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CBIZ: Zwei Milliarden für den Zukauf — und weniger Gewinn je Aktie als 2023

CBIZ: Zwei Milliarden für den Zukauf — und weniger Gewinn je Aktie als 2023

CBIZ macht das, was kein Mittelständler selbst machen will: Buchhaltung, Steuern, Lohn, Versicherung. Am 1. November 2024 kaufte die Firma für rund zwei Milliarden US-Dollar das Beratungsgeschäft von Marcum — und wurde über Nacht fast doppelt so groß. 2025 stand ein Rekordumsatz von 2.758,0 Millionen US-Dollar in den Büchern. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,83 US-Dollar trotzdem unter den 2,39 von 2023. Wir lesen den Geschäftsbericht und den Quartalsbericht zum 31. März 2026 und finden ein Rekordquartal, das zu einem Viertel aus einer Einmalzahlung besteht, 6,2 Millionen Aktien, die erst noch kommen, und eine Zinslast, die fast den ganzen Jahresgewinn schluckt. Wir rechnen nach, was von der neuen Größe beim Aktionär ankommt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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CBIZ: Zwei Milliarden für den Zukauf — und weniger Gewinn je Aktie als 2023
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die besonders freundlich aussieht, weil sie mit einer guten Nachricht beginnt: die Umsatz-Illusion. Sie funktioniert so. Eine Firma meldet, dass sie um die Hälfte gewachsen ist. Dein Kopf hört „gewachsen“ und denkt „besser geworden“. Dabei sind das zwei völlig verschiedene Dinge. Wer sich eine doppelt so große Küche kauft, kocht deshalb nicht doppelt so gut — er hat nur eine größere Küche und eine Rechnung dafür. Bei CBIZ, Inc. (NYSE: CBZ) lässt sich diese Falle in einer einzigen Gegenüberstellung sichtbar machen: Der Umsatz stieg von 2023 bis 2025 um 73 Prozent, der Gewinn je Aktie fiel im selben Zeitraum um 23 Prozent. Machen wir also einen Deal: Bevor wir über die Aktie reden, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 26. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 30. April 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser hier erzählt von einem Rekordquartal, das zu einem Viertel aus einer Einmalzahlung besteht, von 6,2 Millionen Aktien, die erst noch kommen, und von Zinsen, die fast den ganzen Jahresgewinn schlucken.

Inhalt dieser Analyse

Was CBIZ eigentlich macht — der Rücken des amerikanischen Mittelstands

CBIZ verkauft nichts, was man anfassen kann. Die Firma aus Independence im US-Bundesstaat Ohio übernimmt für kleine und mittlere Unternehmen genau die Arbeit, die dort niemand machen will und für die sich niemand eine eigene Abteilung leisten kann: Buchhaltung und Steuererklärung, Lohnabrechnung, Beratung bei Zukäufen und Bewertungen, dazu Versicherungs- und Vorsorgelösungen für die Belegschaft. Zum Jahresende 2025 arbeiteten dafür laut Geschäftsbericht mehr als 9.500 Menschen.

Das Geschäft läuft in drei Bereichen. Der mit Abstand größte sind die Financial Services — Buchhaltung, Steuern, Beratung, Beratung im staatlichen Gesundheitswesen: 2.301,5 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr 2025, ein Plus von 68,9 Prozent gegenüber 2024. Der zweite Bereich, Benefits and Insurance Services (betriebliche Altersvorsorge, Krankenversicherung, Sach- und Haftpflicht, Lohnabrechnung), kam auf 409,6 Millionen — ein Plus von 2,1 Prozent. Der Rest von rund 47 Millionen entfällt auf National Practices, im Wesentlichen IT-Dienste. Merke dir dieses Verhältnis: Der eine große Bereich wuchs 2025 um mehr als zwei Drittel, der zweite um gut zwei Prozent. Wir kommen darauf zurück, warum.

Ein Detail dieses Geschäftsmodells ist erklärungsbedürftig und im Rest der Analyse wichtig: CBIZ darf keine Jahresabschlüsse prüfen. In den USA verbieten die Unabhängigkeitsregeln und die Berufsgesetze der Bundesstaaten es einer börsennotierten Gesellschaft, selbst Abschlussprüfungen durchzuführen. CBIZ löst das über Administrative Service Agreements — Verwaltungsverträge mit unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Zum 31. Dezember 2025 bestanden solche Verträge mit vier CPA-Firmen. Die bekannteste heißt CBIZ CPAs, P.C., früher Mayer Hoffman McCann, mit 421 Gesellschaftern. Die meisten Gesellschafter dieser Prüfgesellschaften sind zugleich Angestellte von CBIZ; CBIZ erbringt für sie Leistungen als selbstständiger Auftragnehmer. Wie eng dieses Konstrukt im Alltag arbeitet, zeigt ein Fall aus unserer Analyse zu BuzzFeed: Dort löste CBIZ CPAs im April 2026 Deloitte als Abschlussprüfer ab.

Das Geschäft ist stark saisonal — und zwar in einer Form, die jede Quartalszahl verzerrt, wenn man sie isoliert liest. Der Geschäftsbericht sagt es selbst:

„Core financial services (traditional tax and accounting services) are impacted by seasonality given the nature of tax season due to a heavier volume of activity during the first four months of the year. Seasonality is most evident in the quarterly earnings per share (“EPS”) as most of the annual EPS is earned during the first half of the year.“

Übersetzung: „Das Kerngeschäft der Finanzdienstleistungen (klassische Steuer- und Buchhaltungsleistungen) ist saisonabhängig, weil die Steuersaison in den ersten vier Monaten des Jahres ein höheres Arbeitsaufkommen mit sich bringt. Am deutlichsten zeigt sich die Saisonalität im Gewinn je Aktie pro Quartal, da der größte Teil des Jahresgewinns im ersten Halbjahr erwirtschaftet wird.“

— CBIZ, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 (Business)

Im Klartext: Das erste Quartal ist das mit Abstand stärkste, das vierte regelmäßig schwach. Wer ein einzelnes CBIZ-Quartal auf das Jahr hochrechnet, rechnet garantiert falsch. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes weitere Kapitel zieht: CBIZ ist über Nacht fast doppelt so groß geworden. Die Frage ist nicht, ob die Firma gewachsen ist — die Frage ist, wie viel von dieser Größe beim Aktionär ankommt.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Auf die Rechercheliste kam CBIZ über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 17 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen, nach der Spalte „Wende-Check“ sortieren. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme, kein Dauerzustand.

Das Modell hat zwei Pflicht-Säulen. Wer eine davon reißt, fliegt sofort aus der Liste, egal wie gut oder schlecht das Geschäft läuft:

  • Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch stehen. Ohne echten Absturz kein Turnaround. Das ist die Säule, die eine Aktie verliert, sobald sie sich erholt — je besser der Kurs läuft, desto näher rückt der Ausschluss.
  • Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Wert (ein Frühwarnwert für Insolvenzen, berechnet aus mehreren Bilanzkennzahlen) muss über 1,1 liegen, das Eigenkapital positiv sein, höchstens ein Bilanz-Warnsignal vorliegen. Dazu die Handelbarkeit: Kurs über 3 US-Dollar, durchschnittlicher Tagesumsatz über 2 Millionen US-Dollar.

Dass CBIZ am 25. Juli 2026 auf dieser Liste stand, heißt also: An diesem Tag waren beide Pflicht-Säulen erfüllt. Und genau hier liegt das Verfallsdatum dieses Aufhängers. Der Wackelkandidat ist dabei nicht Säule 2: Der Altman-Z-Wert liegt bei 6,01 (Datenstand 26. Juli 2026) und damit mehr als fünfmal so hoch wie die Pflichtschwelle von 1,1; das Eigenkapital ist positiv, ein Bilanz-Warnsignal führen unsere Daten nicht. Die Listenzugehörigkeit hängt an Säule 1: CBIZ notiert 64,8 Prozent unter dem Allzeithoch, verlangt sind mindestens 50 Prozent. Bei einem Kurs von 42,60 US-Dollar (26. Juli 2026) entspricht das einem Allzeithoch von rund 121 US-Dollar — und damit einer Ausschlussgrenze von rund 60,50 US-Dollar. Erholt sich der Kurs um gut 42 Prozent auf diesen Wert, verschwindet CBIZ aus der Liste — ohne dass sich am Geschäft irgendetwas geändert haben muss.

Erst nach den Pflicht-Säulen zählt der eigentliche Wende-Check: acht Punkte, vier aus den Quartalszahlen (Umsatzrichtung, Nettomarge, operativer Mittelzufluss, Bilanzheilung) und vier aus dem Marktverhalten (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke der letzten drei gegen die letzten zwölf Monate, Insiderkäufe netto, Fondsaufstockung). Angezeigt wird, wer mindestens 6 von 8 erreicht; CBIZ stand am 25. Juli 2026 bei 7. Denselben Mechanismus haben wir in dieser Serie schon bei einem Dienstleister beschrieben, dessen Geschäft nie krank war und der trotzdem auf der Turnaround-Liste landete — nachzulesen in der Analyse zu CorVel. Merke dir den Grundsatz: Ein Scanner sortiert nach Merkmalen, nicht nach Gründen. Den Grund muss man lesen.

Die Zahlen über die Jahre — was hier wirklich beeindruckt

Fangen wir mit dem an, was ehrlich beeindruckt. CBIZ ist seit Jahren keine Firma, die schrumpft, und der Umsatz ist auch vor dem großen Zukauf jedes Jahr gestiegen. Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.

Balkendiagramm: CBIZ-Umsatz steigt von 1.105 Millionen US-Dollar im Jahr 2021 über 1.412, 1.591 und 1.814 auf 2.758 Millionen im Jahr 2025
Fünf Jahre Umsatz: bis 2024 stetiges Wachstum, 2025 der Sprung aus dem Marcum-Zukauf. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reihe liest sich klar: 1.104,9 Millionen US-Dollar (2021), 1.412,0 (2022), 1.591,2 (2023), 1.813,5 (2024) und 2.758,0 Millionen (2025). Das ist eine Verzweieinhalbfachung in vier Jahren. Auch der Nettogewinn stieg lange mit: 70,9 Millionen (2021), 105,4 (2022), 121,0 (2023). Dann kam der Zukauf — und die Reihe bricht: 41,0 Millionen im Jahr 2024, 115,4 Millionen im Jahr 2025. Selbst im Rekord-Umsatzjahr 2025 lag der Gewinn also noch unter dem Wert von 2023, als CBIZ nur gut die Hälfte umsetzte.

Beim Gewinn je Aktie wird derselbe Vorgang noch deutlicher, weil dort auch die neu ausgegebenen Aktien mitzählen:

Balkendiagramm: verwässerter Gewinn je CBIZ-Aktie steigt von 1,32 US-Dollar 2021 über 2,01 auf 2,39 im Jahr 2023, fällt 2024 auf 0,78 und erreicht 2025 nur 1,83
Der verwässerte Gewinn je Aktie liegt 2025 mit 1,83 US-Dollar unter dem Wert von 2023 (2,39). 2024 enthält zwei Monate Marcum, 2025 zwölf. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg von 1,32 US-Dollar (2021) über 2,01 (2022) auf 2,39 (2023), fiel 2024 auf 0,78 und erreichte 2025 1,83. Das ist der Kern dieser Analyse in einer Zahl: Gegenüber 2023 legte der Umsatz um 73 Prozent zu, der Gewinn je Aktie ging um 23 Prozent zurück. Der Grund steht direkt daneben: Die verwässerte Aktienzahl stieg von 50,6 Millionen (2023) über 52,7 Millionen (2024) auf 63,2 Millionen (2025). Merksatz für den Alltag: Wer den Kuchen vergrößert, aber gleichzeitig mehr Leute an den Tisch setzt, hat nicht automatisch ein größeres Stück.

Ehrlicherweise gehört dazu: 2024 ist kein normales Jahr, sondern das Jahr der Übernahme — es enthält nur zwei Monate Marcum (die Übernahme wurde am 1. November 2024 abgeschlossen), dafür aber die Kosten des Deals. 2025 enthält zwölf Monate Marcum. Und in beiden Jahren stecken Integrationskosten: 5,0 Millionen US-Dollar im Jahr 2024, 64,3 Millionen im Jahr 2025. Diese Kosten laufen irgendwann aus. Was nicht ausläuft, sind Zinsen und Aktienzahl.

Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten

Nr. 1: Der Umsatzsprung ist gekauft, nicht gewachsen

Der Geschäftsbericht 2025 rechnet es selbst vor, in einem einzigen Absatz. Der Umsatz wuchs um 944,5 Millionen US-Dollar oder 52,1 Prozent. Und weiter: Von diesem Zuwachs stammten 914,2 Millionen US-Dollar — also 50,4 Prozentpunkte der 52,1 — aus neu erworbenen Geschäften abzüglich verkaufter Einheiten. Bleiben rund 30,3 Millionen US-Dollar aus eigener Kraft, gemessen am Vorjahresumsatz von 1.813,5 Millionen also gut 1,7 Prozent organisches Wachstum.

Dasselbe Bild zeigt der Blick auf die Bereiche: Financial Services legte 2025 um 68,9 Prozent auf 2.301,5 Millionen zu — „hauptsächlich als Ergebnis der Transaktion“, wie der Bericht schreibt. Benefits and Insurance Services, wo kein Zukauf half, wuchs um 2,1 Prozent auf 409,6 Millionen. Das ist die ehrliche organische Geschwindigkeit dieses Hauses. Ein Dienstleister mit 1,7 bis 2 Prozent Wachstum ist kein Drama — aber es ist eben auch kein Wachstumswert, sondern ein solides, langsames Geschäft, das seine Größe zukauft.

Nr. 2: Das Rekordquartal besteht zu einem Viertel aus einer Einmalzahlung

Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 sieht auf den ersten Blick nach einem Durchbruch aus: 2,63 US-Dollar verwässerter Gewinn je Aktie gegenüber 1,91 im Vorjahresquartal, ein Nettogewinn von 161,6 Millionen US-Dollar nach 122,8. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt aber eine Zeile, die es im Vorjahr nicht gab:

Gewinn- und Verlustrechnung von CBIZ für das erste Quartal 2026: markierte Zeile Gain from acquisition related adjustments, net über 57.955 Tausend US-Dollar, daneben Betriebsergebnis 196.449 gegen 200.032 im Vorjahr
„Gain from acquisition related adjustments, net“: 57,955 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026, im Vorjahresquartal null. Zugleich sank das Betriebsergebnis von 200,0 auf 196,4 Millionen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Note 3 des Berichts erklärt, woher das Geld kam: CBIZ hat die Schlussabrechnung des Marcum-Kaufpreises abgeschlossen, am 26. Januar 2026 insgesamt 53,1 Millionen US-Dollar in bar erhalten (46,5 Millionen Arbeitskapital-Ausgleich, 3,5 Millionen erste Rate einer Forderung, 3,1 Millionen aus einem Treuhandkonto) und daraus einen Ertrag von 57,2 Millionen gebucht, dazu 0,8 Millionen aus weiteren Anpassungen. Das ist keine Bilanztrickserei — das ist eine ordentlich gebuchte, einmalige Gutschrift aus dem Kaufvertrag. Aber sie wiederholt sich nicht.

Die aussagekräftigere Zeile steht eine Etage darüber: Das Betriebsergebnis sank von 200,0 auf 196,4 Millionen US-Dollar, obwohl der Umsatz um 1,3 Prozent auf 848,6 Millionen stieg. Rechnet man den Einmalertrag mit der Konzern-Steuerquote dieses Quartals von 28,6 Prozent heraus, bleiben vom Gewinn je Aktie rund 1,96 statt 2,63 US-Dollar — immer noch etwas mehr als die 1,91 des Vorjahres, aber eben kein Durchbruch. Merke: Ein Rekord, den man ohne eine einzelne Zeile nicht mehr wiedererkennt, ist ein Rekord mit Verfallsdatum.

Nr. 3: 6,2 Millionen Aktien kommen erst noch — nach Kalender

Ein Teil des Kaufpreises wurde in eigenen Aktien bezahlt. Die kommen nicht auf einen Schlag, sondern in Monatsraten — und ein Teil davon liegt noch vor uns:

Markierte Fundstelle aus Note 3 des CBIZ-Quartalsberichts: von 13,6 Millionen Aktien Gegenleistung wurden 7,3 Millionen geliefert, die restlichen 6,2 Millionen folgen in 21 Monatsraten ab 1. April 2026
Note 3 des Quartalsberichts: 6,2 Millionen Aktien werden ab dem 1. April 2026 in 21 Monatsraten geliefert. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 3 (Business Combinations), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Pursuant to the terms of the Transaction, with respect to the 13.6 million shares of stock consideration, approximately 7.3 million shares, in aggregate, were delivered from January 2, 2025 to March 31, 2026 to the selling shareholders. The remaining 6.2 million shares will be delivered in 21 monthly installments starting on April 1, 2026.“

Übersetzung: „Nach den Bedingungen der Transaktion wurden von den 13,6 Millionen Aktien der Gegenleistung insgesamt rund 7,3 Millionen Aktien zwischen dem 2. Januar 2025 und dem 31. März 2026 an die verkaufenden Gesellschafter geliefert. Die verbleibenden 6,2 Millionen Aktien werden in 21 monatlichen Raten ab dem 1. April 2026 geliefert.“

— CBIZ, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 3 (Business Combinations)

Zum 27. April 2026 waren 53.648.732 Aktien ausstehend. Die noch ausstehenden 6,2 Millionen entsprechen damit rund 11,6 Prozent — verteilt auf 21 Monate, also grob 295.000 Stück pro Monat bis Ende 2027. Der Geschäftsbericht benennt die Folge selbst: Die Marcum-Partner unterliegen keinen vertraglichen Weiterverkaufs-Beschränkungen mehr, und anhaltende Verkäufe oder allein deren Erwartung könnten den Kurs belasten. Fair ist auch die Gegenrechnung: CBIZ kauft eigene Aktien zurück. 2025 waren es 2,4 Millionen Stück für zusammen 160,0 Millionen US-Dollar, im ersten Quartal 2026 gut 1,1 Millionen für 29,0 Millionen. Am 11. Februar 2026 setzte der Verwaltungsrat den Rahmen wieder auf 5 Millionen Aktien, laufend bis zum 31. März 2027. Für einen Anleger heißt das: Auf der einen Seite kommt jeden Monat neues Papier, auf der anderen kauft die Firma zurück — wer gewinnt, entscheidet sich Quartal für Quartal.

Nr. 4: 96,6 Prozent des Kaufpreises sind Firmenwert und immaterielle Werte

Wenn eine Firma eine andere kauft und mehr bezahlt, als die einzelnen Vermögensgegenstände wert sind, landet der Rest als Firmenwert (Goodwill) in der Bilanz. Alltagsbild: Man kauft eine Bäckerei und zahlt nicht nur für Öfen und Mehl, sondern auch für die Stammkunden — die Öfen kann man anfassen, die Stammkunden nicht.

Bei Marcum ist dieses Verhältnis extrem. Die endgültige Kaufpreisaufteilung im Geschäftsbericht 2025 nennt eine Gesamtgegenleistung von 1.997,8 Millionen US-Dollar. Davon entfallen 1.439,3 Millionen auf den Firmenwert und 490,0 Millionen auf sonstige immaterielle Werte (im Wesentlichen Kundenbeziehungen) — zusammen 96,6 Prozent. Das übernommene Nettovermögen betrug 558,5 Millionen. Für rund zwei Milliarden Dollar hat CBIZ also im Kern eine Mandantenliste und eine Mannschaft gekauft.

Das ist bei einer Beratungsfirma nicht ungewöhnlich — aber es hat eine Konsequenz, die das Unternehmen selbst in den Bericht schreibt. Zum 31. März 2026 stehen 2.856,2 Millionen US-Dollar Firmenwert und immaterielle Werte in einer Bilanzsumme von 4.630,0 Millionen, das sind 61,7 Prozent. Der reine Firmenwert beträgt 2.000,3 Millionen — mehr als das Eigenkapital von 1.894,2 Millionen. Was passiert, wenn die erhofften Vorteile ausbleiben, sagt Note 13:

Markierte Fundstelle aus Note 13 des CBIZ-Quartalsberichts: der beizulegende Zeitwert einzelner Einheiten könnte sinken und zu einer Abschreibung auf den Firmenwert führen, unter anderem bei Ausbleiben der erwarteten Vorteile der Transaktion
Note 13 nennt als Auslöser für eine Firmenwert-Abschreibung ausdrücklich das Ausbleiben der erwarteten Vorteile der Marcum-Transaktion — und ein weiter fallender Börsenwert. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 13 (Goodwill), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Additionally, further declines in our market capitalization may result in the need for impairment assessments in the future, which could result in the recognition of an impairment charge.“

Übersetzung: „Zudem können weitere Rückgänge unseres Börsenwerts künftig Werthaltigkeitsprüfungen erforderlich machen, die zur Erfassung einer Abschreibung führen könnten.“

— CBIZ, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 13 (Goodwill)

Zur Einordnung, ohne Panik: Eine Firmenwert-Abschreibung kostet kein Bargeld und ändert nichts am laufenden Geschäft. Sie würde aber Eigenkapital und ausgewiesenen Gewinn treffen — und damit genau die beiden Größen, an denen Kreditauflagen und Bilanzkennzahlen hängen. Bemerkenswert ist der zweite Satz: Das Unternehmen nennt den eigenen Börsenwert als möglichen Auslöser. Fällt der Kurs, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Prüfung. Das ist die unangenehme Rückkopplung dieser Bilanz.

Nr. 5: Die Zinsen kosten fast so viel wie der ganze Jahresgewinn

Der Zukauf wurde nicht aus der Portokasse bezahlt. Am 1. November 2024 schloss CBIZ einen neuen Kreditvertrag über 2,0 Milliarden US-Dollar ab — ein Darlehen über 1,4 Milliarden und eine Kreditlinie über 600 Millionen, fällig am 1. November 2029. Was das kostet, steht im Geschäftsbericht: Der Zinsaufwand stieg 2025 auf 107,2 Millionen US-Dollar, nach 34,4 Millionen im Jahr 2024. Die durchschnittliche Verschuldung lag bei 1.517,9 Millionen zu 6,56 Prozent, nach 538,6 Millionen zu 6,00 Prozent.

Diese eine Gegenüberstellung sollte man sich merken: 107,2 Millionen US-Dollar Zinsen gegen 115,4 Millionen US-Dollar Nettogewinn. Von jedem Dollar, den das Geschäft nach Steuern übrig lässt, geht fast ein zweiter an die Banken. Zum 31. März 2026 standen 1.551,5 Millionen US-Dollar aus dem Kreditrahmen offen (1.312,5 Millionen Darlehen, 239,0 Millionen Kreditlinie), bei einem Kassenbestand von 28,7 Millionen. Immerhin: Der durchschnittliche Zinssatz sank im ersten Quartal 2026 auf 6,11 Prozent, nach 6,57 Prozent im Vorjahresquartal.

Und der Kreditvertrag stellt Bedingungen:

Markierte Fundstelle aus Note 5 des CBIZ-Quartalsberichts: Nettoverschuldungsquote höchstens 5,00 zu 1,00, stufenweise sinkend auf 3,75, Mindest-Zinsdeckung 3,00 zu 1,00, alle Auflagen zum 31. März 2026 eingehalten
Note 5: Die zulässige Nettoverschuldungsquote sinkt stufenweise von 5,00 auf 3,75; die Mindest-Zinsdeckung beträgt 3,00. Zum 31. März 2026 waren alle Auflagen eingehalten. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 5 (Debt and Financing Arrangements), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Dinge sind hier wichtig — und beide werden häufig falsch gelesen. Erstens: Die zulässige Nettoverschuldungsquote beginnt bei 5,00 und sinkt stufenweise auf 3,75 ab dem siebten Quartal nach dem Abschluss. Die Latte wird also von Jahr zu Jahr höher gelegt, während CBIZ tilgt. Das Unternehmen nennt als eigenes Ziel eine Nettoverschuldung von 2,0 bis 2,5. Zweitens: Der Vertrag verlangt eine Mindest-Zinsdeckung von 3,00 — und laut Bericht wurden zum 31. März 2026 alle Auflagen eingehalten. In unseren Fundamentaldaten steht dagegen eine Zinsdeckung von 2,01 (Datenstand 26. Juli 2026). Das ist kein Widerspruch, sondern eine andere Rechnung: Kreditverträge definieren Ergebnis und Zinsen nach eigenen, meist großzügigeren Regeln. Verlassen sollte man sich auf die Aussage im Bericht — und darauf achten, ob sie im nächsten Quartal wieder dort steht.

Bewertung — was der Markt für diesen Gewinn zahlt

Alle folgenden Größen sind datierte Anker, keine Kaufargumente. Zum Datenstand 26. Juli 2026 führen unsere Daten einen Kurs von 42,60 US-Dollar. Mit den 53.648.732 ausstehenden Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts ergibt das einen Börsenwert von rund 2,29 Milliarden US-Dollar. Rechnet man die noch zu liefernden 6,2 Millionen Aktien hinzu, sind es rund 2,55 Milliarden.

Daraus folgt eine bemerkenswerte Größenordnung: Der Markt bewertet die gesamte Firma mit weniger als einem Jahresumsatz — das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 0,8. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt rund 1,2 (Eigenkapital 1.894,2 Millionen zum 31. März 2026). Gemessen am Gewinn je Aktie von 1,83 US-Dollar aus 2025 ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23.

Der wichtigste Bewertungssatz steht aber woanders: Zum Börsenwert kommen die Schulden. 1.551,5 Millionen US-Dollar Finanzverbindlichkeiten abzüglich 28,7 Millionen Kasse ergeben rund 1,52 Milliarden Nettoschulden — der Unternehmenswert liegt damit bei rund 3,8 Milliarden US-Dollar, also dem 1,4-Fachen des Jahresumsatzes. Wer CBIZ kauft, kauft zu zwei Fünfteln die Bank mit. Merke: Ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis ist bei einer verschuldeten Firma kein Schnäppchen-Beweis, sondern eine halbe Rechnung.

Der Blick der Profis fällt dünn aus: In unseren Daten liegen zum 26. Juli 2026 nur drei Analystenschätzungen vor. Bei einer Firma mit 2,3 Milliarden Börsenwert ist das wenig Aufmerksamkeit — was Chance und Risiko zugleich ist: Wenig Deckung heißt wenig Vorschusslorbeeren, aber auch wenig Korrektiv. Der Piotroski-F-Score, der neun Bilanz- und Ertragsmerkmale abklopft, steht bei 5 von 9 (Datenstand 26. Juli 2026) — das ist Mittelfeld: kein Warnsignal wie ein Wert von 2 oder 3, aber auch kein Qualitätsnachweis wie ein Wert von 8 oder 9.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für CBIZ spricht:

  • Wiederkehrendes, wenig konjunkturabhängiges Geschäft: Buchhaltung, Steuererklärung und Lohnabrechnung müssen auch in schlechten Jahren gemacht werden. Kein einzelner Kunde trägt das Ergebnis.
  • Der Zukauf ist bezahlt und weitgehend abgearbeitet: Die Kaufpreis-Schlussabrechnung ist seit Januar 2026 erledigt, die Integrationskosten sanken von 64,3 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 auf 3,1 Millionen im ersten Quartal 2026.
  • Die Bilanz ist trotz Schuldenlast nicht dünn: 1.894,2 Millionen US-Dollar Eigenkapital in einer Bilanzsumme von 4.630,0 Millionen (31. März 2026) — eine Quote von rund 41 Prozent. Alle Kreditauflagen wurden zum Stichtag eingehalten.
  • Die Bewertung ist bescheiden: rund 0,8-facher Umsatz, rund 1,2-facher Buchwert. Wer glaubt, dass die zugekaufte Mandantenbasis hält, zahlt dafür keinen Aufschlag.
  • CBIZ kauft eigene Aktien zurück — 160,0 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 — und hat den Rahmen im Februar 2026 auf 5 Millionen Aktien zurückgesetzt.

Was dagegen spricht:

  • Organisch wächst das Geschäft kaum: 1,7 Prozent im Jahr 2025, das nicht zugekaufte Versicherungsgeschäft 2,1 Prozent. Ohne Zukäufe ist CBIZ ein sehr langsames Unternehmen.
  • Die Zinslast frisst den Gewinn: 107,2 Millionen US-Dollar Zinsen gegen 115,4 Millionen Nettogewinn im Jahr 2025. Erst wenn die 1,55 Milliarden Schulden sinken, kommt Ergebnis unten an.
  • Die Verwässerung läuft weiter: 6,2 Millionen Aktien, rund 11,6 Prozent der heutigen Aktienzahl, werden bis Ende 2027 monatlich geliefert — an Verkäufer ohne Haltefrist.
  • 61,7 Prozent der Bilanzsumme sind Firmenwert und immaterielle Werte; der Firmenwert allein übersteigt das Eigenkapital. Das Unternehmen nennt den eigenen Börsenwert als möglichen Auslöser einer Abschreibung.
  • Das jüngste Ergebnis ist ohne Einmalertrag deutlich blasser: Das Betriebsergebnis fiel im ersten Quartal 2026 trotz Umsatzplus.
  • Der eigene Bericht führt technologische Umbrüche und künstliche Intelligenz ausdrücklich als Wettbewerbsgefahr auf — bei einem Anbieter, dessen Kerngeschäft aus Buchführung und Steuererklärungen besteht, ist das keine Floskel.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Umsatz-Illusion vom Anfang. Wir sind mit einer Zahl gestartet, die nach Erfolg klingt — plus 73 Prozent Umsatz seit 2023 —, und haben daneben eine zweite gelegt, die nach dem Gegenteil klingt: minus 23 Prozent Gewinn je Aktie. Beide sind richtig. Der Unterschied zwischen ihnen ist die ganze Geschichte dieser Firma: Zwischen dem, was oben hereinkommt, und dem, was unten beim Aktionär ankommt, liegen zwei Milliarden Kaufpreis, 1,55 Milliarden Schulden und 12,6 Millionen zusätzliche Aktien.

Das ist kein Skandal, sondern eine Wette — und CBIZ hat sie nicht heimlich abgeschlossen, sondern öffentlich und nachlesbar. Sie geht auf, wenn die zugekauften Mandanten bleiben, die Integrationskosten wirklich auslaufen und das Unternehmen seine Schulden auf die selbst gesetzten 2,0 bis 2,5 herunterarbeitet. Dann trifft ein deutlich größerer Umsatz auf eine deutlich kleinere Zinsrechnung, und aus 1,83 US-Dollar Gewinn je Aktie kann wieder mehr werden. Sie geht nicht auf, wenn die Mandanten wandern — denn gekauft wurden im Kern nicht Maschinen, sondern Beziehungen.

Was uns an diesem Fall am meisten interessiert, ist die Zeitlichkeit: Fast alles, was die nächsten Quartale entscheidet, hat ein Datum. Die Aktien kommen monatlich bis Ende 2027. Die Covenant-Stufe sinkt nach Kalender. Das nächste Quartal ist das erste ohne Einmalertrag. Ein Anleger muss hier nicht die Zukunft raten — er muss nur nachsehen, ob die Termine gehalten werden. Wir sagen dir nicht, was du damit machst. Wir sagen dir nur, wo du hinsehen musst. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust. Alle Zahlen sind mit ihrem jeweiligen Stichtag angegeben und können sich seit Erscheinen geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in CBIZ, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell & Marktstellung positiv
Buchhaltung, Steuererklärung, Lohnabrechnung und Versicherungsvermittlung für kleine und mittlere US-Unternehmen sind wiederkehrende, wenig konjunkturabhängige Leistungen; kein einzelner Kunde trägt das Ergebnis. Nach der Marcum-Übernahme vom 1. November 2024 setzte CBIZ 2025 mit mehr als 9.500 Beschäftigten 2.758,0 Millionen US-Dollar um, nach 1.104,9 Millionen im Jahr 2021.
Wachstumsqualität negativ
Das Wachstum ist gekauft: Von den 944,5 Millionen US-Dollar Umsatzplus im Jahr 2025 stammten laut Geschäftsbericht 914,2 Millionen aus Zukäufen abzüglich Verkäufen — organisch bleiben rund 1,7 Prozent. Der nicht durch Zukauf gestützte Bereich Benefits and Insurance Services wuchs 2025 um 2,1 Prozent auf 409,6 Millionen.
Ergebnis je Aktie & Verwässerung negativ
Der verwässerte Gewinn je Aktie liegt 2025 mit 1,83 US-Dollar unter den 2,39 aus dem Jahr 2023, obwohl der Umsatz im selben Zeitraum um 73 Prozent stieg. Die verwässerte Aktienzahl kletterte von 50,6 auf 63,2 Millionen. Von 13,6 Millionen Aktien der Kaufpreis-Gegenleistung sind 6,2 Millionen noch offen; sie werden ab dem 1. April 2026 in 21 Monatsraten geliefert — rund 11,6 Prozent der ausstehenden 53.648.732 Aktien (Stand 27. April 2026).
Verschuldung & Zinslast negativ
Der Zinsaufwand stieg 2025 auf 107,2 Millionen US-Dollar (2024: 34,4) und erreicht damit fast den gesamten Nettogewinn von 115,4 Millionen; die durchschnittliche Verschuldung lag bei 1.517,9 Millionen zu 6,56 Prozent. Zum 31. März 2026 standen 1.551,5 Millionen offen bei 28,7 Millionen Kasse. Der Kreditvertrag verlangt eine Nettoverschuldungsquote, die stufenweise von 5,00 auf 3,75 sinkt, sowie eine Mindest-Zinsdeckung von 3,00; zum Stichtag wurden laut Bericht alle Auflagen eingehalten.
Bilanzqualität neutral
Zum 31. März 2026 stehen 1.894,2 Millionen US-Dollar Eigenkapital in einer Bilanzsumme von 4.630,0 Millionen (rund 41 Prozent). Davon sind allerdings 2.856,2 Millionen Firmenwert und immaterielle Werte (61,7 Prozent der Bilanzsumme); der Firmenwert allein übersteigt mit 2.000,3 Millionen das Eigenkapital. Note 13 des Quartalsberichts nennt ausdrücklich das Ausbleiben der erwarteten Übernahme-Vorteile und einen weiter fallenden Börsenwert als mögliche Auslöser einer Abschreibung.
Bewertung & Marktbild neutral
Rund 2,29 Milliarden US-Dollar Börsenwert (53.648.732 Aktien, Kurs 42,60 US-Dollar, Datenstand 26. Juli 2026) entsprechen dem rund 0,8-Fachen des Jahresumsatzes und dem rund 1,2-Fachen des Buchwerts — auf den ersten Blick günstig. Rechnet man die Nettoschulden hinzu, liegt der Unternehmenswert bei rund 3,8 Milliarden und damit beim 1,4-Fachen des Umsatzes. Gemessen am 2025er Gewinn je Aktie ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23. In unseren Daten liegen nur drei Analystenschätzungen vor.

CBIZ ist über Nacht fast doppelt so groß geworden — bezahlt mit rund zwei Milliarden US-Dollar Kaufpreis, 1,55 Milliarden Schulden und 12,6 Millionen zusätzlichen Aktien. Der Umsatz stieg 2025 auf 2.758,0 Millionen, der verwässerte Gewinn je Aktie liegt mit 1,83 US-Dollar trotzdem unter den 2,39 von 2023. Organisch wächst das Geschäft nur um rund 1,7 Prozent, die Zinsen von 107,2 Millionen erreichen fast den ganzen Jahresgewinn von 115,4 Millionen, und 6,2 Millionen Aktien werden bis Ende 2027 monatlich nachgeliefert. Das Rekordquartal zum 31. März 2026 enthält 58,0 Millionen Einmalertrag aus der Kaufpreis-Schlussabrechnung, während das Betriebsergebnis leicht sank. Die Wette ist nachvollziehbar und terminiert: Bleiben die zugekauften Mandanten und sinkt die Zinsrechnung, kommt die neue Größe beim Aktionär an. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft selbst trägt: wiederkehrende Dienstleistungen für den Mittelstand, kein Klumpenrisiko bei den Kunden, 1.894,2 Millionen US-Dollar Eigenkapital und alle Kreditauflagen zum 31. März 2026 eingehalten — ein Substanzbefund im Sinne von Going Concern, negativem Eigenkapital oder Zinsdeckung unter 1 liegt nicht vor. Offen ist die entscheidende operative Frage: Ob sich der Zwei-Milliarden-Zukauf rechnet, ist noch nicht bewiesen. Organisch wächst das Haus nur um rund 1,7 Prozent, der Gewinn je Aktie liegt unter dem Stand von 2023, 107,2 Millionen Zinsen stehen 115,4 Millionen Jahresgewinn gegenüber, 61,7 Prozent der Bilanzsumme sind Firmenwert und immaterielle Werte, und das jüngste Rekordquartal lebt zu einem Viertel von einer einmaligen Gutschrift. Das ist der Lehrbuchfall für Gelb: kein kranker Betrieb, aber ein unbewiesener Umbau. Die Bewertung mit dem rund 0,8-Fachen des Umsatzes ist dabei nicht der Grund für diese Farbe — der Preis bestimmt diese Ampel nicht. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam CBIZ über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“: Platz 17 von 62 US-Treffern, Wende-Check 7 von 8, Stand 25. Juli 2026. Diese Listen werden täglich neu berechnet — Platzierung und Punktestand sind eine datierte Momentaufnahme. Die beiden Pflicht-Säulen sind ein Abstand von mindestens 50 Prozent zum Allzeithoch und ein Altman-Z-Wert von mindestens 1,1 bei positivem Eigenkapital. Säule 2 ist komfortabel erfüllt: Der Altman-Z liegt bei 6,01 (Datenstand 26. Juli 2026). Über den Verbleib entscheidet Säule 1 — der Abstand zum Allzeithoch beträgt 64,78 Prozent gegen eine Schwelle von 50 Prozent; ab einem Kurs von rund 60,50 US-Dollar (Allzeithoch rund 121 US-Dollar, Kurs 42,60 am 26. Juli 2026) verlässt der Titel die Liste, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert haben muss.
  • Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht am 30.04.2026); danach wurden bis zum Datenstand 26.07.2026 nur eine Pflichtmitteilung 8-K vom 15.05.2026 zu den Hauptversammlungsbeschlüssen (Item 5.07), Insider-Meldungen (Form 4) und Schwellenmeldungen eingereicht. Der Bericht für das am 30.06.2026 beendete Quartal lag noch nicht vor. Der Nachtrag 10-K/A vom 02.03.2026 betrifft ausschließlich die Neueinreichung der Vorstands-Zertifikate und enthält keine Korrektur von Zahlen.
  • Kurs- und Bewertungsangaben sind datierte Anker, keine Kaufargumente: Kurs 42,60 US-Dollar und Börsenwert rund 2,29 Milliarden mit Datenstand 26.07.2026, gerechnet mit den 53.648.732 Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (27.04.2026). Alle Bilanz- und Ergebniszahlen tragen den Stichtag ihres jeweiligen Berichts.
  • Zum Datenstand 26.07.2026 läuft kein Übernahme-, Fusions- oder Take-private-Verfahren. Der in den Filings durchgängig verwendete Begriff „the Transaction“ bezeichnet die bereits am 01.11.2024 abgeschlossene Übernahme des Marcum-Geschäfts, nicht ein laufendes Verfahren; entsprechend finden sich weder Formular S-4 oder SC 13E3 noch Formular 25 oder 15.
  • Verwechslungsgefahr: CBIZ, Inc. (CBZ) ist nicht identisch mit CBIZ CPAs, P.C. — das ist die rechtlich eigenständige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, mit der CBIZ über einen Verwaltungsvertrag verbunden ist. Auch Marcum LLP besteht als Rechtsträger fort; übernommen wurde das Nicht-Prüfungsgeschäft. Die frühere Firmierung Century Business Services taucht in alten Unterlagen bis 2006 auf.

Häufige Fragen

CBIZ liefert kleinen und mittleren US-Unternehmen die Verwaltungsarbeit, die sie nicht selbst erledigen wollen: Buchhaltung, Steuererklärung, Lohnabrechnung, Beratung sowie Versicherungs- und Vorsorgelösungen. 2025 entfielen 2.301,5 Millionen US-Dollar Umsatz auf die Financial Services, 409,6 Millionen auf Benefits and Insurance Services und rund 47 Millionen auf National Practices. Zum Jahresende arbeiteten mehr als 9.500 Menschen für das Unternehmen.

Am 1. November 2024 übernahm CBIZ das Nicht-Prüfungsgeschäft von Marcum LLP, einer Beratungs- und Prüfungsgesellschaft aus New York. Die endgültige Gegenleistung betrug 1.997,8 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 1.439,3 Millionen auf den Firmenwert und 490,0 Millionen auf sonstige immaterielle Werte, zusammen 96,6 Prozent; das übernommene Nettovermögen belief sich auf 558,5 Millionen. Ein Teil wurde in eigenen Aktien bezahlt.

Weil gleichzeitig deutlich mehr Aktien im Umlauf sind und die Zinsen stark gestiegen sind. Die verwässerte Aktienzahl kletterte von 50,6 Millionen (2023) auf 63,2 Millionen (2025), der Zinsaufwand von 34,4 (2024) auf 107,2 Millionen US-Dollar. Der verwässerte Gewinn je Aktie fiel deshalb von 2,39 US-Dollar (2023) auf 1,83 (2025), während der Umsatz um 73 Prozent stieg.

Von 13,6 Millionen Aktien der Gegenleistung waren bis zum 31. März 2026 rund 7,3 Millionen geliefert. Die restlichen 6,2 Millionen werden ab dem 1. April 2026 in 21 Monatsraten ausgegeben, also bis Ende 2027. Gemessen an den 53.648.732 ausstehenden Aktien (Stand 27. April 2026) sind das rund 11,6 Prozent zusätzliches Angebot. Die Empfänger unterliegen keiner Haltefrist mehr.

Zum 31. März 2026 standen 1.551,5 Millionen US-Dollar aus dem 2024 abgeschlossenen Kreditrahmen offen: 1.312,5 Millionen Darlehen und 239,0 Millionen aus der Kreditlinie, bei 28,7 Millionen Kasse. Der Rahmen umfasst insgesamt 2,0 Milliarden und ist am 1. November 2029 fällig. Der Vertrag verlangt eine Nettoverschuldungsquote, die stufenweise von 5,00 auf 3,75 sinkt, und eine Mindest-Zinsdeckung von 3,00; zum Stichtag wurden alle Auflagen eingehalten.

Weil beide Pflicht-Kriterien am 25. Juli 2026 erfüllt waren: mindestens 50 Prozent Abstand zum Allzeithoch und ein Altman-Z-Wert über 1,1 bei positivem Eigenkapital. CBIZ stand an diesem Tag auf Platz 17 von 62 US-Treffern mit 7 von 8 Punkten im Wende-Check. Beim Überleben ist reichlich Luft: Der Altman-Z liegt bei 6,01 (Datenstand 26. Juli 2026). Enger ist der Absturz — 64,8 Prozent unter dem Allzeithoch gegen mindestens 50 Prozent Pflicht: Erholt sich der Kurs von 42,60 auf rund 60,50 US-Dollar, fällt CBIZ aus der Liste. Die Listen werden täglich neu berechnet, die Platzierung ist eine Momentaufnahme.

US-Unabhängigkeitsregeln und die Berufsgesetze der Bundesstaaten verbieten es einer börsennotierten Gesellschaft, selbst Abschlussprüfungen durchzuführen. CBIZ arbeitet deshalb über Verwaltungsverträge mit unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusammen; zum 31. Dezember 2025 waren es vier. Die bekannteste ist CBIZ CPAs, P.C. mit 421 Gesellschaftern. Die meisten Gesellschafter dieser Firmen sind zugleich Angestellte von CBIZ.

Wegen der Steuersaison. Der Geschäftsbericht schreibt selbst, dass der größte Teil des Jahresgewinns im ersten Halbjahr anfällt, weil in den ersten vier Monaten das meiste Arbeitsvolumen liegt. Deshalb ist das erste Quartal mit Abstand das stärkste — 848,6 Millionen US-Dollar Umsatz im ersten Quartal 2026 — und das vierte regelmäßig schwach. Ein einzelnes Quartal auf das Jahr hochzurechnen führt bei CBIZ garantiert zu falschen Ergebnissen.

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