Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Electromed: 78 Prozent Bruttomarge, null Schulden — und dreizehn Monate, bis das Geld ankommt

Electromed: 78 Prozent Bruttomarge, null Schulden — und dreizehn Monate, bis das Geld ankommt

Es gibt Firmen, bei denen jede Kennzahl stimmt: Electromed verkauft seit 2000 eine Weste, die Lungenpatienten den Schleim aus den Atemwegen rüttelt, verdient daran 78,5 Prozent Bruttomarge (neun Monate bis 31. März 2026), hat keinen Cent Finanzschulden und steigerte den Umsatz von 48,1 auf 64,0 Millionen US-Dollar in zwei Geschäftsjahren. Der Quartalsbericht vom 12. Mai 2026 nennt aber auch die Zeile, die keine Kennzahl zeigt: 28.251.000 US-Dollar Forderungen — und einen normalen Geschäftszyklus von rund dreizehn Monaten, weil rund 96 Prozent des Heimversorgungsumsatzes aus gedeckelten Ratenvereinbarungen mit Krankenversicherungen stammen. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wie lange ein Unternehmen auf sein eigenes Geld warten kann, bevor es zum Geschäftsmodell gehört.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (ELMD)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Electromed: 78 Prozent Bruttomarge, null Schulden — und dreizehn Monate, bis das Geld ankommt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Denkfalle, die uns schon im Alltag begleitet, lange bevor wir die erste Aktie kaufen: die Kassenbon-Illusion. Wenn der Bon aus der Kasse rattert, ist das Geschäft in unserem Kopf abgeschlossen. Ware raus, Geld drin, fertig. Genau dieses Gefühl übertragen wir auf Unternehmenszahlen. Da steht „Umsatz 64,0 Millionen US-Dollar“, und im Kopf klingelt eine Kasse. Nur ist ein gebuchter Umsatz kein Geld auf dem Konto — er ist ein Versprechen darauf. Bei Electromed, Inc. (NYSE American: ELMD) ist dieser Unterschied kein Randthema, sondern das Geschäftsmodell selbst. Machen wir also einen Deal: Bevor du dich von einer sehr ordentlichen Kennzahlenlage einlullen lässt, lesen wir gemeinsam, was die Firma der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025 vom 26. August 2025 und vor allem den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 12. Mai 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einer kerngesunden kleinen Firma, von einem einzigen Produkt, von 78 Prozent Bruttomarge — und von rund dreizehn Monaten, die vergehen, bis das Geld tatsächlich da ist. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Was Electromed eigentlich macht — die Weste, die für dich hustet

Stell dir vor, deine Lunge produziert dauerhaft zu viel zähen Schleim und du bekommst ihn nicht heraus. Genau das passiert bei Bronchiektasen (dauerhaft erweiterten, geschädigten Bronchien), bei Mukoviszidose und bei neuromuskulären Erkrankungen wie ALS oder Zerebralparese: Der Schleim bleibt liegen, Bakterien siedeln sich darin an, es folgen Infekte, Antibiotika, Krankenhaus. Die klassische Behandlung ist eine Physiotherapie, bei der ein Therapeut den Brustkorb rhythmisch abklopft. Electromed baut die Maschine, die das übernimmt: das SmartVest-System — ein programmierbarer Luftimpulsgeber, ein Schlauch und eine aufblasbare Weste, die den Brustkorb bis zu mehrmals pro Sekunde zusammendrückt und wieder loslässt. Fachlich heißt das HFCWO („High Frequency Chest Wall Oscillation“, also hochfrequente Brustwandschwingung). Im Alltagsbild: Die Weste hustet für dich, und zwar zu Hause, ohne fremde Hilfe.

Verkauft wird das Gerät nicht im Laden. Es braucht ein ärztliches Rezept, und der eigentliche Kraftakt beginnt danach: Electromed übernimmt selbst die Formulare, den Antrag bei der Krankenversicherung, die Abrechnung, die Auslieferung und die Einweisung beim Patienten zu Hause. Der Geschäftsbericht nennt das ein direct-to-patient and provider model — die Firma schaltet den üblichen Zwischenhändler für Heimmedizintechnik aus und verdient dafür Herstellermarge und Händlermarge in einem. Das ist der Grund für die auffällig hohe Bruttomarge. Es ist zugleich der Grund für alles, was in dieser Analyse noch kommt.

Wie eng dieses Geschäft gefasst ist, sagt die Firma im Quartalsbericht selbst — und zwar in einem Satz, den man zweimal lesen sollte:

„We have a single active product and engage in the single business activity of selling and supporting that single product.“

Übersetzung: „Wir haben ein einziges aktives Produkt und gehen der einzigen Geschäftstätigkeit nach, dieses eine Produkt zu verkaufen und zu betreuen.“

— Electromed, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 10 (Segmentberichterstattung)

Gelb markierte Textstelle aus dem Electromed-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 10: Das Unternehmen hat ein einziges berichtspflichtiges Segment und ein einziges aktives Produkt.
Die markierte Stelle im Original: ein Segment, ein Produkt, ein Geschäft. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Gerät gibt es in zwei Ausführungen: dem älteren SmartVest SQL (seit 2014 im Heimmarkt) und dem SmartVest Clearway, der im November 2022 die FDA-Freigabe nach dem sogenannten 510(k)-Verfahren erhielt — dem vereinfachten US-Zulassungsweg für Medizinprodukte, die einem bereits zugelassenen Gerät gleichwertig sind. Gefertigt wird alles am Firmensitz in New Prague, Minnesota, in einer eigenen Halle von über 14.000 Quadratfuß, zertifiziert nach ISO 13485. Zum 30. Juni 2025 hatte Electromed 180 Beschäftigte, davon 177 in Vollzeit, verteilt auf 31 US-Bundesstaaten; dazu kamen rund 176 selbstständige Atemtherapeuten, die die Patienten zu Hause einweisen.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes weitere Kapitel: Electromed ist finanziell so gesund, wie eine Kleinstfirma an der Börse nur sein kann — schuldenfrei, profitabel, wachsend. Und trotzdem hängt praktisch jeder Dollar Umsatz an einer Schätzung und an Zahlern, die sich rund dreizehn Monate Zeit lassen.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Auf die Rechercheliste kam Electromed über den hauseigenen Aktien-Scanner. Dort stand ELMD am 26. Juli 2026 in der US-Auswahl des Scanners „Fundamental Rank (A / A+)“ — einer Liste, die jede Aktie im Vergleich zu allen anderen bewertet: Gewinn- und Umsatzwachstum, Gewinnüberraschungen, Marge und Margenausweitung, Bilanzsicherheit, Eigenkapitalrendite, Ertragsstabilität. Zum selben Stichtag zählte der Scanner 38 US-Treffer in dieser Liste; die Seite zeigt davon die ersten 25 Zeilen, und Electromed steht darunter.

Bemerkenswert ist nicht der eine Treffer, sondern die Gesellschaft, in der er steht. Am 26. Juli 2026 tauchte ELMD in zwölf Listen gleichzeitig auf — und die teilen sich sauber in zwei Lager. Auf der Qualitätsseite stehen neben dem Fundamental Rank auch „Qualitäts-Wachstum“ und „Profis 80 %“. Auf der Trendseite stehen „Stan Weinstein: Stage 2“ (die Phase nach einer Bodenbildung, in der ein Aufwärtstrend läuft), „Power Trend“, „ATH“ und „Nahe 52-Wochen-Hoch“, dazu „Über 50- & 200-SMA“, „21-EMA-Trend“ und „Hohe ADR (≥5 %)“. Zwei Hinweise gehören sofort dazu: Diese Listen werden täglich neu berechnet, was am 26. Juli 2026 galt, kann in einer Woche anders aussehen. Und eine Aktie, die gleichzeitig in Qualitäts- und Hochlauf-Listen steht, ist genau die Konstellation, bei der die Kassenbon-Illusion am besten funktioniert: Der Kurs bestätigt scheinbar, was die Kennzahlen versprechen.

So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ öffnen → „Fundamental Rank (A / A+)“ wählen → die Zeile ELMD suchen.

Die harten Bewertungsnoten stützen das Bild. Zum Datenstand 24. Juli 2026 lag der Piotroski-F-Score bei 7 von 9 — eine Neun-Punkte-Checkliste für Bilanzgesundheit, bei der 7 solide ist, aber eben nicht die Bestnote. Der Altman-Z-Wert, ein Frühwarnmaß für Insolvenzgefahr, stand bei 15,58; alles über 3 gilt als sicher, 15 ist praktisch außerhalb der Skala und schlicht die Folge davon, dass diese Firma keine Schulden hat. Der Beneish-M-Score, der auf Muster geschönter Bilanzen anschlägt, lag bei −2,77 und damit im unauffälligen Bereich. Die Eigenkapitalrendite betrug 21,7 Prozent, die Gesamtkapitalrendite 14,9 Prozent. Merke dir dieses Bild — es ist echt. Die Frage ist nur, was es nicht misst.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Und das ist bei Electromed eine Menge. Wichtig zum Verständnis: Das Geschäftsjahr endet am 30. Juni. Das Geschäftsjahr 2025 umfasst also den Zeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025.

Der Umsatz stieg von 48,067 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2023 über 54,716 Millionen (2024) auf 64,000 Millionen (2025) — zwei Jahre mit 13,8 und 17,0 Prozent Zuwachs. Der Nettogewinn wuchs dabei schneller als der Umsatz: von 3,166 über 5,150 auf 7,537 Millionen US-Dollar. Das ist die Sorte Reihe, die man bei Kleinstfirmen selten sieht, und sie ist nicht durch Zukäufe entstanden, sondern durch mehr Außendienstler und höhere Erlöse je genehmigtem Fall.

Balkendiagramm Umsatz und Nettogewinn von Electromed in den Geschäftsjahren 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz 48,1 / 54,7 / 64,0 (blau), Nettogewinn 3,2 / 5,2 / 7,5 (grün). Der Gewinn wächst prozentual schneller als der Umsatz.
Zwei Reihen, ein Muster: Der Umsatz legte in zwei Geschäftsjahren um ein Drittel zu, der Nettogewinn mehr als verdoppelte sich. Geschäftsjahr endet am 30. Juni; beide Reihen stammen aus den geprüften Jahresabschlüssen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Trend hat sich im laufenden Geschäftsjahr 2026 nicht nur fortgesetzt, er hat sich beschleunigt. In den ersten neun Monaten bis zum 31. März 2026 stieg der Umsatz um 16,6 Prozent auf 54,359 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn um 48,1 Prozent auf 7,900 Millionen — im Neunmonatszeitraum also schon mehr als im gesamten Vorjahr. Allein im dritten Quartal (Januar bis März 2026) kamen 18,575 Millionen Umsatz (+18,4 Prozent) und 3,003 Millionen Gewinn (+58,8 Prozent) zusammen.

Noch aussagekräftiger ist die Marge. Die Bruttomarge — also der Anteil des Umsatzes, der nach den reinen Herstellkosten übrig bleibt — kletterte von 76,0 Prozent (Geschäftsjahr 2023) über 76,3 und 78,1 Prozent auf 78,5 Prozent in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026. Zum Vergleich: Ein normaler Industriebetrieb liegt bei 25 bis 35 Prozent. Diese Zahl ist der finanzielle Beweis dafür, dass das Ausschalten des Zwischenhändlers funktioniert. Und die operative Marge — was nach allen Kosten übrig bleibt — zog von 8,3 Prozent (2023) über 12,0 und 15,1 Prozent auf 18,5 Prozent an. Das ist keine Kostensenkung, das ist Größendegression: Der Vertriebsapparat wächst langsamer als der Umsatz, den er einbringt.

Und die Bilanz? Sie ist beinahe langweilig, und das ist ein Kompliment. Zum 31. März 2026 standen einer Bilanzsumme von 59,474 Millionen US-Dollar gerade einmal 10,307 Millionen Gesamtverbindlichkeiten gegenüber — Lieferantenrechnungen, Personalrückstellungen, Garantierückstellungen. Keine einzige verzinsliche Schuld. In der Kasse lagen 16,985 Millionen, das Eigenkapital betrug 49,167 Millionen, das Nettoumlaufvermögen 40,002 Millionen. Wer sich fragt, warum der Altman-Z-Wert bei 15,58 steht: Das ist der Grund.

Was in den Berichten steht — vier unbequeme Wahrheiten

Jetzt drehen wir das Bild um. Nichts von dem, was gleich kommt, macht Electromed zu einer schlechten Firma. Aber jede dieser vier Zeilen steht in einem Pflichtdokument, und keine davon taucht in einer Kennzahl auf.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Fast der gesamte Umsatz ist eine Schätzung

Wenn ein Bäcker ein Brot verkauft, steht der Preis fest. Bei Electromed nicht. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 sagt, wie es wirklich läuft:

„Capped installment payment arrangements represent the majority of Electromed's variable consideration. For the periods presented, amounts subject to capped installment payment arrangements represented a significant portion of net revenues, accounting for approximately 96% of net revenues in the homecare market.“

Übersetzung: „Gedeckelte Ratenzahlungsvereinbarungen machen den größten Teil der variablen Gegenleistung von Electromed aus. In den dargestellten Zeiträumen entfiel auf Beträge aus gedeckelten Ratenzahlungsvereinbarungen ein wesentlicher Teil der Nettoumsätze, nämlich rund 96 Prozent der Nettoumsätze im Heimversorgungsmarkt.“

— Electromed, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 2 (Umsatzerlöse)

Gelb markierte Textstelle aus dem Electromed-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 2: Rund 96 Prozent der Nettoumsätze im Heimversorgungsmarkt entfallen auf gedeckelte Ratenzahlungsvereinbarungen.
Die markierte Stelle im Original: rund 96 Prozent des Heimversorgungsumsatzes aus gedeckelten Ratenvereinbarungen — also aus geschätzten Beträgen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in Alltagssprache: Die Krankenversicherung zahlt das Gerät nicht auf einen Schlag, sondern in Raten über Monate — und nur so lange, wie der Patient es tatsächlich benutzt und versichert ist. Stirbt der Patient, wechselt er die Versicherung oder bricht er die Therapie ab, hören die Raten auf. Das Gerät bekommt Electromed trotzdem nicht zurück: Der Bericht hält ausdrücklich fest, dass der Patient „under no obligation to return the SmartVest System“ ist. Deshalb bucht die Firma den kompletten erwarteten Erlös schon bei der Lieferung — und muss dafür schätzen, wie viel am Ende wirklich hereinkommt. Grundlage sind historische Genehmigungsquoten, Zahlungs- und Abbruchmuster sowie Patientendaten.

Der Heimversorgungsmarkt machte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 16,732 von 18,575 Millionen US-Dollar aus, also 90,1 Prozent des Umsatzes. Rechnet man die 96 Prozent darauf, hängen rund 86 Prozent des gesamten Konzernumsatzes an einer Schätzung. Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenprobe, und die fällt gut aus: Der Geschäftsbericht für 2025 hält fest, dass die Zahlungsmuster über fünf Jahre stabil geblieben sind und nachträgliche Korrekturen früherer Perioden in den Geschäftsjahren 2025 und 2024 unwesentlich waren. Die Schätzung hat also bisher funktioniert. Sie bleibt trotzdem eine Schätzung — und sie ist der Hebel, an dem sich die Ertragslage dieser Firma am schnellsten drehen ließe.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Dreizehn Monate, bis das Geld da ist

Hier wird die Kassenbon-Illusion konkret. Zum 31. März 2026 standen 28,251 Millionen US-Dollar Forderungen in der Bilanz — nach 24,660 Millionen zum 30. Juni 2025 und 23,333 Millionen zum 30. Juni 2024. Das sind fast 48 Prozent der gesamten Bilanzsumme und mehr als das Anderthalbfache eines Quartalsumsatzes. Der Bericht erklärt auch, warum:

„Under certain payer programs, cash collection occurs through interim payments and final settlement over a period greater than one year, generally approximating thirteen months. The Company has determined that this collection period represents its normal operating cycle.“

Übersetzung: „Bei bestimmten Kostenträgerprogrammen erfolgt der Zahlungseingang über Zwischenzahlungen und eine Schlussabrechnung über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr, im Regelfall rund dreizehn Monate. Das Unternehmen hat festgestellt, dass dieser Einzugszeitraum seinem normalen Geschäftszyklus entspricht.“

— Electromed, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 2 (Vertragssalden)

Gelb markierte Textstelle aus dem Electromed-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 2: Der Zahlungseingang erstreckt sich über rund dreizehn Monate, was das Unternehmen als seinen normalen Geschäftszyklus einstuft. Darüber die Forderungen von 28.251.000 US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: rund dreizehn Monate bis zur Schlussabrechnung — deshalb gelten diese Forderungen nach ASC 210-10-45 trotzdem als kurzfristig. Darüber sichtbar: 28.251.000 US-Dollar Forderungen zum 31. März 2026. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist der Kern. Weil der Geschäftszyklus offiziell dreizehn Monate dauert, darf Electromed diese Forderungen nach der US-Bilanzregel ASC 210-10-45 als kurzfristiges Umlaufvermögen ausweisen — obwohl ein Teil davon länger als ein Jahr braucht. Das ist regelkonform und völlig legal. Es bedeutet nur: Die Kennzahl „Nettoumlaufvermögen 40,0 Millionen US-Dollar“ klingt liquider, als sie ist.

Rechnen wir es in etwas Anschauliches um. Setzt man die Forderungen ins Verhältnis zum Umsatz der jeweils vorangegangenen zwölf Monate, ergeben sich 183 Tage zum 30. Juni 2023, 156 Tage zum 30. Juni 2024, 141 Tage zum 30. Juni 2025 und 144 Tage zum 31. März 2026 (eigene Berechnung).

Balkendiagramm: Forderungen von Electromed, umgerechnet in Tage Umsatz — 183 Tage zum 30.06.2023, 156 Tage zum 30.06.2024, 141 Tage zum 30.06.2025 und 144 Tage zum 31.03.2026.
Die gute Nachricht steckt im Verlauf: Der Forderungsberg ist gemessen am Umsatz seit 2023 deutlich kleiner geworden — von 183 auf zuletzt 144 Tage. Die schlechte: Auf diesem Niveau ist er strukturell, nicht vorübergehend. Eigene Berechnung, Basis Forderungen ÷ Umsatz der zwölf Monate davor × 365. Quelle: SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist eine ehrliche Verbesserung und spricht für die Abrechnungsabteilung: Nur 473.000 US-Dollar der Forderungen waren zum 31. März 2026 älter als ein Jahr — 1,7 Prozent des Bestands. Das Geld kommt also an, es kommt nur spät. Trotzdem zeigt sich der Effekt sofort im Zahlungsstrom: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 verdiente Electromed 7,900 Millionen US-Dollar, es flossen aber nur 6,671 Millionen operatives Bargeld herein — im Vorjahreszeitraum war es umgekehrt (5,333 Millionen Gewinn, 7,534 Millionen Bargeld). Der Unterschied steckt fast vollständig in einer Zeile: Die Forderungen wuchsen im Neunmonatszeitraum um 3,591 Millionen US-Dollar. Merksatz: Wachstum kostet bei dieser Firma erst einmal Geld, weil jeder neue Patient dreizehn Monate vorfinanziert werden will.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Produkt, ein Code, ein Preis

Electromed hat kein zweites Standbein. Das räumt der Quartalsbericht selbst ein (siehe das Zitat weiter oben), und es hat eine sehr konkrete Konsequenz: Der gesamte US-Heimversorgungsumsatz hängt an einem einzigen Abrechnungsschlüssel. Der Geschäftsbericht nennt ihn beim Namen — HCPCS-Code E0483, vergeben von der US-Gesundheitsbehörde CMS. Der Höchstbetrag, den Medicare dafür erstattet, liegt laut Bericht bei rund 15.000 US-Dollar je Gerät; die staatlichen Medicaid-Programme zahlen zwischen 8.000 und 15.000 US-Dollar, private Versicherer orientieren sich daran.

Das heißt: Den Preis des einzigen Produkts dieser Firma legt nicht die Firma fest, sondern eine Behörde. Wird der Erstattungsbetrag für E0483 gekürzt oder die medizinische Indikation enger gefasst, trifft das nicht ein Segment, sondern alles. Zur Einordnung: Auch ein Krankenhausbetreiber kann seine Preise nicht selbst setzen — wie stark diese Abhängigkeit ein Geschäftsmodell prägt, haben wir in der Analyse zu Encompass Health auseinandergenommen.

Die Konkurrenz ist dabei keine Ansammlung von Zwergen. Im selben Markt stehen laut Geschäftsbericht Baxter International (mit „The Vest“, der ursprünglichen HFCWO-Technologie aus dem früheren Hill-Rom-Geschäft), Philips (mit „inCourage“ aus dem Zukauf RespirTech) und Tactile Medical (mit „AffloVest“). Zwei Weltkonzerne und ein börsennotierter Spezialist gegen eine Firma mit 180 Beschäftigten. Dass Electromed dagegen wächst, ist bemerkenswert; dass es dabei bleibt, ist nicht garantiert.

Bemerkenswert ist auch eine Entscheidung, die im Kleingedruckten steht: Zum 30. Juni 2025 hielt Electromed 13 US-Patente und 46 ausländische, dazu 13 US-Marken und 112 ausländische Markenrechte. Seit dem vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 verlängert die Firma Patente außerhalb der USA und Mexikos nicht mehr. Das passt zur Umsatzverteilung — nur 0,4 Prozent der Erlöse kamen im Geschäftsjahr 2025 von außerhalb der USA, nach 1,0 Prozent im Jahr davor. Es bedeutet aber auch: Diese Firma hat den Rest der Welt bewusst abgeschrieben. Das spart Geld heute und schließt eine Wachstumstür für morgen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Fast die Hälfte des Geldes kommt vom Staat — im Jahr der Kürzungen

Wer zahlt die Rechnung? Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verteilte sich der Heimversorgungsumsatz von 16,732 Millionen US-Dollar so: 8,190 Millionen von privaten Versicherern (49,0 Prozent), 6,447 Millionen von Medicare (38,5 Prozent), 1,559 Millionen von Medicare-Zusatzversicherungen (9,3 Prozent), 0,256 Millionen von Medicaid (1,5 Prozent) und 0,280 Millionen aus sonstigen Quellen. Zusammengezählt hängen damit 49,4 Prozent des Heimversorgungsumsatzes an staatlich getragenen oder staatlich abgeleiteten Programmen — nach 47,3 Prozent im gesamten Geschäftsjahr 2025. Die Abhängigkeit vom Staat ist zuletzt nicht kleiner geworden, sondern größer.

Das wäre in ruhigen Zeiten eine Fußnote. Es ist aber keine ruhige Zeit. Der Geschäftsbericht für 2025 widmet der US-Gesetzgebung mehrere Seiten und wird dabei ungewöhnlich deutlich: Das am 4. Juli 2025 in Kraft getretene Gesetzespaket („One Big Beautiful Bill Act“) enthalte neben Steuersenkungen auch Kürzungen und verschärfte Anforderungen bei Medicaid, Medicare und der Krankenversicherungsreform — nach den zitierten Schätzungen soll die Zahl der Nichtversicherten dadurch bis 2034 um 11,8 Millionen steigen. Für Electromed hat dasselbe Gesetz auch eine angenehme Seite: Die beschleunigte Absetzbarkeit von Forschungsausgaben soll die Steuerzahlungen im Jahr 2026 um rund 428.000 US-Dollar senken. Beide Effekte stehen im selben Bericht — der kleine ist beziffert, der große nicht. Wie stark die Erstattungspolitik ein Heimversorgungsgeschäft prägt, zeigt auch unsere Analyse zu Aveanna Healthcare.

Bewertung — was der Markt für dieses Geschäft verlangt

Weil Tageskurse nichts über den Wert einer Firma sagen, arbeiten wir mit datierten Ankern. Zum Datenstand 24. Juli 2026 lag der Börsenwert von Electromed bei rund 333 Millionen US-Dollar. Zur Gegenprobe: Zum 5. Mai 2026 waren laut Deckblatt des Quartalsberichts 8.280.064 Aktien ausstehend, und eine Insider-Meldung (Form 4) vom 30. Juni 2026 dokumentiert einen Kurs von 42,30 US-Dollar. Beides multipliziert ergibt 350 Millionen — rund fünf Prozent Abstand zum Feed-Wert. Die Größenordnung ist also belastbar.

Daraus folgen drei Verhältniszahlen, jede als Größenordnung, nicht als Punktwert:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 4,6 — gemessen am Umsatz der letzten zwölf Monate von 71,752 Millionen US-Dollar (Stand 31. März 2026).
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 33 — der Gewinn der letzten zwölf Monate lag bei 10,1 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1,17 US-Dollar je verwässerter Aktie.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 6,7 — gegen 49,167 Millionen US-Dollar Eigenkapital zum 31. März 2026.

Ehrliche Einordnung: Das ist kein Schnäppchen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 unterstellt, dass der Gewinn weiter mit den zuletzt 48 Prozent Neunmonatstempo wächst — oder zumindest nicht abrupt stehen bleibt. Auf der anderen Seite kauft man dafür ein Geschäft mit 78 Prozent Bruttomarge, 21,7 Prozent Eigenkapitalrendite und ohne einen Cent Schulden. Wer zwei Bewertungsmaßstäbe gegeneinanderhält, sollte auch wissen: Weil in der Kasse 16,985 Millionen US-Dollar liegen und keine Schulden gegenüberstehen, ist der reine Unternehmenswert (Börsenwert minus Nettokasse) mit rund 316 Millionen etwas niedriger als der Börsenwert — bei dieser Firma ein Detail, bei einer verschuldeten wäre es der ganze Unterschied.

Der Blick der Profis hilft hier nur begrenzt weiter. Zum Datenstand 24. Juli 2026 lag das durchschnittliche Kursziel bei 40,33 US-Dollar und damit rund 0,7 Prozent über dem damaligen Bewertungsniveau — praktisch auf Höhe des Kurses. Bei einer Firma mit 333 Millionen US-Dollar Börsenwert und einem Streubesitz von nur 6,8 Millionen Aktien folgen solche Ziele dem Kurs oft eher, als dass sie ihn vorwegnehmen. Der Kurs selbst war zuvor kräftig gelaufen: Zum 24. Juli 2026 lag die Aktie 0,4 Prozent unter ihrem Allzeithoch, auf Zwölfmonatssicht 84 Prozent im Plus.

Was die Insider gemacht haben — und was die Firma unterließ

Genau in diese Aufwärtsphase fallen drei dokumentierte Insider-Verkäufe. Am 15. Mai 2026 übte Kathleen Skarvan 40.000 Optionen zu 3,82 US-Dollar aus und verkaufte dieselbe Stückzahl zu Kursen zwischen 34,36 und 37,33 US-Dollar. Am 4. Juni 2026 tat Finanzvorstand Bradley M. Nagel dasselbe im kleineren Maßstab: 9.601 Optionen zu 10,25 und 10,71 US-Dollar ausgeübt, 11.801 Aktien zu 36,34 und 37,11 US-Dollar verkauft. Am 8. Juni 2026 folgte Vorstandschef James L. Cunniff mit 9.700 Optionen zu 17,25 US-Dollar und dem Verkauf von 9.700 Aktien zwischen 36,25 und 37,77 US-Dollar. Solche Verkäufe direkt nach einer Optionsausübung sind Alltag und kein Alarmsignal; sie sind aber ein datierter Hinweis darauf, welchen Preis Menschen mit vollständiger Innensicht akzeptabel fanden.

Interessanter ist, was das Unternehmen in den Monaten davor unterließ. Am 9. September 2025 hatte der Verwaltungsrat einen Aktienrückkauf über bis zu 10 Millionen US-Dollar genehmigt, ohne Ablaufdatum. Bis zum 31. März 2026 waren davon 151.911 Aktien für 3,918 Millionen US-Dollar gekauft und eingezogen worden, im Schnitt zu 25,79 US-Dollar.

„As of March 31, 2026, a total of 151,911 shares have been repurchased and retired under this authorization for a total cost of $3,918,000, or an average of $25.79 per share.“

Übersetzung: „Zum 31. März 2026 wurden im Rahmen dieser Ermächtigung insgesamt 151.911 Aktien zurückgekauft und eingezogen, zu Gesamtkosten von 3.918.000 US-Dollar beziehungsweise durchschnittlich 25,79 US-Dollar je Aktie.“

— Electromed, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 7 (Stammkapital)

Gelb markierte Textstelle aus dem Electromed-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 7: Rückkaufermächtigung über 10.000.000 US-Dollar vom 9. September 2025, davon bis zum Stichtag 151.911 Aktien für 3.918.000 US-Dollar zu durchschnittlich 25,79 US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: 10 Millionen US-Dollar Ermächtigung, davon 3,918 Millionen abgerufen — Durchschnittspreis 25,79 US-Dollar. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Detailtabelle im selben Bericht ist noch aufschlussreicher: Im Januar 2026 kaufte die Firma 5.470 Aktien zu 27,72 US-Dollar. Im Februar 2026 und im März 2026 kaufte sie nichts. Übrig blieben 6,082 Millionen US-Dollar nicht abgerufene Ermächtigung. Weiter reicht die Tabelle nicht: Der Quartalsbericht endet am 31. März 2026, ob im Frühjahr wieder gekauft wurde, zeigt erst der Geschäftsbericht. Man muss daraus keine Prophezeiung machen — aber die Beobachtung ist sauber belegt: Dieselbe Firma, die bei 20 bis 26 US-Dollar beherzt eigene Aktien kaufte, hörte damit auf, als der Kurs anzog — Wochen bevor die Vorstände im Mai und Juni 2026 zwischen 34 und 38 US-Dollar verkauften. Im Geschäftsjahr 2025 hatte sie dafür noch 10,025 Millionen US-Dollar ausgegeben, mehr als ihren gesamten Jahresgewinn.

Bei der Verwässerung — dem Effekt, dass dein Stück vom Kuchen kleiner wird, wenn neue Stücke abgeschnitten werden — steht Electromed vergleichsweise gut da. Zum 31. März 2026 gab es 632.151 ausstehende Optionen (durchschnittlicher Ausübungspreis 10,95 US-Dollar), 65.374 noch nicht unverfallbare Restricted-Stock-Aktien und 94.891 Restricted Stock Units. Zusammen sind das 792.416 potenzielle Aktien oder rund 9,6 Prozent der 8.279.845 ausstehenden Papiere — spürbar, aber weit entfernt von den Größenordnungen, die man bei verlustreichen Kleinstfirmen sieht. Und unter dem Strich sank die Aktienzahl: von 8.637.883 zum 30. Juni 2024 auf 8.279.845 zum 31. März 2026.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Electromed spricht:

  • Sehr saubere Ertragsreihe: Umsatz von 48,067 (Geschäftsjahr 2023) über 54,716 auf 64,000 Millionen US-Dollar (2025), Nettogewinn von 3,166 auf 7,537 Millionen; im Neunmonatszeitraum bis 31. März 2026 nochmals +16,6 Prozent Umsatz und +48,1 Prozent Gewinn.
  • Außergewöhnliche Margen, die weiter steigen: Bruttomarge von 76,0 auf 78,5 Prozent, operative Marge von 8,3 auf 18,5 Prozent — Folge des Direktvertriebsmodells, das Hersteller- und Händlermarge in einer Hand bündelt.
  • Bilanz ohne jede Finanzschuld: 59,474 Millionen US-Dollar Bilanzsumme, 10,307 Millionen Gesamtverbindlichkeiten, 16,985 Millionen Kasse, 49,167 Millionen Eigenkapital (31. März 2026). Altman-Z 15,58, Piotroski 7 von 9 (Datenstand 24. Juli 2026).
  • Unterdurchdrungener Markt: Nach der im Geschäftsbericht zitierten Marktforschung lag der US-Heimversorgungsmarkt für HFCWO im Kalenderjahr 2024 bei rund 245 Millionen US-Dollar und wächst mit etwa 8 Prozent jährlich; die Zahl diagnostizierter Bronchiektasen-Patienten (rund 923.000) wächst mit rund 12 Prozent im Jahr, und nur etwa 16 Prozent davon erhalten HFCWO.
  • Wachstum aus eigener Kraft finanziert: keine Kapitalerhöhung, stattdessen Aktienrückkäufe über 10,025 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 und weitere 3,918 Millionen bis zum 31. März 2026 — die Aktienzahl sank von 8.637.883 auf 8.279.845.
  • Die Forderungsquote hat sich verbessert: von 183 Tagen Umsatz (30. Juni 2023) auf zuletzt 144 Tage (31. März 2026); nur 473.000 US-Dollar der Forderungen waren älter als ein Jahr.

Was dagegen spricht:

  • Ein einziges aktives Produkt und ein einziges Segment — laut eigenem Quartalsbericht. Es gibt kein zweites Geschäft, das einen Rückschlag auffangen könnte.
  • Rund 96 Prozent des Heimversorgungsumsatzes stammen aus gedeckelten Ratenvereinbarungen, deren Höhe geschätzt wird; die Heimversorgung machte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 90,1 Prozent des Umsatzes aus.
  • Ein Geschäftszyklus von rund dreizehn Monaten bindet dauerhaft Kapital: 28,251 Millionen US-Dollar Forderungen zum 31. März 2026, fast die Hälfte der Bilanzsumme. Deshalb lag der operative Mittelzufluss im Neunmonatszeitraum mit 6,671 Millionen unter dem Gewinn von 7,900 Millionen.
  • Der Preis des einzigen Produkts wird faktisch von der Gesundheitsbehörde bestimmt: Erstattung über den Code E0483, Medicare-Höchstbetrag rund 15.000 US-Dollar. 49,4 Prozent des Heimversorgungsumsatzes hingen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 an staatlichen Programmen — mehr als im Vorjahr.
  • Politisches Risiko mit Datum: Das Gesetzespaket vom 4. Juli 2025 kürzt bei Medicaid und Medicare; der Geschäftsbericht selbst nennt eine erwartete Zunahme der Nichtversicherten um 11,8 Millionen bis 2034 und schreibt, die Auswirkungen könnten „material and adverse“ sein.
  • Konkurrenz mit sehr langem Atem: Baxter, Philips und Tactile Medical bearbeiten denselben Markt; Electromed hat 180 Beschäftigte und gab im Geschäftsjahr 2025 lediglich 996.000 US-Dollar für Forschung und Entwicklung aus — 1,6 Prozent des Umsatzes.
  • Bewertung ohne Sicherheitspuffer: rund 33-facher Gewinn und 4,6-facher Umsatz (Datenstand 24. Juli 2026), bei einer Aktie, die 0,4 Prozent unter ihrem Allzeithoch stand. Der Rückkauf der Firma ruhte im Februar und März 2026, während Vorstände im Mai und Juni 2026 zwischen 34 und 38 US-Dollar verkauften.
  • Die Kreditlinie über 10 Millionen US-Dollar läuft am 16. Dezember 2026 aus, wenn sie nicht verlängert wird; dafür ist praktisch das gesamte Firmenvermögen erstrangig verpfändet.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Kassenbon-Illusion. Ihr Problem ist nicht, dass sie uns zu schlechten Firmen führt — Electromed ist eine gute Firma. Sie wächst, sie verdient, sie hat keine Schulden, und sie hilft Menschen, die sonst schlechter atmen würden. Das Problem der Illusion ist, dass sie eine Frage überspringt, die bei genau diesem Geschäftsmodell die wichtigste ist: Wann kommt das Geld eigentlich an?

Die Antwort steht schwarz auf weiß im Quartalsbericht und lautet: nach rund dreizehn Monaten, in Raten, in geschätzter Höhe, überwiegend von Kostenträgern, deren Budgets gerade politisch verhandelt werden. Das ist kein Skandal, sondern der Preis für 78 Prozent Bruttomarge — wer den Zwischenhändler ausschaltet, erbt dessen Arbeit, und die besteht bei Medizintechnik nun einmal aus Formularen und Warten. Es bedeutet aber, dass zwei Kennzahlen bei dieser Firma weniger sagen, als sie zu sagen scheinen: das Nettoumlaufvermögen von 40,0 Millionen US-Dollar, das erst über dreizehn Monate flüssig wird, und der Umsatz selbst, der zu großen Teilen eine gut begründete Vorhersage ist.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 zu teuer?“, sondern: Traust du einer Firma mit einem Produkt, einem Erstattungscode und dreizehn Monaten Zahlungsziel zu, dass sie ihr Wachstum durchhält — in einem Jahr, in dem in Washington bei genau ihren Zahlern gekürzt wird? Wenn ja, hast du eine These, und die Berichte geben dir klare Messpunkte dafür: die Forderungen in Tagen Umsatz, den Anteil staatlicher Zahler und die Frage, ob der operative Mittelzufluss wieder über den Gewinn steigt. Wenn nein, hattest du eine sehr schöne Kennzahlentabelle. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Electromed-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäft und Wachstum positiv
Der Umsatz stieg von 48,067 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2023 über 54,716 Millionen (2024) auf 64,000 Millionen (2025) und legte in den neun Monaten bis zum 31. März 2026 um weitere 16,6 Prozent auf 54,359 Millionen zu. Getrieben wird das nicht von Zukäufen, sondern von mehr Außendienstlern und höheren Erlösen je genehmigtem Fall — im dritten Quartal 2026 entfielen 1,959 der 2,630 Millionen zusätzlichen Heimversorgungserlöse auf höhere Stückzahlen.
Bilanz positiv
Zum 31. März 2026 standen einer Bilanzsumme von 59,474 Millionen US-Dollar nur 10,307 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber, darunter keine einzige verzinsliche Schuld. In der Kasse lagen 16,985 Millionen, das Eigenkapital betrug 49,167 Millionen. Der Altman-Z-Wert von 15,58 und der Piotroski-Score von 7 von 9 (Datenstand 24. Juli 2026) bestätigen das Bild. Die Kreditlinie über 10 Millionen war nicht in Anspruch genommen.
Ertragsqualität und Mittelzufluss neutral
Die Marge steigt seit Jahren — Bruttomarge von 76,0 auf 78,5 Prozent, operative Marge von 8,3 auf 18,5 Prozent. Der Zahlungsstrom hält damit aber nicht Schritt: In den neun Monaten bis 31. März 2026 standen 7,900 Millionen US-Dollar Gewinn nur 6,671 Millionen operativem Mittelzufluss gegenüber, weil die Forderungen um 3,591 Millionen wuchsen. Im Vorjahreszeitraum war das Verhältnis noch umgekehrt (5,333 zu 7,534 Millionen).
Abhängigkeit von einem Produkt und einem Erstattungscode negativ
Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 hält fest, dass Electromed ein einziges aktives Produkt und ein einziges Geschäftssegment hat. Der Preis dieses Produkts wird im US-Heimmarkt faktisch über den Abrechnungscode E0483 gesetzt; der Medicare-Höchstbetrag lag laut Geschäftsbericht bei rund 15.000 US-Dollar je Gerät. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 hingen 49,4 Prozent des Heimversorgungsumsatzes an staatlichen Programmen — nach 47,3 Prozent im Geschäftsjahr 2025.
Umsatz auf Schätzbasis negativ
Rund 96 Prozent des Heimversorgungsumsatzes entfallen laut Quartalsbericht auf gedeckelte Ratenvereinbarungen, deren endgültige Höhe geschätzt wird — bei einem Heimversorgungsanteil von 90,1 Prozent also rund 86 Prozent des Konzernumsatzes. Der Geschäftsbericht für 2025 weist darauf hin, dass die Zahlungsmuster über fünf Jahre stabil blieben und Korrekturen früherer Perioden unwesentlich waren. Das mindert das Risiko, hebt es aber nicht auf.
Bewertung neutral
Zum Datenstand 24. Juli 2026 entsprach der Börsenwert von rund 333 Millionen US-Dollar dem 4,6-Fachen des Umsatzes der letzten zwölf Monate und rund dem 33-Fachen des Gewinns; die Aktie stand 0,4 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Bemerkenswert dazu die eigene Kaufhistorie der Firma: Der Rückkauf lief bis Januar 2026 zu durchschnittlich 25,79 US-Dollar und ruhte danach — 6,082 Millionen der Ermächtigung blieben offen.

Electromed ist eine der saubersten kleinen Bilanzen, die man an einer US-Börse findet: keine Finanzschulden, 78,5 Prozent Bruttomarge, drei Jahre steigender Gewinn, 16,985 Millionen US-Dollar Kasse und ein Produkt, das Patienten nachweislich hilft. Der Preis dieses Modells steht in derselben Bilanz: 28,251 Millionen US-Dollar Forderungen, ein normaler Geschäftszyklus von rund dreizehn Monaten und rund 96 Prozent des Heimversorgungsumsatzes aus gedeckelten Ratenvereinbarungen, deren Höhe geschätzt wird. Dazu ein einziges Produkt, ein einziger Erstattungscode und 49,4 Prozent des Heimversorgungsumsatzes aus staatlichen Programmen in einem Jahr, in dem dort gekürzt wird. Wer hier kauft, kauft Qualität mit einer sehr langen Leitung zwischen Umsatz und Geld. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Vorweg, damit kein Missverständnis entsteht: Diese Stufe hat nichts mit dem Kurs zu tun. Die Aktie ist gut gelaufen und mit dem rund 33-fachen Gewinn nicht billig, aber Preis ist kein Qualitätsmerkmal. Für die Firma selbst spricht sehr viel — keine Finanzschulden, 78,5 Prozent Bruttomarge, drei Jahre steigender Gewinn, ein Altman-Z von 15,58 und eine Forderungsquote, die sich von 183 auf 144 Tage Umsatz verbessert hat. Offen bleibt eine operative Kernfrage, und sie steht in den Berichten selbst: Electromed hat nach eigener Aussage ein einziges aktives Produkt, dessen Preis im Heimmarkt über einen einzigen Erstattungscode gesetzt wird, und rund 96 Prozent des Heimversorgungsumsatzes stammen aus gedeckelten Ratenvereinbarungen, deren Höhe geschätzt wird. Dazu kamen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 49,4 Prozent des Heimversorgungsumsatzes aus staatlichen Programmen — in einem Jahr, in dem der Geschäftsbericht selbst vor Kürzungen warnt. Das ist keine Existenzfrage: Die Bilanz trägt das mühelos. Es ist aber mehr als eine Formalie, und im Zweifel gilt die vorsichtigere Stufe. Deshalb Gelb: belegte Qualität, ein offener Klumpen. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Electromed über den hauseigenen Aktien-Scanner: Die Aktie stand am 26. Juli 2026 in der US-Auswahl des Scanners „Fundamental Rank (A / A+)“ (38 US-Treffer, davon 25 auf der Seite gelistet) und insgesamt in zwölf Listen, darunter „Qualitäts-Wachstum“, „Profis 80 %“, „Stan Weinstein: Stage 2“, „Power Trend“ und „Nahe 52-Wochen-Hoch“. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Zeitbezug: Das Geschäftsjahr von Electromed endet am 30. Juni. „Geschäftsjahr 2025“ bezeichnet den Zeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025; der jüngste ausgewertete Zwischenbericht ist das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 zum 31. März 2026, eingereicht am 12. Mai 2026. Alle Filings bis zum 2. Juli 2026 wurden durchgesehen; nach dem Quartalsbericht folgten nur Insider-Meldungen (Form 4), Verkaufsanzeigen (Form 144) und die jährliche Konfliktmineralien-Meldung (Form SD vom 29. Mai 2026).
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der Kursanker von 42,30 US-Dollar ist kein Tageskurs, sondern der in einer Insider-Meldung (Form 4) dokumentierte Kurs vom 30. Juni 2026. Zum Vergleich verkauften der Finanzvorstand am 4. Juni 2026 zwischen 36,34 und 37,11 US-Dollar und der Vorstandschef am 8. Juni 2026 zwischen 36,25 und 37,77 US-Dollar. Die Firma selbst kaufte zuletzt im Januar 2026 zu 27,72 US-Dollar zurück. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Electromed, Inc. (NYSE American: ELMD) aus New Prague in Minnesota baut und verkauft das SmartVest-System: eine aufblasbare Weste mit Luftimpulsgeber, die den Brustkorb in hoher Frequenz bewegt und so festsitzenden Schleim aus den Atemwegen löst. Genutzt wird sie bei Bronchiektasen, Mukoviszidose und neuromuskulären Erkrankungen. Es ist laut Quartalsbericht das einzige aktive Produkt der Firma; im Geschäftsjahr 2025 setzte sie damit 64,0 Millionen US-Dollar um.

Das ist historisch gewachsen und in den USA nicht ungewöhnlich. Für Anleger ist wichtig: Das „Geschäftsjahr 2025“ umfasst bei Electromed den Zeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 ist deshalb das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026, nicht das erste eines Kalenderjahres. Der Jahresabschluss erscheint jeweils im Spätsommer.

Weil die Krankenversicherungen in Raten zahlen. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 nennt einen normalen Geschäftszyklus von rund dreizehn Monaten: Zwischenzahlungen und eine Schlussabrechnung ziehen sich über mehr als ein Jahr. Deshalb standen zum Stichtag 28,251 Millionen US-Dollar Forderungen in der Bilanz — fast die Hälfte der Bilanzsumme und rund 144 Tage Umsatz.

HFCWO steht für „High Frequency Chest Wall Oscillation“, also hochfrequente Brustwandschwingung. Eine Weste drückt den Brustkorb mehrmals pro Sekunde zusammen und lässt wieder los. Dadurch löst sich zäher Schleim von den Bronchialwänden und wandert nach oben, wo er abgehustet werden kann. Der Vorteil gegenüber der klassischen Klopf-Physiotherapie: Der Patient kann die Therapie allein zu Hause durchführen.

Deutlich. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 entfielen 6,447 Millionen US-Dollar des Heimversorgungsumsatzes auf Medicare, 1,559 Millionen auf Medicare-Zusatzversicherungen und 0,256 Millionen auf Medicaid — zusammen 49,4 Prozent. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 47,3 Prozent. Zusätzlich orientieren sich private Versicherer bei ihren Erstattungssätzen an den Medicare-Vorgaben zum Abrechnungscode E0483.

Keine verzinslichen. Zum 31. März 2026 standen 59,474 Millionen US-Dollar Bilanzsumme nur 10,307 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber, und darin steckt keine Finanzschuld. Es gibt eine Kreditlinie über 10 Millionen US-Dollar bei der BMO Bank N.A. vom 16. Dezember 2025, die zum Stichtag nicht in Anspruch genommen war. Sie läuft am 16. Dezember 2026 aus, wenn sie nicht verlängert wird.

Nein. Die Firma behält ihre Gewinne im Unternehmen und gibt Geld stattdessen über Aktienrückkäufe zurück: 10,025 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 und weitere 3,918 Millionen bis zum 31. März 2026. Die neue Kreditlinie würde eine Dividende ausdrücklich nicht verbieten, solange kein Zahlungsverzug vorliegt — angekündigt ist trotzdem keine.

Im selben Markt stehen laut Geschäftsbericht drei Anbieter: Baxter International mit „The Vest“ (der ursprünglichen HFCWO-Technologie aus dem früheren Hill-Rom-Geschäft), Philips mit „inCourage“ aus dem Zukauf RespirTech und Tactile Medical mit „AffloVest“. Electromed ist mit rund 180 Beschäftigten der kleinste dieser Wettbewerber — und wächst trotzdem.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?