FCR Immobilien: das Schnäppchen mit der Sturmwarnung
Die FCR-Immobilien-Aktie sieht aus wie ein Geschenk: Sie notiert weit unter dem Substanzwert ihrer eigenen Einkaufszentren, ein Analyst sieht fast eine Kursverdopplung. Wir haben den Konzernabschluss 2025 gelesen — und dahinter steht kein Schnäppchen ohne Haken, sondern ein Wachstumsmodell auf teuren Anleihen (bis 7,25 % Zins), ein Firmenlenker, dem gut zwei Drittel der Stimmen gehören und der mit der eigenen Firma Geschäfte macht, ein Portfolio, das fast nur am stationären Einzelhandel hängt — und eine Dividende, die für 2025 zum ersten Mal gekürzt wird. Ein Lehrstück darüber, warum ein Abschlag auf den Substanzwert selten ein Geschenk ist, sondern meistens ein Preisschild für Risiko.
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Es gibt kaum etwas Verführerischeres an der Börse als ein Schnäppchen. „Ein Euro Substanz für 68 Cent" — da schaltet der Jagdinstinkt an, und die kritische Frage („Warum ist das eigentlich so billig?") wird gern überhört. Genau dieser Reflex lauert bei der FCR Immobilien AG (General Standard: FC9): Die Aktie notiert deutlich unter dem Wert der Immobilien, die dahinterstehen, und ein Analyst traut ihr fast eine Kursverdopplung zu. Klingt nach Geschenk. Deshalb machen wir wie immer einen Deal: Wir lassen die Schnäppchen-Freude kurz beiseite und lesen gemeinsam, was FCR selbst in ihren testierten Konzernabschluss 2025 geschrieben hat. Dort steht kein billiges Geschenk, sondern eine ehrliche Erklärung, warum es billig ist — teure Schulden, geballte Macht an der Spitze, ein Portfolio am Tropf des Einzelhandels und eine Dividende, die zum ersten Mal schrumpft. Am Ende entscheidest du selbst, ob dir der Abschlag das Risiko wert ist.
Was FCR macht — der Fachmarkt-Sammler auf Kredit
FCR ist im Kern das gleiche Geschäft wie der zuletzt von uns analysierte Kollege DEFAMA: ein Bestandshalter, der Fachmarktzentren und Nahversorger in kleineren deutschen Städten kauft, hält und vermietet — Objekte mit Discountern, Drogerien und Baumärkten als Mietern. Ende 2025 gehörten dem Konzern 81 Objekte mit rund 445.000 Quadratmetern Fläche und einem Bilanzwert von 396,6 Mio. €, die annualisiert gut 31 Mio. € Nettomiete einbrachten, bei einer Vermietungsquote von 94,6 % und einer durchschnittlichen Mietvertragslaufzeit (WAULT) von 5,9 Jahren. So weit, so solide. Zwei Dinge unterscheiden FCR aber von einem ruhigen Vermieter, und beide sind der rote Faden dieser Analyse. Erstens die Konzentration: 87,6 % der Mieten stammen aus dem einen Segment Handel — kaum Logistik, kaum Büro, so gut wie kein Wohnen. Zweitens die Finanzierung: FCR wächst deutlich aggressiver auf Kredit als die Konkurrenz, auch über eigene Unternehmensanleihen. Merk dir dieses Paar — Klumpen plus Hebel —, es erklärt am Ende sowohl den günstigen Kurs als auch die Risiken.
Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht
FC9 ist ein Dauergast in unseren Scannern — allerdings ausgerechnet in den Value-Filtern (Datenstand 31. März 2026). Die Aktie steht im KGV-Ranking (Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 8,6), im Kurs-Cashflow- und im Kurs-Free-Cashflow-Ranking — lauter Filter, die „optisch billig" bedeuten. Und da ist die Falle schon eingebaut: Ein niedriges Bewertungsvielfaches ist nur dann ein Kaufsignal, wenn das Geschäft dahinter gesund ist — sonst ist es eine Value-Falle, also billig aus gutem Grund. Genau das prüfen wir jetzt. Die aussagekräftigen Kennzahlen für einen Immobilienbestand sind ohnehin nicht KGV oder Gewinn, sondern — wie bei TAG und DEFAMA gelernt — der FFO (der echte Mietüberschuss), der NAV (der Substanzwert) und die Finanzierung. So findest du die Aktie selbst: im Menü „Scanner" das KGV-Ranking öffnen und die Zeile FC9.DE suchen — und dann eben nicht beim Wort „billig" stehenbleiben.
Die Zahlen: solide Miete, aber ein Gewinn, der täuscht
Zuerst das Erfreuliche. Die eigentliche Ertragskraft, der FFO, wuchs 2025 solide:
„Im Geschäftsjahr 2025 belief sich der FFO auf TEUR 7.436 und lag damit um TEUR 429 über dem Vorjahreswert von TEUR 7.007."
— FCR Immobilien AG, Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2025
7,4 Mio. € Mittelüberschuss, ein Plus von gut 6 Prozent — das Kerngeschäft trägt. Auffällig ist dagegen der ausgewiesene Gewinn: Der Konzernjahresüberschuss fiel von 21,8 Mio. € (2024) auf 12,6 Mio. €, das Ergebnis je Aktie von 2,21 € auf 1,28 €. Sieht nach Einbruch aus, ist aber vor allem ein Basiseffekt: 2024 steckte im Gewinn ein einmaliger Buchgewinn von rund 15,5 Mio. € aus dem Teilverkauf der Software-Beteiligung Immoware24 — ein Sondereffekt, der sich 2025 nicht wiederholte. Das Vorsteuerergebnis (EBT) sank entsprechend von 23,1 auf 6,9 Mio. €. Merke: Ein fallender Gewinn kann harmlos sein, wenn er nur einen Einmaleffekt des Vorjahres verliert — genauso wie ein steigender Gewinn gefährlich sein kann, wenn er nur einen aufblähen. Der FFO ist hier der ehrlichere Maßstab, und der stieg.
Die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das Wachstum läuft auf teuren Anleihen
Hier liegt der wichtigste Unterschied zu einem konservativen Vermieter. FCRs Finanzverbindlichkeiten summierten sich Ende 2025 auf 261,2 Mio. €, und ein Teil davon sind eigene Unternehmensanleihen zu Zinssätzen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss:
„Im Geschäftsjahr 2025 wurde eine Anleihe mit einer Laufzeit bis 2030 und einem Zinssatz von 6,25 % begeben. […] Unter den Anleihenverbindlichkeiten sind zudem ltd. eine ältere Anleihe mit 7,25 % Zins ausgewiesen."
— FCR Immobilien AG, Konzernabschluss 2025, Anhang (Finanzverbindlichkeiten)
Zum Vergleich: Ein großer Wohnungsvermieter refinanziert sich derzeit zu 3 bis 4 Prozent. FCR zahlt für Teile seiner Schulden das Doppelte. Einen offiziellen Loan-to-Value (LTV) — den Anteil des Immobilienwerts, der auf Kredit läuft — weist FCR nicht als eine Zahl aus, sondern nennt ihn nur als Risikokennzahl in den Kreditverträgen; rechnet man ihn aus den Finanzverbindlichkeiten und dem Immobilienwert grob nach, landet man bei rund 65 Prozent. Das ist hoch — DEFAMA liegt bei 57,8 %, TAG bei 41 %. Ein hoher Hebel mit teurem Zins ist der empfindlichste Punkt des Modells: Solange die Häuser voll und die Mieten stabil sind, trägt die hohe Mietrendite die Zinsen locker. Aber jede Anschlussfinanzierung, jeder leerstehende Ankermieter nagt hier stärker als bei der entschuldeten Konkurrenz. Immerhin: Die Eigenkapitalquote verbesserte sich 2025 von 32,3 auf 35,5 % — ein Schritt in die richtige Richtung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Mann, zwei Drittel der Stimmen — und Geschäfte mit sich selbst
FCR ist eine Ein-Mann-Geschichte, im Guten wie im Bedenklichen. Rund 68,44 % der Stimmrechte liegen bei drei Gesellschaften, die alle dem Vorstandsvorsitzenden Falk Raudies zuzurechnen sind:
„Zum 31. Dezember 2025 halten die RAT Asset & Trading GmbH […] 42,30 %, die CM Center Management GmbH […] 23,05 % und die Mambo Vermögensverwaltung GmbH […] der Stimmrechte."
— FCR Immobilien AG, Konzernabschluss 2025, Angaben zu Beteiligungen/Stimmrechten
Das hat zwei Seiten. Positiv: Der Chef hat sein eigenes Vermögen im Spiel, seine Interessen laufen grundsätzlich parallel zu deinen. Bedenklich: Als Kleinaktionär bist du überstimmt, bevor die Hauptversammlung beginnt — und das Unternehmen macht in erheblichem Umfang Geschäfte mit dem Umfeld seines Chefs (im Bericht als „Geschäfte mit nahestehenden Personen" ausgewiesen). Ein Beispiel, das man sich merken sollte: Mit der Ehefrau des Vorstandsvorsitzenden besteht ein Vertrag über Managementdienstleistungen, vergütet 2025 mit 138.000 €. Solche Konstruktionen sind nicht per se verwerflich und in inhabergeführten AGs verbreitet — aber sie verlangen Vertrauen in genau eine Person, und sie sind der Grund, warum der Markt für solche Firmen einen Governance-Abschlag verlangt. Ein Teil des „Schnäppchens" ist genau dieser Abschlag.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Fast alles hängt am stationären Einzelhandel — und die Dividende sinkt
Die dritte Wahrheit ist die Konzentration von oben, in Zahlen: Laut Kapitalmarktpräsentation entfallen 87,6 % der Nettomieten auf das Segment Handel, nur 6,3 % auf Logistik, 5,6 % auf Büro und 0,5 % auf Wohnen. FCR ist damit fast eine reine Wette auf den stationären Einzelhandel in der deutschen Provinz — ein Sektor, der von stabilen Nahversorgern (gut) bis zu kriselnden Non-Food-Ketten (riskant) reicht. Fällt ein Ankermieter aus, trifft es hier härter als ein breit gestreutes Portfolio. Und als hätte der Vorstand die Botschaft verstanden, zieht er selbst die vorsichtige Konsequenz: Für 2025 wird die Dividende gekürzt — von 0,45 € (für 2024 ausgeschüttet) auf vorgeschlagene 0,35 € je Aktie. Für eine Aktie, die viele Anleger gerade wegen der Ausschüttung halten, ist das ein deutliches Signal: Das Management priorisiert die Bilanz über die Dividende. Vernünftig — aber eben auch das Eingeständnis, dass in einem Umfeld aus hohen Zinsen und Mieterrisiken nicht mehr beides zugleich geht.
Bewertung — was der Abschlag wirklich bedeutet
Jetzt die Zahl, die alles auslöst. In der eigenen Kapitalmarktpräsentation weist FCR einen EPRA-NAV von 164,8 Mio. € aus — bei 9.870.452 Aktien sind das rund 16,70 € Substanzwert je Aktie. Der Kurs stand am 30. Juni 2026 bei 11,30 € (Marktkapitalisierung 112 Mio. €), also rund ein Drittel darunter. Das Analysehaus mwb research bestätigte am 28. April 2026 eine Kaufempfehlung mit Kursziel 22,00 € — fast eine Verdopplung. Auf dem Papier ist FCR also ein klassischer Substanzwert mit Sicherheitsmarge. Aber jetzt hast du gelernt, den Abschlag zu lesen: Er ist kein geschenkter Rabatt, sondern der gebündelte Preis für drei Risiken — den hohen, teuer verzinsten Schuldenhebel, das Klumpenrisiko im Einzelhandel und die Governance eines mehrheitlich von einer Person kontrollierten Konzerns mit Related-Party-Geschäften. Ob dieser Abschlag zu groß ist (dann ist FCR wirklich ein Schnäppchen) oder gerechtfertigt (dann ist er eine Value-Falle), hängt an genau diesen drei Punkten — nicht am NAV allein. Denselben Blick — Substanz statt oberflächlicher Kennzahl — haben wir bei TAG Immobilien und DEFAMA angelegt; bei FCR ist er wichtiger denn je.
Der Ausblick: Stabilisierung statt Wachstum
Für 2026 gibt sich der Vorstand betont nüchtern — kein Wachstumsversprechen, sondern Konsolidierung: Ergebnis (EBT) und FFO sollen „ohne Berücksichtigung möglicher Wertänderungen von einem gleichbleibenden Ergebnis mit einer Tendenz zu einer leichten Steigerung" ausgehen, der Immobilienbestand konstant bleiben. Das erste Quartal 2026 passt ins Bild: Der Gesamtumsatz sprang zwar auf 13,2 Mio. € (Vorjahr 8,8 Mio., getrieben von Objektverkäufen), der FFO lag mit 1,7 Mio. € aber leicht unter Vorjahr, die Vermietungsquote bei 94,6 %, die durchschnittliche Mietvertragslaufzeit bei 5,9 Jahren. Übersetzt: FCR ist im Modus „Bilanz aufräumen und halten", nicht im Modus „Gas geben" — was angesichts der Zinslast die richtige Priorität ist, aber eben auch heißt, dass die Fantasie fürs Erste beim Abbau des Substanz-Abschlags liegen muss, nicht beim Gewinnwachstum.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für FCR spricht:
- Deutlicher Substanz-Abschlag: Kurs 11,30 € gegen EPRA-NAV von rund 16,70 € je Aktie; Analysten-Kursziel 22,00 € (mwb research, 28.04.2026).
- Solide, gewachsene Ertragskraft: FFO 2025 +6 % auf 7,4 Mio. €; Vermietungsquote 94,6 %, WAULT 5,9 Jahre.
- Verbesserte Kapitalstruktur: Eigenkapitalquote von 32,3 auf 35,5 % gestiegen, Finanzverbindlichkeiten leicht reduziert.
- Eigentümer-geführt: Der Vorstand hat mit gut zwei Dritteln der Stimmen sein eigenes Vermögen im Unternehmen.
Was dagegen spricht:
- Hoher, teurer Schuldenhebel: LTV rund 65 %, Anleihen zu 6,25 % und 7,25 % Zins — zinssensibel bei jeder Anschlussfinanzierung.
- Governance-Risiko: rund 68,44 % der Stimmen bei einer Person, umfangreiche Geschäfte mit nahestehenden Personen (u. a. Management-Vertrag mit der Ehefrau des Vorstands).
- Klumpenrisiko: 87,6 % der Mieten aus dem Segment Handel — starke Abhängigkeit vom stationären Einzelhandel.
- Gekürzte Dividende: für 2025 nur noch 0,35 € statt 0,45 € je Aktie.
Das Fazit: ein Rabatt mit Kleingedrucktem
Erinnerst du dich an den Jagdinstinkt vom Anfang? Nach dem Konzernabschluss 2025 lässt sich die Schnäppchen-Frage ehrlich beantworten: FCR ist ein operativ funktionierender Fachmarkt-Vermieter, der klar unter Substanzwert notiert — aber der Abschlag ist kein Zufall und kein Geschenk, sondern der zusammengerechnete Preis für einen hohen, teuren Schuldenhebel, ein Portfolio am Tropf des Einzelhandels und eine Ein-Mann-Governance mit Geschäften im eigenen Umfeld. Dass der Vorstand die Dividende kürzt, ist in diesem Bild kein Alarm, sondern ehrliche Vorsicht. Die eigentliche Leistung dieser Analyse war nicht, FCR schlechtzurechnen, sondern den Reflex zu bremsen, der aus „billig" automatisch „günstig" macht. Ob der Rabatt zu groß ist oder gerechtfertigt, kannst nur du entscheiden — aber jetzt weißt du, wofür du ihn bekommst. Und das ist auch gut so.
Quellen: FCR Immobilien AG, Konzernabschluss und Konzernlagebericht 2025 (Testatsexemplar); Kapitalmarktpräsentation Juli 2026 und Quartalszahlen Q1 2026 (fcr-immobilien.de); Fundamentaldaten & hauseigener Aktien-Scanner (Datenstand 31. März 2026). Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung; Aktien unterliegen Kursrisiken bis zum Totalverlust.
Unser Fazit auf einen Blick
- Bewertung & Substanz positiv
- Deutlicher Abschlag auf den Substanzwert: Kurs 11,30 € gegen EPRA-NAV von rund 16,70 € je Aktie, Analysten-Kursziel 22,00 €. Wenn die Risiken beherrschbar bleiben, ist der Abschlag ein Hebel nach oben.
- Operatives Geschäft positiv
- Solide Ertragskraft: FFO 2025 +6 % auf 7,4 Mio. €, Vermietungsquote 94,6 %, WAULT 5,9 Jahre. Der gefallene IFRS-Gewinn ist ein Basiseffekt (Immoware24-Einmaleffekt 2024), kein operativer Einbruch. Eigenkapitalquote von 32,3 auf 35,5 % verbessert.
- Finanzierung negativ
- Hoher und teurer Schuldenhebel: Finanzverbindlichkeiten 261,2 Mio. €, Anleihen zu 6,25 % und 7,25 % Zins, LTV nach Näherung rund 65 % — deutlich über DEFAMA (57,8 %) und den großen Wohnungsvermietern (~41 %). Zinssensibel bei jeder Anschlussfinanzierung.
- Governance negativ
- Rund 68,44 % der Stimmen bei einer Person (Vorstand Falk Raudies) und umfangreiche Geschäfte mit nahestehenden Personen — bis zum Management-Vertrag mit der Ehefrau des Vorstands (138.000 € 2025). Interessengleichlauf ja, aber Kleinaktionäre sind strukturell überstimmt; der Markt verlangt dafür einen Abschlag.
- Portfolio & Dividende neutral
- Klumpenrisiko: 87,6 % der Mieten aus dem Segment Handel — starke Abhängigkeit vom stationären Einzelhandel. Die Dividende wird für 2025 von 0,45 auf 0,35 € gekürzt; das ist ehrliche Vorsicht (Bilanz vor Ausschüttung), aber ein Signal an dividendenorientierte Anleger.
FCR Immobilien ist ein operativ funktionierender Fachmarkt-Vermieter (81 Objekte, 396,6 Mio. €, FFO 7,4 Mio. €), der mit rund einem Drittel Abschlag zum Substanzwert (EPRA-NAV ~16,70 € vs. Kurs 11,30 €) notiert. Der Rabatt ist aber kein Geschenk: teurer Schuldenhebel (Anleihen bis 7,25 %, LTV ~65 %), Klumpenrisiko Einzelhandel (87,6 %), Ein-Mann-Governance (Raudies 68,44 %) mit Related-Party-Geschäften und eine für 2025 gekürzte Dividende (0,45 → 0,35 €). Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
- Wenn Du die Aktie nicht hast
- Die belegten Risiken überwiegen aus unserer Sicht deutlich — wir sehen keine Grundlage für einen Einstieg.
- Wenn Du sie im Depot hast
- Die Befunde sind aus unserer Sicht gewichtig genug, das eigene Engagement kritisch zu hinterfragen.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Deutsche Gesellschaft ohne SEC-Filings: Belegzitate sind deutsche Originale aus dem Konzernabschluss/Konzernlagebericht 2025 (Testatsexemplar); Kurs, EPRA-NAV, Segmentverteilung und Analysten-Kursziel stammen aus der Kapitalmarktpräsentation Juli 2026 (Kurs-Stand 30.06.2026).
- FCR weist keinen offiziellen LTV-Prozentwert aus (nur als Covenant-Kennzahl in Kreditverträgen genannt); die genannten „rund 65 %" sind eine Näherung aus Finanzverbindlichkeiten (261,2 Mio. €) abzüglich liquider Mittel im Verhältnis zum Immobilienvermögen (396,6 Mio. €).
- Bei Immobilien-AGs sind FFO (Ertragskraft), NAV (Substanz) und die Finanzierungsstruktur (Verschuldung, Zinsen) die maßgeblichen Kennzahlen; das Kurs-Gewinn-Verhältnis bildet die Realität nur unzureichend ab und kann eine Value-Falle verschleiern.
Häufige Fragen
FCR ist ein bayerischer Bestandshalter (Sitz Pullach), der Fachmarktzentren und Nahversorger in deutschen Klein- und Mittelstädten kauft, hält und vermietet. Ende 2025 waren es 81 Objekte mit rund 445.000 m² Fläche und einem Fair Value von 396,6 Mio. €; 87,6 % der Mieten stammen aus dem Segment Handel. Die annualisierte Nettomiete liegt bei gut 31 Mio. €, die Vermietungsquote bei 94,6 %.
Bei einem Kurs von 11,30 € (30.06.2026) notiert FCR rund ein Drittel unter dem EPRA-NAV von etwa 16,70 € je Aktie. Der Abschlag spiegelt aber Risiken: einen hohen, teuer verzinsten Schuldenhebel (Anleihen zu 6,25 %/7,25 %, LTV ~65 %), ein Klumpenrisiko im Einzelhandel (87,6 % der Mieten) und die Kontrolle durch einen Mehrheitsaktionär mit Related-Party-Geschäften. Ob Schnäppchen oder Value-Falle, hängt an diesen Punkten — nicht am NAV allein.
Der IFRS-Konzernjahresüberschuss sank von 21,8 auf 12,6 Mio. € (Ergebnis je Aktie 1,28 € nach 2,21 €), weil 2024 ein einmaliger Buchgewinn von rund 15,5 Mio. € aus dem Teilverkauf der Beteiligung Immoware24 enthalten war. Ohne diesen Sondereffekt war das Kerngeschäft stabil — der FFO (operativer Mittelüberschuss) stieg sogar um 6 % auf 7,4 Mio. €.
Die Finanzverbindlichkeiten lagen Ende 2025 bei 261,2 Mio. €, darunter Unternehmensanleihen zu 6,25 % (bis 2030) und 7,25 % Zins. Einen offiziellen LTV weist FCR nicht aus; grob gerechnet liegt er bei rund 65 % — hoch im Branchenvergleich (DEFAMA 57,8 %, große Wohnungsvermieter gut 40 %). Die Eigenkapitalquote verbesserte sich 2025 aber von 32,3 auf 35,5 %.
Rund 68,44 % der Stimmrechte liegen bei drei Gesellschaften (RAT Asset & Trading, CM Center Management, Mambo Vermögensverwaltung), die dem Vorstandsvorsitzenden Falk Raudies zuzurechnen sind. FCR ist damit eigentümergeführt; Kleinaktionäre sind bei Abstimmungen überstimmt. Der Konzern tätigt zudem Geschäfte mit nahestehenden Personen, unter anderem einen Management-Vertrag mit der Ehefrau des Vorstands (138.000 € Vergütung 2025).
Für das Geschäftsjahr 2024 wurden 0,45 € je Aktie ausgeschüttet. Für 2025 schlägt der Vorstand nur noch 0,35 € je Aktie vor — die Dividende wird also gekürzt. Das Management priorisiert damit die Bilanz über die Ausschüttung; bei einem Kurs von 11,30 € entspricht die neue Dividende gut 3 % Rendite.
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