Gorilla Technology: Ein Kunde bringt 77 Prozent des Umsatzes — und die Rechnung steht in einer Währung, die fällt
Gorilla Technology verkauft Edge-KI, Videoanalyse und Smart-City-Systeme, und der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2025 um 35,7 Prozent auf 101,4 Millionen US-Dollar. Wir haben den Jahresbericht gelesen, den das Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat — und das Wachstum hat genau eine Adresse: 77,5 Millionen davon kamen von einem einzigen ägyptischen Staatskunden, abgerechnet in einer Währung, die binnen eines Jahres 11,5 Prozent gegen den Dollar verlor. Die Rohmarge hat sich seit 2023 halbiert, drei Jahre in Folge floss Geld aus dem Geschäft ab, und seit Juni 2026 stehen 232 Millionen Dollar Wandelanleihen in den Büchern. Keine Anlageberatung — nur die Frage, ob eine gebuchte Zahl schon Geld ist.
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Wer schon einmal eine Rechnung geschrieben hat, kennt diesen kleinen, verräterischen Moment: Die Arbeit ist getan, die Zahl steht auf dem Papier, und für einen Herzschlag fühlt sie sich an wie Geld. Ist sie nicht. Sie ist ein Versprechen — und der Abstand zwischen beidem misst sich in Wochen, manchmal in Anwälten, gelegentlich in gar nichts. Selbständige lernen das auf die harte Tour. Anleger vergessen es jedes Mal aufs Neue, sobald das Wort Umsatz fällt, denn in einer Pressemitteilung sieht Umsatz genau aus wie Geld: dasselbe Währungszeichen, dieselben selbstbewussten Ziffern. Nennen wir es die „Gebucht-ist-bezahlt“-Falle. Kaum eine Aktie im Sommer 2026 ist ein besseres Übungsstück dafür als Gorilla Technology Group (Nasdaq: GRRR): eine Firma, die Edge-KI, Videoanalyse und Smart-City-Systeme verkauft, deren Umsatz im Geschäftsjahr 2025 um 35,7 Prozent auf 101,4 Millionen Dollar stieg — und aus deren Geschäft drei Jahre lang Geld abfloss statt hinein.
Also machen wir einen Deal: Wir lassen die KI-Adjektive weg und lesen gemeinsam, was Gorilla selbst der US-Börsenaufsicht SEC berichtet hat — unter Strafandrohung, also ehrlich. Und weil Gorilla dort als Foreign Private Issuer registriert ist — eine Gesellschaft nach dem Recht der Cayman Islands mit Sitz in London —, heissen die Dokumente hier nicht 10-K und 10-Q, sondern 20-F (der Jahresbericht ausländischer Emittenten, für 2025 eingereicht am 15. April 2026) und 6-K (Zwischenbericht). Gleiche Strafandrohung, andere Formulare, lockerer Takt: Quartalszahlen kommen als freiwillige Anlage, nicht als geprüfte Pflicht. Am Ende bekommst du die Befunde — kein Urteil an deiner Stelle.
Was in dieser Analyse steht
- Was Gorilla wirklich macht — das KI-Etikett und das Netz dahinter
- Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Was nach dem Jahresbericht passiert ist
- Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Kunde ist 77 Prozent der Firma
- Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Rechnung steht in einer fallenden Währung
- Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Gebucht ist nicht bezahlt
- Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Aktienzahl — nach der Zusammenlegung
- Unbequeme Wahrheit Nr. 5: 232 Millionen Dollar mit eingebauter Rutschbahn
- Was die Aktie kostet
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Gorilla wirklich macht — das KI-Etikett und das Netz dahinter
Gorilla beschreibt sich in einer Sprache, die keinen Zweifel daran lässt, zu welchem Jahrzehnt die Firma gehören möchte. Aus dem Jahresbericht: Man liefere „AI-driven solutions that power Smart Cities, Enterprises, Government, Manufacturing, Telecommunications, Retail, Transportation, Logistics, Healthcare, and Education“ — KI-gestützte Lösungen für Smart Cities, Unternehmen, Behörden, Fertigung, Telekommunikation, Handel, Transport, Logistik, Gesundheitswesen und Bildung. Und die „Edge AI-driven solutions“ verarbeiteten Daten direkt am Rand des Netzes.
Edge-KI, in Alltagssprache übersetzt: Statt jedes Kamerabild in ein weit entferntes Rechenzentrum zu schicken, findet die Auswertung in einem Kasten direkt neben der Kamera statt — schneller, sparsamer bei der Leitung, und das heikle Videomaterial verlässt das Gebäude nie. Gorilla macht das seit 2001, angefangen mit Videoanalyse in Taiwan, weiter über Kennzeichenerkennung, Gesichtserkennung und Cybersicherheit. Das Wort „AI“ steht über 300 Mal im Jahresbericht. So viel zum Etikett. Jetzt zum Inhalt.
Gorilla berichtet in zwei Segmenten, und die Aufteilung ist nicht knapp. Security Convergence — Netze für Regierungen bauen und absichern — brachte im Geschäftsjahr 2025 97,8 der 101,4 Millionen Dollar: 96,5 Prozent. Video IoT, das KI-Videoanalyse-Geschäft, auf dem die Börsenerzählung ruht, steuerte 3,5 Millionen bei: 3,5 Prozent. Und fast das gesamte Geld aus Security Convergence geht auf ein einziges Dokument zurück, unterzeichnet am 26. Juni 2023:
Der Ägypten-Vertrag ist ein Festpreisvertrag mit der Regierung der Arabischen Republik Ägypten über den Bau eines „secure governmental air-gapped network“ — eines Behördennetzes, das bewusst physisch vom öffentlichen Internet getrennt bleibt, so wie ein Banktresor vom Schalterraum getrennt ist. Gorilla kauft einen Grossteil der Hardware und Software bei zugelassenen Dritten ein, integriert und installiert sie und gibt zwölf Monate Gewährleistung. Die eigene Leistung ist durch eine Bankgarantie über rund 4 Prozent des Vertragspreises abgesichert, ungefähr 309 Millionen ägyptische Pfund. Streitfälle gehen in ein Schiedsverfahren, und ein Satz lohnt langsames Lesen: „The Egypt Contract is governed by Egyptian law“ — der Vertrag unterliegt ägyptischem Recht.
Damit sind wir beim zentralen Spannungsfeld dieser Analyse, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Gorilla wird als KI-Firma bewertet und besprochen, verdient sein Geld aber als Systemintegrator für einen Staatskunden — in einer Währung, die fällt, auf Rechnungen, die lange offen bleiben. Das ist kein Vorwurf; jeder Teil davon stammt aus dem eigenen Bericht der Firma. Es ist nur ein anderes Geschäft, als das Etikett vermuten lässt. Firmen, deren Erzählung und deren Zahlen in verschiedenen Ländern wohnen, sind hier ein wiederkehrendes Thema — eine ganz ähnliche Lücke haben wir bei der ebenfalls per SPAC gelisteten Lotus Technology auseinandergenommen, wo ein legendäres Markenzeichen die Bilanz überstrahlte.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Ehrlichkeit zuerst: Diese Aktie kam nicht über einen Qualitäts- oder Momentumfilter zu uns, sondern über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner, der täglich auswertet, welche kleinen Werte in den US-Börsenforen plötzlich Gesprächsthema sind (Datenbasis ApeWisdom). Am 16. Juli 2026 zählte er 6 Erwähnungen innerhalb von 24 Stunden — kaum ein Raunen, und genau die Tonlage, in der Foren gern „die KI-Nebenwerte-Aktie, die noch keiner kennt“ herumreichen.
Eine eigene Zeile in unserem Firmenuniversum hat Gorilla Technology erst seit dem 27. Juli 2026 — sie ist mit dieser Analyse entstanden. Inzwischen hat der Scanner sie durchgerechnet, und der erste Befund ist ernüchternd (Datenstand 27. Juli 2026, Kursbasis Schlusskurs vom 24. Juli 2026): eine Fundamental-Note C bei einem Rating von 51 von 100 auf unserer Skala — Mittelfeld, weder Auszeichnung noch Warnung. Ein Piotroski-Punktestand von 3 von 9: Dieser Test prüft neun Merkmale der Bücher darauf, ob sie sich verbessern oder verschlechtern; kerngesunde Firmen stehen bei 8 oder 9, bei 3 zeigen mehr Merkmale nach unten als nach oben. Und ein Altman-Z von 3,03: Wir führen die Buchwert-Variante Z″, deren Alarmgrenze historisch bei 1,1 liegt und die ab 2,6 als unbedenklich gilt. Gorilla steht damit im sicheren Bereich — aber mit knappem Abstand zur Grenze, und das bei einer Firma, deren Erzählung über KI-Rechenzentren nach deutlich mehr Polster klingt.
Drei Ranglisten fehlen noch — relative Stärke, die Stufe nach Stan Weinstein und das EPS-Rating. Dafür ist unsere Kursreihe zu dieser Aktie schlicht zu kurz; sie ist einen Tag alt. Und die einzige Kennzahlen-Liste, die GRRR überhaupt trifft, ist ausgerechnet »Unter 50- & 200-SMA«: eine Abwärtstrend-Liste, keine Qualitäts- und keine Momentumliste. Übersetzt heisst das, der Kurs steht unter beiden langfristigen Durchschnittslinien — was zum Kursverlauf passt, den wir im Bewertungskapitel gleich in Zahlen sehen. Dass die Aktie zusätzlich in unseren Hilfslisten „Reddit Hot Stocks“ und „Beifang“ auftaucht, zählen wir nicht als eigenen Befund: Beide sind aus genau dieser Recherche entstanden. Alle diese Listen werden jede Nacht neu berechnet und liegen offen im hauseigenen Aktien-Scanner; was hier steht, ist eine datierte Momentaufnahme und kein Dauerzustand. Am Kern der Arbeit ändert das nichts: Eine Firma mit einem Tag Datenhistorie beurteilt man nicht über Ranglisten, sondern über ihre Originaldokumente. Umso mehr Grund, sie wirklich zu lesen. Für die Analystenseite gilt übrigens dasselbe, wie wir noch sehen werden: Zwei Analysten sind kein Konsens, sondern ein Duett.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, denn es ist echt. Der Umsatz stieg von 64,7 Millionen Dollar (2023) über 74,7 Millionen (2024) auf 101,4 Millionen (2025) — plus 35,7 Prozent im letzten Jahr und plus 57 Prozent in zwei Jahren. Bei 200 Beschäftigten (Stand 31. Dezember 2025) sind das rund eine halbe Million Dollar Umsatz pro Kopf. Die Bilanz sieht nicht nach Notlage aus: Bilanzsumme 271,9 Millionen gegen Schulden von 75,8 Millionen, Eigenkapital 196,1 Millionen, Kasse 99,5 Millionen und Finanzschulden von nur 13,8 Millionen zum Jahresende 2025. Einen Fortführungsvorbehalt — den Hinweis des Prüfers, dass er am Fortbestand zweifelt — enthält dieser Jahresbericht nicht; wir haben nachgesehen. Management und Prüfer hielten die Offenlegungskontrollen zum 31. Dezember 2025 für wirksam. Wer eine Firma am Abgrund erwartet, findet sie hier nicht.
Jetzt drehen wir die Rechnung um. Das Erste, was nicht passt, ist die Marge:
Lies die beiden Balkenreihen zusammen, denn einzeln ist jede harmlos und gemeinsam sind sie die ganze Firma. Die Rohmarge — von je 100 Dollar Umsatz das, was nach den direkten Kosten der Leistung übrig bleibt — fiel von 69,1 Prozent (2023) über 50,0 Prozent (2024) auf 33,4 Prozent (2025). Das ist kein Rundungsdrift; es bedeutet, dass der Rohertrag in absoluten Dollar geschrumpft ist, von 44,7 auf 33,9 Millionen, während der Umsatz um mehr als ein Drittel stieg. Gorilla ist gewachsen, indem es etwas strukturell Billigeres verkauft hat als früher.
Die Kostenaufstellung sagt, was: Die beiden grössten Aufwandsarten 2025 waren zugekaufte Hardware (Veränderung des Fertigwarenbestands, 33,7 Millionen nach 18,6 Millionen) und Fremdleistungen (29,5 Millionen nach 14,2 Millionen) — zusammen 63,2 Millionen, gegen 16,9 Millionen Personalaufwand und magere 3,1 Millionen für Forschung und Entwicklung. Merk dir das Verhältnis: Gorilla gibt fast zehnmal mehr für zugekaufte Hardware und fremde Arbeitskraft aus als für die Entwicklung eigener Technik. Aus einer Softwarefirma mit 69 Prozent Marge ist ein Integrator mit 33 Prozent geworden, der die Kisten anderer Leute weiterverkauft — daraus besteht das Wachstum.
Der Rest der Erfolgsrechnung folgt daraus. Das Geschäftsjahr 2023 war profitabel: 13,5 Millionen Nettogewinn (1,92 Dollar je Aktie). Dann kam 2024 mit einem Nettoverlust von 64,8 Millionen (minus 6,13 Dollar je Aktie) — grösstenteils eine zahlungsunwirksame Neubewertung eigener Optionsscheine und Vorzugsaktien über 59,5 Millionen — und 2025 mit einem Betriebsverlust von 13,7 Millionen und einem Nettoverlust von 11,3 Millionen (minus 0,51 Dollar je Aktie). Ein Hinweis zu einer Abweichung, die dir anderswo begegnen kann: Wer die 21,0 Millionen Währungsverluste unter die Betriebsebene schiebt — wie es manche Datendienste tun —, kommt rechnerisch auf ein positives Betriebsergebnis von rund 7,4 Millionen. Die eigene Erfolgsrechnung der Firma tut das nicht: Sie bucht die Währungsverluste in die Betriebsaufwendungen und weist „Operating income (loss) (13,668,487)“ aus. Wir folgen dem Bericht.
Was nach dem Jahresbericht passiert ist
Zwischen dem Jahresbericht vom 15. April 2026 und dem Ende des Julis ist bei Gorilla mehr passiert als in manchem ganzen Geschäftsjahr. Vier Dinge sind für eine ehrliche Einschätzung unverzichtbar.
Erstens: Der Abschlussprüfer wurde ausgetauscht. Am 30. April 2026 — zwei Wochen nach Einreichung des Jahresberichts — bestellte Gorilla UHY LLP zum Abschlussprüfer und entliess Marcum Asia CPAs LLP mit sofortiger Wirkung. Marcum Asia hatte die Abschlüsse 2024 und 2025 geprüft, seit dem 31. Januar 2024. Der Bericht dazu ist unauffällig: keine eingeschränkte Prüfungsmeinung, keine Meinungsverschiedenheiten über Bilanzierungsfragen, keine sonstigen meldepflichtigen Vorgänge. Wichtig für dich als Leser ist nur: Wer heute über „den Prüfer von Gorilla“ liest, muss das Datum mitlesen — die Zahlen für 2025 stammen von Marcum Asia, alles ab 2026 kommt von UHY.
Zweitens: Es gibt Zahlen für das erste Quartal 2026 — als freiwillige Anlage zu einem Zwischenbericht (6-K) vom 27. Mai 2026, ausdrücklich ungeprüft und nicht prüferisch durchgesehen. Sie sind zwiespältig. Der Umsatz stieg um 54,6 Prozent auf 28,2 Millionen Dollar. Die Rohmarge fiel weiter, auf 21,1 Prozent (Vorjahresquartal: 35,1 Prozent). Der Betriebsverlust sprang auf 41,1 Millionen Dollar, der Nettoverlust auf 37,0 Millionen (minus 1,42 Dollar je Aktie). Zwei Posten tragen das fast allein:
Die gute Nachricht desselben Quartals: Der Mittelfluss aus dem Geschäft drehte erstmals ins Plus, auf +6,6 Millionen Dollar nach minus 10,7 Millionen im Vorjahresquartal. Wie belastbar dieses Plus ist, sehen wir uns in Wahrheit Nr. 3 genauer an. Und selbst das von der Firma bevorzugte bereinigte EBITDA rutschte im Quartal auf minus 8,3 Millionen, nach plus 5,2 Millionen ein Jahr zuvor.
Drittens: Gorilla schwenkt ins Rechenzentrumsgeschäft — und finanziert es mit Wandelanleihen. Am 5. Juni 2026 platzierte die Firma 107,0 Millionen Dollar Wandelanleihen mit 7,50 Prozent Zins, fällig 2031; Nettoerlös rund 102,4 Millionen, ausdrücklich für den Eigenkapitalanteil an Rechenzentrums-Ausrüstung für das zweite Projekt mit Yotta Data Services. Am 17. Juli 2026 folgten weitere 125,0 Millionen Dollar als Serie B zu denselben Konditionen; Nettoerlös rund 120,1 Millionen, diesmal für Vorauszahlungen auf zugesagte Rechenzentrumskapazität und Ausrüstung des Projekts „NeutraDC Batam“ in Indonesien. Dazu kommen die Ankündigungen aus der Quartalsmeldung: ein 200-Megawatt-Campus in Korat (Thailand), erste Rate auf das Grundstück bezahlt, und die Absicht, bis Ende 2028 rund 500 Megawatt Kapazität aufzubauen.
Viertens: Die Prognose wurde angehoben. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Gorilla nun 160 bis 200 Millionen Dollar Umsatz — nach 101,4 Millionen im Vorjahr. Das ist die Zahl, an der sich das Unternehmen in den nächsten Berichten messen lassen muss.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Kunde ist 77 Prozent der Firma
Stell dir einen Bäcker vor, dessen Laden immer voller wird — und dann erfährst du, dass drei von vier Brötchen an einen einzigen Abnehmer gehen, der zufällig eine ausländische Regierung ist. Das ist Gorilla, und der Jahresbericht sagt es so schlicht, wie es geht:
„Gorilla derives and expects to continue to derive a significant portion of its revenues from a select group of key clients, including government entities such as the Government of the Arab Republic of Egypt (“GoE”), the Criminal Investigation Bureau of Taiwan, Taoyuan Airport and private companies such as Freyr Technology AI Pte. Ltd. (“Freyr”). Reliance on a concentrated client base poses risks of fluctuations in demand, which may have a material adverse effect on our business, results of operations, financial condition and cash flows.“
Übersetzung: „Gorilla erzielt einen wesentlichen Teil seiner Umsätze aus einer ausgewählten Gruppe von Schlüsselkunden und erwartet, dies weiterhin zu tun — darunter staatliche Stellen wie die Regierung der Arabischen Republik Ägypten, das Criminal Investigation Bureau of Taiwan, der Flughafen Taoyuan sowie private Unternehmen wie Freyr Technology AI Pte. Ltd. Die Abhängigkeit von einer konzentrierten Kundenbasis birgt das Risiko schwankender Nachfrage, was sich wesentlich nachteilig auf unser Geschäft, unsere Ertragslage, unsere Finanzlage und unsere Zahlungsströme auswirken kann.“
— Gorilla Technology Group Inc., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Punkt 3.D „Risk Factors“
„Ein wesentlicher Teil“ ist die Sprache des Risikokapitels. Der Segmentanhang nennt die Zahl, und die ist grösser, als die Formulierung vermuten lässt:
77.527.614 von 101.360.657 Dollar — 76,5 Prozent von einem Kunden. Und das ist nicht neu: Derselbe Kunde stand 2024 für 79,1 Prozent (59,1 Millionen) und 2023 für 80,8 Prozent (52,3 Millionen) des Umsatzes. Zugleich fiel „Customer C“ in Taiwan, 2024 noch 11,0 Millionen wert, 2025 auf null — das übrige Geschäft wächst also nicht in die Lücke hinein, es schrumpft aus ihr heraus.
Zwei weitere Fakten gehören daneben. Erstens hält der Jahresbericht fest, dass zum 31. Dezember 2025 und 2024 jeweils ein Kunde für mehr als 10 Prozent der gesamten Forderungen stand — die Konzentration steckt also nicht nur im Umsatz, sondern auch im noch ausstehenden Geld. Zweitens, und für jeden wichtig, der die kommenden Jahre modelliert: Der Vertrag hat ein Ende. Der Auftragsbestand — was die Firma als noch nicht erfüllten Anteil am Vertragspreis ausweist — fiel binnen eines Jahres von 170,9 auf 101,3 Millionen Dollar, ein Rückgang um fast 41 Prozent, und das Management erwartet, den Rest „von 2026 bis 2027“ als Umsatz zu erfassen. Merk dir die Rechnung: Gorilla baut keinen Kundenstamm auf, es arbeitet einen Vertrag ab — und davon ist noch gut anderthalb Jahre übrig.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Rechnung steht in einer fallenden Währung
Jetzt das Detail, das aus einem Klumpenrisiko etwas sehr Konkretes macht. Der Ägypten-Vertrag lautet nicht auf Dollar. Er berechtigt Gorilla zu „approximately EGP 8.4 billion“ — rund 8,4 Milliarden ägyptische Pfund — über vier Jahre. Gorilla bilanziert in US-Dollar. Alles, was der Firma in Pfund geschuldet wird, muss deshalb an jedem Bilanzstichtag umgerechnet werden, und wenn das Pfund zwischenzeitlich nachgegeben hat, wandert der Verlust direkt in die Erfolgsrechnung. Genau das ist zweimal passiert, und zwar heftig:
„Foreign currency exchange losses, net primarily relate to devaluation losses recognized on the remeasurement of monetary assets denominated in the Egyptian pound due to depreciation of the Egyptian pound against the U.S. dollar. The average exchange rate of the U.S. dollar against the Egyptian pound increased from 44.18 during fiscal year 2024 to 49.28 during fiscal year 2025, representing a depreciation of 11.5% against the U.S dollar.“
Übersetzung: „Die Währungsverluste, netto, betreffen im Wesentlichen Abwertungsverluste aus der Neubewertung monetärer Vermögenswerte, die auf ägyptische Pfund lauten, infolge der Abwertung des ägyptischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar. Der durchschnittliche Wechselkurs des US-Dollars zum ägyptischen Pfund stieg von 44,18 im Geschäftsjahr 2024 auf 49,28 im Geschäftsjahr 2025, was einer Abwertung um 11,5 % gegenüber dem US-Dollar entspricht.“
— Gorilla Technology Group Inc., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Punkt 5.A „Operating Results“
Der Preis dieses Satzes: 21,0 Millionen Dollar Währungsverluste im Jahr 2025, nach 27,8 Millionen im Jahr 2024 — gegen einen Rohertrag von 33,9 Millionen im Jahr 2025. Anders gesagt: Die Währung hat etwa sechs von zehn Dollar Rohertrag aufgefressen. Und das meiste davon ist noch nicht einmal realisiert: Die Kapitalflussrechnung rechnet für 2025 20,2 Millionen nicht realisierte Währungsverluste wieder heraus (2024: 22,4 Millionen). Das heisst, der Verlust sitzt auf Forderungen und noch nicht abgerechneter Arbeit, die überhaupt nie in Dollar getauscht wurden. Der Umsatzanhang sagt dasselbe von der anderen Seite: Vertragsvermögenswerte seien unter anderem „durch Währungsverluste infolge der Abwertung des ägyptischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar“ vermindert worden. Die Rechnung schrumpft, während sie wartet.
Und hier wird es zu einer Frage danach, wie dir das Geschäft gezeigt wird. Gorilla weist für 2025 ein bereinigtes EBITDA von 19,1 Millionen Dollar und ein bereinigtes Nettoergebnis von 19,9 Millionen aus (0,88 Dollar bereinigt je verwässerter Aktie) — gegen einen IFRS-Nettoverlust von 11,3 Millionen und minus 0,51 Dollar je Aktie. Die mit Abstand grösste Brücke zwischen diesen beiden Welten heisst „Exchange loss from currency devaluation“: 25,7 Millionen wieder hinzugerechnet im Jahr 2025, 25,3 Millionen im Jahr 2024. Bereinigte Zahlen haben ihren Sinn, und schwankende Währungseffekte auszuklammern ist bei vielen Firmen vertretbar. Bei dieser Firma ist die Währung aber kein Rauschen um das Geschäft herum — die Währung ist ein Baustein des einzigen Vertrags, der zählt, und sie hat in zwei Jahren über 48 Millionen Dollar gekostet. Merk dir den Mechanismus: Eine Bereinigung, die dein grösstes wiederkehrendes Risiko entfernt, macht es nicht kleiner — sie macht es nur auf dieser einen Folie unsichtbar.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Gebucht ist nicht bezahlt
Hier hört die „Gebucht-ist-bezahlt“-Falle auf, ein Bild zu sein. Jeder Dollar Umsatz des Jahres 2025 wurde zeitraumbezogen erfasst — kein einziger Cent zu einem Zeitpunkt. In Alltagssprache: Die Firma bucht Umsatz nach Baufortschritt, auf Basis der Einschätzung des Managements, wie weit die Arbeit gediehen ist — lange bevor eine Rechnung gestellt wird und noch viel länger, bevor jemand zahlt. Der Jahresbericht beschreibt die Mechanik offen: Erst wird die Leistungsverpflichtung erfüllt, dann entsteht ein Vertragsvermögenswert, dann wird zu „billing milestones“ fakturiert, dann wird daraus eine Forderung, und dann — hoffentlich — kommt Geld.
Verfolgt man diese Kette bis in die Bilanz zum 31. Dezember 2025, findet man 54,1 Millionen Dollar Forderungen plus 57,9 Millionen Dollar nicht abgerechnete Vertragsvermögenswerte: zusammen 112,0 Millionen, mehr als ein ganzer Jahresumsatz, noch nicht eingegangen. Ein Jahr zuvor standen dieselben zwei Zeilen bei 25,7 und 34,3 Millionen. (Vor Abzug der Wertberichtigung lauten die Forderungen auf 55,1 Millionen.)
Die Kapitalflussrechnung macht die Folge eindeutig — und die Firma selbst auch:
„Gorilla has generated negative operating cash flows and has supplemented working capital through proceeds from a registered direct offering completed in July 2025 and the exercise of private warrants during fiscal year 2025.“
Übersetzung: „Gorilla hat negative operative Zahlungsströme erwirtschaftet und das Betriebskapital durch Erlöse aus einer im Juli 2025 abgeschlossenen registrierten Direktplatzierung sowie durch die Ausübung privater Optionsscheine im Geschäftsjahr 2025 ergänzt.“
— Gorilla Technology Group Inc., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Punkt 5.B „Liquidity and Capital Resources“
Der Mittelabfluss aus dem Geschäft: minus 28,7 Millionen (2025), minus 29,7 Millionen (2024), minus 9,4 Millionen (2023) — zusammen rund 67,8 Millionen Dollar, die in drei Jahren aus dem Haus gingen, in denen die Erfolgsrechnung 240,7 Millionen Umsatz auswies. Die 99,5 Millionen Kasse, die die Bilanz so komfortabel aussehen lassen, kamen nicht aus dem Geschäft: Aus Finanzierungstätigkeit flossen allein 2025 101,2 Millionen zu.
Fairness verlangt die Gegenseite. Die Forderungen sind nicht offensichtlich faul: Gorillas eigene Alterstabelle zeigt zum Jahresende 2025 26,5 der 55,1 Millionen als überhaupt nicht fällig, nichts über 365 Tage überfällig und eine Wertberichtigung von nur 0,9 Millionen. Das ist eine echte Verbesserung — ein Jahr zuvor standen in derselben Tabelle noch 7,4 Millionen im Feld „über 365 Tage überfällig“ bei einer erwarteten Ausfallquote von 100 Prozent, und sie wurden vollständig abgeschrieben. Man kann es auch andersherum lesen: Die Firma hat eine Forderung an einen Staat schon einmal abschreiben müssen.
Und dann kam das erste Quartal 2026 — mit einer Schlagzeile, die genau das Gegenteil behauptet. „Gorilla Technology Converts Growth Into Cash“, so überschreibt die Firma ihre Quartalsmeldung, und tatsächlich: +6,6 Millionen Dollar Mittelzufluss aus dem Geschäft, nach minus 10,7 Millionen im Vorjahresquartal. Forderungen und Vertragsvermögenswerte sanken von 112,0 auf 90,1 Millionen. Klingt nach Durchbruch. Rechnet man die Kapitalflussrechnung nach, wird es leiser: Vom Rückgang um 21,9 Millionen taucht dort nur ein Zufluss von 4,2 Millionen auf — zugleich werden 20,1 Millionen nicht realisierte Währungsverluste wieder herausgerechnet. Der grösste Teil des Forderungsabbaus ist also kein Zahlungseingang, sondern eine Abwertung: Das ägyptische Pfund hat die offenen Rechnungen kleiner gerechnet. Passend dazu fiel der Kassenbestand im Quartal leicht, von 99,5 auf 98,4 Millionen. Merk dir den Unterschied, der dieses ganze Kapitel trägt: Umsatz ist eine Meinung über geleistete Arbeit; Geld ist eine Tatsache über eingegangene Zahlungen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Aktienzahl — nach der Zusammenlegung
Wenn sich ein Geschäft nicht selbst finanziert, muss es jemand anderes tun, und bei Gorilla ist dieser Jemand der Aktionär. Der Anhang zum Eigenkapital zeichnet es genau nach. Die Zahl der ausstehenden Aktien lag am 1. Januar 2024 bei 7.565.099, am 31. Dezember 2024 bei 18.058.135 und am 31. Dezember 2025 bei 26.188.972 — ein Anstieg um 246 Prozent in zwei Jahren. Der Sprung 2024 kam aus der Wandlung von Vorzugsaktien (7.032.012 Stück) und der Ausübung von Optionsscheinen (2.218.750); der Sprung 2025 überwiegend erneut aus Optionsscheinen (6.019.162) plus 2.529.946 gegen Bargeld verkaufte Aktien. Zum 1. Juni 2026 waren es laut Prospekt-Nachtrag 27.757.474.
Und hier das Detail, das die Zahl schlimmer macht statt besser: All diese Werte sind bereits bereinigt um eine Zusammenlegung im Verhältnis 10 zu 1 — einen sogenannten Reverse Split —, die am 15. April 2024 wirksam wurde. Eine Zusammenlegung existiert, um die Aktienzahl zu senken. Gorilla hat eine durchgeführt, und die Zahl hat sich danach trotzdem mehr als verdreifacht. Verwässerung heisst im Klartext: dein Stück vom Kuchen wird kleiner, ohne dass jemand dich fragt.
Der Motor läuft weiter. Zwischen dem 31. Dezember 2025 und dem 1. Juni 2026 entstanden allein aus der Einlösung von Restricted Stock Units — Aktienzusagen an Mitarbeiter — 1.823.581 neue Aktien, dazu 2.650 aus Optionen; gegengerechnet wurden 257.729 zurückgekaufte Stücke. Was diese Zusagen kosten, zeigt der Zwischenbericht: 20,9 Millionen Dollar Aktienvergütung in einem einzigen Quartal, nach 216 Dollar im Vorjahresquartal und 4,8 Millionen im gesamten Geschäftsjahr 2025. Am 13. Juli 2026 wurde eine weitere Tranche fällig; fünf Insider-Meldungen (Form 4) vom 15. Juli 2026 zeigen 119.178 Aktien für Vorstandschef Jayesh Chandan und je rund 11.000 bis 14.300 für vier Verwaltungsratsmitglieder — kein Verkauf, nur Zuteilung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: 232 Millionen Dollar mit eingebauter Rutschbahn
Im Sommer 2026 hat Gorilla zweimal Geld aufgenommen, und zwar in einer Form, die für Aktionäre besondere Aufmerksamkeit verdient. Am 5. Juni 2026 platzierte die Firma 107,0 Millionen Dollar Wandelanleihen mit 7,50 Prozent Zins, fällig am 15. Juni 2031. Am 17. Juli 2026 folgten 125,0 Millionen Dollar als Serie B, gleiche Ausstattung. Zusammen sind das 232,0 Millionen Dollar — und rund 17,4 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr auf ein Geschäft, dessen Rohertrag 2025 bei 33,9 Millionen lag.
Eine Wandelanleihe ist ein Kredit mit eingebautem Umtauschrecht: Der Gläubiger kann sie in Aktien tauschen, wenn ihm das lieber ist als Geld. Der Umtauschpreis liegt anfangs bei rund 25,4826 Dollar je Aktie — zum Zeitpunkt der zweiten Platzierung ein Aufschlag von 52 Prozent auf den Schlusskurs von 16,77 Dollar am 14. Juli 2026. Bei diesem Preis entstünden aus beiden Anleihen zusammen rund 9,1 Millionen neue Aktien, gut ein Drittel der heutigen Anzahl. Das ist die freundliche Variante. Die unfreundliche steht direkt daneben:
Beide Anleihen enthalten eine Rücksetz-Automatik nach unten: An festgelegten Stichtagen — der erste ist der 15. März 2027 — wird der Wandlungspreis gesenkt, wenn der Aktienkurs darunter liegt. Für die Juni-Anleihe reicht diese Rutschbahn bis auf 6,00 Dollar, für die Serie B bis auf 8,00 Dollar. Rechne einmal durch, was das im ungünstigen Fall bedeutet: 107,0 Millionen zu 6,00 Dollar sind 17,8 Millionen Aktien, 125,0 Millionen zu 8,00 Dollar sind 15,6 Millionen — zusammen rund 33,5 Millionen neue Aktien gegenüber 27,76 Millionen heute. Die Firma hätte sich dann mehr als verdoppelt, ohne dass ein einziger Altaktionär gefragt worden wäre. Genehmigt sind insgesamt 73,5 Millionen Aktien; der Rahmen reicht dafür gerade.
Das ist die eine Seite. Die andere: Diese 232 Millionen sind ein echtes Liquiditätspolster, und sie sind zweckgebunden. Der Erlös finanziert Rechenzentrumskapazität in Südostasien — konkret den Eigenkapitalanteil an Ausrüstung für ein zweites Projekt mit Yotta Data Services und Vorauszahlungen für das Projekt „NeutraDC Batam“ in Indonesien. Wer heute die Bilanz betrachtet, sieht rund 321 Millionen Dollar Liquidität (98,4 Millionen zum 31. März 2026 plus 102,4 und 120,1 Millionen Nettoerlös) — und ihr gegenüber 13,2 Millionen Bankschulden plus die 232,0 Millionen Wandelanleihen. Merk dir das Muster: Fast jeder Dollar auf dieser Bilanz, der nach Stärke aussieht, ist mit einem Stück der Firma bezahlt. Wie sich eine Erzählung schneller finanzieren lässt, als das Geschäft sie verdient, haben wir ausführlich bei iQIYI durchgespielt — ebenfalls ein ausländischer Emittent, dessen Berichte eine nüchternere Geschichte erzählen als sein Kürzel.
Was die Aktie kostet
Ein einziger Börsenwert wäre bei dieser Aktie eine Momentaufnahme mit kurzer Haltbarkeit, deshalb arbeiten wir hier bewusst mit einer Spanne — und ausschliesslich mit Kursen, die in SEC-Dokumenten belegt sind. Zum 1. Juni 2026 waren 27.757.474 Aktien ausstehend (Prospekt-Nachtrag). Am 2. Juni 2026 lag der dort dokumentierte Schlusskurs bei 21,78 Dollar, am 14. Juli 2026 nennt die Pressemitteilung zur Serie-B-Anleihe 16,77 Dollar. Das ergibt einen Börsenwert zwischen rund 605 und 466 Millionen Dollar — die Aktie hat in diesen sechs Wochen also gut ein Viertel verloren.
Und sie ist weiter gefallen. Der jüngste Schlusskurs, der uns vorliegt, stammt vom 24. Juli 2026 und lautet 12,01 Dollar; auf dieselben 27.757.474 Aktien gerechnet sind das rund 333 Millionen Dollar Börsenwert — noch einmal gut ein Viertel unter dem Anker vom 14. Juli. Diese Zahl ist ein Kurs-Datenstand aus unserer Kursdatenbank und keine in einem SEC-Dokument belegte Angabe; deshalb rechnen wir alle Vielfachen unten weiter auf der belegten Spanne. Auf der Aktienseite zu GRRR siehst du entsprechend den kleineren, tagesaktuellen Wert — kein Widerspruch, sondern derselbe Kursrutsch, nur einen Monat später gemessen.
Auf den Umsatz des Geschäftsjahres 2025 von 101,4 Millionen bezogen sind das Umsatzvielfache zwischen 4,6 und 6,0. Auf die eigene Prognose der Firma für 2026 (160 bis 200 Millionen) gerechnet, sinkt das Vielfache auf 2,3 bis 3,8 — vorausgesetzt, die Prognose trifft ein. Ein ehrliches Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht: 2025 war nach IFRS ein Verlustjahr. Du wirst trotzdem auffallend niedrige Vorwärts-Vielfache für diese Aktie sehen, gebaut auf einer Schätzung von rund 1,61 Dollar Gewinn je Aktie für das laufende Jahr. Behandle diese Zahl mit der gebotenen Vorsicht — sie stammt aus der bereinigten Ergebnisreihe, jener, die die Währungsabwertungsverluste aus Wahrheit Nr. 2 wieder hinzurechnet. Auf ausgewiesener Basis brachte 2025 minus 0,51 Dollar je Aktie und das erste Quartal 2026 minus 1,42 Dollar. Ein einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis, das erst entsteht, nachdem man den grössten wiederkehrenden Kostenblock entfernt hat, ist keine Bewertung, sondern eine Hypothese.
Der Blick der Profis ist so dünn, dass „Konsens“ zu viel gesagt wäre: Zwei Analysten decken die Aktie ab, beide mit der Bestnote, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 39,50 Dollar (Datenstand 26. Juli 2026). Zwei Kaufempfehlungen und sonst nichts sind keine zweite Meinung, sondern ein Echo. Und beachte, was im Börsenwert schon steckt: Ein grosser Teil des Unternehmenswertes ist Geld, das die Firma sich von Investoren geliehen oder durch Aktienausgabe geholt hat — nicht Geld, das sie verdient hat. Die ehrliche Formulierung der Wette lautet: Du zahlst ein mittleres einstelliges Vielfaches des Umsatzes für eine Firma, deren bisheriger Umsatzmotor noch gut anderthalb Jahre Auftragsbestand hat und deren Ersatzmotor — Rechenzentren in Südostasien — in den Zahlen bislang vor allem als Ausgabe auftaucht.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Gorilla Technology spricht:
- Echtes Wachstum und echte Lieferung: Umsatz plus 35,7 Prozent auf 101,4 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2025 und plus 57 Prozent in zwei Jahren, im ersten Quartal 2026 weitere plus 54,6 Prozent auf 28,2 Millionen — das ägyptische Netz wird gebaut, fakturiert und teilweise kassiert, nicht bloss angekündigt.
- Eine solide aussehende Bilanz: Bilanzsumme 271,9 Millionen gegen Schulden von 75,8 Millionen, Eigenkapital 196,1 Millionen, 99,5 Millionen Kasse und nur 13,8 Millionen Finanzschulden zum Jahresende 2025 — kein Fortführungsvorbehalt, keine gemeldete wesentliche Schwäche der internen Kontrollen, Offenlegungskontrollen als wirksam beurteilt.
- Die Liquidität wurde deutlich verlängert: 232,0 Millionen Dollar Wandelanleihen im Juni und Juli 2026, Nettoerlös zusammen rund 222,5 Millionen — genug Reichweite, um mehrere Jahre des bisherigen Mittelabflusses zu überbrücken.
- Der Zahlungseingang hat sich verbessert: Die Wertberichtigung auf Forderungen fiel auf 0,9 Millionen (2025) von 7,5 Millionen (2024), zum Jahresende war nichts über 365 Tage überfällig, und im ersten Quartal 2026 drehte der Mittelfluss aus dem Geschäft erstmals ins Plus (+6,6 Millionen).
- Ein deutlich grösseres Spielfeld ist eröffnet: die dreijährige Rahmenvereinbarung mit Freyr über 1,4 Milliarden Dollar, ein zweites Projekt mit Yotta Data Services, das Rechenzentrum „NeutraDC Batam“ in Indonesien und ein 200-Megawatt-Campus in Korat (Thailand) — dazu eine echte 25-jährige Historie in der Videoanalyse. Die eigene Umsatzprognose für 2026 lautet 160 bis 200 Millionen Dollar.
Was dagegen spricht:
- Extremes Klumpenrisiko: 77,5 von 101,4 Millionen Dollar — 76,5 Prozent — von einem einzigen ägyptischen Staatskunden (2024: 79,1 Prozent; 2023: 80,8 Prozent), während der zweitgrösste Kunde von 11,0 Millionen auf null fiel; der dahinterliegende Auftragsbestand sank um fast 41 Prozent von 170,9 auf 101,3 Millionen und soll bis 2027 abgearbeitet sein.
- Ein Währungsrisiko, das sich bereits realisiert hat: Der Vertrag lautet auf ägyptische Pfund; Währungsverluste von 21,0 Millionen (2025) und 27,8 Millionen (2024) gegen einen Rohertrag von 33,9 Millionen, dazu 18,9 Millionen allein im ersten Quartal 2026 — grösstenteils nicht realisiert und damit weiter auf Forderungen und offener Arbeit sitzend.
- Drei Jahre ohne positiven Mittelfluss aus dem Geschäft: minus 28,7, minus 29,7 und minus 9,4 Millionen; 112,0 Millionen Forderungen und Vertragsvermögenswerte zum 31. Dezember 2025 — mehr als ein Jahresumsatz. Der Zufluss von 6,6 Millionen im ersten Quartal 2026 beruht überwiegend auf zahlungsunwirksamen Rückrechnungen, der Kassenbestand fiel im selben Quartal von 99,5 auf 98,4 Millionen.
- Massive Verwässerung mit Fortsetzung: Aktienzahl von 7.565.099 auf 27.757.474 in gut zwei Jahren — nach einer Zusammenlegung 10 zu 1 —, dazu 20,9 Millionen Dollar Aktienvergütung in einem einzigen Quartal und 232,0 Millionen Wandelanleihen, deren Wandlungspreis über eine Rücksetz-Automatik bis auf 6,00 beziehungsweise 8,00 Dollar fallen kann. Im ungünstigen Fall entstünden daraus rund 33,5 Millionen neue Aktien.
- Das Etikett läuft dem Geschäft davon: Das KI-Videoanalyse-Segment Video IoT bringt 3,5 von 101,4 Millionen — 3,5 Prozent —, während die Rohmarge von 69,1 auf 33,4 Prozent und im ersten Quartal 2026 weiter auf 21,1 Prozent fiel; Hardware und Fremdleistungen kosteten 63,2 Millionen gegen 3,1 Millionen Forschung und Entwicklung. Nur zwei Analysten decken die Aktie ab, der Abschlussprüfer wurde zum 30. April 2026 gewechselt, und als „emerging growth company“ ist Gorilla von der Prüferbestätigung der internen Kontrollen befreit.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Rechnung auf dem Schreibtisch. Befund eins: Die Arbeit ist echt. Gorilla baut tatsächlich ein abgeschottetes Behördennetz in Ägypten, stellt es tatsächlich in Rechnung und hat dafür tatsächlich 101,4 Millionen Dollar Umsatz gebucht — das hier ist keine Hülle mit Foliensatz, und die Bilanz trägt 196,1 Millionen Eigenkapital ohne Fortführungsvorbehalt. Befund zwei: Die Rechnung ist nicht das Geld. Drei Jahre Mittelabfluss, 112,0 Millionen Forderungen und offene Arbeit über einem ganzen Jahresumsatz, 48,8 Millionen Währungsverluste in zwei Jahren auf einen Vertrag in einem fallenden Pfund — die Lücke zwischen dem, was verdient wurde, und dem, was ankam, ist das prägende Merkmal dieser Firma, nicht eine Fussnote dazu.
Befund drei: Die Lücke hast du bezahlt. Die Aktienzahl hat sich nach einer Zusammenlegung mehr als verdreifacht, und das Liquiditätspolster, auf das alle zeigen, ist der Erlös dieser Verwässerung plus 232 Millionen Dollar Wandelanleihen mit eingebauter Rutschbahn nach unten. Befund vier: Etikett und Kontobuch zeigen in verschiedene Richtungen. Die KI-Erzählung ist der Grund, warum über dieses Kürzel gesprochen wird; KI-Videoanalyse sind 3,5 Prozent des Umsatzes. Und seit Juni 2026 kommt eine zweite Erzählung dazu — Rechenzentren in Südostasien —, die in den Zahlen bisher als Ausgabe existiert, nicht als Einnahme.
Nichts davon ist versteckt. Gorilla legt Kunde, Währung, Zahlungsstrom und Verwässerung offen — in einem 20-F, unter Strafandrohung, mit einer Tabelle, die den ägyptischen Kunden und den exakten Dollarbetrag nennt. Das gehört klar gesagt, denn eine Firma, die ihre eigenen unbequemen Zahlen veröffentlicht, tut genau das, was wir von Firmen verlangen. Die Frage, die der Bericht dir nicht abnehmen kann, ist die, die die „Gebucht-ist-bezahlt“-Falle immer stellt: Kaufst du die Zahl auf dem Papier oder das Geld dahinter? Wenn Ägypten pünktlich zahlt, das Pfund sich beruhigt und aus den Rechenzentrums-Rahmen echte Verträge werden, wird der heutige Preis aussehen wie das Schnäppchen, für das zwei Analysten ihn halten. Wenn eines dieser drei Dinge nachgibt — der Kunde, die Währung oder der Nachfolgemotor —, gibt es kein fünftes Standbein, das den Fall dämpft, weil es kein fünftes gibt. Es gibt eine Karte, die den Turm trägt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle Originaldokumente dieser Analyse — zum Selberlesen:
- Gorilla Technology Group Inc. — SEC-Jahresbericht 20-F für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht am 15. April 2026)
- Gorilla Technology Group Inc. — SEC-Jahresbericht 20-F für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht am 30. April 2025)
- Gorilla Technology Group Inc. — SEC-Zwischenbericht 6-K vom 27. Mai 2026 (Zahlen zum ersten Quartal 2026, ungeprüft)
- Gorilla Technology Group Inc. — SEC-Zwischenbericht 6-K vom 6. Mai 2026 (Wechsel des Abschlussprüfers zum 30. April 2026)
- Gorilla Technology Group Inc. — SEC-Prospekt-Nachtrag 424B5 vom 5. Juni 2026 (107,0 Mio. US-Dollar Wandelanleihen mit 7,50 %, fällig 2031)
- Gorilla Technology Group Inc. — SEC-Zwischenbericht 6-K vom 17. Juli 2026 (125,0 Mio. US-Dollar Wandelanleihen Serie B, nebst Pressemitteilung vom 15. Juli 2026)
- Gorilla Technology Group Inc. — vollständige SEC-Einreichungshistorie (EDGAR-Übersicht, sec.gov), darunter die fünf Insider-Meldungen (Form 4) vom 15. Juli 2026
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Jahresreihen, Bewertung, Analystenabdeckung; Datenstand 26. Juli 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
- Reddit-Erwähnungen: hauseigener Reddit-Hype-Scanner auf Basis von ApeWisdom-Daten (6 Erwähnungen in 24 Stunden, Stand 16. Juli 2026).
- Eigene Kennzahlen aus dem hauseigenen Aktien-Scanner (Datenstand 27. Juli 2026, Kursbasis Schlusskurs vom 24. Juli 2026): Fundamental-Note C bei Rating 51 von 100, Piotroski 3 von 9, Altman-Z 3,03, Kurs 12,01 Dollar und damit rund 333 Millionen Dollar Börsenwert; einziger Listentreffer »Unter 50- & 200-SMA«. Relative Stärke, Stan-Weinstein-Stufe und EPS-Rating liegen mangels Kurshistorie noch nicht vor; die Listen werden täglich neu berechnet.
Transparenz & Haftungsausschluss: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich verfügbarer Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinne und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktieninvestments bergen erhebliche Risiken bis zum Totalverlust. Alle Angaben ohne Gewähr; der jeweilige Datenstand ist im Text genannt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der Gorilla-Technology-Aktie.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell & Marktstellung neutral
- Eine echte 25-jährige Historie in der Videoanalyse und ein tatsächlich gebautes Behördennetz in Ägypten — doch KI-Erzählung und Kontobuch gehen auseinander: Security Convergence (Systemintegration) machte 96,5 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2025 aus, das KI-Videoanalyse-Segment Video IoT nur 3,5 Prozent (3,5 von 101,4 Mio. $), und Hardware plus Fremdleistungen kosteten 63,2 Mio. $ gegen 3,1 Mio. $ Forschung und Entwicklung (Jahresbericht 20-F für 2025).
- Wachstum & Kundenkonzentration negativ
- Der Umsatz stieg 2025 um 35,7 Prozent auf 101,4 Mio. $ und im ersten Quartal 2026 um weitere 54,6 Prozent auf 28,2 Mio. $, aber 77,5 Mio. $ — 76,5 Prozent — kamen von einem einzigen ägyptischen Staatskunden (2024: 79,1 Prozent; 2023: 80,8 Prozent), während der zweitgrösste Kunde von 11,0 Mio. $ auf null fiel. Der Auftragsbestand dahinter sank um fast 41 Prozent auf 101,3 Mio. $ und soll bis 2027 abgearbeitet sein; der angekündigte Nachfolger, die Freyr-Rahmenvereinbarung über 1,4 Mrd. $, brachte 2025 keinen Umsatz.
- Marge & Währung negativ
- Die Rohmarge fiel von 69,1 Prozent (2023) über 50,0 Prozent (2024) auf 33,4 Prozent (2025) und im ersten Quartal 2026 weiter auf 21,1 Prozent — der Rohertrag in Dollar schrumpfte trotz 57 Prozent Umsatzwachstum von 44,7 auf 33,9 Mio. $. Dazu kostete die Abrechnung in ägyptischen Pfund 21,0 Mio. $ (2025), 27,8 Mio. $ (2024) und 18,9 Mio. $ allein im ersten Quartal 2026; das ausgewiesene bereinigte EBITDA von 19,1 Mio. $ existiert nur, weil 25,7 Mio. $ genau dieser Verluste wieder hinzugerechnet werden.
- Geldfluss & Forderungen negativ
- Drei Jahre in Folge Mittelabfluss aus dem Geschäft (−28,7 / −29,7 / −9,4 Mio. $); zum 31.12.2025 standen 54,1 Mio. $ Forderungen plus 57,9 Mio. $ Vertragsvermögenswerte in der Bilanz — 112,0 Mio. $, mehr als ein Jahresumsatz. Die 99,5 Mio. $ Kasse kamen aus Finanzierung (+101,2 Mio. $ im Jahr 2025), nicht von Kunden. Im ersten Quartal 2026 drehte der Mittelfluss auf +6,6 Mio. $ — vom Forderungsrückgang um 21,9 Mio. $ erscheinen dort allerdings nur 4,2 Mio. $ als Zufluss, während 20,1 Mio. $ nicht realisierte Währungsverluste herausgerechnet werden.
- Bilanz & Verwässerung negativ
- Die Bilanz selbst ist solide — 196,1 Mio. $ Eigenkapital, nur 13,8 Mio. $ Finanzschulden, kein Fortführungsvorbehalt, Offenlegungskontrollen als wirksam beurteilt (31.12.2025). Bezahlt ist sie mit Aktien: von 7.565.099 auf 27.757.474 Stück in gut zwei Jahren, nach einer Zusammenlegung 10:1, dazu 20,9 Mio. $ Aktienvergütung in einem einzigen Quartal und 232,0 Mio. $ Wandelanleihen mit 7,50 Prozent Zins, deren Wandlungspreis über eine Rücksetz-Automatik bis auf 6,00 bzw. 8,00 $ fallen kann — im ungünstigen Fall rund 33,5 Mio. neue Aktien.
- Bewertung & Abdeckung neutral
- Auf Basis der in SEC-Dokumenten belegten Schlusskurse (21,78 $ am 02.06.2026, 16,77 $ am 14.07.2026) und 27.757.474 Aktien lag der Börsenwert zwischen rund 605 und 466 Mio. $ — das 4,6- bis 6,0-fache des Umsatzes 2025, auf die Unternehmensprognose für 2026 (160–200 Mio. $) das 2,3- bis 3,8-fache. Der Kurs ist seither weiter gerutscht: zum Kursdatenstand 24.07.2026 auf 12,01 $, also rund 333 Mio. $ Börsenwert. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis existiert nicht; das niedrige Vorwärts-Vielfache anderswo beruht auf einer bereinigten Schätzung ohne Währungsverluste. Die Abdeckung besteht aus zwei Analysten, beide mit Bestnote, Kursziel im Schnitt 39,50 $ (Datenstand 26.07.2026) — ein Echo, kein Konsens.
Gorilla Technology wird als KI-Firma besprochen und verdient sein Geld als Systemintegrator für einen Staatskunden. Der Umsatz stieg 2025 um 35,7 Prozent auf 101,4 Millionen US-Dollar — aber 77,5 Millionen davon kamen von einem einzigen ägyptischen Kunden, abgerechnet in einer Währung, deren Abwertung in zwei Jahren 48,8 Millionen gekostet hat; die Rohmarge halbierte sich auf 33,4 Prozent und fiel im ersten Quartal 2026 auf 21,1 Prozent, und 112,0 Millionen an fakturierter und offener Arbeit waren zum Jahresende noch nicht bezahlt. Die Bilanz sieht solide aus, ist aber mit einer verdreifachten Aktienzahl nach Zusammenlegung und 232 Millionen Dollar Wandelanleihen bezahlt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Wer heute hält, wettet darauf, dass Ägypten weiter zahlt, dass das Pfund aufhört zu fallen und dass aus den Rechenzentrums-Rahmen echte Umsätze werden, bevor der aktuelle Auftragsbestand — gut anderthalb Jahre davon — 2027 ausläuft; ein breites zweites Standbein, das einen dieser drei Fälle abfedern könnte, gibt es nicht, weil drei Viertel der Firma ein Vertrag sind. Wer heute kauft, zahlt dafür ein mittleres einstelliges Vielfaches des Umsatzes und trägt zusätzlich das Verwässerungsrisiko aus 232 Millionen Dollar Wandelanleihen, deren Wandlungspreis bis auf 6,00 beziehungsweise 8,00 Dollar rutschen kann. Was das Bild ändern würde, ist sichtbar und prüfbar: ein Forderungsbestand, der durch Zahlungen statt durch Abwertung sinkt, ein zweites Quartal mit positivem Mittelfluss, oder ein unterschriebenes Rechenzentrums-Projekt mit Umsatz dahinter. Entscheiden musst du selbst.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- GRRR kam über unseren hauseigenen Reddit-Hype-Scanner (ApeWisdom-Daten) auf die Rechercheliste: 6 Erwähnungen in 24 Stunden, Stand 16. Juli 2026. Forum-Erwähnungen sind Stimmungssignale, keine Qualitätssignale. Eine eigene Zeile in unserem Firmenuniversum hat Gorilla seit dem 27. Juli 2026 — sie ist mit dieser Analyse entstanden. Der erste Scanner-Lauf dazu ergab (Datenstand 27.07.2026, Kursbasis Schlusskurs 24.07.2026): Fundamental-Note C bei Rating 51 von 100, Piotroski 3 von 9 — schwach, kerngesunde Firmen stehen bei 8 oder 9 — und Altman-Z 3,03, auf der von uns geführten Buchwert-Variante Z″ (Alarm unter 1,1, unbedenklich ab 2,6) im sicheren Bereich, aber mit knappem Abstand. Relative Stärke, Stan-Weinstein-Stufe und EPS-Rating fehlen noch, weil unsere Kurshistorie zu dieser Aktie erst einen Tag alt ist; einzige getroffene Kennzahlen-Liste ist die Abwärtstrend-Liste »Unter 50- & 200-SMA«. Alle Listen werden jede Nacht neu berechnet — das ist eine datierte Momentaufnahme.
- Gorilla ist Foreign Private Issuer: Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht auf Formular 20-F (IFRS), nicht aus einem 10-K, und Quartalszahlen kommen als freiwillige Anlage zu einem 6-K statt als geprüfter Quartalsbericht — die Zahlen zum ersten Quartal 2026 sind ausdrücklich ungeprüft und nicht prüferisch durchgesehen. Wer die 21,0 Millionen Währungsverluste unter die Betriebsebene schiebt — wie es manche Datendienste tun —, kommt für 2025 rechnerisch auf ein positives Betriebsergebnis von rund 7,4 Millionen US-Dollar; die eigene Erfolgsrechnung weist einen Betriebsverlust von 13,7 Millionen aus. Wir folgen dem Bericht.
- Bewertungsangaben stützen sich bewusst nur auf Kurse, die in SEC-Dokumenten belegt sind (21,78 $ am 02.06.2026 aus dem Prospekt-Nachtrag, 16,77 $ am 14.07.2026 aus der Pressemitteilung zur Serie-B-Anleihe) und auf die dort genannte Aktienzahl von 27.757.474 zum 01.06.2026. Der Kurs hat seither weiter nachgegeben: Zum Kursdatenstand 24.07.2026 lag er bei 12,01 $, was rund 333 Mio. $ Börsenwert entspricht — das ist die Zahl, die auf der Aktienseite steht, und der Grund, warum sie kleiner ausfällt als die Spanne im Text. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Gorilla Technology (Nasdaq: GRRR) verkauft Edge-KI, Videoanalyse, Netzwerk- und Cybersicherheitssysteme — verdient sein Geld aber praktisch als Systemintegrator für Regierungen. Im Geschäftsjahr 2025 kamen 97,8 von 101,4 Millionen US-Dollar Umsatz (96,5 Prozent) aus dem Segment Security Convergence und nur 3,5 Millionen (3,5 Prozent) aus Video IoT, dem KI-Videoanalyse-Geschäft. 77,5 Millionen davon zahlte ein einziger ägyptischer Staatskunde.
Ein Foreign Private Issuer ist ein ausländischer Emittent an einer US-Börse. Er reicht keinen Geschäftsbericht 10-K und keine Quartalsberichte 10-Q ein, sondern einen Jahresbericht 20-F und Zwischenberichte 6-K. Praktisch heisst das: Es gibt keine Pflicht zu geprüften Quartalszahlen. Gorillas Zahlen zum ersten Quartal 2026 kamen als freiwillige Anlage zu einem 6-K — ausdrücklich ungeprüft und nicht prüferisch durchgesehen.
Fast vollständig. Im Geschäftsjahr 2025 entfielen auf einen Kunden in Ägypten — die Regierung der Arabischen Republik Ägypten — 77.527.614 von 101.360.657 US-Dollar Umsatz, also 76,5 Prozent (2024: 79,1 Prozent; 2023: 80,8 Prozent). Der zugrunde liegende Festpreisvertrag über ein abgeschottetes Behördennetz wurde am 26. Juni 2023 unterzeichnet, umfasst rund 8,4 Milliarden ägyptische Pfund über vier Jahre und unterliegt ägyptischem Recht.
Weil der Hauptvertrag auf ägyptische Pfund lautet, die Bilanz aber in US-Dollar geführt wird. Alles, was Gorilla in Pfund geschuldet wird, muss an jedem Bilanzstichtag neu umgerechnet werden — und das Pfund gab nach: Der durchschnittliche Dollarkurs stieg von 44,18 (2024) auf 49,28 (2025), eine Abwertung um 11,5 Prozent. Ergebnis: 21,0 Millionen US-Dollar Währungsverluste 2025, 27,8 Millionen 2024 und weitere 18,9 Millionen allein im ersten Quartal 2026.
Nach den eigenen ausgewiesenen Zahlen nicht. Das Geschäftsjahr 2025 brachte einen Betriebsverlust von 13,7 Millionen und einen Nettoverlust von 11,3 Millionen US-Dollar (minus 0,51 Dollar je Aktie), nach 64,8 Millionen Nettoverlust 2024; das letzte Gewinnjahr war 2023 mit 13,5 Millionen. Gorilla weist zusätzlich ein bereinigtes EBITDA von 19,1 Millionen aus — diese Zahl entsteht jedoch, indem 25,7 Millionen Währungsabwertungsverluste wieder hinzugerechnet werden.
Weil der gesamte Umsatz zeitraumbezogen erfasst wird — nach Baufortschritt, lange vor Rechnung und Zahlung. Zum 31. Dezember 2025 standen 54,1 Millionen US-Dollar Forderungen plus 57,9 Millionen nicht abgerechnete Vertragsvermögenswerte in der Bilanz: zusammen 112,0 Millionen, mehr als ein Jahresumsatz. Der Mittelabfluss aus dem Geschäft betrug minus 28,7 (2025), minus 29,7 (2024) und minus 9,4 Millionen (2023); die Kasse kam aus Finanzierung.
Erheblich. Die Aktienzahl stieg von 7.565.099 (1. Januar 2024) über 18.058.135 (31. Dezember 2024) und 26.188.972 (31. Dezember 2025) auf 27.757.474 (1. Juni 2026) — und das nach einer Zusammenlegung im Verhältnis 10 zu 1 zum 15. April 2024. Dazu kommen 232,0 Millionen US-Dollar Wandelanleihen aus Juni und Juli 2026, wandelbar zu anfänglich rund 25,4826 Dollar, mit Rücksetz-Untergrenzen von 6,00 und 8,00 Dollar je Aktie.
Das hängt ganz davon ab, welche Ergebniszahl du akzeptierst. Auf Basis der in SEC-Dokumenten belegten Schlusskurse (21,78 Dollar am 2. Juni und 16,77 Dollar am 14. Juli 2026) und 27.757.474 Aktien lag der Börsenwert zwischen rund 605 und 466 Millionen US-Dollar — das 4,6- bis 6,0-fache des Umsatzes von 2025. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil 2025 ein Verlustjahr war; das niedrige Vorwärts-Vielfache anderswo beruht auf bereinigten Schätzungen.
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