2,5 auf 18,7 Millionen.

Rechnet man mit der im selben Quartal ausgewiesenen Steuerquote von 19,5 Prozent, ergeben die beiden Posten zusammen grob rund 30 Millionen US-Dollar nach Steuern — das ist unsere eigene Überschlagsrechnung, keine Angabe des Unternehmens. Gemessen an 194,5 Millionen Quartalsgewinn ist das etwa ein Sechstel. Der Rest des Zuwachses ist echt und operativ; aber wer 1,93 US-Dollar je Aktie einfach mal vier nimmt, rechnet sich reich.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Vom operativen Cashflow bleibt fast nichts übrig

Der operative Cashflow — das Geld, das der laufende Betrieb tatsächlich in die Kasse spült — ist prächtig: 1.175,6 Millionen US-Dollar (2025) nach 1.002,8 Millionen (2024) und 850,8 Millionen (2023). Nur ist Wachstum in diesem Geschäft teuer. Neue Kliniken müssen gebaut, bestehende erweitert werden. 736,4 Millionen US-Dollar gingen 2025 in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte, also fast zwei von drei Dollar des Mittelzuflusses. Danach kommen die Partner (152,1 Millionen), die Dividende (71,1 Millionen) und die Aktienrückkäufe (158,0 Millionen).

Wasserfalldiagramm zur Verwendung des operativen Cashflows von Encompass Health 2025 in Millionen US-Dollar: 1.175,6 Zufluss, minus 736,4 Investitionen, minus 152,1 an Minderheits-Partner, minus 71,1 Dividende, minus 158,0 Aktienrückkäufe, Rest 58,0.
Von 1.175,6 Millionen US-Dollar operativem Mittelzufluss blieben 2025 nach Investitionen, Ausschüttungen an die Klinikpartner, Dividende und Aktienrückkäufen 58,0 Millionen übrig. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unter dem Strich blieben 58,0 Millionen US-Dollar. Das ist keine Schwäche — es ist eine bewusste Entscheidung: Der Konzern investiert praktisch alles, was er verdient, in neue Betten, und finanziert Rückkäufe und Dividende aus der Kasse und der Kreditlinie. Aber es heißt eben auch: Wenn die Sätze einmal nicht steigen, ist der Puffer dünner, als die Gewinnzeile suggeriert.

Dazu kommt eine Zahl, die erst nach dem Quartalsbericht entstanden ist und deshalb leicht übersehen wird. Am 29. Mai 2026 hat Encompass Health 500 Millionen US-Dollar neue vorrangige Anleihen zu 5,875 Prozent mit Laufzeit bis zum 1. Juni 2034 begeben, Nettoerlös rund 491,2 Millionen. Damit werden 400 Millionen der noch ausstehenden 800 Millionen aus der alten 4,50-Prozent-Anleihe von 2028 zu pari getilgt und 100 Millionen der Kreditlinie zurückgezahlt. Die Fälligkeitsmauer wird also entzerrt — zu einem Zinssatz, der knapp 1,4 Prozentpunkte über dem alten liegt. Refinanzierung in einem höheren Zinsumfeld ist keine Katastrophe, aber sie ist auch nicht gratis.

Bewertung — was der Markt für diese Bilanz zahlt

Und jetzt der Teil, der den Widerspruch aus dem Scanner-Kapitel auflöst. Zum Datenstand 24. Juli 2026 lag der Börsenwert bei rund 9,9 Milliarden US-Dollar. Das ergibt bei 99.199.080 ausstehenden Aktien (Stand 24. April 2026 laut Deckblatt des Quartalsberichts) einen impliziten Kurs von etwa 99,70 US-Dollar — wir nennen ihn nur als datierten Bewertungsanker, nicht als Kauf- oder Verkaufsmarke.

Daraus ergeben sich diese Größenordnungen: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 auf die letzten zwölf Monate (auf den 2025er Abschluss mit 5,54 US-Dollar je Aktie wären es rund 18), ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von gut 1,6, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 3,9 und ein Unternehmenswert von rund dem Neunfachen des Betriebsergebnisses vor Abschreibungen. Für eine Firma, die zwei Jahre in Folge zweistellig beim Gewinn gewachsen ist, eine Eigenkapitalrendite von 25,2 Prozent erzielt und eine operative Marge von 19,0 Prozent ausweist, ist das kein Fantasiepreis — es ist das, was der Markt für ein solides, aber politisch abhängiges Geschäft zahlt.

Der Blick der Profis fällt deutlich freundlicher aus als der Kursverlauf. Zwölf Analysten führen die Aktie im Mittel mit dem bestmöglichen Votum und einem durchschnittlichen Kursziel von 140,50 US-Dollar, was gegenüber dem Bewertungsanker rund 41 Prozent Luft bedeuten würde (Datenstand 24. Juli 2026). Diese Einigkeit ist ein zweischneidiges Signal: Wo alle dasselbe sagen, ist keine zweite Meinung mehr im Preis. Bemerkenswert ist zudem, dass gleichzeitig nur 3,6 Prozent des Streubesitzes leerverkauft sind — es wettet also auch kaum jemand aktiv gegen die Aktie. Der Markt zweifelt nicht am Unternehmen. Er zweifelt an der Preisfindung durch Dritte.

Für Einkommensorientierte: Die Dividende lag zuletzt bei 0,19 US-Dollar je Aktie und Quartal (Zahlung 1. Juli 2026, rund 11,8 Prozent über dem Vorjahreswert), was auf Jahressicht einer Rendite von etwa 0,7 Prozent entspricht — bei einer Ausschüttungsquote von nur rund 13 Prozent des Gewinns. Der größere Rückfluss an die Aktionäre läuft über Rückkäufe: Von der im Juli 2024 auf 500 Millionen US-Dollar zurückgesetzten Ermächtigung waren zum 31. März 2026 noch rund 261 Millionen US-Dollar offen; im ersten Quartal 2026 wurden 0,7 Millionen Aktien für 71,6 Millionen zurückgekauft.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Encompass Health spricht:

  • Marktführerschaft in einer Nische mit Zugangshürden. Die Zahl der stationären Reha-Kliniken in den USA ist zwischen 2010 und 2024 von 1.179 auf 1.170 praktisch unverändert geblieben, während die Nachfrage wächst — neue Wettbewerber entstehen kaum.
  • Bilanz ohne Befund. Piotroski 8 von 9, Altman-Z 5,75, alle Kreditauflagen zum 31. März 2026 mit Abstand eingehalten, 726 Millionen US-Dollar freie Kreditlinie (31. März 2026), rund 79 Prozent der Klinikimmobilien im Eigentum (Stand 31. Dezember 2025).
  • Belegte Wachstumsmechanik. Seit 2012 wurden 78 Kliniken eröffnet oder gekauft und 4.809 Betten hinzugefügt; im ersten Quartal 2026 stiegen allein die Entlassungen in bestehenden Kliniken um 1,6 Prozent.
  • Demografischer Rückenwind. Das Durchschnittsalter der Medicare-Patienten liegt bei rund 77 Jahren; die Bevölkerungsgruppe ab 75 wächst nach Konzernangabe bis 2030 um etwa vier Prozent im Jahr.
  • Aktionärsfreundliche Kapitalverwendung. 158,0 Millionen US-Dollar Rückkäufe und 71,1 Millionen Dividende im Jahr 2025, dazu eine Ausschüttungsquote von nur rund 13 Prozent — die Erhöhung der Dividende um rund 11,8 Prozent ist gedeckt.

Was dagegen spricht:

  • 82 Prozent der Erlöse hängen an Medicare und Medicare Advantage. Der Preis ist verordnet, nicht verhandelt — und MedPAC empfahl dem Kongress im Januar 2026 eine Kürzung des Basissatzes um 7 Prozent, was auf Jahressicht rund 340 Millionen US-Dollar entspräche.
  • Ein Viertel des Konzerngewinns gehört anderen. 192,9 von 759,1 Millionen US-Dollar entfielen 2025 auf Minderheitsgesellschafter, bar abgeflossen sind 152,1 Millionen.
  • Prüfdruck bei den Abrechnungen. In Alabama verfehlte im zweiten und dritten Prüfzyklus (Ende Oktober 2024 und Juni 2025) jede Klinik die Freigabequote im Vorabprüfverfahren; über die vier abgeschlossenen Zyklen schwankt die Quote laut Quartalsbericht zum 31. März 2026. Mit der Ausweitung auf Texas und Kalifornien sind rund 11,9 Prozent der Medicare-Abrechnungen betroffen.
  • Kaum freier Mittelrest. Von 1.175,6 Millionen US-Dollar operativem Cashflow blieben 2025 nach allen Verwendungen 58,0 Millionen; die Refinanzierung vom 29. Mai 2026 kostet 5,875 statt bisher 4,50 Prozent Zins.
  • Einmaleffekte im Quartalsbild. Rund ein Sechstel des Quartalsgewinns vom ersten Quartal 2026 stammt aus einem Vergleich und einem Beteiligungsverkauf — die Fortschreibung des Quartals führt in die Irre.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Demografie-Reflex vom Anfang. Er hat recht — und er zielt daneben. Die Menschen werden älter, Schlaganfälle und Hüftfrakturen verschwinden nicht, und Encompass Health ist die Firma, die diese Menschen wieder auf die Beine bringt: 263.299 Entlassungen im Jahr 2025, 174 Kliniken, über 42.000 Beschäftigte, eine Bilanz, die im Neun-Punkte-Test 8 Punkte holt. Wer nach operativer Qualität sucht, findet sie hier.

Nur beantwortet all das eine Frage nicht: Was ist eine Behandlung wert? Diese Antwort gibt weder der Patient noch der Markt, sondern eine Behörde und ihr Beraterstab. Der Beraterstab sagt seit 2008 in jedem Jahr „weniger“ und wurde bislang jedes Jahr überstimmt. Genau darin liegt die eigentliche Wette: nicht darauf, dass die Firma gut arbeitet — das tut sie belegbar —, sondern darauf, dass diese Serie hält.

Wer die Aktie hält, wettet darauf, dass die Sätze weiter jährlich steigen und das Klinikwachstum die Kürzungsrisiken überholt. Wer heute einsteigt, kauft eine sehr saubere Firma zu einem mittleren Preis — und ein politisches Risiko, das man weder modellieren noch wegdiversifizieren kann. Beides ist legitim. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Encompass-Health-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell und Marktstellung positiv
Encompass Health ist nach eigener Angabe der größte Betreiber stationärer Rehabilitationskliniken der USA: 174 Kliniken in 39 Bundesstaaten und Puerto Rico zum 31. März 2026, 263.299 Entlassungen im Jahr 2025. Der Markt ist eng — die Zahl der Reha-Kliniken in den USA sank laut Geschäftsbericht zwischen 2010 und 2024 nur von 1.179 auf 1.170, während die Nachfrage wächst. 92 Prozent der Patienten kommen per Überweisung aus Akutkrankenhäusern.
Wachstum und Ergebnisqualität positiv
Der Umsatz stieg von 4.801,2 Millionen US-Dollar (2023) über 5.373,2 Millionen (2024) auf 5.935,2 Millionen (2025), der Gewinn für die Aktionäre von 352,0 auf 566,2 Millionen. Der operative Cashflow legte in derselben Zeit von 850,8 auf 1.175,6 Millionen zu. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 9,0 Prozent auf 1.586,6 Millionen, die Entlassungen in bestehenden Kliniken um 1,6 Prozent. Das ist gewachsene, nicht gekaufte Ertragskraft.
Bilanz und Finanzierung positiv
Zum 31. März 2026 standen 2.573,8 Millionen US-Dollar Finanzschulden einem Eigenkapital von 3.308,4 Millionen gegenüber; die Auflagen (höchstens 4,50 Verschuldungsgrad, mindestens 3,0 Zinsdeckung) waren eingehalten, rund 726 Millionen der Kreditlinie frei, rund 79 Prozent der Klinikimmobilien im Eigentum. Die Emission vom 29. Mai 2026 über 500 Millionen zu 5,875 Prozent bis 2034 entzerrt die Fälligkeiten — kostet aber mehr Zins als die abgelösten 4,50 Prozent von 2028.
Zahlerkonzentration negativ
Laut Geschäftsbericht für 2025 stammen rund 82 Prozent der Erlöse von Medicare und Medicare Advantage — 3.886,9 Millionen US-Dollar direkt von Medicare, weitere 974,4 Millionen aus Medicare-Advantage-Plänen. Der Preis wird nicht verhandelt, sondern jährlich behördlich festgesetzt. Zusätzlich verschiebt sich der Mix: 2025 waren rund 54 Prozent der Medicare-Berechtigten in Medicare-Advantage-Plänen, bis 2034 sollen es nach Projektion des Haushaltsbüros des Kongresses etwa 64 Prozent sein — und diese Pläne zahlen typischerweise weniger.
Regulatorisches Kürzungsrisiko negativ
Der Beraterstab MedPAC beschloss im Januar 2026, dem Kongress eine Senkung des Basissatzes für Reha-Kliniken um 7 Prozent zu empfehlen; auf die Medicare-Erlöse von rund 4.861 Millionen US-Dollar wären das etwa 340 Millionen im Jahr — mehr als die Hälfte des Aktionärsgewinns von 566,2 Millionen. Umgesetzt wurde bislang nichts, MedPAC empfiehlt seit 2008 jedes Jahr Nullrunden oder Kürzungen; die tatsächlichen Sätze steigen weiter, für das Fiskaljahr 2027 sieht der CMS-Entwurf vom 2. April 2026 netto plus 2,4 Prozent ab dem 1. Oktober 2026 vor — nach plus 2,6 Prozent im Fiskaljahr 2026. Dazu kommt der Prüfdruck: In Alabama verfehlte im zweiten und dritten Prüfzyklus jede Klinik die Freigabequote im Vorabprüfverfahren; über die vier abgeschlossenen Zyklen schwankt sie laut Quartalsbericht zum 31. März 2026.
Wem der Gewinn gehört neutral
Von 759,1 Millionen US-Dollar Konzerngewinn 2025 entfielen 192,9 Millionen auf die Minderheitsgesellschafter der 66 gemeinsam betriebenen Kliniken, nach 111,0 Millionen im Jahr 2023 — der Anteil wächst schneller als der Gewinn. Das ist der Preis für gesicherte Patientenströme und funktioniert seit Jahren, verzerrt aber jede Kennzahl, die Konzernumsatz oder Konzernbilanz gegen den Börsenwert der Encompass-Aktien stellt.

Encompass Health ist ein außergewöhnlich sauber geführtes Unternehmen in einer Nische mit hohen Zugangshürden: 8 von 9 Punkten im Bilanz-Check, Altman-Z 5,75, Eigenkapitalrendite 25,2 Prozent, drei Jahre steigender Umsatz auf 5.935,2 Millionen US-Dollar, alle Kreditauflagen zum 31. März 2026 mit Abstand eingehalten. Dagegen steht kein Bilanzproblem, sondern eine Abhängigkeit: Rund 82 Prozent der Erlöse kommen von Medicare und Medicare Advantage, der Beraterstab des Kongresses empfahl im Januar 2026 minus 7 Prozent auf den Basissatz, und ein Viertel des Konzerngewinns gehört den Klinikpartnern. Wer hier kauft, kauft operative Qualität und ein politisches Risiko im selben Paket. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Die Substanz ist belegt und nicht strittig: Das Geschäft trägt, der Cashflow ist echt, die Bilanz ist gesund, es gibt keinen Going-Concern-Hinweis, keinen Bilanz- oder Governance-Bruch und keine Liquiditätsfrage. Was den Ausschlag für die vorsichtigere Stufe gibt, ist die Struktur der Erlösseite: Rund 82 Prozent des Umsatzes hängen an einem einzigen Zahler, dessen Preis administrativ festgesetzt wird — und dessen Beraterstab im Januar 2026 eine Kürzung um 7 Prozent empfohlen hat, die auf Jahressicht mehr als die Hälfte des Aktionärsgewinns kosten würde. Das ist keine Existenzfrage; die Zinsdeckung, die freie Kreditlinie von rund 726 Millionen US-Dollar und der Immobilienbesitz sprechen klar dagegen. Es ist aber eine Konzentration, die das Unternehmen selbst nicht auflösen kann. Deshalb Gelb: erstklassige Ausführung, fremdbestimmter Preis. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Encompass Health über die US-Auswahl der Scanner-Liste „Piotroski F-Score (7–9)“ des hauseigenen Aktien-Scanners (16 US-Treffer, Stand 26. Juli 2026). Am selben Tag stand die Aktie zusätzlich in den Listen GpA-Beschleunigung, KCF-Ranking, Profis 80%, Power Trend und Pocket Pivot. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Verwechslungsgefahr: Die SEC-Akte CIK 785161 lief bis zum 12. Dezember 2017 unter dem Namen HealthSouth Corporation; die Umbenennung in Encompass Health Corporation wurde zum 1. Januar 2018 wirksam. Das Geschäft mit häuslicher Pflege und Hospizversorgung wurde am 1. Juli 2022 abgespalten und erscheint seither nur noch als aufgegebener Geschäftsbereich — die Zahlenreihen dieser Analyse mischen die beiden Zuschnitte nicht.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der Bewertungsanker von rund 99,70 US-Dollar je Aktie ist kein Tageskurs, sondern ergibt sich rechnerisch aus dem Börsenwert von rund 9,9 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) und den 99.199.080 Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts zum 24. April 2026. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Encompass Health (NYSE: EHC) betreibt stationäre Rehabilitationskliniken in den USA — die Station nach dem Akutkrankenhaus, in der Menschen nach Schlaganfällen, Hüftfrakturen oder neurologischen Erkrankungen wieder gehen und sprechen lernen. Zum 31. März 2026 waren es 174 Kliniken in 39 Bundesstaaten und Puerto Rico. 2025 wurden 263.299 Patienten entlassen, der Umsatz lag bei 5.935,2 Millionen US-Dollar.

Sehr stark. Der Geschäftsbericht für 2025 nennt die Zahl selbst: Medicare und Medicare Advantage stehen für rund 82 Prozent der Gesamterlöse. In Dollar sind das 3.886,9 Millionen direkt von Medicare und weitere 974,4 Millionen aus Medicare-Advantage-Plänen. Private Verträge trugen 10,7 Prozent bei, Medicaid 3,1 Prozent. Die Vergütungssätze werden nicht verhandelt, sondern jährlich behördlich festgesetzt.

Der Piotroski-F-Score prüft in neun Ja-Nein-Fragen, ob die Bücher einer Firma gesund sind: Gewinn, echter Mittelzufluss, sinkende Verschuldung, bessere Marge, kein Verwässerungsdruck. Sechs von neun ist okay, nicht gut; sieben ist solide. Encompass Health steht bei 8 (Datenstand 24. Juli 2026) — das ist das obere Ende dessen, was profitable Wachstumsfirmen in der Praxis erreichen.

Weil es dieselbe Gesellschaft ist. Die SEC-Akte mit dem Aktenzeichen CIK 785161 lief bis zum 12. Dezember 2017 unter dem Namen HealthSouth Corporation; der Geschäftsbericht hält fest, dass die Umbenennung in Encompass Health Corporation zum 1. Januar 2018 wirksam wurde. Wer in Archiven sucht, braucht beide Namen. Das Geschäft mit häuslicher Pflege und Hospizversorgung wurde am 1. Juli 2022 abgespalten.

Zum Teil operativ, zum Teil einmalig. Der Umsatz legte um 9,0 Prozent auf 1.586,6 Millionen US-Dollar zu. Im Gewinn von 194,5 Millionen stecken aber auch 16,3 Millionen nach Steuern aus einem Vergleich in einem Altverfahren — im Februar 2026 flossen dafür 21,9 Millionen — sowie 17,5 Millionen vor Steuern aus dem Verkauf einer 50-Prozent-Beteiligung. Zusammen rund ein Sechstel des Quartalsgewinns.

MedPAC ist der unabhängige Beraterstab des US-Kongresses für Medicare. Er beschloss im Januar 2026, dem Kongress eine Senkung des Basissatzes für stationäre Reha-Kliniken um 7 Prozent zu empfehlen. Bei rund 4.861 Millionen US-Dollar Medicare-Erlösen (2025) wären das etwa 340 Millionen im Jahr — mehr als die Hälfte des Aktionärsgewinns von 566,2 Millionen. Der Bericht hält zugleich fest, dass MedPAC seit 2008 jedes Jahr kürzen wollte und der Kongress nicht folgte.

Ja, quartalsweise. Zuletzt wurden 0,19 US-Dollar je Aktie ausgeschüttet (Zahlung 1. Juli 2026, rund 11,8 Prozent mehr als im Vorjahr); auf Jahressicht entspricht das einer Rendite von etwa 0,7 Prozent bei einer Ausschüttungsquote von rund 13 Prozent. Der größere Rückfluss läuft über Rückkäufe: 158,0 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, davon zum 31. März 2026 noch rund 261 Millionen Ermächtigung offen.

Nicht allein den Encompass-Aktionären. Von 174 Kliniken gehören dem Konzern 108 ganz; an 66 hält er zwischen 50,0 und 97,5 Prozent gemeinsam mit Akutkrankenhäusern. Deren Umsatz wird voll konsolidiert, der Gewinn aber geteilt: 2025 entfielen von 759,1 Millionen US-Dollar Konzerngewinn 192,9 Millionen auf diese Partner (2023: 111,0 Millionen). Bar ausgeschüttet wurden an sie 152,1 Millionen.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?